BERICHTE VON TEILNEHMERINNEN UND

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					        BERICHTE VON TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMERN AM

                       SOKRATES/ARION-PROGRAMM;

                           SCHULJAHR 1 9 9 7 / 9 8




    Datum           Land          Thema               TeilnehmerIn

01 10.-14.11.1997   D,            Ausbildung für      LSI Mag. Adelinde Schletz,
                    Niedersachsen den Bereich der     NÖ
                                  Humandienst-
                                  leistungen
02 26.10 – 1.11.    D, Berlin     Integration         LSI Mag. Johannes
   1997                           schwieriger         Hutsteiner, OÖ
                                  Schüler
03 9.-13.3.1998     Schleswig-    Allgemeinbildung    Dir. Dr. Josef Lackner, S
                    Holstein      und Berufsbildung
                                  im Vergleich
04 24.-28.11.1997   England       Neue                Dir. Mag. Manfred
                                  Informations-       Derflinger, OÖ
                                  technologien
05 17.-21.11.1997   Schottland    Neue                Dir. Dr. Fritz Anzböck,
                                  Informations-       Wien
                                  technologien
06 9.-13.3.1998     Irland        Behinderten-        BSI Franz Schleicher, K
                                  integration
07 1.-6.3.1998      Italien       Europäische         Dir. Mag. Mario Sarcletti, S
                                  Dimension
08 11.-16.5.1998    Frankreich    Lehreraus- und      Dir. Mag. Michael Breuss,
                                  –weiterbildung      ST
09 9.-16.3.1998     Spanien       Erwachsenen-        Prof. Mag. Friedrich
                                  bildung             Wittib, Wien
01 10.-14.11.1997      D,            Ausbildung für           LSI Mag. Adelinde Schletz,
                       Niedersachsen den Bereich der          NÖ
                                     Humandienst-
                                     leistungen

Montag
Ort: Berufsbildende Schulen, Springe bei Hannover
- Vorstellen der Teilnehmer, ihrer Berufe, ihrer Schulsysteme
- Vorstellen des niedersächsischen Schulwesens durch Frau MinR Dr. Lotte Herkommer
    unter besonderer Berücksichtigung der

 dualen Ausbildung
 Ausbildung im Bereich Humandienstleistungen
 Fachschule “Sozialpädagogik” (2 Jahre, Breitbandausbildung)

a) 10 Jahre allgemeinbildende Schule plus 2 Jahre Berufsfachschule führt zur Qualifikation
   als “Sozialassistent/in”
b) 10 Jahre plus 2 Jahre Berufsfachschule plus 2 Jahre Fachschule Sozialpädagogik führt
   zum Abschluß “staatlich anerkannte/r Erzieher/in”

Alle Abschlüsse sind staatlich anerkannt; Absolventen der Fachschule erhalten zusätzlich die
Fachhochschulreife. Auch Anerkennung nach 2. Eu-Richtlinie.

Ausbildungen im Schulwesen in Deutschland beginnen nach Klasse 10, das heißt im Alter
von mindestens 16 Jahren.

Dienstag
Ort: Berufsbildende Schulen 21 der Landeshauptstadt Hannover (Hedwig-Heyl-Schule) /
Lehrkindertagesstätte “Neuenkirchner Platz”

Besuch der BBS 21: Vorstellung der Ausbildungsmöglichkeiten an der Schule, Ausgabe von
Informationsmaterialien
- Vorstellung der 2-jährigen Fachschule “Sozialpädagogik” mit dem Angebot der
    Zusatzqualifikation in Freizeitpädagogik sowie Natur- und Umweltpädagogik
- Vorstellung der schulspezifischen pädagogischen Konzeptionen, Stand der Integration des
    Konzepts in die Vorbereitung der EXPO 2000
- Besuch einer Unterrichtsstunde im Fach “Pädagogische Medien”, hier “Sinneserfahrung”,
    Diskussion mit den Schülerinnen.
- Schule legt großen Wert auf fächerübergreifende Arbeit.

Besuch der Lehrkindertagesstätte: Vorstellung der sehr flexiblen Konzeption der Einrichtung,
die eng mit der BBS 21 zusammenarbeitet. Dies ermöglicht eine sehr praxisorientierte
Ausbildung zukünftiger Erzieher/innen.

Mittwoch
Schwerpunktthema: Arbeit mit Menschen mit Behinderungen
Ort: Diakonische Werke Himmelsthür (Heim für geistig Behinderte) und Hermann-Nohl-
Schule in Hildesheim
- Vortrag/Information über die Konzeption in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und
    Erwachsenen
-   Besichtigung des Kinder- und Jugendbereichs sowie der Wohngruppen für Erwachsene
    und der Werkstätten

Stellungnahme der ARION-Gruppe:
- wichtig ist der nicht defizitär orientierte Ansatz in der Behindertenarbeit
- Betreuung der Behinderten von Kindheit bis ins Alter an einem Ort
- Lebensbedingungen aller sind auf hohem Standard
- Normalitätsprinzip und Integration der Behinderten in die Umgebung scheint so gut es
    geht ermöglicht zu werden.
- Projekte wie z.B. im Bereich der Sexualität und Ökologie sind interessant
- Arbeit der Bewohner (Aufträge aus der Wirtschaft in Abhängigkeit zu den Möglichkeiten
    der Bewohner, Entlohnungssystem)

In Österreich ist das System ähnlich. In Estland gibt es Unterschiede, aber Estland hat durch
Kontakte mit Finnland vor, Ähnliches aufzubauen. Auch in Spanien und Griechenland sind
vergleichbare Systeme bekannt, aber auch ganz andere Organisationsformen.

Besuch der Hermann-Nohl-Schule:
Gespräch mit der Schulleitung und Lehrkräften über die Ausbildung zu Fachkräften im
Berhindertenbereich (Heilerziehungspflege und Heilpädagogik) aber auch im
Altenpflegebereich.
Interessant war insbesondere die enge Kooperation der Schule mit der zuvor besuchten
Einrichtung im Behindertenbereich. Eine Abgrenzung beider Fachkräfte im
Behindertenbereich wird andiskutiert. Die Altenpflegekraft scheint gegenwärtig noch nicht als
Fachkraft im Behindertenbereich anerkannt zu sein.

Donnerstag
Ort: Berufsbildende Schulen 3 des Landkreises Hameln-Pyrmont für Haus- und
Agrarwirtschaft und Heinrich-Kielhorn-Schule für geistig Behinderte
Vorstellung der BBS:
ein Bildungszentrum mit 1.300 Schülern und Schülerinnen in zwei baulich getrennten
Abteilungen mit 90 Lehrkräften

Hauptsächliches Ausbildungsgebiet dieser Einrichtung ist Hauswirtschaft, Gartenbau und
Landwirtschaft unter besonderer Einbeziehung von Umweltaspekten.

Absolventen des Zentrums erhalten zusätzlich zu ihrer beruflichen Ausbildung auch
allgemeinbildende Abschlüsse im Sekundar I oder Sekundar II-Bereich. Es handelt sich um
integrierte Klassen nach einem pädagogischen Konzept, welches darin besteht, auf das
Berufsleben voruzubereiten (z.B. unter Einbeziehung von Informatik). Eine aktive Methodik,
die auf persönlichen Beziehungen und der Zusammenarbeit aller Pädagogen beruht.
Wichtige Lehrplanaspekte sind u.a.
- Vorbereitung von Konferenzen
- Spiel- und Gruppentherapie
- Psychomotorik
- Körpererfahrung
- Musik etc.

Besuch der Heinrich-Kiehlhorn-Schule:
Dies ist eine Einrichtung für geistig behinderte Kinder und Jugendliche (ab 4 Jahren) in
öffentlicher Trägerschaft
Der Besuch ermöglichte die Beobachtung von Aktivitäten verschiedener Gruppen, wie sie
gerade zum Zeitpunkt des Besuches abliefen.
Wir hatten die Gelegenheit, eine Musikstunde mitzuerleben. Unterrichtsgegenstand war die
Vorbereitung auf eine Sankt-Martin-Feier. Die Schülergruppe bestand aus 8 Jungen und
Mädchen, die zu 2 unterschiedlichen Klassen gehörten. Sie wurden beaufsichtigt von 2
Erzieherinnen und 2 Erziehern. Die Schüler hatten z.T. schwere Behinderungen.
Während der Musikstunde wurden die Aktivitäten dieser Schüler und der Austausch von
erzieherischen Vorstellungen unter den Betreuern beobachtet. Die Stunde war gut vorbereitet
mit genügend Unterrichtsmaterialien und einem professionellen, koordinierten und
hochqualifizierten Erzieherteam. Wir erlebten die Anwendung des Lehrplans vor Ort und ihre
Anwendung auf jeden individuellen Schüler.

Freitag
Ort: BBS Springe und Seniorenheim “An der Jägerallee”, Springe
- Vorstellung der Bildungsgänge an der BBS Springe
- Führung durch den Schulleiter, Besichtigung der Räumlichkeiten und Lehrwerkstätten.
- Besuch einer Oberstufe der 2-jährigen Fachschule für Altenpflege
- Vortrag in englischer Sprache über die Ausbildung und das spätere Tätigkeitsfeld eines
    Altenpflegers/einer Altenpflegerin, Ausgabe von Infos
- Vergleich der Ausbildungen, tarifliche Vergütung und berufliche Tätigkeiten von
    Krankenschwestern und Altenpflegern
- Es gibt keine vergleichbare Ausbildung in Spanien und Griechenland, aber seit etwa 5
    Jahren besteht sie in Österreich.

Seniorenheim Springe:
- eine konfessionelle Einrichtung mit verschiedenen Wohnformen (Einzel- oder
   Doppelzimmer bis hin zu Appartement-Wohnungen
- Besondere Betreuung dementer Bewohner.

Reflexion über den Inhalt des Aufenthalts
- Das gewählte Thema war umfassend und stellte einen für alle Teilnehmer interessanten
   Teilausschnitt des berufsbildenden Bereiches dar.
- Die Erfahrungen aus den eigenen Ländern wurden durch neue Erfahrungen bereichert.
- Kontakte zu Schulleitungen, Lehrkräften und Schulen sowie zu Fachkräften in den mit
   Schulen kooperierenden Einrichtungen waren möglich.
- Trotzdem wurde noch mehr Praxis gewünscht. Problematisch wurde die Tendenz der
   Schulen gesehen, sich in ihrer Gesamtheit präsentieren zu wollen. Dadurch wurden
   Informationen z.B zu Bildungsgängen mehrmals wiederholt. Die jeweils unterschiedliche
   Präsentation auf Schaubildern verwirrte eher.
- Insgesamt wurden die Informationen und Einblicke als sehr positiv bewertet

Ausblick
Insbesondere folgende Aspekte des ARION-Programms werden in die eigenen Länder
mitgenommen:

-   das durchstrukturierte System von Ausbildungsgängen im Bereich der
    Humandienstleistungen
-   die damit gewährleistete staatliche Anerkennung aller Abschlüsse
-   die Differenzierung von Fachkräften im Behindertenbereich
-   das System der Ausbildung zur Altenpflegefachkraft auf hohem Niveau mit
    Fachhochschulreife bei Ausbildungsabschluß, vergleichbar mit Erzieher und
    Heilerziehungspfleger
-   die breit angelegte Erzieherausbildung, aufbauend auf der Sozialassistentenausbildung mit
    eingegrenztem Tätigkeitsbereich.

Von einigen Mitgliedern der Gruppe wurde vereinbart, weitere Informationen auszutauschen.
Die geknüpften Kontakte sollen weiterhin gepflegt werden.
02 26.10 – 1.11.       D, Berlin        Integration           LSI Mag. Johannes
   1997                                 schwieriger           Hutsteiner, OÖ
                                        Schüler

Zunächst stellte Frau Grassau der Gruppe das Berliner Schulsystem vor: Vieles (z.B. die
Fragen der Integration oder die Schuleingangsphase) ließ sich mit Erfahrungen in Österreich
vergleichen, auch die überall gleichen Nöte der Finanzierung des Schulwesens und die damit
verbundende Verschlechterung der pädagogischen Situation sowie der Arbeitssituation der
Lehrer und auch die Tendenz zur Autonomisierung der Schulen.

Manches ist offensichtlich spezifisches Berliner Problem: z.B. der in manchen Bezirken
extrem hohe Ausländer-Anteil (auch der deutschstämmigen Aussiedler aus Polen und der
ehemaligen Sowjetunion). Im Vergleich zu Österreich fiel hier etwa auf, daß es bei den sehr
stark vertretenen Türken auch in der 2. Generation nicht zur Übernahme der deutschen
Sprache als neue Muttersprache gekommen ist. Ein interessanter und ein überlegenswerter
Versuch scheint die (in Berlin und Brandenburg praktizierte) Orientierungsstufe in Klasse 5
und 6 zu sein.

Die – aufgrund des Nebeneinanders von nicht weniger als 4 Schularten auf der Sekundarstufe
I – am meisten gefährdete und problematische Schulart ist in Berlin offensichtlich die
Hauptschule.
Herr Seidel schilderte sehr anschaulich die geradezu dramatisch verlaufende Entwicklung
dieser Schulform. Besonders eindrucksvoll waren hier die vielen einfallsreichen Initiativen
der Hauptschullehrer, die in dieser Restschule gelandeten oder dahin von anderen Schularten
abgeschobenen Schüler zu Lernfähigkeit und Sozialisation zu führen und auch ihnen
Abschlüsse zu ermöglichen.
Vieles kann davon auch in unseren Ländern in analogen schwierigen schulischen Situationen
erfolgreich angewendet werden, wie z.B. die Reduktion der Bezugspersonen, das stärker
handlungsorientierte und eigenständige Lernen und der Epochal-Unterricht, besonders in den
ersten beiden Klassen.
In den Klassen 9 und 10 erscheint die gründliche Berufsorientierung in einem eigenen
Pflichtgegenstand ”Arbeitslehre” ein erfolgversprechender Weg, welcher am Ende der
Sekundarstufe I in allen Ländern Eingang findern sollte.
Ein offensichtlich zur Austrocknung der Hauptschule beitragendes wenn nicht entscheidendes
Faktum erscheint mir einfach das Nebeneinander mit der Gesamtschule als Angebotschule
(also nicht als flächendeckende Gesamtschule!).

Der Besuch im (sehr gut ausgestatteten) Oberstufen-Zentrum Ilse Meitner-Schule am
Dienstag galt dem Kennenlernen des Vollzeit 11-Lehrgangs sowie der einjährigen
Berufsfachschule.
Der Vollzeit-Lehrgang 11 versucht, Schülern mit unterschiedlichen oder auch gar keinen
Abschlüssen, welche keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, die Erfüllung der
Berufsschulpflicht zu ermöglichen. Da die Chancen, einen Ausbildungsplatz wenigstens nach
dem Besuch des VZ 11 zu finden, ebenfalls sehr gering sind, fehlt es den Schülern in diesem
Wartejahr oft an der nötigen Motivation zum Schulbesuch; manche erscheinen überhaupt nur
ein paar Tage in der Woche, um den Bezug des Kindergeldes nicht zu gefährden; manche
brechen überhaupt den Schulbesuch ab.
Diese ”Warteschleife” erscheint eher als ein verlorenes Jahr denn als erfolgversprechender
Versuch zur Integration der Jugendlichen in den Arbeitsprozeß.
Die zunehmende Reduktion des Angebots der Wirtschaft an Lehrstellen führt hier zu einer
Verschulung der beruflichen Ausbildung, zu deren Finanzierung letztlich wohl die Wirtschaft
herangezogen werden wird müssen (”Ausbildungsplatzabgabe”).
Das derzeitige Problem der fehlenden Ausbildungsplätze ist im übrigen auch in anderen
Ländern (regional unterschiedlich) zu beobachten. Das Kennenlernen des VZ 11 war daher
für und von großem Interesse.

Das – ebenfalls an der Meitner-Schule angebotene – Modell der einjährigen Berufsfachschule
für Schüler mit erweitertem Hauptschul- bzw. Realschulabschluß (wobei die ersteren
bevorzugt aufgenommen werden) erscheint etwas erfolgsversprechender. Insbesondere die
Unterweisung in Schwerpunktfächern (in der Meitner-Schule sind das die
Naturwissenschaften) in Theorie und Labor durch den selben Lehrer scheint sich zu
bewähren, wenngleich auch hier nur wenige Schüler den Aufstieg in die gymnasiale
Oberstufe oder in die 3jährige Berufsfachschule (Ausbildungsziel: Assistent) erreichen.
Immerhin konnten wir uns persönlich von der hohen Motivation dieser Schüler in diesem
Modellversuch überzeugen.
Ein für uns alle neues, sehr innovatives Projekt stellt der sozialpädagogische Schulversuch
”Stadt als Schule” (von den USA übernommen) dar:
An 2 Tagen findet Schule statt und an 3 Tagen arbeiten die Schüler im 3-monatigen Wechsel
an einem Praxisplatz. Das Modell wird von den Firmen gut angenommen und kann auch bei
den Schülern auf eine erstaunliche Erfolgsrate von 60% verweisen: Immerhin gelingt es mit
diesem Schulversuch Schüler, welche die Regelschule (Hauptschule oder Gesamtschule)
bereits abgebrochen hatten und die in teilweise katastrophalen sozialen Verhältnissen leben,
sozial zu reintegrieren, zu einem schulischen Abschluß (Hauptschule, erweiterte Hauptschule,
Realschule) zu führen und ihnen Freude an einer ihren Neigungen entsprechenden Arbeit zu
vermitteln.

Der Mittwoch war zunächst einem Besuch von Schülern der ”Stadt als Schule” an ihren
jeweiligen Praxisplätzen gewidmet. Die Schüler suchen sich ihre 3-Monate-Praxisplätze oft
selbst, finden in der Regel Gefallen an der praktischen Arbeit und manche finden so auch
ihren späteren Ausbildungsplatz.
Eindrucksvoll und berührend empfanden wir hier das weit über eine geregelte Arbeitszeit
hinausgehende Engagement der Lehrer, die gleichzeitig auch als Sozialpädagogen wirken und
ihre Schützlinge auch an den Praxisplätzen betreuen und denen es oft gelingt, ein ganz
persönliches Verhältnis (gewissermaßen als Elternersatz) aufzubauen und ihnen so oft die
fehlende emotionale Wärme einer ständigen Bezugsperson zu geben. Ein ungemein mutiges
(seit 10 Jahren erfolgreiches) Resozialisierungsprojekt!
Am Nachmittag wurde uns das Ausbildungssystem des ”Jugendaufbauwerks” am
Prenzlauerberg vorgestellt. Hier werden rund 160 Jugendliche, welche die Hauptschule
abgebrochen hatten, große private Probleme hatten und teilweise auch straffällig geworden
waren und die keinen Lehrplatz fanden, in den gängigen Lehrberufen ausgebildet, was der
Stadt gewaltige Budgetmittel abverlangt. Die ”Lehrlinge” machen die allenfalls fehlenden
Abschlüsse (Hauptschule oder erweiterter Hauptschulabschluß) nach, absolvieren die
üblichen Firmen-Praktika und besuchen die reguläre Berufsschule; der Unterschied zur
Lehrlingsausbildung in Firmen besteht in den Kleingruppen und daß – in Zusammenarbeit mit
dem Arbeitsamt – auch partiell Behinderte im ”Förderungslehrgang” zum Lehrabschluß
gebracht werden können.
Die Ausbildner und die psychologischen Betreuer wenden hier den Jugendlichen eine
Zuwendung zu, wie sie in diesem Ausmaß in Firmen meist nicht gegeben ist. Die meisten von
denen, die die Lehre abschließen (das sind ein Drittel), finden anschließend tatsächlich einen
Arbeitsplatz.
Freilich bleibt dieser insgesamt doch recht teure Ausbildungsvorgang als “Staatliche
Lehrwerkstätte” insgesamt (auch wenn man ein analoges Jugendaufbauwerk in Spandau dazu
nimmt) angesichts der ständig von Berlin abwandernden Industrie-Arbeitsplätze ein Tropfen
auf einen heißen Stein.

Der am Donnerstag vorgestellte Modell-Versuch an der Otto-Oberschule in Steglitz war in
seiner völligen Andersartigkeit beeindruckend: Mittels einer radikal veränderten
Unterrichtsstruktur einerseits und einer generösen Personalausstattung andererseits gelingt es
hier einem sozialtherapeutisch engagierten Lehrerteam lern- und verhaltensschwierige
Grundschüler mit hoher Erfolgsquote zum Hauptschul-Abschluß zu führen.
Der Unterricht wechselt zwischen eher konventionellen morgendlichen “Trainingsstunden”,
in denen die grundlegenden Fähigkeiten und Kenntnisse in Deutsch, Englisch und
Mathematik vermittelt werden, dem 3-wöchigen Fach-Epochen-Unterricht und einem
anschließenden 3-wöchigen Projekt. Es gibt nur Kleingruppen von max. 20 Schülern, meist 2
Lehrer (240 Schüler; 33 Lehrer-Vollstellen aufgeteilt auf 40 Lehrer) und es steht
stundenwiese ein Psychologe zur Verfügung.
Überdies können (durch zusätzliche Lehrerstunden!) Schüler der 7. und 8. Stufe, welche
phasenweise oder längerdauernde Sozialisationsprobleme in der Klasse haben, von einem
Lehrer gesondert in “Otto´s Lernwerkstatt” (das ist ein gesonderter Raum) einzeln betreut
werden (wobei sie aber in den Trainingsstunden und im Sport im Klassenverband bleiben).

Ein zusätzliches Spezifikum dieser Versuchsschule ist das vierköpfige Leitungsteam. Der
Versuch kann sich der Anmeldungen nicht erwehren, so daß verhaltensschwierige
Grundschulabsolventen, welche nicht in der Nähe dieser Schule wohnen, in eine “normale”
Hauptschule in ihrem Bezirk gehen müssen.

Zwei Aspekte erschienen mir bei diesem, von großem pädagogischen Ethos getragenen
Versuch, freilich fragwürdig: Durch das Zusammennehmen von ausschließlich
verhaltensschwierigen Schülern (sie waren jeweils die schlechtesten ihrer Grundschulklasse!)
ist eine Integration mit Förderung durch die Klassengemeinschaft mit “Normal”-Schülern
nicht möglich. Außerdem sind mehr Schulversuche mit dieser Lehrer-Stundendotation ganz
offensichtlich auch nicht finanzierbar.

Eine eher “normale” Schule ist die Friedrich Bayer-Oberschule in Steglitz: eine Realschule, in
der es sicherlich gelungen ist, unter Aufrechterhaltung des Leistungsgedankens und der
Regelformen des Unterrichts neue Elemente der Erziehung und Sozialisation einzubauen:
Neben den auch sonst durchaus üblichen Angeboten wie Raum- und Hofgestaltung durch die
Schüler, Schulband, Hausaufgaben-Helfer und Schulkaffee stellt eine nachahmenswerte
Einrichtung sicherlich das Teilprojekt “Schulpsychologische Einzelberatung und soziales
Training” dar, wofür eine Psychologin des schulpsychologischen Dienstes, ein Lehrer und
eine Lehrerin stundenweise zu Verfügung stehen. Sowohl die Einzelberatung (meist 3
Sitzungen) als auch die sozialen trainings (2 x 1 ½ Stunden, wobei den Schülern 1
Unterrichtsstunde erlassen wird) erfreuen sich großen Zulaufs.

Mein Resümee:
Der ARION-Studienaufenthalt zum Thema “Pädagogische Konzepte zur Integration
schwieriger Kinder” vermittelte mir persönlich sehr gründliche und vielfältige Informationen,
wie die Großstadt Berlin mit den Problemen verhaltensauffälliger und dissozialer Schüler
umzugehen versucht; ob es sich darum handelt, solche schwierigen Schüler von der
Grundschule überhaupt in die Hauptschule zu bringen und dort auch zu halten oder aus der
Regel-Hauptschule herausgefallene Schüler wieder in die Hauptschule zurückzuholen oder
Schülern, die nach Klasse 10 keine Lehrstelle finden in Lehrwerkstätten des Staates
auszubilden oder über den schulischen Weg der 1- bis 3jährigen Berufsfachschulen
auzubilden oder auch nur zur Erfüllung des 11. Berufsschulpflichtjahres ein Jahr in einer
schulischen “Warteschleife” von der Straße fernzuhalten.

Die Regel-Hauptschule erweist sich in Berlin als die unterste Stufe schulischer Möglichkeiten
in der Sekundarstufe I, wobei trotz intensiver, einfallsreicher pädagogischer Bemühungen die
Bereitschaft der Eltern, ihr Kind in die Hauptschule zu schicken, von der aus man derzeit
praktisch fast keine Berufschancen hat, Jahr für Jahr schwindet (derzeit nur noch 9,6%).

Das Hauptproblem scheint aber derzeit einfach das mangelnde Angebot an
Ausbildungsplätzen für die Abgänger der Sekundarstufe I (und zwar auch für die niedrigen
Abschlüsse Hauptschule und erweiterte Hauptschule) zu sein.

Was meine Schulart, das Gymnasium, von diesen Erfahrungen mit verhaltensschwierigen
Kindern sicherlich lernen kann, sind die Möglichkeiten der neuen Lernformen wie das offene
Lernen, der höhere Eigenständigkeitsgrad des Wissenserwerbs sowie das projektbezogene
Arbeiten. Die Reduktion der Bezugspersonen erscheint mit Hinblick auf das gymnasiale
Bildungsziel der vertieften Allgemeinbildung (Unterricht nur durch in ihrem Fach geprüfte
Lehrer) nicht umsetzbar.
03 9.-13.3.1998       Schleswig-        Allgemeinbildung Dir. Dr. Josef Lackner, S
                      Holstein          und Berufsbildung
                                        im Vergleich

Überblick
Das ARION-Programm in Kiel war erfolgreich. Die Anregung, die insgesamt gegeben wurde,
ist offensichtlich:
- Wir haben viel voneinander zu lernen.
- Der Austausch der besten Praxis wird allen nützen
- Das berufsbildende Schulwesen in Deutschland wurde von allen Teilnehmern als
     vorbildlich in der EU empfunden.

Grundlagen
Das Programm wurde vom Erziehungsministerium in Kiel organisiert. Es begann mit einer
Einführung in das deutsche Schulsystem und einer Eröffnungsdiskussion mit Beamten des
Ministeriums (Programmende: ebenfalls Diskussion im Ministerium).

Im Programm war eine ganze Reihe von Besuchen in höheren Schulen und Fach- und
Berufsschulen (z.B. für Hörhilfentechniker) vorgesehen. Auch eine mittlere Schule und eine
Ganzzeit-Berufsschule waren darunter.

Themen
Das Hauptthema dieser Beuche war der Vergleich von Allgemeinbildung und Berufsbildung,
wobei es aufzuzeigen gelang, daß die beiden Züge voneinander lernen können. Man war der
Ansicht, daß das duale Ausbildungssystem viele Stärken biete.
Was die relative Wertschätzung betrifft, glaubte man, daß der wirtschaftliche Rückgang in
Deutschland manche junge Leute dazu ermutigt, den Berufsbildungsweg dem
Universitätsstudium vorzuziehen. Es sei auch ein Zeichen der Rezession, daß Firmen nicht
genug Plätze für alle in Frage kommenden Lehrlinge haben.

Wir waren auch überrascht über das Ausmaß der für den Berufsweg vorhandenen
stereotypischen Einstellung den Geschlechtern gegenüber, was aber von den Ausbildnern und
Leitern der Institution nicht als Problem bertrachtet wurde.
Man erkannte, daß die Berufschulen darauf keinen sehr weitreichenden Einfluß haben, da sie
nur Auszubildende aufnehmen, die schon eine Lehre haben.

Die Berufsschulen werden in Deutschland sowohl von den Dienstgebern wie vom Staat mehr
als in den anderen Ländern unterstützt, die in der Gruppe vertreten waren. Das erschwerte
Vergleiche.

Grundlegende Anforderungen, Gesamtausrichtung auf Qualität und Lernzentren waren einige
Initiativen, die bei den Besuchen zur Sprache kamen. In der Gruppe wurde auch die Frage
gestellt, wie repräsentativ diese Initiativen seien und ob für ihre Finanzierung im ganzen
System genug Geld zur Verfügung stünde.

Man bemüht sich, die Anforderungen für Lehrlinge aufzulisten, und zwar als Leistungen, die
sie erbringen müssen, aber man konnte kaum Angaben über das, was Schulen leisten müssen,
im System nachweisen.
Qualität und Verantwortlichkeit wurden bei diesen Besuchen nicht offen angesprochen. Doch
die Handelsschule in Kiel war in dieser Hinsicht sehr fortgeschritten.
In der Gruppe bestand Einigkeit, daß die Qualitätsfrage immer wichtiger werde. In einigen
Ländern ist man sich erst der Theorie bewußt, in anderen wurde sie bereits in die Praxis
umgesetzt.

In Ungarn ist man der Ansicht, daß der Schwerpunkt auf der Qualität des Lehrerns und nicht
auf den Lehrmitteln liege.
In Lettland ist das Handels- und Wirtschaftssystem nicht intakt: so gibt es wenig an
Ausrüstung und nur langsame Fortschritte. Jeder trage Verantwortung für die
partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Kollegen und Kolleginnen in den östlichen Staaten.

Es wurde festgestellt, daß in der berufsbildenden Szene ein Wandel vom Informieren zum
Formen der Schüler vor sich geht, wobei sich auch die Lehrerrolle vom Belehrenden zum
Förderer wandelt.

Andere Themen
- Mangel an Bereitschaft über neue Schulen zu reden, die Allgemeinbildung und
  Berufsbildung zusammenbringen, wie sie jetzt gerade in Österreich besprochen werden.
- Lehrmethodik: Der Unterricht an Gymnasien sei sehr formal mit eingeschränktem Zugang
  zur Praxis.
- Ministerium und Lehrer sprechen scheinbar nicht dieselbe Sprache (wurde in allen
  vertretenen Ländern als Problem betrachtet).

Europäische Dimension
Die Ansicht, die EU sollte Rahmenbedingungen für Bildung und Erziehung für ganz Europa
schaffen, die feste Normen und Übertragbarkeit ermöglichen, wurde von einigen Teilnehmern
der Gruppe vorgebracht. Das ginge wirklich in Richtung Harmonisierung der Bildung und
Ausbildung.
Man meinte aber auch in der Gruppe, daß jedes Land etwas an guter Praxis zu bieten habe
und man viel mitnehmen könne.
Es gibt 2 Modelle:
1) Ein einziger europäische Rahmen wird gesetzt, dem sich alle anschließen.
2) Man übernimmt gute Praktiken, um über geraume Zeit einen Prozeß der Harmonisierung
    guter Praktiken und hoher Standards herbeizuführen.

Man kam überein, daß es für die Länder Europas wichtig und notwendig sei,
zusammenzuarbeiten und Bildung und Ausbildung zu verbessern, um Europas
Wettbewerbsfähigkeit in der Weltwirtschaft zu behaupten.

Mögliche Kontakte
Als erstes wurde in der Gruppe eine Liste aller Kommunikationsmedien herumgereicht, die
allen zugänglich sind. Von diesen ausgehend werden wir beginnen, Material in Umlauf zu
setzen und neue Informationen auszutauschen, wenn wie gute Verfahren haben, an welchen
andere teilhaben sollen (z.B. über Internet).
Über Kontakte ist weitere Information über die verschiedenen Bildungssysteme möglich, um
anderen bei der Lösung ihrer Probleme in ihrer Situation zu helfen.
Ein weiteres Beispiel zukünftiger Kontakte ist die Realisierung von Schüleraustausch z.B. im
Rahmen des LEONARDO-Programmes.
04 24.-28.11.1997      England           Neue                  Dir. Mag. Manfred
                                         Informations-         Derflinger, OÖ
                                         technologien

Lehrerausbildung
Zielvorgabe durch das Bildungsministerium:
- Jeder neueinsteigende Lehrer muß bis 1999 in Computer- und Netzwerkanwendung
    kompetent sein (unabhängig vom Schultyp).
- Jeder im Schuldienst befindliche Lehrer muß bis 2002 geschult worden sein.
- Jeder Schule muß bis 2002 ans Internet angeschlossen sein.
- Ab 2002 wird vom Ministerium und den Landesschulbehörden mit den Schulen nur noch
    über Internet kommuniziert.

Die Lehrerschulung erfolgt in Kursen (einmal pro Woche, Mittwoch nachmittags) im
Pilotsystem. Lehrer informieren in der Folge ihre KollegInnen. Es gibt auch Abendkurse in
der Dauer von 10 Wochen. Die Ausbildungskosten trägt die Schule aus ihrem Budget.

Netzwerke
Die Situation ist derzeit noch sehr unterschiedlich.
Erst höhere Schulen verfügen in ausreichendem Ausmaß über Internetanschlüsse. Zumeist
sind diese Anschlüsse nicht weiter intern vernetzt. Die wenigen Ausnahmen betreffen
entlegene Volksschulen ebenso wie neu errichtete Colleges, die bereits vernetzte
Internetanschlüsse besitzen.
Die Ausstattung an den Schulen hängt vom Budget und dem Sponsoring ab und reicht von je
einem PC in jedem Klassenraum, mehreren voll ausgestatteten PC-Räumen und sogenannten
Workshops für Schüler (frei zugänglich, mit 30 PCs augestattet) bis zu Schulen, die lediglich
einige wenige PCs in der Bibliothek stehen haben.
In einem Fall wurden einige Lehrer mit Notebooks ausgestattet, die in den Klassen ans
Internet angeschlossen werden können.
Generell erfolgt die Anbindung über Telefonnetze und nicht über Standleitungen. Die
Folgekosten sind daher für die Schulen sehr hoch. ISDN ist noch nicht Standard.

Serviceeinrichtung
Ein wesentlicher Unterschied zu Österreich betrifft das Service.
Hier hat die lokale Behörde für Cornwall (vergleichbar mit einem österreichischen
Bundesland) eine unternehmensähnliche Konstruktion geschaffen, deren Beschäftigte aber
Bedienstete der Landesregierung sind und die Schulen zur Gänze mitbetreuen.
Dieser „IT Support“ ist verantwortlich für:
- Einkauf der PCs und des Zubehörs nach Bestellung durch die Schule bzw. andere
   Einrichtungen des Landes wie z.B. Feuerwehr, Polizei etc.
- Ausstattung der PCs mit identer Software und Kontrolle auf Funktionstüchtigkeit
- Auslieferung und Aufstellung der Hardware an den Schulen
- Telefonauskunft bei Funktionsstörungen
- Technische Hilfeleistung vor Ort

Die Schulen sind nicht verpflichtet diese Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, wenn sie
billigere Dienstleister finden. Die Kosten für die Betreuung sind aber in jedem Fall aus dem
Schulbudget zu bezahlen (dieses beinhaltet in GB auch die Gehälter der Lehrer, was zu
enormen Konflikten bei größeren Anschaffungen führen kann).
Bei einer Besichtigung konnten wir uns überzeugen, daß diese Einrichtung bestens
funktioniert und gern angenommen wird.

Anmerkung des Autors:
Eine Adaption dieses Systems für Österreich wird angeregt, gerade in einer Zeit, in der
laufend Unternehmen in Konkurs gehen, von denen unsere Schulen die Hardware bezogen
haben.

Die technische Betreuung an den Schulen erfolgt durch Lehrer, die speziell dafür ausgebildet
sind und wie bei uns eine Stundeneinrechnung erhalten. Diese deckt allerdings nie den
tatsächlichen Stundenaufwand ab.

Anmerkung des Autors
- In einigen EU-Ländern (Dänemark, Finnland) erfolgt die Betreuung und Wartung der
  Computer an den Schulen durch Zivildiener. Dieses System ist äußerst erfolgreich und
  budgetschonend. Eine Übernahme sollte überlegt werden.
- Hier wäre die Betreuung mehrerer Schulen an einem Standort durchaus möglich.

Methodischer Einsatz des Computers in den Schulen
Beobachtet wurde eine weite Streuung beim Einsatz des PC. Im Informatikunterricht vergab
der Lehrer kleine Projekte, wozu die Schüler ihre Informationen über Internet abrufen
konnten. Es bestand jedoch keine Vernetzung zu anderen Gegenständen.

In den Volksschulen konnten in jeder Klasse in jeder Unterrichtsstunde 2 – 4 Schüler an
einem Lernprogramm arbeiten. Dies begann bereits bei den Fünfjährigen.
In den Upper Secondary Vocational Schools (vergleichbar unseren BHS) gab es spezielle
Lernprogramme, bei denen Schüler z.B. in einer von drei Mathematikwochenstunden
regelmäßig an ihrem Lernprogramm weiterarbeiten konnten.
Die Ergebnisse wurden auf den Lehrercomputer gespielt, wodurch der Lehrer die Möglichkeit
hatte, auf einen Blick die Stärken und Schwächen einzelner Schüler sowie der ganzen Klasse
zu erkennen und in den nächsten Stunden darauf speziell einzugehen.

Positiv bemerkt wurde die große Anzahl von Computern, die für die freie Arbeit von Schülern
zur Verfügung standen. Die Betreuung erfolgt durch Tutoren, dies sind großteils
StudentInnen, die einem Teil ihrer Ausbildung an den Schulen absolvieren müssen.
05 17.-21.11.1997      Schottland        Neue                  Dir. Dr. Fritz Anzböck,
                                         Informations-         Wien
                                         technologien

Am Studienbesuch nahmen Personen folgender Nationalität teil: Österreich, Irland,
Tschechien. Frankreich, Italien, Bulgarien, Deutschland, Dänemark

Die wesentlichen Fragestellungen der TeilnehmerInnen sind zu Beginn formuliert worden und
waren:

-   Welche Anstrengungen werden unternommen, um LehrerInnen aller Schularten in die
    Lage zu versetzen Information Technology (IT) zu lernen und zu lehrern?
-   Wie wird IT in der Klasse genützt – insbesondere Multimediaanwendungen und Internet?
-   Was sollen die Inhalte eines IT-Lehrplans sein?
-   Welche Voraussetzungen sind erforderlich, um Internet in den Schulen zu verwirklichen
    (Provider, Leitungen, Kosten)?
-   Wie sind die Strategien zur Umsetzung von IT (Staat, Land, Schule) und wer trägt die
    Verantwortung?
-   Welche Unterstützung erhalten die Schulen (Ausstattung, Geld)?
-   Warum überhaupt IT?
-   Ertrag für die Schulen/Schüler in Beziehung zum Aufwand?

IT wird vom neuen schottischen Curriculum als eine Core Skill neben Lesen, Schreiben,
Rechnen und Teamfähigkeit gestellt. Fähigkeiten in IT werden somit zum ausdrücklichen Ziel
für alle Schulabschlüsse.

Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, das Sponsoring durch die Wirtschaft wird in
Schottland in 25 Partnerschaften realisiert. Speziell in Falkirk Council wird dies von einer
eigens eingerichteten Stelle koordiniert, der Education Business Partnership (EBP), an der
sowohl Falkirk Council als auch ein Zusammenschluß von ca. 1.000 Firmen des Bezirks
(Forth Valley Enterprise) beteiligt sind.
Es bleibt somit nicht dem Geschick (und der Attraktivität der Lage) der einzelnen Schule
überlassen, ob größere Summen von Sponsorgeldern einfließen. Sowohl Sponsorgelder wie
auch Kontakte für Projektunterricht werden von der EBP organisiert und vermittelt.
EBP installiert Internetanschlüsse, finanziert die Kosten für Provider und Modems.
So soll an allen Schulen im ersten Schritt die Schulbibliothek durch Einsatz von mehreren
Computern (meist einer mit Internetanschluß) zu einem Multimedia-Informationszentrum
ausgebaut werden.

Die Schulbibliothekare werden eigens für Internetbetreuung ausgebildet.
Derzeit verfügen 75% der Schulen von Falkirk Council über eine eigene Website. Einen
wesentlichen Beitrag zu allen Investitionen leistet insbesondere BP-Petrochemicals, der
größte Einzelbetrieb in der Region.

Die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Schulen wurde durch einen Besuch im
Slamannan IT Centre verdeutlicht. Dort wird einerseits Umschulung arbeitsloser Jugendlicher
auf IT durchgeführt, andererseits stehen Schülern aller Jahrgänge die Computer zur Übung
zur Verfügung, die über Schulen organisiert wird, aber auch alleine in Anspruch genommen
werden kann.
Die Heads of Computing Departments (vergleichbar mit unseren Kustoden) klagen ebenso
wie in Österreich darüber, daß die Zeit kaum ausreicht, um hard- und softwaremäßig am
laufenden zu sein, die Hardware zu betreuen, für Neuanschaffungen zu sorgen und die
Kollegenschaft fortzubilden.

In Falkirk Council ist wenigstens der „technical support“ zentral organisiert: Alle
audiovisuellen Geräte ebenso wie Computer, Drucker etc. werden im Reparaturfall vom
Bibliotheksbus (fährt einmal wöchentlich in jede Schule) oder vom Schulwart in die
Werkstätte gebracht, in der Techniker des Falkirk Council für die Reparatur sorgen. Der
Rücktransport erfolgt ebenso. Eine solche zentrale Reparaturmöglichkeit scheint erleichternd
für die Kustoden und kostensparend im Vergleich zu Reparaturen durch Firmen.

Bei allen Gesprächen mit den SeminarteilnehmerInnen aus ganz Europa ist der Haupteindruck
jener, daß die Probleme überall sehr ähnlich sind:

-   Bei der Einführung von IT hinken die Schulen immer hinter den neuesten Entwicklungen
    her. (So haben wir eigentlich aus allen Ländern gehört, daß alle Schulen Internetanschluß
    bekommen sollen, daß es aber erst bei einigen Schulen vollkommen funktioniert).
-   Die Knackpunkte für den Erfolg von IT an einer Schule sind erstens das Engagement
    eines oder einiger Idealisten als Kustos/Head of Department und zweitens, wie gut es
    gelingt, die Kollegenschaft dafür zu gewinnen bzw. Fortbildungsangebote so zu
    organisieren, daß sie als sinnvoll und hilfreich empfunden werden. Die Angebote müssen
    auch angenommen werden, was sehr oft heißt, Angebote vor Ort zu organisieren!
-   Durch den Gedankenaustausch mit KollegInnen aus anderen europäischen Ländern kann
    daher einerseits „Entlastung“ entstehen, andererseits ist europaweite Zusammenarbeit
    gerade in diesem Bereich (z.B. e-mail unterstützt) relativ einfach und wird im Anschluß
    an dieses Seminar sicher weiter passieren.

Dir. Mag. Dr. Friedrich Anzböck
06 9.-13.3.1998        Irland           Behinderten-          BSI Franz Schleicher, K
                                        integration

Eines gleich vorweg: ich denke, ich habe mich das erste Mal richtig als Europäer gefühlt!

Verschiedene Nationen, unterschiedliche Schulsysteme, eingebunden in Betrachtungsweisen
nicht unbeeinflusst von persönlichen Zugängen zur Thematik – trotzdem: e i n e
Herausforderung: INTEGRATION.

Es war eine erlebnisreiche Woche, beeindruckend, hochinteressant, lehrreich – und
außerordentliche gut organisiert.

Zur Sache selbst: Irland betrachtet die Intergation – wie noch sehr häufig in Europa – als
Prozess. Viele Lehrkräfte sind hochmotiviert in ihren Rahmenbedingungen unterwegs, leisten
erfolgsversprechende Entwicklungsarbeit, um einen gemeinsamen Unterricht im Sinne von
Integration auf eine höhere Stufe zu bekommen. Die Verantwortlichen im Land haben baldige
substantielle Änderungen/Verbesserungen in der Sonderpädagogik in Aussicht gesetellt, weil
auch ihnen bewusst geworden sein muss, dass es nicht genügt, unter eigenem EU-Vorsitz eine
Resolution pro Integration zu verabschieden, den g e m e i n s a m e n Unterricht für alle
Kinder in der Schulwirklichkeit aber höchstens als zweite Option („where practicable“) - nach
den Sonderschulen - für derzeit umsetzbar zu halten.

Lippenbekenntnisse und Weißbücher ersetzen nicht die ministerielle Verantwortung in
Sachen Sonderpädagogik bezogen auf die Bereitstellung der hiefür unbedingt erforderlichen
materiellen und personellen Ressourcen (remedial teachers, ressource teachers). Der Hinweis
auf historisch begründete Entwicklungen und rechtliche Hintergründe ist wohl einsichtig,
diese bedürfen aber dringender Veränderungen:

-   Der starke Einfluss der Kirche bremst („Boards of Management“).
-   Die Schulordnungen tragen noch den Geist rigider Verbote.
-   Die Uniformierung der Schüler betrifft nicht „die mit besonderen Bedürfnissen“.
-   Unzumutbare Schulwege für Sonderschüler (Beispiel: in vier Schuljahren einmal um die
    Welt)
-   Koedukation ist noch keine Selbstverständlichkeit.
-   Sonderpädagogische Förderung überwiegend nur in primary education
-   Die tatsächlichen Klassenschülerzahlen sind gegenüber dem europäischen Durchschnitt
    viel zu hoch (35 – 40 Schüler in größeren Schulen sind keine Seltenheit)!
-   Integration braucht eine andere Lehr- und Lernkultur (lebendige Reformpädagogik). Die
    hohen Klassenschülerzahlen lassen Individualisierung und Differenzierung nicht zu.
-   Schulgesetze müssen die derzeitige rechtliche Situation verändern.

Die Gruppe der Teilnehmer war einstimmig der Überzeugung, dass es wichtig wäre, höher
entwickelte Formen der Integration (nicht unbedingt italienische) – vielleicht in Schweden
oder Österreich – kennenzulernen.
07 1.-6.3.1998          Italien           Europäische            Dir. Mag. Mario Sarcletti, S
                                          Dimension

Das Seminar war abwechslungsreich und interessant gestaltet und brachte die offene
Herzlichkeit und bestaunenswerte Kultur Italiens wieder so positiv in Erinnerung. Vor allem
konnten wir interessante Eindrücke ins italienische Bildungswesen und jenes der anderen 7
Nationen, aus denen insgesamt 11 Teilnehmer kamen, gewinnen.

Am 1.3.98 abends, kam es im Anschluss an die Vorstellungsrunde zu einem interessanten
Gedankenaustausch zwischen den Nationen. Es war eine äußerst positive Kommunikation der
verschiedenen Individuen. So verschieden und doch alle gleich!
Was mich bei den italienischen Kollegen insgesamt beeindruckte, war, mit welcher
Begeisterung diese, trotz zum Teil horribler räumlicher und Ausstattungsbedingungen an
ihren Schulen und auch eher geringem Lohn bei unseren Schulbesuchen von ihrem Beruf und
der Möglichkeit, die Jugend auszubilden, sprachen.

In vielen Schulen wurde interessanterweise als stolze neue Errungenschaft das Sprachlabor
gezeigt, eine Einrichtung, die bei uns bereits “out of date” ist (Vielleicht wurde diese auch bei
uns nicht immer richtig eingesetzt, sodass man letztlich gänzlich davon absah). Neben den
Sprachlabors wurden uns Labors in Chemie und Physik gezeigt. Die Einrichtungen waren bei
weitem nicht auf unserem Standard, die Räumlichkeiten wären unseren Schülern nicht
zuzumuten (ein Dank dem österreichischen Steuerzahler).
Andererseits sprach fast jeder italienische Kollege und auch die Führungskräfte der Schulen
von der Verpflichtung der Erziehenden, Führende für die jungen Menschen zum richtigen
Wissen und nicht nur Wissensvermittler zu sein.

Fast alle Schulen hatten in mehreren Klassen Projekte laufen (interne und überregionale), weil
dies, wie gemeint wurde, das Lernen der Zukunft im europäischen Bildungswesen sein müsse.

Auch ständige Ausbildung der Lehrer, gerade in diesen Bereichen, sei notwendig. Hiebei ist
interessant zu erwähnen, dass die italienischen Lehrer zu 100 Stunden Fortbildung in 6 Jahren
verpflichtet sind. Objektiverweise muss gesagt werden, dass im italienischen Schulwesen
durch Jahrzehnte kaum Reformen in der Pädagogik Platz gegriffen haben und dies erst in
letzter Zeit geschah.

Darstellung der besuchten Institutionen
Das italienische Schulwesen gliedert sich in die Primarstufe und die Sekundarstufe, wobei
letzte in die mediale und in die weiterführende geteilt wird. Die Schulpflicht endet nach der
Medialen (8 Schuljahre). Die Oberstufe der Sekundarform beinhaltet ein Biennium in jeder
Schulform und danach eine neuerliche Einteilung.
Beim Besuch der Schulen fiel auf, dass in jedem Stockwerk eine oder mehrere
Aufsichtspersonen ihren Dienst versahen, auch zum Teil mit Schulwartaufgaben und dass es
jeweils eine oder mehrere Sekretärinnen neben der Direktionssekretärin für Lehrer und
Schüler gab. Weiters fiel die Höflichkeit der Schüler auf, die selbstverständlich alle und
immer grüßen und das selbstverständliche Arbeiten in allen Klassen in allen Fächern in
Kleingruppen.
Lehrer wie Nichtlehrerpersonal hatten Identitätskärtchen.

1. Tag
Nach der Begrüßung erfolgte eine Übersichtsdarstellung des LICEO SCIENTIFICO
STATALE G. MARCONI mit den Zweigen neusprachlich, naturwissenschaftlich,
humanistisch, Informatik und Technik. Einen berufsbildenden Teil der Schule stellt eine
höhere Schule für Fremdenverkehr dar.
Interessante Besuche an den Arbeitsstätten gaben ebenso wie die Diskussion mit
Verantwortlichen Einblicke in die berufsbildenden Schulen und in die
Arbeitsplatzmöglichkeiten dieser Absolventen.
Den Abschluss des Tages bildete bis in die Nacht eine intensive Diskussionsphase über
Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten, auch bezüglich praktischer und theoretischer
Ausbildung in dieser Schulform in den verschiedenen europäischen Ländern. Analysen,
Konzepte und Hoffnungen wurden hierbei zur Sprache gebracht.

2. Tag
Es wurde das INSTITUTO TECNICO INDUSTRIALE B. LOTTI in Massa Maritima
besucht, eine Art Höhere Technische Lehranstalt, allerdings auf industrielle Fachrichtungen
spezialisiert, andererseits auch chemische und elektrotechnische Fachrichtungen beinhaltend.
Vor allem der Zweig Bergbau ist durch verschiedene nationale und internationale
Entwicklungen in Gefahr. Viele praktische und experimentelle Arbeiten im Labor sind im
Lehrplan vorgesehen.
Besonders interessant war die Teilnahme an einer Sitzung des
Schulgemeinschaftsausschusses, dem ein gewählter Elternvertreter vorsteht. Die budgetäre
Autonomie kommt viel mehr zur Sprache als bei uns, andererseits ist das administrative
Umfeld um vieles besser und dichter strukturiert als in Österreich. Diesem SGA wohnten wir
in einer Scuola Media bei.
In dieser findet auch besonders erfolgreich die Integration Behinderter statt. In Italien geht
man davon aus, dass jedes Kind das Recht auf Schulbildung habe und man viel mehr darauf
schauen möge, was ein Kind kann, und nicht so sehr, was es nicht kann.

Insgesamt gibt es im Pflichtschulwesen einen interessanten Aspekt. Die Eltern bestimmen bei
den monatlichen Klassenkonferenzen über die Förderung ihrer Kinder mit und können – auch
bei nicht-behinderten – über Aufsteigen oder Nichtaufsteigen mitbestimmen, also ein
Durchfallen ablehnen!!!
Selbstverständlich waren in den weiteren Diskussionen dieses Tages vor allem Evaluation und
Integration sowie die Arbeitsmarktsituation wichtige Punkte. Die Tendenz der Gruppe
bestand zu keiner Integration in der Höheren Schule und einer Entscheidung der Lehrer
alleine über das Aufsteigen.

3. Tag
Dem INSTITUTO TECNICO COMMERCIALE PER GEOMETRI in Pitigliano wurde ein
Besuch abgestattet. Diese höhere Lehranstalt für Wirtschaft und Hochbau, sowie mit dem
zusätzlichen Schwerpunkt auf dem Vermessungswesen, ist ebenso wie die anderen Schulen
nicht gerade in gutem baulichen Zustand, aber es wird dort in Kleingruppen mit viel
Engagement intensiv gearbeitet.
Interessant ist auch, dass in jeder dieser Gruppen verschiedene Aufgabenstellungen zu
gemeinsamer Arbeit verpflichten. Im Gegensatz zu anderen Schulen war die
Computerausrüstung auf dem letzten Stand.
Die prachtvollen Kulturstätten (Etrusker, Römer, Gotik, Rennaissance) wurden ebenfalls
besucht.

4. Tag
Wir befanden uns wieder in der Stammschule (G.Marconi).
Zu den schon oben angeführten Zweigen kommt noch jener des “Liceo Classico” hinzu, als
eine Art akademisches Gymnasium.
Dieser Besuch sowie der anschließende Workshop dienten vor allem der Erörterung der
Lehrplanerstellung in den verschiedenen Nationen und deren Vor- und Nachteilen.

Der Nachmittagsbesuch galt dem LICEO ARTISTICE P. ALDI in Grosseto (4- und 5-jährig).
Die Allgemeinbildung wird stark betont und hervorragende Leistungen in Malerei, Skulptur
und Kunstgeschichte werden erzielt. Nach dem Biennium folgen 3 Jahre zu je 44 Stunden in
der jeweiligen Richtung, wobei auch mit der Kunstakademie zusammengearbeitet wird.


Bei der gesamten Tagung ging es sicher nicht um eine Werbung für die EU, sondern darum
die Menschen Europas zusammenzuführen und Vorurteile abzubauen. Jungen Menschen eine
Zukunft in Europa zu geben, heiße auch, sie sprachlich gewandt zu machen (Fremdsprachen,
bilingualer Unterricht).
Im italienischen Schulwesen sind fremdsprachige Defizite aufzuholen.

Interessant war, dass alle besuchten höheren Schulen auch Erwachsenenbildung und
Fortbildung sowie Umschulung für Arbeitslose anbieten.

Das Zahlenverhältnis Lehrer/Schüler ist mit 1:8 sehr günstig (viele Kleingruppen). Die
Lehrverpflichtung beträgt 18 Stunden plus 5 wöchentlich für Planung mit anderen Kollegen,
weiters plus 90 Stunden im Jahr für Dienstverrichtungen.
Es gibt keine schulfesten Stellen und kann jederzeit zu Versetzungen kommen.

Beim Besuch von Erwachsenenbildungsinstitutionen war beeindruckend wie sehr das Recht
auf lebenslanges Lernen betont wird. Ein diesbezügliches Gesetz wurde 1997 verabschiedet.
Erwachsenenbildung wird kostenlos angeboten.

Eines der Ergebnisse dieser Tagung waren die Abschlüsse multinationaler Projekte. Ich habe
ein Projekt Lingua E “Auswirkungen der medialen Sprache in Schweden und Österreich
1934-38” mit einem Gymnasium in Schweden vereinbart.


Die Tage in Grosseto waren von intensiver Arbeit und großen Anstrengungen geprägt.
Dennoch waren sie sowohl geistig erfüllend als auch fortbildungsmäßig ausgesprochen
ertragsreich.

08 11.-16.5.1998      Frankreich       Lehreraus- und        Dir. Mag. Michael Breuss,
                                       –weiterbildung        ST


Die 12 TeilnehmerInnen aus Polen, Portugal, Spanien, Deutschland, Schweden, Belgien,
Rumänien und Österreich wurden vom Organisator, Herrn Pierre Champollion, am ersten Tag
vom Hotel abgeholt und zum „Institut universitaire de formation des maitres“ begleitet, wo
der Großteil des Kursprogramms stattfand.
Die Woche war perfekt organisiert. Die Informationen wurden in Referaten und Diskussionen
interessant dargeboten, dazu gab es eine Reihe von Besuchen in verschiedenen Institutionen,
wo im Kontakt mit Schulpsychologinnen, Bildungsberaterinnen, Direktor(inn)en,
Lehrer(inne)n und Schülern ein deutliches Bild von der Praxis gewonnen werden konnte.
Herr Champollion hatte einen chronologischen Aufbau gewählt, der die Ausbildung aus der
Sicht eines Auszubildenden darstellen sollte: Berufsberatung – Zulassungskriterien für das
„IUFM“ – das erste Ausbildungsjahr – die Prüfung nach diesem ersten Jahr (concours de
recrutement) - das zweite Jahr, in dem die Studenten schon Staatsangestellte sind und entlohnt
werden – Qualitätssicherung – Fortbildung

Wahlweise konnte für je einen Halbtag in der Stadt entweder eine „Hauptschule“ (college)
oder ein Gymnasium (lycee) bzw. am Land ein „Kindergarten“ (ecole maternelle) oder eine
„Volksschule“ (ecole elementaire) besucht werden.

Das französische Lehrerbildungssystem sieht für alle Unterrichtenden seit 1990 eine
zweijährige Ausbildung an einem IUFM vor, welche nur nach Erlangen eines
Universitätsabschlusses (zumindest „licence“, Studiendauer: 3 Jahre) und nur nach Maßgabe
der freien Studienplätze begonnen werden kann. Im IUFM haben sich die Studenten entweder
für die Studienrichtung „PE“ (professeur d’ecole) oder „PLC“ (professeur de lycee et college)
zu entscheiden. Die weitgehend gleiche Ausbildung und die Tatsache einer gleichen
Entlohnung für alle im Unterrichtswesen Tätigen soll in erster Linie der Professionalisierung
des Lehrberufes dienen und der Öffentlichkeit zeigen, daß die Erziehungs- und
Bildungsarebeit in allen Bildungseinrichtungen gleich wichtig und gleich schwierig ist.

Besonders hervorzuheben ist, daß großes Interesse auch am gegenseitigen Kennenlernen der
Schulsysteme und der Lehrerbildung seitens der Organisatoren und aller TeilnehmerInnen
bestand und daß hierüber ausführlich bei jeder Gelegenheit diskutiert worden ist.

Als Rahmenprogramm wurde ein Konzert, eine Weinkost , der Besuch im Museum der Grotte
von Chauvet (prähistorische Höhlenmalereien) sowie eine ca. 5 km lange Fahrt im Ruderboot
auf der Ardeche geboten.

Alle TeilnehmerInnen verwendeten konsequent ausschließlich die Arbeitssprache Französisch
und es gab keinerlei Verständigungsprobleme, weder untereinander noch mit den
französischen Gastgebern.
09 9.-16.3.1998        Spanien           Erwachsenen-           Prof. Mag. Friedrich
                                         bildung                Wittib, Wien

Die Teilnehmer kamen aus folgenden Ländern: Deutschland, Schottland, Wales, Italien,
Österreich, Schweden, Norwegen, Dänemark und Litauen und kamen von
verschiedenartigsten Bildungseinrichtungen bzw. Ministerien.

Die Gruppe war einhellig der Meinung, daß diese Art von Studienbesuchen einen wertvollen
Beitrag leistete, um das Erwachsenenbildungssystem in Spanien vor Ort in Relation zu
anderen Systemen kennenzulernen. Außerdem stellte der Studienbesuch eine Möglichkeit zu
einem vergleichenden Erfahrungsaustausch hinsichtlich verschieden strukturierter
Bildungssysteme dar.

Von allen Teilnehmern wurde die ausgezeichnete Organisation gelobt. Der Enthusiasmus des
Hauptverantwortlichen, Herrn Arandez, ebenso wie sein umfangreiches Expertenwissen,
eingebettet in die andalusische Kultur, übten einen tiefgreifenden und bleibenden Eindruck
auf die StudienbesucherInnen aus.

Das Programm war gekennzeichnet durch eine gelungene Mischung aus themenspezifischem
input und kulturellen Aktivitäten. Der einzige Nachteil bestand in der relativ knappen Zeit, die
zur Reflexion über das Dargebotene zur Verfügung stand.

Beim Vergleich der verschiedenen Erwachsenenbildungssysteme wurden im besonderen
folgende Aspekte erörtert:

-   Tiefgreifende Änderungen im Erwachsenenbildungssystem in Andalusien
-   Fokussierung auf zertifizierbare Standards innerhalb formeller, einheitlicher Strukturen im
    Ausbildungssystem für erwachsene Lerner. Im Gegensatz dazu sind die anderen
    Erwachsenenbildungssysteme hinsichtlich der Anbieter, hinsichtlich der Auswahl an
    Fachgegenständen und Methoden stärker differenziert.
-   Das Erwachsenenbildungssystem in Andalusien ist – im Gegensatz zu anderen Ländern –
    kostenlos
-   Die andalusischen Behörden (eine von 7 autonomen Provinzen in Spanien) legen großen
    Wert auf die Priorität der Erwachsenenbildung im allgemeinen.
-   Viele der erwachsenen Lerner innerhalb des andalusischen Erwachsenenbildungssystems
    sind Frauen, was auch auf viel andere Länder zutrifft.
-   In Andalusien wurde der Versuch unternommen, neue Teilnehmer an Kursen mittels einer
    motivationsfördernden Strategie zu gewinnen, die auf die tatsächlichen individuellen
    Bedürfnisse von erwachsenen Lernern abgestimmt ist, was auch mittels eines
    themenzentrierten Ansatzes statt eines fächerorientierten Ansatzes erreicht werden soll.
    Gerade dieser themenzentrierte Ansatz, der individuelle Bedürfnisse als Ausgangsbasis
    für Lernprozesse darstellt, wurde von allen TeilnehmerInnen als besonders innovativ und
    nachahmenswert empfunden.


Welchen Problemen und Herausforderungen steht das andalusische
Erwachsenenbildungssystem gegenüber?
- Übergangsphase vom alten zum neuen System
- Komprimierung von Bildungsinhalten, die in kürzerer Zeit als bisher bewältigt werden
   müssen.
-   Qualitätssicherung durch Selbstevaluierung und studentenzentriertes feed-back
-   Kinderversorgung während der Unterrichtsstunden
-   Strukturierte Weiterbildung bzw. das Fehlen von strukturierter Weiterbildung für das
    Lehrpersonal
-   Das Fehlen von strukturierter Weitergabe von guten Erfahrungen an andere Einrichtungen

Besonders beeindruckt war die Gruppe vom großen Enthusiasmus und von der Motivation der
Studierenden, ihre Kurse erfolgreich zu beenden. In allen besuchten
Erwachsenenbildungseinrichtungen wurde die Gruppe sowohl von den Studierenden als auch
dem Lehrpersonal herzlich willkommen geheißen.

Beeindruckend waren auch das Ausmaß der Unterstützung der
Erwachsenenbildungseinrichtungen durch das zuständige Ministerium und durch die
Behörden, was den politischen Willen hinsichtlich der Prioritätensetzung der
Erwachsenenbildung widerspiegelt. Das System, das sich im Umbruch befindet, wurde den
anderen Systemen gegenübergestellt, die entweder unter dem Gesichtspunkt des
„lebensbegleitenden Lernens“ (etwa in GB) oder mit Reformansätzen (etwa in Italien und
Norwegen) zu beurteilen sind.

Bemerkenswert ist der Stolz, mit dem die zuständigen Behördenvertreter immer wieder auf
die Autonomie Andalusiens verweisen, was besonders in den
Erwachsenenbildungseinrichtungen in Ronda und Antequerra zu bemerken war.

Als sehr interessant wurden von den Teilnehmern die Methoden beurteilt, mit denen
Bildungsinhalte vermittelt werden. Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben werden z.B.
mittels vorbereiteter Autofahrkurse vermittelt, da viele Erwachsene den Führerschein
erwerben möchten, was ohne ausreichende Grundkenntnisse nicht möglich ist.

Innerhalb des Erwachsenenbildungssystems werden Behinderte mit Nicht-Behinderten
zusammen ausgebildet, was auf größte Akzeptanz aller Beteiligten stieß. Auch offener
Unterricht und Fernlehre werden mit dem System der „semi-presencia“ umgesetzt, um es
jenen Studierenden zu erleichtern, denen auf Grund verschiedener Verpflichtungen wesentlich
weniger Zeit für einen Vollzeitkurs zur Verfügung steht, um die Bildungsinhalte mittels
konventioneller Anwesenheitspflicht erarbeiten zu können.

Als vielleicht wichtigsten Punkt beurteilten einige der Teilnehmer die Tatsache, daß das
andalusische Erwachsenenbildungssystem – trotz der berufsbildenden Ansätze – stark auf den
Bildungswert als solchen ausgerichtet zu sein scheint, wobei wirtschaftliche Ziele nicht im
Vordergrund stehen. Die Ausrichtung auf die persönliche Weiterentwicklung und auf die
Erhöhung des Selbstwertgefühls der individuellen Lerner wurde von allen Teilnehmern
besonders geschätzt.

Als Folgewirkung dieses Studienbesuchs ergab sich die Möglichkeit der Vernetzung der
Institutionen innerhalb von verschiedenen Projekten. Ein Teilnehmer aus GB teilte bereits
einen Projektvorentwurf für den Bereich Erwachsenenbildung aus, der innerhalb des
SOKRATES-Programms bis zur nächsten Antragsfrist (1.2.1999) in Abstimmung mit den
Vorstellungen der anderen TeilnehmerInnen antragsreif weiterentwickelt werden soll.

Für mich als Vertreter der österreichischen SOKRATES-Nationalagentur für den Bereich
Erwachsenenbildung bot der Studienbesuch Gelegenheit zur Kontaktherstellung für mögliche
österreichische Projekte, die in Zukunft entwickelt werden.

				
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