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									Arabien in vorislamischer Zeit
Arabien in vorislamischer Zeit

Mittlere Osten

Der vorislamische Nahe und Mittlere Osten

Der politische und kulturelle Zustand Arabiens

Der politische und kulturelle Zustand Arabiens zu Beginn des 7. Jh. n. Chr.

Während der Nahe Osten um das Jahr 600 n. Chr. zwischen den beiden Großmächten des christlich dominierten griechisch-romanischen Byzanz und dem zoroastrischen sasanidischen Iran aufgeteilt ist, deren Gebiete ohnehin bereits seit langem einen hohen kulturellen Stand erreicht hatten, gleicht die politische und kulturelle Situation auf der arabischen Halbinsel (Arabien) einem Dornröschenschlaf. Das einzige, was in Bezug auf kulturelle Güter des vorislamischen Arabiens in den Geschichtsbüchern Erwähnung findet, ist die Dichtkunst. Bis auf einige Ausnahmen im alten Südarabien, wo etwa 500 v. Chr. bis zum 6. Jh. n. Chr. einige Königreiche existierten, die aber durch äthiopische und iranische Fremdherrschaft zugrunde gingen, verfügte Arabien über keine zusammenhängende soziale und politische Organisation. Städte wie z.B. Mekka1 und Medina2 erhielten ihre Bedeutung weniger durch politische Macht als durch den Handel. Trotz des Mangels staatlicher Organisation gab es mehr oder weniger große Dörfer und Städte, deren Bewohner sich aber wie die Beduinen bzw. Nomaden bestimmten Stammesverbänden zurechneten, deren einfache Rechtsauffassungen sie sich zueigen machten. Als oberstes Recht der Beduinen galt trotz aller familiären Bindungen und der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stamm das Recht der persönlichen Freiheit.

1(altarabisch: Bakka) 2(altarabisch: Yathrib)

Weihinschrift
Südarabische Weihinschrift, ca. 10. Jh. v. Chr. Obwohl man den Stammesoberhäuptern Achtung entgegenbrachte, hatten sie kein Recht, Befehle zu erteilen. Das zweite Recht war das des Raubes am gegnerischen Stamm. Der Kampf der Beduinen ums Überleben schlug sich in Kämpfen um Weide- und Wasserplätze für das Vieh nieder, die aufgrund der eher lebensfeindlichen, kargen Vegetation rar gesät waren. Durch diese lebensnotwendigen Kämpfe konnte kein Bewußtsein einer nationalen, stammesübergreifenden Zusammengehörigkeit aufkommen - der Beduine kannte kein »Volk der Araber« und dachte nur in den Dimensionen, die ihm seine Familie, sein Stamm und sein persönlicher Lebensraum boten. Die einzige Schranke für diese Kämpfe bildete die Blutrache. In den seltensten Fällen fanden sich die Angehörigen mit dem Blutgeld (Dija) ab; fast immer forderren sie auch das Blut des Mörders; und wenn die Erregung besonders hoch war, wurde die Blutrache auf Familienangehörige oder Stammesgenossen ausgedehnt.1 Wenn auch die feindselige, spröde Natur keine guten Bedingungen für eine Annäherung zwischen den Stämmen lieferte, so war hingegen die Gastfreundschaft ein Gebot der Beduinen, die oft bis zur Verschwendung getrieben wurde und nahezu alles umfaßte, was der Beduine besaß. Die Religion der unabhängigen Araber stand auf sehr primitiver Entwicklungsstufe. Es gab eine Vielzahl von Stammes- und Hausgöttern, deren Wesen an bestimmte Orte und Gegenstände wie Standbilder, Steine 1(Das sogenannte Blutgeld, eine Art Schadensersatz und Schmerzensgeld, ist heute noch üblich und in der Schart 'a (der islamischen Gesetzgebung) geregelt; auch die Hinrichtung von Mördern, also von Menschen, die jemanden vorsätzlich, aber nicht fahrlässig getötet haben, ist Bestandteil der islamischen Gesetzgebung und entspricht sowohl dem alttestamentarischen als auch islamischen Grundsatz der gleichartigen Wiedervergeltung, die sich aber natürlich nur auf den Mörder selbst und nicht etwa auch auf dessen Verwandte usw. bezieht (siehe 2. Buch Mose, 21/ 23 ff; Koran, Suren 5/45 u. 4/ 178-179); ein Mörder muß dabei aber aufgrund einwandfreier Beweise - nicht bloß durch Indizienprozesse wie zuweilen in Amerika - überführt worden sein) und Bäume gebunden war und deren Namen in Inschriften aufgeführt wurden. Bei diesem Stein- und Baumkult wurden jedoch nicht diese Gegenstände an sich verehrt, sondern die Wesenheiten, die nach der Vorstellung der Araber diesen Gegenständen innewohnten. Auch der Ahnen- sowie der Sternkult hatten bei den heidnischen Arabern Einzug gefunden, jedoch bei weitem nicht in vergleichbarem Ausmaß wie insbesondere der Steinkult. In Mekka hatten übrigens alle Araber eine Götzenfigur in ihrem Haus1, die sie anbeteten. Wollte jemand eine Reise unternehmen, war das letzte, was er zuhause tat, daß er mit der Hand über das Idol strich. Bei seiner Rückkehr war demgemäß das erste, was er nach Betreten seines Hauses tat, daß er es wieder streichelte.2 Es gab sogar Hausgötter, die aus Datteln bzw. Dattelmus geformt waren und im Hungersfall einfach verspeist wurden. Die Namen der bedeutenderen, von einer breiteren Öffentlichkeit verehrten Götzen wurden bei Beteuerungen im Munde geführt, waren aber auch oft Bestandteil der Namen der Stammesangehörigen, die sich in der Obhut des jeweiligen Götzen wähnten und ihn verehrten. 1(Vgl. AT, 1. Mose 31/34 u. 1. Samuel 19/13 zu dem Hausgötzen, dem sog. Teraphim der Israeliten)

2(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 47)

Die Religion Abrahams und die Ka'ba

Die Religion Abrahams bestand aus dem Glauben an einen einzigen, transzendenten Gott, war also rein monotheistisch. Auf Geheiß Gottes ließ Abraham seine zweite Frau Hagar und seinen kleinen Sohn Ismael auf der Karawanenstraße Richtung Jemen in der Wüste zurück. Ein Engel führte Hagar, die verzweifelt nach Wasser suchend zwischen den Hügeln as-Safa und al-Marwah hin und her lief, zu der Wasserquelle Zamzam) Diese Quelle war der Ursprung Mekkas, das nach und nach zur Stadt heranwuchs, indem sich Reisende dort niederließen und seßhaft wurden.Als îsmael zum Mann herangewachsen war, erteilte Gott Abraham und îsmael den Befehl, in Mekka ein Gebetshaus zu errichten - die Ka 'ba: »Wahrlich, das erste Haus, das für die Menschen gegründet wurde, ist das in Bakka (Mekka) - ein gesegnetes und eine Leitung für die Welten. In ihm sind deutliche Zeichen - die Stätte Abrahams. (...)«(Koran, Sure 3/96) » Und gedenket der Zeit, als Wir das Haus an einem Ort derZusammenkunft für die Menschen machten, und zu einem Schutzgebiet, und sprachen: >Nehmt euch die Stätte Abrahams zum Gebetsort.< (...)« (Koran, Sure 2/125)Die Pilgerfahrt zur Ka 'ba in Mekka und all die damit verbundenen Riten wie u.a. das Umschreiten der Ka 'ba, das Hin- und Herlaufen zwischen den Hügeln Sofa und Marwah zur Erinnerung an die nach (Vgl. AT, 1. Mose 1/17 ff.)

Wasser suchende Hagar, das Bekunden der (3ottergebenheit auf dem Berg Arafat, die symbolische Steinigung des Satans in Mim, das Schlachten eines Opfertieres sowie das Kürzen der Haare zum Abschluß der Prozession wurden also bereits in »vorislamischer« Zeit vollzogen. Die »Religion Abrahams« und der Ritus der Pilgerfahrt, der Hadsch, gelten grundsätzlich als identisch mit dem Islam und der muslimischen Vorgehensweise beim Hadsch.1 Da diese Riten Abraham zurückgehen, sind die Ka 'ba und der Hadsch also keinesfalls heidnischen Ursprungs bzw. keine Erfindung der heidnischen Araber vor der Zeit Mohammeds. Die Araber vollzogen zwar noch den Hadsch nach dem Brauch Abrahams, doch im Laufe der Zeit überdeckten heidnische, polytheistische Elemente die ursprüngliche, monotheistische Religion Abrahams und verdrängten oder entstellten das Wissen über die Bedeutung der einzelnen Riten. So wurde nachträglich vieles eingeführt, was ursprünglich nicht dazugehörte: Neben Gott (Allah) kamen Götzen hinzu; Allah galt für die heidnischen Araber sozusagen als Hochgott, und die selbst erdachten Götzen als Vermittler. Allein um das Gebäude der Ka 'ba sollen dreihundertsechzig Idole aufgestellt gewesen sein.2 Zur Götzenverehrung führte unter anderem auch, daß die heidnischen Araber aufgrund ihrer Zuneigung zu der Ka 'ba und deren Verehrung nie eine Reise unternahmen, ohne einen Stein vom heiligen Bezirk der Ka 'ba mitzunehmen. Sobald sie sich unterwegs niederließen, legten sie den mitgeführten Stein nieder und vollzogen den Umlauf (ad-Dawâr) um diesen Stein wie den Umlauf um die Ka'ba, da sie glaubten, daß diese Vorgehensweise Glück bringen würde. In den Brunnen Zamzam

1(Die Details und die Bedeutung des Hadsch werden im einzelnen im zweiten Teil des Buches erörtert; siehe das Kapitel über die Pilgerfahrt nach Mekka, S. 211) 2(Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 72; kritisch gegenüber dieser Anzahl: Henninger, Arabîca Sacra, S. 70)

sollen die heidnischen Araber Gaben für die Gottheit hineingeworfen haben - wie die Nordsemiten bei ihren heiligen Brunnen.1 1(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, Anm. 195, S. 106)

Wiedereinführer des Götzenkults in Arabien

Wiedereinführer des Götzenkults in Arabien

Grabstatuette
Männliche Grabstatuette, 1. Jh. v. Chr.

Die Götzen aus der Zeit Noahs

»Noah sagte: >Mein Herr! Sie haben sich gegen mich aufgelehnt und sind jenem gefolgt, dessen Vermögen und Kinder ihm nur noch mehr Verderben brachten. Und sie haben einen gewaltigen Plan geschmiedet. Und sie haben (zueinander) gesagt: »Verlaßt nie eure Götter, und verlaßt weder Wadd noch Suwâ ', Yagût, Ya 'ûq noch Nasr.<< Sie haben bereits viele irregeführt; (...)<« (Koran, Sure 71121-24)Wadd, Suwâ', Yagût, Ya 'ûq und Nasr waren die Götzen der Zeitgenossen Noahs, deren Bildnisse im Zeitalter des Jared1 angefertigt wurden. Der Überlieferung zufolge waren Wadd, Suwâ', Yagût, Ya 'ûq und Nasr fromme Leute, die alle innerhalb eines Monats starben2. Da deren Verwandte über diesen Verlust sehr betrübt waren, sagte ein Mann von den Nachkommen Kains: »O meine Stammesgenossen! Soll ich euch fünf Götzen anfertigen nach ihrem Bilde? Nur kann ich ihnen natürlich keinen Lebensodem einhauchen.« Da dies ihrem Willen entsprach, schnitzte er ihnen fünf Götzen nach ihrem Bilde und stellte sie für sie auf. So pflegte nun jeder zu seinem verstorbenen Bruder, Onkel und Vetter zu kommen, sie zu verehren und um sie herumzulaufen wie um die Ka'ba, bis dann diese erste Generation verstorben war. Die nachfolgende zweite Generation brachte diesen Götzen noch größere Verehrung entgegen. Die, Menschen der dritten Generation spra-

1(Vgl. AT, 1. Buch Mose 5/15) 2(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 57 ff; Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 14 ff.) chen schließlich: »Unsere Vorfahren haben diese Götzen nur geehrt, weil sie deren Fürbitte bei Gott erhofften.« Und von nun an wurden diese Idole angebetet. Aufgrund ihres Unglaubens und ihrer Götzenverehrung sandte Gott den Propheten Idrîs) Er forderte sie auf, wieder zum Glauben an den Einen zurückzukehren, doch sie erklärten ihn zum Lügner. Da entrückte ihn Gott zu sich an einen hohen Ort. Ihr Unglaube verstärkte sich immer mehr, bis Gott den Propheten Noah entsandte.2 Er war 480 Jahre alt, als er zur Anbetung des Einzigen Gottes aufrief. Doch auch ihn erklärten sie zum Lügner und folgten ihm nicht. Da befahl Gott ihm, die Arche zu bauen. Als er damit fertig war und sie im Alter von 600 Jahren bestieg, kam die Sintflut und bedeckte für 40 Jahre die ganze Erde. Das Wasser der Flut schwemmte die fünf Götzenbilder vom Berge Naud3 hinweg und trieb sie mit der Strömung in die Gegend von Dschudda.4 Als das Wasser abfloß, blieben die Götzen am Meeresufer liegen. Der Wind fegte den Sand über sie, bis sie vollständig darin versanken. 'Arm Ibn Luhaîj, der inzwischen die Herrschaft über Mekka gewonnen hatte und nunmehr der Aufseher der Ka 'ba war, war ein Wahrsager (Kâhin). Er besaß einen zu den Dschinn5 gehörenden Gefährten mit dem Rufnamen Abu Thumâma. Dieser Dämon sagte zu 'Amr Ibn Luhaîj, er solle sofort Tihâma verlassen und zum Strand des Hafens von Mekka gehen. Dort fände er Götzenbilder, die er nach Tihâma bringen solle. Sodann solle er die Araber zur Anbetung dieser Götzen auffordern, die seinem Aufruf Folge leisten würden. 1(Das ist Henoch, Sohn des Jared; vgl. AT, 1. Mose 5/21 ff.) 2(Vgl. AT, 1. Mose 5/29) 3(Vgl. AT 1. Mose 4/16) 4(Hafen von Mekka) 5(Geister, Dämonen) 'Amr Ibn Luhaij tat, wie ihm befohlen: Er grub die Götzen am Meeresufer von Dschudda aus und brachte sie nach Tihâma. Als die Zeit des Hadsch kam, forderte er alle Araber zur Anbetung dieser fünf Götzen auf.

Wadd

Den Götzen Wadd übergab er 'Auf Ibn Udra vom Sramme Kalb. Dieser trug den Götzen zum Tal Wâdî al-Qurâ und stellte ihn in Dûmat al-Dschandal1 auf. 'Auf Ibn Udra nannte als erster unter den Arabern seinen Sohn 'Abd Wadd (Diener des Wadd). Daraufhin prägten die anderen Araber später ebenfalls Namen mit Wadd. Seinen anderen Sohn 'Âmir, den man 'Âmîr-al-Adschâr rief, ernannte 'Auf Ibn Udra zum Hüter des Götzen Wadd. Seine Nachfolger hatten das Wächteramt inne, bis der Islam offenbart wurde. Mit dem Hüter- bzw. Wächteramt war im übrigen stets das Priesteramt für den jeweiligen Götzen verbunden. Nach Offenbarung des Islam wurde der Götze Wadd von Châlîd Ibn al-Walîd, dem Feldherrn des Propheten Mohammed, zerstört. Wadd wird als sehr große Statue eines Mannes beschrieben, auf die zwei Gewänder - ein Untergewand und ein Überwurf- gemeißelt waren. Er hatte ein Schwert umgegürtet und trug einen Bogen auf der Schulter. Vor sich hatte er eine Lanze mit einem ledernen Köcher mit Pfeilen darin. Der Name Wadd bedeutet überserzt Freundschaft, Zuneigung.2 1(Größte Stadt in dieser nordarabischen Landschaft Richtung Syrien) 2(Daryabadi in »Die Bedeutung des Korans«, Rn. 31 zu Sure 71/23)

Suwa

Den Götzen Suwâ' übergab 'Amr Ibn Luhaij einem Mann namens Al-Harith vom Stamme Hudail. Das Wächterund damit auch das Priesteramt für diesen Götzen hatten die Nachkommen Lihjâns, ein Unterstamm der Hudail, inne. Das Abbild des Götzen Suwâ' befand sich in der Gegend von Ruhâth_ in der Talebene von Nachla, wo ihm alle in seiner Nähe ansässigen Stämme Verehrung entgegenbrachten. Die Bedeutung des Namens Suwâ' ist unbekannt. Namentlich erwähnt ist dieser Götze in folgender altarabischen Überlieferung:»Man sieht sie sich drängen um ihren König, wie die Hudail sich scharten um Suwâ ', zu dessen Seite, niedergestreckt bei ihm, Opfertiere von dem wertvollsten Besitze jedes Hirten liegen. «l Es wird angenommen, daß es sich bei Suwâ' um eine Mondgottheit handelte.2 1(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 34, 60; Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 18) 2(Daryabadi in »Die Bedeutung des Korans«, Rn. 33 zu Sure 71/23)

Yagût

Yagût war der Götze, der von den Madhidsch verehrt wurde. 'Amr Ibn Luhaij hatte ihn einem Mann namens An 'am Ibn 'Amr al-Murâdî übergeben, der dadurch zum Ahnherr der Wächterfamilie wurde. Der Hügel, auf dem sich der Götze befand und der - wie der dort ansässige Stamm - den Namen Madhidsch trug, soll einst der Versammlungs-, Gerichts-, und Kultplatz des jemenitischen Stammes gewesen sein. Der Name Yagût bedeutet übersetzt »Helfer«, wobei diese Beschreibung sicherlich nicht nur auf diesen Götzen zurtifft und somit keine näheren Anhaltspunkte über dessen eigene, spezielle Symbolik liefert. Auch Yagût ist namentlich in einer altarabischen Überlieferung erwähnt: »Yagût zog mit uns gegen die Murâd. Und wir kämpften gegen sie vor dem Morgengrauen.« Diese Überlieferung gibt uns vor allem Auskunft über vorislamische Kampbräuche;1 denn bei kriegerischen Auseinandersetzungen brachte jeder Stamm als Talisman seinen jeweiligen Götzen mit zum Schauplatz des Kampfes.2 1(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 34 ff., 60; Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 22) 2(Vgl. aber auch AT, 2. Samuel 5/21, wo die durch David besiegten Philister bei Baal Perazim auf der Flucht ihre Götzenbilder zurückließen, die sie zuvor in den Kampf mitgenommen hatten; ferner 2. Samuel 11/11 und 2. Samuel 15/24 ff, wo die (Bundes-)Lade von den Juden mit in den Kampf genommen wurde; auch AT, Josua 3/3 ff.)

Ya'ûq

Den Götzen Ya 'uq übergab 'Amr Ibn Luhaij einem Mann namens Mâlik Ibn Dschûscham aus dem Stamm der Hamdân. Der Götze befand sich in einem zwischen der jemenitischen Hauptstadt San 'â und der Stadt Mekka gelegenen Dorf namens Chaiwân, wo ihn die Hamdân und die benachbarten Jemeniten anbeteten.1 Die Symbolik dieses Götzen ist unbekannt.1(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 35, 61)

Nasr

Nasr bedeutet übersetzt »Adler« oder »Geier«. Diesen Götzen wählte der alt jemenitische Stamm Himjar für sich aus. Dieser Geier-Gott war wohl ursprünglich das Totemtier der Himjar. Die Kultstätte befand sich in Balcba im Lande Sâba. Die Himjar besaßen außerdem in San 'â einen Tempel namens Ri 'am, den sie verehrten und dem sie Opfer darbrachten. Der Überlieferung nach soll man aus dessen Innern Stimmen gehört haben. Derartige »Phänomene« sollen jedoch aufgrund der Geschäftstüchtigkeit der Tempelhüter in vorislamischer Zeit keine Seltenheit gewesen sein. Der Tempel wurde später auf Ersuchen zweier jüdischer Rabbiner vernichtet; und das jemenitische Volk bekehrte sich unter dem himjaritischen König Du Nuwâs (Regierungszeit ca. 521 — 526 n. Chr.) zum Judentum. Als der Prophet Mohammed seine Boten in Richtung Jemen sandte, bestand das Reich der Himjar schon lange nicht mehr. Der Islam stieß dort kaum auf Widerstand.1 Laut Daryabadi2 soll der Geier-Gott Nasr Scharfsicht und Einsicht symbolisiert haben. 1(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 35) 2(in »Die Bedeutung des Korans«, Rn. 35 zu Sure 71/23)

Bahîra, Wasîla, Sâ'iba und Hâmî

Außer in den überlieferten Aussprüchen des Propheten Mohammeds, den sogenannten Hadithen, sind Bahîra, Wasîla, Sâ 'iba und Hâmî auch im Koran erwähnt:»Es war nicht Allah, der (abergläubische Vorstellungen wie) eine Bahîra, eine Sâ 'iba, eine Wasîla oder einen Hâmî hervorgerufen hat, sondern es waren die Ungläubigen, die eine Lüge gegen Allah ersonnen haben. Doch die meisten von ihnenbegreifen nicht.« (Koran, Sure 5/103)Bahîra bedeutet wörtlich übersetzt »deren Ohr geschlitzt ist«. Es handelt sich um eine Kamelstute, die von den heidnischen Arabern für die Götter freigelassen wurde und die weder geritten noch gemolken werden durfte, nachdem sie fünfmal Junge geworfen hatte und das fünfte ein Hengst war. Als Zeichen für ihre Freilassung wurde ihr das Ohr aufgeschnitten. Sâ 'iba bedeutet wörtlich »freigelassen«. Auch hier handelt es sich um eine Kamelstute, die aufgrund eines Gelöbnisses von heidnischen Arabern freigelassen wurde und deren Nutznießung wie bei Bahîra untersagt war. Wasîla bedeutet wörtlich »sie hat das Männchen mit dem Weibchen verbunden«. Es ist eine Kamelstute oder Schafsmutter, die von den heidnischen Arabern freigelassen wurde, nachdem sie beim siebten Wurf gleichzeitig männliche und weibliche Nachkommen geworfen hatte. Hâmî bedeutet übersetzt »sein Rücken ist geschützt«. Hierbei handelt es sich um einen Kamelhengst, der bei den heidnischen Arabern nicht mehr geritten und geschoren werden durfte, nachdem er zehn Junge gezeugt hatte.

Manâh, al-Lât und al-'Uzzâ

»Was haltet ihr nun von al-Lât, al-'Uzzâ und Manâh, der dritten der anderen? Wie? Sollten euch die Knaben zustehen und Ihm (Allah) die Mädchen? Das wäre wahrhaftig eine unbillige Verteilung. Wahrlich, es sind nur die Namen, die ihr euch ausgedacht habt — ihr und eure Väter —für die Allah keinerlei Ermächtigung hinabgesandt hat. Sie folgen einem bloßen Wahn und ihren persönlichen Neigungen, obwohl doch die Weisung ihres Herrn zu ihnen kam.« (Koran, Sure 53/19-23) »Nun frage sie, ob dein Herr Töchter hat, während sie Söhne haben. (...) Es ist bloß ihre eigene Lüge, wenn sie sagen: > Allah hat gezeugt<; und sie sind wahrlich Lügner. Hat Er Töchter den Söhnen vorgezogen? Was verwirrt euch? Wie urteilt ihr nur? Wollt ihr euch dennnicht besinnen?« (Koran, Sure 37/149-155)Manâh, al-Lât und al-'Uzzâ galten bei den heidnischen Arabern als Töchter Allahs.1 Die Araber brachten den fünf Götzen aus der Zeit Noahs, die ihnen der Überlieferung nach von 'Amr Ibn Luhaij übergeben wurden (siehe S. 33), nicht annähernd soviel Verehrung entgegen wie diesen drei Göttinnen. So pflegten zum Beispiel die Quraisch, zu deren Stamm auch der Prophet Mohammed gehörte, die Ka 'ba zu umkreisen, indem sie sagten: »Bei al-Lât, bei al-'Uzzâ und Manâh, der dritten, der anderen! Sie sind die allerhöchsten Schwäne, und auf ihre Fürbitte bei Gott darf man hoffen!« Die Idole Manâh, al-Lât und al-'Uzzâ galten als Vermittler bei Gott. Darum wurden sie mit den hoch zum Himmel fliegenden Kranichen verglichen.2 1(Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 24) 2(Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 34)

Manâh

Manâh war das älteste der drei Idole, nach der die Araber die Namen »Abd Manâh« (Diener der Manâh) und »Zaid Manâh« (Freund der Manâh) zu bilden pflegten. Sie galt als Schicksalsgöttin der Araber, insbesondere im Hinblick auf die Art des Todes.1 Manâh hatte jedoch zur Zeit Mohammeds von den drei Göttinnen am wenigsten Bedeutung und war den beiden anderen Göttinnen untergeordnet. Es ist aber möglich, daß Manâh früher im Hedschâz, dem arabischen Küstenstreifen am Roten Meer, größere Bedeutung hatte und erst später durch al-'Uzzâ in den Schatten gestellt wurde.2 Manâhs Götzenbild war ein schwarzer, unförmiger Stein, der zwischen Mekka und Medina in der Gegend von dem Berg al-Musallal in Qudaid aufrecht an der Meeresküste stand und von allen Arabern verehrt wurde. Bei den Manâh zu Ehren dargebrachten Tieropfern wurde dem Tier die Kehle durchgeschnitten und das Blut über den Stein gestrichen.3 Kein Stamm erwies diesem Götzen jedoch mehr Verehrung als die Aus und die Chazradsch.4 Sowohl diese beiden Stämme als auch aus anderen Orten kommende, die sich der Anbetung von Manâh anschlossen, führten zwar noch den Hadsch nach der Religion Abrahams (siehe S. 29) aus und hielten wie alle übrigen die einzelnen Stationen der Pilgerfahrt ein, doch schoren sie sich bei diesem Idol zusätzlich ihre Haare.5 1(Vgl. AT, Jesaja 65/11) 2(Henninger, Arabica Sacra, S. 74) 3(Vgl. AT, 3. Buch Mose 1/5 u. 17/6; 2. Buch Mose 24/6 ff.) 4(Chazradsch war der mächtige Bruderstamm der in Medina ansässigen Aus, die aus Südarabien stammten. Beide Stämme lebten unter den jüdischen Stämmen Medinas, denen sie die Herrschaft über die Stadt Medina entrissen.) 5(Vgl. AT, 4. Buch Mose 6/5 und 18 zur rituellen Haarschur bei den Semiten)

Auch die Quraisch verehrten Manâh, bis der Prophet Mohammed im Jahre acht der Hidschra1 seinen Schwiegersohn 'Alî zu diesem Idol schickte, um es zu zerstören. Nach dessen Zerstörung nahm 'Alî die Gegenstände an sich, die bei ihm lagen und ihm als Opfergabe zugedacht waren, und begab sich daraufhin zum Propheten. Unter diesen Gegenständen befanden sich zwei Schwerter, die der König der Gassân2, al-Harith Ibn Abî Schamir al-Gassânî, Manâh gewidmet hatte. Das eine Schwert hieß Michdam und das andere Rasûb. Nach einer anderen Überlieferung soll 'Alî diese beiden Schwerter jedoch im Heiligtum des dem Stamme Taiji' gehörenden Götzen al-Fals gefunden haben, einem roten Felsvorsprung in einem schwarzen Berg namens Adscha', der einer menschlichen Statue glich. Auch dieses Idol wurde von ' Alî auf Geheiß Mohammeds zerstört.3

Al-Lât

Al-Lât ist die weibliche Form der Bezeichnung »Allah« und bedeutet übersetzt »die Göttin«. Der Kult dieser Göttin bestand nachweislich bereits mehr als ein Jahrtausend vor dem Islam. Auch in Randgebieten wie z.B. Palmyra4 und bei den Nabatäern5, bei denen vielfach Mischformen arabischer und fremder Religionen vorlagen, ist al-Lât erwähnt.6

1(Hidschra ist die Flucht des Propheten und seiner Anhänger von Mekka nach Medina im Jahre 622 n. Chr.; mit der Hidschra beginnt die islamische Kalenderrechnung) 2(Arabisch-christliches Fürstengeschlecht jemenitischer Herkunft in Syrien, das unter der Oberhoheit der byzantinischen Kaiser stand) 3(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 36 ff., 61 ff; Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 24 ff.) 4(Eine Oase in der syrischen Wüste) 5(Das Königreich der Nabatäer von Petra im heutigen Jordanien bestand vom 4. Jh. v. Chr. bis 106 n. Chr. Bekannt ist Petra vor allem wegen der dort in Felsen gehauenen Tempel und Grabmäler.) 6(Henninger, Arabica Sacra, S. 75) Al-Lâts Götzenbild war ein viereckiger Felsblock, der sich in at-Tâ 'if befand. Ihre Hüter waren die Nachkommen 'Attâb Ibn Mâliks vom Stamme Thaqîf, die über ihr einen Bau bzw. ein Haus errichtet hatten, der/das wie die Ka 'ba in Mekka mit einer Decke verhüllt war. Auch al-Lât wurde von den Quraisch und allen anderen Arabern verehrt. Nach ihr wurden die Namen »Zaid al-Lât« (Freund der Lât) und »Taim al-Lât« (Sklave der Lât) gebildet. Ihr Idol befand sich an der Stelle, wo heute das Minarett zur Linken der Moschee von Tâ 'if steht. Die Anbetung von al-Lât blieb solange bestehen, bis der Stamm Thaqîf sich zum Islam bekehrte. Der Götze wurde sodann verbrannt.2 Al-Lât soll ursprünglich eine himmlische Gottheit gewesen sein. Zum einen wird sie als Sonnengöttin betrachtet, zum anderen als ursprünglich identisch mit der Göttin al-'Uzzâ, bei der ebenfalls von einem dem Steinkult vorangegangenen astralen Charakter ausgegangen wird.3

Al-'Uzzâ

Al-'Uzzâ gilt als das jüngste der drei Idole. Der Name al-'Uzzâ ist die weibliche Form von al-A 'azz, einem der 99 schönsten Namen Gottes, die im Koran erwähnt werden4 und bedeutet übersetzt die »Gewaltigste«, »Mächtigste«. Die Wächter der al-'Uzzâ waren die Nachkommen Schaibâns Ibn Dschâbirs, von denen der letzte Hüter Dubaija hieß. Al-'Uzzâs Abbild befand sich in einem Tal des nördlichen Nachla, in einem Gebiet namens Hûrad unweit von Mekka. Bei al-'Uzzâ handelte 1(Stadt 75 Meilen südöstlich von Mekka, auch heute noch wegen ihrer reizvollen Landschaft sehr beliebt)2(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 37 ff.) 3(Henninger, Arabica Sacra, S. 77) 4(siehe das Kapitel über die 99 schönsten Namen Gottes, S. 83) es sich um einen Samura-Baum, über den ein Haus gebaut wurde. Bei dem Baum lag ein heiliger Stein, der aber wohl lediglich als Opferstein diente und auf die Heiligkeit des Baumes hinwies.1 Die Araber benannten ihre Kinder mit dem Namen »'Abd al-'Uzzâ« (Diener der Uzzâ). Bei den Quraisch war sie das höchste Idol, das sie verehrten. Sie hatten ihr ebenfalls ein heiliges Gebiet in einer Bergschlucht des Tales

Wâdi Hurâd geschaffen — als Gegenstück zum Hamm, dem heiligen Bezirk der Ka 'ba in Mekka. Ihr wurden Geschenke und Opfer dargebracht, wobei auch Menschen (Gefangene und Kinder) geopfert wurden.2 Wie bei al-Lât soll es sich auch bei al-'Uzzâ vor Aufkommen des Steinkults ursprünglich um eine Sternengottheit gehandelt haben, wobei al-'Uzzâ als identisch mit dem Planeten Venus galt.3 Die Anbetung der al-'Uzzâ hielt an, bis der Prophet Mohammed den Götzenkult verbot. Dieses Verbot lastete besonders schwer auf den Quraisch: In diesem Zusammenhang ist insbesondere auf einen einflußreichen Onkel des Propheten einzugehen, der wegen seines hitzigen, aufbrausenden Temperaments den Spitznamen Abu Lahab (»Vater der Flamme«) erhielt.4 Dieser und seine Ehefrau gehörten zu den erbittertsten Feinden des frühen Islam. Als Mohammed seinen Stamm, die Quraisch, und seine eigenen Verwandten dazu aufrief, sich vom Götzenkult und der Vielgötterei (Polytheismus) loszusagen, wurde er von Abu Lahab mit 1(Auch Altisrael suchte die Gottheit in und bei »heiligen« Bäumen — siehe AT, Hosea 4/ 13; Jesaja 1/29 ff.; siehe auch Josua 24/26, 1. Mose 35/4 ff., 5. Buch Mose 11/30 und Richter 9/37) 2(Zum Menschenopfer bei den Israeliten vgl. AT, 1. Mose 22; Richter 11/30 ff; 2. Könige 16/3, 17/17, 21/6 und 23/10; Jeremia 7/31) 3(Henninger, Arabica Sacra, S. 93-95) 4(Der eigentliche Name Abu Lahabs lautete 'Abd al-'Uzzâ Ibn 'Abd al-Muttalib.)

den Worten »Mögest du dem Verderben anheimfallen« verflucht. Daraufhin wurde die 111. Sure des Korans offenbart: »Die Hände Abu Lahabs sollen verderben; und auch er selbst soll verderben. Sein Reichtum soll ihm nichts nützen, und auch nicht das, was er erworben hat. Doch schon bald wird er in einflammendes Feuer eingehen.Und seine Frau, die Brennholzträgerin1, wird um ihren Hals einen Strick aus Palmfasern2 haben.« (Koran, Sure 111)Abu Lahab starb verbittert und haßerfüllt eine Woche nach der Schlacht von Badr, welche die heidnischen Araber verloren hatten. Nach der Eroberung Mekkas im Jahre 630 n. Chr. befahl der Prophet Mohammed seinem Feldherrn Châlid Ibn al-Walîd, das Götzenbild von al-'Uzzâ zu zerstören. Über die Vernichtung dieses Götzen gibt es eine Legende, nach der al-'Uzzâ jedoch eine Dämonin war, die nicht nur in einem, sondern in drei Samura-Bäumen in der Talebene von Nachla hauste: »Als Châlid Ibn al-Walîd den ersten Baum gefällt hatte, fragte ihn der Prophet, ob er etwas gesehen habe. Châlid verneinte, und also hieß ihn der Prophet den zweiten Baum zu fällen. Als er danach die Frage, ob 1(Die Bezeichnung gilt für eine Person, die sich ausgiebig der Verbreitung boshafter Verleumdungen widmet, um den Haß zwischen den jeweils betroffenen Menschen zu entfachen.) 2(Der Ausdruck »Palmfasern« kann auch eine schmiedeeiserne Kette bedeuten, mit der die Frau in die Hölle gezerrt wird. Im Zusammenhang mit der vorangehenden Bezeichnung der Frau als »Brennholzträgerin« kann der Ausdruck aber auch dahingehend gedeutet werden, daß die Frau ihr eigenes Brennholz, den Strick aus getrockneten Palmfasern, um den Hals trägt und letztendlich an dem Haß, den sie geschürt hat, selbst verbrennt und zugrunde geht)

er etwas gesehen habe, wieder mit Nein beantwortete, mußte er auch den dritten Baum noch fällen. Als Châlid Ibn al-Walîd sich diesem letzten Baum näherte, sah er plötzlich eine zähneknirschende Hexe mit gesträubten Haaren vor sich, deren Hände in den Nacken gelegt waren. Hinter ihr stand Dubaija, ihr Hüter. Als dieser Châlid erblickte, rief er. >0 'Uzzâ, stürze dich heftig auf Châlid, enttäusche nicht! Wirf den Schleier weg und schürze dich! Denn wenn du jetzt Châlid nicht tötest, so verfällst du schleunig der Schande;also suche dir zu helfen!< Doch Châlid entgegnete:>O 'Uzzâ, Verleugnung dir, nicht preis sei dir!Ich sehe, daß Allah dich der Schande geweiht hat!< Daraufhin schlug Châlid auf die Hexe ein und spaltete ihr Haupt. Ihre Überreste zerfielen zu Staub. Sodann fällte er den Baum und tötete al-Uzzâs Hüter Dubaija. Anschließend kehrte er zum Propheten 2urück und berichtete ihm, was geschehen war. Dieser sprach:>Das ist al-Uzzâ!Nach ihr wird es für die Araber keine 'Uzza mehr geben! Sie wird hinfort nie wieder verehrt werden!<«

Hubal

Über der Grube innerhalb der Ka 'ba befand sich die Statue des Hubal. Dieses Idol war ein aus rotem Karneol in Menschengestalt gearbeitetes Abbild, dessen rechte Hand zerbrochen war. Die Quraisch hatten ihn dergestalt bekommen und fertigten ihm eine Hand aus Gold an. Vor Hubal lagen sieben Los- bzw. Orakelpfeile (al-Azlâm).1 Solche Pfeile hatten weder Spitzen noch Federn. Sie galten als heilig und befanden sich im Gewahrsam des Tempelhüters. Auf einem dieser Pfeile stand geschrieben »sarîh« (rein, von reinem Blut), auf einem anderen »mulsaq« (angehängt, untergeschoben). Hegte ein Mann Zweifel über die Abstammung eines Neugeborenen, so weihte er Hubal ein Opfertier. Darauf wurden die Orakelpfeile geschüttelt. Kam »sarîh.« heraus, wurde das Kind als das eigene, leibliche Kind angenommen. Kam aber »mulsaq« als Antwort, wurde das Kind zurückgewiesen. Daneben gab es unter anderem noch einen Pfeil über Tote und einen Pfeil über die Heirat. Lagen die heidnischen Araber wegen irgendeiner Angelegenheit im Streit oder wollten sie eine Reise oder ein Geschäft unternehmen, kamen sie zu Hubal, um vor ihm die Orakelpfeile zu werfen. Die danach getroffene Entscheidung oder die Handlung, die vollzogen wurde, richtete sich stets nach dem Pfeil, der als Antwort herausgekommen war. Vor Hubal hatte einst auch der Großvater des Propheten Mohammed, 'Abd al-Muttalib, die Orakelpfeile befragt. Dieser hatte nämlich geschworen, daß er, wenn er jemals zehn Söhne haben würde, einen davon Gott vor der Ka 'ba opfern würde. 'Abd al-Muttalib wurde schließlich Vater von zwölf Söhnen und sechs Töchtern. Als zehn seiner Söhne herange1(Auch der Teraphim, der Hausgötze der Israeliten, diente als Orakel; vgl. AT, 1. Samuel 21/10, 23/6 und 30/7 ff., wo das Ephod befragt wurde. Vgl. ferner AT, Richter 8/27, 17/5 und 18/14.)

wachsen waren, teilte er ihnen seinen Schwur mit und ließ deren Namen auf zehn solcher Lospfeile schreiben. Der Sahîb al-Azlâm, der Tempelhüter, der die Pfeile zu mischen und die Ziehung vorzunehmen hatte, führte seine Aufgabe aus. Das Los fiel auf Abdallah, den Vater des Propheten. 'Abd al-Muttalib führte nun seinen Sohn Abdallah zu den Idolen Isâf und Nâ 'ila, dem gewohnten Opferplatz unweit der Ka 'ba, ergriff sein Messer

und erhob die Hand, um ihn zu töten. Quraischiten, also Stammesangehörige, hinderten ihn an seinem Vorhaben.1 1(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 43 ff; zu Hubal siehe auch Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 75)

Isaf und Nâ'ila

Diese beiden Idole waren in der Vorstellung der heidnischen Araber zu Steinen verwandelte Menschen (bei den Arabern wurden viele Steine und Felsen als verwandelte Menschen betrachtet). Der Überlieferung nach soll es sich dabei um einen Mann und eine Frau aus dem jemenitischen Stamm der Dschurhum gehandelt haben, namentlich um Isâf Ibn Ja'lâ und Nâ 'ila Bint Zaid. Isaf verliebte sich in Nâ 'ila. Beide kamen als Pilger nach Mekka und betraten die Ka 'ba. Dort fanden sie eine einsame Stelle im Tempel, an der sie von den Leuten unbeobachtet blieben. Da trieb Isaf Unzucht mit Nâ 'ila in dem heiligen Haus, woraufhin sie in zwei Steine verwandelt wurden. Als man sie am nächsten Morgen so vorfand, brachte man sie heraus und stellte sie als warnendes Beispiel für die Leute bei der Ka 'ba auf. Nachdem sie längere Zeit so aufgestellt waren und mittlerweile der Götzendienst Einzug gehalten hatte, wurden auch diese beiden Steine mit den anderen Idolen angebetet. Der eine Stein befand sich gleich neben der Ka 'ba, der andere beim Brunnen Zamzam. Die Quraisch ließen schließlich den einen von der Ka 'ba zu dem anderen beim Brunnen Zamzam hintragen. Bei diesen beiden Steinen pflegten sie dann ihre Opfertiere zu schlachten.1 1(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 34 u. 44)

Du'l-Chalasa

Dieser Götze befand sich in Tabâla, einem Ort zwischen Mekka und dem Jemen1. Es war ein weißer Stein, auf dem eine Art Krone eingemeißelt war. Seine Hüter waren die Nachkommen des Umâma vom Clan Bâhila Ihn A 'sur. Die Chath. 'am, die Badschîla, Azd as-Sarât und die benachbarten Araberstämme der Hawâzin verehrten ihn und brachten ihm Opfergaben dar.2 Zu dem Götzen Du 'l-Chalasa gehörten ebenfalls drei Orakelpfeile, die bei geplanten Vorhaben gezogen wurden: der erste Pfeil hieß al-Âmir (Der Befehlende), der zweite an-Nâhî (Der Verbietende), der dritte al-Mutarabbis (Der Abwartende). Imra 'alqais, dessen Vater Hudschr von den Nachkommen des Stammes Asad getötet worden war, schüttelte vor Du 'l-Chalasa dreimal die Lospfeile, um den Götzen wegen seiner beabsichtigten Blutrache am Stamm Asad für seinen ermordeten Vater zu befragen. Jedesmal zog er den verbietenden Pfeil. Da zerbrach er alle drei Pfeile und schlug damit dem Götzen ins Gesicht, während er ihn verfluchte, und sagte: »Mögest du das Glied deines Vaters beißen! Wenn dein Vater getötet worden wäre, dann hättest du mich nicht zurückgehalten.« Daraufhin überfiel er den Stamm Asad und besiegte ihn. Die Orakelpfeile vor Du 'l-Chalasa wurden seitdem nicht mehr befragt; und als der Islam offenbart wurde, wurde der Götze zerstört. Imra' alqais war der erste, der sich von dem Götzen Du 'l-Chalasa lossagte3. Die steinernen Überreste dieses Götzen bilden die Türschwelle

1(Tabâla liegt im westlichen Nordjemen) 2(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî; S. 48; siehe auch Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 45 ff.) 3(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn Al-Kalbî; S. 55)

der Moschee von Tabâla. Einem Ausspruch des Propheten Mohammed zufolge wird das Ende der Welt nicht eintreffen, bis die Hinterteile der Frauen vom Stamme Daus bei Dû 'l-Chalasa zusammenstoßen, indem sie ihn wieder anbeten, wie er früher angebetet zu werden pflegte.

'Umjânisu

Der Götze 'Umjânisu gehörte zum jemenitischen Stamm der Chaulân.1 Er gehörte zu den Götzen, die in Sure 6/136 des Korans gemeint sind: »Sie haben für Allah von dem, was Er an Früchten und Vieh erschaffen hat, einen Anteil bestimmt und sagten: >Dies gehörtAllah> — so behaupteten sie — >und dies gehört unserem Götzen. < Doch was für ihren Götzen bestimmt ist, gelangt nicht zu Allah; und was für Allah ist, gelangt zu ihren Götzen. Übel ist, was sie entschieden.« (Koran, Sure 6/136)Sobald die heidnischen Araber ihre Ernte eingebracht hatten, teilten sie einen Teil Gott zu, den anderen ihren Göttern. Wenn der Wind aus der Richtung des Anteils wehte, den sie ihren Göttern zugeteilt hatten, und davon etwas zu dem hinübertrug, was für Gott bestimmt war, legten sie es wieder zu ihrem Götzen zurück. Wenn aber der Wind aus der Richtung des Anteils wehte, der für Gott bestimmt war, und davon etwas zu dem hinübertrug, was für den Götzen zugeteilt war, dann beließen sie es dabei und legten nichts zurück.2 1(Klinke-Rosenberger, Das Götzenbuch des Ibn al-Kalbî, S. 53; Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 23 ff, wo der Name des Götzen jedoch in Ammianas umgeschrieben wurde.) 2(Qutb in »Die Bedeutung des Korans«, Rn. 368 zu Sure 6/136)

Sternmythen und Sternkult

Die Sternkunde hatte erst im Mittelalter, nach der Offenbarung des Korans einen hervorragenden Stand erreicht, da sich die Menschen zu der Zeit bemühten, die im Koran enthaltenen Schilderungen über das Universum und die Planetensysteme als auch die anderen Naturdarstellungen zu erforschen. Aus den dabei gewonnenen Erkenntnissen zog auch das christliche Abendland großen Nutzen. Die Beduinen hatten in vorislamischer Zeit wohl bereits Kenntnisse über einzelne Sternbilder und deren Bewegung, doch verfügten sie über kein zusammenhängendes Wissen. So waren zum Beispiel einzelne Sternbilder des Tierkreises bekannt, aber nicht das System als solches.1 Sterne wurden als lebende Wesen aufgefaßt, denen Einfluß auf das Leben der Menschen und der Tiere,

insbesondere aber auf das Wetter bzw. die Witterung im weitesten Sinne zugeschrieben wurde. So bedeutete das Wort »andschâma« (»es sternt«), daß das Wetter sich änderte. Sternnamen wurden auch als Personennamen benutzt, so z.B. der Name der Venus (Zuhara, Zuhra) und des Merkurs ('Utârid). Aus der Auffassung von Sternen als Wesen folgte die Bildung von Sternmythen, die jedoch keinerlei religiösen Charakter hatten und daher nicht als Sternkult betrachtet werden können. So gibt es beispielsweise aus vorislamischer Zeit eine zentralarabische Erzählung über den Großen Bären, den Kleinen Bären, den Polarstern und Canopus: »Es hat uns 'Alî al-Mansûr berichtet von einer Überlieferung über >die Töchter der Totenbahre< (die sieben Sterne des Großen Bären), daß in der Vergangenheit >das Böckchen< (der Polarstern) um eine der Töch1(Siehe u. a. Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 204) ter bei ihrem Vater warb. Und das Böckchen packte und raubte sie. Es fürchtete sich aber vor ihrem Vater, tötete ihn und suchte Schutz bei den Sternen al-Huwaidschîzîn, >die kleinen Abwehrendem (die Sterne Beta und Gamma des Kleinen Bären). Und die Schwestern trugen ihren Vater auf der Bahre fort, begruben ihn und zogen mit ihrer Bahre weiter; denn sie wollten das Böckchen töten als Rache für ihren Vater und für den Raub ihrer Schwester. Und als sie kamen und ihn ergreifen wollten, sagte er. >O ihr in der Nacht Ziehenden, sehet, ich bin nicht der Schuldige. Der Schuldige ist Suhail (Canopus)<. Daraufhin suchten sie Suhail; und er kam ihnen entgegen von ferne und sagte: >O ihr in der Nacht Ziehenden, sehet, nicht ich bin der Schuldige; der Schuldige ist das Böckchen.< Die Schwestern wendeten sich wieder gegen das Böckchen, aber die Sterne al-Huwaidschîzîn traten vor ihn und befreiten ihn, weil er ihr Schutzgenosse war. Und dies ist ihre Handlung immerdar.«1 Religiöse Verehrung genossen hingegen einzelne Fixsterne und Planeten. So sollen die Himyariten die Sonne2, der Stamm Kinâna den Mond, Tasm den ad-Dabarân, Lachm und Dscbudâm den Jupiter (al-Muschtari), Taiy den Canopus (Suhail), Qais den Sirius (aš-Sira al-'abûr) und Asad den Merkur ('Utârid) verehrt haben.3, wobei jedoch keine Details über diese Kulte bekannt sind. Als nachweisbar gilt im alten Südarabien jedoch der Venuskult, der mit den Göttinnen al-Lât und al-'Uzzâ (siehe S. 44) in Verbindung stehen soll, so daß im Hinblick auf diese beiden Idole nicht nur von einem Steinkult, sondern ursprünglich auch von einem Sternkult auszugehen ist. 1(Henninger, Arabica Sacra, S. 62) 2(Über die Verehrung der Sonne durch das Volk der Königin von Saba (Bilqîs), die durch den Propheten und König Salomon zum Monotheismus (Glauben an einen einzigen Gott) bekehrt wurde - und nicht etwa umgekehrt Salomon durch Bilqîs zum Götzenkult - siehe Koran, Sure 27/ 20-44; vgl. AT, 1. Könige 10/ 1-10) 1(Henninger, Arabica Sacra, S. 66)

Der Geisterglaube

In vorislamischer Zeit wurden mitunter auch die Dschinn (Geister, Dämonen)1 angebetet, so z.B. von den Nachkommen Mulaihs vom Stamme Chuzâ 'a. Über die Anbetung der Dschinn wurde im Koran folgendes offenbart:»Wollen sie Ihm etwa die zur Seite stellen, die nichts erschaffen vermögen, sondern die selbst

erschaffen worden sind?« (Koran, Sure 7/191) »Wahrlich, jene, die ihr anstelle von Allah anruft, sind Dienerwie ihr. (...)« (Koran, Sure 7/194) » Und doch haben sie die Dschinn zu Allahs Teilhabern gemacht, obwohl Er sie geschaffen hat; und sie dichten Ihm ohne alles Wissen fälschlicherweise Söhne und Töchter an, (...) (Koran, Sure 6/100)Von den Engeln hingegen behaupteten die heidnischen Araber zum Teil, daß sie Töchter Allahs seien, die er mit den vornehmsten Dschinn-Frauen gezeugt habe.2 Hierzu wurde folgender Vers des Korans offenbart:»Und sie unterstellten Ihm (Allah) eine Blutsverwandtschaft mit den Dschinn, während die Dschinn doch recht wohl wissen, daß sie vor Ihm zum Gericht gebracht werden sollen.« (Koran, Sure 37/158) Nach der Vorstellung der heidnischen Araber waren die Dschinn nicht 1(Über das Wesen der Dschinn nach muslimischer Anschauung siehe im zweiten Teil des Buches die beiden Kapitel über die Dschinn, S. 123, sowie über den Satan und die Dämonen, S. 131) 2(wellhausen, Reste arabischen Heidentums, Anm. 1, Seite 24, 25)

rein geistige Wesen, aber auch nicht Wesen aus Fleisch und Blut. Sie galten zwar für gewöhnlich unsichtbar, aber doch »irgendwie« körperlich. So wurden ihnen auch menschliche Bedürfnisse zugeschrieben wie zum Beispiel essen und trinken. Sie galten auch als verwundbar. Es wurde zwischen männlichen und weiblichen Geistern unterschieden, die sich auch mit menschlichen Partnern verbinden konnten und Nachkommenschaft hatten. Ihnen wurde sogar eine Gliederung in Sippen und Stämme unterstellt — in Anlehnung an die Organisation der damaligen arabischen Gesellschaft in Familien- und Stammesverbänden. Es handelte sich jedoch bereits damals nicht um die Geister Verstorbener, sondern um Naturgeister, deren Existenz gegenüber der des Menschen als etwas Eigenständiges betrachtet werden muß. Am häufigsten erschienen die Dschinn in Gestalt von Tieren, insbesondere von Tieren der Wildnis, zuweilen aber auch von Haustieren. Neben Tieren wie Panther, Schakal, (Wild-)Katze, Esel und Hund spielten Vögel wie Rabe, Eule, Grünspecht, Wiedehopf und Strauß eine große Rolle. Vor allem aber sah man in Schlangen und anderen kriechenden Tieren wie Eidechsen, Skorpionen und Käfern u.a. Erscheinungsformen der Dämonen.1 Sie waren jedoch nicht an eine bestimmte Form gebunden und konnten ihre Gestalt ändern. Als beliebte Aufenthaltsorte der Dschinn galten außer der Wüste schwer zugängliche und nahezu unbekannte Gegenden, alte Ruinen, Friedhöfe sowie generell alle Stätten der Verwesung und des Schmutzes. Der menschenfressende Rûl beispielsweise galt als in der Wüste ansässiger, monströser Dämon, der übrigens auch noch im heutigen Volksglauben sein Unwesen treibt. Da man den Wohnort der Geister in der Erde vermutete, wurde beim Hausbau, beim Graben eines Brunnens, bei der Kultivierung von Brach1(Vgl. AT, 1. Mose 3/1 ff., wo Satan im Sündenfall als Schlange erscheint.)

land und dergleichen ein Schlachtopfer dargebracht, bei dem man mit dem Blut des geopferten Tieres den betreffenden Ort besprengte, um sich nicht deren Zorn zuzuziehen. Die Geister sollen ferner in Bäumen und Sträuchern gehaust haben, doch ebenso als Hausgeister in den Wohnungen der Menschen. Das Wirken der Dschinn galt als störrisch und versetzte die Menschen in Schrecken. Zudem wurde in ihnen die Ursache für Krankheiten gesehen, insbesondere des Fiebers und der Epilepsie. So lautete damals (wie heute) die Bezeichnung für einen Wahnsinnigen »madschnûn«, d.h. von einem Dschinn besessen. Außer diesen negativen, belästigenden Aspekten gab es aber auch die Vorstellung positiver, freundlicher Arten des Innewohnens oder sonstiger engerer Beziehungen zwischen Menschen und Dschinn. So wurde angenommen, daß jeder Mensch seinen Doppelgänger unter den Dschinn hat; vielleicht gab es sogar die Vorstellung eines persönlichen Schutzgeistes. Mit Sicherheit herrschte jedoch der Glaube, daß einzelne, besonders bevorzugte Menschen mit den Dschinn in engen, freundschaftlichen Beziehungen stehen. Als von ihnen inspiriert galt vor allem der Wahrsager (Kâhin), dem die Dschinn ihr geheimes Wissen mitteilten.1 Auch für die Dichter und Musiker wurde eine solche Quelle der Inspiration angenommen, was zu deren hohen Ansehen im vorislamischen Arabien beitrug. Insgesamt betrachtet waren die Dschinn jedoch dem Menschen eher unangenehm. Sie nützten oder schadeten einem Menschen nach Lust und Laune. Wegen ihrer Unberechenbarkeit vermied man daher tun1(Seitdem die islamische Offenbarung erfolgt ist, ist den Dschinn der Zugang zum Himmel verwehrt, wo sie früher kuschten und infolgedessen den Wahrsagern manches Verborgene und Zukünftige mitteilen konnten; siehe Koran, Suren 72/8-10 und im zweiten Teil des Buches das Kapitel über die Dschinn, S. 123)

lichst den »Umgang« mit ihnen, was den Gebrauch verschiedener Abwehrmaßnahmen erforderte: Es galt, weder zu pfeifen, noch Flöte zu spielen, da man annahm, daß die Geister sich untereinander durch diese Töne rufen.1 Auch das Nachahmen eines der Tiere, die als beliebte Erscheinungsform der Dschinn galt, galt als Schutzmaßnahme, ebenso das Tragen von Amuletten. Außerdem suchte man die Dschinn mit Opferriten zu besänftigen. Die zahlreichen magischen Beschwörungsformeln der Araber beinhalteten oftmals eine Anrufung der Dschinn; und der »böse Blick« des Neiders aber auch des Bewunderers wurde als Blick der Dschinn bezeichnet.2 Der Ursprung dieses reichhaltigen Geisterglaubens wird bei der seßhaften Bevölkerung angenommen, da für den Beduinen die Einsamkeit der Wüste etwas Alltägliches war, während hingegen für Seßhafte alles außerhalb ihrer Stadt oder ihres Dorfes fremd und unheimlich war. Auch in heutiger Zeit ist die Intensität des Geisterglaubens bei der seßhaften bzw. städtischen Bevölkerung weitaus intensiver als bei den Beduinen? 1(Hier gibt es interessante Parallelen zur griechischen Mythologie, in der Pan und seine Gefolgschaft, die Satyrn, meistens mit (Pan-)Flöten dargestellt werden. Doch man denke auch an die Schlangenbeschwörungen mittels Flöten oder anderer Blasinstrumente.) 2(Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 162) 3(Henninger, Arabica Sacra, S. 143-164)

Der Rabe
Der Rabe - vorislamisches Symbol für Tod und Trennung

Magie, Wahrsagerei, Omen und Amulette

In der arabischen Gesellschaft gab es zur Zeit des Propheten Mohammed eine Schicht von Wahrsagern, die behauptete, Geschehnisse aus Vergangenheit und Zukunft aufgrund ihrer guten Beziehungen zu den Dschinn oder anderer geheimen Quellen in Erfahrung bringen zu können. Außer dem Befragen der bereits erwähnten Orakelpfeile1 gab es noch eine Vielzahl anderer Methoden, mittels derer man die Zukunft zu erkunden suchte, sowie diverse Omen, die zu bestimmten Verhaltensmaßnahmen veranlaßten. Üble Vorzeichen wurden jedoch in nahezu allen Geschehnissen, Orten, Gegenständen und Personen gesucht. Am häufigsten waren Weissagungen anhand des Verhaltens von Tieren. Ein von rechts kommendes Tier galt als günstige, dagegen ein von links kommendes Tier als ungünstige Prognose. Generell gab es eine ausgeprägte Symbolik um die Begriffe »rechts« und »links«. So wurde zum Beispiel die rechte Hand als Symbol der Kraft und Ehre betrachtet und daher ein geehrter Gast zur rechten Seite des Gastgebers gesetzt.2 »Rechts« und »links« wurden so durch ihre weitreichende Symbolik gleichbedeutend mit »glücklich« und »unglücklich«.3 Diese Art von Vorzeichen deutete man auch aus dem Flug der Vögel. Wiedehopf, Eule und vornehmlich der Rabe spielten im Zusammenhang mit Weissagungen darüber hinaus eine besondere Rolle4, was mit Sicherheit 1(Siehe die Kapitel über die Götzen Hubal, S. 52, und Du 'l-Chalasa, S. 55) 2(Maududi in »Die Bedeutung des Korans«, Rn. 7 zu Sure 56/8) 3(Asad in »Die Bedeutung des Korans«, Rn. 8 zu Sure 56/9) 4(Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 202) darauf zurückzuführen ist, daß diese Vögel als bevorzugte Erscheinungsformen der Dscbinn galten. So war der Rabe der Unglücksvogel schlechthin. Er kündete den Tod an, namentlich aber die Trennung von Freunden und von der Geliebten.1 Im Zusammenhang mit Magie galten Pusten, Knoten und Summen als Geisterbeschwörungen.2 Im Knoten bzw. auch Knüpfen wurde beispielsweise ein Liebeszauber gesehen, mit dem versucht wurde, den oder die Geliebte/n an sich zu binden. Verbreiteter, weil nach Ansicht der heidnischen Araber wichtiger, war jedoch der Gegenzauber zur Unschädlichmachung von Dämonen. So sollten beispielsweise Hasenknöchel3, als Amulett um den Hals getragen, gegen dämonische Einflüsse jeglicher Art schützen.4 1(Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 203) 2(Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 160) 3(Hasenpfoten gehören noch in unseren Breiten zu den abergläubischen, Unheil abwehrenden Hilfsmitteln.) 4(Wellhausen, Reste arabischen Heidentums, S. 164) Als der Prophet Mohammed am Tag der Eroberung Mekkas triumphierte, betrat er die Moschee. Die Götzen waren um die Ka 'ba herum aufgestellt. Da fing er an, mit dem Horn seines Bogens in ihre Augen und ihre Gesichter zu stoßen und rezitierte die Sure 17/81 des Korans:»Und sprich: >Gekommen ist die Wahrheit und dahingeschwunden ist die Falschheit; wahrlich, das Falsche ist vergänglich,« (17/81)

Knotenmuster
Knotenmuster - Knoten wurden als Liebeszauber verwendet


								
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