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Moderne Methoden der Beschaffung

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Moderne Methoden der Beschaffung Powered By Docstoc
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                                     WS
                                     Hochschule Darmstadt




      Moderne Methoden der Beschaffung
Der Einkauf im Wandel
Kurzfassung



Projektteam:

Maik Assmann      Richard Kühne
Julian Bürklein   Andy Lie
Oliver Esch       Isabel Mehl
Cornelia Hahn     Simon Munder
Hans Fousseni     Robert Schreiber
Boris Jost        Florian Taufer
Martin Kappner    Vi Quan Tran
Majid Khan        Patrick Werle
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                   Vorwort


Auf Grund der zunehmenden Bedeutung des Internets
hat es sich für Unternehmen als profitabel herausgestellt,
neue und moderne Wege der Beschaffung zu nutzen. Mit
Hilfe der internetbasierten elektronischen Beschaffung, die
auch als electronic Procurement oder kurz eProcurement
bezeichnet wird, können zahlreiche Vorteile erzielt werden,
die vor allem Zeit- und Kostenersparnisse umfassen. Die
folgende Ausarbeitung soll die Möglichkeiten aufzeigen, wie
der herkömmliche, aufwändige und papierbasierte Beschaf-
fungsprozess durch einen durchgängigen elektronischen er-
setzt werden kann.
Einen besonderen Schwerpunkt haben dabei die sogenann-
ten elektronischen Standards (eStandards) inne, die die
Grundlage des eProcurements darstellen. Hierbei hat es
sich als sehr hilfreich erwiesen, mit PROZEUS kooperativ
zusammenzuarbeiten – eine Initiative, die durch das Minis-
terium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird.

Die Ausarbeitung richtet sich insbesondere an kleine und
mittlere Unternehmen, die die Vorteile der elektronischen
Beschaffung für sich nutzen wollen und kann somit als ein
Handbuch verstanden werden.

An dieser Stelle möchten wir zudem der IFCC GmbH, der
HPI GmbH sowie Dr. Monika Blender Consulting danken,
ohne deren finanzielle Unterstützung die Realisierung des
Projekts undenkbar gewesen wäre.




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                                    Inhalt


1   Begriff der Beschaffung                  7

2   Supplier Relationship Management         8

3   Entwicklung von Beschaffungsstrategien   10

4   Grundlagen des elektronischen Einkaufs   14

5   E-Standards                              17

6 Nutzen von kooperativen Konzepten          25




       6
5
                             1 Begriff der Beschaffung
„Die Beschaffung ist eine der betrieblichen Grundfunktionen. Ihr Gegenstand ist die Ge-
winnung und Bereitstellung von Produktionsfaktoren (Arbeit, Betriebsmittel, Werkstoffe)
für die Erfüllung der Unternehmenszwecke.“ (Witherton, P. G., 2007)


Beschaffung im weiteren Sinne be-        mensplanung zu berücksichtigen.        und    wettbewerbsentscheidenden
inhaltet die Produktionsfaktoren         Dadurch sollen Auswirkungen früh-      Unternehmensfunktion       gewach-
Personal, Kapital, Betriebsmittel,       zeitig erkannt, bzw. erst gar nicht    sen und dadurch in der Unterneh-
Werkstoffe und Informationen.            auftreten. Auf der strategischen       menshierarchie aufgestiegen. Es ist
Betrachtet man die Beschaffung           Seite sind die Vertragsanbahnung       anzunehmen, dass die Beschaffung
im engeren Sinne, so umfasst diese       und die Vereinbarung zu finden,         in Zukunft noch weiter an Bedeu-
Werkstoffe und Betriebsmittel. Im        Unter die operative Seite fallen die   tung gewinnen wird und der Erfolg
engsten Sinne bezieht sich die Be-       Abwicklung und Kontrolle des Be-       der Unternehmen in den nächsten
schaffung nur noch auf Werkstoffe        schaffungsprozesses.                   Jahren noch stärker von ihr geprägt
(Witherton, P. G., 2007).
Der Begriff Beschaffung ist eng mit
dem Begriff Einkauf verbunden.
Beide Bezeichnungen werden häu-
fig auch synonym verwendet. Dies
liegt unter anderem daran, dass sich
die Beschaffung in ihrer heutigen
Form aus dem traditionellen Ein-
kauf der Unternehmen entwickelt
hat. Beim klassischen Einkauf wur-
de lediglich darauf geachtet, Preise
niedrig zu halten und den Einkauf
der benötigten Materialien abzuwi-
ckeln. Materialien lassen sich in zwei
Kategorien unterteilen. Materialien,
die direkt in die Produktherstellung
eingehen, werden als direkte Mate-
rialien bezeichnet. Von indirektem
                                                               Abbildung 1: Beschaffungsprozess
Material spricht man, wenn dieses
nicht direkt in das Produkt einfließt,
sondern zur Aufrechterhaltung der        Bedeutung der Beschaffung für wird. Auch kleine und mittlere Un-
Unternehmensleistung dient. Ein          den Unternehmenserfolg              ternehmen sehen sich immer mehr
Typisches Beispiel ist Büromaterial                                          dem wachsenden Kosten- und Leis-
in einem Industriebetrieb.               Durch den Trend von verstärktem tungsdruck ausgesetzt. Daher müs-
                                         Outsourcing wurde in vielen Un- sen sich auch diese Unternehmen
                                         ternehmen die Wertschöpfungstiefe sich vermehrt mit dem Thema der
Strategiebegriff                         wesentlich reduziert. Dies hat zur Beschaffung auseinander setzen
                                         Folge, dass mehr Güter und Dienst- und sollten bereits heute ihre mo-
Eine Strategie ist eine langfristig      leistungen fremdbezogen werden. mentanen Einkaufsstrukturen über-
geplante Verhaltensweise, um die         Daher ist in den vergangenen Jahren prüfen.
Unternehmensziele zu erreichen,          die Bedeutung der Beschaffung für
mit dem Versuch unkontrollierbare        den Unternehmenserfolg signifikant
Kräfte und Trends in der Unterneh-       gestiegen. Sie ist zu einer gewinn-

                                                                                                        7
               2 Supplier Relationship Management
Das Supplier Relationship Management (SRM) umfasst die strategischen und operativen
Beschaffungsprozesse von einer Beschaffungsgesamtstrategie sowohl auch die des Lie-
ferantenmanagements. Ziel eines SRM-Systems ist die enge Anbindung aller Lieferanten
an das Unternehmen.

Drei-Ebenen-Modell des SRM             tract Management (Vertragsma-          zu gewährleisten. Als Zielvorgabe
                                       nagement) oder auch durch e-RFX        werden hier die Kostensenkung,
Das Drei-Ebenen-Modell beinhaltet      ,das für „electronic Request For X“    Gewinnmaximierung, ein effizien-
ein voneinander abhängiges System,     steht (X kann z.B. für Information,    tes und effektives Prozessablauf
das einen geschlossenen Kreis bil-     Kostenvorschlag, Preisangebot oder     und der Modernisierung gesetzt.
den muss, um die Prozessoptimie-       Angebot darstellen), und e-Auktion     Schaffung von Wettbewerbsvortei-
rung voll auszunutzen. Die Prozesse    durchgeführt werden.                   len durch die Auswahl strategischer
werden durch Beobachtungen und                                                Lieferanten
Analysen bewertet, bearbeitet und            3. Ebene – Operativer
regelmäßig durchgeführt.                      Beschaffungsprozess             Hier werden jeweils die Lieferanten
                                                                              in verschiedenen Kategorien unter-
    1. Ebene - Gesamtstrategie         In der dritten Ebene wird in der       schieden und nach Wichtigkeit sor-
         der Beschaffung               Materialgruppe des Unternehmens        tiert. Wichtigere Lieferanten werden
                                       ein Bedarfsmittel aufgestellt. Die     enger an das Unternehmen gebun-
Hier werden Ziele im Bereich des       Bedarfsermittlung kann man wiede-      den. Verknüpfungen kann man an
SRM festgelegt. Nach der Zielbil-      rum in direkte/indirekte Materialien   Hand von gemeinsamen Zielen die
dung werden strategische Analysen      und Dienstleistungen aufteilen. Bei    das Unternehmen mit dem Liefe-
erstellt, um einen hohen Optimie-      der direkten Materialbeschaffung       ranten festlegen. Als Richtlinie kann
rungsgrad zu sichern. Diese wird       wäre es z.B. die Vorratsbeschaffung,   man das IMPACT-Modell betrach-
in der Strategieformulierung festge-   Einzelbeschaffung oder die produk-     ten, das Geschäftsbedingungen als
legt und umgesetzt damit sie später    tionssynchrone Beschaffung (Just-      Grundlage für strategische Zielset-
in der Strategieimplementierung in     In-Time). Als indirekte Materialien    zung zwischen dem Unternehmen
das SRM-System eingefügt werden        bezeichnet man Katalogbeschaf-         und den Lieferanten sieht.
kann                                   fung, Freitextbeschaffung oder In-
                                       vestitionsgüterbeschaffung. Nach
     2. Ebene – Strategischer          der Bedarfsermittlung wird die Be-     Möglichkeiten der Lieferanten-
       Beschaffungsprozess             stellung über Desktop Purchasing       segmentierung
                                       System (DPS), e-Katalogen, Or-
Auf dieser Ebene werden die Ma-        dering, e-Collaboration oder Plan      Mit der klassischen A-B-C-Analyse
terialgruppen des Unternehmens         Driven Purchasing (Teil von ERP)       werden im SRM-System die Segmen-
betrachtet. Durch sorgfältige Quel-    festgelegt und abgewickelt. Die Be-    tierungen der Lieferanten festgelegt.
lenvorbereitung und –suche auf         stellung wird jedoch auch konventi-    Als strategisch wichtige Kriterien
der Materialgruppenebene kann          onell z.B. über Katalog und Telefon    wären im ersten Fall der einsehba-
man entweder durch halbautoma-         bearbeitet.                            re Einfluss auf den jetzigen und
tische oder internetgestützte Aus-                                            zukünftigen Umsatz, die Innova-
schreibungsprozesse einen Handel                                              tionsfähigkeit sowie das Wachs-
mit dem Lieferanten vereinbaren.       Implementierung von SRM                tum in der internen Organisation
Die Vereinbarung einer Preisver-                                              bzw. in der externen Dienstleis-
handlung wird dabei manuell oder       Bei der Implementierung versucht       tung. Zudem soll das intellektuelle
internetgestützt bearbeitet. Die       man hauptsächlich einen schnel-        Eigentum, das Wissen, die Kom-
Anbahnung bis zur Vereinbarung         len und transparenten Austausch        petenz und die Verfügung von
kann durch e-Collaboration (elek-      von Informationen zwischen dem         personellen Fähigkeiten gesichert
tronische Zusammenarbeit), Con-        Unternehmen und den Lieferanten        werden, damit die Konkurrenz
        8
keinen Vorteil auf der operativen
oder internen Ebene erlangen kann.
Durch das Wissen um den auf we-
nige Lieferanten begrenzten Markt,
ist das Unternehmen an langfristi-
gen und engen Beziehungen inte-
ressiert. Daraus ergibt sich ein er-
heblicher Machteinfluss, aber auch
eine gewisse Abhängigkeit der bei-
den Partner, der einen Wechsel der
Lieferanten ziemlich schwer oder
gar unmöglich macht. Ein weiteres
Kriterium ist auch der unabhängige
Einwirkungsgrad des Unternehmens
auf die Strategie des Lieferanten
und seine operative Leistung. Man
sollte in Betracht ziehen, dass das
Potenzial der gemeisamen Ge-
winnsteigerung höher liegt, wenn
man es vermeidet, sich gegenseitig
auszubeuten. Bei Beziehungen mit
Lieferanten, die aus anderen Län-
dern kommen oder andere Benut-
zeroberflächen verwenden, sind die
Vernetzung und die Prozessintegra-
tion zum Kunden von sehr hoher
Bedeutung. Somit werden die inter-
nen und externen Beziehungen ge-
stärkt. Ein Blick auf die derzeitige
und zukünftige Kostenstruktur, den
Cash-Flow oder die Bilanz kann
Auskunft über den potenziellen
Gewinn der beiden Partner geben
und eventuell die Kosten in einer
vorhersehbaren und nachhaltigen
Art und Weise kontrollieren helfen.




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         3 Entwicklung von Beschaffungsstrategien
Die Strategische Beschaffungsplanung, welche auch Beschaffungspolitik genannt wird
trifft langfristig ausgerichtete Entscheidungen. Die Ziele dieses Prozesses werden aus
den Unternehmenszielen abgeleitet und stellen Unterziele der betrieblichen Zielhierar-
chie da

Strategische Beschaffungs-            koordiniert, um die operative Be-          man Informationen über den
planung                               schaffungsplanung überwiegend zu           Beschaffungsmarkt sowie die
                                      automatisieren.                            Lieferantenstruktur bekommen.
Eine eindeutige Formulierung von
Unternehmenszielen ist zwingend       Die Entwicklung einer Beschaf- 3. Für die Gestaltung der Bezie-
notwendig. In Anlehnung an Kop-       fungsstrategie erfolgt in der Regel in hungen zu den Lieferanten for-
pelmann (Beschaffungsmarketing,       vier Schritten:                        muliert man Normstrategien.
1993) lassen sich die Ziele der Be-
schaffungsplanung wie folgt unter-                                          4. Implementierung (Umsetzung)
                                     1. Aus der Unternehmensstrate-            der entwickelten und formulier-
teilen:                                 gie werden strategische Zie-           ten Normstrategien.
                                        le der Beschaffung abgeleitet.
Sicherheitsziele                        Zu konkretisieren ist hierbei,
• Beschaffungsrisiko senken                                                 Zur Entwicklung einer optimalen
                                        welche Rolle die Lieferanten        Beschaffungsplanung werden ope-
• Beschaffungsflexibilität erhöhen       spielen und wie die Beziehun-       rative und strategische Handlungs-
Kostenziele                             gen zu diesen Lieferanten wei-      schritte abgeleitet, dazu werden in-
• Einkaufspreise senken                 terentwickelt werden sollen.        terne sowie externe Informationen
• Einkaufskosten senken                                                     benötigt, welche gesammelt, analy-
• Lagerhaltungskosten senken         2. Strategische Analyse, um weite-     siert und ausgewertet werden.
Qualitätsziele                          re Information über die interne     Die interne Analyse untersucht das
 • Angemessene Qualität                 Einkaufsorganisation und die        Unternehmen auf seine Stärken
 • Gewährleistung von Qualitäts-        zu beschaffenden Materialgrup-      und Schwächen hin. Voraussetzung
    standards                           pen zu erhalten. Ebenso will        dafür ist ein reibungsloses und funk-
Gemeinwohlorientierte Ziele
 • Soziale Gestaltungsziele (z.B.
    Förderung von Behinderten-
    werkstätten)
 • Strukturerhaltungsziele (z.B. Be-
    schaffung bei mittelständischen
    Betrieben)
Sonstige Ziele
 • Unterstützung anderer Funk-
    tionsbereiche (z.B. Gegenge-
    schäfte)
 • Wahrung der Unabhängigkeit
    des Unternehmens

Die Strategische Beschaffungs-
planung errichtet die Rahmenbe-
dingungen für die operative Be-
schaffungsplanung.    Bestehende                            Abbildung 2: Materialportfolio
Planungssysteme werden langfristig
       10
tionierendes Berichtswesen, damit        aufwendig sein darf, wird die Aus-      Versorgungsrisiko wird teilweise
die benötigten Informationen jeder-      wahl von Kernlieferanten benötigt.      auch empirisch ermittelt. Hier stellt
zeit verfügbar sind.                     Kernlieferanten besitzen eine hohe      sich die Frage, wie hoch das Aus-
Bei der externen Analyse werden In-      Versorgungssicherheit. Sie werden       fallrisiko eines Materials ist, also ob
formationen, die nicht im Einfluss-       regelmäßig auf den Prüfstand ge-        man sich auf stetigen Nachschub
bereich eines Unternehmens lie-          stellt und sollen nicht mehr als 10 –   verlassen kann. Aus dem Material-
gen, beschafft. Spezifisch wird hier      20 % der Gesamtzahl der Lieferan-       portfolio lassen sich verschiedene
das Umfeld und alle bedeutenden          ten ausmachen. Im Gegensatz dazu        Handlungsempfehlungen ablesen:
Märkte unter Berücksichtigung der        weisen die C-Güter einen geringen
Konkurrenz bzw. des Wettbewerbs          Wertanteil und einen hohen Men-         Standardmaterial
betrachtet und analysiert.               genanteil auf. Dadurch besitzen sie
                                         keine hohe strategische Bedeutung,       • Wertmäßiger Anteil am Beschaf-
                                         da sie einen geringen Einkaufs-            fungsvolumen: gering
Interne Analysen                         wert haben. Die Beschaffung von          • Materialbezogenes Versorgungs-
Einkauf und Material                     C-Gütern erfordert wenig Einsatz,          risiko: gering
                                         die Veränderung von Einflussfak-
Stärken-Schwächen-Analyse                toren eine geringe Auswirkung auf
                                         die Kosten hat. Es empfiehlt sich        Hebelmaterial
Die SWOT-Analyse ist ein verbrei-
tetes Instrument für die strategische
Planung. Zusätzlich ist sie ein ausge-
zeichnetes Instrument für eine ide-
ale Unternehmensführung. Anhand
der SWOT-Analyse werden Strate-
gien abgeleitet, die den langfristigen
Erfolg des Unternehmens gewähr-
leisten sollen. Sie ist in zwei Grup-
pen unterteilt. Die Stärke-Schwä-
che-Analyse (Strength/Weakness)
kontrolliert die Unternehmensin-
ternen Fähigkeiten und Ressourcen.
Die Unternehmensexternen Fakto-
ren werden aus der Chancen-Risiko-
Analyse (Opportunities/Threats)
gewonnen. Die Analyse muss regel-
mäßig wiederholt und durchgeführt
werden.
                                                                Abbildung 3: Lieferantenportfolio

ABC-Analyse                              die Sicherheitsbestände großzügig        • Wertmäßiger Anteil am Beschaf-
                                         fest zu legen und selten, aber dafür       fungsvolumen: hoch
Die ABC-Analyse, auch Pareto-            in großen Mengen zu bestellen. Die       • Materialbezogenes Versorgungs-
Analyse genannt, ist ein Hilfsmittel,    B-Güter nehmen eine Mittelstellung         risiko: gering
um komplizierte Sachverhalte und         ein. Sie variieren von Situation zu      • Strategie: Reduzierung der Ein-
Problemstrukturen überschaubar           Situation, wodurch sie entweder wie        standspreise, um die diesbezüg-
und vereinfacht darzustellen. Hier-      A-Güter oder C-Güter zu behan-             lichen Potenziale auf den Be-
bei wird das Wichtige von dem Un-        deln sind.                                 schaffungsmärkten ausnutzen zu
wichtigen getrennt.                                                                 können und Kosten zu sparen.
Die ABC-Analyse unterteilt Sach-
verhalte in drei verschieden Gü-         Entwicklung von
                                         Normstrategien                          Strategisches Material
teklassen A, B und C. A-Güter
zeichnen sich durch einen hohen                                                   • Wertmäßiger Anteil am Beschaf-
Wertanteil und einen geringen Men-       Materialportfolio
                                                                                    fungsvolumen: hoch
genanteil des Beschaffungsum-                                                     • Materialbezogenes        Versor-
satzes aus. Durch den hohen Ein-         Ein Materialportfolio stellt das Be-       gungsrisiko: hoch
kaufswert kommt ihnen eine große         schaffungsvolumen und das Versor-        • Strategie: Verfügbarkeit sicher-
strategische Bedeutung zu. Es lässt      gungsrisiko der Beschaffung gegen-         stellen
sich eine hohe Kostenreduzierung         über. Das Beschaffungsvolumen            • Aufbau von Wertschöpfungs-
durch eine kleine Veränderung der        wird aus der Analyse alter Daten-          partnerschaften, um die langfris-
Einflussfaktoren bewirken. Da die         bestände über Bestellmengen und            tige Verfügbarkeit der Materiali-
Disposition der A-Materialien sehr       benötigte Materialien ermittelt. Das
                                                                                                           11
   en durch Kooperation mit den        • Bei der Beschaffung von hoch-         gungsrisiko: gering
   jeweiligen Lieferanten sichern        spezifischen Materialien, wo der     • Strategie: Optimierung der Be-
   zu können                             Lieferant in hohe notwendige          schaffungsprozesse mit dem
                                         Vorleistungen investieren muss.       Lieferanten. Man sollte sich auf
Engpassmaterial                                                                einen oder wenige Lieferanten
                                      Multiple Sourcing beinhaltet die         konzentrieren, um durch die
                                      Zusammenarbeit mit mehreren              Bündelung der waren möglichst
 • Wertmäßiger Anteil am Beschaf- Lieferanten. Ziel ist hierbei die            gute Einstandspreise zu erlangen
     fungsvolumen: gering             Stimulation eines Preis- und Leis-
 • Materialbezogenes Versorgungs- tungswettbewerbs zwischen den Hebellieferant
     risiko: hoch                     Lieferanten.
 • Strategie: Es besteht ein hohes                                           • Wertmäßiger Anteil am Beschaf-
     Versorgungsrisiko, sodass die Multiple Sourcing eignet sich vor al-        fungsvolumen: hoch
     Sicherstellung der Verfügbarkeit lem in zwei Fällen:                    • Lieferantenbezogenes Versor-
     im Vordergrund stehen sollte.                                              gungsrisiko: gering
                                       • Bei der Beschaffung von He- • Strategie: Reduzierung der Ein-
                                          belmaterialien, wo mehrere Lie-       standspreise durch Entschei-
Global Sourcing oder Local                feranten zur Verfügung stehen         dung für den Lieferanten, der
Sourcing                                  und die Entscheidung auf dieje-       die günstigsten Preise anbietet.
                                          nigen fallen kann, die die güns-
Unter Global Sourcing versteht man        tigsten Preise anbieten.          Strategischer Lieferant
die Konzentration des Einkaufs auf     • Bei der Beschaffung von
Weltmärkte. Im Gegensatz dazu             strategischem Material und • Wertmäßiger Anteil am Beschaf-
werden beim Local Sourcing die            vor allem Engpassmaterial             fungsvolumen: hoch
Güter auf dem heimischen Markt                                               • Lieferantenbezogenes Versor-
beschafft. Bei Anwendung von Das Baukasten- und das Gleich-                     gungsrisiko: hoch
Global Sourcing wird durch einen      verteilungsprinzip haben eine Re- • Strategie: Wertschöpfungspart-
größeren Einkaufsmarkt unter Um- duktion der zu beschaffenden Teile             nerschaften und langfristige
ständen eine Qualitätssteigerung      zum Ziel. Bei dem Baukastenprin-          Kooperationen aufzubauen, auf
der Einkaufsgüter erreicht. Durch     zip werden standardisierte Bauteile       der deren Basis die langfristige
das vergrößerte Angebot ist auch zu   beschafft, welche zu individuellen        Verfügbarkeit der erforderli-
erwarten, dass Unternehmen güns-      Endprodukten        zusammengefügt        chen Materialien sichergestellt
tigere Konditionen erreichen als bei  werden. Die Gleichverteilung hat          werden kann.
einem ausschließlichen Einkauf auf    zum Ziel, dass Einzelteile verein-
dem heimischen Markt. Allerdings heitlicht werden. Durch eine Anpas- Engpasslieferant
müssen Unternehmen mit steigen- sung von Qualität, Abmessungen
den Transportkosten rechnen.          und Form können Bauteile zu ver- • Wertmäßiger Anteil am Beschaf-
                                      schiedenen Endprodukten gefertigt         fungsvolumen: gering
                                      werden. Beide Strategien liefern Be- • Lieferantenbezogenes Versor-
                                      schaffungsvorteile bezüglich Koste-       gungsrisiko: hoch
Single oder Multiple Sourcing         neinsparungen.                         • Strategie: Für Engpasslieferan-
                                                                                ten gilt ähnliches wie für Eng-
Single Sourcing besteht im Gegen-                                               passmaterialien: Hier geht es vor
satz zu Multiple Sourcing aus dem Lieferantenportfolio                          allem darum, die Verfügbarkeit
Einkauf bei nur einem Lieferanten.                                              sicher zu stellen. Das kann man
Beide Strategien sind als Extremaus- Im Lieferantenportfolio wird das           z.B. durch entsprechende Ver-
prägungen auf einem Kontinuum Spannungsverhältnis von Beschaf-                  träge oder auch durch die Suche
zu verstehen, das letztlich auch Zwi- fungsvolumen und Versorgungsrisi-         nach einem Ersatzlieferanten,
schenlösungen zulässt.                ko grafisch dargestellt. Das Ziel des      der bei Bedarf hinzugezogen
                                      Portfolios ist es, mögliche strategi-     werden kann, machen.
Single Sourcing eignet sich prinzipi- sche Handlungsempfehlungen zur
ell in drei Fällen:                   Lieferantenintegration zu finden.
                                      Die beiden Dimensionen werden Anwendung von Lieferanten-
 • Bei der Beschaffung strategi- analog wie bei dem Lieferantenport- strategien
     scher Materialien, um langfris- folio ermittelt.
     tige     Wertschöpfungspartner-
     schaften und Kooperationen                                             Lieferantenunabhängig           oder
     aufbauen zu können.              Standardlieferant                     Forward Sourcing
 • Bei der Beschaffung von Stan-
     dardmaterialien, um durch die • Wertmäßiger Anteil am Beschaf- Beim Forward Sourcing wird der
     Bündelung bessere Preise erlan-      fungsvolumen: gering              Lieferant in die Produktplanung
     gen zu können                     • Lieferantenbezogenes Versor- mit einbezogen. Er wird also in
        12
den Erstellungsprozess integriert,
was bei langfristigen Entwicklungen
oder technischen Innovationen von
Vorteil sein kann. Das Unternehmen
kann sowohl von den Erfahrungen
des Lieferanten als auch von einem
höheren Innovationsgrad profitieren.
Allerdings muss das Unternehmen
die Herausgabe von Geschäftgeheim-
nisssen akzeptieren. Voraussetzun-
gen für die Realisierung von Forward
Sourcing sind vor allem eine hohe
Spezialisierung und ein hohes Inno-
vationspotenzial bei den Lieferanten.


Modular Sourcing        oder    Unit
Sourcing

Beim Modular Sourcing werden ferti-
ge Zwischenprodukte bzw. einbaufer-
tige Baugruppen von Lieferanten er-
worben, wodurch die Fertigungstiefe
verringert wird. Ein Hauptlieferant
übernimmt dabei meistens die Vor-
montage und Koordination der Un-
terlieferanten. Zum Einsatz kommt
System- bzw. Modular Sourcing in
der Automobilindustrie, wo z.B.
einbaufertige Stoßdämpfer geliefert
werden. Beim Unit Sourcing werden
wenig komplexe Bauteile vom Lie-
feranten bezogen und von diesem
zusammengefügt. Der Unterschied
zwischen Unit- und Modular/System
Sourcing liegt also im Wertschöp-
fungsumfang.


Autonome Beschaffung oder Co-
operative Sourcing

Cooperative Sourcing ist das Ge-
genteil von autonomer Beschaffung,
es handelt sich hierbei um eine Be-
schaffungskooperation von Firmen.
Diese zeichnet sich dadurch aus, dass
mindestens zwei Unternehmen, die
auf derselben Wertschöpfungsstu-
fe stehen, eine Einkaufskooperation
eingehen. Die Zusammenarbeit kann
unterschiedliche Formen annehmen
und reicht von der losen Zusammen-
arbeit bis zur Gründung einer Be-
schaffungsgesellschaft. Als Partner
dieser Einkaufskooperation kommen
grundsätzlich infrage: Unternehmen
in regionaler Nähe, branchenver-
wandte Unternehmen sowie Partner,
mit denen schon in anderen Berei-
chen zusammen gearbeitet wird.


                                        13
          4 Grundlagen des elektronischen Einkaufs
E-Procurement und damit die elektronische Beschaffung wird vor allem im Bereich des
betrieblichen Einkaufs genutzt. Wichtig ist hierbei, dass eine einheitliche Sprache bei
der Nutzung dieser elektronischen Beschaffung besteht. Das XML-Format hat sich als
das beste dafür erwiesen.

Einsatz von E-Procurement            allerdings nur dann sinnvoll, wenn         kann. Dies ist eine Erleichterung, da
                                     diese Homepage eine hohe Inter-            so keine Einkaufsabteilung dazwi-
Am häufigsten findet die Beschaf- netpräsenz besitzt und viele Besu-              schengeschaltet ist. Durch das DPS
fung über E-Procurement seine An- cher diese Seite auch nutzen.                 wird ein Rahmenvertrag mit Liefe-
wendung bei der Beschaffung von
indirekten Gütern. Indirekte Güter
sind innerhalb von offenen Syste-
men Materialien, die nicht direkt in
das Produkt einfließen, allerdings
auch einen sehr hohen unterstüt-
zenden Stellenwert für Unterneh-
men haben.


Nutzung von E-Procurement

E-Sourcing ist eine elektronische
Quellensuche und die drei bekann-
testen Arten des E-Sourcing beste-
hen aus den elektronischen Markt-
plätzen, dem Onlineshop sowie den
elektronischen Ausschreibungen.
Elektronische Marktplätze bieten
Unternehmen die Möglichkeit Ihre                        Abbildung 4: Stufen des Business Reengineering
Kataloge, welche sie selbst entwor-
fen haben einzustellen. Des Wei-        Genutzt wird diese Art der Aus-         ranten festgelegt. Darin enthalten
teren kann man Kataloge anderer         schreibung, da durch den Interne-       sind dann z.B. Preise sowie Rabatte.
Unternehmen, welche ebenso die-         tauftritt ein sehr geringer Verwal-
se Plattform nutzen einsehen und        tungsaufwand entsteht, da keine
auch untereinander austauschen.         Lieferanten gesucht werden müssen.      Ziele von E-Procurement
Dadurch können neue Unterneh-           Die Lieferanten reagieren auf dieser
mensverbindungen entstehen.             Plattform entweder von selbst auf       E-Procurement verfolgt vier we-
Online Shops erleichtern Unter-         das Angebot des Unternehmens            sentliche Ziele, dies sind Finanzzie-
nehmen den Austausch von Bestel-        oder es besteht kein Interesse von      le, Informationsziele, Prozessziele
lungen, da hier 24 Stunden am Tag       Seiten der Lieferanten.                 sowie Marktziele. Im Folgenden
Bestellungen angenommen und ver-                                                werden die einzelnen Ziele näher
sandt werden können.                    Desktop-Purchasing                      erläutert.
Elektronische Ausschreibungen bie-
ten Unternehmen eine weitere Mög-       Desktop-Purchasing Systeme (DPS)        Finanzziele können durch die Nut-
lichkeit Ihre Bedarfe zu veröffentli-   sind Anwendungsprogramme mit            zung von E-Procurement erreicht
chen. Oft ist es so, dass diese auf     denen jeder Mitarbeiter eines Unter-    werden, da elektronische Medien
der eigenen Unternehmens-Home-          nehmens selbständig Bestellungen        eine Minimierung der Fehlerkosten
page veröffentlicht werden. Dies ist    von Verbrauchsmaterialien eingeben      hervorrufen sowie Prozesskosten
        14
reduzieren. Ebenso führt dies zu       Innerhalb der Neustrukturierung bei   lagen um die Rechtssicherheit zu ge-
einer Zeitersparnis, da die Vorgänge   Einführung eines E-Procurement        währleisten und die oben genannten
schneller abgeschlossen werden kön-    Systems wird zwischen Geschäfts-      Probleme so weit wie möglich zu
nen. Zusammenfassend kann man          prozessen, rechtlichen Grundlagen     minimieren. Um diesen Problemen
sagen, dass durch die Nutzung des      sowie Sicherheit im Internet unter-   entgegenzuwirken gibt es unter an-
E-Procurement Unternehmen ihren        schieden.                             derem Richtlinien bei Onlinever-
Gewinn steigern können, da der Be-                                           tragsabschlüssen, dem Datenschutz
schaffungsaufwand abnimmt.             Die Anforderungen an die Verände- sowie dem Signaturgesetz.
                                       rungen innerhalb des Geschäftspro-
Informationsziele werden durch die     zesses können sehr umfassend sein. Sicherheit im Internet
schnelle Beschaffung von Informa-      So muss beispielsweise der Beschaf-
tionen über ein Produkt erreicht.      fungsprozess vollständig überarbei- Bei Vertragsabschlüssen und Rechts-
Somit wird die Suche von Produk-       tet und angepasst werden. Sollte geschäften welche Online geschlos-
tinformationen wie Preise, Rabatte     sich ein Unternehmen bei der Ein- sen werden müssen juristische und
oder auch Konditionen vereinfacht.     führung von E-Procurement gegen technische Sicherheiten gewährleis-
Ebenso gilt dies für die Beschaffung   diese Änderungen wehren, so kann tet sein. Dazu zählt vor allem die
von Lieferantendaten.                  eine Effizienzsteigerung ausge- Einhaltung der Sicherheitsverfah-
                                       schlossen werden. Diesen Vorgang ren. Folgende Anforderungen müs-
Prozessziele werden durch E-Pro-       der Struktur- und Prozessänderung sen bei elektronischen Transaktio-
curement erreicht, da durch schnel-    nennt man „Business Process Reen- nen beachtet werden:
lere Durchlaufzeiten mehr Zeit         gineering“ und kann im extremsten
für die Nutzung der strategischen      Fall zu einer völligen                 • Vertraulichkeit
Aufgaben zur Verfügung steht. Ein      Umgestaltung der Unternehmens- • Authentizität
weiterer Vorteil besteht darin, dass   prozesse führen. Im Folgenden wer- • Integrität
zu jedem Zeitpunkt die Verfügbar-      den in einem Schaubild die Stufen • Nichtabstreitbarkeit für Absen-
keit der benötigten Ware kontrol-      des Business Reengineering genauer         der und Empfänger
liert werden kann, was wiederum zu     beschrieben.                           • Geheimhaltung des Inhalts
schnelleren Reaktionsmöglichkeiten                                                durch verschlüsselte Übertra-
innerhalb der Beschaffung führt.       Rechtliche Grundlagen bei der              gung
Marktziele können unter anderem        Anschaffung von E-Procure-
durch Kostenvorteile, welche das       ment                                  Weiterhin muss sichergestellt wer-
E-Procurement bietet erreicht wer-                                           den, dass die eindeutige Zuordnung
den. Zum Ziel des langfristigen        Verbunden mit der Nutzung von E- des Absenders mittels der digitalen
Bestehens eines Unternehmens am        Procurement muss vor allem auf die Signatur und die Unveränderbarkeit
Markt kann somit positiv beigetra-     Rechtssicherheit sowie die Rechts- des Inhalts gewährleistet sind. Die
gen werden.                            lage bei elektronischen Geschäfts- Verschlüsselung von Texten soll die
                                       transaktionen geachtet werden. Kontrolle der Lesbarkeit garantie-
                                       Sollten die rechtlichen Grundlagen ren. Hier wird ein klar lesbarer Text
Anforderungen an                       nicht beachtet werden, so können mit Hilfe eines Verschlüsselungsver-
E-Procurement                          erhebliche Probleme bei Fehlern fahrens in einen für dritte unleser-
                                       auftreten, unter anderem:             lichen Text umgewandelt. Mit Hil-
Um E-Procurement innerhalb ei-                                               fe eines Chiffreschlüssels kann der
nes Unternehmens erfolgreich ein-       • Nichtzustandekommen           von Versender den Text „unleserlich“
führen zu können müssen zwei               Verträgen                         machen.
bestimmte Anforderungen erfüllt         • Rücktritt des Partners von Ver-
werden.                                    trägen                            Der Empfänger wiederum hat die
                                        • Nichtbeweisbarkeit von An- Möglichkeit mit einem Dechiff-
1. Es muss einen Nutzen für das            sprüchen                          rierschlüssel den Text in seine Ur-
   Unternehmen haben.                   • Irrtümlich geschlossene Verträge sprungsform zu bringen und die
2. Mögliche Veränderungen inner-                                             Informationen leserlich zu bekom-
   halb des Unternehmens müssen        Rechtliche Probleme entstehen, da men. Das Vertrauenssiegel bietet
   vorgenommen werden.                 das Internet ursprünglicher weise eine weitere Chance eine vollstän-
                                       nicht zur Durchführung von Trans- dige Sicherheit zu erreichen. Es ist
Ein „Change-Management“ ist eine       aktionen gedacht wurde. Das Inter- wie ein Prüfsiegel, welches von ei-
wichtige Vorraussetzung bei der        net ist ein offenes Netz, welches aus ner zentralen Stelle vergeben wird.
Einführung des E-Procurement.          vielen Rechnernetzwerken besteht Hier können Lieferanten durch
Dabei ist vor allem die Organisation   und bei dem weltweit Daten frei aus- Erfahrungswerte das Vertrauens-
des Unternehmens betroffen und         getauscht werden. Diese Offenheit siegel verliehen bekommen und der
damit auch die Neustrukturierung       des Netzes birgt einige Gefahren Kunde bekommt so einen Einblick
der IT-Infrastruktur. Ebenso müs-      welche gerade bei Rechtsgeschäf- darüber wie die bisherige Zuverläs-
sen alle Abläufe dem E-Procure-        ten zu Streitigkeiten führen können. sigkeit oder auch das bisherige Han-
ment angepasst werden.                 Daher bedarf es rechtlicher Grund- deln des Lieferanten war.

                                                                                                     15
Die elektronische Singnatur ist          ten entgegenwirken indem z.B. ein
eine Identifikationsmöglichkeit des       Change Management Programm
Unterzeichners bzw. des Signatur-        aufklärt.
herstellers. Mit Hilfe von elektroni-
schen Daten kann die Identifikation       Bei der Prozesskostenbetrachtung
vereinfacht werden. Diese elektroni-     ist zu beachten, dass mit der Einfüh-
sche Signatur ist genauso anzusehen      rung von E-Procurement einzelne
wie eine Unterschrift auf Papier. Sie    Genehmigungs- und Bearbeitungs-
erfüllt drei Funktionen:                 schritte entweder abgeschafft oder
                                         auch vereinfacht werden können.
1. Die Authentifizierung des Ab-          Dies hat den Vorteil der Zeit- oder
   senders                               auch Kostenersparnis. Des Weite-
2. Die Sicherstellung der Integrität     ren haben einige Unternehmen das
   des Inhalts                           Problem, dass ca. ein Drittel der Be-
3. Die Sicherstellung der Nichtab-       schaffungsvorgänge bei indirekten
   streitbarkeit durch den Absen-        Gütern über den formalen Beschaf-
   der                                   fungsprozess abgewickelt werden.
                                         Grund dafür kann entweder eine
Somit dient die elektronische Signa-     besondere Dringlichkeit oder auch
tur der Sicherheit bei Abschlüssen       Bequemlichkeit sein. So werden oft
von Verträgen.                           Aufschläge bis zu 30% über dem
                                         normalen Preis gezahlt. Da E-Pro-
                                         curement den Beschaffungsprozess
Chancen und Risiken bei der              beschleunigt, kann dieses Problem
Einführung von E-Procurement-            weitgehend ausgeschlossen werden.
Systemen
                                         Die Wirtschaftlichkeit von E-Procu-
Die Sicherheitsperspektive bei der       rement ist Aufgrund der Tatsache,
Nutzung des Internets ist natür-         dass der Einkauf der Anfang der
lich immer schwer einzuschätzen.         Wertschöpfungskette ist, ein sehr
Hacker haben es sich zur Aufgabe         wichtiger Faktor. Eine Studie der
gemacht gerade solche Systeme zu         Aberdeen Group besagt, dass eine
knacken, da sie damit großen Scha-       Preisreduktion im Einkauf um 2%
den anrichten können. Die größte         zu einer Kostensenkung von 14%
Gefahr einem Hacker und damit ei-        für das Endprodukt führen kann.
nem Virus zum Opfer zu fallen liegt      Ebenso ist als Vorteil zu nennen,
allerdings darin, dass man innerhalb     dass durch E-Procurement-Systeme
des Unternehmens zu leichtsinnig         das Lieferantenmanagement so-
damit umgeht. Passwörter werden          wie die Lieferantenintegration un-
zu einfach gewählt oder illegale Soft-   terstützt werden kann. Durch das
ware kann betriebsintern hochgela-       System in Verbindung mit dem In-
den werden. Daher kann man sich          ternet kann beispielsweise eine Lie-
mit am Besten gegen alle Gefahren        ferantenbewertung durch Anwen-
schützen indem man seine Mitarbei-       der erfolgen oder ein Direktkontakt
ter dementsprechend schult.              des Bestellers zum Lieferanten.
                                         Wichtig ist ebenso, dass Material-
Die Organisationsperspektive muss        kosten gesenkt werden können, da
bei der Einführung ebenfalls beach-      Zwischenhändlermargen wegfallen.
tet werden. Neue Prozesse müssen         Die Waren werden direkt und ohne
festgelegt und neue Strukturen müs-      Zwischenhändler angeboten und
sen angepasst werden. Die Annah-         sind damit günstiger.
me, dass nur der Einkauf eine Neu-
strukturierung erfährt ist allerdings
nicht richtig, da es ebenso sein kann,
dass neue Strukturen innerhalb des
Rechnungswesens, der Logistik etc.
notwendig sind. Mitarbeiter können
durch Neustrukturierungen demoti-
viert wirken, da entweder die Angst
der neuen Technologie oder der
Ablehnung von Veränderungen lie-
gen. Dem kann man aber mit geziel-
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                                          5 E-Standards
E-Business erleichtert eine Vielzahl von Geschäftsprozessen, die so automatisiert, schnell,
effizient und kostensparend ablaufen können.
Nutzen von E-Standards                  Elektronische Wertschöpfungs-          zur Darstellung hierarchisch struk-
                                        kette                                  turierter Daten in Form von Text-
Ein problemloser Austausch ge-                                                 daten.
schäftsrelevanter Informationen ist     Die elektronische Wertschöpfungs-
die notwendige Bedingung, damit         kette vereinfacht den Umgang mit
sich die beteiligten Unternehmen        Informationen innerhalb informa-       Identifikationsstandards
nicht nur dazu entschließen, Ge-        tionsverarbeitender Prozesse. An-
schäfte auf elektronischem Wege         fragen von Nachfragern und An-         Ein Standard ist der Versuch, eine
abzuwickeln, sondern sich auch dar-     bietern werden zusammengeführt         Vielzahl existierender Lösungen mit
über einigen, wie sie dies tun. Dafür   und die Abwicklung des Geschäfts       dem Ziel zu vereinheitlichen, die
sind gemeinsam genutzte Verfahren       erfolgt schnell und einfach. Anbie-    Austauschbarkeit und Interaktion
dieses elektronischen Informations-     ter können untereinander besser        zu stärken. In verschiedenen Bran-
austauschs unerlässlich, die so ge-
nannte Standards. Sie stellen sicher,
dass Informationen technisch kor-
rekt, verständlich und schnell beim
Empfänger ankommen.
Um E- Business effizient betreiben
zu können, müssen die Geschäfts-
prozesse und Softwaresysteme der
beteiligten Geschäftspartner auf-
einander abgestimmt werden. Der
wesentliche Nutzen ist der hohe
Automatisierungsgrad, der bei der
Prozessintegration erreicht werden
kann. Die Automatisierung der zwi-
schenbetrieblichen Geschäftspro-                                Abbildung 5: Arten von EDI
zesse ist die Voraussetzung für die
Rationalisierung der Abläufe und        kommunizieren und ihre Angebote        chen haben sich dabei unterschied-
damit für die Reduktion von Pro-        verbinden. Somit wird eine Koope-      liche Standards durchgesetzt. Für
zesskosten. Die Einsatzmöglichkei-      ration zwischen Unternehmen und        Unternehmen, die an der Schnitt-
ten für E- Business- Anwendungen        Lieferant stark vereinfacht.           stelle zweier Branchen agieren, ist
in kleinen und mittleren Unterneh-                                             deswegen ein eindeutiger Identifi-
men betreffen praktisch alle Ge-                                               kationsstandard nötig. Dieser Stan-
schäftsprozesse. Dies reicht von der    EDI und XML                            dard garantiert eine sichere Kom-
Beschaffung über den Vertrieb bis                                              munikation und Abwicklung von
hin zu den Kundenbeziehungen. Die       EDI (Electronic Data Interchange),     Prozessen.Identifikationsstandards
Durchführung von e-Business-Pro-        bezeichnet als Sammelbegriff alle      sind im Gegensatz zu Prozessstan-
jekten bedeutet für viele kleine und    elektronischen Verfahren zum asyn-     dards oder anderen E-Business
mittlere Unternehmen eine große         chronen, vollautomatischen Ver-        Standards einfach strukturiert. Es
Herausforderung. Dem Anlass für         sand von strukturierten Nachrich-      können auch nur zwei verschiedene
diese Unternehmen den Einstieg ins      ten zwischen Anwendungssystemen        Arten von Identifikationsstandards
E-Business zu wählen, geht oft der      unterschiedlicher     Institutionen.   unterschieden werden, dies sind die
Wunsch eines Großkunden voraus          XML (Extensible Markup Langua-         Standort- bzw. Betriebsidentifikati-
                                        ge) ist eine Auszeichnungssprache      on sowie die Waren- bzw. Produkti-
                                                                               dentifikation.
                                                                                                       17
Standort-/Betriebsidentifikation        Warenverpackung aufgedruckt oder        ermöglicht die Identifizierung der
                                       aufgeklebt und kann von Barcode-        Versandeinheit auf ihrem Weg vom
              ILN Typ 1                Scannern z.B. an Kassen im Ein-         Absender bis zum Empfänger und
Die Internationale Lokationsnum-       zelhandel decodiert werden. Sie         wird vom Hersteller, Dienstleister
mer (ILN) dient der eindeutigen        verweist auf im Computer gespei-        oder vom Handel einmalig
Identifikation eines Geschäftspart-     cherte betriebswirtschaftliche Infor-   vergeben. Desweiteren kann die
ners, in der die Anschrift, die Fir-   mationen wie z.B. Bezeichnungen,        NVE von allen Beteiligten des logis-
men- und die Betriebsbezeichnung       Warengruppierungen, Lieferanten,        tischen Prozesses für die Sendungs-
enthalten ist. Die ILN kann entlang    Konditionen und/oder Preise. Kür-       übergabe oder -verfolgung lücken-
der kompletten Wertschöpfungsket-      zere Wartezeiten für Kunden an          los verwendet werden.
te eingesetzt werden, mit der Folge,   Kassen durch eine schnellere Regis-
dass nicht nur Zulieferer eindeutig    trierung der Waren, automatisierte      GRAI und GIAI (Nummer für Be-
gekennzeichnet werden können,          Lagerhaltung oder auch weniger                hältermanagement)
sondern auch Kunden.                   Fehlerquellen durch Tippfehler sind
                                       nur einige Vorteile, die der Nutzen     Die EAN-Identnummer für „Meh
              ILN Typ 2                einer einheitlichen internationalen     rwegtransportverpackungen“(MT
Die ILN des Typs 2 ist eine Erweite-   Artikelnummer mit sich bringt. Die      V) , in Englisch GRAI (Global Re-
rung des vorangegangenen Typs. Sie     EAN bildet den Ausgangspunkt für        turnable Asset Identifier), und die
integriert einen individuellen Num-    warenwirtschaftliche Überlegungen.      EAN-Objekt- bzw. Behälternum-
mernteil, der die EAN ermöglicht.      Sie muss daher alle Varianten eines     mer, in Englisch GIAI (Global Indi-
Des Weiteren ist eine Kennzeich-       Artikels, die aus warenwirtschaft-      vidual Asset Identifier), sind Num-
nung von Versandeinheiten mög-         licher Sicht wichtig sind, wie z.B.     mern innerhalb des GS1- Systems,
lich.                                  Farbe, Größe, Sammelpackungen,          die speziell für das MTV-Manage-
                                       Versandpackungen usw. enthalten.        ment entwickelt worden sind.
                DUNS                   Die internationale Artikelnummer
Das Data Universal Numbering Sys-      EAN hat sich in der Praxis global         UPIK (ODETTE / VDA / VCI)
tem ist ein Standard zur Abbildung     durchgesetzt. In mehr als 125 Län-                   ODETTE
von Unternehmensverflechtungen.         der werden Produkte mit dieser          (Organization for Data Exchange
Es ermöglicht die Identifikation von    Nummer versehen.                        by Tele Transmission in Europe)
Mutterunternehmen oder Tochter-                                                ist eineNon-Profit-Organisation,
gesellschaften, aber auch von einzel-    PZN (Pharma-Zentralnummer)            die sich aus Interessenvertretungen
nen Filialen oder Abteilungen.        Die PZN dient der Identifikation          und Verbänden der Automobilein-
                                      von Artikeln ausschließlich im phar-     dustrie zusammensetzt und sich um
                UPIK                  mazeutischen Bereich und wird zur        die Belange der elektronischen Au-
Der Unique Partner Identifikation verbesserten Kommunikation zwi-               tomotive-Technik kümmert. Ziel ist
Key ist ein Klon des DUNS-Stan- schen Unternehmen der Pharma-                  es, weltweit Empfehlungen zu erar-
dards. Er wurde von der Automo- zie-Branche eingesetzt. Besonders              beiten und Tools zu entwickeln, die
bilindustrie initiiert mit denselben im Abrechnungsprozess zwischen            den Informationsfluss von Waren,
Zielen wie das DUNS. Es können Krankenversicherungen und Apo-                  Dienstleistungen und Produktdaten
damit Standorte und Zulieferer ein- theken spielt die PZN eine große           für die gesamte Supply Chain ver-
deutig identifiziert werden.           Rolle und wird ihre Bedeutung mit        einheitlichen und verbessern.
                                      der prognostizierten Einführung
                                      des elektronischen Rezepts zukünf-        EPC (Elektronischer Produktcode)
Produkt-/Warenidentifikation           tig weiter steigern können. Die PZN      Der EPC dient der unverwechsel-
                                      kennzeichnet Artikel im Bezug auf        baren Identifikation eines einzelnen
In vielen Geschäftsabläufen ist es den Hersteller, die Bezeichnung,            Objektes. Er kann für unterschiedli-
wichtig, nicht nur den jeweiligen die Darreichungsform, die Wirk-              che Objekte wie z.B. Produkte, Lo-
Geschäftspartner zu identifizieren, stoffstärke und die Packungsgröße.          kationen, Dokumente, logistische
sondern auch einzelne Artikel. Die Falls nötig sind auch noch ande-            Einheiten usw. genutzt werden, al-
folgenden Identifikationsstandards re Unterscheidungsmerkmale, wie              lerdings liegt die Hauptanwendung
erfüllen beide Kriterien.             z.B. Größe, Form, Farbe, usw. zur        bei der Warenidentifikation. Die zu-
                                      eindeutigen Identifikation und Ab-        vor beschriebenen Systeme ermögli-
            EAN / GTIN                grenzung von anderen Produkten           chen eine Unterscheidung zwischen
Die internationale Artikelnummer möglich.                                      den Artikeln. So kann beispielswei-
EAN (internationale Bezeichnung                                                se Orangensaft von Apfelsaft oder
GTIN = Global Trade Item Num-                    NVE (Nummer                   ein 0,5l Flasche von einer 1l Flasche
ber) ist eine Identifikationsnummer,            der Versandeinheit)             unterschieden werden. Der EPC
die zum weltweiten GS1-System Die NVE (engl. SSCC = Serial Ship-               kann dagegen jede einzelne 0,5l
gehört. Sie dient ausschließlich der ping Container Code) ist eine welt-       Flasche Orangensaft voneinander
Identifikation von Artikeln. In der weite Nummer zur Identifikation              unterscheiden und abgrenzen. Da-
Regel wird die EAN als ein ma- von Versandeinheiten wie z.B. Con-              her eignet sich der EPC auch zur
schinenlesbarer Strichcode auf der tainer, Paletten oder Kartons. Sie          Verwendung als Seriennummer.

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Der EPC wurde für den Einsatz          Käufer und Verkäufer zu unterstüt- Klassifikationsstandard nicht nur in
der RFID-Technologie (Radio Fre-       zen,                               Europa großer Beliebtheit erfreuen,
quenz Identifikationstechnologie)                                          sondern auch auf dem asiatischen
konzipiert. Als Datenträger für den     • Beschaffungsvorgänge elektro- und amerikanischen Markt. Ein gro-
EPC wird ein Transponder verwen-           nisch zu unterstützen          ßer Vorteil von eCl@ss ist sicher-
det, auf dem nur die EPC-Nummer         • Produkte eindeutig zu beschrei- lich, dass es nicht unternehmensbe-
als primäres Identifikationsmittel          ben                            reichsbezogen ist, sondern entlang
steht. Der Transponder enthält          • Vertragsgegenstände zu definie- der gesamten Wertschöpfungskette
keine weiteren Daten zu Produkt-           ren                            angewendet und sinnvoll genutzt
eigenschaften, wie z.B. den Herstel-    • Zuständigkeiten zu regeln       werden kann. Da in der Praxis am
lungsort des Produkts oder dessen       • statistische Analysen zu ermög- häufigsten mit Produkten und we-
Lagerdauer. Diese Informationen,           lichen                         niger mit Branchen und Dienstleis-
die der Zuordnung bzw. Zuteilung        • den Bedarf zu bündeln und       tungen gearbeitet wird, bezieht sich
dienen, werden von Anwendun-            • elektronische Katalogeinträge die Ausarbeitung ausschließlich auf
gen erzeugt und zusammengefasst.           auffindbar zu machen.           Produkte.
Dies geschieht sobald ein Produkt
produziert wurde und seinen Weg                     eCl@ss                                  profiCl@ss
durch die Supply Chain genommen        Im Jahre 2000 wurde der eCl@ss           Die profiCl@ss-Initiative wurde
hat.                                   e.V. von den deutschen Unterneh-         von führenden deutschen Han-
                                       men BASF, Bayer, E.ON, Volkswa-          delsfachverbänden gegründet, zu
                                       gen/Audi, Chemfidence, Degussa,           denen z.B. E/D/E Einkaufsbüro
Klassifikationsstandards

Wenn im eBusiness-Umfeld Pro-
dukte nicht nur eindeutig identi-
fiziert, sondern auch beschrieben
und in eine hierarchische Struktur
eingeordnet werden sollen, liegt es
nahe, eine IT-Struktur im Unter-
nehmen zu integrieren. Bei der Um-
setzung finden die Klassifikations-
standards am besten Verwendung.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass
eine Klassifikation Warengruppen
und Untergruppen zur Verfügung
stellt, denen man Produkte, aber
auch Branchen und Dienstleitun-
gen zuordnen kann.

Je nach Standard kann die Klassi-
fikation durch eine Merkmalleiste                   Abbildung 6: Beispiel des Schlüsselungssystems in eCl@ss
ergänzt sein, in die sich Parameter
oder Merkmale einordnen lassen.        Henkel, SAP, Siemens, Solvay und         Deutscher Eisenhändler, Hagebau
Parameter und Merkmale sind für        Wacker Chemie gegründet. Er küm-         Handelsgesellschaft für Baustoffe
ein Produkt charakterisierende Ei-     mert sich generell um die Entwick-       und NORDWEST Handel gehören.
genschaften. Nach diesen Parame-       lung und Pflege des Klassifikati-          ProfiCl@ss stellt eine Produktklas-
tern oder Merkmalen kann zudem         onsstandards eCl@ss mit dem Ziel,        sifikation dar, die aktuell auf die Be-
gesucht werden, da jeder Klassifi-      diesen als weltweiten Industriestan-     reiche Bauen, Gebäudetechnik und
kationsstandard eine Suchfunkti-       dard zu integrieren.                     Industriebedarf beschränkt ist. Ziel
on vorweist. Diese Suchfunktion                                                 der profiCl@ss-Initiative ist es je-
kann ebenfalls für eine Suche nach     eCl@ss beschreibt eine branchen-         doch, den Standard branchenüber-
Schlagworten oder Synonymen ge-        übergreifende Produktklassifikation,      greifend einsetzbar zu gestalten.
nutzt werden, was immer dann hilf-     in die sich Branchen, Produkte und       Einen großer Vorteil stellt dar, dass
reich ist, wenn ein Unternehmen        Dienstleistungen einordnen lassen.       man den Standard kostenfrei aus
entweder den genauen Namen ei-         Ein positiver Aspekt von eCl@ss          dem Internet unter
nes Produktes nicht kennt oder         ist sicherlich, dass es von Unterneh-    http://www.proficlass.de/index.
selbst einen anderen Namen dafür       men kostenlos im Internet auf der        php?id=131 downloaden kann.
verwendet.                             Homepage www.eclassdownload.
                                       com heruntergeladen werden kann                  UNSPSC
                                       und es zudem in 7 verschiedenen Beim UNSPSC (United Nations
                                       Sprachen zur Verfügung steht.         Standard Products and Services
Zweck der Klassifikationen ist,         Zukünftig wird sich der eCl@ss- Code) handelt es sich um eine aus

                                                                                                              19
Nordamerika stammende Klassi-            ter, MITEGRO GmbH (ehemals             dere mit mehreren Tausend. Jedoch
fikation. Entstanden ist die Klas-        EGR und ELTKONTOR), Sone-              sollte ein Unternehmen, welches ei-
sifikation 1999 aus dem „United           par Deutschland (ehemals OTRA),        nen elektronischen Katalog nur für
Nations Common Coding System“            REXEL Deutschland und Unielekt-        ein paar wenige Datensätze anlegen
(UNCCS), der „Inter-Agency Pro-          ro GmbH gegründet. Im Speziellen       will, sich gut überlegen, ob dieser
curement Services Organisation“          wurde ETIM für die Elektrobranche      Schritt sinnvoll und profitabel ist.
(IAPSO) des „United Nations Deve-        entwickelt, um hiermit eine einfache   Besonders wichtig sind Katalog-
lopment Programme“ (UNDP) und            Klassifizierung der im Elektrobe-       standards dann, wenn man mehrere
dem Standard „Product and Service        reich benötigten Produkte zu schaf-    Produktkataloge zu einem Gesamt-
Code“ von Dun & Bradstreet.              fen. ETIM wird momentan in den         katalog zusammenfassen will. Denn
                                         Sprachen Niederländisch, Englisch      sollten die einzelnen Katalogfor-
Der UNSPSC dient vor allem we-           und Deutsch angeboten. Außerdem        mate nicht kompatibel miteinander
gen seinem breiten Vorkommen in          besteht momentan eine Kooperati-       sein, könnte es Schwierigkeiten ge-
verschiedenen Warenbereichen als         onsvereinbarung zwischen ETIM          ben, wenn man die Daten des einen
ideale branchenübergreifende Klas-       und eCl@ss, um diese Klassifikati-      Katalogs in die des anderen über-
sifikation. Dadurch kann er zur op-       onssysteme miteinander zu harmo-       nehmen will. Läuft der Übertra-
timalen Unterstützung verschiede-        nisieren.                              gungsprozess reibungslos ab, so ist
ner Einkaufs- und Verkaufsprozesse       Hohe Priorität des Vereins ist, eine   es kein Problem auch multimediale
eingesetzt werden. Die UNSPSC-           branchenweite Einführung und           Daten, wie Videos, 3D-Animationen
Klassifikation ist in den Sprachen        Verwendung dieses Klassifikati-         und Bilder in die jeweiligen Katalo-
Englisch, Französisch, Spanisch,         onssystems zu erreichen. Durch         ge einzufügen. Die Erstellung elekt-
Deutsch, Italienisch und Japanisch       ETIM wird der Austausch und die        ronischer Kataloge erfolgt mit Hilfe
erhältlich. Die Beliebtheit lässt sich   Verarbeitung von elektronischen        eines Beispielkataloges, der zusam-
an der relativ hohen Verbreitung in      Katalogen im Fachbereich Elekt-        men mit dem Auftraggeber erstellt
Deutschland erkennen. Die Nut-           ronik eindeutig verbessert. Ebenso     wird. Dabei müssen die Kataloge
zung ist jederzeit über das Internet     kommt es für die teilnehmenden         jedoch bestimmte Voraussetzungen
kostenfrei unter http://www.un-          Unternehmen nach Einführung des        erfüllen. Besitzt ein Katalog zum
spsc.org/download.aspx möglich.          Klassifikationssystems zu gewinn-       Beispiel nicht die Eigenschaft nach-
                                         bringenden Vorteilen im Bereich        träglich veränderbar zu sein, führt
Einer der großen Vorteile des UN-        des eCommerce. Hinsichtlich einer      dies dazu, dass der Katalog nur eine
SPSC gegenüber den anderen Stan-         optimalen Zielerreichung arbeitet      begrenzte Lebensdauer hat und mit
dards liegt eindeutig in der hohen       der Verein bei der Ausarbeitung der    der Zeit unbrauchbar für das Un-
internationalen Verbreitung. Dem-        Klassifizierungs-Merkmale intensiv      ternehmen wird. Der Einsatz von
nach ist die Akzeptanz auf interna-      mit den Verbänden von Industrie,       Katalogaustauschformaten ist eine
tionaler Ebene als hoch anzusehen.       Handel und Handwerk zusammen.          zukunftsorientierte Investition, da
Der Grund für den hohen interna-         Der Einsatz des Klassifikations-        sie den Datenaustausch im und zwi-
tionalen Bekanntheitsgrad liegt an       systems ETIM soll zum einen der        schen Unternehmen vereinfachen
der engen Anbindung des Klassi-          Branche zu Gute kommen und zum         und verbessern. Die vorhandene
fikationsstandards zu den Verein-         anderen die Zukunftsfähigkeit der      physische Infrastruktur des Unter-
ten Nationen. Ebenso ist die hohe        globalen Wirtschaft stärken.           nehmens muss für den Einstieg in
Investitionssicherheit von Vorteil,                                             den elektronischen Geschäftsver-
da der Standard durch große Kon-                                                kehr um eine digitale Infrastruktur
sortien international einflussreicher Katalogaustauschformate                    erweitert werden. Die Unterneh-
Wirtschaftskreise getragen wird.                                                mensprozesse werden somit auf
                                     Katalogaustauschformate verfolgen          das internetbasierte Arbeiten umge-
               ETIM                  das Ziel, den Austausch von elekt-         stellt. Mit der Einführung der Kata-
ETIM ist ein Artikelklassifikations- ronischen Produktdaten zwischen             logaustauschformate muss die Auf-
modell für die Elektrobranche. Die- zwei Unternehmen zu vereinfa-               bereitung der Stammdaten erfolgen,
ses Modell beschreibt in standar- chen. Derzeit existieren etwa 170             da diese die Basis des elektronischen
disierter Form äußerst ausführlich verschiedene Katalogformate. Eine            Geschäftsverkehrs bilden. Hierbei
und übersichtlich die Eigenschaften Standardisierung der Formate ist            ist vor allem zu beachten, welche
elektrotechnischer Produkte. Die demzufolge unumgänglich, um den                Ausgabemedien verwendet werden
Klassifikation ist herstellerunabhän- Beschaffungsprozess zu erleichtern.        sollen. Beispielsweise ob ein elekt-
gig und es können jegliche Artikel Elektronische Kataloge sind nichts           ronischer Katalog, ein Printkatalog,
der Elektrobranche integriert wer- anderes als Dateien, in denen Pro-           ein Onlineshop oder das Internet
den. Der Verein ETIM Deutschland duktbeschreibungen abgelegt sind.              als Ausgabemedium fungiert. Eine
e.V. wurde am 20. Dezember 1999 Das beschaffende Unternehmen                    weitere zu beachtende Herausforde-
von den neun Elektro-Großhänd- kann sich daraus dann die benötigten             rung besteht darin, sich mit der neu-
lern und Einkaufsgemeinschaften Informationen ziehen. Die Größe                 en Technologie auseinanderzuset-
DEHa, FEGIME (ehemals eltring- der Kataloge kann im Allgemeinen                 zen und optimales Basiswissen zu
elgron) , Hagemeyer Deutschland stark variieren. So gibt es Kataloge            erlangen. Letztlich entscheiden die
(ehemals ETG J. Fröschl), i-cen- mit nur ein paar Produkten und an-             praktischen Anforderungen an das

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Katalogaustauschformat auf wel-        elektronischen Beschaffungssyste-     Verfügung stellt. Firmen können
che Technologie das Unternehmen        men. Allmählich findet er aber auch    so die Fähigkeit zur Zusammenar-
zurückgreift, um eine erfolgreiche     mehr und mehr Bedeutung im Be-        beit von verschiedenen Systemen,
Einführung zu gewährleisten. Inner-    zug auf virtuelle Marktplätze und     Techniken oder Organisationen der
halb des Formates muss ein stabiles    Webshops. Da XML die Basis für        Geschäftsprozesse über die Globale
Gerüst herrschen, in welchem die       BMEcat bildet, ist die Erstellung     Wertschöpfungskette erhöhen. Ro-
eigenen Vorstellungen und Anfor-       von elektronischen Katalogen sehr     settaNet ist ein nicht auf Gewinn
derungen realisiert werden können,     flexibel gestaltbar.                   ausgerichtetes Konsortium und wur-
um die eigenen Bedürfnisse des Un-                    cXML                   de im Februar 1998 in den USA ins
ternehmens in den Vordergrund zu       cXML (Commerce XML) ist ein           Leben gerufen. Heute gehören ihm
stellen. Ein optimales Katalogaus-     von der Kalifornischen Firma Ariba    über 500 weltweit führende Unter-
tauschformat darf auf keinen Fall      Inc. Entwickeltes XML-Format. Es      nehmen dem RosettaNet- Konsor-
eine einengende Wirkung auf das        ist vor allem im englischsprachigen   tium an. Bekannte Namen unter ih-
Unternehmen haben. Nachfolgend         Raum weit verbreitet und in nahezu    nen sind Microsoft, Intel oder Cisco
sind die derzeit wichtigsten Katalo-   allen Industriezweigen einzusetzen.   Systems. 2002 wurde RosettaNet in
gaustauschformate aufgelistet.         Dieses Datenaustauschformat be-       das Uniform Code Council (UCC
                                       fasst sich vor allem mit der Kata-    – heute GS1 US) eingegliedert. Es
XML-basierte Formate:                  logbasierten Beschaffung. Es wird     besteht jedoch weiter als eigenstän-
• BMEcat                               hauptsächlich zum Importieren         diges Tochterunternehmen.
• cXML                                 von Produktinformationen in das
• RosettaNet                           erstellte Beschaffungssystem benö-    Bei RosettaNet handelt es sich weit-
• xCBL                                 tigt. In diesem Kontext wird auch     gehend um einen anwendungsunab-
                                       von sogenannten cXML-Punchout-        hängigen Standard. Er eignet sich
CSV-/EDIFACT – basierte Forma-         katalogen gesprochen. Diese Art       für die Beschreibung von Prozessen
te:                                    von Katalogen befindet sich auf der    in der Spannweite von Supply Chain
 • Datanorm                            Website des jeweiligen Lieferanten.   bis zum Konsumenten. Die Stärken
 • Eldanorm                            Der Katalog erkennt automatisch       liegen aber vor allem im B2B-Bereich
 • PRICAT                              den User des einzukaufenden Unter-    (Business-to-Business). Das Ziel bei
                                       nehmers und zeigt ihm die von ihm     der Entwicklung von RosettaNet
               BMEcat                  gewünschten Produkte und Preise       war, bzw. ist, die Kosten für den
Mit BMEcat wird ein wichtiger Bei-     an. Bei cXML werden Transaktio-       Eintritt in das e-Business für kleine
trag zur Standardisierung im e-Busi-   nen über Dokumente abgewickelt.       und mittlere Unternehmen zu ver-
ness geliefert. Dieser Standard ist    Diese Dokumente sind einfache         ringern. Die Hauptkosten liegen in
das Ergebnis einer vom Bundesver-      Textdateien mit einem wohldefi-        der Gestaltung und Umsetzung der
band Materialwirtschaft, Einkauf       nierten Format und Inhalt. Die Art    Prozesse, da die grundsätzliche Ver-
und Logistik e.V. (BME) gestarte-      der Dokumente entspricht etwa den     arbeitung von XML-Daten einfach
ten Initiative zur Entwicklung ei-     Dokumenten, die typischerweise bei    ist. RosettaNet richtet sich in erster
nes Standards für die elektronische    geschäftlichen Transaktionen in der   Linie an die Fachabteilungen für die
Datenübertragung für Produktka-        Offline – Geschäftswelt verwendet      Planung sowie an die IT-Abteilung
taloge. Die fachliche Entwicklung      werden, wie Bestellformulare oder     bei der Umsetzung.
des BMEcat-Formats wurde vom           Lieferscheine.
eBusiness Standardization Com-                                                      Datanorm/Eldanorm
mittee durchgeführt, das aus dem                      xCBL                   Datanorm wurde von Lieferanten
Fraunhofer IAO, sowie den Uni-         xCBL (Common Business Library)        des Installations- und Bauhand-
versitäten Essen und Linz besteht.     ist von Veo Systems in den Markt      werks veröffentlicht und ist für den
Ebenso haben sich zahlreiche Un-       eingeführt worden und wurde spä-      Artikel- und Stammdatenaustausch
ternehmen aus der Wirtschaft an        ter von Commerce One Inc. wei-        innerhalb eines Unternehmens und
der Entwicklung des Standards          terentwickelt. Die aktuelle Version   zwischen den einzelnen Unterneh-
beteiligt, wie zum Beispiel Alcatel,   bietet eine Sammlung von XML-         men verantwortlich. Informationen
American Express, Audi, Deutsche       Spezifikationen, um Geschäftstrans-    bezüglich der Artikelnummern, Arti-
Bahn, Philips und Siemens. Haupt-      aktionen reibungslos durchführen      kelbezeichnungen und Preiskonditi-
sächlich haben diese Unternehmen       zu können. Diese Spezifikationen       onen werden elektronisch in das Sys-
an der Entwicklung mitgewirkt, da      werden hauptsächlich für den Ein-     tem eingelesen und an die jeweiligen
sie planen BMEcat einzusetzen und      satz von Produktbeschreibungen,       Stellen weitergeleitet. Im Gegensatz
davon zu profitieren. Grundlegend       Bestellungen oder Rechnungen be-      zu Datanorm wird Eldanorm im
ist bei der Entwicklung von BME-       nötigt. Haupteinsatzort von xCBL      Elektrohandwerk eingesetzt, besitzt
cat darauf geachtet worden, dass       sind die USA.                         jedoch dieselbe Grundstruktur der
er international einsetzbar ist und                                          Informationsverarbeitung.
speziell für die Beschaffung von C-                 RosettaNet
Artikeln und Produkten verwendet       RosettaNet ist ein Industriestandard,            Pricat
werden kann. Besonders eignet sich     der ein Framework (Rahmenstruk- Pricat (Preisliste/Katalog) ist eine
BMEcat derzeit für den Einsatz in      tur) aus einzelnen Dokumenten zur Nachricht, die Einzelheiten für Wa-

                                                                                                       21
renlieferungen und Dienstleistun-        partnern und elektronischen Markt-       Number) und COMmunication zu-
gen festlegt, die zwischen Käufer        plätzen weltweit. Unternehmen            sammensetzt, welches den elektro-
und Verkäufer zu vereinbaren sind.       müssen für diese Geschäftspartner        nischen Datentausch von Katalogen
In einer Nachricht »Preisliste/Ka-       in zunehmendem Maße elektroni-           und Geschäftsdokumenten vom
talog« können sowohl Waren- und          sche Geschäftsdaten zur Verfügung        Hersteller über den Großhändler
Preisinformationen als auch Lie-         stellen und sie mit ihnen austau-        bis zum Einzelhändler abdeckt. Er
ferbedingungen enthalten sein. Die       schen. Transaktionsstandards lösen       ist das weltweit am häufigsten ein-
Preiszeile hat die Möglichkeit, Preis-   die damit verbundenen Probleme           gesetzte EDIFACT- Subset (über
zusammensetzungen einer Preispo-         und erlauben es, mit Kunden auf          70.000 Nutzer) und nutzt die EAN-
sition darzustellen. Hauptsächlich       einheitliche Weise elektronisch zu       Nummernsysteme und Anwen-
wird PRICAT branchenübergrei-            kommunizieren. Damit vermindert          dungsempfehlungen.
fend in der Konsumgüterwirtschaft        sich der Aufwand bei allen Partnern
eingesetzt.                              erheblich. Letztlich ermöglicht dies                 Open Trans
                                         eine schnellere Auftragsabwicklung.      Der Standard dient als Ergänzung zu
                                         Treibende Kräfte hinter dem elekt-       BMEcat (Katalogaustauschformat).
Nutzen von Katalogaustausch-             ronischen Transaktionsdaten- aus-        Die erste Version wurde im Sep-
formaten                                 tausch sind oft große Unternehmen,       tember 2001 publiziert. Seit dem 27.
                                         die schon einen Teil ihrer Partner       Oktober 2008 ist die aktuellste Ver-
Katalogaustauschformate werden           elektronisch angebunden haben und        sion 2.0 auf dem Markt erhältlich.
für den Austausch von Produkt-           jetzt diese Form des E-Business auf      Eine der Hauptänderungen dürfte
informationen zwischen Lieferant         alle ihre Geschäftspartner ausdeh-       in der Zahl der Geschäftsdokumen-
und Einkäufer benötigt. Sie sind         nen möchten. Dabei steht in erster       te liegen.Waren in der bisherigen
dafür verantwortlich eine Struktur       Linie der Wunsch im Vordergrund,         Version die Dokumente für Ange-
dieser Informationen für eine feh-       Prozesskosten für die Abwicklung         bot, Angebotsanforderung, Auftrag,
lerfreie, einfache und standardisier-    von Bestellungen, Rechnungen u. ä.       Auftragsänderung, Auftragsbestäti-
te Übertragung festzulegen. Daher        sparen zu wollen. Da hiervon auch        gung, Lieferavis, Wareneingangsbe-
ist es unerlässlich ein Katalogfor-      kleinere Unternehmen profitieren          stätigung und Rechnung enthalten,
mat auszuwählen, welches auf dem         können, ist die Überzeugung kleine-      so sind jetzt noch Geschäftsdoku-
Markt großen Zuspruch findet, eine        rer Geschäftspartner einfacher. Für      mente für eine Rechnungsliste und
einfache Handhabung besitzt und          kleine und mittlere Unternehmen,         Zahlungsavis      hinzugekommen.
flexibel einsetzbar ist. Der wichtigs-    die mit dem Transaktionsdatenaus-        In openTRANS® sind alle Doku-
te Nutzen, den Katalogaustausch-         tausch beginnen, kann die Unter-         mente einsprachig definiert, jedoch
formate mit sich bringen ist, dass       stützung durch große Unternehmen         ist auch Mehrsprachigkeit möglich.
man die Daten nur einmal pflegen          besonders hilfreich sein. Der Unter-     Dieses muss dann allerdings unter
muss, dafür aber in mehreren Aus-        schied zwischen einem Katalog- und       den Partnern abgestimmt werden.
gabemedien nutzen kann. Zudem            einem Transaktionsstandard liegt
besteht eine einfache Veröffentli-
chung im Internet mit geeigneten
Softwaresystemen. Darüber hinaus
sinkt die Gefahr, Daten fehlerhaft
abzuändern, da dies nur von einem
zentralen Ort aus geschieht.


Transaktionsstandards

Transaktionsstandards sind z.B. für
den elektronischen Austausch von
Bewegungsdaten wie Bestellungen,                   Abbildung 7: Übertragung von Katalog- und Transaktionsdaten
Lieferscheine oder Rechnungen er-
forderlich, die zusätzlich zu den Ka-    zum einen in der Statik des Kata-                        UBL
talogdaten übermittelt werden. Bei       logs. Der Katalogstandard gibt also      UBL ist ein Austauschformat für
der Erstellung und dem Austausch         einmalig vor wie die Daten struktu-      Geschäftsvorfälle. Um den Anfor-
dieser Nachrichten unterstützen          riert zur Übertragung gespeichert        derungen spezieller Branchen ge-
Transaktionsstandards die Abwick-        werden. Der Transaktionsstandard         recht zu werden, muss UBL jedoch
lung. Sie legen Datenformate und         dagegen ist ein Protokoll und gibt       erweitert werden. Es wurde mit dem
Inhalte Ihrer Nachrichten (Ge-           vor, wie einzelne Elemente über die      Ziel entwickelt, den Datenaustausch
schäftsdokumente) einheitlich fest.      Datenleitung ausgetauscht werden.        zwischen Unternehmen zu erleich-
Der wesentliche Nutzen von Trans-                                                 tern, die unterschiedlichen Bran-
aktionsstandards ist die automatisier-             EANCOM®                        chen angehören.
bare, elektronische Kommunikation        EANCOM® ist ein Kunstwort, das
mit unterschiedlichsten Geschäfts-       sich aus EAN (European Article

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             EDIFACT                  CPFR                                  Beschaffungsdienstleister
EDIFACT wurde von Gremien der
Vereinten Nationen (UN) definiert      CPFR bedeutet Collaborative (Ko-      Beschaffungsdienstleister    (kurz:
und dient als Standardisierung beim   operative) Planning (Planung),        BDL) bieten Unternehmen unter-
elektronischen Austausch von Han-     Forecasting (Prognose) and Reple-     schiedliche Leistungen im Bereich
delsdokumenten und Geschäfts-         nishment (Nachlieferung).             der Beschaffung an. Es lassen sich
nachrichten. Allen EDIFACT-           CPFR ist ein Prozess, der das Zu-     dabei drei Hauptkategorien unter-
Nachrichten liegt die ISO9735         sammenarbeiten von Hersteller         scheiden: die Einkaufsberatung, der
zugrunde.                             und Händler darstellt. Zu Beginn      Einkaufsdienstleister und die Ein-
                                      steht eine gemeinsame Geschäfts-      kaufssoftware.
                                      planung und darauf aufbauend
               OAGi                   werden gemeinsamen Bedarfpro-
Die Open Applications Group           gnosen erstellt. Bei CPFR müssen      Einkaufsberatung
(OAGi) wurde mit dem Ziel ge-         grundsätzlich alle Geschäftspartner
gründet, einen offenen Standard für   dazu bereit sein gemeinsame Zie-      Im Zuge der Einkaufsberatung un-
die Integration von B2B (Business     le und Prozessabläufe aufeinander     terstützen Beratungsunternehmen
to Business) und A2A (Applicati-      abzustimmen und miteinander zu        den Einkauf bei der Entwicklung
on to Application) zu entwickeln.     verknüpfen. CPFR ermöglicht den       zu einer strategischen Unterneh-
Mittlerweile hat OAGi über 50 Mit-    standardisierten Austausch von In-    mensfunktion. Sie helfen bei der
glieder, darunter Boeing, Caterpillar formationen und verbessert gleich-    Konzeption und Implementierung
und Ford. Ein Anwendungsschwer-       zeitig die Möglichkeiten Warenströ-   der strategischen Management- und
punkt OAGIS (Open Applications        me zu steuern und nachzuvollziehen.   IT-Projekte. Ihr Ziel ist es, gemein-
Group Integration Specification)       Es werden gemeinsam Geschäfts-        sam mit dem Unternehmen Poten-
liegt in der Automobilbranche mit     pläne erstellt, um damit eine Akti-   ziale für Kostensenkungen oder
einem geografischen Fokus auf den      onsplanung und die Verfügbarkeit      Verbesserungen der Aufbau- bzw.
USA.                                  der Artikel zu verbessern.            Ablauforganisation zu finden und
Weitere verbreitete Transaktions-                                           zu nutzen. Bevor er jedoch ein Be-
standards finden sie in unserem                                              ratungsunternehmen         beauftragt,
Booklet im Kapitel 5.6                Joint Forecasting                     muss der Kunde seine Wünsche
                                                                            genau bestimmen. Einerseits muss
                                      Bei Joint Forecasting geht es um      er wissen, welche Art von Verbes-
Bewertung     der   Transaktions-     gemeinsame Prognosen erwarte-         serung er sich vorstellt. Es könnte
standards                             ter Bedarfsmengen. Dabei arbeiten     sich z.B. um Kostensenkungen oder
                                      Hersteller und Händler intensiv       die Steigerung der Transparenz han-
Trotz der prinzipiell möglicher       zusammen, indem sie ihr jeweiliges    deln. Andererseits muss er darüber
Konvergenzen zwischen EDI- und        Wissen über Produkte, Sortimente      Auskunft geben können, welche
XML- Standards wird allgemein da-     und Kunden einbringen. Das Aus-       Produkte oder Dienstleistungen mit
mit gerechnet, dass beide Arten des   tauschen von Informationen findet      welchen Anforderungen benötigt
Transaktionsdatenaustauschs noch      in der Regel im Rahmen eines stan-    werden. Hat er diese Informationen
lange Zeit nebeneinander existieren   dardisierten und automatisierten      zusammengetragen, kann er sich
werden. Pläne, bereits vorhandene     Datenaustausches statt.               mit Einkaufsberatern in Verbindung
und funktionierende EDI-Lösun-                                              setzen. Mit dem passenden Partner
gen zu ersetzen, bestehen kaum. Welche Vorteile bietet Joint Fore-          kann dann eine IST-Aufnahme ge-
Die meisten Transaktionsstandards casting?                                  startet werden, bei der geschaut
sind bislang international etabliert                                        wird, „WER (im Unternehmen),
worden. Dies gilt insbesondere für • Frühzeitig können erwartete            WAS (Produkt oder Dienstleistung)
EDIFACT und dessen Subsets,            Absatzspitzen in der Planung         bei WEM (welche Lieferanten) WIE
aber auch für neuere XML-basierte      berücksichtigt werden                (Konditionen, Preise, Prozesse) ein-
Standards. Da Unternehmen mit • Sicherheitsbestände lassen sich             kauft.“
internationalen Geschäftspartnern      reduzieren                           Im nächsten Schritt werden diese
nicht anders handeln möchten als • Versorgungsengpässe können               Informationen von der Einkaufs-
mit nationalen, dürfte die Anforde-    vermeiden werden                     beratung genutzt, um mögliche Lö-
rung nach Internationalität auch in • Produktverfügbarkeit am POS           sungen zu erarbeiten. Die Ergebnis-
Zukunft für Transaktionsstandards      erhöhen                              se werden dem Kunden präsentiert,
besonders ausgeprägt sein.           • Kundenbindung kann erhöht            der dann die von ihm bevorzugten
                                       werden                               Maßnahmen beschließen kann.
Prozessstandards                     • Hersteller können den Material-      Im Folgenden wird der festgelegte
                                       bedarf besser planen                 Projektplan abgearbeitet. Abhängig
Prozessstandards dienen der Auto-                                           von der getroffenen Vereinbarung
matisierung komplexer Geschäfts-                                            wird sich das Beratungsunterneh-
prozesse.                                                                   men unterschiedlich intensiv an der
                                                                            Umsetzung beteiligen.

                                                                                                      23
Einkaufsdienstleister                   terstützen. Um dies zu erreichen,
                                        werden Beschaffungsprozesse ef-
Im Gegensatz zu dem im vorange-         fizient gestaltet, automatisiert und
gangenen Abschnitt beschriebenen        unternehmensweit standardisiert.
Einkaufberater, übernimmt der           Eine Möglichkeit, dies in der Praxis
Einkaufsdienstleister den Beschaf-      umzusetzen stellen sog. Einkaufs-
fungsvorgang seines Kunden ganz         plattformen dar. Praktisch kann
oder in Teilen. Die Zielsetzung ist,    dies auf unterschiedliche Weisen
durch das externe Know-how des          umgesetzt werden. So gibt es bei-
BDL Potenziale für Materialkos-         spielsweise Projekte, bei denen ein
tensenkungen zu finden. Weiterhin        Unternehmen im Rahmen von Aus-
setzt die Entlastung des Einkaufs-      schreibungen oder eAuctions unter-
personals Kapazitäten für strategi-     stützt wird. Der BDL ist dabei u.a.
sche Einkaufkapazitäten frei. Um        für die Registrierung von Einkäu-
die Zusammenarbeit mit einem            fern und Lieferanten, die Schulung
EDL zu beginnen, muss sich das          der Lieferanten, Testauktionen und
Unternehmen zunächst Gedanken           eine Hotline während der Laufzeit
über die Optimierungspotenzia-          zuständig.
le machen. Es ist möglich, dass es      Eine weitere Möglichkeit sind sog.
diese konkret sieht, allerdings kann    ASP-Modelle. ASP steht für „Ap-
es sie auch nur vermuten. Mit die-      plication Service Provider“ und
sen Informationen geht es dann auf      stellt eine längerfristige Begleitung
verschiedene EDL zu. Wurde der          durch den BDL dar. In dieser Zeit
passende Partner gefunden, so wird      unterstützt er seinen Kunden bei
das Unternehmen zu dessen Man-          der Konzeption des benötigten Sys-
danten. Es erfolgt die Ermittlung       tems, übernimmt die Registrierung
des aktuellen Zustands im Einkauf       und Schulung von Einkäufern und
mittels Interviews, Systemdaten und     Lieferanten und stellt das Informa-
Checklisten. Dieser wird dem Man-       tionsmaterial (z.B. Handbücher) zur
danten zusammen mit den gefunde-        Verfügung. Außerdem begleitet er
nen Potenzialen präsentiert. Darauf     die Einführung des Systems im Un-
aufbauend werden die zu ergreifen-      ternehmen und stellt eine Hotline
den Maßnahmen sowie Dauer und           zur Verfügung. Auch als lizenzierte
Umfang der Tätigkeit des BDL ver-       Software kann das neue System in
einbart. Zusätzlich können an dieser    ein Unternehmen eingebracht wer-
Stelle noch weitere Ziele bestimmt      den. Für ihre Einführung wird in
werden, die beispielsweise die erwar-   der Regel ein Projekt gestartet, in
teten Einsparungen beschreiben.         dessen Rahmen die Software an die
Unterstützung erhält der Mandant        besonderen Bedürfnisse des Kun-
im Folgenden beispielsweise bei         den angepasst wird.
Ausschreibungen, Verhandlungen
oder auch beim Kreditorenmana-
gement. Der EDL kann allerdings
auch im eigenen Namen agieren
und an Stelle des Mandanten mit
den Lieferanten verhandeln. Er tritt
dann als Einkaufsorganisation auf
und übernimmt die Beschaffung
für seinen Mandanten. In dem Fall
ist der EDL während des gesamten
Beschaffungszyklus das Bindeglied
zwischen seinem Mandanten und
dessen Lieferanten. In dieser Funk-
tion wird er auch als „Fenster zum
Markt“ bezeichnet.


Einkaufssoftware

Einkaufssoftware soll den Einkauf
durch die Nutzung von optimalen
Systemen bei seinen Aufgaben un-

        24
               6 Nutzen von kooperativen Konzepten
Im strategischen Bereich der Beschaffung steht zunächst einmal die richtige Auswahl
der Beschaffungsstrategie. Daher muss ein geeignetes Team zusammengestellt werden,
welches dann die gegenwärtige Marktsituation analysiert und zukünftige Trends voraus-
sagt.
Durch die genaue Beobachtung des         beinhaltet den eigentlichen Bestell-      elektronischen Beschaffung, nicht
Marktes können Risiken, die der          vorgang der Güter. Mit Hilfe eines        mehr per Papier, sondern elektro-
Markt mit sich bringt, frühzeitig er-    geeigneten Systems, lassen sich alle      nisch übertragen wird. Somit spart
kannt werden. Gleichzeitig definiert      Informationen elektronisch erfassen       man durch diese elektronischen
dieses Team Ziele für den Beschaf-       und weiterverarbeiten. Zu Beginn          Transaktionen zusätzlich Zeit und
fungsprozess und entwickelt daraus       des Beschaffungsprozesses steht die       Geld. Voraussetzung für einen rei-
eine geeignete Strategie, die sowohl     Nachfrage des Kunden. Er wählt            bungslosen Ablauf ist die eindeuti-
die Komplexität als auch die Risiko-     in einem eKatalog, das gewünschte         ge Zuordnung der Produkte. Denn
faktoren des Beschaffungsprozesses       Produkt aus und schickt die Anfra-        nur wenn die einzelnen Produkte
beachtet.
Im nächsten Schritt dieses Prozes-
ses wählt das Team, welches zuvor
zusammengestellt wurde geeignete
Lieferanten für den Beschaffungs-
prozess aus, legt Strategien für die
bevorstehenden Verhandlungen fest
und bereitet sich auf die Implemen-
tierung der Verträge vor. Um den
bestmöglichen Lieferanten für das
zu beschaffende Produkt auszu-
                                                          Abbildung 8: Prozesskette - operative Beschaffung
wählen, kann folgende Pyramide als
Entscheidungshilfe dienen. Sie legt
die Anforderungen an die Liefe-          ge mit Hilfe eines geeigneten eStan- im System von einander unterschie-
ranten hierarisch fest und selektiert    dards auf elektronischem Weg zum den werden können, ist es möglich
Lieferanten, die den Kriterten nicht     Lieferanten.                         die Bestellung auf elektronischem
entsprechen aus. Wurde ein pas-                                               Weg aufzugeben. Das beschaffen-
sender Lieferant gefunden, werden        Die Bedeutung dieser Kataloge de Unternehmen und der Lieferant
erste Vertragsverhandlungen mit          wächst aufgrund folgender Vorzü- können somit auf eine gemeinsame
der entsprechenden Strategie vor-        ge:                                  Datenbank zurückgreifen, um an
bereitet. Hierbei ist es wichtig, dass                                        Produktinformationen zu gelangen,
die Interessen beider Seiten berück-      • starke Vereinfachung der Ein- die für den Beschaffungsprozess
sichtigt werden. Nächster wichtiger          kaufs- und Bestellvorgänge       nötig sind.
Schritt innerhalb des Beschaffungs-       • Zeit- und Geldersparnisse
prozesses ist die Beziehungspflege         • Informationen schnell und ein-
zum Lieferanten, denn durch die              fach online verfügbar
verstärkte Bindung zwischen Liefe-        • Benutzerfreundlichkeit
rant und Kunde werden zunehmend
Beschaffungsrisiken minimiert.           Nachdem der Auftrag beim Liefe-
                                         ranten über das System eingegangen
Im operativen Bereich der Beschaf-       ist, versendet dieser eine Auftragsbe-
fung hingegen wiederholen sich die       stätigung. Selbst die Rechnungsstel-
Prozesse ständig. Dieser ist dem         lung läuft heute um einiges schnel-
Vertragsschluss nachgelagert und         ler ab, da diese bei der vollständig

                                                                                                              25
     Dienstleistung

     •      Geschäftsprozesse analysieren und optimieren
     •      Anbieterunabhängige Softwareauswahl
     •      Einführung neuer Anwendungssysteme
     •      Projektmanagement
     •      EDI – elektronischer Datenaustausch mit Geschaftspartnern
     •      Anwendungsberatung MFG/PRO von QAD Inc.
     •      Anwendungsberatung SAP SCM – Planning/Manufacturing R/3, APO

     Branchen

     •      Automobilzulieferer
     •      Luftfahrtzulieferer
     •      Weiße Ware
     •      Kunststoffverarbeitende Industrie
     •      Medizintechnik

     Kontakt

     E-Mail monika.blender@blender-consulting.de
     Web     www.blender-consulting.de
     Telefon      +49 (0) 61 26 50 04 05
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     Mobil +49 (0) 1 77 6 79 12 91

     Taunusstr. 18
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