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									DAS ALMOSEN
das Almosen

Die Person, die spendet, soll nicht wissen, was ihre Hand gibt. islamische theorie und praxis des schenkens DAS TEILEN DER IN DIESER WELT ERWORBENEN GÜTER WIRD ALS GÖTTLICHE GUNST BETRACHTET, BILDET ALS GESETZLICH VORGE-schriebenes Almosen eine der Vorgaben des Islam und stellt eine der fünf Pflichten dar. Es gibt zwei Arten von Almosen. Die erste, die zakat, ist verpflichtend.1 Sie ist, allerdings mit einem anderen arabischen Wort, bereits im Koran erwähnt: …Nimm aus ihrem Vermögen eine Almosengabe, um sie damit rein zu machen und zu läutern" (Die Buße, IX, 103) und am besten in Form einer Verbindung von Almosen und Reinigung zu übersetzen. Sie wird unter Zugrundelegung des tatsächlichen Besitzes berechnet, von Grundstücken, Kapital und zu empfangendem Einkommen. Es handelt sich dabei um eine jährlich abzuführende, gesetzlich vorgeschriebene Almosen-Abgabe, die jedem erwachsenen Muslim ohne Rücksicht auf Geschlecht oder Herkunft auferlegt ist. Diese erste Art von Almosen bedeutet eine Abgabe in nennenswerter Höhe, die alle Muslime an die Gemeinschaft oder an den öffentlichen Haushalt entrichten, um die Solidarität zwischen den sozialen Klassen zu garantieren. Der Koran gibt vor: …Die Almosen sind nur für die Armen und Bedürftigen bestimmt, ferner für diejenigen, die damit zu tun haben, für diejenigen, die für die Sache des Islam gewonnen werden sollen, für den Loskauf von Sklaven, für die, die verschuldet sind, für den heiligen Krieg und für den, der unterwegs ist." (Die Buße, IX, 60) Das Almosen hat sich mit der Gesellschaft verändert und ist jenen Bedingungen angepaßt worden, die die islamische Religion kennzeichnen. Heutzutage sind keine Gefangenen mehr loszukaufen oder Reisende zu unterstützen. Andererseits hat sich die muslimische Bevölkerung vervielfacht und eine neue Armut, vor allem im städtischen Bereich, ist sichtbar geworden. Somit dienen die Ausgaben jetzt den benachteiligten sozialen Schichten. Das beste Almosen ist nicht länger das materiell …teuerste", sondern das, das mit Eifer und Überzeugung gespendet wird. In der ersten Zeit des Islam sprach eine kleine Gruppe sehr armer Muslime beim Propheten vor, um ihm den Fall reicher Vornehmer vorzutragen, die ihre Verpflichtungen gegenüber dem Islam sehr gewissenhaft erfüllten und darüber hinaus einen Teil ihres Besitzes dazu verwenden konnten, Almosen zu spenden. Der

Prophet antwortete ihnen folgendermaßen: …Hat Allah euch nichts gegeben, von dem ihr Almosen spenden könnt? In der Tat ist jeder tasbth ein Almosen, jeder takbir,jeder tahmid, jeder tahlil ein Almosen. Zum Guten anzuhalten ist ein Almosen. Und in der Spende des Fleisches von jedem einzelnen von euch liegt ein Almosen."2 Tasbih, takbir, tahmid und tahlil sind Formeln zum Lobpreis, die Teil des muslimischen Gebets sind und in diesem Zusammenhang von den Gläubigen regelmäßig rezitiert werden. Berühmte Theologen wie al-Bukhärt (810-870), ar-Räzi (1149-1209) oder al-Qurtubt (gestorben 1273) haben dargelegt, daß die zakät die Kraft habe, die Güter von jemandem, der aufrichtig spendet, in eigenes Wohl zu übertragen. Freiwilliges Almosen (sadaqa), unabhängig von der jährlichen Abgabe (zakät) Das heilige Buch erinnert darüber hinaus daran, daß man sich von seinen Sünden …freikaufen" könne, indem man die Abgaben abliefert, da dies den gleichen Wert habe, wie sie zu bereuen: …Wenn sie sich nun bekehren (oder: bereuen), das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, sind sie damit eure Glaubensbrüder geworden." (Die Buße, IX, 10) Schließlich zeigt eine Tradition vom Propheten, die al-Bukhâri wiedergibt, die Bedeutung der zakät in volkstümlichen Schilderungen des Jenseits: …Derjenige, dem Gott Besitztümer gegeben hat und der davon den Zehent nicht entrichtet, dem wird Gott am Tage der Auferstehung diese Besitztümer in Gestalt einer Schlange mit kahlem Kopf, aber zwei fleischigen Auswüchsen erscheinen lassen. Am Tage der Auferstehung wird sich diese Schlange um den Nacken jenes Mannes legen, sie wird ihn zwischen ihre Kiefer nehmen und sagen: Ich bin dein Besitz, ich bin dein Schatz."3 Die zweite Art von Almosen, die sadaqa, ist ein freiwilliges Geschenk, eher ein solches, das man etwa einem Armen gibt, der auf einem Markt seine Hand aufhält, als ein solches, das man einem Familienzweig zukommen läßt, der in Not ist. Auch hier gilt: Damit es als frommes Werk gelten kann, muß die sadaqa aus rechtmäßig erworbenem Vermögen oder ehrlich gemachtem Gewinn stammen. Sie muß ohne Prahlerei gegeben werden, so diskret im übrigen, daß die linke Hand das Geschenk, das die rechte Hand gibt, nicht bemerkt. Dazu bestimmt der Koran: …Ihr werdet die wahre Frömmigkeit nicht erlangen, solange ihr nicht etwas spendet, was ihr selber liebt. Und was immer ihr spendet, darüber weiß Gott Bescheid." (Die Sippe 'Imräns, m, 92) Diese beiden Almosen werden in mehr als achtzig Versen des Korans, verteilt über 34 Suren, angesprochen. Dieses häufige Vorkommen beweist die zentrale Bedeutung, die dem Almosen in der islamischen Lehre zukommt. Da das Almosen den Eintritt in das Paradies erleichtert, ohne ihn natürlich zu garantieren, hoffen alle Muslime, daß ihr Almosen genügt, um ihnen einen Platz ihrer Wahl im Jenseits zu sichern. 1 Das Wort ist am wahrscheinlichsten von …rein sein", zur Wur zel Z'k'W, herzuleiten; z&kkä und tazakka bedeuten …Almosen geben" und …sich reinigen", in Übereinstimmung mit dem Koran vers, der lautet: …Selig ist, wer sich rein hält, des Namens seines Herrn gedenkt und das Gebet verrichtet." (Der Allerhöchste, LXXXVII, 14-15) 2 Hadith vom Propheten.El-Bokhari, Les Traditions islamiques, Bd. l, Paris 1995, S. 455.


								
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