HALTUNG UND VERHALTEN
Haltung einer Betenden
Haltung einer Betenden, die Allah um eine einfache Segnung anruft (du'a'). MÄSSIGKEIT BEI ALLEN HANDLUNGEN DES MUSLIM AUS GRÜNDEN DER ANGLEICHUNG UND GÜLTIGKEIT SETZT DER GLAUBE IN DEN AUGEN DER MUSLIMISCHEN THEOLOGEN EINE REIHE signifikanter Verhaltensweisen voraus, durch die man ihn sich selbst und anderen gegenüber sichtbar macht. Diese Verhaltensweisen betreffen gemeinschaftliches und persönliches Benehmen: die Art sich zu kleiden, das Gebet, das Schneiden von Haaren und Nägeln, das Tragen des Schleiers durch Frauen, die körperliche Hygiene. Abu Huraira (7. Jh.) berichtet, daß der Prophet Mohammed erklärt habe, fünf Handlungen seien abgesehen von denen, die der Koran oder die sunna vorschreiben, dem Muslim empfohlen: die Beschneidung, das Rasieren des Schamhaares und der Achselhöhlen für Frauen, das Schneiden der Nägel und das Beschneiden des Schnurrbarts. Der Islam kennt Tausende Gesten, die ihn deutlich von den anderen großen Offenbarungsreligionen Judentum und Christentum unterscheiden, aber auch vom Buddhismus und Shintoismus, von animistischen Religionen, vom Schamanismus und von den indischen Religionen. - Körper und Bitte: Das offensichtlichste äußerliche Merkmal eines muslimischen Gebets besteht in verschiedenartigen, aufeinanderfolgenden Haltungen des Körpers: Verbeugung, Kniefall, Niederwerfen, aufrechte Haltung, Gruß- und Se-gensgesten in Richtung auf Allah. Das Ausstrek-ken des Zeigefingers - des Fingers des Glaubensbekenntnisses (shahada) ist beim Ende eines je-den muslimischen Gebets erforderlich. Jede dieser Gesten steht in Zusammenhang mit einer koranischen Weisung zur Demut (khushu), wie sie dut-zendemale im Koran aufscheinen (allein siebzehnmal für das Niederwerfen) und als deren Muster ein Koranvers aus der Sure al-Fath dienen kann: …Du siehst, daß sie sich verneigen und niederwerfen im Verlangen danach, daß Gott ihnen Gunst erweisen und Wohlgefallen an ihnen haben möge. Es steht ihnen auf der Stirn geschrieben, daß sie sich im Gebet oft niederwerfen." (Der Erfolg [oder Der Sieg], XLVIII, 29) Die Verbeugung sowie das Niederwerfen dienen auch der Charakterisierung der Muslime, denn es heißt im Koran, daß sie diejenigen seien, die …sich im Gebet verneigen und niederwerfen" (Die Buße, IX, 112). Dank dieses Gehorsams stellen sie sich Iblis entgegen, dem Archetyp des Teufels im Islam, der sich geweigert hat, sich niederzuwerfen, wie das heilige Buch sagt: …Und als wir zu den Engeln sagten: Werft euch vor Adam nieder! Da warfen sie sich alle nieder, außer Iblis. Derweigerte sich und war hochmütig. Er gehörte nämlich zu den Ungläubigen." (Die Kuh, 11, 34)
- Die Hygiene: Das Verhalten des Islam zur körperlichen Sauberkeit (tahära, nazäfa) ist gemäß eines sehr bekannten Ausspruches des Propheten mit dem Glauben verbunden: …Die Sauberkeit ist wesentlicher Bestandteil des Glaubens.'" Alle islamischen Anschauungen, die das Bad und die kleinen oder großen Reinigungen betreffen, haben, ebenso wie diejenigen, die hinsichtlich der allgemeinen Hygiene des Gläubigen überwiegen, ihren Ursprung in dieser Vorschrift. Dies gilt zum Beispiel auch für das hamrnäm, das Badehaus. In allen anderen Fällen sind guter Geruch und Sauberkeit empfohlen, auch wenn - Geruch der Heiligkeit verpflichtet - …der unangenehme Geruch des Mundes einer Person, die gefastet hat, Gott wohlgefälliger ist als der Geruch von Moschus"2. Der Prophet trug einen Bart, der, wie es heißt, die Größe einer Handfläche hatte, ohne über den unteren Teil des Halses (tulya) hinauszugehen. Er pflegte ihn, glättete ihn und parfümierte ihn. Seither sind der Umfang des Barts und in Anlehnung daran des Schnurrbarts Hygienebedingungen unterworfen, die der Islam fördert. Ein Übermaß ist in dieser Hinsicht wie auch sonst nicht gerne gesehen, und ein Bart, der bis an die Brust reicht, ist kein Zeichen übermäßiger Tugend. Die Nägel sollen geschnitten werden, und die Gliedmaßen sollen stets sauber gehalten werden. Nach den Worten des Propheten, wie sie Abu Huraira und, in der Folge, al-BukhärT verzeichnet haben, gilt Auszupfen und Rasieren des weiblichen Schamhaares als willkommen, ebenso wie eine anständige Frisur. - Die Verbote: Abgesehen von Schweinefleisch und jedem anderen Fleisch, das von einem Tier stammt, welches nicht im Namen Allahs geschlachtet worden sind, verbietet der Islam den Genuß jeglichen alkoholischen Getränks, auch wenn der Alkoholgehalt kaum mehr wahrzunehmen ist. Dies gilt zum Beispiel für Aperitifs, Wein oder Kuchen und Schokolade, in die ein Tropfen Alkohol eingeflossen ist, Sirup und alles, was mit Wein oder welchem Alkohol immer begossen, parfümiert oder in ihn getunkt wurde. Der Islam verbietet auch Glücksspiele, verdammt Gewinne aus Unerlaubtem, Spiele um Geld und Darlehen gegen Zinsen, und er tadelt Einnahmen aus Lotto, Kasino ... Diese Verbote gehen auf eine koranische Vorschrift zurück: …Man fragt dich nach dem Wein und dem Losspiel. Sag: In Ihnen liegt eine schwere Sünde. Und dabei sind sie für die Menschen auch manchmal von Nutzen. Die Sünde, die in ihnen liegt, ist aber größer als ihr Nutzen." (Die Kuh, 11,219) Der Islam will damit erreichen, daß der Mensch die Kontrolle über seinen freien Willen behält, da es in der Freiheit der Wahl ein nicht zu vernachlässigendes Risiko gibt, selbst die einfachsten religiösen Verpflichtungen zugunsten des Spiels und seiner …teuflischen Verlockungen" zu unterlassen. 1 Hadith vom Propheten. 2 Hadith, wiedergegeben in El-Bokhari, Les Tradition islami-ques, Bd. 4, Paris 1984, S. 127.