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Humankapital - Die menschliche A

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Humankapital - Die menschliche A Powered By Docstoc
					TK 4: Soz. Gerechtigkeit                     Humankapital



 Die menschliche Arbeitskraft - ein teurer Wirtschaftsfaktor in der BRD!
   Stellungsnahme eines anonymen Unternehmers aus der Textilindustrie
Uns wird in manchen Öffentlichkeitskreisen die Flucht aus Deutschland – verbunden mit einem
zunehmenden Stellenabbau – vorgeworfen. Gleichzeitig nutzen die Käuferschichten ohne
Selbstzweifel die Möglichkeiten der Globalisierung und entscheiden sich unabhängig des
Produktionsstandortes für das billigere Produkt.
Gerade bei unserer menschenintensiven Produktion spielen die Stundenlöhne und die
Lohnzusatzkosten eine entscheidende Rolle. Hierzu ein paar Fakten:
   - Deutschland ist das Land mit den höchsten Lohnzusatzkosten
   - eine Näherin in Albanien verdient monatlich 150,00 €
   - die Arbeitskosten (Stundenlohn + Lohnzusatzkosten) sind in Deutschland 4x so hoch wie in
       Portugal, im Vergleich zu Asien ganz zu schweigen.

Die Globalisierung betrifft und verändert die Lebensbereiche fast aller Menschen. Während
innovative Firmen und transnationale Unternehmen den weltweiten Wettbewerb als
Produktivitätsschub begrüßen, empfinden andere diesen Prozess vor allem als Gefährdung ihrer
Arbeitsplätze, als Demontage sozialer Errungenschaften und als Existenzbedrohung.
Bei näherer Analyse erweist sich allerdings die Weltuntergangsstimmung als unangebracht. Zwar
ist mit der Globalisierung auch bei uns ein Strukturwandel verbunden, der beispielsweise
Arbeitsplätze in bestimmten Industrien zum Verschwinden bringt. Andere Branchen und Sektoren
haben demgegenüber durchaus Möglichkeiten zur Expansion, können beispielsweise den intra-
industriellen Handel forcieren und haben gute Chancen, dass ihr Produktivitätsvorsprung, der trotz
relativ hoher Lohnkosten in vielen Bereichen besteht, nicht verloren geht.

Wettbewerbsfähigkeit auf einem globalen Markt erfordert auch unpopuläre Maßnahmen. Man kann
sich nicht um jedes Einzelschicksal kümmern – das große Ganze des Unternehmens muss
Leitlinie sein. So ruft die Fließfertigung zwar eine Monotonie der Arbeit hervor, sichert aber z. T.
den Arbeitsplatz. Außerdem werden ja alle paar Wochen die Arbeitsplätze gewechselt, so dass es
zu einer Abwechslung bei der Arbeit kommt.

Zudem ist zu beachten, dass der technische Fortschritt auch in der Textilbranche Einzug hält.
Waren in den vergangenen Jahrzehnten noch unzählige Näherinnen notwendig, so übernehmen
                               heute computergestützte Nähmaschinen viele routinemäßigen
                               Arbeitsschritte. Aus Unternehmersicht spielt der Kostenfaktor
                               die     entscheidende     Rolle.     Vergleicht    man     die
                               Produktionsleistung und die verursachenden Kosten einer
                               Maschine mit der menschlichen Arbeitskraft liegt es häufig auf
                               der Hand, Arbeitskräfte für den Arbeitsmarkt freizusetzen und
                               stattdessen in Maschinen zu investieren.
                               Dies lässt sich zudem auch an nebenstehender Grafik des
                               „Wissens-Management-Content-Systems“ verdeutlichen. Die
                               menschliche Arbeitsfähigkeit sinkt mit der Zeit. Teure
                               Weiterbildungsmaßnahmen sind erforderlich, um das aktuelle
                               Leistungsniveau zu halten – bei Maschinen genügt ein Update.

      Quelle: VENRO (Hg.): Globalisierung ohne Armut - Handreichung für den Unterricht, Bonn 1999,
            wenig bewusst, Wirtschaftswoche Nr. 48 (24.11.2005), S. 32,
            Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Arbeitskosten,
            Bundesagentur für Außenwirtschaft - http://www.bfai.de/DE/Content,
            Halbwertszeit_Wissen Humankapitalbewertung - http://www.wibisys.de/downloads/Humankapitalbewertung

Aufgaben:
1)  Führen Sie die im Text erwähnten Argumente des Unternehmers für seine Position zur
    menschlichen Arbeitskraft auf.
2)  In welchem Verhältnis steht der Arbeitnehmer zu den anderen Produktionsfaktoren?
TK 4: Soz. Gerechtigkeit                 Humankapital



Hinweise zur Lösung:

Aufgaben:
1)  Führen Sie die im Text erwähnten Argumente des Unternehmers für seine Position zur
    menschlichen Arbeitskraft auf.

-     Arbeitskosten im Vergleich zum Ausland
-     Globalisierung: neue Konkurrenzsituation
-     Verbraucherverhalten: Preisorientierte Kunden
-     Menschliche Arbeitskraft sind anfälliger für Krankheit, unproduktiver und schlechter an
      technischen und wissensmäßigen Fortschritt anzupassen als eine Maschine
-     Arbeitgeber hat keine emotionale Bindung zum einzelnen Mitarbeiter

2)    In welchem Verhältnis steht der Arbeitnehmer zu den anderen Produktionsfaktoren

Produktionsfaktoren in der Volkswirtschaftslehre
-    Faktors Arbeit
     = der einzelne Mensch.
-    Faktor Natur
     = Boden, Luft, Wasser
-    Faktor Kapital
     = Produktionsmittel, also z. B. Maschinen, Werkzeuge etc.

Produktionsfaktoren in der Betriebswirtschaftslehre (nach Erich Gutenberg – 1951)
-    Faktor Arbeit
     Unterteilt in: dispositive Arbeit (Planung, Organisation, Kontrollen etc.) und in objektbezogene
     Arbeit (Arbeit am Erzeugnis).
-    Faktor Betriebsmittel
     = Zusammenfassung der volkswirtschaftlichen Faktoren Boden und Kapital
     betriebswirtschaftlich gegliedert
           - in Betriebsmittel (Grundstücke, Gebäude, Anlagen, Maschinen, Einrichtungen und
               Geldmittel)
           - und Werkstoffe (alle Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Halb- und Fertigerzeugnisse).
-    Faktor Werkstoff
-    Dispositive Faktor
     Kombiniert die drei Faktoren zu einer produktiven Einheit,
     bildet den planerischen und strategisch/operativen Einsatz der vorgenannten Faktoren im
     Unternehmen ab. Es handelt sich also um ein immaterielles Gut, welches nur im begrenzten
     Umfang substituiert werden kann.

Der Mensch hat keine hervorgehobene Position bei den Produktionsfaktoren. Er wird gleichrangig
zu den anderen Faktoren eingestuft. Es besteht keine emotionalere Beziehung zu dem
Arbeitnehmer wie zu einer Maschine.

				
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posted:6/30/2010
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