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Teleworking

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					FACHHOCHSCHULE FURTWANGEN
     HOCHSCHULE FÜR TECHNIK




STUDIENGANG WIRTSCHAFTSINFORMATIK




                 Teleworking

             Ausarbeitung im Rahmen der Vorlesung
           „Projektmanagement & Teamarbeit“
                   bei Prof. Dr. J. Anton Illik




                              vorgelegt von
                       Eva-Maria Weisser und
                          Ralph Haltermann



                      Furtwangen, 5. Juli 2000




                               Teleworking
                   Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                 05.07.00
                                                                                                                                              II



Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis .............................................................................................................................. II

Abbildungsverzeichnis .....................................................................................................................III

Abkürzungsverzeichnis ....................................................................................................................III



1 Einleitung......................................................................................................................................... 1

1.1        Begriffsdefinition .................................................................................................................... 1

1.2        Ausprägungsformen des Teleworking ................................................................................. 2



2 Teleworking in IT-Unternehmen ................................................................................................. 4

2.1        Technische Voraussetzungen................................................................................................ 4

2.2        Organisatorische Voraussetzungen ...................................................................................... 7

2.3        Rechtliche Voraussetzungen ................................................................................................. 9

   2.3.1       Rechtliche Unterscheidung des Arbeitsverhältnisses .................................................... 9

   2.3.2       Vertragsgestaltung ............................................................................................................ 11

2.4        Datenschutz und Sicherheit ................................................................................................ 12



3 Chancen und Risiken des Teleworking ..................................................................................... 14

3.1        für das Unternehmen ........................................................................................................... 14

3.2        für den Teleworker ............................................................................................................... 14



4 Schlussbetrachtung ....................................................................................................................... 16

Quellenverzeichnis............................................................................................................................ 17




                                                              Teleworking
                                                  Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                                05.07.00
                                                                                                                              III



Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: das „virtuelle Büro“ ............................................................................................ 2

Abbildung 2: Komponenten eines Telearbeitsplatzes ............................................................ 6

Abbildung 3: Softwarekategorien .............................................................................................. 6

Abbildung 4: Strukturierungsmöglichkeit von Organisationen nach Zeit und Raum ....... 7




Abkürzungsverzeichnis
BAG                             Bundesarbeitsgericht

EDV                             Elektronische Datenverarbeitung

FTP                             Filetransferprotokoll

HAG                             Heimarbeitsgesetz

HGB                             Handelsgesetzbuch

i.d.R.                          In der Regel

ISDN                            Integrated Services Digital Network (Integriertes System für digitale
                                Netzwerkdienste)

IT                              Informationstechnologie

IuK                             Informations- und Kommunikations (-Technologie)

PC                              Personalcomputer

SOHO                            Small office/home office

TCP/IP                          Transmission Control Protocol/Internet Protocol

TDSV                            Telekommunikationsdienstanbieter-Datenschutzverordnung




                                                         Teleworking
                                             Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                           05.07.00
                                                                                                        1



      1 Einleitung
    Die Arbeitswelt wird vielgestaltiger. Neue Möglichkeiten der Informations- und
Telekommunikationstechnologie eröffnen vor dem Hintergrund von Rationalisierungs- und
Kostenreduzierungsabsichten in den Wirtschaftsunternehmen den Weg für dezentrale
Arbeitsstrukturen. Telearbeit ist zweifellos in allen Sparten des Dienstleistungssektors auf dem
Vormarsch. 500.000 mobile Telearbeiter und noch einmal 350.000 Beschäftigte, die sowohl am
Unternehmensstandort als auch vom ,,mobilen Büro" aus tätig waren, rechnete das
,,Fraunhofer-Institut für Absatzwirtschaft und Organisation" in Stuttgart für das Jahr 1997
hoch. Etwa 10% aller Firmen, dabei gerade die innovativen Großunternehmen z. B. in der
Computer- oder Automobilindustrie, Medienwirtschaft, Finanzdienstleister und große
Bauunternehmen, nutzten bereits Telearbeit in erheblichem Umfang.
    Es geht im Grunde darum, rationeller zu Wirtschaften. Um dieses Ziel zu erreichen bietet
sich unter anderem die Umgestaltung der Arbeitsorganisation durch Dezentralisierung an.
Verantwortung und unternehmerisches Handeln werden auf untere Ebenen verlagert. Seit
Jahren ist ein Trend in diese Richtung auszumachen. Durch strategische Dezentralisierung wird
ein Unternehmen in verschiedenen, zum Teil sogar rechtlich selbständige Unternehmensteile
aufgespaltet. Bei der Vermarktlichung treten die dezentralisierten Einheiten miteinander in
Konkurrenz. Man holt quasi den Markt ins Unternehmen. Eine dritte Möglichkeit ist die
Dezentralisierung auf operativer Ebene: Hier finden die Umstrukturierungsmaßnahmen auf
betriebs- und arbeitsorganisatorischer Ebene statt. Telearbeit ist demnach eine spezifische,
geradezu extreme Form betriebs- und arbeitsorganisatorischer Dezentralisierung. ,,Extrem" ist
sie deshalb zu nennen, weil es zwar in der Vergangenheit schon immer Formen von
dezentralisierter Arbeitsorganisation gegeben hat, etwa im Produktionssektor die Heimarbeit
(z.B. in der Spielwarenindustrie), oder im Medienbereich (z.B. im Zeitungs- und
Fernsehjournalismus), aber noch nie zuvor mit der Tendenz zur virtuellen Erwerbsarbeit.


      1.1 Begriffsdefinition

   Autoren, Organisationen und Behörden versuchten schon mehrfach den Begriff
„Teleworking“ zu definieren. Im deutschen wird Teleworking oftmals gleichgesetzt mit
Telearbeit, Teleheimarbeit oder Fernarbeit (in vorliegender Arbeit wird der Begriff Teleworking
und Telearbeit synonym verwendet). Schwierig wird die Definition aufgrund fehlender
Rechtsgrundlage1. So kann der Begriff Teleworking unterschiedliche wirtschaftliche und soziale
Bedeutung haben.

   Das Bundesministerium für Bildung und Forschung definierte 1998 Teleworking „...als eine
Arbeit, die Mitarbeiter außerhalb der Firmenräume, in der Wohnung, in Nachbarschafts- oder
Satellitenbüros unter Nutzung von öffentlichen Kommunikationsmitteln und entsprechenden
technischen Geräten zu Erledigung ihres Arbeitsvertrages verrichten. 2“.




1   vgl. k. A. (1997): Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, S. 1
2   BfA (Hrsg.) (1998): Elektronischer Leitfaden zur Telearbeit, Definition

                                                       Teleworking
                                           Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                         05.07.00
                                                                                                2




                                   zu Hause                             unterwegs




                                                     Telearbeit




                              im Satellitenbüro                im Nachbarschaftsbüro

                                        Abbildung 1: das „virtuelle Büro“ 3


   Die „Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen“ sieht
die Teleworking so: „Unter Telearbeit versteht man jede Tätigkeit, die von einer Person
(Arbeitnehmer, Selbständiger oder Heimarbeiter) vorwiegend oder weitgehend an einem
räumlich außerhalb des Betriebes im herkömmlichen Sinne liegenden Arbeitsplatz für einen
Arbeitgeber oder Auftraggeber unter Einsatz moderner Technologien verrichtet wird4.“

   Inhaltlich ähnlich definiert „onforte“, (online Forum Telearbeit) Telearbeit als Arbeit, die
„außerhalb der Betriebsstätte des Arbeitgebers oder Auftraggebers erfolgt, und neue
Informations- und Kommunikationstechniken nutzt.“5.

   Zusammenfassend kann man die wesentlichen beiden Merkmale des Teleworking
herausheben: Räumliche Trennung vom Firmensitz und Einsatz von moderner Informations-
und Kommunikationstechnologie.

    1.2 Ausprägungsformen des Teleworking

   Anhand den aufgeführten Definitionsmerkmalen lassen sich verschiedene
Organisationsformen des Teleworking ableiten: grundsätzlich unterscheidet man unter
kollektiver von individueller Telearbeit6.

   Kollektives Teleworking bedeutet, dass Erwerbstätige gemeinsam in einem Büro für
verschiedene Arbeitgeber arbeiten. Sie können selbständig oder abhängig beschäftigt sein (z.B.
Nachbarschaftbüros, virtuelle Unternehmen oder Telezentren).




3 vgl. BfA (Hrsg.) (1998): Elektronischer Leitfaden zur Telearbeit, Definition
4 k.A. (1997): Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, S. 1
5 Online Forum Telearbeit (1997), S. 7
6 vgl. Hoose, A. (1994), S. 53




                                                    Teleworking
                                        Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                      05.07.00
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   Bei der individuellen Telearbeit wird die Arbeitsleitung in der eigenen Wohnung, beim
Kunden oder von Unterwegs erbracht, wobei zu dem Arbeitgeber eine kommunikative
Verbindung besteht.

   Bei der Teleheimarbeit dient die Wohnung als Arbeitsstätte, wobei der Teleheimarbeiter
durch Kommunikationsinstrumente (PC, Netzanbindung) mit seinem Arbeitgeber in
Verbindung bleibt. Diese Arbeitsform wird häufig von freien Mitarbeitern und Selbständigen
genutzt7.

    Alternierende Telearbeit ist wohl die Arbeitsform der Zukunft. Die Arbeitsleistung wird
teilweise von zu Hause aus und teilweise an der Arbeitsstätte erbracht. 1997 arbeiteten 180.000
Telearbeiter in dieser Art, unterstützt von Firmen wie Hewlett-Packard, IBM, BMW, Siemens
und weiteren Firmen8. Eine Unterform von alternierender Telearbeit ist die Rufbereitschaft.
EDV Spezialisten übernehmen hierbei beispielsweise die Fernwartung von EDV Systemen
direkt aus ihrer Wohnung zu bestimmten Bereitschaftszeiten. Diese Arbeitsform wendet sich
vor allem an qualifizierte Mitarbeiter aus Management, Forschung, Entwicklung und Wartung9.

   Von Satellitenbüros spricht man, wenn ein Unternehmen Arbeitstätten an einen andern Ort
verlegen, Arbeitsplätze in ein anderes Land auslagert und diese mit IuK-Technologie (ISDN,
Videokonferenz, Internet...) an die Zentrale anbindet10.

    Nachbarschaftsbüros und Telezentren betreiben mehrere Unternehmen oder Selbständige
meist in Wohngebieten am Stadtrand. So werden hohe Anfahrtskosten für die Beschäftigten
vermieden und die Betreiber teilen sich die Kosten für die IuK-Technologie. Von privaten
Dienstleistungsunternehmen angebotene und in der Bundesrepublik Deutschland meist von der
öffentlichen Hand als Hilfe für strukturschwache Regionen geförderte Arbeitsform sind
Telezentren/-häuser. Telezentren unterscheiden sich jedoch von Nachbarschaftsbüros durch
die Unabhängigkeit von einem Unternehmen. Beide Formen sind in Deutschland nur vereinzelt
zu finden11.

    Die wohl älteste Form der Telearbeit ist die mobile Telearbeit. ,,Immer schon arbeiteten
Handelsvertreter oder Banker in ländlichen Regionen, u.ä. ohne ständige Anwesenheit an einem
festen Arbeitsplatz"12. Allerdings wird die Tätigkeit von Unterwegs, beim Kunden und von
Zuhause durch modernste IuK-Techologie (Notebook, Handy, Modem...) verbessert und
rationalisiert.

    Eine ganz neue Form der Telearbeit ist die virtuelle Firma, bei der ein fester, reeller
Firmensitz nur sehr begrenzt oder gar nicht mehr vorhanden ist. Die Mitarbeiter oder ein
Zusammenschluss von unabhängigen und räumlich getrennten Selbständigen arbeiten über
Datenleitungen und mit Videokonferenzen. Mit dieser sehr flexiblen Form können die
virtuellen Unternehmen hohe Spezialisierung anstreben. Der Mitarbeiterstamm wird je nach



7 vgl. Drücke, H. et al. (1986), S. 71
8 vgl. Andreas v. Bruch (1997): Telearbeit im wirklichen Leben
9 vgl. Online Forum Telearbeit (1997), S. 7
10 vgl. ebenda
11 vgl. Online Forum Telearbeit (1997), S. 7
12 Drücke, H. et al. (1986), S. 72




                                                     Teleworking
                                         Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                       05.07.00
                                                                                          4


Auftragslage erweitert oder verringert, außerdem fallen Fixkosten wie Büromieten weg13.




      2 Teleworking in IT-Unternehmen
    Die Einführung und Durchsetzung der Telearbeit ist bedingt durch eine Reihe von
Faktoren, die in den Ländern oft sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Dies erklärt den sehr
unterschiedlichen Durchsetzungsgrad der Telearbeit im internationalen Vergleich und lässt bei
eingehender Untersuchung Prognosen für die weitere Entwicklung der Telearbeit zu.
Gleichzeitig können wirtschaftspolitische oder unternehmerische Maßnahmen zur Förderung
oder Einführung der Telearbeit anhand dieser Faktoren abgeleitet werden. Während einige der
Faktoren (wie z.B. Gesetzgebung insb. Arbeitsrecht und Stand der Technik) auf der
gesamtwirtschaftlichen Makroebene wirksam sind, sind andere regional verschieden ausgeprägt
(z.B. vorhandene Infrastruktur) und wiederum andere mikroökonomisch wirksam wie z.B.
Organisationsstruktur. Nur die komplexe Verkettung dieser einzelnen Voraussetzungen bringt
ein optimales Klima zur Entstehung und Entwicklung der Telearbeit hervor, wobei die
Kombination der Faktoren durchaus unterschiedlich sein kann, allerdings ein Mindestmaß der
Existenz einiger, wie z.B. der verfügbaren Technologien, voraussetzt.

      2.1 Technische Voraussetzungen

    Eine der zentralen Bedingungen der Telearbeit ist, wie sich schon aus ihrer Definition
ableiten lässt, der Einsatz von Technik, im speziellen der Telekommunikation,
Computervernetzung und Datenübertragung. Vor dem Einsatz der Technologien steht vor
allem der in den einzelnen Ländern vorhandene Stand der Technik, deren Verfügbarkeit und
die Fähigkeit mit den Technologien umzugehen, d.h. sie gezielt einsetzen zu können.

    Der Stand der Technik ist nicht auf die nationalen technischen Entwicklungen begrenzt,
Datenübertragung ins Ausland und Technologieimport sind durchaus üblich. Im Rahmen des
Technologieimportes sind Faktoren wie Handelsbarrieren, Patentrechte und Schutz nationaler
Forschungsergebnisse sowie die zunehmende Konkurrenz der Telekommunikationsanbieter zu
beachten. Letztere kann allerdings einen positiven Einfluss auf die Verfügbarkeit der
Technologien haben: durch die Deregulierung des Telekommunikationsmarktes stehen die
Produkte ausländischer Telekommunikationshäuser im Inland zur Verfügung. Gleichzeitig
zeichnen      sich     auch     internationale     Kooperationen      zwischen      großen
Telekommunikationshäusern wie z.B. zwischen der Deutschen Telekom, British Telecom,
France Telecom und AT&T ab mit dem Ziel, größere Pilotprojekte gemeinsam zu entwickeln,
Technologien zu übertragen und auf die einzelnen spezifischen Länderbedingungen
anzupassen. Standardisierungsbestrebungen, die länderübergreifende und Anbieter- bzw.
Herstellerübergreifende Datenübertragung ermöglichen, sind eine zentrale Voraussetzung für
die länderübergreifende Telearbeit (bspw. Outsourcing ganzer Unternehmensfunktionen),
während der Technologieimport auf die nationale Verfügbarkeit und die Preisstruktur der
Technologien und damit auf den nationalen Einsatz wirkt.



13   vgl. Beyer, R. (1997), S. 23f.

                                                  Teleworking
                                      Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                    05.07.00
                                                                                        5


    Neben der verfügbaren Technologie ist das zu ihrer Anwendung notwendige Know How
für den gezielten Einsatz eine weitere wichtige Bedingung und wird daher auch prägend sein für
die Branchenstruktur der Teleworker. Unternehmen mit traditionell technisch geprägten
Produkt- und Arbeitsgebieten werden sowohl die Technologie selbst als auch Erfahrungen mit
deren Einsatz und das notwendige Know How besitzen bzw. zumindest die Fähigkeit und das
Zutrauen für den Erwerb dieses Wissens haben. Andere Unternehmen werden dieses
Anwendungswissen einkaufen oder sich aufbauen müssen. Mit der zunehmenden
Durchdringung des Telekommunikationsmarktes mit Telearbeitsanwendungen wird dieses
Wissen kostengünstiger und leichter erwerbbar werden oder es werden Standardanwendungen
angeboten. In der Anfangsphase werden jedoch vor allem technologielastige Branchen
Telearbeit einsetzen und als Pilotanwender auftreten, da ihr Zugriff auf schon eingesetzte
Technologien das Risiko und die Kosten der Einführung der Telearbeit erheblich mindert.

    Eine der wichtigsten technischen Voraussetzungen der Telearbeit und zur Zeit einer der
Haupthemmnisse bei deren Akzeptanz ist die Sicherheit der Datenübertragung. Nur mit
ausreichender Datensicherheit wird die Telearbeit in größeren Maße eingesetzt werden, wobei
nicht nur die tatsächliche Datensicherheit, sondern auch die von den Entscheidungsträgern
subjektiv wahrgenommene Sicherheit eine Rolle spielt für die Bereitschaft der Unternehmen
sich mit dieser Arbeitsform überhaupt als unternehmerische Möglichkeit auseinander zu setzen.

   Zur Mindestausstattung eines Telearbeitsplatzes gehören:

         Möglichkeit zur Sprachkommunikation

   -             Analoges Telefon

   -             ISDN Telefon

   -             Anrufbeantworter oder Voice-Mail-Box-System

         Möglichkeit zur Datenkommunikation

   -             Faxgerät

  -              Unterstützung von Datenversand via Telefonleitung o.ä. unter Nutzung des
                 Computers

  Eine sinnvolle und zeitgemäße Erweiterung zur besseren Nutzung der neuen
Kommunikationsmedien stellt die

         Möglichkeit zur visuellen Kommunikation (Sprache und Bild)

   -               Bildtelefon

   -               Netmeeting (über Webcam u. Mikrofon)

   dar.




                                                Teleworking
                                    Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                  05.07.00
                                                                                                  6


    Das Bundesministerium für Wirtschaft beschreibt die Technischen Voraussetzungen wie
folgt- „Die Einrichtung eines Telearbeitsplatzes bedarf einer sorgfältigen Planung. Die Geräte
und Software stellen das wesentliche Arbeitsmittel des Telearbeiters dar. Alle Komponenten
haben dabei maßgeblichen Einfluss auf die Qualität und Effektivität der Arbeit.“14

     Ein Telearbeitsplatz besteht im wesentlichen aus drei technischen Komponenten:




     Abbildung 2: Komponenten eines Telearbeitsplatzes15


    Aber auch die Auswahl der Software kommt eine Tragende Rolle zu, da sie letztlich erst die
effektive Nutzung der Hardware ermöglicht. Die Software eines Telearbeitsplatzes muss damit
auch so ausgestattet sein, das der Anwender die von ihm geforderten Aufgaben mit ihr
Bewältigen kann. Es muss auch sichergestellt sein dass die Software die gängigen
Datenverbindungsprotokolle (wie z.B. TCP/IP, FTP) unterstützt.




     Abbildung 3: Softwarekategorien16




14
   vgl. Bundesministerium für Wirtschaft (1998): Ein Leitfaden für die Praxis Telearbeit, S. 79
15 vgl Bundesministerium für Wirtschaft (1998): Ein Leitfaden für die Praxis Telearbeit, S. 79
16
   vgl. ebenda, S. 80


                                                     Teleworking
                                         Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                       05.07.00
                                                                                              7


   2.2 Organisatorische Voraussetzungen

   Eine entscheidende Konsequenz aber gleichzeitig Voraussetzung für die Telearbeit ist die
Umgestaltung der Organisationsstruktur innerhalb und zwischen den Unternehmen und
insbesondere zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern. Während dies einerseits
Konsequenz der Telearbeit ist, da die Einführung dieser Arbeitsform eine Neugestaltung der
Organisationsstruktur und des Arbeitsablaufes zur Folge hat, muss es jedoch auch als
Voraussetzung betrachtet werden, da einige Unternehmen geeignetere Organisationsstrukturen
zur Einführung der Telearbeit haben als andere und daher die organisatorischen Anpassungen
und Umgestaltungen leichter fallen werden und kostengünstiger sind, bzw. die organisatorische
Fähigkeit und Bereitschaft zur Einführung Telearbeit überhaupt erst besteht.
Organisationsstrukturen, die für die Telearbeit geeignet sind, lassen sich als Zeit-Raum-
Synchronizitäten aufzeigen:




                  Zeit       synchron                                       asynchron

    Raum




    synchron                 feste Arbeitszeiten, Gleitzeit    Arbeitsraum       steht      zur
                                                           Verfügung,                  flexible,
                             mit Kernzeit, ein Arbeitsraum freigestaltbare Arbeitszeiten




    asynchron               Heimarbeit oder Außendienst    Heimarbeit oder Außendienst
                         mit festen Arbeitszeiten oder mit freier Zeiteinteilung, auch
                         Gleitzeit mit Kernzeiten       Journalisten




   Abbildung 4: Strukturierungsmöglichkeit von Organisationen nach Zeit und Raum
   Telearbeit bietet sich vor allem in zeitlich und räumlich asynchronen Strukturen an, insofern
eine elektronische Datenübertragung erfolgt, durch die der Arbeitnehmer in den Leistungs-


                                                 Teleworking
                                     Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                   05.07.00
                                                                                          8


erstellungsprozeß des Unternehmens eingebunden wird. Aber auch                    die   anderen
Kombinationen aus Zeit- und Raumsynchronizitäten erlauben Telearbeit:

   -    Zeitlich synchrone und räumlich asynchrone Arbeitserstellung ist ebenfalls eine sehr
geeignete Organisationsstruktur für Telearbeit, da räumliche Distanz (Heimarbeit,
Vertriebstätigkeit) vorliegt, nur feste Arbeitszeiten oder Kernzeiten vorausgesetzt werden.

   -   Zeitlich asynchrone und räumlich synchrone Arbeitserstellung kann in
Telearbeitscentern erfolgen, in denen Telearbeitsplätze bei freier Zeiteinteilung bereitgestellt
werden, wobei die Einrichtung des Telecenters eine räumliche Distanz zur
Unternehmenszentrale oder anderen Unternehmensteilen bewirkt.

    -   Telearbeit ist nur schwer umsetzbar in räumlich und zeitlich synchronen Strukturen und
nur innerhalb eines Telearbeitscenters mit festen Arbeitszeiten vorstellbar wobei der Center an
sich eine räumliche Asynchronizität zur Unternehmenszentrale hat.

   Es lassen sich auch einige äußerst bekannte, vorhandene Organisationsstrukturen im
Hinblick auf ihre Eignung für die Einführung und den Übergang zur Telearbeit untersuchen:

   Geeignete Organisationsstrukturen sind projektorientierte Arbeitsformen, die keine
permanente physische Anwesenheit der Projektteilnehmer erfordern. Telearbeit findet laut
Definition jedoch nur dann statt, wenn eine computerunterstützte zeitweise oder permanente
Vernetzung der Projektmitglieder erfolgt. Ein Begriff, der diese Arbeitsform als letzte
Konsequenz beschreibt ist das 'Virtuelle Unternehmen', das fast ohne feste Angestellte zu
haben die Mehrzahl der Mitarbeiter projektbezogen als Telearbeiter einbezieht und nach
Abschluss des Projektes wieder aus der Arbeitsbeziehung entlässt.

    Profitcenterstrukturen eignen sich ebenfalls als Voraussetzung für Telearbeit, wenn auch in
diesem Fall nicht einzelne Telearbeiter zu Hause ihre Arbeit verrichten, sondern in einem
Center untergebracht werden. Inwiefern eine Profitcenterstruktur Telearbeit gleichkommt,
hängt sowohl von der Definition der Telearbeit als auch von der Vernetzung der Profitcenter
ab. Zentrales Merkmal muss die überwiegend durch elektronische Datenübertragung vernetzte
Arbeitsbeziehung zu anderen Profitcentern und/oder einer Unternehmenszentrale sein.
Werden z.B. elektronische oder elektronisch übertragbare Dienstleistungen von einem
Profitcenter für andere erbracht und die Telearbeiter stehen anderen Unternehmensteilen gegen
entsprechende interne Verrechnungssätze mit ihren elektronischen Dienstleistungen zur
Verfügung so findet die Profitcenterstruktur Übergang in einem Telearbeitscenter. Wichtig ist
an dieser Stelle, dass die Profitcenterstruktur durch die organisatorische Abspaltung und
eventuell geographische Auslagerung eine geeignete Voraussetzung für die Telearbeitscenter
bietet.

    Auch die unternehmensübergreifende Organisationsstruktur stellt einen Einflussfaktor für
die Telearbeit dar und kann gleichzeitig wiederum von ihr beeinflusst und verändert werden.
Der Leistungserstellungsprozess innerhalb des Unternehmens kann elektronisch nach vorne
und hinten durch die elektronische Anbindung der Auftraggeber (Kunden) und Lieferanten
vernetzt werden. Die Einführung der Telearbeit kann in einer durch Datenübertragung
vernetzten Beziehung zwischen Unternehmen und seinen Kunden und Lieferanten leichter Fuß
fassen und an einer Stelle angesiedelt werden, wo der Telearbeiter direkt elektronisch Kontakt


                                              Teleworking
                                  Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                05.07.00
                                                                                        9


mit den Abnehmern oder Zulieferern aufnimmt und Aufträge, Anfragen, Ergebnisse usw.
wiederum elektronischem dem Unternehmen übermittelt.

      2.3 Rechtliche Voraussetzungen

   Da der Telearbeiter rechtlich als Arbeitnehmer, Selbständiger oder arbeitnehmerähnliche
Person beschäftigt werden kann, ist die rechtliche Einordnung von großer Wichtigkeit, da sich
aus dieser Einordnung alle Fragen der zu betrachtenden Rechte und Pflichten ableiten lassen.

      2.3.1 Rechtliche Unterscheidung des Arbeitsverhältnisses

   Diese Unterscheidung ist aufgrund des verwendeten Arbeitsmittels Computer und der
durch die moderne Telekommunikationstechnik sehr engen Verbindung der Vertragspartner
sehr schwierig. Hierfür hat das BAG auf der Grundlage des § 84 Abs. 1 Satz 2 HGB
„Selbständig ist, wer im wesentlichen frei seine Tätigkeit gestalten und seine Arbeitszeit
bestimmen kann“ einen Kriterienkatalog entwickelt, mit dessen Hilfe zwischen selbständiger
und unselbständiger Tätigkeit unterschieden werden kann17. Maßgeblich für die Unterscheidung
ob ein Telearbeiter Arbeitnehmer oder Selbständiger ist, ist der sogenannte Grad der
persönlichen Abhängigkeit, wie er in der von den Parteien gewählten vertraglichen Gestaltung
zum Ausdruck kommt.

      Zu den Abgrenzungskriterien gehören:

      -        Weisungsgebundenheit des Dienstverpflichteten

      -        Fremdbestimmtheit des Orts der Arbeitsleistung

      -        Fremdbestimmtheit der Zeit der Arbeitsleistung

      -        Einbeziehung in eine fremde Arbeitsorganisation

      -        Zumindest überwiegende Inanspruchnahme der Arbeitskraft

      -        Pflicht zu regelmäßiger Berichterstattung

      -        Anzeige- und Nachweispflicht im Krankheitsfall

      -        Art der Vergütung

      -        Bezeichnung des Rechtsverhältnisses.

   Da diese Kriterien auf eine nichtselbständige Tätigkeit schließen lassen, jedoch keines der
aufgeführten Merkmale für sich allein betrachtet die Annahme der persönlichen Abhängigkeit

17   vgl. BAG vom 13.01.1983 – 5 AZR 156/82, Der Betrieb 1983, S. 2041.

                                                     Teleworking
                                         Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                       05.07.00
                                                                                           10


einer Vertragspartei begründet, hat gemäß BAG18 eine Gesamtschau der persönlichen Tätigkeit
zu erfolgen, um das Überwiegen der persönlichen Abhängigkeit über die Selbständigkeit
festzustellen.

   Die wichtigsten Kriterien der Aufzählung sind die Weisungsgebundenheit des Auftrags-
bzw. des Arbeitnehmers und seine Einbeziehung in den Betriebsablauf des Auftraggebers.
Ermöglicht die technische Verbindung die Weisungserteilung, und bewerkstelligt sie eine
Einbeziehung in den Betrieb des Auftraggebers, so sind solche Telearbeiter zwangsläufig als
Arbeitnehmer zu qualifizieren.

    Als weisungsabhängiger Telearbeiter und somit als Arbeitnehmer gilt, wer ausschließlich
vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellte Betriebsmittel (z.B.: der verwendete Computer bzw.
die Software, Briefpapier des Auftraggebers usw.) verwendet, dessen Verfahrensvorgänge durch
den Arbeitgeber festgelegt wurden (z.B.: feste Schriftart, Schriftbild und Layout eines
Schreibens innerhalb einer Textverarbeitung) und dessen Arbeitsergebnisse am Ende des
Tages abgeliefert und kontrolliert werden (beispielsweise durch Einsatz eines Boten, der die
Arbeitsergebnisse zu einem festgelegten Zeitpunkt abholt). Der Telearbeiter ist in den
Betriebsablauf eingebunden, wie wenn er seine Tätigkeit im Unternehmen ausübt.

     Arbeitnehmerähnliche Personen sind Telearbeiter, welche nicht der unmittelbaren Kontrolle
des Auftraggebers unterliegen und ihre eigenen Betriebsmittel verwenden. Sie haben in der
Regel ein bestimmtes festgelegtes Arbeitspensum zu erledigen und stellen ihre gesamte
Arbeitskapazität nur einem Unternehmen bzw. Auftraggeber zur Verfügung. Fällt jedoch dieser
eine Auftraggeber weg, besitzt die arbeitnehmerähnliche Person kein anderweitiges
Einkommen, womit er wie ein Arbeitnehmer wirtschaftlich von diesem Auftraggeber abhängig
ist. Er ist also weder Arbeitnehmer noch echter Selbständiger.

    Allerdings ist auch hier eine Differenzierung vorzunehmen, denn üben Telearbeiter einfache
Angestelltenarbeiten aus, gelten sie als Heimarbeiter und unterliegen somit dem
Anwendungsbereich des Heimarbeitergesetzes (HAG). Werden höher qualifizierte Tätigkeiten
ausgeübt, sind diese nicht durch das HAG gedeckt, womit diese Personen in den Status des
freien Mitarbeiters fallen.

   Die Unterscheidung ob es sich um einen Heimarbeiter oder freien Mitarbeiter handelt regelt
den arbeitsrechtlichen Schutz. Somit hat der Heimarbeiter im Vergleich mit einem
Arbeitnehmer einen geringeren Schutz und der freie Mitarbeiter wird als Selbständiger
behandelt und besitzt dadurch keinen Schutz.

   Als Selbständiger gilt, wer weder persönlich noch wirtschaftlich abhängig ist. D.h. er besitzt
keinerlei arbeitsrechtlichen Schutz und trägt das Existenz- und Unternehmensrisiko alleine.

   In der Öffentlichkeit wird Telearbeit i.d.R. nur als solche erkannt und angesprochen, wenn
es sich um die Tätigkeit von abhängig Beschäftigten handelt, deren Arbeitsplätze aus der
gewohnten Büroumgebung in die Wohnräume der Betroffenen verlagert wird. Ein hoher, wenn
nicht der überwiegende Teil der Telearbeit wird heute jedoch von Selbständigen erbracht. Der
Telearbeiter tritt in diesem Fall als Auftragnehmer auf, der an seinem Arbeitsplatz (i.d.R. einem

18   ebenda, S. 2042.

                                              Teleworking
                                  Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                05.07.00
                                                                                          11


SOHO = small office/ home office) Arbeitsleistungen erbringt und dabei über eine
Telekommunikationsverbindung mit dem Auftraggeber in Verbindung steht.

   2.3.2 Vertragsgestaltung

   Um Unklarheiten und Rechtsunsicherheiten zu vermeiden, sollten die Modalitäten der
Telearbeit schriftlich fixiert werde.

    Erwägt ein Unternehmen die Telearbeiter als echte freie Mitarbeiter zu beschäftigen, ist es
sinnvoll hier eine Vertragsform zu wählen, die dem Vertragswesen eines Subunternehmers
gleicht. Sie dürfen im Prinzip die nachfolgenden Regelungen nicht übernehmen.

   Grundsätzlich reichen die Vorhandenen Gesetze und Rechtsvorschriften zu den jeweiligen
Arbeitsverhältnissen aus. Allerdings sollten diese um folgende Punkte ergänzt werden, um
Klarheit für den Arbeitnehmer und das Unternehmen zu schaffen:

      Zusatzvereinbarungen zum Arbeitsvertrag und/oder ergänzenden

       Betriebsvereinbarungen

   -       Arbeitsstätte

            Änderung der Regelung der Arbeitsstätte ist zwingend notwendig, da in dem

            bisherigen Arbeitsvertrag als Ort der Arbeitsleistung die betriebliche Arbeitsstätte
            festgelegt ist.

   -       Zugang zur häuslichen Arbeitsstätte

            Die Zugangsregelung ist ebenfalls zwingend notwendig, da jeder Zutritt fremder
            Personen einen Eingriff in die grundgesetzlich geschützte Privatsphäre des
            Arbeitnehmers darstellt

   -       Gehalt und Arbeitszeit (einschließlich Leistungskontrolle und Arbeitszeiterfassung)

   -       Vertretung bei Krankheit und Urlaub

   -       Rückkehrrecht auf den betrieblichen Arbeitsplatz

   -       Ausstattung des Telearbeitsplatzes

   -       Aufwandsentschädigungen (Telekommunikationskosten, Betriebskosten).



      Zusatzvereinbarungen um steuerrechtliche Fragestellungen zu klären

   -       berufliche Nutzung des privaten Arbeitszimmers (unbegrenzte Absetzung als
           Werbungskosten nur möglich, wenn privates Arbeitszimmer den Mittelpunkt der
           gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung bildet; ansonsten max. 2.400
           DM)

                                              Teleworking
                                  Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                05.07.00
                                                                                           12


   -       private Nutzung des Telearbeitsplatzes (ggf. geldwerter Vorteil für Arbeitnehmer
           und Arbeitnehmerinnen)

   -       detaillierte Dokumentation der Betriebskosten am Telearbeitsplatz, z.B. für
           Absetzmöglichkeiten durch Arb1eitnehmer und Arbeitnehmerinnen

   -       Regelung eventuell anfallender Fahrtkosten.



    Zusatzvereinbarungen um Versicherungs- und datenschutzrechtliche Fragestellungen
zu berücksichtigen:

   -       Schutz von personenbezogenen Daten und Informationen gegenüber Dritten,

   -       Schutz von unternehmensbezogenen Daten und Informationen gegenüber Dritten,

   -        Diebstahlversicherung der technischen Ausstattung (i.d.R. durch Arbeitgeber, aber
            Information an private Hausratsversicherung erforderlich),

   -       Haftungsregelung bei Schäden durch Teleworker oder Dritte,

   -       Unfallschutz.



   2.4 Datenschutz und Sicherheit

   An den Datenschutz bei der Telearbeit werden gleiche Anforderungen gestellt wie im
Betrieb. Konzepte für den Schutz personenbezogener Daten bei Telearbeit sind jedoch noch
nicht sehr verbreitet, Erfahrungsaustausch ist notwendig.

   Im Rahmen von Telearbeitsprojekten werden zwangsläufig auch sensible Daten außerhalb
des geschützten Stammbetriebes verarbeitet. Personenbezogene Daten von Kunden oder
Mitarbeitern werden in der häuslichen Umgebung oder unterwegs bei der mobilen Telearbeit
erhoben, verarbeitet und genutzt. Die Bedingungen, unter denen Datenverarbeitung erfolgt,
werden offener. Gleichzeitig wird der Schutz persönlicher Daten den Menschen immer
wichtiger. Der Datenschutz ist zum bedeutenden Qualitätsmerkmal von kundenorientierten
Dienstleistungen geworden. Das Bundesverfassungsgericht hat gar den Schutz der
informationellen Selbstbestimmung zu den Grundrechten gezählt.

   Sorgfältige geplante, technische und organisatorische Maßnahmen zur Sicherstellung des
Datenschutzes verlangt nicht nur das Gesetz. Sie sind im Sinne der Kunden und Verbraucher
und sie geben auch Telearbeiterinnen eine gewisse Sicherheit vor haftungsrechtlichen
Konsequenzen. Es ist daher wichtig bei der Gestaltung des arbeitsorganisatorischen Rahmens
der Telearbeit den Datenschutz ernst zu nehmen.

    So vielfältig die Tätigkeiten bei der Telearbeit sind, genauso vielfältig werden die Konzepte
sein, mit denen der Datenschutz in Telearbeitsverhältnissen sichergestellt werden kann und
muss. Ein einziges, universelles und allgemeingültiges Konzept für Datenschutz in Telearbeit


                                              Teleworking
                                  Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                05.07.00
                                                                                        13


kann es nicht geben. Und so wichtig der Datenschutz ist, so vielfältig können die Lösungen
sein und - leider - so kompliziert ist häufig die Materie.

   Telearbeitsplätze unterliegen keinen besonderen gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich
des Datenschutzes. Es gilt das Datenschutzgesetz des Bundes und die Datenschutzgesetze der
Länder. Zu beachten sind bereichsspezifische Regelungen wie z.B. das
Telekommunikationsgesetz           und        die       Telekommunkationsdiensteanbieter-
Datenschutzverordnung (TDSV). Bestehende Betriebsvereinbarungen sind, sofern sie sich dem
Thema Datenschutz annehmen, gleichfalls zu berücksichtigen.

    Obwohl für die Einrichtung von Telearbeitsplätzen hinsichtlich des Datenschutzes die
gleichen Maßstäbe wie für betriebliche Arbeitsplätze anzulegen sind, gilt es trotzdem einige
Besonderheiten zu beachten:

   -   Im häuslichen Umfeld besteht eine besondere Gefahr, dass Familienmitglieder,
Verwandte, Nachbarn etc. unerlaubt auf vertrauliche Unternehmensdaten oder
personenbezogene Daten zugreifen.

    -   Daten müssen auf Datenträgern oder über elektronische Wege zum Telearbeitsplatz
transportiert werden. Zum Schutz sensibler Daten müssen deshalb auch die Übertragungswege
gesichert werden.

   -    Abschließbare Räume, Behälter zur sicheren Verwahrung von Datenträgern und
Reißwölfe zur gesetzeskonformen Vernichtung von Ausdrucken sind in den meisten Betrieben
eine Selbstverständlichkeit. Für Telearbeitsplätze müssen Konzepte für derartige Elemente erst
verwirklicht werden.

   -   Die technische Anbindung von Telearbeitsplätzen an die betriebliche
Informationsverarbeitung erfolgt häufig mittels ISDN-Leitungen. Werden zu
Abrechnungszwecken Einzelverbindungsnachweise erstellt, ist eine umfassende Kontrolle des
Telefonverhaltens der Telearbeiterinnen durch die Person oder Institution möglich, die den
Einzelverbindungsnachweis erhält.

   -   Nehmen Telearbeiter Zugriff auf Unternehmensnetzwerke, wird dies in der Regel in
Protokolldateien aufgezeichnet. Bei einer entsprechenden Auswertung der Protokolldateien
kann so die Leistung der Beschäftigten kontrolliert werden, wen nicht eine entsprechende
Verabredung und ein Datenschutzkonzept davor schützen.




                                             Teleworking
                                 Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                               05.07.00
                                                                                                14



     3 Chancen und Risiken des Teleworking
     3.1 für das Unternehmen

   Durch Verringerung der Bürofläche am Firmenstandort, zum Beispiel durch ,,desk-sharing"
(mehrere Mitarbeiter teilen sich bei alternierender Telearbeit einen Büroarbeitsplatz), werden
besonders in Ballungszentren hohe Mietkosten eingespart. Noch günstiger wird es für das
Unternehmen, wenn Raum- und Ausstattungskosten oder sogar die laufenden Kosten für
Datenleitung, Strom, etc. zu Lasten der Mitarbeiter selbst gehen19. Die Firma Intel, die am
Unternehmensstandort München keinen Büroraum mehr zur Verfügung hat und ihr
Vertriebsnetz mit Telearbeitern ausbaute, sparte im ersten Jahr nach der Einführung 8
Millionen DM ein (Kosten für IuK-Technologie wurden berücksichtigt)20.

   Allerdings dürfen die Kosten für die Einrichtung der Heimarbeitsplätze mit moderner
Kommunikationstechnologie nicht aus den Augen gelassen werden. So warnen einige Autoren,
dass die alternierende Telearbeit, die so oft als Ideallösung verkauft wird, wegen der doppelten
Einrichtung von Arbeitsplätzen Mehrkosten verursachen kann21.

   Weiterhin ergeben sich Vorteile für die Unternehmen durch Produktivitätssteigerung der
Mitarbeiter wobei gleichzeitig ein sinkender Krankheitsstand registriert wird22. Die Atmosphäre
in der heimischen Umgebung, die einen individuellen Arbeitsrhythmus ermöglicht und so zu
höherer Konzentration und weniger Ablenkung führt, verstärkt die Kreativität und
Produktivität. Wichtig erscheint, dass Teleheimarbeiter auch ohne höhere Bezahlung zu
Mehrarbeit tendieren. Z.B. stieg bei IBM die Produktivität um 12-20%23.

     3.2 für den Teleworker

   Da es noch keine rechtliche Kategorie für Erwerbstätige im Bereich Telearbeit gibt muss
man sich der vorhanden Kategorien für Erwerbstätige bedienen. Es gibt Arbeitnehmer
Selbständige und Heimarbeiter. Ob es sich im Zweifelsfall um einen Arbeitnehmer handelt,
bemisst sich an der Tatsache, ob der Erwerbstätige auf Weisung und unter Aufsicht eines
Arbeitgebers tätig wird. Damit unterliegt das Arbeitsverhältnis dem Arbeitsrecht. Dies hat
Auswirkung auf Arbeitsschutzmaßnahmen die eingehalten werden müssen, auf
Sozialversicherungskosten      und    Vorschriften     bei   Vertragsabschlüssen 24.  Auch
Tarifvertragsbestimmungen, etwa hinsichtlich Arbeitsort, spezifischer Entlohnung oder
betrieblicher Sozialleistungen sind dann zu beachten. Diese Einstufung ist als Hintergrund
wichtig um die Vor- und Nachteile bei der Telearbeit abzuwägen.

   Von Arbeitnehmerseite wird vor allem der Aspekt der Humanisierung des Arbeitslebens als
Entscheidungskriterium für Telearbeit genannt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird
für viele erst durch Telearbeit möglich. Hier entsteht besonders für Alleinerziehende oder

19 vgl. Lenk, Th. (1989), S. 66
20 vgl. BfA (Hrsg.) (1998): Elektronischer Leitfaden zur Telearbeit
21 vgl. Weißbach et al. (1997): S. 13
22 vgl. Lenk, Th. (1989), S. 75
23 vgl. Groothuis, U. (1996): S. 106
24 vgl. Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (1997): S. 2




                                                    Teleworking
                                        Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                      05.07.00
                                                                                                              15


kinderbetreuende Elternteile die Möglichkeit, trotz Familie zumindest durch Teilzeitarbeit nicht
aus der Berufslaufbahn geworfen zu werden, oder wieder in den Beruf einsteigen zu können.
Telearbeitende Väter beurteilen ihr Verhältnis zur Familie seit Aufnahme von Telearbeit als
wesentlich besser, und loben die höhere Lebensqualität, die ihnen der Arbeitsplatz in der
heimischen Umgebung bringt25. Im häuslichen Umfeld arbeitet es sich oft ungestörter und
konzentrierter als in einem Großraumbüro in der Firmenzentrale. Allerdings muss die
Wohnung genügend Platz bieten, einen ungestörten Arbeitsbereich einzurichten und eine
gewisses Maß an Selbstmotivation muss vorhanden sein. Besonders auch die zeitliche
Flexibilität erlaubt es dem Telearbeiter die Arbeitszeit an seine individuelle Leistungskurve und
an Bedürfnisse der Familie anzupassen. Durch den Wegfall von Pendelzeiten spart der
Telearbeiter nicht nur Fahrtkosten sondern gewinnt auch Zeit und schont seine Nerven. Neben
anderen Einsparungsmöglichkeiten können auch steuerliche Vorteile geltend gemacht werden26.

    Risiken durch Telearbeit sind je nach Art der Beschäftigung von Fall zu Fall unterschiedlich.
Allgemein besteht jedoch die Gefahr, durch eine Lockerung fester Arbeitsverhältnisse in eine
weniger geschützte Erwerbstätigkeit abzugleiten. Im Falle von reduzierter Auftragslage besteht
dann die Gefahr von beachtlichen Einkommensverlusten oder von Arbeitslosigkeit ohne
soziale Sicherung. Ein ganz erhebliches Problem erscheint in diesem Zusammenhang das
Abdrängen von Arbeitnehmern in ,,Schein-Selbständigkeit" auf dem Wege der Telearbeit zu
sein, die den Betroffenen unternehmerische Risiken aufbürdet, ohne ihm unternehmerische
Äquivalente in freier Entscheidung und entsprechende Einkommenschancen bietet. Außerdem
haben Telearbeiter in Deutschland geringere Karrierechancen als ihre Kollegen im Betrieb, da
der direkte Kontakt und Erfahrungsaustausch für Beförderungen ausschlaggebend ist und als
Schlüsselqualifikation häufig Teamfähigkeit verlangt wird27.

   Eine weitere Gefahr liegt in der sozialen Isolation. Gerade Alleinlebende sind auf die
Kommunikationsmöglichkeiten im Betrieb angewiesen. Bei Erwerbstätigen die in ihr häusliches
Umfeld eingebunden sind, und fehlende Kontakte im Betrieb mit Kontakten im Privaten
kompensieren besteht diese Gefahr jedoch nicht28. Man kann sagen, dass der soziale Schutz
von Telearbeitern mit Arbeitszeitregelungen, Regelungen über Sicherheit am Arbeitsplatz,
Sozialversicherungsschutz     und     Weiterbildungsmöglichkeiten      über    die  wenigen
Betriebsvereinbarungen, wie sie beispielsweise bei IBM existieren, auf höherer Ebene noch in
ganz erheblichem Maße ausgestaltet werden muss29. Schließlich könnte man noch darauf
verweisen, dass der Telearbeit eine Tendenz zur ,,Atomisierung" von Arbeitsverhältnissen
innewohnt, die eine kollektive Arbeitnehmerinteressenvertretung durch Mitbestimmungsorgane
oder durch gewerkschaftliche Interessenwahrnehmung zumindest erschwert, und den
Einzelnen in eine machtmäßig ungünstigere Position gegenüber dem Arbeitgeber versetzt. Seit
1997 setzt hier aber das Kooperationsprojekt ,,Online Forum Telearbeit", das gemeinsam von
der Deutschen Postgewerkschaft, (DPG), der Gewerkschaft Handel, Banken und
Versicherungen (HBV) und der IG Medien betrieben wird, an. Durch die Information über die
Homepage und eine Broschüre sowie die Beratung per Telefon, Fax und E-Mail, soll die
Einführung von Telearbeit arbeitnehmerfreundlich gestaltet werden30.



25 vgl. Lenk (1989), S. 104ff.
26
   vgl. Empirca, 1994; Huber, 1987, S. 10f. u. 65; Online Forum Telearbeit, S. 10 f. und Müllner 1985, S. 21ff.
27
   vgl. Lenk, 1989, S.80ff.
28 vgl. Bundesanstalt für Arbeitsmedizin (1995): S. 415.
29 vgl. ebenda (1995); S. 415.
30 vgl. Luhr, Rüdiger (1999): S. 24.




                                                     Teleworking
                                         Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                       05.07.00
                                                                                        16



4 Schlussbetrachtung
   In den vorangegangenen Ausführungen wurden, nach kurzer Darstellung der Sache und
Darstellung der Arten von Teleworking, die Möglichkeiten aber auch die Schwierigkeiten
beleuchtet.

   Die wichtigsten Gründe, weshalb Telearbeit nicht so schnell wie in anderen Ländern
ausgebaut wird, sind nicht politischer oder technischer Natur, sondern resultieren aus
organisatorischen und kulturellen Vorbehalten. Für Unternehmen bringt die Dezentralisation
von Telearbeit Kostenersparnis und Flexibilisierung der Arbeitskräfte. Allerdings stehen die
Führungskräfte der Einführung eher skeptisch gegenüber. Für Arbeitnehmer erschien die
Telearbeit in vielen Bereichen zwar als eine, dem festen Büro vorzuziehende Alternative;
hinderlich erweisen sich hier aber die schlechteren Karriereaussichten.

    Eine attraktive Perspektive könnte Telearbeit hochqualifizierten Personen bieten, die vor
allem im Dienstleistungssektor den Weg in die berufliche Selbständigkeit zu wagen. Hier bieten
vor allem die Computer- und Softwarebranche neue Möglichkeiten. Wo Telearbeit sinnvoll und
ökonomisch effektiver in die Betriebsorganisation eingefügt werden kann, kann sie über
Produktivitätsgewinne, Kostenersparnis und größere Kundennähe zweifellos einen wichtigen
Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Nachteile insbesondere in Gestalt schwächerer
direkter hierarchischer Eingriffsmöglichkeiten wiegen in den Augen der Unternehmer diese
Vorteile offenbar auf. Darüber hinaus würde vielen Menschen die Chance zur ,,Teilhabe" am
Arbeitsleben - somit zur eigenständigen Existenzsicherung - eröffnet, die sie ohne diese
Möglichkeit nie hatte.




                                             Teleworking
                                 Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                               05.07.00
                                                                                           17



Quellenverzeichnis
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http://www.heise.de/tp/deutsch/special/work/1326/1.html

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BfA (Hrsg.): Elektronischer Leitfaden zur Telearbeit
http://www.iid.de/informationstechnik/telearbeit/bmbf_studie/index.html#übersicht

Beyer, Roswitha: Telearbeit - rechtliche und technische Grundlagen. München, 1997.

Bundesanstalt für Arbeitsmedizin: Telearbeit: Neue Anforderungen an den Arbeits- und
Gesundheitsschutz. In: Informationen der Bundesanstalt für Arbeitsmedizin (BafAM) Nr 4/95

Bundesministerium für Bildung und Forschung: Elektronischer Leitfaden zur Telearbeit 1998.
www.iid.de/telearbeit/leitfaden/definitionen.html.

Bundesministerium für Wirtschaft: Ein Leitfaden für die Praxis Telearbeit, 1998

Drücke, H./Feuerstein, G./Kreibich, R. (1986): Büroarbeit im Wandel, Eschborn 1986

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Empirca: Die pan-europäische Untersuchung der Gesellschaft für Kommunikations- und
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Groothuis, Ulrich: Pendler im Netz. In: Wirtschaftswoche 38/96 vom 12. 9. 96, S. 104-112.

Hoose, Anja (1994): Telearbeit – Instrument zur Flexibilisierung und Deregulierung in: Arbeit
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Lenk, Thomas: Telearbeit - Möglichkeiten und Grenzen einer telekommunikativen
Dezentralisierung von betrieblichen Arbeitsplätzen, Berlin 1989, S. 75.

Luhr, Rüdiger: Neue Arbeitsformen erfordern neuen Gewerkschaftsservice. In: IG Medien-
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(HBV) und der Industriegewerkschaft Medien (IG Medien), Frankfurt 1997.

Peucke, Martina: Telearbeit bringt neues Leben nach Retzstadt: In: Süddeutsche Zeitung vom
23. 5. 1996, S. 27. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Initiative Telearbeit der
Bundesregierung in: Sozialpolitische Umschau, Ausgabe 43/1996, S. 2-8.

Reichwald, Ralf: Telearbeit und Telekooperation - Arbeitsformen der Informationsgesellschaft,
1996. In: Bundesministerium für Bildung und Forschung 1998:


                                              Teleworking
                                  Eva-Maria Weisser & Ralph Haltermann
                                                05.07.00

				
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