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PPS _Produktionsplanung und -ste

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PPS (Produktionsplanung und -steuerung)

Die PPS unterstützt die gesamte Auftragsabwicklung von der Angebotsbearbeitung bis
hin zum Versand und berührt die betrieblichen Abteilungen Konstruktion, Vertrieb,
Einkauf, Teilefertigung, Montage ( -Fertigung), Ersatzteilwesen und Versand. Damit hat
die PPS zum einen die Aufgabe, in allen ihren Wirkungsbereichen den Prozeß der
Produkterstellung mengen-, termin- und kapazitätsmäßig zu planen und zu steuern. Zum
anderen hat die PPS die Aufgabe, für alle diese Aufgaben die erforderlichen Daten zu
verwalten.
Kurze Lieferzeiten und die Einhaltung zugesagter Termine sind außer dem Preis und der
Qualität der Produkte die wichtigsten Faktoren zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der
Unternehmen. So führen nicht nur mangelhafte technische Qualität der Lieferung zu
Beanstandungen, sondern auch zu spät ausgelieferte Erzeugnisse.

Voraussetzung für die Abgabe und Einhaltung verbindlicher Liefertermine ist ein auf die
betrieblichen Anforderungen abgestimmtes System zur Unternehmenstermin- und -
kapazitätsplanung. Dabei darf nicht allein die Fertigung betrachtet werden, sondern es müssen
auch die vor- und nachgelagerten Bereiche in die Planung einbezogen werden. Für die
einzelnen Wirkungsbereiche heißt dies die Planung und Steuerung - des
Konstruktionsprozesses - des Arbeitsplanungsprozesses- des Teilefertigungs- und
Montageprozesses.

Zum anderen hat die PPS die Aufgabe, alle für die oben genannten Aufgaben erforderlichen
Daten zu verwalten. Diese Daten können Ergebnisse von Funktionen der PPS selbst sein (z. B.
Nettobedarfe eines Teils, Endtermine von Arbeitsgängen oder wirtschaftliche Losgrößen), sie
können aber auch Ergebnisse von Aktivitäten sein, welche zwar in den Wirkungsbereichen der
PPS abgewickelt werden, aber nicht zu den Funktionen der PPS zu rechnen sind (z. B. Stück-
listen als Ergebnis des Konstruktionsprozesses).

Betrachtet man ein Unternehmen unter dem Blickwinkel der Leistungserstellung bzw.
Produktherstellung, lassen sich die Kernbereiche Beschaffung, Produktion und Absatz bzw.
Vertrieb eindeutig gegeneinander abgrenzen. Würde man den Begriff Produktionsplanung und
-steuerung im engen Sinne betrachten, so würde dies bedeuten, daß sich die PPS nur auf den
Kernbereich Produktion beschränkt. Da dies jedoch nicht zutrifft, denn die PPS unterstützt die
Auftragsabwicklung von der Angebotsbearbeitung bis hin zum Versand, kann man im Zusam-
menhang mit PPS auch von einer integrierten Auftragsabwicklung sprechen.

Die PPS stellt somit einen horizontalen Integrationspfad dar, der die Planung und Steuerung des
Auftragsablaufes vom Verkauf bis zum Versand unterstützt. Der Weg der Produktentstehung
wird demgegenüber in dem vertikalen, vorwiegend technischen Integrationspfad von der
Konstruktion bis zur Instandhaltung zusammengefaßt (siehe Bild 1).

In Bild 2 ist die Aufgabenstruktur der PPS dargestellt. Es handelt sich hierbei um das am
Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) entwickelte "Aachener PPS-Modell".
Charakteristisch für alle bisherigen PPS-Modelle ist das aus anderen Konzepten stammende
ressourcenorientierte Sukzessivplanungsverfahren. Dies bedeutet, daß die Ressourcen von
übergeordneten zu untergeordneten Planungsstufen mit zunehmenden Detaillierungsgrad und
abnehmenden Planungshorizont geplant werden. Die Planungsergebnisse einer Stufe sind
Vorgaben für die nächste Stufe. Statt dieser bisher typischen Aufgabenabarbeitung nach lang-,
mittel- und kurzfristigem Planungshorizont, liegt dem neuen PPS-Modell eine vernetzte
Aufgabenstruktur zugrunde.
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Die Hauptaufgaben der PPS gliedern sich in Kern- und Querschnittsaufgaben. Die
Kernaufgaben der PPS sind die Produktionsprogrammplanung, die Produktionsbedarfsplanung,
die Eigenfertigungsplanung und -steuerung und die Fremdbezugsplanung und -steuerung. Die
Hauptaufgaben der PPS, die der bereichsübergreifenden Integration und Optimierung der PPS
dienen, sind von den Kernaufgaben der PPS getrennt und werden als Querschnittsaufgaben
bezeichnet. Querschnittsaufgaben sind die Auftragskoordination, das Lagerwesen und das PPS-
Controlling. Die Datenverwaltung, die die Grundlage für eine Planung und Steuerung bildet,
wird beiden Gebieten zugerechnet, da alle Aufgaben der PPS bei der Ausführung der Aufgaben
auf die Datenverwaltung zurückgreifen.




Bild 1: Das Kreuzmodell der betriebswirtschaftlichen und technischen Integrationspfade




Bild 2: Hauptaufgaben der PPS
Eine rationelle Durchführung der genannten Aufgaben erfordert den Einsatz rechnergestützter
Dispositionsverfahren. Für das gesamte Anwendungsgebiet der PPS werden daher integrierte -
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PPS-Systeme eingesetzt. Diese EDV-Systeme haben mittlerweile die klassischen Hilfsmittel,
wie z. B. Karteikarten, nahezu vollständig abgelöst.
Im Folgenden werden die Hauptaufgaben der PPS vorgestellt. Die Aufgabengliederung der PPS
ist Bild 3 zu entnehmen.




Zunächst werden die Kernaufgaben der PPS erläutert.
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Produktionsprogrammplanung
In der Produktionsprogrammplanung werden die herzustellenden Erzeugnisse nach Art, Menge
und Termin für einen definierten Planungszeitraum festgelegt. Ergebnis ist der hinsichtlich
seiner Absetzbarkeit und Realisierbarkeit abgestimmte Produktionsplan, der verbindlich
festlegt, welche Leistungen in welchen Stückzahlen zu welchen Zeitpunkt produziert werden
sollen.

Die Produktionsprogrammplanung ist eine rollierende Planung, die periodisch, z. B. monatlich
durchgeführt wird. Der Planungshorizont liegt üblicherweise zwischen 0,5 und 2 Jahren. -
Planungshorizont und Planungsgenauigkeit können in Abhängigkeit von den zu planenden
Erzeugnissen jedoch individuell sehr verschieden sein.
Die Planung des Produktionsprogramms ist eng mit der Absatzplanung verbunden, da sich die
geplanten Absatzzahlen nur dann realisieren lassen, wenn die Erzeugnisse auch in den jeweils
erforderlichen Mengen produziert werden können. Somit kann das Produktionsprogramm
zwangsläufig nur in enger Abstimmung zwischen Produktion und Vertrieb entstehen.

Um zu überprüfen, ob das Produktionsprogramm zu einer ausgeglichenen Belastung der
Kapazitäten führt und ob der zu erwartende Materialbedarf gedeckt ist, wird eine grobe
Ressourcenplanung (Ressourcengrobplanung) durchgeführt. Dazu ist der Primärbedarf in Form
einer Deckungsrechnung mit den in der Produktion zur Verfügung stehenden Ressourcen grob
abzustimmen (Primärbedarfsplanung).

Die Produktionsprogrammplanung hat in Abhängigkeit vom vorliegenden Produktionstyp
unterschiedliche Informationsgrundlagen und Aufgabenschwerpunkte. Während im Extremfall
des reinen Einzelauftragsfertigers die Produktionsplanung ausschließlich auf der Basis von
Kundenaufträgen erfolgt, wird bei der rein kundenanonymen Lagerfertigung der
Produktionsplan durch die prognostizierten Absatzerwartungen bestimmt. Sind die von den
Kunden geforderten Lieferzeiten geringer als die Beschaffungszeit (hier verstanden als
Fertigungsdurchlaufzeit bei Eigenfertigung und Wiederbeschaffungszeit bei Fremdbezug), dann
muß bis zu einer bestimmten Produktionsstufe, der sogenannten Bevorratungsebene,
kundenanonym erwartungsbezogen produziert bzw. eingekauft werden.                   In der
Produktionsprogrammplanung werden die entsprechenden Planmengen für die einzelnen
Planungsperioden ermittelt. Oberhalb der Bevorratungsebene wird dann erst bei Vorliegen von
Kundenaufträgen produziert.

Ergebnis einer umfassenden Produktionsprogrammplanung sind einerseits die im
Produktionsplan ausgewiesenen Primäbedarfe und andererseits für den Einkauf ein
Rahmenbeschaffungsplan für ausgewählte Fremdbezugsteile.     Die Rahmen dieser
Hauptaufgabe der PPS anfallenden Aufgaben sind die Absatzplanung, Bestandsplanung,
Primärbedarfsplanung und die Ressourcengrobplanung.

Produktionsbedarfsplanung

Die mittelfristige Produktionsbedarfsplanung hat die Aufgabe, ausgehend von einem zu
realisierenden Produktionsprogramm, die hierzu erforderlichen mittelfristigen Ressourcen zu
planen. Die Produktionsbedarfsplanung erhält als Input den zu realisierenden Produktionsplan,
der das Ergebnis der langfristigen Produktionsprogrammplanung ist. Dort sind bezogen auf
Erzeugnisse oder Erzeugnisbereiche beispielsweise für einen Planungshorizont von einem Jahr
monatlich zu produzierende Mengen vorgegeben. Die mittelfristige Produktionsbedarfsplanung
hat die Aufgabe, die Realisierbarkeit des Produktionsprogramms mit entsprechend geplanten
Beschaffungsprogrammen sicherzustellen.           Die hierbei betrachteten Ressourcen
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(Produktionsfaktoren) sind Betriebsmittel, Material (Sekundärbedarfe), Personal,
Transportmittel etc., d. h. alle Mittel, die in den betrieblichen Produktionsprozeß einfließen.
Aus den Primärbedarfen sind die Bedarfe an Rohstoffen, Teilen und Gruppen abzuleiten.
Weiterhin ist die Zuordnung des Teilebedarfs zur korrekten Beschaffungsart (Fremdbezug/
Eigenfertigung) vorzunehmen.          Schließlich erfolgen die klassischen Aufgaben der
Zeitwirtschaft, wie die Durchlaufterminierung. Diese ermittelt die Start- und Endtermine der
Aufträge und ihrer Arbeitsgänge anhand der in den Arbeitsplänen angegebenen
Bearbeitungszeiten und vergangenheitsbezogenen Übergangszeiten.

Die von der Produktionsbedarfsplanung vorzunehmenden Aufgaben sind die
Bruttosekundärbedarfsermittlung      Nettosekundärbedarfsermittlung     (Bedarfsermittlung),
Beschaffungsartzuordnung         (Produktionsbedarfsplanung),       Durchlaufterminierung,
Kapazitätsbedarfsermittlung (Produktionsbedarfsplanung) und die Kapazitätsabstimmung.

Eigenfertigungsplanung und –steuerung

Die im Rahmen der Produktionsbedarfsplanung gebildeten Fertigungsaufträge sind so
eingeplant, daß dem Planungsergebnis zufolge die Verfügbarkeit der Ressourcen gesichert ist.
Die eingeplanten Fertigungsaufträge enthalten Arbeitsgänge, die in einem oder mehreren
Fertigungsbereichen abzuarbeiten sind.       Durch eine Ressourcenfeinplanung soll die
Verfügbarkeit der erforderlichen Kapazitäten gesichert werden. Durch die Bildung des
Fremdbezugsprogramms werden in der Fremdbezugsplanung und -steuerung Bestellvorgänge
veranlaßt, die die Verfügbarkeit der Fremdbezugsmaterialien sicherstellen sollen.

Die Fertigungsaufträge des Eigenfertigungsprogramms können je nach Fertigungsstruktur die
komplette Fertigung eines Enderzeugnisses oder einer Baugruppe oder einzelne
Arbeitsgangfolgen wie z. B. Montagearbeiten enthalten. Die Arbeitsinhalte sind mit Mengen
und spätesten Endtermin vorgegeben.

In der -Eigenfertigungsplanung und -steuerung werden die Planvorgaben im Rahmen des zur
Verfügung stehenden Dispositionsspielraums detailliert und die Umsetzung kontrolliert. Der
Dispositionsspielraum der Eigenfertigungsplanung ergibt sich aus der Differenz von frühest und
spätest möglichem Beginntermin der Fertigung und der Verteilung der zu fertigenden Mengen
auf die Werkstattaufträge.

Bei der Feinplanung (Feinterminierung) wird die simultane Planung aller am Fertigungsprozeß
beteiligten Ressourcen angestrebt. Zwar ist die simultane Planung von Terminen und
Kapazitäten unter Berücksichtigung einer zu optimierenden Nutzfunktion mathematisch lösbar;
sie ist jedoch mit einem hohen Rechenaufwand verbunden.
Alternativ kann die Planung interaktiv (d. h. in Wechselbeziehungen) durchgeführt werden, so
daß die Erfahrungswerte der Mitarbeiter innerhalb der Feinplanungsvorgangs genutzt werden
können.
Die auf der Basis von immer komplexen werdenden Regeln durchzuführende
Feinplanungstätigkeit wird in besonderem Maße dann notwendig, wenn die Rückmeldedaten
aus der Fertigung Soll-/Istabweichungen anzeigen, die wegen der durch die Störung
verursachten Absenkung des Gesamtnutzens eine Umplanung erzwingen. Diese Umplanungen
sind hinsichtlich des Rechenaufwandes dann problematisch, wenn durch bestehende
Zusammenhänge von Arbeitsgängen viele andere Maschinen und auf ihnen eingelastete
Arbeitsgänge betroffen sind und neu geplant werden müssen.
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Die Erfassung der im Fertigungsbereich anfallenden Rückmeldedaten ist nicht Gegenstand der
Eigenfertigungsplanung und -steuerung. Die steuernden Aufgaben beinhalten lediglich die
Aufbereitung der Rückmeldedaten zur Überwachung der Fertigung und Weitergabe an andere
PPS- und Unternehmensbereiche. Die Überwachungsaufgaben dienen der kurzfristigen
Kontrolle der Fertigung. Ein längerfristig gültiges Bild über das Fertigungsgeschehen wird im
Rahmen des PPS - Controlling ermittelt.

Die Eigenfertigungsplanung und -steuerung beinhaltet die Aufgaben: Losgrößenrechnung
(Losgröße), Feinterminierung, Ressourcenfeinplanung (Eigenfertigungsplanung und -
steuerung),    Reihenfolgeplanung,     Verfügbarkeitsprüfung    ,    Auftragsfreigabe,
Auftragsüberwachung und Ressourcenüberwachung.

Fremdbezugsplanung und –steuerung

Das Beschaffungsprogramm als Ergebnis der Produktionsbedarfsplanung gliedert sich auf in
ein Eigenfertigungs- und Fremdbezugsprogramm. Letzteres ist die Eingangsinformation für die
Fremdbezugsplanung und -steuerung. Hierin ist festgelegt, welche Teile, Baugruppen und
Erzeugnisse bezüglich Menge und Termin zu beschaffen sind.              Der Trend geht in
Produktionsunternehmen zu einer geringeren Fertigungstiefe; immer größere Teile des
Leistungserstellungsprozesses werden ausgelagert. Dadurch erhält die Fremdbezugsplanung
und -steuerung eine immer größere Bedeutung. Rationalisierungspotentiale, die in diesem
Aufgabenbereich erschlossen werden, haben eine überdurchschittlich hohe Auswirkung auf den
gesamten Unternehmenserfolg. Probleme ergeben sich hinsichtlich hoher Lagerbestände, die
unter anderem zu hohen Kapitalbindungskosten sowie zu einem Verdecken von Problemen im
Bereich der Materialdisposition führen. Weiterhin sind Erfordernisse, die sich aus Konzepten
wie Just in Time ergeben, und daraus abzuleitende Anforderungen an die Fremdbezugsplanung
und -steuerung zu berücksichtigen, indem die Produktion häufig lagerlos mit den benötigten
Materialien zu versorgen ist.

Die durchzuführenden Aufgaben der Fremdbezugsplanung und -steuerung sind die
Bestellrechnung, Angebotseinholung/-bewertung, Lieferantenauswahl (Fremdbezugsplanung
und -steuerung), Bestellfreigabe und Bestellüberwachung


Als nächstes werden die einzelnen Querschnittsaufgaben der PPS vorgestellt.

Auftragskoordination
Schwachstellen in Produktionsunternehmen resultieren zumeist aus erheblichen Defiziten
hinsichtlich der Durchgängigkeit des Informationsflusses.      Ursache hierfür ist eine
unzureichende Wahrnehnung des bereichsübergreifenden Auftragmanagements. In dem in Bild
2 dargestellten PPS-Modell werden daher die Aufgaben der Auftragsplanung, -steuerung und -
überwachung zu einer integrierten Auftragskoordination zusammengefaßt.

Wesentliche Aufgabe der Auftragskoordination ist die Abstimmungen der Aktivitäten aller an
der Auftragsabwicklung beteiligten Bereiche und die Synchronisation der Aufgabenerfüllung in
den unterschiedlichen Planungsebenen der PPS. Eine prozeßorientierte, bereichsübergreifende
Grobplanung der Auftragsabwicklung und die permanente Auftragssteuerung und -
überwachung erfolgt mit dem Ziel, die Transparenz der Auftragsabwicklung zu erhöhen.
Weiterhin soll dadurch die Flexibilität bezüglich der Reaktion auf unternehmensinterne und -
externe Störgrößen verbessert werden.            Gleichzeitig werden einerseits objektive
Entscheidungshilfen zur Lösung von Interessenskonflikten zwischen unterschiedlichen
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Fachbereichen bereitgestellt. Andererseits werden diese Entscheidungshilfen zur Ausregelung
der im Unternehmen herrschenden Zielkonflikte hinsichtlich der produktionswirtschaftlichen
Ziele im Sinne einer optimalen und effizienten Erfüllung der Gesamtaufgabe des Unternehmens
bereitgestellt.

Zu diesem Zweck umfaßt die Auftragskoordination alle Aufgaben, die eine integrierte -Planung
und Steuerung der Aufträge erlauben, d. h., hier wird der Auftrag vom Kunden angenommen,
ständig überwacht und abgeschlossen. Alle den Auftragsablauf betreffenden wesentlichen
Informationen müssen vollständig und zwangsläufig an die richtigen Stellen weitergeleitet
werden. Dies beinhaltet die Auftragserfassung, -klärung, die Verfolgung der Kundenaufträge
bzw. der Produktionsaufträge und die Grobplanung von Aufträgen hinsichtlich Terminen,
Kapazitäten, Materialien und Kosten sowie die Versandabwicklung. Weiterhin gehört die
Angebotsbearbeitung in diesen Aufgabenbereich.             In den Wirkungsbereich der
Auftragskoordination fallen damit sowohl klassische Vertriebsaufgaben als auch klassische
Aufgaben der Produktionsprogrammplanung.

An dieser Stelle sei weiterhin angemerkt, daß die Wahrnehmung der Aufgaben im Bereich der
Auftragskoordination betriebstypspezifisch mit unterschiedlicher Intensität erfolgt. So entfällt
bei der kundenanonymen Lagerproduktion der Aufwand für die Angebotsbearbeitung, da die
Erzeugnisse katalogmäßig geführt und vertrieben werden. Die einzelnen Aufgaben der
Auftragskoordination sind die Angebotsbearbeitung, Auftragsklärung, Auftragsgrob-
terminierung, Ressourcengrobplanung und Auftragsführung.

Lagerwesen
Zielsetzung des Lagerwesens ist die korrekte Zuordnung der Lagergüter (Roh-, Hilfs- und
Betriebsstoffe, Teile, Baugruppen, Erzeugnisse usw.) zu Lagerplätzen innerhalb
unterschiedlicher Lagerorte bei der Einlagerung einerseits sowie dem schnellen Auffinden der
Artikel für eine Auslagerung andererseits. Als Abgrenzung zur Produktionsbedarfsplanung, in
der eher planerische und dispositive Tätigkeiten vollzogen werden, haben die genannten
Aufgaben des Lagerwesens einen verwaltenden, beauskunftenden Servicecharakter. Die in der
Bestandssteuerung wahrgenommenen Tätigkeiten (Führung der Lagerbestände) sind
Vorraussetzung für die im Aufgabenbereich Produktionsbedarfsplanung erläuterte Brutto-
/Nettosekundärbedarfsermittlung. Innerhalb eines Produktionsunternehmens kann bezüglich
des Materialflusses entlang der Wertschöpfungskette (Beschaffung, Produktion, Distribution)
unterschieden werden in
- Beschaffungslager (Wareneingangslager, Zubehörteilelager, Rohstofflager, Hilfsstofflager,
  Betriebsstofflager, Reservelager),
- Zwischen- und Fertigwarenlager (Handlager, Zwischenlager Fertigteile) sowie
- Absatz- bzw. Auslieferungsläger (Fertigwarenlager, Versandlager)

Das Lagerwesen umfaßt als Aufgabenbereich innerhalb der PPS die Lagerbewegungsführung,
Bestandssteuerung, Lagerort- und Lagerplatzverwaltung, Chargenverwaltung, Lagerkontrolle
und Inventur.

PPS-Controlling
Im Zuge der Realisierung von Unternehmenszielen ist eine ständige und effiziente Kontrolle
der Angemessenheit der dazu ergriffenen Maßnahmen durch die PPS notwendig. Diese
Situation wird verstärkt durch die zunehmende Geschwindigkeit, mit der sich die
Randbedingungen der Unternehmen verändern. Unter PPS-Controlling ist die gezielte
Regelung der Produktionsplanung und -steuerung zu verstehen. Das PPS Controlling orientiert
sich dabei an den aus den Unternehmenszielen abgeleiteten Zielen für die PPS wie
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Maximierung der Kapazitätsauslastung, Verkürzung der Durchlaufzeiten, Steigerung der
Termintreue, Verringerung der Bestände etc.

Heutige PPS-Systeme sind in der Lage, beliebige Informationen über die Planung und
Steuerung der Produktion im Detail oder aggregiert zur Verfügung zu stellen. Diese
Möglichkeit führt aber nur dann zu einer Verbesserung der Zielerreichung in der PPS, wenn die
bestehenden Planungs- und Steuerungsverfahren Konzepte für die situations- und zielgerechte
Beschaffung und Bewertung von PPS-Daten und die Erarbeitung und Umsetzung von reaktiven
Maßnahmen beinhalten und diese Konzepte durch das PPS System in ausreichender Weise
unterstützt werden.

Das PPS-Controlling wird nicht im Rahmen der Planung und Steuerung von einzelnen
Aufträgen wirksam. Die entsprechenden Aufgaben werden von den Kernaufgaben und
besonders von der Auftragskoordination übernommen.

Produktionswirtschaftliche Ziele, wie beispielsweise kurze Durchlaufzeiten und niedrige
Bestände sind gleichzeitig Zielgrößen für das PPS Controlling.            Eine allgemeine
Vorgehensweise zur Analyse und Bewertung solcher und anderer PPS-Daten ist die
Verwendung von Kennzahlen bzw. Kennzahlensystemen. Weitere Verfahren, mit denen ein
PPS-Controlling durchgeführt wird, hängen von den PPS-Zielen ab. Durchlaufzeiten lassen
sich z. B. besonders übersichtlich durch sogenannte Durchlaufdiagramme darstellen. Die
Aufgaben des PPS-Controlling sind die Informationsaufbereitung, Informationsbewertung und
Konfiguration.

Als letzte Hauptaufgabe der PPS gilt es, die Datenverwaltung vorzustellen.

Die Datenverwaltung stellt das Fundament der PPS dar. Alle unter den Bereichen
Kernaufgaben sowie Querschnittsaufgaben aufgeführten Aufgabenbereiche benötigen zur
Aufgabenerfüllung Daten der PPS. Die Datenverwaltung erstreckt sich auf auftragsneutrale
(terminunabhängige) und auftragsabhängige (terminabhängige) Daten.           Dafür werden
üblicherweise die Begriffe Stamm- und Bewegungsdaten verwendet. Die innerhalb der
Datenverwaltung erstellten, gespeicherten und gepflegten Daten umfassen die Teileverwaltung,
Stücklistenverwaltung,          Arbeitsplanverwaltung,          Produktionsmittelverwaltung,
Plandatenverwaltung, Auftragsverwal-tung, Kundenverwaltung und Lieferantenverwaltung.
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                             Leitfragen zu PPS
Die PPS ist ein wichtiger Aspekt der Logistik. Bitte bearbeiten Sie deshalb den
beiliegenden Text zur Produktionsplanung und - steuerung (PPS) mit Hilfe der
nachfolgenden Leitfragen.

1. Welche Aufgaben hat die PPS ?

2. Welche Kernbereiche lassen sich für die betriebliche Leistungserstellung
   voneinander abgrenzen ?

3. Erläutern Sie, was man unter ressourcenorientierter Sukzessivplanung
   versteht !

4.Unterscheiden Sie zwischen Kern- und Querschnittsaufgaben der PPS !

5. Welche Aufgaben (stichwortartig) verfolgt die Produktionsprogramm-
   planung ?

6. Mit welchen Planungshorizont wird die Produktionsprogrammplanung
   durchgeführt ?

7. Welche Konsequenzen sind zu ziehen, wenn die von Kunden geforderten
   Lieferzeiten geringer sind als die Beschaffungszeit ?

8. Geben Sie anhand eines zu fertigenden Drehteils Beispiele für die
   Produktionsbedarfsplanung an




            Rohteil                                        Fertigteil
9. Geben Sie anhand des Drehteils aus Aufg. 8 Beispiele für eine
   Fertigungsfeinplanung an :
      - Was enthalten die Fertigungsaufträge ?
      - Was muss berücksichtigt werden ?
      - Welche Aufgaben hat die Fertigungsfeinplanung ?
      - Geben Sie ein Beispiel für interaktive Feinplanung

10. Welche Folgen hat eine geringere Fertigungstiefe innerhalb eines
    Unternehmens ?
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Begriffe : Ressourcen, Planungshorizont, Primärbedarf, Sekundärbedarf.


Fallstudie

Ein Kunde fragt bei Ihrem mittelständischen Unternehmen wegen der Fertigung
von 2000 Wellen nach beiliegender Skizze nach.
Sie als verantwortlicher Meister sollen die Produktionsplanung und - steuerung
vornehmen.


1. In welchen Schritten (Teilbereichen) gehen Sie vor ?

Stellen Sie die nachfolgenden zwei Schritte in Form eines Ishikawa - Diagramms
dar :

2. Was müssen Sie u.a. im Bereich der Produktionsprogrammplanung
   berücksichtigen ?

3. Was muss bei der Produktionsbedarfsplanung berücksichtig werden ?


4. Stellen Sie einen Durchlaufplan für das Produkt beispielhaft in Form
   eines Blockdiagramms dar !




                               Zeit

5. Die Firmenleistung möchte auf Eingangs- und Ausgangslager
   verzichten. Welche Folgen ergeben sich daraus für Ihre Planungs-
   tätigkeit, damit eine lagerlose Produktion möglich ist.

				
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