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Gesundheit frdern - statt Kranke

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Gesundheit frdern - statt Kranke Powered By Docstoc
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Gesundheit fördern –
            statt Kranke bestrafen!


 Betriebliche Gesundheitspolitik
 aktiv mit der IG Metall gestalten




                                       IG Metall
                            Referat Arbeits- und
                            Gesundheitsschutz
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       Situation in den Betrieben
 Belastungen nehmen zu,
 hinzu kommt Stress durch Personalabbau,
  Leistungsdruck, Überstunden,Flexibilisierung,
 Arbeitnehmer kommen trotz Krankheit zur Arbeit,
 Krankenstandsdiskussion wird zum Dauerbrenner,
 Management setzt alte Vorurteile in Umlauf -
  Motivationsmangel, Blaumachen,
 Maßnahmen der Krankenkontrolle stehen im
  Vordergrund,
 menschengerechte Arbeitsgestaltung und Förderung
  der Gesundheit ist oft kein Thema im Betrieb.


                                                  IG Metall
                                       Referat Arbeits- und
                                       Gesundheitsschutz
                                                                                       3


                             Zeittafel
Entwicklung im Arbeits- und Gesundheitsschutz
und betriebliche Gesundheitsförderung

 •   1949     Gesundheitsbegriff der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
 •   1972     Novellierung BetrVG – Ausweitung der Mitbestimmung beim Arbeitsschutz
 •   1973     Arbeitssicherheitsgesetz - betriebsärztliche und sicherheitstechnische
              Betreuung
 •   1987     WHO-Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung
 •   1989     Gesundheitsreformgesetz - § 20 Sozialgesetzbuch V
 •   1989     EG-Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie
 •   1996     Arbeitsschutzgesetz
 •   1996     Sozialgesetzbuch VII
 •   1997     Empfehlungsvereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen Gesetzlicher
              Krankenversicherung und Gesetzlicher Unfallversicherung
 •   1997     Luxemburg-Deklaration - Europäisches Netzwerk betriebliche
              Gesundheitsförderung
 •   2000     Neufassung des § 20 SGB V
 •   2000     Novellierung Schwerbehindertengesetz (SchwbG)



                                                                      IG Metall
                                                           Referat Arbeits- und
                                                           Gesundheitsschutz
                                                                                         4

                  Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

          Was ist eigentlich Gesundheit? (1)
            Über Gesundheit gibt es unterschiedliche Sichtweisen:

   Aus Sicht der Medizin und der Sozialversicherung:
     •   Medizin und auch Sozialversicherung haben keine Definition von Gesundheit.
         Gesundheit ist Leistungsfähigkeit und kann gemessen werden. Krankheit ist die
         Abweichung von der Norm - Abweichung von „Gesundheit“.

     •   Der gesunde Mensch wird analog einer Maschine betrachtet -
         er leistet regelhaft seine Arbeit.

   Definition:
     • „Krankheit“ im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung ist ein
       regelwidriger Körper- und/oder Geisteszustand, dessen Eintritt
       entweder die Notwendigkeit einer Heilbehandlung oder die
       Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.



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                                                                  Referat Arbeits- und
                                                                  Gesundheitsschutz
                                                                                     5

              Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

     Was ist eigentlich Gesundheit? (2)

Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

 Die Sichtweisen über Gesundheit haben sich nach 1945 durch die WHO verändert:
 Ƨ die Bedingungen, unter denen Menschen gesund bleiben werden jetzt einbezogen.
 ƀ Will man Krankheiten vorbeugen, reicht es nicht aus, sie zu kurieren,
    es muss vor allem die Gesundheit in ihren körperlichen, seelisch-geistigen und
    sozialen Bezügen gefördert werden.


Definition:

 • Gesundheit ist der Zustand „vollständigen körperlichen, geistigen
   und sozialen Wohlbefindens“ und nicht „das Freisein von
   Krankheiten und Gebrechen“.



                                                                        IG Metall
                                                             Referat Arbeits- und
                                                             Gesundheitsschutz
                                                                                      6

              Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

      Was ist eigentlich Gesundheit? (3)

Auf weitere Gesichtspunkte für Gesundheit weist die
WHO-Ottawa-Charta 1987 hin:

 •   „Gesundheit ist die Fähigkeit und die Motivation,
     ein wirtschaftlich und sozial aktives Leben zu führen“



Auch die Humanpsychologie trägt zu einer ganzheitlichen Sichtweise von
Gesundheit bei:

 •   „Gesund ist, wer sich aktiv, planvoll und zielgerichtet in seiner Welt bewegt,
     wer sich weiterentwickelt und nicht auf seinem Entwicklungsstand verharrt.
     Gesund ist, wer sich vor dem Hintergrund langfristiger Zielsetzungen neue
     Handlungs- und Lebensbereiche durch Lernen erschließt.“



                                                                         IG Metall
                                                              Referat Arbeits- und
                                                              Gesundheitsschutz
                                                                                  7



             Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

                 Was sind
   arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren?

                 Definition der Vereinigung der
             Metall Berufsgenossenschaften(VMBG):


 Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren sind Zustände, Ereignisse
  und Einwirkungen bei der Arbeit und/oder in der Arbeitsumwelt,
  die Gesundheitsstörungen nachvollziehbar verursachen,
  begünstigen oder die Gesundheit in sonstiger Weise nachteilig
  beeinflussen können.




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                                                           Referat Arbeits- und
                                                           Gesundheitsschutz
                                                                                     8

                Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) 1972
              Erweiterte Mitbestimmung im Arbeitsschutz

  Überwachung
 § 80 (1) BetrVG: Einhaltung geltender Vorschriften

  Mitwirkung: Information, Beratung, Unterstützung
 § 89 BetrVG: Anregungen, Beratung, Auskunft, Information
 § 90 BetrVG: Unterrichtung, Beratung
 § 9 ASiG: Zusammenarbeit mit
               Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt
 § 11 ASiG: Arbeitsschutzausschuss

  Mitbestimmung
 § 91 BetrVG: korrigierende Mitbestimmung
 § 87 (1) 7: Mitbestimmung bei Umsetzung
    von Vorschriften zum Arbeits- und Gesundheitsschutz



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                                                              Referat Arbeits- und
                                                              Gesundheitsschutz
                                                                                         9

                 Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

              Sicherheitstechnische und
            arbeitsmedizinische Betreuung
   Arbeitssicherheitsgesetz 1973

     •   Der Arbeitgeber hat Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu
         bestellen, die ihn bei Problemen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes
         beraten und unterstützen sollen.Sie haben mit dem Betriebsrat zusammen zu
         arbeiten und ihn zu beraten. Ziel der Fachberatung ist:

     1. Die optimale Umsetzung der Arbeitsschutzgesetzgebung in den Betrieben,
     2. Die Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz durch gesicherte
        arbeitsmedizinische, sicherheitstechnische und andere arbeitswissenschaftliche
        Erkenntnisse,
     3. Die Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz sollen einen hohen
        Wirkungsgrad erreichen




                                                                             IG Metall
                                                                  Referat Arbeits- und
                                                                  Gesundheitsschutz
                                                                                                   10

                   Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

                    WHO-Ottawa-Charta 1987
   Ganzheitliche Sichtweise durch die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung

     •   „Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an
         Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer
         Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales
         Wohlbefinden zu erlangen ist es notwendig, dass sowohl Einzelne als auch Gruppen ihre
         Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie
         ihre Umwelt meistern bzw. verändern können.“


   Gesundheitsförderung ist eine Querschnittsaufgabe. Sie muss auf allen Ebenen und in
    allen Politikbereichen auf die Tagesordnung gesetzt werden. Das kann z.B. sein:
     •   Gesundheitsförderung in der Gemeinde
     •   Gesundheitsförderung im Stadtteil
     •   Gesundheitsförderung in Schulen
     •   Betriebliche Gesundheitsförderung




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                                                                         Referat Arbeits- und
                                                                         Gesundheitsschutz
                                                                                                  11

                 Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

           Gesundheitsreformgesetz 1989

 § 20 Sozialgesetzbuch V:*

   • Die Krankenkassen erhalten erstmals den Auftrag, Maßnahmen
     zur Betrieblichen Gesundheitsförderung einzuleiten

   • Die Krankenkassen sind verpflichtet bei der Prävention arbeitsbedingter
     Gesundheitsgefahren mit den Berufsgenossenschaften
     und den staatlichen Arbeitsschutzämtern zusammenzuarbeiten.



   *Dieser Paragraph wurde vor allem von Ärzten heftig kritisiert und laufend
    verändert. Dennoch trug er zur Entwicklung des Konzepts der betrieblichen
    Gesundheitsförderung bei.




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                                                                           Referat Arbeits- und
                                                                           Gesundheitsschutz
                                                                                           12

                 Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

               Neuerungen im Arbeits- und
                  Gesundheitsschutz
    Artikel 118 a EWG-Vertrag (1987) (neu: Art. 137 EGV)
     •   Verbesserung der Arbeitsumwelt zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der
         Arbeitnehmer
   EG-Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie (1989)
   EG-Arbeitsschutz-Einzelrichtlinien (1989 ff.)
    z.B.: PSA, Manuelle Handhabung von Lasten, Arbeit an Bildschirmgeräten

   Arbeitsschutzgesetz (1996) mit weiteren Verordnungen
     •   z.B. zu Lastenhandhabung, Bildschirmarbeit (1996)
     •   Gesetzesänderungen z.B. Arbeitssicherheitsgesetz, BetrVG


   Weitere Neuerungen im Arbeits- u. Gesundheitsschutz-Recht:
    Arbeitszeitgesetz, Gefahrstoffverordnung, SGB VII.



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                                                                    Referat Arbeits- und
                                                                    Gesundheitsschutz
                                                                                           13

                  Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

                Neuerungen im Arbeits- und
                   Gesundheitsschutz
   Sozialgesetzbuch VII 1996
     •   Erweiterte Aufgaben der Berufsgenossenschaften,
     •   Beratung und Kontrolle der Betriebe bei der Prävention arbeitsbedingter
         Gesundheitsgefahren,
     •   Zusammenarbeit mit den Krankenkassen (§ 14 SGB VII).


     Novellierung § 20 SGB V 200
         Verpflichtung zur Qualitätssicherung

     Schwerbehindertengesetz 2000
         Aufgaben der bei der Prävention (§ 14 SchwbG)




                                                                               IG Metall
                                                                    Referat Arbeits- und
                                                                    Gesundheitsschutz
                                                                                           14

                 Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

        Neue Leitbilder in der betrieblichen
               Gesundheitspolitik
   Orientierung am WHO-Gesundheitsbegriff,
   systemische, ganzheitliche Betrachtungsweise,
   Primärprävention und ständige Verbesserung,
   umfassende Gestaltung von Arbeitssystemen,
   Ermittlung und Beurteilung der Arbeitsbedingungen,
   Grundsätze der Gefahrenverhütung (Rangfolge),
   Orientierung am Stand der Technik und Wissenschaft,
   Sicherheit und Gesundheit als Führungsaufgabe,
   Beteiligung der Beschäftigten,
   Berücksichtigung von Zielgruppen,
   Betreuung kleiner und mittlerer Betriebe,
   Betriebliche und überbetriebliche Kooperation und Vernetzung,
   Orientierung an Qualitätsstandards.



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                                                                    Referat Arbeits- und
                                                                    Gesundheitsschutz
                                                                                             15

                   Entwicklung in der betriebliche Gesundheitspolitik

         Empfehlungsvereinbarung zwischen
           Berufsgenossenschaften und
               Krankenkassen 1997
   Kernpunkte:

     •   Zusammenarbeit bei der Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren,
     •   Regelung der Kompetenzbereiche, Aufgaben und Pflichten,
     •   Nutzung unterschiedlicher Informationen, Instrumente und Methoden,
     •   Zusammenarbeit auf betrieblicher und überbetrieblicher Ebene,
     •   Mitteilung von berufsbedingten gesundheitlichen Gefährdungen oder
         Berufskrankheiten.
     •   Perspektiven:
          - Erprobung gemeinsamer praxisnaher Projekte,
          - Entwicklung von Methoden der Informationsgewinnung und Präventionskonzepte,
          - regelmäßiger Erfahrungsaustausch und Qualifizierung,



                                                                                 IG Metall
                                                                      Referat Arbeits- und
                                                                      Gesundheitsschutz
                                                                              16

         Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

       Europäisches Netzwerk
„Betriebliche Gesundheitsförderung“

• Luxemburg-Deklaration 1997:

  Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst alle gemeinsamen
  Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft
  zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am
  Arbeitsplatz. Dies kann durch Verknüpfung folgender Ansätze
  erreicht werden:
• Verbesserung der Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen,
• Förderung einer aktiven Mitarbeiterbeteiligung,
• Stärkung der persönlichen Kompetenz,


                                                                  IG Metall
                                                       Referat Arbeits- und
                                                       Gesundheitsschutz
                                                                                 17

            Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

              Neufassung § 20 SGB V

     Krankenkassen erhalten neue Handlungsmöglichkeiten in der BGF
•   (...)
    (2) Die Krankenkassen können den Arbeitsschutz ergänzende
    Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung durchführen
    (...)
    Die Krankenkassen arbeiten bei der Verhütung arbeitsbedingter
    Gesundheitsgefahren mit den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung
    zusammen und unterrichten diese über die Erkenntnisse, die sie über
    Zusammenhänge zwischen Erkrankungen und Arbeitsbedingungen
    gewonnen haben. Ist anzunehmen, dass bei einem Versicherten eine
    berufsbedingte gesundheitliche Gefährdung oder eine Berufskrankheit
    vorliegt, hat die Krankenkasse dies unverzüglich den für den
    Arbeitsschutz zuständigen Stellen und dem
    Unfallversicherungsträger mitzuteilen.


                                                                     IG Metall
                                                          Referat Arbeits- und
                                                          Gesundheitsschutz
                                                                                                                 18

                     Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

            Leistungen der Krankenkassen (1)

 Krankenkassen müssen folgende Schwerpunkte* der betrieblichen
  Gesundheitsförderung setzen:

     1.   Arbeitsbedingte körperliche Belastungen,
     2.   Psychosozialer Stress,
     3.   Gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung,
     4.   Genuss- und Suchtmittelkonsum,
     5.   Betriebsverpflegung.



 *Von den Spitzenverbänden der Krankenkassen wurde ein Leitfaden entwickelt, der gemeinsame und einheitliche
 Handlungsfelder und Kriterien der Umsetzung des § 20 SGB V festlegt. Der Leitfaden kann bei den Krankenkassen
 abgerufen werden




                                                                                                IG Metall
                                                                                     Referat Arbeits- und
                                                                                     Gesundheitsschutz
                                                                                    19

               Entwicklung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

        Leistungen der Krankenkassen (2)

 Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung können
  Krankenkassen Aufgaben übernehmen:

   •   Beratung und Information,
   •   Projektmanagement betriebliche Gesundheitsförderung,
   •   Moderation von Gesundheitszirkeln,
   •   Durchführung und Auswertung von Belegschaftsbefragungen,
   •   Erstellen betrieblicher oder branchenbezogener Gesundheitsberichte,
   •   Dokumentation, Bewertung von Maßnahmen.




                                                                        IG Metall
                                                             Referat Arbeits- und
                                                             Gesundheitsschutz
                                                                                    20

            Qualitätssicherung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

             Anforderung an den Betrieb

 Die Unterstützung durch die Krankenkasse stellt Anforderungen an
  den Betrieb, daher muss:

   •   der Arbeitgeber und der Betriebsrat eingebunden sein,
   •   der datenschutzrechtliche Aspekt berücksichtigt werden,
   •   ein integriertes Konzept der betrieblichen Gesundheitsförderung vorliegen,
   •   der Betrieb sich zur Qualitätssicherung verpflichten.




                                                                        IG Metall
                                                             Referat Arbeits- und
                                                             Gesundheitsschutz
                                                                                                  21

               Qualitätssicherung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

                     Krankenkontrolle fördert
                      nicht die Gesundheit
   Krankenkontrolle und Bestrafung von Kranken gehören nicht zur Philosophie der
    Betrieblichen Gesundheitsförderung und des Arbeitsschutzgesetzes
   Maßnahmen, die nicht zur betrieblichen Gesundheitsförderung gehören:
     •   Einstellungsuntersuchungen ohne Arbeitsplatzbezug,
     •   Systematische und gestufte Krankenrückkehrgespräche,
     •   Verschärfte Anzeige und Nachweispflicht der Arbeitsunfähigkeit,
     •   Aufforderung zum vorzeitigen Abbruch der Arbeitsunfähigkeit,
     •   Verabreichung von Medikamenten im Betrieb,
     •   Anprangern von Krankheitsquoten,
     •   Anwesenheitsbindung durch Kürzung von Prämien, Sonderzahlungen,
     •   Fehlzeitenbriefe und Krankenbesuche,
     •   Verschärfte Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen
         auf Wunsch des Arbeitgebers,
     •   Kontrolle der Arbeitsunfähigkeit durch den Betriebsarzt,
     •   Aufforderung zur Aufhebung der ärztlichen Schweigepflicht für den behandelnden Arzt,
     •   Abmahnung,
     •   krankheitsbedingte Kündigung.



                                                                                      IG Metall
                                                                           Referat Arbeits- und
                                                                           Gesundheitsschutz
                                                                                            22

                              BGF als Querschnittsaufgabe

         Betriebliche Gesundheitsförderung
              als Querschnittsaufgabe
    Betriebliche Gesundheitsförderung tangiert alle Ebenen
    und alle Bereiche im Betrieb

   Ausgangsfragen für jeden Betrieb müssen sein:
     •   Welche krank machenden körperlichen, psychischen und sozialen
         Belastungen sind im Betrieb?
     •   Welche gesundheitsfördernde Bedingungen braucht der Betrieb damit die
         Arbeitnehmer leistungsfähig bleiben und nicht krank werden und schließlich
     •   Was muss im Betrieb konkret geändert werden?
     •   Sind alle Betriebsbereiche eingebunden und arbeiten sie in Fragen der Sicherheit
         und des Gesundheitsschutzes auch zusammen (z.B. Personalabteilung,
         Betriebsrat, Arbeitsschutzexperten, Umweltschutz, Planung, Einkauf,
         Verwaltung, Produktion, Ausbildung, Sozialdienste)?
     •   Sind die Beschäftigten ausreichend beteiligt?


                                                                               IG Metall
                                                                    Referat Arbeits- und
                                                                    Gesundheitsschutz
                                                                                                               23

                  Qualitätssicherung in der betrieblichen Gesundheitspolitik

          Qualitätskriterien der betrieblichen
                Gesundheitsförderung
     Vom Europäischen Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung
     wurde ein „Fragebogen zur Selbsteinschätzung“* entwickelt.

    Arbeitgeber, Betriebsräte und Beschäftigte können damit feststellen,
     wie die Qualität der betrieblichen Gesundheitspolitik in ihrem Betrieb ist.
     Gefragte wird nach:
1.   Betriebliche Gesundheitsförderung und Unternehmenspolitik,
2.   Personalwesen und Arbeitsorganisation,
3.   Planung betrieblicher Gesundheitsförderung,
4.   Soziale Verantwortung,
5.   Umsetzung betrieblicher Gesundheitsförderung,
6.   Ergebnisse betrieblicher Gesundheitsförderung.
*Qualitätskriterien und Fragebogen können angefordert werden bei:
BKK Bundesverband, Europäisches Informationszentrum, Kronprinzenstr. 6, D-45128 Essen, E-mail: eiz@bkk-bv.de



                                                                                                IG Metall
                                                                                     Referat Arbeits- und
                                                                                     Gesundheitsschutz
                                                                                    24

                      BGF als Querschnittsaufgabe

                  Arbeitskreis Gesundheit
                                                    Gesundheitszirkel
Gesundheitsbericht
Befragungen

    KK-Daten                                                                  GZ2
      Betriebs-                                          GZ1
       daten



                                                                      GZ3
                                 AK
                               Gesund-
                                 heit



                               Maßnahmen
                           Planen und Durchführen


                                                                  IG Metall
                                                       Referat Arbeits- und
                                                       Gesundheitsschutz
                                                                               25

                      BGF als Querschnittsaufgabe

                        Instrumente
 Gesundheitsbericht          Arbeitskreis             Befragungen und
                          Gesundheit/Arbeits-         Gesundheitszirkel
                           schutzausschuss

Analyse der              Bewertung, Umsetzung,      Beteiligungsmöglich-
Zusammenhänge            Überprüfung konkreter      keiten der Beschäftigten
                         Gestaltungsvorschläge
Bestandsaufnahme
betrieblicher
Belastungen,
Gefährdungen und
gesundheitliche
Auswirkungen

Erkennen von
Problemfeldern und
Zielgruppen


                                                                 IG Metall
                                                      Referat Arbeits- und
                                                      Gesundheitsschutz
                                                                                                            26

                               BGF als Querschnittsaufgabe

                Welche Maßnahmen kann
                  der Betrieb treffen?
    Formal kann man zwei Ebenen zu unterscheiden, die jedoch in der Praxis
     sich ergänzen und eng miteinander verknüpft sind

1.    Gesundheit schützen auf                         2.   Gesundheit fördern durch den
      der Grundlage der                                    Arbeitsschutz ergänzende
      Arbeitsschutzgesetzgebung                            Maßnahmen, z.B.:
                                                               Gesundheitszirkel,Befragungen
         Arbeitsschutz umfasst alle Maßnahmen, die           Qualifizierung der Mitarbeiter und
          dazu beitragen, Leben und Gesundheit der             Mitarbeiterinnen
          arbeitenden Menschen zu schützen, ihre              Schulung der Vorgesetzten
          Arbeitskraft zu erhalten und die Arbeit             Fördermaßnahmen für Schwerbehinderte,
          menschengerecht zu gestalten. Dazu                   ältere Beschäftigte, Frauen, Auszubildende
          gehören technische, organisatorische,                und ausländische Arbeitnehmer
          ergonomische und verhaltensbezogene
          Maßnahmen und auch der soziale                      Maßnahmen der Arbeitsorganisation zum
          Arbeitsschutz                                        Abbau von Stress
                                                              Verbesserung des Betriebsklimas
                                                              Sozialberatung und Suchtprävention
                                                              Arbeitsbezogene Rückenschulen, Erholungs-
                                                               und Bewegungspausen
                                                              Betriebsverpflegung
                                                              Kinderbetreuung


                                                                                      IG Metall
                                                                           Referat Arbeits- und
                                                                           Gesundheitsschutz
                                                                                                                 27

                                     Die Zusammenarbeit gestalten

      Innerbetriebliche Stellen für die BGF


  Ersthelfer                                       Arbeitsschutzausschuss
 (§ 10 ArbSchG,                                              (§ 11 ASiG)
     vom AG
unter Mitwirkung
 des BR bestellt)




  Schwer-                 2            Sicherheits-        Fachkräfte           Betriebs-         Arbeitgeber
behinderten-        Betriebsrats-      beauftragte            für                 ärzte          (§ 3 ArbSchG)
Vertrauens-          mitglieder         (§ 22 SGB VII,      Arbeits-           (§ 3, 9 ASiG,
   Leute             (§ 80 BetrVG)         vom AG          sicherheit             vom AG
                                       unter Mitwirkung     (§ 6, 9 ASiG,        unter Mit-
 (§ 25 SchwbG,
                                       des BR bestellt)   vom AG unter Mit-    bestimmung
von den Schwer-                                                               des BR bestellt)
  behinderten                                               bestimmung
    gewählt)                                               des BR bestellt)




                                                                                                     IG Metall
                                                                                          Referat Arbeits- und
                                                                                          Gesundheitsschutz
                                                                                                   28

                                Die Zusammenarbeit gestalten

               Beteiligung der Beschäftigten

   Betriebliche Gesundheitsförderung geht nur mit den Beschäftigten,
    daher auf ausreichende Beteiligung achten und die Gesetzgebung nutzen
     •   BetrVG
         § 82 Anhörungs- und Erörterungsrecht des Arbeitnehmers
         § 84 Beschwerderecht
     •   Arbeitsschutzgesetz
         Rechte und Pflichten der Arbeitnehmer (§§ 9, 11,12,15,16,17)
     •   SGB VII
         § 21 Verantwortung des Unternehmers, Mitwirkung der Versicherten
     •   Unfallverhütungsvorschriften
         VBG 1 Allgemeine Vorschriften
         VBG 109 Erste Hilfe
     •   Schwerbehindertengesetz
         § 14 Prävention
     •   Dabei sein sollten die gewerkschaftliche Vertrauensleute und die
         Jugend- und Ausbildungsvertretung



                                                                                       IG Metall
                                                                            Referat Arbeits- und
                                                                            Gesundheitsschutz
                                                                                           29

                             Die Zusammenarbeit gestalten

        Betriebliche Gesundheitsförderung
              erfordert Unterstützung
  Insbesondere für Klein- und Mittelbetriebe ist die überbetriebliche
  Unterstützung und Beratung im Arbeits- und Gesundheitsschutz und der
  betrieblichen Gesundheitsförderung sinnvoll.

Ansprechpartner außerhalb des Betriebes:
    •   Staatliche Arbeitsschutzämter (ArbSchG)
    •   Berufsgenossenschaften (SGB VII)
    •   Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit (ASiG)
    •   Krankenkassen (SGB V)
    •   Gewerkschaften - IG Metall
    •   Beratungseinrichtungen (z.B. TBS)




                                                                               IG Metall
                                                                    Referat Arbeits- und
                                                                    Gesundheitsschutz
                                                                                         30

                                  Gezieltes Vorgehen

           Vorschlag einer systematischen
                 Herangehensweise
1. Situation im Betrieb klären
     •   Meinungsbildung im Betriebsrat herstellen, Zusammenarbeit organisieren
2. Sprachlosigkeit der Beschäftigten überwinden
     •   mit den Beschäftigten über ihre Gesundheitsprobleme reden
3. Belegschaftsbefragungen durchführen
   Gesundheitszirkel einrichten
   Gefährdungen an den Arbeitsplätzen aufspüren
     •   Informationen über Belastungen und Gesundheitsbeschwerden sammeln
   Arbeitsplätze untersuchen
     •   Anforderungen, Belastungen und Gesundheitsbeschwerden analysieren
   Umsetzung
     •   Umsetzungskonzepte entwickeln, Projekte iniziieren



                                                                             IG Metall
                                                                  Referat Arbeits- und
                                                                  Gesundheitsschutz
                                                                                    31

                   Betriebliche Gesundheitsfördrung lohnt sich

       Betriebliche Gesundheitsförderung
               ist eine Investition!

 Sie hilft Kosten zu senken, die entstehen können durch:

   •   mangelnde Produktqualität und Produktionsausfälle,
   •   Konflikte durch schlechtes Betriebsklima,
   •   hohe Krankenstände,
   •   Chronifizierung von Krankheiten,
   •   schlechte Arbeitsorganisation,
   •   hohe Arbeitsbelastungen und Stress,
   •   verringerte Arbeitsleistung durch unzufriedene Mitarbeiter,
   •   Fluktuation.




                                                                        IG Metall
                                                             Referat Arbeits- und
                                                             Gesundheitsschutz
                                                                               32

                    Gesundheit braucht Nachhaltigkeit

           Perspektiven für Gesundheit
              im Betrieb entwickeln
 Initiativen zur betrieblichen Gesundheitsförderung anstoßen, um
  Gesundheit und Wohlbefinden der Beschäftigten im Betrieb zu
  fördern.
 Die Beschäftigten aktiv beteiligen und deren Wissen und Erfahrungen
  nutzen.
 Soziale Beziehungen und solidarisches Handeln unterstützen.
 Über Sicherheit und Gesundheit im Betrieb informieren und offen
  reden.
 Maßnahmen zur menschengerechten Gestaltung der Arbeit entwickeln
  und umsetzen.
 Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zum Qualitätsfaktor machen.
 Die Zusammenarbeit im betrieblichen Gesundheitsschutz verbessern.
 Netzwerke der betrieblichen Gesundheitsförderung entwickeln.


                                                                   IG Metall
                                                        Referat Arbeits- und
                                                        Gesundheitsschutz
                                                                                     33

             Erfahrungen der betrieblichen Gesundheitsförderung


           Projektberatung der IG Metall
Ergebnisse eigener Projekte:

   Fördern der Kommunikation und Zusammenarbeit auf Betriebsratsebene
    in den Ausschüssen (z.B Arbeitsschutzausschuss und
    Personalausschuss),
   Kenntnisse über die Grundlagen und Instrumente der BGF haben,
   Einrichten eines Arbeitskreises Gesundheit auf BR/GBR –Ebene,
   Systematisches Vorgehen durch Projektmanagement,
   Ersetzen der Krankenrückkehrgespräche durch BGF,
   Arbeits- und Gesundheitsschutz in die BGF einbinden,
   Betriebsvereinbarung mit Leben erfüllen,
   Entwickeln von Beteiligungsstrukturen für ArbeitnehmerInnen
    Befragung, Gesundheitszirkel usw. und Einbinden der Vertrauensleute,
    Sicherheitsbeauftragte, Schwerbehindertenvertretung.



                                                                         IG Metall
                                                              Referat Arbeits- und
                                                              Gesundheitsschutz
                                                                                   34

             Erfahrungen der betrieblichen Gesundheitsförderung


          Projektberatung der IG Metall

Gründe für das Scheitern einer nachhaltigen BGF:

    Kein gemeinsames Verständnis über betriebliche Gesundheitsförderung;
   Mangelnde Kommunikation und Zusammenarbeit,
   Wird nur als Aufgabe der Krankenkasse betrachtet,
   Beim Personalmanagement angesiedelt - ohne Einbindung des Arbeitsschutzes,
   Alleinige Erwartung an rasche Krankenstandssenkung,
   Erschöpfen in Einzelmaßnahmen - oft ohne Arbeitsplatzbezug,
   Meist nur Projektcharakter,
   Fehlende Integration in die Arbeitsorganisation,
   Schlechtes Betriebsklima, Misstrauenskultur,
   Mangelnde Beteiligung der Beschäftigten.




                                                                       IG Metall
                                                            Referat Arbeits- und
                                                            Gesundheitsschutz
                                                                                   35

             Perspektiven der betrieblichen Gesundheitsförderung


          Qualitätsentwicklung der BGF
   BGF darf nicht zur Mogelpackung der Krankenkassen werden,
   BGF muss Querschnittaufgabe werden,
   Rahmenvereinbarung mit Leben erfüllen,
   Es müssen Verfahren der Zusammenarbeit entwickelt werden,
   Beteiligungsstrukturen für Beschäftigte fördern,
   Qualifizierungskonzept für die Berater,
   Verpflichtung gemeinsamer Qualitätsstandards,
   institutionsübergreifende Gesundheitsberichterstattung,
   Förderung der regionalen Zusammenarbeit, Netzwerke,
   Schwerpunkte setzen bei Klein- und Mittelbetriebe,
   Zusammenarbeit zwischen BMA und BMG fördern,
   Schwerpunktprogramm Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen.



                                                                       IG Metall
                                                            Referat Arbeits- und
                                                            Gesundheitsschutz
                                                                                            36


Materialien

   Gesundheit schützen und fördern – eine        Gesundheit fördern statt Kranke
    Handlungshilfe für die betriebliche            bestrafen – Tipps für Beschäftigte und
    Gesundheitspolitik, IG Metall, Vorstand,       betriebliche Akteure, Dezember 2000
    2. Auflage, 1998




                                                                               IG Metall
                                                                    Referat Arbeits- und
                                                                    Gesundheitsschutz

				
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posted:7/1/2010
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