Nutzungsaufgabe auf Landwirtscha

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Nutzungsaufgabe auf Landwirtscha Powered By Docstoc
					Nutzungsaufgabe auf
 Landwirtschaftlichen
Flächen im Berggebiet

            Seminararbeit




              DI Daniel Bogner


                    März 2005
                     Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen
                             Flächen in Berggebieten

                          Zusammenhänge zwischen Standortsparametern
                                      und der Nutzung

                                    Seminararbeit für die Lehrveranstaltung:

                             834.104 Naturschutz in der Kulturlandschaft I

                                       DI Daniel Bogner, Dezember 2004
                                                H 890, 8440136



Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung........................................................................................................................2
2 Gebietsbeschreibung.......................................................................................................3
   2.1 Lage des Gebietes...................................................................................................3
   2.2 Agrarstruktur .........................................................................................................3
   2.3 Flächennutzung ......................................................................................................5
   2.4 Tierbestand..............................................................................................................5
   2.5 Agrarumweltförderungen .......................................................................................5
   2.6 Vegetation...............................................................................................................6
 3 Methoden.......................................................................................................................7
   3.1 Software..................................................................................................................7
   3.2 Nutzungsstromanalyse (Makrov-Chains)................................................................7
   3.3 Digitales Höhenmodell...........................................................................................8
   3.4 Franziszäischer Kataster ........................................................................................8
   3.5 Farborthophotos ...................................................................................................10
   3.6 Nutzungseinheiten.................................................................................................10
   3.7 Nutzungskarten ....................................................................................................11
3 Ergebnisse.....................................................................................................................12
   4.1 Beschreibung der Veränderungen ........................................................................12
      4.1.1 Flächenbilanz................................................................................................12
      4.1.2 Nutzungsstromanalyse...................................................................................12
   4.2 Ursachen für Nutzungsänderung...........................................................................13
   4.3 Auswirkungen der Standortsfaktoren ...................................................................15
      4.3.1 Seehöhe.........................................................................................................15
      4.3.2 Neigung.........................................................................................................18
      4.3.3 Exposition.....................................................................................................20
      4.3.4 Erreichbarkeit................................................................................................21
      4.3.5 Zusammenfassende Aussagen ......................................................................23
   4.4 Prognose künftiger Entwicklung ..........................................................................23
   4.5 Bewertung der Entwicklungen..............................................................................24
4 Literatur........................................................................................................................25
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten




1 Einleitung
Die Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung in Berggebieten ist ein Phänomen, das seit
Jahrzehnten zu beobachten ist. Die „Driving forces“ hinter diesem Phänomen sind die
Mechanisierung in der Landwirtschaft und der sogenannte Strukturwandel, der sich in vielen
Mitteleuropäischen Ländern vollzieht (Zanetti, 1999). Die vorliegende Arbeit beleuchtet
Ursachen in einem kleinen Gebiet in Österreich – in der Gemeinde Zell in Kärnten.
Die Gemeinde Zell liegt im Süden Kärntens und grenzt an Slowenien. Die Grenze zwischen
Österreich und Slowenien bildet die Koschuta, ein nach Norden steil abfallender Gebirgszug
aus Kalk, der Teil der Karawanken ist. Die Landwirtschaft hat in Teilen der
strukturschwachen Gemeinde eine dramatische Entwicklung hinter sich. In den letzten
Jahrzehnten wurde auf vielen Flächen die landwirtschaftliche Nutzung aufgegeben. Diese
Flächen sind heute verbracht oder aufgeforstet. Ganze Täler, die um 1830 flächendeckend
bewirtschaftet wurden, sind heute großteils bewaldet.




 Die extensive Grünlandnutzung der landwirtschaftlichen Flächen prägt die Landschaft der Gemeinde und
            bedingt, dass ein großer Teil der Wiesen sehr artenreich ist (Berchtold et al., 1993).
Diese Arbeit soll zeigen, wie und warum sich Nutzung in der Gemeinde in den letzten
Jahrzehnten verändert hat, wie sich das auf die Landschaft auswirkt und welche Bedeutung
das aus der Sicht des Naturschutzes hat.



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2 Gebietsbeschreibung
Dieser Abschnitt gibt zunächst einen Überblick über die Agrarstruktur in der Gemeinde, dann
werden relevante Datensätze für die Analyse der Nutzungsveränderungen vorgestellt.

2.1 Lage des Gebietes
Die folgende Karte ist ein Ausschnitt aus der ÖK 200, Quelle: Austrian MAP 2.0.




                    Die Gemeinde Zell Pfarre liegt etwa 25 km südlich von Klagenfurt.


2.2 Agrarstruktur
Nach der Neuabgrenzung der Kleinproduktionsgebiete (Wagner, 1990) liegt die Gemeinde
Zell im Gebiet 301 – Unteres Gailtal und Karawanken; hier dominieren kombinierte Betriebe
und Forstbetriebe, daneben kommen auch Futterbaubetriebe vor. Die Betriebsgrößen liegen
unter dem Landesdurchschnitt. Die ökologische Gesamtbewertung nach Wagner lautet:
Teilweise felsdurchsetzte, sehr steile Hänge mit begrenzten Nutzungsmöglichkeiten; mäßig
feuchte und winterkalte Lagen.




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                                            Fläche der Betriebe in ha

                25.0



                20.0



                15.0
         ha




                                                                                           Fläche in ha

                10.0



                 5.0



                 0.0
                       0   10          20           30         40        50          60
                                                 Betriebe




 Die Grafik zeigt die Größenverteilung der Betriebe in Zell. Jeder Punkt repräsentiert einen Betrieb. Quelle:
                                       INVEKOS, 2003, BMLFUW.



                                  Berghöfekatasterpunkte der Betriebe

                400

                350

                300

                250
         BHKP




                200                                                                             BHKP

                150

                100

                 50

                  0
                       0    10          20               30         40        50          60
                                                   Betriebe




     Die Grafik zeigt die Einstufung der Betriebe nach dem Berghöfekataster. Quelle: INVEKOS, 2003.



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Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten



Aus den beiden Tabellen geht hervor, dass in der Gemeinde knapp 60 Betriebe wirtschaften,
die Betriebe über 2,5 bis 25 ha LN verfügen (Mittelwert 10,2 ha) und zwischen 100 und 350
Berghöfekatasterpunkte (Mittel 212) haben.

2.3 Flächennutzung
Die folgende Tabelle zeigt, dass Ackernutzung in der Gemeinde kaum mehr vorkommt. Das
eine Hektar Ackerfläche in der Tabelle stammt von einigen sogenannten „Krautäckern“, bei
denen es sich um Gemüse- und Kartoffeläcker für die Eigenversorgung handelt.

                               Nutzung                        ha
                               Acker                            1
                               Grünland 1-schnittig           118
                               Grünland 2-schnittig           298
                               Kulturweide                    43
                               Hutweide                       47
                               Alm                            345
                               LN                             852

   Im Gebiet dominiert extensive Grünlandnutzung. Quelle: Agrarstrukturerhebung 1999. Zur Verfügung
                                        gestellt vom BMLFUW.


2.4 Tierbestand
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Tiere, die in der Gemeinde gehalten werden.

Tierklasse                        GVE               Rinder                               Anzahl
Enten                               0,1             Jungrinder bis 1 Jahr                    142
Hühner                              1,9             Milchkühe                                15
Pferde                              7,0             Mutterkühe                               170
Ziegen                            10,2              Kalbinnen                                35
Schweine                          14,3              Stiere und Ochsen ab 1 Jahr              55
Schafe                            33,0
Rinder                           313,1

              Landwirtschaftliche Tierhaltung in der Gemeinde Zell. Quelle: INVEKOS, 2003.


Die Tabelle zeigt, dass die übliche Form der Tierhaltung Mutterkuhhaltung ist. Nur noch ein
Betrieb hat ein Milchkontingent von 1500 l D-Quote, die genannten Milchkühe dienen dem
Eigenbedarf.

2.5 Agrarumweltförderungen
Die folgende Tabelle unterstreicht, dass die Grünlandwirtschaft im Gebiet sehr extensiv
betrieben wird, weil:


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•   fast zwei Drittel der Betriebe am Verzicht auf Betriebsmittel teilnehmen
•   ein Drittel an der Steilflächenmahd (Offenhaltung der Kulturlandschaft) teilnimmt
•   fast ein Viertel der Fläche unter WF-Vertrag (Pflege ökologisch wertvoller Flächen) steht
    (dabei handelt es sich auch um Steilflächen ).

ÖPUL-Text                                                              Fläche        Prämie
Grundförderung                                                             429.54      € 28.982,01
Biologische Wirtschaftsweise                                                55.88      € 11.078,56
Verzicht Betriebsmittel Grünland                                          269.09       € 38.660,00
Verzicht Betriebsmittel Acker                                                0.35             € 76,31
Reduktion Betriebsmittel Grünland                                           23.47       € 1.706,17
Offenhaltung der Kulturlandschaft                                         131.23       € 26.681,52
Alpung und Behirtung                                                      359.24       € 10.609,33
Haltung gefährdeter Haustierrassen                                           1.00         € 174,41
Pflege ökologisch wertvoller Flächen                                        93.49      € 45.447,00
Summe                                                                                 € 163.415,32

        Übersicht über die Flächenförderungen in ÖPUL 2000. Quelle: INVEKOS, 2003; BMLFUW.



2.6 Vegetation
Im Zuge der Kulturlandschaftskartierung Zell (Berchtold, 1993) wurden Vegetationsauf-
nahmen erstellt und die Ergebnisse händisch in einer Tabelle sortiert. Daraus wurden Wiesen-
typen mit charakteristischen Arten (Zeigerarten) gebildet.
Die Wiesen werden in dieser Arbeit in vier Intensitätsstufen unterteilt:
•   überdüngte Fettwiese:
    •   Vorkommen im Gebiet 4 ha; vereinzelte Stellen
    •   mittlere Neigung: 0 Grad
    •   mittlere Artenzahl:16
    •   charakteristische Pflanzenarten: Rumex obtusifolius, Anthriscus sylvestris
•   intensive Fettwiese:
    •   Vorkommen im Gebiet 143 ha; Gunstlagen, zweischnittig mit Nachbeweidung
    •   mittlere Neigung: 12 Grad
    •   mittlere Artenzahl: 24
    •   charakteristische Pflanzenarten: Taraxacum officinale, Poa trivialis, Cerastium holos-
        teoides, Pumex acetosa, Bellis perennis, Festuca pratensis, Myosotis sylvatica agg.




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•    extensive Fettwiese:
     •   Vorkommen im Gebiet: 186 ha; Hanglagen, ein bis zweischnittig, gering und unregel-
         mäßig gedüngt; artenreiche Gold- und Glatthaferwiesen
     •   mittlere Neigung: 26 Grad
     •   mittlere Artenzahl: 37
     •   charakteristische Pflanzenarten: Arrhenaterum elatius, Salvia pratensis, Crepis biennis,
         Myosotis scorpioides, Tragopogon orientalis, Pimpinella major, Holcus lanatus, Poa
         pratensis
•    Magerwiesen:
     •   Vorkommen im Gebiet: 101 ha; einschnittige Mähwiesen mit Handmahd und Weiden
     •   mittlere Neigung: 64 Grad
     •   mittlere Artenzahl: 54
     •   charakteristische Pflanzenarten: (gefährdete Arten nach Kniely et al. (1995), gelb her-
         vorgehoben) Agrostis capillaris, Antennaria dioica, Anthyllis vulneraria, Aquilegia
         nigricans, Arnica montana, Astrantia major ssp. carinthiaca, Buphtalmum salicifo-
         liuim, Calluna vulgaris, Carlina acaulis, Cirsium erisithales, Cruciata glabra, Dacty-
         lorhiza maculata, Dactylorhiza sambucina (3), Festuca rubra, Gentiana verna (reg:
         Tieflagen), Gymnadenia conopsea, Helianthemum ovatum, Hypericum maculatum, Ko-
         eleria pyramidata, Laserpitium latifolium, Lilium martagon, Luzula campestris, Melica
         nutans, Phyteuma orbiculare, Polygonum vivparum, Potentilla erecta, Thymus praecox
         ssp. polytrichus, Tofieldia calyculata, Trifolium montanum, Trollius europaeus (regio-
         nal),Vaccinium myrtillis.

    3 Methoden

3.1 Software
Die Verarbeitung der GIS-Daten (folgende Kapitel) erfolgte mit den Systemen ArcGIS 8.2
(www.esri.com) und Idrisi Kilimanjaro (www.clarklabs.org). In den beiden Systemen wurden
folgende Aufgaben erledigt:
•    ArcGIS: Digitalisierung der Nutzungsarten von Luftbild und Franziszäischem Kataster
•    Idrisi: Umwandlung der ArcGIS-Daten in Raster-Format, Verschneidungen der
     Nutzungsarten mit den Standortsparametern (digitales Höhenmodell, Distanzen) sowie
     Markov-Analyse und Cellular-Automata-Markov-Prognose;

3.2 Nutzungsstromanalyse (Makrov-Chains)
Die Markov-Chain-Analyse ist eine verbreitete Methode, um Veränderungen in der
Landnutzung zu bearbeiten (Eastman, 2003). Das GIS-Paket Idrisi bietet die Möglichkeit mit
dem Modul „Markov“, zwei Karten von Flächennutzungen miteinander zu vergleichen. Dabei
wird unter anderem eine Matrix erzeugt, die die Wahrscheinlichkeit beschreibt, dass eine
Nutzungform in eine andere übergeht.


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3.3 Digitales Höhenmodell
Das digitale Höhenmodell (DHM) wurde vom Amt der Kärntner Landesregierung zur
Verfügung gestellt. Es hat eine Pixelgröße von 25 x 25 m. Damit steht der Parameter Seehöhe
direkt zur Verfügung, Neigung und Exposition lassen sich aus dem Höhenmodell ableiten.




Digitales Höhenmodell mit Gemeindegrenze

3.4 Franziszäischer Kataster
Der Franziszäische Kataster (FK) wurde um 1830 flächendeckend in der gesamten
Donaumonarchie angelegt, um über Grundlagen für die Besteuerung zu verfügen. Damals
wurden Gebiete zu räumliche Einheiten, den Katastralgemeinden zusammengefasst. Jede
Katastragemeinde besteht aus zahlreichen Parzellen (Grundstücken), die alle eindeutlig
nummeriert sind. Der FK setzt sich im wesentlichen aus zwei Teilen zusammen:
•   Indikationsskizzen: Karten, auf den denen Grundstücksgrenzen, Grundstücksnummern,
    Nutzungsarten, Namen etc. eingezeichnet sind
•   Schätzungselaborate: Detaillierte Beschreibung des Besitzers, der Nutzung, des Ertrags
    jeder Parzelle.
Die Indikationsskizzen der Gemeinde Zell (drei Katastralgemeinden) wurden im Landesarchiv
Kärnten eingescannt und digital zur Verfügung gestellt.




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Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten




               Ausschnitt aus den Indikationsskizzen des Franziszäischen Katasters um 1830


Der Ausschnitt zeigt ein charakteristisches Bild der Nutzung anno 1830:
•   hellbraun: Ackerflächen; sie befinden sich meist in der Nähe der Höfe und umfassen die
    besten Flächen (flach und tiefgründig)
•   grün: Wirtschaftsgrünland mit mäßiger Düngung
•   hellgrün: Magerweiden mit einzelnen Gebüschgruppen; in höheren Lagen: Almweiden
•   grau: Wald
•   rosa: Hofgebäude aus Stein
•   gelb: Hofgebäude aus Holz




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Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten



3.5 Farborthophotos
Seit 2004 liegen flächendeckend für Österreich Farborthofotos mit einer Auflösung von 25 cm
vor. Das folgende Bild zeigt etwa den Ausschnitt wie der Franziszäische Kataster oben.




                                 Ausschnitt aus einem Farborthofoto, 2003


3.6 Nutzungseinheiten
Aus den beiden Datengrundlagen (Franziszäischer Kataster und Farborthofotos) wurden im
GIS homogene Nutzungseinheiten abdigitalisiert. Dabei musste darauf geachtet werden, dass
die landwirtschaftlichen Nutzungseinheiten zu 1830 mit denen von 2003 vergleichbar sind:
•   Ackernutzung: die Fläche wird regelmäßig umgebrochen und eine Kultur wird gezielt
    angebaut
•   Grünlandnutzung: Wiesen mit regelmäßiger Düngung, meist 2 Schnitte pro Jahr und
    Nachbeweidung im Herbst
•   Extensivnutzung: Wiesen und Weiden, meist ohne Düngung (ausgenommen auf Weiden
    sind die Ausscheidungen der Tiere)
•   Alm: Flächen, die wegen ihrer räumlichen Entfernung von den Heimgütern und der durch
    die Höhenlage bedingten klimatischen Verhältnisse nur während der Sommermonate zu
    einer weidewirtschaftlichen Nutzung geeignet sind.


Das Ergebnis der Digitalisierung sind die im folgenden Abschnitt dargestellten Karten.




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Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten




3.7 Nutzungskarten
Die Gegenüberstellung der Nutzungskarten zu den zwei Zeitpunkten 1830 und 2003
veranschaulicht die starke Veränderung in der Gemeinde.




            Karte der Flächennutzung um 1830. Rotes Kasterl zeigt den Ausschnitt des Beispiels




                  Karte der Nutzung 2003. Rotes Kasterl zeigt den Ausschnitt des Beispiels
Besonders betroffen von der Verwaldung ist der Westen des Gebietes und die Almen. Eine
Analyse dieser Veränderungen folgt im nächsten Abschnitt.



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Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten




3 Ergebnisse
Nach der Aufbereitung der Daten im GIS lagen die landwirtschaftlichen Nutzungsarten in der
Gemeinde zu zwei Zeitpunkten vor. Damit lassen sich Veränderungen beschreiben und
mögliche Ursachen für Veränderungen untersuchen.

4.1 Beschreibung der Veränderungen
Wie bereits aus den vorangestellten Karten zu sehen ist, hat sich zwischen 1830 und 2003 die
Landschaft stark verändert. Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Fläche wurde zu Wald.
Auch zwischen den Nutzungsarten haben Verschiebungen stattgefunden.

4.1.1 Flächenbilanz
Die nächste Tabelle gibt eine Übersicht über die Veränderungen zwischen 1830 und 2003.

Nutzung                                     1830, Fläche in ha                    2003, Fläche in ha
Acker                                               267                                    1
Extensivflächen                                     599                                   324
Grünland                                            478                                   174
Alm                                                1003                                   112
Wald                                               4251                                   5987

                       Änderung der Flächennutzung. Quelle: eigene Berechnungen

4.1.2 Nutzungsstromanalyse
Aus der vorigen Tabelle wird nicht ersichtlich, wie Veränderungen zwischen Nutzungsarten
stattfinden („Nutzungsstrom“).
Die nächste Tabelle zeigt die Anwendung der Markov-Analyse in unserem Fall.
Beispielsweise ist die Wahrscheinlichkeit, dass Extensivnutzung zum Zeitpunkt 1830 bis zum
Zeitpunkt 2003 in Waldnutzung übergeht 90 %.


                  Extensiv          Hof             GL            Acker             Alm          Wald
Extensiv              7               1              2               0                0           90
Hof                   18             72              10              0                0            0
GL                    43              5              20              0                0           32
Acker                 67              2              31              0                0            0
Alm                   0               0              0               0               19           81
Wald                  1               0              0               0                0           99


            Übergangswahrscheinlichkeiten zwischen Nutzungsarten 1830 und 2003 in Prozent.




                                                     12
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten



Zur Veranschaulichung dient folgende Grafik (je größer ein Kästchen, umso größer die
Wahrscheinlichkeit):


                 Extensiv           Hof             GL           Acker            Alm        Wald


    Extensiv


      Hof


      GL


     Acker


      Alm


     Wald

        Übergangswahrscheinlichkeiten zwischen Nutzungsarten 1830 und 2003, grafisch dargestellt


Aus dieser Analyse lassen sich folgende Aussagen ableiten:
•    Extensivflächen (Magerwiesen) gehen zu einem großen Anteil in Wald über;
•    Hofstellen sind sehr stabil; manche Höfe gehen in Grünland und Extensivnutzung über.
     Wenn ein Betrieb aufgelassen und von einem anderen übernommen wird, kann es
     vorkommen, dass die Gebäude verfallen und schließlich eingeebnet werden.
•    Grünland wird extensiviert oder geht in Wald über, nur ein Fünftel der Fläche von 1830 ist
     auch heute noch Grünland
•    Ackerflächen gehen völlig in Extensivgrünland und Grünland über
•    Almflächen verwalden zu einem großen Teil
•    Waldflächen sind stabil



4.2 Ursachen für Nutzungsänderung
Nachdem wir im vorigen Abschnitt gesehen haben, wie die Änderungen der
Flächennutzungen aussehen, stellt sich nun die Frage, welche Ursachen dahinter stehen.


                                                     13
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten



Mayer (1997) beschäftigt sich vor allem mit sozio-ökonomischen Faktoren, die sich auf die
Nutzungsintensität auswirken und kommt hinsichtlich der äußeren und inneren Verkehrslage
zum Ergebnis, dass:
•   abseits gelegene Betriebe extensiver wirtschaften
•   weit abgelegene Flächen extensiver bewirtschaftet und eher beweidet werden als gemäht
•   große Flächen intensiver genutzt werden als kleine


Favry et al. (2003) nennen „Driving-Forces“ wie Preisentwicklung am europäischen
Agrarmarkt und EU-Agrarförderungen, die maßgeblich auf Landschaft wirken.


Niederle (2003) zeigt, dass Ursachen für die Bewirtschaftungsaufgabe meist aus einer
Kombination mehrerer Faktoren bestehen:
•   wirtschaftliche Gründe: man kann mit der Zeit, die man braucht, um eine Fläche zu
    bewirtschaften, wo anders mehr verdienen (bzw. leichter verdienen)
•   agrarstrukturelle Gründe: je schwieriger eine Fläche zu bewirtschaften ist (Steil, nass, kalt,
    entfernt vom Hof, etc), umso wahrscheinlicher ist die Aufgabe der Nutzung
•   soziale Gründe: negatives Image der LW, schwierigkeiten einen Partner für den Hof zu
    finden, Arbeitsbelastung, kein Urlaub führen dazu, dass die Nutzung aufgeben wird.
Bestätigt wird diese Aussage zumindest hinsichtlich der wirtschaftlichen Gründe von Zanettti
(1999): die Wahrscheinlichkeit eines Nutzungswechsels ist umso größer, je weniger eine
Fläche in der Lage ist, eine befriedigende Grundrente zu liefern. Wenn etwa der
Bewirtschafter der Ansicht ist, dass bei einer forstlichen Nutzung die Grundrente jene
übersteigt, die aus der landwirtschaftlichen erzielt werden kann, wird es zu einer Aufforstung
kommen.




                                                     14
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten




   Wirtschaftliche
   Gründe               Erträge


                     Förderungen                             Futtermittel
                                                               zukauf        Einkommen
                                                                                                 Landschaft
    Strukturelle
                                                                            Ertrag und DB
    Gründe           Erreichbarkeit       Betrieb                                                Vegetation
                                                              Nutztiere
                      Standorts-                                            Nährstoffbilanz
                       Potential                             LW Flächen-
                                                              Nutzung
    Soziale
                        Arbeits
    Gründe
                       belastung

                        Urlaub




                      Faktoren, die sich über die Bewirtschaftung auf die Landschaft auswirken


In dieser Arbeit soll auf agrarstrukturelle Faktoren näher eingegangen werden. Dabei sind
Zusammenhänge zwischen den Parametern Seehöhe, Steilheit, Exposition, Erreichbarkeit
vom Hof (innere Verkehrslage) und den Nutzungsarten Acker, Wirtschaftsgrünland,
Extensivgrünland, Alm und Wald näher zu betrachten.

4.3 Auswirkungen der Standortsfaktoren
Die folgenden Vergleiche der Standortsfaktoren mit den Nutzungsarten basieren auf
Auswertung im GIS mit dem Modul „Crosstab“. Dabei werden die Standortsparameter (z.B.
Seehöhe) in Klassen eingeteilt (etwa 500-600m, 600-700m, etc) und dann mit den
Nutzungskarten verglichen. Das Ergebnis ist eine Kreuztabellierung der Nutzungsarten mit
dem jeweiligen Standortsparameter.
Diese Ergebnisse wurden vom GIS in MS-Excel importiert und aufbereitet.

4.3.1 Seehöhe
Die Seehöhe ist relevant in der Landwirtschaft, weil mit zunehmender Seehöhe das Klima
kühler und die Vegetationsperiode kürzer wird.




                                                        15
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten




                                                                1830: Nutzung - Seehöhe

                                0.60


                                0.50
           Prozent der Fläche




                                0.40                                                                                Extensiv
                                                                                                                    Grünland
                                0.30                                                                                Acker
                                                                                                                    Alm
                                0.20                                                                                Wald


                                0.10


                                0.00
                                                                  m

                                                            12 m

                                                            13 m

                                                            14 m

                                                            15 m
                                                                  m

                                                            17 m

                                                            18 m

                                                            19 m

                                                            20 m

                                                            21 m
                                                                  m
                                              m
                                       m



                                                     m

                                                                  m

                                                            10 m
                                     0

                                              0

                                                     0

                                                            0

                                                                0
                                                               00

                                                               00

                                                               00

                                                               00

                                                               00

                                                               00

                                                               00

                                                               00

                                                               00

                                                               00

                                                               00

                                                               00
                                           60



                                                         80

                                                             90
                                  50



                                                  70




                                                            11




                                                            16




                                                                      Seehöhe




                                   Vergleich der Flächennutzungen mit der Seehöhe (relative Flächenangaben) anno 1830

                                                                2003: Nutzung - Seehöhe

                                0.90

                                0.80

                                0.70
   Prozent der Fläch




                                                                                                                   Extensiv
                                0.60
                                                                                                                   Grünland
                                0.50                                                                               Acker
                                                                                                                   Alm
                                0.40
                                                                                                                   Wald
                                0.30

                                0.20

                                0.10

                                0.00
                                                          m

                                                          m

                                                          m

                                                          m

                                                          m

                                                          m

                                                          m

                                                          m

                                                          m

                                                          m

                                                          m

                                                          m
                                       m

                                             m

                                                          m

                                                          m
                                                       00

                                                       00

                                                       00

                                                       00

                                                       00

                                                       00

                                                       00

                                                       00

                                                       00

                                                       00

                                                       00

                                                       00
                                   0

                                             0

                                                    0

                                                        0
                                 60

                                           70

                                                  80

                                                      90

                                                     10

                                                     11

                                                     12

                                                     13

                                                     14

                                                     15

                                                     16

                                                     17

                                                     18

                                                     19

                                                     20

                                                     21




                                                                      Seehöhe



                                   Vergleich der Flächennutzungen mit der Seehöhe (relative Flächenangaben) anno 2003




                                                                           16
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten



Interpretation:
Aus der Grafik wird deutlich, dass 1830 die Acker- und Grünlandnutzung zwischen 700m und
1200m Seehöhe stattgefunden hat. Die Extensivnutzung reichte von etwa 600m bis 1500m,
erstreckte sich also über ein breiteres Spektrum. Die Almen waren deutlich davon abgesetzt.
Der Wald ist sehr gleichmäßig verteilt.
Vergleich zur heutigen Situation:
•   Im Wesentlichen hat sich an der Möglichkeit der Nutzungen nichts verändert. Auch heute
    kann Ackerbau bis in eine Höhenlage von 1200 m Seehöhe betrieben werden. Allerdings
    nehmen mit der Steilheit die variablen Kosten zu und machen den Ackerbau zur
    Kraftfuttererzeugung in Hanglagen unrentabel.
•   Grünland und Extensivnutzung finden auch heute in der gleichen Seehöhe statt wie 1830
•   Almen liegen auch heute deutlich höher als der Heimbetrieb


Man kann daher zum Schluß kommen, dass die Seehöhe keinen starken Einfluß auf die
Veränderungen hat.




                                                     17
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten




4.3.2 Neigung
Die folgenden Grafiken zeigen die Kreuztabellierung der Nutzung mit der Neigung.

                                                                                   1830: Nutzung - Neigung

                                    0.07


                                    0.06
   Prozent der Fläch




                                    0.05
                                                                                                                                                                Extensiv
                                    0.04                                                                                                                        Grünland
                                                                                                                                                                Acker
                                    0.03                                                                                                                        Alm
                                                                                                                                                                Wald
                                    0.02


                                    0.01


                                    0.00
                                                          2

                                                                 6

                                                                        0

                                                                               4

                                                                                      8




                                                                                                    6




                                                                                                                  4




                                                                                                                                2




                                                                                                                                              0

                                                                                                                                                     4

                                                                                                                                                            8
                                                                                             2




                                                                                                           0




                                                                                                                         8




                                                                                                                                       6
                                      g0

                                            g4

                                                  g8

                                                       g1

                                                              g1

                                                                     g2

                                                                            g2

                                                                                   g2

                                                                                          g3

                                                                                                 g3

                                                                                                        g4

                                                                                                               g4

                                                                                                                      g4

                                                                                                                             g5

                                                                                                                                    g5

                                                                                                                                           g6

                                                                                                                                                  g6

                                                                                                                                                         g6
                                                                                          Neigung in Grad


                                            Vergleich der Flächennutzungen mit der Neigung (relative Flächenangaben) 1830


                                                                                   2003: Nutzung - Neigung

                                    0.09

                                    0.08

                                    0.07
               Prozent der Fläche




                                    0.06
                                                                                                                                                                Extensiv
                                    0.05                                                                                                                        Grünland
                                                                                                                                                                Acker
                                    0.04                                                                                                                        Alm

                                    0.03                                                                                                                        Wald

                                    0.02

                                    0.01

                                    0.00
                                                     2

                                                     6

                                                     0

                                                     4

                                                     8

                                                     2

                                                     6

                                                     0

                                                     4

                                                     8

                                                     2

                                                     6

                                                     0

                                                     4

                                                     8
                                             g4
                                       g0



                                                   g8
                                                  g1

                                                  g1



                                                  g2




                                                  g3



                                                  g4

                                                  g4



                                                  g5

                                                  g6



                                                  g6
                                                  g2



                                                  g2

                                                  g3



                                                  g4




                                                  g5




                                                  g6




                                                                                          Neigung in Grad


                                            Vergleich der Flächennutzungen mit der Neigung (relative Flächenangaben) 2003.




                                                                                                        18
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten



Anm: die Ackernutzung wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit zum Zeitpunkt 2003
ausgeblendet.
Interpretation: Generell lässt sich aus den Grafiken bei allen Nutzungsformen eine
Verschiebung zur Bewirtschaftung von weniger steilen Flächen ablesen (ausgenommen davon
ist der Wald). Ursache dafür sind vor allem die hohen Kosten für den Einsatz von Maschinen
in Hanglagen, bzw. der eingeschränkte Einsatz von Maschinen durch die Steilheit (Greimel et
al., 2002; Greimel, 2002).
•   Ackerbau
    •   in früherer Zeit wurden Flächen bis zu 38 Grad Neigung ackerbaulich genutzt.
    •   heute wirkt die Neigung stark einschränkend, weil die Maschinen maximal bis zu 10
        Grad Neigung einsetzbar sind (Traktor, Mähdrescher). Außerhalb der
        Maschineneinsetzbarkeit findet eine Ackernutzung nicht mehr statt.
•   Grünland:
    •   1830 wurden steilere Flächen (bis 40 Grad) gemäht als heute
    •   in der Grünlandnutzung werden im Bergebiet heute spezielle Maschinen eingesetzt
        (Mähtrak und Motormäher) die eine Nutzung bis 20 Grad erlauben; Dabei steigt der
        Arbeitsaufwand mit der Steilheit überproportional an. Über 20 Grad Neigung ist nur
        noch Handmahd möglich, die wegen des großen Zeitaufwandes auf größeren Flächen
        kaum stattfindet.
•   Extensivnutzung
    •   eine deutliche Verlagerung in flachere Bereiche ist zu erkennen. Das ist zum Teil auf
        den einschränkenden Einsatz von Maschinen zurückzuführen. Bei Hutweiden trifft das
        jedoch nicht zu.
•   Almen
    •   Die Almen haben insgesamt einen starken Rückgang erfahren. Dabei ist zu bedenken,
        dass Almen in keine andere Nutzungsform übergehen außer Wald. Auch hier wurden
        eher die steilen Flächen aufgegeben.
Es gilt:
•   Mit der Steilheit nehmen die Maschinenkosten in der Bewirtschaftung stark zu. Damit
    gewinnt die Rentabilität der Nutzung einen großen Einfluß. Je steiler eine Fläche ist, umso
    größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie extensiviert oder aufgegeben wird.
•   Flächen über bestimmten Neigungen können mit Maschinen überhaupt nicht mehr genutzt
    werden.




                                                     19
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten




4.3.3 Exposition
Die Exposition ist die Lage einer Fläche hinsichtlich der Himmelsrichtungen. Die Grafiken
zeigen die Kreuztabellierung zwischen Nutzung und Exposition.

                                            1830: Nutzung - Exposition


                                                                     N
                                                    1
                                                  0 .     6    0




                                    N             0 .
                                                    1     4    0
                                                                                   nne
                                                    1
                                                  0 .     2    0




                                                     1
                                                   0 .        0 0




                       nnw                                                                       nee
                                                     0
                                                   0 . 8       0




                                                     0
                                                   0 . 6       0




                                                   0 . 4
                                                     0         0
                                                                                                               Extensiv
                 nww                                 0
                                                   0 . 2       0


                                                                                                          E    Grünland
                                                        0 . 0 0
                                                          0



                                                                                                               Acker
                                                                                                               Alm
                                                                                                               Wald
                    W                                                                                    ees



                              a8                                                          ess

                                            a7                                S




            Vergleich der Flächennutzungen mit der Exposition (relative Flächenangaben) 1830


                                             2003: Nutzung - Exposition


                                                                          N
                                                                     .
                                                                     1
                                                                    0 4



                                        N                           0 2
                                                                     .
                                                                     1
                                                                                   nne

                                                                     .
                                                                     1
                                                                    0 0




                              nnw                                   08
                                                                    .0                         nee
                                                                    .0
                                                                    06




                                                                    04
                                                                    .0                                          Extensiv
                        nww                                         .
                                                                    02
                                                                     0
                                                                                                     E          Grünland
                                                                     00
                                                                     .0
                                                                                                                Acker
                                                                                                                Alm
                                                                                                                Wald
                          W                                                                      ees



                                sww                                                      ess

                                            ssw                               S




            Vergleich der Flächennutzungen mit der Exposition (relative Flächenangaben) 2003



                                                                              20
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten




Interpretation:
•   Besonders auffällig ist 1830 die Ausrichtung der Ackerflächen nach Süden, da diese
    Flächen eine höhere Jahresmitteltemperatur, eine längere Vegetationsperiode haben, das
    Getreide zur Zeit der Ernte trockener ist als auf schattigen Standorten und die Gefahr von
    Pilzinfektionen in sonnigen Lage auch geringer ist (Geisler, 1988).
•   Der Verleich der Nutzung 2004 mit der Exposition lässt keinerlei Präferenzen erkennen.
    Dieser Faktor spielt in der Landwirtschaft heute keine so große Rolle mehr, weil durch den
    Einsatz moderner Technologien dieser Standortsfaktor teilweise wettgemacht wird.
    Interessant ist jedoch, dass die Extensivflächen heute in einem sehr ähnlichen Bereich
    liegen, wie die Ackerflächen 1830. Das deckt sich auch mit der Nutzungsstromanalyse.

4.3.4 Erreichbarkeit
Die Erreichbarkeit einer Fläche vom Hof (innere Verkehrslage) ergibt sich aus Entfernung
(Luftline) und den Schwierigkeiten, die zu überwinden sind (Steilheit, Wegbeschaffenheit),
wenn die Fläche erreichen will. Mit GIS lässt sich die Erreichbarkeit modellieren, indem man
ausgehend von den Höfen die euklidische Distanz berechnet und dann diese Distanzen mit der
Neigung kombiniert. So erhält man den Aufwand, der notwendig ist, um ausgehend von
einem Punkt einen anderen Punkt zu erreichen.




    Erreichbarkeit von Flächen ausgehend von den Höfen. Die Einheit der Erreichbarkeit (Legende) sind
                                            relative Zahlen




                                                     21
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten




                                         1830: Nutzung - Erreichbarkeit

              0.600


              0.500


              0.400
                                                                                                        Extensiv
    Prozent




                                                                                                        Grünland
              0.300                                                                                     Acker
                                                                                                        Alm

              0.200                                                                                     Wald



              0.100


              0.000
                                                   0


                                                          2


                                                                    4


                                                                            6


                                                                                    8


                                                                                            0


                                                                                                    2
                        c2




                                    c6
                  c0




                              c4




                                           c8


                                                 c1


                                                        c1


                                                                  c1


                                                                          c1


                                                                                  c1


                                                                                          c2


                                                                                                  c2
                                                  Erreichbarkeit



                Vergleich der Flächennutzungen mit der Erreichbarkeit (relative Flächenangaben) 1830


                                         2003: Nutzung - Erreichbarkeit

              0.700


              0.600


              0.500
                                                                                                        Extensiv
    Prozent




              0.400                                                                                     Grünland
                                                                                                        Acker
              0.300                                                                                     Alm
                                                                                                        Wald
              0.200


              0.100


              0.000
                                                  0


                                                         2


                                                                4


                                                                          6


                                                                                  8


                                                                                          0


                                                                                                  2
                  c0




                              c4




                                          c8
                        c2




                                    c6




                                                c1




                                                                        c1


                                                                                c1


                                                                                        c2


                                                                                                c2
                                                       c1


                                                              c1




                                                  Erreichbarkeit



                Vergleich der Flächennutzungen mit der Erreichbarkeit (relative Flächenangaben) 2003




                                                             22
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten



Interpretation:
•   Zur Zeit des Franziszäischen Katasters entspricht die Verteilung der Nutzungen fast dem
    Idealbild der Thünen'schen Ringe (Thünen, 1826), (Ackerflächen liegen in unmittelbarer
    Nähe der Siedlungen, dann folgt Grünland, dann Extensivflächen und dahinter liegt Wald).
•   Man kann auch sagen, dass jene Kulturen mit dem höchsten Deckungsbeitrag in der Nähe
    der menschlichen Siedlungen, die mit dem geringsten Deckungsbeitrag am weitesten
    entfernt liegen.
•   Heute befindet sich das Wirtschaftsgrünland in der Nähe der Höfe, das Extensivgrünland
    ist im Vergleich zu 1830 deutlich näher an die Höfe gerückt.
•   Für die Bauern ist es heute nicht mehr rentabel:
    •   Ackerflächen zu bearbeiten, daher befindet sich das Wirtschaftsgrünland in der
        unmittelbaren Nähe der Höfe
    •   weiter entfernte Flächen zu bewirtschaften. Je weiter eine Fläche vom Hof entfernt ist
        umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie aufgegeben wird.

4.3.5 Zusammenfassende Aussagen
Die beobachteten Trends (Kap. 3.1) können zumindest zum Teil mit Hilfe der vorigen
Analysen erklärt werden. Hauptfaktoren bei den Standortseigenschaften sind die Steilheit und
die Erreichbarkeit von Flächen. Zu den konkreten Trends:
•   Extensivflächen gehen in Wald über:
    •   Flächen, die 1830 als Extensivflächen genutzt wurden, sind so steil und so weit vom
        Hof entfernt, dass eine Bewirtschaftung als Grünland im Verleich zu Wald nicht mehr
        rentabel ist.
•   Grünland wird extensiviert oder geht in Wald über, nur ein Fünftel der Fläche von 1830 ist
    auch heute noch Grünland
    •   Flächen, die 1830 als Grünland bewirtschaftet wurden, sind heute zu steil für eine
        rentable Nutzung, weil die Maschinenkosten in den Hanglagen zu hoch sind. Steile
        Wiesen werden in Weiden oder Wald umgewandelt.
•   Ackerflächen gehen völlig in Extensivgrünland und Grünland über.
    •   Die Ackernutzung ist in Anbetracht der Seehöhe, Steilheit und schweren Erreichbarkeit
        nicht rentabel und wird durch Grünland und Extensivflächen ersetzt.
•   Almflächen verwalden zu einem großen Teil:
    •   Besonders die steilen Flächen verwalden.

4.4 Prognose künftiger Entwicklung
Auf Basis der bisherigen Auswertungen lässt sich im GIS Idrisi eine Prognose der
Entwicklung rechnen. Diese Prognose wird mit der Methode der Cellulären Automaten
erstellt. Unter Cellulären Automaten versteht man im GIS Objekte, die die Möglichkeit haben,



                                                     23
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten



auf Basis bestimmter Regeln und unter Berücksichtung der Eigenschaften von benachbarten
Objekten ihre Eigenschaften zu ändern. Eingangsdaten für diese Berechnung sind:
•   die Nutzungskarte zu einem Zeitpunkt, in diesem Fall die Nutzung 2003
•   die Transitionsmatrix („Nutzungsstromanalyse“), die mit Markov-Analyse erstellt wurde
    (Kap. 3.1.2)
•   Eignungskarten für jede der Nutzungsarten (eine detaillierte Beschreibung der
    Arbeitsschritte, insbesondere die Erstellung der Eignungskarten würde den Rahmen der
    Arbeist sprengen, daher wird hier darauf verzichtet).




                  Ergebnis der Prognose mit dem GIS-Modul Cellular-Automata-Markov


Die Prognose schreibt die Entwicklung für einen Zeitraum von etwa 20-30 Jahren fort. Es
kommt zur völligen Verwaldung des westlichen Teils (Zell im Winkel) der Gemeinde. Die
Almen werden ganz aufgegeben, die restlichen Flächen halten sich, weil es sich um
Gunstlagen im Hochtal handelt.



4.5 Bewertung der Entwicklungen
Wie die vorigen Abschnitte gezeigt haben, bewirken die Veränderungen in der
Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen starke Veränderungen in der Landschaft der
Gemeinde. Diese Trends führen zu:
    •   einem Verlust an Arten und Habitaten, da die Bergwiesen und Magerweiden in Wald
        übergehen. Dadurch verlieren zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum.
        Die Landschaft entwickelt sich zu einer „homogenen Waldlandschaft“.



                                                     24
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten



   •   einem Verlust an „offener“ Kulturlandschaft:
       •   Dieser Verlust löst in der Bevölkerung das subjektive Empfinden „da will ich nicht
           mehr wohnen“ aus (Fecht, 1994; Favry et al. 2003)
       •   Die Gemeinde hat keine keine Möglichkeit mehr sich touristisch zu entwickeln,
           wenn keine Kulturlandschaft mehr existiert.
   •   einem Verlust der Kultur in der Gemeinde:
       •   Wenn keine Leute mehr dort wohnen, gibt es auch keine typische Kultur mehr.



4 Literatur
Adler, W., Oswald, K. & Fischer, R., 1994: Exkursionsflora von Österreich.; Verlag Eugen
Ulmer, Stuttgart Wien. Standardliteratur zum Bestimmen heimischer Pflanzenarten.
Berchtold A., Bulfon A. & Kowatsch J., 1993: Biotopkartierung in der Gemeinde Zell-Pfarre.
Im Auftrag des Amtes der Kärntner Landesregierung. Klagenfurt. Bericht über die Biotopk-
artierung in Zell, die 1993 vom Büro Berchtold in Klagenfurt durchgeführt wurde. Der
Bericht beschreibt die Methode der Kartierung und die Ergebnisse der Kartierung. Der
Bericht wird ergänzt durch eine parzellenscharfe Karte, sowie durch eine Vegetationstabelle.
BMLFUW, 2000: Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums.
Programmplanungsdokument zur Umsetzung der EU-VO. Enthält u.a. das Kapitel
Umweltmaßnahmen, besser bekannt als ÖPUL 2000.
Eastman, J.R., 2003: IDRISI Kilimanjaro Guide to GIS and Image Processing. Clark Labs,
Clark University, USA. Ausführliches Lehrbuch zum Thema Raster GIS, wird standardmäßig
mit dem IDRISI Kilimanjaro Paket ausgeliefert. Enthält interessante theoretische Kapitel
über GIS allgemein, Fernerkundung, Modellierung, Decision Support etc. in Englisch.
Favry E., Bory B., Musovic Z., Pfefferkorn W. & Tauber H., 2003: Projekt REGALP; Bericht
zum Arbeitspaket 2, Regionalbericht Wipptal. Unveröff. Teilbericht eines EU-Forschungs-
projektes, das sich mit Veränderungen und deren Wahrnehmung in Alpentälern beschäftigt.
Fecht, van der T., 1994: Die Landschaft der Gemeinde Zell. Diplomarbeit. Gute Diplomarbeit
über die Gemeinde Zell, wurde mir vom Bürgermeister zum Kopieren zur Verfügung gestellt.
Franziszäischer Kataster um 1830: Indikationsskizzen und Schätzungselaborate. Alte Karten
und Protokolle, handschriftlich in Kurrent, liegen im Landesarchiv und können dort
eingesehen werden. Zahlt sich aus, mal einen Blick reinzuwerfen.
Geisler G., 1988: Pflanzenbau – Ein Lehrbuch. Paul Parey. Standardliteratur zum
Pflanzenbau, zumindest zu meiner Zeit.
Greimel M., 2002: Einsparungspotentiale in der Grundfutterkonservierung. 8.
Alpenländisches Expertenforum, 9. -10. April 2002, Bundesanstalt für alpenländische
Landwirtschaft Gumpenstein, A-8952 Irdning. Interessanter Artikel über Arbeitszeitbedarf in
der Grundfutterkonservierung; zeigt deutlich, wie wenig ökonomisch die Nutzung von
Steillagen ist.



                                                     25
Seminararbeit: Nutzungsaufgabe auf landwirtschaftlichen Flächen in Berggebieten



Greimel M., Handler F. & Blumer E., 2002: Arbeitszeitbedarf in der österreichischen
Landwirtschaft. Projektbericht zu einem Forschungsprojekt „Arbeitszeitbedarf in der
Landwirtschaft“. Hintergrund ist die Fragestellung ob im Berggebiet nicht auch eine
Förderung nach Arbeitsleistung anstatt nach Fläche denkbar ist. Das setzt aber eine
Standardisierung von Arbeitsgängen voraus und damit befasst sich der Bericht.
Kniely, G., Niklfeld, H. & Schratt-Ehrendorfer, L. (1995): Rote Liste der gefährdeten Farn-
und Blütenpflanzen Kärntens. Carinthia II,. Naturwiss. Verein Kärnten, Klagenfurt.
Mayer C., 1997: Bestimmungsgründe unterschiedlicher Nutzungsintensitäten im Grünland.
DA Univ. Bodenkultur, Wien. Diplomarbeit unter Betreuung von Prof. Wytrzens; die Autorin
hat einige Hypothesen aufgestellt und diese dann an Hand von Interviews mit Bauern
überprüft. Enthält neben der Bestätigung bekannter Fakten auch einige interessante Aspekte,
zB dass Haupt- und Nebenerwerb nichts über Intensität der Nutzung aussagen.
Niederle G., 2003: Die Einstellung der Bevölkerung zur Bewirtschaftungsaufgabe von Grün-
landflächen. Diplomarbeit an der Universität für Bodenkultur, Wien. Diplomarbeit unter Be-
treuung von Prof. Wytrzens; die Autorin hat einige Hypothesen, besonders über Wahrneh-
mung aufgestellt und diese dann an Hand von Interviews mit ländlicher Bevölkerung über-
prüft.
Thünen J.H.,1826: Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und
Nationalölkonomie, oder Untersuchungen über den Einfluß, den die Getreidepreise, der
Reichthum des Bodens und die Abgaben auf den Ackerbau ausüben. Zit. in:
http://www.thuenen.de . Klassiker, ich habe die Originalversion leider nie in der Hand
gehabt, nur Sekundärliteratur.
Wagner K., 1990: Neuabgrenzung landwirtschaftlicher Kleinproduktionsgebiete in Österreich.
Bundesanstalt für Agrarwisssenschaft. Wien. Standardliteratur, fundiert, pragmatisch und
nützlich.
Zanettti G., 1999: Strukturwandel und Flächennutzungsänderung in der österreichischen
Land- und Forstwirtschaft. Gutachten des Österreichischen Instituts für Raumplanung (ÖIR)
Wien. Interessante Arbeit die einen breiten Bogen über die Entwicklung der letzten 50 Jahre
spannt, teilweise etwas landwirtschaftsfern.



Autor:
DI Daniel Bogner
eb&p Umweltbüro Klagenfurt
Bahnhofstraße 39/2
A - 9020 Klagenfurt
Tel: +43 (0) 463 516614
Mobil: +43 (0) 699 10218389
Fax.: +43 (0) 463 516614-9
e-mail: daniel.bogner@ebundp.at
www.ebundp.at



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posted:6/30/2010
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