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DEUTSCH-INDISCHE

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					DEUTSCH–INDISCHE
  GESELLSCHAFT
      E.V.




MITTEILUNGSBLATT
     3/2000
Ausgabe Nr. 3/2000                                            Inhaltsverzeichnis



Inhaltsverzeichnis

I. Indien und Deutschland – Berichte und Analysen
Deutschland stellt sich in Indien als kultureller Partner vor
                                                                            4
Hans–Georg Wieck
Sind Schulden immer schlecht?
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Hans Christoph Rieger
Europäische Südasienkonferenz, Edinburgh 5. – 9. September 2000
                                                                            8
Joachim Oesterheld

II. Deutsch-Indische Begegnungen
Das Leben in zwei Welten – Über das lebhafte Vereinsleben der Inder
                                                                            9
Jose Punnamparambil
Die dreizehnjährige Schülerin Prijyanka aus Neu-Delhi                       11
Prabuddha Banerjee

III. Deutsch-Indische Gesellschaft – Berichte und Programme

                           1. Jahreshauptversammlung
                                                                            12
Pressemitteilung Jahreshauptversammlung 2000
Orientierungen                                                              14
Prof. P. Bapat
Dankesrede des Preisträgers des Gisela-Bonn-Preises 2000,                   16
Roland Beer , Berlin
Zwei kulturelle Höhepunkte am Sonntag                                       18
Ines Fornell
Nachrichten von der Jahreshauptversammlung 2000 in Baden-Baden              20
Bundesgeschäftsstelle
                                2. Jugend Forum
Was macht das Jugend Forum der Deutsch-Indischen Gesellschaft?              21
Attiya Khan
InderNet.de – Seminar zur Vernetzung Indo-Deutscher Jugendgruppen           25
Bobby Cherian
                             3. Zweiggesellschaften
Berichte aus der Zweiggesellschaft Remscheid zur ihrem                      26
Schulpartnerschafts-Projekt
Helma Ritscher




Mitteilungsblatt der DIG                                                        2
Ausgabe Nr. 3/2000                                        Inhaltsverzeichnis




                           4. Veranstaltungen
Schlussbericht der Ringveranstaltung 2000                               29
Prabuddha Banerjee
Angebote für kulturelle Veranstaltungen 2001                            30
Rita Panesar
Bhramari–Malerei                                                        32
Rita Panesar
Veranstaltungen der Zweiggesellschaften 4. Quartal 2000                 34
Weitere Veranstaltungen                                                 40

IV. Presse und Literatur

Pressespiegel                                                           41
Neue Bücher                                                             46
Impressum
                                                                        47




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Ausgabe Nr. 3/2000                                     I. Indien und Deutschland


I. Indien und Deutschland – Berichte und Analysen


Deutschland stellt sich in Indien als kultureller Partner vor

Deutsche Festspiele in Indien von September 1999 bis März 2000

Hans-Georg Wieck
Am 30. September 2000 eröffnete Außenminister Joschka Fischer mit einer
Vorstellung des Ballets der Bayrischen Staatsoper in New Delhi die Deutschen
Festspiele. Bis zum 31. März 2001 werden in 28 Städten 600 Veranstaltungen
stattfinden. Die kulturelle Perspektive hatte in den beiderseitigen Beziehungen,
ja in der beiderseitigen Wahrnehmung immer eine prägende Bedeutung: Die
Einrichtungen des Goethe-Instituts tragen in Indien nicht den Namen des
deutschen Dichter-Giganten, sondern den des wohl markantesten deutschen
Indologen: Max Mueller. Er wurde in Dessau im Jahre 1823 geboren und früh
von den Geheimnissen der Sanskrit-Sprache fasziniert. Unterstützt von der
englischen East India Company konnte er sich Mitte des 19. Jahrhunderts in
Oxford ans Werk machen, die verstreuten Urtexte des Rigveda zu sammeln und
wissenschaftlich herauszugeben. Jahrtausende hindurch war dieses
Grundwerk im wesentlichen nur mündlich überliefert worden. Vor hundert
Jahren, am 28. Oktober 1900 starb der in aller Welt anerkannte Indologe in
Oxford. Indien verehrt in ihm den Mann, der die Grundlagen der indischen
Zivilisation wiederentdeckte und den Weltkulturen zugänglich machte. Für die
deutschen Festspiele in Indien konnte es keinen beziehungsreicheren Zeitpunkt
geben als den, der mit der Erinnerung an das Wirken von Max Müller
verbunden ist.
Strategischer Dialog zwischen Deutschland und Indien in der Praxis
Die Häufung von Kontakten auf der politischen Ebene lässt darauf schließen,
dass Berlin die Ausrichtung der deutschen Asienpolitik auf China zugunsten
einer ausgewogeneren Pflege der Beziehungen, ja der Zusammenarbeit mit
Indien und China korrigiert hat. Bundespräsident Rau wird noch im weiteren
Verlauf der Festspiele Indien besuchen. Indien erwartet auch den deutschen
Bundeskanzler. Anfang Dezember besucht der Präsident des Deutschen
Bundestages, Thierse, mit einer Delegation Indien. Daneben gibt es Besuche
der Bundesminister Eichel und Trittin in der indischen Hauptstadt.
Was aber bringen diese Besuche in der Sache selbst? Die Anfrage der FDP-
Fraktion   im      Deutschen    Bundestag    zur   Wiederaufnahme        des
entwicklungspolitischen Dialogs auf Regierungsebene legt den Finger in die
offene Wunde. Nach den nuklearen Waffentests im Mai 1998 unterbrachen
Deutschland und andere westliche Staaten die entwicklungspolitische
Zusammenarbeit mit Indien und Pakistan. In der Zwischenzeit haben sich die
Wogen gelegt und wird die Chance erkannt und genutzt, die schon seit langem
verdeckt entwickelten nuklearen Potentiale der beiden Länder in die

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internationalen Rüstungskontroll-Regime einzubinden. Die Begegnungen auf
höchster Ebene zwischen dem amerikanischen Präsidenten Clinton und
Ministerpräsident Vajpayee in New Delhi und in Washington im Laufe dieses
Jahres haben in strategischen Fragen große Übereinstimmung gebracht und
die Möglichkeit engerer Zusammenarbeit gegenüber den sicherheitspolitischen
Gefahren aufgezeigt, die aus der Taliban-Herrschaft in Afghanistan und dem
damit verbundenen religiösen und nationalistischen Fundamentalismus im
weiteren geographischen Umfeld, vor allem in Pakistan erwachsen.
Der beim Außenminister-Besuch in New Delhi im Mai diesen Jahres
verabredete strategische Dialog hat erstmals in Berlin auf der Ebene der
Staatssekretäre stattgefunden. Sicherheitsfragen regionalen Charakters und
solche funktionaler Art, wie die des Nukleareren Rüstungskontroll-Regimes,
stehen dabei im Vordergrund. Gewiss wird dabei oder aus anderem Anlass die
Wiederaufnahme der entwicklungspolitischen Gespräche verabredet worden
sein. Man spricht davon, dass mit Projekten zur Überwindung der Armut in der
Größenordnung von 100 Millionen die Zusammenarbeit wieder aufgenommen
werden soll. Laufende Projekte aus früheren Vereinbarungen waren niemals
unterbrochen worden.
Dialog Indien-Pakistan eine sicherheitspolitische Notwendigkeit
Seit dem Staatsstreich der Militärs in Islamabad im Herbst 1999 bereitet die
Entwicklung in Pakistan allenthalben Sorge. Die angestrebte innenpolitische
Stabilität ist nicht eingetreten; die wirtschaftliche Konsolidierung ist ohne
internationale Finanzhilfe nicht zu erreichen. Der Einfluss des islamischen
Fundamentalismus, den Beobachter heute vor allem mit der Taliban-Herrschaft
in Afghanistan identifizieren, ist ungebrochen. Gleichwohl sollte das Gespräch
mit Pakistan nicht abgebrochen werden. Auch Indien kann sich dieser
Notwendigkeit nicht entziehen. Doch dazu scheint die Vajpayee-Regierung noch
nicht bereit zu sein, nachdem die im Februar 1999 in Lahore verabschiedete
Erklärung zur weiteren Zusammenarbeit durch die pakistanische Militär-
Aktion im Frühjahr 1999 in den Höhenzügen im Raum von Kargil/Kashmir zur
Makulatur wurde. Kargil hat die internationale Stellung der BJP-Regierung
gestärkt, aber in Verbindung mit dem Militärputsch von General Musharaf in
Islamabad den innenpolitischen Spielraum von Ministerpräsident Vajpayee
eingeengt. Aber das kann nicht alles sein, wenn Indien der Verantwortung
gerecht werden will, die dem Land auf dem Subkontinent zufällt. Die Kontrolle
der nuklearen Waffen in Pakistan steht mittelfristig auf dem Spiele: Auch die
pakistanischen Waffen müssen in das internationale Rüstungsregime
einbezogen werden. Die innere Stabilität Pakistans erscheint gefährdet. Der
indischen Regierung stehen viele Möglichkeiten zu Gebote, Gespräche zu
führen, zum Beispiel bei den Konferenzen der Südasiatischen Vereinigung für
Regionale Zusammenarbeit (SAARC – South Asian Association for Regional
Cooperation). Angesichts der Krisenanfälligkeit des pakistanisch-indischen
Verhältnisses sind Vereinbarung und Anwendung von vertrauensbildenden
Maßnahmen im bilateralen Verhältnis von strategischer Bedeutung.



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Aber auch in Kaschmir wird das Schicksal des Subkontinents mitentschieden.
Die politischen Kräfte von Regierung und Opposition müssen sich über eine
gemeinsame Haltung verständigen. Auch in diesen Fragen hat die Regierung
Vajpayee eine große Verantwortung, der sie nachkommen kann, da ihre
innenpolitische Stellung recht stabil zu sein scheint. Ein innenpolitischer
Herausforderer ist weit und breit nicht zu erblicken.


Sind Schulden immer schlecht?
Hans Christoph Rieger
Wie vielleicht viele aus der älteren Generation, bin ich mit der Vorstellung
aufgewachsen, dass Schuldenmachen verwerflich ist und auf jeden Fall
vermieden werden sollte. Man sollte stets, so haben uns die Eltern gelehrt, die
Ausgaben an die Ersparnisse anpassen. Aber wer einmal mit dem Gedanken
gespielt hat, ein Haus zu bauen oder eine Eigentumswohnung zu kaufen, wird
zu der Erkenntnis gekommen sein, dass es durchaus sinnvoll ist, sich das Geld
zu borgen und monatlich abzuzahlen, statt den Kaufpreis zuerst anzusparen
und in der gleichen Zeit einem Dritten eine Miete zu bezahlen. So können die
Mieteinsparungen für die Bedienung des Kredits verwendet werden.
Der Staat handelt bei der Bildung von Infrastruktur ebenso: Besser die Effizienz
einer neuen Straßenverbindung sofort nutzen und die dadurch erzielten
zusätzlichen Steuereinnahmen zur Bedienung der aufgenommenen Kredite zu
verwenden, als zu warten, bis sich genügend Geld im Spartopf angesammelt
hat. Heute wird oft gerne kopfschüttelnd darauf verwiesen, dass ein neuer
Erdenbürger mit einigen Tausend Mark Staatsschulden auf die Welt kommt,
aber auf der anderen Seite der Bilanz müsste man fairerweise die vielen
langlebigen Kapitalanlagen wie die Verkehrswege, Flugplätze, Schulen,
Staatstheater und andere Bauten aufführen, die von früheren Generationen
erstellt aber noch nicht voll abbezahlt sind. In einem schuldenfreien Staat
haben frühere Generationen die bestehende Infrastruktur schon bezahlt, die
die gegenwärtige Gesellschaft somit kostenfrei zur Verfügung hat. Ob das fair
ist, kann mit Fug und Recht auch in Frage gestellt werden.
In Indien ist seit längerer Zeit aber eine wachsende Staatsverschuldung zu
beobachten, die auf Dauer untragbar ist und dringend ein Gegensteuern der
Regierung erfordert. Addiert man nur vier der jährlichen Ausgabeposten
zusammen, nämlich die Zinszahlungen für frühere Kreditaufnahmen, die
Verteidigungsausgaben, die Löhne und Gehälter der Staatsbediensteten und
die in vielen Bereichen üppig fließenden staatlichen Subventionen, und stellt
diese Summe den gesamten steuerlichen und sonstigen Staatseinnahmen
gegenüber, so ergibt sich bereits ein Defizit. Selbst wenn der Staat alle anderen
Funktionen einstellen und nichts mehr tun würde, gäbe es jedes Jahr ein
Defizit und damit eine wachsende Staatsschuld. Das ist ein auf Dauer
unhaltbarer Zustand.



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Um das weitere wirtschaftliche Wachstum zu fördern und um ausländisches
Kapital dafür anzulocken, müsste der indische Staat dringend Ausgaben für die
Erhaltung und den Ausbau der Infrastruktur, für den Bau von Schulen und
Krankenhäusern       und     die    Verbesserung     der     Bildungs    und
Ausbildungseinrichtungen und die Gesundheitsvorsorge tätigen. Doch dafür ist
kein Geld da. Die Lage ist aber noch schlimmer, denn das Haushaltsdefizit hat
auf die Wirtschaft noch weitere ungünstige Auswirkungen, je nachdem wie es
finanziert wird.
Erstens könnte der Staat einfach neue Banknoten drucken und sie zur Zahlung
seiner Ausgaben verwenden. Das führt unmittelbar zu allgemeinen
Preissteigerungen, denn es wäre nun mehr Geld im Umlauf, ohne dass sich das
Warenangebot erhöht hätte. Diese Inflation ist die ungerechteste Form der
Defizitfinanzierung. Sie wirkt wie eine zusätzliche und ausgesprochen
degressive Besteuerung. Das heißt, sie schadet den Armen mehr als den
Reichen.
Zweitens könnte der Staat auf dem Geldmarkt neue Kredite aufnehmen, was
ihm in Indien nicht schwer fällt, da die allermeisten Banken ja in staatlicher
Hand sind. Er kann ihnen die Abnahme von Schatzbriefen mit niedriger
Verzinsung vorschreiben, was für den Staat günstig aber für die Banken
ungünstig ist. Da die staatlichen Banken gleichzeitig vom Staat angehalten
werden, möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften oder zumindest keine
Verluste einzufahren, müssen sie im übrigen Bankgeschäft von den
Privatpersonen bzw. von der Privatwirtschaft entsprechend höhere Zinsen
verlangen. Damit werden die Investitionen der Privatwirtschaft teurer und fallen
geringer aus, als es sonst der Fall wäre. Es werden weniger neue Arbeitsplätze
geschaffen, das Wachstum wird gebremst und die Einkommen bleiben niedrig.
In jedem Fall muss die indische Bevölkerung die Schulden ihres Staates
bezahlen, entweder durch höhere Preise oder durch geringeres Wachstum.
Auch in Deutschland sind wir in den letzten beiden Jahren auf das Problem der
hohen Zinszahlungen im Haushalt der Bundesregierung aufmerksam
geworden, und zum Glück hat es hier durch einen energischen Finanzminister
Maßnahmen gegeben, den Trend zu stoppen in der Hoffnung, dass der
Schuldenberg nach und nach auf ein vernünftiges Maß zurückgeführt werden
kann. In Indien ist dies ungleich schwieriger, denn die dortige
Koalitionsregierung ist wegen der Vielzahl der Koalitionspartner schwach. Die
Zentralregierung wird zwar immer wieder vom Internationalen Währungsfonds
gedrängt, das jährliche Haushaltsdefizit zu reduzieren, und ihre jeweiligen
Finanzminister, zuletzt Yashwant Sinha, haben die Bedeutung des Problems
erkannt. Aber es zeigt sich wieder einmal auch in diesem Bereich, dass es viel
schwieriger ist, die Auswirkungen vergangener Fehler rückgängig zu machen,
als die Fehler von vornherein zu vermeiden.
Da die Regierung in einem demokratischen Land wie Indien nicht einfach ein
Moratorium für die Zinsen und Tilgung der in früheren Jahren aufgenommenen
Kredite ausrufen kann, bleibt neben Steuererhöhungen durch die
Verbreiterung der Steuerbasis und einer insgesamt höheren Ausgabendisziplin

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nur der Verkauf von Staatseigentum als kurzfristiges Mittel des
Budgetausgleichs. Das ist wohl der wichtigste Grund, weshalb der indische
Staat in letzter Zeit so an der Privatisierung der vielen Staatsunternehmen
interessiert ist. Dass es auch andere gute Gründe gibt, die Privatisierung voran
zu treiben, hatten wir in einem Beitrag zum Stichwort „Disinvestment“ in der
letzten Ausgabe des Mitteilungsblatts bereits gezeigt.




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Europäische Südasienkonferenz
Edinburgh, 5.-9. September 2000

Joachim Oesterheld
Zum 16. Male trafen sich Wissenschaftler aus Europa, die sich in Lehre und
Forschung mit moderen Entwicklungen in Ländern Südasiens beschäftigen, zu
Vorträgen und zum Gedankenaustausch. Gastgeber der alle zwei Jahre an
einer Universtät stattfindenden Veranstaltungen war dieses Mal das Zentrum
für Südasienstudien an der Universität Edinburgh. Die bisher größte
Teilnehmerzahl von rund 350 Wissenschaftlern korrespondierte mit der Zahl
von über 30 Arbeitsgruppen. Die Themen sind jeweils unterschiedlichen
Aspekten der sozialhistorischen, politischen und kulturellen Entwicklung
gewidmet. Sie reichen von aktuellen Gegenwartsfragen zurück bis in das 18.
Jahrhundert und schliessen sachlich und historisch breiter angelegte
Fragestellungen ebenso ein wie sehr spezifische Aspekte. Die europäischen
Südasienkonferenzen stehen nicht unter einem Gesamtthema.

Die meisten Beiträge sind Indien gewidmet. Hier tritt in verstärktem Maße die
Beschäftigung mit einzelnen Regionen und Unionsstaaten in den Vordergrund
des Interesses.
Bei einer starken Präsenz einerseits von Ethnologen, Soziologen, Sprach-,
Kultur- und Literaturwissenschaftlern fehlen andererseits andere Disziplinen
wie     die     Rechtswissenschaften    völlig    oder     sind     wie   die
Wirtschaftswissenschaften nur schwach vertreten. Hier zeigt sich eine starke
Diskrepanz zur modernen Sinologie und Japanologie, mit denen sich heute
nahezu alle Wissenschaftsdisziplinen befassen. Erfreulich war die, wenn auch
noch immer schwache Beschäftigung mit anderen Ländern der Region
Südasien, wobei erstmals Bhutan breite Aufmerksamkeit fand.

Die Unterstützung durch Sponsoren ermöglichte einer allerdings nur
begrenzten Zahl von Wissenschaftlern aus osteuropäischen Ländern die
Teilnahme, während zugleich zum ersten Mal eine größere Zahl von
Wissenschaftlern aus Indien und in Europa ansässige Kollegen aus Südasien
der Konferenz das Gepräge gaben. Eine Neuerung war die ausschließliche
Vorbereitung und Organisation der Konferenz, die wie immer von den Leitern
der Arbeitsgruppen unterstützt wird, durch das Internet. Die kommende
Konferenz wird im Jahre 2002 vom Südasieninstitut der Universität Heidelberg
veranstaltet.




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Ausgabe Nr. 3/2000                               II. Deutsch-Indische Begegnungen


II. Deutsch-Indische Begegnungen

Das Leben in zwei Welten –
Über das lebhafte Vereinsleben der Inder

Jose Punnamparambil
Wie bekannt, ist die Zahl der hier lebenden Inder im Vergleich zu der
Gesamtbevölkerung unbedeutend klein. Deshalb finden sie selten Erwähnung
in den offiziell bekanntgegebenen Statistiken. Auch der Migrationsbericht 1999
der Ausländerbeauftragten gibt keine Auskunft über die Gesamtzahl der Inder,
die hier leben. Laut Zahlen des Bundesstatistischen Amtes (Wiesbaden) leben
zur Zeit in Deutschland ca. 34.000 Inder. Hinzu kommen ca. 5.000 Deutsche,
die indischer Abstammung sind. Die Zahl der Inder, die die deutsche
Staatsbürgerschaft annehmen, steigt ständig, insbesondere bei denen, die zu
der 2. Generation gehören. Da es aus Indien seit 1973 (Anwerbestopp) kaum
Zuwanderung gibt (außer eine sehr geringe Zahl Studenten und IT-Fachleuten),
verringert sich die Zahl der hier lebenden Inder mit zunehmender
Geschwindigkeit.

Trotz ihrer kleinen Zahl, führen die Deutschland-Inder heute ein erstaunlich
lebhaftes Gemeinschaftsleben. Zahlreich sind die Vereine, Initiativen, Clubs
etc., die die Inder neben der großen bilateralen Freundschaftsvereine
Deutschlands, nämlich die Deutsch-Indische Gesellschaft (mit 29 Zweigstellen
und ca. 4.000 Mitgliedern), ins Leben gerufen haben. Alleine in Köln gibt es
neben der dortigen Deutsch-Indischen Gesellschaft ca. 12 Vereine, Initiativen,
religiöse Gruppen, die regelmäßig Programme für Mitglieder und die
Öffentlichkeit anbieten und sich für gemeinnützige Zwecke engagieren. Auch in
anderen Großstädten wie Frankfurt, Berlin und Hamburg ist die Situation nicht
viel anders.

Als die erste Generation Inder in den sechziger und Anfang der siebziger Jahre
nach Deutschland zogen, hieß die Devise: „Integration unter Bewahrung
eigener kultureller Identität“. Da die meisten Inder damals aus ländlichen
Verhältnissen kamen, fanden sie das Leben in einer hochkomplexen urbanen
Gesellschaft hier sehr schwierig. Gleichzeitig wurde es ihnen klar, dass sie sich
rasch an hiesige Verhältnisse anpassen müssen, um hier überleben und für
sich langfristige Lebensperspektiven entwickeln zu können. So lebten sie
gleichzeitig auf zwei Ebenen: Pflege der Heimatkultur einerseits und Anpassung
an die Gastkultur andererseits. Die beruflichen Erfordernisse, der alltägliche
Kommunikationsbedarf und die Bedürfnisse, vollwertige und gleichberechtigte
Mitglieder der hiesigen Gesellschaft zu sein, führten zwangsläufig zum Erlernen
der deutschen Sprache, zur Aneignung unterschiedlicher Sitten, Gebräuche
und Normen des Gastlandes und schließlich zur Verknüpfung und Pflege
freundschaftlicher Beziehungen zu den Deutschen. Auf der anderen Seite
bauten sie ein Parallel–Leben auf, in dem sie ihre Sprachen, religiösen

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Gebräuche und kulturelle Eigenarten praktizieren und zur Geltung bringen
konnten. So entstanden mit der Zeit, wie schon erwähnt, zahlreiche Vereine,
Initiativen etc., die auch dem Zweck dienten, den Mitgliedern Raum und
Tätigkeitsfelder bereitzustellen für individuelle, kollektive Leistungen und
darauf basierende Anerkennung. Im Rahmen eines offenen deutschen Vereins
wäre es für viele Inder schwierig gewesen, eigene Ideen und Vorstellungen
durchzusetzen.

Portrait eines Vereins

Einer der ältesten solcher Vereine, nämlich „Selbsthilfe für Indien“, feierte am
26.10.2000 seinen 26. Geburtstag im Saal des Friedrich-Wilhelm Gymnasiums,
Köln. Bei der Zielsetzung und Aufgabenstellung unterscheidet sich jedoch
dieser Verein von den üblichen indischen Vereinen. Damals, Anfang der
siebziger Jahre, lebten eine große Zahl an Indern (hauptsächlich aus dem
südindischen Staat Kerala) als Krankenpflegekraft in Städten des Landes
Nordrhein-Westfalen, insbesondere in der Stadt Köln. Verglichen mit dem
Lebensstandard ihrer Verwandten und Freunde in der Heimat, lebten die
meisten Inder hier wohlhabend, gesund und zukunftssicher. Dies brachte
einige von ihnen dazu, über das Schicksal von Millionen Unterprivilegierten,
Entrechteten und Marginalisierten in ihrer Heimat nachzudenken. Haben die
Inder, die in Deutschland im Wohlstand leben, nicht eine moralische
Verpflichtung, ihre in Armut und Not lebenden Brüder und Schwestern in
Indien unter die Arme zu greifen? – dachten sich viele. Ohne das Opfer der
Zurückgebliebenen wäre es für die Ausgewanderten nicht möglich gewesen, ein
Leben im Wohlstand zu verbringen. Daraus entspringt die Pflicht, dass sie Teile
ihres Wohlstandes den bedürftigen Menschen in der Heimat zur Verfügung
stellen.

Mit diesen Gedanken sammelten sich einige InderInnen 1974 in Köln und
gründeten den Verein „Selbsthilfe für Indien“. Die Grundidee war, aus den
eignenen Mitteln direkte Hilfe an bedürftige Menschen zu leisten und kleine
sinnvolle Projekte zu gunsten der Notleidenden zu fördern. So hat der Verein in
den letzten 26 Jahren zahlreiche Vorhaben in Indien unterstützt; u.a. ein
Stipendiumprojekt für mittellose Jugendliche, die sich in der Berufsausbildung
befinden, eine Behindertenschule, eine Schneiderschule für Mädchen, einige
Wasserversorgungsprogramme und seit 1997 einige Häuser für Obdachlose.
Das Ziel des letzteren Projektes ist, 101 Häuser für Obdachlose in Kerala im
Rahmen eines Förderungsprogrammes des Staates mitzufinanzieren. Der Anteil
des Vereins pro Haus beträgt ca. DM 600,00. Bis jetzt sind Mittel für 25 solche
Häuser schon abgeflossen. Außerdem überweist der Verein Spendenbeträge an
Hilfswerke oder Hilfsorganisationen, wenn die finanzielle Situation dies zulässt.

Die Vereinsmitglieder sammeln Gelder für die obengenannten Maßnahmen
durch gebührenpflichtige Kulturveranstaltungen und durch Spenden.



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Kontaktadresse: Herr Stalin Johannan, Präsident Selbsthilfe für Indien e.V.,
Postfach 420544, 50899 Köln. Tel/Fax: 0221/420 22 98




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Die dreizehnjährige Schülerin Prijyanka aus Neu-Delhi
Prijyanka Singh, Jahrgang 1987 lebt mit ihrer Mutter und ihrer neunjährigen
Schwester seit Anfang 2000 in Karlsruhe, damit sie hier – wegen der besseren
Trainingsmöglichkeiten – ihre Leistung im Schwimmsport gut voranbringen
kann.
Prijyankas Ziel ist es, bei den Asian Games im Jahre 2002 eine Medaille in
Schwimmen für Indien zu gewinnen. Dafür trainiert sie täglich in einem
bekannten Schwimmverein in Karlsruhe. Prijanka ist eine sehr gute Schülerin.
Sie malt und übt Hindustani vocal. Bei der ZG Karlsruhe hat sie bei mehreren
Anlässen uns durch ihre Gesangsvorträge erfreut. Ausserdem schreibt sie
Gedichte. Nachfolgend zwei Kostproben:

Friendship                               Rainbow

Friendship is like a red rose,           After the clouds are satisfied,
full of beauty and softness              and the rain is almost dried,
which is free of cost.                   we can see the Sun shine light
                                         and a strip of colourful sight.
It is the only thing
which can bring about peace,             Seven colours are side by side,
and tie the people in a thread of love   power of unity combine them tight,
like beads.                              giving a colourful lovely sight
                                         in the sky clear and bright.
It’s the most successful way,
of learning things                       Its so silent, it’s not might,
from our fellow beings.                  but conveyes a message
                                         most important in life,
Friendship needs you to have,            message of unity and not to fight,
a sense of love, sacrifise,              if you want to be the best
and a will to think,                     and admired wordwide.
Something good for other beings.

All the humans on Earth,
God made them thinking,
that they will be one and
do something worth.

We can get the God’s dream true,
by joining hands, making friends
and working everything through.

Most of us live for ourselves,
but those who live for others,
are the ones where friendship dwells.




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Ausgabe Nr. 3/2000                              III. DIG – Berichte und Programme


III. Deutsch-Indische Gesellschaft –
Berichte und Programme

                           1. Jahreshauptversammlung

Pressemitteilung (November 2000)

Jahreshauptversammlung der Deutsch-Indischen Gesellschaft e.V.
vom 27. bis 29. Oktober im Rathaus Baden-Baden

Verleihung des Gisela Bonn-Preises an Roland Beer

Verleihung des Rabindranath Tagore-Literaturpreises an Generalkonsul a. D.
Dr. Hans Wolfgang Schumann

Vom 27. bis 29. Oktober hielt der Dachverband der Deutsch-Indischen
Gesellschaft e.V. seine 47. Jahreshauptversammlung im Rathaus der Stadt
Baden-Baden ab. Schwerpunktthemen der Sitzungen bildeten die
Sicherung der Finanzierung, die Planung der kommenden Projekte. Im
Rahmen eines Festaktes verlieh der Gesandte Raghvendra Singh, Direktor
des ICC Berlin, an Herrn Roland Beer den Gisela Bonn-Award.
Generalkonsul a.D. Dr. Wolfgang Schumann erhielt zur Hälfte den
diesjährigen Rabindranath Tagore–Literaturpreis der DIG.

Die Deutsch-Indische Gesellschaft (DIG) wurde 1953 in der Landeshauptstadt
gegründet und umfaßt bundesweit inzwischen 29 Zweiggesellschaften. Sie
gehört    zu    den    mitgliederstärksten   bilateralen    Kulturgesellschaften
Deutschlands mit etwa 4.000 Mitgliedern, darunter zahlreiche indische
Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. In jährlich über 300 Veranstaltungen
vermitteln die Zweiggesellschaften von Kiel bis an den Bodensee den Reichtum
indischer Kulturen in Form von künstlerischen Darbietungen und sprechen
auch aktuelle und grundsätzliche Themen der Politik, Wirtschaft und
Entwicklung an. Die Zweiggesellschaften unterstützen Entwicklungsprojekte in
Indien und beraten indische Studenten in Deutschland, sowie deutsche
Studierende, die sich für ein Praktikum in Indien interessieren.

Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung stand der Vorschlag, eine Indien-
Stiftung ins Leben zu rufen, um die künftige Finanzierung der Deutsch-
Indischen Gesellschaft zu gewährleisten. Hintergrund ist der stetige Rückgang
der Spendengelder. Der Schatzmeister der DIG, Herr Nanz, stellte den
Satzungsentwurf vor und berichtete, dass sich der Fördererkreis der DIG zu
diesem Zweck aufgelöst hat. Die Jahreshauptversammlung beauftragte
daraufhin den Vorstand, eine Indien-Stiftung in Stuttgart zu beantragen.



Mitteilungsblatt der DIG                                                      14
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Zur Vorbereitung der Jubiläumsveranstaltung „50 Jahre Deutsch-Indische
Gesellschaft im Jahre 2003“ in Stuttgart wurde ein Ausschuss gegründet.

Zum Zwecke der Förderung interkultureller Arbeit und Verständnis an Schulen
wurde ein Indien-Schulpreis ins Leben gerufen. Frau Hanna Paulmann, die
Gisela Bonn–Preisträgerin im Jahre 1999, stellte hierfür das Stiftungskapital
zur Verfügung. Der Preis wird in Kürze ausgeschrieben und erstmalig im Jahre
2001 verliehen werden.

Im Rahmen einer Festveranstaltung der DIG am Samstag, den 29. Oktober
2000 wurden der Gisela Bonn–Award und der Rabindranath Tagore–
Literaturpreis überreicht. Botschafter S.E. Ronen Sen konnte krankheitshalber
die Preisverleihung nicht persönlich vornehmen. Stellvertretend überreichte der
Direktor des Indischen Kulturzentrums Berlin, Gesandter Raghvendra Singh,
den     diesjährigen    Gisela   Bonn–Award     des   „Indischen    Rats    für
Kulturbeziehungen“ an Roland Beer. Der Preisträger wurde besonders für seine
Verdienste     bei   der   Verbreitung   indischer  Gegenwartsliteratur    und
Direktübersetzungen ins Deutsche ausgezeichnet. Mit seiner selbständigen
schriftstellerischen und Übersetzungstätigkeit machte er wichtige Werke der
indischen Literatur einem interessierten deutschen Publikum erstmals
zugänglich.

Der Rabindranath Tagore–Literaturpreis wurde von der Jury zu gleichen Teilen
an Professor Dr. Klaus Mylius und Generalkonsul a.D. Dr. Wolfgang Schumann
verliehen. Die Jahreshauptversammlung hat nach Beratungen im Beirat auf
Vorschlag des Vorstandes zuvor beschlossen, die Übergabe des Rabindranath
Tagore–Preises    an   Professor  Dr.   Klaus   Mylius    auszusetzen.  Die
Jahreshauptversammlung hat die Entscheidung der Tagore-Jury zur Kenntnis
genommen. Beirat und Vorstand werden die Unterlagen, die der Jury
vorgelegen haben, prüfen.

Am Abend hielt Professor Dr. Lutze die Laudatio für den diesjährigen
Rabindranath Tagore–Literaturpreispreisträger Dr. Wolfgang Schumann. Der
Preis wurde für die beiden Publikationen „Der historische Buddha“ und „Die
großen Götter Indiens“ vergeben. Der Preisträger vermittelt in dem Werk „Der
historische Buddha“ den Religionsschöpfer Buddha in entmythologisierter
Form in seiner Epoche. Schumann akzentuiert gegenüber dem heute
vorherrschenden tibetischen Buddhismus die historische Bedeutung des
indischen Buddhismus. In dem Werk „Die großen Götter Indiens“ beschreibt
Schumann die Grundlehren von Buddhismus und Hinduismus – ihre
Gemeinsamkeiten und ihre Unterschiede. Die Publikation vermittelt
Basiswissen für alle, die Indiens Kultur begreifen und die Symbolik indo-
asiatischer Kunstwerke verstehen wollen.

Die nächste Jahreshauptversammlung der Deutsch-Indischen Gesellschaft e.V.
findet in der ersten Hälfte Oktober 2001 in Stuttgart statt.


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Orientierungen

Vortrag von Prof. P. Bapat, Beiratsvorsitzender, gehalten auf der
Jahreshauptversammlung im Rathaus der Stadt Baden-Baden, am 28. Oktober
2000

Sehr verehrte Damen und Herren!
Es ist mir eine große Ehre und zugleich eine besondere Freude, Ihnen ein paar
Gedanken zu dem Thema „Orientierung der Deutsch-Indischen Gesellschaft“
unterbreiten zu können. Mit meiner Rückkehr in den Bundesvorstand vor
einem Jahr habe ich mir vorgenommen, die Themen und die Gedanken, die im
Beirat besprochen und diskutiert werden, den Zweiggesellschaften näher zu
bringen. Einiges habe ich bereits über den schriftlichen Weg den
Zweiggesellschaften zukommen lassen. Ein Thema, das m. E. ein bedeutendes
Thema ist, möchte ich hier persönlich kurz erläutern und Sie auffordern,
darüber nachzudenken sowie in den Zweiggesellschaften mit den anderen
Mitgliedern zu diskutieren.
Der ehemalige Beirat unter dem Vorsitz von Herrn Dr. Rieger hat sich seinerzeit
Gedanken über die Aktivitäten der Deutsch-Indischen Gesellschaft, von der
Vergangenheit bis heute, gemacht und in einem Orientierungspapier
zusammengefasst. Ich weiß nicht so genau, wie viele von Ihnen das Papier
kennen. Mit einigen Zweiggesellschaftsvorsitzenden habe ich mich darüber
unterhalten. Meiner Information nach haben viele Zweiggesellschaften das
Orientierungspapier an die Mitglieder gar nicht versandt. Sei es mangels
Interesse oder aus Kostengründen. So fand vermutlich nur an einigen wenigen
Zweiggesellschaften eine Erörterung über diese hervorragenden Ansätze, die in
diesem Papier zur Diskussion gestellt werden, statt. Nun möchte ich die
wichtigeren dieser Ansätze zusammen mit meinen eigenen Überlegungen dazu
kurz vortragen und hoffen, dass sich mehr Zweiggesellschaften mit den
Ansätzen beschäftigen.

Man könnte sich fragen: Haben wir überhaupt Bedarf, einen Grund, nach
Änderungen zu suchen? Erfüllen wir den in der Satzung fest verankerten
Auftrag: „Pflege der Beziehung zwischen Indien und Deutschalnd“ etwa
nicht? Wir in den Zweiggesellschaften veranstalten doch Konzerte, Tanzballett,
Vorträge, sammeln Spenden für Hilfsprojekte und organisieren Reisen nach
Indien u.s.w.. Manche werden sagen, wir haben dies – vielleicht mit
unterschiedlichem Erfolg – aber schon immer gemacht. Doch die Zeiten ändern
sich. Man macht alles wie bisher, weil man das immer so gemacht hat. Und
plötzlich ist das, was man bisher tat, nicht mehr zeitgemäß! Warum?
Deshalb mein erster Ansatz: Wie ist die Altersstruktur unserer Mitglieder? Ja
man könnte fragen, wie ist die Altersstruktur des Publikums bei unseren
Veranstaltungen? Einige Zweiggesellschaften sind ausnahmsweise in der
glücklichen Lage, mehrere jüngere Mitglieder zu haben. Für diese
Zweiggesellschaften mag dieser Punkt nicht sehr aktuell sein; aber für eine
große Mehrheit unter uns doch. Um jüngere Mitglieder zu gewinnen, d.h. ein
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jüngeres    Publikum      anzulocken,   muss     man     auch    entsprechende
Veranstaltungen anbieten. Tun wir das? Seit 1994 findet ein Jugendseminar in
Bad Boll statt. Aber nur einmal im Jahr! Was für ähnliche Aktivitäten haben
wir in den Zweiggesellschaften selbst? Dabei möchte ich auch meine eigene
Zweiggesellschaft nicht als eine Ausnahme hinstellen. Dank der Tagung in Bad
Boll gibt es in 4 oder 5 Städten Aktivitäten des Jugendforums der Deutsch-
Indischen Gesellschaft. Das ist viel zu wenig, wenn man an die 30
Zweiggesellschaften denkt. (Z. B. Indo-Jazz, Modern-Indian Dance etc.)
Einen zweiten Punkt möchte ich hier anschneiden. „Wie weit hat die Deutsch-
Indische Gesellschaft eine politische Aufgabe?“ Dabei bitte ich, den Begriff
„politische Aufgabe“ sehr breit auszulegen. Kirchliche Institutionen sowie
politische Parteien in Deutschland organisieren Tagungen über aktuelle
Themen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Indiens. Wie weit sind wir dort
präsent? Sind wir in den Ausländerbeiräten der Städte vertreten? Sind wir aktiv
– in irgendeiner Form – bei den ausländerfeindlichen Drohungen? Das sind nur
ein paar Beispiele, bei denen wir nach außen aktiv sein sollten.
Einen Beitrag zu einer Tagung zu leisten, verursacht kaum oder nur wenig
Kosten. Das könnte jede/jeder einzeln unternehmen. Auf die Initiative von
Zweiggesellschaften wurde das Projekt „Revision des Indienbildes im
Schulunterricht“ in Angriff genommen. Aufgaben wie „Revision des Indienbildes
im Schulunterricht“ verlangt Sponsoren und außerdem freiwillige Mitarbeiter.
Man kann aber Themen herausgreifen, über diese in der eigenen
Zweiggesellschaft diskutieren sowie versuchen, andere Zweiggesellschaften
dafür zu gewinnen.
Meine lieben Mitgestalter und Mitgestalterinnen der Deutsch-Indischen
Gesellschaft! Ich habe hier mit zwei bis drei Beispielen versucht zu
verdeutlichen, wie wir in Zukunft unser Veranstaltungsspektrum farbiger
darstellen sowie mehr Publikum ansprechen können. Weitere Anregungen gibt
es in dem Orientierungspapier 1999. Schauen Sie sich das Papier an.
Übrigens, das dort angeregte Mitteilungsblatt, das so etwas wie eine
Mitgliederzeitschrift werden soll, haben wir inzwischen. Melden Sie sich zu
Wort bei diesem Blatt (d.h. über die Bundesgeschäftsstelle), wie Ihnen das
Mitteilungsblatt gefällt, was Sie in der Deutsch-Indischen Gesellschaft anders
haben möchten u.s.w. In Ihren, das heißt in unseren Händen liegt es nun,
mehr Leser für das Mitteilungsblatt zu gewinnen. Bei einer ausreichend hoher
Anzahl von Lesern, sprich Abonnenten, könnte man das Mitteilungsblatt etwas
professioneller und zugleich kommerzieller gestalten.
Ich möchte hiermit meine Ausführungen schließen und mich bei Ihnen für Ihre
Aufmerksamkeit bedanken.




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Dankesrede des Preisträgers des Gisela-Bonn-Preises 2000,
Roland Beer, Berlin

Liebe Mitglieder der Deutsch-Indischen Geselleschaft,
sehr verehrte Damen und Herren!

Erlauben Sie mir, mit wenigen Worten dem Gefühl des Dankes Ausdruck zu
verleihen, des Dankes, den ich empfinde für die soeben verliehene Auszeichnung
mit dem ‚Gisela-Bonn-Award‘ durch das ‚Indian Council for Cultural Relations‘.
Besonders dankbar und stolz macht es mich, dass mir dieser Preis von indischer
Seite zuerkannt wird. Darf ich darin doch eine Anerkennung sehen meiner
jahrzehntelangen Anstrengungen, mit den mir verfügbaren bescheidenen Mitteln
etwas beizutragen zum Brückenbau zwischen den beiden großen Kulturen Indiens
und Deutschlands. Und dies unter historisch außerordentlich verschiedenen
Bedingungen, nämlich mehr als zweieinhalb Jahrzehnte in der DDR und nunmehr
schon ein volles Jahrzehnt unter den veränderten neuen Bedingungen des
vereinten Deutschlands.
Dank empfinde ich auch dafür, dass mir durch meine Beschäftigung mit der
indischen Kultur so bedeutsame Erweiterungen meines Verständnisses von Welt-
und Menschheitskultur möglich geworden sind. Die Konfrontation mit Indien
relativierte mein im wesentlichen auf ein dualistisches Denken beschränktes
Weltbild und öffnete es für weit komplexere Wahrnehmungsmöglichkeiten. Auch
mein politisches Denken in Weltmachtblöcken löste sich auf und gab Raum für
ganz neue Einsichten in die politische Realität außereuropäischer Sphären.
Seit den Wochen, als ich das erste Mal Indiens Wirklichkeit unmittelbar persönlich
erleben durfte – das war im Winter 1978/79 – ließ mich der Wunsch nicht mehr
los, das mit diesen elementaren Begegnungen Erfahrene hier zu Hause mitzuteilen.
Die Motivation, der indischen Kultur und dem indischen Lebensgefühl Eingang zu
verschaffen ins Verständnis meiner Landsleute, wurde intensiver und regte mich
an, auch auf anderen Feldern als nur der Literatur mitzuwirken bei der
Vermittlung kultureller Eigenarten Indiens, so etwa bei der Förderung der
Rezeption von Werken der darstellenden Künste wie Film und Theater.
Jeder, der sich auf die Vermittlung von Literatur durch Übersetzen und Publizieren
einläßt, stößt im Falle Indiens auf ungewöhnliche Schwierigkeiten. Es stehen uns
hier nicht nur die vielfachen Sprachbarrieren diese mehrsprachigen Subkontinents
entgegen. Bedeutende literarische Werke in den einheimischen indischen
Sprachen, in denen sich immerhin mehr als 900 Millionen Menschen verständigen
und in denen sie künstlerisch miteinander kommunizieren, werden hier bei uns in
Europa weitgehend dominiert von Werken in englischer Sprache, geschrieben von
Indern im Lande selbst wie auch von vielen bedeutenden Autoren der indischen
Diaspora in den USA, in Kanada und in Großbritannien.
Wer aber Indien von Angesicht zu Angesicht kennt, wer die Sprache, die religiöse
und soziale Atmosphäre dieser von uralten Traditionen geprägten Alltagskultur
und die eigene Mentalität indischer Menschen einmal selbst erlebt hat, wird nach
einer Literatur Ausschau halten, in der diese Welt unmittelbar und ohne das Filter
einer fremden Sprache wiedergegeben ist. Mit meinen Mitstreitern auf
publizistischem Feld Lothar Lutze, José Punnamparambil und Martin Kämpchen

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bin ich mir einig, wie wichtig es ist, dass die kulturspezifischen
Existenzerfahrungen, wie sie sich in den indischen Regionalsprachen und ihren
Literaturen ausdrücken, in das entstehende Weltethos einfließen. Das aber wird
nur möglich, wenn die wichtigsten Werke dieser Literaturen durch Übersetzungen
Eingang finden in den Strom der Weltliteratur.
Wie ungeheuer schwer das objektiv und subjektiv ist, das ist eine der
komplizierten Berufserfahrungen der letzten Arbeitsjahre. Da ist es schon
erfreulich, wenn in deutschen Bücherlisten heute Namen auftauchen wie Anantha
Murthi, der in der Sprache Kannada schreibt, wie Neela Padmanabhan, der in
Tamil schreibt, wie Bhisham Sahni und Nirmal Varma, die in Hindi schreiben, wie
Takashi Pillai und Paul Zacharias, die in Malayalam schreiben, wie Saadat Hasan
Manto und Ismat Chugtai, die in Urdu, oder Mahashveta Devi und Manik
Bandopadhyaya, die in Bengali schreiben.
Und noch etwas darf ich hier und heute nicht unausgesprochen lassen:
Seit meiner frühen Jugend war ich ein bewundernder Leser der Reden und
Schriften Jawaharlal Nehrus. Seine ‚Weltgeschichtlichen Betrachtungen‘,
geschrieben in Form von Briefen an seine Tochter Indira, waren für mich eine Art
Bibel undogmatischer, ideologiefreier Geschichtsbetrachtung. Und in dem schwer
durchschaubaren Gefüge zeitgenössischer Weltgeschichte im Spannungsfeld von
kapitalistischem Imperialismus und Sozialismus war mir Jawaharlal Nehru immer
als die herausragende Persönlichkeit der Geschichte des 20. Jahrhunderts
erschienen. Bei solcher Prägung war es klar, dass ich früh auf die Aufsätze Gisela
Bonns stieß und dass ihr Nehru-Buch ‚Die indische Herausforderung‘ für mich zu
einem der eindringlichsten Leseerlebnisse wurde. Ich war dieser außerordentlichen
Wissenschaftlerin und Journalistin immer dankbar für ihre persönliche und nach
gerechter Beurteilung trachtende Interpretation der Haltung Nehrus und seiner
Tochter Indira.
In einem ihrer wohl letzten Aufsätze für INDO-ASIA im Sommer 1986 mit dem Titel
‚Quo vadis, India‘ zitierte Gisela Bonn den Korrespondenten der ‚HERALD
TRIBUNE‘ Rosenthal mit den Worten: ‚Während meiner Zeit als Korrespondent in
Indien habe ich gelernt, dass Freundschaft mit Indien ein ganzes Leben dauern
und sich selbst auf die Kinder übertragen kann. Aber der wirkliche Beweis für
Freundschaft ist, dass die Ausländer die Inder und ihr Land nicht mit
Herablassung oder so etwas Ähnlichem betrachten. Die Inder haben ein
ausgezeichnetes Gespür für die Herablassung der Fremden – für das hämische
Vergnügen, mit dem gewisse Ausländer über Indien schreiben‘. Ich empfand in
diesen Worten fast so etwas wie ein journalistischen Vermächtnis Gisela Bonns. In
diesem Sinn hat sie Zeit ihres Lebens gewirkt und in diesem Sinn fühle ich mich
ihr verbunden und freue mich ehrlich über die Ehrung mit dem Preis, der ihren
Namen trägt.
Ich wünsche und hoffe, dass es meine Gesundheit erlaubt, auch künftig
mitzuwirken am weiteren Ausbau der Verständigung zwischen unseren beiden
Kulturwelten – der indischen und der deutschen. Als Verleger hoffe ich, die als
Selbstherausforderung gestarteten beiden Buchreihen ‚Bibliothek Indischer
Erzähler‘ und ‚Texte zur Geschichte der Deutsch-Indischen Geistesbeziehungen‘
fortsetzen zu können. Diesem Ziel soll auch die mit diesem Preis verbundene Reise
nach Indien dienen.

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Ich freue mich, dass gerade heute der Band 2 der ‚Texte‘ als Neuerscheinung
vorgestellt werden kann – eine Teil – Neuausgabe von Max Müllers berühmter
Schrift ‚Was kann Indien uns lehren?‘ Für diesen heute noch verblüffend aktuellen
Text des vor hundert Jahren verstorbenen großen Gelehrten gilt auch das schöne
Wort André Gides, das Gisela Bonn ihrem Nehru-Buch vorangestellt hat: ‚Die
Weisheit liegt nicht im Verstand, sondern in der Liebe‘

Ich danke Ihnen.



Zwei kulturelle Höhepunkte am Sonntag
Ines Fornell
Am Sonntag, dem 29. Oktober 2000, wurden den Delegierten und Teilnehmern der
Jahreshauptversammlung in Baden–Baden noch zwei kulturelle Höhepunkte
geboten:
Zunächst fand im Neuen Ratssaal eine Matinee zu Ehren des bedeutenden
deutschen Indologen Max Müller (1823–1900) statt, dessen Todestag sich genau
am 28. Oktober zum 100. Male jährte. Gezeigt wurde uns ein von der Deutschen
Welle produzierter Dokumentarfilm über sein Leben und Wirken, der erst wenige
Tage zuvor im Rahmen des Max–Müller–Symposiums in Köln zur Uraufführung
gelangt war. Herr Dr. Friedemann Schlender, der wesentlichen Anteil sowohl am
Gelingen des genannten Symposiums als auch an der Realisation des
Dokumentarfilms hatte, gab zunächst eine kurze Einführung und stand auch in
der Diskussion, die sich an die Präsentation anschloss, dem interessierten
Publikum zur Verfügung.
Der Film beginnt mit der Befragung einiger Passanten in den Straßen von Delhi
und Dessau, die folgendes Ergebnis liefern: Während Max Müller in Indien als
verdienstvoller deutscher Indologe geschätzt wird (nicht von ungefähr tragen die
deutschen Kulturinstitute in Indien seinen Namen – sie heißen Max Müller
Bhavan), so ist er in Deutschland wohl nur in Indologenkreisen bekannt. Ja selbst
in seiner Geburtsstadt Dessau kann heute niemand etwas mit seinem Namen
anfangen. Das mag vielleicht auch damit zu erklären sein, dass er zwei Drittel
seiner Lebenszeit in England verbrachte.
Die Dokumentation zeichnet die wichtigsten Lebensstationen dieses großen
Gelehrten nach, beginnend mit seiner Kindheit und Jugend in Dessau, dem
Studium in Leipzig, wo er sich als einer der Ersten am 1841 gegründeten Lehrstuhl
für Indologie einschreibt. In Berlin und Paris setzt er seine Sanskrit–Studien fort.
1846 siedelt er nach England über, getrieben von seinem Forscherdrang sowie
materiellen Nöten. Hier erhält er die erhoffte Unterstützung für die von ihm
geplante Übersetzung und Herausgabe des Rigveda, welche ihm in Deutschland
versagt bleibt. Durch seine Rigveda–Edition zieht er nicht nur die Aufmerksamkeit
der Fachkreise in Europa auf sich, sondern wird sogar von seiten der
brahmanischen Priester mit Lob und Anerkennung überschüttet.
Seit 1850 hat Müller einen Lehrauftrag an der Universität Oxford, zehn Jahre
später muss er die größte Niederlage seines Lebens hinnehmen: Obwohl er als
aussichtsreichster Kandidat gilt, erhält ein anderer Bewerber den vakant

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gewordenen Lehrstuhl für Sanskritforschung in Oxford. Gewissermaßen als
Entschädigung erhält er 1868 schließlich die Professur für vergleichende
Sprachwissenschaften, die er bis zu seinem Tode innehat.
Zur    Illustration   seiner     Lebensetappen      dienen   Aufnahmen    von   den
Originalschauplätzen      seines      Wirkens,     verschiedene   Dokumente,    alte
Photographien sowie einige nachgestellte Szenen. Kommentare einiger indischer
und deutscher Wissenschaftler ergänzen das Bild. Der Film verweist nicht nur auf
die hervorragenden Leistungen Max Müllers, sondern will uns auch den Menschen
Max Müller näherbringen. So erfahren wir z.B. davon, dass er sich jahrzehntelang
in England als Außenseiter fühlt, oder von seiner Liebe zu Georgina Grenfell, die er
erst nach vielen Jahren vergeblicher Bemühungen heiraten kann. Auch auf einige
Widersprüche in der Persönlichkeit Max Müllers weist der Film hin. Einerseits
zeigte er sich ungewöhnlich liberal gegenüber nichtchristlichen Religionen (was
sich nicht zuletzt in der Herausgabe der 50bändigen Reihe "The Sacred Books of
the East" dokumentierte), doch andererseits war er so konservativ, dass er den
Hinduismus in den Formen, in welchen er im Indien des vergangenen
Jahrhunderts tatsächlich anzutreffen war, eher ignorierte. Angesichts dieser
Haltung mag es vielleicht folgerichtig erscheinen, dass Max Müller nie den Boden
des Landes betrat, "dessen Geschichte, Sprachen und Mythen ihn so in den Bann
gezogen hatten – als ob er diesen Traum, seine Vision des alten Indien,
unverfälscht und ungetrübt vor dem Anblick der Realität bewahren wollte"
(Schlender: Traumflug nach Indien, in: Berliner Zeitung v. 28./29.10.2000). Dass
hier aber auch gewisse Grenzen dieses genialen Gelehrten zu finden sind, wird
durch die mehrfache Einblendung von rituellen Szenen aus dem heutigen Benares,
aber auch von Szenen aus dem indischen Alltag für den Zuschauer geradezu
überdeutlich gemacht. Kein Wunder also, dass auch diese Problematik in der sich
anschließenden Diskussion angesprochen wurde.
Den zweiten Höhepunkt des Tages bildete die gemeinsame Besichtigung der
Ausstellung "Indien durch den Schleier – die Faszination textiler Kunst" im
Alten Dampfbad in Baden–Baden. Hierbei handelte es sich um die modifizierte
Übernahme einer Ausstellung des Staatlichen Museums für Völkerkunde Dresden,
die – von Frau Dr. Lydia Icke–Schwalbe konzipiert und gestaltet – 1997/98 dort
mit großem Erfolg präsentiert worden war.
Was verbarg sich hinter dem neugierig machenden Titel der Ausstellung "Indien
durch den Schleier"? Dazu ein Zitat der Veranstalter: "In den westlichen Staaten
der Indischen Republik, Rajasthan und Gujarat, gehören Schleier unentbehrlich
zur täglichen Kleidung. Tücher umhüllen, bedecken, schützen. Mit ihrer Hilfe wird
etwas lästigen Blicken entzogen oder werden Grenzen verdeutlicht. In
abgewandelter Form – als Turbankopfbedeckung oder Schultertuch – wird es auch
von Männern getragen." Doch neben diesen Tüchern für Menschen gibt es aber
auch solche für Tiere und für Götter. In diesem Sinne zeigte die Ausstellung also
eine breite Palette an Tüchern aus den unterschiedlichsten Materialien – von
Baumwollgeweben über hauchdünne Musseline bis hin zu kostbaren
Seidengewirken.     So     vielfältig   wie    die    verwendeten   Techniken    der
Oberflächenveredlung      (Stickerei,    verschiedenartige    Web-,   Druck-   oder
Färbetechniken, Batik, Malerei usw.) waren auch die Formen und Farben der
dadurch erzielten Muster, Dekore und Ornamente, die zumeist Hinweise auf die
regionale oder gesellschaftliche Herkunft ihrer Träger geben.


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Obwohl die Präsentation als solche bereits beeindruckte und faszinierende
Einblicke in die häusliche Textilkunst Westindiens gewährte, so wurde der Besuch
der Ausstellung durch die sachkundige und engagierte Führung der Kuratorin,
Frau Dr. Icke–Schwalbe, zu einem Erlebnis. Überaus anschaulich erläuterte sie die
Verwendungszwecke bestimmter Textilien oder erklärte einige komplizierte und
zeitaufwändige Web- und Färbetechniken (z.B. das Abbindeverfahren "bandhana"),
wodurch dem Betrachter die Kostbarkeit der gezeigten "textilen Kunstwerke" erst
richtig bewußt wurde.
_______________________________
Schlender, Friedemann: Traumflieger ohne Landeplatz : Max Müller – eine
deutsche Legende in Indien. Berlin: Vistas, 2000. – 118 S. : Ill. ISBN 3-89158-284-
6

Nachrichten von der Jahreshauptversammlung
27. – 29. Oktober im Rathaus Baden-Baden

Bundesgeschäftsstelle
Während der diesjährigen Hauptversammlung wurde eine breite Themenpalette
behandelt. Die wichtigsten Punkte werden in der Pressemitteilung und einigen
Artikeln in dieser Ausgabe besprochen. Die Zweiggesellschaften erhalten zusätzlich
das Ergebnisprotokoll der Jahreshauptversammlung. An dieser Stelle sollen jedoch
zwei Themen angesprochen werden, die sicher im Interesse einer breiteren
Öffentlichkeit stehen.
Einreise: Aus der Zweiggesellschaft Lübeck wurde über einen Fall im Vorfeld einer
Künstler-Tournee berichtet: Eine Künstlerin wurde am Flughafen kurz nach ihrer
Ankunft vom Bundesgrenzschutz wegen ungeklärter Bürgschaft die Einreise
verweigert und ihr Visum ungültig gestempelt. Es gab vor Ort keine Möglichkeit
einzugreifen. Die Künstlerin musste zurück nach Indien reisen.
Um     derartige   Fälle  in   Zukunft     zu   vermeiden,    wurde    auf    der
Jahreshauptversammlung empfohlen, dass sich jede Zweiggesellschaft auf diese
Möglichkeit einstellen und Folgendes beachten müsse: Wenn eine Bürgschaft für
eine Künstlerin oder einen Künstler übernommen wird, sollte man unbedingt die
Künstler persönlich vom Flughafen abholen. Ausserdem müssen die Namen genau
bekannt sein und schriftlich vorliegen. Ansonsten gibt es keine Möglichkeit einer
Intervention.
Versicherung: Im letzten Jahr ist es in zwei Zweiggesellschaften zu
Versicherungsfällen gekommen: Während Veranstaltungen kam es zu
Sachschäden in den jeweiligen Veranstaltungsräumen. Als dies der Versicherung
des Bundesverbandes gemeldet wurde, wurde leider mitgeteilt, dass die
Versicherung nur Schäden übernimmt, die an unmittelbar mit dem Gebäude
verbundenen Inventar entstehen: „Da es sich in vorliegenden Fällen um Inventar
bzw. Möbel handelt und nicht wie versichert um Gebäudebestandteile, kann hier
eine Entschädigungsleistung nicht erbracht werden.“ Die Versicherung übernahm
aus Kulanz einen Pauschalbetrag, der aber nicht den Gesamtbetrag decken
konnte.     Das    heißt,  dass    während     Veranstaltungen    kein   voller
Haftpflichtversicherungsschutz besteht. Empfohlen wird deshalb, vor jeder

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Ausgabe Nr. 3/2000                               III. DIG – Berichte und Programme


Veranstaltung das potentielle Risiko abzuschätzen und entsprechend zu
versichern. Die Bundesgeschäftsstelle wird zusätzlich prüfen, ob nicht eine andere
Vereinbarung mit der Versicherung getroffen werden kann.
Honorargeneralkonsul: Neuer Honorargeneralkonsul für Baden-Württemberg ist
Herr Lapp (Lapp Kabel), und für Nordrhein Westfalen Herr Deichmann (Deichmann
Schuhe). Beide sind große Förderer der DIG und haben ihre Mitwirkung bei der
einzurichtenden Stiftung zugesagt.




Mitteilungsblatt der DIG                                                       23
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                             2. Jugend Forum

Was macht das Jugendforum der Deutsch-Indischen
Gesellschaft?

Attiya Khan für das Jugendforum
Das Jugendforum der Deutsch-Indischen Gesellschaft hat die Aufgabe in einem
Zeitraum von drei Jahren (1998 – 2001), Vorschläge für die Aktivität
Jugendlicher bei der Deutsch-Indischen Gesellschaft zu entwickeln. Vor dem
Hintergrund einer alternden Mitgliederstruktur möchte die Gesellschaft für
Jugendliche und junge Erwachsene attraktiver werden.
Die sieben Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Jugendforums tagen zweimal
im Jahr privat organisiert und kommunizieren via Internet, um möglichst
kostengünstig zu arbeiten.
Folgende Herangehensweisen werden vom Jugendforum eingesetzt:
       In einer wissenschaftlichen Arbeit wurden Jugendliche nach ihren
        Bedürfnissen gefragt. Die Münsteraner Psychologiestudentin Ines Heinen
        führt in unserem Auftrag eine Diplomarbeit über das Interesse
        Jugendlicher und junger Erwachsene an Aktivitäten mit indischem
        Bezug durch. Die Ergebnisse der Befragung liegen im nächsten Jahr vor.
        Um die Teilnahme an den Befragungen zu steigern, wurden gesponserte
        Gewinne in Aussicht gestellt. Zudem wird für die Multiplikatoren der
        Fragebögen eine Fahrt zum deutsch-indischen Bundestagsabgeordneten
        Sebastian Edathy im Februar angeboten.
       Alternative jugendgerechte Seminare wurden konzipiert. Sehr erfolgreich
        verliefen die Seminare über soziale Gerechtigkeit in Mühlheim und das
        Bad Boller Treffen zum Thema „Bildung in Indien“. Die Leitung und
        Konzeption der zukünftigen Seminare wird verstärkt von Mitgliedern des
        Jugendforums übernommen.
       Um die zahlreichen Jugendgruppen zu vernetzten, fand Anfang
        November das Seminar „InderNet.de“ statt. Neben Möglichkeiten der
        Zusammenarbeit ging es auch um die Vermittlung von Kompetenzen in
        den     Bereichen   Öffentlichkeitsarbeit,  Internet-Vernetzung    und
        Gruppenleitung (siehe eigenen Bericht).
Aus der Fülle von deutsch-indischen Jugendgruppen in Deutschland und dem
Erfolg der Seminare kann geschlossen werden, dass durchaus ein Interesse an
Aktivitäten mit indischem Bezug besteht. Warum also nicht bei der Deutsch-
Indischen Gesellschaft?
Um diese Frage annähernd zu beantworten, interessierten die ungefilterten
Wünsche und das Meinungsbild über die Gesellschaft . Dazu wurde mit der
Methode der Assoziationsbildung aktive und interessierte jungen Erwachsene –
also die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Bad Boller Seminars – gebeten,
folgende Sätze zu vervollständigen:
        1. Was ich tun würde, wenn ich König/in der DIG wäre...

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       2. Wenn ich an die Deutsch-Indische Gesellschaft denke, dann fällt mir
        als erstes folgendes ein...
Die Ergebnisse der Kartenabfrage sprechen für sich...

1. Satz: Was ich tun würde, wenn ich König/in der DIG wäre...
      Studienreisen; Ferienfreizeit in Indien; Studienreisen speziell für Indo-
       Deutsche
      Vernetzung; die vielen existierenden Gruppen für/mit Inder(n) öfter mal
       zusammenbringen; den Austausch verbessern
      Kulturaustausch fördern; mehr zum Austausch der indischen/deutschen
       Kultur in die (deutsche) Öffentlichkeit zu bringen; Treffen zwischen
       Jugendlichen aus Indien & Deutschland; Jung-Inder der 1. Generation
       (d.h. junge indische Studenten) nach Bad Boll holen; Veranstaltung von
       regelmäßigen Foren zu verschiedenen Themen zu Indien speziell für
       Deutsche, um die Kommunikation zu fördern
      Regelmäßiges Infomaterial über Veranstaltungen (E-Mail; Post)
      Politisch Stellung beziehen; mehr politische Arbeit z.B. Stellungnahmen
       zu aktuellen politischen Themen (z.B. Ruettgers)
      Einen Film über die DIG drehen, der besonders die 2. Generation betrifft
      mehr Aktivitäten für die 2. Generation; mehr aktuelle Themen behandeln;
       stärkere Ansprechpartner der Jugendlichen/jungen Erwachsenen; mehr
       Veranstaltungen (Beteiligung von mehr/anderen Jugendlichen/jungen
       Erwachsenen)
      Seminar in Bad Boll zweimal im Jahr
      mind. 4 Treffen in jedem Bundesland
      ein großes Jahrestreffen in Deutschland
      mehr Programm
      Vorträge und Jugendarbeit, Filme
      Gezielt Inder einladen; Programme und Veranstaltungen für die hier
       lebenden Inder organisieren und die Wünsche der indischen Familien
       berücksichtigen
      Ausweitung der Infrastruktur; DIG bekannter machen; Webpage
       promoten
      Wanderveranstaltungen,        Wandervorträge,      Wandervorführungen;
       Veranstaltungen an verschiedensten Orten/Regionen
      Offenes Diskussions-Forum
      Modernes Indien darstellen; mehr Themen der 2. (+1.) Generation hier
       ansprechen
      Netzwerk schaffen über Deutschland für Interessierte
      mehr Indo – Deutsche dazu ermutigen an den DIG – Aktivitäten
       teilzunehmen
      Projekte für deutsch-indischen Zusammenhalt; Werbekampagne um
       Indien näher zu bringen; indische/deutsche Veranstaltungen; die DIG
       publik machen; Neugier durch Projekte wecken
      Kulturelle Veranstaltungen, Feiern, Kundgebungen

Mitteilungsblatt der DIG                                                      25
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      Mehr Veranstaltungsangebote (Seminare, Workshops, Camps, Fahrten...)
      Viel Geld rausschaffen für Veranstaltungen etc.; mehr Geld für die Bad –
       Boll – Tagung locker machen
      Auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen => Harmonie
      Infos über indische Politik und Wirtschaft
      Kritischere Auseinandersetzung mit der deutschen Gesellschaft in allen
       Altersgruppen der DIG fördern
      In Schulen gehen und Arbeit vorstellen; mit Kindern Projekte gestalten
      Dafür sorgen, dass die DIG nicht wegen Vergreisung eingeht
      verjüngen
      Umstrukturierung der Führungsebene
      Disco regelmäßig
      Nur Party machen, wie bei der Loveparade
      Big Party machen
      Musik/Bands
      Mehr Indien-Partys
      Mehr kulturelle Angebote lancieren: Disco, Tanz, Musik
      Monarchie abschaffen
      Meinen Titel abgeben, damit sich die anderen mir nicht untergeordnet
       fühlen
      Gruftieladen

2. Satz: Wenn ich an die Deutsch-Indische Gesellschaft denke, dann fällt
mir als erstes folgendes ein...
      Streit wegen Geltungsbedürfnissen (polit. Posten, Intelligenz,...)
      Wer ist das, was machen die, kann ich mitmachen, wo finde ich sie??
       Gibt es in den Städten Veranstaltungen, die ich besuchen kann?
      Man müsste etwas mehr, besonders für die 2. Generation Indo-
       Deutschen, tun.
      Alles viel schöner!
      Seminar Bad Boll
      Indisch-Deutsche Gesellschaft
      Mitgliedschaft
      Veranstaltungen über Indien (Tanz, Literatur...)
      kultureller Austausch
      Bad Boll contra deutscher Touristenclub
      alte Männer
      klassische(r) Musik, Tanz
      nostalgischer Alt-Männer-Verein
      ...zu wenig Austausch untereinander, recht fest gefahrene Strukturen
      Kultur, wenig moderne Themen
      alte Leute
      staatstragender unpolitischer Verein
      Licht

Mitteilungsblatt der DIG                                                      26
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       Verein, der sich um kulturelle Belange/Verständnis zwischen Deutschen
        und Indern kümmert
       Gemeinschaft, Austausch
       kultureller Austausch
       Altherrenverein indischer Kultur
       Treffen zwischen Indern & Deutschen zu Kultur, Land & Leuten
       Verein um den Deutsch-Indischen Zusammenhalt zu schaffen: -
        Integrität, - Interesse
       Kultur und Veranstaltungen für Erwachsene
       Veranstaltungen: Vorträge und kulturelle Veranstaltungen; ich kenne sie
        nur von Karlsruhe; nicht sehr bekannt
       zuwenig Engagement für junge Erwachsene
       mein Lieblingsverein in der BRD
       DIG ist ein Club der Deutschen, die sich für Indien interessieren. Inder
        sind dort selten anzutreffen. It’s a German Club
       Nette Leute und immer ein Thermalbad in der Nähe
       zuwenig Offensive in Sachen Rassismus
       Bad Boll; Wirtschafts- und Kulturkontakte
       schlecht besuchte Veranstaltungen; eingeschworener Kreis der 1.
        Generation
       Weniger politisch als kulturfördernde Organisation; im Prozess der
        Revitalisierung begriffen, noch rel. alte Mitglieder
       ...dass es eigentlich INDISCH-Deutsche Gesellschaft heißen müsste
        (indische Kultur,...; Austausch
       Interessenartikulation
       Wer wird dort wirklich repräsentiert?
       Gegenseitiges Kennenlernen (Kultur, Bräuche)
       Kommunikation
       bis zu diesem Treffen kannte ich die DIG nicht. erste Assoziation: Kultur-
        / Wirtschaftsaustausch, organisieren für Deutschland - Indien.
       veralterte und verkrustete Strukturen
Wir sind sehr daran interessiert zu erfahren, wo bei den einzelnen
Zweiggesellschaften Jugendliche aktiv sind. Bitte setzen Sie sich mit uns in
Verbindung.
Danke!




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InderNet.de
Seminar zur Vernetzung Indo – Deutscher Jugendgruppen
Bobby Cherian
Unser Grundgedanke bei der Veranstaltung des Seminars war es, so viele
deutsch-indische Jugendgruppen wie möglich zu vernetzen und die Arbeit
dieser Gruppen irgendwie miteinander zu koordinieren. Dementsprechend
hatten die Vertreter dieser Gruppen die Möglichkeit, ihre Organisation den
anderen Teilnehmern vorzustellen und ihnen ihre Arbeit nahe zu bringen.
Vertreten waren die Gruppen „theinder.net“ (www.theinder.net), „Sandikta“
(www.indiannight.de),     Durgapuja  (www.durgapujacologne.de)     und    die
Jugendgruppen der DIG e.V. Köln/Bonn (www.whatyaar.de) und Aachen
(http://dig.aixlink.de) sowie der Jugendgruppe der Kerala Association aus
Bonn.

Im Rahmen des Seminars wurden drei Workshops angeboten:
1.Moderation und Gruppenleitung
2.Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
3.Internet-Vernetzung /Diskussionsforen /mailing-lists /Seitengestaltung

Die Arbeit innerhalb dieser Arbeitsgruppen wurde von den Teilnehmern
überwiegend als sehr interessant und informativ beurteilt. Der einzige
Kritikpunkt diesbezüglich war die zu knappe Zeiteinteilung.
Zudem wurde noch mal auf die Bedarfsanalyse bzgl. der Interessen deutsch -
indischer Jugendlicher hingewiesen, welche momentan von der Universität
Münster durchgeführt wird. In dem Zusammenhang war es uns auch möglich,
eine relativ große Zahl der dazu benötigten Fragebögen ausfüllen zu lassen.
Bei der Endbesprechung wurde das Vernetzungsseminar vom Großteil der
Teilnehmer als ein voller Erfolg bewertet. Vor allem wurde hervorgehoben, dass
sich das Internet als bestes Medium zur Vernetzung nutzen ließe. Auch waren
viele   der    Meinung,     das    Jugendforum       der    DIG     sollte, was
Informationsverbreitung angeht, eine zentrale Anlaufstelle werden.
Besonders erfreulich ist, dass sich schon jetzt erste Erfolge auf dem Gebiet der
Vernetzung verzeichnen lassen. So wurde zum Beispiel ein E-Mail-Verteiler
eingerichtet, mit dem alle Teilnehmer des Seminars auf einmal erreicht werden
können. Auch war nach Angaben der Macher der „theinder.net“ – Seite, der
letzte Chat so gut besucht, wie noch nie zuvor. Besonders wurde die
„persönliche“ Vernetzung, die vor allem während der Party am Samstag
zustande kam, von allen als sehr angenehm empfunden. Außerdem wurde
mehrfach der Wunsch nach weiteren Veranstaltungen zur Vernetzung
geäußert.
Abschließend kann man nur sagen, das Seminar war wirklich ein voller Erfolg
und wir sind uns sicher , dass dadurch viele Steine ins Rollen gebracht worden
sind.


Mitteilungsblatt der DIG                                                      28
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                           3. Zweiggesellschaften

Berichte aus der Zweiggesellschaft Remscheid zu ihrem
Schulpartnerschafts-Projekt

Schulpartnerschaft zwischen Deutschland und Indien
aus: Nachrichten des Indischen Schulvereins Nr.20/1, Bonn, Juli 1999

Helma Ritscher

Seit Beginn des Jahres 1991, dem Jahr des Reaktivierens der Deutsch-
Indischen Gesellschaft Remscheid, ist auch die Vivekananda-Schule in
Jogiwala bei Dehra Dun in Nordindien unser wichtigstes Sozialprojekt. Als
Geschäftsführerin der Deutsch-Indischen Gesellschaft Remscheid konnte ich
mich auf meinen Reisen nach Indien beim Besuch der Schule von der
bemerkenswerten Weiterentwicklung überzeugen. Bei meinem Besuch im April
1998 habe ich erneut an die Gründung einer Schul- und Klassenpartnerschaft
zwischen der Vivekananda- und einer Schule in Remscheid gedacht. In
Projektwochen an unterschiedlichen Schulen mit dem Thema Indien, bei denen
auch die Vivekananda-Schule in Jogiwala oft den Mittelpunkt bildete, war der
Gedanke der Schulpartnerschaft entstanden.
Im Jahr 1998, bei einem Aktionstag im Rahmen des "Global March" gegen
Kinderarbeit, an dem Schulen und Lehrer mitwirkten und auch der
Geschäftsführer des Indischen Schulvereins, Dr. Sharma, einen Vortrag hielt,
konnten wir die Lehrerin der Klasse 6d der Sophie-Scholl-Gesamtschule, Frau
Dagmar Missal, für eine Klassenpartnerschaft zwischen ihrer Klasse und der
entsprechenden Klasse der Vivekananda-Schule begeistern. Am 9.12.98
erweiterte die Lehrerkonferenz der Sophie-Scholl-Gesamtschule das angestrebte
Ziel darüber hinaus und beschloss, dass nicht nur die Klasse 6D eine
Klassenpartnerschaft in Indien haben, sondern             die  Sophie-Scholl-
Gesamtschule als solche eine Partnerschaft mit der Vivekananda-Schule in
Dehra Dun eingehen sollte. Ausschlaggebend für die Entscheidung war die
Überlegung, dass die Sophie-Scholl-Gesamtschule (ca. 1000 Schüler) mit ihrem
modernen Bildungskonzept ein idealer Partner für die Vivekananda-Schule (ca.
700 Schüler) wäre, da die letztere auf Modernisierung des Schulwesens abzielt
und bereits einen Modellcharakter für die anderen Schulen in der Umgebung
erlangt hat. Die beiden Schulen könnten in Zukunft beispielhaft
entwicklungspolitische Impulse vermitteln.

Das Ziel unserer gemeinsamen Partnerschaft ist der Austausch in allen
kulturellen und entwicklungspolitischen Bereichen durch Lehrer und Schüler
auf Unterrichtsebene, um das negative Indienbild, das auch vielfältig in
deutschen Schulbüchern zu finden ist, auf lebendige Weise zu optimieren, aber
auch um Verständnis für und Freude an der deutschen Kultur zu wecken.
Zwischen den Schülern beider Schulen werden Brieffreundschaften die Bande
beider Kulturen enger knüpfen.

Mitteilungsblatt der DIG                                                    29
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Vor meiner Reise nach Indien im April 1999 stellte ich der Klasse 6D nochmals
die Vivekananda-Schule vor und beantwortete die ersten Fragen zu der
bevorstehenden Partnerschaft. Von den begeisterten Schülern und
Schülerinnen reisten dann in meinem Koffer Grüße in Form von Fotos, Briefen
und Zeichnungen mit. Meine Begrüßung in Indien erfolgte dann vor den
versammelten Schülern der Vivekananda-Schule mit einem großen blauen
Banner, auf dem in weißen Lettern geschrieben stand "Vivekananda School
Jogiwala/Indien     grüßt      die    Sophie     Scholl-Gesammtschule      in
Remscheid/Germany". Ich fühlte mich tief bewegt, auch für die Jungen und
Mädchen der Klasse 6D daheim in Remscheid.
Im anschließenden Gedankenaustausch im Unterricht mit den Schülern der
Klasse 6B und ihrer Klassenlehrerin, Frau Suman Rawat, haben sich die
Kinder riesig über die Grüße aus Deutschland gefreut. Ich habe aber auch
feststellen müssen, dass die Kinder sehr wenig von Deutschland wissen. In
ihren Augen sind wir sicherlich nur die wohlwollenden Förderfreunde aus dem
fernen Germany. Ich hoffe, dass die Partnerschaft dazu beitragen wird, mehr
Nähe zu unserem Land und seinen Menschen zu schaffen.



Schulpartnerschaft
Aus: Indische Schule - Nachrichten des Indischen Schulvereins
Nr. 20/2 Bonn Februar 2000

Dagmar Missal

(in der letzten Nummer der Nachrichten berichtete Frau Helma Ritscher
(Deutsch-Indische Gesellschaft, Zweiggesellschaft Remscheid) über die
Schulpartnerschaft zwischen der Sophie-Scholl-Gesamtschule, Remscheid, und
der Vivekananda-Schule. In dem folgenden Beitrag berichtet Frau Dagmar
Missal, Klassenlehrerin der 7d der Schule in Remscheid über die weitere
Entwicklung der Partnerschaft)

Als Helma Ritscher, die Geschäftsführerin der Deutsch-Indischen Gesellschaft
Remscheid, die damalige Klasse 6d zum ersten Mal besuchte, um von der
Vivekananda-Schule zu berichten, hatten die Schülerinnen und Schüler bereits
etwas von Indien gehört. Von großer Armut war die Rede gewesen und von
Kindern, die unter schweren Bedingungen Teppiche knüpfen müssen und
wenig Zeit und Möglichkeit für eine gute Schulbildung haben. Das hatte sie
zwar interessiert und sie hatten in Diskussionen die gleichen Rechte für alle
Kinder eingefordert, es war aber auch sehr weit von ihrer Lebenswirklichkeit
entfernt, so dass sie nur schwer einen Bezug zu sich selbst herstellen konnten.
Helma Ritscher kam mit Bildern und Geschichten. Die Schülerinnen und
Schüler sahen, dass die Vivekananda-Schule von der Architektur her der
Sophie-Scholl-Gesamtschule ganz ähnlich ist. Sie bemerkten, dass es auf dem
Schulhof Basketball-Körbe gibt – also scheinen die indischen Kinder den

Mitteilungsblatt der DIG                                                     30
Ausgabe Nr. 3/2000                              III. DIG – Berichte und Programme


gleichen Sport auszuüben wie sie. Sie sahen die gut ausgestatteten Labore und
konnten sich vorstellen, dass die Kinder in Indien in den Naturwissenschaften
das Gleiche lernen wie sie. Sie stellten auch Unterschiede fest: Die braune
Schuluniform und die Saris der Lehrerinnen, das Aufstellen auf dem Schulhof,
die Einrichtung in den Klassenzimmern, die teilweise viel einfacher ist als bei
uns. Durch all diese Dinge wurde eine Nähe zwischen Indien und Deutschland
hergestellt und die Neugierde geweckt, mehr zu erfahren. Im Atlas schauten wir
nach, wo Dehra Dun eigentlich liegt, einige Schülerinnen und Schüler
gestalteten Plakate, um auch über unsere Schule und unsere Stadt zu
informieren, andere wollten spontan eine Brieffreundschaft beginnen. Helma
Ritscher war es gelungen, die Klasse für eine Partnerschaft zu begeistern.
Nach ihrem Besuch in Indien kam Helma Ritscher wieder in die Klasse: Jetzt
hatte sie schon ganz konkrete Grüße mitgebracht. Die Schülerinnen und
Schüler, die Briefe erhielten, waren besonders froh. Die Klasse freute sich aber
auch über die vielen Zeichnungen, die einige Charakteristika von Indien noch
anschaulicher werden ließen. Jetzt interessierten sich einige Schüler für das
Nationaltier, den Tiger, und informierten sich genauer über seine Bedeutung in
Indien. Andere beschäftigten sich mit indischen Festen oder der Frage, wie
Yoga eigentlich entstanden ist. Alle stellten einen Steckbrief her, um genauere
Informationen über ihre Person zu geben und einen Briefkontakt vorzubereiten.
Der nächste Höhepunkt war der Besuch von Herrn Akhilesh Sharma, einem
Lehrer aus unserer Partnerschule. Die Schülerinnen und Schüler hatten eine
lange Liste mit Fragen vorbereitet, um Näheres über die ferne Schule zu
erfahren. Sie waren aber auch begeistert davon, dass Herr Sharma sich in der
Pause mit ihnen zum Tischtennis spielen traf und ihnen eine scharfe Knabberei
aus Indien mitgebracht hatte. Im Tausch dafür schenkten sie ihm Schokoriegel,
die sie wahrscheinlich auch gerne mit den indischen Jugendlichen geteilt
hätten. Die Partnerschaft konnte jetzt mit einem Gesicht verbunden werden
und die englische Sprache, die seit 2 Jahren gelernt wurde, bekam ihren Sinn
als Mittel zur Verständigung.
Die letzten Grüße aus Indien erreichten uns nach den Herbstferien. Jetzt
erhielten wir auch Steckbriefe von den Schülerinnen und Schülern aus
Joguwala. Alle wollten sofort feststellen, wer bisher geschrieben hatte und mit
wem man am liebsten eine Brieffreundschaft starten möchte.
Nun sind wir wieder am Zug. Vorbereitungen für die nächsten Briefe und
Geschenke an unsere Partner in Indien laufen bereits. Das ferne Indien ist ein
ganzes Stück näher gerückt. Aus Fremden wurden Bekannte und wenn wir den
Weg weiter beschreiten, können es vielleicht auch Freunde werden. Die Klasse
7d freut sich über die neuen Kontakte und hofft, dass die Partnerschaft
weiterhin wächst und gefestigt wird.




Mitteilungsblatt der DIG                                                      31
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                             4. Veranstaltungen

Schlussbericht der Ringveranstaltung 2000

Prabuddha Banerjee
Ringveranstaltung Kultur auf Rädern 2000. Kuchipudi. Jayarama und Vanashree
Rao und ihr Ensemble traten in 16 deutschen Städten auf.
Obwohl es bei der diesjährigen Ringveranstaltung am Anfang viele Hürden zu
bewältigen gab, ist sie sehr erfolgreich verlaufen. Im Folgenden eine Beschreibung
der Veranstaltung und eine Auswertung der rückgesandten Fragebogen.
Als die endgültige Zusage für die Gruppe im August 2000 eintraf, war bis zum
Anfang der Tournee am 22. September die Zeit sehr knapp. Es gelang noch durch
die vorbildliche Kooperation der Druckerei, die PR-Unterlagen rechtzeitig im
August an die Zweiggesellschaften zu verschicken.
Der Tourneeablauf war durch die problematische Terminplanung und
Saalbesetzung mit langen Fahrzeiten verbunden. Die endgültige Reihenfolge war:
Mainz, Kassel, Wuppertal, Bonn, Aachen, Euskirchen, Winsen, Berlin,
Braunschweig, Nürnberg, Freiburg, Karlsruhe, Darmstadt, Dresden, Heidelberg,
Baden-Baden. Der Ablauf wurde zwar mit außergewöhnlichem Einsatz aller
Beteiligten gemeistert, aber optimal war er nicht. Auch aus dem gleichen Grund
konnten die freien Tage nicht immer nach einer langen Fahrstrecke gelegt werden.
Hier zeigt sich am deutlichsten die Notwendigkeit einer frühen Festlegung der
Tournee. Eine Mindestfrist von einem Jahr ist hier notwendig, um die Reihenfolge
stetig und nicht kreuz und quer wie diesmal (und auch in der Vergangenheit) zu
gestalten.
Über die Gruppe Jayarama und Vanashree Rao ist auch ein Artikel von
Sudhamahi Regunathan in Indien Perspektiven von Oktober 1994 erschienen. Die
Mitwirkenden waren: Vanashree Rao (Kuchipudi–Tanz); Jayarama Rao (Kuchipudi–
Tanz); Rama Jagannath (Gesang); D.S. V. Shastri (Nattuvangam); Raja Gopalachari
(Mridangam); Mr. Dattatreya (Flöte).
Die Tänze und die Choreographie wurden von den ZG-Leitern sehr gelobt. Frau
Rao tanzte nicht nur die weiblichen Rollen, sondern übernahm auch die
Moderation. Die Selbstdarstellung der Gruppe war so überzeugend, dass keine
Übersetzung benötigt wurde. Musik und Gesang waren auch von sehr hoher
Qualität, mit großem Frequenz- und Volumen-Umfang. Die Aussteuerung war
natürlich kritisch. Nur mittels einer hochwertigen Ausrüstung und einer
fachmännischen Betreuung lässt sich so eine Veranstaltung erfolgreich meistern.
Zu den organisatorischen Problemen im Tagesablauf vor Ort gehörten die langen
Fahrtzeiten und die damit verbundenen Verspätungen, Unterbringung und
Verpflegung der Künstler (vegetarisches Essen). Das zentrale Drucken von lokalen
Details auf die Unterlagen (Flyer und Plakate) muss in Zukunft neu diskutiert werden.
Ein Informationsblatt vorab und ein Flyer mit integriertem Programm konnten nicht
realisiert werden, da die benötigten Angaben zu spät eintrafen. Diese Probleme
können sicherlich u.a. durch eine längere Vorlaufzeit in den Griff bekommen
werden.



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Ausgabe Nr. 3/2000                                III. DIG – Berichte und Programme


Die Finanzierung konnte letztendlich durch eine Mischfinanzierung realisiert
werden: Das ICCR hat die Kosten der Flüge und ein Honorar für das Ehepaar Rao
übernommen. Die Firma DaimlerChrysler stellte einen Bus mit Fahrer. An dieser
Stelle sei dem ICCR und der Firma DaimlerChrysler nochmals herzlich gedankt.
Die Bundesgeschäftsstelle übernahm die Übernachtungskosten und die Tagegelder
für die Künstler und für den Fahrer für die fünf spielfreien Tage. Die mitwirkenden
Zweiggesellschaften übernahmen die lokalen Kosten, Tagegelder für jeweils einen
Tag, die Verpflegungskosten für die spielfreien Tage und die Kosten für die
Werbeunterlagen.
Auswertung des Fragebogens: Die meisten Zweiggesellschaften waren mit den
Künstlern, der Organisation und den Werbeunterlagen sehr zufrieden. Die Kosten
wurden größtenteils als angemessen empfunden. Der Besuch der Veranstaltung
war gemischt, und reichte von gut (3), zufriedenstellend (8) bis dürftig (4). Die
vollständige Auswertung erhalten Sie auf Anfrage in der Bundesgeschäftsstelle
oder bei Herrn Banerjee. Im Großen und Ganzen war die Ringveranstaltung
„Kultur auf Rädern 2000“ ein Erfolg.

Angebote für kulturelle Veranstaltungen 2001
Der DIG werden regelmäßig zahlreiche interessante Angebote für Musik- und
Tanzveranstaltungen zugesandt. Damit die Angebote ausgewählt und – so weit
möglich – fachlich bewertet werden, sendet die Bundesgeschäftsstelle die
Materialien an Rita Panesar als zuständiges Beiratsmitglied. Im Folgenden sind alle
von den DIG Zweiggesellschaften bzw. vom Beirat vorgeschlagenen Angebote
zusammengefasst.
Bitte setzen Sie sich bei Interesse mit den erwähnten Kontaktpersonen in
Verbindung, um alles Organisatorische zu besprechen. Die Kosten der einzelnen
Programme sind zum Teil von Herrn Dr. Banerjee, DIG Karlsruhe errechnete
Honorare, zum Teil Verhandlungsbasis. Damit andere Veranstalter von Ihren
Erfahrungen profitieren können, berichten Sie Frau Panesar bitte von Ihren
Erfahrungen mit den indischen Künstlern und ihren Auftritten, so dass diese
ebenfalls im Mitteilungsblatt veröffentlicht werden können.
1. Bhoomika (creative Dance center/ Delhi) Moderner Tanz
   14 Personen; Frau Ritscher, ZG Remscheid, hat die Gruppe in Indien gesehen.
   Benötigt werden 7 DZ + 1 EZ. Gesamtkosten pro Veranstalter: ca. DM 6148.-
      1972 von Direktor Narendra Sharma gegründet, hat das Tanzzentrum eine
   Nische in der indischen Szene darstellender Künste besetzt. In Nachfolge des
   legendären Uday Shankar zeigt Bhoomika – eine moderne Tanzgruppe aus
   Indien – eine Art modernes indisches Tanztheater. Choreographen wie Tänzer
   werden in Indien wie Europa für ihre kreativen Ideen gefeiert. Narendra Sharma
   möchte auf der Bühne nicht nur das Leben der Götter und Göttinnen zeigen,
   sondern auch das der gewöhnlichen Menschen. Die Themen der bisher 40
   verschiedenen Stücke basieren auf Mythen, Szenen des modernen Lebens,
   Gedichten, Einsichten und persönlichen Erfahrungen.
2. Dhrupad; Rudra Veena; Bhramari Malerei; Bhramari Kathak Tanz
   Buddhadev Chattopadhyay und Asit Kumar Banerjee, 2 tägiges Programm
   mit insges. 4 Künstlern. Eingereicht durch Frau Panesar (040 – 49 55 85, Fax:

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   040 – 432 80 770, Rita_Panesar@public.uni-hamburg.de). 2DZ+1EZ. Kosten ca.
   DM 2900.-, Termin: September/Oktober 2001.
      Dieses Programm zeigt, dass ein traditioneller Rahmen durchaus neue
   Formen hervorbringen kann. Die Bhramari-Malerei basiert auf tantrischen
   Texten, aber ihr Hauptvertreter Chattopadhyaya wurde von einem Pariser
   Journalist als „Picasso Indiens“ bezeichnet. (siehe den Beitrag „Bhramari-
   Malerei“) Chattopadhyaya lernte an der Indian Society of Oriental Art Kathak
   von Sjt. Nalini Kumar Gangopadhya, Bhramari-Malerei von seinem Vater
   Chaitanyadeb, einem direkten Schüler von Abanindranath Tagore und
   Dhrupad-Gesang von Ustad Rahim Fahimuddin Khan Dagar. Außerdem ist er
   ein Meister der Pakhavaj. Am ersten Abend wird er einen Dia-Vortrag über
   Bhramari-Malerei halten und der gefeierte Rudra-Vina-Spieler Asit Kumar
   Banerjee spielt ein Solo mit der Begleitung von Apurba Lal Manna an der
   Pakhavaj. Am zweiten Abend singt Buddhadeb Chattopadhyaya Dhrupad
   begleitet von Asit Kumar Banerjees Rudra Vina. Darauf folgen Bhramari-Kathak
   Tanz-Darbietungen von Buddhadeb und Christa Chattopadhyaya.
3. Debu Chaudhuri: Sitar-Duett mit Tabla.
   3 Künstler. Eingereicht durch Frau Kuckertz. 1DZ+2EZ. Kosten ca. DM 2500.-
      Pandit Debu Chaudhuri begann mit einer Ausbildung unter Panchu Gopal
   Datta und vertiefte seine Kenntnisse bei Ustad Mustaq Ali Khan, einem
   Repräsentanten der traditionellen „Senia Gharana“. Seinen ersten Auftritt gab
   er bereits im Alter von 13 Jahren. Heute hat er sieben neue Ragas kreiert:
   Biswesari, Palas-Sarang, Anuranjani, Ashiqui Lalit, Swanandeswari Kalyani-
   Bilawal und Shivamanjari. Prateek Chaudhuri, sein Sohn, wurde vielfach für
   sein elegantes und virtuoses Spiel gelobt. Er ist A-grade-artist des All-India-
   Radio.
4. Meenakshi Chittarangan. Bharata Natyam;
   Gruppe ist 2000 in Engen und in Mainz aufgetreten. 5 Personen. 2DZ+2EZ.
   Kosten ca. DM 2185.-
5. Kelucharan Mahapatra: Odissi
   Gruppe.mit 7 Personen. Gruppe ist 99 in Engen aufgetreten. 3DZ+2EZ. Kosten
   ca. DM 2601.-
6. " Siddharta"
   Musikalisch-tänzerische Inszenierung von Hesses gleichnamigem Roman von
   und mit Gaurav Mazumdar (Tel.: 05725-914224,
   gauravmazumdar@hotmail.com . 5 Künstler. Eingereicht durch ZG Wuppertal
   und ZG Hannover. 2DZ+2EZ. Kosten ca.DM 2185.-
   1.10.00-14.1.01; 27.10.01 – 4.11.01
7. Aditi Bandyopadhyaya, Odissi / Debashis Sarkar, Vocal / Tabla
   Pandit Aloke Lahiri, Sarod / Tabla.
   Eingereicht von Ashit Kumar Ghosh, Indart Stuttgart (0711 – 624182)
   Der Tablaspieler Shri Aloke Lahiri lernte von Ustad Amjad Ali Khan. Sein Stil
   spiegelt heute die subtile, ästhetische und nostalgische Spiritualität der Senia
   Beenkar gharana. Seine besondere Stärke liegt im Spielen von Duetts. Gefeiert
   wurden u.a. seine Auftritte mit dem Sitarspieler Monilal Nag. Aditi



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   Bandyopadhyayay lernte von Guru Shri Giridhari Nayak und ist als 21 jährige
   Odissi-Tänzerin berühmt für ihr ausdruckstarkes abhinaya.




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8. Ajit Bhaskaran Dass, Malaysia: Odissi
   Angebot von Frau Subhra Bhattacharya, ZG Hannover. Der 21jährige Odissi-
   Tänzer ist Mitglied von Ramli Ibrahims Satra Dance Companie.
   +60 – 72235679, SUVARNAZZ@hotmail.com, 1200,-
Außerdem sei verwiesen auf die Zusammenstellung im Newsletter des
Tagore Kulturzentrum, (Indisches Kulturzentrum), Stormstrasse 10, 14050
Berlin, Tel: 030-302 65 05, Fax: 030-306 60 59, E-mail: ikzberlin@t-online.de
In Zusammenarbeit mit den ‚Freunden der deutschen Kinemathek e.V.‘, Berlin und
dem Bundesverband Kommunale Filmarbeit in Frankfurt ermöglicht das
Tagorezentrum die Aufführung von sieben verschiedenen Spielfilmen. Durch
Unterstützung der indischen Botschaft fällt kein Honorar an. Es sind noch einige
Termine frei, so dass sich interessierte Zweiggesellschaften schnellstmöglich mit
dem Tagore-Zentrum (Adresse oben) oder dem Bundesverband kommunale
Filmarbeit (Herr E. Schleifer, Tel.: 069-622897, Fax 069 – 6032158,
info@kommunale-kino.de) in Verbindung setzen sollten.
Liste der verleihbaren Filme:
Moondram Pirai (Balu Mahendra, OmE, 1982), Thaneer Thaneer (K. Balachander,
OmE, 1981), Antareen (Mrinal Sen, OmE, 1993), Drohkaal (Govind Nihalani, OmE,
1994), English August (Dev Benegal, OmE, 1994), Unishe April (Rituparno Ghosh,
OmE, 1994), Kaadu (Girish Karnad, OmE, 1973)
[OmE – Original mit englischen Untertiteln]


Bhramari-Malerei
Ein Beispiel für moderne indische Kunst

Rita Panesar
Viele Künstler des heutigen Indien haben ein ähnliches Kunstverständnis wie
europäische Künstler: Sie halten der Gesellschaft einen Spiegel vor, sie kritisieren
und versuchen die Betrachter zum Nachdenken anzuregen, sie drücken ihre
Gefühle und Gedanken in der Kunst aus oder sie wollen ihr Umfeld ästhetisch
gestalten. Andere indische Künstler orientieren sich am reichhaltigen Fundus
buddhistischer, hinduistischer, jainistischer und islamischer Kunst aus 3000
Jahren indischer Geschichte.
Im Zuge der Unabhängigkeitsbewegung wurde von Vertretern der sogenannten
„Bengalischen Rennaissance“ diskutiert, wie eine postkoloniale indische Kunst,
welche die neue kulturelle Identität des Landes repräsentiert, aussehen könnte.
Japanische und         chinesische Maltechniken wurden übernommen, die
mittelalterlichen Rajputminiaturen wiederentdeckt, einige Künstler integrierten
Elemente des Kubismus. Es wurde versucht, dem „Westen“ und dem „Osten“
zugeordnete Traditionen zu verbinden. Kunstkritiker diskutierten in Zeitschriften
über die Bedeutung von Kunst und den Schöpfungsprozeß.
Auch Rabindranath Tagore, der in den 20er Jahren drei mal Deutschland
besuchte, Vorträge hielt und seine Bilder ausstellte, beschrieb damals in
zahlreichen Veröffentlichungen, was Kreativität für ihn bedeutete. Der Vortrag, den
er 1930 in Deutschland über seine Kunst hielt, wurde in zahlreichen Zeitungen
zitiert. Tagore beschrieb, wie er den Fluß der kreativen Energie entdeckte:

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„Das Einzige, worin ich mich seit meinen jungen Jahren schulte, war der R h y t h m u s .
Der Rhythmus der Gedanken, wie der Rhythmus der Töne. Denn ich hatte erkannt,
dass es der Rhythmus ist, der den Dingen, die sich selbst ohne Halt sind und ohne
eigene Bedeutung sind, Realität verleiht. Und darum, wenn die Kritzeleien in meinem
Manuskript wie Sünder nach Erlösung schrieen und meine Augen anfielen mit der
Häßlichkeit ihrer Unbedeutung, dann nahm ich mir mehr Zeit, sie mit der Endgültigkeit
rhythmischer Formung zu begnaden, als das zu fördern, was meine eigentliche Aufgabe
war.
Beim Vorschreiten in diesem Rettungswerk erkannte ich, dass in der Unendlichkeit der
Formen eine ständige Aktivität herrscht, die zur (...) Auslese unter den Linien führt. (...)
Und ich fühle, dass es das Wesen der Schöpfung ist, das Problem der heimatlos
durcheinandergeratenen Linien dadurch zu lösen, dass man ihre Tendenzen zu
ineinandergreifender Erfüllung bringt.“

(in: General-Anzeiger, 24.7.1930)
Die vibrierende Energie der Linie steht auch im Zentrum der tantrischen
Bhramari-Malkunst. Bhrama heißt Biene und das Vibrieren ihrer Flügel
symbolisiert das Pulsieren der kreativen Energie.
Die Hauptvertreter dieser Kunstrichtung Buddhadev Chattopadhyaya und sein
Vater und Guru Chaitanyadev, Schüler von Abanindranath Tagore und einer der
Hauptvertreter der bengalischen Rennaissance, schreiben der Kunst eine
psychologische Form der Selbstverwirklichung zu. Ihre Kunst basiert auf
tantrischen Texten über den Prozeß der Schöpfung, sie ist individualistisch und
entstand im modernen Indien. Betrachtet man die Bilder der Bhramari-Malerei
wird deutlich, dass originäre kreative Werke in Indien nicht der Vergangenheit
angehören, sondern dass die Quelle des Schöpferischen immer lebendig ist.
Die Vertreter der Bhramari-Kunst begreifen sich als Medium: Sie lassen den Stift
über das Papier gleiten, ohne ihn bewußt zu führen. Als aufmerksame und
distanzierte Beobachter folgen sie dem Spiel der Linie auf dem Papier. Die Künstler
selbst tun nichts. Sie vertrauen dem Fluß der sich manifestierenden kreativen
Energie, die häufig durch weibliche Gottheiten wie Shakti symbolisiert wird. Wenn
der Fluß der Linie endet, folgt die Ausgestaltung: In der Meditation über dem
pulsierenden Netz von Linien enthüllen sich den Künstlern Formen des Über- und
Unterbewußtseins, die sie gemäß ihrer Vorstellungen ausarbeiten. Die offenbarten
Bilder können, müssen aber nicht endgültig gedeutet werden.
In der indischen Kunsttheorie wird das Künstlersein immer wieder mit dem
Menschsein im Allgemeinen verglichen: Ziel des Malers ist es, mit dem Pinsel und
dem Bild Eins zu werden, so wie es gemäß mystischen Traditionen das allgemeine
Ziel menschlicher Existenz ist, die Trennung von Subjekt und Objekt zu
überwinden und als Einzelseele mit der Weltseele zu verschmelzen. Und wie der
Künstler, so schafft sich auch der Mensch seine Welt, indem er aus dem Gewirr
immer wechselnder Formen einige für ihn bedeutsame auswählt und ihnen einen
persönlichen Sinn gibt.
Im September 2001 wird Buddhadeb Chattopadhyaya, Meister der Bhramari-
Malerei, des Bhramari-Kathak-Tanzes, Dhrupad-Sänger und Pakhavaj-Spieler
gemeinsam mit dem berühmten Rudra Vina-Spieler Asit Kumar Banerjee nach
Deutschland kommen, um seine Kunst in einem zweitägigen Programm

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vorzustellen (vgl. Angebote für kulturelle Veranstaltungen). Das Tagore
Kulturzentrum Berlin hat eine Unterstützung der Tournee signalisiert.
Veranstalter, die Interesse haben, Ihrem Publikum ein Erlebnis dieser
außergewöhnlichen hochklassigen Kunst zu ermöglichen, werden gebeten, sich mit
Rita Panesar, Tel.: 040 – 49 55 85 in Verbindung zu setzen.



Veranstaltungen der Zweiggesellschaften 4. Quartal 2000
(Stand der Meldungen an die Bundesgeschäftsstelle bis 21.11.2000)

Aachen
11.10.2000       20.00 Uhr Monatliches Treffen des Philosophischen Gesprächskreises
                           DARSHANA unter der Leitung von Dr. Ronald A. Sequeira,
                           Aachen, in der Loge.
20.10.2000       20.00 Uhr „Die Greencard: Nur ein Anfang? – Indien als Markt der
                           Zukunft“, Vortrag von Dr. Heinrich-D. Dieckmann, Botschafter
                           a.D. Großes Foyer der IHK Aachen, Eingang Borngasse 20,
                           52062 Aachen.
24.10.2000       20.00 Uhr Autorenlesung: Dr. Martin Kämpchen liest aus seinem Roman
                           „Das Geheimnis des Flötenspielers“. Suermondt Ludwig
                           Museum Aachen.
28.10.-                    Mitgliederreise nach Rajastan. Leitung: Herr Franz,
16.11.00                   „Märchenland Rajasthan – Auf den Spuren der Rajputenkönige
                           zum Pushkar-Fest“
08.11.2000       20.00 Uhr Monatliches Treffen des Philosophischen Gesprächskreises
                           DARSHANA unter der Leitung von Dr. Ronald A. Sequeira,
                           Aachen, in der Loge.
18.11.2000       18.30 Uhr Herbstfest im Josefshaus Aachen, Kirberichshofer Weg. Mit
                           Neehatika Naidu, Gesang, mit Ensemble. Modenschau unter
                           der Leitung von Navina Sehgal.
30.11.2000       20.00 Uhr Vortragsreihe über die „Religionen in Indien“: Dr. Mechtilde
                           Boland-Theißen, Aachen: „Hinduismus und Wiedergeburt“.
                           Suermondt Ludwig Museum Aachen. Weitere Termine:
                           14.12.2000/11.01.2001/01.02.2001
11.12.2000       19.30 Uhr Besuch aus dem Ashabihar-Projekt, Bihar. Dia-Vortrag von
                           Claudia Stauss de Ceballos. Bildungswerk Aachen.
13.12.2000       20.00 Uhr Monatliches Treffen des Philosophischen Gesprächskreises
                           DARSHANA unter der Leitung von Dr. Ronald A. Sequeira,
                           Aachen, in der Loge.
14.12.2000       20.00 Uhr Vortragsreihe über die „Religionen in Indien“: Dr. Wolfgang
                           Siepen, Aachen: „Buddhismus – Befreiung vom Leben“.
                           Suermondt Ludwig Museum Aachen. Weitere Termine:
                           11.01.2001/01.02.2001
19.01.2001       19.30 Uhr Republic Day of India – Festvortrag mit anschließendem
                           Empfang. Forum der Sparkasse Aachen.
06.-22.4.2001              Studienreise, Leitung: Dr. Wolfgang Siepen. „Auf den Spuren
                           des historischen Buddha – Höhepunkte hinduistischer und
                           buddhistischer Religion und Kultur“

Baden-Baden
8.10.-5.11.00               Ausstellung: „Indien durch den Schleier – Die Faszination tex-
                            tiler Kunst“, Übernahme vom Völkerkunde Museum, Dresden.
                            Ort: Altes Dampfbad. Gemeinsame Veranstaltung mit dem
                            Kulturamt der Stadt.

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08.10.2000       11.00 Uhr Vernissage mit Vortrag von Dr. Lydia Icke-Schwalbe. Altes
                           Dampfbad
10.10.2000       19.30 Uhr Prof. Dr. Vridhagiri Ganeshan: Deutsche Dichter und Indien:
                           Goethe – Hesse – Grass. Zur Ambivalenz interkultureller
                           Interaktion. Gartenhaus der Stadtbibliothek. Gemeinsame
                           Veranstaltung mit der Volkshochschule.
12.10.2000       20.00 Uhr Ringveranstaltung: Kuchipudi-Tanzgruppe mit Banasree und
                           Jayarama Rao. Kurhaus, Runder Saal. Gemeinsame
                           Veranstaltung mit Festival Baden-Baden GmbH.
22.10.2000       11.00 Uhr Matinee: Raga Piano und indische Märchen. Es spielt Roland
                           Darquoy, es spricht Vesna Schimpf-Darquoy. Alter Ratssaal
05.11.2000       11.00 Uhr Finissage mit Lichtbildervortrag von Birgit Breitkopf. Altes
                           Dampfbad.
N.N.                       Indischer Spielfilm im Kommunalen Kino, in Zusammenarbeit
                           mit dem Kulturamt der Stadt.

Berlin
03.10.2000    19.00 Uhr Ringveranstaltung: Kuchipudi-Tanzgruppe mit Banasree und
                        Jayarama Rao im großen Vortragssaal des Ethnologischen
                        Museums, Dahelm, Lansstr. 8
04.10.2000    19.00 Uhr Klubabend
16.10.2000    18.30 Uhr Indische Filme im Kino Arsenal: „Thampu. Das Zirkuszelt“,
                        1978. Potsdamerstr. 2 (Sony–Center)
24.10.2000    18.00 Uhr Berliner Südasien Kolloquium Winter 2000, Veranstalter:
(Beginn)                Ethnologisches Institut der FU Berlin; jeweils 14-tägig,
                        dienstags 18.00-20.00 Uhr, beginnend am 24.10.2000. Großer
                        Seminarraum, Berlin-Dahlem, Drosselweg 1-3.
25.10.2000    19.00 Uhr Tanz und Musik aus Indien – DIT Nataraj e.V. im staatlichen
                        Museum Preuß. Kulturbesitz, Dahlem
01.11.2000    19.00 Uhr Klubabend
11.11.2000    19.00 Uhr Sitar–Konzert mit Dhrubajoti Chakraborty, Sitar und Debasish
                        Bhattacharya, Tabla. Deutsch-Indische Tanzschule „Nataraj“
                        e.V. Im großen Saal des Ethnologischen Museums in Dahlem,
                        Lansstr. 8.
18.11.2000    19.00 Uhr Kuchipudi und Bharata Natyam mit Bettina Breese und
                        Gruppe. Deutsch-Indische Tanzschule „Nataraj“ e.V. Im großen
                        Saal des Ethnologischen Museums in Dahlem, Lansstr. 8.
20.11.2000    19.00 Uhr Indische Filme im Kino Arsenal: „Antareen. Die Eingesperrten“,
                        1993. Potsdamer Str. 2 (Sony–Center)
25.11.2000    19.00 Uhr „Kathak-Tanz“ mit Frau Malabika Sen und Gruppe. Deutsch-
                        Indische Tanzschule „Nataraj“ e.V. Im großen Saal des
                        Ethnologischen Museums in Dahlem, Lansstr. 8.
05.12.2000    18.00 Uhr Prof. Dr. William Sax, Heidelberg "A Healing Kult in the Central
                        Himalaya". Berliner Südasien-Kolloquium, Institut für
                        Ethnologie der Freien Universität Berlin, Berlin-Dahlem,
                        Drosselweg 1-3
06.12.2000    19.00 Uhr Klubabend. Sitar-Konzert, Leiter: S.K. Sarup
09/10.12.2000 11-17.00 Markt der Kontinente - Schwerpunkt Indien. Führungen,
              Uhr       Workshops, Live-Musik, Film und mehr. Staatliche Museen zu
                        Berlin, Lansstr. 8
10.12.2000    17.00 Uhr Tanzschule Nataraj: Musik und Tanz aus Sri Lanka. Großer
                        Saal des Staatl. Museums Preußischer Kulturbesitz in Dahlem,
                        Lansstr. 8
18.12.2000    18.00 Uhr Film: „The Making of the Mahatma“. Arsenal Kino 1,
                        Potsdamer Str. 2


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19.12.2000       18.00 Uhr Prof. Dr. Helmut Nespital, "Die Sprachen Südasiens im
                           Überblick". Berliner Südasien-Kolloquium, Institut für
                           Ethnologie der Freien Universität Berlin, Berlin-Dahlem,
                           Drosselweg 1-3
03.01.2001       19.00 Uhr Klubabend
16.01.2001       18.00 Uhr Prof. Dr. Diethelm Weidemann, Berlin, "Der pakistanisch-
                           indische Konflikt, Anmerkungen zu Wesen, Ebenen un
                           Regulierungschancen." Berliner Südasien-Kolloquium, Institut
                           für Ethnologie der Freien Universität Berlin, Berlin-Dahlem,
                           Drosselweg 1-3
22.01.2001       19.00 Uhr Film: „Mukhamukham“ (Von Angesicht zu Angesicht) 1994,
                           Arsenal Kino 1, Potsdamer Str.
28.01.2001       18.00 Uhr Feier des Indischen Republiktages durch das INDCC im
                           Rathaus Reinickendorf
30.01.2001       18.00 Uhr Prof. Dr. G.C. Tripathi, Rektor der Sanskrit-Universität
                           Allahabad "Die vedische Gesellschaft". Berliner Südasien-
                           Kolloquium Institut für Ethnologie der Freien Universität
                           Berlin, Berlin-Dahlem, Drosselweg 1-3
06.02.2001       19.00 Uhr Klubabend
13.02.2001       18.00 Uhr Prof.Dr. Frank Heidemann, München "Kommensalität und
                           Konvivialität in Südindien". Berliner Südasien-Kolloquium,
                           Institut für Ethnologie der Freien Universität Berlin im großen
                           Seminarraum, Berlin-Dahlem, Drosselweg 1-3

Bochum
17.11.2000       20.00 Uhr Music Ensemble of Benares „Splendours of Kathak Dance“.
                           Bahnhof Langendreer, Bo.-Langendreer, Wallbaumweg 108
03.12.2000       12–18     Weihnachtsbasar „Kinder in Not“ mit Basarstand der DIG
                 Uhr       zugunsten des Jugendbildungsprojektes FERRY in Kalkutta.
                           Hufeland-Schule, Bo-Querenburg (Hustadt), Hufelandstr.

Bodensee
05.10.2000       20.30 Uhr Tanz-Ballet Thullal Harianu harshita. Konstanz K 9
26.10.2000       20.00 Uhr Sitar-Konzert Shahid Parvez, Partha Mukherjee, Tabla, Engen
                           / Hauskonzert, Fam. Jochim
04.11.2000       16.00 Uhr Diwali-Fest, Stetten bei Meersburg
22.11.2000       19.30 Uhr Chanchala-Ensemble, klassisch indische Ragas, arabisch
                           inspirierte Stücke und multifonisch gespielte Jazzvariationen.
                           Reichenau, Zentrum für Psychiatrie
10.12.2000       17.00 Uhr Sitar-Konzert Shahid Parvez, Partha Mukherjee, Tabla, Engen
                           / Hauskonzert, Fam. Jochim

Bonn/Köln
20.10.2000       19.00 bis Sarod Konzert mit Buddadhev Das Gupta und Debendra Kanti
                 6.00 Uhr Chakraborty (Tabla), Pantheon Bonn, Bundeskanzlerplatz
20.10.2000       18.00 Uhr Nacht der Indischen Musik mit Monalisa Gosh (Odissi), Music
                           of Benares (Sitar und Tabla), Daub Khan Sadozai (Sarod und
                           Robab), Stadtmuseum, Markt 46, Siegburg
21.10.2000       11-16.45 Einblick in die nordindische Musik. Workshop mit Sitar und
                 Uhr       Tabla. Stadtmuseum Markt 46. (Rhein-Sieg-Volkshochschule)
28.10.2000       19.30 Uhr Situation der Kinder in Indien, eine literarische Collage, Jose
                           Punnamparambil. Ev. Gemeindezentrum, Annastr. 14.
19.11.2000       ab 18.00  „A session with Apu“, Tanz, Film und Musik, Veranstaltung
                 Uhr       der Jugendgruppe der DIG Bonn/Köln mit der Unterstützung
                           der Barmer Ersatzkasse und dem Kulturamt der Stadt Bonn.
                           Pantheon, Bundeskanzlerplatz, U-Bahnhaltestelle Heussallee.

Mitteilungsblatt der DIG                                                               40
Ausgabe Nr. 3/2000                                     III. DIG – Berichte und Programme


24.11.2000       18.00 Uhr Young Indian-German Night, Abschlussveranstaltung der
                           „Begegnung mit Indien“, Stadtmuseum Siegburg, Markt 46

Braunschweig
04.10.2000       19.30 Uhr Ringveranstaltung: Kuchipudi-Tanzgruppe mit Banasree und
                           Jayarama Rao, Hochschule für Bildende Kunst

Darmstadt
08.10.2000       19.00 Uhr Ringveranstaltung: Kuchipudi-Tanzgruppe mit Banasree und
                           Jayarama Rao. Centrastation Caree, bei Luisenplatz
27.10.2000       19.30 Uhr Dia-Vortrag über WEL (Women’s Education for Liberation),
                           Kennedyhaus, Kasinostr. 3, Darmstadt
09.11.2000       19.30 Uhr Buddha – Dharma – Sangha. Auf den Spuren des Buddhismus
                           in Indien. Diavortrag von Stephanie Lovász. c
23.11.2000       19.30 Uhr Der Lotus – Eine Auswahl von Texten, vorgestellt von Edith
                           Meta Jaenike. Kennedyhaus, Kasinostr. 3, Darmstadt
29.11.2000       19.30 Uhr Geschichten aus Südindien. Getanzt, gespielt und erzählt von
                           Hartmut Schmidt/Harianu Harshita. Internationales Theater
                           Frankfurt/Main.
25.01.2001       19.30 Uhr Frauen im Buddhismus. Vortrag von Dr. Thea Mohr.
                           Kennedyhaus, Kasinostr. 3, Darmstadt

Dresden
09.10.2000       19.00 Uhr Ringveranstaltung: Kuchipudi-Tanzgruppe mit Banasree und
                           Jayarama Rao. Theater junger Generation, Dresden

Essen
20.10.2000       20.00 Uhr Diavortrag von Peter Michels, „Die Mogulkaiser“, in der VHS
28.10.2000       19.30 Uhr „Odissi“, klassischer indischer Tanz mit Monalisa Gosh und
                           Ensemble, VHS
29.11.2000       20.15 Uhr Diavortrag von Peter Michels, „Die Erotik in der indischen
                           Kunst“, VHS
15.12.2000       19.30 Uhr Weihnachtsabend mit Musik, Vorlesungen etc. Anmeldung
                           bitte bei Herrn D. N. Gupta, 0201/67 84 66
24.01.2001       20.15 Uhr Vortrag von Dieter Schachta, „Suffismus in Indien“, in der VHS
28.02.2001       20.15 Uhr Diskussion und Vorlesungen über laufende Berichte und
                           Neuigkeiten in Indien, mit Herrn D. N. Gupta, in der VHS
17.03.2001       15.30 bis Indien–Tag, Indien: Politik-Wirtschaft-Kultur, VHS. Anmeldung
                 22.00 Uhr für das Abendessen bei Herrn D. N. Gupta, 0201/67 84 66
25.05.2001       20.15 Uhr N.N., „Geschichte des Yoga in Indien“

Freiburg
06.10.2000       20.00 Uhr Ringveranstaltung: Kuchipudi-Tanzgruppe mit Banasree und
                           Jayarama Rao. Bürgerhaus Zähringen

Gießen
07.10.2000       20.00 Uhr Konzert mit Ranajit Sengupta (Sarod), Prabir Kumar Mitra
                           (Tabla) und Shirin Sengupta (Tanpura). Franzis, Franziskaner-
                           gasse, Wetzlar.
29.10.2000       20.00 Uhr Südindischer Maskentanz „Tullal“ mit Harianu Harshita.
                           Ulenspiegel, Seltersweg 55, Gießen




Mitteilungsblatt der DIG                                                              41
Ausgabe Nr. 3/2000                                      III. DIG – Berichte und Programme




Hamburg
27.10.2000       19.00 Uhr Indische Musiknacht, mit klass. Indischer Musik, Tanz und
                           Gesang. Benefiz-Konzert. Institut für Lehrerfortbildung, Felix-
                           Dahn-Str. 3, 20357 Hamburg.

Hannover
11.11.2000       18.30 Uhr Diwali-Fest; Haus der Jugend, Maschstr. 22, Hannover.

Heidelberg
11.10.2000       20.00 Uhr Ringveranstaltung: Kuchipudi-Tanzgruppe mit Banasree und
                           Jayarama Rao. Karlstorbahnhof
29.10.2000       16.00 Uhr DIVALI 2000 im „Kulturfenster“, Kirchstr. 16, 69115
                           Heidelberg. Mit Festkonzert, Tanz, Tombola und veg.
                           Festessen.
19.11.2000       11.30 Uhr Vortrag von Prof. Dr. Peter Schneider, „Indische Mythologie im
                           indonesischen und deutschen Theater“, Lesung und Spiel.
                           Foyer des Theaters der Stadt Heidelberg, Theaterstr. 4,
                           Heildeberg
26.11.2000       11.15 Uhr Besuch des Ayurvedischen Therapiezentrums und Beauty-
                           Farm Dr. K. S. Shine, Im Hofert 28, Heidelberg-Schlierbach,.
                           Mit Vortrag und Mittagessen.
08.12.2000       19.00 Uhr Dr. Hans Christoph Rieger, „Indien. Tiger auf dem Sprung oder
                           Elefant in der Sackgasse? zum Stand der indischen
                           Wirtschaftsreformen“, Eine Welt Zentrum, Gumbel-Raum im
                           Karlstorbahnhof, Am Karlstor 1, Heidelberg
21.01.2000       17.00 Uhr Dr. Hans Wolfgang Schumann, „Der Buddha in Kunst und
                           Geschichte“, Dia-Vortrag, Vortragssaal der v.-Portheim-
                           Stiftung, Palais Weimar,
                           Hauptstr. 235, Heidelberg
28.01.2000       11.15 Uhr Stephanie Lovász M.A., „Buddhismus im Himalaya, Vortrag,
                           Museum der v.-Portheim-Stiftung, Palais Weimar, Hauptstr.
                           235, Heidelberg

Karlsruhe
07.10.2000       19.30 Uhr Ringveranstaltung: Kuchipudi-Tanzgruppe mit Banasree und
                           Jayarama Rao. Keilbertsaal, Erlenweg 2.
10.12.2000       18.00 Uhr Jahres-Abschlußgespräch. IBZ, Kaiserallee 12d

Kassel
08.12.2000       19.00 Uhr Weihnachstfeier, Haus der Jugend- und Erwachsenenbildung,
                           Queralle 50

Kiel
08.10.2000       18.00 Uhr Indische Nacht mit Flöten- und Vokalkonzert und klassischem
                           Bharatanatyam Tanz, in der Pumpe
29.10.2000       ab 16.00  Diwali – Indisches Lichterfest, auf Hof Akkerboom
                 Uhr
24.11.2000       20.00 Uhr Meisterkonzert mit dem Violinvirtuosen Padmashree. M. S.
                           Gopalakrishna & Ensemble (karnatische Violine), im Kieler
                           Schloß, Kleiner Saal
02.12.2000       20.00 Uhr Kathak-Tänzerin Durga Arya und Ensemble. Kieler
                           Schauspielhaus




Mitteilungsblatt der DIG                                                                42
Ausgabe Nr. 3/2000                                      III. DIG – Berichte und Programme



Lübeck
10.10.2000       19.00 Uhr Festveranstaltung zum 35-jährigen Bestehen der DIG in
                           Lübeck; Kolosseum, Konsforder Allee 25
14.11.2000       19.30 Uhr Vortrag von Prof. Hermann Kulke: „Indien ind Südostasien –
                           Die Geschichte der Ausbreitung der indischen Kultur im Golf
                           von Bengalen“. In der Gemeinnützigen, Königst. 5, Lübeck
23.11.2000       19.30 Uhr Indisches Lichterfest ‚Diwali‘ mit klassischem indischen
                           Odissi-Tanz (Monalisa Gosh und Ensemble); Werkhof,
                           Kanalstr. 70, Lübeck
16.12.2000       19.00 Uhr Weihnachstfeier; Marienwerkhaus, Schüsselbuden 13

Nürnberg
05.10.2000       19.30 Uhr Ringveranstaltung: Kuchipudi-Tanzgruppe mit Banasree und
                           Jayarama Rao. C.-Pirckheimer-Haus, Königstr. 64, 90402
                           Nürnberg
17.11.2000       19.30.    „Großreiche im frühen Indien“, Vortrag (mit Dias) von Prof. Dr.
                 Uhr       B. U. Abels
                           C.-Pirckheimer-Haus, Königstr. 64, 90402 Nürnberg
28.11.2000       19.30 Uhr Buchpräsentation: Indien, Oskar Koller, Maler
                           C.-Pirckheimer-Haus, Königstr. 64, 90402 Nürnberg
27.01.2001       19.30 Uhr Vortrag von Prof. hv Joe Übelmesser, „Republic Day of India“
                           C.-Pirckheimer-Haus, Königstr. 64, 90402 Nürnberg

Remscheid
18.10.2000       ab 19.30    „Indische Nacht“, mit Tanz und Musik, Theater der Stadt
                 Uhr         Remscheid, Konrad-Adenauer-Str. 31-33, 42849 Remscheid
12.11.2000       ab 15 –     „Tag der offenen Tür“, Informationen, Dia-Vortrag, kleines
                 ca. 20.00   Kulturprogramm, Tombola zugnster der sozialen Projekte, Im
                 Uhr         Haus Elberfelder Str. 39, 42853 Remscheid
06.12.2000       ab 19.00    „Adventliches Beisammensein“, Im Haus Elberfelder Str. 39,
                 Uhr         42853 Remscheid

Stuttgart
29.09.2000       20.00 Uhr Masters of Santoor – Romantische Raga. Mit Pandit Shivkumar
                           Sharma, Santor; Rahul Sharma, Santoor; Ustad Shafaat
                           Ahmed Khan, Tabla. Liederhalle, Silchersaal.
26.11.2000       19.00 Uhr Klassische indische Instrumentalmusik, Karnatik und
                           Hindoostani Klassik. Liederhalle, Silchersaal.
09.11.-                    50. Stuttgarter Buchwochen / Gastland Indien
03.12.2000                 Haus der wirtschaft, Willi-Bleicher-Str. 19, Stuttgart

Wuppertal
27.10.2000       20.00 Uhr „Ayurveda – Eine Einführung in die ‚Wissenschaft vom Leben‘“,
                           Vortrag von Ulla Hoff-Ortstein, Die Färberei, Stennert 8,
                           Wuppertal-Oberbarmen
11.11.2000       19.30 Uhr Diwali – Indisches Lichterfest. Die Färberei, Stennert 8
05.12.2000       19.30 Uhr „Swami Vivekananda – Reformer und Vermittler“, ein Vortrag
                           von Prof. Dr. Friedrich Huber, Zentralbibliothek, Kolpingstr. 8,
                           Wuppertal-Elberfeld

Winsen
01.10.2000       19.30 Uhr Ringveranstaltung: Kuchipudi-Tanzgruppe mit Banasree und
                           Jayarama Rao. Stadthalle, Luhdorfstr.




Mitteilungsblatt der DIG                                                                43
Ausgabe Nr. 3/2000                                   III. DIG – Berichte und Programme


11.11.2000       N.N.      Guitar Duo Manuel Delgado und Ralf Siedhoff mit T.A.S. Mani
                           von Karnataka College of Percussion aus Südindien, in Lüne-
                           burg. DIG Winsen (Luhe) ist Mitveranstalter.
Weitere
Veranstaltunge
n
Leipzig        Sept. –   Rabindranath Tagore – Lebensspuren. Autoren und Musiker
               Dez. 2001 werden gebeten, sich der Poesie von Tagore anzunehmen. Rai–
                         Haus Leipzig. Kontakt: André Hüter, Tel/Fax 0341/689 57 58
Tübingen       N.N. 2001 Jaipur Kawa Brass Band. Music Contact Rainer Zeller, Tel
                         07073/2250. Internet: www.musiccontact.com
                         Veranstaltungen, Projekte Pool Haus der Kulturen der Welt im
                         Internet: http://www.hkw.de
Museum für Indische Kunst, Berlin
Dezember       Di – So    Filme im MIK (11.00, 12.30, 14.00, 15.30, 17.00 Uhr)
                          „ATMAN“, Fin./D., 1996 (engl. Fassung)
bis 31.12.2000            Ausstellung „Divan Manna – Part II“. Shores of the Unknown –
                          Fotografische Installationen
Führungen
02.12.2000     15.30 Uhr Friederike Weis, Friedvolle und zornige Gottheiten - Die zwei
                          Gesichter des Hinduismus
03.12.2000     11.00 Uhr Kati Weise, Das Kunstwerk des Monats: Die acht
                          Hauptereignisse im Leben des Buddha. Eine Kultstele aus dem
                          östlichen Indien
03.12.2000     15.30 Uhr Kati Weise, Rundgangsführung für Familien
07.12.2000     15.30 Uhr Kati Weise, Die Seidenstraße - Schmelztiegel der Religionen.
14.12. und     15.30 Uhr Friederike Weis, Auf dem Pfad der Erleuchtung - Erlösungs
16.12.2000                helfer im Mahayana u Vajrayana-Buddhismus
17.12.2000     11.00 Uhr Friederike Weis, Rundgangsführung
21.12.und      15.30 Uhr Friederike Weis, Krishna - Begebenheiten aus dem Leben des
23.12.2000                Hirtengottes in der Miniaturmalerei erzählt.
28.12.und      15.30 Uhr Kati Weise, Die Legende vom Leben des Buddha - Skulpturen
30.12.2000                und Reliefs in der Gandhara Kunst
04.01.2001     15.30 Uhr Toralf Gabsch, Restaurierung und Rekonstruktion der "Höhle
                          mit den Ringtragenden Tauben"
06.01.2001     15.30 Uhr Doris Gröpper, Die Kunst Südindiens
07.01.2001     11.00 Uhr Kati Weise, Rundgangsführung
11.01. und     15.30 Uhr Friederike Weis, Vajrapani - Schutzgeist des Buddha und
13.01.2001                Erlösungshelfer der Gläubigen
14.01.2001     11.00 Uhr Kati Weise, Rundgangsführung
14.01.2001     15.30 Uhr Anja Winter, Führung für Sehgeschädigte: Das Leben des
                          Buddha in der Gandhara-Kunst
18.01. und     15.30 Uhr Kati Weise, Vishnu und seine Inkarnationen: Der ewige Kampf
20.01.2001                zwischen Göttern u .Dämonen
21.01.2001     11.00 Uhr Kati Weise, Rundgangsführung
21.01.2001     15.30 Uhr Doris Gröpper, Javanische Kunst
25.01.2001     15.30 Uhr Doris Gröpper, Kunst der Khmer
28.01.2001     11.00 Uhr Kati Weise, Rundgangsführung




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IV. Presse und Literatur

Pressespiegel für August bis November 2000

aus: Süddeutsche Zeitung vom 1. August 2000

Indien: Informatik-Studenten, um die Deutschland wirbt

Der Campus, der niemals schläft
 Mit welchem Enthusiasmus junge Menschen in Bombay am Computer arbeiten – und warum
                 die Berliner Green-Card-Regelung sie so gleichgültig lässt
                                   Von Karin Steinberger

Bombay, Ende Juli – Als Ramashish 18 Jahre alt war, war die Sache eigentlich schon gelaufen:
Da wurde er am Indian Institut of Technology aufgenommen, und seitdem kann ihm eigentlich
nichts mehr in die Quere kommen auf seinem Weg nach oben. Jetzt ist er 21, und die Welt
gehört ihm. Na ja, noch nicht ganz. Genau genommen gehört ihm momentan mit sieben
anderen nur eine Idee. Aber die könnte ihn direkt hineinkatapultieren in den Olymp der
Computerbranche.
Der Raum, von dem aus die sieben jungen Männer die Welt erobern wollen, hat verschmierte
Wände, wackelige Stellwände, und die Temperatur beträgt an die 30 Grad. Gut schauen hier
nur die Computer aus. Doch Ramashish ist extrem zuversichtlich. In spätestens einem Jahr sei
seine Internet-Firma ein Erfolg, auch wenn er noch nicht verraten könne, was genau die Firma
anbieten werde. Die Idee sei auf jeden Fall unbezahlbar, die könne man erst, wenn man so weit
ist, der Presse mitteilen.
Ob er bei einem guten Jobangebot nach Deutschland gehen würde? Kurze Stille, dann folgt
Gelächter. Ramashish schaut, als hätte man ihm einen unsittlichen Antrag gemacht. Europa?
Da fährt man vielleicht im Urlaub hin, aber bestimmt nicht, um dort zu arbeiten. Die Besten
der Computerbranche sitzen in Amerika, aber bestimmt nicht in Deutschland. Und dann diese
ganze Diskussion um die Green Cards. Er habe zwar nicht genau verstanden, worum es da
ging, aber das Gefühl, in Deutschland nicht wirklich erwünscht zu sein, ist hier allgegenwärtig.
Aber das ist noch nicht alles: Wie ist das mit der Sprache, und mit dem Essen? „Wir wissen
einfach zu wenig über Deutschland, fachlich und kulturell. “ Ramashish lehnt sich zurück.
„Nein, schlimmstenfalls gehe ich in die USA. “ Und dann sagt er in einem Tonfall, der keine
weiteren Fragen zulässt: „Mann, wir sind hier am hot spot. “
                                       200 000 Bewerber
Wer eintritt in den hot spot, muss erst einmal durch die „Bombenzone“, wie sie die von
Vogelmist weiß getünchte Allee hier nennen. Tausende von Krähen bevölkern die Bäume gleich
hinter dem Eingangstor zum Indian Institut of Technology Bombay (IIT), und machen den Gang
in die Welt der Elite zu einer dreckigen Angelegenheit. Doch was ist schon Vogelscheiße gegen
das, was man durchmachen muss, um diesen Campus betreten zu dürfen. Die
Aufnahmeprüfung, um an einem der sechs IITs – neben Bombay in Delhi, Kharagpur, Chennai,
Kanpur oder Guwahati – aufgenommen zu werden, ist eine der schwierigsten in Asien. Um nur
am Vorbereitungskurs für die Prüfung teilnehmen zu können, muss man schon ein Examen
bestanden haben. Bis zu drei Jahre bereiten sich die Bewerber auf den Test vor, bei dem jedes
Jahr 2500 von 200 000 genommen werden. „The Chosen“, nennen sich die, die es geschafft
haben. Die Auserwählten.
Das IIT versteht sich als „Produktionsstätte für die besten Köpfe des Landes“, als Produzent für
„Führungsmaterial“. So sagt es IIT-Direktor Ashok Misra, und so hat es jeder einzelne hier
verinnerlicht. Auf dem 220 Hektar großen Campus 30 Kilometer vor Bombay herrscht eine
„Atmosphäre intellektueller Gärung“, wie sie das Magazin Outlook bezeichnet. Was hier zählt,
sind Intelligenz, Talent und Führungsqualität. Auswendiglernen ist verpönt. Und der beste
Freund ist auch der härteste Konkurrent. Es geht darum weiterzudenken, selbstständig.

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„Stretch your brain“, nennen sie die Fähigkeit, die einen IITler ausmacht. Wenn du das hier
überstanden hast, sagt man, kannst du alles machen.
„Nehrus größtes Geschenk an seine Nation“, nannte Outlook die sechs Indian Instituts of
Technology vor kurzem. Aus den Kaderschmieden eines Landes, das vom Westen immer noch
überheblich der Dritten Welt zugerechnet wird, kommt mittlerweile auch die Elite der indischen
Information-Technology-Branche. Mindestens 70 Prozent der Abgänger dieser Technischen
Hochschule, schätzt Deepak B. Phatak, Direktor der School of Information Technology am IIT
Bombay, kommen mittlerweile in der Computerbranche unter, egal, ob sie Ingenieure,
Chemiker, Mathematiker oder Informatiker sind. „Der Markt ist unersättlich und wächst
jährlich um 50 Prozent. Und dieser Hype in der Computerbranche wird noch Jahre so
weitergehen und ist für ein Land wie Indien alles andere als virtuell, er ist sehr real“, sagt er.
In Phataks Büro herrscht Chaos. „Wer hat meinen Terminkalender entführt?“, schreit er,
während er einem Studenten verspricht, dass er sich dessen Unterlagen für die Gründung einer
Internet-Firma noch diese Woche ansehen werde. „Die mittlerweile 250 Colleges in Indien, die
Informatiker-Abschlüsse anbieten, können nicht einmal mehr den indischen IT-Markt
abdecken. „Es herrscht ein abnorm großer Bedarf an menschlichen Ressourcen“, sagt Phatak.
Wenn der indische Boom in der Computerbranche irgendwo festzumachen ist, dann in diesem
kleinen Büro. Jeder hier im IIT ist letztlich an einer Karriere in der Computerbranche
interessiert, und somit landet jeder früher oder später bei Phatak. Phatak, sagen die Studenten,
schläft nie. Und weil Phatak nie schläft, macht es den Studenten auch nichts aus, nicht zu
schlafen. Wenn Phatak sagt, sie sollen mehr arbeiten, dann arbeiten sie mehr. Phataks Namen
wird am Campus geraunt wie ein Gebet.
                                      „Keine Kompromisse“
Und wirklich, Phatak hat eine Art zu reden, die einen sofort glauben lässt, dass jeder hier zum
Computer-Multimillionär werden können – wenn er nur will. Und jeder will. Alle sind getrieben
vom Eifer, der relativen Armut ihres Elternhauses zu entkommen. Getrieben vom Ehrgeiz, auch
hier, unter den schlauesten Köpfen dieses Eine-Milliarde-Volkes, die Besten zu sein. Wenn
Phatak vom „Ethos“ der IITs erzählt, davon, dass „harte Arbeit“ hier nichts ist, sondern
mindestens das „Außergewöhnliche“ erwartet wird, dann weiß man, warum es den Studenten
egal ist, dass sie in zwei mal drei Meter großen Löchern wohnen, an deren Wänden das Wasser
herunterläuft. Dann weiß man auch, warum sie über das schlechte Kantinenessen nur lächeln.
Sie wissen, dass sie später nur noch in Edellokalen speisen werden. In Indien, sagt Phatak,
stünden die Kinder von der ersten Klasse an unter einem derartigen Konkurrenzdruck, dass
gut nicht gut genug sei. Er könne seinen Kinder gar nicht erzählen, dass es zu seiner Zeit noch
möglich war, in der Schule nur 80 von 100 Punkten zu haben – und trotzdem etwas zu werden.
Sie würden es ihm nicht glauben. „Mache keine Kompromisse in der Weltklasse“, sagt Phatak
dann. Es klingt wie eine Offenbarung.
Dann rasselt er ein paar Namen herunter. Millionäre allesamt. Nein, an herausragenden IIT-
Absolventen mangelt es in der Tat nicht. Einer leitet in den USA die Unternehmensberatung
McKinsey, ein anderer ist Präsident der Fluggesellschaft United Airlines, ein Dritter war
Mitgründer von Sun Microsystems und ist einer der einflussreichsten Männer im Silicon Valley.
Jim Clark, der Mitbegründer von Silicon Graphics und Netscape, erzählt gerne von seiner
liebsten und simpelsten Strategie: Rekrutiere so viele IITler, wie du finden kannst.
Ramashish sagt, Schlaf sei einfach nicht wichtig. Er schlafe höchstens vier Stunden pro Nacht.
„Wir sind viel zu motiviert, um weniger zu arbeiten. Niemand hier zwingt dich, so viel zu
studieren, du hast die totale Freiheit. Aber wenn du nicht mitmachst, bist du draußen. “ Der
Test, um ins IIT zu kommen, sei im Grunde das einfachste gewesen, sagt er, „wenn man erst
einmal hier ist, dann geht es erst richtig los“. Es gibt da einen Spruch, den sie alle kennen: Die
Lichter in den Laboratorien sollen nie ausgehen. Und sie gehen auch nie aus. Somit ist auch
egal, wie die Zimmer aussehen, „wir benutzen ohnehin nur die Betten, wenn überhaupt“.
Dieser Campus ist eine Welt von Getriebenen: „Letztlich erwarten wir hier alle, so etwas wie Bill
Gates zu werden“, sagt Ramashish. Er lächelt, was nicht bedeutet, dass er es nicht ernst meint.
Es ist acht Uhr abends, Zeit, ins Wohnheim zu gehen, schnell Abendessen. Danach wird er mit
den sieben Freunden seiner Internetfirma hier weiterarbeiten. Morgen früh um 7. 30 Uhr sind
wieder Vorlesungen. Ramashish sitzt im sogenannten Incubator Room, dem neuesten Projekt
von Deepak Phatak. Fünf Studenten-Teams bauen hier in den Räumen der Universität ihre

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Dot. com-Firma auf. Drei Jahre dürfen sie die Uniräume und Computer kostenlos nutzen, um
ihre Idee zu realisieren. Dafür erhält die Schule dann später drei Prozent der Aktien. „Das
bestärkt die Studenten in ihrem Traum, etwas Großes zu beginnen – in Indien. Was die IIT-
Absolventen im Silicon Valley können, können sie hier auch“, sagt Phatak. Ihm geht es darum,
den Studenten die Zuversicht zu geben, dass sie nicht nach Amerika gehen müssen, um etwas
zu erreichen. Zu viele seien schon dort geblieben und nie zurückgekehrt. Das ist das Gute an
den Kinder-statt-Inder-Sprüchen in Deutschland. „Da müssen wir uns keine Sorgen machen,
dass dort unsere Elite verschwindet. “
Es sind zwei Franzosen, die das Ethos des IIT noch nicht verinnerlicht haben. Sie wollen ihr
Zimmer wechseln, raus aus dieser „Gefängniszelle“, in der man sich nicht umdrehen könne
und wo einem am Morgen die Ameisen übers Gesicht liefen. „Man hat uns gesagt, diese Uni ist
ein Paradies, viel Grün, moderne Architektur, und dann das: Kühe am Campus. “ Und in der
Tat, wer das IIT Bombay betritt, ist schockiert. Selbst die indischen Studenten sagen, dass man
ein paar Wochen braucht, um sich an die Äußerlichkeiten zu gewöhnen. Wohnheim Nummer 1
trägt den wohlklingenden Namen „Queen of the Campus“. Wer den heruntergekommenen
Betonkasten sieht, glaubt an einen schlechten Scherz. Die Franzosen gehen jetzt Pizza essen,
draußen. Den „Wohnheimfraß“ wollen sie sich nicht mehr antun: Reis, Brot, Gemüse, alles
lauwarm – jeden Tag dasselbe, hingeklatscht auf einem Blechtablett.
                                     „Sie kennen ihren Wert“
Zwei Stockwerke unter dem Büro von Direktor Phatak herrscht Hochbetrieb vor der
Jobvermittlungsstelle. Die Firmen Veritas, Tata Consulting Services und Cisco Systems haben
ihre Bewerbungstests. Im Büro hängen Firmen-Plakate, Prophezeihungen aus der schönen
neuen Dot. com-Welt: „Trete ein in die Cyber-Ära. “ – „Die Welt ist kleiner geworden, der Markt
größer. “ – „Auch du kannst Teil einer unfassbaren Erfolgsgeschichte werden. “ – „Wir bieten
eine Karriere, nicht nur einen Job. “ Texas Instruments, amazon. com, Mycrosystems, Cisco,
McKinsey, große Unternehmen kämpfen hier um den Nachwuchs. „Diese Firmen kaufen die
Brains der IITler, sie wissen, dass das Leute sind, die alles lernen können“, sagt Ashok Misra.
Aber er könne sich nicht erinnern, dass irgend eine deutsche Firma Campus-Rekrutierungen
gemacht hätte. Schon erstaunlich, wollte man nicht von diesem 1. August an Inder nach
Deutschland holen? Man müsse sich schon bemühen um diese Elite und sich als Land positiv
präsentieren, so Misra. IITler seien es gewöhnt, dass man um sie kämpft. „Unsere Studenten
wissen, was sie wert sind. Weltklassefirmen bezahlen dafür, um die ersten zu sein, die kommen
dürfen, um sie anzuwerben. “ Fast alle haben einen Job, noch bevor sie ihr Studium
abgeschlossen haben. Oder eine eigene Firma.
Pavan Dolasee ist 23 Jahre alt, hat eine große Brille und seit einer Stunde einen Job bei
Veritas. Nicht, dass ihn das sehr überrascht hätte, er habe gewusst, dass er die Stelle
bekommen werde, sagt er. Die meisten Firmen stellen nicht einmal technische Fragen im Test.
„Die wissen, dass wir fachlich fit sind und wollen nur hören, für welchen Themenbereich wir
uns interessieren“, sagt Pavan. Einen Monat nach seinem IIT-Abschluss wird Pavan bei Veritas
anfangen, zu geradezu genialen Bedingungen: Aktienanteile, flexible Arbeitsstunden, Kranken-
und Unfallversicherung, verbilligte Wohnung, häufige USA-Reisen, privater Arbeitsplatz und
2000 Dollar im Monat – Anfangsgehalt. Aber ums Geld sei es ihm ohnehin nicht gegangen, sagt
Pavan dann, Geld komme ohnehin in seinem Leben, da mache er sich keine Sorgen.
Im IIT fließt die Zeit nur in eine Richtung – was zählt, ist die Zukunft. Und in der ist für dieses
Land und für diese Studenten alles möglich. Immerhin wurde in Indien die 0 erfunden, einer
der substanziellen Bausteine der Computertechnologie. „Und indische Studenten waren schon
immer bekannt für ihre hervorragenden mathematischen und analytischen Fähigkeiten“, sagt
Misra. Hier haben vom Studenten bis zum Direktor alle Zugang zu Höhen des Optimismus, die
für Außenstehende kaum nachvollziehbar sind. „Na klar, jeder hier im IIT weiß, dass er eine
große Karriere machen wird, warum sollten wir also nicht optimistisch sein?“, sagt Ramashish,
„aber wir wollen unser Wissen an unsere eigene Gesellschaft weitergeben, nicht ans Ausland.
Warum also an Deutschland? “




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aus: Frankfurter Rundschau vom 16. November 2000

             Sonia Gandhi bleibt Chefin der Kongresspartei
NEU-DELHI, 15. November (dpa). Die indische Oppositionsführerin Sonia Gandhi bleibt
Vorsitzende der Kongresspartei. Sie wurde am Mittwoch mit überwältigender Mehrheit von der
Partei in ihrem Amt bestätigt, das sie 1998 angetreten hatte. Die 53-jährige Sonia Gandhi ist
die Witwe des ermordeten Ministerpräsidenten Rajiv Gandhi.
Im Mai vergangenen Jahres hatte sie den Parteivorsitz wegen eines Streites um ihre italienische
Herkunft zunächst niedergelegt, kurz darauf aber wieder zurückgezogen. Bei den Wahlen im
September 1999 hatte die Kongresspartei die schwerste Niederlage seit 50 Jahren erlitten.
Gandhi ist auch Fraktionsvorsitzende ihrer Partei im indischen Bundesparlament.


aus: Frankfurter Rundschau vom17. November 2000

                     Banken werden teilweise privatisiert
NEU DELHI (dpa). Indien privatisiert seine Banken, will aber über Sperrminoritäten Kontrolle
über die Finanzinstitute des Landes behalten. Einen Tag nach einem Massenstreik von rund
einer Million Angestellten im Geldgewerbe gegen das Vorhaben beschloss das Kabinett in Neu
Delhi den Verkauf der Staatsmehrheit an den Geldhäusern.
Nach den Worten von Minister Pramod Mahajan wird die Regierung ihre zwischen 51 und 100
Prozent liegenden Beteiligungen im Finanzwesen auf 33 Prozent reduzieren. Das
Privatisierungsgesetz soll in der am 20. November beginnenden Sitzungsperiode des Parlaments
verabschiedet werden.
Am Vortag hatten die Bank-Beschäftigten landesweit gegen die geplante
Liberalisierung gestreikt. Dies brachte die Geldgeschäfte in dem Subkontinent
zeitweise zum Erliegen. Die Gewerkschaft United Forum of Bank Unions befürchtet,
dass die Institute künftig weniger zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes
beitragen als bislang. Außerdem kämpft sie gegen eine vorgesehene Verringerung des
Rentenalters von 60 auf 58 Jahre und eine Vorruhestandsregelung.
Indien hatte das Bankensystem 1969 und 1980 in zwei Schritten verstaatlicht. Die frühere
Ministerpräsidentin Indira Gandhi verpflichtete die Geldinstitute damals ferner per Gesetz
dazu, Kredite an die Armen und Landlosen zu besonders günstigen Bedingungen zu vergeben.
Die sehr populäre Reform scheiterte in der Praxis allerdings letztlich daran, dass der Anteil
fauler Kredite dadurch immer größer wurde.


aus: Neue Züricher Zeitung vom 18.11.2000


                       Drei neue Gliedstaaten in Indien
             Erfüllung politischer Aspirationen ethnischer Gruppen
In den ersten zwei Novemberwochen haben sich in Indien drei neue Gliedstaaten etabliert. Mit
ihrer Gründung erfüllen sich langjährige Aspirationen ethnischer Gruppen. Die Verwirklichung
der Autonomieforderungen ging aber nur deshalb so glatt über die Bühne, weil sie identisch
waren mit den Interessen der grossen politischen Parteien.
By. Delhi, 16. November
Am 15. November, einige Minuten nach Mitternacht, ist in der Stadt Ranchi in Süd-Bihar der
28. Gliedstaat der Indischen Union gegründet worden, Jharkand. Er umfasst die achtzehn


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Bezirke von Süd-Bihar, dem Siedlungsgebiet von drei grossen indigenen Volksgruppen. Zuvor
war am 1. November in der zentralindischen Stadt Raipur der Gliedstaat Chhattisgarh aus der
Taufe gehoben worden, dessen Territorium zu dem an Mineralien und Wäldern reichen Ostteil
des grössten Gliedstaates, Madhya Pradesh, gehört hatte. Zehn Tage später wurden in der
Stadt Dehra Dun am Himalaja-Fuss die konstitutionellen Organe von Uttaranchal eingesetzt,
dessen Territorium von der Grösse der Schweiz die Berggebiete des bevölkerungsreichen
Gliedstaates Uttar Pradesh umfasst.
                               Feuerwerk und Nebengeräusche
Wie es sich für die lärmige indische Demokratie gehört, mischten sich in die Knallkörper und
das glückverheissende Verteilen von Süssigkeiten laute Protestrufe, Intrigen und das hörbare
Wetzen von Messern. In Chhattisgarh, wo die Kongress-Partei eine knappe Mehrheit der
Abgeordneten stellt, mussten diese den Befehl der Parteizentrale in Delhi schlucken und mit
Ajit Jogi einen Vertrauten der Parteipräsidentin Sonia Gandhi als ersten Chefminister
akzeptieren. Jogi ist ein Christ und nicht, wie die Mehrheit der Bevölkerung, ein Adivasi, wie
die Ureinwohner in Indien offiziell heissen. Im Fall von Uttaranchal mussten die neuen
Parlamentarier einen Mann als Regierungschef wählen, der nicht einmal aus der Bergregion
stammt. Die Parteizentrale war in diesem Fall jene der regierenden Bharatiya Janata Party
(BJP), die im neuen Gliedstaat die Mehrheit hat. Für sie war der neue Chefminister, Nityanand
Swamy, der einzige Ausweg, um die Rivalität zwischen den beiden Regionen - Garhwal im
Westen und Kumaon im Osten - zu umgehen. Beide streiten sich auch um die neue
Hauptstadt. Dehra Dun in der Region Garhwal ist nur eine provisorische Hauptstadt - zur
Freude seiner Bewohner, die in der Ankunft zahlreicher Politiker ihre selbstgewählte
Provinzialität gefährdet sehen.
Die BJP verfügt, zusammen mit den Verbündeten der Regierungskoalition in Delhi, auch in
Jharkand über eine Mehrheit im neuen Provinzparlament. In diesem Fall war die Opposition
keine innerparteiliche, sondern kam vom bärtigen Shibu Soren, einem Mitglied der «Jharkand
Mukti Morcha» (JMM). Die JMM ist eine Partei der Adivasi, welche die Autonomiebewegung
eingeleitet hatte. Doch die JMM hat sich in den letzten Jahren, nicht zuletzt auf Grund von
Korruptionsfällen, zerstritten und ihre Einheit eingebüsst. Die Initiative ging an die BJP über,
der es gelungen ist, ihr Image als zentralistische Kasten-Partei zu überwinden und sich als
Anwältin der Urbevölkerung zu profilieren. Sie verdankt dies der Vorarbeit des Hindu-
Kaderverbands RSS, der seit langem in den Stammesgebieten arbeitet, um den Einfluss der
christlichen Missionare zu neutralisieren. Der neue Chefminister, Babulal Marandi, bisher
Umweltminister in Delhi, ist ein langjähriges Mitglied des RSS und ein Adivasi.
                                      Politisches Kalkül
Die Schaffung der drei neuen Gliedstaaten hat eine lange politische Geschichte hinter sich. Mit
der Ausbreitung von Regionalparteien innerhalb der bisherigen Grenzen sah es aber immer
mehr so aus, als seien die ethnischen Autonomieforderungen von den regional-geographischen
verdrängt worden. Dass es nun plötzlich zur Verwirklichung dieser alten Ansprüche kam, ist
der politischen Konstellation in Delhi zu verdanken. In allen drei Fällen wollten die
Regierungspartei BJP und die oppositionelle Kongress-Partei die Chance nutzen, die erste
Provinzregierung zu bilden. Noch wichtiger als dieser taktische Vorteil war aber für beide ein
strategisches Kalkül. Die Schaffung neuer, kleinerer Staaten, so hoffen sie, werde die
Überlebenschancen der grossen nationalen Parteien verbessern. Denn die Regionalparteien
müssten nun mit kleineren Hausmachten vorlieb nehmen, und diese liessen sich in Delhi
besser zähmen. Dieses Argument wurde allerdings nie ausgesprochen - nach aussen ging es
beiden Parteien nur darum, neben den legitimen ethnischen Aspirationen Hand zu mehr
Transparenz in der Verwaltung und zu kleinräumiger Basisdemokratie zu bieten.
                              Eine Chance für das Armenhaus
Jharkand ist ein Beispiel, wie unwiderstehlich die Kombination der drei Argumente -
Bürgernähe, ethnische Autonomie und Überlebensstrategie von BJP und Kongress - war. Sie
setzten sich gegen den erbitterten Widerstand der Regierung des Gliedstaats Bihar durch.
(Nord-)Bihar wird nämlich in seiner neuen Rumpfform wirtschaftlich und sozial noch mehr in
die Ecke gedrängt und verliert mit dem an Kohle reichen Süden seine wichtigste

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Einnahmequelle. Dieser trug 70 Prozent zu den Staatseinkünften bei und absorbierte zwei
Drittel seiner Industrie-Investitionen. Allerdings ist der Wegfall der «Cash Cow» aus dem Süden
auch eine Chance für Indiens Armenhaus. Die Lizenzzahlungen für die grossen Stahlwerke und
für die Schürfrechte in den mineralienreichen Adern der Stammesgebiete waren für die Politiker
während Jahrzehnten ein willkommenes Schmiermittel, mit dem sie den feudalen Status quo
aufrechterhielten. Die Schaffung von Jharkand mag ein Verlust an Territorium und Einkünften
sein. Sie ist für das fruchtbare Schwemmland am Ganges aber auch eine Chance, endlich seine
landwirtschaftliche Revolution nachzuholen.


Neue Bücher

Marie-Thérèse Schins, „Ein Elefant kommt selten allein. Doro in Indien“.
Mit Zeichnungen von Wiebke Oeser. Reihe Gecko. 168 Seiten, gebunden
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2000. Ladenpreis DM 22,00.
Ein Kinder- und Jugendbuch (für Kinder ab 8 Jahren)
In derselben Reihe erschien von Marie-Thérèse Schins, „In Afrika war ich nie
allein“. Doro ist auf ihrer ersten großen Reise mit ihrem Vater zehn Jahre alt. Das
war vor zwei Jahren. Die zwölfjährige Doro darf nun in den Ferien ihren
alleinerziehenden Vater auf eine Reise nach Indien begleiten. Er ist Fotoreporter
und war schon einige Male zuvor in Indien. Neben einer guten Vorbereitung verfügt
Doro also auch über Reiseerfahrung in ferne Länder. Mit Erziehung zur Toleranz
kann nicht früh genug angefangen werden. Dazu gehört das Kennenlernen
verschiedener Kulturen und natürlich Neugier. Drei Wege stehen unter anderem
zur Verfügung: Die Öffnung zu den Kulturen, die im eigenen Lebensraum vertreten
sind, das Reisen und Lesen.
Die Reiseschilderung aus den Augen eines Kindes ist so dicht und voller
verschiedener Eindrücke wie das Land, in das sie reist. Ihre Reise führt zunächst
nach Bombay, wo ihr Armut und Elend einer Großstadt begegnen, aber auch eine
Freundschaft mit Strassenkindern und ein herzlicher Empfang in einer Schule.
Ihre Reise führt sie weiter in Tempelstädte und in ein Dorf in Kerala. Von hier reist
ihr Vater alleine weiter, während sie bei einer Familie wohnen bleibt und neben
indischem Alltag noch Abenteuer erlebt.
Wieviel Eindrücke verkraftet ein Mensch und wie geht er/sie damit um? Doro fängt
an zu schreiben, in ihr Gedankenbuch, und stellt natürlich viele Fragen – Neugier
und Wissensdurst erleichtern ihr den Einstieg in eine ihr neuen Kultur. Das Buch
liefert Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu Indien, versucht auch einige
Begriffe und Zusammenhänge zu erläutern. Dies soll aber nur den Anfang bilden,
weiter nachzufragen und zu lesen. Eltern, deren Kinder dieses Buch lesen, sollten
sich auf eine Menge Fragen und Diskussionen gefasst machen.
Das Ziel dieses Buches ist Toleranz. Doro lernt, sich in einer ihr völlig
unbekannten Umgebung zurechtzufinden und v.a. Freundschaften zu schließen.
Es wird deutlich, wie flexibel und offen Kinder mit Problemen umgehen, und wie
wichtig es ist, schon früh die Begegnung verschiedener Kulturen in den
Erfahrungshorizont einzubinden. Während die Autorin die Bedeutung von
Fremdsprachen, hier besonders Englisch, betont, stößt einem manchmal die
umgangsprachliche Formulierung auf. Es bleibt eine Gradwanderung zwischen
dem Aufgreifen von Jugendsprache und deren Begrifflichkeiten, und literarischer
bzw. Schriftsprache. Manches klingt demzufolge etwas aufgesetzt. Dennoch
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versteht sie es, den Spannungsbogen zu halten und ein sehr reichhaltiges Kinder-
und Jugenbuch zu schreiben.




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Deutsch–Indische Gesellschaft e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Charlottenplatz 17
70173 Stuttgart
Tel.: 0711– 29 70 78
Fax.: 0711–299 14 50
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Redaktion:

Deutsch–Indische Beziehungen              Dr. Hans–Georg Wieck
Wirtschaft                                Dr. Hans Christoph Rieger
Forschung und Lehre, Schulen              Dr. Joachim Oesterheld
Umwelt, NGOs, Menschenrechtsfragen        Dr. David Hawkes
Aus den Zweiggesellschaften               Regina Kuckertz
Jugendarbeit (Jugend Forum und Seminar)   Dr. Urmila Goel
Programmvorschau/ Veranstaltungen         Janine Maegraith
Mitteilungen der Bundesgeschäftsstelle    Winkle / Maegraith
Deutsch–Indisches Vereinsleben            Josè Punnamparambil
Pressespiegel                             Christian Winkle
Leserbriefe                               Janine Maegraith
Neue Bücher                               Janine Maegraith
Kunst & Kultur                            Dr. Prabuddha Banerjee


Auflage: 4.000

Erscheinungsweise: Vierteljährlich




Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht zwingend die Meinung der
Deutsch–Indischen Gesellschaft e.V. wieder.




Mitteilungsblatt der DIG                                              52

				
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