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Read the Bill of Indictment in G

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									                                                                                                1
                        STAATSANWALTSCHAFT DES KANTONS ZUG



BRIEFADRESSE   PAKETADRESSE UND DOMIZIL   Telefon: 041 728 50 00, Telefax: 041 728 50 09
POSTFACH 760   AABACHSTRASSE1
6301 ZUG       6300 ZUG


                                          Strafgericht
ANZLEI ZUG                                des Kantons Zug Postfach 760

                2 0. FEB, 2007            6301 Zug


                                          Zug, 19. Februar2007
                                          (STA 2005/41)



Sehr geehrte Frau Strafgerichtsprasidentin Sehr geehrte Mitglieder des Strafgerichts

In Sachen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, Aabachstrasse 1, Postfach 760, 6301 Zug, vertreten
durch Staatsanwalt Marc von Dach,

gegen

Daniel B e a u v o i s , geb. 26. Juli 1955, belgischer Staatsangehoriger, wohnhaft in B-1000
Brussel, Place Rouppe Nr. 14,
verteidigt durch Rechtsanwalt Bemhard Rudy, Winzerhalde 16, 8049 Zurich,
betreffend Veruntreuung (ev. Betrug), Betrug und Bevorzugung eines Giaubigers




Christoph Malms, geb. 3. Juli 1955, deutscher Staatsangehoriger, wohnhaft in 8700
Kusnacht, Schiedhaldensteig 30,
verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. Werner Wurgler, Riesbachstr. 57, Postfach 1071, 8034
Zurich,
betreffend Veruntreuung (ev. Betrug), Betrug, Glaubigerschadigung durch
Vermogensminderung
und Bevorzugung eines Giaubigers




Hans-Jiirg S c h m i d , geb. 9. Februar 1947, von Richterswil ZH, wohnhaft in 8713 Uerikon,
Storbiilerhalden 33,
verteidigt durch Rechtsanwalt Bernhard Gehrig, Ankerstrasse 24, Postfach, 8026 Zurich,
betreffend Veruntreuung (ev. Betrug), Betrug, Unwahre Angaben uber kaufmannische
Gewerbe, Betrugerischer Konkurs, Glaubigerschadigung durch Vermogensminderung, Bevor
zugung eines Giaubigers, Urkundenfaischung und Erschleichung einer falschen Beurkundung
                                                                                                 2
Heinz Schurtenberger, geb. 6. Mai 1949, von Granichen AG, wohnhaft in 8032
Zurich, Ebelstrasse 27,
verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. Florian Baumann, Ramistrasse 5, 8024 Zurich,
betreffend Veruntreuung (ev. Betrug) und Bevorzugung eines Giaubigers




Hans-Peter Weber, geb. 25. Marz 1943, von Zurich und Zug, wohnhaft in 6048 Horw,
Dormenstrasse 33,
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. Christoph Hohler, Badenerstrasse 75, 8004 Zurich,
betreffend Veruntreuung (ev. Betrug), Unwahre Angaben iiber kaufmannische Gewerbe, Betru
gerischer Konkurs, Glaubigerschadigung durch Vermogensminderung, Bevorzugung eines
Giaubigers, Urkundenfaischung und Erschleichung einer falschen Beurkundung




Jean-Marie Weber, geb. 9. April 1942, franzosischer Staatsangehoriger, wohnhaft in 6052
Hergiswil, Sonnhaldenstrasse 33,
verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. Hans Baumgartner, Sihlporte 3/Talstr., Postfach, 8022 Zurich
betreffend Veruntreuung (ev. Betrug), Betrug, Unwahre Angaben uber kaufmannische
Gewerbe, Betrugerischer Konkurs, Glaubigerschadigung durch Vermogensminderung, Bevor
zugung eines Giaubigers, Urkundenfaischung und Erschleichung einer falschen Beurkundung




erhebe ich gemass § 37 der Strafprozessordnung (StPO)
                                       ANKLAGE


                                      und stelle folgende
                                         ANTRAG E:

1.    Daniel Beauvois

1.1   Daniel Beauvois sei schuldiq zu sprechen:
      a) Der Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ev. der         Gehilfenschaft
           hierzu), eventualiter des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1           StGB (ev. der
           Gehilfenschaft hierzu) z.N. der FIFA (Globo Komplex);
      b) der Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ev. der         Gehilfenschaft
           hierzu), eventualiter des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1           StGB (ev. der
           Gehilfenschaft hierzu) z.N. der FIFA (Dentsu Komplex);
         c)    des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB (ev. der
              Gehilfenschaft hierzu) z.N. der Dentsu Inc.; d) der
              mehrfachen Bevorzugung eines Giaubigers gemass Art.
                                                                                         3
                 167 StGB (Dentsu Inc., UBS AG).



1.2   Er sei dafiir zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten.

1      Es seien dem Beschuldigten 1/6 der Verfahrenskosten aufzuerlegen.
2      Christoph Malms

           2.1  Christoph Malms sei schuldiq zu sprechen: a) Der
               Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB, eventualiter
               des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB z.N. der FIFA (Globo
               Komplex); b) der Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2
               StGB, eventualiter des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB
               z.N. der FIFA (Dentsu Komplex); c) des Betruges gemass Art.
               146 Abs. 1 StGB z.N. der Dentsu Inc. (ev. der Gehilfenschaft
               hierzu); d) der mehrfachen Bevorzugung eines Giaubigers
               gemass Art. 167 StGB (Dentsu Inc., UBS AG);
      e)      der mehrfachen Glaubigerschadigung durch Vermogensverminderung
             gemass Art. 164 Ziff. 1 StGB (ISMM AG/Nunca Stiftung/Sunbow S.A. Komplex),
             ev. der Gehilfenschaft hierzu.

2.2   Er sei dafur zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten,
      unter Anrechnung der Untersuchungshaft von 3 Tagen.

1      Es seien dem Beschuldigten 1/6 der Verfahrenskosten aufzuerlegen.
2      Hans-Jura Schmid

3.1   Hans-Jiirg Schmid sei vom Vorwurf der Falschbeurkundung gemass Art. 251 Ziff. 1
      Abs. 2 StGB hinsichtlich der Depositenbescheinigung betreffend die ISL Hospitality
      AG, ISL Hospitality (Japan) AG und die ISL Hospitality (Korea) AG freizusprechen.

         3.2 Hans-Jiirg Schmid sei schuldiq zu sprechen: a) Der Veruntreuung
              gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB, eventualiter des Betruges
              gemass Art. 146 Abs. 1 StGB z.N. der FIFA (Globo Komplex); b)
              der Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB, eventualiter
              des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB z.N. der FIFA (Dentsu
              Komplex); c) des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB z.N. der
              Dentsu Inc.; d) der mehrfachen Bevorzugung eines Giaubigers
              gemass Art. 167 StGB (Dentsu Inc., UBS AG); e) der mehrfachen
              Erschleichung einer Falschbeurkundung Art. 253 Abs. 1 StGB und
              der mehrfachen unwahren Angaben iiber kaufmannische Gewerbe
              gemass Art. 152 Abs. 1 StGB im Zusammenhang mit der ISL
              Hospitality AG, ISL Hospitality (Japan) AG und die ISL Hospitality
              (Korea) AG; f) der mehrfachen Glaubigerschadigung durch
              Vermogensverminderung gemass Art. 164 Ziff. 1 StGB (ISMM
              AG/Nunca Stiftung/Sunbow S.A. Komplex);
      g)    des betriigerischen Konkurses gemass Art. 163 Ziff. 1 StGB (ISMM AG/Nunca
                                                                                       4
          Stiftung/Sunbow S.A. Komplex).



3.3   Er sei dafur zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten,
      unter Anrechnung der Untersuchungshaft von einem Tag.

1      Es seien dem Beschuldigten 1/6 der Verfahrenskosten aufzuerlegen.
2      Heinz Schurtenberqer

        4.1 Heinz Schurtenberger sei schuldiq zu sprechen: a) Der
             Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ev. der
             Gehilfenschaft hierzu), eventualiter des Betruges gemass Art.
             146 Abs. 1 StGB (ev. der Gehilfenschaft hierzu) z.N. der FIFA
             (Globo Komplex);
b)    der Bevorzugung eines Giaubigers gemass Art. 167 StGB (UBS AG).

4.2    Er sei dafur zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren. Der Vollzug der
      Freiheitsstrafe sei im Umfang von 2 Jahren aufzuschieben und die Probezeit auf 2
      Jahre festzusetzen. Im Ubrigen (ein Jahr abzuglich der Untersuchungshaft von 4
      Tagen) sei die Freiheitsstrafe zu vollziehen.

1      Es seien dem Beschuldigten 1/12 der Verfahrenskosten aufzuerlegen.
2      Hans-Peter Weber

5.1   Hans-Peter Weber sei vom Vorwurf der Falschbeurkundung gemass Art. 251 Ziff. 1
      Abs. 2 StGB hinsichtlich der Depositenbescheinigung betreffend die ISL Hospitality
      AG, ISL Hospitality (Japan) AG und die ISL Hospitality (Korea) AG freizusprechen.

         5.2 Hans-Peter Weber sei schuldiq zu sprechen: a) Der Veruntreuung
              gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ev. der Gehilfenschaft hierzu),
              eventualiter des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB (ev. der
              Gehilfenschaft hierzu) z.N. der FIFA (Globo Komplex); b) der
              Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ev. der
              Gehilfenschaft hierzu) z.N. der FIFA (Dentsu Komplex), eventualiter
              des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB (ev. der Gehilfenschaft
              hierzu) z.N. der FIFA (Dentsu Komplex); c) der Bevorzugung eines
              Giaubigers gemass Art. 167 StGB (UBS AG); d) der mehrfachen
              Erschleichung einer Falschbeurkundung gemass Art. 253 Abs. 1
              StGB und der mehrfachen unwahren Angaben uber kaufmannische
              Gewerbe gemass Art. 152 Abs. 1 StGB im Zusammenhang mit der
              ISL Hospitality AG, ISL Hospitality (Japan) AG und die ISL
              Hospitality (Korea) AG; e) der mehrfachen Glaubigerschadigung
              durch Vermogensverminderung gemass Art. 164 Ziff. 1 StGB, ev.
              der Gehilfenschaft hierzu (ISMM AG/Nunca Stiftung/Sunbow S.A.
              Komplex);
      f)    des betrugerischen Konkurses gemass Art. 163 Ziff. 1 StGB, ev. der
           Gehilfenschaft hierzu (ISMM AG/Nunca Stiftung/Sunbow S.A. Komplex).
                                                                                       5
5.3    Er sei dafiir zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren. Der Vollzug der
      Freiheitsstrafe sei im Umfang von 2 Jahren aufzuschieben und die Probezeit auf 2
      Jahre festzusetzen. Im Ubrigen (ein Jahr abzuglich der Untersuchungshaft von
      einem Tag) sei die Freiheitsstrafe zu vollziehen.

1      Es seien dem Beschuldigten 1/6 der Verfahrenskosten sowie die Kosten der
amtlichen Verteidigung aufzuerlegen.
2      Jean Marie Weber

6.1   Jean Marie Weber sei vom Vorwurf der Falschbeurkundung gemass Art. 251 Ziff. 1
      Abs. 2 StGB hinsichtlich der Depositenbescheinigung betreffend die ISL Hospitality
      AG, ISL Hospitality (Japan) AG und die ISL Hospitality (Korea) AG freizusprechen.

         6.2 Jean Marie Weber sei schuldiq zu sprechen: a) Der Veruntreuung
              gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ev. der Gehilfenschaft
              hierzu), eventualiter des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB
              (ev. der Gehilfenschaft hierzu) z.N. der FIFA (Globo Komplex); b)
              der Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB z.N. der
              FIFA (Dentsu Komplex), eventualiter des Betruges gemass Art.
              146 Abs. 1 StGB z.N. der FIFA (Dentsu Komplex); c) des
              Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB z.N. der Dentsu Inc.; d)
              der mehrfachen Bevorzugung eines Giaubigers gemass Art. 167
              StGB (Dentsu Inc., UBS AG); e) der mehrfachen Erschleichung
              einer Falschbeurkundung gemass Art. 253 Abs. 1 StGB und der
              mehrfachen unwahren Angaben iiber kaufmannische Gewerbe
              gemass Art. 152 Abs. 1 StGB im Zusammenhang mit der ISL
              Hospitality AG, ISL Hospitality (Japan) AG und die ISL
              Hospitality (Korea) AG; f) der mehrfachen Glaubigerschadigung
              durch Vermogensverminderung gemass Art. 164 Ziff. 1 StGB
              (ISMM AG/Nunca Stiftung/Sunbow S.A. Komplex);
         g)    des betrugerischen Konkurses gemass Art. 163 Ziff. 1 StGB
              (ISMM AG/Nunca Stiftung/Sunbow S.A. Komplex); h) der
              Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ISMM
              AG/Nunca Stiftung/Sunbow S.A. Komplex).

6.3   Er sei dafiir zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten,
      unter Anrechnung der Untersuchungshaft von 8 Tagen.

1      Es seien dem Beschuldigten 1/6 der Verfahrenskosten aufzuerlegen.
2      Weiter

7.1   Ubliche Urteilsmitteilung.




I.    EINLEITUNG / PROZESSGESCHICHTE
                                                                                                6
1.    Strafanzeiqen der FIFA

1.1    Mit Eingabe vom 28. Mai 2001 erstatteten die Rechtsanwalte Dr. Thomas Sprecher und
      Nina J. Frei namens und im Auftrag der Federation Internationale de Football Association
      (im Folgenden FIFA) Strafanzeige gegen Dr. Hans-Jiirg Schmid, Hans-Peter Weber und
      Unbekannt wegen des Verdachts auf Betrug und Veruntreuung. Mit der Anzeige wurden
      verschiedene Unterlagen hinterlegt (HD 2/2-HD 2/12), und es wurde zur Begrundung im
      Wesentlichen u. sinngemass Folgendes ausgefuhrt (HD 2/1):

1.2. Am 26. Mai 1998 habe die FIFA mit der Sporis Holding AG (ISMM AG), einer international
     tatigen Sportvermarktungsagentur, einen Lizenzvertrag (..License Agreement")
     abgeschlossen, in welchem der ISMM AG die weltweiten Radio- und Fernsehuber-
     tragungsrechte der Fussballweltmeisterschaften 2002 u. 2006 mit Ausnahme von Europa
     und den USA ubertragen worden seien. Danach habe die ISMM AG der FIFA als
     Minimalentgelt fur die Verwertungsrechte der Fussballweltmeisterschaft 2002 CHF
     650'000'000.-- und fiir die Fussballweltmeisterschaft 2006 CHF 750'000'000.-- zahlen
     mussen. Die ISMM AG sei verpflichtet gewesen, samtliche Einnahmen, die bei der Ver-
     wertung der Radio- und Femsehubertragungsrechte anfallen wurden, auf ein so genanntes
     Special-Account bei der Bank Nationale de Paris (BNP) in Basel einzahlen zu lassen. Von
     diesem Konto hatte in der Folge ein Anteil der entsprechenden Betrage zeitlich in
     Abschnitten von mehreren Monaten an die FIFA weitergeleitet werden mussen. Um die
     Zahlungsflusse kontrollieren zu konnen, habe sich die Anzeigerin ausbedungen, dass ihr
     BNP von alien Transaktionsbelegen eine Kopie zustelle. Die Einrichtung dieses Special
     Account, was ein zentraler Punkt bei den Verhandlungen gewesen sei, habe gewahrleistet,
     dass die FIFA taglich alle Sublizenzeinnahmen als Gutschriften und alle Belastungen habe
     verfolgen konnen (HD 2/1, S. 3-5).

1.3    Am 29. Juni 1998 habe die ISMM Investments AG, eine 100%ige Tochter der ISMM AG,
      mit der Globo Overseas Investments B.V. und der TV Globo LTDA (nachstehend Globo)
      einen Unterlizenzvertrag (..Agreement") geschiossen, in welchem sie die ihr seitens der
      FIFA ubertragenen Rechte auf Globo ubertragen habe. Im Anhang dieses Unter-
      lizenzvertrages seien die Teilzahlungen der Lizenzgebuhren aufgefuhrt worden, die in
      zeitlich gestaffelten Tranchen auf das zwischen der FIFA und ISMM AG vereinbarte
      Special-Account zu iiberweisen gewesen waren (HD 2/1, S. 5).

1.4    Am 13. Marz 2000 sei in einer zwischen der FIFA und der ISMM AG geschlossenen
      Zusatzvereinbarung eine Beschleunigung der Zahlungen vereinbart worden. In Aban-
      derung des Ursprungsvertrages sei nunmehr festgelegt worden, dass 75% der Einkunfte,
      welche die ISMM AG der FIFA aus der Verwertung der Radio- und Femsehuber-
      tragungsrechte schulde, direkt und ohne Verzug an die FIFA weitergeleitet und jede fallige
      Zahlung angezeigt werden mussten. Des Weiteren sei ein neues Special-Account bei der
      UBS AG Luzern vereinbart worden, auf das alle Unterlizenzzahlungen hatten erfolgen
      mussen (HD 2/1, S. 6).

1.5    Gemass dem Unterlizenzvertrag mit Globo habe diese am 1. Juli 2001 als Lizenzgebuhr
      eine weitere Tranche von US$ 66'000'000.~ auf das Special-Account einzahlen mussen,
      wobei 75% dieses Betrages, mithin ca. CHF 75'000'000.--, an die FIFA hatten weiter-
      geleitet werden mussen. Tatsachlich aber habe die ISMM AG von Globo bereits im
      September 2000 eine Vorauszahlung des fraglichen Betrages, abzuglich eines Diskontes
      von US$ 6792'500.- erhalten. Grundlage dieser Zahlung sei die von Dr. Schmid Hans-Jiirg
      iibersandte Rechnung der ISMM AG vom 13. September 2000 iiber US$ 59'207'500.--
      gewesen. Die Rechnung habe ausdrucklich erwahnt, dass es sich bei der Zahlung um eine
      Vorauszahlung fiir die per 1. Juli 2001 geschuldeten US$ 66'000'000.-handle, und habe als
      Kontoverbindung nicht das mit der FIFA vereinbarte Special-Account, sondern ein anderes
      Konto bei der UBS Luzern genannt. Mit Schreiben vom 15. September 2000 hatten
                                                                                             7
      Schmid Hans-Jiirg und Weber Hans-Peter Globo namens der ISMM AG erneut bestatigt,
      dass es sich bei der fraglichen Zahlung um eine Vorauszahlung gehandelt habe (HD 2/1,
      S. 6+7).

1.6    Indem ISMM AG die fraglichen US$ 59'207'500.-- nicht auf das Special-Account habe
      einzahlen und von diesem Betrag nicht 75% an die FIFA habe abfiihren lassen, sondern
      vielmehr zur Stopfung eigener Locher verwendet habe, hatten sich die Verantwortlichen
      der ISMM AG, vorrangig Schmid Hans-Jiirg und Weber Hans-Peter, moglicherweise des
      Betruges und der Veruntreuung schuldig gemacht (HD 2/1, S. 8+9).

1.7. Mit Erganzung vom 30. Mai 2001 fiihrten die Rechtsanwalte Dr. Thomas Sprecher und
     Nina J. Frei aus, da die ISMM AG fixe Ausgaben in Hohe von monatlich CHF 7'000'000.~
     gehabt und iiber keine Liquiditat mehr verfiigt habe, sei sie zahlungsunfahig gewesen. Mit
     dem Einbehalt der der FIFA geschuldeten US$ 59'207'500.-- und deren Verwendung zur
     Tilgung von Forderungen anderer Giaubiger hatten sich neben Schmid Hans-Jiirg und
     Weber Hans-Peter auch die Mitglieder des Verwaltungsrates der ISMM, die iiber deren
     Zahlungsunfahigkeit im Herbst 2000 orientiert gewesen seien, einer Glaubigerbevor-
     zugung strafbar gemacht (HD 2/13).

1.8    Mit Schreiben vom 27. Juni 2001 erganzten die Rechtsanwalte Dr. Thomas Sprecher und
      Nina J. Frei die Strafanzeige erneut und fiihrten zur Begrundung im Wesentlichen und
      sinngemass folgendes aus:

1.9    Am 5. November 1999 habe die ISMM Investments AG (welche spater mit der Sporis
      Holding fusioniert habe und spater in ISMM AG umfirmiert worden sei) einen Unter-
      lizenzvertrag mit der Fa. Dentsu Inc. abgeschlossen, mit welchem sie dieser gegen eine
      Lizenzgebuhr von mindestens CHF 220'000'000.-- die Radio- und Femseh-
      ubertragungsrechte der Fussballweltmeisterschaft 2002 fur Japan ubertragen habe (HD
      2/14, S. 5).

1.10 Bereits am 10. respektive 18. November 1999 sei in zwei Zusatzvertragen vereinbart
     worden, dass Dentsu den Minimalbetrag von CHF 220'000'000.-- abzuglich einer
     Pauschale von CHF 400'000.- spatestens bis zum 30. November 1999 an die ISMM AG zu
     iiberweisen habe. Die erste Zusatzvereinbarung sei von Beauvois Daniel, die zweite von
     Beauvois Daniel und Schiller David unterzeichnet worden (HD 2/14, S. 5).

1.11 Am      17. November 1999 habe die ISMM AG Dentsu eine Rechnung iiber CHF
     219'600'000.- mit der Bitte um Uberweisung dieses Betrages auf ein nicht mit dem Special-
     Account identischen Konto bei der BNP ubersandt, wobei der der FIFA aus dieser Zahlung
     zustehende Anteil an diese weitergeleitet worden sei, weshalb sie damals nichts Weiteres
     gegen die ISMM AG unternommen habe (HD 2/14, S. 6).

1.12 Am 15. September 2000 sei zwischen ISMM und Dentsu in einer von Weber Jean-Marie
     und Beauvois Daniel unterzeichneten Vereinbarung („Memorandum of Understanding") die
     Zahlungsverpflichtung von Dentsu dergestalt abgeandert worden, dass diese der ISMM
     AG Lizenzgebuhren von total CHF 259'600'000.- hatte bezahlen sollen, sodass abzuglich
     der bereits bezahlten CHF 219'600'000.- noch ein Betrag von CHF 40'000'000.~ often
     gewesen ware.
     Diese Vereinbarung sei der FIFA ebenso wenig mitgeteilt worden, wie der Umstand, dass
     die durch Dentsu zu leistende Zahlung nicht nur den Minimalbetrag von CHF
     220'000'000.-, sondern insgesamt CHF 259'600'000.-- umfasst habe.

      Die erste Tranche von CHF 15'000'000.-- habe Dentsu am 20. Oktober 2000 iiberweisen
      mussen; die ISMM AG habe jedoch mit Datum vom 27. September 2000 Dentsu eine
                                                                                                8
     Rechnung mit der Bitte um Uberweisung dieses Betrages auf ein Konto bei der UBS
     Luzern ubersandt, welches nicht mit dem Special-Account identisch gewesen sei. Da 75%
     der erhaltenen CHF 15'000'000.~ nach der zwischen der ISMM AG und der FIFA
     vereinbarten Zusatzvereinbarung vom 13. Marz 2000 sofort nach Zahlungseingang an die
     FIFA hatten weitergeleitet werden miissen, die ISMM AG die Gelder jedoch zur Tilgung
     sonstiger Schulden gebraucht habe, habe sie diese zweckfremd verwendet (HD 2/14, S.
     7+8).

1.13 Bis zu diesem Zeitpunkt habe Dentsu somit bereits Lizenzzahlungen in Hohe von
     insgesamt CHF 234'600'000.~ erbracht, so dass noch ein Restbetrag von CHF
     25'000'000.-- often gewesen sei.

     Per 15. Dezember 2000 sei die ISL Worldwide, eine Tochtergesellschaft der ISMM,
     verpflichtet gewesen, der FIFA eine Bankgarantie iiber US$ 66'000'000.-- auszustellen. Da
     sie hierzu infolge eines Liquiditatsengpasses nicht in der Lage gewesen sei, habe sich
     Dentsu am 17. Januar 2001 in einem zwischen Dentsu, der ISL Worldwide und ISMM
     abgeschlossenen Memorandum of Understanding bereit erklart, die Erbringung dieser
     Bankgarantie zu ubernehmen. Um Dentsu im Falle der Inanspruchnahme der Bank-
     garantie schadlos zu halten, habe die ISMM AG im Gegenzug ihre noch offenen
     Forderungen gegen Dentsu in Hohe von CHF 25'000'000.- an diese verpfandet. Diese
     Vereinbarung sowie ein weiteres Scheiben vom 17. Januar 2001 seien auf Seiten der
     ISMM AG von Weber Jean-Marie und Malms Christoph sowie auf Seiten der ISL
     Worldwide von Weber Jean-Marie sowie Brunner Urs unterzeichnet worden. Die
     Sicherheit, welche die ISMM AG gegenuber Dentsu bestellt habe, sei erfolgt, als erstere
     bereits zahlungsunfahig gewesen sei (HD 2/14, S. 8+9).

1.14 Mit Eingabe vom 29. Juni 2004 erklarte RA Dr. Peter C. Honegger im Namen der FIFA „in
     Kenntnis der heutigen Sach- und Aktenlage das Desinteresse an einer weiteren
     Strafverfolgung" (HD 2/251). Mit Verfugung vom 27. Juli 2004 verpflichtete der Unter-
     suchungsrichter die FIFA, im Einzelnen und konkret die Griinde fiir die Desinteresse-
     erklarung mitzuteilen und die Ausfuhrungen schlussig zu belegen (HD 2/252). Am 6.
     August 2004 erklarte RA Dr. Peter C. Honegger, dass sich die FIFA entschlossen habe,
     auf eine Parteistellung im Strafverfahren zu verzichten. Sie wolle sich auf die zivil-
     rechtlichen Fragen konzentrieren und in diesem Rahmen ihre Schadenersatzanspruche
     verfolgen (HD 2/253). Nachdem der Untersuchungsrichter hierauf dem Rechtsvertreter
     mitgeteilt hatte, dass die Darlegungen ungeniigend seien, und um entsprechende
     Erganzung und Untermauerung der Ausfuhrungen ersucht werde (HD 2/254), teilte der
     Rechtsvertreter der FIFA am 3. September 2004 sinngemass und zusammengefasst mit,
     dass sich die mit Schreiben vom 29. Juni 2004 gewahlte Formulierung „in Kenntnis der
     heutigen Sach- und Aktenlage" grundsatzlich nicht auf Umstande beziehe, welche fiir das
     Strafverfahren relevant seien. Relevant seien vielmehr die neuen Kenntnisse der FIFA
     hinsichtlich der Rolle der Banken im Vorfeld des Konkurses der ISMM/ISL Gruppe; die
     UBS AG sei durch die inkriminierten Vorauszahlungen massgeblich begunstigt bzw.
     besser gestellt worden. Die Konkursmassen ISMM/ISL sowie Infront - in eigenem Recht
     und als Zessionarin der FIFA - hatten deshalb eine Riickforderungsklage gegen die UBS
     AG vor dem Handelsgericht Zurich angestrengt. Das Interesse der FIFA an diesem
     Zivilprozess sei heute hoher als das Interesse am Strafprozess. Dies gelte umso mehr, als
     seit Einreichung der Strafanzeige mehr als drei Jahre vergangen seien (HD 2/255).

1     Auf Grund zusatzlicher Erkenntnisse dehnte das Untesuchungsrichteramt das Verfahren
von Amtes wegen auf weitere Sachverhalte aus (vgl. nachstehend Ziffer II. Sachverhalt, Ziffer
10-15).
                                                                                            9
2      Verfahrensqana

            Die Strafuntersuchung wurde auf Grund der erwahnten Anzeige am 29. Mai 2001
            gegen     Hans-Jiirg    Schmid      und  Hans-Peter   Weber     eroffnet   und
            Untersuchungsrichterin S. Anlauf zugeteilt. Nachdem erste Erhebungen und
            Einvernahmen durchgefuhrt waren, wurde Th. Hildbrand zum ausserordentlichen
            Untersuchungsrichter ernannt und im April 2002 mit dem Verfahren betraut. Nach
            der Abnahme von weiteren Beweisen musste die Unter
^ suchung auf Daniel Beauvois, Christoph Malms, Heinz Schurtenberger und Jean-Marie Weber
            ausgedehnt werden. Die drei Letztgenannten wurden im November 2002 voruber-
            gehend in Haft genommen (D 2/B/1, D 2/B/3, D 2/B/5). Auf Grund eines
            Ausstandsbegehrens von Jean-Marie Weber ruhte das Verfahren von Dezember
            2002 bis Marz 2003 (D 2/L/2/1 ff.).

             Wahrend der Untersuchung wurden den Beschuldigtenvertretern verschiedentlich
             Aktenstiicke in Kopie zugestellt (D 2/A/1/6, D 2/A/1/8, D 2/A/1/14, D 2/A/1/41, D
             2/A/1/42, D 2/A/1/49), mehrmals unter Hinweis auf den Untersuchungsgegenstand
             Teilakteneinsicht gewahrt und jeweils - wie auch im Anschluss an die
             durchgefuhrten Schlusseinvernahmen - die Moglichkeit zur Stellung von
             Aktenerganzungsbegehren gegeben (D 2/A/1/26, D 2/A/1/44, D 2/A/1/66).
             Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass die Rechtsanwalte die
             Moglichkeit hatten, in samtliche Akten, welche der Uberweisungsverfugung zu
             Grunde gelegt sind, Einsicht zu nehmen (betreffend Nachgang zu dieser
             Verfugung
£ vgl. nachfolgende Ziff. 4). Das Gesuch von Hans-Peter Weber um nochmalige Einsicht in
             einen Teil der Akten, welche wahrend des Verfahrens often standen, wurde
             rechtskraftig abgewiesen (D 2/A/5).



        3. Untersuchunqshandlunqen

        3.1 Beschlaanahmunaen

              Bei alien Beschuldigten (mit Ausnahme von Daniel Beauvois) wurden im Rahmen
              von Hausdurchsuchungen Unterlagen beschlagnahmt (D 2/C und 2 D). Christoph
              Malms, bei welchem lediglich ein Lohnausweis sichergestellt werden konnte,
              stellte der Untersuchungsbehorde nach seiner Haftentlassung verschiedene
              Unterlagen zur Einsicht zur Verfugung (D 2/A/2/8), welche teilweise zu den Akten
              genommen wurden (D 16/3 und D 16/4). Alle Beschlagnahmungsverfiigungen
              blieben unangefochten.
3.2   Editionen

      Die Bankunterlagen wurden mehrheitlich im Rahmen von Editionsverfahren zur Unter-
      suchung genommen (D 5). Die UBS AG hinterlegte zusatzlich und unaufgefordert ver-
      schiedene Dokumente (D 5/124/17 ff.). Ebenfalls im Rahmen von Herausgabeverfahren
      wurden von der Revisionsstelle der ISMM Gruppe (KPMG Fides Luzern) Unterlagen zu
      den Akten gereicht oder durch die Untersuchungsbehorde bei ihr erhoben (D 6).
      Editionsverfahren wurden auch gegeniiber der PriceWaterhouse Coopers AG (D 19)
      und der KPMG Fides im Zusammenhang mit der Wahmehmung der Kontrollrechte
                                                                                                10
      durch die FIFA (D 20) sowie der Infront WM AG (D 21) im Zusammenhang mit den
      Nachfolgevertragen durchgefuhrt. Alle Editionsverfiigungen blieben unangefochten.

3.3   Geschaftsakten betreffend Gesellschaften der ISMM Gruppe

3.3.1 Im Zeitpunkt der Eroffnung des Strafverfahrens war der Konkurs uber die ISMM AG und
      der ISL Worldwide bereits eroffnet. Die Geschaftsakten der konkursiten Gesellschaften
      befanden sich im Gewahrsam des Konkursamtes bzw. der ausseramtlichen Konkurs-
      verwaltung (Ernst&Young AG, Basel), weshalb auf eine Beschlagnahme dieser Akten
                               1
      verzichtet werden musste (vgl. auch D 2/F/15). Diesbeziigliche Unterlagen wurden im
      Rahmen von Ersuchen entweder im Original oder in Kopie zu den Untersuchungsakten
      genommen (exemplarisch: D 2/F/15). Die ausseramtliche Konkursverwaltung wurde mit
      Schreiben vom 24. Mai 2002 ersucht, ohne das Einverstandnis der Untersuchungs-
      behorde keine Akten an Dritte auszuhandigen. Bei einer allfalligen Akteneinsicht durch
      Dritte hat sie zudem sicherzustellen, dass keine Akten abhanden kommen. Die
      Ernst&Young AG wurde in diesem Zusammenhang auf den Tatbestand der
      Begiinstigung hingewiesen (D 2/F/2: Ziffer 1 und 3).

      Die Gesellschaftsakten der ISMM Gruppe wurden im Rahmen des Konkursverfahrens
      in Archivschachtein abgelegt und inventarisiert. Der Ausdruck der Archiv Datenbank
      (fiinf Ordner) wurde am 11. Juni 2003 zu den Akten genommen (D 2/F/39, 8/A/1-
      8/A/2284). Dadurch wurde der gezielte Zugriff auf die in 2284 Schachteln abgelegten
      Ordner und zum Teil losen Unterlagen erleichtert. Die Inventarisierung der Akten konnte
      jedoch nicht daruber hinwegtauschen, dass die urspriingliche Ablage der Unterlagen
      durch die fur die jeweilige Gesellschaft tatigen Personen mit wenig System und
      dementsprechend unubersichtlich erfolgte.

3.3.2 Die     Privatklagerin, welche auf Grund der Teilrevision der Zuger StPO ab 2003 die
      Stellung einer Auskunftsperson hatte, wurde in der Regel mittels Ersuchen
      (exemplarisch: HD 2/56), jedoch auch mit Editionsverfiigungen zur Mitwirkung
      aufgefordert (exemplarisch: HD 2/132). Auf Grund ihrer Desinteresseerklarung hatte sie
      ab dem 29. Juni 2004 die prozessuale Stellung einer Anzeigerin (HD 2/251).



1


   Robert Hauser/Erhard Schweri, Schweizerisches Strafprozessrecht, 5. A., Basel 2002, 316,
   N 15
3.4 Einvemahmen

      Die Beschuldigten hatten die Moglichkeit, an alien Einvemahmen teilzunehmen (vgl. die
      nachfolgenden Einschrankungen: Ziffer 3.5).

3.5   Rechtshilfeverfahren

3.5.1 Die Zeugen Harayuki Takahashi und Tsuruda Tomoharu (Dentsu Inc.) sowie Marcelo
      Campos Pinto (Globo Ltd.) wurden am 26. August und 2. September 2002 einvernommen
      (D 3/25 - 27), mithin bevor das Verfahren auf Daniel Beauvois, Christoph Malms, Heinz
                                                                                           11
     Schurtenberger und Jean-Marie Weber ausgedehnt werden musste. In Beachtung der
     sich aus Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK ergebenden Garantien wurde die nochmalige Einver-
     nahme der Zeugen Marcelo Campos Pinto und Harayuki Takahashi in der Schweiz ins
     Auge gefasst. Da die Einvemahmetermine nicht innert nutzlicher Frist vereinbart werden
     konnten (D 2/K/12 ff. und insb. D 2/K/25, D 2/K/29), wurden entsprechende Rechtshilfe-
     verfahren angestrengt (D 2/G/14 ff. und D 2/G/51ff.: Brasilien und Japan). Auf eine
     nochmalige Einvernahme von Tsuruda Tomoharu wurde verzichtet. Indes wurde von
     Amtes wegen die rechtshilfeweise Einvernahme des Zeugen Fernando Viegas in die
     Wege geleitet (D 2/G/14 ff.: Brasilien). Die Fragen, welche den Rechtshilfebehorden zu-
     gestellt wurden, gingen vorgangig mit der Moglichkeit zur Einreichung von Erganzungs-
     fragen an die Vertreter der Beschuldigten (D 2/A/1/15). Innert den gesetzten Fristen
     gingen keine Erganzungsfragen ein (D 2/A/1-2/A/6).

3.5.2 Mit Entscheid vom 9. April 2004 entsprach die 15. Strafkammer des Landgerichtes Tokyo
     dem Rechtshilfeersuchen um Vernehmung des Zeugen Harayuki Takahashi. Das mit der
     Sache befasste Gericht gestattete die Anwesenheit des Untersuchungsrichters und der
     Verteidiger der Beschuldigten. Der Antrag des Untersuchungsrichters, auch die Beschul-
     digten zur Einvernahme zuzulassen, wurde abgewiesen (D 2/G/202: Deutsche Uber-
     setzung des Entscheides). Die Einzelheiten betreffend den Ablauf der Einvernahme
     wurden den Rechtsanwalten am 24. Juni 2004 schriftlich mitgeteilt (D 2/A/1/53). Die
     Vernehmung wurde am 20. Juli 2004 durch die ersuchte Behorde in Anwesenheit von
     Rechtsanwalt Dr. Hans Baumgartner (Rechtsanwalt von Jean-Marie Weber) und Unter-
     suchungsrichter Th. Hildbrand sowie der von der schweizerischen Untersuchungsbehorde
     bestellten Dolmetscherin Ikuko Soeshima-Anders durchgefuhrt (D 3/63: Deutsche Uber-
     setzung des Einvemahmeprotokolls). Die ubrigen Beschuldigtenvertreter verzichteten
     ausdriicklich auf die Teilnahme an der Zeugeneinvernahme (D 2/A//1/51, D 2/A/2/87, D
     2/A/3/58, D 2/A/4/72, D 2/A/5/75). RA Baumgartner stellte keine Erganzungsfragen.

3.5.3 Marcelo Campos Pinto wurde am 14. Dezember 2004 in Rio de Janeiro einvernommen,
     wobei zur Verfahrensabwicklung auf das bereits unter Ziff. 2.5.2 Gesagte verwiesen
     werden kann. Beizufugen ist allerdings, dass die brasilianischen Behorden die Anwesen-
     heit der Beschuldigten gestatteten. Das diesbeziigliche Recht wurde aber nicht ausgeiibt.
     Den bei der Vernehmung nicht anwaltlich vertretenen Beschuldigten wurde zu ihrer
     Interessenwahrung eine ortliche Verbeistandung bestellt. Die Vernehmung wurde in
     Anwesenheit von Rechtsanwalt Dr. Hans Baumgartner (Rechtsanwalt von Jean-Marie
     Weber) und Untersuchungsrichter Th. Hildbrand sowie der von einer durch die
     brasilianischen Behorden bestellten Dolmetscherin durchgefuhrt. Dasselbe gilt mit Bezug
     auf den Zeugen Fernando Viegas, welcher gleichentags und im Anschluss an die Einver-
     nahme von Marcelo Campos Pinto unter Anwesenheit derselben Personen befragt wurde.
     Zum Zeitpunkt der Uberweisung der Strafsache an die Staatsanwaltschaft lagen die
     diesbeziiglichen Einvernahmeprotokolle noch nicht vor (vgl. hierzu die nachfolgende Ziff.
     4.2).

3.5.4 Mit Bezug auf die von der Aktionarsschaft geplanten    IPO und ABS wurde der feder-
      fiihrenden Gesellschaft (UBS Warburg London) auf dem Rechtshilfeweg ein Fragenkatalog
      zur schriftlichen Beantwortung vorgelegt (D 2/G/5 ff.). Die Fragen wurden im Rahmen
      einer Zeugeneinvernahme beantwortet (D 3/41 und D 3/42) und die im
      Rechtshilfeersuchen angeforderten Dokumente hinterlegt (D 22). Die Beschuldigten
      reichten weder Erganzungsbegehren ein, noch wurden Einwande vorgebracht.
                                                                                                12
3.5.5 Im Zusammenhang mit dem Nunca /Sunbow Komplex wurden die liechtensteinischen
     Behorden um Rechtshilfe ersucht, welche gewahrt und vollzogen wurde (D 25/1/125/1/14).
     Die Beschuldigten reichten weder Erganzungsbegehren ein, noch wurden Einwande
     vorgebracht.


3.6   Gutachten

      Am 21. Oktober 2002 wurde ein buchhalterisches Gutachten in Auftrag gegeben (D 7/A/2).
      Gegen die Ernennung des Experten Pascal Petrucelli gingen mehrere Beschwerden ein (D
      2/L/6/1). Letztlich teilte dieser mit, dass er das Gutachten nicht erstellen wiirde, weshalb
      der Auftrag am 8. Juli 2003 widerrufen wurde (D 7/A/24).

      Mit Verfugung vom 26. August 2003 wurde Stefan Tobler, dipl. Wirtschaftsprufer, zum
      Gutachter ernannt (D 7/C/13). Diese blieb unangefochten. Am 15. September 2003 wurde
      ihm ein detaillierter Auftrag erteilt (D 7/C/14), welcher den Beschuldigtenvertretem mit der
      Moglichkeit, Erganzungsfragen einzubringen, zugestellt wurde (D 2/A/1/28). Innert der
      gesetzten Frist gingen keine Zusatzfragen ein. Das der Untersuchungsbehorde mit
      Schreiben vom 30. Dezember 2003 zugestellte Gutachten (D 7/C/38) wurde den Beschul-
      digtenvertretem am 2. Marz 2004 mit der Moglichkeit der Einreichung allfalliger Ergan-
      zungsfragen zugestellt (D 2/A/1/42). Einzig der Verteidiger des Beschuldigten Heinz
      Schurtenberger unterbreitete der Untersuchungsbehorde mit Schreiben vom 23. Marz
      2004 Erganzungsfragen (D 2/A/4/62). Der Antrag wurde mit Verfugung vom 6. April 2004
      abgewiesen (D 2/A/4/66). Sie blieb unangefochten. Mit Schreiben vom 18. Mai 2004
      wurden dem Experten von Amtes wegen verschiedene Erganzungsfragen unterbreitet (D
      7/C/40), welche mit Eingabe vom 20. August 2004 beantwortet wurden (D 7/C/44). Im
      Rahmen der Schlussakteneinsicht wurden den Anwalten der Beschuldigten die erganzen-
      den Ausfiihrungen des Gutachters offen gelegt und die Moglichkeit zur Stellung von
      Erganzungsbegehren eingeraumt (D 7/A/1/66). Davon wurde nicht Gebrauch gemacht.
      Die Unterlagen, welche dem Gutachten zu Grunde gelegt wurden, stammen aus den von
      der ausseramtlichen Konkursverwaltung archivierten Geschaftsunterlagen und den Akten
      der Revisionsstelle der ISMM Gruppe. Die diesbezuglichen Schriftstucke sind dem
      Gutachten beigelegt (D 7/D). Die Buchhaltungsunterlagen als solche bleiben bis zur
      Beendigung der Konkursverfahren als Sekundarakten im Gewahrsam der ausseramtlichen
      Konkursverwaltung. Diese wurde mit Schreiben vom 15. Januar 2004 iiber das
      diesbeziigliche Prozedere und unter Nennung der einschlagigen Archivkisten sowie unter
      Hinweis auf den Tatbestand der Begiinstigung (Art. 305 StGB) orientiert (D 7/C/39).



4.    Weiteres

4.1    Am 18. Marz 2005 schloss das Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug (Unter-
      suchungsrichter lic.iur. Thomas Hildbrand) die Strafuntersuchung gegen die Beschuldigten
      ab und iiberwies die Akten der Staatsanwaltschaft. Der Untersuchungsabschluss erfolgte
      unter dem ausdriicklichen Vorbehalt, dass Unterlagen, welche nach Erlass der
      Uberweisungsverfiigung beim Untersuchungsrichteramt Zug eingehen, der Staatsanwalt-
      schaft nachtraglich zugestellt werden. Gleichzeitig wurde festgehalten, dass allfallige damit
      verbundene Untersuchungshandlungen vom Untersuchungsrichteramt Zug vorgenommen
      und den Parteien in einer erganzenden Verfugung zur Kenntnis gebracht werden (vgl. Ziff.
      12 der Uberweisungsverfiigung).
                                                                                     13
4.2 Mit Verfugung vom 7. November 2005 ubermittelte der Untersuchungsrichter im Nach-
    gang zur Uberweisungsverfiigung folgende Unterlagen der Staatsanwaltschaft:

      Erganzte Kostennote vom 30. Juni 2005 betreffend alle Beschuldigten (HD 1/5 f.)
      Unterlagen aus Rechtshilfeverfahren mit Brasilien betr. alle Beschuldigten (D 2/G/245 ff.)
      Anfrage der ausseramtlichen Konkursverwaltung vom 25. Oktobewr 2005 und Folgekorrespondenz betr. alle
      Beschuldigten (D 2/H/168 ff.)
      Medienmitteilung mit diesbezuglicher Korrespondenz betr. alle Beschuldigten (D 2/I3 ff.)
      Beschwerdeverfahren JS 2005/7, JS 2005/9, JS 2005/10 betr. alle Beschuldigten (D 2/L)
      Nachfolgekorrespondenz mit Beilagen zur Editionsverfugung vom 4. November 2004 an die Credit Suisse
      betr. alle Beschuldigten (D 26/119 ff.)
      Editionsverfugung vom 24. August 2004 an Dr. Peter Nobel betr. alle Beschuldigten; vollstandige Unterlagen
      betreffend das Beschwerdeverfahren JS 2004 73 / JS 2005/50; vollstandige Unterlagen betreffend das


      Beschwerdeverfahren 1P.32/2005 (D 26/127 ff.);
      Verfugung vom 14. Februar 2005 an Dr. Thomas Bauer, Basel, betr. den Beschuldigten J.M. Weber; an die
      Verfugung anschliessende Korrespondenz (D 27/11/1 ff.)



      Da diese Unterlagen (gesammelt in einem Ordner) den Verteidigern noch nicht zur Ein-
      sicht aufgelegt wurden, verzichtet die Staatsanwaltschaft im Hinblick auf die vom Strafge-
      richtsprasidium noch zu verfiigende Akteneinsicht (§ 2 Abs. 2 Ziff. 2 StPO) auf die Einord-
      nung in die vorbereiteten, einzelnen Dossiers. Der entsprechende Ordner wird daher se-
      parat nebst den Untersuchungsakten dem Strafgericht ubergeben.
4.3    Mit Datum vom 4. Mai 2006 ubermittelte das Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug der
      Staatsanwaltschaft eine Aktennotiz des Untersuchungsrichters vom 1. Dezember 2005 betreffend
      Korrespondenz mit Herm Andrew Jennings sowie Unterlagen, welche von diesem beim
      Untersuchungsrichteramt Zug im Dezember 2005 / Januar 2006 eingereicht worden waren. Diese
      Unterlagen, in welche die Verteidiger noch keine Einsicht hatten, sind - zusammen mit einzelnen
      bis zur Anklageerhebung angefallenen Verfahrensakten - in einem separaten Dossier samt
      Verzeichnis abgelegt ("Akten Staatsanwaltschaft").


4.4   Anzumerken bleibt schliesslich, dass die Staatsanwaltschaft der grossen Auslastung wegen mit
      den Arbeiten im vorliegenden Fall erst anfangs 2006 beginnen konnte; die Arbeiten dauerten mit
      grosseren Unterbruchen rund zehn Monate.


II.   SACHVERHALT


1.    Einleitung

      Die nachfolgende Rubrik dient als ersten Uberblick uber die zur Diskussion stehenden Vorwurfe,
      ohne bereits eine Schuldfeststellung zu treffen und ohne schon eine Zuordnung der Sachverhalte
      zu den Beschuldigten vorzunehmen. Soweit der Begriff "Verantwortliche" verwendet wird, handelt
      es sich um eine vereinfachte Umschreibung der Personen, die fiir die Gesellschaften tatig waren;
      einen Verantwortlichkeitsvorwurf beinhaltet die Umschreibung fur sich noch nicht. Der
      nachfolgende Text ist identisch mit demjenigen in der Uberweisungsverfiigung.

2.    Vorgaben

      Die ISMM (ISL) Gruppe (International Sports Media und Marketing) gehorte Ende 2000 auf dem Gebiet des
                                                                                                            14
     Sports zu den bedeutendsten Medien- und Marketingunternehmen. Sie hatte ihre Wurzeln in der 1982 von
     Horst Dassler gegrundeten Marketing Agentur ISL. Die Gruppe "kaufte" von den intemationalen
     Sportverbanden Veranstaltungsrechte ("rigths-in") und "verkaufte" diese an Sponsoren, Fernsehsender oder
     Lizenznehmer weiter ("rigths-out). Die verschiedenen Aktivitaten wurden unter der Dachgesellschaft ISMM
     AG und ihrer Tochtergesellschaften strukturiert und weltweit mittels selbstandiger Medien-, Marketing- und
     Dienstleistungsgesellschaften abgewickelt. Im Jahre 2000 wurde insbesondere die Spitze des Konzerns um
     strukturiert (Fusionen, Umfirmierungen), ohne dass das Grundkonzept der Aktivitaten verandert wurde. Die
     ISMM AG (vormals Sporis Holding AG) war weiterhin als Holdinggesellschaft konzipiert, welche
     insbesondere Beteiligungen, aber auch Rechte hielt und hauptsachlich fur die strategische Gesamtfuhrung
     des Unternehmens bzw. des Konzerns und die Wahrnehmung der Kontrollfunktionen uber samtliche
     Gruppengesellschaften zustandig war. Der Hauptteil des operativen Geschaftes wurde uber die ISL
     Worldwide abgewickelt, die insbesondere als Dienstleistungsgesellschaft vertragliche Leistungen fiir
     Tochtergesellschaften erbrachte.


3.    Veruntreuung z.N. der FIFA (Globo Komplex)

     Mit Vertrag vom 26. Mai 1998 gewahrte die Federation Internationale de Football Association (FIFA) der
     Sporis Holding AG mit Ausnahme von Europa und den USA das weltweite Exklusivrecht fiir die Nutzung /
     Verwertung der Radio- und Fernseh-Ubertra-gungsrechte der Weltmeisterschaften 2002 und 2006. Gemass
     dieser Vereinbarung war die Sporis Holding AG verpflichtet, alle Entschadigungen im Zusammenhang mit
     den UnterlizenzvertrSgen auf ein Spezialkonto zu uberweisen bzw. uberweisen zu lassen. Laut
     Zusatzvereinbarung vom 13. Marz 2000 war der FIFA von jedem Eingang Mitteilung zu machen, damit diese
     die Moglichkeit hatte, die ihr zustehenden 75 % einzufordern. Sie war verpflichtet, der FIFA alle
     Unterlizenzvertrage vollumfanglich bekannt zu geben und ihr spatestens zwanzig Tage nach Unterzeichnung
     eines Unterlizenzvertrags eine Kopie davon zu ubergeben.

Am 29. Juni 1998 schloss die ISMM Investment AG, eine Tochtergesellschaft der Sporis Holding AG, mit der Globo
Overseas Investment B.V. und der TV Globo LTDA einen Unterlizenzvertrag, mit welchem diesen die Rechte fur
die Verwertung der Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte der Weltmeisterschaften 2002 fiir das Territorium
Brasilien ubertragen wurden. Das Entgelt fur die Rechte betrug USD 221'000'000.- und war nach einem
bestimmten Zeitplan zu uberweisen. Gemass dem Zusatz vom 17. Dezember 1998 war Globo verpflichtet, am 1.
Juli 2001 einen Teil der Lizenzgebuhr, namlich USD 66'000'000.- an ihren Vertragspartner zu bezahlen.

Im Verlaufe des Sommers 2000 vereinbarten die Verantwortlichen der ISMM Gruppe mit Globo eine Zahlung,
welche in der Hohe der am 1. Juli 2001 falligen Lizenzgebuhr entsprach, wobei Globo ein Diskont von USD
6'792'500.~ gewahrt wurde. Ober die Restsumme von USD 59'207'500.stellte die ISMM AG am 13. September
2000 Rechnung. Der darin als Vorauszahlung umschriebene Betrag war nicht auf das mit der FIFA vereinbarte
Special-Account, sondern das Konto Nr. 248-594050.60J bei der UBS Luzern, lautend auf ISL Worldwide, zu
uberweisen. Er wurde mit Valuta 18. September 2000 diesem Konto gutgeschrieben.

Entgegen den vertraglichen Bestimmungen wurde die FIFA weder iiber diesen Eingang informiert, noch wurde der
Betrag in das Special-Account iiberwiesen. Der gesamte Betrag wurde innerhalb der ISMM Gruppe verwendet. Die
Bereicherung entsprach 75 % des Einganges d.h. USD 44'405'625.-.

Der Schaden bestand im Zeitpunkt der vertraglichen Mitteilungspflicht in der Hohe des der FIFA aus dem
Unterlizenzvertrag zustehenden Anteils, d.h. 75 % von USD 66'000'000.- bzw. USD 49'500'000.-. Die ISMM AG
und die ISL Worldwide waren per 30. September 2000 unter Beriicksichtigung notwendiger Abschreibungen,
Ruckstellungen und Wertberichtigungen uberschuldet u. illiquid. Vor diesem Hintergrund war die
Vermogensposition in jedem Fall gefahrdet.

Die Beschuldigten hatten weder die Absicht, im Zeitpunkt des Zahlungseinganges den vertraglichen
Verpflichtungen gegenuber der FIFA nachzukommen, noch waren sie personlich oder die ISMM AG und die ISL
Worldwide in der Lage, fiir den der FIFA zustehenden Anteil Ersatz zu leisten.


Betrug z.N. der FIFA (Globo Komplex) (Eventualvorwurf)

Durch die Unterdruckung der gemass Vertragsverhaltnis von der ISMM AG offen zu legenden und vorstehend
unter Ziffer 3 beschriebenen Tatsachen wurde die FIFA uber einen Umstand irregefiihrt, bei dessen Kenntnis sie
die ihr zustehende Forderung hatte geltend machen konnen. Dies musste infolge Unkenntnis der Verabredung
zwischen der ISMM AG bzw. ISL Worldwide und Globo Overseas Investment B.V. und der TV Globo LTDA
unterbleiben und fuhrte vorweg bei der ISL Worldwide im Umfang des ihr auf Grund des Vertragsverhaltnisses
nicht zustehenden Betrages zu einer Bereicherung von 75 % des Einganges d.h. USD 44'405'625.-.
                                                                                                              15
Die FIFA wurde durch das Verhalten der ISMM AG im Zeitpunkt der vertraglichen Mitteilungspflicht in der Hohe
des ihr zustehenden Anteils im Umfange des ihr entgangenen, vertraglich zustehenden Betrages geschadigt d.h.
75 % von USD 66'000'000.- bzw. USD 49'500'000.~. Die ISMM AG und die ISL Worldwide waren per 30.
September 2000 unter Beriicksichtigung notwendiger Abschreibungen, Ruckstellungen und Wertberichtigungen
uberschuldet und illiquid. Vor diesem Hintergrund war die Vermogensposition in jedem Fall gefahrdet. Die
Beschuldigten waren sich des vorstehend beschriebenen Sachverhaltes bewusst und handelten mit der Absicht,
mit den der ISMM AG bzw. ISL Worldwide nicht zustehenden Geldern Forderungen von Glaubigern der ISMM
Gruppe zu begleichen bzw. begleichen zu lassen. Die FIFA hatte im Rahmen des ihr vertraglich zustehenden und
ausgeubten Kontrollrechtes das ihr zumutbare unternommen, um den Irrtum zu vermeiden.
Veruntreuung z.N. der FIFA (Dentsu Komplex)

Am 5. November 1999 schlossen die ISMM Investment AG, eine Tochtergesellschaft der Sporis Holding AG und
die Dentsu Inc. einen Unterlizenzvertrag, mit welchem Dentsu Inc. gegen eine am
20. Dezember 1999 fallige Lizenzgebuhr im Betrage von CHF 220'000'000.~ die Radio- und
Fernsehiibertragungsrechte der Fussballweltmeisterschaft 2002 fiir Japan ubertragen wurden. Dentsu Inc. war
berechtigt, die Rechte in Japan zu verkaufen. Sie durfte Betrage, welche die Vertragssumme in Hohe von CHF
220'000'000.-- tiberstiegen, bis zu CHF 250'000'000.~ und somit maximal CHF 30'000'000.-- einbehalten. Die
daruber hinausgehenden Betrage sollten zwischen den Parteien halftig aufgeteilt werden. Der Anteil der ISMM AG
war ihr 30 Tage nach dem Endspiel der Weltmeisterschaft 2002 zu uberweisen. Am 10./18. November 1999 wurde
mit zwei Zusatzen vereinbart, dass Dentsu den Minimalbetrag in Hohe von CHF 220'000'000.~ abzuglich einer
Pauschale von CHF 400'000.-- spatestens bis zum 30. November 1999 an die ISMM AG zu uberweisen habe. Am
17. November 1999 ubersandte die ISMM AG Dentsu Inc. eine Rechnung uber CHF 219'600'000.~ mit dem
Ersuchen um Uberweisung dieses Betrages auf ein nicht mit dem Special-Account identischen Konto. Den
Verhandlungen im Anschluss an die Unterzeichnung des Vertrages vom 5. November 1999 Rechnung tragend,
wurde am 15. Dezember 1999 ein weiterer Vertrag ausgefertigt, welcher im Wesentlichen mit jenem vom 5.
November 1999 identisch war. Die Lizenzgebuhr wurde jedoch auf CHF 219'600'000.- festgesetzt.

Mit einer vom 15. September 2000 datierten Zusatzvereinbarung zwischen der ISMM AG und Dentsu Inc. wurde
die Zahlungsverpflichtung von Dentsu Inc. dergestalt abgeandert, dass diese der ISMM AG Lizenzgebuhren von
insgesamt CHF 259'600'000.- zu bezahlen hatte, sodass abzuglich der bereits bezahlten CHF 219'600'000.~ noch
ein Betrag von CHF 40'000'000.~ offen war. Mit dieser Regelung wurde das variable Profitsharing durch einen fixen
Betrag ersetzt. Diese Vereinbarung wurde der FIFA entgegen den vertraglichen Bestimmungen nicht zugestellt.

Gemass Vereinbarung vom 15. September 2000 war der erste Betrag von CHF 15'000'000.~ am
20. Oktober 2000 fallig. Am 27. September 2000 stellte die ISMM AG Dentsu Inc. iiber diese Summe Rechnung.
Dies mit dem Ersuchen um Uberweisung auf das Konto Nr. 248-594050.01, lautend auf ISL Worldwide, bei der
UBS Luzern, welches nicht mit dem Special-Account identisch war. Die Rechnung nahm Bezug auf die
Ubertragungsrechte fur die FIFA Weltmeisterschaften 2002, sowie zusatzliche FIFA Veranstaltungen. Mit Valuta
16. Oktober 2000 wurde diesem Konto ein Betrag von CHF 15'000'000.- gutgeschrieben. Entgegen den
vertraglichen Bestimmungen wurde die FIFA weder uber diesen Eingang informiert, noch wurde der Betrag in das
Special-Account iiberwiesen.

Der gesamte Betrag wurde innerhalb der ISMM Gruppe verwendet. Die Bereicherung entsprach 75 % des
Einganges d.h. CHF 11'250'000.--. Der Schaden bestand im Zeitpunkt der vertraglichen Mitteilungspflicht in der
Hohe des der FIFA aus dem Unterlizenzvertrag zustehenden Anteils, welcher 75 % des Einganges d.h. CHF
11'250'000.-- entsprach. Die ISMM AG und die ISL Worldwide waren per 16. Oktober 2000 unter Berucksichtigung
notwendiger Abschreibungen, Ruckstellungen und Wertberichtigungen uberschuldet und illiquid. Vor diesem
Hintergrund war die Vermogensposition bzw. 75 % des Einganges in jedem Fall gefahrdet.

Die Beschuldigten hatten weder die Absicht im Zeitpunkt des Zahlungseinganges den vertraglichen Verpflichtungen
gegenuber der FIFA nachzukommen, noch waren sie personlich oder die ISMM AG und die ISL Worldwide in der
Lage, fur den der FIFA zustehenden Anteil Ersatz zu leisten.


Betrug z.N. der FIFA (Dentsu Komplex) (Eventualvorwurf)

Durch die Unterdruckung der gemass Vertragsverhaltnis von der ISMM AG offen zu legenden und vorstehend
unter Ziffer 2 beschriebenen Tatsachen wurde die FIFA iiber einen Umstand irregefiihrt, bei dessen Kenntnis sie
die ihr zustehende Forderung hatte geltend machen konnen. Dies musste infolge Unkenntnis der Verabredung
zwischen der ISMM AG und Dentsu Inc. unterbleiben und fCihrte vorweg bei der ISL Worldwide im Umfang des ihr
auf Grund des Vertragsverhaltnisses nicht zustehenden Betrages zu einer Bereicherung von CHF 11'250'000.~.
                 Die FIFA wurde durch das Verhalten der ISMM AG im Zeitpunkt der vertraglichen Mitteilungspflicht
                 in der Hohe des ihr zustehenden Anteils bzw. im Umfange des ihr entgangenen, vertraglich
                 zustehenden Betrages geschadigt, d.h. 75 % des Einganges bzw. CHF H'250'000.-. Die ISMM AG
                 und die ISL Worldwide waren per 16. Oktober 2000 unter Beriicksichtigung notwendiger Abschrei-
                                                                                                                16
                bungen, Ruckstellungen und Wertberichtigungen uberschuldet und illiquid. Vor diesem
                Hintergrund war die Vermogensposition der FIFA in jedem Fall gefahrdet. Die Beschuldigten waren
                sich des vorstehend beschriebenen Sachverhaltes bewusst und handelten mit der Absicht, mit den
                der ISMM AG bzw. ISL Worldwide nicht zustehenden Geldern Forderungen von Glaubigern der
                ISMM Gruppe zu begleichen. Die FIFA hatte im Rahmen des ihr vertraglich zustehenden und
                ausgeubten Kontrollrechtes das ihr zumutbare unternommen, um den Irrtum zu vermeiden.


         7. Betrug z.N. der Dentsu Inc.

                Mit Vertrag vom 12. Dezember 1997 ubertrug die FIFA der ISL Marketing AG die Nutzung ihrer
                Marketinginteressen im Zusammenhang mit den Fussballweltmeisterschaften 2002 und 2006,
                sowie betreffend zusatzlicher Events. Die am 15. Dezember 2001 aus diesem Vertrag falligen CHF
                60'000'000.- und CHF 6'000'000.~ waren per 15. Dezember 2000 mit einer Bankgarantie
                abzusichern. Die ISL Worldwide, welche zu diesem Zeitpunkt uberschuldet und illiquid war, konnte
                dieser Verpflichtung nicht nachkommen, weshalb sie sich zwecks einer allfalligen Ubernahme der
                Verpflichtung an die Dentsu Inc. wandte. Seit vielen Jahren eine enge geschaftliche Beziehung zur
                ISMM Gruppe unterhaltend, besass sie schon 1987 49 % der ISL Marketing Aktien. Mit Verein-
                barung vom 29. November 1995 verkaufte Dentsu Inc. 39 % der Aktien an die ISMM Gruppe
                zuruck, womit sie letztlich eine Beteiligung von 10 % an der ISL Worldwide, der LOFA
                Establishment und der Sri Ltd. London hielt.

                Die Verhandlungen zwischen der ISMM Gruppe und der Dentsu Inc. betreffend das Stellen einer
                Bankgarantie fanden in einem engen Zeitfenster statt, da die FIFA mit Bezug auf die Stellung der
                Garantie lediglich eine Fristverlangerung bis zum 17. Januar 2001 gewahrt hatte. Zwei der Be-
                dingungen der Dentsu Inc. zur Stellung der Bankgarantie waren eine Garantieerklarung der ISMM
                AG im Sinne einer Haftungserklarung und der allfallige Verzicht auf die Geltendmachung der
                Restforderung von CHF 25'000'000.- aus dem zwischen der ISMM AG und der Dentsu Inc. am 15.
                September 2000 abgeschlossenen Memorandum of Understanding. Die ISMM AG, welche nicht
                nur die Garantierklarung, sondern auch die Verpfandung von Forderungen aus Vertragen mit wie-
                teren Lizenznehmern anbot, legte zwar auf Anfrage von Dentsu Inc. offen, dass sie mit Bezug auf
                diese Vertrage nur einen Anspruch von 25 % der Vertragssumme hatte, verschwieg jedoch dieses
                Faktum mit Bezug auf den Restbetrag aus dem Memorandum of Understanding vom 15.
                September 2000.
V|^_

                Mit Vereinbarung vom 17. Januar 2001 erklarte sich Dentsu Inc. bereit, die Garantie zu stellen. Zur
                Absicherung der Forderungen, welche Dentsu aus der Vereinbarung vom 17. Januar 2001 ent-
                stehen konnten, wurde ihr durch die ISMM AG eine Haftungserklarung abgegeben und eine
                Sicherheit im Sinne eines bedingten Forderungsverzichts bzw. einer Forderungsverpfandung
                gewahrt.

             Auf der Grundlage des Vertrages vom 26. Mai 1998 standen der FIFA CHF 30'000'000.~ und der
             ISMM AG CHF 10'000'000.- der insgesamt CHF 40'000'000.- zu. Die ISMM AG war im Zeitpunkt
             der Haftungserklarung uberschuldet und illiquid. Es war der ISMM AG untersagt, Leistungen und
             Anspriiche aus den Unterlizenzvertragen zu verpfanden, ausgenommen zum Zwecke der
             Finanzierung der ausstehenden Bankgarantie. Dentsu Inc. bzw. ."The Dai-ichi Kangyo Bank"
             leistete am 17. Januar 2001 in Unkenntnis dieser Umstande die Bankgarantie fiber CHF
             66'000'000.~, wodurch die ISL Worldwide in diesem Umfang bereichert wurde. Die Bankgarantie
             wurde von der FIFA in Anspruch genommen. Dentsu Inc. machte im Rahmen des Konkurs-
             verfahrens betreffend die ISL Worldwide und die ISMM AG einen Schaden bzw. Betrag von CHF
             71'016'000.- geltend. Die Beschuldigten waren sich des vorstehend beschriebenen Sachverhaltes
             bewusst. Ebenso, dass die Haftungserklarung vor dem Hintergrund der finanziellen Situation
             bedeutungslos war und dass nicht iiber die Restforderung verfugt werden durfte. Dentsu Inc. hatte
             durch das Anfordem von Informationen und Unterlagen gegenuber ihrem langjahrigen
             Geschaftspartner das ihr zumutbare unternommen, um den Irrtum zu vermeiden.
8. Bevorzugung eines Giaubigers (Dentsu Inc.)

       Mit Vertrag vom 12. Dezember 1997 iibertrug die FIFA der ISL Marketing AG die Nutzung ihrer
       Marketinginteressen im Zusammenhang mit den Fussballweltmeisterschaften 2002 und 2006, sowie
       betreffend zusatzlicher Events. Die am 15. Dezember 2001 aus diesem Vertrag falligen CHF 60'000'000.-
       und CHF 6'000'000.~ waren per 15. Dezember 2000 mit einer Bankgarantie abzusichern. Die ISL Worldwide
       konnte dieser Verpflichtung nicht nachkommen, weshalb sie mit Dentsu Inc. Verhandlungen iiber die Stellung
       einer solchen Garantie aufnahm. Mit Vereinbarung vom 17. Januar 2001 erklarte sich die Dentsu Inc. bereit,
       die Garantie zu stellen. Zur Absicherung der Forderungen, welche Dentsu aus der Vereinbarung vom 17.
       Januar 2001 entstehen konnten und letztlich auch entstanden, wurde ihr durch die ISMM AG und die ISL
       Worldwide eine Sicherheit im Sinne eines bedingten Forderungsverzichts bzw. einer Forderungsverpfandung
       gewahrt. Bei der Forderung handelte es sich um eine Restforderung im Betrage von CHF 25'000'000.~ aus
                                                                                                            17
      der Vereinbarung vom 15. September 2000, gemass welcher Dentsu Inc. verpflichtet war, der ISMM AG
      noch folgende Betrage zu bezahlen:

1       September 2001 CHF 15'000'000.
2       Juli 2002 CHF 1O'OOO'OOO.-

      Es war der ISMM AG untersagt, Leistungen und Anspruche aus den Unterlizenzvertragen zu verpfanden,
      ausgenommen zum Zwecke der Finanzierung der ausstehenden Bankgarantie. Die ISMM AG war am 17.
      Januar 2001 und somit im Zeitpunkt der "Pfandbestellung" uberschuldet und illiquid. Durch die vertraglich
      unzulassige und ohne Pflicht erfolgte "Pfandbestellung" wurde die Chance der Befriedigung von Dentsu Inc.
      erhoht und jene der anderen Giaubiger der ISMM AG und ISL Worldwide vermindert. Die Beschuldigten
      nahmen dies mindestens in Kauf und hatten Kenntnis davon, dass sowohl die ISMM AG als auch die ISL
      Worldwide nicht in der Lage waren, in diesem Zeitpunkt alle Glaubigerforderungen begleichen zu konnen.
      Am 21. Mai 2001 wurde iiber die ISMM AG und die ISL Worldwide der Konkurs eroffnet.


9. Bevorzugung eines Giaubigers (UBS AG)

      Die Sporis Holding AG, ISMM Investments AG, ISL Marketing AG und die ISL Tennis Marketing AG
      schlossen am 13. Juli 1999 mit der Banque Nationale de Paris (Suisse) SA [heute: BNP Paribas Private
      Bank (Switzerland) SA] einen Kreditvertrag uber CHF 277'000'000.-. Im Rahmen dieses Kontokorrentkredites
      war es der Kreditnehmerin erlaubt, fur laufende Bedurfnisse kurzfristig iiber eine Limite von CHF
      20'000'000.~ zu verfugen. Diese Kreditlimite war am 31. Dezember 2002 fallig.

      Das Konto Nr. 248-594050.60 J bei der UBS AG Luzern, lautend auf ISL Worldwide, wies am 14. September
      2000 einen Negativsaldo von USD 38'578'164.06 auf. Mit Valuta 18. September 2000 wurden dem Konto auf
      Grund einer Uberweisung der Globo Overseas Investment B.V. USD 59'207'500.~ gutgeschrieben. Per 18.
      September 2000 d.h. nach Eingang der Globo Uberweisung, bestand mit Bezug auf die Swing Line von CHF
      20'000'000.- eine Nettoposition bzw. ein Haben-Saldo von 9'494'138.-, womit vollumfanglich uber die
      Kreditlimite verfiigt werden konnte. Die Nettoposition beriicksichtigte samtliche Konten der am Pool
      angeschlossenen Gesellschaften der ISMM Gruppe. Das Konto Nr. 248-594050.01 P bei der UBS AG
      Luzern, lautend auf ISL Worldwide, wies am 13. Oktober 2000 einen Negativsaldo von CHF 23'925'967.77
      auf. Mit Valuta
      16. Oktober 2000 wurden dem Konto auf Grund einer Uberweisung der Dentsu Inc. CHF 15'000'000.-
      gutgeschrieben. Per 16. Oktober 2000, d.h. nach Eingang der Dentsu Uberweisung, konnte im Rahmen der
      Swing Line von CHF 20'000'000.~ netto uber CHF 6'540'798.73 verfiigt werden. Die ISMM AG und die ISL
      Worldwide waren sowohl im September als auch im Oktober 2000 uberschuldet und illiquid. Durch die
      Zufliisse von USD 59'207'500.- und CHF 15'000'000.~ wurde eine nicht fallige Forderung der UBS AG
      beglichen und diese bevorzugt befriedigt, bzw. wurden die Chancen der Befriedigung der anderen Giaubiger
      der ISMM AG und ISL Worldwide vermindert. Zwar bestand vorweg die Absicht, die Swing Line wieder
      benutzen zu konnen, es wurde jedoch mindestens die Bevorzugung der UBS AG in Kauf genommen. Die
      Bechuldigten hatten Kenntnis davon, dass sowohl die ISMM AG als auch die ISL Worldwide nicht in der
      Lage waren, in diesem Zeitpunkt alle Glaubigerforderungen begleichen zu konnen. Am 21. Mai 2001 wurde
      uber die ISMM AG und die ISL Worldwide der Konkurs eroffnet.
10.   Falschbeurkundung hinsichtlich der Depositenbescheinigungen betreffend die ISL
      Hospitality AG, ISL Hospitality (Japan) AG und ISL Hospitality (Korea) AG

      Durch die Depositenbescheinigungen der UBS AG Luzern vom 26. und 28. Februar 2001 wurde im
      Rahmen der Grundung der ISL Hospitality AG, ISL Hospitality (Japan) AG und ISL Hospitality
      (Korea) AG tatsachenwidrig zum Ausdruck gebracht, dass das Aktienkapital in Hohe von je CHF
      100'000.~ den Gesellschaften als Eigenmittelzufluss zur freien Verfugung stehe. Das Aktienkapital
      wurde am 26. und 27. Februar 2001 von der ISL Worldwide an die Gesellschaften in Grundung
      iiberwiesen. Die Grundungen erfolgten am 27. Februar (ISL Hospitality AG) und 6. Marz 2001 [ISL
      Hospitality (Japan) AG und ISL Hospitality (Korea) AG]. Das Kapital floss am 21. Marz 2001 wieder
      an die ISL Worldwide zuruck. Sowohl die ISMM AG und die ISL Worldwide, als auch die ISL
      International AG waren bereits per 31. Dezember 2000 und im Zeitpunkt der Grundung d.h. am 27.
      Februar und 6. Marz 2001 uberschuldet. Die neu gegrundeten Gesellschaften waren nie operativ
      tatig. Am 22. Juni 2001 wurde uber sie der Konkurs eroffnet und das Verfahren mangels Aktiven
      eingestellt.

      Die Beschuldigten wussten im Zeitpunkt der Grundung der Gesellschaften bzw. im Zeitpunkt des
      Erstellens der Bescheinigung, dass das Aktienkapital den Gesellschaften nur zum Schein, d.h. zur
      formellen Grundung zur Verfugung stand und danach wieder an die ISL Worldwide zuruck fliessen
      wiirde, um damit Verbindlichkeiten der ISL Worldwide und anderer Gruppengesellschaften zu
      decken. Sie wussten, dass der als Darlehen deklarierte Riickfluss ungesichert erfolgte, die Darle-
                                                                                                              18
       hensforderungen vor dem Hintergrund der finanziellen Rahmenbedingungen der
       Darlehensgeberin als Nonvaleur betrachtet werden mussten und somit gar nicht die Absicht haben
       konnten, das Aktienkapital gemass den Bescheinigungen der UBS den zeichnungsberechtigten
       Organen zur freien Verfugung zu iiberlassen. Der unrechtmassige Vorteil bestand darin,
       gegenuber Dritten vorgeben zu konnen, dass die Gesellschaften frei iiber das Aktienkapital
       verftigen konnten bzw. dass das Aktienkapital zu 100 % liberiert sei.


11.     Unwahre Angaben iiber kaufmannische Gewerbe, Erschleichung von Falschbe-
       urkundungen im Zusammenhang mit der ISL Hospitality AG, ISL Hospitality (Japan) AG und
       ISL Hospitality (Korea) AG

       Durch die Beibringung der Depositenbescheinigung der UBS AG Luzern vom 26. und 28. Februar
       2001 und den Erklarungen vor dem offentlichen Notaren Urs Neuenschwander wurde im Rahmen
       der Grundung der ISL Hospitality AG, ISL Hospitality (Japan) AG und ISL Hospitality (Korea) AG,
       tatsachenwidrig zum Ausdruck gebracht, dass das Aktienkapital in Hohe von je CHF 100'000.~ als
       Eigenmittelzufluss zur freien Verfugung der Gesellschaften stehe. Der Notar, welcher davon keine
       Kenntnis hatte, wurde somit uber den wahren Sachverhalt getauscht. Als Folge der Tauschung
       verurkundete er eine falsche Tatsache.

       Durch die nachfolgenden Eintragungen in das Handelsregister wurden falsche Registereintrage
       erwirkt, womit weitere Falschbeurkundungen erschlichen wurden und durch die nachfolgenden
       amtlichen Publikationen wurden die unwahren Angaben offentlich bekannt gemacht.


12.     Glaubigerschadigung durch          Vermogensminderung          (ISMM     AG/Nunca      Stiftung
       /Sunbow S.A. Komplex)

       Am 17. Dezember 1998 errichtete die Shelter Trust Anstalt Vaduz unter dem Namen Nunca eine
       Stiftung nach liechtensteinischem Recht. Das Stiftungskapital betrug CHF50'000.~ und als
       Mitglieder des Stiftungsrats mit Kollektivzeichnungsrecht zu zweien wurden Veit Frommelt,
       Christoph P. Malms, Pierre L., Woog und Hans-Jiirg Schmid bestellt. Statutarischer Zweck der
       Stiftung war die Anlage und Verwaltung des Stiftungsvermogens sowie die Verteilung der Rein-
       ertrage und des Stiftungsvermogens an bestimmte oder bestimmbare Begiinstigte. Gemass den
       Beistatuten vom 18. Dezember 1998 waren Suzanne Dassler, Adolphe Dassler und die Greenvale
       Limited, Nassau/Bahamas die Erstbegunstigten der Stiftung. Die Verwaltung der Stiftung und ihre
       Vertretung wurden vom Stiftungsrat wahrgenommen. Am 17. November 2003 wurde die Stiftung
       aufgehoben und ihre Rechtspersonlichkeit als erloschen erklart. Bereits am 1. Dezember 1997 war
auf den British Virgin Islands die Sunbow S.A. gegrundet worden. Ihr Aktienkapital betrug USD 1000.--, war in 100
Aktien eingeteilt und wurden vorerst von Hans-Jiirg Schmid gehalten. Am 8. Februar 1999 iibertrug er samtliche
Aktien auf die Nunca Stiftung, welche von Veit Frommelt und Christoph Malms vertreten wurde. Obwohl weder die
Nunca Stiftung noch die Sunbow S.A. in den Organigrammen der ISMM Gruppe aufgefiihrt wurden, noch in die
konsolidierten Bilanzen Eingang fanden, handelte es sich bei der Nunca Stiftung um eine "Tochtergesellschaft" der
ISMM AG - in jedem Fall um eine wirtschaftliche Geschaftseinheit der ISMM Gruppe bzw. der ISMM AG.

Am 3. Mai 1999 erteilte die Sporis Holding AG, vertreten durch Jean-Marie Weber und Hans-Peter Weber der BNP
Banque Nationale de Paris (Suisse) S.A. einen Vergutungsauftrag uber CHF 36'130'220.05. Der Betrag wurde dem
Konto Nr. 68,528-8.0001, lautend auf Sporis Holding AG, mit Valuta 27. Mai 1999 belastet und mit gleicher Valuta
dem CHF Konto Nr. 193.223.31, lautend auf Sunbow S.A., bei der LGT Bank in Liechtenstein gutgeschrieben.
Diese Transaktion wurde sowohl bei der Sporis Holding AG als auch bei der Sunbow S.A. unter
Rechteerwerbskosten verbucht. Zwischen dem 23. Juni 1999 und dem 15. Januar 2001 wurde der von der Sporis
Holding AG uberwiesene Betrag zuzuglich aufgelaufene Zinsen und abzuglich Bankspesen bis auf einen Betrag
von CHF 2'134.90 folgendermassen verwendet:

      Gewahrung eines Darlehens der Sunbow S.A. an die ISMM AG uber CHF 18'000'000.--: Die Sunbow S.A.
      iiberwies am 6. Juni 2000 CHF 15'000'000.~ an die ISL Marketing AG und am 27. Juli 2000 CHF 3'000'000.-
      an die ISL Worldwide.

      Nachdem das Darlehen von der Sunbow S.A. auf die Nunca Stiftung ubertragen war, verzichtete diese am 18.
      Januar 2001 auf ihre Darlehensforderung in Hohe von CHF 17'000'000.--.

      Am 11. Oktober 2000 uberwiesen die ISMM AG und am 8. Januar 2001 die ISL Worldwide je CHF 50O000.--
      auf das Konto der Sunbow S.A.. Es handelte sich dabei um die Riickzahlung des nicht vom
                                                                                                             19
      Forderungsverzicht betroffenen Darlehens.

      Am 15. Dezember 1999 wurden CHF 10O'OOO.-- und am 28. November 2000 CHF 90'000.- an Jean-Marie
      Weber, am 19. Januar 2000 CHF 799750.-- an Merrill Lynch, am 29. Marz 2000 CHF 125'035.-- an die Sporis
      Holding AG und am 27. und 31. Juli 2000 CHF 33'600.~ und CHF 33'532.~ an die ISL Worldwide uberwiesen.

      Fur die Verwaltung der Sunbow S.A. wurden CHF 18'887.05 verwendet.

CHF 18'198'310.-- wurden an Personen uberwiesen, die direkt oder indirekt mit Vertragen, welche die ISMM
Gruppe abschloss, in Zusammenhang standen.

Bei diesen als Aufwand unter Rechteerwerbskosten gebuchten Betragen handelt es sich um Vergiinstigungen bzw.
Schmiergelder. Die Abmachungen, welche den Schmiergeldzahlungen zu Grunde liegen, sind unsittlich, die
diesbeziiglichen Vertrage und Leistungen nichtig bzw. als nicht erbracht zu qualifizieren, womit die
Vermogenswerte im Umfang von CHF 18'198'310.-unentgeltlich veraussert wurden.

In den Zeitpunkten der Uberweisung des Betrages von CHF 36'130'220.05 und der nachfolgenden Ausschiittungen
drohte der ISMM AG auf Grund ihrer fixen Verpflichtungen wie beispielsweise jenen aus den ATP Vertragen und
den unsicheren Einnahmen der Verfall des Vermogens und trat zunehmend bis zum Zeitpunkt der
Konkurseroffnung am 21. Mai 2001 auch ein.

Die Beschuldigten waren sich der heiklen finanziellen Situation der Sporis Holding AG bzw. der ISMM AG bewusst
und nahmen mindestens in Kauf, dass den Glaubigern durch ihr Verhalten ein Vermogensschaden zugefugt
werden konnte. Am 21. Mai 2001 wurde iiber die ISMM AG der Konkurs eroffnet.
13.    Bevorzugung eines Giaubigers (ISMM AG/Nunca Stiftung/Sunbow S.A. Komplex)
      (Eventualvorwurf)

       Im Sommer 2000 gewahrte die Sunbow S.A. der ISMM AG ein Darlehen von CHF 18'000'000.--. Dieses
       wurde der ISMM AG durch die Uberweisungen vom 6. Juni 2000 uber CHF 15'000'000.- an die ISL
       Marketing AG und vom 27. Juli 2000 iiber CHF 3'000'000.- an die ISL Worldwide zur Verfugung gestellt. Die
       Darlehensforderung wurde letztlich von der Sunbow S.A. auf die Nunca Stiftung ubertragen.

       Am 11. Oktober 2000 uberwiesen die ISMM AG und am 8. Januar 2001 die ISL Worldwide je CHF 500'000.-
       auf das Konto der Sunbow S.A.. Es handelte sich dabei um Teilruckzahlungen des im Sommer 2000
       gewahrten Darlehens. Die Ruckfiihrung eines Teils des Darlehens hatte von der Darlehensglaubigerin in den
       jeweiligen Zeitpunkten nicht beansprucht bzw. nicht durchgesetzt werden konnen, da die
       Darlehensforderung nicht fallig war und somit fiir die Zahlungen kein durchsetzbarer Rechtsgrund vorlag.

       Durch die Zufliisse von je CHF 500'000.- wurde die Sunbow S.A. bzw. die Nunca Stiftung bevorzugt
       befriedigt, bzw. wurden die Chancen der Befriedigung der anderen Giaubiger der ISMM AG vermindert.

       Die ISMM AG war per 30. September 2000 zahlungsunfahig. Die Beschuldigten wussten insbesondere       auf
       Grund der regelmassig erstellten Cash Flow Plane und den weekly cash forecasts der Gruppe, dass      die
       ISMM AG nicht in der Lage war, ab diesem Zeitpunkt alle Glaubigerforderungen begleichen zu konnen.   Sie
       waren sich der Zahlungsunfahigkeit der ISMM AG bewusst. Am 21. Mai 2001 wurde iiber die ISMM AG      der
       Konkurs eroffnet.


14.    Betrugerischer Konkurs (ISMM AG/Nunca Stiftung/Sunbow S.A. Komplex)

       Die Sporis Holding AG uberwies am 27. Mai 1999 ab ihrem Konto Nr. 68,528-8.0001 CHF 36'130'220.05 auf
       das Konto Nr. 193.223.31 der Sunbow S.A.. Zwischen dem 23. Juni 1999 und dem 15. Januar 2001 wurde
       der von der Sporis Holding AG iiberwiesene Betrag zuzuglich aufgelaufene Zinsen und abzuglich
       Bankspesen bis auf einen Betrag von CHF 2'134.90 ausgeschiittet. Im Zeitpunkt der Konkurseroffnung uber
       die ISMM AG war auf dem Kontokorrent Nr. 193.223.31, lautend auf Sunbow S.A., noch ein Haben-Saldo
       von CHF 1'878.50 und auf dem Konto Nr. 01506649AA, lautend auf die Nunca Stiftung, ein solcher von CHF
       36'966.-.

       Weder die Nunca Stiftung noch die Sunbow S.A. wurden in den Organigrammen der ISMM Gruppe
       aufgefuhrt. Sie fanden auch nicht Eingang in die konsolidierten Bilanzen. Die Nunca Stiftung bzw. die
       Sunbow S.A. als Beteiligungen der ISMM AG fanden nicht Eingang in das Giiterverzeichnis, welches im
       Rahmen des Konkursverfahrens am 19. April 2001 aufgenommen wurde. Deren Vermogenswerte von
       insgesamt CHF 38'844.50 wurden somit verheimlicht. Am 21. Mai 2001 wurde iiber die ISMM AG der
       Konkurs eroffnet.
                                                                                                             20
15.     Veruntreuung (ISMM AG/Nunca Stiftung/Sunbow S.A. Komplex)

        Die Sporis Holding uberwies am 27. Mai 1999 ab ihrem Konto Nr. 68,528-8.0001 CHF 36'130220.05 auf das
        Konto Nr. 193.223.31 der Sunbow S.A. Es bestand bei der Sporis Holding AG die Absicht, diese Gelder fur
        Schmierzahlungen an Dritte zu verwenden. Jean-Marie Weber war auf dem Konto der Sunbow S.A.
        zeichnungsberechtigt und liess sich am 26. November 2000 CHF 90'000.~ auf sein Privatkonto bei der UBS
        AG uberweisen. Diesen Betrag verwendete der Beschuldigte nicht zweckentsprechend. Der Schaden,
        welcher deckungsgleich mit der Bereicherung ist, besteht in der Hohe des zweckentfremdeten Betrages bzw.
        betragt CHF 90'000.~. Der Beschuldigte hatte im Zeitpunkt des Zahlungseinganges bzw. der Auszahlung der
        Gelder nicht die Absicht, diese zweckentsprechend zu verwenden.
III. UNTERSUCHUNGSERGEBNIS UND RECHTLICHE WURDIGUNG


        Unabhangig des Umstandes, dass hier nachfolgend die Ermittlungsresultate teilweise verkiirzt
        wiedergegeben werden (um die Anklageschrift nicht unnotig zu verlangem), bezieht sich die
        Staatsanwaltschaft in Hinblick auf den ermittelten Sachverhalt vollumfanglich auf die
        Uberweisungsverfiigung vom 18. Marz 2005, die hiermit zum integrierenden Bestandteil der
        Anklage gemacht wird. Erganzend zur Uberweisungsverfiigung werden die Ergebnisse aus den
        rechtshilfeweise in Brasilien erfolgten Zeugenbefragungen kurz darzustellen sein.

A. Aspekte von aemeinsamer Bedeutung

1. ISMM (ISL) Gruppe: Struktur / Organisation / Stellung der Beschuldigten

1.1 Einleitung


           Die ISMM (ISL) Gruppe (International Sports Media und Marketing) gehorte Ende 2000 auf dem
           Gebiet des Sports zu den bedeutendsten Medien- und Marketinguntemehmen. Sie hatte ihre
           Wurzeln in der 1982 von Horst Dassler gegriindeten Marketing Agentur ISL (D 8/1/7, S. 28, zu
                                2
           H. Dassler: D 16/4/1) .

                                                                                                3
           Nach eigenen Angaben verkaufte die Gruppe fiir die wichtigsten Sportverbande oder einzelne
           Sportvereine Medien und Marketingrechte an Grossveranstaltungen: Rundfunk-, Video- und
           Verwertungsrechte fiir andere elektronische Medien, Sponsoring-, Lizenz- und
           Merchandisingrechte sowie alle damit verbundenen Dienstleistungen. Die verschiedenen
           Aktivitaten wurden unter der Dachgesellschaft ISMM AG und ihrer Tochtergesellschaften
           strukturiert   und     weltweit   mittels  selbstandiger     Medien-,    Marketing-   und
           Dienstleistungsgesellschaften abgewickelt.


           Im Endeffekt kaufte die Gruppe von den internationalen Sportverbanden Veranstaltungsrechte
           als Generallizenz oder auf Agenturbasis („rigths-in"), entwickelte diese zu integrierten
           Sportmarketingkonzepten und verkaufte diese an Sponsoren, Fernsehsender oder
           Lizenznehmer („rigths-out) (vgl. Broschiire ..Einfiihrung in die ISMM Gruppe": D 17/1/3, zudem
           D 6/3/1/31, S. 1+2, und auch die diesbeziiglichen Ausfuhrungen von Jean-Marie Weber: D 3/30,
           Ziffer 23 / zur Auflistung der einzelnen Vertrage: D 8/3/2-8/3/70).

           Die „ISL" war von der FIFA zunachst 1982 fiir die Vermarktung der Fussballweltmeisterschaft
           1986 in Mexiko beauftragt worden, entwickelte sich jedoch kontinuierlich


      Bei der ISL handelt es sich um die ISL Athletics and Culture AG, welche in ISL Marketing AG und
      spater in ISL Worldwide umbenannt wurde (D 4/A/2/1 ff.) / vgl. im Einzelnen die nachstehenden
      Ausfuhrungen zur ISL Worldwide AG
                                                                                                   21
   FIFA: Internationaler Fussballverband, UEFA: Europaischer Fussballverband, ATP:
   Tennisprofiverband, ITF: Internationaler Tennisverband, OCA: Olympic Council of Asia, IAAF:
   Internationaler Leichtathletikverband, FIBA: Internationaler Basketballverband, CART: Championship
   Auto Racing Teams
         und baute ihre Aktivitaten aus (D 17/1/3, S. 6). Laut Revisionsbericht vom 9. Mai 2000
         beschaftigte die Gruppe 1997 weltweit 292 Leute, 1998 bereits 315 und ein Jahr spater
         479 (D 6/1/19, S. 9). Gemass dem im Rahmen der Bilanzdeponierung am 28. Marz
         2001 beim Kantonsgericht Zug eingereichten Sanierungsplan waren in diesem
         Zeitpunkt in 18 Landern rund 600 Personen fur die ISMM Gruppe tatig (D 6/3/1/31, S.
         1).

         Bis 1999 hatte sie vor allem in den Sportarten Leichtathletik, Tennis, Basketball,
         Schwimmen, Volleyball, Motorsport, US Sports verschiedene „Projekte erworben bzw.
         Rechte an bestehenden Projekten verlangert" (D 17/1/3, S. 10). Im Bereich Fussball
         handelte es sich um folgende Ereignisse:

              FIFA Weltmeisterschaft 2002-06: TV (ausgenommen Europa) FIFA
              Weltmeisterschaft 2002-06: Marketing UEFA Europameisterschaften
              2000 Marketing und TV und Option 2004: (ausgenommen Europa)
              Spanische / andere Fussball Ligen: Marketing und TV

         Im Jahre 2000 wurde zwar insbesondere die Spitze der Gruppe umstrukturiert
         (Fusionen, Umfirmierungen), ohne dass jedoch das vorstehend umschriebene
         Grundkonzept der Gruppenaktivitaten verandert wurde.



         Gliederunq und Darstellung einzelner verfahrensrelevanter Gesellschaften

1.2.1.    Die Einordnung der Gesellschaften in das Gruppengefiige ergibt sich beispielsweise
         aus den Organigrammen vom 30. Juni 2000 (D 8/2/1), 31. Marz 2001 (D 4/A/1/1) und
         21. Mai 2001 (Datum der Konkurseroffnung uber die ISMM AG und die ISL Worldwide /
         D 4/A/1/2). Die nachfolgende Darstellung orientiert sich an D 4/A/1/1.
                                       Gruppenorqaniaramm
                                                                                                                             22
                                                 Leaende zu vorstehender Darstellung


I     ISMM Participations BV, Amsterdam
3     ISMM Communications Irland Ltd, Dublin
5     Host Broadcast Services AG (HBS) Zug
7     SRI Ltd, London
9     CPG Schweiz AG
II    Orad HiTech Systems Ltd, Tel Aviv
13    CP Brasil, Rio de Janeiro
15    HBS France SAS, Paris
17    ISL Football AG, Zug
19    Coopyright Promotions Group (CPG),
     London
21    HBS Japan AG, Zug

 2   IVS Holding BV, Amsterdam
4    ISMM Interactive AG, Zug
6    LOFA Establishment, Vaduz
8    ISMM Investments (UK) pic, London
     ISMM Communications BV, Amsterdam
10
     CPP Copyright Promotions Partner,
12   Hongkong
     HBS Asia AG, Zug
14
     En Linea LLC, Santa Monica
16
     Sri S.A., Brussels
18
     HBS Korea, Seoul
20
     ISL Holding UK Ltd., London
22


         23 Sports Interactive AG, Zug 24 ISL Televisions Ltd., London
         25 ISL Marketing UK Ltd., London 26 ISL Tennis UK Ltd., London
         27 Lofa Football Establishment, Vaduz 28 Sports Interactive Tennis Ltd., London
         a ISL Marketing (JWC) AG, Zug b ISL Football Korea AG, Zug
         c ISL Marketing Espana S.A., Barcelona d Grupo ISL Marketing S.r.L., Barcelona
         e Challenge Int. Holding GmbH, Frankfurt f ISL United States Inc., Norwalk
         g World Cup 94 Marketing, Farfax h World Cup 94 Marketing Int. BV, Amsterdam
         I ISL Asia Pacific Ltd., Hongkong ISL do Brasil S.A., Rio de Janeiro
         k Latin America Soccer Inv. Ltd., Road Town ISL Football Japan AG, Zug
         m Sports Marketing Japan AG, Zug n ISL Marketing Korea Ltd., Seoul
         o Santa Monica Sports, S.r.L., Madrid P ISL Futbol S.r.L., Barcelona q Professional Sports Publ, Inc. (PSP), New
         York r ISMM (Soccer) Inc., Norwalk s International Football Ltd., Grand Cayman t ISL Communications BV,
         Amsterdam u ISL Thailand Ltd., Bangkok v ISL Futbol Argentina, Buenos Aires w Belcan Limited, Road Town X
         Sports Marketing Japan KK, Tokyo y Santa Monica Publicidad SA, Madrid z ISL Marketing (Deutschland) AG,
         Frankfurt aa Flamengo Licensiamentos S.A., Rio de Janeiro bb Gremio Marketing e Media S.A. cc ISL Marketing
         (JWC) AG, Branch Tokyo dd Exclusivas Publicitarias SA, Madrid ee ISL Bejing, Rep. Office, Bejing




 i Christoph Malms ordnete die einzelnen Unternehmen auf der Grundlage des ISMM
 ,  lr
   * GroupCharts vom 31. Marz 2001 (D 4/A/1/1) den folgenden Geschaftsbereichen zu:


          ..Verwertuna der Marketing. TV- und Lizenzrechte" (im Chart hellgrun dargesteilter Bereich). Unter der Federfuhrung
          der ISL Worldwide durch die ISL Marketing AG, ISL International, ISL Productions Ltd., En Linea LLC, ISL Football
          AG, ISL Holding UK Ltd., Sports Interactive AG, ISL Televisions Ltd., ISL Marketing UK Ltd., ISL Tennis UK Ltd., Lofa
          Football Establishment, Sports Interactive Tennis Ltd..

          Mit der Umsetzung in den einzelnen Landern seien die unter der ISL International aufgefuhrten lokalen Gesellschaften
          befasst gewesen (im Chart blau dargesteilter Bereich), namlich die ISL Hospitality AG (Zug), ISL Hospitality (Japan)
          AG, ISL Hospitality (Korea) AG, ISL Marketing (JWC) AG, ISL Football Korea AG, ISL Marketing Espana S.A., Grupo
          ISL Marketing S.r.L., Challenge Int. Holding GmbH, ISL United States Inc., World Cup 94 Marketing, World Cup 94
          Marketing Int. BV, ISL Asia Pacific Ltd., ISL do Brasil S.A., Latin America Soccer Inv. Ltd., ISL Football Japan AG,
          Sports Marketing Japan AG, ISL Marketing Korea Ltd., Santa Monica Sports, S.r.L., ISL Futbol S.r.L., Professional
          Sports Publ, Inc. (PSP), ISMM (Soccer) Inc., International Football Ltd., ISL Communications BV, ISL Thailand Ltd.,
          ISL Futbol Argentina, Belcan Limited, Sports Marketing Japan KK, Santa Monica Publicidad SA, ISL Marketing
          (Deutschland) AG, Flamengo Licensiamentos S.A., Gremio Marketing e Media S.A., ISL Marketing (JWC) AG,
          Exclusives Publicitarias SA, ISL Bejing, Rep. Office.
                                                                                                                             23
t^ , ..Research-Teil" (im Chart violett dargesteilter Bereich): SRI Ltd und Sri S.A.


          ..Produktion der FemsehsionaleZ-Prooramme fiir die Fussball WM 2002" (im Chart gelb dargesteilter Bereich): Host
          Broadcast Services AG (HBS), HBS Asia AG, HBS France SAS, HBS Korea, HBS Japan AG, Zug


          (im Chart dunkelblau dargesteilter Bereich): Die ISMM Interactive AG habe sich mit den Interaktiven Rechten (vor
          allem Internet etc.) befasst. Die CPG-Gruppe sei auf die ..Lizenzvermarktung von Sport- und anderen Rechten"
          ausgerichtet und habe u.a. Lizenzrechte von der ISL Worldwide Gruppe in deren Auftrag umgesetzt. Die Orad Hitec,
          welche iiber die ISMM Participations B.V. gehalten worden sei, habe sich auf ..technische Applikationen von
          innovativen und interaktiven Anwendunoen" spezialisiert (z.B. virtuelle Bandenwerbung).

          Des Weiteren gab Christoph Malms an, dass allgemein der Einkauf der Marketing- und
          Fernsehrechte direkt von der ISL erfolgt sei, die Fernsehrechte fiir die WM 2002/2006
          jedoch eine Ausnahme bilden wurden. Sie seien auf Grund der vertraglichen
          Abmachungen mit dem Lizenzgeber bei beiden Vertragspartnem uber die jeweilige
          Holdinggesellschaft erworben und dann wie iiblich in der ISL Worldwide umgesetzt
          worden (D 3/28, Ziffer 36, vgl. zur Struktur bzw. zum Konstrukt der Gruppe auch die
          Ausfuhrungen weiterer Beschuldigten D 3/29, Ziffer 28, D 3/30, Ziffer 22).
        1.2.1.3 Die Gruppeneinheiten lassen sich wie folgt aufzeichnen (1999: D 17/1/3, S. 8):

Gruppeneinheiten

TV, Medien
(Programmgestalltung, Produktion, Verkauf und Vertrieb)

Event Marketing und Sponsoring


Markenentwicklung Lizenzvermarktung und Merchandising Medien & Marketing Research

Eiektronische Werbung
(Uber- und Einblendung)
Internet & digitale Technologien Sport Marketing-Beratung


Hospitality
Geschaftseinheiten

ISL Television




ISL Marketing



ISL Marketing ISL Licensing, CPG

Sponsorship Research International (Sri)
Orad

En-Linea

Sri PRIMER Consulting

ISL Marketing Division

Media
                                                                                                        24
Event Marketing



Event Marketing Event Marketing

Media


Media Media Media


Event Marketing
Standort


London, Hong,
Kong,
Connecticut



Luzern,
Connecticut,
Barcelona,
Paris
Luzern
Luzern,
London
London,
Briissel,
Connecticut
Tel Aviv


Santa Monica,
Barcelona
London,
Connecticut,
Paris
Luzern



1.2.2    Verfahrensmassig interessieren vor allem Angaben zu den folgenden im Uberblick und
        einzein dargestellten Gesellschaften (Zeitraum: 2000 und 2001).
                          ISMM AG                                                         Dentsu Inc.




                                               ISL Worldwide




   ISMM InvestSporis Holding ISL Marketing ISL Properties ments AG (1) AGO) AQ(2) AG(2)




                                                ISL International AG
                                                                                                                 25
                                          ISL Hospitality AG
wmmHSBBtmm
  ISL Hospitality (Japan) AG
mmmsmmmmmm
ISL                                                                                                       Hospitality
(Korea)                                                                                                          AG

          (1) Mai 2000 Fusion mit Sporis Holding AG. Danach Umfirmierung in ISMM AG.
          (2) Mai 2000 Fusion mit ISL Properties AG. Danach Umfirmierung in ISL Worldwide.

1.2.3 ISSM AG. Zug (vormals Sporis Holding AG) (D 4/A/1)

           Die Sporis Holding AG fusionierte im Mai 2000 mit der ISMM Investments AG, von
           welcher sie durch Universalsukzession samtliche Aktiven und das gesamte
           Fremdkapital iibernahm. Die Firma lautete neu ISMM AG (D 4/A/1/18).

           Aktienkapital: CHF l'000'OOO.-

           Zweck: Erwerb und Verwaltung von Beteiligungen an anderen Gesellschaften sowie
           Errichtung von Tochtergesellschaften; kann Urheberrechte, Markenrechte, Patente
           und andere Schutzrechte sowie andere Guter kaufen, verkaufen oder benutzen und
           alle kommerziellen und finanziellen Transaktionen durchfiihren, die mit dem
           Hauptzweck in Zusammenhang stehen, sowie Grundstucke erwerben, verwalten oder
           verkaufen.

           Samtliche im Handelsregister eingetragenen Personen zeichneten kollektiv zu zweien.

           Am 21. Mai 2001 wurde der Konkurs eroffnet (KE).

           Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf die Sporis Holding AG u. die ISMM AG.

             Eigenschaft Person                                Zeitraum gemass Tagebucheintrag od.
                                                               SHB Datum

             Generaldirektor Weber Jean-Marie                   Bis 19.06.2000
             Vizedirektor Weber Hans-Peter                      Bis 19.06.2000
             Direktor Schmid Hans-Jiirg                         Ab 09.02.01 bis 21.05.2001 (KE)
                                    Weber Hans-Peter Ab 19.06.00 bis 21.05.2001 (KE) President Malms
             Christoph P. 2000 bis 21.05.2001 (KE) Vizeprasident Weber Jean-Marie Ab 19.06.2000 bis
             21.05.2001 (KE) Mitglied Schurtenberger Heinz 19.06.2000 bis 22.12.2000
                                    Beauvois Daniel Ab 19.06.2000 bis 21.05.2001 (KE) Schmid Hans-Jurg
                                    Bis 01.12.2000


1.2.4 ISMM Investments AG. Luzern (D 4/A/6/2)

             Eigenschaft Person                                Zeitraum gemass Tagebucheintrag od.
                                                               SHB Datum

             President Malms Christoph P.                      -26.06.00 (Fusion mit Sporis Holding AG)
             Mitglied              Beauvois Daniel -26.06.2000
                                   Schurtenberger Heinz -26.06.2000
                                   Schmid Hans-Jiirg -26.06.2000
                                   Weber Jean-Marie -26.06.2000



                Zur „ISMM AG im Besonderen" vgl. nachstehend Ziffer 1.2.11
1.2.5 ISL Worldwide AG. Zuo (vormals ISL Marketing AG) (D 4/A/2)
                                     4
           Die ISL Marketing AG fusionierte Im Mai 2000 mit der ISL Properties AG, von welcher
                                                                                                    26
        sie durch Universalsukzession samtliche Aktiven und das gesamte Fremdkapital
        ubernahm (D 4/A/2/5). Die Firma lautete neu ISL Worldwide (D 4/A/2/12).

        Aktienkapital: CHF 7'400'000.-

        Zweck: Weltweite Ubernahme, Vermittlung und Verwertung von Marketing- und
        Werberechten aller Art sowie anderer Lizenzen und Medienrechte und Verwertung der
        Marketing- und Werberechte; kann mittels Femsehen, Radio, Zeitschriften, BCichern,
        Advertising, Merchandising, Franchising, Filmen, Videos, Musik, Marken, Symbolen,
        Maskottchen, Emblemen und mittels aller neuen Ideen auf dem Gebiete des Marketings
        und der Werbung erfolgen, Fernsehubertragungsrechte erwerben mit dem Zwecke, sie
        kommerziell zu verwerten, sowie Gesellschaften erwerben, halten und veraussern.

        Samtliche im Handelsregister eingetragenen Personen zeichneten kollektiv zu zweien.

        Am 21. Mai 2001 wurde der Konkurs eroffnet (KE).

        Die folgenden Angaben beziehen sich auf die ISL Marketing AG und ISL Worldwide.


         Eigenschaft Person                               Zeitraum gemass Tagebucheintrag
                                                          od. SHB Datum


         Generaldirektor Schurtenberger Heinz             2000
         President Weber Jean-Marie                       2000-21.05.2001 (KE)
         Mitglied Schurtenberger Heinz                    2000-11.01.2001
                               Beauvois Daniel 2000-21.05.2001 (KE)
                               Weber Hans-Peter 22.12.2000-21.05.2001 (KE)
                               Schmid Hans-Jurg 2000-21.05.2001 (KE)




1.2.6 ISL Properties AG. Sarnen (D 4/A/6/13)

         Funktion Person                                  Zeitraum gemass Tagebucheintrag od. SHB
                                                          Datum

                                  Vizedirektor Hans-Peter Weber -09.05.2000 (Fusion mit
                                                                                    ISL
                                                                                    Ma
                                                                                    rket
                                                                                    ing
                                                                                    AG
                                                                                    )
                                                                                    Pre
                                                                                    sid
                                                                                    ent
                                                                                    We
                                                                                    ber
                                                                                    Jea
                                                                                    n-
                                                                                    Ma
                                                                                    rie.
                                                                                    -
                                                                                    09.
                                                                                    05.
                                                                                    200
                                                                                                      27
                                                                                    0



Diese ist nicht zu verwechseln mit der ISL Tennis Marketing AG, welche ab dem 15.5.2000 neu
unter ISL Marketing AG firmierte (vgl. D 4/A/3 ff.)

1.2.7     ISL International AG. Zuo (D 4/A/4/1+2) Aktienkapital: CHF 200'000.-Zweck: En/verb, Halten

         und Verausserung von Beteiligungen an anderen Untemeh

         mungen im In- und Ausland sowie Durchfuhrung von intemationalen Handels- und

         Finanztransaktionen.

         Samtliche im Handelsregister eingetragenen Personen zeichneten kollektiv zu zweien.

         Am 21. Mai 2001 wurde der Konkurs eroffnet.



Eigenschaft


President Mitglied Person


Weber Jean-Marie Schurtenberger Heinz Schmid Hans-Jurg
Weber Hans-Peter Zeitraum gemass Tagebucheintrag od. SHB Datum

2000 - 21.05.2001 (KE) -22.12.2000 2000-21.05.2001 (KE) 22.12.00-21.05.01 (KE)

1.2.8 ISL Hospitality AG. Zuo (D 4/A/8/2) Aktienkapital: CHF 100'000.~

         Zweck: Ubernahme, Vermittlung und Verwertung von Marketing- und Werberechten aller Art
         sowie anderer Lizenzen und Medienrechte, insbesondere im Bereich des Hospitality; kann sich
         an anderen Unternehmen beteiligen, Garantien zu Gunsten von verbundenen Gesellschaften
         gewahren sowie Grundstucke erwerben, halten und veraussern.

         Samtliche im Handelsregister eingetragenen Personen zeichneten Kollektiv zu zweien.

         Am 22. Juni 2001 wurde der Konkurs eroffnet.

           Eigenschaft Person                               Zeitraum gemass Tagebucheintrag od. SHB
                                                            Datum

           President Schmid Hans-Jiirg                      28.02.2001-22.06.2001 (KE)
           Mitglied Weber Hans-Peter                        28.02.2001-22.06.2001 (KE)


1.2.9     ISL Hospitality (Japan) AG. Zuo (D 4/A/9/2)

         Aktienkapital: CHF 100'000.-

         Zweck: Ubernahme, Vermittlung und Verwertung von Marketing- und Werberechten aller Art
         sowie anderer Lizenzen und Medienrechte, insbesondere im Bereich des Hospitality in Japan;
         kann sich an anderen Unternehmen beteiligen, Garantien zu Gunsten von verbundenen
         Gesellschaften gewahren sowie Grundstucke erwerben, halten und veraussern.
         Samtliche im Handelsregister eingetragenen Personen zeichneten Kollektiv zu zweien.
                                                                                                 28
        Am 22. Juni 2001 wurde der Konkurs eroffnet.

         Eigenschaft Person                            Zeitraum gemass Tagebucheintrag od. SHB
                                                       Datum

         President Schmid Hans-Jiirg 08.03.2001-22.06.2001 (KE) Mitglied Weber Hans-Peter
         08.03.2001-22.06.2001 (KE)


1.2.10 ISL Hospitality (Korea) AG. Zuo (D 4/A/10/2)

        Aktienkapital: CHF 100'000.--

        Zweck: Ubernahme, Vermittlung und Verwertung von Marketing- und Werberechten
        aller Art sowie anderer Lizenzen und Medienrechte, insbesondere im Bereich des
        Hospitality in Korea; kann sich an anderen Unternehmen beteiligen, Garantien zu
        Gunsten von verbundenen Gesellschaften gewahren sowie Grundstiicke erwerben,
        halten und veraussern.

        Samtliche im Handelsregister eingetragenen Personen zeichneten Kollektiv zu zweien.

        Am 22. Juni 2001 wurde der Konkurs eroffnet.

         Eigenschaft Person                            Zeitraum gemass Tagebucheintrag od. SHB
                                                       Datum

         President Schmid Hans-Jiirg 08.03.2001-22.06.2001 (KE) Mitglied Weber Hans-Peter
         08.03.2001-22.06.2001 (KE)


1.2.11 ISMM AG im Besonderen

        Die Sporis Holding AG wurde gemass offentlicher Urkunde am 19. Dezember 1984
        gegriindet (D 4/A/1/8). Die Gesellschaft bezweckte schon damals in erster Linie den
        Erwerb und die Verwaltung von Beteiligungen an anderen Gesellschaften, sowie die
        Errichtung von Tochtergesellschaften. Gemass ihrer Zweckbestimmung konnte sie aber
        auch u.a. Patente, Markenrechte und andere Schutzrechte kaufen, verkaufen oder
        benutzen und alle finanziellen Transaktionen durchfiihren, die mit dem Hauptzweck der
        Gesellschaft in Zusammenhang standen (D 4/A/1/10).

        Die Familie „Dassler" d.h. Horst Dassler, Brigitte Baenkler, Inge Bente, Karin Essing
        und Sigrid Dassler-Malms, war Grunderin der Gesellschaft und hielt in diesem Zeitpunkt
        996 von 1000 Aktien (D 4/A/1/8, vgl. auch die Angaben von Christoph Malms D 3/28,
        Ziffer 2-8). Wie dem Aktienregister (Stand per 15. Juni 2000) entnommen werden kann,
        gab es im Verlaufe der Jahre mit Bezug auf den Aktienbestand Verschiebungen,
        hingegen blieb der Hauptanteil der Aktien in Familienbesitz (D 8/8/22 ff.). Gemass den
        mit einem Teil der Beschuldigten abgeschlossenen Optionsplanen waren diese
        berechtigt, Aktien der ISMM Investments AG zu erwerben (D 6/3/7/1-9). Gemass
        Christoph Malms wurden diese im Zusammenhang mit der Vorbereitung eines
        allfalligen Borsengangs und der Fusion der ISMM Investments AG mit der Sporis
        Holding umgesetzt (D 3/28, Ziffer 14, vgl. dazu die Angaben weiterer Beschuldigter: D
        3/29, Ziffer 9, D 3/30, Ziffer 9, D 3/31, Ziffer 12). Der nichtdatierten Vereinbarung
        zwischen der ISMM AG und Daniel Beauvois, Hans Hussy, Christoph Malms, Jean-
        Marie Weber und Heinz Schurtenberger kann entnommen werden, dass sich durch die
        erwahnte Fusion die Verpflichtung der Sporis Holding AG bzw. der ISMM AG auf
        Abgabe von Aktien der ISMM Investments AG in eine Verpflichtung auf Auszahlung
        einer bestimmten Summe in Abhangigkeit vom Wert ihrer eigenen Aktien wandelte. Die
        aus den Optionsplanen Berechtigten verzichteten dabei auf sich daraus ergebende
                                                                                                                     29
           Rechte und Anspriiche (D 17/4/14).

           Zur Positionierung der ISMM AG in der Gruppe gab Christoph Malms
           (Verwaltungs
           ratsprasident der Sporis Holding AG / ISMM AG) an:

           dass die ISMM AG die Obergesellschaft der Gruppe gewesen sei. Das bedeute einerseits, dass sie alle
           Beteiligungen gehalten und andererseits eine Funktion in der strategischen Gesamtfuhrung des
           Unternehmens wahrgenommen habe, was sich daraus zeige, dass eben neben dem Verwaltungsrat hier
           eine Geschaftsfuhrung angesiedelt gewesen sei. Sie sei aber nicht in Geschaftstatigkeiten und -abwick
           lungen einzelner Untergesellschaften involviert gewesen. Auf Befragen gab er an, dass die Sporis
           Holding seinerzeit in dem Sinne eine Familienholding gewesen sei. Die Funktionen der strategischen
           Geschaftsfuhrung seien seinerzeit nicht in der Sporis Holding, sondern ganz fruher in der ISL Marketing
           AG, und dann - in einer Zwischenzeit bis zur schlussendlichen Fusion - in der ISMM Investments AG
           gewesen (vgl. D 3/45, Ziffer 1-3).


           Beziiglich der Aussagen von Heinz Schurtenberger, Hans-Jiirg Schmid und Hans-
           Peter Weber wird auf S. 38 der Uberweisungsverfiigung verwiesen. Diese Angaben
           mitberiicksichtigend kann die ISMM AG als Dach- bzw. Holdinggesellschaft der
           Gruppe bezeichnet werden, welche im Sinne der Ausfuhrungen der Befragten insb.
           Beteiligungen, aber auch Rechte hielt und hauptsachlich fiir die strategische
           Gesamtfuhrung des Unternehmens bzw. der Gruppe und auch die Wahrnehmung
           der Kontrollfunktionen iiber samtliche Gruppengesellschaften zustandig war. Der
           Hauptteil des operativen Geschaftes wurde iiber die ISL Worldwide abgewickelt,
           die ebenfalls Beteiligungen an Tochtergesellschaften hielt, welche insb.
           Dienstleistungen fiir die ISL Worldwide erbrachten (vgl. auch D 3/65, S. 5). Die
           Feststellung mit Bezug auf die ISMM AG als Holding ist in den theoretischen
           Ansatz einzubetten, wonach solche Gesellschaften zum „Halten von irgendwelchen
           Werten" da sind, meist grosseren Beteiligungen. Holdinggesellschaften im engen
           Sinn sind Beteiligungsgesellschaften, welche iiblicherweise an der Spitze oder in
                                                    5
           der Mitte der Konzernstruktur stehen . Definiert man zudem den Konzern als
           Gesamtbetrieb, zu dem zwei oder mehrere rechtlich selbstandige Betriebe
           verbunden sind, indem sie Gegenstand einer dauemden und unbeschrankten
                                       6
           Betriebsverbindung bilden , so ist im vorliegenden Fall bei der ISMM Gruppe von
           Konzernstrukturen auszugehen. Dies u.a. auch deshalb, weil dann von einem
           Konzern die Rede ist, wenn eine Mehrheit von Gesellschaften unter einheitlicher
                         7
           Leitung steht . Fiir gewisse Teilaspekte der Untersuchung ist somit die Feststellung
           von Bedeutung, dass es sich bei der ISMM Gruppe um einen Konzern im
           beschriebenen Sinn handelte. Dabei wird im Folgenden begrifflich unter Gruppe
           oder Konzern das Gleiche verstanden.

5

     Jean Nicolas Druey, Alexander Vogel, Das Schweizerische Konzernrecht in der Praxis der
     Gerichte, Zurich 1999, 19
6

    Peter Gauch, Der Zweigbetrieb im schweizerischen Zivilrecht, Habilitationsschrift, Zurich 1974,
                                              N 70
7

      Druey, Vogel, a.a.O., 4 ff
           Interne Organisation der ISMM Gruppe

           Gemass einer Publikation der Gruppe war das .Top-Management" direkt im „ISMM-
           Verwaltungsrat, dem obersten Geschaftsleitungsorgan der Gruppe", vertreten. Der
           Verwaltungsrat delegiere die laufende Koordination samtlicher Geschaftsbereiche der Gruppe
           an einen VR-Ausschuss (ExCo). Die Verantwortlichen aller ISL- Geschaftsbereiche (Worldwide
                                                                                                       30
         Sportmedia- und Marketing Agentur), En-Linea (Sporttechnologie Firma), Sri- (Sport, Medien
         und Marketingberatung) und Orad- (Grafikprodukte fiir Video und TV) seien dem Leiter der
         ISMM-Geschaftsfiihrung (CEO) unterstellt. Auf Management Ebene (Group Management
         Board) werde ein Ausschuss eingesetzt, der die strategische Entwicklung der Gruppe und ihrer
         verschiedenen Geschaftsbereiche verfolge (Einfiihrung in die ISMM Gruppe: D 17/1/3, S. 24).

         Die Untersuchung hat diesbeziiglich folgende Erkenntnisse gebracht. Die interne Organisation
         der Gruppe und damit auch die Kompetenzverteilung wurde im Wesentlichen durch die
         Statuten der Gesellschaften, die ..Organization by laws" (Organisationsreglemente) und die
         ..Regulations to the Organization by laws" (Geschaftsreglemente) festgelegt. Die Reglemente
         wurden im Jahr 2000 abgeandert, wobei deren Inkraftsetzung in zeitlicher Hinsicht nicht
         identisch mit den erwahnten Fusionen vom 9. Mai 2000 war. Sie erwuchsen am 1. Oktober
         2000 in Kraft. Durch diese zeitliche Divergenz zwischen Fusion und Inkrafttreten neuer
         Reglemente entstand allerdings kein regelungsfreier Raum. Einerseits bestand
         gesellschaftsintern die Meinung, dass die alten Reglemente bis zum Inkrafttreten der neuen
         Giiltigkeit behielten (Christoph Malms: D 3/28, Ziffer 39). Andrerseits leben bei der Universal-
         sukzession nicht nur Aktiven und Passiven weiter, sondern all das, was die Gesellschaft als
         Inhalt ausmacht. Dazu gehort auch deren Organisation, soweit sie im Rahmen der Fusion nicht
                             8
         abgeandert wurde . Weiter kommen dort, wo die Gesellschaft auf die Moglichkeit selbstandiger
                                                                                   9
         Organisation verzichtet, Vorschriften dispositiver Natur zur Anwendung .

         Im verfahrensrelevanten Zeitraum waren folgende Reglemente in Kraft:

         Bis zum 1. Oktober 2000: das Oroanisationsreolement der ISMM Investments AG vom 10.
              September 1998 (D 8/2/13), welches gestutzt auf Art. 15 der Statuten vom 2. Dezember
              1996 (D 4/A/6/17) erlassen und vom Verwaltungsrat am 10. September 1998 genehmigt
              wurde (D 8/5/1, S. 6); das Geschaftsreolement der ISMM Investments AG vom 20.
              Oktober 1998 (D 8/2/14, vgl. auch D 3/46), welches durch Beschluss des Verwaltungsrats
              der ISMM Investments AG mit gleichem Datum genehmigt wurde (D 8/5/2, S. 4).

         Ab dem 1. Oktober 2000: das Oroanisationsreolement der ISMM AG vom 1. Oktober 2000 (D
              8/2/18), welches gestutzt auf Art. 15 der Statuten vom 9. Mai 2000 (D 4/A/1/19) erlassen
              wurde; das Geschaftsreolement gleichen Datums der ISMM AG, welches wie das
              Organisationsreglement durch Zirkularbeschliisse des Verwaltungsrats der ISMM AG
              genehmigt wurde (D 17/4/20).



Jurg Suter, Die Fusion von Aktiengesellschaften im Privatrecht und im Steuerrecht, Diss. Zurich 1965,

Bernhard Schulthess, Funktionen der Verwaltung einer Aktiengesellschaft, Diss. Zurich 1967, 40
        Im Zusammenhang mit den nachfolgend verwendeten Begriffen Geschaftsleitung und
        Geschaftsfuhrung ist folgendes festzuhalten. Geschaftsfuhrung im weiteren Sinne ist der
        Inbegriff der auf die Verfolgung des Gesellschaftszwecks gerichteten Tatigkeit. Sie umfasst die
        gesamte Willensbildung, Willensbetatigung und Willensverwirklichung im Namen einer
                                                                         1
        Aktiengesellschaft in kaufmannischer wie in technischer Hinsicht . Der Begriff
        Geschaftsfuhrung betrifft in diesem Sinn nicht den Verwaltungsrat als Organ der
        Aktiengesellschaft, sondern seine Tatigkeit in deren Interesse. M.a.W. in dem Sinne, wie er
        vom OR verwendet wird (vgl. etwa Art. 715 a, Abs. 2+3, 716a, Abs. 1, Ziffer 4+5, 716b, 717,
        Abs. 1, 722, 731 Abs. 211OR). Die so umschriebene Geschaftsfuhrung wird vom jeweiligen
        Organ wahrgenommen . Bei der nachfolgenden Darstellung der Reglemente wird jedoch
                                                                            12
        bewusst die Wortwahl der diesbezuglichen Verfasser ubernommen .


1.3.1 Reoeluno bis zum 1. Oktober 2000

         Die ISMM Gruppe hatte 4 Exekutivorgane:

              „The Board"
                                                                                                       31
                  ..Chairman of the Board (and the Co-Chairman, if any)"
                  „The Executive Committee" (VR-Ausschuss)
                  „The Management" (Geschaftsfuhrung)"


           Das Organisationsreglement halt in Ziffer 1 fest, dass der Ausdruck Gesellschaft falls im
           Reglement nichts anderes festgehalten sei - auch alle Tochtergesellschaften beinhalte. Tochter
           waren jene Gesellschaften, an denen die ISMM Investments AG eine Beteiligung von 50 %
           oder mehr Anteile Oder Stimmen hatte. Gestutzt auf die Untersuchung kann festgehalten
           werden, dass die vorstehend erwahnten - wenn auch fiir die ISMM Investments AG und ISMM
           AG erlassenen Reglemente - nach interner Meinung ebenfalls fur die ubrigen Gesellschaften
           Giiltigkeit hatten (vgl. die Aussagen von Christoph Malms in D 3/45 Ziff. 60 f. sowie die
           Anmerkungen des Untersuchungsrichters auf S. 41 der Uberweisung).

1.3.1.1 Verwaltungsrat

           Der Verwaltungsrat delegierte unter Vorbehalt der Statuten und des Organisationsreglements
           die Geschaftsfuhrung vollumfanglich an den Verwaltungsratsausschuss [Executive Committee
           (ExCo)] und das als Geschaftsfuhrung bezeichnete Management (Ziffer 2.4 Abs. 1 des
           Organisationsreglementes). Er behielt gemass Abs. 2 die Oberleitung, bestimmte die Mitglieder
           des Verwaltungsratsausschusses und uberwachte die Aktivitaten des Ausschusses und des
           Managements.




10
     Schulthess, a.a.O., 70, vgl. auch die umfassendere Definition bei: Walter Scherrer, Die
     Geschaftsfuhrung und die Vertretung in den Personengesellschaften, Diss. Zurich 1964,16
     Forstmoser, Meier-Hayoz, Nobel, Schweizerisches Aktienrecht, Bern 1999, § 28 N 109, N 149 im
     Zusammenhang mit dem Delegierten des Verwaltungsrates, betreffend „Direktoren
12
     (Geschaftsleitung), vgl insbesondere § 29, N 47 ff.
     vgl. etwa Ziffer 2.4 des Organisationsreglementes vom 10. September 1998, wonach das
     ..management" an das ..management" delegiert wird / vgl. auch die Angaben von Heinz
     Schurtenberger, wonach unter Geschaftsleitung und Geschaftsfuhrung das Gleiche zu verstehen
     sei, namlich ein Organ (D 3/44, Ziffer 45)
Der Verwaltungsrat behielt selbstredend die uniibertragbaren und unentziehbaren Aufgaben
gemass Art. 716a OR

(Oberleitung der Gesellschaft und Erteilung der notigen Weisungen, Festlegung der Organisation,
Ausgestaltung des Rechnungswesens, Ausgestaltung der Finanzkontrolle, Ausgestaltung der Finanz
planung, Ernennung und Abberufung der mit der Geschaftsfuhrung betrauten Personen, Oberaufsicht
iiber die mit der Geschaftsfuhrung betrauten Personen [namentlich im Hinblick auf die Befolgung der
Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen], Erstellung des Geschaftsberichtes sowie Vorbereitung
der Generalversammlung und die Ausfuhrung ihrer Beschlusse, Benachrichtigung des Richters im Falle
der Uberschuldung)


      Zudem oblag ihm gemass Ziffer 8, 9 und 10 von Ziffer 2.4 des
      Organisationsreglementes die Beschlussfassung iiber die nachtragliche
      Leistung von Einlagen auf nicht vollstandig librierten Aktien, die Beschlussfassung
      iiber die Feststellung von Kapitalerhohungen und daraus folgende
      Statutenanderungen und die Priifung der fachlichen Voraussetzungen der
      besonders befahigten Revisoren ftir jene Falle in welchen das Gesetz den Einsatz
      solcher Revisoren vorsieht.

(Vgl. zur Delegation und zu den uniibertragbaren und unentziehbaren Aufgaben des
Verwaltungsrates auch Ziffer 1 des Geschaftsreglementes. Zusatzlich behielt der
                                                                                                                     32
Verwaltungsrat gemass Ziffer 2.3 des Geschaftsreglementes verschiedene Kompetenzen, auf
welche - soweit verfahrensnotwendig - an einschlagiger Stelle hingewiesen wird.)

Um fur die Gesellschaft Verbindlichkeit zu erlangen, bedurften gemass Geschaftsreglement u.a.
folgende Angelegenheiten der vorgangigen, formellen Beschlussfassung durch den
Verwaltungsrat:
     Mittel- und langfristige Terminplane (unter Einschluss der Finanz-, Geschafts- und Organisationsplane) und alle
     wesentlichen Anderungen und Erganzungen derselben, Jahresbudgets, unter Einschluss der Finanz- und
     Liquiditatsplane und alle wesentlichen Anderungen oder Erganzungen derselben, Buchfiihrungsgrundsatze und - regeln
     sowie deren Anderungen, Ubertragung von, Verfugung uber oder freiwillige Aufgabe wesentlicher Teile der
     Geschaftstatigkeit oder von Vermogenswerten der Gesellschaft, soweit dies nicht in den Bereich des normalen
     Geschaftsgangs fiel, wie es in den genehmigten Budgets oder mittel- und langfristigen Terminplanen angegeben war,
     Begrundung von Sicherheiten und Garantien sowie wesentliche Anderungen derselben, davon ausgenommen solche,
     die in den Bereich der normalen Geschaftstatigkeit fielen und Betrage von weniger als CHF 10'000'000.--.

     (Ziffer 3 des Geschaftsreglementes)

Der Genehmigung durch den Verwaltungsrat bedurften u.a. folgende Angelegenheiten:

     Abschluss von Vertragen (ausgenommen solche im Zusammenhang mit dem Erwerb oder der Nutzung von Rechten
     oder Anstellungsverhaltnissen) im Rahmen des laufenden Geschaftsgangs mit einer Dauer von mehr als 48 Monaten
     oder wenn die Verpflichtung der Gesellschaft gesamthaft mehr als CHF 4'000'000.~ ausmachte, ausgenommen
     Verpflichtungen, die durch den Verwaltungsrat im Rahmen von Budgets oder andern Planen gutgeheissen wurden.

     (Ziffer 4 des Geschaftsreglementes)
1.3.1.2 Verwaltungsratsprasident

        Der Prasident fiihrte u.a. den Vorsitz an den Sitzungen des Verwaltungsrates und
        konnte, mangels anderslautender Beschliisse, den Vorsitz auch in jedem anderen
        Gremium fiihren, welches integriertes Organ der Gesellschaft war (Ziffer 3.1 des
        Organisationsreglementes). Er war verantwortlich fur die Koordination aller Angele-
        genheiten auf Gruppenebene (Ziffer 3.3 des Organisationsreglementes).

1.3.1.3 Verwaltungsratsausschuss

        Er bestand aus Mitgliedern des Verwaltungsrates (Ziffer 4.1 des Organisations-
        reglementes) und hatte die umfassende Befugnis, die Geschafte der Gesellschaft
        und der Tochtergesellschaften zu leiten, dies unter Vorbehalt der Statuten, des
        Gesetzes, der Bestimmungen des Organisationsreglementes und insbesondere
        der Bestimmungen des Geschaftsreglementes, welches integrierenden Bestandteil
        des Organisationsreglementes bildete (Ziffer 4.2 des Organisationsreglementes).
        Neben der Befugnis zur Geschaftsfuhrung der Gesellschaft und ihrer Tochter hatte
        er das Recht, die in Ziffer 2.4 des Organisationsreglementes erwahnten und dem
        Verwaltungsrat vorbehaltenen Angelegenheiten zu priifen und dem Verwaltungsrat
        Vorschlage zu machen. Insbesondere hatte er die Erarbeitung der Jahresrechnung
        zu uberwachen, welche der Verwaltungsrat zuhanden der Generalversammlung zu
        erstellen hatte, und hatte dem Verwaltungsrat Antrage zur Beschlussfassung zu
        stellen beziiglich Budget, mittelfristige Angelegenheiten unter Einschluss der
        Finanz-, Geschafts-, Organisations- und Liquiditatsplane (Ziffer 4.4 des
        Organisationsreglementes).

        Christoph Malms, Heinz Schurtenberger und Hans JCirg Schmid erklarten bei den
        untersuchungsrichterlichen Befragungen, dass es sich beim Executive Committee
        und die Geschaftsleitung bzw. Konzernleitung gehandelt habe; Daniel Beauvois
        widersprach dem und machte geltend, die meisten Entscheidungen seien im
        General Management Board getroffen worden; Hans-Peter Weber fiihrte aus, die
        Geschaftsleitung seien effektiv das Exco und das Management gewesen
        (beziiglich Einzelheiten wird auf S. 43 und 44 der Uberweisungsverfiigung
        verwiesen).
                                                                                                  33
1.3.1.4 Management

        Der Verwaltungsratsausschuss konnte die operative Geschaftsfuhrung ganz oder
        teilweise dem Management der Gesellschaft oder jener ihrer Tochtergesellschaften
        ubertragen, soweit es Gesetz, Statuten, Organisations- und Geschaftsreglement
        erlaubten (Ziffer 5.1 des Organisationsreglementes).

        Das Executive Committee konnte in Abstimmung mit 13dem Verwaltungsrat eines
        seiner Mitglieder zum Chief Executive Officer (CEO ) emennen, welcher dem
        Prasidenten des Verwaltungsratsausschusses, ansonsten dem Prasidenten des
        Verwaltungsrates, rapportierte. Der CEO war Vorsitzender des GMB (General
        Managment Board oder Group Managment Board), welches sich aus andern
        Mitgliedern des Verwaltungsrats




  Ivo W. Hungerbuhler, Der Verwaltungsratsprasident, Diss. Zurich 2003,17, CEO =
  Vorsitzender der Geschaftsleitung
                                                  14
        ausschusses und den „most senior members" aus dem Managment der Gesellschaf-
        ten zusammensetzte und durch den Verwaltungsratsausschuss bestimmt wurde (Ziffer
        5.2.2. des Organisationsreglementes).

       Der CEO delegierte die Geschaftsfuhrung gemass den Funktionsplanen an die Mit-
       glieder des Managements, deren Ernennung auf seinen Vorschlag hin und mit vorhe-
       riger Zustimmung des Verwaltungsratsausschusses erfolgte. Er war mit der Instruktion
       betreffend die Geschaftsfuhrung und mit der Oberaufsicht betraut (Ziffer 5.2.3 des
       Organisationsreglementes). Ausser dem allfalligen Co-Prasidenten (Verwaltungsrat)
       rapportierten die Mitglieder des Verwaltungsratsausschusses dem CEO (Ziffer 5.2.4
       des Organisationsreglementes).

       Was die Aussagen von Christoph Malms, Hans-Jiirg Schmid, Heinz Schurtenberger,
       Daniel Beauvois und Hans-Peter Weber zur Rolle des Managements bzw. GMB
       anbelangt, wird an dieser Stelle auf die Darstellung in der Uberweisungsverfiigung (S.
       44 und 45) verwiesen.


1.3.1.5 Information

       Der Verwaltungsrat hatte ein umfassendes Informationsrecht, dessen Durchsetzung
       detailliert geregelt war. Dieser war an jeder Sitzung durch den Prasidenten und/oder
       den allfalligen Co-Prasidenten sowie die Mitglieder des Verwaltungsratsausschusses
       iiber den laufenden Geschaftsgang und die wichtigeren Geschafte der Gesellschaft zu
       informieren sowie iiber alle Angelegenheiten, zu denen Beschluss zu fassen war oder
       die zu genehmigen waren. Zudem waren die Mitglieder des Verwaltungsrates uber alle
       ausserordentlichen Geschafte der Gesellschaft von Bedeutung, die einen namhaften
       Einfluss auf die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung der Gesellschaft ausserhalb
       des genehmigten Budgets oder Plane haben konnten (Ziffer 2.5 des Organi-
       sationsreglementes), mittels Zirkularschreiben unverziiglich zu informieren,.

       Der Verwaltungsratsausschuss hatte dem Verwaltungsrat u.a. in folgenden Angele-
       genheiten Bericht zu erstatten:

             iiber die Geschaftsfuhrung zu Cash-Flow-Projektionen,
             Garantien oder sonstige Arten von Sicherheiten,
             aktueller Stand laufender Verhandlungen iiber Vertrage von wesentlicher Bedeutung,
                                                                                                                 34
               zu alien sonstigen Angelegenheiten, welche der Verwaltungsrat als wichtig ansah.

               (Ziffer 5 des Geschaftsreglementes)

        Die Aussagen beziiglich der Frage, ob und inwieweit Themen von einer gewissen
        Tragweite im Verwaltungsratsausschuss (ExCo) behandelt worden sind, sind auf S. 46
        f. der Uberweisungsverfiigung festgehalten, worauf hier verwiesen wird.




  Bei den „most senior members" handelte es sich um die Fuhrungskrafte der wichtigsten Geschaftsbereiche
  bzw. die verschiedenen Bereichsleiter wie etwa der „Head Finance", Head Football: D 3/43, Ziffer 82, D 3/44,
  Ziffer 49, D 3/45, Ziffer 62, D 3/49, Ziffer 62, D 3/61, Ziffer 80
1.3.1.6 In der Ubersicht konnen die Organe der ISMM Investments AG (bis Mai 2000) bzw. der ISMM
AG (ab Mai 2000) wie folgt dargestellt werden:


                                             Board of Directors
                                           [Verwaltungsrat (VR)]

                                          President (VRP)
                                      Co-Vize-Prasident (VRVP)
                                          Mitglieder (MVR)



                   Executive             Committee                            (ExCo)
                    (Verwaltungsratsausschuss)
                                           President
                                           Mitglieder



                                                (CEO)
                                           Management
                                    General Management Board
                                    Group Management Board
                                             (GMB)




               Die Berichterstattung (Reporting) erfolgte wie nachstehend aufgezeichnet:




                                                    VRVP
                                                 Vorsitzender
                                                    ExCo




                                                 CEO
                                              Vorsitzender
                                                 GMB

                                                      Mitglieder
                                                                                                        35
                                                   ExCo
                                                Mit Ausnahme
                                              Vorsitzender ExCo

          Organisationsreglementes). Die Mitglieder des Verwaltungsratsausschusses waren Mitglieder
          des Managements und rapportierten mit Ausnahme des Prasidenten dem CEO (Ziffer 5.2.4 des
          Organisationsreglementes), welcher seinerseits dem Prasidenten des
          Verwaltungsratsausschusses bzw. dem Vizeprasidenten des Verwaltungsrates oder bei dessen
          Fehlen dem Verwaltungsratsprasidenten rapportierte (Ziffer
          5.2.2 des Organisationsreglementes). Die Beschuldigten rapportierten somit folgendermassen:



                   VRP VRVP
              Christoph Malms Jean-Marie Weber



                                                    CEO Heinz Schurtenberger




                                                        ExCo GMB
                                           (Jean-Marie Weber (H. Schurtenberger).
                                                      Vorsitz) (Vorsitz)

                              (Heinz Schurtenberger) Daniel Beauvois Daniel Beauvois
                                 Hans-Jurg Schmid



          Hans-Peter Weber rapportierte Hans-Jurg Schmid (D 3/43, Ziffer 89, D 3/44, Ziffer 62, 63, D
          3/45, Ziffer 69-73, D 3/49, Ziffer 47-51, D 8/2/4+5).


1.3.2     Reoeluno ab dem 1. Oktober 2000

          Die Grundorganisation, wie unter Ziffer 1.3.1 dargestellt, wurde weitgehend beibehalten,
          weshalb nur auf verfahrensrelevante Abweichungen hingewiesen wird. Gemass Ziffer 1 des
          Organisationsreglementes hatte die ISMM Gruppe 7 Exekutivorgane:

               „The Board"
               ..Chairman of the Board" (President des Verwaltungsrates)
               ..Vice Chairman of the Board"
               „The Executive Committee" (Verwaltungsratsausschuss) - ExCo
               "The Other Committees of the Board"
               "The Chief Executive Officer ("CEO")
               „The General Management Board" GMB



1.3.2.1    Der Verwaltungsrat behielt nach wie vor die Oberleitung iiber die Gesellschaft bzw. die
          Gruppe. Er war mit der Geschaftsfuhrung der Gesellschaft betraut, soweit er diese auf der
          Grundlage des Organisationsreglementes nicht an den Prasidenten, den Vize-Prasidenten, den
          Verwaltungsratsausschuss, die anderen Ausschiisse, den CEO oder das General Management
          Board delegierte (Ziff. 2.4.1 des Organisationsreglements). Dem Verwaltungsrat oblag es
          zudem, die Aktivitaten des Prasidenten, des Vize-Prasidenten, des
          Verwaltungsratsausschusses, der anderen Ausschiisse und des General Management Boards
          zu Ciberwachen und zu kontrollieren (Ziffer 2.4.2 des Organi
                                                                                               36
        sationsreglementes). Er war uberdies zustandig fur alle Bereiche, welche nicht der
        Generalversammlung, oder einem anderen Organ der Gesellschaft durch das Gesetz,
        die Statuten oder das Organisationsreglement vorbehalten waren oder ubertragen
        wurden (Ziffer 2.4.3 des Organisationsreglementes). Die Beschlussfassung des Ver-
        waltungsrates wurde neu in verschiedenen Bereichen bereits im Organisations-
        reglement geregelt (Ziffer 2.4.5 des Organisationsreglementes).

1.3.2.2 Der Verwaltungsratsprasident ubte die Oberaufsicht uber alle Aktivitaten der Gesell-
        schaft aus. Er konnte an alien Sitzungen anderer Gremien, die ganz oder teilweise
        Organe der Gesellschaft waren, teilnehmen (Ziffer 3.4 des Organisationsreglementes).

        Er hatte auf Grund einer Delegation des Verwaltungsrates die Verantwortung fiir
        dessen Angelegenheiten, wie sie in Ziffer 2 des Organisationsreglementes umschrie-
        ben waren. Diese Funktionen hatte er, falls erforderlich, in enger Zusammenarbeit mit
        dem CEO wahrzunehmen.

        Er war in diesem Zusammenhang verpflichtet, dem Verwaltungsrat Vorschlage und
        Antrage zur Beratung und Beschlussfassung zu unterbreiten, und war dafiir verant
        wortlich, dass der Verwaltungsrat seine Aufgaben wahrnehmen konnte.

        Er hatte die Oberaufsicht iiber den Vizeprasidenten (Ziffer 3.5 des Organisations-
        reglementes).

1.3.2.3 Der Vizeprasident war Stellvertreter des Prasidenten und als solcher Prasident des
        Verwaltungsratsausschusses. Er war befugt, an Sitzungen des GMB teilzunehmen und
        rapportierte funktionsmassig dem Prasidenten des Verwaltungsrates (Ziffer 4.1 -Ziffer
        4.3 des Organisationsreglementes).

        Zudem wurden ihm vom Verwaltungsrat die Aufgaben gemass Ziffer 3 des Geschafts
        reglementes delegiert (Ziffer 4.3 des Organisationsreglementes / vgl. im Ubrigen die
        Ausfuhrungen zum Verwaltungsratsprasidenten).

1.3.2.4 Der CEO war Mitglied des Verwaltungsratsausschusses, prasidierte das General
        Management Board und rapportierte dem Vizeprasidenten des Verwaltungsrates (Ziffer
        5.2+5.3 des Organisationsreglementes).

1.3.2.5 Der Verwaltungsratsausschuss setzte sich aus dem Vizeprasidenten des Verwal-
        tungsrats, dem CEO und drei weiteren Verwaltungsraten zusammen. Prasidiert wurde
        er vom Vizeprasidenten des Verwaltungsrats (Ziffer 4.1 des Geschaftsreglementes).
        Die Aufsicht iiber die Aktivitaten des Verwaltungsratsausschusses wurde vom
        Verwaltungsrat wahrgenommen (Ziffer 4.2 des Geschaftsreglementes).



1.3.2.6 Die Organe der ISMM Gruppe konnen wie folgt dargestellt werden:
                             Board of Directors (Verwaltungsrat)
                                          Prasident
                                       Vize-Prasident
                                          Mitglieder



                                 Executive Committee (ExCo)
                                 (Verwaltungsratsausschuss)
                                         Vorsitzender
                                          Mitglieder
                                                                                               37


                                     Ubrige Ausschiisse




                General Management Board Group Management Board (GMB)

                Mit Bezug auf das Berichtswesen kann auf das bereits Gesagte verwiesen werden.
                Neu rapportierte der Vizeprasident des Verwaltungsrates und somit Vorsitzende des
                ExCo dem Verwaltungsratsprasidenten. Heinz Schurtenberger schied am 16.10.2000
                aus der Gruppe aus (D3/44, Ziff. 24 ff). Neuer CEO wurde Daniel Beauvois (D
                8/2/12).


                                             VRP
                                       Christoph Malms



                                           VRVP
                                      Jean-Marie Weber




                                            CEO
                                       Daniel Beauvois




                                          ExCo GMB
                             (Jean-Marie Weber (Daniel Beauvois)
                                       (Vorsitz) (Vorsitz)
                              (Daniel Beauvois) Hans-Jiirg Schmid

1.3.3 Zusammenoefasst eroeben sich folgende Feststellunaen:

       Die Abgrenzung des Executive Committee's vom Management lasst sich sowohl auf
       Grund der Reglemente, als auch der zum Teil nicht ganz deckungsgleichen Angaben
       der Beschuldigten nicht abschliessend vornehmen. Dennoch sind die faktische Stellung
       der Beschuldigten, ihre Kompetenzen und somit auch Pflichten rechtsgeniigend geklart.
       Die Reglemente und die Angaben der Beschuldigten berucksichtigend, steht fest, dass
       der Verwaltungsratsausschuss (ExCo) die Geschaftsfuhrung auf der Grundlage der
       Delegation durch den Verwaltungsrat wahrnahm und delegierte; Teile davon an das
       Management. Dieses nahm seinerseits die Geschaftsfuhrung auf der Grundlage der
       Delegation durch den Verwaltungsrat und den Verwaltungsratsausschuss (ExCo) wahr.

       Das ExCo (Verwaltungsratsausschuss) kann als die Geschaftsleitung (Konzernleitung)
       mit umfassenden Geschaftsfiihrungs- und Delegationskompetenzen bezeichnet wer-
       den. Das Management (ob General Mangement Board oder Group Management
       Board) war insbesondere mit der Umsetzung des operativen Geschaftes der einzelnen
       Tochtergesellschaften befasst.
                                                                                                        38
           Auf Grund der internen Rechtsordnung, der Besetzung des Verwaltungsrats und der
           einzelnen geschaftsfiihrenden Positionen fand in personeller Hinsicht eine Durch-
           mischung statt, welche sich zwar auf die Abgrenzung von Geschaftsfiihrungs- und
           Kontrollfunktionen negativ auswirkte, jedoch einen umfassenden Informationsfluss zur
                        15
           Folge hatte . Die Entscheidungstrager der ISMM Gruppe waren durch eine starke
           Vernetzung weitgehend in strategische und operative Aufgaben (geschaftsfiihrende
           Verwaltungsrate) eingebunden, wobei unter letzterem insbesondere die okonomische
           Perspektive der leistungs-, finanz- und informationswirtschaftlichen Prozesse verstan-
                     16
           den wird . Der Informationsfluss war zudem schon auf Grund der konkreten
           Ausgestaltung des Berichtswesens gesichert.

           Es kann somit ohne Zweifel festgehalten werden, dass samtliche Beschuldigten auf
           Grund der Gesamtkonstellation einen hohen Informationsstand hatten und ihnen in
           ihren Funktionen als Prasident, Vizeprasident oder Mitglied des Verwaltungsrats
           Kontrollfunktionen zukamen und/oder sie im Rahmen (selbst)delegierter Kompetenzen
           aktiv zum operativen Geschaft (etwa als Direktoren) beitrugen.
                                            17
1.4 Vertretung der Gesellschaften

           Was die konkrete Ausgestaltung der Vertretungsmacht betrifft, kann auf die vom
           Verwaltungsrat an der Sitzung vom 17. September 1999 genehmigten ..Signature
           Authorities" verwiesen werden (D 8/2/8+9, vgl. auch D 6/3/13/10 ff). Im Kontext
           interessiert jedoch vor allem die Unterschriftsberechtigung auf den folgenden
           Bankkonten:




15
     vgl. etwa die Aussage von Hans-Peter Weber, dass letztlich in alien Gremien dieselben Personen gewesen
     seien (D 3/61, Ziffer 74)
16

     Jean-Paul Thommen, Lexikon der Betriebswirtschaft, Zurich 2000, 397
17

     Forstmoser, Meier-Hayoz, Nobel, a.a.O., § 30 N 75 ff
           Stamm Nr. 0248-436280 / UBS AG, lautend auf Sporis Holding AG / ISMM AG:
                Christoph Malms

                 J.M. Weber
                 Hans-Jiirg Schmid
                 Hans-Peter Weber

           ab dem 17. Marz 2000 kollektiv zu zweit (D 5/123/21).



           Stamm Nr. 230/220.954 / UBS AG, lautend auf FIFA / Sporis Holding AG:
                Christoph Malms

                 J.M. Weber
                 Hans-Peter Weber
           ab Oktober 1998 kollektiv zu zweit (D 5/126/5).




           Stamm Nr. 0248-594050 /UBS AG, lautend auf ISL Worldwide:
                Christoph Malms

                 J.M. Weber
                 Hans-Jiirg Schmid
                 Hans-Peter Weber
                 Daniel Beauvois
                                                                                                                         39
                 Heinz Schurtenberger

           ab dem 24. Juli 2000 kollektiv zu zweit. Die Zeichnungsberechtigung von Heinz Schurtenberger wurde am 17.
           Oktober 2000 geloscht (D 5/10 f.).




1.5         Stellung der Beschuldigten in der Gruppe. insb in der ISMM AG und der ISL Worldwide

           Die Stellung der Beschuldigten in der Gruppe und die damit einhergehenden Kompetenzen
           und Pflichten ergeben sich u.a. aus den Reglementen, den Arbeitsvertragen (etwa D 9/1/10)
           und den Stellenbeschreibungen (etwa D/9/1/11 f). Aber auch aus fiir die Mitarbeiter
           verbindlichen Regelwerken, wie dem so genannten ..Personnel Manual" (D 9/1/36), das
           integrierender Bestandteil des Arbeitsvertrages war (etwa D 9/1/10, Ziffer 11). Die Reihenfolge
           der nachstehenden Darstellung orientiert sich an der hierarchischen Stellung der
           Beschuldigten in der Gruppe und bezieht sich auf den Zeitraum 1999 - 21. Mai 2001.

1.5.1       Christoph Malms

1.5.1.1     Gemass Vertrag mit der Sporis Holding AG vom 21. April 1998 war er seit Oktober 1990
           vorerst als Berater und danach als Mitglied von Verwaltungsraten der Sporis Gruppe tatig. Seit
           Oktober 1990 habe er zudem innerhalb der Sporis Gruppe in leitender Anstellung
           verschiedene verantwortungsvolle Aufgaben erfullt (D 16/2/2, Ziffer I und II des Vertrages).
           Dazu gab Christoph Malms bei der Einvernahme vom 10. Februar 2004 an,

                 dass der erste Passus hinsichtlich seiner Funktion im Verwaltungsrat der Sporis stimme; das sei ab Ende
                 1990 gewesen. In Bezug auf die Umschreibung der leitenden Funktion habe er zeitweilig formell die Funktion
                 des VR-Delegierten - damals bei der ISL Marketing AG - wahrgenommen. In Bezug auf den effektiven Inhalt
                 und Umfang seiner Verantwortung verweise er auch hier auf vorher gemachte Aussagen beziiglich
                 insbesondere der Rolle und Einflussnahme von Herrn Jean-Marie Weber (D 3/45, Ziffer 83).Christoph Malms
                 hatte vorgangig auf Befragen erklart, dass Jean-Marie Weber formell an ihn rapportiert habe. Der
                 Untersuchungsrichter erkenne schon am Begriff des Co-Chairman, welcher erstmals in diesen By-Laws von
                 1998 verwendet worden sei, dass Herr Weber de facto auch die Funktion des Verwaltungsratsprasidenten
                 habe wahrnehmen wollen und dies auch grosstenteils getan habe; insbesondere in der Reprasentanz des
                 Unternehmens nach
        aussen. Seine Aufgabe zur Wahrung der Interessen der Aktionare hatten in diesem Rahmen nur noch
        dahingehend wahrgenommen werden konnen, dass man sich auf dieses Prinzip der Co-Chairmanship
        geeinigt habe (D 3/45, Ziffer 63). Beim Durchlesen des Protokolls gab er folgende erganzende Erklarung ab,
        welche er einer schriftlichen Vorlage entnahm: Die entsprechende Klausel 3.5 der vorherigen By-Laws,
        welche da heisse: "The Chairman shall supervise and instruct the general management", sei ersatzlos
        gestrichen, und - wie schon berichtet - das ExCo als neues Gremium installiert worden. Durch Personalunion
        zwischen dem Verwaltungsrats-Co-Prasidenten und Vorsitzenden dieses ExCo's sei damit sehr deutlich
        geworden, dass die Geschaftsfuhrung und deren Kontrolle an Jean-Marie Weber iibergegangen sei. Die
        schon vorher erwahnte Festlegung von reporting standards habe einer Arbeitsgruppe im Verwaltungsrat
        ohne seine Prasenz oblegen. Wie schon erwahnt, habe man sich nicht auf einheitliche Standards, zum
        Beispiel in Bezug auf sales reports etc., einigen konnen, so dass die By-Laws diesen Teil nicht klar hatten
        umschreiben konnen (D 3/45, Ziffer 67).

Laut Vertrag wurde vereinbart, dass er sich ab dem 1. Januar 1999 fur eine Dauer bis zum 31.
Dezember 2002 als Berater der Sporis Gruppe zur Verfugung stellen werde (Ziffer 1). Auf die
Frage ob dieser Vertragsinhalt in der Praxis umgesetzt worden sei, gab Christoph Malms an,

        dass er in Bezug auf den Status des Beraters in der Form nicht umgesetzt worden sei, und der Hintergrund
        hier ein ganz Einfacher und sehr Menschlicher sei: Er sei seinerzeit mit seiner damaligen Frau in sehr
        schwierigen Auseinandersetzungen beziiglich Ehe gestanden. Er habe aus diesem Grund eine Mutation vom
        Status des Arbeitnehmers zum Berater personlich als eine sehr belastende Situation und Neuerung
        empfunden. Deswegen habe er darum gebeten, seinen Status als Mitarbeiter vorlaufig fortzufiihren, auch um
        in dieser schwierigen Zeit nicht die ganzen Anderungen beziiglich Versicherung, Pensionskasse etc. auch
        noch machen zu mussen. Die Frage, ob dies heisse, dass er letztlich weiterhin als Angestellter und nicht als
        externer Berater tatig gewesen sei, bejahte er (D 3/45, Ziffer 84).

Weiter wurde vereinbart, dass er die Sporis Gruppe insbesondere in Strategie-,
Investitions- und Organisationsfragen, wie auch in anderen spezifisch zu verein
                                                                                                                         40
barenden Gebieten beraten werde (Ziffer 2). Zur Umsetzung gab er an,

      dass es in Bezug auf Organisation zu dem Zeitpunkt keine massgeblichen Mutationen mehr gegeben habe,
      denn die neue Geschaftsorganisation mit dem Executive Committee habe hier schon bestanden. Beziiglich
      Strategie und Investitionsfragen sei es primar darum gegangen, nun wirklich in Abstimmung mit den
      Aktionaren eine geeignete Form der Kapitaloffnung in Betracht zu ziehen und umzusetzen. Mit Bezug auf die
      spezifisch zu vereinbarenden Gebiete gab er an, dass de facto das Projekt AURORA alles beherrscht habe;
      mit anderen Worten: in der Praxis habe AURORA beziiglich seiner Mitwirkung die zentrale Rolle gespielt (D
      3/45, Ziff. 90f, Ziff. 87).


Weiter wurde vereinbart, dass ihm die Auftrage durch den Verwaltungsrat der Sporis oder ISMM Investments AG
oder gegebenenfalls durch die Vorsitzenden von Verwaltungsratsausschussen dieser beiden Gesellschaften erteilt
wurden (Ziffer 2). Zur Umsetzung gab er an,

      dass der Entschluss zum Projekt AURORA natiirlich schlussendlich ein Entscheid gewesen sei, der in
      Abstimmung mit den Aktionaren habe erfolgen mussen. Sein Hauptanliegen hier sei also erst einmal
      gewesen, eine koharente Meinungsbildung zur geeigneten Form der Kapitaloffnung unter den Aktionaren zu
      entwickeln, damit hieraus ein Auftrag an den Verwaltungsrat habe erfolgen konnen (D 3/45, Ziffer 92).


Weiter wurde vereinbart, dass er an den Sitzungen des General Management Board's (GMB) als Mitglied und an
jenen des Executive Board's der ISMM Investments AG auf Einladung hin teilnehmen werde (Ziffer 2). Zur
Umsetzung gab er an,

      dass er an einigen Sitzungen (er vermute zwei bis drei) des ExCo's auf Einladung teilweise teilgenommen
      habe. Namlich immer dann, wenn es insbesondere - wie schon ausgefuhrt - um
      AURORA und damit zusammenhangende Fragestellungen gegangen sei. An Sitzungen des so genannten GMB habe er
      nicht teilgenommen (D 3/45, Ziffer 93).

Weiter wurde vereinbart, dass er pro Kalenderjahr ein Arbeitspensum von 146 Arbeitstagen
oder zwei Drittel eines vollen Jahrespensums von 220 Arbeitstagen garantiere (Ziffer 5). Zur
Umsetzung gab er an,

      dass er eine Zeiterfassung nach einzelnen Tagen und Stunden aus den schon vorhin erwahnten Grunden (weshalb sein
      Status als Angestellter geblieben sei) nicht gemacht habe. In Bezug auf den effektiven Umfang seiner Tatigkeit -
      insbesondere in der intensiveren Phase der Planung des Projekts AURORA mit all den Sitzungen mit
      Investmentbankern, Researchanalysten, Ratingagenturen und anderen mit einem IPO befassten Beratern - seien die hier
      gemachten Angaben betreffend Pensum erfiillt worden (D 3/45, Ziffer 95).

Weiter wurde vereinbart, dass fiir zwei Drittel des vollen Arbeitspensums jahrlich fix CHF
420'000.- bezahlt werde (Ziffer 7). Zur Umsetzung gab er an,

      dass er - nach bester Erinnerung - im Durchschnitt ein Saiar von etwa CHF 200'000.-- gehabt habe. Einzig in einem Jahr
      (ca. 1996 oder 1997) sei es mehr gewesen, weil es insbesondere darum gegangen sei, eine drohende Unterdeckung in
      seiner Pensionskasse zumindest teilweise zu kompensieren (D 3/45, Ziffer 96 f).

Christoph Malms wurden die Angaben von Heinz Schurtenberger vorgehalten, wonach Malms
die Aktivitaten im Zusammenhang mit der Finanzierung der Gruppe und dem Borsengang (ABS
und IPO) direkt geleitet und iiberwacht habe und er wurde gefragt, ob das richtig sei (D 9/4/3, S.
17 und 18, Ziffer 42, sowie D 3/29, Ziffer 52). Er gab an,

      dass er in Bezug auf das Projekt AURORA im Verwaltungsrat sicherlich der Initiant und Spiritus Rector gewesen sei.
      Auch habe er gegeniiber den verschiedenen, vorstehend erwahnten Bankern und Beratern als erste Anlaufstelle gedient,
      insbesondere im Zusammenhang mit den Fragen zu den Aktionaren. Mit Bezug auf effektive Leitung dieser Projekte sei
      naturlich festzuhalten, dass es in Zuge der zunehmenden Konkretisierung auch Sachverhalte und Sitzungen gegeben
      habe zwischen den Bankern und - je nach Thema - einzelnen Mitgliedern der Geschaftsleitern, an welchen er nicht
      unbedingt zu jedem Zeitpunkt habe dabei sein mussen (D 3/45, Ziffer 98).

Weiter wurden ihm die Angaben von Heinz Schurtenberger vorgehalten, wonach Malms intensiv
in Cash Flow und Finanzierungsfragen involviert gewesen sei, und er wurde gefragt, ob das
richtig sei (D 3/29, Ziffer 35). Er gab an,

      dass er sich stets dafiir eingesetzt habe, dass die Cash Flow Betrachtung im Unternehmen einen hohen Stellenwert
      einnehmen sollte. Und er habe auch schon vor 1998 immer wieder betont, dass das Unternehmen zur Starkung seiner
                                                                                                                           41
     Finanzierungsbasis auch andere Formen der Finanzierung, wie zum Beispiel ein ABS oder allenfalls einen
     eventuellen Borsengang, priifen sollte. In Bezug auf Cash Flow habe er verschiedene Anlaufe auch im Verwaltungsrat
     lanciert, dass hier entsprechende Tools und Instrumente zu erarbeiten seien und diese zum Standard des Reporting
     gehoren sollten (D 3/45, Ziffer 99f).


Zur Stellung von Christoph Malms in der Gruppe gab Hans-Jiiro Schmid an,

     dass sich dieser - wenn iiberhaupt - nicht stark um das Tagesgeschaft gekummert habe. Er habe sich auf die
     strategische Mitfiihrung beschrankt. Besonders in der letzten Phase (1998, 1999 bis 2001) habe er sich zur Hauptsache
     mit dem IPO auseinander gesetzt und diesen in die Wege geleitet (D 3/43, Ziffer 88).

Heinz Schurtenberger gab an,
     dass Malms seines Wissens um 1990 ins Unternehmen gekommen sei. Er meine, dass dies zum Abgang der zwei
     wichtigsten Geschaftsfuhrer gefuhrt habe, die in der Folge das Konkurrenzuntemehmen TEAM aufgebaut hatten. Seines
     Wissens habe Malms damals neben dem VR-Prasidium auch die operative Fuhrung der Gruppe ubernommen. Nach
     verschiedenen Abgangen in wichtigen Fiihrungspositionen im Jahre 1996 sei ein Neuanfang gestartet worden, zu dem
     auch die Einstellung von Daniel Beauvois und von ihm im Friihjahr 1997 gefuhrt habe. Damals habe Jean-Marie Weber
     die operative Gruppenleitung ubernommen. Christoph Malms habe noch einige Zeit im Management der Gruppe
     mitgewirkt und habe operativ u.a. auch den Bereich Marktforschung und den amerikanischen Markt verantwortet. Mit der
     Etablierung der neuen Gruppenstruktur im Herbst 1998 habe sich Christoph Malms auf seine Funktion als Prasident des
     Verwaltungsrats zuriickgezogen, aber auch in dieser Funktion grosse Finanzierungsprojekte wie zum Beispiel das
     Projekt DAWN und das Projekt AURORA geleitet. Als Prasident des Verwaltungsrats habe er einen intensiven Kontakt
     mit Jean-Marie Weber und Hans-Jiirg Schmid in finanziellen Angelegenheiten gepflegt (D 3/44, Ziffer 61).


        Daniel Beauvois gab an,
               dass Malms Verwaltungsratsprasident gewesen sei. Es habe sich uber die Zeit entwickelt: In den ersten
               Jahren sei er auch Managing Director der ISL Marketing AG (spater ISL Worldwide) gewesen. Es sei
               naturlich sehr merkwurdig, dass er einerseits Verwaltungsratsprasident gewesen sei und somit der Chef von
               Jean-Marie Weber bzw. diejenige Person, an die Jean-Marie Weber rapportiert habe, und er gleichzeitig eine
               operative Stufe tiefer gestanden sei. Er erinnere sich, als er im November 1996 fiir den Job interviewt worden
               sei durch Christoph Malms und Jean-Marie Weber, dass er danach keine Ahnung gehabt habe, wer von den
               beiden der Chef gewesen sei. Spater habe sich Christoph Malms von der Position Managing Director
               verabschiedet und sich ausschliesslich mit der Position des Verwaltungsratsprasidenten befasst. Er habe
               sich operativ fast nur der Offentlichkeitsarbeit und dem Thema Borsengang gewidmet. Aber durch die
               Tatsache, dass er auch physisch oft im Buro anwesend gewesen sei, wurde er behaupten, dass er sehr gut
               dariiber informiert gewesen sei, was in der Gruppe tagtaglich passiert sei (D 3/49, Ziffer 54).



1.5.1.2 Betreffend seine Funktionen (inkl. Zeichnungsberechtigung) in den Jahren 2000 bis
        2001, wie sie im Handelsregister eingetragen sind, kann auf die vorstehenden Ausfiih-
        rungen verwiesen werden. Gemass <jen „Group Directorships" (D 8/2/9), von welchen
        der Verwaltungsrat an der Sitzung vom 17. September 1999 Kenntnis nahm (D 8/2/8),
        war der Beschuldigte gruppenweit in diesem Zeitpunkt in folgenden Gesellschaften mit
        nachstehenden Funktionen betraut:

         Sporis Holding AG: Verwaltungsratsprasident
         ISMM Investments AG: Verwaltungsratsprasident
         ISMM Investments UK pic: Director
         Sporis Participations B.V. Superv. Director
         ISL Marketing Espana: Committee
         ISL United States, Inc.: Vize-Verwaltungsratsprasident


1.5.1.3 Bei der Einvernahme vom 6. November 2002 hatte Christoph Malms angegeben, dass
        er seine Funktion in der Gesellschaft stets und ausschliesslich im Auftrag, namens und
        auf Bitte der Familienmitglieder ausgeubt habe. Diese hatten ihn 1990 gebeten, ihre
        Belange in der Sporis Gruppe wahrzunehmen. Zu jenem Zeitpunkt sei er von den
        Gesellschaftern zum Prasident des VR der Sporis Holding AG gewahlt worden (D 3/28,
        Ziffer 16). Bei der Einvernahme vom 10. Februar 2004 gab er an, dass er seine
        Funktion und seine Wahl seinerzeit gestutzt auf eine Gruppe von Mehrheitsaktionaren
                                                                                                                        42
        wahrgenommen habe. Diese habe alle Aktionare mit Ausnahme der Kinder von Horst
        Dassler umfasst. Und diese Gruppe habe in etwa eine Zwei-Drittels-Mehrheit an der
        Sporis gehalten. Die restlichen Beteiligungen hatten bei Suzanne und Adolf Dassler,
        den Kindern von Horst Dassler gelegen (D 3/45, Ziffer 102). Namentlich handelte es
        sich um Karin Essing, Brigitte Baenkler, Inge Dassler und Sigrid Dassler-Malms (D
        16/3/1), welche gemass Aktienregister vom 31. Dezember 1994 zu jenem Zeitpunkt
        zusammen 63.7 % der Aktien bzw. 637 Aktien der Sporis Holding AG hielten bzw. 637
        Stimmen hatten (D 16/3/14, D 3/45, Ziffer 102). Bei Sigrid Dassler-Malms handelte es
        sich um die Ehefrau von Christoph Malms (D 3/28, Ziffer 2). Gemass seinen Angaben
        wurde er im Jahre 2000 von ihr geschieden (D 3/28, Ziffer 9). Per 27. Dezember 2000
        besass Christoph Malms 1000 von 50'000 ISMM AG Aktien (D 8/8/23 ff.). Christoph
        Malms wurde folgender Vorhalt gemacht: Die Erbengemeinschaft Horst Dassler, be-
        stehend aus Adolph Dassler und Suzanne Dassler, besass im Zeitpunkt des erwahnten
        Kaufvertrages 36 % der Aktien (D 16/3/1). Wurde der von Ihnen erwahnte Auftrag auch
        von der Erbengemeinschaft Horst Dassler abgedeckt? Dazu gab er folgendes an:

            Nicht zum Zeitpunkt der Wahl in den Verwaltungsrat (diese Wahl sei mit den Stimmen der ubrigen Aktionare
            erfolgt): Ein hinter seinem Engagement stehendes Ziel der Gesellschafter sei es aber gewesen, eine Einheit in
            der Familie beziiglich Sporis-Engagement zu erreichen. Personlich glaube er auch, dass sie in ihrem
            Bemuhen, Suzanne und Adolph Dassler anzusprechen und miteinzubinden, iiber die Jahre deutliche
            Fortschritte gemacht hatten. Wichtiges Indiz dafiir sei zum Beispiel, dass der Entschluss fiir einen allfalligen
            Borsengang von alien Gesellschaftern getragen worden sei (D 3/45, Ziffer 104, zum Ganzen vgl. D 16/3).



        Zur Rolle von Christoph Malms innerhalb der Aktionarsschaft gab Hans-Jiirg Schmid
        an, dass er immer versucht habe, die Aktionarsschaft als Ganzes zu vertreten. Man
        habe ihn auch nicht als Vertreter der Aktien seiner Frau empfunden; mit anderen
        Worten, er sei sehr objektiv/neutral gewesen (D 3/43, Ziffer 87). Heinz Schurtenberger
        gab an, dass er nur wisse, dass Malms bestatigt habe, dass er mit Mandat die Mehrheit
        der Aktionare vertrete (D 3/44, Ziffer 60).

1.5.2   Jean-Marie Weber

1.5.2.1 Jean-Marie Weber hatte gemass eigenen Angaben keinen schriftlichen Arbeitsvertrag
        (D 3/30, Ziffer 14). Ein solcher konnte im Rahmen des Verfahrens auch nicht erhoben
        werden. Christoph Malms bestatigte, dass es keine schriftliche Vereinbarung gegeben
        habe (D 3/45, Ziffer 64). Auf die Frage, welches der diesbeziigliche Grund sei, wenn
        man miteinbeziehe, dass Jean-Marie Weber zentrale Funktionen in der Gruppe wahr-
        genommen habe und beispielsweise noch im Marz 2001 von der ISMM AG ein Brutto
        Monatsgehalt von CHF 46'620.~ abgerechnet worden sei (D 17/4/10), gab er an,

            dass es nicht moglich gewesen sei, mit ihm die Funktionen und die Aufgaben schriftlich abschliessend so
            festzulegen, dass man das in einem Arbeitsvertrag hatte niederschreiben konnen. Er habe sich allgemein
            immer als "die wesentliche Figur", den "wesentlichen Reprasentanten", der Gruppe verstanden. Einzig
            gegeniiber den Aktionaren habe er seine Rolle auch inhaltlich akzeptiert und respektiert. De facto habe er
            seine Position als Chairman gewollt. Als Indiz fiir die Notwendigkeit, solch' einen Kompromiss zu finden, lasse
            sich zum Beispiel anfiihren, wie lange es gebraucht habe, bis diese ihm vorgelegten By-Laws entstanden
            seien und wenn man die Unterlagen der Verwaltungsratssitzungen anschaue - wie viele Vorstosse
            zwischenzeitlich erfolgt seien, um hier zu einer Losung zu kommen, bei der er seinen Auftrag der Aktionare im
            Rahmen des Moglichen noch habe wahrnehmen konnen (D 3/45, Ziffer 64, vgl. auch den Vorschlag vom 10.
            Mai 1992/D 17/4/2 und das Schreiben vom 27. Mai 1992 von Christoph Malms/ D 17/4/3, das MEMO vom 21.
            Dezember 1992/D 17/4/5).



        In einem nicht datierten Vertragsentwurf (D 17/4/4: Vertragsparteien: Jean Marie
        Weber, ISL Marketing AG, Sporis Holding AG) wird die Vertragsdauer ab 1. Oktober
        1991 bis 31. Dezember 1996 festgelegt (Ziffer 1). Einleitend wird festgehalten, dass er
        Delegierter des Verwaltungsrates und Generaldirektor („CEO") der ISL Marketing AG,
        Generaldirektor der Sporis Holding AG und im Verwaltungsrat verschiedener Tochter-
        gesellschaften der Sporis Holding AG sei. Gemass diesem Entwurf war er als Vizepra-
                                                                                                                         43
         sident des Verwaltungsrates der ISL Marketing AG und als Generaldirektor der
         Sporis Holding AG sowie fiir weitere, nicht naher umschriebene Funktionen in
         Tochtergesellschaften vorgesehen (Ziffer 1 / Zu seinen im damaligen Zeitpunkt
         bestehenden „Amtern" vgl. Ziffer 4). Sein vorgesehener Tatigkeitsbereich war ein
         umfassender und betraf etwa Aufrechterhaltung und Ausbau der Beziehungen zu den
         Sportfoderationen, Vertretung des Verwaltungsrates bei der Erstellung der Budgets, der
         Liquiditats- und Investitionsplane, der Jahresabschlusse, der Jahresberichte, der
         Jahresrechnung, Assistenz bei der Pflege der Bankbeziehungen, bei Steuersachen, bei
         der Offentlichkeitsarbeit, bei alien die Minderheitsaktionare betreffenden Fragen, bei
         Akquisitionen und Fusionen (Ziffer 2). Das vorgeschlagene Basisgehalt lag bei CHF
         380'000.- (Ziffer 7).

Gemass einem weiteren Arbeitsvertragsentwurf (D 17/4/6, Ausdruckdatum: 15. Juli 2000 /
Vertragsparteien Jean Marie-Weber und ISMM AG) sollte er die Funktion des Prasidenten des
Verwaltungsratsausschusses wahrnehmen und als solcher dem Verwaltungsrat der
Gesellschaft rapportieren (Ziffer 2.1), er sollte die Aufgaben des Vizeprasidenten des
Verwaltungsrates der ISMM AG und allenfalls Verwaltungsratsmandate in weiteren
Gruppengesellschaften wahrnehmen. Als Basisjahresgehalt waren CHF 870'000.-- vorgesehen
(vgl. auch D 17/4/13: Lohnabrechnung vom 21. Mai 2001, mit welcher ein Monatsgehalt von
brutto 67'077.- abgerechnet wurde). Im Ubrigen wird festgehalten, dass er seit 1970 fur die
Gesellschaft tatig sei und der Vertrag per 1. Juli 2000 in Kraft trete (Ziffer 2.1).

Hans-Jiiro Schmid wurde folgender Vorhalt gemacht: Heinz Schurtenberger gibt zudem an,
dass Jean-Marie Weber der eigentlich starke Mann der Gruppe gewesen sei (D 9/4/3, S. 18,
Ziffer 43, D 3/29, Ziffer 52). Wie sehen Sie diese Einschatzung? Ant-wort: Ja.xlas ist richtig so.
Frage: Woraus leiten Sie diese Feststellung ab? Antwort:

     Erstens einmal Senioritat (er sei schon von Anfang an dabei gewesen), zweitens habe Jean-Marie Weber die engeren
     Beziehungen zur FIFA gehabt, mit den athletischen und auch die engeren Beziehungen als Schurtenberger in den
     meisten anderen Sportarten. Man kdnne auch sagen, dass Schurtenberger mit Miihe versucht habe, sich neben Jean-
     Marie Weber zu profilieren (D 3/43, Ziffer 83 ff.)


Heinz Schurtenberger wurde folgender Vorhalt gemacht: Sie haben angegeben, dass Jean-
Marie Weber einen stark detail-orientierten Stil mit sehr aktivem Direktzugriff ins operative
Management gepflegt habe (D 9/4/3, S. 18, Ziffer 43, und D 3/29, Ziffer 52). Ist dies richtig?
Antwort: Ja, das ist korrekt. Frage: Konnen Sie dies etwas naher umschreiben? Antwort:

     Jean-Marie Weber habe sehr intensiven personlichen Kontakt mit alien wichtigen Fiihrungskraften im Unternehmen iiber
     alle Hierarchiestufen hinweg gepflegt. Dieser Kontakt sei in erster Linie miindlich gewesen durch haufige Telefonate und
     - wo raumlich moglich - auch Direktgesprache. Auch bei vielen Themen, die er in seiner Kompetenz erachtet habe, habe
     er entweder spontan, direkt agiert oder ihn gebeten, entsprechende Gesprache in seinem Beisein (zum Beispiel auch in
     Telefonkonferenzen) abzuhalten. Er wolle aber festhalten, dass er sich im Grossen und Ganzen inhaltlich nicht habe
     beschweren konnen, weil sier in Vielem gleich gedacht hatten. Es sei mehr der unterschiedliche Stil gewesen, der ein
     gewisses Problem dargestellt hatte. Die Kontakte mit den Federationen habe Jean-Marie Weber als sein persfinliches
     Privileg erachte (D 3/44, Ziff. 56):



Des Weiteren wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Sie haben angegeben, dass Jean-Marie
Weber der eigentlich starke Mann der Gruppe gewesen sei (D 9/4/3, S. 18, Ziffer 43, D 3/29,
Ziffer 52). Ist das richtig? Antwort: Ja, das ist korrekt (D 3/44, Ziffer 57). Frage: Konnen Sie bitte
auch dies etwas naher umschreiben? Antwort:

     Zuallererst sei Jean-Marie Weber als personlicher Mitarbeiter des Firmengriinders Horst Dassler viele Jahre aktiv
     gewesen. Zudem habe er als eine der einflussreichsten Personen in der weltweiten Sportpolitik gegolten. Sodann seien
     seine standige Prasenz, seine starke Personlichkeit und sein dominanter Wille das Fundament seiner Position im
     Unternehmen gewesen (D 3/44, Ziffer 58 ff.).
                Wie schon angefuhrt gab Christoph Malms zu Jean-Marie Weber an,

               dass dieser de facto auch die Funktion des Verwaltungsratsprasidenten habe wahrnehmen wollen und dies
               auch grosstenteils getan habe; insbesondere in der Reprasentanz des Unternehmens nach aussen. (D 3/45,
                                                                                                                       44
             Ziffer 63). Durch Personalunion zwischen dem Verwaltungsrats-Co-Prasidenten und Vorsitzenden dieses
             ExCo's sei damit sehr deutlich geworden, dass die Geschaftsfuhrung und deren Kontrolle an Jean-Marie
             Weber ubergegangen sei (D 3/45, Ziffer 67)

        Daniel Beauvois gab mit Bezug auf die Aussage von Schurtenberger, wonach Jean-
        Marie Weber einen stark detail-orientierten Stil mit sehr aktivem Direktzugriff ins ope-
        rative Management gepflegt habe, an,

             dass dies in bestimmten Bereichen der Fall gewesen sei, aber nur in bestimmten Bereichen. Man konne das
             vergleichen mit der franzosischen Republik: dort gebe es "le domaine reserve", den Republikprasidenten. Zur
             Aussage Schurtenbergers, wonach Jean-Marie Weber der eigentlich starke Mann der Gruppe gewesen sei
             gab er an, dass er seine Ansicht nicht teile. Es seien verschiedene Personen in der Gruppe gewesen, die
             starke Machtpositionen gehabt und diese auch ausgeiibt hatten. Heinz Schurtenbergersei sei sicher einer
             davon gewesen ... und Christoph Malms. Es ware falsch zu sagen, dass Jean-Marie Weber samtliche
             Entscheidungen entweder getroffen oder "durchgeboxt" hatte. Er sei also absolut nicht "le roi" gewesen (D
             3/49, Ziffer 45 f.)



        Hans-Peter Weber bestatigte die Darstellung von Heinz Schurtenberger und gab an,

             dass samtliche Schliisselkontakte mit Foderationen - mit Dentsu zum Beispiel - praktisch ausschliesslich uber
             Jean Marie Weber gelaufen seien; oder dass er zumindest immer dabei gewesen sei (D 3/61, Ziffer 81 ff / vgl.
             auch D 17/4/7: Teilnehmerliste zum Nachtessen des Prasidenten der FIFA).


1.5.2.2 Betreffend seine Funktionen (inkl. Zeichnungsberechtigung) gemass Handelsregister
        kann auf die vorstehenden Ausfuhrungen verwiesen werden. Gemass den ..Group
        Directorships" (D 8/2/9) war er 1999 gruppenweit in folgenden Gesellschaften mit
        nachstehenden Funktionen betraut:


        Sporis Holding AG: Generaldirektor + Verwaltungsrat
        ISMM Investments AG: Co- Verwaltungsratsprasident
        ISL Marketing AG: Verwaltungsratsprasident
        ISL Properties AG: Verwaltungsratsprasident
        ISL International AG: Verwaltungsratsprasident
        ISL Asia Pacific Ltd: Verwaltungsratsprasident
        ISL Marketing Espana: Sekretar/Director
        ISL Futbol S.R.L: Director
        ISL Futbol Argentina S.A.: Director
        Santa Monica Sports, S.L: Vizeprasident
        Santa Monica Publicadad.: Director
        C.I:G.:                    Director
        ISL Marketing France AG: ISL Marketing AG durch ihn vertreten
        ISL Thailand Ltd.: Verwaltungsratsprasident
        SRI Brussels S.A.; Verwaltungsratsprasident
        ISL United States, Inc.: Verwaltungsratsprasident
        Imagine Video Systems..: Superv. Director
1.5.3    Heinz Schurtenberger

1.5.3.1 Gemass Arbeitsvertrag (D 9/4/4) vom 6. Dezember 1996 zwischen der ISL Marketing
        AG (nachmalige ISL Worldwide AG vgl. auch D 3/44, Ziffer 73) und Heinz
        Schurtenberger war er geschaftsfiihrendes Mitglied des Verwaltungsrates der Gesell-
        schaft, verantwortlich fiir die Abteilung Event Marketing der Gesellschaft und aller
        Gruppengesellschaften sowie der in diesem Zeitpunkt noch nicht gegriindeten IVS Core
        Projects B.V.. Von seiner Zustandigkeit wurden die ISL Television Ltd., die affiliierten
        ISL Mediengesellschaften, der IVS Marketing B.V. und weitere Gruppengesellschaften
        der IVS ausgenommen (Ziffer 2.1). Die Verantwortlichkeiten, Aufgaben und
        Kompetenzen wurden im Einzelnen und sehr detailliert im Funktionsplan und dem
        Stellenbeschrieb festgelegt (D 9/4/5). Allgemein wurde im Arbeitsvertrag festgehalten,
        dass er diejenigen Verantwortlichkeiten wahrzunehmen habe, die ublicherweise mit
                                                                                                   45
seiner Stellung verbunden seien, und jene Aufgaben und Dienstleistungen zu er-
bringen habe, die vom Prasidenten der Gesellschaft festgelegt und denjenigen ent-
sprechen wiirden, die angemessenerweise einem geschaftsfuhrenden Mitglied des
Verwaltungsrates, das fur die Abteilung Event Marketing verantwortlich sei, zugewiesen
wiirden. Dementsprechend verfiige er iiber die Entscheidungsbefugnis, die zur
ordnungsgemassen Erfullung seiner Aufgaben erforderlich sei, wozu unter anderem
Administrativ-, Organisations- und Personalangelegenheiten gehoren wiirden (Ziffer
2.2). Dies unter Vorbehalt der gesondert festgehaltenen Beschrankungen (D 9/4/6).
Heinz Schurtenberger war Mitglied des Group Management Boards. Im Weiteren wurde
er unter Vorbehalt der Wahl durch die Generalversammlung zum geschaftsfuhrenden
Mitglied des Verwaltungsrates ernannt. Betreffend das Rapportwesen kann auf das
bereits Dargelegte verwiesen werden. Das Personal der Abteilung Event Marketing war
ihm in operativer und disziplinarischer Hinsicht unterstellt. Im Zusammenhang
interessiert, dass er gemass Anhang 2 zum Arbeitsvertrag (D 9/4/6) Vertrage und
Vereinbarungen, die nicht im Budget enthalten waren, nicht ohne die ausdruckliche
Zustimmung des Verwaltungsrates der Gesellschaft oder einer Gruppengesellschaft in
deren Namen abschliessen durfte (lit. E). Gleiches gait fiir Darlehensaufnahmen,
ausser im Rahmen des ordentlichen Geschaftsganges (lit. I).

Schurtenberger bezog ein Basisjahresgehalt von CHF 500'000.~ und war in ein
Bonussystem eingebunden. Gemass Lohnausweis hatte er im Jahr 2000 ein Brutto-
salar von CHF 1'002'620.- (D 9/4/18).

Heinz Schurtenberger wurde bei der Einvernahme vom 9. Februar 2004 folgender
Vorhalt gemacht: Gemass Arbeitsvertrag (D 9/4/4) vom 6. Dezember 1996 mit der ISL
Marketing AG waren Sie geschaftsfiihrendes Mitglied des Verwaltungsrates der
Gesellschaft, verantwortlich fiir die Abteilung Event Marketing der Gesellschaft und aller
Gruppengesellschaften sowie der in diesem Zeitpunkt noch nicht gegriindeten IVS Core
Projects B.V. Entspricht dieser Vertragsinhalt auch der Umsetzung in der Praxis? Er
gab an,

     dass im Bereich Marketing seine damalige Tatigkeit dem vertraglichen Inhalt entspreche, jedoch
     nicht was IVS und virtuelle Werbung betreffe. Fiir diesen Aufgabenbereich sei er nie zustandig
     gewesen. Zusatzlich sei auch das Projekt Tennis nicht in seinem Verantwortungsbereich gewesen;
     auch nicht, was Sponsoring oder Marketing betreffe (D 3/44, Ziffer 71).

Zur Frage, welche Aufgabenbereiche in der Praxis seine Funktion als CEO der Gruppe
umfasst habe, gab er an,

     dass er einerseits alle seine Aufgaben im Bereich Marketing behalten habe, d.h. er sei weiterhin
     verantwortlich fiir eine Anzahl Projekte geblieben, wie zum Beispiel Fussball, Leichtathletik,
     Basketball und andere mehr. Als Zweites habe er eine Anzahl Landergesellschaften gemass
     Organigramm uberwacht, und drittens sei er als CEO verantwortlich gewesen fiir die Umsetzung
     und Durchfiihrung der Entscheide vom Verwaltungsrat und ExCo, fiir die linienmassige Fuhrung der
     ihm direkt unterstellten Fuhrungskrafte, fiir die Entwicklung und Einfiihrung der Fuhrungssysteme
     (insbesondere auch Personalentwicklung), die periodische Uberprufung der Performance wichtiger
     Untemehmensbereiche und letztendlich der Leitung der GMB-Sitzungen, iiber die ausfiihrlich und
     vollstandig Protokoll gefuhrt worden sei (D 3/44, Ziffer 72).

Weiter wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Gemass Anhang 2 zum Arbeitsvertrag
durften Vertrage und Vereinbarungen, die nicht im Budget enthalten waren, nicht ohne
die ausdriickliche Zustimmung des Verwaltungsrates der Gesellschaft oder einer
Gruppengesellschaft in deren Namen abgeschlossen werden (D 9/4/6, lit. E). Gleiches
gait fiir Darlehensaufnahmen, ausser im Rahmen des ordentlichen Geschaftsganges
(lit. I). Wurden diese Klauseln in der Praxis auch umgesetzt? Er gab an,

     dass dies strikte umgesetzt worden sei. Und das zeige auch klar seine Limitierung des Aufgaben-
     und Verantwortungsbereichs (D 3/44, Ziffer 74).

Das Arbeitsverhaltnis mit Heinz Schurtenberger wurde von der ISL Worldwide am 16.
                                                                                              46
        Oktober 2000 auf den 31. Dezember 2000 (D 9/4/7) gekundigt, und er wurde mit
        sofortiger Wirkung von samtlichen Aufgaben freigestellt (vgl. auch D 3/44, Ziffer 24, Zur
        Kiindigung vgl. auch D 9/4/10).

1.5.3.2 Betreffend seine Funktionen (inkl. Zeichnungsberechtigung) gemass Handelsregister
        kann auf die vorstehenden Ausfuhrungen verwiesen werden. Gemass den ..Group
        Directorships" (D 8/2/9) war er 1999 gruppenweit in folgenden Gesellschaften mit
        nachstehenden Funktionen betraut:

        ISMM Investments AG: Verwaltungsrat
        ISL Marketing AG: Verwaltungsrat
        ISMM Investments UK pic: Director
        ISL Tennis Marketing AG: Director
        ISL Asia Pacific Limited: Verwaltungsrat
        ISL Futbol Argentina S.A.: Stv. Direktor
        Santa Monica Sports, S.L.: Director
        Santa Monica Publicadad.: Director
        Expublisa:                 Director
        CPG:                       Director
        Challenge Holding...: Superv. Board


1.5.4    Daniel Beauvois

1.5.4.1 Daniel Beauvois hatte im Laufe seiner Tatigkeit in der Gruppe verschiedene Arbeits-
        vertrage abgeschlossen (D 9/1/1/1, D 9/1/2, D 9/1/3, D 9/1/7, D 9/1/10, D 9/1/18, D
        9/1/20). Gemass Arbeitsrahmenvertrag (D 9/1/13, vgl. auch den Arbeitsvertrag gleichen
        Datums D 9/1/15) mit der ISL Marketing AG (nachmals ISL Worldwide) vom 14. April
        1998 war er geschaftsfiihrendes Verwaltungsratsmitglied der Gesellschaft ..Managing
        Director" und Mitglied des ..General Managements". Er war auch Mitglied des Group
        Management Boards (Ziffer 2.1 + 2.1.1). In dieser Funktion hatte er alle Aufgaben und
        Befugnisse wahrzunehmen, die ihm durch den Verwaltungsrat der ISMM oder das
        Group Management Board ubertragen oder zugeteilt worden waren (Ziffer 2.1.1). Er
        war als geschaftsfiihrendes Mitglied der Gesellschaft mit der Verantwortung fiir alle
        Bereiche Television und Medien der Gesellschaft und weltweit aller ISL
        Gruppengesellschaften unter Einschluss der IVS Core Projects B.V zustandig; jedoch
        unter Ausschluss aller anderen IVS Gesellschaften und sonstigen Gruppen-
        gesellschaften der IVS, aller Fernseh- und Medienbereiche, die im Vereinigten
        Konigreich durch die Fernsehgesellschaften des Vereinigten Konigreiches gemass
        separat angefiihrten Bestimmungen geregelt waren (Ziffer 2.1.2 und Ziffer 2.1.3). Er
        hatte 50% seiner Arbeitszeit der ISL Marketing AG und der ISMM Investements AG zur
        Verfugung zu stellen. Die restlichen 50% hatte er den britischen Fernsehgesellschaften
        zu widmen, namlich der ISL Televisions Ltd. und der ISL Productions Ltd. (Ziffer 2.1.3).
        Ihm waren die Angestellten dieser beiden Gesellschaften unterstellt (Ziffer 2.1.3). Mit
        diesen Gesellschaften und der ISL Marketing AG wurden separate Arbeitsvertrage
        abgeschlossen (Ziffer 2.1.2 und Ziffer 2.1.3). Die Verantwortlichkeiten, Aufgaben und
        Kompetenzen wurden im Einzelnen und sehr detailliert im Funktionsplan und dem
        Stellenbeschrieb festgelegt (D 9/1/4-6, D 9/1/8, D 9/1/11, D 9/1/14, D 9/1/16, D 9/1/18,
        S. 9 f.) (zu seinen allgemeinen, im Vertrag festgehaltenen Pflichten vgl. Ziffer 2.1.3);
        dies unter Vorbehalt der gesondert festgehaltenen Beschrankungen (D 9/1/6, D 9/1/9,
        D 9/1, 12). Daniel Beauvois rapportierte dem CEO der Gruppe, d.h. Heinz
        Schurtenberger (Ziffer 2.3); nach dessen Ausscheiden dem Verwaltungs-
        ratsprasidenten der Gesellschaft und dem Verwaltungsrat (vgl. Ziffer 2.3. des Arbeits-
        vertrages von Heinz Schurtenberger). In Abweichung des Rahmenarbeitsvertrages
        wurde im Arbeitsvertrag mit der ISL Marketing AG vom 23. Juli 1998 festgelegt, dass er
        80% seiner Arbeitszeit der ISL Marketing AG und der ISMM Investements AG zur
        Verfugung zu stellen hatte (Ziffer 2.2). Sein Jahresgehalt betrug CHF 607'000'000.-(Ziff.
                                                                                                                        47
        3.1 in Vbd. mit Ziff. 4.1, vgl. auch die Angaben zu seinem Saiar in D 9/1/28-34).

        Daniel Beauvois wurde folgender Vorhalt gemacht: Sie waren gemass Arbeitsrahmen-
        vertrag mit der ISL Marketing AG vom 14. April 1998 geschaftsfiihrendes Verwal-
        tungsratsmitglied der Gesellschaft ..Managing Director" und Mitglied des ..General
        Managements". Sie waren auch Mitglied der Generaldirektion der ISMM Investments
        AG (D 9/1/13). Entspricht dieser Vertragsinhalt auch der Umsetzung in der Praxis? Was
        er bestatigte. Mit Bezug auf den Vorhalt „Sie waren als geschaftsfiihrendes Mitglied der
        Gesellschaft fur alle Bereiche Television und Medien der Gesellschaft und weltweit aller
        ISL Gruppengesellschaften unter Einschluss der IVS Core Projects B.V. zustandig.
        Entspricht dieser Vertragsinhalt auch der Umsetzung in der Praxis?" prazisierte er,
        dass dies zu bejahen sei, wenn das auf die Bereiche TV und Medien beschrankt sei.
        Den folgenden Vorhalt bzw. Frage bejahte er ebenfalls:" Hans-Peter Weber hat in
        seiner Einvernahme vom 6. Juni 2001 angegeben, dass Sie in der Zeit, als Heinz
        Schurtenberger noch im „Amt" gewesen sei, samtliche Verkaufe im Zusammenhang mit
        dem ganzen Fernseh- sowie Tennisbereich unter sich gehabt hatten (D 3/2, Ziffer 24).
        Ist das richtig?" (D 3/49, Ziffer 61 ff.)

1.5.4.2 Betreffend seine Funktionen (inkl. Zeichnungsberechtigung) gemass Handelsregister
        kann auf die vorstehenden Ausfuhrungen verwiesen werden. Gemass den „Group
        Directorships" (D 8/2/9) war er 1999 gruppenweit in folgenden Gesellschaften mit
        nachstehenden Funktionen betraut:

        ISMM                      Investments              AG:                                         Verwaltungsrat
        ISL                      Marketing                AG:                                          Verwaltungsrat
        ISL                Tennis            Marketing         AG:                                     Verwaltungsrat
        Imagine               Video            Systems..:        Superv.                                     Direktor



1.5.5    Hans-Jiirg Schmid

1.5.5.1 Gemass Rahmenarbeitsvertrag (D 9/3/4) vom 1. Februar 1999 mit der ISL Marketing
        AG (der nachmaligen ISL Worldwide) war Hans-Jurg Schmid Vizeprasident und Chief
        Financial Officer (CFO) der Gesellschaft und Mitglied des Group Management Boards
        (Ziffer 2.1). Als CFO war er weltweit fiir samtliche finanziellen Belange der Gesellschaft
        und der ISL Gruppengesellschaften mit Ausnahme der Sporis Holding AG zustandig
        (Ziffer 2.1.1). Dazu gab Hans-Jurg Schmid bei der Einvernahme vom 6. Februar 2004
        an,

             dass der Vertragsinhalt der Umsetzung in der Praxis entspreche. Auf die Frage, was konkret „samtliche
             finanziellen Belange der Gesellschaft" bedeute, gab er an, dass das in der Umsetzung geheissen habe, dass
             er direkten Kontakt mit den Finanzleuten vor Oil gehabt habe, also mit verschiedenen Gesellschaften, die
             eigentlich in einer "Matrix-Organisation" auch an ihn rapportiert hatten. Dadurch habe er eine gewisse
             Aufsichtsfunktion ausiiben konnen iiber die Tatigkeiten der Tochtergesellschaften in finanziellen Belangen. Auf
             Befragen gab er an, dass "Matrix" in dieser Beziehung bedeute, dass man formell einem lokalen Direktor
             unterstellt gewesen sei, aber, was finanzielle Fragen anbelange, an ihn rapportiert worden sei (D 3/43, Ziffer
             100 ff.).
53
                                                                                                                              48


Fiir seine Tatigkeit als CFO, welche in einem separaten Vertrag ausfiihrlich umschrieben
wurde, hatte er 80% seines Arbeitspensums aufzuwenden (Ziffer 2.1.1). Die restlichen 20 %
hatte er der steuerlichen Beratung der Sporis Holding AG zu widmen (Ziffer 2.1.2). Hans-Jiirg
Schmid rapportierte dem CEO der Gruppe (Ziffer 2.3), d.h. Heinz Schurtenberger, nach
dessen Ausscheiden Daniel Beauvois. Die Verantwortlichkeiten, Aufgaben und Kompetenzen
wurden im einzelnen und sehr detailliert im Funktionsplan und dem Stellenbeschrieb
festgelegt (D 9/4/5: Heinz Schurtenberger; zu seinen allgemeinen, im Vertrag festgehaltenen
Pflichten vgl. Ziffer 2.2); dies unter Vorbehalt der gesondert festgehaltenen Beschrankungen
(D 9/4/6: Heinz Schurtenberger). Sein Basisjahresgehalt betrug fur das Jahr 1999 CHF
600'000.~ (Ziffer 3.1 in Vbd. mit Ziffer 4.1 / zum Gehalt vgl. D 9/3/7 ff.)
Seine Aufgabe als CFO umschrieb er folgendermassen:
Was es bei der ISMM Gruppe bedeutet habe sei, dass er der Chef der Finanzabteilung gewesen sei, welche in drei
Unterabteilungen aufgeteilt gewesen sei: Controlling, Treasury und Accounting. Im Besonderen sei er zustandig gewesen fiir
die strategischen finanziellen Belange, in welchen er dem ExCo und dem Verwaltungsrat zur Seite gestanden habe. Als
Beispiel: die Implementierung des ABS (Asset Backed Securitisation) und IPO. Insbesondere auch den Aufbau von Unterneh-
mungsstrukturen in neuen Landern, z.B. Korea, Japan, Brasilien. Ein wichtiges Verantwortungsfeld sei auch die weltweite
Steuerminimierung des Konzerns gewesen (D 3/43, Ziffer 103).




1.5.5.2              Betreffend seine Funktionen (inkl. Zeichnungsberechtigung) gemass
                    Handelsregister kann auf die vorstehenden Ausfuhrungen verwiesen werden.
                    Gemass den ..Group Directorships" (D 8/2/9) war er 1999 gruppenweit in
                    folgenden Gesellschaften mit nachstehenden Funktionen betraut:
                    Sporis Holding AG: Verwaltungsrat ISMM Investments AG: Verwaltungsrat ISL
                    Marketing AG: Verwaltungsrat ISL Tennis Marketing AG: Director ISL
                    International AG: Verwaltungsrat ISL Marketing Deutschl...: Supervisory Board




*     1.5.6          Hans-Peter Weber
     1.5.6.1         Er war gemass Arbeitsvertrag mit der Sporis Holding AG vom 21. Juni 1999
                    ..Senior Vice President" und als solcher fiir den gesamten Finanz- und
                    Administrationsbereich der Gesellschaft zustandig (D 9/5/2, Ziffer 2.1), d.h.
                    fiir das accounting,

                    was nach seiner Darstellung die Buchhaltung der Sporis Holding umfasst habe (D 3/61, Ziffer 96);


                    das controlling, wozu er ausfuhrte,

                    dass dieses nicht durch die Sporis Holding ausgefuhrt worden sei, sondern durch die Controlling Gruppe
                    der ISL Gesellschaften (D 3/61, Ziffer 97);


                    das treasuring,

                    was nach seiner Darstellung eine relativ kleine Funktion gewesen sei, wo es lediglich darum gegangen
                    sei, die Mittel der Gesellschaft zu verwalten; die Salare und die operativen Kosten zu bezahlen. Es sei
                    auch eine raumliche Frage gewesen. Die Sporis Holding sei in Sarnen und die

      Gruppengesellschaften in Luzern und spater in Zug gewesen. Und diese hatten das Treasuring selbst
      gemacht (D 3/61, Ziffer 98). Auf die Frage ob er diese Aufgaben spater auch bei der ISMM AG
      wahrgenommen habe, gab er folgendes an: Accounting nicht, dafiir habe es ein accounting department
      gegeben. Beim treasuring habe es fiir das operative treasuring eine Fachstelle bei ISL / ISMM gegeben. Im
                                                                                                                   49
    treasuring Bereich habe er sich vor allem mit Finanzplanung befasst, welche die ganze Gruppe umfasst
    habe (D 3/61, Ziffer 100 ff.).


Gemass Arbeitsvertrag hatte er auch die Aufgaben des Sekretars des Verwaltungsrats der
Gesellschaft und nach Bedarf auch derjenigen von Gruppengesellschaften wahrzunehmen.
Dazu gab er an,

    dass er nicht Sekretar des Verwaltungsrates im Sinne des Handelsregisters gewesen sei, sondern er habe
    den Sekretar des Verwaltungsrates insofern unterstutzt, als er fiir ihn Protokolle und das Aktienbuch gefuhrt
    und solche Aufgaben ubernommen habe (D 3/61, Ziffer 102, vgl. auch die Angaben von Christoph Malms D
    3/62, Ziffer 138).


Im Einzelnen werden die Funktionen im Vertrag wie folgt umschrieben: Leitung und
Uberwachung aller Finanz- und Administrationsaufgaben der Sporis Holding AG und ihr
angegliederten Verwaltungsgesellschaften (im Zeitpunkt des Abschlusses des Arbeitsvertrages
Lofa Anstalt und ISL Properties AG), insbesondere Buchhaltung, Controlling, Cash
Management und Steuern. Ihm wurde dazu die Frage gestellt, ob er diese Funktion in der
umschriebenen Art auch wahrgenommen habe, worauf er angab,

    dass er die Buchhaltung bei alien Gesellschaften gemacht habe, controlling und cash management habe er
    sicher auch gemacht, Steuern nicht. Die Steuern seien grundsatzlich von der KPMG betreut worden; er habe
    dort lediglich mitgeholfen beim Bereitstellen von Unterlagen (D 3/61, Ziffer 103).


Der Vertrag sah des Weiteren die Ubernahme von Spezial-Aufgaben im Zusammenhang mit
Akquisitionen, Zusammenarbeitsvertragen, Projektfinanzierungen etc. vor. Zu diesem Passus
gab er an,

    dass er sich nicht mehr daran zu erinnern vermoge, dass er da speziell mitgearbeitet hatte. Das Problem sei
    gewesen, dass Vertrage meist ohne Mitwirkung von Finanzleuten abgeschlossen worden seien (D 3/61,
    Ziffer 104).


Zum vertraglichen Teil: Mitarbeit im Projekt Team fur strategische Finanzierung der Sporis
Gruppe gab er an,

    dass er sich nur an gewisse Projektberechnungen erinnern konne, die er fiir ein athletisches Projekt gemacht
    habe; er habe auch einmal Berechnungen gemacht fur ein Fernsehprojekt der FIFA; an Details konne er sich
    aber nicht mehr erinnem(D 3/61, Ziffer 105).

Zum vertraglichen Teil: Ausbau und Pflege der Beziehungen zu den Hausbanken der
Unternehmensgruppe gab er an,

    dass wenn der Untersuchungsrichter darunter Kontakte mit den Banken (mit der BNP, der UBS) meine, dann
    stimme das (D 3/61, Ziffer 106).

Zum vertraglichen Teil: Mitarbeit bei der strategischen Planung auf Gruppenebene gab er an,
dass er sich nicht mehr daran zu erinnern vermoge,

    dass er da etwas mitgearbeitet hatte. Das sei vor allem von Christoph Malms gemacht worden (D 3/61, Ziffer
    107).
        Zum vertraglichen Teil: Tatigkeit als Sekretar der Verwaltungsrate der verschiedenen
        schweizerischen Gesellschaften der Sporis Gruppe gab er an,

             dass da dasselbe gelte, was er vorhin gesagt habe: Er sei nie Sekretar des Verwaltungsrates gewesen, aber
             er habe mitgearbeitet (ich "Idiot") (D 3/61, Ziffer 108).



        Hans-Peter Weber wurde im Weiteren gefragt, ob er mit dem Zahlungswesen befasst
        gewesen sei. Dazu gab er an,
                                                                                                                        50
             dass das auch eine Frage des Zeitpunktes sei: Wahrend seiner Tatigkeit fur die Sporis Holding habe er
             selbstverstandlich auch deren Zahlungswesen zu betreuen gehabt. Auf Befragen gab er an, dass er das mit
             Bezug auf die ISMM AG nicht mehr sagen konne. Er wisse nicht mehr, wer die Zahlungsauftrage der ISMM
             unterzeichnet habe. Auf Befragen gab er an, dass Frau Thiirig im Cash-Pooling-Bereich die Ausfiihrung der
             Zahlungen gemacht habe, zusammen mit Hans-Jurg Schmid. Darauf wurde ihm folgender Vorhalt gemacht:
             Ich habe Herrn Hans-Jiirg Schmid folgende Frage gestellt: "Gab es eine spezifische Arbeitsteilung zwischen
             Hans-Peter Weber und Frau Thiirig?" Seine Antwort lautete: "Grundsatzlich hat Frau Thiirig die Zahlungen
             vorbereitet und sie nach Zustimmung durch Hans-Peter Weber auch ausgefuhrt." Sie haben vorhin erklart,
             dass Frau Thiirig im Cash-Pooling-Bereich die Ausfiihrung der Zahlungen zusammen mit Hans-Jiirg Schmid
             gemacht habe. Ihr Kommentar vor diesem Hintergrund zur Aussage von Hans-Jiirg Schmid? Darauf gab er
             an, dass man sich das praktisch vorstellen miisse: Frau Thiirig habe aufgrund verschiedener Informationen
             Zahlungen zusammengestellt (seien das Vertragszahlungen, Rechnungen etc. gewesen). Aufgrund des zu
             erwartenden Zahlungsausganges habe man das hinsichtlich Finanzplanung besprochen. Aufgrund dieser
             habe er dann seinen Kommentar dazu gegeben, dann seien die Zahlungen ausgelost worden von Frau Thiirig
             und von Hans-Jurg Schmid gegengezeichnet. Das sei der Ablauf gewesen (D 3/61, Ziffer 109 ff).



       Hans-Peter Weber rapportierte dem CFO (gemass Vertrag dem ..General Manager"
       der Sporis Holding AG) und hatte fur seine Tatigkeit Anspruch auf ein Zielgehalt von
       CHF 382'000.- (Fix: CHF 338'000.- / Bonus: CHF 44'000.- / Ziffer 3.1).

       Hans-Jiiro Schmid wurde zur Position von Hans-Peter Weber folgender Vorhalt ge-
       macht: Hans-Peter Weber war gemass seinem Arbeitsvertrag u.a. fiir das Accounting,
       Controlling und Treasuring der Gesellschaft (wahrscheinlich ist die Sporis Holding AG
       gemeint) zustandig. Ist die Feststellung richtig, dass Hans-Peter Weber fiir diese
       Bereiche auf der Ebene der Einzelgesellschaft (Sporis Holding AG), Sie hingegen auf
       der Ebene Gruppe zustandig waren? Er gab dazu an,

             dass das soweit richtig sei, bis zur Fusion der ISMM Investment AG in die Sporis Holding. Es solle auch ein
             neuer Arbeitsvertrag vorliegen. Seine Funktion sei nicht mehr Controlling und Accounting, sondern Head
             Treasuring fiir die Gruppe gewesen. Auf die Frage, welche Aufgaben das Treasuring, so wie es von Hans-
             Peter Weber wahrzunehmen war, umfasst habe, gab er an, dass man das Treasuring in verschiedene
             Funktionen aufgliedem konne: Erstens: Tagesgeschaft, Zahlungseingange priifen, Zahlungsausgange
             auslosen. Zweitens: Pflege der Bankenbeziehungen, Erstellen der kurz-, mittel- und langfristigen Cashflows
             (D 3/43, Ziffer 104 ff.).

       Christoph Malms gab auf die Frage, fiir welche Bereiche Hans-Peter Weber zustandig
       gewesen sei, an, dass dieser unter der Fiihrung von Hans-Jiirg Schmid Mitarbeiter der
       Finanzabteilung gewesen sei und nach seinem Verstandnis hier zusammen mit Schmid
       insbesondere an der Planung, Budgetierung mitgearbeitet habe (D 3/62, Ziffer 139).

1.5.6.2 Betreffend seine Funktionen (inkl. Zeichnungsberechtigung) gemass Handelsregister
         kann auf die vorstehenden Ausfuhrungen verwiesen werden.
1.5.7 Die Stellung der Beschuldigten im Uberblick



                                                 ISMM AG

        Christoph Malms: Prasident des Verwaltungsrats mit Unterschrift zu zweien, vertragliche
        Geschaftsfiihrungstatigkeit, Mitglied des GMB, Bankkonten: Unterschrift zu zweien

         Jean-Marie Weber: Bis 19.06.2000 Generaldirektor, danach Vizeprasident des
         Verwaltungsrats mit Unterschrift zu zweien, Prasident des ExCo, vertragliche
         Geschaftsfiihrungstatigkeit, Bankkonten: Unterschrift zu zweien

        Heinz Schurtenberger: Bis 17.10.2000 bzw. 22.12.2000: Verwaltungsrat mit Unterschrift zu zweien, vertragliche
        Geschaftsfiihrungstatigkeit, Mitglied des ExCo, CEO der ISMM Gruppe, Vorsitzender und Mitglied des GMB

         Daniel Beauvois: Ab 19.06.2000 Verwaltungsrat mit Unterschrift zu zweien, vertragliche
         Geschaftsfiihrungstatigkeit, Mitglied des ExCo, Mitglied des GMB, ab dem 17.10.2000 CEO
         der ISMM Gruppe, ab 17.10.2000 Vorsitzender und Mitglied des GMB
                                                                                                                       51
           Hans Jura Schmid: Verwaltungsrat bis 1.12.2000 und ab 9.02.2001 Direktor mit Unterschrift zu zweien,
           vertragliche Geschaftsfiihrungstatigkeit, Bankkonten: Unterschrift zu zweien

          Hans-Peter Weber: Bis 19.06.2000 Vizedirektor, danach Direktor mit Unterschrift zu zweien, vertragliche
          Geschaftsfiihrungstatigkeit, Bankkonten: Unterschrift zu zweien




                                                 ISL Worldwide

           Christoph Malms: Bankkonten Unterschrift zu zweien

           Jean-Marie Weber: Verwaltungsratsprasident mit Unterschrift zu zweien, vertragliche
           Geschaftsfiihrungstatigkeit, Bankkonten Unterschrift zu zweien

           Heinz Schurtenberger: Verwaltungsrat mit Unterschrift zu zweien, vertragliche
           Geschaftsfiihrungstatigkeit

           Daniel Beauvois: Verwaltungsrat mit Unterschrift zu zweien, vertragliche
           Geschaftsfiihrungstatigkeit

           Hans Jura Schmid: Verwaltungsrat mit Unterschrift zu zweien, vertragliche
           Geschaftsfiihrungstatigkeit, Bankkonten Unterschrift zu zweien

           Hans-Peter Weber: Ab 22.12.2000 Verwaltungsrat mit Unterschrift zu zweien, vertragliche
           Geschaftsfiihrungstatigkeit, Bankkonten Unterschrift zu zweien
2.      Finanzielle Situation der ISMM Gruppe und einzelner Konzernaesellschaften

2.1     Einleituno

2.1.1    Vor dem Hintergrund der zu beurteilenden Tatvorwurfe kann darauf verzichtet werden,
        Einzelheiten zu finanztechnischen Ablaufen darzustellen. Allerdings ist im Zusammen-
        hang mit der Liquiditatsversorgung der einzelnen Gruppengesellschaften von Bedeutung,
        dass die meisten Zahlungseingange bei der ISMM AG, der ISL Worldwide und der ISL
        Marketing AG anfielen; dies als Folge des Umstandes, dass diese Gesellschaften die
        Vertragspartner der rights-out Vertrage waren (vgl. die Vertrage in D 8/3/1 ff.). Die
        Zahlungsverpflichtungen gegeniiber den Rechtegebern bestanden weitgehend bei den
        gleichen Gesellschaften oder Tochtergesellschaften. Die Zahlungsstrome waren dadurch
        weitgehend zentral gepoolt und wurden je nach Bedarf an die jeweiligen Tochter-
        gesellschaften zur Begleichung der dort anfallenden Kosten weitergeleitet (etwa D 5/128,
        D 6/3/1/31, Seite 2).

        Hans-Jiirg Schmid wurde die Anzeige vom 6. April 2001 vorgelegt, gemass welcher
        dem Konto Nr. 248-594050.01 P, lautend auf ISL Worldwide bei der UBS Luzern, CHF
        130'610.55.- gutgeschrieben wurden und als Zahlungsgrund „Cash Pooling Gutschrift
        Sollzins Teilnehmer VP" genannt ist (D 5/129/376). Es wurde ihm folgende Frage ge
        stellt: Erklaren Sie bitte das System des Cash Poolings, wie es in der ISMM Gruppe
        gehandhabt wurde! Er gab an,

               dass es kein echtes Cash Pooling gewesen sei, so wie sie es verstehen wiirden. Es habe eine Credit Facility
               gegeben, woran vier ISMM AG Gesellschaften partizipiert hatten. Jede Gesellschaft habe aber separate Konti
               unterhalten bei der UBS. Er wisse nicht genau, worum es hier bei der Gutschrift Sollzins gegangen sei. Er
               konne sich vorstellen, dass die Bank selber eine Art Cash Pooling iiber die verschiedenen ISMM AG Gruppen
               Konti gefuhrt habe (D 3/43, Ziffer 52).

        Hans-Peter Weber erklarte auf die gleiche Frage,
                                                                                                                       52
                dass die vertraglichen Zahlungen der Geschaftspartner jeweils an die einzelnen Gesellschaften in der
                ISMM Gruppe erfolgt seien, welche deren Vertragspartner gewesen seien. Diese Konti seien dann durch die
                UBS - er glaube taglich - zusammengefasst und in einem Konto gepoolt worden, damit sich negative Konti mit
                positiven saldiert hatten (D 3/61, Ziffer 55).

        Die Frage, nach welchem Prinzip in der ISMM Gruppe die finanzielle Versorgung der
        einzelnen Gruppengesellschaften erfolgt sei, beantwortete Hans-Jurg Schmid folgender
        massen:

                Grundsatzlich sei die vorhandene Liquiditat bei der ISL Worldwide gewesen, welche auch - mit Ausnahme der
                TV-Zahlungen - Empfanger der meisten Zahlungseingange gewesen sei. Wiederum mit Ausnahme der ISMM
                AG fiir die TV-Zahlungseingange, konnten die meisten ubrigen ISL Worldwide Gesellschaften als so genannte
                Servicegesellschaften betrachtet werden, deren Aufwendungen durch die ISL Worldwide hatten beglichen
                werden mussen (D 3/43, Ziffer 54, vgl. auch D 3/1, Ziffer 1, Seite 3).

2.1.2    Am 13. Juli 1999 wurde zwischen der Sporis Holding AG, der ISMM Investments AG,
        der ISL Marketing, der ISL Tennis Marketing AG einerseits und der Banque Nationale de
        Paris (Suisse) SA sowie der UBS AG andrerseits ein Kreditvertrag abgeschlossen,
        welcher ein Volumen von insgesamt CHF 277'000'000.- hatte (D 6/3/10/1 ff.). Da den
        solidarisch haftenden Kreditnehmern im Rahmen einer Swing Line auf alien
        Kontokorrentkonten Uberziige bis zu einem Maximalbetrag von CHF 20'000'000.- ge-
        stattet waren, errechnete die UBS AG taglich eine Nettoposition all dieser Konten (D
        5/124/5, D 5/124/44, vgl. insbesondere D 5/124/45-77).

2.1.3    Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass die Liquiditatsversorgung in dem
        vom CFO und Treasurer beschriebenen Sinne d.h. uber die UBS Konten bzw.
        insbesondere die ISL Worldwide und von dort an die Gruppengesellschaften erfolgte.

2.2     Gutachten

2.2.1    Verschiedene finanzielle Aspekte waren Gegenstand eines am 15. September erteilten
        und mit Schreiben vom 16. Oktober 2003 modifizierten buchhalterischen Gutachtens-
        auftrages (D 7/C/14 und 34). Der Gutachter wurde u.a beauftragt

        -      die Jahresrechnungen der ISMM AG und der ISL Worldwide fiir das Jahr 2000
einem ..review" zu unterziehen, worunter im Sinne des Auftrages eine kritische Durchsicht unter
Beriicksichtigung schweizerischer, brancheniiblicher Buchhaltungskriterien verstanden wird;
        -      da aus den Untersuchungsakten ersichtlich war, dass bei der ISMM Gruppe im
Jahr 2000 eine Umstellung der Rechnungslegung nach IAS (International Accounting
Standards) erfolgte, war zudem die Frage zu beantworten, ob die Abweichungen zwischen dem
IAS und dem OR Abschluss von nennenswerter Bedeutung waren;
        -      zudem waren Gewinn, Verlust, Eigenkapital, Uberschuldung, Liquiditat, llliquiditat
fur folgende Zeitpunkte und Gesellschaften festzustellen (objektive Faktoren):

            Zeitpunkt                    Gesellschaft/en

            30. Juni 2000 ISMM AG / ISL Worldwide
1       September 2000 ISMM AG / ISL Worldwide
2       Dezember 2000 ISMM AG / ISL Worldwide
17.Januar2001 ISMM AG / ISL Worldwide


           Zu begrifflicher Klarstellung wurden im Auftrag verwendete Begriffe wie folgt definiert:
                                                                    18
           Gewinn: Positive Differenz zwischen Ertrag und Aufwand
                                                                     -19
           Verlust: Negative Differenz zwischen Aufwand und Ertrag'
           Eigenkapital: Kapital, welches der Unternehmung unbefristet von aussen (Eigenttimer) oder
                                                                                      20

                                innen (selbsterarbeitetes Kapital) zur Verfugung steht
           Uberschuldung: Das gesamte Eigenkapital ist rechnerisch durch einen Bilanzverlust aufgebraucht
                                                                                                               21
                                                                                                                    53
                                    und das Fremdkapital ist nicht durch Vermogensgegenwerte gedeckt
                                                                                                          22

             Liquiditat: Fahigkeit, fallige Zahlungsverpflichtungen uneingeschrankt erfullen zu kfinnen
             llliquiditat: Unfahigkeit, falligen Zahlungsverpflichtungen ganz oder teilweise
                                                     23
                                    nachzukommen
18

     Thommen, a.a.O., 216
19

     Thommen, a.a.O., 216, vgl. auch 558
20

     Thommen, a.a.O., 146, vgl. auch Forstmoser, Meier-Hayoz, Nobel, § 49, N 1 ff.
21

     Thommen, a.a.O., 532
22

     Thommen, a.a.O., 334
23

     Thommen, a.a.O., 241
         -  Zusatzlich  wurden dem Gutachter verschiedene konsolidierte und Einzelabschliisse
             mit Bezug auf die Zeitpunkte 30. Juni, 30. September und 31. Dezember 2000
             ausgehandigt. Dabei waren die Fragen zu beantworten, ob die Gruppe oder die
             einzelnen Gesellschaften an den jeweiligen Daten liquid oder illiquid und uberschuldet
             war bzw. waren. Die Feststellung hatte einzig und allein auf der Basis der Abschliisse
             zu erfolgen (Grundlage fiir Schlussfolgerungen mit Bezug auf subjektive Faktoren).

2.2.2    Wie den Eriauterungen des Gutachters entnommen werden kann, verwendet auch er die
         unter vorstehender Ziffer erwahnten Begriffe im Sinne der dargelegten Definitionen (D
         7/D/1, S. 2, Ziffer 3). Mit Bezug auf die llliquiditat machte er folgende Prazisierung. „Eine
         Unternehmung ist illiquid, wenn fallige Verpflichtungen den Bestand an flussigen Mitteln
         und unbenutzten Krediten iibersteigen und dieses Manko nicht aufgrund von erwarteten
         Zahlungseingangen, bzw. Mittelbeschaffungen kurzfristig behoben werden kann (D
         7/D/1, S. 3)."

         Mit Blick auf die moglichen Tatbestandserfiillungen sollten sich das Review und die
         Feststellung von Gewinn, Verlust, Eigenkapital, Uberschuldung, Liquiditat und llliquiditat
         auf die ISMM AG und die ISL Worldwide beschranken. Der Gutachter vertritt den
         Standpunkt, dass diesbeziigliche Aussagen betreffend die Einzelgesellschaften mit Aus-
         nahme der llliquiditat gemacht werden konnen. Mit Bezug auf die Liquiditat bzw. llli-
         quiditat sei dies deshalb nicht sinnvoll, weil die ISMM Gruppe im ganzen fiir das
         Gutachten relevanten Zeitraum bei einem Bankenkonsortium iiber einen Kreditrahmen
         von CHF 277'000'000.-- verfiigt habe. Die Beniitzung von Krediten habe durch jede
         Gruppengesellschaft erfolgen konnen, und eine Aufteilung des unbenutzten Kredit-
         rahmens auf eine einzelne Gesellschaft sei in diesem Zusammenhang nicht sinnvoll. Der
         unbenutzte Kreditrahmen stelle jedoch eine wesentliche Grundlage zur Bestimmung der
         Liquiditat bzw. llliquiditat dar. Die von ihm eingesehenen Unterlagen wurden denn auch
         darauf hinweisen, dass die Gruppe selbst Liquiditatsuberlegungen immer nur auf
         konsolidierter Basis vorgenommen habe (D 7/D/1, Ziffer 5.1, S. 8 + 9). Dass Liquiditats-
         berechnungen auf Konzernbasis vorgenommen wurden, wird durch die im Rahmen der
         Untersuchung erhobenen Unterlagen bestatigt (D 8/4/10-11, D 8/4/17-18, D 8/4/27, D
         8/4/29-30, D 8/4/32).

         Der Gutachter fiihrt diesbeziiglich als allgemein iiblich an, dass sich in jedem finanziell
         angespannten Konzern die Liquiditat sehr kurzfristig immer in jene Gruppengesellschaft
         verschiebe, wo diese am dringendsten gebraucht werde (D 7/D/1, Ziffer 5.1, S. 9). Diese
         allgemeine Feststellung wird durch die Bankunterlagen fiir den Zeitraum 18. September
         2000 bis Konkurseroffnung (Kt. Nr. 248-594050.60J, lautend auf ISL Worldwide bei der
         UBS Luzern) und den Zeitraum 17. Oktober 2000 bis Konkurseroffnung (Kt. Nr. 248-
         594050.01 P, lautend auf ISL Worldwide bei der UBS Luzern) bestatigt (D 5/128/3 ff. und
         D 5/129/3 ff, vgl. auch die Geldflussanalyse D 7/B). Seinem Schluss, wonach dadurch an
         einem bestimmten Stichtag entweder die ganze Gruppe illiquid war oder nicht, kann unter
                                                                                                                     54
        Beriicksichtigung der konkreten Verhaltnisse - zugestimmt werden.

        Ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht und auf Grund der konkreten Ausgestaltung der
        Liquiditatsversorgung der einzelnen Konzerngesellschaften der Schluss zulassig, dass
        bei Liquiditat/llliquiditat der gesamten Gruppe diese auch bei den fraglichen Einzel-
        gesellschaften gegeben ist, so ware eine partielle Betrachtungsweise von rein akademi-
        schem Interesse und dadurch unnotig.
        Mit dem Untersuchungsrichter ist festzuhalten, dass die Uberlegungen des Gutachters
        aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar sind und dem Faktum der Konzern-
        realitat Rechnung tragen. In strafrechtlicher Hinsicht wird zu berucksichtigen sein, dass
        Ersatzfahigkeit bei den ..veruntreuenden Gesellschaften", d.h. bei der ISMM AG und
        insbesondere der ISL Worldwide, gegeben sein musste. Ob sie bei anderen Gruppen-
        gesellschaften gegeben war, ist demzufolge in objektiver Hinsicht nicht von Bedeutung,
        weshalb deren Leistungsfahigkeit grundsatzlich auch keiner Klarung bedurfte.

2.2.3    Die Frage, ob Abweichungen zwischen dem IAS und dem OR Abschluss von nennens-
        werter Bedeutung gewesen seien, wird vom Gutachter bejaht. Wahrend des Jahres seien
        fur interne Zwecke hauptsachlich Abschliisse nach IAS und nur bei der Erstellung der
        statutarischen Abschliisse am Jahresende sei ein Abschluss nach obligationen-
        rechtlichen Rechnungslegungsstandards erstellt worden. Die Abweichung stellt er wie
        folgt dar:

         Eigenkapital              per                ISMM              AG                ISL              Worldwide
         31.12.2000                              in                             Mio.                            CHF


        OR Abschluss -121.8 -318.1
        Abweichung IAS / OR 379.1 68.4
        Abschluss




        Dass das Eigenkapital gemass OR Abschluss betrachtlich hoher war als gemass IAS
        wird auf

               die unterschiedliche Erfassung der Gewinnrealisation uberjahriger Projekte und der
               unterschiedlichen Verbuchung der Kursdifferenzen zuruckgefuhrt (D 7/D/1, Ziffer 4.2, S. 4
               + 5, zu den Einzelheiten vgl. Seite 5-7, Ziffern 4.2.1 + 4.2.2).



        Wesentlich ist dabei sein Schluss, dass mit Bezug auf die Beurteilung von Liquiditat
        /llliquiditat die Wahl der Rechnungslegungsvorschriften nicht relevant sei, da bei den
        diesbeziiglichen Bilanzpositionen keine Abweichungen zwischen OR und IAS Abschluss
        bestunden (D 7/D/1, Ziffer 4.2.3, S. 7).


      Die Ergebnisse aus dem review werden vom Gutachter zusammengefasst wie folgt dar-
      gestellt (fiir zahlenmassige Einzelheiten und Eriauterungen kann auf D 7/D/1, Ziffer 5.2-
      6.2, S. 9-34 verwiesen werden).
2.3 Gewinn. Verlust. Eigenkapital. Uberschuldung. Liguiditat. llliquiditat bei der ISMM AG

2.3.1 Zusammenfassung (D 7/D/1. Ziffer 6.1. S. 33)

                                           30.06.2000 30.09.2000 31.12.2000 17.01.2001

        Gewinn oder Verlust kumuliert Gewinn Gewinn Verlust Offen wegen / Ergebnis vom 1. Januar bis fehlendem zum
        Abschlusszeitpunkt Abschluss
                                                                                                                             55
         Gewinn oder Verlust in der Gewinn Gewinn Verlust Offen wegen Periode / Ergebnis im fehlendem Semester oder
         Quartal vor Abschluss dem Abschluss

          Uberschuldet                                 Nein Ja Ja Ja

          Illiquid                                     Nein Ja Ja Ja

          Illiquid wenn Zahlungen Globo Nein Ja Ja Ja und Dentsu nicht erfolgt waren



2.3.2 Auffalligkeiten bei einzelnen Ergebnissen

         Per 30.06.2000:

          -          Es bestand ein Gewinn von CHF 24'362'000.--, wovon allerdings CHF 21'138'000.- den Saldo aller
Kursdifferenzen betrafen. Ohne Kursgewinne hatte ein Gewinn von CHF 3'200'000.-- resultiert (D 7/D/1, Ziffer 5.2.1, Seite 9-11).
          -          Es bestand ein positives Eigenkapital von CHF 108'053'000.-.
          -          Der Eigenkapitalanteil (ca. 4.5%) war sehr gering (D 7/D/1, Ziffer 5.2.2, Seite 12).
          -          Die beanspruchten Kredite und Garantien der Gruppe betrugen CHF 229'800'000.--. Der Gruppe standen
somit in Beriicksichtigung der Borrowing Base von CHF 237'800'000.-- Mittel im Umfang von CHF 8'000'000.-- zur Verfugung (D
7/D/1, Ziff. 5.2.3, Seite 13, vgl. auch D 7/C/44, Ziff. 5, S. 2).

         Per 30.09.2000:

          -          Es bestand ein Gewinn von CHF 37'649'000.--, der vollstandig auf Kursdifferenzen von CHF 38'265'000.--
zuriickzufiihren war. In Beriicksichtigung der nicht vorgenommenen Wertberichtigungen und Abschreibungen hatte jedoch ein
Verlust resultiert (D 7/D/1, Ziffer 5.4.1, Seite 20).
          -          Es bestand gemass Abschluss ein positives Eigenkapital von CHF 151'885'000.--. Unter Beriicksichtigung
notwendiger Abschreibungen, Ruckstellungen und Wertberichtigungen war die Gesellschaft allerdings uberschuldet (D 7/D/1,
Ziffer 5.4.2, Seite 21+22).
          -          Die Kreditlimite von CHF 277'000'000.- war durch Kredite und Garantien im Umfange von CHF 275'900'000.--
beansprucht. Ohne die Zahlung von Globo Overseas Investments B.V. von USD 59'207'500.-- ware die Gruppe im Verlaufe des
Monats September 2000 zahlungsunfahig geworden und hatte keine Moglichkeit gehabt, diesen Betrag zuriickzuerstatten. Die
ISMM AG war per Ende September 2000 illiquid. Der Geschaftsbetrieb konnte nur aufrecht erhalten werden, weil fallige
Verpflichtungen teilweise nicht mehr bezahlt wurden (D 7/D/1, Ziffer 5.4.3, Seite 22).

         Per 31.12.2000:

                     Es bestand ein Jahresverlust von CHF -443'173'000.--, obwohl die Gesellschaft operativ das
                     ganze Jahr in der Gewinnzone arbeitete. Der Verlust ergab sich auf Grund der notwendig
                     gewordenen ausserordentlichen Wertberichtigungen, Abschreibungen und Ruckstellungen (D
                     7/D/1, Ziffer 5.6.1, Seite 26).
                     Es bestand ein negatives Eigenkapital von CHF -121'847'000.-- (D 7/D/1, Ziffer 5.6.2, Seite
                     27+28).
                     Die Gesellschaft war illiquid. Die bereits verfallenen Verpflichtungen iiberstiegen die vorhandenen
                     Mittel erheblich (D 7/D/1, Ziffer 5.6.3, Seite 28+29 / vgl. die detaillierten Ausfuhrungen des
                     Gutachters).

         Per 17.01.2001:

                     Der Gutachter schliesst mit Bestimmtheit aus, dass die Gesellschaft bis zum 17. Januar 2001 die
                     per 31. Dezember 2000 bestandene Uberschuldung aus eigener Kraft hatte abbauen und sich von
                     ihrer llliquiditat hatte erholen konnen. Die ISMM AG und die ISL Worldwide waren somit am 17.
                     Januar 2001 sowohl illiquid als auch uberschuldet (D 7/D/1, Ziffer 5.8, Seite 32).



2.3.3 Von der ISMM AG ausoelaoerte Vermooenswerte

        Am 3. Mai 1999 erteilte die Sporis Holding der BNP Banque Nationale de Paris (Suisse)
        S.A. einen Vergiitungsauftrag iiber CHF 36'130'220.05. Dieser Betrag wurde einem
        Konto, lautend auf Sunbow S.A. bei der LGT Bank in Liechtenstein, gutgeschrieben und
        sowohl bei der Sporis Holding AG als auch bei der Sunbow S.A. unter Rechteerwerbs-
                                                                                                         56
         kosten verbucht. Der ausgelagerte Vermogenswert fand in der Folge weder Eingang in
         die Abschliisse der ISMM AG noch in die konsolidierten Bilanzen der Gruppe.

         Im Zeitpunkt, als das Gutachten erstellt wurde, lagen die Erkenntnisse aus dem Rechts-
         hilfeverfahren im Zusammenhang mit dem Nunca/Sunbow Komplex nicht vor, weshalb
         die diesbezuglichen Zahlen bei der Expertise nicht beriicksichtigt werden konnten. Die
         nachfolgende Darstellung der Abflusse ab dem Sunbow Konto zeigt jedoch, dass an den
         in diesem Verfahren relevanten Stichtagen (30. September, 31. Dezember 2000 und dem
         17. Januar 2001) nur noch ein Bruchteil der Gesamtsumme vorhanden war, welcher
         keinen Einfluss auf die Beurteilung der Uberschuldung und llliquiditat hat.

          Valuta Betrag in CHF Act.

          03.06.1999 1'550'000.00 25/19/6
          23.06.1999 775750.00 25/19/9
          28.06.1999 386'875.00 25/19/13
          14.07.1999 1'650'000.00 25/19/17
          03.08.1999 3'691.55 25/19/22
          22.09.1999 386'250.00 25/19/26
          22.09.1999 386'250.00 25/19/27
          04.11.1999 460'440.00 25/19/32
          04.11.1999 460'440.00 25/19/32
          08.11.1999 184'656.00 25/19/34
          26.11.1999 1'000'000.00 25/19/37
          15.12.1999 12'147.20 25/19/38
          15.12.1999 100'000.00 25/19/39
          22.12.1999 429'246.00 25/19/43

23.12.1999 19.01.2000 20.01.2000 20.01.2000 20.01.2000 07.02.2000 07.02.2000 23.02.2000 10.03.2000
10.03.2000 29.03.2000 04.05.2000 08.05.2000 04.05.2000 15.05.2000 31.05.2000 02.06.2000 06.06.2000
27.06.2000 05.07.2000 19.07.2000 21.07.2000 27.07.2000 31.07.2000 27.07.2000
16.10.2000 28.11.2000 15.01.2001
15'975.00 1'000'000.00 799750.00 159'950.00 431 '865.00 1'654'800.00 364'870.00
701.25 534'400.00 835'000.00 125'035.00 51 '675.00 866'500.00 868 000.00 466'803.00 500'000.00 422'875.00
15'000'000.00 500'000.00 409'650.00 446'040.00 2'347.05 3'000 000.00 33'532.00 33'600.00 500000.00 90 000.00
500000.00
25/19/45 25/19/52 25/19/54 25/19/55 25/19/56 25/19/58 25/19/59 25/19/63 25/19/64 25/19/65 25/19/69 25/19/77
25/19/83 25/19/79 25/19/85 25/19/89 25/19/91 25/19/93 25/19/97 25/19/102 25/19/104 25/19/106 25/19/109
25/19/108 25/19/111 25/19/115 25/19/117 25/19/121


2.4 Gewinn. Verlust. Eigenkapital. Uberschuldung. Liguiditat. Illiguiditat bei der ISL Worldwide

2.4.1 Zusammenfassuno (D 7/D/1. Ziffer 6.2. S. 34)



Gewinn oder Verlust kumuliert / Ergebnis vom 1. Januar bis zum Abschlusszeitpunkt


Gewinn
          oder Verlust in     der
Periode     /  Ergebnis        im
Semester          Quartal
           oder               vor
dem Abschluss


Uberschuldet Illiquid Illiquid wenn Zahlungen Globo
                                                                                                                   57

und Dentsu nicht erfolgt waren

30.06.2000        30.09.2000     31.12.2000    17.01.2001
Verlust           Verlust        Verlust
                                               Offen wegen
                                               fehlendem
                                               Abschluss
Verlust           Verlust        Verlust
                                               Offen wegen
                                               fehlendem
                                               Abschluss


Nein              Ja             Ja            Ja

Nein              Ja             Ja            Ja

Nein              Ja             Ja            Ja

2.4.2 Auffalliokeiten bei einzelnen Ergebnissen

          Per 30. 06.2000:

        -         Es bestand ein Gewinn von CHF 14'318'000.-, wovon allerdings CHF 47'500'000.-- den Saldo aller
Kursdifferenzen betrafen. Ohne Kursgewinne hatte ein Verlust von CHF 33'200'000.-- resultiert. Operativ ergab
sich gemass IAS ein negativer EBIT (Earnings before interest and Taxes) von CHF 25'618'000." (D 7/D/1, Ziffer
5.3.1, Seite 14).
        -         Es bestand ein positives Eigenkapital von CHF 17'486'000.-.
        -         Der Eigenkapitalanteil (ca. 1 %) war sehr gering (D 7/D/1, Ziffer 5.3.2, Seite 15-16).

          Per 30.09.2000:

         -         Es bestand ein Gewinn von CHF 31'832'000.-, der vollstandig auf Kursdifferenzen zuriickzufiihren
war. In Beriicksichtigung der nicht vorgenommenen Wertberichtigungen und Abschreibungen hatte jedoch ein
Verlust resultiert (D 7/D/1, Ziffer 5.5.1, Seite 23).
         -         Es bestand gemass Abschluss ein positives Eigenkapital von CHF 49'318'000.--. Unter
Beriicksichtigung notwendiger Abschreibungen und Wertberichtigungen war die Gesellschaft allerdings
uberschuldet und illiquid (D 7/D/1, Ziffer 5.5.2, Seite 25).

          Per 31.12.2000:

          -       Es bestand ein Jahresverlust von CHF -421'017'000 (D 7/D/1, Ziffer 5.7.1, Seite 30).
         -        Es bestand ein negatives Eigenkapital von CHF -318'079'000.- (D 7/D/1, Ziffer 5.7.2, Seite 31).
         -        Die Gesellschaft war illiquid. Die bereits verfallenen Verpflichtungen iiberstiegen die vorhandenen
Mittel erheblich (D 7/D/1, Ziffer 5.7.3, Seite 32).

          Per 17.01.2001:

              -        vgl. die Ausfuhrungen unter vorstehend Ziffer 2.3.2

          Die vorstehend dargestellten objektiven Kennzahlen sind als schlussig zu beurteilen; zu
          mal der Gutachter festhalt, dass er gesamthaft keine offensichtlichen Fehlbuchungen
          festgestellt habe, aufgrund derer ein Abschluss, so wie er ausgewiesen worden sei,
          nicht zur Beurteilung von Ergebnis, Eigenkapital und Liquiditat hatte herangezogen
          werden konnen (D 7/D/1, Ziffer 4.1, S. 4). Allfallige nicht erfasste Abweichungen waren
          schon deswegen nicht von Bedeutung, weil es keine aktenmassigen Anhaltspunkte gibt,
          dass sich solche in einer fiir die Beurteilung relevanten Grossenordnung bewegen
          konnten. Kommt hinzu, dass die Abschliisse und Vollstandigkeitserklarungen der ISMM
          AG, der ISL Worldwide und der ISL (International) AG von den Verantwortlichen unter
          zeichnet wurden (Jean-Marie Weber und Hans-Jiirg Schmid) und sich somit anrechnen
          lassen miissen (D 6/3/1/4 ff.).
                                                                                                     58
         Zusatzlich zu den vom Gutachter dargestellten Zahlen sind mit Bezug auf die nachfol-
         genden Gesellschaften (Ziffer 4.5-4.6) folgende Angaben zu machen.
2.5       Gewinn. Verlust. Eigenkapital. Uberschuldung. Liguiditat. llliquiditat bei ISL (Intern.) AG

         Die Gesellschaft erzielte per 31.12.2000 einen Jahresverlust von CHF -28'944'407.-und
         war illiquid (D 6/3/1/8). Sie war es auch im Zeitpunkt der Konkurseroffnung (D 4/A/4/16,
         S. 2 „keine liquiden Aktiven"). Wohl hatte die ISL (International) AG substantielle
         Beteiligungen, wlche allerdings erst im Rahmen des Konkursverfahrens verkauft wurden
         (D4/A/4/21).

2.6       Gewinn, Verlust, Eigenkapital, Uberschuldung, Liquiditat, llliquiditat bei der ISL Hospi-
         talitv AG. der ISL Hospitality (Japan) AG und der ISL Hospitality (Korea) AG

         Die Hospitality Gesellschaften waren nie operativ tatig (D 3/43, Ziff. 61, D 4/A/8/13). Das
         Aktienkapital floss nach Grundung uneinbringlich wieder in die ISL Worldwide zuruck.

2.7      Das Wissen um die finanzielle Lage der Gruppe bzw. der einzelnen Gesellschaften

2.7.1     Auf Grund samtlicher Aussagen der Beschuldigten steht fest, dass sie sich der Liquidi-
         tatsproblematik im Jahre 2000 bewusst waren, sie regelmassig iiber die finanzielle
         Situation orientiert wurden, dass sie jedoch angaben, Ciberzeugt gewesen zu sein, dass
         der fragliche Engpass mit dem geplanten ABS und IPO iiberbruckt werden konne. Be-
         ziiglich der einzelnen Aussagen der Beschuldigten wird auf die Ausfuhrungen in der
         Uberweisungsverfiigung (S. 77-80) verwiesen.

2.7.2     Zum IPO (Initial Public Offering - Borsengang) ist zu bemerken, dass es unter dem Na-
         men AURORA geplant war (vgl. Doss. 13 u. 22). Betreffend verschiedene Ausfuhrungen
         der Beschuldigten ist von Bedeutung, dass die Zahl der Borsengange bis 2000 kon-
         tinuierlich zugenommen hat, der Markt jedoch ab Sommer 2001 fast vollig zusammen-
         brach. Ganz allgemein von Bedeutung ist auch die Feststellung, dass bei den Griinden
                                                                                             24
         fiir die Durchfuhrung von IPOs die Eigenkapitalfinanzierung oft im Vordergrund steht .

         Das ABS (Asset Backed Securitisation) wurde von Hans-Jiirg Schmid so umschrieben,
         dass die ISL Worldwide ihre bestehenden und zukunftigen Forderungen aus dem Ver-
         kauf von Marketing-Rechten an eine Drittgesellschaft verkauft hatte (ISL Football AG).
         Diese Drittgesellschaft hatte die Forderung dann an eine luxemburgische oder hollan-
         dische Gesellschaft weiter veraussert, die dann an den Finanzmarkt gegangen ware, um
         die Kaufpreisforderung zu begleichen. An anderer Stelle gab er an, ABS heisse ja, dass
         sie - auf einen einfachen Nenner gebracht - die heutigen, aber auch die zukiinftigen
         Debitoren an eine unabhangige Gesellschaft verkaufen und dafur heute Cash bekommen
         wurden. (D 3/1, Ziffer 1, D 3/43, Ziffer 110). Selbstredend dient dieses Instrument
         (Verbriefung von Forderungen aus Vertragen) der Liquiditatsbeschaffung und wurde in
         der Gruppe als Projekt DAWN bezeichnet (vgl. D 12+22).

         Wie den Angaben von Catherine Julia Noble (Angestellte der UBS AG), welche rechts-
         hilfeweise als Zeugin in London einvernommen wurde, entnommen werden kann, war
         Warburg Dillon Read sowohl im Zusammenhang mit dem geplanten IPO als auch dem


24
     Rolf Watter/Thomas Reutter, Rechtsprobleme beim IPO, in: Rechtsfragen beim Borsengang von
     Unternehmen, hrsg. von Rolf Watter, Zurich 2002, S. 2,
         ABS als Agentin tatig (D 3/41, S. 3). IPO war bis zur Halfte, ABS bis zum Ende von ..Preparation
                                                                   25
         and Structuring" gediehen (D 3/41, S. 4, Ziffer 11 und 13) .

         Beziiglich der Antworten der Beschuldigten zur untersuchungsrichterlichen Frage, wann sich die
                                                                                                                             59
        Faktoren abgezeichnet hatten, welche die Realisierung des IPO und ABS in Frage gestellt
        hatten, wird auf S. 81 der Uberweisungsverfiigung verwiesen. Aus den Aussagen der
        Beschuldigten sowie von Urs Linsi (bis 31. Dezember 2003 Finanzchef der FIFA) ergibt sich
        ferner, dass das Securitisations-Projekt (DAWN) zunachst mit der FIFA zusammen (Einnahmen
        von FIFA und ISL/ISMM zusammen) verfolgt wurde, solches dann aber nicht zustande kam (vgl.
        Aussagen auf S. 82 der Uberweisung).

2.7.3    Den Verwaltunosratsprotokollen der ISMM Investments AG und der ISMM AG vom 10.
        September 1998 bis 27. Marz 2001 kann entnommen werden, dass in der Regel alle
        Beschuldigten an diesen Sitzungen teilnahmen (D 8/5/1- D 8/5/23). In den Jahren 2000 und 2001
        wurde die finanzielle Situation regelmassig thematisiert, und den Sitzungsteilnehmern wurden
        jeweils spezifische Unterlagen wie beispielsweise Budget 2000 vs. Stratgey 2000 (D 8/5/10, S.
        8), mittelfristige Cashflowplane der Gruppe (D 8/5/11, S. 6), IAS Budget 2000 (D 8/5/13, S. 8),
        Cashflow Statement September 2000 bis Juni 2001 (D 8/5/14, S. 9), Cashflow forecast
        September 2000 bis Juni 2001 (D 8/5/15, S. 9), Weekly Payment Schedule (D 8/5/17, S. 9)
        ausgehandigt.

        Zwischen dem 19. Januar 2000 und dem 27. Marz 2001 wurden die nachstehenden im
        Zusammenhang interessierenden Themen besprochen (Bei der nachfolgenden Darstellung wird
        unter der Rubrik auf den Hinweis ..Attending" oder „in attendance" verzichtet).

        VR Sitzung der ISMM Investment AG vom 19.01.2000 (D 8/5/9)

        Anwesende: Die sechs Beschuldigten

        Themen: - Budget 2000 (Ziffer 6 des Protokolls)

                             Der Verwaltungsrat diskutiert namhafte negative Abweichungen (in Millionenhohe) zwischen dem
                             Budget 2000/Medium Range Plan und dem Profit and Loss Statement fur das Jahr 2000, welches
                             im Strategic Plan der ISMM Gruppe vom 10. November 1999 enthalten ist. Der Verwaltungsrat
                             verabschiedet damit zusammenhangend verschiedene Auftrage an das ExCo.

         - Aurora (IPO) (Ziffer 7.5 des Protokolls)
         Der Verwaltungsrat wird dariiber informiert, dass das ..preliminary due diligence audit" vor dem Abschluss stehe.
         - ORAD (Ziffer 9 des Protokolls)

                                 Die Beteiligung an ORAD wird mit USD 100 Mio. angegeben

         Dokumente: - Budget 2000 - ISMM Group (D 8/4/25)




25

   Dabei ist zu berucksichtigen, dass sich die Strukturierung eines IPO in die folgenden Phasen
  einteilen lasst: 1. Evaluation und Entwicklung / 2. Vorbereitung und Strukturierung / 3. Marketing,
  Preisfindung und Zuteilung / 4. Handel, Stabilisierung und „Aftermarket" vgl. dazu Felix M. Huber,
  IPO aus Bankensicht, in: Rechtsfragen beim Borsengang von Unternehmen, a.a.O., 48 ff.
VR Sitzung der ISMM Investment AG vom 04.04.2000 (D 8/5/10)

Anwesende: Die sechs Beschuldigten

Themen: - Budget 2000 (Ziffer 1 des Protokolls)

                   Es erfolgen Klarstellungen mit Bezug auf die Protokollierung der vorangegangenen Verwaltungsratssitzung.

          - Aurora (IPO) (Ziffer 2 des Protokolls)
          Christoph Malms orientiert, dass das „due diligence audit" abgeschlossen sei. Gemass Uberzeugung der Finanzberater
konne die neue ISMM Gesellschaft mit einem ..benchmark value" von mehr als CHF 1 billion an die Borse gebracht werden. Es
wird iiber das weitere Vorgehen orientiert (etwa Optionsplan) und dass die Kotierung in der Schweiz fiir das letzte Quartal 2000
geplant sei.
          - Optimizing Group Debt Financing (Ziffer 4.2 des Protokolls))
                                                                                                                          60
                   Hans-Jiirg Schmid orientiert, dass der UBS/BNP Kredit iiber CHF 277 Mio. die finanziellen Bediirfnisse bis
                   Ende 2001 nicht abdecken werde und dass in der Zwischenzeit Diskussionen iiber eine Erhohung des
                   Darlehens auf CHF 350'000'000.-angelaufen seien.

                   Es werden zusatzliche Finanzierungsmoglichkeiten wie Verpfandung der ORAD Aktien und die Initiierung
                   des ABS unter Miteinbezug der ATP Rechte diskutiert.

                   Abschliessend kommt der Verwaltungsrat zum Schluss, dass zusatzlich zum ABS samtliche Moglichkeiten
                   zur Schuldenfinanzierung ausgeschopft werden sollen, und betrachtet diese Bemuhungen als entscheidend,
                   um fiir die mittelfristige Finanzierung der Gruppe eine geniigende Sicherheitsmarge zu erreichen.




VR Sitzung der ISMM Investment AG vom 26.04.2000 (D 8/5/11)

Anwesende: Die sechs Beschuldigten

Themen: - Business Report 1999 und Abschluss Sporis Holding AG (Ziffer 2 des Protokolls)

                   Hans-Jiirg Schmid erlautert, dass das Eigenkapital nach wie vor sehr bescheiden sei, weshalb auf eine
                   Ausschiittung von Dividenden sowohl bei der ISMM Investements, als auch der Sporis Holding AG
                   verzichtet werden solle. Die Sporis Holding AG schliesse mit einem Verlust von CHF 4.1 Mio.

                             - Long-term financing update and latest plan (Ziffer 4 des Protokolls)

                   Hans-Jiirg Schmid erlautert den Cashflow Plan 2000-2003, welcher auf verschiedenen Annahmen [ABS,
                   Aktienverkauf (Arena) Globo Bankgarantien] beruhe und inskiinftig regelmassig angepasst werde.

Dokumente: - Business Report 1999 (D 8/4/5)
              - Cashflow statement (D 8/4/27)
 In rooo Juli 2000 August September Oktober November Dezember CHF 2000 2000 2000 2000 2000

 Borrowing -317'127 -358702 -400'329 -386744 -416'613 -471'119
 needs 1
 Borrowing -317'127 -388702 -405'329 -391744 -431'613 -476'119
 needs II



 Shortfall -73'633 -180'269 -196'896 -181'537 -227'162 -9'667
 (-)


Bei dieser vereinfachten Darstellung sind die von Hans-Jurg Schmid eriauterten Annahmen per Dezember 2000 beriicksichtigt.
Bei Realisierung des ABS und dem damit verbundenen und angenommenen Inflow von +160'000 wurde per Dezember 2000
von einer positiven Liquiditat von 150'333 ausgegangen.



VR Sitzung der ISMM AG vom 19.07.2000 (D 8/5/12)

Anwesende: Die sechs Beschuldigten

               Themen: - Other Measures to increase Cashflow and/or Borrowing Base (Ziffer 6 des Protokolls)

                   Hans-Jiirg Schmid und Christoph Malms erlautern, dass verschiedene Massnahmen notwendig seien, um
                   die Gesellschaft nachhaltig finanzieren zu k6nnen (Kredit, ABS, IPO). Es sei Pflicht des Verwaltungsrates
                   und des Managements, fiir Alternativen zu sorgen, falls weder ABS noch IPO realisiert werden konnten.
                   Dem Verwaltungsrat wird zur Kenntnis gebracht, dass Hans-Jiirg Schmid zusammen mit Hans-Peter Weber
                   zwecks Erhohung des Bankenkredits von CHF 277 Mio. auf CHF 325 Mio. Verhandlungen fuhre.

               -   Dawn/Aurora Update (Ziffer 11 des Protokolls)

                   Hans-Jiirg Schmid, "HPS" und Christoph Malms erlautern, dass die Marketing Vertrage mit einem Wert von
                   CHF 650 Mio fiir das ABS eingebracht werden konnen, dass jedoch die Aufteilung zwischen FIFA und
                   ISMM/ISL noch nicht feststehe. Der Anteil der FIFA werde jedoch leicht hoher sein. Die Realisierung des
                                                                                                                              61
                    Projektes sei auf Ende September 2000 geplant.

                    Christoph Malms erlautert, dass das IPO fiir Ende Oktober Mitte November geplant sei. -Er rechnet durch
                    das geplante IPO und die geplante Kapitalerhohung mit einem „net equity" von mehr als CHF 400 Mio.

Dokumente: - Budget Review (D 17/5/40)



VR Sitzung der ISMM AG vom 10.08.2000 (D 8/5/13)

Anwesende: Die sechs Beschuldigten

  Themen: - Dawn/Aurora Update (Ziffer 5 des Protokolls) Es wird informiert, dass Dawn wahrscheinlich um 2 Wochen (bis
                  Mitte Oktober) verschoben werde. Es miisse alles unternommen werden, damit Aurora wie geplant bis
                  spatestens Ende November realisiert werden konne.

                -   Budget 2000 / IAS (Ziffer 7.2 des Protokolls) Das Budget zeigt ein geschatztes „net income" von CHF 1.5
                    Mio unter Beriicksichtigung des ATP Projektes, aber auch unter Beriicksichtigung des beabsichtigten
                    Verkaufs von Aktien von LASI, ARENA und ORAD. Hans-Jiirg Schmid weist darauf hin, dass ein starker
                    USD einen negativen Einfluss auf den operativen Gewinn haben konnte.

Dokumente: - Budget 2000 / IAS (D 17/5/59) Financial Report of ISMM AG 1997-1999 (D 8/4/13)
VR Sitzung der ISMM AG vom 04.10.2000 (D 8/5/14)

Anwesende: Die sechs Beschuldigten

Themen: - Cashflow (Ziffer 3.3, Seite 4 des Protokolls)

                    Der Verwaltungsrat nahm davon Kenntnis, dass die Liquiditatssituation der Gruppe hochst alarmierend sei
                    fiir den Fall, dass das ABS nicht realisiert werden konne. Der zusatzliche Jn/outflow", welcher fur den Fall
                    des Scheiterns des Projektes Dawn geplant gewesen sei, werde nicht geniigend Mittel ergeben um den
                    Liquiditatsengpass zu iiberwinden. Es miisse deshalb alles unternommen werden, um Dawn so schnell als
                    moglich zu realisieren.


         - Update Dawn (Ziffer 5 des Protokolls)
         Es wird auf die Problematik der Zusammenarbeit mit FIFA hingewiesen und dass ohne ihren professionellen
Miteinbezug der Fahrplan nicht eingehalten werden konne und das Projekt verschoben werden miisse. Abschliessend erlautert
Hans-Jiirg Schmid, dass Dawn wie geplant bis Mitte November 2000 realisiert werde.
         - Update Aurora (Ziffer 6 des Protokolls)

                    Neuer ..Impact Day" ist der 9. April 2001

Dokumente: - Cashflow Statement September 2000-Juni 2001 (D 18/23)



 In rooo September Oktober November Dezember
 CHF 2000 2000 2000 2000


 Borrowing -362'603 -423'027 -457'919 -524'876
 needs I
 Borrowing -271'698 -270722 -288'613 -355'571
 needs II


 Shortfall 5'302 -6'278 -11613 -78'571
 (-)


Bei dieser vereinfachten Darstellung sind verschiedene Annahmen wie die geplanten Verkaufe von Aktienpaketen
mitberiicksichtigt, aber auch die verfahrensgegenstandlichen Eingange von Globo und Dentsu. Bei Realisierung des ABS und
dem damit verbundenen und angenommenen Inflow von +320'000 wird von einer positiven Liquiditat auch im November und
Dezember ausgegangen.
                                                                                                                               62
VR Sitzung der ISMM AG vom 09.11.2000 (D 8/5/15)

Anwesende: - Christoph Malms, Jean-Marie Weber, Daniel Beauvois, Hans-Jiirg Schmid, Hans-Peter Weber

Themen: - Der Verwaltungsrat nahm von der in diesem Zeitpunkt desolaten finanziellen Situation der Gruppe Kenntnis und
                  beschloss u.a. unter Beriicksichtigung von Art. 725 OR, die Revisionsgesellschaft mit der Erstellung eines
                  schriftlichen Berichtes zu beauftragen.

                - Update Dawn (Ziffer 2 des Protokolls)

                   Der Verwaltungsrat wird daruber informiert, dass sich FIFA vom Projekt Dawn zuriickgezogen habe, was
                   ISMM in eine ausgesprochen schwierige Situation bringe.
                   Man stellt fest, dass eine Realisierung nicht wie geplant anfangs Dezember moglich sei und dass ISMM
                   ein Datum vor Weihnachten ins Auge fasse.

                   ORAD (Ziffer 4.3 des Protokolls)

                   Der Verwaltungsrat erklart sich einverstanden, dass versucht wird, das Aktienpaket der ISMM zum
                   Marktpreis auf einen Dritten zu iibertragen.


VR Sitzung der ISMM AG vom 16.11.2000 (D 8/5/16)

Anwesende: - Christoph Malms, Jean-Marie Weber, Daniel Beauvois, Hans-Jiirg Schmid, Hans-Peter Weber

 Themen: - Restructuring (Ziffer 2 des Protokolls)

                   Der Verwaltungsrat beschloss vor dem Hintergrund der finanziellen Situation der Gruppe, einen
                   Sanierungsausschuss unter Fuhrung eines externen Experten ins Leben zu rufen.
         -        Update Dawn (Ziffer 5 des Protokolls) Das Projekt wurde als im laufenden Jahr nicht mehr realisierbar
eingestuft.
         -      ORAD (Ziffer 8 des Protokolls)
Die Verkaufsbemuhungen hatten nicht gefruchtet.


VR Sitzung der ISMM AG vom 27.11.2000 (D 8/5/17)

Anwesende: - Christoph Malms, Jean-Marie Weber, Daniel Beauvois, Hans-Jiirg Schmid (in attendance), Hans-Peter Weber (in
                  attendance)

Themen:            KPMG Report (Ziffer 2 des Protokolls) Der Verwaltungsrat nimmt davon Kenntnis, dass ohne die

                   Realisierung von „sofortigen Massnahmen" Art. 725 OR zur Anwendung komme.

                   Cashflow Plan (Ziffer 3.2 des Protokolls)

                   der Verwaltungsrat nimmt zur Kenntnis, dass ohne die Realisierung von verschiedenen




                   Massnahmen (Verkauf von Beteiligungen usw.) in den nachsten 18 Monaten kein

                   positiver Cashflow erzielt werden kann.

                   ORAD und CPG (Ziffer 2.3 und 2.4 des Protokolls)

                   Die Bemiihungen zum Verkauf der Anteile sollen fortgesetzt werden.




Dokumente:         Cashflow Statement (D 8/4/17)


 In                                rooo                                  November                                  Dezember
 CHF                                                            2000                                                   2000


 Shortfall                                                     -35'592                                               -135'084
                                                                                                                          63
 (-)



Unter Beriicksichtigung des ABS prognostizierte man fur Dezember einen Shortfall von 61'821
und unter Miteinbezug von zusatzlichem Inflow eine Liquiditat von 90779.
      VR Sitzung der ISMM AG vom 14.12.2000 (D 8/5/18)

        Anwesende: - Christoph Malms, Jean-Marie Weber, Daniel Beauvois, Hans-Jiirg Schmid, Hans-Peter Weber

        Themen: - Der Verwaltungsrat diskutiert verschiedene von der Revisionsstelle erlauterte „Sofortige Massnahmen".
                          Es wird auch erwogen, ob Massnahmen unter Art. 725 OR zu ergreifen sind.

        Dokumente: - Cashflow Statement (D 8/4/29)



         In rooo Dezember
         CHF 2000


         Shortfall (-) before -69'570
         restructuring
         Shortfall (-) after restructuring 9'840




        VR Sitzung der ISMM AG vom 08.01.2001 (D 8/5/19)

                     Anwesende: - Christoph Malms (attending), Jean-Marie Weber (attending), Daniel

                                        Beauvois (attending), Hans-Jiirg Schmid, Hans-Peter Weber

                                        Themen: - Der Verwaltungsrat halt fest, dass die Situation trotz

                                        aller Bemuhungen ausgesprochen alarmierend sei (Ziffer 2.1 des

                                        Protokolls).

              -   ORAD und CPG (Ziffer 2.3 und 2.4 des Protokolls)

                  Die Bemuhungen sollen fortgesetzt werden.

                  Dokumente: - Cashflow Statement (D 8/4/32)

                  VR Sitzung der ISMM AG vom 06.02.2001

                  (D 8/5/20)


        VR Sitzung der ISMM AG vom 15.03.2001 (D 8/5/21)
        VR Sitzung der ISMM AG vom 20.03.2001 (D 8/5/22)



        VR Sitzung der ISMM AG vom 17.03.2001 (D 8/5/23)

        Anwesende: - Christoph Malms

        Themen: - Es wird die Anzeige der Oberschuldung an den Richter beschlossen.




2.7.4    Wie Daniel Beauvois sinngemass festhielt, seien Liouiditatsplane im Verlaufe des
                                                                                                      64
Jahres 2000 wahrscheinlich monatlich, gegen Ende des Jahres wochentlich, wenn
nicht sogar taglich abgefasst worden (3/31, Ziffer 44). Die so genannten weekly cash
forcasts (D 7/D/1/27ff) der ISMM Gruppe konnten nur teilweise erhoben werden.

Der Gutachter hielt fest, dass er sich bei der Beurteilung der Liquiditat der Gruppe auf
die Weekly Cash Forecasts stiitzen wurde, wo die gruppenweite Liquiditat dargestellt
sei (D 7/D/1/S. 13). Im Rahmen eines erganzenden Auftrags wurde ihm deshalb die
Frage gestellt, auf welchen Faktoren der Weekly Cash Forecast aufbaue (D 7/C/40). Er
gab an, dass folgende Elemente beriicksichtigt worden seien (D 7/C/44):

             Fliissige Mittel und Beanspruchungen der Banklimite seien im Zeitpunkt der Erstellung des
             Weekly Cash Forecast der Limite von CHF 277 Mio. gegeniibergestellt worden. Als Ergebnis
             dieser Berechnung habe ein positiver Betrag „still avalaible" (noch verfiigbar) oder ein
             negativer Betrag im Sinne eines „overutilisation" (Uberbeanspruchung) der Banklimite
             resultiert.

             In der Folge seien die Geldausgange und Geldeingange pro Woche fiir die kommenden
             neun Wochen im Detail geplant worden. Dabei seien die Positionen einzein aufgefiihrt
             worden, d.h. dass fiir jeden Betrag ein Kunde und/oder Geschaftspartner erwahnt worden
             sei. Es handle sich offenbar um Zahlungsein- und ausgange, welche aktuell aufgrund von
             Vertragen oder anderen Informationen tatsachlich erwartet worden seien. Wie schon im
             Gutachten mehrfach erwahnt, seien diese Berechnungen fiir die ganze Gruppe und nicht fiir
             einzelnen Gruppengesellschaften vorgenommen worden.

         Des Weiteren wurde dem Gutachter die Frage gestellt, ob in den Weekly Cash
         Forecasts aus betriebsokonomischer Sicht samtliche gangigen Faktoren
         beriicksichtigt worden seien, auf Grund welcher die Liquiditat einer
         Untemehmung zuverlassig bestimmt werden konne.

             Der Gutachter bejahte die Frage und gab folgendes an: Anders und eher besser als oftmals
             in der Praxis bei anderen Gesellschaften habe sich ausgewirkt, dass aufgrund der nicht allzu
             hohen Zahl der Transaktionen bei der ISMM Gruppe sogar jede einzelne wesentliche
             Zahlung geplant worden sei und nicht von pauschalen Schatzungen beziiglich Kunden- und
             Kreditorenzahlungen habe ausgegangen werden mussen. Sofern eine vollstandige und
             richtige Datenerhebung stattgefunden habe, erachte er das Instrument als sehr geeignet,
             Liquiditatsengpasse fiir die nachsten Wochen zu bestimmen

         Den Beschuldigten wurden die folgenden weekly cash forcasts der ISMM Gruppe
         vorgelegt:

- 30. Juni 2000 (D7/D/1/10)
- 15. September 2000 (D 7/D/1/27)
- 22. September 2000 (D 7/D/1/28)
- 29. September 2000 (D 7/D/1/13)
- 6. Oktober 2000 (D 7/D/1/34)

         Diese Dokumente wurden gemass Verteiler an samtliche Beschuldigten
         zugestellt, was von Hans-Jurg Schmid (D 3/48, Ziffer 246), Daniel Beauvois (D
         3/49, Ziffer 144), Heinz Schurtenberger (D 3/59, Ziffer 183) und Hans-Peter
         Weber (D 3/61, Ziffer 183) bestatigt wurde. Lediglich Christoph Malms machte
         eine Einschrankung, wonach er von diesen forcasts einen Teil in Kopie erhalten
         habe (D 3/62, Ziffer 198).

         Die Beschuldigten waren in der Lage, die Darstellungen zu lesen bzw. richtig zu
         interpretieren (D 3/48, Ziffer 244 ff., D 3/49, Ziffer 142 ff., D 3/59, Ziffer 175 ff., D
         3/61, Ziffer 181 ff., D 3/62, Ziffer 196 ff). Einzelne Aussagen der Beschuldigten
         sind im Ubrigen in der Uberweisungsverfugung wiedergegeben, und
         diesbezuglich wird auf S. 91 f. der genannten Verfugung verwiesen.

 2.7.5   Dem Gutachter wurden verschiedene Zwischen- und Jahresabschlusse mit dem
         Auftrag vorgelegt, allein auf der Grundlage dieser Unterlagen die Fragen zu
                                                                                                 65
                beantworten, ob die Gruppe oder die einzelnen Gesellschaften an den
                jeweiligen Daten liquid oder illiquid und iiberschuldet war bzw. waren. Dabei wird
                quasi simuliert, welche Schlusse aus diesen Dokumenten ohne Bekanntsein
                weiterer Fakten hatten gezogen werden konnen (D 7/D/1, Ziffer 7.1, Seite 35).
                Der Gutachter stellt sich auf den Standpunkt, dass eine Beurteilung der Liquiditat
                aufgrund einzelner Abschliisse unzweckmassig sei und nicht zu den
                gewiinschten Aussagen fuhre. Gewisse notwendige Informationen seien einer
                Bilanz und Erfolgsrechnung ohne Zusatzinformationen nicht zu entnehmen. Er
                halt jedoch fest, dass aus der Bilanz gewisse Liquiditatskennzahlen entnommen
                werden konnten, wie beispielsweise die current ratio, mit welcher kurzfristige
                Aktiven den kurzfristigen Passiven gegenubergestellt wurden. Diese Kennzahl
                sage in der Regel einiges iiber die Liquiditatssituation der Gesellschaft aus. Eine
                Beurteilung im Sinne seiner Definition sei jedoch nicht moglich. Mit Bezug auf die
                Uberschuldung weist er insbesondere darauf hin, dass die Zwischenabschliisse
                nach IAS und lediglich jene Abschlusse per 31. Dezember nach OR erstellt
                worden seien. Ohne zusatzliche Unterlagen seien die IAS Abschliisse
                hinsichtlich des Bestehens einer Uberschuldung (gemeint ist eine solche nach
                OR Rechnungslegung) nur beschrankt aussagekraftig (D 7/D/1, Ziffer 7.1, Seite
                36).

      Wie der Untersuchungsrichter zu Recht festhalt, kann diesen Ausfiihrungen dann beige-
      pflichtet werden, wenn eine vertiefte Analyse des Unternehmens zur Diskussion steht.
      Hingegen ist grundsatzlich vom Wortlaut von Art. 959 OR (im Zusammenhang mit dem
      Jahresabschluss) auszugehen, wonach Betriebsrechnung und Jahresbilanz nach allge-
      mein anerkannten kaufmannischen Grundsatzen vollstandig, klar und ubersichtlich
      aufzustellen sind, damit die Beteiligten einen moglichst sicheren Einblick in die
      wirtschaftliche Lage des Geschaftes erhalten, ohne zuerst zeitraubende Abklarungen
                                                                           26
      vornehmen oder umstandliche Eriauterungen verlangen zu mussen ; dies trotz des
      Vorbehalts betreffend die Differenzen zwischen dem IAS und FER Abschluss. Der
      Gesetzestext allein erhellt, dass Bilanz und Erfolgsrechnung, handle es sich um
      Zwischen- oder Jahresabschlusse, eine Informationsfunktion haben. Diese Feststellung
      mit Bezug auf den Informationsgehalt eines Abschlusses deckt sich mit den Aussagen
      des Gutachters, wonach gewisse Kennzahlen in der Regel einiges uber die Liquiditats-
      situation der Gesellschaft aussagen wiirden und eine Uberschuldung in einem IAS
      Abschluss mit Sicherheit als Warnzeichen gelten miisse. Gewisse Eckdaten sind daher
      aus den Abschliissen trotz der diesbezuglichen Vorbehalte des Gutachters von Bedeu-
      tung, da sie Schliisse auf jenes Wissen zulassen, das die Beschuldigten hatten oder
      hatten haben mussen.

2.7.5.1 ..Report of the Group Auditors to the Board of Directors, Interim Consolidated
       Financial Statements for the Period ended June 30, 2000" betreffend die ISMM
       Gruppe (IAS Abschluss) vom 26. Oktober 2000 (D 8/4/15, D 7/D/1/23)

      Der Gutachter halt fest, dass aus dem Dokument weder eine llliquiditat ersichtlich sei,
      noch konne aufgrund des Abschlusses allein gefolgert werden, dass die Gruppe illiquid
      gewesen sei. Eine Uberschuldung sei ebenfalls nicht ersichtlich (positives Eigenkapital
      von CHF 3.9 Mio.). Allerdings sei ersichtlich, dass das Eigenkapital im Verhaltnis zur
      Geschaftstatigkeit der Gruppe sehr bescheiden geworden sei und dass begriindete Be-
      sorgnis im Hinblick auf eine allenfalls bereits bestehende oder sich in naher Zukunft ab-
      zeichnende Uberschuldung angebracht gewesen sei (D 7/D/1, Ziffer 7.2.1, Seite 36-38).
      Nach Vorliegen des Gutachtens wurden dem Experten im Zusammenhang mit dem
      Abschluss per 30. Juni 2000 verschiedene Zusatzfragen gestellt (D 7/C/40, Ziffer 12 ff.):

      Frage: Ist es richtig, dass der Minderheitenanteil von CHF 10'581'498.-- (S. 2 der Bilanz) aus
      Verlustanteilen entstanden (S. 3 und 4 der Bilanz) ist (Beilage 23 des Gutachtens)?

      Antwort: Dies sei zutreffend (D 7/C/44, S. 4)
                                                                                                                             66
         Fraoe: Warum ist der Minderheitenanteil in Klammer gesetzt?

         Antwort: Weil es sich um einen Minusbetrag bzw. ein ..negatives Passivum" handle.




   Ernst Bossard, Kommentar zum Zivilgesetzbuch, Die kaufmannische Buchfiihrung (Art. 957-
   964), Zurich 1984, N 27 zu Art. 959
Frage: Ist es richtig, dass es sich beim Minderheitenanteil um einen Non-Valeur handelt [Notes zur Bilanz per 30.9.2000, S. 6
(Beilage 17 des Gutachtens)].

Antwort: vgl. einleitende Bemerkungen des Gutachters. Aufgrund der Bemerkung im Zwischenabschluss per 30. September
2000 konne jedoch andrerseits mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf geschiossen werden, dass auch die auf die Minderheiten
entfallenden aufgelaufenen Verluste per 30. Juni 2000 mit dem Konzerneigenkapital hatten verrechnet werden mussen.

Fraoe: Davon ausgehend, dass es sich beim aktiven Minderheitenanteil um einen Non-Valeur handelt: Ist es richtig, dass das
negative Eigenkapital der ISMM-Gruppe am 30. Juni 2000 CHF 6'651'534.-- (CHF 3'929'964.- ./. 10'581'498.-) betrug?

Antwort: Der Gutachter bejahte die Frage.

Frage: Die von der Revisionsstelle KPMG reviewte konsolidierte Zwischenbilanz der ISMM AG vom 30. Juni 2000 zeigt Aktiven
                ,
von CHF 5'995 692'907.~ und Schulden von CHF 6'002'344'441.--. Ist die Feststellung richtig, dass somit bilanziell eine
Uberschuldung besteht?

Antwort: Es hatte sich ein negatives Eigenkapital ergeben. Wie im Gutachten mehrfach festgestellt, konne eine konsolidierte
Bilanz nach IAS zwar Hinweise auf die begriindete Besorgnis einer Uberschuldung geben. Zur unzweifelhaften Feststellung
einer Uberschuldung sei demgegeniiber ein Einzelabschluss nach obligationenrechtlichen Vorschriften erforderlich. Sei man
jedoch entgegen der Auffassung des Gutachters der Ansicht, dass aufgrund der Konzernbilanz nach IAS ein negatives
Eigenkapital mit einer Uberschuldung gleichzusetzen sei, dann habe eine Uberschuldung bestanden. Im Gutachten sei erwahnt,
dass aufgrund des Abschlusses „begriindete Besorgnis im Hinblick auf eine allenfalls bereits bestehende oder sich in naher
Zukunft abzeichnende Uberschuldung angebracht" gewesen sei. Ware zusatzlich der aktive Minderheitenanteil als non-valeur
qualifiziert und mit dem Eigenkapital verrechnet worden, so hatte sich diese Beurteilung noch akzentuiert.

Fraoe: Ist es richtig, dass diese beiden Positionen zahlenmassig ausgeglichen werden durch das Eigenkapital von CHF
3'929'964.-- und den aktiven Minderheitenanteil von CHF 10'581'498.--?

Antwort: Der Gutachter bejahte die Frage.

Fraoe: Sie halten auf Seite 36 des Gutachtens fest, dass aus der Unterlage allein eine llliquiditat weder ersichtlich sei, noch
konne gefolgert werden, dass die Gruppe illiquid sei. Davon ausgehend, dass die kurzfristigen Schulden CHF 4'080'131'285.--
(alle Positionen von Bank overdraft bis und mit accrued expenses, ohne deferred service revenue; deferred tax liabilities
vernachlassigt) und die kurzfristigen Aktiven CHF 1'864'040'740.-- (alle Positionen von Cash bis und mit Property) betragen.
Indiziert die Gegeniiberstellung dieser Zahlen ein Liquiditatsproblem?

Antwort: Im Falle der ISMM Gruppe sei aufgrund der Verbuchungsweise beim Abschluss von langjahrigen Vertragen eine
Beurteilung der Liquiditat aufgrund der in der Fragestellung erfolgten Gegeniiberstellung nicht schliissig. Die Rechte seien beim
Vertragsabschluss mit Anbietern wie FIFA Oder ATP mit dem vollen Betrag aktiviert und die ganzen kunftigen Zahlungen seien
als Kreditoren passiviert worden. Die „Trade Accounts Payables" wurden beispielsweise deshalb auch Betrage enthalten,
welche erst in mehreren Jahren fallig wurden. Da diese Bilanzpositionen nicht wie bei vielen Gesellschaften iiblich, nur
kurzfristige Schulden beinhalten wurden, sei bei der Bilanzdarstellung richtigerweise auch nicht zwischen kurzfristigen und
langfristigen Schulden unterschieden worden. Die Addition und Gegeniiberstellung der in der Frage erwahnten Positionen moge
fiir den mit den Verhaltnissen der ISMM Gruppe nicht vertrauten Betrachter wohl Liquiditatsprobleme suggerieren, bei naherer
Betrachtung halte eine solche Beurteilung jedoch nicht stand. Im Weiteren sei nochmals darauf hinzuweisen, dass die
Beurteilung der Liquiditat nicht ohne Einbezug unbenutzter Kredite vorgenommen werden konne.

Zusammengefasst kann somit festgehalten werden, dass der Abschluss Aktiven von CHF
5'995'693'000.~ und Schulden von CHF 6'002'344'000.-, somit eine papiermassige
Uberschuldung zeigt. Zahlenmassig ausgeglichen werden diese beiden Positionen durch das
Eigenkapital von CHF 3'930'000.-- (= 0,06 % der Aktiven) und den aktiven Minderheitenanteil
von CHF 10'581'000.- (aus Verlustanteilen entstanden [vgl. S. 3 und 4 der Bilanz]. Bei
Letzterem handelt es sich um einen Non-Valeur [vgl. Notes zur Bilanz per 30.9.2000, D
7/D/1/17, S. 6]). Da der aktive Minderheitenanteil ein Non-Valeur ist, betrug das negative
Eigenkapital der ISMM-Gruppe am 30. Juni 2000 CHF 6'651'000.
                                                                                                                            67
(CHF 3'930'000.- ./. 10'581'000.--), entsprechend dem Uberhang der Schulden iiber die
Aktiven. Die kurzfristigen Schulden betragen CHF 4'080'131'000.--, die kurzfristigen Aktiven
CHF 1'864'041'000.--. Auch wenn sich aus den Zahlen allein kein definitiver Schluss fur die
Beurteilung der Liquiditat ziehen lasst, so miissen sie vom Bilanzkundigen mindestens als
Alarmzeichen gedeutet werden.

Der nach IAS konsolidierte Abschluss des Konzerns per Ende Juni 2000 (D 8/4/14) wurde am 3.
November 2000 den Beschuldigten (ausser Heinz Schurtenberger) von Hans-Peter Weber
zugestellt (D 8/4/14). Ihnen wurde folgende Frage gestellt: Vorlage des konsolidierten
Zwischenabschlusses der ISMM Gruppe per 30. Juni 2000 (7/D/1/23): Wie hoch ist das
Eigenkapital? Sie machten dazu folgende Angaben:

      Hans-Jiiro Schmid: Gemass dieser Bilanz sei das konsolidierte Eigenkapital rund CHF 4 Mio. (das sei unter IAS) (D
      3/48, Ziffer 254).

      Christoph Malms: Hier sei das Eigenkapital CHF 3,9 Mio. (D 3/62, Ziffer 205).

      Heinz Schurtenberger: Der mir vorgelegte Zwischenabschluss sei nach seinem Ausscheiden von ISMM erstellt
      worden. Er entnehme diesem Abschluss ein konsolidiertes Eigenkapital von CHF 3.9 Mio. zum 30.06.2000 (D 3/59,
      Ziffer 195).

      Daniel Beauvois: Fast CHF 4 Mio. (ein klein bisschen weniger) (D 3/49, Ziffer 150).

      Hans-Peter Weber: Rund CHF 4 Mio. (D 3/61, Ziffer 191).

Es wurde folgende Anschlussfrage gestellt: Unter den Passiven stehen Minderheitsanteile von
CHF 10'581'000.-. Was verstehen Sie unter Minderheitsanteilen? Die Frage wurde
folgendermassen beantwortet:

      Hans-Jiirg Schmid: Das sei - einfach gesagt - die Beteiligung hauptsachlich der Dentsu Gruppe an der ISMM Gruppe.
      Zur Erinnerung: Die Dentsu sei nicht an der ISMM AG beteiligt, sondern an der ISL Worldwide (D 3/48, Ziffer 255).

      Christoph Malms: Er vermute, dass das die Beteiligung von Dentsu an Teilen der Untergesellschaften sei (D 3/62,
      Ziffer 206).

      Heinz Schurtenberger: Er sei kein Finanzfachmann. Er vermute, dass es sich dabei um den Abzug von
      Minoritatsaktionaren innerhalb der Gruppengesellschaften handle. Er nehme weiter an, dass es sich vorwiegend um
      Dentsu handle (D 3/59, Ziffer 196).

      Daniel Beauvois: Unter Minderheitsanteilen verstehe er Anteile, die die Gruppe in Firmen habe, wo man nicht die
      Mehrheit besitze (D 3/49, Ziffer 151).

      Hans-Peter Weber: Die Elimination der Dentsu-Beteiligung (D 3/61, Ziffer 192).

Es wurde folgende Anschlussfrage gestellt: Warum sind die Minderheitsanteile in Klammern
gesetzt? Die Frage wurde folgendermassen beantwortet:

      Hans-Jiiro Schmid: Das sei eine buchungstechnische Frage. Man ziehe die Minderheitsbeteiligung von den Schulden
      ab (das sehe man nur in der Konsolidierung so). Aber er sei jetzt gerade iiberfragt von der Darstellung her (D 3/48,
      Ziffer 256).

      Christoph Malms: Das ist eine buchhalterische Frage fiir den Group-Revisor. Nach seinem Verstandnis mussten eben
      Minderheitsbeteiligungen an Untergesellschaften, die Aktionaren ausserhalb der Gruppe zustunden, bei einer
      Eigenkapitalkonsolidierung fiir die Gruppe abgezogen werden, um zur Eigenkapitalposition der Gruppe zu gelangen (D
      3/62, Ziffer 207).

      Heinz Schurtenberger: Die total liabilities gemass dieser Bilanz ... Er sei zu wenig sattelfest in Bilanzkunde. Vielleicht
      handle es sich um den Anteil von Drittaktionaren am Periodenverlust (D 3/59, Ziffer 197).
                         Daniel Beauvois: Weil sie nicht konsolidiert wurden, wahrscheinlich. Das sei aber nur seine
                         Vermutung, er wisse es nicht (D 3/49, Ziffer 152).

                          Hans-Peter Weber: Weil es ein Minus-Betrag sei. Also, er nehme das an (es sei von der KPMG
                          erstellt worden, und er konne nicht fiir diese sprechen) (D 3/61, Ziffer 193).
                                                                                                                         68
         Es wurde folgende Anschlussfrage gestellt: Unter 5. Notes to the unaudited
         draft consolidated financial statements at 31 December 2000 ist Folgendes
         nachzulesen (D 7/D/1/24): "There is no obligation for the minority shareholders to
         fund the deficit in their respective interests and therefore this debit position
         should be considered as an increase in the retained earnings deficit". Was heisst
         dies konkret mit Bezug auf das Eigenkapital der Gruppe per 30. Juni 2000? Die
         Frage wurde folgendermassen beantwortet:

                   Hans-Jiiro Schmid: Was es hier bedeute Ende Jahr wurden sie wissen: Es vergrossere den
                   Verlustvortrag. Der Grund dafiir liege darin, dass die Minderheitsaktionare diesen Verlust nicht
                   einschiessen mussten. Zuruck zur Frage: Es miisse auf den ersten Blick so interpretiert werden
                   (wenn es auf der gleichen Basis dargestellt werde), dass das Eigenkapital der Mehrheitsaktionare
                   unter IAS vermindert werde (D 3/48, Ziffer 257).

•j^^,              Christoph Malms: Ja, er wiirde es im Allgemeinen schon verstehen, dass der Minderheitsgesellschafter keine
                   Verpflichtung habe, einen allfalligen Verlust anteilsmassig zu begleichen (D 3/62, Ziffer 208).


                   Heinz Schurtenberger: Er sei sich zu wenig sicher, um diese technische Frage zu beantworten (D
                   3/59, Ziffer 198).

                   Daniel Beauvois: Das wisse er nicht. Er verstehe den ersten Teil des obgenannten Textes, beim
                   zweiten Absatz sei ihm aber nicht klar, was das bedeutete. Mit Bezug auf das Eigenkapital: Da sei
                   er verloren (D 3/49, Ziffer 153).

                   Hans-Peter Weber: Dazu konne er nichts sagen, weil diese ganzen Abschliisse (per 30. Juni wie
                   auch per 31. Dezember) durch die KPMG erstellt worden seien im Zusammenhang mit der
                   Umstellung der Rechnungslegung auf IAS. Und er sei zu wenig ausgebildet, um da kompetent
                   Auskunft zu geben (D 3/61, Ziffer 194).

         Den Beschuldigten wurde zudem folgende Frage gestellt: Was halten Sie vom
         Verhaltnis Eigenkapital zu den aus der Geschaftstatigkeit der ISMM Gruppe
         entstandenen Verpflichtungen? Die Frage wurde folgendermassen beantwortet:

                   Hans-Jiiro Schmid: Es sei bekannt, dass in dieser Art von Business bei dieser Brutto-Darstellung
                   von den Rechten und den geplanten Ertragen die Eigenkapitalbasis extrem tief aussiehe. Die
                   Erfahrung aus friiheren Jahren habe indessen gezeigt, dass die hauptsachlichsten Rechte - sprich:
                   Worldcup-Rechte (TV und Marketing) - mit grossem Gewinn subiizenziert werden konnten, was
                   u.a. auch Ausdruck darin finde, dass der Jahresabschluss 1999 ohne Vorbehalte der
                   Revisionsstelle abgenommen worden sei (D 3/48, Ziffer 259).

                   Christoph Malms: Das Verhaltnis zwischen Eigenkapital vor dem geplanten Borsengang und dem
                   zu diesem Zeitpunkt bereits abgewickelten Geschaftsvolumen sei sicherlich mit einer relativ
                   geringen Eigenkapitaldecke zu beschreiben. Dies miisse aber historisch in die richtige Perspektive
                   gesetzt werden. Bis und mit 1998 sei die ISL Gruppe primar im so genannten Marketingteil des
                   Geschaftsfeldes tatig gewesen, bei dem vom Geschaftsvolumen her und der Art der Vertrage
                   keine so hohen Aktiva in der Bilanz buchhalterisch anfallen und sich folglich die Eigenkapitalquote
                   in einem brancheniiblichen Rahmen bewegen wurden. Durch den Gewinn der Fernsehrechte sei
                   das Geschaftsvolumen - wie schon berichtet - markant ausgebaut worden, und durch den
                   geplanten Borsengang hatte auch die Finanzierungsstruktur dem Volumen nicht nur angepasst
                   werden sollen, sondern die Eigenkapitalquote sogar vergleichsweise hoch ausgestaltet werden.
                   Die hierzu notwendige Kapitalerhohung habe er bereits zuvor angesprochen (D 3/62, Ziffer 209).

                    Heinz Schurtenberger: Wenn die ISMM Gruppe ein borsenkotiert.es Unternehmen mit einem
                   derail tiefen konsolidierten Eigenkapital gewesen ware, dann ware eine derail schwache
                   Eigenkapitaldecke sehr alarmierend. Als privat gehaltenes Familienunternehmen wisse er es nicht
                   und wisse es auch heute nicht, ob dies zu jener Zeit gewollt gewesen sei und ob die Aktionare
                   gegebenenfalls in der Lage gewesen waren, frische Mittel in der Form von Darlehen oder
                   Eigenkapital einzubringen (D 3/59, Ziffer 199).

        Daniel Beauvois: Die Firma sei unterkapitalisiert gewesen. Das sei eine der Schlussfolgerungen, die er aus
        diesem Debakel gezogen habe (D 3/49, Ziffer 154).

        Hans-Peter Weber: Ich glaube, seit ich in dieser Gruppe arbeitete, war immer die Kapitalisierung
        der Gruppe ein Thema. Und das widerspiegelt sich hier. Das Eigenkapital ist fiir eine solche Firma
        zuklein(D 3/61, Ziffer 195).
                                                                                                                      69
      Darauf wurde folgende Frage gestellt: Marketing-, Medien- und Lizenzrechte standen
      mit ca. CHF 4 Milliarden zu Buch. Wie wurden diese finanziert? Die Frage wurde folgen
      dermassen beantwortet:

             Hans-Jiiro Schmid: Es sei eine relativ einfache Rechnung: Die Mindestlizenzzahlung, welche zum Beispiel die
             FIFA fiir Rechte, die sie von ihr erworben hatten, vertraglich, seien von ihnen (ISMM AG oder ISL Worldwide)
             bei Vertragsabschluss aktiviert und gleichzeitig passiviert worden. Dadurch sei die Bilanzsumme extrem
             aufgeblaht worden (D 3/48, Ziffer 260).

             Christoph Malms: Das Geschaftsmodell zur Vermarktung der Marketing-, Media- und Licencing-Rechte,
             welches die ISMM Gruppe angewandt habe, welches aber auch iiblich sei in der Branche, habe darin
             bestanden, die zu leistenden Betrage aus dem Kauf der Rechte volumenmassig und zeitlich so zu staffeln,
             dass sie mit den zu erwartenden Einnahmen aus der Vermarktung der gleichen Rechte weitestmoglich
             kongruent verlaufen wurden. So sei zu erklaren, dass auch bei grossen Gesamtbetragen im Normalfall keine
             grossen Zwischenfinanzierungen notwendig gewesen seien (D 3/62, Ziffer 210).

             Heinz Schurtenberger: Grundsatzlich einmal stelle sich die Frage, ob diese Rechte und die dazugehorende
             Verpflichtung, namlich die Garantiezahlungen an die jeweiligen Rechteinhaber, iiberhaupt in die Bilanz
             gehoren wurden. Wiirde man diese Rechte unterhalb der Bilanz auffuhren und diese somit nicht um diese
             grossen Betrage aufgeblaht sein, wurde sich die Bilanz der ISMM AG schon in einem anderen Rahmen
             prasentieren. Finanziert seien diese Marketing-, Media- und Lizenzrechte mit den vertraglichen
             Minimumzahlungen an die Rechteinhaber worden gemass Passivseite der Bilanz (D 3/59, Ziffer 200).

             Daniel Beauvois: So, dass die Firma die Rechte erworben, aber keine Vorauszahlung in dieser
             Grossenordnung gemacht habe. Sie hatten mit den Rechteinhabern "Zahlungskalender" vereinbart, und ihre
             Aufgabe sei es gewesen, die Rechte zu sublizenzieren, und zwar auch mit "Zahlungskalender", welche eine
             Zahlung mit Rights-in-Agreements ermoglicht habe. Er habe das fiir sich immer so verglichen, als ob er ein
             Gebaude mieten wiirde und er am 10. eines Monats dem Vermieter die Miete hatte zahlen mussen. Er hatte
             dann alle Wohnungen in diesem Gebaude untervermieten mussen, die Untervermieter hatten ihm ihre Mieten
             z.B. am 5. eines Monats bezahlen mussen; und zwar insgesamt betragsmassig hoher als derjenige Betrag,
             den er dem Vermieter zu bezahlen gehabt hatte. Wenn man dann die monatlichen Mieten iiber 5 Jahre sehen
             und als Gesamtbetrag in die Bilanz nehmen wiirde, mache das eine sehr hohe Summe aus (D 3/49, Ziffer
             155.)

             Hans-Peter Weber: Er konne sich nur vorstellen, dass diese noch nicht bezahlt, sondern aktiviert und als
             Schuld ausgewiesen worden seien. Wobei dies eine Frage nach Rechnungslegung IAS sei, und da habe er
             keine Ahnung (D 3/61, Ziffer 196).



      Die Aussagen der Beschuldigten zur Frage, was ihrer Meinung nach zusammengefasst
      die Grunde fiir den Kollaps der Gruppe seien, sind auf S. 98 f. der Uberweisungs-
      verfugung festgehalten, und an dieser Stelle wird hierauf verwiesen.


2.7.5.2 Betreffend die weiteren Abschliisse, namlich

             Unaudited Interim Consolidated Financial Statements, For nine months ended 30
             September 2000 betreffend die ISMM Gruppe (IAS Abschluss) (D 7/D/1/17)
             Unaudited Interim Consolidated Financial Statements, For the year ended 31
             December 2000 betreffend die ISMM Gruppe (IAS Abschluss) (D 7/D/1/24)

             ISMM AG Zug Annual Report 2000 (D 7/D/1/7)

             ISL Worldwide AG Zug Annual Report 2000 (D 7/D/1/6)

      kann auf die Angaben des Gutachters (D 7/D/1/, S. 38 bis 45) mit den vorstehend
      gemachten Einschrankungen verwiesen werden.




3.     Vertraqsverhaltnisse
                                                                                                             70
         Die Ausgestaltung der Vertragsverhaltnisse und ihre zivilrechtliche Qualifizierung ist
         insbesondere beim Veruntreuungstatbestand, aber auch jenem des Betruges von mit
         entscheidender Bedeutung. Vorweg interessieren dabei die zwischen der FIFA und der
         Sporis Holding AG/ISMM AG abgeschlossenen Vertrage, namentlich

              das ..License agreement" vom 26. Mai 1998 zwischen der FIFA und der Sporis Holding
              AG (HD 2/49),

              die Amendments to the License agreement" vom 13. Marz 2000 zwischen der FIFA
              und der Sporis Holding AG (HD 2/50) und

              die Amendments to the License agreement vom 21. Juli 2000 zwischen der FIFA und
              der ISMM AG(HD 2/51),

         aber auch gewisse Inhalte der zwischen der ISMM AG, sowie ihrer Tochtern mit
         Drittgesellschaften geschlossenen Vereinbarungen.

3.1      Zivilrechtliche Qualifikation des Vertraosverhaltnisses zwischen der FIFA und der Sporis
         Holding AG bzw. ISMM AG

         Nachfolgend werden die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft zutreffenden Ausfuh-
         rungen des Untersuchungsrichters wiedergegeben.

3.1.1.    Allgemeines

         Sportvermarktung im engeren Sinne bedeutet die konkrete Nutzung oder Verwertung des
         Sports als Recht. Die Leistung besteht in der Bereitstellung eines Produktes, namlich einer
         Sportleistung durch den Sportier oder einer Sportveranstaltung durch den
                                                                        7
         Sportveranstalter. Beides wird vom Vertragspartner verwertef . Auf die Unterschiede zum
         Sponsoringvertrag (Marketing) muss nicht eingegangen werden, geht es doch im Kontext
         um      Fernsehverwertungsrechte      von 28 Sportgrossveranstaltungen         bzw.     der
         Fussballweltmeisterschaften 2002 und 2006 .

         Fernsehverwertungsrechte werden in der Regel nicht direkt vom Veranstalter an den
         Fernsehsender verauGert, vielmehr wird eine Rechte-Agentur eingeschaltet, die auch eine
         entsprechende Beratung bietet und die Rechte nach kommerziellen Gesichtspunkten
         diversifiziert und landerweise vermarktet. Die Agenturen sind entweder unabhangig oder
         mit Sendern aus 29 der eigenen „Familie" verbunden, in deren Auftrag oder Interesse sie die
         Rechte erwerben . Beim Fernseh

27
     Jochen Fritzweiler, Bernhard Pfister, Thomas Summerer, Praxishandbuch Sportrecht, Miinchen 1998,
     262
28

      vgl. immerhin Fritzweiler, Pfister, Summerer, a.a.O., 262
29

      Fritzweiler, Pfister, Summerer, a.a.O., 305
         verwertungsvertrag fehlt eine gesetzliche Regelung. Nicht abschliessend konnen die folgenden Elemente
         als wesentliche Vertragsfaktoren bezeichnet werden: Die Aufzeichnung des Signals am Aufzeichnungsort
         erfolgt aufgrund einer Gestattung des Veranstalters bzw. Stadioninhabers; die Ausstrahlungsbefugnis ist
         lizenzahnlich. Vertragspartner ist auf der einen Seite der Veranstalter oder Ausrichter der
         Sportveranstaltung, haufig Lizenzgeber genannt, und ein Femsehunternehmen oder eine Rechteagentur
         auf der anderen Seite, haufig Lizenznehmer genannt. Ist eine Rechteagentur zwischengeschaltet, ist der
         nachfolgende Vertrag zwischen ihr und dem Fernsehunternehmen entweder deckungsgleich mit ihrem
         Vertrag mit dem Veranstalter oder aufgesplittet, wenn sie die Rechte an mehrere Femsehunternehmen
         veraussert. Vertragsgegenstand ist ein bestimmtes Sportereignis oder eine Reihe von Tumieren, bei denen
         der Lizenzgeber dem Lizenznehmer gestattet, ein Aufnahmeteam im Stadion zu akkreditieren und ein
         Fernsehsignal auf Bild- oder Tontrager aufzuzeichnen oder aufzeichnen zu lassen, verbunden mit dem
         Ausstrahlungsrecht in einem bestimmten Ausstrahlungsgebiet. Festzulegen ist ferner der Umfang des
         Ausstrahlungsrechts, also via Antenne (terrestrisch), Satellit, Kabel, Pay TV, Pay per View. Die
         Hauptleistungspflicht des Lizenzgebers besteht darin, dem Lizenznehmer ungehinderten Zutritt zum
                                                                                                                      71
         Veranstaltungsort und eine storungsfreie Aufnahmemoglichkeit zu verschaffen sowie das
         Ausstrahlungsrecht zu gewahrleisten. Die Hauptleistungspflicht des Lizenznehmers ist die Bezahlung der
                                                                                      30

         vereinbarten Vergutung, die meistens auf mehrere Falligkeiten verteilt wird .

3.1.2 Das konkrete Vertraasverhaltnis

         Der zwischen der FIFA und der Sporis Holding AG (ISMM AG) am 26. Mai 1998 abgeschlossene Vertrag
         tragt die Bezeichnung ..License Agreement". Die Sporis Holding AG wird als Lizenznehmerin
         (..Licensee") bezeichnet (HD 2/49). Ihr wird durch die FIFA als Inhaberin/Eigentumerin der Rechte an den
         Fussballweltmeisterschaften das Exklusivrecht fur die Nutzung/Verwertung (Ziffer 1.1.1 des Vertrages vom
         26. Mai 1998: ,,'lhe exclusive right to the exploitation of the Radio and Television Broadcast rights") der
         Radio - und Fernseh-Ubertragungsrechte der Weltmeisterschaften 2002 und 2006 sowie die Befugnis zur
         Unterlizenzvergabe eingeraumt (Ziffer 1.6 des Vertrages vom 26. Mai 1998). Die Lizenznehmerin ihrerseits
         verpflichtete sich zur Erbringung einer geldwerten Leistung an die FIFA (Ziffer 5 des Vertrages vom 26. Mai
         1998). Geht man definitionsgemass davon aus, dass sich beim Lizenzvertrag der Lizenzgeber verpflichtet,
         als Inhaber und ausschliesslicher Nutzungsberechtigter eines immateriellen Gutes, dem Lizenznehmer
         (meistens gegen Entgelt) ein Beniitzungsrecht an diesem immateriellen Gut einzuraumen , so kann davon
         ausgegangen werden, dass die Parteien einen Fernsehverwertungsvertrag und damit Lizenzvertrag
         gemass vorstehender Definition abgeschlossen haben.

         Wie dargestellt, hat der Fernsehverwertungs- und somit Lizenzvertrag zwar Ahnlichkeit mit verschiedenen
         im schweizerischen Obligationenrecht geregelten Vertragstypen (Kauf, Miete, Pacht), doch gilt er allgemein
                                   33

         als Innominatskontrakt bzw. als Vertrag sui generis . Dieser untersteht den dispositiven Sach- und
                                                                                                  35

         Verweisungsnormen des Allgemeinen Teils des Obligationenrechts (BGE 103 II 104) . Diese Feststellung
                                                                                                                       36

         ist u.a. deshalb von Bedeutung, weil es sich beim Lizenzvertrag um ein Dauerschuldverhaltnis handelt .
         Dieses endigt u.a. infolge einer von der einen Partei an die andere gerichteten Willenserklarung
         (Kiindigung). Es handelt sich mithin um die Ausiibung eines Gestaitungsrechts durch einseitiges
                                                                             37

         Rechtsgeschaft. Die Kiindigung wirkt nur fur die Zukunft (ex nunc) .

         Der Lizenzvertrag zwischen der FIFA und der Sporis Holding AG ist zeitlich befristet. Die FIFA ist jedoch
         berechtigt, den Vertrag zu kiindigen. So etwa, wenn die Sporis Holding AG Zahlungen aus
         Unterlizenzvertragen nicht weiterleitet (Ziffer 10.2.1 lit. b in Verbindung mit Ziffer 4.3 des Vertrages vom 26.
         Mai 1998). Zur strafrechtlichen Relevanz dieser Ausfuhrungen kann auf die Angaben zu den
         verschiedenen Tatbestanden verwiesen werden. Immerhin sei im Zusammenhang mit dem
         Betrugstatbestand erwahnt, dass durch das Verheimlichen von Zahlungen auf ein der FIFA


30

     Fritzweiler, Pfister, Summerer, a.a.O., 313
31

     Hans Bernhard Wyss, Die schuldrechtliche Natur des Lizenzvertrages, Diss. Zurich, 1964, 15f.
32

     vgl. auch Piermarco Zen-Ruffinen, Droit du Sport, Zurich 2002, 378
33

     Wyss, a.a.O, 16 f.
34

     Zen-Ruffinen, a.a.O, 380 f.
35

     Peter Jaggi/Peter Gauch, Kommentar zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, Obligationenrecht,
     Teilband V 1b, Kommentar zu Art. 18 OR, Zurich 1980, N 549
36

     Wyss, a.a.O., 17
37

     Von Thur Escher, Allgemeiner Teil des Schweizerischen Obligationenrechts, Band II, 3. A., Zurich 1974,
     S. 167f.
         nicht bekanntes Konto, diese der Moglichkeit der Geltendmachung der ihr vertraglich zustehen-
         den Forderung beraubt wurde. Ebenso war es ihr dadurch nicht moglich, von ihrem Gestaltungs-
         recht bzw. der Kiindigung des Vertragsverhaltnisses Gebrauch zu machen. In beiden Fallen
         liegen vermogensrechtliche bzw. tatbestandsmassig relevante Folgen vor. Die vorstehenden
         grundsatzlichen Ausfuhrungen sind insofern zu prazisieren, als auf Grund der konkreten
         Ausgestaltung des Vertragsverhaltnisses zwischen der FIFA und der Sporis Holding AG von
         einem atypischen Lizenzverhaltnis ausgegangen werden muss.
                                                                                                                        72
3.2     Vertraosverhaltnisse im Uberblick



                                                    FIFA (3.2.1-3.2.4)




                           ISMM AG / Sporis ISL Marketing AG Holding AG (3.2.4) (3.2.1-
                              3.2.3)



3.2.1    License agreement vom 26. Mai 1998 zwischen der FIFA und der Sporis Holding AG [HD 2/49
        (Regelung der Verwertung der weltweiten Fernseh- und Radioubertragungsrechte fiir die WM
        2002 und 2006 mit Ausnahme von Europa und den USA)]

            Unterzeichnung seitens der FIFA: Joao Havalange
            Unterzeichnung seitens der Sporis Holding AG: Christoph P. Malms. Jean-Marie Weber (D 3/28, Ziffer
            63, D 3/30, Ziffer 66)



3.2.2   Amendments to the License agreement vom 13. Marz 2000 zwischen der FIFA und der Sporis
        Holding AG [HD 2/50 (Zusatzvereinbarung zum License agreement vom 26. Mai 1998)]

            Unterzeichnung seitens der FIFA: Urs Linsi, Flavio Battaini Unterzeichnung seitens der Sporis Holding AG:
            Christoph P. Malms. Jean-Marie Weber (D 3/28, Ziffer 73, D 3/30, Ziffer 76)



3.2.3    Amendments to the License agreement vom 21. Juli 2000 zwischen der FIFA und der ISMM AG
        [HD 2/51 (Zusatzvereinbarung zum License agreement vom 26. Mai 1998)]

            Unterzeichnung seitens der FIFA: Urs Linsi, Flavio Battaini Unterzeichnung seitens der Sporis Holding AG:
            Christoph P. Malms. Jean-Marie Weber (D 3/28, Ziffer 82, D 3/30, Ziffer 81)



3.2.4    Agreement vom 12. Dezember 1997 zwischen der FIFA und der ISL Marketing AG [HD 2/59
        (Regelung des Marketings)]

            Unterzeichnung seitens der FIFA: Joao Havalange, Joseph Blatter Unterzeichnung seitens der ISL Marketing AG:
            Jean-Marie Weber. Heinz Schurtenberger
                                                  ISMM Investments
                                                     AG (3.2.5)




                         Globo Overseas TV Globo LTDA Investment B.V. (3.2.5)
                             (3.2.5)


3.2.5   Agreement vom 29. Juni 1998 zwischen der ISMM Investment AG und der Globo
        Overseas Investment B.V./ TV Globo LTDA [HD 2/53 (Unterlizenzvertrag: Verwertung
        Fernseh- und Radiorechte WM 2002 und 2006 in Brasilien: Ziffer 1+2 des Vertrages)]

            Unterzeichnung seitens der ISMM Investments AG: Heinz Schurtenberger. Daniel Beauvois (D 3/29,
            Ziffer 73)
            Unterzeichnung seitens der Globo Overseas Investment B.V.: Marluce Dias da Silva, Marcelo de
            Campos Pinto (D 3/25, Ziffer 6)
            Unterzeichnung seitens der TV Globo LTDA: Marluce Dias da Silva, Marcelo de Campos Pinto (D
            3/25, Ziffer 6)
                                                                                                              73
                               ISMM AG                        ISMM Investments
                                 (3.2.9)                        AG (3.2.6-3.2.8)




                                             Dentsu lnc.(3.2.63.2.9)



3.2.6    Agreement vom 5. November 1998 zwischen der ISMM Investment AG und der Dentsu
        lnc.[HD 2/15, D 4/B/1/32 (Unterlizenzvertrag: Verwertung der Fernseh- und Radiorechte
        WM 2002 und 2006 in Japan)]

            Unterzeichnung seitens der ISMM Investment AG: Daniel Beauvois. David Schiller (D 3/31, Ziffer 94)
            Unterzeichnung seitens der Dentsu Inc.: Haruyuki Takahashi (D 3/26, Ziffer 3)


3.2.7   Zusatz vom 10./11. November 1998 zum Agreement vom 5. November 1998 (HD 2/17,
        D 4/B/1/34)

            Unterzeichnung seitens der ISMM Investment AG: Daniel Beauvois
            Unterzeichnung seitens der Dentsu Inc.: Haruyuki Takahashi


3.2.8   Zusatz vom 18. November 1998 zum Unterlizenzvertrag vom 5. November 1998 (HD
        2/18, D4/B/1/39)
             Unterzeichnung seitens der ISMM Investment AG: Daniel Beauvois. David Schiller
             Unterzeichnung seitens der Dentsu Inc.: Haruyuki Takahashi

3.2.9   Memorandum of understanding vom 15. September 2000 zwischen der ISMM AG und der Dentsu Inc. (HD
        2/20, D 4/B/1/54)

            Unterzeichnung seitens der ISMM AG: Jean-Marie Weber. Daniel Beauvois (D 3/31, Ziffer 97, D 3/30,
            Ziffer 115)
            Unterzeichnung seitens der Dentsu Inc.: Yasutoshi Kimura




                 Dentsu Inc.                                ISMM AG (2.2.10
                  (3.2.10)                                      3.2.11)




                ISL Worldwide                                     FIFA
                 (3.2.4 /3.2.10-                                 (3.2.4)
                    3.J 2.11)

3.2.10 Memorandum       of Understanding vom 17. Januar 2001 zwischen der ISMM AG/ ISL Worldwide und der
        Detnsu Inc. [HD 2/22, D 4/B/1/57 (Stellen einer Bankgarantie iiber CHF 66'000'000.-- durch Dentsu Inc. zu
        Gunsten der FIFA)

            Unterzeichnung seitens der ISMM AG: Jean-Marie Weber. Christoph P. Malms (D 3/30, Ziffer 139)
            Unterzeichnung seitens der ISL Worldwide: Jean-Marie Weber. Urs Brunner (D 3/53, Ziffer 5)
            Unterzeichnung seitens der Dentsu Inc.: Kobajashi


3.2.11 Erklarung der ISMM AG und ISL Worldwide zum Memorandum of Understanding vom
        17. Januar 2001 [HD 2/23, D 4/B/1/58 (..Pledge")]
                                                                                                                                            74
                Unterzeichnung seitens der ISMM AG: Jean-Marie Weber. Christoph P. Malms
                Unterzeichnung seitens der ISL Worldwide: Jean-Marie Weber. Urs Brunner (D 3/53, Ziffer 11).



3.3       Vertrao vom 26. Mai 1998 zwischen der FIFA und der Sporis Holding AG (HD 2/49. Deutsche
          Ubersetzung D 4/B/1/2) •*

3.3.1      Die nachfolgenden Ziffern entsprechen der Systematik der jeweiligen Vertrage.

          Begriffsbestimmungen

          Fall der Nichterfullung bedeutet die Unrichtigkeit oder nicht korrekte Wiedergabe einer Darstellung oder
          Gewahrleistung oder die substanzielle Verletzung von Verpflichtungen aus dem vorliegenden Vertrag

          «Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte» bedeutet die Rechte fur die Ubertragung oder fur die
          Veranlassung der Ubertragung der Weltmeisterschaften und der zusatzlichen FIFA-Veranstaltungen am
          Radio oder Femsehen in jeglicher Form des Radio- oder Audio-Sounds oder von Fernsehsignalen, unter
          Einschluss des Basissignals, oder in anderer Form von Bewegungsbildern, gleichgultig, ob uber den Ather,
          uber Mikrowellenverbindungen, in geschlossenem Kreis, iiber Draht, Kabel oder Telefon, von Satellit zu
          Satellit, live oder zeitverschoben, in Farbe oder

38

         Um den Lesefluss der Verfugung zu unterstutzen, werden die wesentlichen Vertragsbestimmungen in
      deutscher Sprache wiedergegeben. Dabei handelt es sich um die Wiedergabe der im Rahmen der
      Untersuchung in Auftrag gegebenen Ubersetzung. Einzelne ubersetzungsmassige Ungenauigkeiten
      werden in Kauf genommen. Es versteht sich von selbst, dass ausschliesslich der englische Text
      verbindlich ist Schwarzweiss, fur den privaten oder offentlichen Empfang in jeglicher Fernsehform und unter
      Einschluss der Nutzung des Basissignals, von Radio, Audio oder Bewegungsbildem, der Weltmeisterschaften
      und der zusatzlichen FIFA-Veranstaltungen, iiber Datenbasen oder Digitaldienste (wie Internet) oder ein
      entsprechendes, vorhandenes oder zukiinftiges System, das die entsprechender Funktion ausiibt oder dazu in
      der Lage ist (mit oder ohne zusatzliche Hardoder Software).

«Spezialkonto» bedeutet das Bankkonto Nr. 68.5288.003 / Depositenkonto Nr. 68.528-8.0003 FIDUC, eroffnet
durch die Lizenznehmerin bei der Banque Nationale de Paris (Suisse) SA, Basel.

«Treuhandkonto» bedeutet das Bankkonto Nr. 220.954.01 U / Depositenkonto Nr. 220.954.S1 U,
gemeinschaftlich als Gemeinschaftskonto eroffnet durch die FIFA und die Lizenznehmerin bei der UBS, Zurich,
Hauptsitz.

1.        Gewahrte Rechte

1.1.1     Die FIFA gewahrt hiermit der Lizenznehmerin das Exklusivrecht fur die Nutzung der Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte der
          Weltmeisterschaften im Gebiet.

1.1.2     Exklusivrecht bedeutet, dass die FIFA keine Rechte fur die Nutzung der Radio-und Fernseh-Ubertragungsrechte der
          Weltmeisterschaften im Gebiet Dritten gewahrt und die Radio-und Fernseh-Ubertragungsrechte auch nicht selbst nutzt.

1.1.3     Alle Rechte, die nicht aufgrund des vorliegenden Vertrags der Lizenznehmerin gewahrt werden, insbesondere die
          Weltmeisterschafts-Filmrechte (fiir den offiziellen Film oder zu nichtkommerziellen Zwecken) bleiben der FIFA vorbehalten.

1.1.4      Die Lizenznehmerin ist berechtigt, alle Veranstaltungen der Weltmeisterschaften im Gebiet zu ubertragen und sie hat hierfur alles in
          ihren Kraften Stehende zu unternehmen; die Parteien konnen indessen aus wichtigen wirtschaftlichen, technischen oder sonstigen
          Grunden anderes vereinbaren.

1.4.1      Die Rechte zur Nutzung der Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte diirfen nur innerhalb des Gebiets gemass den Ziff em 1.1,
          1.7.10 und 1.9 gewahrt werden.

1.6       Unterlizenzvergabe

1.6.1      Die Unterlizenzvergabe der Rechte fur die Nutzung der Radio-und Fernseh-Ubertragungsrechte der Weltmeisterschaften und der
          zusatzlichen FIFA-Veranstaltungen sowie aller andern mit dem vorliegenden Vertrag verliehenen Rechte ist gestattet, vorausgesetzt
          dass die entsprechenden Bestimmungen nicht in einem Widerspruch zu den Bestimmungen des vorliegenden Vertrags stehen oder
          solche verletzen.

1.6.2     Alle Unterlizenzvertrage mussen frei von Kompensationsgeschaften («Bundling» von Rechten) sein.

1.6.3     Alle Entschadigungen im Zusammenhang mit der Unterlizenzvergabe der Rechte zur Nutzung der Radio-und Fernseh-
          Ubertragungsrechte mussen in Geld bestehen und sind auf das Spezialkonto zu bezahlen.
                                                                                                                                           75
1.6.5      Die Unterlizenzvertrage mussen dahingehende Bestimmungen enthalten, dass alle Entschadigungen auf das Spezialkonto zu
          uberweisen sind und dass die FIFA, unter dem Vorbehalt von Ziffer 1.10, eine Option besitzt, im Falle einer vorzeitigen Beendigung
          des vorliegenden Vertragsverhaltnisses alle Rechte und Verpflichtungen aus den Unterlizenzvertragen zu ubernehmen.

1.6.6     Die Lizenznehmerin hat der FIFA alle Unterlizenzvertrage vollumfanglich bekanntzugeben. Die Lizenznehmerin hat der FIFA
         spatestens jeweils zwanzig (20) Tage nach der Unterzeichnung eines Unterlizenzvertrags eine Kopie davon zu ubergeben.

1.6.7     Die Unterlizenzvertrage mussen ausserdem Bestimmungen enthalten, die im wesentlichen denjenigen von Anhang 4 gleichen.

1.6.8     Die Lizenznehmerin hat das Recht, die Einkunfte und Anspruche aus den Unterlizenzvertragen zu verpfanden, jedoch nicht
         abzutreten, dies zum alleinigen Zweck der Finanzierung der ausstehenden Bankgarantie, wobei diese Einkunfte und Anspruche dem
         Spezialkonto gutzuschreiben sind.

1.6.9     Alle Pfandvertrage sind der FIFA spatestens jeweils zwanzig (20) Tage nach der Unterzeichnung bekanntzugeben.
84


                     der
4.      Aufteilung          Einkunfte
4.1     Bruttoeinkunfte / Spezialkonto
4.1.1    Alle Einkunfte (wozu unter anderem auch alle Non-cash-Entschadigungen und Zinsen auf den Einkiinften
        gehoren), die aus der Nutzung der Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte der Weltmeisterschaften erzielt
        werden, abzuglich der (entsprechend den geltenden Steuerabkommen) nicht zuriickerstatteten
        Verrechnungssteuern (im Nachstehenden als «Bruttoeinkunfte bezeichnet), sind auf das Spezialkonto zu
        uberweisen.

4.1.2    Das Spezialkonto ist von der Lizenznehmerin                 fiir          finanziellen   Transaktionen
        ausschliesslichZusammenhang mit den                                 alle                                     im
        Weltmeisterschaften zu benutzen.
4.1.3
        Die Lizenznehmerin hat dafiir zu sorgen, dass alle Kontoeroffnungsdokumente und deren Anderungen, alle
        Gutschriftsund Belastungsanzeigen, alle Investitionen, alle Monatsausziige und Portefeuille-
        Zusammenfassungen sowie alle weiteren Bankunterlagen bezuglich des Spezialkontos der FIFA zugesandt
        werden.

4.1.4   Die Lizenznehmerin entscheidet uber das Portefeuillemanagement des Spezialkontos.
4.1.5                                                                                nicht
         Die Lizenznehmerin hat das Recht, das Spezialkonto zu verpfanden,                    abzutreten,   dies   zum
        jedochalleinigen Zweck der Finanzierung der ausstehenden Bankgarantie.
4.1.6
         Alle Pfandvertrage sind der FIFA spatestens jeweils zwanzig (20) Tage nach der Unterzeichnung bekannt
        zugeben.

4.2     Zuweisungen
4.2.1
         Die Lizenznehmerin ist berechtigt, das Spezialkonto unmittelbar nach einer jeden Zahlung einer Sendeanstalt
        (im Nachstehenden als «lnterims-Bruttoeinkunfte» bezeichnet) wie folgt zu belasten:
(a)
        Produktionskosten: Der Lizenznehmerin ist ein Betrag, der 5 % der Interims-Bruttoeinkunfte fur die Kosten der
        Schaffung des Basissignals (oder irgendwelcher Zusatzsignale) entspricht, zu bezahlen;
(b)
        Zuweisungsgebuhr: Der Lizenznehmerin ist ein Betrag, der 20 % der Interims-Bruttoeinkunfte entspricht, als
        Zuweisungsgebiihr zu bezahlen.
4.2.2
         Die Lizenznehmerin ist berechtigt, das Spezialkonto periodisch, an den Daten des Zahlungsplans zu belasten,
        und zwar wie folgt:

        (a)      Finanzierungskosten: Die Kosten fur die Mindestzahlungen im Gesamtumfang von CHF 24.0 Mio. fur
                             einejede Weltmeisterschaft sind der Lizenznehmerin wie folgt zu bezahlen:

CHF 24.0 Mio.
Weltmeisterschaft 2002 Finanzierungskosten
CHF 0.000 Mio.CHF 3.000 Mio.CHF 3.000 Mio.CHF 3.000 Mio.CHF 4.500 Mio.CHF
10.500 Mio.

 Datum
 15. Oktober 1998
15. Oktober 1999
15. Oktober2000
15. Oktober2001
15. Januar 2002 Innert 20 TagenWeltmeisterschaft 2002 Total
                                                                                          76
                                    nach dem Endspiel der


(b) Pauschalbetrag: Die Finanzierungskosten fur die dann gemass Ziffer 6.1 fallige
Bankgarantie im Gesamtbetrag von CHF 7.5 Mio. fur eine jede Weltmeisterschaft sind der
Lizenznehmerin wie folgt zu
bezahlen:

Weltmeisterschaft 2002 Pauschalbetrag
CHF 0.375 Mio.CHF 0.375 Mio.CHF 0.375 Mio.CHF 2.250 Mio.CHF 3.375 Mio.CHF
0.750Mio.

CHF 7.S0 Mio.
Datum
 15. Oktober 1998
 15. Oktober 1999
 15. Oktober 2000
15. Oktober 2001
15. Januar 2002 Innert 20 TagenWeltmeisterschaft 2002
 Total
                                   nach dem Endspiel der
            Die Lizenznehmerin hat aus dem nach diesen Zuweisungen auf dem Spezialkonto
            verbleibenden Betrag und, falls erforderlich, aus dem kumulierten Betrag im
            Treuhandkonto (siehe Ziffer 4.3.1) die folgenden Zuweisungen zu machen
      (c)    Erstens: Der FIFA ist ein Betrag zu bezahlen, der den dannzumal gemass dem
Zahlungsplan von Ziffer
      5.2 geschuldeten Zahlungen entspricht;
      (d)    Zweitens: Der Lizenznehmerin ist aus den verbleibenden Einkiinften •
vorausgesetzt dass die Bank der Lizenznehmerin gemass dem Zahlungsplan ein Defizit
eingeraumt hat- ein Betrag zu bezahlen, der dem nicht verguteten Defizit entspricht.

4.2.3   Ausser den in der vorliegenden Ziffer 4.2 angegebenen Zuweisungen sind keine
        weiteren Zuweisungen gestattet

4.3     Nettoeinkiinfte / Treuhandkonto /Aufteilung der Einkunfte
4.3.1    Der gesamte, nach der Vornahme der Zuweisungen (Ziffer 4.2) an die Lizenznehmerin
        und die FIFA verbleibende Betrag (im Nachstehenden als «Nettoeinkunfte« bezeichnet)
        ist innert drei (3) Tagen nach dem betreffenden Datum des Zahlungsplans auf das
        Treuhandkonto zu uberweisen.
4.3.2   Alle Kontoeroffnungsdokumente und deren Anderungen, alle Gutschrifts-und
        Belastungsanzeigen,      alle    Investitionen,    alle    Monatsauszuge   und
        Portefeuillezusammenfassungen sowie alle weiteren Bankunterlagen bezuglich des
        Treuhandkontos sind der Lizenznehmerin und der FIFA zuzusenden.

4.3.3   Die Lizenznehmerin entscheidet uber das Portefeuillemanagement des Treuhandkontos.
4.3.4    Zwar haben weder die FIFA noch die Lizenznehmerin das Recht, das Treuhandkonto zu
        verpfanden, doch kann die Lizenznehmerin es zum alleinigen Zweck der Finanzierung
        der ausstehenden Bankgarantie gemass Ziffer 6 und Anhang 7 mit der vorgangigen
        Zustimmung der FIFA verpfanden.

4.3.5    Die Nettoeinkiinfte sind innert sechzig (60) Tagen nach dem Endspiel einer jeden
        Weltmeisterschaft zwischen der FIFA einerseits (1/2) und der Lizenznehmerin
        andererseits (1/2) in gleichen Tranchen zu teilen.
                                                                                              77
4.4     Buchfiihrung I Elnsichtnahme in die Bucher

4.4.1    Die Lizenznehmerin hat eine vollstandige, klare und genaue Buchhaltung zu fuhren, die
        in Einklang mit den allgemein anerkannten Grundsatzen stehen und alle relevanten
        Einzelheiten enthalt, aus denen sich die Betrage ergeben, welche der FIFA aufgrund des
        vorliegenden Vertrags geschuldet sind.
4.4.2    Die Bucher mussen in jedem zumutbaren Zeitpunkt, jedoch nicht mehr als zwei Mai pro
        Jahr, zur Einsichtnahme und Prufung auf die Richtigkeit durch unabhangige beeidigte
        Buchprufer oder andere, durch die FIFA bezeichnete Personen zur Verfugung stehen.
1      Die FIFA hat der Lizenznehmerin mindestens drei Tage vor einer vorgesehenen
Einsichtnahme Mitteilung davon zu machen. Die Buchprufer durfen der FIFA nur solche
Informationen bekannt geben, welche die FIFA zur Feststellung der Richtigkeit der ihr gemass
den Berichten der Lizenznehmerin geschuldeten Gesamtbetrage und der damit in
Zusammenhang stehenden Zahlungen benotigt. Alle mit diesen Prufungen verbundenen Kosten
sind durch die FIFA zu tragen.
2      Zahlung

5.1     Mindestzahlungen

5.1.1    Die Lizenznehmerin ist verpflichtet, der FIFA bezuglich der Weltmeisterschaft 2002 den
        Gesamtbetrag von CHF 650,000,000.-- (sechshundertfunfzig Millionen Schweizer
        Franken) bezuglich der Weltmeisterschaft 2002 den Gesamtbetrag von CHF
        750,000,000.--(siebenhundertfiinfzig Millionen Schweizer Franken) zu bezahlen, dies an
        den Daten und in den Teilbetragen, wie im Nachstehenden dargestellt (zusatzlich zu den
        der FIFA aufgrund der Aufteilung der Einkunfte gemass Ziffer 4.3 zu bezahlenden
        Betrage).

5.2     Zahlungsplan

5.2.1   Mit den Mindestzahlungen soil sichergestellt werden, dass der Anteil der FIFA an den
        BruttoeinkiJnften fiir eine jede Weltmeisterschaft den folgenden Betragen entspricht; die
        Zahlungen sind spatestens an den nachstehend angegebenen Daten zu leisten:
        Weltmeisterschaft 2002,
        Mindestzahlungen Datum


        CHF32.5                 Mio.               15.               Oktober                1998
        CHF32.5                 Mio.               15.               Oktober                1999
        CHF             32.5            Mio.             15.           Oktober              2000

        CHF 195 Mio. 15. Oktober 2001 CHF292.5 Mio. 15. Januar2002 CHF 65 Mio. Innert 20
        Tagen nach dem Endspiel der
                                         Weltmeisterschaft 2002

CHF 650 Mio.                           Total
1      Alle im Zahlungsplan enthaltenen Betrage sind als netto MWST, Verrechnungssteuern
und ahnlichen Abgaben zu verstehen, und diese Steuern und Abgaben sind durch die
Lizenznehmerin, zusatzlich zu den angegebenen Betragen, zu bezahlen.
2      Sicherheit

6.1      Am 26. Mai 1998 lieferte die Lizenznehmerin der FIFA eine Bankgarantie in der Form
        von Anhang 7, ausgestellt durch die Banque Nationale de Paris (Suisse) SA, Basel, iiber
        einen Betrag in der Hohe der 15. Oktober 1998 falligen Zahlungsverpflichtung.
6.2     Bei rechtzeitiger Zahlung des in Ziffer 5.2.1 des vorliegenden Vertrags angegebenen,
                                                                                              78
       am 15. Oktober 1998 zu bezahlenden Betrags:
       (a)     erfolgt die Entlastung von dieser Bankgarantie, und
       (b)     hat die Lizenznehmerin der FIFA an diesem Zahlungsdatum eine weitere
Bankgarantie der gleichen Bank und in der gleichen Form, ausser was das Datum und den
Betrag anbetrifft, abzugeben; der Betrag hat demjenigen zu entsprechen, der am nachsten
Falligkeitsdatum der FIFA geschuldet ist.

6.3     In gleicher Weise hat die Lizenznehmerin bei jeder ihrer Zahlungen der Betrage an die
       FIFA, die den Gegenstand der jeweils geltenden Bankgarantie bilden, der FIFA weitere
       Bankgarantien, entsprechend Anhang 7, abzugeben, ausgestellt durch die Banque
       Nationale de Paris (Suisse) SA, Basel, oder durch eine andere schweizerische,
       deutsche, englische Oder franzosische Bank von anerkannter internationaler Bedeutung,
       die von der FIFA angemessenerweise akzeptiert werden kann.

6.4     Diese weiteren Bankgarantien mussen auf einen Betrag lauten, welcher der nachsten,
       der FIFA gemass dem Zahlungsplan zu leistenden Zahlung entspricht (siehe Ziffer 5.2.1),
       dies bis zu dem Zeitpunkt, in welchem die Lizenznehmerin gegenuber der FIFA keine
       weiteren Zahlungsverpflichtungen mehr hat.

7.1    Erklarungen I Gewahrleistungen der FIFA

       Die FIFA erklart und gewahrleistet gegeniiber der Lizenznehmerin das Folgende:
       (b)    Die FIFA bleibt wahrend der Dauer des vorliegenden Vertragsverhaltnisses die
             alleinige Eigentiimerin der Radio-und Fernseh-Ubertragungsrechte und der
             weiteren, der Lizenznehmerin mit dem vorliegenden Vertrag gewahrten Rechte.

8.     Verpflichtungen

8.2    Verpflichtungen der Lizenznehmerin

       Die Lizenznehmerin verpflichtet sich zu Folgendem wahrend der Dauer des vorliegenden
       Vertragsverhaltnisses:

       (a)     Sie hat der FIFA uber alle Angelegenheiten sofort Mitteilung zu machen, die eine
wesentliche nachteilige Veranderung der finanziellen Situation der Lizenznehmerin bewirkt
haben oder bewirken konnen;
       (b)     Sie hat der FIFA, auf deren erstes Begehren hin, jedoch mindestens ein Mai pro
Jahr, einen schriftlichen Bericht ihrer Revisionsstelle, bei der es sich gegenwartig um die KPMG
Fides Peat, Luzern handelt, oder jedes andern, international anerkannten
Revisionsunternehmens, abzugeben, in dem bestatigt wird, im Verlauf der letzten zwolf (12)
Monate keine wesentlichen nachteiligen Veranderungen bei der finanziellen Situation der
Lizenznehmerin eingetreten sind;
       (c)     Sie hat der FIFA, auf deren erstes Begehren hin, alle Informationen iiber ihre
Tatigkeiten, die angemessenerweise durch die FIFA beziiglich der Radio- und Fernseh-
Ubertragungsrechte verlangt werden konnen, zu liefem;
       (d)     Sie hat ihrer Bank die Anweisung zu erteilen, die Bankgarantien direkt auf das
Konto der FIFA zu leisten (das die FIFA der Bank der Lizenznehmerin direkt mitzuteilen hat);
       (g)     sie hat der FIFA sofort Mitteilung von Angelegenheiten zu machen, die zu einem
Fall der Nichterfullung gefuhrt haben oder dazu fiihren konnen.

10.    Beendigung des Vertragsverhaltnisses I Rechtsbehelfe

10.1   Automatische vorzeitige Beendigung

       Wenn die FIFA oder die Lizenznehmerin in Konkurs fallt, erlischt das vorliegende
       Vertragsverhaltnis automatisch mit sofortiger Wirkung.
                                                                                             79
10.2   Optionelle vorzeitige Beendigung

10.2.1 Die FIFA ist berechtigt, den vorliegenden Vertrag mit sofortiger Wirkung aufzukunden,
      dies mittels schriftlicher, an die Lizenznehmerin gerichteter Mitteilung:
        (a)     wenn die Lizenznehmerin sich insolvent erklart, einen Vergleichsvertrag mit den
Glaubigem abschliesst oder ihre Geschaftstatigkeit einstellt, es sei denn, sie liefere danach,
innert dreissig (30) Tagen, nachdem sie durch die FIFA entsprechend dazu aufgefordert worden
ist. Letzterer eine Bankgarantie fur den vollumfanglichen Betrag aller nach gemass Ziffer 5 zu
leistenden Mindestzahlungen, unter Einschluss angemessener Mittel fur die Produktion des
Basissignals;
        (b)     wenn die Lizenznehmerin keine Bankgarantie gemass Ziffer 6 liefert oder die
Aufteilung der Einkiinfte gemass Ziffer 4.3 nicht vornimmt und nicht innert dreissig (30) Tagen
fiir Abhilfe sorgt, nachdem sie von der FIFA dazu aufgefordert worden ist;
        (c)     wenn die Lizenznehmerin das Basissignal fiir gesamthaft drei (3) Spiele gemass
Ziffer 1.5 nicht produziert.

10.3   Folgen der Beendigung
10.3.1 Bei der automatischen Beendigung des vorliegenden Vertragsverhaltnisses wegen
      Konkurses der Lizenznehmerin oder bei einer optionellen vorzeitigen Kiindigung durch
      die FIFA gemass Ziffer 10.2.1 kann Letztere alle durch die Lizenznehmerin geleisteten
      Mindestzahlungen einbehalten, und die nachste Mindestzahlung gemass dem
      Zahlungsplan wird fallig; die FIFA kann dann sofort die Bankgarantie bezuglich dieser
      Mindestzahlung beziehen. Ausserdem ist die FIFA berechtigt, eine vorzeitige Aufteilung
      der Einkunfte, vor dem Ende des Zahlungsplans, zu verlangen; sie ist frei, mit irgend
      einer Drittpartei -einschliesslich der Sendeanstalten -einen Vertrag iiber die Nutzung der
      Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte abzuschliessen (siehe Ziffer 1.6). Die FIFA ist
      jedoch verpflichtet, den Betrag zuruckzuerstatten, der iiber (i) die Mindestzahlungen
      gemass Ziffer 5.1 und (ii) den Totalbetrag, auf den die FIFA gemass der Aufteilung der
      Einkunfte nach Ziffer 43 am Ende des Zahlungsplans Anspruch hat, hinausgeht. Bei
      einer optionellen vorzeitigen Kiindigung des vorliegenden Vertrags durch die FIFA
      gemass Ziffer 10.2.1 Buchst. a oder b ist die FIFA verpflichtet, den Schaden, welchen die
      Sendeanstalten allenfalls infolge dieser Kiindigung erleiden, zu mindern.

10.3.2 Bei einer automatischen vorzeitigen Beendigung des vorliegenden Vertragsverhaltnisses
      aufgrund des Konkurses der FIFA oder bei einer optionellen vorzeitigen Kundigung durch
      die Lizenznehmerin gemass Ziffer
       10.2.2 wird die Letztere von alien Verpflichtungen beziiglich der Mindestzahlungen und
       der Bankgarantien (Ziffem 5 und 6) befreit, und im Falle einer Annullierung der einen
       oder andem Weltmeisterschaft sind alle Betrage, die der FIFA als Mindestzahlungen
       oder aufgrund der Bankgarantien beziiglich der annullierten Weltmeisterschaft geleistet
       worden sind, sofort zuruckzuerstatten, und alle der im Zusammenhang mit der
       Produktion des Basissignals der betreffenden Weltmeisterschaft nicht vergiiteten Betrage
       sind der Lizenznehmerin ebenfalls sofort vollumfanglich zuriickzuerstatten

10.4   Sonstige Behelfe
10.4.1 Bei einer durch die Gegenpartei verursachten Nichterfiillung haben die FIFA oder die
      Lizenznehmerin, zusatzlich zu alien andem Behelfen aus dem vorliegenden Vertrag oder
      aufgrund gesetzlicher Bestimmungen das Recht:

       (a)    von der Gegenpartei gerichtlich die tatsachliche Erfullung zu verlangen;
       (b)    die Gegenpartei auf Schadenersatz einzuklagen; und
       (c)    alle angemessenen einstweiligen Verfugungen zu beantragen.

3.4    Zusatzvertrao vom 13. Marz 2000 zum Vertrag vom 26. Mai 1998 zwischen der FIFA und der
       Sooris Holding AG (HD 2/50. Deutsche Ubersetzung: D 4/B/1/4
                                                                                                                              80
        Mit dieser Zusatzvereinbarung wurden einige wesentliche Bestimmungen des Vertrages vom
        26. Mai 1998 abgeandert oder ersetzt. Sie werden nachfolgend wiedergegeben.

        „Spezialkonto» bedeutet das Bankkonto Nr.248-436280.01D (CHF) / Nr.248-436280.60T
        (USD), eroffnet durch die Lizenznehmerin bei der UBS Schweiz, Luzern, entsprechend der
        beigegebenen Kontoeroffnungsdokumentation (Anhang 11).

        «Treuhandkonto» bedeutet das Bankkonto Nr. 220.954.01 U / Depositenkonto Nr. 220.954.S1
        U, gemeinschaftlich als Gemeinschaftskonto eroffnet durch die FIFA und die Lizenznehmerin bei
        der UBS, Zurich, Hauptsitz, entsprechend der beigegebenen Kontoeroffnungsdokumentation
        (Anhang 11).

         5.       Ziffer 4.2.1 des Lizenzvertrags wird wie folgt geandert und erganzt:

                 «4.2.1 Die Lizenznehmerin hat das Spezialkonto unmittelbar nach einer jeden Zahlung einer Sendeanstalt
                 (im Nachstehenden als «lnterims-Bruttoeinkunfte» bezeichnet) wie folgt zu belasten:

           (a)     Produktionskosten: Der Lizenznehmerin ist ein Betrag, der 5 % der Interims-Bruttoeinkunfte fiir die Kosten
der Schaffung des Basissignals (oder irgendwelcher Zusatzsignale) entspricht, zu bezahlen;
           (b)     Zuweisungsgebuhr: Der Lizenznehmerin ist ein Betrag, der 20 % der Interims-Bruttoeinkunfte entspricht, als
Zuweisungsgebuhr zu bezahlen.
           (c)     Bescheinigung (..Beschleunigung" / vom Unterzeichneten eingefugt) der Mindestzahlungen: Unter dem
Vorbehalt von Ziffer 4.2.2 sind 75 % der Interims-Bruttoeinkunfte wie folgt zu bezahlen: bis zu CHF 650 Mio. fur die FIFA-
Weltmeisterschaft 2002 und CHF 750 Mio. fiir die FIFA-Weltmeisterschaft 2006. Die Lizenznehmerin hat die FIFA iiber jede
gemass der vorliegenden Ziffer zu leistende Zahlung zu informieren, so dass die FIFA eine entsprechende Rechnung ausstellen
kann; die FIFA kann indessen Zahlungen im Betrag von weniger als CHF 10 Mio. ablehnen. Die Parteien haben den
Zahlungsplan von Ziffer 5.2.1 und den Garantieplan gemass Ziffer 6 nach jeder Zahlung gemass dem vorliegenden Abschnitt
schriftlich anzupassen.»

         6.       Ziffer 4.2.2, Satz 1 des Lizenzvertrags wird wie folgt erganzt:

                  «4.2.2 Die Lizenznehmerin ist berechtigt, das Spezialkonto periodisch, an den Daten des Zahlungsplans
                  oder, bezuglich Buchstabe (a) und (b), sobald genugend liquide Mittel vorhanden sind, zu belasten, und zwar
                  wie folgt:»

         7.       Ziffer 4.3.5 des Lizenzvertrags wird wie folgt erganzt:

                  «4.3.5 Die Nettoeinkiinfte sind innert sechzig (60) Tagen nach dem Endspiel einer jeden Weltmeisterschaft
                  zwischen der FIFA einerseits (1/2) und der Lizenznehmerin andererseits (1/2) in gleichen Tranchen zu teilen.
                  Sobald die FIFA fiir die FIFA- Weltmeisterschaft 2002 CHF 650 Mio. und fiir die FIFA-Weltmeisterschaft 2006
                  CHF 750 Mio. erhalten hat, dies gemass Ziffer 4.2.1 (c), haben die Parteien in guten Treuen miteinander zu
                  verhandeln und zu versuchen, die Aufteilung der Einkunfte zu beschleunigen.»

         8.       Ziffer 5.2.1 des Lizenzvertrags wird wie folgt geandert:

                  «5.2.1 Mit den Mindestzahlungen soil sichergestellt werden, dass der Anteil der FIFA an den Bruttoeinkiinften
                  fiir eine jede Weltmeisterschaft den folgenden Betragen entspricht; die Zahlungen sind spatestens an den
                  nachstehend angegebenen Daten zu leisten:

                            Weltmeisterschaft 2002, Mindestzahlungen Datum
                            CHF 32.5 Mio. 15. Oktober 1998 CHF 32.5 Mio. 15. Oktober 1999 CHF 149.5 Mio. 15. Marz 2000
                            CHF 78.0 Mio. 15. Oktober 2001 CHF 292.5 Mio. 15. Januar 2002 CHF 65 Mio. Innert 20 Tagen
                            nach dem Endspiel der
                                                                     Weltmeisterschaft 2002
                            CHF 650 Mio.                              Total
                 Ziffer 6 des Lizenzvertrags wird wie folgt ersetzt:

                 «6. SICHERHEIT

                 Die Lizenznehmerin hat der FIFA Bankgarantien, entsprechend Anhang 7. abzugeben, ausgestellt durch die
                 Banque Nationale de Paris (Suisse) SA, Basel, oder durch eine andere schweizerische, deutsche, englische
                 oder franzosische Bank von anerkannter internationaler Bedeutung, die von der FIFA angemessenerweise
                 akzeptiert werden kann, und zwar uber die folgenden Betrage und an den folgenden Daten.

                          Weltmeisterschaft 2002,

                          Garantien Datum

                          CHF 32.5 Mio Bei der Unterzeichnung des Lizenzvertrags CHF 32.5 Mio. 15. Oktober 1998 CHF
                          32.5 Mio. 15. Oktober 1999 CHF 78.0 Mio. 15. Oktober 2000 CHF 292.5 Mio. 15. Oktober 2001 CHF
                          65 Mio. 15. Januar 2002

                          Bei jeder Zahlung gemass Ziffer 4.2.1 (c) und/oder Ziffer 5.2.2 erfolgt eine vollumfangliche oder
                                                                                                                      81
                        teilweise Entlastung von der Bankgarantie."



3.5 Zusatzvertrao vom 21. Juli 2000 zwischen der FIFA und der ISMM AG (HD 2/51)

        Am 26. Juli 2000 schlossen die Parteien einen weiteren Zusatzvertrag ab, in welchem
        der Zeitplan fiir die Mindestzahlungen im Sinne einer Zahlungsbeschleunigung angepasst
        wurde.

                        Weltmeisterschaft 2002, Mindestzahlungen Datum

                        CHF 32.5 Mio. 15. Oktober 1998 CHF 32.5 Mio. 15. Oktober 1999 CHF 149.5 Mio. 15. Marz 2000
                        CHF 27'663'675." 4. April 2000 CHF 50'336'325.-. 15. Oktober 2001 CHF 292.5 Mio. 15. Januar
                        2002 CHF 65 Mio. Innert 20 Tagen nach dem Endspiel der
                                                                   Weltmeisterschaft 2002
                        CHF 650 Mio. Total

                        Weltmeisterschaft 2002,

                        Garantien Datum

                        CHF 32.5 Mio Bei der Unterzeichnung des Lizenzvertrags CHF 32.5 Mio. 15. Oktober 1998 CHF
                        32.5 Mio. 15. Oktober 1999 CHF 50'336'325.-. 15. Oktober 2000 CHF 292.5 Mio. 15. Oktober 2001
                        CHF 65 Mio. 15. Januar 2002



3.6 Untersuchunoseroebnis zum Vertraosverhaltnis FIFA - Sporis Holding AG/ISMM AG

             Die FIFA gewahrte der Sporis Holding AG das Exklusivrecht fiir die Nutzung/Ver-
             wertung der Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte der Weltmeisterschaften
             2002 und 2006 in den abschliessend angefuhrten Landern (Ziffer 1.1.1 des Vertra-
             ges vom 26. Mai 1998 und Annex 1 / weltweit mit Ausnahme von Europa und den
             USA), wobei sie wahrend der Dauer des Vertragsverhaltnisses alleinige Eigentu-
             merin der Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte und der weiteren, der Sporis
             Holding vertraglich gewahrten Rechte blieb (Ziffer 7.1 des Vertrages vom 26. Mai
1998). Der Sporis Holding AG wurde die Unterlizenzvergabe der Rechte fur die Nutzung/Verwertung der Radio-
und Fernseh-Ubertragungsrechte der Weltmeisterschaften und der zusatzlichen FIFA-Veranstaltungen sowie aller
andern mit dem vorliegenden Vertrag verliehenen Rechte gestattet; dies unter der Voraussetzung, dass die
entsprechenden Bestimmungen nicht in Widerspruch zu Regelungen des Lizenzvertrages stunden oder solche
verletzen (Ziffer 1.6.1 des Vertrages vom 26. Mai 1998).

Jean-Marie Weber gab an, dass die ISL der FIFA fur die WM 2002 und 2006 empfohlen habe, Eigentumerin der
Rechte zu bleiben und ein Lizenz Agreement abzuschliessen; sie hatten der FIFA sogar eine gemeinsame
Gesellschaft angeboten, was jedoch aus sportpolitischen Grunden nicht moglich gewesen sei (D 3/30, Ziffer 29,
vgl. auch seine Angaben unter Ziffer 69, wonach ursprunglich eine gemeinsame Verwertung der Fernsehrechte ge-
plant worden sei). Diese Darstellung wurde von Joseph Blatter (Prasident der FIFA) bestatigt (D 3/33, Ziffer 32).

Guido Toqnoni. welcher gemass eigenen Angaben bereits zwischen 1984 und 1995 fiir die FIFA als Pressechef,
PR-Chef, Projektmanager der WM 1994 tatig und teilweise fiir juristische Angelegenheiten zustandig war, Mitte
April 2001 zur Bewaltigung der Krisensituation Konkurs ISL/ISMM wiederum von der FIFA verpflichtet wurde (D
3/34, Ziffer 3 bis 9), gab an, dass ihm bekannt sei, dass ISL/ISMM mit der FIFA ein Joint Venture habe eingehen
wollen, wovon er allerdings die Details nicht kenne und nicht gekannt habe (D 3/34, Ziffer 21). Zum Vorhalt,
wonach Jean-Marie Weber angegeben habe, dass der FIFA sogar eine gemeinsame Gesellschaft angeboten
worden, was jedoch aus sportpolitischen Grunden nicht moglich gewesen sei, gab er an, dass es sportpolitische,
aber wahrscheinlich - so vermute er - auch sachliche Grunde gegeben habe (D 3/34, Ziffer 22).

Flavio Battaini. welcher fur die FIFA gemass eigenen Angaben mit der Erarbeitung, Verfassung und dem
Verhandein des Vertrages vom 26. Mai 1998 zustandig war (D 3/35, Ziffer 17), bestatigte die Angaben von Jean-
Marie Weber und gab zu den Grunden, dass das Angebot der ISL von der FIFA verworfen worden sei, an, dass die
FIFA das tatsachlich gewahlte Konzept als fiir sie vorteilhafter erachtet habe, da sie alleinige Rechteinhaberin der
originar geschaffenen Lizenzrechte geblieben sei, was der wesentlichste Vorteil fur die FIFA gewesen sei (D 3/34,
Ziffer 14 ff.).

Was die FIFA Marketing Rights betrifft, kann auf ein Joint Venture Concept der ISL Marketing AG vom 4.
November 1997, den Bericht von Heinz Schurtenberger und Glen Kirton vom 23. November 1997 sowie das
Protokoll der Verwaltungsratssitzung der ISMM Investments AG vom 26. November 1997 verwiesen werden (D
                                                                                                                                  82
17/3/2-D 17/3/6). Dem Schreiben der FIFA vom 7. November 1997 und jenem der ISL vom 12. November 1997
kann entnommen werden, dass das im Vorfeld des Abschlusses der Vertrage fur die WM 2002 und 2006
diskutierte Joint Venture in der Form eines ..Rights Buyout" verworfen wurde (D 17/3/7 + 9).

Was letztlich das Exklusivrecht fur die Verwertung der Radio- und Fernseh Ubertragungsrechte der
Weltmeisterschaften 2002 und 2006 betrifft, ist die Feststellung von Flavio Battaini von Bedeutung, dass die FIFA
die alleinige Rechteinhaberin der originar geschaffenen Lizenzrechte geblieben sei. Er gab an, dass die FIFA die
Lizenzrechte zur exklusiven Verwertung der Radio- und Fernsehubertragungsrechte an den
Fussballweltmeisterschaften gemass Definition des License Agreements entsprechend bestimmter
Einschrankungen exklusiv der Vertragspartnerin fiir die Dauer des Vertrages ubertragen habe (D 3/35, Ziffer 19).
Die Urheberrechte betreffend Basic Feed und Supplemental Feed seien bei der FIFA geblieben und einzig in Form
einer Lizenz zur weiteren Verwertung ubertragen worden (D 3/35, Ziffer 20).

Daniel Eisele. welcher gemass eigenen Angaben massgeblich an der Redaktion des Longform Agreements
beteiligt war und mit einem weiteren Rechtsanwalt und Flavio Battaini seitens der FIFA die Verhandlungen gefuhrt
hatte (D 3/40, Ziffer 8), bestatigte nach Hinweis auf Ziffer 1.1.1 des Vertrages vom 26. Mai 1998, dass die FIFA der
Sporis Holding AG die Fernseh- und Ubertragungsrechte zur Verwertung iiberlassen habe und die Urheberrechte
betreffend Basic Feed und Supplemental Feed bei der FIFA verblieben seien (D 3/40, Ziffer 10+11).
Die Gewahrung des Exklusivrechts fiir die Verwertung der Radio- und Fernseh-
Ubertragungsrechte war von der Sporis Holding AG mit mindestens USD 650'000'000.- fur die
WM 2002 (und mit USD 750'000'000.- fiir die WM 2006) nach einem fixen Zeitplan gegeniiber
der FIFA abzugelten (Ziffer 5.1 und 5.2 des Vertrages vom 26. Mai 1998 und Ziffer 8 des
Zusatzvertrages vom 13. Marz 2000 und Ziffer 1 jenes vom 21. Juli 2000). Die Sporis Holding
AG war berechtigt, das Spezialkonto nach Eingang einer Zahlung aus einem Unterlizenzvertrag
mit insgesamt 25% zu belasten (Ziffer 4.2.1 lit. a+b des Vertrages vom 26. Mai 1998: 5% zur
Deckung der Kosten des „Basic Feed" und 20 % zur Deckung der Vertriebskosten). Sie konnte
zudem verteilt uber die gesamte Dauer des Vertrages nach einem bestimmten Zeitplan
Finanzierungskosten von insgesamt CHF 24'000'000.~ und eine Pauschale von CHF
7'500'000.~ abziehen (Ziffer 4.2.1 a+b des Vertrages vom 26. Mai 1998). Betrage, welche die
Minimalentgelte uberstiegen, waren von den Parteien halftig zu teilen (Ziffer 4.3.5. des
Vertrages vom 26. Mai 1998). Zur Beschleunigung der Mindestzahlungen vereinbarten die
Parteien mit Vertrag vom 13. Marz 2000 folgendes: Die FIFA war berechtigt 75% der Eingange
bis zu CHF 650 Mio bzw. CHF 750 Mio einzufordern. Damit die Einforderung erfolgen konnte,
war die Sporis Holding AG verpflichtet, der FIFA von jedem Eingang Mitteilung zu machen.

Zum Zahlungsmechanismus machte Urs Linsi. welcher in der relevanten Zeit bis Juli 2003
bei der FIFA als Direktor der Finanzen und Services tatig war, folgende Angaben:

      Ein Kernelement sei die Bezahlung von insgesamt CHF 650 Mio. fur 2002 und von CHF 750 Mio. fiir 2006 an FIFA
      gewesen. Fiir Distribution und Produktion habe die ISL/ISMM 25% berechnen diirfen. Ein daruber erzielter Betrag sei 50
      zu 50 unter den Parteien als Profitshare aufgeteilt worden (D 3/54, Ziffer 10). Zu den Anderungen gemass dem
      Zusatzvertrag vom 13. Marz 2000 gab er an, dass es hier um die Acceleration gegangen sei, d.h. sie seien
      ubereingekommen, von den Minimum Payments, die an bestimmten Daten zahlbar gewesen seien, wegzukommen und
      sie hatten sich geeinigt, dass bei jedem Zahlungseingang 25% zum Partner und 75% direkt zur FIFA gehen wurden (D
      3/54, Ziffer 13). Auf die Frage, wie er personlich den Begriff minimum payments interpretiere gab er an, dass das die
      Betrage seien, die unter alien Umstanden an die FIFA zu leisten gewesen seien. Deswegen seien sie jeweils auch durch
      Bankgarantien abgesichert gewesen (D 3/54, Ziffer 48). Die Frage ob sich das acceileration ausschliesslich auf die
      minimum payments beziehe, verneinte er und gab an, dass dieses die Aufteilung 25 zu 75 bei jedem Zahlungseingang
      beinhalte. Das sei ja das Prinzip einer vorzeitigen Liquiditatsschopfung fur beide Parteien gewesen. Im longform
      agreement seien Betrage auf dem Spezial- und anschliessend auch auf dem Trust-Account thesauriert worden. Und sie
      beide seien aus Liquiditatsuberlegungen daran interessiert gewesen, nicht eine Thesaurierung, sondern den direkten
      Zufluss fiir jeden Partner zu begiinstigen. Das sei fur ihn das Hauptprinzip der Acceileration [D 3/54, Ziffer 58 (vgl. die mit
      Bezug auf die acceileration sinngemass gleichlautenden Angaben von Flavio Battaini: D 3/35, Ziffer 42 und 43 f und
      Daniel Eisele: D 3/40, Ziffer 22 ff.).



Hans-Jiirg Schmid gab zur Verteilung der Lizenzeinnahmen folgendes an:

      Von den eingehenden Lizenzzahlungen, die samtlich auf ein Special Account hatten uberwiesen werden mussen, habe
      die ISMM AG sofort nach Eingang der jeweiligen Zahlungen 25% beziehen konnen, dieses sei auch der eigentliche
      Bruttoertrag aus dem Lizenzgeschaft fiir die ISMM AG gewesen. Zu bestimmten, in dem Vertrag fest gelegten
      Zeitpunkten, seien dann festgelegte Betrage sowohl an die FIFA als auch an die ISMM AG verteilt worden (D 3/1, Ziffer
      6). Zu den Anderungen gemass dem Zusatzvertrag vom 13. Marz 2000 gab er an, dass die ISMM AG von den
                                                                                                                    83
     eingehenden Zahlungen sofort 25% habe beziehen konnen. Die FIFA habe dann entscheiden konnen, ob sie die ihr
     zustehenden 75% sofort habe beziehen wollen. Sie hatten die jeweiligen Betrage an die FIFA immer erst gegen
     Rechnungsstellung uberweisen konnen (D 3/1, Ziffer 12, vgl. auch die Folgeziffern).
Hans-Peter Weber machte grundsatzlich sinngemass ahnliche Ausfuhrungen (D 3/2, Ziffer 6,
vgl. auch seine Ausfiihrungen unter Ziffer 8 ff.). U.a. wurde ihm der Vorhalt gemacht, dass
gemass der vertraglichen Vereinbarung der Restbetrag (Nach Beriicksichtigung der
Mindestzahlungen, Produktionskosten etc.) auf eine sog. Trust-Konto einbezahlt und am Ende
der jeweiligen Weltmeisterschaft im Verhaltnis 1:1 an die ISMM und die FIFA hatten ausbezahlt
werden sollen und ob dies richtig sei. Er gab an,

dass dies so zutreffe. Allerdings miisse man anfiigen, dass dieses Trust Account erst gespiesen worden ware,
nachdem das Minimum Payment von CHF 650 Mio. erreicht worden ware. Dies sei aber zum Zeitpunkt bis heute
natiirlich noch nicht der Fall gewesen, nachdem auch gegenuber den Unterlizenznehmern Zahlungsfristen
vereinbart worden seien, und die Gesamtsumme des Minimum Payments noch nicht erreicht worden sei (D 3/2,
Ziffer 7).

Zu den Angaben der ubrigen Beschuldigten kann auf folgende Protokollstellen verwiesen
werden: Christoph Malms: D 3/28, Ziffer 80, Heinz Schurtenberger: D 3/29, Ziffer 66, Jean-
Marie Weber: D 3/30, Ziffer 79, Daniel Beauvois: D 3/31, Ziffer 65).

Im Resultat kann festgehalten werden, dass der Minimalbetrag von CHF 650'000'000.- nicht
erreicht wurde. Gemass den mit Buchhaltungsbelegen dokumentierten Angaben der FIFA
betrugen ihre Gesamteinnahmen aus den „Radio and Television Broadcast Rights" fiir den FIFA
Worldcup 2002 per 21. Mai 2001 CHF 334'177'121.- (HD 2/230 ff., HD 2/154 ff.). Im Einzelnen
ergingen gemass Darstellung der FIFA folgende Uberweisungen:


Datum            Zahlungsgrund (vom UR eingefugt)                             Betrag in CHF

15.10.1998      Minimum Payment                                              32'500'000.00
15.10.1999      Minimum Payment                                              32'500'000.00
15.03.2000      Minimum Payment                                             149'500'000.00
04.04.2000      Minimum Payment                                              27'663'675.00
13.10.2000      WeitergeleiteteUnterlizenzeinnahmen                          22'960'000.00
13.10.2000      WeitergeleiteteUnterlizenzeinnahmen                          23'509'071.00
20.12.2000      WeitergeleiteteUnterlizenzeinnahmen                           4'000'000.00
02.02.2001      Weitergeleitete Unterlizenzeinnahmen                         27'225'000.00
20.03.2001      Weitergeleitete Unterlizenzeinnahmen                         11'977'875.00
21.03.2001      Weitergeleitete Unterlizenzeinnahmen                          2'341'500.00

                Total:                                                      334'177'121.00

Gemass einer bei Jean-Marie Weber sichergestellten Aufstellung (Ausdruck 5. Juni 2001)
waren fiir den WC 2002 per 21. Mai 2001 Vertrage im Gesamtwert von USD 649'693'133.--
abgeschlossen worden. Der aus diesen Vertragen bezahlte Betrag wird mit USD 295'887'550.-
beziffert (D 17/10/10 / vgl. auch das Reporting der „ISMM" an die FIFA per Ende April 2001: HD
2/245 f.).

Die Sporis Holding AG musste im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses fiir die Ubertragung
des Verwertungsrechtes - von der Leistung einer Bankgarantie betreffend die erste am
15.10.1998 fallige Mindestzahlung von CHF 32'500'000.~ (vgl. Ziffer 6.1 des Vertrages vom 26.
Mai 1998) abgesehen - keine geldwerte Leistung erbringen. Wie den Buchungsbelegen
entnommen werden kann, erfolgte die erste Rechnungsstellung durch die FIFA am 15.
September 1998 und die Uberweisung dieses Betrages durch die Sporis Holding AG
vertragsgemass am 15. Oktober 1998 (HD 2/155+156).
                     Flavio Battaini wurde die Frage gestellt, welches die Uberlegung gewesen sei, dass
                     die Betrage gestaffelt und nicht beim Abschluss des Vertrages zu bezahlen
                     gewesen seien. Er gab an, dass das Longform Agreement mit Ausnahme der
                     letzten Zahlung im jeweiligen Turnus eine Vorleistungspflicht in Bezug auf die
                     finanzielle Entschadigung der Lizenznehmerin gegenuber der Lizenzgeberin
                                                                                                                           84
                        vorgesehen habe. Angesichts der wirtschaftlichen Verwertungskette der
                        zugrunde liegenden Rechte hatten sich die Parteien im Rahmen der Verhandlungen
                        auf den entsprechenden Zahlungsplan, der wie gesagt eine Vorleistungspflicht
                        beinhaltet habe, geeinigt (D 3/35, Ziffer 25).

                        Daniel Eisele bestatigte auf die gleiche Frage, dass die Sporis Holding AG der FIFA
                        bei Vertragsabschluss eine Bankgarantie habe ubergeben mussen (D 3/40, Ziffer
                        12).


                        Alle Entschadigungen im Zusammenhang mit den Unterlizenzvertragen mussten
                        auf ein Spezialkonto, namlich Nr. 68.5288.003 / Depositenkonto Nr. 68.528-8.00
                        03 FIDUC bei der Banque Nationale de Paris (Suisse) SA, Basel, bezahlt werden
                        (Ziffer 1.6.3 des Vertrages vom 26. Mai 1998), und die Unterlizenzvertrage mussten
                        dahingehende Bestimmungen enthalten, dass alle Entschadigungen auf dieses
                        Konto zu Ciberweisen waren (Ziffer 1.6.5 des Vertrages vom 26. Mai 1998) und
                        dass die FIFA, unter dem Vorbehalt von Ziffer 1.10 eine Option besitze, im Falle
                        einer vorzeitigen Beendigung des Vertragsverhaltnisses alle Rechte und
                        Verpflichtungen aus den Unterlizenzvertragen zu ubernehmen.

                        Die Sporis Holding AG war verpflichtet, dafiir besorgt zu sein, dass der FIFA alle
                        Bankunterlagen betreffend das Spezialkonto zugesandt wurden (u.a. Gutschriftsund
                        Belastungsanzeigen) (Ziffer 4.1.3 des Vertrages vom 26. Mai 1998). Die Sporis
                        Holding AG war verpflichtet, die Unterlizenzvertrage nach bestimmten Vorgaben zu
                        redigieren. So musste beispielsweise das Spezialkonto Nr. 68.5288.003 bei der
                        Banque Nationale de Paris (Suisse) SA, Basel als Vertragsbestandteil aufgenom-
                        men werden (Ziffer 1.6.7 des Vertrages vom 26. Mai 1998 und Anhang 4). Gemass
                        dem Zusatzvertrag vom 13. Marz 2000 lautete das Spezialkonto neu Nr.248-
                        436280.01 D (CHF) / Nr.248-436280.60T (USD), war bei der UBS Schweiz, Luzern,
                        und war ebenfalls in den Unterlizenzvertrag aufzunehmen (Ziffer 19 des Vertrages).

                        Einigen Beschuldigten wurde folgender Vorhalt gemacht: Ziffer 1.6.5 halt fest, dass
                        Sublizenzvertrage die Bestimmung enthalten mussten, dass samtliche
                        Entschadigungen in ein ..Special Account" zu bezahlen seien. Aus welcher
                        Uberlegung wurde diese Klausel in den Vertrag hineingenommen? Sie gaben dazu
                        folgendes an:
Hj^^

                               Christoph Malms: Dies sei insbesondere aus der Struktur des Vertrages hineingenommen
                               worden. Vor allem, weil es ja hier nicht um einen Vertrag mit einem fixen Preis gehe, sondern
                               neben den Minimumzahlungen auch eine Art Profit-Sharing der iiber Minimalleistungen hinaus
                               gehenden Nettoerlose vorgesehen gewesen sei (D 3/28, Ziffer 69).

                               Jean-Marie Weber: Den Grund dafiir kenne er ehrlich nicht. Das sei ein Teil der Verhandlungen
                               zwischen FIFA und ihnen gewesen, aber warum diese Klausel spezifisch aufgenommen
                               worden sei, wisse er nicht mehr. Auf die Frage, was der Grund hatte sein konnen, gab er an,
                               Vielleicht, damit die FIFA eine gewisse Ubersicht uber das Ganz gehabt habe (D 3/30, Ziffer 72
                               f.).

                               Heinz Schurtenberger: Dies sei in seinem Beisein nie thematisiert worden, aber er konne sich
                               naturlich schon vorstellen, dass es in erster Linie um die Sicherung der Transparenz fiir den
                               Inhaber der Rechte gehe (D 3/29, Ziffer 58).

                               Daniel Beauvois: Er wiirde sagen aus Uberlegungen der Transparenz (D 3/31, Ziffer 60).
Zur vertraglichen Klausel Ziffer 1.6.3 des Vertrages vom 26. Mai 1998, wonach samtliche
Zahlungen aus dem Unterlizenzieren von Rechten in das Special Account zu bezahlen seien,
gab Flavio Battaini an,

dass diesem Vertrag die Uberlegung zu grunde liege, dass samtliche Einnahmen aus der Verwertung der zugrunde liegenden
Rechte auf ein speziell eingerichtetes Konto gehen mussten; dies zur prazisen Ermittlung und zum Zwecke des Controllings.
Insbesondere sehe der Vertrag auch ein Profit Sharing vor, dass nur seitens der FIFA hatte berechnet werden konnen, wenn
der FIFA auch samtliche Einnahmen aus dem Unterlizenzgeschaft bekannt gewesen waren. Ebenso habe diese Uberlegung
dem Fakt gedient, dass die Lizenznehmerin berechtigt gewesen sei, 20% und 5% - also relativ festgehaltene Zahlen im Vertrag
                                                                                                                              85
- fiir sich in Abzug zu bringen (3/35, Ziffer 28, vgl. auch seine diesbezuglichen Angaben in Ziffer 26+27).


Daniel Eisele gab an, dass die FIFA unter dem Revenue Sharing berechtigt gewesen sei, neben der festen License Fee auch
einen Anteil an einem moglichen Gewinn zu bekommen. Aus diesem Grund sei es fiir FIFA wichtig gewesen, dass die
Unterlizenz Einnahmen auf ein spezielles Konto, also ein Special Account einbezahlt worden seien (D 3/40, Ziffer 16, vgl. auch
seine diesbezuglichen Angaben in Ziffer 14+15; „Kontrolle").

Joseph Blatter wurde die Frage gestellt, was der Grund gewesen sei, dass man ein Special Account eingerichtet habe. Er gab
an, dass der Hintergrund dazu bzw. seine Uberlegung eine rein finanzielle Trennung der Transaktionen sowohl bei der FIFA als
auch bei den Partnern fur Transparenz und Sicherstellung des Geldflusses gewesen sei (D 3/33, Ziffer 39). Zur Frage, aus
welcher Uberlegung die Klausel des Special Accounts/Unterlizenzvertrage in den Vertrag hineingenommen worden sei, gab
Flavio Battaini an: Zur konsequenten Durchsetzung des angesprochenen Prinzips sei es erforderlich, dass auch die
Unterlizenzvertrage vom gleichen Prinzip - namentlich von der Zahlung auf ein Special Account - beherrscht wurden (D 3/35,
Ziffer 29).

Daniel Eisele gab diesbeziiglich an, dass die FIFA habe sicherstellen wollen, dass im Unterlizenzvertrag die zwischen FIFA und
dem Licensee im Hauptlizenzvertrag vereinbarte Regelung reflektiert werde (D 3/40, Ziffer 17).

Joseph Blatter gab an, dass dieser ganze Artikel 1.6 mit dem Special Account und der Provision der Schliisselpunkt dieses
License Agreements gewesen sei; und zwar, um der FIFA die Garantie zu geben, dass die enormen Betrage, die Bestandteil
dieses Vertrages seien, auch kontrollierbar und uberblickbar seien (D 3/33, Ziffer41).


Es war der Sporis Holding AG untersagt, Leistungen und Anspruche aus den Un-
terlizenzvertragen zu verpfanden. Eine Verpfandung zum Zweck der Finanzierung einer
ausstehenden Bankgarantie war zulassig (Ziffer 1.6.8 des Vertrages vom 26. Mai 1998).

Die Sporis Holding AG war verpflichtet, der FIFA alle Unterlizenzvertrage vollumfanglich
bekannt zu geben und ihr spatestens zwanzig Tage nach Unterzeichnung eines
Unterlizenzvertrags eine Kopie davon zu iibergeben (Ziffer 1.6.6 des Vertrages vom 26. Mai
1998).

Einigen Beschuldigten wurde die Frage gestellt, aus welcher Uberlegung diese Klausel in den Vertrag hineingenommen worden
sei. Alle gaben sinngemass an, dass diese eine KontrollVTransparenzfunktion gehabt habe (Christoph Malms: D 3/28, Ziffer 70,
Heinz Schurtenberger: D 3/29, Ziffer 58, Jean-Marie Weber: D 3/30, Ziffer 73, Daniel Beauvois: D 3/31, Ziffer 61).

Auch Joseph Blatter, Flavio Battaini und Daniel Eisele (D 3/33, Ziffer 42, D 3/35, Ziffer 31, D 3/40, Ziffer 20) gaben sinngemass
an, dass diese Klausel zur Kontrolle des Unterlizenzgeschaftes eingebaut worden sei.
              (Ziffer 4.4.2 des Vertrages vom 26. Mai 1998). Der FIFA durften nur solche Infor-
              mationen bekannt geben werden, welche die FIFA zur Feststellung der Richtigkeit
              der ihr gemass den Berichten der Sporis Holding AG geschuldeten Gesamtbetrage
              und der damit in Zusammenhang stehenden Zahlungen benotigte (Ziffer 4.4.3 des
              Vertrages vom 26. Mai 1998).

              Die Sporis Holding AG war verpflichtet der FIFA uber alle Angelegenheiten sofort
              Mitteilung zu machen, die eine wesentliche nachteilige Veranderung der finan-
              ziellen Situation der Lizenznehmerin bewirkten oder hatten bewirken konnen (Ziffer
              8.2 lit. a des Vertrages vom 26. Mai 1998). Auf Ersuchen, diese Klausel zu konkreti-
              sieren, gab Flavio Battaini an,

              dass die FIFA in der Form einer gangigen vertraglichen Bestimmung versucht habe festzulegen, dass sich die
              Lizenznehmerin verpflichte, der FIFA unverziiglich mitzuteilen, sollte sich die finanzielle Situation der
              Lizenznehmerin wahrend der Dauer des Vertrages wesentlich verschlechtern im Verhaltnis zur Situation bei
              Vertragsunterzeichnung (D 3/35, Ziffer 32).

              Daniel Eisele gab bei der gleichen Aufforderung an, dass man mit dieser Klausel ein Fruhwarnsystem habe
              einbauen wollen. Der Licensee sei verpflichtet gewesen, im Falle einer schwerwiegenden negativen Veranderung
              der finanziellen Situation eine entsprechende Mitteilung an die FIFA zu machen (D 3/40, Ziffer 21).


              Die Beendigung des Vertragsverhaltnisses ist fiir verschiedene Konstellationen mit
              naher umschriebenen Folgen geregelt (Ziffer 10 des Vertrages vom 26. Mai 1998).
                                                                                             86
3.7.    Weitere Vertraosverhaltnisse
3.7.1   Vertrag vom 12. Dezember 1997 zwischen FIFA und ISL Marketing AG (HD 2/59)

        Gemass dieser Vereinbarung ubertrug die FIFA ihre Vermarktungsinteressen in einer
        umfassenden Art an die ISL Marketing AG (HD 2/59, Ziffer 2). Neben einer fixen
        Entschadigung von CHF 200'000'000.- (HD 2/59, Ziffer 6.1.1.1) erfolgte eine sehr
        detaillierte Entschadigungsregelung. Von Bedeutung ist, dass gemass Anhang 1 zur
        Vereinbarung am 15. Dezember 2001 CHF 60'000'000.~ und CHF 6'000'000.- fallig
        waren. Diese Betrage waren per 15. Dezember 2000 mit einer entsprechenden Bank-
        garantie abzusichem (HD 2/59, Ziffer 7.2).


3.7.2    Vertrag vom 29. Juni 1998 zwischen der ISMM Investment AG und der Globo Overseas
        Investment B.V. sowie der TV Globo LTDA (HD 2/53. D 21/5. D 21/6)


        Mit diesem Vertrag ubertrug die ISSM Investment AG der Sporis Holding AG der Globo
        Overseas Investment B.V. sowie der TV Globo LTDA die Rechte fiir die Verwertung der
        Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte der Weltmeisterschaften 2002 in Brasilien. Das
        Entgelt betrug USD 220'500'000.- und war nach einem bestimmten Zeitplan zu
        uberweisen (Anhang 2 des Vertrages). Mit Vereinbarung vom 17. Dezember 1998 wurde
        der Zahlungsplan wie nachfolgend dargestellt abgeandert und das Entgelt auf USD
        221'000'000.- erhoht (D 21/6).
96



Weltmeisterschaft
2002, Zahlungen               Datum
USD 22'000'000.~ USD          1. Juli 1998
22'500'000.--. USD            1.Januar1999 1.
22'000'000.~ USD              Juli 1999 1. Juii
22'000'000.USD                2000 1. Juli 2001
66'000'000.USD                1.Juni 2002
66'000'000.


(USD 220'500'000.-
USD221'000'000.-              Total) Total

        Entgegen dem Wortlaut von Ziffer 1.6.5 des Vertrages vom 26. Mai 1998 zwischen der
        FIFA und der Sporis Holding AG enthalt der Unterlizenzvertrag keine Bestimmungen,
        wonach das Entgelt auf das Spezialkonto Nr. 68.5288.003 bei der Banque Nationale de
        Paris (Suisse) SA, Basel, zu iiberweisen war.

        Auf den diesbeztiglichen Vorhalt gab Daniel Beauvois an, dass es in diesem Zeitpunkt
        noch kein Special Account gegeben habe (D 3/31, Ziffer 73). Dem Kontoauszug vom
        31.03.1998-30.06.1998 kann entnommen werden, dass das Konto ..Special TV" Nr.
        68,528-8.0003, lautend auf Sporis Holding AG bei der BNP Basel, im Zeitpunkt des
        Vertragsabschlusses mit Globo bereits eroffnet war (D 19/5/4/4 / vgl. dazu auch die
        Anweisung der ISL Television Limited an Globo vom 1. Juli 1998, die erste Rate aus dem
        Unterlizenzvertrag auf dieses Konto zu uberweisen: D 19/5/3/5 / vgl. auch D 19/5/2/2/1).
        Die ubrigen Beschuldigten konnten dazu keine Angaben machen (D 3/28, Ziffer 90, D
        3/29, Ziffer 75, D 3/30, Ziffer 86). Auch Flavio Battaini konnte diesbezuglich keine
        prazisen Angaben machen (D 3/35, Ziffer 48 ff.). Daniel Eisele gab an, dass man diesen
        Mangel seitens ihrer Kanzlei gegeniiber der FIFA thematisiert habe, und er glaube, dass
        die FIFA dies bei der ISMM beanstandet habe (D 3/40, Ziffer 27+28).

        Roger Feiner. welcher gemass eigenen Angaben vom 1. Juni 1999 bis zum 1.
                                                                                                   87
        September 2001 bei der FIFA fiir alle Bereiche des TV-Broadcasting zustandig war (D
        3/38, Ziffer 3), gab sinngemass an, dass er den diesbezuglichen Fehler festgestellt habe
        und habe riigen wollen. Das Riigeschreiben sei von seinem damaligen Vorgesetzten
        unterbunden worden (D 3/38, Ziffer 15+16). Vor dem Hintergrund dieser Angaben wurde
        die FIFA mit Verfugung vom 13. Mai 2003 aufgefordert, samtliche Korrrespondenz an die
        Sporis Holding AG / ISMM AG, aus welcher allenfalls ersichtlich sei, dass der Ver-
        tragspartner auf fehlende Ubereinstimmungen zwischen Unterlizenzvertragen und dem
        Vertrag zwischen der FIFA und der Sporis Holding AG vom 26. Mai 1998 hingewiesen
        worden sei, zu hinterlegen (HD 2/132). Mit Eingabe vom 10. Juni 2003 wurde ein Schrei-
        ben der FIFA vom 7. September 1998 eingereicht, aus welchem ersichtlich ist, dass die
        Sporis Holding AG darauf hingewiesen wurde, dass die fragliche Klausel in den „Globo-
        TV-Vertragen" fehle. Die Sporis Holding AG wurde ersucht, die geriigten Punkte mit
        Globo zu bereinigen und die FIFA uber die schriftlichen Vertragsanderungen auf dem
        Laufenden zu halten (HD 2/137 f. / vgl. auch D 19/5/0/2 / vgl. auch D 8/6/31: Das er-
        wahnte FIFA Schreiben wurde auch bei der ISMM AG sichergestellt).


3.7.3    Vertrag vom 5. November 1999 zwischen der ISMM Investments AG und Dentsu Inc
        (HD2/15.D4/B/1/32)

        Mit diesem Vertrag ubertrug die ISMM Investments AG der Dentsu Inc. die Rechte fiir die
        Verwertung der Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte der Weltmeisterschaften 2002
        in Japan. Das Entgelt betrug CHF 220'000'000.- und war vor oder bis zum 20.
        Dezember 1999 zu uberweisen (S. 2 des Vertrages). Dentsu verpflichtete sich, einen ..standby
        letter of credit" beizubringen (S. 3 des Vertrages).

        Entgegen dem Wortlaut von Ziffer 1.6.5 des Vertrages vom 26. Mai 1998 enthalt der Vertrag
        keine Bestimmungen, wonach das Entgelt auf das Spezialkonto Nr. 68.5288.003 bei der Banque
        Nationale de Paris (Suisse) SA, Basel zu uberweisen war.


3.7.4   Zusatze vom 10./11. November 1999 bzw. 18. November 1999 zum Vertrag vom 5. November
        1999 zwischen der ISMM Investment AG und Dentsu Inc. (HD 2/17. D 4/B/1/34. HD 2/18. D
        4/B/1/39)

        Da es Dentsu Inc. nicht moglich war, einen „standby letter of credit" beizubringen, machte sie
        verschiedene Losungsvorschlage (Bankgarantie, vorgezogene Bezahlung des Entgeltes bis zum
        30. November 1999 ohne Bankgarantie unter Abzug eines bestimmten Betrages).

        Am 10./11. November 1999 vereinbarten die Parteien, dass Dentsu bis zum 30. November 1999
        das vereinbarte Entgelt abzuglich eines Pauschalbetrages von CHF 400'000.-, d.h. CHF
        219'600'000.-- zu iiberweisen hatte. Diese Vereinbarung wurde mit Schreiben vom 18. November
        1999 bestatigt.


3.7.5    Zusatzvertrag vom 15. September 2000 zum Vertrag vom 5. November 1999 zwischen der
        ISMM Investment AG und Dentsu lnc.(HD 2/20. D 4/B/1/54)

        Mit dieser Vereinbarung wurde das Entgelt fiir die Verwertungsrechte neu geregelt und betrug
        CHF 259'000'000.~. Gleichzeitig bestatigte die ISMM AG den Erhalt von CHF 219'600'000.-. Der
        Restbetrag von CHF 40'000'000.- war wie folgt zu bezahlen:

        20. Oktober 2000 CHF 15'000'000.—
1       September 2001 CHF 15'000'000.—
2       Juli 2002     CHF 1O'OOO'OOO.—

        Entgegen dem Wortlaut von Ziffer 1.6.5 des Vertrages vom 26. Mai 1998 enthalt der
        Zusatzvertrag keine Bestimmung, wonach die Betrage auf das Spezialkonto zu uberweisen
        waren.
                                                                                                                          88
3.7.6    Der Vertrag vom 17. Januar 2001 zwischen der ISMM AG. der ISL Worldwide und Dentsu Inc
        (HD 2/22. D 4/B/1/57. deutsche Ubersetzung: HD 2/22/1)

1.      Definition

                 "Dentsu-Garantie" bedeutet einen Vertrag oder eine Garantie, die Dentsu der Bank bereitstellen
                 wird (laut nachstehender Definition), damit die Bankgarantie (laut nachstehender Definition) von
                 der Bank an die FIFA ausgestellt wird.

                "Gesicherte Verpflichtung" bedeutet die in Punkt (i) von Artikel 2 dieses MOU erwahnte Verpflichtung von
                ISLWW.

        2.        Verpflichtungen von ISLWW Fiir den Fall, dass Dentsu eine Bank (z.B. die Dai-lchi Kangyo Bank oder eine
                 andere fur die FIFA akzeptable Bank) (die "Bank") beauftragt, der FIFA gemass den Bestimmungen und
                 Bedingungen des Marketingvertrags eine Bankgarantie uber CHF 66 Millionen und UST darauf (die
                 "Bankgarantie") auszustellen, verpflichtet sich ISLWW hiermit wie folgt:
                 (i)   Dentsu fur bzw. von jegliche/n und alle/n Pflichten und Haftungen zu entschadigen und schadlos zu
                      halten, die Dentsu gemass der Dentsu-Garantie zu erfullen und/oderzu bezahlen verpflichtet ist oder
                      sein wird. Dem gemass hat ISLWW in dem Fall, dass die Bank von Dentsu verlangt, irgendwelche
                      Pflichten und/oder Haftungen oder Gelder gemass der Dentsu-Garantie zu erfullen und/oder zu
                      bezahlen, oder in dem Fall, dass Dentsu irgendwelche Pflichten und/oder Haftungen und/oder Gelder
                      gemass der Dentsu-Garantie gegenuber der Bank in Erfullung ihrer Pflichten erfullt oder bezahlt,
                      gemass Aufforderung und Anweisung von Dentsu (i) die gesamten Verpflichtungen und/oder
                      Verbindlichkeiten von Dentsu direkt zu erfullen und/oder der Bank zu bezahlen und/oder (ii) Dentsu
                      einen solchen Geldbetrag zu bezahlen, den Dentsu der Bank gemass den Bestimmungen der Dentsu-
                      Garantie bezahlte.

        3.       Verpflichtungen von ISMM und ISLWW

        3.1       Garantie von ISMM ISMM, die in Bezug auf die Erfullung der Gesicherten Verpflichtung durch ISLWW
                 einzelne und gemeinschaftliche Garantiegeberin (rental hoshonin) wird, ist gegenuber ISLWW einzein und
                 gemeinschaftlich fur Erfullung und Bezahlung der Gesicherten Verpflichtung verantwortlich und haftbar.

        3.3      Entgelt

        3.3.1    ISMM und ISLWW haben Dentsu als Gegenleistung fur die Bereitstellung der Bankgarantie durch Dentsu
                bestimmte Kompensationen zu gewahren, deren spezifischer Inhalt zwischen ISLWW und Dentsu zu
                vereinbaren ist.

        3.3.2     Es wird hiermit bestatigt, dass (i) ISLWW und ISMM die Zahlung einer Garantiegebuhr, die Dentsu der Bank
                 bezahlen wird oder bezahlen wird mussen, damit die Bank der FIFA die Bankgarantie ausstellt, ubernehmen
                 und dafiir verantwortlich sind, und (Hi) ISLWW und ISMM Dentsu oder der Bank den Betrag einer solchen
                 Garantiegebuhr gemass Anweisung von Dentsu, die von Dentsu zu einem solchen Zeitpunkt gegeben wird,
                 zu bezahlen haben.


        Zusammengefasst erklarte sich Dentsu Inc somit bereit, der FIFA eine Bankgarantie
        iiber CHF 66'000'000.-- zu erbringen. Diese Bankgarantie ware von der ISL Worldwide
        auf Grund des marketing agreements vom 12. Dezember 1997 zu stellen gewesen.



3.7.7   Erklarung der ISMM AG und ISL Worldwide vom 17. Januar 2001 (HD 2/23. D 4/B/1/58)

      Gemass dem Wortlaut der Erklarung verpfandete die ISMM AG ihre Forderung, welche
      sie aus dem Unterlizenzvertrag mit Dentsu Inc. hatte, an dieselbe Gesellschaft mit dem
      Zweck, das von Dentsu mit dem Stellen der Bankgarantie eingegangene Risiko
      abzusichem. Gleichzeitig gab sie eine Haftungserklarung ab.
B. Anschuldiaunaen bzw. Anklaaepunkte

1. Anwendbares Recht
                                                                                       89
Am 1. Januar 2007 trat der revidierte Allgemeine Teil des Schweizerischen
Strafgesetzbuches in Kraft. Es stellt sich sonach die Frage, ob neues oder das bis Ende
2006 geltende Recht anzuwenden ist. Gemass Art. 2 StGB ist eine Tat nach dem im Zeit-
punkt der Tat und nicht nach dem im Zeitpunkt des Urteils geltenden Recht zu beurteilen,
es sei denn, dass neue Recht erweise sich im konkreten Vergleich als das fiir den Tater
mildere. Insoweit ist zunachst die Strafbarkeit zu vergleichen. Ist sie unter beiden
Rechten gegeben, so ist zu prufen, welche der Sanktionen den Tater in seinen
personlichen Freiheiten mehr einschrankt (Peter Popp, BSK Strafgesetzbuch I, Niggli
/Wiprachtiger Hrsg., Basel 2003, N. 10 f. zu Art. 2, m.w.H.).

Im Bereich des Rechts der Strafen (Art. 34 ff. StGB) konnen neuerdings namentlich
Freiheitsstrafen sowie Geldstrafen verhangt werden. Sodann konnen Geldstrafen und
Freiheitsstrafen von maximal zwei Jahren bedingt ausgesprochen werden, und es kann
fiir Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren der Vollzug teilweise aufgeschoben werden, wah-
rend die bisherige Obergrenze fiir die Gewahrung des bedingten Strafvollzuges bei 18
Monaten Gefangnis bzw. Zuchthaus lag und teilbedingte Strafen nicht moglich waren.
Voraussetzung des bedingten Strafvollzuges ist sodann nicht mehr - wie nach friiherem
Recht - das Vorhandensein einer giinstigen, sondern das Fehlen einer ungiinstigen
Prognose. Das geltende Recht erweist sich damit im Bereich der Sanktionen grund-
satzlich fiir den Tater als milder.

Die Strafbarkeitsvoraussetzungen der Tatbestande, fiir die sich die Beschuldigten nach
Auffassung der Staatsanwaltschaft zu verantworten haben, wurden nicht geandert. Statt
der bisher angedrohten Zuchthaus- oder Gefangnisstrafen wird jedoch neu eine Frei-
heitsstrafe oder eine Geldstrafe verhangt, wobei die Hochstdauer der Freiheitsstrafe un-
verandert bleibt und - soweit ein Mindestrahmen vorgegeben ist - statt einer Gefangnis-
strafe von bestimmter Dauer eine entsprechende Mindestanzahl von Tagessatzen
Geldstrafe zu verhangen ist. Da eine Freiheitsstrafe stets strenger als eine Geldstrafe zu
werten ist, unabhangig vom Mass und den personlichen und wirtschaftlichen Verhalt-
nissen des Verurteilten (Popp, a.a.O., N. 11 zu Art. 2), und das neue Recht es erlaubt,
eine in diesem Sinne mildere Strafe zu verhangen, haben die vorliegend gemass Antrag
der Staatsanwaltschaft anwendbaren Art. 138 Ziff. 1, 146 Abs. 1, 152, 163 Ziff. 1, 164
Ziff. 1, 167, 251 Ziff. 1 und 253 StGB in der ab 1. Januar 2007 giiltigen Fassung als
milderes Recht im Vergleich zu dem im Tatzeitpunkt anwendbaren Recht zu gelten. Da
das Gesetz im Ubrigen Gefangnis- und Zuchthausstrafen nicht mehr vorsieht, ware auch
aus diesem Grund die Anwendung der altrechtlichen Tatbestande fragwiirdig, indem eine
andere als die im Tatbestand vorgesehene Sanktion verhangt werden musste. Und
schliesslich gilt es zu beachten, dass sich das neue Recht zumindest in der Tendenz
auch im Hinblick auf Vollzugsfragen als milder erweist (vgl. z.B. Art. 86 Abs. 4 StGB).
          Demnach ist festzuhalten, dass der Sachverhalt insgesamt nach dem seit 1.
          Januar 2007 geltenden Recht zu beurteilen ist. Trotz dieser abstrakten bzw.
          vorfrageweisen Einschatzung wird im Rahmen der Strafzumessung noch nach
          der konkreten Methode zu prufen sein, welches Mass an Strafubel die
          Anwendung des alten Rechts fiir die Beschuldigten bedeutet hatte: Bei einem fiir
          sie gleichen oder besseren Ergebnis musste es nach Art. 2 Abs. 1 StGB bei der
          Anwendung des alten Rechts bleiben.

 2.      Konkurrenzen
                                                                                           90
       2.1     Den     Beschuldigten    wurde     bei     der    untersuchungsrichterlichen
              Schlusseinvemahme Veruntreuung eventualiter Betrug vorgehalten. Gemass
              bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist dann von Veruntreuung auszugehen,
              wenn der Tater fiber die anvertraute Sache eines andem verfugt, iiber die er
              aufgrund einer Vereinbarung mit dem Eigentiimer die tatsachliche
              Verfiigungsmacht hat. Wo hingegen ein Vertrauensverhaltnis
L              zwischen dem Eigentiimer und dem Tater besteht, dieser die tatsachliche
              Verfiigungsmacht jedoch durch arglistige Tauschung erlangt, da die ihm
              verliehenen Befugnisse nicht ausreichen, ist Betrug gegeben (BGE 111 IV 130).
              Auf Grund der Ausgestaltung des Vertragsverhaltnisses zwischen der FIFA und
              der Sporis Holding AG ist vorweg vom Veruntreuungstatbestand auszugehen.
              Das andert nichts daran, dass das Vorgehen der Beschuldigten kriminologisch in
              die Nahe des Betruges riickt. Es erfolgte jedoch kraft ihrer Vertrauensstellung.
              Das betrugsahnliche Vorgehen diente somit der Vertuschung der Veruntreuung
              (BGE 111 IV 23). Diese Feststellung schliesst allerdings bei Verneinung der
              Erfullung des Veruntreuungstatbestandes die Erfullung des Betrugstatbestandes
              nicht aus.

       2.2     Art. 167 und Art. 138/146 StGB schiitzen nicht die gleichen Rechtsguter.
              Geschutzt sind bei der Glaubigerbevorzugung die Interessen der
              Zwangsvollstreckung als Bestandteil der Rechtspflege im weitesten Sinn (BGE
              106 IV 34). Bei Veruntreuung und Betrug ist
i              das geschiitzte Rechtsgut das Vermogen bzw. indirekt auch die Person, da
              materielle Werte nicht um ihrer selbst Willen geschutzt werden. Es besteht somit
              Idealkonkurrenz.

1      Art. 163 und 164 StGB gehen gegenuber Art. 167 StGB vor (Stefan Trechsel, Schwei-
zerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, 2. A. Zurich 1997, N 8 zu Art. 167).
2      Veruntreuung z.N. der FIFA (Globo Komplex)

       3.1    Gesetzliche Grundlaoe (Art. 138 StGB)

              Den objektiven Tatbestand der Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2
              StGB erfullt, wer ihm anvertraute Vermogenswerte unrechtmassig in seinem
              oder eines anderen Nutzen verwendet. Geschiitzt wird durch diese
              Tatbestandsvariante nicht das Eigentum an einem Vermogenswert, sondern den
              dem Treugeber aus der Ubereignung an den Treuhander entstandenen
              obligatorischen Anspruch (vgl. BGE 121 IV 25). Der Treuhander erwirbt am
              erhaltenen Wert Eigentum und damit die tatsachliche und auch die rechtliche
              Verfugungsmacht. Die an den Treuhander ubergegangenen Vermogenswerte
              sind jedoch dazu bestimmt, wieder an den Berechtigten zuruck- oder weiterzu-
              fliessen. Sie sind damit wirtschaftlich fremd. Deshalb hat sie der Treuhander
              unangetastet zu lassen. Er ist verpflichtet, dem Treugeber den Wert des
              Empfangenen standig zu erhalten. Nur wo diese Werterhaltungspflicht besteht,
              befindet sich der Treuhander in einer vergleichbaren Stellung mit dem, der eine
              fremde bewegliche Sache erhalten und das Eigentum des Treugebers daran zu
              wahren hat. Die Werterhaltungspflicht ist deshalb grundsatzlich Voraussetzung
              einer Verurteilung nach Abs. 2. Funktion von Abs. 2 ist die Ermdglichung der
              Strafbarkeit in Fallen, wo aus Griinden des Zivilrechts die Fremdheit nicht
                                                                                                91
                gegeben oder zweifelhaft ist. Dies kann etwa auf die Konstellation der
                indirekten Stellvertretung oder bei der Erlosveruntreuung zutreffen.


3.2     Das dem Tatobiekt zu Grunde liegende Geschaft

3.2.1    Zum Tatvorwurf: Vgl. II Sachverhalt Ziffer 3. Ausgangspunkt der gegenstandlichen
        Uberweisung von USD 59'207'500.- (Tatobjekt) ist der Vertrag vom 29. Juni 1998 zwi-
        schen der ISMM Investment AG mit der Globo Overseas Investment B.V. und der TV
        Globo LTDA, mit welchem Globo die Rechte fiir die Verwertung der Radio- und Fernseh-
        Ubertragungsrechte der Weltmeisterschaften 2002 fur das Territorium Brasilien
        ubertragen wurden. Das Entgelt fiir die erwahnten Rechte betrug USD 221'000'000.-und
        war nach einem bestimmten Zeitplan zu iiberweisen [D 21/6: Anhang 2 des Vertrages].
        Gemass dem mit Zusatz vom 17. Dezember 1998 vereinbarten Zahlungsplan war Globo
        verpflichtet, am 1. Juli 2001 einen Teil der Lizenzgebuhr, namlich USD 66'000'000.-- an
        ihren Vertragspartner zu iiberweisen (D 21/6). Am 13. September
        2000 stellte die ISMM AG der Globo Overseas Investments B.V. eine Rechnung uber
        USD 59'207'500.- (D 4/D/2/62). Der Betreff der Rechnung ist mit "Broadcast Rights to the
                                                           th
        FIFA World Cup 2002 Advance Payment of the 5 Installment payment payable July 1,
        2001, in the amount of US$ 66'000'000.- less: discount for advanced payment at 13%
        p.a. US$ - 6'792'500.00" iiberschrieben. In dem von Hans-Jiirg Schmid unterzeichneten
        Begleitschreiben zur Rechnung lautet der Betreff: "Broadcast Rights to the FIFA World
                                             th
        Cup 2002 Advance Payment of the 5 Installment" (HD 2/9). In der von Hans-Jiirg Schmid
        und Hans-Peter Weber (Heinz Schurtenberger / D 4/C/1/11/13) unterzeichneten und mit
        15. September 2000 datierten Quittung wird bestatigt, dass es sich bei dem Betrag von
        USD 59'207'500.- um eine Vorauszahlung auf den am 1. Juli 2001 falligen Betrag handle
        (HD 2/11). Der Betrag wurde von Globo Overseas Investments B.V. iiberwiesen und mit
        Valuta 18. September 2000 dem Konto Nr. 248594050.60J, lautend auf ISL Worldwide
        bei der UBS AG Luzern, gutgeschrieben (D 5/24). Die Zahlung wurde der FIFA nicht
        angezeigt.

3.2.2 Die Beschuldigten stellen sich auf den Standpunkt, dass es sich bei dem im Schriftver-
      kehr (etwa Rechnung, Quittung) als Vorauszahlung bezeichneten Betrag von US$
      59'207'500,-- um ein Darlehen an die ISMM AG gehandelt habe (Hans-Jurg Schmid: D
      3/1, Ziffer 1 ff., Hans-Peter Weber: D 3/2, Ziffer 1, Christoph Malms: D 3/28, Ziffer 93,
      Heinz Schurtenberger: D 3/29, Ziffer 77 ff, Jean-Marie Weber: D 3/30, Ziffer 90 ff, Daniel
      Beauvois: D 3/31, Ziffer 77 ff). Sie bestatigten aber auch mit Einschrankungen
      sinngemass, dass auf der Grundlage der schriftlichen Unterlagen von einer Voraus-
      zahlung auszugehen sei (Christoph Malms: D 3/28, Ziffer 98 ff, Heinz Schurtenberger: D
      3/29, Ziffer 86, abweichend Jean-Marie Weber: D 3/30, Ziffer 108, Daniel Beauvois: D
      3/31, Ziffer 87). Es stellt sich somit die Frage, ob das dem Tatobjekt zu Grunde liegende
      Geschaft als Vorauszahlung oder Darlehen zu qualifizieren ist und ob sich daraus in
      strafrechtlicher Hinsicht Konsequenzen ergeben.

                Geht man einerseits von einer Vorauszahlung aus, so hatten die Parteien den
                Unterlizenzvertrag in einem Punkt abgeandert; jenem der Failigkeit eines Teils
                der Lizenzgebiihr. Ein derail modifizierter, schriftlicher Vertrag liegt nicht vor,
                hingegen Schriftstiicke, welche zumindest dem Wortlaut nach auf eine
                diesbeziigliche, allerdings mundliche Abrede hinweisen. Andrerseits liegt auch
                                                                                               92
               mit Bezug auf die von den Beschuldigten behauptete Darlehensabrede kein
               schriftlicher Vertrag vor, jedoch ein schriftlicher Hinweis,
•jj^^


               dass die Vertragsparteien den Abschluss eines solchen in Erwagung gezogen
               bzw. zumindest diskutiert hatten.

               Wie die nachfolgenden Ausfuhrungen noch zeigen, ist im vorliegenden Fall
               eindeutig von einer Vorauszahlung, und letztlich eben nicht von einem Darlehen
               auszugehen. Wie zudem schon der Untersuchungsrichter vollig zu Recht
               festhielt, bleibt in jedem Fall die Feststellung von mitentscheidender Bedeutung,
               dass die gegenstandliche Uberweisung, selbst wenn ihr Rechtsgrund in einem
               Darlehensvertrag liegen wiirde, nur auf Grund des inneren Zusammenhangs mit
               dem Unterlizenzverhaltnis erfolgte, wie der Zeuge Marcelo Campos Pinto
               bestatigte (D 3/25, Ziffer 42). Zudem ist offensichtlich, dass ein allfalliges
               Darlehen mit der Nebenabrede, wonach die Riickzahlung durch Verrechnung mit
               einer am Tag X geschuldeten Forderung erfolgen soil, faktisch eine antizipierte
               Begleichung eben dieser Forderung und damit eine Vorauszahlung ist. Damit
               ware selbst ein dem gemeinsamen Willen der Parteien entsprechendes und
               damit zustande gekommenes Darlehen unter Beriicksichtigung des
               Vertragsverhaltnisses zwischen der ISMM und der FIFA und somit aus Sicht der
               Letzteren als Umgehungsgeschaft zu qualifizieren. Ein solches findet aber durch
               die Rechtsordnung keinen Schutz, da es nicht einseitig dem Willen des an ein
               zweiseitiges Rechtsgeschaft (FIFA/ISMM AG) gebundenen Vertragspartners
               anheimgestellt sein darf, seine vertraglich eingegangenen Verpflichtungen in der
               vom strafrechtlichen Tatbestand umschriebenen Art und Weise zu umgehen.
               Diese Feststellung findet ihre Berechtigung im Grundgehalt des
               Veruntreuungstatbestandes, welcher u.a. Vertragstreue als zentralen Punkt
               miteinschliesst bzw. ihre Verletzung sanktioniert. Als Konsequenz ist fur die
               Qualifizierung des Grundgeschaftes in jedem Fall von einer Leistung aus dem
               Unterlizenzverhaltnis auszugehen, was die entsprechenden vertraglichen Folgen
               nach sich zog (Mitteilungspflicht etc.) Auf Grund der Angaben der Beteiligten ist
               indes ohnehin erstellt, dass es fur Globo kein Darlehen war und somit nicht von
               einem ubereinstimmenden Willen ausgegangen werden kann. Fiir ISMM AG war
               die juristische Qualifikation im Verhaltnis mit Globo offenkundig nur von
               beschrankter Bedeutung; im Vordergrund stand vielmehr die Moglichkeit, vor
               dem Hintergrund der finanziellen Situation tatsachlich iiber die Mittel verfugen zu
               konnen. Deshalb bestand wohl auch kein Interesse, den Geldfluss als
               Vorauszahlung zu qualifizieren, ansonsten 75 % des Eingangs gleich an die
               FIFA hatten abgeliefert werden mussen. Fiir Globo selbst war sodann die Losung
               im Sinne einer Vorauszahlung in mehrfacher Hinsicht vorteilhaft; ein
               bestehendes Vertragsverhaltnis musste nur in einem Punkt angepasst werden
               (Failigkeit), und es musste - wie im Falle eines Darlehens wohl unumganglich -
               keine allenfalls mit Bezug auf die Werthaltigkeit fragliche Sicherheit seitens der
               ISMM AG akzeptiert werden.

        Dass die gegenstandliche Uberweisung eine Vorauszahlung und nicht ein Darlehen
        war, ergibt sich aus der Untersuchung eindeutig, wobei nachfolgend (gegeniiber
        der Uberweisungsverfiigung leicht gekiirzt) auf Folgendes hinzuweisen ist:
                                                                                    93
3.2.3 Mit Bezug auf die buchhalterische Erfassung der Gobo Zahlung ergab die Unter-
      suchung Folgendes, wobei im Rahmen des bereits erwahnten Gutachtensauftrages ver-
      schiedene Fragen gestellt wurden (D 7/C/14, S. 7).

      Der Gutachter fiihrte aus: Im Jahr 2000 erfolgten bezuglich der am 29. Juni 1998 durch Vertragsabschluss
          entstandenen Forderungen keine Buchungen. Das Guthaben (per 1. Juli 2001) wurde jedoch korrekterweise im
          Rahmen der Eroffnungsbuchungen in der Forderungenbuchhaltung der ISMM AG per 1. Januar 2000 als offener
          Posten bei der Eroffnung der Buchhaltung der ISMM AG fiir das Geschaftsjahr 2000 im Umfang von USD 66 Mio
          auf neue Rechnung vorgetragen (D 7/D/1, Seite 45).

      Fraoe an den Gutachter: Auf welchem Konto und wie bzw. als was wurde der Eingang
      von USD 59'207'500.-- bei der ISL Worldwide gebucht?

           Antwort des Gutachters: Die Gegenbuchung zum erfolgten Geldeingang erfolgte im Konto 224100, welches die
           Bezeichnung ..Prepayment third party" oder zu deutsch ..Vorauszahlungen von Dritten" trug. Die Kontonummer
           des Kontos Vorauszahlungen wurde auch auf dem Buchungsbeleg vermerkt. Die Buchung erfolgte als
           Vorauszahlung und wurde von der ISL Worldwide im Zwischenabschluss per
           30. September 2000 als Passivum (Vorauszahlung) ausgewiesen.

           Erst bei der Abschlusserstellung des Jahresabschlusses per 31. Dezember 2000 wurde am 7. Mai 2001 (mit
           Buchungsdatum 31. Dezember 2000) eine weitere Buchung vorgenommen. Das Konto 224100 ..Prepayment third
           party"wurde belastet und damit ausgeglichen und der Betrag von USD 59'207'500.-- wurde der ISMM AG auf dem
           Konto 221'800 „trade payable group"oder zu deutsch „Kreditoren Gruppe", einem Intercompany Konto
           gutgeschrieben (D 7/D/1, S. 47+48).

      Fraoe an den Gutachter: Erfolgte parallel zur Buchung bei der ISL Worldwide auch eine
      Buchung bei der ISMM AG und bejahendenfalls, auf welchem Konto und wie bzw. als
      was wurde diese Bewegung erfasst?

           Antwort des Gutachters: Am 18. September 2000 erfolgte bei der ISMM AG keine Buchung. Erst am
           21. Marz 2001 erfolgten bei der ISMM AG verschiedene, mit dem „Globo Payment" zusammenhangende
           Buchungen per 31. Dezember 2000. Im Rahmen der Erstellung des definitiven Jahresabschlusses per 31.
           Dezember 2000 wurde dabei die Tochtergesellschaft ISL Worldwide auf dem Intercompany Konto 12V800
           ..Trade Receivable Group Companies" oder zu deutsch „(Forderungen Gruppe" mit USD 59'207'500.-- belastet.
           Auf der Habenseite wurde die Forderung gegenuber Globo von USD 66'000'000.-- ausgeglichen. Die Differenz
           des Discounts von USD 6'792'500.- wurde der Erfolgsrechnung im Konto Nr. 401700 „other Acquisition Costs"
           d.h.andere Akquisitionskosten belastet.

           Die Buchungen erfolgten per 31. Dezember 2000 also dergestalt, dass das „Globo Payment als
           Forderungenzahlung betrachtet wurde. Der mit Globo ausgehandelte Discount aufgrund der vorfallig erfolgten
           Zahlung wurde dagegen im Aufwand belastet (D 7/D/1, S. 48).
Hans-Jiiro Schmid wurde im Zusammenhang mit der Buchung der Globo Zahlung folgender
Vorhalt gemacht: Sie haben bei der Einvernahme vom 6. Juni 2001 angegeben, dass in der
Jahresrechnung 2000 die Zahlung als Darlehen verbucht worden sei (D 3/1, Ziffer 19). Die
Auswertung der Buchhaltungsunterlagen hat ergeben, dass bei der ISMM AG im Zeitpunkt des
Einganges der Globo Zahlung von USD 59'207'500.-- keine Buchung erfolgte. Hingegen
erfolgten im Zusammenhang mit dieser Zahlung per 31. Dezember 2000 verschiedene
Buchungen. Dabei wurde die Globo Zahlung als Forderungszahlung bzw. als Zahlung des
Debitors Globo dargestellt (D 7/D/1, S. 48). Ihr Kommentar? Er gab folgendes an:

   Bei der ersten Aussage habe er zum Ausdruck bringen wollen, dass es als Schuld gegenuber Globo aufgefuhrt worden
   sei, ohne auf die genaue Bezeichnung des Kontos Bezug zu nehmen. Bezuglich der verschiedenen Nachbuchungen,
   welche von der KPMG - und zwar erst Februar/Marz vorgeschlagen und auch so verbucht worden seien (wozu dem
   Untersuchungsrichter die Details bekannt seien, nehme er an), sei die zweitletzte Buchung beziiglich Globo Zahlung die
   Netto Darstellung des Debitors Globo mit dem Kreditor - sprich Darlehensgeber - Globo gewesen. Nach KPMG sei es
   iiblich oder mindestens zulassig, wenn man Forderungen und Schulden mit der gleichen Failigkeit gegeniiber der gleichen
   Person bzw. Gesellschaft verrechne. Diese Darstellung sei zu jenem Zeitpunkt ein Vorschlag der KPMG, welcher weder
   vom ExCo noch vom VR so abgesegnet gewesen sei (D 3/48, Ziffer 151). (Zu den Aussagen der weiteren Beschuldigten:
   Heinz Schurtenberger: D 3/44, Ziffer 100, Christoph Malms:D 3/45, Ziffer 130, Daniel Beauvois: D 3/49, Ziffer 77, Hans-
   Peter Weber: D 3/61, Ziffer 135)

Vor dem Hintergrund der Aussage von Hans-Jurg Schmid wurde dem Gutachter nachtraglich
                                                                                                                           94
folgende Frage unterbreitet (D 7/C/40, Ziffer 6): Sie halten auf Seite 22 des Gutachtens fest,
dass die ISL Worldwide am 18. September 2000 die Zahlung von Globo Overseas Investments
B.V. von US$ 59'207'500.-- vereinnahmt habe, welche als Vorauszahlung passiviert worden sei
und aufgrund welcher die Position Vorauszahlungen in der konsolidierten Bilanz massiv
angestiegen sei. Auf Seite 47 halten Sie fest, dass die Buchung als Vorauszahlung erfolgt, und
auf Seite 48, dass das „Globo Payment" direkt als Forderungenzahlung betrachtet worden sei.
Auf den Vorhalt, dass die Globo Zahlung als Forderungenzahlung bzw. als Zahlung des
Debitors Globo dargestellt worden sei, habe ein Beschuldigter angegeben, dass die Buchung
bezuglich Globo Zahlung die Netto Darstellung des Debitors Globo mit dem Kreditor - sprich
Darlehensgeber - Globo gewesen sei. Nach KPMG sei es iiblich oder mindestens zulassig,
wenn man Forderungen und Schulden mit der gleichen Failigkeit gegenuber der gleichen
Person bzw. Gesellschaft verrechne. Ist diese Darstellung des Beschuldigten aus
buchhalterischer Sicht korrekt?

Antwort des Gutachters: In der Tat wurde der Zahlungseingang wie im Gutachten beschrieben vorerst als Vorauszahlung (bei
    der ISL Worldwide) verbucht und erst am 21. Marz 2001 erfolgte bei der ISMM AG die Buchung mit dem „Ausgleich" des
    Debitoren Globo. Aufgrund der Darstellung eines Beschuldigten stellt sich nun die Frage, ob dieser Buchungsvorgang
    korrekt war, hatte es sich beim „Globo-Payment" um ein Darlehen gehandelt. Im Gutachten in Ziffer 8.6. habe ich
    ausgefuhrt, dass in diesem Fall eine Buchung als Passivdarlehen hatte erfolgen miissen. Es stellt sich nun die Frage, ob
    die Saldierung von Debitorenforderung und Passivdarlehen bereits bei Abschlusserstellung oder erst im Zeitpunkt der
    Failigkeit der Debitorenforderung , am 1. Juli 2001 hatte erfolgen diirfen. Der erwahnte Beschuldigte argumentiert dabei
    offenbar, dass es sich um eine Schuld (offenbar wird angenommen das Darlehen ware ebenfalls am 1. Juli 2001 fallig) und
    eine Forderung mit gleichem Vertragspartner und gleicher Failigkeit handelte. Dies wiirde grundsatzlich tatsachlich eine
    Verrechenbarkeit implizieren. Eine solche Verrechenbarkeit ware dann gegeben, wenn es sich beispielsweise um einen
    Kreditor und einen Debitor mit gleicher Failigkeit und gleichem Partner handelte. Im vorliegenden Fall wird jedoch von
    einen Darlehen (offenbar mit Laufzeit vom 18. September 2000 bis 1. Juli 2001) ausgegangen. Dieses qualifiziert klar als
    Finanzierungstransaktion, da ja die Globo-Zahlung in diesem Fall nicht aus „Lieferungen und Leistungen" (und damit nicht
    verbunden mit dem operativen Geschaft) entstand, sondern eben - unter dieser Annahme - als Darlehen. Ob nun eine
    Forderung aus Lieferungen und Leistungen mit einem Finanzierungsdarlehen verrechnet werden kann (auch bei gleicher
    Failigkeit) ist negativ zu beurteilen. Dies insbesondere aufgrund der Wirkung, die diese Verrechnung in der
    Mittelflussrechnung bewirkt, dass die Transaktion (bei Annahme eines Darlehens richtigerweise) als Finanzierungsvorgang
    dargestellt worden und sichtbar gemacht worden ware. In der Mittelflussrechung fuhrt die Verrechnung zu einem
    unzutreffenden Bild, indem ein wesentlicher Finanzierungsvorgang nicht sichtbar ist. Die damals giiltigen lAS-Standards
    stipulieren in IAS 39-Ziffer
               57: Ein Unternehmen hat eine finanzielle Schuld (oder einen Teil einer finanziellen Schuld) dann, und nur dann,
               aus seiner Bilanz auszubuchen, wenn diese getilgt ist - d.h. wenn die im Vertrag genannten Verpflichtungen
               beglichen, aufgehoben oder ausgelaufen sind. Dies war beziiglich „Darlehen Globo", unter Annahme es handle
               sich um ein Darlehen, erst am 1. Juli 2001 der Fall (D 7/C/44, S. 2f.).

        Weiter wurde ihm folgende Frage gestellt (D 7/C/40, Ziffer 7): Ist Ihr Schluss, dass die
        Globo Zahlung als Vorauszahlung verbucht wurde, zu relativieren, oder kann Ihre
        Feststellung ohne Einschrankungen aufrechterhalten bleiben?

        Antwort des Gutachters: Mein Schluss, dass die Globo Zahlung als Vorauszahlung verbucht wurde, ist nicht zu
            relativieren. Die spatere Umbuchung beim Jahresabschluss erfolgte ja nicht im Zusammenhang mit der Zahlung,
            sondern rund ein halbes Jahr spater ohne weitere Zahlungsfliisse. Auf dem Bankbeleg beim Zahlungseingang ist
            klar die Konto-Nr. der ..Vorauszahlungen" vermerkt und so wurde unmittelbar nach Zahlungseingang auch
            gebucht (D 7/C/44, S. 3)

        Zusammengefasst steht somit fest, dass die Uberweisung von Globo in den
        Buchern der Gruppe als Vorauszahlung und nicht als Darlehen verbucht wurde.


3.2.4   Wie dargelegt, verbuchte man den Eingang der Globo Zahlung auf dem Konto Nr.
        224100 (ISL Worldwide), welches mit ..Prepayment third party" iiberschrieben ist (D
        4/B/2/5, Seite 1+2). Hans-Jiirg Schmid gab dazu an, dass es ein Konto dafiir gegeben
        habe, dass wenn gewisse Rechtenehmer Zahlungen geleistet hatten, bevor diese fallig
        geworden seien; dann seien sie auf dieses Konto ..Prepayment third party" geleistet
        worden (D 3/48, Ziffer 145). Auf der Gutschriftsanzeige vom 18. September 2000 iiber
        USD 59'207'500.-- (D 7/D/1/26) ist indes handschriftlich „Loan" (Darlehen) und das
        Buchungskonto Nr. 224100 mit der Kontobezeichnung ..Prepayment third party" ver-
                                                                                         95
        merkt. Den Beschuldigten wurde folgende Frage gestellt: Sehen Sie im handschrift-
        lichen Vermerk "loan" und der Verbuchung im Konto "prepayment third party" einen
        Widerspruch? Sie nahmen dazu wie folgt Stellung:

           Hans-Jiira Schmid: Wer das verbucht hat, hatte nachfragen sollen, ob es ein lang- Oder kurzfristiges Loan sei,
           und dann entsprechend verbuchen. Diese Frage sei anscheinend nicht gestellt worden. Da die Zahlung aber von
           einem Rechtenehmer gekommen sei, d.h. von der Globo, habe der Buchhalter oder die Buchhalterin diese
           Zahlung dem Konto Prepayment gutgeschrieben. In diesem Zusammenhang sei trotzdem wichtig zu vermerken,
           dass diese Zahlung nicht abgezogen worden sei vom Debitorenkonto Globo, was bei einer Vorauszahlung ohne
           Riickzahlungsverpflichtung die richtige Verbuchung gewesen ware (D 3/48, Ziffer 147, vgl. auch Ziffer 148 f.).

           Heinz Schurtenberger: Naturlich sehe er da einen Widerspruch. Wenn die Qualifizierung Joan" vor der
           Verbuchung zugefugt worden sei, dann sei die Verbuchung nicht korrekt. Oder wenn nicht andere Instruktionen
           vorgelegen hatten, dass es sich um ein Loan handle (D 3/44, Ziffer 99).

           Christoph Malms: Wie er im November 2002 schon dargelegt habe, sei ein Loan inhaltlich nicht deckungsgleich
           mit einer Prepayment. Wenn dieses Konto tatsachlich spezifisch nur ein Konto fur Prepayments gewesen sei und
           keine anderen Formen von Transaktionen darin verbucht worden seien, dann sei diese Bezeichnung „Loan" nicht
           stimmig. Aber er kenne den Kontenplan nicht /D 3/45, Ziffer 129).

           Hans-Peter Weber: Ja. Von der Bilanzdarstellung her sei ja beides eine Passivposition. Aber es gebe zwei
           verschiedene Konti. Es gebe ein Konto Darlehen und ein Konto Vorauszahlung. Und er wisse nicht, wer das
           verbucht habe (D 3/61, Ziffer 133+134) (Daniel Beauvois: D 3/49, Ziffer 76).
3.2.5    Dass es nicht den gangigen kaufmannischen Gepflogenheiten entspricht, fiir ein Dar-
        lehen eine Rechnung zu stellen, bestatigte ein Teil der Beschuldigten (diesbeziiglich
        wird auf S. 135 f. der Uberweisungsverfiigung verwiesen).

3.2.6    In den Cash Flow Darstellungen der Gruppe wurde der von Globo im Monat Juli 2001
        geschuldete Betrag unter der Rubrik ..prepayments" (Vorauszahlung) mit der Summe
        CHF -112'200'000.-- aufgefiihrt (D 8/4/17). Die Cash Flow Darstellungen der Gruppe
        haben auch eine Rubrik ..repayment loan" (Riickzahlung Darlehen). Nach Vorlage der
        Cash Flow Darstellung vom 26. (evtl. 29.) November 2000 (D 8/4/17), von welcher auch
        der Verwaltungsrat der ISMM AG Kenntnis hatte, wurde Hans-Jiirg Schmid gefragt,
        warum der Eingang von CHF 112'200'000.-- nicht unter Joan" sondern unter "prepay-
        ment" angefiihrt worden sei, worauf er folgendes angab:

           Loan konne man grundsatzlich als langfristig bezeichnen und Prepayment hatte man in diesem Zusammenhang
           auch als kurzfristiges Loan bezeichnen konnen, was auch von der KPMG so bestatigt worden sei, dass diese
           Bezeichnung nicht der schweizerischen Rechnungslegung widerspreche (D 3/48, Ziffer 143).

        Den nachfolgenden Beschuldigten wurde die gleiche Cash Flow Darstellung vorgelegt,
        und sie wurden gefragt, wie sie die Position CHF 112'200'000.- lesen wiirden. Sie gaben
        folgendes an:

           Heinz Schurtenberger: Dass entweder ein Prepayment von ISMM gemacht werde oder dass eines wieder
           zurtickbezahlt werde (D 3/44, Ziffer 93).

           Christoph Malms: Ausgedeutscht sei das nach dieser Leseart, dass im Juli 2001 der entsprechende Betrag aus
           einem Prepayment zur Riickzahlung fallig werde (D 3/45, Ziffer 122).

           Daniel Beauvois: Das sei ein Betrag von 112'200'000.~, der im Juli 2001 fallig sei, aus einer Vorauszahlung (D
           3/49, Ziffer 70).

           Hans-Peter Weber: Das heisse, dass sie im Juli 2001 eine Zahlungsverpflichtung von 112'200'000.hatten(D 3/61,
           Ziffer 126)

        Nach dem Hinweis, dass es sich um die Globo Position handle, wurde folgender Vorhalt
        gemacht: Ausgehend von der Darstellung, dass es sich dabei um ein Darlehen handelt:
        Ist die Darstellung der Zahlung richtig? Es wurden folgende Angaben gemacht:

           Heinz Schurtenberger: Nein, dann sei sie nicht richtig (D 3/44, Ziffer 94).
                                                                                                                          96
           Christoph Malms: Wenn es ein Darlehen gewesen ware (das habe er bereits im November 2002 erklart), dann
           sei zumindest der Begriff da vorne nicht ganz korrekt (D 3/45, Ziffer 123).

           Daniel Beauvois: Nein, er hatte es nicht so formuliert. Er hatte es als Riickzahlung eines Darlehens formuliert. So
           wurde er es gemacht haben (D 3/49, Ziffer 73).

       Hans-Peter Weber, welcher fiir die Erstellung der Cash Flow Darstellungen zustandig war
       (D 3/61, Ziffer 124), wurde darauf hingewiesen, dass es sich um die Globo Position
       handeln diirfte, und gefragt, warum diese Zahlung unter Prepayments dargestellt worden
       sei. Er gab folgendes an:

           Er wisse nur, dass er diese in einer ersten Position unter einer ersten Linie - namlich repayment loan gehabt
           habe. In der Diskussion hatten sie dann festgehalten, dass sie das separieren und auf einer separaten Linie
           festhalten wurden, um zu dokumentieren, dass dies das Globo Darlehen betreffe, dass dann zur Riickzahlung
           fallig werde (D 3/61, Ziffer 127).
                 Ihm wurde anschliessend folgender Vorhalt gemacht: Wenn es sich um ein Darlehen
                 gehandelt hat, so scheint es auf den ersten Blick zumindest naheliegend, ein Darlehen
                 unter repayment loan darzustellen. Teilen Sie diese Auffassung (unter Beriicksichtigung
                 der Tatsache, dass Sie diese Cash Flow Darstellungen erstellt haben)? Er gab dazu
                 folgendes an:

                      Er sei mit dem Untersuchungsrichter einverstanden, wenn es nur um Finanzleute gehe. Aber
                      dieses Dokument sei auch an das GMB gegangen, und dort habe man immer von
                      ..Prepayment Globo" gesprochen (D 3/61, Ziffer 129).

                 Auf die Nachfrage, wie das Darlehen in diesem konkreten Plan hatte dargestellt werden
                 miissen, gab Heinz Schurtenberger folgendes an:

                Dann hatte es als Repayment Loan auf die nachste Zeile gehort (D 3/44, Ziffer 95).

                 Zusammengefasst steht fest, dass die Globo-Zahlung in den Cash Flow Darstel-
                 lungen als Vorauszahlung, nicht als Darlehen dargestellt wurde.

^ 3.2.7 Am 19./20. April 2001 wurde betreffend die ISMM AG, ISMM Interactive AG, die ISL Worldwide,
                die ISL Marketing AG und der ISL (International) AG ein Guterverzeichnis gemass Art.
                162 SchKG aufgenommen (D 15/3/16). Der Vermogensaufstellung wurde fiir die ISMM
                AG eine Liste der „Debitoren „FIFA TV" (Failigkeit der Zahlungen z.T. bis 2006)
                beigelegt (D 15/3/20). Dieser kann entnommen werden, dass unter den Debitoren der
                JSMM Investments-ISMM AG" Globo Overseas Investments BV mit USD 306'000'000.-,
                d.h. abzuglich der gegenstandlichen Uberweisung, aufgefuhrt ist. Die am
                1. Juli 2001 aus dem Unterlizenzvertrag mit Globo fallige Rate wurde im Rahmen der
                Vermogenserfassung mit Bezug auf die ISMM AG nicht als Aktivposten erfasst (vgl. fur
                Details auch S. 137 Uberweisungsverfiigung).

        3.2.8     Im Rahmen der Bilanzdeponierung/des Konkursaufschubes betreffend die ISMM
                 AG, die ISMM Interactive AG, die ISL Worldwide, die ISL Marketing AG und der ISL
                 (International) AG wurde u.a. eine Zusammenstellung des Eigenkapitals per 31. Dezem-
                 ber 2000 der ISMM Gruppe nach konzernintemen Sanierungsmassnahmen eingereicht
                 (D 6/3/1/14). Dabei wird eine der Massnahmen wie folgt umschrieben: "Forderungsver-
                 zicht von ISMM AG z.G. ISL Worldwide im Umfang der von Dentsu geleisteten
                 Vorauszahlung (in
1^ ,              ISMM bereits zuriickgestellt)" (D 6/3/1/35). Auch hier wurde die Globo-Leistung mithin
                 als Vorauszahlung und nicht als Darlehen dargestellt.

        3.2.9     Vorauszahlungen mit Globo wurden schon am 14. Marz 2000 diskutiert und auch reali-
                 siert; ferner waren sie auch in anderem Kontext ein Thema. Und schliesslich wurde auch
                 nach der Globo Uberweisung von USD 59'207'000.- eine Vorauszahlung mit Bezug auf
                 eine spater (2002) fallige Rate in Erwagung gezogen. Es wird an dieser Stelle auf die
                 Ausfuhrungen auf S. 138 f. der Uberweisungsverfiigung verwiesen.
                                                                                                                      97
       3.2.10 In einem         von Marcelo Campos Pinto unterzeichneten und mit 25. September
               2001 datierten Schreiben (HD 2/29, D 3/25, Ziffer 46) an den Prasidenten der FIFA
               (Joseph Blatter) gab er sinngemass an, dass Globo zwar im August 2000 von ISMM um
               ein Darlehen angefragt, dass dieses jedoch nicht gewahrt worden sei. Globo sei jedoch
               letztlich bereit gewesen, eine Vorauszahlung auf den am 1. Juli 2001 falligen Betrag zu
               leisten.

              Marcelo Campos Pinto wurde am 26. August 2001 als Zeuge einvernommen. Er hatte
              das Agreement vom 29. Juni 1998 zwischen der ISMM Investments AG und der Globo
              Overseas Investments B.V. sowie der TV Globo LTDA (HD 2/53) fur die beiden Gesell
      schaften mitunterzeichnet (D 3/25, Ziffer 6) und war an den Verhandlungen, welche zum
      Abschluss dieses Vertrages fiihrten, von Anfang bis zum Schluss beteiligt (D 3/25, Ziffer
      17). Zu seinen Angaben betreffend die Position bei TV Globo: vgl. S. 139 f. Uberwei-
      sung). Nach explizitem und wiederholtem Hinweis auf die Folgen einer falschen Zeugen-
      aussage wurde dem Zeugen das Schreiben vom 25. September 2001 an Joseph Blatter
      vorgelegt, und er nahm wie folgt Stellung:

            Er wolle nochmals wiederholen: Sie hatten immer gesagt, ein Darlehen sei nicht moglich. ISMM habe
            wiederholt versucht, ein Darlehen zu bekommen. Dies beweise der Fax vom 21. August von Hans-Jiirg
            Schmid an Herrn Fernando Viegas. Die Grunde, weshalb Globo nicht ein Darlehen habe gewahren konnen
            seien verschieden; die wichtigsten habe er bereits erwahnt. Herr Blatter habe die Globo um Abfassung dieses
            Briefes gebeten; der Brief hatte erklaren sollen, weshalb es sich um eine Vorauszahlung und nicht um ein
            Darlehen gehandelt habe. Dieser Brief sei von ihrer Rechtsabteilung verfasst worden, und diese habe darin
            weitere Grunde erwahnt, weshalb sie nicht ein Darlehen hatten gewahren konnen (D 3/25, Ziffer 47).


3.2.11 Einer Aktennotiz von Daniel Beauvois vom 30. Mai 2001 (D 4/C/2/2) kann folgendes
      entnommen werden (vgl. auch eine inhaltlich identische Aktennotiz von Jean-Marie
      Weber vom 28. Mai 2000) (D 4/C/2/1):

            „Am 21. April 2001 um 08.30 Uhr habe ich mich zusammen mit Herrn Jean-Marie Weber im Hotel Eden au
            Lac in Zurich mit Marcelo de Campos Pinto von TV Globo, Rio de Janeiro/Brasilien getroffen. Wir haben die
            Angelegenheit des Darlehens, das von TV Globo an die ISMM AG bezahlt wurde, besprochen und haben ihm
            eine Kopie der Zusammenfassung des ..Freshfiled ..Reports vom 20. Februar 2001 zu lesen gegeben (siehe
            Beilage). Herr de Campos Pinto hat sich nach Studium dieses Dokumentes dahingehend geaussert, dass er
            dieses Dokument hatte selber schreiben konnen, da es sehr genau die Vorgange beschreibt. Im weiteren
            fiigte er hinzu, dass ihm bei der Auszahlung des Darlehens bewusst gewesen sei, dass TV Globo ein
            Kreditrisiko gegenuber der ISMM AG einging. Herr de Campos Pinto teilte uns mit, dass er anschliessend mit
            Herrn Ricardo Texeira, Prasident des brasilianischen Fussballverbandes CBF, Herrn Josef Blatter, Prasident
            der FIFA, treffen wiirde und ihm die Vorgange des Darlehens von TV Globo schildern wiirde."

      Der bei Hans-Peter Weber sichergestellten (D 4/C/2/0) Aktennotiz waren zwei Seiten
      beigelegt (D 4/C/2/4). Es handelte sich dabei um einen Auszug aus einem Bericht der
      englischen Anwaltskanzlei „Freshfields Bruckhaus Deringer" (D 4/C/1/10, S. 11 und 12).

      Campos Pinto wurde die genannte Aktennotiz vorgelegt, und er gab folgendes an:

            Diese ganze Aktennotiz sei eine absolute Luge. (Auf Ersuchen des Zeugen nochmalig Vorlage des
            Schreibens vom 25. Dezember 2001 von Globo an Blatter): Er habe Herrn Riccardo Texeira, Prasident des
            brasilianischen Fussballverbandes, gebeten, eine Unterredung mit Herrn Blatter zu organisieren. Herr Blatter
            habe dann Herrn Texeira gefragt, was der Grund fiir ein solches Treffen sei. Der Grund sei die
            Vorauszahlung, welche sie an die ISMM geleistet hatten und ihre Angst, dass ISMM das Geld nicht an die
            FIFA weitergeleitet habe. Sie hatten in der Zeitung gesehen, dass die ISMM angeblich Konkurs gegangen sei.
            Einen Tag, bevor er von Brasilien nach Zurich gekommen sei, habe ihn Jean-Marie Weber angerufen. Er habe
            ihn gebeten, ihn in Zurich zu treffen, bevor sie zur FIFA gehen wiirden. Er sei mit Riccardo Texeira
            gekommen, dieser sei in sein Hotelzimmer gegangen und er habe ein Gesprach mit Daniel Beauvois und
            Jean-Marie Weber gehabt. Diese beide hatten ihm gesagt, Herr Blatter sei sehr verargert, weil er erst vor zwei
            Tagen erfahren habe, dass die Globo eine Vorauszahlung geleistet und die ISMM dieses Geld nicht an die
            FIFA weitergeleitet habe. An diesem Morgen habe ihn Daniel Beauvois gebeten, Blatter zu sagen, dass es
            sich um ein Darlehen und nicht um eine Vorauszahlung gehandelt habe. Er habe ihm gesagt, nein, das sei
            nicht moglich. Er habe von Anfang an gewusst, dass es sich um eine Vorauszahlung gehandelt habe. Er habe
            ihm gesagt, Herr Blatter sei sehr verargert. Laut einem Vertrag zwischen der FIFA und der ISMM, welchen er
            nicht gekannt habe, habe es eine Klausel gegeben, dass die ISMM einen Teil an die FIFA hatte weiterleiten
            sollen. Jean-Marie Weber und Daniel Beauvois hatten ihm ein zweiseitiges Dokument vorgelegt, welches
                                                                                                                        98
              erklart habe, dass es sich um ein Darlehen und nicht um eine Vorauszahlung handle. Er habe dieses
              Dokument gelesen, es ihnen zuriickgegeben und erklart, er wurde das nicht akzeptieren. Hernach als er dann
              Herrn Blatter getroffen habe, habe dieser gegeniiber ihm und Herrn Texeira erklart, dass er erst vor zwei
              Tagen von der Vorauszahlung der Globo erfahren habe. Aus diesem Grund habe ihn Blatter ein paar Monate
              spater gebeten, den ihm vorhin vorgelegten Brief zu schreiben (D 3/25, Ziffer 48).

Daniel Bauvois gab zu dieser Aktennotiz folgendes an:

      Im April 2001 sei Marcelo de Campos Pinto nach Zurich geflogen, um sich mit FIFA-Prasident Blatter zu treffen. Jean-
      Marie Weber habe ihn davon in Kenntnis gesetzt, dass er den Generalsekretar der FIFA, Michel Zenrufinen, miindlich
      daruber informiert habe, dass Globo ihnen ein Darlehen gewahrt habe. Er habe aber sipherstellen wollen, dass
      Marcelo in seinen Ausserungen gegeniiber der FIFA das gleiche „Gedachtnis" iiber die Fakten haben wurde wie er. Er
      habe ihn am 21. April 2001 an einem Samstagmorgen zum Fruhstuck im Hotel „Eden au Lac" zusammen mit Herr
      Jean-Marie Weber getroffen. Sie hatten iiber dieses Thema gesprochen, und Jean-Marie Weber habe Marcelo ein
      zweiseitiges Dokument aus einem Legal Due Dilligence vorgelegt, welches von der Kanzlei Freshfields verfasst
      worden sei. Marcelo de Campos Pinto habe diese zwei Seiten gelesen und folgenden Kommentar abgegeben: „lch
      hatte dieses Dokument selber schreiben konnen. Ich wusste, dass ich ein Credit Risk eingegangen bin, als diese
      Zahlung an ISMM erfolgte" (D 3/31, Ziffer 77). Zur weiteren Aussage des Beschuldigten wird insb. auf D
      3/31, Ziff. 79 verwiesen.
Jean-Marie Weber erklarte auf entsprechenden Vorhalt (vgl. S. 141 Uberweisung):

      Er erinnere sich noch, wie wenn es gestern gewesen ware, dass Herr Campos Pinto gesagt habe: J could have written
      this document.".

      Zwischenfrage UR: Wenn es sich um ein Darlehen gehandelt hat, worin hatte die Sicherheit fiir die Globo bestanden?

      Deshalb habe Herr Campos Pinto gesagt: „l take a credit risk ..."Er wisse sicher, dass er sinngemass von einem Credit-
      Risk gesprochen habe (D 3/30, Ziffer 112).

Am 7. Mai 2003 wurde Guido Toanoni u.a. zu dem von Marcelo Campos Pinto, Daniel Beauvois
und Jean-Marie Weber erwahnten Treffen mit dem FIFA Prasidenten als Zeuge einvernommen
(D 3/34). Der Zeuge war nach eigenen Angaben zwischen 1984 und 1995 bei der FIFA als
Pressechef, PR Chef tatig und teilweise fiir juristische Angelegenheiten zustandig sowie als
Projektmanager der WM 1994 in den USA (D 3/34, Ziffer 4 + 5). Ab Mitte April 2001 war er
erneut fiir die FIFA tatig, vorerst zur Bewaltigung der Krisensituation Konkurs ISL/ISMM und
danach als Direktor der Wettbewerbsabteilung (D 3/34, Ziffer 3). Wegen interner ..Dissonanzen"
verliess er im Marz 2003 die FIFA (D 3/34, Ziffer 6) und stand somit im Zeitpunkt der
Einvernahme nicht mehr in einem Arbeitsverhaltnis mit der FIFA. Er bestatigte, dass er in
jeweiliger Absprache mit dem FIFA Prasidenten fiir die Instruktion der verschiedenen
Strafanzeigen zustandig gewesen sei und dass die angezeigten Sachverhalte aufgrund
vertraglicher Unterlagen, den Wahrnehmungen der FIFA und der juristischen Wertung durch
das Anwaltsbiiro der FIFA zusammengestellt worden seien (D 3/34, Ziffer 11 + 15). Anlass fiir
die Strafanzeige sei der Besuch der TV Globo in Zurich im April 2001 gewesen, als die FIFA ge-
wahr worden sei, dass Gelder, die ihr zustehen wurden, nicht auf das richtige Konto geleitet
worden seien (D 3/34, Ziffer 11, vgl. auch Ziffer 44). Das Treffen habe auf Bitte von Campos
Pinto stattgefunden (D 3/34 Ziffer 47). Teilnehmer seien Campos Pinto, Ricardo Texeira,
Prasident des brasilianischen Fussballverbandes, Joseph Blatter und er gewesen (D 3/34, Ziffer
46 + 77). Das Gesprach schilderte er folgendermassen:

      Es sei so gewesen, dass Marcelo Campos Pinto mit Dokumenten zur FIFA gekommen sei, und es sei offensichtlich
      gewesen, dass es ihm bei dieser Angelegenheit nicht wohl gewesen sei. Er habe wohl geahnt, dass er den namhaften
      Betrag noch ein weiteres Mai hatte bezahlen mussen. Es sei ihm ein Aniiegen gewesen, die FIFA uber diese
      Transaktion ins Bild zu setzen. Sie hatten das zur Kenntnis genommen und danach mit ihrem Anwaltsburo Kontakt
      aufgenommen. Irgendwelche Versprechungen oder Ausserungen seien gegenuber TV Globo nicht gemacht worden.
      Sie hatten einzig gesagt, dass sie die Angelegenheit untersuchen wollten. Das Treffen habe vielleicht 45 Minuten
      gedauert [D 3/34, Ziffer 49, vgl. auch die Relativierung des Zeugen unter Zu Ziffer 49 (S. 24 des EV-Protokolls),
      wonach er „er ahnte" durch „er befurchtete" ersetzt haben wollte].

      Dem Zeugen wurde folgende Anschlussfrage gestellt: Sie haben wortlich gesagt: „Er ahnte wohl, dass er den
      namhaften Betrag noch ein weiteres Mai wiirde bezahlen mussen." Konnten Sie diese Aussage etwas genauer
      prazisieren, namlich was Sie damit genau gemeint haben?
                                                                                                                      99
      Antwort: Er habe den Zweck des Besuchs darin verstanden, dass sich Marcelo Campos Pinto habe absichem
      wollen, dass die Zahlung bei der FIFA angelangt sei, dass er nicht ein zweites Mai ... er habe offenbar ein dumpfes
      Gefiihl gehabt (D 3/34, Ziffer 50).

      Dem Zeugen wurde weiter die folgende Frage gestellt: Sie haben erwahnt, dass Campos Pinto ein „dumpfes Gefiihl"
      gehabt haben. Worauf griindet diese Feststellung?

      Antwort: Auf der Tatsache, dass ein Sublizenznehmer zur FIFA komme und seine Dokumente ausbreite, obwohl TV
      Globo kein direkter Partner der FIFA gewesen sei. (D 3/34, Ziffer 56).

      Dem Zeugen wurde folgende Anschlussfrage gestellt: Sie haben erwahnt, dass Campos Pinto eine Bestatigung mit
      Bezug auf die Uberweisung des Betrages von ca. USD 59 Mio. mitgebracht habe. Gehen Sie mit mir einig, dass dieses
      Dokument fur sich allein noch kein Grund fur Campos Pinto gewesen sein musste, ein „dumpfes Gefiihl" zu haben,
      zumal die Unterlizenznehmer die Betrage immer als Ganzes auf ein bestimmtes Konto zu uberweisen hatten?

      Antwort: Richtig, aber: erstens habe Campos Pinto die Zahlung vorzeitig, mehrere Monate im Voraus geleistet.
      Zweitens: er habe einen recht hohen Rabatt fiir die vorzeitige Zahlung erhalten. Und drittens habe auf dem Markt
      ziemlich viel Unruhe und Beunruhigung iiber den Zustand von ISL und ISMM geherrscht (D 3/34, Ziffer 56 + 57 / Zur
      Fragstellung unter Ziffer 57 vgl. den Protokollvermerk betreffend die Intervention von RA Dr. Hans Baumgartner).

Auf Befragen gab der Zeuge an, dass Campos Pinto eine Bestatigung einer Bankuberweisung
mitgebracht habe (D 3/34, Ziffer 51). Mit Bezug auf weitere Dokumente konnte er keine prazisen
Angaben machen (D 3/34, Ziffer 52, 54, 55, 96, 97). Allerdings gab er sinngemass an, dass ein
Schreiben vorgelegt worden sei, bei welchem es um die Interpretation der Zahlung gegangen
sei. Er sehe es noch vor sich, konne sich jedoch nicht an den Inhalt erinnern (D 3/34, Ziffer 54 +
55). Auf Vorlage des mit Joan from Globo" uberschriebenen Telefaxes von Hans-Jiirg Schmid
vom 21. August 2000 gab er sinngemass an, dass er annehme, dass es sich um das von ihm
erwahnte Schreiben handle (D 3/34, Ziffer 96). Mit Bezug auf die Qualifikation der
gegenstandlichen Zahlung gab der Zeuge an, dass die Frage bestanden habe, „ob der Betrag
als Darlehen oder als Zahlung" gelten solle (D 3/34, Ziffer 52). Fiir ihn sei klar gewesen, „dass
die Reise von Campos Pinto nach Zurich mit der unterschiedlichen Interpretation der Zahlung in
Verbindung" gestanden sei (D 3/34, Ziffer 55, vgl. auch Ziffer 62). Bezuglich der
abschliessenden Antworten des Zeugen wird auf die Akten verwiesen (vgl. D 3/34, Ziffer 44-89).

Gestutzt auf die Verfugung des Untersuchungsrichters (HD 2/132) hinterlegte die FIFA folgende
Dokumente, die schon mit den Anzeigen hinterlegt worden waren: Zahlungsinstruktion vom 13.
September 2000 (HD 2/144), Rechnung vom 13. September 2000 (HD 2/145),
Zahlungsinstruktion vom 14. September 2000 (HD 2/146), Quittung vom 15. September 2000
(HD 2/147), Gutschriftsanzeige vom 18. September 2000 (HD 2/148), Schreiben vom 25.
September 2001 (HD 2/149). Zusatzlich hinterlegte sie einen Telefax von Hans-Jiirg Schmid
vom 21. August 2000 (HD 2/143), welcher durch die Untersuchungsbehorde bei der
Hausdurchsuchung vom 6. Juni 2001 beschlagnahmt (D 4/B/1/0, D 4/B/1/8), dem Zeugen
Tognoni vorgelegt wurde und von dem er sinngemass angab, dass er annehme, dass es sich
um eines der mitgebrachten Dokumente handle (D 3/34, Ziffer 96). Der Prasident bestatigte die
Vollstandigkeit der Dokumente und erklarte, dass Campos Pinto und Ricardo Texeira bei dem
Treffen vom 21. April 2001 in Zurich erklart hatten, dass Globo am 18. September 2000 eine
Vorauszahlung der funften Rate im Betrag von gut USD 59 Mio an ISMM bezahlt habe (HD
2/142).
3.2.12 Dem vorstehend erwahnten Bericht_(D 4/C/1/10, deutsche Ubersetzung: HD 2/229) der
       englischen Anwaltskanzlei „Freshfields Bruckhaus Deringer" (D 4/C/1/10, S. 11 und
       12) kann entnommen werden, dass diese Ende Januar 2001 von der ISMM AG bzw.
       Martin Ziener, Michael Fisher und Pierre Woog beauftragt wurde, die Globo und Dentsu
       Zahlungen einer genaueren Prufung zu unterziehen (D 4/C/1/11, S. 2 /Zum Hintergrund
       des Auftrages vgl. S. 3 und 4 des Berichtes). Der Bericht wurde auf der Grundlage von
       durch die Auftraggeberin zur Verfiigung gestellten Unterlagen sowie Gesprachen mit Urs
       Brunner, Hans-Jiirg Schmid, Daniel Beauvois, Jean-Marie Weber, Hans-Peter Weber,
       Martin Ziener und Heidi Mottet erstellt (S. 5 des Berichtes). Im Resultat kommt der
       Bericht zum Schluss, dass es sich bei der Globo Zahlung um eine Vorauszahlung der 5.
       Rate handelt [S. 22 des Berichtes / vgl. zu den Vorschlagen betreffend das weitere
       Vorgehen insbesondere auch S. 28-30 wo unter anderem festgehalten wird, dass die
                                                                                                 100
       Geschichte nicht neu geschrieben werden konne (namlich aus einer Vorauszahlung
       ein Darlehen zu machen)].

3.2.13 Fest steht auch, dass die Nachfolgerin von ISMM, welche spater die Sublizenzvertrage
       mit den Broadcastern ubernommen bzw. neue Vertrage abgeschlossen hatte, sich die
       bereits geleisteten Zahlungen anrechnen lassen musste. Durch die von der Infront Sports
       & Media AG edierten Unterlagen wird jedenfalls belegt, dass die gegenstandliche Globo
       Zahlung im Rahmen des Nachfolgevertrages zwischen der TV Globo Ltda und der
       Kirch Media WM GmbH als solche aus dem Unterlizenzvertrag angerechnet wurde. Zur
       naheren Erlauterung (u.a. den Aussagen von Michael Francombe) wird auf
       S. 144 f. der Uberweisung verwiesen.

3.2.14 Abzustellen ist auf die glaubhaften         Aussagen des Zeugen Marcelo Campos
       Pinto, welcher die Vorgeschichte sowie die anschliessenden Umstande mit Bezug auf
       die gegenstandliche Globo Zahlung plausibel und in sich schliissig darstellte.
       Uberzeugend legte er dar, dass man auf Wunsch von ISMM zunachst die Moglichkeit der
       Darlehensgewahrung gepruft habe; jedoch habe sich herausgestellt, dass eine
       Vorauszahlung das Einzige sei, was man machen konne. Dies sei Hans-Jiirg Schmid
       (durch Fernando Viegas) und Heinz Schurtenberger sowie Daniel Beauvois (von ihm)
       mitgeteilt worden. Auch hatte Globo den fraglichen Geldbetrag ohne den Vertrag vom 28.
       Juni 1998 nicht bezahlt, und die Behauptung, Globo habe das "Darlehen" aus
       steuerrechtlichen Grunden als Vorauszahlung deklariert, sei eine Liige (vgl. S. 145 ff. der
       Uberweisung mitsamt den dort angegebenen Fundstellen). Die Stellungnahmen der
       Beschuldigten (vgl.
       S. 148 ff. der Uberweisung) sind nicht geeignet, die Aussagen des Zeugen emsthaft in
       Zweifel zu ziehen, zumal die Stellungnahmen eher vage, die Antworten teilweise aus-
       weichend ausfielen. Als entscheidend kann dagegen bezeichnet werden, dass sowohl
       Marcelo Campos Pinto, als auch der Finanzchef von Globo Ltd. Fernando Viegas bei den
       rechtshilfeweise in Brasilien durchgefuhrten Einvemahmen vom 14. Dezember 2004
       unmissverstandlich angaben, dass es sich um eine Vorauszahlung und nicht um ein
       Darlehen gehandelt habe. Der Zeuge Campos Pinto bestatigte detailliert, konkret und
       anschaulich die schon fruher zu Protokoll gegebenen Darstellungen. Die Vorbringen des
       Daniel Beauvois (auch zum Treffen in Zurich) sowie die Aussage des Jean-Marie Weber
       bezeichnete er als eindeutig nicht der Wahrheit entsprechend. U.a. fuhrte er aus, Globo
       habe in alien ihren Antworten klargestellt, dass nur eine Vorauszahlung moglich sei;
       tatsachlich habe es sich bei der Abwicklung dann auch um eine Vorauszahlung
       gehandelt; Globo habe nie zugestimmt, der ISMM ein Darlehen zu gewahren (vgl. D
       2/G/250, Blatt 316-322). Fernando Viegas erklarte seinerseits ebenfalls uberzeugend,
       dass die Anfrage fur ein Darlehen bestand, dieses aber nicht habe gewahrt werden
       konnen; es habe sich um eine Vorauszahlung gehandelt; die Darstellung von Hans-Jorg
       Schmid, wonach er (Viegas) mitgeteilt habe, das Darlehen werde als Vorauszahlung
       deklariert, sei eine Liige (vgl. D/G/250, Blatt 323 - 327).
3.2.15 Gemass Ziffer 4 des Geschaftsreglementes der ISMM Investments AG bedurfte der Abschluss
       von Vertragen, welche eine Verpflichtung der Gesellschaft von mehr als CHF 4'000'000.-
       begriindeten, der Genehmigung des Verwaltungsrates (D 8/2/14). Fest steht, dass dennoch im
       Verwaltungsrat keine formelle Beschlussfassung mit Bezug auf ein Darlehensgeschaft in der
       Grossenordnung des von Globo uberwiesenen Betrages erfolgte; ein diesbezuglicher Entscheid
       ergibt sich auch nicht aus den Verwaltungsratsprotokollen. Auch dieser Umstand weist wiederum
       darauf hin, dass es sich bei der Globo Zahlung (nach ubereinstimmendem Willen der Beteiligten)
       um eine Vorauszahlung handelte.

3.2.16 Auf der Grundlage von Ziffer 22.1 lit. a des Kreditvertrages vom 13. Juli 1999 mit der UBS AG
       war es der ISMM AG untersagt, zusatzliche Darlehen, welche den Betrag von CHF 10'000'000.~
       iibersteigen, aufzunehmen (D 6/3/10/1). Dennoch wurde von der UBS keine formelle Zustimmung
       des Globo Geschafts als Darlehen eingeholt, und auch in den Akten wurden keine
       entsprechenden Unterlagen gefunden. Dieser Umstand ist ein weiteres klares Indiz dafiir, dass
       die gegenstandliche Zahlung kein Darlehen war.
                                                                                                             101
3.2.17 Zusammengefasst haben die Beweiserhebungen ergeben,

            dass die ISMM AG im Rahmen ihrer Geschaftsbeziehung zu Globo verschiedene Moglichkei
            ten der Liquiditatsbeschaffung priifte. Explizit wurden von Hans-Jurg Schmid Bankgarantie,
            Vorauszahlung und Darlehen erwahnt (D 3/48, Ziffer 130),

            dass seitens der ISMM AG im Rahmen der diesbezuglichen Verhandlungen mit Globo kon-
            kret die Variante des Darlehens eingebracht wurde (D 4/D/2/79), Globo jedoch auf der
            Variante der Vorauszahlung beharrte (3/25, Ziffer 47), zumal nach brasilianischer Gesetzge-
            bung eine Darlehensgewahrung nicht moglich war,

            dass es fiir Globo eine Vorauszahlung auf den am 1. Juli 2001 geschuldeten Betrag von
            USD 66'000'000.~ und kein Darlehen war (D 3/25, beispielsweise Ziffer 34 und 40),

            dass auch bei der ISMM das Wissen gegeben war, dass Globo kein Darlehen gewahrte;
            explizit wurde dies u.a. von Jean-Marie Weber angefiihrt, wonach die Zahlung fiir die ISMM
            ein Darlehen gewesen sei, fiir Globo aus internen Grunden etwas anderes (3/30, Ziffer 109),

            dass die Zahlung durch Globo nicht geleistet worden ware, wenn nicht ein bestehendes
            Vertragsverhaltnis mit der ISMM bestanden hatte (D 3/25, Ziffer 41),

            dass die Zahlung im Schriftverkehr von der ISMM AG als Vorauszahlung und nicht als
            Darlehen bezeichnet wurde (D 4/D/2/62, HD 2/9 und 2/11),

            dass die Zahlung bei der ISMM AG buchhalterisch als Vorauszahlung und nicht als Darlehen
            erfasst wurde, wobei auf einem Bankbeleg der Eingang handschriftlich als „Loan" bezeichnet
            wurde (D 4/B/2/5, S. 1 und 2),

            dass die Zahlung von der ISMM AG in ihren Cash-Flow Darstellungen als Vorauszahlung
            und nicht als Darlehen dargestellt wurde (D 8/4/17),

            dass bereits im Marz 2000 mit Bezug auf die am 1. Juli 2000 fallige Unterlizenzgebuhr von
            USD 44'500'000.~ mit Globo eine Vorauszahlung vereinbart u. geleistet wurde (D 4/D/2/47),

            dass auch mit Bezug auf die am 1. Juni 2002 fallige Rate von USD 66'000'000.~ durch die
            ISMM AG das Erwirken einer Vorauszahlung in Erwagung gezogen wurde (D 15/1/1),

            dass auch mit Bezug auf andere Schuldner (spanische und argentinische Fussballclubs) das
            Erwirken von Vorauszahlungen diskutiert wurde (D 8/7/18, Ziffer 3.4),

            dass die am 1. Juli 2001 fallige Rate aus dem Unterlizenzvertrag mit Globo im Rahmen des
            Giiterverzeichnisses gemass Art. 162 SchKG bzw. der Vermdgenserfassung mit Bezug auf
            die ISMM AG die Globo Zahlung per 19./20. April 2001 nicht als Aktivposten erfasst (D
113


15/3/16 ff.) und die ISL Worldwide als Schuldnerin der ISMM AG uber den Globo Betrag angefuhrt wurde,


dass im Rahmen der Uberschuldungsanzeige von ISMM Gesellschaften bzw. in der Zusammenstellung des
Eigenkapitals per 31. Dezember 2000 die Globo Zahlung als Vorauszahlung und nicht als Darlehen dargestellt
wurde (D 6/3/1/14),

dass die Globo Zahlung nach Konkurseroffnung im Rahmen des Nachfolgevertrages als Zahlung aus dem
Unterlizenzvertrag angerechnet wurde (D 21/2),

dass sich in den Untersuchungsakten kein Beschluss befindet, mit welchem das gegenstandliche Geschaft vom
Verwaltungsrat als Darlehen genehmigt worden ware,
dass der UBS AG von einem Globo-Darlehen keine Mitteilung gemacht wurde.
                                                                                                                     102

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft steht somit mit der fiir die richterliche Uberzeugung
notwendigen Sicherheit fest, dass Globo mit der Bezahlung der USD 59'207'500.~ eine
Vorauszahlung und eben kein Darlehen leistete.


                                          Anvertrautheit des Tatobiektes -
3.3                                                                               - Tathandlung
                                                    Werterhaltungspflicht
        3.3.1    Das Tatobjekt muss dem Tater anvertraut worden sein. Als anvertraut und somit wirt-
                schaftlich fremde Vermogenswerte sind/ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung,
                was jemand mit der Verpflichtung empfangt, es in bestimmter Weise im Interesse eines
                andern zu verwenden, insbesondere es zu verwahren, zu verwalten oder abzuliefern
                (BGE 80 IV 55, BGE 120 IV 119) und standig zur Verfugung des Treugebers zu halten
                (BGE 120 IV 121). Diese Werterhaltungspflicht kann auf ausdrucklicher oder stillschwei-
                gender Abmachung beruhen, und es ist dabei belanglos, ob der Tater das Gut vom
                Treugeber direkt oder aber von einem Dritten erhalten hat (BGE 118 IV 239). Es ist so-
                mit im vorliegenden Fall zu priifen, ob sich aus der konkreten vertraglichen Vereinba-
                rung eine solche Werterhaltungspflicht ergibt (BGE 6S.835/1999/bue vom 5. April 2000,
                BGE 124 IV 9 E. 1a und d, BGE 120 IV 117 E 2e und f). Was jemand fiir sich selber
                eingenommen hat, ist nicht anvertraut, wenn der Betreffende nicht als Zahlungs- oder
                Inkassogehilfe handelt.




^
        3.3.2


                 Die tatbestandsmassige Handlung nach Abs. 2 von Art. 138 StGB besteht in einem
                Verhalten des Taters, durch welches er eindeutig seinen Willen bekundet, den obligato-
                rischen Anspruch des Treugebers zu vereiteln, m.a.W. seine Verpflichtungen
                gegenuber dem "Treugeber" nicht zu erfullen (BGE 121 IV 25), wodurch er eben die
                Werterhaltungspflicht verletzt. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Tater
                anvertrautes Geld ohne jederzeitige Ersatzmoglichkeit verbraucht oder so bindet, das er
                nicht mehr frei daruber verfiigen kann, aber auch schon dann, wenn er ein Inkasso
                verheimlicht, um den entsprechenden Betrag nicht abliefern zu miissen. In BGE 98 IV
                29 bejahte das Bundesgericht die unrechtmassige Verwendung in einem Fall, in dem
                der Tater den Treugeber abredewidrig nicht iiber einen Zahlungseingang informierte
                und die Zahlung seiner Aktiengesellschaft uberliess.

3.3.3    Zur Frage der Werterhaltungspflicht ist mit Bezug auf den vorliegenden Fall Folgendes
                                         39
        von Bedeutung: Nach Rehberg muss mit der Uberlassung des (dem Tater sachen-
        rechtlich gehorenden) Vermogenswertes ein Vertrauen bekundet werden, welches sich
        im Ausmass mit der Uberlassung einer im Eigentum eines anderen stehenden Sache
        vergleichen lasst. Ein solches Vertrauen soil in der Einraumung des Gewahrsams und
        der Verfiigungsbefugnis zu bestimmten Zwecken liegen, so bei der direkten und indirek-
        ten Stellvertretung sowie der Ubereignung zur spateren RCickgabe. Wirtschaftlich frem-
        des Eigentum kann nur dann entstehen, wenn der Treugeber den Treuhander eigens
        oder im Rahmen eines Vertrages dazu ermachtigt, an seiner Stelle Sachen bzw. Gut-
        haben zu erwerben, zu erhalten oder Dritten zu iibereignen. Erhalt der Tater das Gut von
        Dritten und nicht vom Treugeber, d.h. war es ihm von diesem nur mittelbar anvertraut, so
        kann von einem stellvertretenden Erwerb fiir den Treugeber nur dann die Rede sein,
        wenn die Leistung letztlich diesem und nicht dem Tater zusteht.

                                   40

        Das Strafgericht Basel-Stadt kam schon 1970 zum Schluss, dass demjenigen, der vertretbare Sachen auf Kredit kauft,
        um sie seinerseits in eigenem Namen und auf eigene Rechung weiterzuverkaufen, weder die Ware, noch der aus ihrer
                                                                                                                           103
          Verausserung erzielte Erlos im Sinne des Tatbestandes anvertraut sind. Hieran andere auch das Versprechen, die
          Zahlungen auf ein Sonderkonto zu leisten und die Halfte an den Ursprungsverkaufer zu uberweisen, nichts. Bei den auf
          das Sonderkonto zu zahlenden Betragen handle es sich um einen separaten Vermdgenskomplex, der im
          ausschliesslichen Eigentum des Beschuldigten stehe und fiir ihn auch wirtschaftlich kein fremdes Eigentum darstelle,
          welches Gegenstand eines besonderen Vertrauensverhaltnisses sein konnte. Aus dem Versprechen, dem Dritten
          Zahlungen aus dem Sonderkonto zu leisten, erwachse diesem kein Zugriffsrecht auf das Konto, es bleibe vielmehr bei
          dem rein obligatorischen Anspruch auf Kaufpreiszahlung. Ein gesetzlicher oder vertraglicher Herausgabeanspruch
          allein mache einen Vermogenswert nicht zum anvertrauten Gut. Solches liege trotz Heruasgabepflicht nicht vor, wenn
          der Empfanger das Gut fiir sich selber und nicht fiir einen anderen erhalte.


          ISMM erhielt die Zahlung bekanntlich nicht von einem Treugeber bzw. dem Gescha-
          digten, sondern von einem Dritten (Globo), und dies auf der Grundlage einer vertrag-
          lichen Abmachung. Mit Bezug auf diese Konstellation sind folgende Bundesgerichts-
          entscheide unter dem Titel der mangelhaften Erfullung eines Inkassos von Bedeutung.

                   BGE 98 IV 29: Die Werterhaltungspflicht ergibt sich dann, wenn sich der Tater wirtschaftlich gesehen
                   Eigentiimerbefugnisse anmasst, sei es dass er seine Befugnisse, die ihm mit der treuwiesen Ubergabe der
                   Sache oder des Gutes ausdrucklich oder stillschweigend ubertragen werden, iiberschreitet, oder aber dass er
                   Treu und Glauben oder besonderen Abreden der Parteien zuwiderhandelt.

                   BGE 99 IV 201 ff: Der Automatenaufsteller, der in der Gaststatte eines Dritten einen Spielautomaten aufstellt
                   und dem Gaststatteninhaber 50% des Kasseninhaltes iiberlasst, sind die Einnahmen mangels eines
                   besonderen Vertrauensverhaltnis zwischen den Parteien nicht anvertraut. Die Einnahmen bilden bloss die
                   Bemessungsgrundlage fiir die Platzmiete, gehoren aber wirtschaftlich nicht zum Vermogen des
                   Gaststatteninhabers. Erhalt der Automatenaufsteller die Einnahmen im eigenen Interesse, so kann nicht
                   gesagt werden, sie seien ihm im Ausmass von 50% anvertraut gewesen, damit er sie abliefere. Seine
                   Verpflichtung zur Bezahlung des Entgelts geht nicht iiber den Rahmen einer bloss schuldrechtlichen Pflicht
                   zur Vertragserfullung hinaus und schliesst keine Treuepflicht in sich. Das Recht auf den Erlos der
                   Spielautomaten stehe dem Aufsteller zu „sofern nicht die gesellschaftsrechtliche Komponente des
                   Vertragsverhaltnisses derart stark in den Vordergrund riickt, dass von einer eigentlichen Umsatzbeteiligung
                   gesprochen werden kann".




39                         40
   ZStrR98(1981)29ff            SJZ 67
(1971) 144
                                                                                                                         115


                        BGE 118 IV 32: Tater und eine Bank verabredeten eine Forderungszession fur kunftige Forde
                    rungen. Da die Bank nicht in der Lage war, die zedierte zukiinftige Forderung selbst einzutreiben,
                  wurde im Rahmen der Abtretung eine spezielle Vereinbarung eingegangen, dergemass der Zedent
                          sich verpflichtete, den Forderungserlos an die Bank iiberweisen zu lassen. Er hatte dafur zu
                         sorgen, dass dieser der Bank direkt oder durch seine Vermittlung zukam. Das Bundesgericht
                        bejahte das Vorliegen einer vertraglichen Werterhaltungspflicht weil gemass der mit der Bank
                          getroffenen Vereinbarung der Zedent uber den geschuldeten Betrag bis zur Hohe der Abtre
                   tungssumme nicht in seinem eigenen Interesse verfugen konnte. Im Gegenteil durfte er ihn nur fiir
                      die Uberweisung an die Bank verwenden oder musste ihn zumindest zu ihrer Verfugung halten.


          Wie schon dargelegt, ist grundsatzlich im Einzelfall zu priifen, ob sich aus der konkreten
             vertraglichen Vereinbarung eine Werterhaltungspflicht ergibt (BGE 120 IV 117, E. 2e
           und f, BGE 124 IV 9 E. 1a und d). Das Bundesgericht kommt in BGE 6S.835/1999/bue
               vom 5. April 2000 zum Schluss, dass es unerheblich gewesen sei, ob mit den vom
             Beschwerdefuhrer als Darlehen bezogenen Geldbetragen eine Werterhaltungspflicht
            verbunden gewesen sei. Dies deshalb, weil der Beschuldigte auf Grund des Vertrags
             verhaltnisses die Verpflichtung gehabt habe, die Vermogenswerte zur Verfugung der
     ^,                                                                         Treugeber zu halten.

                           Fiir das gegenstandliche Vertragsverhaltnis ergeben sich zusammengefasst
          3.3.4                                                                            folgende
                                                                                               104
                                                                                  Feststellungen:

                   Die FIFA gewahrte der Sporis Holding AG das Exklusivrecht fiir die Nutzung-
                       A/erwertung der Radio und Fernseh Ubertragungsrechte der Weltmeister
                schaften 2002 und 2006 in den abschliessend angefiihrten Landern (Ziffer 1.1.1
                    des Vertrages vom 26. Mai 1998 und Annex 1 / weltweit mit Ausnahme von
                Europa und den USA), wobei sie wahrend der Dauer des Vertragsverhaltnisses
                    alleinige Eigentiimerin der Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte und der
                 weiteren, der Sporis Holding vertraglich gewahrten Rechte blieb (Ziffer 7.1 des
                                                                 Vertrages vom 26. Mai 1998).

                Im Vorfeld dieses Vertrages erwog die ISL/ISMM mit der FIFA ein Joint Venture
                     einzugehen, was jedoch aus sportpolitischen Grunden nicht moglich war (D
                                                                                            3/30,
                  Ziffer 29, vgl. Ziffer 69 wonach ursprunglich eine gemeinsame Verwertung der
  L                                   Fernsehrechte geplant war; vgl. auch D 17/3/2-D 17/3/7 + 9).

                Die Gewahrung des Exklusivrechts fiir die Verwertung der Radio- und Fernseh-
                     Ubertragungsrechte war von der Sporis Holding AG mit mindestens USD
                  650'000'000.~ fiir die WM 2002 und mit USD 750'000'000.-- fiir die WM 2006
                  nach einem fixen Zeitplan gegenuber der FIFA abzugelten (Ziffer 5.1 und 5.2
                                                                                         des
                   Vertrages vom 26. Mai 1998 und Ziffer 8 des Zusatzvertrages vom 13. Marz
                                                  2000 und Ziffer 1 jenes vom 21. Juli 2000).

                    Die Sporis Holding AG war berechtigt, das Spezialkonto nach Eingang einer
                   Zahlung aus einem Unterlizenzvertrag mit insgesamt 25% zu belasten (Ziffer
                4.2.1 lit. a+b des Vertrages vom 26. Mai 1998: 5% zur Deckung der Kosten des
                   „Basic Feed" und 20 % zur Deckung der Vertriebskosten). Sie konnte zudem
                verteilt iiber die gesamte Dauer des Vertrages nach einem bestimmten Zeitplan
               Finanzierungskosten von insgesamt CHF 24'000'000.~ und eine Pauschale von
                  CHF 7'500'000.-- abziehen (Ziffer 4.2.1a+b des Vertrages vom 26. Mai 1998).
               Betrage, welche die Minimalentgelte iiberstiegen, waren von den Parteien halftig
                                         zu teilen (Ziffer 4.3.5. des Vertrages vom 26. Mai 1998).

Zur Beschleunigung der Mindestzahlungen vereinbarten die Parteien mit Vertrag vom 13. Marz 2000
folgendes: Die FIFA war berechtigt 75% der Eingange bis zu CHF 650'000'000.-- bzw. CHF
750'000'000.-- einzufordern. Damit die Einforderung erfolgen konnte, war die Sporis Holding AG
verpflichtet, der FIFA von jedem Eingang Mitteilung zu machen.

Die Sporis Holding AG musste im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses fiir die Ubertragung des
Verwertungsrechtes - von der Leistung einer Bankgarantie betreffend die erste am 15. Oktober 1998
fallige Mindestzahlung von CHF 32'500'000.- (vgl. Ziffer 6.1 des Vertrages vom 26. Mai 1998)
abgesehen keine geldwerte Leistung erbringen.

Alle Entschadigungen im Zusammenhang mit den Unterlizenzvertragen mussten auf ein Spezialkonto,
namlich Nr. 68.5288.003 / Depositenkonto Nr. 68.5288.0003 FIDUC bei der Banque Nationale de Paris
(Suisse) SA, Basel, bezahlt werden (Ziffer 1.6.3 des Vertrages vom 26. Mai 1998). Gemass dem Zusatz-
vertrag vom 13. Marz 2000 lautete das Spezialkonto neu Nr.248-436280.01D (CHF) / Nr.248-
436280.60T (USD), war bei der UBS Schweiz, Luzern (S. 3 des Vertrages), und war ebenfalls in den
Unterlizenzvertrag aufzunehmen (Ziffer 19 des Vertrages).

Die Unterlizenzvertrage mussten dahingehende Bestimmungen enthalten, dass alle Entschadigungen
auf dieses Konto zu uberweisen waren (Ziffer 1.6.5 des Vertrages vom 26. Mai 1998).

Die Sporis Holding AG war verpflichtet, dafiir besorgt zu sein, dass der FIFA alle Bankunterlagen
betreffend das Spezialkonto zugesandt wurden (u.a. Gutschriftsund Belastungsanzeigen) (Ziffer 4.1.3
des Vertrages vom 26. Mai 1998).
                                                                                                    105
Die Sporis Holding AG war verpflichtet, die Unterlizenzvertrage nach bestimmten Vorgaben zu
redigieren.

Weder die FIFA noch die Lizenznehmerin hatten das Recht, das Treuhandkonto zu verpfanden, mit
Ausnahme der Finanzierung der ausstehenden Bankgarantie; allerdings nur mit vorgangiger
Zustimmung der FIFA (Ziffer 4.3.4 des Vertrages vom 26. Mai 1998)

Die Sporis Holding AG war verpflichtet, der FIFA alle Unterlizenzvertrage vollumfanglich bekannt zu
geben und ihr spatestens 20 Tage nach Unterzeichnung eines Unterlizenzvertrags eine Kopie davon zu
iibergeben (Ziffer 1.6.6 des Vertrages vom 26. Mai 1998).

Die Sporis Holding AG war verpflichtet, der FIFA bzw. von ihr bezeichneten Personen die Buchhaltung
zur Einsichtnahme und Prufung zur Verfugung zu stellen (Ziffer 4.4.2 des Vertrages vom 26. Mai 1998).
Der FIFA durften nur solche Informationen bekannt geben werden, welche die FIFA zur Feststellung der
Richtigkeit der ihr gemass den Berichten der Sporis Holding AG geschuldeten Gesamtbetrage und der
damit in Zusammenhang stehenden Zahlungen benotigte (Ziffer 4.4.3 des Vertrages vom 26. Mai 1998).

Die Sporis Holding AG war verpflichtet, der FIFA sofort Mitteilung iiber alle Angelegenheiten zu machen,
die eine wesentliche nachteilige Veranderung der finanziellen Situation der Lizenznehmerin bewirkten
oder hatten bewirken konnen (Ziffer 8.2 des Vertrages vom 26. Mai 1998).
3.3.5    Die vorstehend aufgezeigte Ausgestaltung des Vertragsverhaltnisses, aber auch
        das beabsichtigte Joint Venture belegen die damalige wirtschaftliche Nahe bzw.
        Vernetzung der Vertragspartner. Dass Joint Ventures gesellschaftsahnliche
        Verbindungen sind und eine enge Zusammenarbeit der Partner implizieren, ist
                                                                    41
        gerichtsnotorisch und bedarf keiner weiteren Ausfuhrungen . Wie dargelegt, war
        die Hohe des Entgeltes prazis und die Aufteilung der Ertrage aus den
        Unterlizenzvertragen in alien Einzelheiten geregelt. Die Einrichtung eines
        speziellen Kontos, auf welches die Gelder aus den Unterlizenzvertragen zu
        fliessen hatten, der Zugang der FIFA zu den Kontobewegungen, die Zustellung
        der Kontoausziige, aber auch das Verbot, diese Gelder zu verpfanden (von der
        erwahnten Ausnahme abgesehen), zeigen mit aller Deutlichkeit auf, dass die
        ISMM AG die Gelder nicht fiir sich, sondern im Rahmen der vertraglichen
        Abmachung auch fur die FIFA einnahm und somit Fremdinteressen vertrat. In
        diesem Sinn war die ISMM Gruppe zum Inkasso ermachtigt, und sie hat die
        Zahlungen (bzw. den weit iiberwiegenden Teil davon) nicht fiir sich, sondern eben
        fiir die FIFA erhalten (eingenommen). Die Interessenwahrung der FIFA wird
        durch ihre eigenen umfassenden Informations- und Kontrollmoglichkeiten und die
        diesbezuglichen Pflichten der ISMM AG deutlich dokumentiert. Gleiches ist aus
        den Pflichten der ISMM AG, die Unterlizenzvertrage nach bestimmten Vorgaben
        zu redigieren, abzuleiten. Die auf Grund des Longform Agreements und der
        zugehorigen Amendments bestehenden auftrags- und/oder
        gesellschaftsaTinlichen Abreden beweisen somit das Vorliegen einer
        vertraglichen Werterhaltungspflicht. ISMM war in eigenem Namen, jedoch
        auch in einem ganz betrachtlichen Umfang fur die wirtschaftlichen Interessen der
        FIFA zur Verwertung und zum Einzug des Verwertungserloses fiir beide Parteien
        ermachtigt, und zum Zeitpunkt des Inkassos stand ein grosserer Teil der
        gegenstandlichen Gelder der FIFA aus Vertrag zu. Dass das Long-form
        Agreement nicht als tvpischer Lizenzvertrag bezeichnet werden kann, und die
        FIFA der ISMM AG "nur" die Verwertung der Femsehrechte uberliess, andert am
        Gesagten nichts.

        Dass neben der Frage des Anvertrautseins jene der Gewichtung der
        Werterhaltungspflicht zudem eine relative ist (soweit das eine vom andem
                                                                                            106
         iiberhaupt getrennt werden kann), zeigt sich an der Rechtsprechung des
         Bundesgerichts (BGE 6S.835/1999/bue vom 5. April 2000), wonach es unter
         diesem Aspekt fiir die Erfullung des Tatbestandes genugen kann, wenn der
         Beschuldigte auf Grund des Vertragsverhaltnisses die Verpflichtung hat, die
         Vermogenswerte zur Verfugung der Treugeber zu halten. Genau diese Pflicht
         hatte aber die ISMM AG gegenuber der FIFA; und zwar im Umfang der
         vertraglich vereinbarten 75%.

3.3.6     Die Tathandlung, namlich das Verhalten des Taters, durch welches er eindeutig
         seinen Willen bekundet, den Anspruch des Treugebers zu vereiteln, ist ohne
         Einschrankungen zu bejahen. In Verletzung der vertraglichen Bestimmungen
         wurde die FIFA iiber die Abanderung des Zahlungsplans bzw. die Vorauszahlung
         nicht informiert, wodurch es ihr verwehrt war, ihren Anspruch geltend zu machen
         (BGE 121 IV 25, BGE 98 IV 29); die

41

      Albisetti, Boemle, Ehrsam, Gsell, Nyffeler, Rutschi, Handbuch des Geld-, Bank- und
      Borsenwesens der Schweiz, 391
         Globo Zahlung erfolgte nicht auf das vereinbarte, sondern auf ein Konto der ISL
         Worldwide, zu welchem die FIFA keinen Zugang hatte, was aber wiederum die Geltend-
         machung ihres Anspruchs verhinderte (das mit der FIFA vereinbarte Konto war zudem
         nicht im Unterlizenzvertrag mit Globo vermerkt: D 2/53, 9.3, Abs. 1; BGE 121 IV 25, BGE
         98 IV 29);

3.4      Schaden

3.4.1     Der objektive Tatbestand der Veruntreuung setzt begriffsnotwendig den Eintritt einer
         Vermogensschadigung voraus. Der deliktische Schaden, der im Gesetz nicht als
         Tatbestandsmerkmal erwahnt ist, besteht im Wert des veruntreuten Gutes (BGE 111 IV
         23 E. 5. S. 23). Das Ausmass einer Gefahrdung des obligatorischen Anspruchs kann
         allerdings in seiner konkreten Ausgestaltung einem Vermogensschaden im Sinne des
         Veruntreuungstatbestandes gleichkommen (BGE 6S.835/1999/bue vom 5. April 2000).
                           42
         Marcel A. Niggli bejaht den Schaden dann, wenn ein Vermogenswert derart verwendet
         wird, dass die Forderung derjenigen Person, die den Vermogenswert hingegeben hat, in
         ihrem Wert gemindert wird. Das Bundesgericht bejaht die Gefahrdung des obligato-
         rischen Anspruchs und somit in seinem Wert als wesentlich vermindert, wenn im
         leistungspflichtigen Zeitpunkt eine Uberschuldung der den obligatorischen Anspruch zu
         erfullenden Person gegeben ist (BGE 102 IV 84, BGE 121 IV 104, BGE 122 IV 179, BGE
         6S.835/1999/bue vom 5. April 2000). Eine voriibergehende Schadigung geniigt (BGE 76
         IV 96, 230, BGE 82 IV 90, BGE 84 IV 14).

3.4.2 Wie bereits festgehalten wurde, war die ISMM AG per 30. September 2000 unter Be-
      riicksichtigung notwendiger Abschreibungen, Ruckstellungen und Wertberichtigungen
      uberschuldet (D 7/D/1, Ziffer 5.4.2, Seite 21+22) und per Ende September 2000 illiquid.
      Der Vollstandigkeit halber sei nochmals erwahnt, dass die ISMM AG per 31. Dezember
      2000 ein negatives Eigenkapital von CHF -121'847000.-- (D 7/D/1, Ziffer 5.6.2, Seite
      27+28) auswies und illiquid war. Die bereits verfallenen Verpflichtungen iiberstiegen die
      vorhandenen Mittel erheblich (D 7/D/1, Ziffer 5.6.3, Seite 28+29). Auch die ISL Worldwide
      war per 30. September 2000 unter Beriicksichtigung der nicht vorgenommenen
                                                                                                            107
        Wertberichtigungen und Abschreibungen uberschuldet (D 7/D/1, Ziffer 5.5.2, Seite 25)
        und illiquid. Per 31. Dezember 2000 bestand ein negatives Eigenkapital von CHF -
        318'079'000.~ (D 7/D/1, Ziffer 5.7.2, Seite 31), und die Gesellschaft war illiquid (D 7/D/1,
        Ziffer 5.7.3, Seite 32). Bei diesen finanziellen Rahmenbedingungen besteht kein Zweifel
        daran, dass der obligatorische Anspruch gefahrdet war und in seinem Wert als
        wesentlich vermindert im Sinne eines tatbestandsmassigen Schadens zu betrachten ist.

3.4.3    Um dem Gericht eine umfassende Beurteilung zu ermoglichen, wird die Schadenspo-
        sition der FIFA trotz vorstehender Feststellung ausfiihrlich dargestellt.

       Mit Schreiben vom 24. Juni 2002 (HD 2/64, Ziffer 16/2) wurde die FIFA aufgefordert,
ihren effek
       tiven, bereinigten Schaden aus den geltend gemachten Vertragsverletzungen
       anzugeben. Mit
       Eingabe vom 29. Oktober 2002 bezifferte die FIFA den Bruttoschaden auf CHF
       730'073'318.

BR 1998,81 ff
(HD 2/92) und hinterlegte eine diesbeziigliche Berechnung und verschiedene Unterlagen (HD 2/92/4).
Daraus ist ersichtlich, dass sich die Gesamtforderung aus verschiedenen Positionen zusammensetzt,
welche einerseits keinen Zusammenhang zu der verfahrensgegenstandlichen Globo-Zahlung haben und
andrerseits aus geltend gemachten ..zusatzlichen Folgeschaden aus Vertragsverletzungen bestehen (HD
2/92/4/2). Ohne diese Folgeschaden belauft sich der geltend gemachte Schaden auf insgesamt CHF
294'435'323.-. Dieser Betrag entspricht in etwa der Forderungsanmeldung der FIFA in den
Konkursverfahren betreffend die ISMM AG (D 4/A/7/15, Seite 13, CHF 294'435'322.~) und die ISL
Worldwide (D 4/A/7/17, Seite 27 CHF 294'435'322.~). Im Zusammenhang mit der Globo Zahlung wird
folgender Schaden geltend gemacht:

„TV Zahlungen auf blinde Konti Globo SFr. 92'928'875.-
       -„ (HD 2/92/4/2)

Urs Linsi. welcher bis und mit Juli 2003 als Direktor fur die Finanzen der FIFA verantwortlich war, wurde
am 17. Februar 2004 zum Schaden der FIFA als Auskunftsperson (§ 26 bis, Abs. 1, Ziffer 1 StPO)
einvernommen. Es wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: In der im Rahmen des
Untersuchungsverfahrens gemachten Eingabe geht man im Zusammenhang mit den Globo und Dentsu
Zahlungen von folgendem Schaden aus (HD 2/92/4/2): TV Zahlungen auf blinde Konti: Globo SFr.
92'928'875.-; Dentsu SFr. 32'280'000.~„. Wie wurden diese Positionen berechnet bzw., welche Faktoren
beinhalten sie? Er gab dazu folgendes an:


        Globo habe auch nach einem festen Zahlungsmuster bezahlt. Im Nachhinein hatten sie feststellen
        mussen, dass Globo offensichtlich ISL / ISMM eine Vorauszahlung von USD 66 Mio. geleistet
        habe. Davon hatten sie nichts gewusst. Davon hatten sie, ohne dass sie durch ihre Partner
        informiert worden waren, bis zum nachsten ursprunglich abgemachten Zahlungstermin auch nichts
        wissen konnen. Gemass Accelleration-Prinzip hatten sie selbstverstandlich Anspruch auf 75 %
        dieser Zahlung gehabt. Das sei - wie heute feststehe - nicht geschehen. Auf Nachfrage gab er
        zudem an: Er habe diese Zahl in diesem Sinne ja nicht gerechnet, aber er nehme an, dass Guido
        Tognoni von USD 66 Mio. ausgegangen sei, also musse er den Wechselkurs berucksichtigen, und
        sicher habe er auch den entgangenen Zins mitberechnet (D 3/54, Ziffer 27 und 29).


Mit Schreiben vom 7. August 2003 wurde die ausseramtliche Konkursverwaltung u.a. ersucht, allfallige
Vereinbarungen mit der FIFA, mit Dentsu Inc., mit TV Globo LTD und/oder mit Globo Overseas
Investments BV zu hinterlegen (D 4/A/7/12). Mit Eingabe vom 1. Oktober 2003 hinterlegte sie u.a. eine
Vereinbarung vom 8. Mai 2002 zwischen der ISMM AG in Konkurs und der ISL Worldwide in Konkurs
(beide vertreten durch die ausseramtliche Konkursverwaltung) sowie der FIFA und der KirchMedia WM
AG (D 4/A/7/23). Der Einleitung dieser Vereinbarung ist zu entnehmen, dass betreffend die Frage, ob mit
Bezug auf die Beendigung (Kundigungen vom
17. Mai 2001) der Vermarktungsrechte von ISMM bzw. ISL gemass dem Longform Agreement vom 26.
Mai 1998 einerseits und Marketing Agreement vom 12. Mai 1997 andrerseits eine Entschadigungspflicht
entstanden sei, verschiedene Gutachten mit unterschiedlichen Ergebnissen erstellt wurden. Vor diesem
Hintergrund schlossen die Parteien die zitierte Vereinbarung. Danach verpflichtete sich die FIFA, an die
                                                                                                              108
ISMM AG und die ISL Worldwide je einen Betrag von CHF 13'400'000.-- zu bezahlen; dies in Abgeltung aller
Anspruche, welche die ISMM AG und ISL Worldwide aus der konkursbedingten Auflosung des TV-
Lizenz- und Marketingvertrages fiir den World Cup 2002 und 2006 sowie der in diesem Zusammenhang
abgeschlossenen Amendments und Zusatzvertragen erheben wurde. Zudem verpflichtete sich die FIFA,
die in den beiden Konkursen angemeldeten Forderungen im Verfahren betreffend die ISMM AG auf CHF
50'000'000.- und in jenem betreffend die ISL Worldwide auf CHF I'OOO'OOO.- zu reduzieren (vgl.
Teilkollokationsplane 2: D 4/A/7/15, Seite 13 und D 4/A/7/17, Seite 27). Des Weiteren verzichtete die
FIFA auf samtliche Anspruche auf Kontoguthaben der ISMM/ISL bei der UBS AG. FIFA und KirchMedia
verzichteten darauf, die an sie abgetretenen Forderungen von Broadcastem, Lizenznehmem, Sponsoren
usw. in den Konkursen der ISMM AG und ISL Worldwide einzugeben, unter der Bedingung, dass die
FIFA Weltmeisterschaftsrunde 2002 weder abgesagt, verschoben noch verlegt werde.

Urs Linsi wurde folgender Vorhalt gemacht: Gemass dieser Vereinbarung (gemeint ist jene vom 8. Mai
2002 zwischen der ISMM AG in Konkurs und der ISL Worldwide in Konkurs sowie der FIFA und der
KirchMedia WM AG) verpflichtete sich die FIFA, an die ISMM AG und die ISL Worldwide je einen Betrag
von CHF 13'400'000.~ zu bezahlen; dies in Abgeltung aller Anspruche, welche die ISMM AG und ISL
Worldwide aus der konkursbedingten Auflosung des TV-Lizenzvertrages fur den World Cup 2002 und
2006 sowie der in diesem Zusammenhang abgeschlossenen Amendments und Zusatzvertragen erheben
wiirde. Wie ist die FIFA rechnerisch zu diesem Ergebnis gekommen? Er gab folgendes an:

        Das konne er dem Untersuchungsrichter nicht sagen. Das habe Guido Tognoni mit Ernst & Young, Dr.
        Bauer, verhandelt (D 3/54, Ziffer 38).

Darauf wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Die FIFA verpflichtete sich, die in den beiden Konkursen
angemeldeten Forderungen im Verfahren betreffend die ISMM AG auf CHF 50'000'000.- und in jenem betreffend
die ISL Worldwide auf CHF 1'000'000.~ zu reduzieren. Mit der Forderungsanmeldung hatte man CHF
294'435'322.-- geltend gemacht. Wie erklart sich diese zahlenmassige Differenz? Er gab folgendes an:

        Die CHF 51 Mio. die konne er dem Untersuchungsrichter erklaren: In der Buchhaltung der FIFA, in den
        Budgets, wurden sich immer nur die vertraglich vereinbarten Minimumszahlungen finden; ein allfalliger
        Profitshare wiirde nie in die Budgets Eingang finden. In der Buchhaltung hatten sie nach dem Konkurs die
        effektive eingegangen Betrage damit verglichen, welche Zahlungen, welche Minimumzahlungen die FIFA
        aufgrund der Vertrage zugute gehabt hatte. Und diese Differenz habe sich auf CHF 51 Mio belaufen. Dies
        sei eine rein buchhalterische Betrachtung und umfasse selbstverstandlich nicht moglich entgangene
        Profitshares, moglich entgangene Aufwande fiir nicht geleistete Dienste usw. (D 3/54, Ziffer 39).

Auf die Anschlussfrage, was - einfach ausgedruckt - der Betrag von ca. CHF 294 Mio. beinhalte, gab er folgendes
an:

        Nochmals: Er habe diese Zusammenstellung, die ihm der Untersuchungsrichter vorhin gezeigt habe, nicht
        erarbeitet. Er konne nur rein buchhalterisch Auskunft geben: Naturiich, in diesen Vertragen habe es
        Klauseln, die bei gutem Geschaftsgang fiir beide Parteien gewinntrachtig gewesen seien. Aber nochmals:
        Diese Klauseln hatten keinen Eingang in ihre Budgets in der Buchhaltung gefunden (D 3/54, Ziffer 40).

Weiter wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Dem FIFA Financial Report 2002 (HD 2/188 /                      Quelle:
http://images.fifa.com) kann entnommen werden, dass in der Periode 1999 - 2002 ein um CHF 249 Mio. besseres
Ergebnis erzielt wurde als geplant. Dieses Resultat wurde u.a. auf folgenden Faktor zuruckgefiihrt: „The release of
provisions totaling CHF 60 million, set aside for the ISL/ISMM bankruptcy (these were not required following a
favorable out-of-court settlement with the bankruptcy trustees)." (S. 17). Die ursprunglich von der FIFA in den
Konkursen angemeldete Forderung betrug CHF 294'435'322.- und wurde auf CHF 50'000'000.- und CHF
I'OOO'OOO.- reduziert. Die FIFA verpflichtete sich zudem zu einer Zahlung im Betrage von CHF 26'000'000.-.
Inwiefern war der Vergleich fiir die FIFA vorteilhaft? Er gab dazu folgendes an:

        In dieser Finanzperiode hatten sie gemass Cash-Methode finanziert, das bedeute, dass samtliche in einem
        Rechnungsjahr erzielten Einnahmen direkt als Einnahmen gebucht wurden (gleiches Prinzip auch bei den
        Ausgaben). Durch die Securitisation-Transaktion sei es ihnen gelungen, so genannte zukiinftige
        Einnahmen durch Investoren in den Rechnungsjahren 2000 und 2001 direkt als cash-wirksam zu
        verbuchen. Diese Massnahme hatte es ihnen erlaubt, einerseits die Liquiditat, andererseits aber auch das
        Eigenkapital drastisch zu verbessern. Aufgrund dieser Ausgangslage hatten sie den gemass Cash-
        Methode mdglichen Spielraum, ausserst vorsichtig zu bilanzieren, voll ausgeniitzt. Das heisse, sie hatten
        u.a. ausserst grossziigige Ruckstellungen gebildet. In diesem Sinne sei die hier erwahnte Riickstellung als
        Worst-Case zu betrachten (D 3/54, Ziffer 41). Auf Nachfrage gab er zudem folgendes an: Aus Finanzsicht
        sei es immer vorteilhaft, Ruckstellungen auflosen zu konnen. Das fiihre zu einer direkten
        Ergebnisverbesserung, in diesem Falle Eigenkapital-wirksam (das sei die Finanzsicht). Dieser Bericht sei
        fiir den Kongress in Doha produziert worden. Und in Doha hatten sie iiber die gesamten vier Jahre (also die
                                                                                                                    109
        Vierjahresperiode 1999 - 2002) rechnungsmassig Auskunft gegeben (D 3/54, Ziffer 42).

   Abschliessend wurde ihm zur Schadensposition folgender Vorhalt gemacht: Sie waren der Finanzchef der FIFA:
   Worin sehen Sie - ganz einfach umschrieben - den allenfalls effektiv
entstandenen Schaden der FIFA im Zusammenhang mit der Globo- Uberweisung? Er gab dazu
folgendes an:

Diese USD 66 Mio. seien geschuldet gewesen. Durch den Vorausbezug in Form einer Vorauszahlung (Prepayment) unter
Verschweigung dieser Tatsache seien der FIFA 75 % davon entgangen. Gemass Accelleration-Prinzip hatte diese Zahlung der
FIFA bekannt gemacht und ihr die 75 % uberwiesen werden miissen. Sie hatten davon erst im Nachhinein erfahren. Die
Geltendmachung gegenuber Globo sei aufgrund der Vorauszahlung nicht moglich gewesen; bei ISL / ISMM sei es leider bereits
zu spat gewesen (D 3/54, Ziffer 46).


Im Anschluss an die Einvernahme von Urs Linsi wurde die FIFA mit Verfugung vom 24. Februar 2004
aufgefordert, verschiedene Unterlagen zu hinterlegen und Fragen schriftlich zu beantworten (HD 2/191).
Die Dokumente und Angaben wurden mit Schreiben vom 5. Marz 2004 eingereicht (D 2/193 ff). Zur
Berechnung des Schadens aus der Vorenthaltung der Globo-Zahlung machte sie folgende Angaben:

„ISMM hatte FIFA uber die fragliche Transaktion vom 18. September 2000 informieren mussen, zudem
das FIFA zugangliche Spezialkonto (..Special Account") fur Unterlizenzzahlungen verwenden miissen
und 75% von USD 66'000'000 an FIFA weiterleiten mussen (der Abzug des Diskonts ist nicht zu
berucksichtigen, da ISMM diesen eigenmachtig und ohne Zustimmung der FIFA einraumte). FIFA
entstand daher ein Schaden in der Hohe von USD 49'500'000 (75% von USD 66'000'000), zuziiglich
Mehrwertsteuer":


Kurs
Globo USD                       49500WO                                                     1.74475
Globo CHF                                                  86'365'125
Mehrwertsteuer                                              6'563'750

Total CHF                                                  92'928'875

Der FIFA wurde zudem folgende Frage unterbreitet: Welches ist der effektive Schaden, welcher der
FIFA letztlich durch die Vorenthaltung des von ihr geltend gemachten Anteils an den Zahlungen von
Globo iiber USD 59'207'500.- und Dentsu Inc. uber CHF 15'000'000.-- entstanden ist? Die Frage wurde
folgendermassen beantwortet:


„KirchMedia musste nach dem ..Take-over" insgesamt noch Minimum Payments von CHF 315'822'879.--
bezahlen, was zusammen mit den von ISMM geleisteten Zahlungen genau die urspriinglich vereinbarte
Summe von CHF 650 Mio. ergab (gemass der ..Take-over" Klausel im Longform Agreement hatte
KirchMedia das Recht, in den Vertrag ..einzutreten"). Es kam im ..Rest of the World" Territorium zu
keinem Revenue Sharing. Hatten Globo und Dentsu uber das vereinbarte ..Special Account" bezahlt
(und hatte die ..Acceleration" der entsprechenden Betrage stattgefunden), so ware es nicht zu einem
Shortfall von CHF 4.184 Mio., sondern - nach Abzug der 5% Production Cost und der 20% Distribution
Fee - zu einem Revenue Sharing von uber CHF 112 Mio. gekommen. FIFA hatte somit eine Summe von
rund CHF 56 Mio. erhalten".


Bezuglich der Stichhaltigkeit dere Einwande der Verteidigung wird an dieser Stelle grundsatzlich auf die
Ausfuhrungen des Untersuchungsrichters (S. 166 ff.) verwiesen. Wie dieser u.a. zu Recht feststellte,
andem die Rucknahmeklausel und die Einbehaltung bereits bezahlter Gelder nichts daran, dass die
zweckwidrig verwendeten Vermogenswerte auf Grund der finanziellen Situation der ISMM Gruppe bzw.
der einzelnen Gruppengesellschaften nicht nur gefahrdet, sondern letztlich uneinbringlich waren und als
Schaden qualifiziert werden miissen.
3.5      Subjektiver Tatbestand

3.5.1    In subjektiver Hinsicht muss Vorsatz bzw. Eventualvorsatz sowie zusatzlich die Absicht
        unrechtmassiger Bereicherung vorliegen (vgl. BGE 129 IV 257). Bereicherung ist ge-
                                                                                               110
        geben, insoweit eine Erhohung der Aktiven oder eine Verminderung der Passiven
        erfolgte. Unrechtmassig bereichert sich, wer anvertraute Vermogenswerte, die er dem
        Berechtigten jederzeit zur Verfugung zu halten hat, in seinem Nutzen verwendet, ohne
        fahig und gewillt zu sein, sie jederzeit sofort zu ersetzen (Ersatzfahigkeit liegt nur vor,
        wenn das Geld fur den Tater griffbereit ist BGE 105 IV 35: ....par quoi Ton designe I'etat
        de I'auteur qui peut justifier d'avoir eu a tout moment la volonte et la possibility de
        representer I'equivalent des montants employes, 118 IV 30). Hat er die ihm anvertrauten
        Vermogenswerte erst nach Ablauf einer bestimmten Frist bzw. zu einem bestimmten
        Zeitpunkt an den Berechtigten weiterzuleiten, muss er auf diesen Zeitpunkt hin und nicht
        schon in der Zwischenzeit ersatzfahig und ersatzwillig sein (BGE 118 IV 27 E. 3a).
        Ersatzfahigkeit darf nur dann angenommen werden, wenn der Tater das Geld griffbereit
        hat, mithin aus eigenen Mitteln leisten kann, nicht aber dann, wenn er es erst noch bei
        Dritten, die ihm gegeniiber zu keiner Leistung verpflichtet sind, beschaffen muss [BGE
        118 IV 27 E. 3b / vgl. der vollstandigkeithalber den Entscheid des Obergerichts Luzern
        (SJZ 86 (1990) 218), wonach Ersatzwille und Ersatzfahigkeit der Ehefrau des Taters
                                             43
        diesem angerechnet werden konnen ].

        Wollte man analog zum Entscheid des Obergerichts Luzern (SJZ 86 (1990) 218) eine
        Beistandspflicht der Gruppengesellschaften konstruieren, ist diesbeziiglich folgendes
        auszufiihren. Mangels eines geschriebenen Konzemrechts gibt es keine gesetzliche
        Grundlage, welche eine solche Pflicht begriinden wiirde. Sie liesse sich - wenn iiberhaupt
        - hdchstens aus vertraglichen Vereinbarungen herleiten. Solche und auch Patro-
        natserklarungen, auf Grund derer Zusicherungen in wirtschaftlicher Hinsicht gegeben
        worden waren, liegen hier nicht zu Grunde und werden von den Beschuldigten auch nicht
        geltend gemacht. [Immerhin spricht das Bundesgericht im Fall CS Holding von einem
        faktischen Beistandszwang, kraft dessen eine unter dem gleichen Konzemnamen
        operierende Schwestergesellschaft voraussichtlich eine andere in der Krise unterstutzen
                                                              44
        wird. Dafiir seien Eigenmittelreserven bereitzustellen (BGE 116 lb 331).]

         Ersatzbereitschaft liegt in jedem Fall dann nicht vor, wenn der Tater trotz Ersatzwillens
         aufgrund seiner wirtschaftlichen Lage nicht iiberzeugt sein kann, rechtzeitig Ersatz
         leisten zu konnen (BGE 118 IV 359, zusammenfassend BGE 6S.835/1999/bue vom 5.
         April 2000). Umgekehrt fehlt es somit an der strafwiirdigen Absicht, wenn der Tater den
                                                                                      45
         Willen und die Moglichkeit hatte, seine Treupflicht zeitgerecht zu erfullen (vgl. auch
         BGE 71 IV 125, 74 IV 31, 77 IV 12, 81 IV 234, 91 IV 132, 91 IV 134).




43
     vgl.dazu Rehberg/Schmid, a.a.O., 87 Druey/Vogel, a.a.O., 30
45
     Trechsel, a.a.O., N 17 zu Art. 138
3.5.2 Wie dargelegt wurde, war sowohl die ISMM AG als auch die ISL Worldwide im Zeitpunkt
      der zweckwidrigen Verwendung der Gelder uberschuldet und zahlungsunfahig. Mit
      Bezug auf die Gobo Zahlung erklarte der Gutachter auf entsprechende Frage des
      Untersuchungsrichters Folgendes: "Es ist unmogiich, dass die ISMM AG am 18. Sep-
      tember 2000 unter Ausklammerung des Einganges von USD 59'207'500.- iiber liquide
      Mittel im Umfang von USD 44'405'625.- verfiigt haben konnte "(D 7/D/1, S. 46). USD
      44'405'625.-- entsprechen 75 % des eingegangenen Betrages von Globo. Zur selben
      Antwort gelangte der Gutachter bezuglich der ISL Worldwide (vgl. D 7/D/1, S. 47; vgl.
      auch zusatzliche Ausfuhrungen des Gutachters auf S. 47 [Konsolidierte Betrachtung]).
                                                                                          111
        Mit Schreiben vom 24. September 2003 wurde die UBS AG aufgefordert, die Be-
        rechnung der Nettopositionen der im Rahmen des Kreditverhaltnisses der Swing Line
        angeschlossenen Kontokorrente zu hinterlegen (D 5/124/40). Aus den Darlegungen der
        UBS vom 31. Oktober 2003 sowie der Berechnungsgrundlage fiir die Nettoposition (D
        5/124/44 und 45) geht hervor, dass die zeitgerechte Erfullung der Treuepflicht am 16.
        September 2000 objektiv nicht moglich war.

        Die Beschuldigten waren auch vor dem Hintergrund ihrer personlichen finanziellen
        Verhaltnisse nicht in der Lage, dieser Pflicht nachzukommen (Hans-Jiirg Schmid; D 3/48,
        Ziffer 282, Daniel Beauvois: D 3/49, Ziffer 178, Heinz Schurtenberger: D 3/59, Ziffer 205,
        Hans-Peter Weber: D 3/61, Ziffer 200, Christoph Malms: D 3/62, Ziffer 212)

3.5.3    Die gegenstandliche Zahlung wurde fiir die Belange der verschiedenen Gruppengesell-
        schaften verwendet (D 7/B: Geldflussanalyse des dipl. Wirtschaftsprufers A. Koller, D
        4/E/117 ff., Hans-Jiirg Schmid: D 3/1, Ziffer 25 und 26, D 3/48, Ziffer 263 ff., Hans-Peter
        Weber: D 3/2, Ziffer 40, D 3/61, Ziffer 204 ff). Die Beschuldigten wussten um das
        Anvertrautsein der Unterlizenzzahlung und wollten den entspechenden Anspruch des
        Treugebers vereiteln bzw. den gesamten Betrag eben zweckwidrig alleine fur die ISMM
        /ISL verwenden. Gerade deshalb wurde die FIFA iiber die Abanderung des Zahlungs-
        plans bzw. die Vorauszahlung nicht informiert. Die Beschuldigten hatten mithin auch
        keine Absicht, im Zeitpunkt des Zahlungseinganges ihrer Treuepflicht nachzukommen
        (Hans-Jurg Schmid D 3/1, Seite 2, Hans-Peter Weber: D 3/2, Ziffer 22, Daniel Beauvois:
        D 3/31, Ziffer 77, Ziffer 88). Auf Grund ihrer Vorgehensweise ist daher erwiesen, dass
        die Beschuldigten vorsatzlich handelten.

3.5.4    Auch die fehlende Ersatzfahigkeit bzw. die Unmoglichkeit einer zeitgerechten Erfullung
        gegeniiber der FIFA war den Beschuldigten nicht entgangen. Denn sie alle kannten die
        permanent angespannte Liquiditatssituation im Jahre 2000 (vgl. hierzu die vorstehenden
        Ausfuhrungen auf S. 65 bis 78 der Anklage). Die tatsachliche Zahlungsunfahigkeit der
        Gruppe bzw. der hier relevanten Gesellschaften war ihnen jedenfalls insofern bekannt,
        als sie wussten, dass die gegenstandliche Zahlung im Sinne der Ersatzfahigkeit nicht
        jederzeit anteilsmassig an die FIFA weitergeleitet werden konnten. Nimmt man gestutzt
        auf das Beweisergebnis an, dass der Teilbetrag von USD 44'405'625.~ auf erste Auffor-
        derung hin der FIFA hatte erbracht werden mussen, so wird erst recht klar, dass die
        Beschuldigten nicht annahmen, dass diese Leistung zeitgerecht hatte erbracht werden
        konnen. Mangels wirklicher Ersatzfahigkeit fehlte es mithin an Ersatzwilligkeit. Damit ist
        aber auch die Absicht auf unrechtmassige Bereicherung (der ISMM/ISL) bzw. die
        Inkaufnahme der Schadigung (der FIFA) dargetan. Wie schon der Untersuchungsrichter
        zutreffend festhielt, geniigt fiir die Tatbestandserfiillung die Absicht der vorubergehenden
        Bereicherung (gleich wie eine vorubergehende Schadigung als tatbestandsmassiger
        Schaden).

        Zu verschiedenen im Verwaltungsrat besprochenen Massnahmen ist zudem Folgendes
        anzufiihren: Wohl war ein Mittelzufluss aus den ABS- und IPO Projekten sowie aus dem
        Verkauf von Beteiligungen (ORAD / Copyrigt Promotions Group) geplant, konnte aber nie
        realisiert werden (D 6/3/1/31, S. 7 u. 8). Unabhangig der Frage, wie weit die Projekte
        schon vorangeschrittenen waren, bleibt es bei der Feststellung, dass die Beschuldigten
        im Tatzeitpunkt nicht annahmen, wirklich zeitgerecht Ersatz leisten zu konnen. Wie schon
        erwahnt, liegt Ersatzbereitschaft in jedem Fall dann nicht vor, wenn der Tater trotz
                                                                                               112
        Ersatzwillens auf Grund seiner wirtschaftlichen Lage nicht iiberzeugt sein kann,
        rechtzeitig Ersatz leisten zu konnen. Hofften die Beschuldigten allenfalls, mit der Globo
        Zahlung den Liquiditatsengpass zu uberbrucken und spater dann mit Geldern aus IPO
        und/oder ABS die FIFA-Forderung zu begleichen, so vermag das an der Erfullung des
        subjektiven Tatbestandes nichts zu andern.



4. Betrug z.N. der FIFA (Globo Komplex)

4.1. Gesetzliche Grundlage

        Des Betrugs nach Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich schuldig, wer in der Absicht, sich
        oder einen andern unrechtmassig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder
        Unterdruckung von Tatsachen arglistig irrefuhrt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestarkt
        und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen
        andern am Vermogen schadigt.

        Das tatbestandsmassige Geschehen des Betruges wird in objektiver Hinsicht in vier
        Stadien aufgelost, die in einem Kausalverhaltnis zueinander stehen mussen: Das moti-
        vierende, in der Regel tauschende Verhalten, welches arglistig (1) sein muss, als Erfolg
        davon die Setzung eines Motivs (2) beim andern, das auf einem Irrtum beruhen muss,
        eine dadurch motivierte Vermogensverfugung (3) des andern, sowie einen durch die
                                                          46
        Verfugung herbeigefuhrten Vermogensschaden (4) . Die Tauschung muss sich auf Tat-
        sachen beziehen. Dazu gehoren auch Rechtsverhaltnisse, ferner die so genannten
        inneren Tatsachen. Die tauschenden Handlungen miissen mindestens dazu geeignet
        sein, den Entscheid des zu Tauschenden, die anbegehrte Vermogensdisposition zu
        treffen, zu beeinflussen. Die Tauschung kann sowohl durch Vorspiegein, als auch durch
                                             47
        Unterdriicken von Tatsachen erfolgen .


46


     Trechsel, a.a.O., N 1 zu Art. 146
47


     Rehbergy'Schmid, a.a.O., 171 f.
                  Das motivierende Verhalten muss arglistig sein. Nach bundesgerichtlicher
                     Rechtspre
                  chung tauscht arglistig,

                       wer sich besonderer betrugerischer Machenschaften bedient oder ein
                       ganzes Liigengebaude errichtet, ohne Riicksicht auf die Uberpriifbarkeit;

                       wer bloss falsche Angaben macht, lediglich dann, wenn diese nicht oder
                       nicht ohne besondere Miihe uberpriifbar sind, oder wenn der Tater den
                       andern von der Uberprufung absichtlich abhalt, Oder wenn dem
                       Getauschten die Uberprufung nicht zumutbar ist, oder wenn der Tater zum
                       Voraus erkennt, dass er es mit einem Opfer zu tun hat, das ihm
                       besonderes Vertrauen entgegenbringt und deshalb von einer Uberprufung
                       voraussichtlich absehen wird.


        4.2 Irrefuhrendes. arglistiaes Verhalten (Tauschung) / Unterdrucken von Tatsachen

^ Zum Tatvorwurf wird vorweg auf den Sachverhalt Ziffer 4 (S. 16 der Anklageschrift)
                                                                                                   113
                 verwiesen. Es wird darauf verzichtet, das sachverhaltsrelevante Verhalten im
                 Einzelnen nochmals darzulegen. Diesbeziiglich kann insbesondere auf die
                 Ausfuhrungen zu den Vertragsverhaltnissen und dem Veruntreuungsvorwurf
                 verwiesen werden. Die nachfolgende Darstellung beschrankt sich deshalb auf
                 tatbestandsspezifische Aspekte.

       4.2.1      Die Tauschung bzw. das tauschende Verhalten kann sowohl durch das
                                                                                          48
                 Vorspiegein, als auch durch das Unterdrucken von Tatsachen erfolgen .
                 Dabei kann die dogmatische Frage, ob es sich um ein Unterlassen oder ein
                                                                49
                 Tatigwerden handelt, offengelassen werden . Entscheidend ist, ob die
                                                                          50
                 Beschuldigten eine entsprechende Aufklarungspflicht traf . Diese kann sich
                 u.a. aus einer vertraglichen Vereinbarung ergeben (BGE 86 IV 205).

              Dass sich eine Aufklarungspflicht der ISMM AG ergibt, lasst sich aus dem
eingehend ^ . dargestellten Vertragsverhaltnis mit der FIFA herleiten. Immerhin sei nochmals
erwahnt,

                     dass die ISMM AG verpflichtet war, die FIFA uber jeden Zahlungseingang
                     zu informieren,

                 -     dass die ISMM AG die Pflicht hatte, der FIFA nachhaltige Bewegungen
                      unverzuglich mitzuteilen, welche eine wesentliche nachteilige
                      Veranderung der finanziellen Situation der Lizenznehmerin bewirkten oder
                      hatten bewirken konnen,

                     dass die ISMM AG der FIFA sofort Mitteilung von Angelegenheiten zu
                     machen hatte, die zu einem Fall der Nichterfiillung gefuhrt haben oder
                     dazu hatten fiihren konnen.


        48

              Rehberg/Schmid, a.a.O. 167 Willi Wismer, Das Tatbestandselement der Arglist
              beim Betrug nach schweizerischem Recht, Diss.
              Zurich 1988,11 ff.
        50

              G.F.v.Cleric, Betrug verubt durch Schweigen, Zurich 1918, S. 121 ff., vgl. auch Rene
              Meyer, Die Garantenstellung beim unechten Unterlassungsdelikt, Diss. Zurich
              1972., 97
      Wie bereits ausgefuhrt, verletzte die ISMM AG diese Aufklarungspflichten nachhaltig,
      und es ist vor dem Hintergrund der konkreten Ausgestaltung des Vertragsverhaltnisses
      von einer starken Vertrauens- bzw. Garantenstellung auszugehen.

             Die ISMM AG hat es unterlassen, die FIFA vertragskonform daruber zu orientieren, dass der
             mit dem Unterlizenzvertrag vereinbarte Zahlungsplan abgeandert wurde;

             sie hat es unterlassen, die FIFA iiber den Zahlungseingang zu informieren;

             selbst wenn man die Globouberweisung als Darlehen qualifizieren wiirde, welches mit der
             aus dem Unterlizenzvertrag am 1. Juli 2001 falligen Rate zu verrechnen gewesen ware, hatte
             eine Mitteilungspflicht bestanden. Auf Grund des quantitativen Ausmasses der Position
             ergab sich namlich fur die FIFA ein nachhaltiges finanzielles Risiko;

             aktenkundig ist jedenfalls, dass die ISMM AG der FIFA keine Mitteilung uber den Abschluss
                                                                                                    114
            eines allfalligen Darlehens bzw. den Eingang eines allfalligen Darlehensbetrages in der
            gegenstandlichen Grossenordnung machte (zu den Folgen vgl. nachstehend Ziffer 4.4
            Vermogensdisposition).


4.2.2    Das tauschende Verhalten gegenuber der FIFA war auf jeden Fall arglistig, da diese nichts von
        der Vereinbarung mit Globo mitbekommen hatte und ihr daraus letztlich in concreto auch kein
        "Vorwurf" gemacht werden kann. Denn selbst wenn man sich auf den Standpunkt stellen wiirde,
        Arglist sei nur bei einer qualifizierten Unterlassung der Mitteilung bzw. nur dann gegeben, wenn
        die FIFA das ihr Zumutbare unternommen hat, um auf der Grundlage der ihr zustehenden
        Kontrollrechte die dargestellte Tauschung aufzudecken, musste gestutzt auf die Untersuchung
        klarerweise Arglist angenommen werden. Im Einzelnen ist hierzu Folgendes festzuhalten:

        Die FIFA hat im Jahre 1998, also bereits im Jahre des Vertragsabschlusses mit der Sporis
        Holding AG, ihre Kontrollrechte durch PriceWaterhouseCoopers wahrgenommen (D 19/1/5/2).
        Der Auftrag umfasste nach dem Verstandnis der Auftragnehmerin insbesondere die Verifizierung,
        ob

            der Lizenznehmer eine Organisation geschaffen hat, die gewahrleistet, dass alle Zahlungs-
            eingange aus Sublizenzvertragen der FIFA unverzuglich mitgeteilt werden,

            alle Zahlungen oder sonstigen Entgelte, die aus Sublizenzvertragen eingegangen sind, auf
            den dafiir vorgesehenen Konten vollstandig und korrekt erfasst sind,

            die Organisationsstruktur der Lizenznehmer sicherstellt, dass alle Sublizenzvertrage der
            FIFA innert 20 Tagen nach Unterzeichnung vorgelegt werden,

            organisatorische Massnahmen getroffen wurden, um sicherzustellen, dass die Sublizenzver-
            trage in Ubereinstimmung mit den Lizenzvertragen abgeschlossen werden,

            tatsachlich alle abgeschlossenen Sublizenzvertrage der FIFA gemeldet worden sind,

            die Lizenznehmer organisatorische Vorkehungen getroffen haben, um Kompensationsge-
            schafte zu vermeiden,

            es Anzeichen dafiir gibt, dass solche Kompensationsgeschafte stattgefunden haben oder
            dass nicht alle Zahlungen betreffend die Sublizenzvertrage auf den dafur vorgesehenen
            Konten erfasst wurden (D 19/11/4).
        Wie die von PriceWaterhouseCoopers am 12. Juni 2003 (D 19//0) edierten Unterlagen
        zeigen, wurde das Mandat sehr umfassend ausgeiibt, und es kann auf den Schluss-
        bericht, welcher die Periode 26. Mai 1998 bis 14. Dezember 1998 umfasst, verwiesen
        werden (D 19/1/8/12). Bleibt der Hinweis, dass die Sporis Holding AG durch Hans-Peter
        Weber im Rahmen der Ausubung des Kontrollrechtes eine umfassende Vollstandig-
        keitserklarung abgegeben hat (D 19/1/7/10). Der Inhalt des durch PriceWaterhouse
        Coopers wahrgenommenen Mandates zeigt, dass insbesondere die Mitteilungspflichten,
        aber auch die korrekte Abwicklung der Eingange aus den Unterlizenzvertragen iiberpruft
        wurden.

        Auch im Jahre 1999 wurde das Kontrollrecht durch die von der FIFA beauftrage KPMG
        Fides Peat ausgeiibt (D 20/3, D 20/6).

        Peter Cosandav. welcher mit dem Mandat betraut war (Leiter ..Forensic": D 20/1), gab
        als Zeuge an, dass die FIFA durch das Inspektionsrecht habe sicherstellen wollen, dass
        die Vertragsbestimmungen, insbesondere auch hinsichtlich der ZahlungsflCisse, einge-
        halten wurden. Die Inspektionen bei der ISMM hatten im November 1999 (Sarnen) und
        im Januar 2000 (London) stattgefunden. Damals seien keine wesentlichen Zahlungs-
        fliisse zu verzeichnen gewesen; es habe sich also eher um eine Art Vorinspektion ge-
        handelt. Dabei hatten sie insbesondere wissen wollen, ob den massgebenden Mitar-
                                                                                              115
      beitem die Bestimmungen des Lizenzvertrages bekannt gewesen seien und wie die
      Organisation aufgebaut gewesen sei (D 3/39, Ziffer 12).

      Rechtsanwalt Daniel Eisele. welcher ebenfalls mit dem Mandat betraut war (Juristischer
      Beistand": D 3/40, Ziffer 32), gab an, dass das Hauptziel der Inspektion gewesen sei,
      sicherzustellen, dass die Abwicklung der Unterlizenzverhaltnisse, insbesondere im Hin-
      blick auf das Revenue Sharing, korrekt abgelaufen sei (D 3/40, Ziffer 34). Ihm wurde die
      Frage gestellt, ob in Sarnen und London eine eigentliche Buchpriifung durchgefiihrt
      worden sei. Er gab an, dass FIFA Einsicht in die Bankunterlagen beziiglich Special
      Account gewahrt worden sei, nicht aber in die ubrigen Bucher bzw. Bankunterlagen (D
      3/40, Ziffer 42 vgl. auch Ziffer 43, vgl. auch Ziffer 4.4 des Vertrags vom 26. Mai 1998). Er
      verfasste zwei Inspektionsberichte (D 20/3 und D 20/5).

      Peter Cosandav gab an, dass mit der FIFA im Februar 2001 mdgliche Inspektionspunkte
      besprochen worden seien. Es sei dies kurz nach der Veroffentlichung der finanziellen
      Schwierigkeiten der ISL gewesen (D 3/39, Ziffer 26).

      Insgesamt kann somit mit dem Untersuchungsrichter festgehalten werden, dass die FIFA
      ihr Kontrollrecht wahrgenommen hat und damit auch die gemass Rechtsprechung
      geforderte Sorgfalt hat walten lassen.


4.3 Irrtum

      Die Tauschung muss eine Vorstellung, die von der Wirklichkeit abweicht, bewirken.
      Dabei ist es unerheblich, dass sich der Getauschte eine konkrete Vorstellung bildet (BGE
      118 IV 38). Dass beispielsweise durch die Nichtanzeige des Zahlungseingangs bei der
      FIFA ein Irrtum gegeben war, ist offensichtlich. Durch die Verletzung der Mittei-
      lungspflichten ging die FIFA im Resultat davon aus, dass keine Eingange aus den
      Unterlizenzvertragen zu verzeichnen waren. Es gab auch keine diesbezuglichen objek-
      tiven Anhaltspunkte, war doch die nachste Rate erst im Juli 2001 fallig.



4.4 Vermoaensdisposition

      Unter einem schadigenden Verhalten ist jede Handlung, Duldung oder Unterlassung zu
      verstehen, die geeignet ist, eine Vermogensverminderung herbeizufuhren (BGE 96 IV
      185). Dazu kann auch die Unterlassung der Geltendmachung eines Rechts, insbeson-
      dere einer Forderung gehoren (vgl. Stratenwerth/Jenny, Schweizerisches Strafrecht BT I,
      6. Aufl., Bern 2003, § 15, N 35). Auf Grund des Irrtums unterliess es die FIFA, den ihr
      zustehenden Anteil am Eingang und somit eine Forderung geltend zu machen. Sie
      unterliess es zudem, den Vertrag zu kiindigen, was ihr im Rahmen des erwahnten
      Gestaltungsrechts u.a. fiir den Fall zustand, dass die Aufteilung der Einkunfte nicht
      vertragskonform vorgenommen wurde.


4.5 Vermogensschaden

      Diesbeziiglich kann vollumfanglich auf die vorstehenden Ausfuhrungen unter Ziffer 3.4
      verwiesen werden. Zusammengefasst kann folgendes festgehalten werden. Gemass Art.
      146 StGB muss das Vermdgen einen Schaden erleiden, d.h. es muss sich im Vergleich
      zwischen der effektiven Gesamtvermogenslage und der hypothetischen Vermogenslage
                                                                                                                        116
         eine Differenz zum Nachteil des Opfers ergeben. Ein Schaden liegt jedoch auch vor,
         wenn das Vermdgen in einem Masse gefahrdet wird, dass es in seinem wirtschaftlichen
         Wert vermindert ist. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist das Vermdgen dann
         vermindert, wenn der Gefahrdung im Rahmen einer sorgfaltigen Bilanzierung durch
         Wertberichtigung oder Riickstellung Rechnung getragen werden muss (BGE 122 IV 281,
         121 IV 104 ff). Eine voriibergehende Schadigung genugt, und eine solche war im
                                                                                51
         vorliegenden Fall gegeben. Spaterer Ersatz schliesst Betrug nicht aus . Es kommt hinzu,
         dass der 75 % - Anteil der Fifa an sich schon einen inneren Wert hatte, zumal ISMM ja
         tatsachlich unterlizenzierte. Bei rechtzeitiger Mitteilung hatte die FIFA ihren Anspruch
         geltend machen und - da nach Eingang der Zahlung Geld auf dem fraglichen Konto
         verfugbar war - auch durchsetzen konnen.


4.6 Motivationszusammenhano / Kausalitat

         Zwischen Tauschung und Irrtum, Irrtum und Vermogensdisposition muss ein Moti-
         vationszusammenhang, zwischen Vermogensverfugung und Schaden ein Kausalzusam-
                         52
         menhang bestehen . Diese Kette ist erstellt.




51

      Trechsel, a.a.O., N 24 zu Art. 146
52

      Trechsel, a.a.O., N 27 zu Art. 146
          4.7      Subjektiver Tatbestand

                   In subjektiver Hinsicht sind Vorsatz und Bereicherungsabsicht erforderlich. Er
                   muss sich auf alle objektiven Tatbestandselemente beziehen. Es ist
                   offensichtlich, dass die Verantwortlichen (vgl. nachstehend 17. Strafrechtliche
                   Verantwortung der einzelnen Beschuldigten) sich ihrer Pflichten bewusst waren
                   und durch deren Verletzung die Folgen nicht nur in Kauf nahmen, sondern
                   bewusst wollten. Es kann stellvertretend auf die von Daniel Beauvois im
                   Zusammenhang mit dem Dentsu Komplex gemachte Aussage verwiesen
                   werden. Er gab an,

                           dass es ihre Absicht gewesen sei, nach Abschluss des ABS-Projektes diese Betrage
                           vertragskonform auf das Special Account einfliessen zu lassen (D 3/31, Ziffer 106). Er gab weiter
                           an, dass es ihre Absicht gewesen sei, es (gemeint ist die Vereinbarung vom 15. September 2000)
                           der FIFA anzuzeigen nach Abschluss des ABS-Projektes (was ein paar Wochen bzw. maximal ein
                           paar Monate entfernt gewesen sei), weil die 15 Mio. als erste Rate aus diesem MOU von ihnen
                           gebraucht worden sei, um die Uberbriickungsfinanzierung zu ermoglichen (D 3/31, Ziffer 108).

H^^




          5.       Veruntreuung z.N. der FIFA (Dentsu Komplex)

           5.1      Zum Tatvorwurf wird vorweg auf den Sachverhalt Ziff. 5 (S. 17 der Anklage)
                   und beziiglich der gesetzlichen Grundlage auf vorstehend Ziff. 3.1 verwiesen.

          5.2      Tatobjekt und das ihm zu Grunde liegende Geschaft
                                                                                                    117
                 Bei der gegenstandlichen Zahlung von CHF 15'000'000.- handelt es sich um
                 eine Bankuberweisung der Dentsu Inc. auf ein Konto der ISL Worldwide.
                 Ausgangspunkt dieser Uberweisung ist der im Einzelnen dargestellte Vertrag
                 vom 15. September 2000 zwischen der ISMM AG und Dentsu Inc., mit welchem
                 das Entgelt fur die Verwertung der Radio- und Fernseh-Ubertragungsrechte der
                 WM 2002 fiir das Territorium Japan von CHF 219'600'000.-- um CHF
                 40'000'000.- auf CHF 259'600'000.-- erhoht wurde. Dieses zusatzliche Entgelt
                 war nach einem bestimmten Zeitplan zu uberweisen (HD 2/20, D 4/B/1/54).
                 Danach war Dentsu verpflichtet, am 20. Oktober 2000 einen Teil der
                 Lizenzgebuhr, namlich CHF 15'000'000.--, an ihren Vertragspartner zu
                 uberweisen. Am
                 27. September 2000 stellte die ISMM AG der Dentsu Inc. eine Rechnung iiber
                 CHF 15'000'000.- (D 4/B/1/49). Der Betreff der Rechnung ist mit "Broadcast
                 Rights to the 2002 FIFA World Cup and the FIFA Additional Events 1999-2002"
                 (jberschrieben. Der Betrag wurde von Dentsu Inc. uberwiesen und mit Valuta 16.
                 Oktober 2000 dem Konto Nr. 248-594050.01 P, lautend auf ISL Worldwide bei
                 der UBS AG Luzern, gutgeschrieben (D 5/117). In der Gutschriftsanzeige wird
                 unter dem Zahlungsgrund auf die Rechnung vom 27. September 2000 Bezug
                 genommen. Weder wurde der FIFA der Eingang der Zahlung mitgeteilt, noch die
                 Vereinbarung vom 15. September zugestellt (HD 2/14, S. 7, D 3/28, Ziffer 115, D
                 3/31, Ziffer 105 ff.).

                 Wie ein Vergleich der Vereinbarungen vom 5. November bzw. 15. Dezember
                 1999 (D 4/B/1/32, D 4/B/1/40) und 15. September 2000 zeigt, wurde die
                 ursprungliche Regelung,
        wonach die Parteien halftig an dem CHF 250'000'000.- ubersteigenden Betrag partizipierten
        (variable Regelung), insoweit abgeandert, als man sich auf eine fixe Zahlung von CHF
        40'000'000.-- einigte. Zudem wurde die Failigkeit des Profitsharings abgeandert. Gemass der
        ersten Vereinbarung war der entsprechende Betrag 30 Tage nach dem Endspiel der
        Fussballweltmeisterschaften 2002 zu bezahlen. In der zweiten Vereinbarung wurde die
        Bezahlung der CHF 40'000'000.-- im Einzelnen wie folgt geregelt:

        20. Oktober 2000 CHF 15'000'000.
1        September 2001 CHF 15'000'000.-
2        Juli 2002       CHF 10'000'OOO.

5.2.1   Jean-Marie Weber, welcher die Vereinbarung mit Dentsu Inc. bzw. Haruyuki Takahashi
        ausgehandelt hatte, gab an, dass es sich bei der Zahlung von CHF 15'000'000.-- um ein
        Darlehen von Dentsu Inc. gehandelt habe ( D 3/30, Ziffer 119 ff). Nach seiner Darstellung hatte
        das Darlehen „mit der Rate aus dem Profit-Sharing verrechnet werden" sollen (D 3/30, Ziffer
        122). Es stellt sich somit - wie bei Globo - die Frage, wie das dem Tatobjekt zu Grunde liegende
        Geschaft zu qualifizieren ist und ob sich daraus in strafrechtlicher Hinsicht Konsequenzen
        ergeben.

        Im Unterschied zum Globo Komplex liegt zwischen den Parteien eine schriftliche Vereinbarung
        vor, mit welcher der urspriingliche Unterlizenzvertrag in einem Punkt, namlich jenem des
        Profitsharings, abgeandert wurde. Die Falligkeiten der damit verbundenen Erhohung der
        Lizenzgebiihr wurde detailliert geregelt. Folgt man dem Wortlaut dieser Vereinbarung, so
        handelte es sich bei der gegenstandlichen Uberweisung von Dentsu um eine termingerechte
        Leistung aus dem Unterlizenzvertrag (Failigkeit gemass Vertrag: 20. Oktober 2000 / Valuta
                                                                                                                118
Uberweisung: 16. Oktober 2000). Berucksichtigt man mit Bezug auf die Failigkeit die
Darstellung von Jean-Marie Weber und wurde sie dem gemeinsamen Parteiwillen entsprechen,
d.h. dass die Failigkeit erst per 31. Juli 2002 gegeben war, so musste dieser Vertragsteil als
simuliert betrachtet werden. Bei der Zahlung von Dentsu wiirde es sich dann um eine
„Vorauszahlung/Darlehen" handeln.

Dieser Wortlaut wird bewusst gewahlt, weil er jenem von Jean-Marie Weber in einem Schreiben
an Dentsu entspricht (D 17/9/11, 2. Blatt). Der Untersuchungsrichter hielt hierzu richtigerweise
Folgendes fest: Die Wortwahl (von Jean-Marie Weber), gepaart mit der Aussage von Haruyuki
Takahashi, wonach die gegenstandliche Uberweisung im grundsatzlichen Sinne eine Rate gewe-
sen sei, aber er es auch so verstehe, dass schon ein Element eines Darlehens darin enthalten
gewesen sei (D 3/63, Seite 6 und 7), geben zu folgender Uberlegung Anlass. Unabhangig vom
konkreten Parteiwillen kann nicht iibersehen werden, dass jede Vorauszahlung eines auf einen
bestimmten Termin geschuldeten Betrages aus Sicht des Empfangers ein Darlehenselement
enthalt. Beiden Sachverhalten ist namlich gemeinsam, dass sie die Kaufkraft des Begunstigten
steigern. Die Gemeinsamkeit erschopft sich allerdings im Wesentlichen darin, dass die ISL
Worldwide nach Eingang der Zahlung, unabhangig der Qualifikation des Grundgeschaftes, fak-
tisch uber den Betrag verfugen konnte und dies auch tat. Ob sie dies auch tun durfte, ist eine
andere Frage und lasst sich nur unter Beriicksichtigung des Vertragsverhaltnisses mit der FIFA
beantworten.
Fiir Dentsu war die rechtliche Qualifizierung durch die ISMM AG irrelevant. Sie leistete
eine Zahlung aus dem Unterlizenzverhaltnis gemass dem beidseitig unterzeichneten
Vertrag, womit ihr kein Schaden entstehen konnte. Die Sichtweise der ISMM AG war fur
sie aus dieser Perspektive nicht von Bedeutung. Wie aber bereits beim Globo Komplex
dargestellt, handelte es sich bei der Dentsu Zahlung aus Sicht der FIFA in jedem Fall um
einen mitteilungspflichtigen Tatbestand. Dies auch dann, wenn es sich um ein Darlehen
gehandelt hatte. Die geltend gemachte Konstruktion (Darlehen mit Verrechnung einer
Forderung am Tag X) war - unter Beriicksichtigung der finanziellen Situation der ISMM
Gruppe - geeignet, die Erfullung der Verpflichtungen der ISMM AG aus dem Vertrag mit
FIFA nachhaltig zu gefahrden. Zudem hatte eben die Zahlung in jedem Fall einen inneren
Zusammenhang zum Unterlizenzverhaltnis hatte.

Auf Grund der Angaben von Jean-Marie Weber und Haruyuki Takahashi kann allerdings
vorweg festgehalten werden, dass es fiir Dentsu eine Zahlung aus der Vereinbarung
vom 15. September 2000 war. Jean-Marie Weber gab namlich bei der Einvernahme
vom 8. November 2002 an, dass

    die CHF 15 Mio. gemass miindlicher Absprache mit Takahashi ein Darlehen gewesen sei, welches
    Dentsu dann aber spater aus internen technischen Grunden so dargestellt habe (3/30, Ziffer 129).
    (Bemerkung UR:Mit „so" war eine Zahlung aus dem Unterlizenzvertrag gemeint.)

Haruyuki Takahashi seinerseits gab bei der ersten Einvernahme an, dass

    er mit der vorzeitigen Bezahlung des vertraglich vereinbarten Betrages einverstanden gewesen sei (D 3/26, Ziffer
    35).

Tsuruda Tomoharu wurde gefragt, warum die erste Tranche aus dem Memorandum of
understanding an die ISL Worldwide und nicht an die ISMM AG erfolgt sei, worauf er
angab, dass die Zahlung so erfolgt sei, weil ihre Vertragspartei es so verlangt habe (D
3/26, Ziffer 19)

Bei der zweiten Einvernahme gab Haruyuki Takahashi an, dass

    dies im grundsatzlichen Sinne eine Rate gewesen sei, aber er verstehe es auch so, dass schon ein Element
    eines Darlehens darin enthalten gewesen sei, denn von Jean-Marie Weber sei die Ausserung gekommen, dass
    es nicht um Details des Vertrages gehe, sondern dass sich die Firma gerade in einer sehr schwierigen Lage
                                                                                                                       119
           befinde. Er konne sich daran erinnern, eine Bitte bekommen zu haben, dass er eine baldige Zahlung erwarte
           und zwar egal, ob dies sozusagen wie ein Darlehen aussehe (D 3/63, Seite 6 und 7).



        Dass es sich bei der gegenstandichen Zahlung um eine Leistung aus Unterlizenz-
        verhaltnis und damit nicht um ein ("losgelostes") Darlehen handelte, ergibt sich
        aus der Untersuchung, wobei nachfolgend auf Folgendes hingewiesen wird:


5.2.2  Unbestritten ist, dass die ISMM AG und Dentsu Inc. am 15. September 2000 im Zusam-
      menhang mit dem Profitsharing in Abweichung von der ursprunglichen Regelung statt
      allfalliger variabler Zahlungen eine fixe Zahlung von CHF 40'000'000.-- vereinbarten. Ein
      Teilbetrag von CHF 15'000'000.-- war am 20. Oktober 2000 fallig. Die ISMM AG stellte
      unter Bezugnahme auf die Vereinbarung vom 15. September 2000 12 Tage spater eine
      Rechnung iiber diesen Betrag, welcher von Dentsu uberwiesen und einem Konto der ISL
      Worldwide mit Val. 16. Oktober 2000 gutgeschrieben wurde.
5.2.3 Einem von Daniel Beauvois und Heinz Schurtenberger im Oktober 2000 unterzeichneten
      Steuerformular bzw. einer Erklarung an die Steuerbehorde (Steuerabkommen Japan-
      Schweiz) kann folgendes entnommen werden. Unter der Rubrik ..Beschreibung der
      Lizenzgebuhren" wird Bezug genommen auf die ..Broadcast Rights 2002 FIFA World
      Cup". Aus der Rubrik Vertragsdaten und Vertragsdauer ist ersichtlich, dass es sich um
      das gegenstandliche Vertragsverhaltnis handelt. Unter der Berechnungsmethode be-
      treffend die Lizenzzahlungen wird festgehalten - wie im Memorandum vom 15. Septem-
      ber 2000 im Einzelnen dargestellt - dass diese in drei Teilzahlungen erfolgen wiirden, die
      erste am 20. Oktober 2000. Unter Ziffer 5 des Formulars ist ausdrucklich erwahnt, dass
      es sich bei den beschriebenen Lizenzgebuhren um zusatzliche Zahlungen zu jenen aus
      dem Vertrag vom 5. November 1999 handle (D 15/3/23).

5.2.4   Im Rahmen des bereits erwahnten Gutachtensauftrages wurden mit Bezug auf die
        buchhalterische Erfassung der Dentsu Zahlung verschiedene Fragen gestellt. Der
        Experte gab dabei die folgenden relevanten Antworten:

           Die ISL Worldwide verbuchte den Betrag per 17. Oktober 2000 mit der Buchung „Bank/Langfristige Darlehen
           verbundene Parteien" (Konto Nr. 245100 Long Term Borrowing Related Parties). Die Verbuchung erfolgte somit
           vorerst in einer Weise, wie wenn Dentsu an die ISL Worldwide ein Darlehen gewahrt hatte. Im Rahmen der
           Abschlussbuchungen per 31. Dezember 2000 erfolgte dann gemass dem am 7. Mai 2001 ertstellten Journal der
           „Late Adjustments" (Cibersetzt: spate Abschlussbuchungen) eine Korrektur. Das Konto Nr. 245'100 (Darlehen
           verbundene Parteien oder ..Long Term BorrowingThird Party) wurde wieder belastet und der Betrag wurde nun
           neu dem Konto 221'800 (Kreditoren Gruppe Oder ..Trade Payable Group") und damit der Aktionarin ISMM AG
           gutgeschrieben (D7/D/1.S. 54).

           Zur Frage, ob parallel zur Buchung bei ISL auch eine Buchung bei ISMM AG erfolgt ist: Am 17.
           Oktober 2000 erfolgte bei der ISMM AG noch keine Buchung. Erst im Rahmen der
           Abschlussbuchungen Version „21.3." vom 21. Marz 2001 ist ersichtlich, dass das Konto (Forderungen
           Gruppe oder „ 121 '800 Trade Receivables Group") und damit die ISL Worldwide mit CHF 15 Mio.
           belastet wurde. Der Betrag wurde dem Konto Nr. 120'100 (Forderungen) und damit dem Debitor
           Dentsu Inc. gutgeschrieben, womit die am 27. September 2000 erstellte Rechnung an Dentsu von
           CHF 15 Mio. ausgeglichen wurde (D 7/D/1, S. 54).

        Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass die Uberweisung von Dentsu in den
        Biichern der Gruppe zuerst als Darlehen, in der Folge jedoch als Zahlung des Debitors
        Dentsu bzw. als Vorauszahlung verbucht wurde.

5.2.5    In den Cash Flow Darstellungen der Gruppe wurde der von Dentsu uberwiesene
        Betrag von CHF 15'000'000.- unter der Rubrik ..prepayment" (Vorauszahlung) erfasst (D
        8/4/29).

5.2.6   Am 19./20. April 2001 wurde betreffend die ISMM AG, die ISMM Interactive AG, die ISL
        Worldwide, die ISL Marketing AG und der ISL (International) AG ein GCiterverzeichnis
                                                                                              120
      gemass Art. 162 SchKG auf genommen (D 15/3/16). Der Vermogensaufstellung
      wurde fiir die ISMM AG eine Liste der ..Debitoren „FIFA TV" beigelegt (D 15/3/20). Dieser
      kann entnommen werden, dass unter den Debitoren der „ISMM Investments-ISMM AG"
      Dentsu Inc. mit CHF 25'000'000.--, d.h. abzuglich der gegenstandlichen Uberweisung,
      aufgefuhrt ist. Folgerichtig ist ISL Worldwide als Schuldnerin iiber CHF 15'000'000.--
      verzeichnet (D 15/3/20). Folgerichtig allerdings nur dann, wenn die Dentsu Zahlung als
      solche aus dem Unterlizenzvertrag und nicht aus einem allfalligen Darlehensverhaltnis
      betrachtet wird. Bleibt anzufiigen, dass Dentsu im Rahmen der Konkursverfahren
      betreffend die ISMM AG und ISL Worldwide keine Darlehensforderung geltend machte
      (D 4/A/7/15 und D A//7/17). Zusammengefasst kann somit festgehalten werden, dass die
      erste Rate aus dem Vertrag vom 15. September 2000 im Rahmen der
      Vermogenserfassung mit Bezug auf die ISMM AG nicht als Aktivposten erfasst wurde.
5.2.7 Im Rahmen der Bilanzdeponierung/des Konkursaufschubs betreffend die ISMM AG,
      ISMM Interactive AG, die ISL Worldwide, die ISL Marketing AG und die ISL
      (International) AG wurde u.a. eine Zusammenstellung des Eigenkapitals per 31.
      Dezember 2000 der ISMM Gruppe nach konzerninternen Sanierungsmassnahmen
      eingereicht (D 6/3/1/14). Dabei wird eine der Massnahmen wie folgt umschrieben:

           Forderungsverzicht von ISMM AG z.G. ISL Worldwide im Umfang der von Dentsu geleisteten
           Vorauszahlung (in ISMM bereits zuriickgestellt) (D 6/3/1/35).


5.2.8    Dem bereits erwahnten Bericht der englischen Anwaltskanzlei_,,Freshfields Bruckhaus
        Deringer" (D 4/C/1/10, S. 25, D 4/B/1/6) kann entnommen werden, dass diese zum
        Schluss kommt, dass es sich bei der Dentsu Zahlung um eine Vorauszahlung und nicht
        um ein Darlehen handle.

5.2.9    Die FIFA gab auf Ersuchen der Untersuchungsbehorde mit Eingabe vom 29. Oktober
        2002 an, dass Kirch-Media nach der Konkurseroffnung iiber die verschiedenen ISMM
        Gesellschaften die Sublizenzvertrage mit den Broadcastem ubernommen habe, wobei
        diesen die bereits an ISMM geleisteten Zahlungen hatten angerechnet werden
        miissen (HD 2/92). Zu dem unter dem Globo Komplex bereits Dargelegten, ist mit Bezug
        auf Dentsu erganzend folgendes festzuhalten. Michael Francombe bestatigte, dass die
        Kirchmedia GMBH die broadcast rights fiir die WM 2002 ubernommen habe und die
        Zahlung von Dentsu Inc. iiber CHF 15'000'000.- als Leistung aus dem Unterlizenzvertrag
        mit der ISMM AG angerechnet habe (D 3/50, Ziffer 23).

        Aus den von der Infront Sports & Media AG edierten Unterlagen ist folgendes ersichtlich:
        Mit Vertrag vom 18. Oktober 2001 zwischen der Kirchmedia WM GmbH und der Dentsu
        Inc. (Vertragsunterzeichnung seitens von Dentsu durch Haruyuki Takahashi) wurde das
        Unterlizenzverhaltnis neu geregelt (D 21/27). Die Rechte fur den FIFA Worldcup 2002
        wurden mit CHF 244'600'000.- abgegolten (Ziffer 1 in Anhang II zum Vertrag). Dabei
        wurde in Anhang II festgehalten, dass der ISMM AG fiir die WM 2002 insgesamt CHF
        234'600'000.-- bezahlt worden seien, mithin CHF 219'600'000.--, zuziiglich des
        verfahrensgegenstandlichen Betrages von CHF 15'000'000.-. Die Dentsu Zahlung wurde
        somit im Rahmen des Nachfolgevertrages zwischen der Dentsu Inc. und der Kirch Media
        WM GmbH als solche aus dem Unterlizenzvertrag angerechnet (vgl. auch Michael
        Francombe: D 3/50, Ziffer 26, vgl. insbesondere auch Ziffer 30 und die schriftlichen
        Ausfuhrungen des Zeugen vom 4. Marz 2004: D 21/30).

5.2.10 Gemass Ziffer 4 des Geschaftsreglementes der ISMM Investments AG bedurfte der
      Abschluss von Vertragen, welche eine Verpflichtung der Gesellschaft von mehr als CHF
      4'000'000.~ begriindeten, der Genehmigung des Verwaltungsrates (D 8/2/14). Den
      Verwaltungsratsprotokollen (D 8/5/9 ff.) kann entnommen werden, dass keine formelle
      Beschlussfassung mit Bezug auf ein Darlehensgeschaft in der Grossenordnung des von
      Dentsu iiberwiesenen Betrages erfolgte.
                                                                                                  121
5.2.11 Auf der Grundlage von Ziffer 22.1 lit. a des Kreditvertrages vom 13. Juli 1999 mit der
       UBS AG war es der ISMM untersagt, zusatzliche Darlehen, welche den Betrag von CHF
       10'000'000.- iibersteigen, aufzunehmen (D 6/3/10/1). Eine formelle Zustimmung der UBS
       zum Dentsu Geschaft als Darlehen wurde nicht eingeholt.


5.2.12 Beziiglich der Aussagen der Beschuldigten, der Ergebnisse aus (bei Jean-Marie Weber)
       sichergestellten Unterlagen sowie der Aussagen von Haruyuki Takahashi und Tsuruda
       Tomoharu wird an dieser Stelle auf S. 183 ff. der Uberweisungsverfiigung verwiesen.
5.2.13 Mit      Vertrag vom 12. Dezember 1997 ubertrug die FIFA der ISL Marketing AG die Nutzung
       ihrer Marketinginteressen im Zusammenhang mit den Fussballweltmeisterschaften 2002 und
       2006 sowie betreffend zusatzlicher Events. Die am 15. Dezember 2001 aus diesem Vertrag
       falligen CHF 60'000'000.-- und CHF 6'000'000.~ waren per
       15. Dezember 2000 mit einer Bankgarantie abzusichem. Die ISL Worldwide konnte dieser
       Verpflichtung nicht nachkommen, weshalb sie mit Dentsu Inc. Verhandlungen iiber die Stellung
       einer solchen Garantie aufnahm. Mit Vereinbarung vom 17. Januar 2001 erklarte sich die Dentsu
       Inc. bereit, die Garantie zu stellen. Zur Absicherung der Forderungen, welche Dentsu aus der
       Vereinbarung vom 17. Januar 2001 entstehen konnten und letztlich auch entstanden, wurde ihr
       durch die ISMM AG und die ISL Worldwide eine Sicherheit im Sinne eines bedingten
       Forderungsverzichts bzw. einer Forderungsverpfandung gewahrt. Bei der Forderung handelte es
       sich um eine Restforderung im Betrage von CHF 25'000'000.- aus der Vereinbarung vom 15.
       September 2000, gemass welcher Dentsu Inc. verpflichtet war, der ISMM AG noch folgende Be-
       trage zu bezahlen:

1      September 2001 CHF 15'000'000.~
2      Juli 2002 CHF 1O'OOO'OOO.-

      (vgl. nachstehend Ziffer 7)

      Daraus wird ersichtlich, dass man auch in diesem Zeitpunkt davon ausging, dass die
      Uberweisung des Betrages von CHF 15'000'000.- eine Leistung aus dem Unterlizenzverhaltnis
      war.


5.2.14 Zusammengefasst haben die Beweiserhebungen ergeben,

           dass die ISMM AG im Verlaufe des Jahres 2000 verschiedene Moglichkeiten der Liquidi-
           tatsbeschaffung priifte (D 8/5/9 ff.),

           dass es sich bei der Uberweisung von CHF 15'000'000.-- fur Dentsu um eine Zahlung aus
           der Vereinbarung vom 15. September 2000 und somit aus dem Unterlizenzverhaltnis han-
           delte (D 3/26, Ziffer 19),

           dass die Zahlung im Schriftverkehr von der ISMM AG als Zahlung aus dem Unterlizenz-
           verhaltnis und nicht als Darlehen dargestellt wurde (D 4/B/1/49),

           dass die Zahlung gegenuber den Steuerbehorden als Zahlung aus dem Unterlizenzverhaltnis
           und nicht als Darlehen dargestellt wurde (D 15/3/23),

           dass die Zahlung bei der ISMM AG buchhalterisch zwar zuerst als Darlehen, letztlich jedoch
           als Zahlung des Debitors Dentsu gebucht und nicht als Darlehen erfasst wurde (D 7/D/1, S.
           54),

           dass die Zahlung von der ISMM AG in ihren Cash-Flow Darstellungen als Vorauszahlung
           bezeichnet, per Oktober 2000 als Inflow (D 18/23) und per Juli 2002 als Outflow dargestellt
           wurde (D 8/4/29),

           dass mit Bezug auf andere Schuldner (spanische und argentinische Fussballclubs) das
           Erwirken von Vorauszahlungen diskutiert wurde (D 8/7/18, Ziffer 3.4),

           dass die am 20. Oktober 2000 fallige Rate aus dem Unterlizenzvertrag mit Dentsu Inc. im
                                                                                                  122
           Rahmen des Guterverzeichnisses gemass Art. 162 SchKG bzw. der
           Vermogenserfassung mit Bezug auf die ISMM nicht als Aktivposten erfasst (D 15/3/16 ff.),
           jedoch die ISL Worldwide als Schuldnerin der ISMM AG iiber den Dentsu Betrag angefuhrt
           wurde,

           dass im Rahmen der Oberschuldungsanzeige von ISMM Gesellschaften bzw. in der
           Zusammenstellung des Eigenkapitals per 31. Dezember 2000 die Dentsu Zahlung als
           Vorauszahlung und nicht als Darlehen dargestellt wurde (D 6/3/1/14),
           dass die Dentsu Zahlung im Rahmen des Nachfolgevertrages als Zahlung aus dem Unter-
           lizenzvertrag angerechnet wurde (D 21/27, Anhang II),

          dass der Beschuldigte Daniel Beauvois davon ausgeht, dass es sich um eine Zahlung aus
          dem Unterlizenzverhaltnis und nicht um ein Darlehen handelt (D 3/49, Ziffer 125 und 126) und
          dass die CHF 15'000'000.- als erste Rate aus dem Memorandum of Understanding vom 15.
          September 2000 von ihnen gebraucht worden sei, um die Uberbruckungsfinanzierung zu
          ermoglichen (D 3/31, Ziffer 108).

          dass der Beschuldigte Hans-Peter Weber erklarte, die Rechnung vom 27. September 2000
          habe sich aus dem Vertragsverhaltnis mit Dentsu Inc. ergeben (D 3/26, Ziffer 21),

          dass der Beschuldigte Christoph Malms vermutet, dass im Zeitpunkt der ..Verpfandung" von
          25 Mio. bereits 15 Mio. aus dem Memorandum of Understanding vom 15. September 2000
          uberwiesen worden seien (D 3/28, Ziffer 129),

          dass im Zusammenhang mit der vorstehend erwahnten Verpfandung die erste Rate aus dem
          Memorandum of Understanding als geleistet betrachtet und somit nicht mehr mit ein bezogen
          wurde,

           dass sich in den Untersuchungsakten kein Beschluss befindet, mit welchem das gegen-
           standliche Geschaft vom Verwaltungsrat als Darlehen genehmigt worden ware,

           dass der UBS AG von einem Dentsu Darlehen keine Mitteilung gemacht wurde.




5.3 Anvertrautheit des Tatobiektes - Werterhaltungspflicht - Tathandlung


       Es kann uneingeschrankt auf vorstehend Ziffer 3.3 verwiesen werden. Die ISMM AG (und mit ihr
       die ISL Worldwide) hat die Teilzahlung von CHF 15'000'000.~ zum Ciberwiegenden Teil im
       Rahmen der vertraglichen Abmachungen fur die FIFA eingenommen und somit Fremdinteressen
       vertreten. Die auf Grund des Longform Agreements und der zugehorigen Amendments
       bestehenden auftrags- bzw. gesellschaftsahnlichen Abreden belegen das Vorliegen einer
       vertraglichen Werterhaltungspflicht.


       Auch die Tathandlung, namlich das Verhalten des Taters, durch welches er eindeutig seinen
       Willen bekundet, den Anspruch des Treugebers zu vereiteln, ist ohne Einschrankung zu
       bejahen. In Verletzung der vertraglichen Bestimmungen wurde die FIFA nicht iiber die
       Zusatzvereinbarung mit Dentsu vom 15. September 2000 informiert. Auch die Bezahlung der
       CHF 15'000'000.~ wurde der FIFA nicht mitgeteilt, wodurch es ihr verwehrt war, ihren Anspruch
       geltend zu machen. Die Dentsu Zahlung erfolgte nicht auf das vereinbarte Spezialkonto, sondern
       auf ein Konto der ISL Worldwide, zu welchem die FIFA keinen Zugang hatte, was aber wiederum
       die Geltendmachung ihres Anspruchs verhinderte.



5.4 Schaden
                                                                                                   123
5.4.1 Zunachst wird, um Widerholungen zu vermeiden, auf Ziffer 3.4 vorstehend verwiesen.
         5.4.2 Die FIFA hinterlegte mit Schreiben vom 5. Marz 2004 (Verfugung vom 24. Februar
               2004) verschiedene Dokumente und machte die gewiinschten Angaben (D 2/193 ff).
               Zur Berechnung des Schadens aus der Vorenthaltung der Dentsu-Zahlung gab sie
               Folgendes an:

                „Von den ohne Wissen der FIFA vereinbarten CHF 40'000'000.- hatten 75% an FIFA
                wietergeleitet werden miissen. FIFA entstand daher ein Schaden von CHF 30'000'000.-
                ,
                zuzuglich Mehrwertsteuer:

                                                                               Kurs Dentsu CHF
                 30'000'000 Mehrwertsteuer 2'280'0000

                 Total CHF                              32'280'000



                Zur Nichtmitteilung der Zahlung vgl. die schriftlichen Auskiinfte des Prasidenten der
                FIFA vom 15 Marz 2004 (HD 2/208). Vgl. auch den von Daniel Beauvois verfassten (D
                3/49, Ziffer 130) Situationsbericht per 10. Oktober 2000 betreffend ,,2002 FIFA World
                Cup Broadcasting Rights in Japan" (D 4/D/3/1), welcher der FIFA gemass handschrift-
                lichem Vermerk am 11. Oktober 2000 ubergeben wurde (vgl. dazu ebenfalls die schrift-
                lichen Auskunfte des Prasidenten der FIFA vom 15. Marz 2004 (HD 2/208).


        5.4.3    Der FIFA wurde zudem folgende Frage unterbreitet: Welches ist der effektive
                Schaden, welcher der FIFA letztlich durch die Vorenthaltung des von ihr geltend
                gemachten Anteils an den Zahlungen von Globo iiber USD 59'207'500.~ und Dentsu
                Inc. iiber CHF 15'000'000.-- entstanden ist. Die Frage wurde folgendermassen
                beantwortet:

                „KirchMedia musste nach dem ..Take-over" insgesamt noch Minimum Payments von
                CHF 315'822'879.~ bezahlen, was zusammen mit den von ISMM geleisteten Zahlungen
                genau die urspriinglich vereinbarte Summe von CHF 650 Mio. ergab (gemass der
                ..Take-over" Klausel im Longform Agreement hatte KirchMedia das Recht, in den
                Vertrag „einzutreten"). Es kam im „Rest of the World" Territorium zu keinem Revenue
                Sharing. Hatten Globo und Dentsu uber das verein
    barte „Special Account" bezahlt (und hatte die ..Acceleration" der entsprechenden Betrage stattge-
funden), so ware es nicht zu einem Shortfall von CHF 4.184 Mio., sondern - nach Abzug der 5%
Production Cost und der 20% Distribution Fee - zu einem Revenue Sharing von iiber CHF 112 Mio.
gekommen. FIFA hatte somit eine Summe von rund CHF 56 Mio. erhalten" (HD 2/193).



        5.5     Subjektiver Tatbestand

        5.5.1   Auch hier wird vorweg auf die Ausfuhrungen unter Ziff. 3.5 vorstehend verwiesen.

        5.5.2    Wie dargelegt wurde, war sowohl die ISMM AG als auch die ISL Worldwide im
                Zeitpunkt der zweckwidrigen Verwendung der Gelder iiberschuldet und
                zahlungsunfahig. Im Rahmen des bereits erwahnten Gutachtensauftrages wurde mit
                Bezug auf die Dentsu Zahlung folgende Frage gestellt.

                Frage an den Gutachter: Gemass Gutschriftsanzeige der UBS Luzern vom 17. Oktober
                2000 wurden mit Valuta 16. Oktober 2000 dem Konto Nr. 248-594050.01 P, lautend auf
                ISL Worldwide, CHF 15'000'000.~ gutgeschrieben. Es handelte sich dabei um eine
                                                                                                                            124
                 Uberweisung der Dentsu Inc. Waren bei der ISMM AG in diesem Zeitpunkt unter
                 Ausklammerung des Einganges von CHF 15'000'000.- liquide Mittel im Umfang von
                 CHF 11'250'000.~ (75% des eingegangenen Betrages) vorhanden? Waren bei der ISL
                 Worldwide in diesem Zeitpunkt unter Ausklammerung des Einganges von CHF
                 15'000'000.- liquide Mittel im Umfang von CHF 11'250'000.-- (75% des eingegangenen
                 Betrages) vorhanden?


            Antwort des Gutachters: Auf den Konti der ISMM AG seien per 6. Oktober 2000 fliissige Mittel von CHF
            51'OOO'OOO.-- vorhanden gewesen. Dagegen standen Bankschulden in der Form fester Vorschtisse von CHF
            50'000'000.- zu Buche. Per 20. Oktober 2000 verfiigte die ISMM AG iiber gar keine Mittel mehr. Sie hatte netto
            auch beziiglich Kontokorrentkontis nun Schulden von CHF 530'000'000.--, bei einem gleichzeitigen festen
            Vorschuss von immer noch CHF 50'000'000.--. Der Gutachter kommt zum Schluss, dass die ISMM AG am 17.
            Oktober 2000 unter Ausklammerung des Einganges von CHF 15'000'000.- nicht iiber liquide Mittel im Umfang von
            CHF 11'250'000.-- verfiigt haben konnte (D 7/D/1, S. 53).

            Die Kontokorrente der ISL Worldwide wiesen per 6. Oktober 2000 einen negativen Saldo im Umfang von              CHF
            57'400'000.-- auf. Per 20. Oktober 2000 reduzierte sich diese Schuld trotz Eingang der Dentsu Zahlung von       CHF
            15'000'000.~ nur unwesentlich auf Kontokorrentschulden von CHF 51700'000.--. Der Gutachter kommt                zum
            Schluss, dass die ISL Worldwide am 17. Oktober 2000 unter Ausklammerung des Einganges von                       CHF
            15'000'000.- nicht iiber liquide Mittel im Umfang von CHF 11250'000.~ verfiigt haben konnte (D 7/D/1, S. 53).

            Bei einer konsolidierten Betrachtung ist gemass Gutachter erwahnenswert, dass die Banklimite von CHF
            277'000'000.- am 6. Oktober 2000 mit 282'183'000.-- iibermassig beansprucht war. Die Gruppe hatte trotz des
            Einganges der Dentsu Zahlung nach wie vor keinen Spielraum mit Bezug auf die Beanspruchung der
            Bankenkreditlinie, obwohl drei Tage vorher die Dentsu Zahlung eingegangen war. Der Gutachter kommt zum
            Schluss, dass die Gruppe unter Ausklammerung des Einganges von CHF 15'000'000.-- nicht iiber liquide Mittel im
            Umfang von CHF 11'250'000.-- verfiigt haben konnte (D 7/D/1.S.53).



5.5.3    Mit Schreiben vom 24. September 2003 wurde die UBS AG aufgefordert, die Berechnung der
        Nettopositionen der im Rahmen des Kreditverhaltnisses der Swing Line angeschlossenen
        Kontokorrente zu hinterlegen (D 5/124/40). Aus den Darlegungen der UBS vom 31. Oktober 2003
        sowie der Berechnungsgrundlage fiir die Nettoposition (D 5/24/44 und 53 ff.) geht hervor, dass
        die zeitgerechte Erfullung der Treuepflicht am 16. Oktober 2000 objektiv nicht moglich war.


5.5.4    Die gegenstandliche Zahlung wurde innerhalb der ISMM Gruppe verwendet, obwohl den
        Beschuldigten das blosse Anvertrautsein des Geldes nicht entgangen sein konnte. Sie wollten
        indes eben den gesamten Betrag zweckwidrig alleine fur die ISMM/ISL verwenden und damit im
        Resultat den Anspruch der FIFA vereiteln. Gerade deshalb wurde die FIFA uber die
        Zusatzvereinbarung vom 15. September 2000 und iiber die Zahlung von Dentsu nicht informiert.
        Die Beschuldigten hatten mithin auch keine Absicht, im Zeitpunkt des Zahlungseinganges ihrer
        Treuepflicht nachzukommen. Somit ist erstellt, dass sie vorsatzlich handelten.


        Auch die fehlende Ersatzfahigkeit bzw. die Unmoglichkeit einer zeitgerechten Erfullung
        gegeniiber der FIFA war den Beschuldigten nicht entgangen (vgl. Ziff. 3.5.4 vorstehend). Sie
        handelten mit der Absicht auf unrechtmassige Bereicherung (der ISMM /ISL) im Umfange von
        CHF H'250'000.-, unter gleichzeitiger Inkaufnahme der Schadigung der FIFA.
6.      Betrug z.N. der FIFA (Dentsu Komplex)

6.1      Bezuglich der gesetzlichen Grundlage (Art. 146 Abs. 1 StGB) sowie der einzelnen Tat-
        bestandsmerkmale beim Betrug kann auf Ziff. 4.1 vorstehend verwiesen werden.

6.2     Irrefiihrendes. arolistiges Verhalten (Tauschung) / Unterdriickung von Tatsachen

        Zum Tatvorwurf wird zunachst auf den Sachverhalt Ziffer 6 (S. 17/18 der Anklageschrift)
                                                                                             125
        verwiesen. Auch wird hier darauf verzichtet, das sachverhaltsrelevante Verhalten im
        Einzelnen nochmals darzulegen. Diesbeziiglich kann insbesondere auf die Ausfuhrungen
        zu den vertragsverhaltnissen und dem Veruntreuungsvorwurf verwiesen werden.

6.2.1 Wie schon dargelegt, hatte die ISMM AG gegenuber der FIFA gestutzt auf das Ver-
      tragsverhaltnis eine umfassende Aufklarungspflicht und eine gewichtige Garanten-
      stellung (vgl. S. 125 der Anklage). Die Verantwortlichen der ISMM verletzten diese
      Aufklarungspflicht nachhaltig. So wurde unterlassen, die FIFA vertragskonform iiber die
      Zusatzvereinbarung vom 15. September 2000 und den Zahlungseingang von CHF
      15'000'000.- (Valuta 16. Oktober 2000) zu informieren. Selbst wenn man die Dentsu-
      iiberweisung noch als Darlehen qualifizieren wiirde, das mit dem vertraglich geschuldeten
      Betrag (Memorandum of Understanding vom 15. September 2000) verrechnet worden
      ware, hatte eine Mitteilungspflicht bestanden. Denn auf Grund des quantitativen
      Ausmasses der Position ergab sich fiir die FIFA ein nachhaltiges finanzielles Risiko.

6.2.2    Das tauschende Verhalten gegeniiber der FIFA war arglistig, da diese nichts von der
        erwahnten Zusatzvereinbarung mit Dentsu mitbekommen hatte und ihr daraus letztlich in
        concreto auch kein "Vorwurf" gemacht werden kann. Denn selbst wenn man sich auf den
        Standpunkt stellen wiirde, Arglist sei nur bei einer qualifizierten Unterlassung der
        Mitteilung bzw. nur dann gegeben, wenn die FIFA das ihr Zumutbare unternommen hat,
        um auf der Grundlage der ihr zustehenden Kontrollrechte die dargestellte Tauschung
        aufzudecken, musste gestutzt auf die bereits vorgebrachten Grunde (vgl. S. 126 und 127
        der Anklage) eindeutig Arglist angenommen werden.

6.3      Irrtum: Dass durch die Nichtanzeige der Zusatzvereinbarung und insbesondere des
        Zahlungseingangs bei der FIFA ein Irrtum gegeben war, ist offensichtlich. Durch die
        Verletzung der Mitteilungspflichten ging die FIFA davon aus, dass derzeit keine Eingange
        aus dem Unterlizenzvertrag mit Dentsu zu verzeichnen sind.

6.4      Zur Vermogensdisposition kann ganzlich auf Ziff. 4.4 vorstehend verwiesen werden.
        Betreffend Vermogensschaden gilt gleichermassen, was schon unter Ziff. 4.5 vorstehend
        ausgefuhrt wurde; die FIFA wurde durch das Verhalten der ISMM AG im Zeitpunkt der
        vertraglichen Mitteilungspflicht in der Hohe des ihr zustehenden Anteils (CHF 11
        '250'000.~ geschadigt.
          6.5 Zwischen Tauschung und Irrtum, Irrtum und Vermogensdisposition bestand ein
                Motiva
                tionszusammenhang, zwischen Vermogensverfugung und Schaden ein
                Kausalzusam
                menhang. Zudem ist offensichtlich, dass die Verantwortlichen sich ihrer Pflichten
                bewusst waren und durch deren Verletzung die Folgen bewusst wollten (vgl.
                auch die
                auf S. 129 der Anklage wiedergegebene Aussage von Daniel Beauvois).



           7.   Betrug z. N. der Dentsu Inc.

                Bezuglich der gesetzlichen Grundlage (Art. 146 Abs. 1 StGB) sowie der
                einzelnen Tat
                bestandsmerkmale beim Betrug kann auf Ziffer 4.1 vorstehend verwiesen
                werden.
                                                                                            126

      7.1   Irrefuhrendes. arglistiges Verhalten (Tauschung) / Unterdrucken von Tatsachen

           Zum Tatvorwurf wird zunachst auf den Sachverhalt Ziff. 7 (S. 18 der
     7.1.1 Anklageschrift) ver
           wiesen.
            Mit Vertrag vom 12. Dezember 1997 ubertrug die FIFA der ISL Marketing AG
     7.1.2 (spatere
           ISL Worldwide) die Nutzung ihrer Marketinginteressen im Zusammenhang mit
           der Fuss
           ballweltmeisterschaften 2002 und 2006 sowie betreffend zusatzlicher Events
           (HD 2/59).
           Gemass Anhang A zur Vereinbarung waren am 15. Dezember 2001 CHF
           60'000'000.-
           und CHF 6'000'000.-- fallig. Diese Betrage waren durch ISL Marketing AG / ISL
           World
           wide per 15. Dezember 2000 mit einer Bankgarantie abzusichem (HD 2/59, Ziff.
           7.2).
           ISMM AG erwirtschaftete per 31.12.2000 einen Jahresverlust von CHF
           443'173'000.
           (D 7/D/1, Ziff. 5.6.1, S 20). Sie hatte ein negatives Eigenkapital von CHF -
           121'847'000.
           (D 7/D/1, Ziff. 5.6.2, S. 27+28) und war illiquid. Die bereits verfallenen
           Verpflichtungen
           iiberstiegen die vorhandenen Mittel erheblich (D 7/D/1, Ziffer 5.6.3, Seite 28+29).
           Der
(^          Gutachter schliesst mit Bestimmtheit aus, dass die Gesellschaft bis zum 17.
           Januar
           2001 die per 31. Dezember 2000 bestandene Uberschuldung aus eigener Kraft
           hatte
           abbauen und sich von ihrer llliquiditat hatte erholen konnen. Die ISMM AG war
           somit am
           17. Januar 2001 sowohl illiquid als auch uberschuldet (D 7/D/1, Ziffer 5.8, Seite
           32). Der
           Jahresverlust der ISL Worldwide betrug per 31. Dezember 2000 CHF -
           421'017'000 (D
           7/D/1, Ziffer 5.7.1, Seite 30). Das negative Eigenkapital lag bei CHF -
           318'079'000.- (D
           7/D/1, Ziffer 5.7.2, Seite 31), und die Gesellschaft war illiquid. Mit Bezug auf das
           Stich
           datum 17. Januar 2001 kann auf die vorstehenden Ausfuhrungen im
           Zusammenhang
           mit der ISMM AG verwiesen werden.

            Vor dem Hintergrund dieser finanziellen Rahmenbedingungen und der damit zu
            sammenhangenden Unfahigkeit, die Bankgarantie beizubringen, wandte sich
            ISL
            Worldwide mit dem Ersuchen an die FIFA, die Bereitstellung der Garantie
            verschieben
            zu diirfen, was diese mit Schreiben vom 11. Dezember 2000 ablehnte (D
            14/3/1). Am
            18. Dezember 2000 teilte die FIFA der ISL Worldwide mit, dass sie das
            Marketing
            Agreement kundige, falls die Bankgarantie nicht innert 30 Tagen geliefert werde
            (D
                                                                                                                  127
               14/3/2). In der Folge ersuchte die ISMM Gruppe die Dentsu Inc. um Stellung
               der Bankgarantie. Jean-Marie Weber machte dazu folgende Ausfuhrungen:

                     Als ihr DAWN-Projekt zeitlich nicht moglich gewesen sei, hatten sie eine VR-Sitzung in Zurich
                     gehabt, an welcher er die ganze Situation FIFA und deren Ruckzug von DAWN, die neue
                     Konstellation der Finanzierung erklart und speziell darauf aufmerksam gemacht habe, dass FIFA
                     dem Aufschub zur Stellung der Garantie (zu leisten am 15. Dezember 2000) nicht nachkommen
                     konne, weil sie sich gegenuber Credit Suisse in Sachen eigener Finanzierung anders verpflichtet
                     habe. Er habe also das Ganze dem VR bekannt gegeben. Der Vertreter von Dentsu - Herr
                     Kobayashi - habe sofort Tokyo informiert und spontan erklart, Dentsu wolle die Weltmeisterschaft
                     2002 schiitzen, ihre Sponsoren, und Dentsu konne eventuell fiir die Garantie einspringen. Die FIFA
                     habe ihnen dann am 15. Dezember 2000 die Default notifiziert und Gebrauch von der
                     „Gnadenfrist" (Grace Periode) gemacht und erklart, die Garantie habe am (glaublich) 18. Januar
                     2001 auf dem Tisch zu liegen. Er sei dann Anfangs 2001 nach Tokyo geflogen zusammen mit Urs
                     Brunner. Dort habe er bei hochster Dentsu-Ebene nach nicht einfachen Verhandlungen erreicht,
                     dass Dentsu die Garantie stellen wiirde. Dentsu habe mit dieser Zusage einige Sicherheiten
                     verlangt, wie den Toshiba-Vertrag und die Vertragserganzung vom 15. September 2000 (Bemer-
                     kung UR: Gemeint war die Erklarung vom 17. Januar 2001). Das alles sei im Memorandum of
                     Understanding festgehalten. Dentsu habe zusatzlich noch eine Garantie von der ISMM AG gewollt.
                     Als die positive Antwort gekommen sei, habe es ein Meeting zwischen Dentsu- / ISMM-Vertretern
                     und der FIFA gegeben (D 3/30, Ziffer 140).


               Dem Verwaltungsratsprotokoll der ISMM AG vom 14. Dezember 2000 kann unter
               Ziffer
               3.4 entnommen werden, dass Jean-Marie Weber den Verwaltungsrat iiber die
               Problematik der Bankgarantie informierte (D 8/5/18, S. 6).

       7.1.3   Dentsu Inc., welche gemass eigenen Angaben 1995 weltweit zu den grossten
              Werbeagenturen gehorte und im Zusammenhang mit der Vermarktung der FIFA
              Weltmeisterschaften ein langjahriger Partner der ISMM Gruppe war (vgl. den
              Jahresbericht der Dentsu Inc. 1994/1995: D 15/2/1, S. 1 und 22), besass schon
              1987 49% der ISL Marketing Aktien (D 4/B/3/13). Mit Vereinbarung vom 29.
              November 1995 verkaufte Dentsu Inc. wieder 39% der Aktien an die ISMM
              Gruppe (D 4/B/3/15), womit sie letztlich eine Beteiligung von 10% an der ISL
              Worldwide, der LOFA Establishment und der Sri Ltd. London hielt (D 4/A/1/1, D
              3/45, Ziffer 4). Zum Zustandekommen der Stellung einer
Ij^, Bankgarantie ergab die Untersuchung Folgendes:

               Dem Fax von Hidekazu Kobayashi (Dentsu Inc.) an Jean-Marie Weber vom 5.
               Januar 2001 kann entnommen werden, dass Dentsu das Stellen der Garantie
               wohl prufte, aber von verschiedenen Bedingungen abhangig machte.

               Hidekazu Kobayashi bemerkte u.a., dass Dentsu von der ISMM eine Garantie
               verlangen wiirde, falls man sich fur das Stellen einer Bankgarantie entschliesse
               (D 4/D/3/7, Ziffer 2). Eriauternd zu dieser Mitteilung gab Yasunori Hashiguchi
               (Dentsu Inc.) gegeniiber Hans-Jurg Schmid am 6. Januar 2001 an, dass man
               Dentsu-intern der Meinung sei, dass das Toshiba Agreement im Falle eines
               Konkurses der ISL Worldwide keine Gultigkeit mehr hatte, was der Grund sei,
               dass Hidekazu Kobayashi in seinem E-mail vom 5. Januar 2001 die ISMM
               Garantie erwahnt habe. Dentsu habe noch nicht entschieden, von welchen
               Bedingungen das Stellen der Bankgarantie abhangig gemacht werde. Wie auch
               immer sei es jedoch wahrscheinlich, dass Dentsu zusatzliche Sicherheiten, wie
               die ISMM Garantie verlangen werde (D 4/D/3/19, Ziffer 2). Das Toshiba
               Agreement (ein Marketing agreement: D 3/48, Ziffer 232) war gemass Wortlaut
               des Memorandums of Understanding vom 17. Januar 2001 in diesem Zeitpunkt
               noch nicht abgeschlossen. Ein solches Agreement konnte im Rahmen der
                                                                                                                 128
               Untersuchung auch nicht erhoben werden.
Die ausseramtliche Konkursverwaltung bestatigte auf Anfrage am 4. August 2004, dass sich
eine solche Vereinbarung nicht in ihren Akten befinde. In der von ihr beigelegten Liste, welche
der ausseramtlichen Konkursverwaltung nach der Konkurseroffnung durch Dentsu Inc.
zugestellt wurde, ist ebenfalls kein diesbezugliches Dokument angefuhrt (D 2/F/60).

In seiner Antwort vom 7. Januar 2001 teilte Hans-Jiirg Schmid Yasunori Hashiguchi u.a mit,
dass ISMM nicht nur bereit sei, eine Garantie abzugeben, sondern auch andere Forderungen
aus Fernsehvertragen mit TV Globo und oder TVDirec zu verpfanden (D 4/D/3/20, „As to 2).
Das E-mail wurde an Peter Caroll vom Rechtsdienst von ISL weitergeleitet, welcher Hans-Jiirg
Schmid folgendes antwortete: „l was under the impression that TV monies were locked into the
FIFA trust arrangements? In those circumstances, how could we pledge them to Dentsu?"
Hans-Jiirg Schmid wurde ersucht, dazu Stellung zu nehmen, und er gab folgendes an:

      Hashiguchi sei der Anwalt von Dentsu in Tokio. Diesen habe er im Zusammenhang mit der Ubertragung der Rechte
      unter dem ABS Projekt kennen gelernt. Die Frage betreffend Garantie von TV Receivables konne er dahingehend
      beantworten, dass ihm vom ExCo bestatigt worden sei, dass ihr Anteil an den TV Receivables, d.h. 25 %, gegenuber
      Dentsu als Garantie hinterlegt werden durften (D 3/48, Ziffer 234).


Dem E-mail von Yasunori Hashiguchi (Dentsu Inc.) an Jean-Marie Weber vom 8. Januar 2001
kann sinngemass entnommen werden, dass Dentsu sich mit Bezug auf das Angebot,
Forderungen aus Fernsehvertragen zu verpfanden, im Sinne einer Fragestellung vergewisserte,
dass der zu verpfandende Anteil dem 25% ISMM Anspruch entsprach. Des Weiteren kann dem
E-mail entnommen werden, dass Dentsu die Stellung der Bankgarantie iiber CHF 66'000'000.~
deshalb ernsthaft prufte, weil Dentsu wiinschte, der ISMM Gruppe als ihrem Geschaftspartner
zu helfen (D 4/D/3/23, „ Dentsu's Cooperation as Partner").

Dem Verwaltungsratsprotokoll der ISMM AG vom 8. Januar 2001 kann entnommen werden,
dass mitten in der Sitzung, aniasslich derer man zur Kenntnis nahm, dass Dentsu
moglicherweise die Bankgarantie stellen wiirde, ein E-mail von Dentsu eintraf (D 4/D/3/23),
welche das Vorhaben aus Sicht des Verwaltungsrates der ISMM AG in Frage stellte. Der
Verwaltungsrat beschloss, dass Jean-Marie Weber und Urs Brunner am selben Abend nach
Tokyo fliegen wiirden, um Dentsu von der Stellung der Garantie zu iiberzeugen (D 8/5/19, Ziffer
2.4).


Dem Fax von Hidekazu Kobayashi vom 11. Januar 2001 ist zu entnehmen, dass Dentsu weitere
Bedingungen stellte, wie eine Bestatigung der UBS, wonach sie das ABS von ISL unwiderruflich
unterstiitze (diese konnte nicht beigebracht werden: D 4/D/3/25), und eine umfassende Garantie
seitens der FIFA fiir den Fall eines Konkurses der ISL Worldwide (D 4/D/3/24).

Hidekazu Kobayashi ubersandte mit Fax vom 12. Januar 2001 Jean-Marie Weber einen Entwurf
einer solchen Garantie (D 4/D/3/26). Diese Erklarung wurde durch den Prasidenten der FIFA mit
Schreiben vom 15. Januar 2001 abgegeben (D 17/9/16). Mit Fax vom 16. Januar 2001 liess
Jean-Marie Weber u.a. Christoph Malms, Daniel Beauvois und Hans-Jiirg Schmid einen Entwurf
eines Memorandums zur Stellungnahme zukommen, in welchem die Verpfandung der
Restforderung aus dem Memorandum of Understanding vom 15. September 2000 enthalten
war (D 4/D/3/31 und 32).

Schliesslich wurde am 17. Januar 2001 zwischen der ISMM AG, der ISL Worldwide und Dentsu
Inc. (HD 2/22, D 4/B/1/57) eine Vereinbarung geschiossen, gemass welcher sich Dentsu bereit
erklarte, die Bankgarantie zu Gunsten der FIFA zu stellen. Die ISL Worldwide und die ISMM AG
gewahrten ihrerseits gewisse Sicherheiten und Vergunstigungen, welche zum Teil noch
auszuhandeln waren. Gleichzeitig mit Unterzeichnung dieser Vereinbarung gaben die ISMM AG
und ISL Worldwide eine separate Erklarung ab, nach deren Wortlaut die ISMM AG ihre
Restforderung (CHF 25'000'000.--) aus dem Unterlizenzvertrag mit Dentsu Inc. an dieselbe
Gesellschaft verpfandete (HD 2/23). Dies mit dem Zweck, die von Dentsu mit dem Stellen der
Bankgarantie eingegangene Verpflichtung abzusichern. Der ISMM AG war es gemass Ziffer
                                                                                                                       129
1.6.8 des Vertrages vom
26. Mai 1998 jedoch untersagt, Anspriiche aus Unterlizenzvertragen zu verpfanden (HD 2/49).
Wie Haruyuki Takahashi bei der Einvernahme vom 2. September 2002 angab, hatte er keine
Kenntnis von den Vereinbarungen zwischen der FIFA und der Sporis Holding AG bzw. der
ISMM AG (D 3/26, Ziffer 50, vgl. die gleichlautenden Angaben von Tomoharu Tsuruda: D 3/27,
Ziffer 27). Des Weiteren gab die ISMM AG eine Haftungserklarung ab (HD 2/23).

Daniel Beauvois wurde bei der Einvernahme vom 13. Februar 2004 folgender Vorhalt gemacht:
Vorlage des Faxes von Jean-Marie Weber vom 16. Januar 2001 mit einem Memorandums of
Understanding Entwurf (D 4/D/3/31 + 32): Gemass Ziffer 3.2 „Pledge" wurde Folgendes
festgehalten: „ISMM hereby grants to Dentsu a security interest in the form of a pledge upon
ISMM's right to receive from Dentsu CHF 25'000'000.-- under the Memorandum of
Understanding between Dentsu and ...". Am 17. Januar 2001 wurde mit Bezug auf die
Bankgarantie iiber CHF 66'000'000.-- eine Vereinbarung unterzeichnet, in welcher diese Klausel
herausgenommen wurde. Die diesbezugliche Klausel wurde in eine separate Erklarung
eingebunden (D 2/22, D 2/23). Warum wurde die Klausel nicht in der Vereinbarung belassen?
Daniel Beauvois gab folgendes an:

      Er wisse es nicht. Und er konne sich auch nicht daran erinnern, dass er dieses Dokument genau gelesen habe, und
      denke auch nicht, dass er es an jenem Tag bis 17:00 Uhr beantwortet habe (D 3/49, Ziffer 140).


Jean-Marie Weber gab dazu folgendes an:

      Er sei so unter Druck gewesen, die Gesellschaft zu retten und zu helfen; es sei alles Tag und Nacht gelaufen. Er wisse
      jetzt heute nicht mehr, warum sie zwei Dokumente und nicht nur eines gemacht hatten (D 3/30, Ziffer 145).


Urs Brunner. welcher das Memorandum of Understanding und die Erklarung vom 17. Januar
2001 als Verwaltungsrat der ISL Worldwide mitunterzeichnet hatte (HD 2/22, HD 2/23, D 3/53,
Ziffer 5-8 und Ziffer 11) gab am 16. Februar 2004 als Auskunftsperson (§ 26 bis StPO) zur
Erklarung vom 17. Januar 2001 folgendes an:

      ISMM gewahre Dentsu eine Sicherheit in der Form eines Pledge auf das Recht von ISMM von Dentsu 25 Mio. unter
      dem Memorandum of Understanding zwischen Dentsu und ISMM betreffend Fernsehrechte des 2002 - Worldcup und
      anderer additional Events in der Periode 1999 bis 2002 (ISMM MOU), um damit die sofortige Zahlung an Dentsu durch
      ISL Worldwide die "gesicherten Verpflichtung" zu garantieren. In diesem Zusammenhang werde bestatigt, dass erstens
      Dentsu nicht verpflichtet sein werde, an ISMM Zahlungen unter dem ISMM MOU zu machen, bis die Bankgarantie von
      der FIFA an die Bank zuruckgegeben sein werde, ohne dass die FIFA Leistungen unter dieser Bankgarantie verlangt
      haben werde. Und zweitens werde Dentsu Forderungen der FIFA unter dem ISMM MOU mit der Verpflichtung, die
      ISMM unter dem ISMM MOU zu bezahlen, mit der Verpflichtung der ISL Worldwide die "gesicherte Verpflichtung" der
      Bezahlung verrechnen zu konnen. Zusammengefasst: Dentsu sei ja drei Tage in Zurich mit sechs Leuten gewesen und
      habe mit der FIFA die Bedingungen zur Gewahrung einer Bankgarantie verhandelt. Und das sei ein Teil davon (D 3/53,
      Ziffer 16, auf Seite 3).
Urs Brunner wurde folgender Vorhalt gemacht: Jean-Marie Weber hat erklart, dass er erreicht
habe, dass Dentsu die Garantie stellen wiirde. Dentsu habe aber mit dieser Zusage einige
Sicherheiten verlangt. Was fiir Sicherheiten hat Dentsu konkret verlangt?

      Diese hier; und es gebe noch mehr als das (meine er). Er sei als Anwalt da gewesen. Aus Dentsu-Sicht habe es ein
      Problem gegeben, sie hatten auf jeden Fall das Geschaft 2002 im eigenen Land nicht verlieren wollen, weil sie als PR-
      Agentur neben diesen Vertragen vor allem Geld verdient hatten oder haben (D 3/53, Ziffer 16 auf Seite 4).


Haruyuki Takahashi gab bei seiner Einvernahme in Tokyo an, dass er fur diesen Bereich nicht
zustandig gewesen sei und daher nichts Genaues sagen konne (D 3/63, Seite 13). Er gab
jedoch sinngemass an, dass Dentsu mit dem Stellen der Garantie der FIFA habe helfen, aber
auch die Sponsoren habe schiitzen wollen.

Hans-Jiiro Schmid. welchem die Erklarung der ISMM AG und der ISL Worldwide vom
17. Januar 2001 (HD 2/23) vorgelegt wurde und der bestatigte, davon Kenntnis zu haben,
wurde folgender Vorhalt gemacht: Waren Sie in diesem Zusammenhang in irgend einer Art und
Weise involviert? Er gab folgendes an:
                                                                                                                        130
        Er habe nur an einem Meeting teilgenommen, welches diesem MOU vorangegangen sei und wo ein Dentsu-
        Vertreter ihnen mitgeteilt hatte, dass die Dentsu unter gewissen Umstanden bereit sei, diese Bankgarantie zu stellen.
        Bei alien anderen Verhandlungen sei er weder zugegen noch aktiv daran beteiligt gewesen (D 3/48, Ziffer 227).

Anschlussfrage: Von welchen Umstanden war die Rede? Dazu gab er folgendes an:

        Dazu habe er sich dort noch nicht aussern konnen (D 3/48, Ziffer 228).


Anschlussfrage: Ist Ihnen bekannt, von welchen Umstanden die Dentsu das Stellen der
Garantie letztlich abhangig gemacht hat? Dazu gab er folgendes an:

        Er konne sich nur die verschiedenen Sicherheiten vorstellen, die dann auch Eingang gefunden haben ins MOU (D
        3/48, Ziffer 229).


Anschlussfrage: Ich habe Ihnen eine Erklarung vom 17. Januar 2001 vorgelegt. War dies eine
der von Ihnen erwahnten Sicherheiten? Dazu gab er folgendes an:

        Ja. Eine weitere, an die er sich erinnern konne, seien die Sicherheiten im Zusammenhang mit dem Toshiba-Vertrag
        gewesen (D 3/48, Ziffer 230).


Anschlussfrage: Vorlage des Schreibens von Dentsu vom 5. Januar 2001 (D 4/D/3/7): Wie Ziffer
2 zu entnehmen ist, machte Dentsu das Stellen der Bankgarantie iiber CHF 66'000'000.- von
einer Garantie seitens der ISMM abhangig. War damit die Garantie gemass der Erklarung vom
17. Januar 2001 gemeint (D 4/D/3/39) oder die Abtretung von Forderungen aus dem Toshiba
Agreement (D4/D/3/10, Ziffer 1.4, vgl. auch D 6/3/5/1, S. 17)? Dazu gab er folgendes an:

        Die Garantie iiber CHF 66 Mio. gegenuber der FIFA habe durch die ISL Worldwide gestellt werden miissen. Dentsu
        habe zuerst einmal eine Garantie der Muttergesellschaft der ISL Worldwide gewollt, d.h. der ISMM AG. Dies sei die
        Meinung des ihm in der Frage vorgehaltenen Passus (unabhangig von den anderen im MOU erwahnten
        Sicherheitsleistungen) (D 3/48, Ziffer 231).



Urs Brunner. welchem die Erklarung der ISMM AG und der ISL Worldwide an Dentsu Inc. vom
17. Januar 2001 (HD 2/23) vorgelegt wurde, bestatigte, dass er diese unterzeichnet habe
(Bemerkung UR: fiir die ISL Worldwide),
                wobei es eine Erklarung der ISMM AG sei. Diese Unterschrift habe er schon damals nicht verstanden (D 3/53,
                Ziffer 11).


        Daniel Beauvois wurde bei der Einvernahme vom 13. Februar 2004 folgender Vorhalt
        gemacht: Gemass Darstellung von Jean-Marie Weber soil es sich bei der Dentsu
        Uberweisung von CHF 15'000'000.- um ein Darlehen von Dentsu handeln (D 3/30, Ziffer
        129). Das Darlehen soil insgesamt CHF 30'000'000.-- betragen haben (D 3/30, Ziffer
        130). Falls es sich um ein Darlehen gehandelt hat: Wie konnte in diesem Fall im
        Zusammenhang mit der Bankgarantie iiber CHF 66'000'000.-- folgende Erklarung abge-
        geben werden? "ISMM hereby grants to Dentsu a security interest in the form of a pledge
        upon ISMM's right to receive from Dentsu CHF 25'000'000.-- under the Memorandum of
        Understanding between Dentsu and ISMM ..." (D 2/23). Er gab dazu folgendes an:

                Er mochte das nicht beantworten (D 3/49, Ziffer 141).


7.1.4    Gestiitzt auf die Untersuchungsergebnisse ist somit festzuhalten, dass die Dentsu Inc. in
        mehrfacher Hinsicht getauscht wurde. Wie erwahnt stellte sie es zur Bedingung, dass
        die ISMM AG (als Mutter- bzw. Holdinggesellschaft der ISL Worldwide) eine Garantie im
        Sinne einer Haftungserklarung abgab. Die ISMM AG erklarte sich zur Abgabe einer
        solchen Erklarung bereit (Antwort an Yasunori Hashiguchi vom 7. Janaur 2001), und eine
        solche erfolgte denn auch am 17. Januar 2001. Dabei wurde indes die Existenz einer
        ganz wesentlichen Tatsache, namlich dass die ISMM AG zu diesem Zeitpunkt (selber)
                                                                                            131
        sowohl illiquid als auch uberschuldet war, unterdriickt bzw. der Dentsu Inc.
        vorenthalten. Der Dentsu Inc. blieb mithin verborgen, dass die Haftungserklarung vor
        dem Hintergrund der finanziellen Situation bedeutungslos war. Gleichzeitig mit der
        Unterzeichnung des MOU vom 17. Januar 2001 gaben die ISMM AG und die ISL World-
        wide eine separate Erklarung ab, wonach die ISMM AG ihre Restforderung (namlich CHF
        25'000'000.--) aus dem Unterlizenzvertrag mit Dentsu Inc. an dieselbe Gesellschaft
        verpfandete. Die ISMM AG, welche die Verpfandung von Forderungen aus Vertragen mit
        weiteren Lizenznehmem anbot, erklarte zwar auf Anfrage von Dentsu Inc., dass sie mit
        Bezug auf diese Vertrage nur einen Anspruch von 25 % der Entschadigung hatte, legte
        dies hingegen mit Bezug auf den Restbetrag aus dem MOU vom 15. September 2000
        nicht offen. Uberdies war es der ISMM AG gemass Ziff. 1.6.8 des Vertrages vom
        26. Mai 1998 gerade untersagt, Leistungen und Anspruche aus den Unterlizenzvertragen
        zu verpfanden, mit einer einzigen Ausnahme, deren Voraussetzungen im vorliegenden
        Fall nicht erfullt waren (vgl. hierzu die zutreffenden Bemerkungen seitens des
        Untersuchungsrichters auf S. 203 [untester Absatz] der Uberweisungsverfiigung). Auch
        von diesem Umstand (Verbot der Verpfandung) hatte die Dentsu Inc. keine Kenntnis, weil
        er ihr verschwiegen worden war.


7.1.5    Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft muss das tauschende Verhalten der ISMM-
        Verantwortlichen bei einer Gesamtbetrachtung als arglistig im Sinne des Gesetzes
        bezeichnet werden. Zum einen hat Dentsu Inc. durch das Anfordern von Unterlagen und
        Informationen (bzw. das Vorlegenlassen von Zahlen und das Stellen von kritischen
        Fragen; D 4/D/3) das ihr Zumutbare unternommen, um den Irrtum zu vermeiden; Dentsu
        Inc. hatte auch keine tieferen Kenntnisse betreffend die Finanzsituation bei der ISMM AG
        und musste daher auch keine aussergewohnliche Vorsieht anwenden. Zum andern fallt
        ins Gewicht, dass Dentsu Inc. ein langjahriger Partner der ISMM Gruppe war und man
        sich gegenseitig aushalf. Insoweit bestand ein gewisses Vertrauensverhaltnis. So fiihrte
        die Verteidigung von Christoph Malms selber aus, dass Dentsu ein "langjahriger
        Vertragspartner gewesen sei, mit dem zur fraglichen Zeit weiterhin ein sehr gutes Ein-
        vernehmen und beste personliche Kontakte zwischen den massgeblichen Exponenten
        bestanden habe".

7.2      Im Irrtum iiber die oberwahnten vermeintlichen Sicherheiten bzw. in Unkenntnis der
        erwahnten Umstande stellte die Dentsu Inc. bzw. .„The Dai-ichi Kangyo Bank" am 17.
        Januar 2001 eine Bankgarantie uber CHF 71'016'000.- (D 4/D/3/44, D 3/26, Ziffer 38).
        Die Vermogensdisposition ist somit unzweifelhaft gegeben.

7.3      Weiter ist auch ein Vermogensschaden ohne weiteres zu bejahen (vgl. auch Ziffer 4.5
        vorstehend). Die Bankgarantie wurde von der FIFA im Ubrigen in Anspruch genommen
        (D 3/26, Ziffer 39 und 40, D 3/54, Ziffer 21). Dentsu Inc. machte im Rahmen des Kon-
        kursverfahrens betreffend die ISL Worldwide und die ISMM AG einen Betrag von CHF
        71'016'000.- geltend (D 4/A/7/34 ff.). Am 18. August 2003 schlossen die ISL Worldwide,
        die ISMM AG in Konkurs und die LOFA Anstalt, vertreten durch die aussseramtliche
        Konkursverwaltung, mit Dentsu Inc. einen umfassenden Vergleich (D 2/H/146 und 149).

7.4      Wie dem Untersuchungsergebnis entnommen werden kann, waren die Garantieerkla-
        rung und die Verpfandung nicht die einzigen zu erfiillenden Bedingungen, welche zur
        Vermogensverfugung bzw. zum Stellen der Bankgarantie fiihrten. Dies ist jedoch nach
                                                                                             132
      herrschender Lehre unerheblich. Liegt namlich eine motivierende Einwirkung auf den
      Betroffenen vor (bei der Unterlassung das nicht berichtigende Einwirken auf die Vorstel-
      lung des Betroffenen), spielt es keine Rolle mehr, ob sie allein oder zusammen mit an-
      deren etwa vorhandenen Beweggriinden zur Vermogensverfugung gefuhrt haben. Mit
      Bezug auf die Motivation erscheint massgebend, dass die Garantieerklarung der ISMM
      AG und die "Verpfandung" des Restbetrages aus dem MOU vom 15. September 2000 fiir
      Dentsu wesentlicher Teil der Bedingungen waren, damit sie die Bankgarantie stellte.

1       In subjektiver Hinsicht ist schliesslich entscheidend, dass die Beschuldigten sich der
vorstehend beschriebenen Umstande bewusst waren. Dass uber die Restforderung aus
Unterlizenzvertrag (bzw. Zusatzvereinbarung vom 15. September 2000) nicht einfach so (in der
beschriebenen Weise) verfiigt werden durfte, war ihnen eben so wenig entgangen wie die
Bedeutungslosigkeit der Haftungserklarung. Die Verantwortlichen der ISL Worldwide und der
ISMM AG waren sich im Zeitpunkt der Unterzeichnung des Memorandums of Understanding
vom 17. Januar 2001 und der am gleichen Tag abgegebenen Erklarung der "most alarming
situation" (D 8/5/19) bewusst. Sie handelten somit vorsatzlich und mit der Absicht, die ISL
Worldwide im Umfang der Bankgarantie, also CHF 66'000'000.-, zu bereichern.
2       Bevorzugung eines Giaubigers (Dentsu Inc.)

        8.1 Gesetzliche Grundlage

              Der Schuldner, der im Bewusstsein seiner Zahlungsunfahigkeit und in der
              Absicht, einzelne seiner Giaubiger zum Nachteil anderer zu bevorzugen, darauf
              abzielende Handlungen vomimmt, insbesondere nicht verfallene Schulden
              bezahlt, eine verfallene Schuld anders als durch ubliche Zahlungsmittel tilgt, eine
              Schuld aus eigenen Mitteln sicherstellt, ohne dass er dadurch verpflichtet war,
              wird, wenn iiber ihn der Konkurs eroffnet oder gegen ihn ein Verlustschein
              ausgestellt worden ist, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
              bestraft (Art. 167 StGB).

        8.2 Tatvorwurf und rechtliche Vorausbemerkunoen

^ . Bezuglich des Tatvorwurfs wird zunachst auf II. Sachverhalt Ziffer 8 (S. 19 der Anklage)
               verwiesen. Die Konkurseroffnung ist objektive Strafbarkeitsbedingung und im
               vorliegenden Fall erfiillt, da iiber die ISMM AG am 21. Mai 2001 der Konkurs
               eroffnet wurde.

              Wird die Bevorzugung im Geschaftsbetrieb einer Aktiengesellschaft begangen,
              so findet die Strafbestimmung gemass Art. 172 StGB Anwendung auf die Organe
              oder Mitglieder eines Organs, die Mitarbeiter einer juristischen Person oder einer
              Gesellschaft, denen eine vergleichbare selbstandige Entscheidungsbefugnis in
              ihrem Tatigkeitsbereich zukommt, oder auf den tatsachlichen Leiter einer
              juristischen Person, ohne dass dieser Organ, Mitglied eines Organs oder
              Mitarbeiter ist, welche die Handlung begangen haben (vgl. zum alten Recht:
              BGE 104 IV 80 f.).

   Als zahlungsunfahig gilt, wer mangels der erforderlichen Mittel seinen Verbindlichkeiten, die
    fallig sind oder in nachster Zukunft fallig werden, nicht fristgemass nachzukommen vermag.
                                                                                     53
      Dabei ist eine dauernde und nicht bloss voriibergehende Unfahigkeit w gemeint . Die vom
 Bundesgericht gewahlte Definition, wonach eine Aktiengesellschaft dann im Sinne von Art. 167
 StGB zahlungsunfahig sei, wenn ihre Aktiven die Forderungen der Gesellschaftsglaubiger nicht
                                                                                                   133
   mehr decken wiirden, verleitet zur falschen Annahme, es handle sich bei der vom Gesetz
                                                                                 54
 erwahnten Zahlungsunfahigkeit um eine Uberschuldung. Wie Alexander Bauer festhalt, ist die
    Auslegung des Gesetzes sinngemass vorzunehmen und sind die vollstreckungsrechtlichen
 Begriffe zu differenzieren. Danach sollte der Gesetzestext sinngemass lauten: "Der Schuldner,
    der im Bewusstsein seiner Zahlungsunfahigkeit oder Uberschuldung...". Die Deckung muss
   auch Forderungen erfassen, die noch nicht fallig sind, aber mit grosser Wahrscheinlichkeit in
 naher Zukunft fallig werden (BGE 104 IV 77). Zahlungsunfahigkeit liegt letztlich vor, wenn einer
   Unternehmung nicht geniigend fliissige Mittel zur Verfugung stehen und auch nicht kurzfristig
                              zur VerfCigung gestellt werden konnen, um fallige und in nachster



        53

             Schubarth/Albrecht, a.a.O., N 5 zu Art. 165
        54

             Basler Kommentar, a.a.O., N 13 zu Art. 167
      Zukunft fallige Glaubigerforderungen fristgerecht begleichen zu konnen. Dabei ist die
                                                                  55
      Zahlungsunfahigkeit streng von der Uberschuldung abzugrenzen .

      Wie dargelegt, war die ISMM am 17. Januar 2001 im vorstehend beschriebenen Sinn
      zahlungsunfahig und waren sich die Beschuldigten dessen bewusst.


8.3    Als Tathandlung kommt jede, auch nur teilweise Befriedigung eines Giaubigers in Betracht, die
                                                                56
      ihm vertraglich nicht vorgesehene Vorteile bringen soil . Die ordnungsgemasse, wenn auch de
                                                                                                     57
      facto privilegierende Bezahlung von Schulden erfullt den Tatbestand jedoch in der Regel nicht .
      Es ist somit dann eine tatbestandsmassige Bevorzugung gegeben, wenn sie als ungerechtfertigt
      erscheint, was bei inkongruenter Deckung zutrifft, mithin einer Deckung, welche der Giaubiger
      aufgrund der materiellen Rechtslage im Zeitpunkt der Leistung nicht beanspruchen und
                          58
      durchsetzen kann . Allerdings kann auch die Begleichung von kongruenten Forderungen den
      Tatbestand erfullen. Voraussetzung ist, dass die inkriminierte Handlung nach ihrem
      Unrechtsgehalt den in Art. 167 StGB genannten Regelbeispielen gleichwertig ist, sie gerade auf
      die Bevorzugung einzelner Giaubiger zum Nachteil der andern zielt und sich in ihr die eindeutige
      Bevorzugungsabsicht des Taters objektiv deutlich manifestiert (BGE 117 IV 26). Die Tathandlung
      kann jedoch auch darin bestehen, dass der Schuldner eine Schuld aus eigenen Mitteln
      sicherstellt, ohne dass er dazu verpflichtet war (vgl. BGE 74 IV 41 ff.).


      Wie schon festgehalten, gewahrte die ISMM AG und die ISL Worldwide am 17. Januar 2001 der
      Dentsu Inc. eine Sicherheit im Sinne eines bedingten Forderungsverzichts bzw. einer
      Forderungsverpfandung ("pledge"). Zum Zeitpunkt der Gewahrung dieser Sicherheit war aber die
      Zahlungsunfahigkeit der ISMM AG und ISL Worldwide schon gegeben, und es bestand auch
      keine Pflicht zur Sicherstellung aus eigenen Mitteln (vgl. dazu auch RVJ 1998, 187-190).
      Allerdings ist aktenkundig, dass die Tathandlung die Bevorzugung nicht erreicht hat. Am 18.
      August 2003 schlossen die ISL Worldwide, die ISMM AG in Konkurs und die LOFA Anstalt,
      vertreten durch die aussseramtliche Konkursverwaltung, mit Dentsu Inc. einen umfassenden
      Vergleich (D 2/H/146 und 149). Diesem (Ziffer 7) kann entnommen werden, dass auch die
      Verpfandung der erwahnten Forderung Gegenstand dieser Regelung war. Dabei wird
      festgehalten, dass Dentsu Inc. Kirch CHF 25 Mio. bezahlt habe, was im Resultat bedeuten wiirde,
      dass die gewahrte Sicherheit nicht zum Tragen kam. Wie bereits dargelegt, wurde das Entgelt fiir
      die Ubertragungsrechte der WM 2002 im Nachfolgevertrag zwischen Dentsu Inc. und der
      Kirchmedia GmbH vom 18. Oktober 2001 neu festgelegt bzw. um CHF 15'000'000.reduziert (D
                                                                                                        134
         21/27, Anhang II). Die Restbetrage, welche am 31. Oktober 2001 (CHF 6'000'000.-) und am
         31. Juli 2002 (CHF 4'000'000.~) fallig waren, wurden gemass Angaben des Zeugen Michael
         Francombe von Dentsu Inc. bezahlt (D 3/50, Ziffer 27, vgl. auch Ziffer 28 ff. und die schriftlichen
         Ausfuhrungen der Infront: D 21/30). Diese


55

      Stephan Kesselbach, Krise und Sanierung bei Aktiengesellschaften - insbesondere aus
      strafrechtlicher Sicht, Diss. Zurich 2001,15
56

      BJM 1971,191
57

      Trechsel, a.a.O., N 3 zu Art. 167; RVJ 1998,187 ff.
58

      Schubarth/Albrecht, a.a.O. N 12 zu Art. 167
         Tatsache vermag jedoch die Erfullung des Tatbestandes nicht zu verhindern, weil die
         Tathandlung die Bevorzugung nicht erreichen muss. Es bedarf keiner tatsachlichen oder
         endgultigen Schadigung von Glaubigern, wie sie z.B. durch eine Anfechtungsklage noch
         abgewendet werden kann (BGE 93 IV 18). Als Vorteil geniigt, dass im Zeitpunkt der
         verponten Handlung die Chance der Befriedigung des bevorzugten Giaubigers (Dentsu
         Inc.) erhoht wird, als Nachteil, dass die Befriedigungschance der anderen Giaubiger
                        59
         vermindert wird (D 4/A/7/15 ff.).

8.4       Bevorzugter Giaubiger war die Dentsu Inc. Sie eriangte ihre Glaubigerstellung am 17.
         Januar 2001, da nach dem (ibereinstimmenden Willen der Parteien der Vertrag seine
         Wirkungen gemass ausdriicklicher Regelung in Ziffer 4 an dem in der Vereinbarung ge-
         nannten Datum entfaltete. Dabei ist von Bedeutung, dass sich die Glaubigerstellung nicht
         nur aus dem in der Zukunft liegenden Ereignis ableitet, sondern umfassender ist. So
         hatten sowohl die ISL Worldwide als auch die ISMM AG gemass Ziffer 3.3.1 als
         Gegenleistung fiir die Bereitstellung der Bankgarantie verschiedene, noch festzulegende
         Kompensationen zu gewahren und verpflichteten sich, die Kosten, welche mit dem
         Stellen der Bankgarantie verbunden waren, zu ubernehmen. Dentsu stellte diese Kosten
         bereits am 23. Januar 2001 in Rechnung (D 4/D/3/44 ff.). Somit lag im Zeitpunkt des
         Vertragsabschlusses eine Forderung von Dentsu vor, weshalb ihre grundsatzliche Glau-
         bigerstellung zu bejahen ist.

         Dass durch das inkriminierte Verhalten andere Giaubiger benachteiligt wurden (eine
         Benachteiligung liegt immer vor, wenn die Handlung den Glaubigern im Hinblick auf ihre
         Befriedigung in der Zwangsvollstreckung objektiv zum Nachteil gereicht) liegt auf der
         Hand; es kann diesbeziiglich auf die Kollokationsplane in den Konkursverfahren betref-
         fend die ISMM AG und die ISL Worldwide (D 4/A/7/15 ff.) verwiesen werden.



8.5       In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich. Eventualdolus reicht (BGE 74 IV 44),
         nicht jedoch mit Bezug auf die eigene Zahlungsunfahigkeit. Diesbziiglich muss Wissen
                  60
         vorliegen . Wie schon dargetan, waren die ISMM AG und die ISL Worldwide per Ende
         2000 uberschuldet und illiquid. Die Beschuldigten hatten durchaus Kenntnis von der
         desolaten finanziellen Situation und wussten, dass die ISMM AG und die ISL Worldwide
         zum fraglichen Zeitpunkt nicht mehr in der Lage waren, samtlichen weiteren falligen oder
         in naher Zukunft fallig werdenden Verpflichtungen nachzukommen. Um die Bankgarantie
                                                                                                           135
         zu erhalten, nahmen sie eine Bevorzugung von Dentsu zumindest in Kauf. Auch der
         subjektive tatbestand ist mithin erfiillt.




59

      Stratenwerth, a.a.O., § 24, N 24
60

      Trechsel, a.a.O., N 4 zu Art. 167
9.       Bevorzugung eines Giaubigers (UBS AG)


9.1      Bezuglich der Tatbestandsvoraussetzungen zu Art. 167 StGB und der in Frage kommenden
         Taterschaft kann vorweg auf die vorstehenden Ausfuhrungen (Ziffer 8.1 bis 8.3) verwiesen
         werden. Betreffend den konkreten Tatvorwurf gilt sodann das unter II. Sachverhalt Ziffer 9 (S. 19
         der Anklage) Festgehaltene. Wie zudem schon erwahnt, ist die objektive Strafbarkeitsbedingung
         erfCillt, da am 21. Mai 2001 uber die ISMM AG und die ISL Worldwide der Konkurs eroffnet
         wurde.


9.2       Zur Zahlungsunfahigkeit Folgendes: Die beiden hier relevanten Bankiiberweisungen
         (Gutschriften) erfolgten mit Valuta am 18. September und 16. Oktober 2000. Zu diesen
         Zeitpunkten waren sowohl die ISMM AG als auch die ISL Worldwide uberschuldet und illiquid
         (vgl. vorstehend S. 61 ff. der Anklage). Zwar eruierte der Gutachter (der damaligen Fragestellung
         entsprechend) eine Uberschuldung und llliquiditat der beiden Gesellschaften per 30. September
         2000. Indes ist mit dem Untersuchungsrichter festzuhalten, dass die per Ende September
         festgestellte Uberschuldung selbstredend das Resultat eines fliessenden Prozesses ist, das sich
         nicht erst am Stichtag 30. September 2000 ergibt. Auf Grund der zeitlichen Nahe der beiden
         Stichtage (18. und 30. September 2000) kann die Uberschuldung ohne Zweifel auch auf den 18.
         September angenommen werden. Im Ubrigen erscheint ohnehin fraglich, ob bei Art. 167 StGB
         iiberhaupt die Frage der Uberschuldung beantwortet werden muss, zumal das Gesetz lediglich
         von einer Zahlungsunfahigkeit spricht. Ausreichend ist nach unbestrittener Lehre eine dauernde
         Oder doch nicht ganz voriibergehende Zahlungsunfahigkeit. Diese war aber nach Auffassung der
         Anklagebehorde zweifelsfrei gegeben.


9.3      Betreffend die Tathandlung (vgl. dazu auch Ziff. 8.3 erster Absatz) ist nochmals darauf
         hinzuweisen, dass eine Bevorzugung u.a. dann gegeben ist, wenn sie als ungerechtfertigt
         erscheint, was bei inkongruenter Deckung zutrifft.

9.3.1    Die Sporis Holding AG, ISMM Investments AG, ISL Marketing AG und die ISL Tennis Marketing
         AG schlossen am 13. Juli 1999 mit der Banque Nationale de Paris (Suisse) SA [heute: BNP
         Paribas Private Bank (Switzerland) SA] einen Kreditvertrag iiber CHF 277'000'000.~. Dabei
         handelte es sich um einen Kontokorrentkredit, in dessen Rahmen es der Kreditnehmerin erlaubt
         war, fiir laufende Bediirfnisse kurzfristig iiber eine Limite von CHF 20'000'000.- zu verfiigen. Diese
         Kreditlimite war am 31. Dezember 2002 fallig (D 5/119/2, S. 5). Gemass den allgemeinen
         Geschaftsbedingungen - Ausgabe 2000 (D 5/113) - hatte die UBS ein Verrechnungsrecht (Ziffer
         8).

9.3.2    Dem Umstand Rechnung tragend, dass die gegenstandlichen Zahlungen (Globo/Dentsu) auf
         Konten erfolgten, welche einem Kontokorrentverhaltnis unterstanden, ist einleitend Folgendes
                                                                                                     136
        auszufiihren.

        Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Kontokorrentkredit eine rein banktechnische Rechnungsweise,
        welche die Banken nicht nur auf die Kreditrechnungen anwenden, bei denen sie in der Regel
        Giaubiger sind, sondern auch auf die Kreditorenrechnungen, bei denen sie Schuldner sind. Erst
        in Verbindung mit der Gewahrung eines revolvierenden Kreditrahmens kann von einem Konto-
        korrentkredit gesprochen werden. Unter diesem versteht man im Gegensatz zum Festkredit
        einen Kredit, bei dem es dem Kreditnehmer nach seiner Wahl frei steht, im Rahmen der ihm aus-
        gesetzten Limite das Geld jederzeit zu beziehen oder zuriickzuzahlen, wobei die Beziige oder
        RCickzahlungen im Kontokorrent belastet bzw. gutgeschrieben werden. Infolgedessen kann der
        Kreditnehmer auch vorubergehend Giaubiger der 61 Bank werden, namlich dann, wenn seine
        Ruckzahlungen hoher sind als die erfolgten BezOge .

        Was die zivilrechtliche Sicht betrifft, kann vorweg die Darstellung von Von Thur/Escher wieder-
        gegeben werden. Danach verabreden die Parteien, dass ihre beiderseitigen Geldforderungen bis
        zu dem von ihnen bestimmten Abrechnungstermin gestundet sind und wahrend dieser Zeit nicht
        durch Klage oder Abtretung verwertet werden, sondern nur als Rechnungsposten fiir die Berech-
        nung des Saldos dienen sollen. Im Sinn dieser Verabredung liegt es, dass Zahlungen einer der
        Parteien nicht nach Art. 86/7 OR auf eine bestimmte Schuld des Zahlenden angerechnet,
        sondern ihm gutgeschrieben und bei der Berechnung des Saldos beriicksichtigt werden.
        Abgesehen von diesen Wirkungen wird die Eigenart und Selbstandigkeit einer Forderung
        dadurch, dass sie unter eine Kontokorrentverabredung fallt, nicht verandert. Auch die Einsetzung
        der Forderung in das Kontokorrent hat, wie Art. 117 Abs. 1 OR ausdrucklich bestimmt, keine
        Neuerung zur Folge. Dies schon deswegen, weil die Aufnahme eines Postens in eine Rechnung
        als einseitiger Akt dessen, der die Rechnung fiihrt, keine rechtsandemde Wirkung haben kann.
        Wird hingegen der Saldo gezogen und anerkannt, wird Neuerung angenommen (Art. 117 Abs. 2
        OR). Die Berechnung des Saldos besteht darin, dass der die laufende Rechnung fuhrende
        Kontrahent die Posten der Sollund Habenseite zusammenrechnet, von den sich daraus
        ergebenden Betragen den kleineren vom grosseren subtrahiert und das Resultat (Saldo) dem
        Gegner mitteilt. Auch diese Tatigkeit, das Ziehen des Saldos, hat keine rechtsandemde Wirkung.
        Erst wenn der Gegner den ihm mitgeteilten Saldo als richtig anerkennt, sei es ausdrucklich, sei
        es dadurch, dass er die Zeit verstreichen lasst, wahrend welcher ein Widerspruch zu erwarten ist,
        erfolgt die Neuerung. Die in die Rechnung aufgenommenen beiderseitigen Forderungen sind,
        soweit sich ihre Gesamtbetrage decken, aufgehoben, allerdings nicht durch Neuerung, sondern
        durch Verrechnung. Aber was sich als Saldo zu Gunsten einer Partei herausstellt, gilt nicht als
        eine bei der Verrechnung im Uberschuss verbliebene Forderung des Saldoberechtigten, sondern
        als neue, durch die Anerkennung des Kontokorrentauszuges entstandene 62    Forderung, welche an
        Stelle samtlicher durch die Verrechnung nicht gedeckten Forderungen tritt . Bruno von Biiren ist
        der Meinung, dass die Saldoziehung und Anerkennung des Saldos im Kontokorrent nur eine
                                                               63
        Anderung der Schuld nach sich ziehe - und nicht mehr .

9.3.3    Mit Verfugung vom 3. Juni 2003 wurde die UBS AG u.a. aufgefordert, mitzuteilen, ob der den
        ISMM Gesellschaften gewahrte Kredit im Zeitpunkt der Eingange von US$ 59'207'500.~ und CHF
        15'000'000.- zur Riickzahlung fallig gewesen sei (D 5/124/4). Die UBS AG stellte sich mit
        Schreiben vom 23. Juni 2003 unter Erlauterung auf die grundsatzliche Funktionsweise eines
        Kontokorrentverhaltnisses auf den Standpunkt, dass „eine partielle Riickzahlung des gemass
        dem CFA gewahrten Kredites" durch diese Gutschriften nicht erfolgt sei. Die Frage der Failigkeit
        wurde offen gelassen (D 5/124/5). Mit Schreiben vom 24. September 2003 wurde die UBS AG
        ersucht, die Grundlagen der taglich von ihr unter Berucksichtigung samtlicher Konten der
        Kreditnehmerin errechneten Nettoposition fiir den 18. September und 16./17. Oktober 2000 zu
        hinterlegen (D 5/124/40). Mit Schreiben vom 16. Oktober 2003 wurde die UBS AG nochmals
        ersucht, die Frage zu beantworten, ob die Negativsalden auf den Konten Nr. 248-594050.60 J
        und Nr. 248-594050.01 P an den vorstehend erwahnten Daten zur Riickzahlung fallig gewesen
        seien (D 5/124/42). Mit Schreiben vom 31. Oktober 2003 halt die UBS AG fest (D 5/124/44),

            dass es jedem Kreditnehmer im Rahmen eines Kontokorrentkreditverhaltnisses freistehe,
            einen einmal vollumfanglich beanspruchten Kredit durch Einzahlungen ganz oder teilweise
            zu reduzieren (Ziffer 1, S. 2),


61
                                                                                                            137
      Albisetti, Boemle, Ehrsam, Gsell, Nyffeler, Rutschi, a.a.O, 428
62

      von Thur Escher, Allgemeiner Teil des Schweizerischen Obligationenrechts, Bd. 2, 3. A., Zurich
      1979, 183 ff
63
     Bruno von Biiren, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, Zurich 1964, 363
dass der Kredit an den vorstehend bezeichneten Daten nicht zur Riickzahlung fallig gewesen sei
(Ziffer 2, S. 2),

dass Einzahlungen der Kreditnehmer wahrend der Laufzeit eines Kontokorrentkredites nicht mit einer
Riickzahlung des Kredites gleichzusetzen seien (Ziffer 2, S. 2),

dass dies nur der Fall ware, wenn die UBS AG der jeweiligen Kontoinhaberin den Kredit im Umfang
der Einzahlungen gekundigt hatte, wodurch die Einzahlungen de facto zur Riickzahlung des Kredites
verwendet worden waren (Ziffer 2, S. 2),

dass dies jedoch in casu nicht zutreffe (Ziffer 2, S. 2),

dass sich durch die Einzahlungen der verfiigbare Teil des Kontokorrentkredites innerhalb der Limite
von CHF 20'000'000.- erhoht habe (Ziffer 2, S. 2),

dass die Kreditnehmer den unbenutzten Teil des Kredites umgehend wieder beansprucht hatten
(Ziffer 2, S. 2).


Das Konto Nr. 248-594050.60 J bei der UBS AG Luzern, lautend auf ISL Worldwide,
L^fc*'         wies am 14. September 2000 einen Negativsaldo von USD -38'578'164.06 auf (D 5/2).
               Mit Valuta 18. September 2000 wurde dem Konto eine Uberweisung der Globo
               Overseas Investment B.V. von USD 59'207'500.-- gutgeschrieben (D 5/24).
                    Das Konto Nr. 248-594050.01 P bei der UBS AG Luzern, lautend auf ISL Worldwide,
                    wies am 13. Oktober 2000 einen Negativsaldo von CHF -23'925'967.77 auf (D 5/108).
                    Mit Val. 16. Oktober 2000 wurde dem Konto eine Uberweisung der Dentsu Inc. von
                    CHF
                    15'000'000.-- gutgeschrieben (D 5/117).
                    Die UBS hat mit Bezug auf die Swing Line von CHF 20'000'000.- auf den 18.
                    September 2000 eine Nettoposition bzw. einen Habensaldo von 9'494'138.-- errechnet,
                    womit vollumfanglich iiber die Swing Line verfiigt werden konnte (D 5/124/44 und 45).
                    Die Berechnung der Nettoposition beriicksichtigt samtliche Konten der am Pool
                    beteiligten Gesellschaften der ISMM Gruppe. Am 16. Oktober 2000 konnte auf Grund
                    der Dentsu Uberweisung gemass Berechnungen der UBS AG iiber CHF 6'540'798.73
                    verfiigt werden (D 5/124/44 und 62).

           9.3.4     Es kann festgehalten werden, dass mit den beiden Eingangen (Globo/Dentsu) Kredite
                    bzw. Kreditiiberzuge zuriickbezahlt wurden. Ob die die Limite von CHF 20'000'000.
.                    ubersteigenden Betrage sofort fallig wurden, ist vom Gericht zu entscheiden. Kein
%&                   Zweifel besteht mit Bezug auf die Feststellung, dass jene Betrage, die unter dieser
                    Limite lagen, erst am 31. Dezember 2002 fallig waren. Wie der Untersuchungrichter zu
                    Recht festhilet, andert die zivilrechtliche Ausgestaltung des Instituts des Kontokorrents
                    daran nichts; dies schon deshalb nicht, weil gemass zumindest zu beriicksichtigender,
                    obzitierter Lehrmeinung die Saldoziehung und Anerkennung des Saldos im Kontokor
                    rent nur eine Anderung der Schuld nach sich zieht. Diese Schuld bleibt eingebettet in
                    das konkrete, nach wie vor bestehende und nicht abgeanderte Vertragsverhaltnis. Dies
                    heisst aber, dass der nach Saldoziehung (erfolge sie laufend oder auf einen
                    vereinbarten Stichtag) sich ergebende Schuldsaldo - soweit er unter CHF 20'000'000.
                    liegt - nicht fallig war. Der rein zivilrechtlichen Konzeption der Neuerung folgend
                    entsteht
                    - in welchem Zeitpunkt auch immer durch die Saldoziehung eine neue Schuld. Ist sie
                    vermindert worden, so nur durch die Zufiihrung von Aktiven, auf welche die UBS AG in
                    diesem Zeitpunkt keinen Anspruch hatte, auch wenn ihre Verrechnung auf Grund der
                    diesbezuglichen Abrede rechtens war.

                    Insofern ist von der Begleichung einer nicht falligen Forderung auszugehen. Aus straf
                                                                                               138
              rechtlicher Sicht und somit in Beriicksichtigung des Zweckgedankens von Art. 167
              StGB
              erscheint es nicht zulassig, dass der Schuldner auf Grund eines einseitigen Gestal
              tungsrechts bestimmen kann, was er zum Nachteil anderer Giaubiger zur Verrechnung

       bringt. Dabei ist zu berucksichtigen, dass es aus strafrechtlicher Sicht keine Rolle spielt,
       ob der Schuldner das Recht (zivilrechtlich) hat, vorzeitig zu leisten, da alleine seine Zah-
                                    64
       lungspflicht massgebend ist . Die Tat erschopft sich im Verstoss gegen den Grundsatz
       der Gleichbehandlung aller Giaubiger (BGE 93 IV 19) und nicht wie bei den Bankrott-
       handlungen nach Art 163 aStGB gegen die Zwangsverwertung iiberhaupt. Es reicht
       mithin die entsprechende Vermogensverfugung, um damit die Zugriffsrechte einzelner
                                65
       Giaubiger zu gefahrden . Diese Gefahrdung war jedoch in den fraglichen Zeitpunkten
       eindeutig gegeben, da sowohl die ISMM AG als auch die ISL Worldwide illiquid und
       iiberschuldet waren.

9.4     Bevorzugter Giaubiger war die UBS AG. Dass dadurch andere Giaubiger benachteiligt
       wurden (eine Benachteiligung liegt immer vor, wenn die Handlung den Glaubigern im
       Hinblick auf ihre Befriedigung in der Zwangsvollstreckung objektiv zum Nachteil gereicht)
       liegt auf der Hand; es kann diesbeziiglich auf die Kollokationsplane in den
       Konkursverfahren betreffend die ISMM AG und die ISL Worldwide (D 4/A/7/15 ff.) ver-
       wiesen werden.

9.5     In subjektiver Hinsicht ist massgebend, dass die Beschuldigten zum Tatzeitpunkt er-
       stelltermassen von der oben umschriebenen Zahlungsunfahigkeit der ISMM AG sowie
       der ISL Worldwide wussten. Mit dem Vorgehen nahmen sie eine Bevorzugung der Bank
       als Glaubigerin bewusst in Kauf. Auch der subjektive Tatbestand ist mithin erfiillt.



10.     Falschbeurkundung hinsichtlich der Depositenbescheinigungen betreffend die
       ISL Hospitality AG. ISL Hospitality (Japan) AG und ISL Hospitality (Korea) AG


10.1   Gesetzliche Grundlage

       Eine Falschbeurkundung gemass Art. 251 Ziff. 1 StGB begeht, wer in der Absicht,
       jemanden am Vermbgen oder an andern Rechten zu schadigen oder sich oder einem
       andern einen unrechtmassigen Vorteil zu verschaffen, eine rechtlich erhebliche Tat-
       sache unrichtig beurkundet Oder beurkunden lasst. Urkunden sind unter anderem
       Schriften, die bestimmt und geeignet sind, eine Tatsache von rechtlicher Bedeutung zu
       beweisen (Art. 110 Abs. 4 StGB). Bei der Falschbeurkundung geht es nur darum, dass
       die in der Urkunde enthaltene Erklarung nicht mit der Wahrheit ubereinstimmt, wobei
       nach allgemeiner Ansicht die einfache schriftliche Liige keine Falschbeurkundung
       darstellt. Nach Lehre und Rechtsprechung darf eine Falschbeurkundung (eine
       qualifizierte schriftliche Liige) nur angenommen werden, wenn allgemeingultige
       objektive Garantien die Wahrheit der Erklarung gewahrleisten (BGE 120 IV 202 f.). Mit
       Art. 253 Abs. 1 StGB (vgl. anschliessende Ziffer 11) wird die mittelbare
       Falschbeurkundung durch Urkundspersonen und Beamte speziell erfasst; die tatbe-
       standsmassige Handlung etspricht im Wesentlichen dem "Beurkunden lassen" nach
       Art. 251 StGB.

64
                                                                                          139
     Schubarth/Albrecht, a.a.O., N 17 zu Art. 167
65

     Schubarth/Albrecht, a.a.O., N 26 zu Art. 167
10.2    Zum Tatvorwurf vgl. vorstehend II Sachverhalt Ziffer 10 (S. 20 der Anklage). Die UBS
       AG bescheinigte im Zusammenhang mit der Grundung der Hospitality Gesellschaften,
       dass bei ihr gemass Art. 633 OR der Betrag von CHF 100'000.- zur Vollliberierung des
       Aktienkapitals in gleicher Hohe eingegangen sei und dieser Betrag nach erfolgter
       Publikation im SHAB iiber die Eintragung der Gesellschaft im Handelsregister oder nach
       Vorlage des Auszuges aus dem Handelsregister zur ausschliesslichen und freien
       VerfCigung der Gesellschaft gehalten werde (D 4/A/8/19, D 4/A/9/12, D 4/A/10/10).

10.3   Zur Grundung der Gesellschaften und ihrer Einordnung in die ISMM Gruppe ist
       Folgendes festzuhalten:

       Gemass Offentlicher Urkunde vom 27. Februar 2001 (D 4/A/8/10) wurde die ISL
       Hospitality AG durch die ISL International AG, Hans-Jiirg Schmid, Philippe Margraff und
       Hans-Peter Weber, alle vertreten durch Oliver P. Kronenberg, gegrundet. Die Aktien
       wurden wie folgt gezeichnet (Ziffer III der Urkunde):
        - ISL International AG: 97 Aktien
        - Hans-Jiirg Schmid: 1 Aktie
        - Philippe Margraff: 1 Aktie
        - Hans-Peter Weber: 1 Aktie

       Der Verwaltungsrat setzte sich aus folgenden Personen zusammen: Hans-Jiirg Schmid,
       Philippe Margraff und Hans-Peter Weber (Ziffer VI der Urkunde). Philippe Margraff,
       welcher in der ISMM Gruppe als Head of Football Departement (D 8/2/10) ab dem 17.
       Oktober 2000 im Group Management Board Einsitz nahm (D 8/2/12), erklarte am 1. Marz
       2001 seinen Rucktritt als Verwaltungsrat (D 4/A/8/8). Bis zur Konkurseroffnung vom 22.
       Juni 2001 waren Hans-Jiirg Schmid als Prasident und Hans-Peter Weber als Mitglied des
       Verwaltungsrats im Handelsregister eingetragen (D 4/A/8/2). Wie dem Organigramm
       (Status nach 21. Mai 2001) entnommen werden kann, handelte es sich bei der ISL
       International AG um eine Tochtergesellschaft der ISL Worldwide, bei der ISL Hospitality
       AG um eine solche der ISL International AG (D 4/A/8/16).

       Gemass Offentlicher Urkunde vom 6. Marz 2001 (D 4/A/9/10) wurde die ISL Hospitality
       (Japan) AG durch die ISL Hospitality AG, Hans-Jurg Schmid und Hans-Peter Weber, alle
       vertreten durch Oliver P. Kronenberg, gegrundet. Die Aktien wurden wie folgt gezeichnet
       (Ziffer III der Urkunde):
        - ISL Hospitality AG: 98 Aktien
        - Hans-Jiirg Schmid: 1 Aktie
        - Hans-Peter Weber: 1 Aktie

       Der Verwaltungsrat setzte sich aus folgenden Personen zusammen: Hans-Jiirg Schmid
       und Hans-Peter Weber (Ziffer VI der Urkunde). Bis zur Konkurseroffnung vom 22. Juni
       2001 waren Hans-Jiirg Schmid als Prasident und Hans-Peter Weber als Mitglied des
       Verwaltungsrats im Handelsregister eingetragen (D 4/A/9/2). Wie dem Organigramm
       (Status nach 21. Mai 2001) entnommen werden kann, handelte es sich bei der ISL
       Hospitality (Japan) AG um eine Tochtergesellschaft der ISL Hospitality AG (D 4/A/9/17).

      Die ISL Hospitality (Korea) AG wurde am gleichen Datum mit identischen Vorgaben
      wie bei der ISL Hospitality (Japan) gegrundet (D 4/A/10).
Der Verwaltungsrat der ISL (International) AG setzte sich am 27. Februar bzw. 6. Marz 2001
aus Jean-Marie Weber (VRP), Hans-Jiirg Schmid (MVR) und Hans-Peter Weber (MVR)
                                                                                               140
zusammen (D 4/A/4/1+2).

Im Uberblick konnen die neu gegrundeten Gesellschaften folgendermassen in die ISMM
Gruppe eingeordnet werden:




                          ISL Hospitality ISL Hospitality (Japan) AG (Korea) AG




10.4 Finanzieller Hintergrund im Zeitpunkt der Gesellschaftsariindungen:

10.4.1 Das Aktienkapital wurde am 26. und 27. Februar 2001 von der ISL Worldwide ab dem
       Konto Nr. 248-594050.01 P bei der UBS AG Luzern an die Gesellschaften in GrCindung
       uberwiesen (D 4/A/8/20, D 4/A/9/20, D 4/A/10/19). Der Zahlungsauftrag wurde durch
       Hans-Peter Weber und Hans-Jurg Schmid unterzeichnet (D 4/A/8/26). Die Grundungen
       erfolgten am 27. Februar (ISL Hospitality AG) und 6. Marz 2001 [ISL Hospitality (Japan)
       AG und ISL Hospitality (Korea) AG].

       Das Kapital floss am 21. Marz 2001 wieder auf das gleiche Konto an die ISL Worldwide
       zuruck (D 4/A/8/21, D 4/A/9/21, D 4/A/10/20). Der Zahlungsauftrag wurde durch Hans-
       Peter Weber und Hans-Jiirg Schmid unterzeichnet (D 4/A/8/27).

       Die Gesellschaften waren nicht operativ tatig (D 3/43, Ziffer 61, D 4/A/8/13). Am 22. Juni
       2001 wurde iiber sie der Konkurs eroffnet und das Verfahren mangels Aktiven einge
       stellt (D 4/A/8/2, D 4/A/9/2, D 4/A/10/2).

       Die untersuchungsrichterlichen Bankenabklarungen ergaben, dass bei der UBS je ein
       Kapitaleinzahlungskonto bestand, jedoch keine weiteren Konti gefuhrt wurden. Der
       Kapitalriickfluss an die ISL Worldwide erfolgte demzufolge ab den Kapitaleinzahlungs-
       konten (D 4/A/8/22, Ziffer 2+3).

10.4.2 Wie dargestellt, war die ISMM Gruppe im Zeitpunkt der Gesellschaftsgrundungen uber


schuldet und illiquid.

Mit Bezug auf die einzelnen Gesellschaften ergibt sich zusammengefasst folgendes Bild:
                                                                                              141

ISMM AG: 31.12.2000

Gewinn oder Verlust kumuliert / Ergebnis vom 1.01. bis 31.12.2000         Verlust

Uberschuldet                                                              Ja

Illiquid                                                                  Ja

Per 31.12.2000 erzielte die ISMM AG einen Jahresverlust von CHF -443'173'000.~ bei einem
negativen Eigenkapital von CHF -121'847'000.- (D 7/D/1, Ziffer 5.6.1, Seite 20 und Ziffer 5.6.2,
Seite 27+28). Die Gesellschaft war illiquid. D.h. die bereits verfallenen Verpflichtungen
iiberstiegen die vorhandenen Mittel erheblich (D 7/D/1, Ziffer 5.6.3, Seite 28+29)



ISL Worldwide:

31.12.2000

Gewinn oder Verlust kumuliert/Ergebnis vom 1.01. bis 31.12.2000 Verlust

Uberschuldet Ja

Illiquid Ja


Per 31.12.2000 erzielte die ISL Worldwide einen Jahresverlust von CHF -421'017'000 (D 7/D/1,
Ziffer 5.7.1, Seite 30) bei negativen Eigenkapital von CHF -318'079'000.-- (D 7/D/1, Ziffer 5.7.2,
Seite 31). Die Gesellschaft war illiquid (D 7/D/1, Ziffer 5.7.3, Seite 32)

ISL (International) AG:

31.12.2000

Uberschuldet Ja

Illiquid Ja


Per 31.12.2000 erzielte die ISL (International) AG einen Jahresverlust von CHF 28'944'407.-- (D
6/3/1/8) bei einem negativen Eigenkapital von CHF -27'892'286.-. Sie war im Zeitpunkt der
Konkurseroffnung illiquid (D 4/A/4/16, S. 2, „keine liquiden Aktiven"). Wohl hatte die ISL
(International) AG substantielle Beteiligungen, welche aber erst im Rahmen des
Konkursverfahrens verkauft wurden (D 4/A/4/21).
10.5 Die buchhalterische Erfassung des Aktienkapitals

10.5.1 Den Buchhaltungsauszugen kann entnommen werden, dass der Eingang des Aktien-
      kapitals bei alien drei Gesellschaften gleich gebucht wurde, namlich auf dem Konto
      121100 Trade receivable group companies (Handelsguthaben gegenuber Gruppenge-
      sellschaften). Stellvertretend kann auf die diesbeziigliche Erfassung bei der ISL
      Hospitality AG verwiesen werden (D 4/A/8/15). Am 26. Februar 2001 erhielt die ISL
      Hospitality AG in Grundung die „Kapitaleinzahlung fiir Griindung" von CHF 100'000.--
      vergutet (D 4/A/8/20). Der Eingang wurde nicht etwa mit dem Buchungssatz Bank an
      Aktienkapital, sondern mit dem Datum der Zahlung und damit noch vor der Grundung mit
      dem Buchungssatz Debitoren an Aktienkapital erfasst.

Das Aktienkapital der Gesellschaften floss nach deren Grundung am 21. Marz 2001 an die ISL
Worldwide zuruck. Diese Zahlung hatte buchhalterisch mit dem Buchungssatz Debitoren (oder
Darlehen) an Bank erfasst werden miissen. Der mit Datum der Zahlung
                                                                                                    142
(21. Marz 2001) angewandte Buchungssatz lautete aber „Aktienkapital an Debitoren" und
neutralisierte die Buchung vom 26. Februar 2001. Gemass den beiden Buchungen vom 26.
Februar und 21. Marz 2001 hatte die ISL Hospitality AG im letztgenannten Zeitpunkt weder
Aktiven noch Passiven - aber auch kein Aktienkapital mehr.

Die zwar unter rechtlichen Gesichtspunkten unmoglichen Buchungen indizieren, dass aber nie
die Absicht bestand, das Aktienkapital den neugegriindeten Gesellschaften zur Verfugung zu
stellen bzw. schon vor der Grundung beschlossen war, das Aktienkapital zuriickfliessen zu
lassen. Unmoglich deshalb, weil die Bilanzierung des Aktienkapitals zwingend mit jenem
gemass Handelsregister ubereinstimmen muss. Eine Ausbuchung ware nur bei einer
Liquidation moglich gewesen.


10.5.2 Im Rahmen der drei Konkursverfahren wurden folgende Stati eingereicht:

ISL Hospitality AG (D 4/A/8/14):
Aktiven                                                                      CHF

Beteiligungen
ISL Hospitality (Japan) AG                                               100'000.00
ISL Hospitality (Korea) AG                                               100'000.00
Wertberichtigung Beteiligungen                                           -200'000.00
Total AnlagevermOgen                                                        0.00
Total Aktiven                                                               0.00

Passiven

Verbindlichkeiten gegenuber ISL Worldwide                                 100'000.00
Total Fremdkapital                                                        100'000.00
Aktienkapital                                                             100'000.00
Bilanzgewinn
Jahresgewinn                                                              -200'000.00
                                                                          -200'000.00
Total Eigenkapital                                                      -lOO'OOO.OO
Total Passiven                                                               0.00

                                 ISL Hospitality (Japan) AG (D 4/A/9/15):

Aktiven                                                                     CHF

Forderung gegenuber ISL Worldwide 100'000.00 Wertberichtigung Forderung -100'000.00 Total Umlaufvermogen
0.00 Total Aktiven 0.00

Passiven


Verbindlichkeiten gegenuber ISL Worldwide                           100'000.00
Total Fremdkapital                                                  100'000.00
Aktienkapital                                                       100'000.00
Bilanzgewinn
Jahresgewinn                                                        -100'000.00
                                                                    -100'000.00
Total Eigenkapital                                                  0.00
Total Passiven                                        -100'000.00   100'OOQ.OO

ISL Hospitality (Korea) AG (D 4/A/10/13):

Aktiven                                                                     CHF
                                                                                                                        143
Forderung qegeniiber ISL Worldwide 100'000.00 Wertberichtigunq Forderunq -100'000.00
Total Umlaufvermogen 0.00 Total Aktiven 0.00

Passiven

Verbindlichkeiten qeqenuber ISL Worldwide 100'000.00 Total Fremdkapital 100'000.00
Aktienkapital 100'000.00 Bilanzgewinn Jahresgewinn -100'000.00
                                                            -100'000.00 Total Eigenkapital
0.00 Total Passiven -100'000.00 100'OOQ.OO


Hans-Juro Schmid erklarte bei der Befragung durch das Konkursamt, dass die ISL Hospitality
AG gegenuber der ISL Worldwide ein Darlehensguthaben von CHF 100'000.
       - gehabt habe (D 4/A/8/13). Diese Feststellung betreffe nur die ISL Hospitality AG,
welche je eine Beteiligung an der ISL Hospitality (Japan) AG und ISL Hospitality (Korea) AG von
je CHF 100'000.- gehabt habe. Diese Beteiligungen mussten jedoch als Nonvaleur bezeichnet
werden. Dem im Rahmen des Konkursverfahrens eingereichten Status per 21. Mai 2001 (ISL
Hospitality AG) kann entnommen werden,
       -      dass unter den Aktiven die vorerwahnten Beteiligungen wertberichtigt wurden (D
4/A/8/14), und unter den Passiven eine Verbindlichkeit gegeniiber der ISL Worldwide von CHF
lOO'OOO.- ausgewiesen wird;
       -      dass im Status betreffend die ISL Hospitality (Japan) AG unter den Aktiven eine
auf 0 wertberichtigte Forderung gegenuber der ISL Worldwide von CHF 100'000.~

           angegeben wurde und unter den Passiven eine Verbindlichkeit gegeniiber der ISL
           Worldwide von CHF lOO'OOO.- (D 4/A/9/15);

      -     dass der Status betreffend die ISL Hospitality (Korea) AG mit jenem betreffend die
           ISL Hospitality (Japan) AG identisch ist(D 4/A/10/13).

      Mit Bezug auf die ISL Hospitality AG und ihre beiden Beteiligungen gab Hans-Jiirg
      Schmid bei der Einvernahme vom 6. Februar 2004 sinngemass an, dass es bei diesen
      zwei Tochtergesellschaften kein Riickfluss gewesen sei, sondern eine Darlehens-
      gewahrung innerhalb der Gruppe (D 3/43, Ziffer 63). Auf die Frage, warum unter den
      Aktiven keine Forderung gegenuber der ISL Worldwide angefuhrt sei, gab er an,

           dass er vermute, dass die ISL Worldwide CHF 100'000.-- gegeben habe fiir die Griindung durch die ISL
           International AG und dann nochmals CHF lOO'OOO.- direkt an die ISL Hospitality. In jenem Zeitpunkt habe
           Letztere CHF 200'000.-- cash gehabt (CHF lOO'OOO.- Aktienkapital und CHF 100'000.~ Schuld gegenuber der
           ISL Worldwide). Der nachste Schritt sei die Grundung der zwei Tochtergesellschaften mit je CHF 10O'OOO.--
           Aktienkapital gewesen und diese Tochtergesellschaften hatten die Mittel als kurzfristiges Darlehen an die ISL
           Worldwide gewahrt, weil sie zur Zeit noch nicht aktiv gewesen seien und diese Mittel demnach noch nicht benotigt
           hatten (D 3/43, Ziffer 64). Darauf wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Zwecks Klarstellung: Bei der Einvernahme
           im Rahmen des Konkursverfahrens haben Sie unter "Guthaben" jenes gegeniiber der ISL Worldwide angegeben,
           welches jedoch nur die ISL Hospitality AG betreffe. Sie haben vorhin gesagt, dass die Tochtergesellschaften die
           Mittel als kurzfristiges Darlehen der ISL Worldwide gewahrt hatten. Hatte so gesehen nicht auch ein
           Darlehensguthaben der beiden Tochtergesell-schaften bestanden? Darauf gab er an, dass er nicht mehr wisse, ob
           die Tochtergesellschaften der ISL Worldwide das Darlehen direkt gewahrt hatten oder ob es iiber die ISL
           Hospitality AG gewahrt worden sei (D 3/43, Ziffer 65). Nachdem ihm der Status betreffend die ISL Hospitality
           (Japan) AG und der ISL Hospitality (Korea) AG vorgelegt wurden, gab er an dass sich seine Ausfuhrungen
           bestatigen wiirden, wonach es sich um ein ..kurzfristiges Intercompany Darlehen" an die ISL Worldwide handle (D
           3/43, Ziffer 68+71). Nach Vorlage des Status per 21. Mai 2001 der ISL Hospitality (Japan) AG (4/A/9/15) und die
           Frage warum unter den Passiven eine Verbindlichkeit gegeniiber der ISL Worldwide iiber CHF lOO'OOO.-
           angefuhrt sei, gab er an, dass er das so nicht verstehe. Seiner Meinung nach sei das nicht richtig (D 3/43, Ziffer
           68+69).




10.6 Gestutzt auf die Beweiserhebungen steht somit fest, dass

           das Aktienkapital kurz nach Griindung der Hospitality Gesellschaften an die ISL
                                                                                            144
           Worldwide zuriickfloss,

           diese im Zeitpunkt der Zurverfugungstellung und des RCickflusses des Kapitals
           uberschuldet und illiquid war,

      -      die finanzielle Situation der ISL Worldwide die Riickzahlung des von Hans-Jiirg
Schmid als kurzfristiges Darlehen bezeichneten Kapitals nicht auf erstes Verlangen hin moglich
gewesen ware,
      -      fur die Hospitality Gesellschaften keine Geschafts- sondern lediglich Kapitalein-
zahlungskonten errichtet wurden,
      -      die Hospitality Gesellschaften nie operativ tatig waren und
      -      die Art der Ein- und Ausbuchung des Aktienkapitals indiziert, dass nicht die
Absicht bestand, den gegriindeten Gesellschaften das Aktienkapital zur freien Verfugung zu
uberlassen.

10.7    Unrichtig beurkundet ist eine Urkunde dann, wenn der wirkliche und der beurkundete
       Sachverhalt nicht ubereinstimmen. Im vorliegenden Fall steht auf Grund der Unter-
       suchung fest, dass die von der UBS AG Luzern am 26. und 28. Februar 2001 jeweils
       bescheinigte Tatsache, wonach die auf dem Aktienliberierungskonto gutgeschriebenen
       CHF lOO'OOO.-- nach Eintrag im Handelsregister zur ausschliesslichen und freien Ver-
       fugung der Gesellschaft gehalten werde, offensichtlich falsch war. Denn die ent-
       sprechenden Gelder wurden von ISL Worldwide zwecks Grundung der drei genannten
       Gesellschaften planungsgemass bloss kurz zur Verfugung gestellt und nach den Griin-
       dungen wieder zuruckiiberwiesen. Die Einzahlung des gesamten Aktienkapitals erfolgte
       mithin bloss zum Schein. Selbst wenn der Ruckfluss als Darlehen deklariert wurde, ver-
       mag dies am Gesagten nichts zu andern. Faktisch lag eindeutig eine Riickzahlung des
       Aktienkapitals vor, und die Gelder standen entgegen dem beurkundeten Sachverhalt den
       ISL Hospitality-Gesellschaften eben nicht zur freien Verfugung, zumal allfallige
       Darlehensforderungen vor dem Hintergrund der finanziellen Rahmenbedingungen der
       Darlehensgeberin als Nonvaleur betrachtet werden mussten. Waren die behaupteten
       Kapitaleinzahlungen im Resultat aber bloss fingiert, erweisen sich die eingangs ge-
       nannten Bestatigungen materiell als falsch, so dass der objektive Tatbestand von Art.
       251 Ziff. 1 StGB an sich erfullt ist.

       Ein den Rechtstypus der Aktiengesellschaft charakterisierender Grundzug ist die fehlen
       de personlich Haftung der Gesellschafter. Dies zwang den Gesetzgeber zum Erlass
       besonderer Kapitalschutzbestimmungen. Die Griindung der Gesellschaften erforderte,
       dass bei der Errichtung der Griindungsurkunden der Urkundsperson jeweils eine Be
       scheinigung der Depositenstelle vorlag, wonach der gesetzliche oder ein statutarisch
       festgesetzter hoherer Betrag auf jede Aktie zur freien Vefugung der Gesellschaft bei der
       Depositenstelle hinterlegt war. Die Beweisbestimmung und Beweiseignung der Bank
       bescheinigungen kann grundsatzlich nicht in Frage gestellt werden. Allerdings erbringen
       sie nur Beweis dafiir, dass die jeweilige Zahlung auf dem Konto hinterlegt worden ist
       und die Bank den jeweiligen Betrag erst nach erfolgter Eintragung im Handelsregister
       freigibt. Uber den Rechtsgrund der Zahlung und den Willen der Griinder, ihrer Liberie
       rungspflicht nachzukommen, sagen sie indes nichts aus. Jedenfalls kommt insofern den
       Bescheinigungen keine erhohte Glaubwiirdigkeit zu. Die Depositenbescheinigungen
       weisen demzufolge im Resultat keine Urkundenqualitat auf (vgl. auch BGE 6P. 128/2001
       bzw. 6S.512/2001, je Erwagung 7). Falschbeurkundungen nach Art. 251 StGB sind
       daher zu verneinen, und dies fuhr zum Antrag, die Beschuldigten seien vom Vorwurf
       der mehrfachen Urkundenfaischung freizusprechen.
                                                                                              145
11.    Unwahre Angaben iiber kaufmannische Gewerbe und Erschleichung von
       Falschbeurkundunqen (ISL Hospitality AG. ISL Hospitality (Japan) AG und ISL
       Hospitality (Korea) AG


11.1    Nach Art. 152 StGB macht sich strafbar, wer als Grunder, als Inhaber, als unbeschrankt
       haftender Gesellschafter, als Bevollmachtigter oder als Mitglied der Geschaftsfuhrung,
       des Verwaltungsrates, der Revisionsstelle oder als Liquidator einer Handelsgesellschaft,
       Genossenschaft oder eines andern Unternehmens, das ein nach kaufmannischer Art
       gefuhrtes Gewerbe betreibt, z.B. in offentlichen Bekanntmachungen unwahre oder
       unvollstandige Angaben von erheblicher Bedeutung machen lasst, die einen andern zu
       schadigenden Vermdgensverfugungen veranlassen konnen.

       Gemass Art. 253 StGB wird bestraft, wer durch Tauschung bewirkt, dass ein Beamter
       oder eine Person offentlichen Glaubens eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig
       beurkundet, namentlich eine falsche Unterschrift oder eine unrichtige Abschrift be-
       glaubigt, bzw. wer eine so erschlichene Urkunde gebraucht, um einen andern iiber die
       darin beurkundete Tatsache zu tauschen. Bei Art. 253 StGB handelt es sich um eine
       Falschbeurkundung, welche durch mittelbare Taterschaft begangen wird, d.h. dadurch,
       dass der Tater die Falschbeurkundung nicht selbst begeht, sondern den andern
       (Tatmittler) tatherrschaftlich zur Ausfiihrung der tat benutzt. Nicht Art. 251 StGB sondern
       eben Art. 253 StGB gelangt zur Anwendung, wenn der Tatmittler ein Beamter oder eine
       Person offentlichen Glaubens ist. Die objektiven Tatbestandselemente bestehen im
       Bewirken einer unrichtigen, d.h. inhaltlich unwahren Beurkundung rechtlich erheblicher
       Tatsachen durch Tauschung (BGE 110 IV 240 ff., 117 IV 181 ff.).


11.2   Erschleichung falscher Beurkundunoen

11.2.1 Bezuglich des        Tatvorwurfs vgl. II Sachverhalt Ziffer 11 (S. 20 der Anklage). Im
       jeweiligen notariellen Errichtungsakt vom 27. Februar bzw. 6. Marz 2001 erklarten die
       beschuldigten Grunder, dass die einbezahlten Betrage von je CHF lOO'OOO.- zur freien
       Verfiigung der Gesellschaften stehen wiirden. Dies entsprach jedoch, wie bereits
       festgehalten (vgl. die Ausfiihrungen zum Vorwurf der Falschbeurkundung), nicht den
       Tatsachen, war wahrheitswidrig. Damit wurde aber der Notar Urs Neuenschwander vom
       Notariat Fluntem-Ziirich (eine Person offentlichen Glaubens), welcher die
       Grundungsurkunden mit Bezug auf die ISL Hospitality AG, ISL Hospitality (Japan) AG
       und ISL Hospitality (Korea) AG errichtete (D 4/A/8/10, D 4/A/9/10, D 4/A/10/8) getauscht
       und zu einer unrichtigen Verurkundung der Griindungen veranlasst. Denn die
       Urkundsperson war nicht dariiber informiert, dass die Erklarungen nicht den Tatsachen
       entsprachen. Der objektive Tatbestand der mehrfachen Erschleichung einer falschen
       Beurkundung ist somit erstellt.
11.2.2 Anschliessend an die notariellen Verurkundungen wurden die genannten Gesellschaften
       beim Handelsregisteramt angemeldet. Wie den Handelsregisterauszugen entnommen
       werden kann (D 4/A/8/2, D 4/A/9/2, D 4/A/10/2), fanden die vom Notaren verurkundeten
       und eintragungspflichtigen Tatsachen Eingang in das Handelsregister. Der Registerfiihrer
       - ein Beamter im Sinne des Gesetzes - verurkundete im Register bei der Eintragung die
       Hohe des Grundkapitals und des darauf einbezahlten Betrages, d.h. jeweils CHF
       lOO'OOO.- und voile Liberierung. Die Handelsregistereintrage enthielten wiederum
       eine unwahre Angabe, den die Einzahlungen waren nicht zur wirklichen Schaffung eines
                                                                                             146
         Grundkapitals vorgenommen worden. Durch die mittels Tauschung des
         Registerfuhrers erreichten Eintragungen der Aktiengesellschaften wurden mithin noch-
                                                66
         mals falsche Beurkundungen erschlichen .

11.2.3 In subjektiver Hinsicht verlangt der Tatbestand von Art. 253 StGB Vorsatz und Tau-
      schungsabsicht. Die Beschuldigten wussten im Zeitpunkt der Grundungen und danach,
      dass das Aktienkapital nur zum Schein - zur formellen Griindung - zur Verfiigung stand
      und danach wieder an die ISL Worldwide zuriickfliessen wiirde, um damit Verbind-
      lichkeiten der ISL Worldwide und anderer Gruppengesellschaften zu decken. Auch
      wussten sie, dass der als Darlehen deklarierte Ruckfluss ungesichert erfolgte. Auf Grund
      ihrer Ausbildung kannten sie aber die Kapitalschutzbestimmungen zumindest dem
      Grundsatz nach, wussten dass man Aktienkapital nicht einfach so (kurz nach der
      Grundung) ausleihen durfte. Dennoch veranlassten sie die Beurkundungen und wollten
      die Adressaten iiber die wahren Gegebenheiten tauschen.


11.3     Unwahre Angaben iiber kaufmannische Gewerbe

         Durch die nachfolgenden Publikationen etwa im Schweizerischen Handelsamtsblatt
                                                                         67
         (SHAB) wurden die unwahren Angaben offentlich bekannt gemacht , wobei die Verant-
         wortlichen in Kauf nahmen, dass die falschen Angaben einen Dritten zu schadigenden
         Vermogensverfiigungenn veranlassen konnte.


12.      Nunca Stiftung - Sunbow S.A. Komplex / Vorqaben zur rechtlichen Qualifikation
         gemass Ziffer 13-16 nachfolgend


12.1     Einleitung

         Am 3. Mai 1999 erteilte die Sporis Holding AG, vertreten durch Jean-Marie Weber und
         Hans-Peter Weber, der BNP Banque Nationale de Paris (Suisse) S.A. einen Vergii-
         tungsauftrag iiber CHF 36'130'220.05 (D 23/28). Der Betrag wurde dem Konto Nr.
         68,528-8.0001, lautend auf Sporis Holding AG, mit Valuta 27. Mai 1999 belastet (D
         23/29). Mit gleicher Valuta wurde der Betrag dem CHF Konto Nr. 193.223.31, lautend auf
         Sunbow S.A., bei der LGT Bank in Liechtenstein gutgeschrieben (D 25/19/3).

66

     Trechsel, a.a.O., N 17 zu Vor Art. 251: Dem Handelsregister kommt Urkundencharakter zu
67

      Kesselbach, a.a.O., 199, vgl. auch Trechsel, a.a.O. N 5 zu Art. 153 Am 6. Juni 2000 und 27.
      Juli 2000 iiberwies die Sunbow S.A. an die ISL Marketing AG bzw. ISL Worldwide CHF
      15'000'000.- bzw. CHF 3'000'000.- (D 25/19/93 und D 25/19/109). Diese Zahlungen wurden
      vorerst bei der ISL Worldwide und spater bei der ISMM AG als Aktionarsdarlehen und davon
      letztlich CHF 17'000'000.- als Forderungsverzicht der Aktionare gebucht (D 24/35, vgl. auch
      D 24/37). Am 11. Oktober 2000 und
          8. Januar 2001 uberwiesen die ISMM AG bzw. die ISL Worldwide je CHF 500'000.-- an
          die Sunbow S.A. (D 25/19/113 und D 25/19/119).

         Bezuglich der sich bei dieser Ausgangslage ergebenden Fragestellung sowie zum Aus-
         sageverhalten der Beschuldigten: vgl. die Bemerkungen des Untersuchungsrichters auf
         S. 222 (oben) der Uberweisungsverfiigung.
                                                                                                  147
12.2 Nunca Stiftung

       Gemass Stiftungsurkunde vom 17. Dezember 1998 errichtete die Shelter Trust Anstalt
       Vaduz unter dem Namen Nunca eine Stiftung im Sinne von Art. 552 des liechtenstei-
       nischen Personen- und Gesellschaftsrechts. Das Stiftungskapital betrug CHF 50'000.--.

       Als Mitglieder des Stiftungsrats mit Kollektivzeichnungsrecht zu Zweien wurden Veit
       Frommelt, Christoph P. Malms, Pierre L. Woog und Hans-Jiirg Schmid bestellt (D 25/4/5).
       Reprasentantin der Stiftung war die Shelter Trust Anstalt (D 25/4/11), welche die Stiftung
       am 17. Dezember 1998 beim Offentlichkeitsregisteramt Vaduz unter Beilage der
       Statuten, der Stiftungsurkunde, der Annahmeerklarungen und der Publikationsbewil-
       ligung anmeldete (D 25/4/3).

       Zweck der Stiftung war insbesondere die Anlage und Verwaltung des Stiftungsvermo-
       gens sowie die Verteilung der Reinertrage und des Stiftungsvermogens an bestimmte
       oder bestimmbare Begiinstigte (Ziffer 3 der Statuten: D 25/4/4). Gemass den Beistatuten
       vom 18. Dezember 1998 waren die Erstbegiinstigten der Stiftung Suzanne Dassler,
       Adolphe Dassler und die Greenvale Limited, Nassau/Bahamas (D 25/10/12).

       Die Verwaltung der Stiftung und ihre Vertretung wurde vom Stiftungsrat wahrgenommen
       (Ziffer 6 der Statuten: D 25/4/4). Am 6. August 2001 erklarte Pierre L. Woog mit sofortiger
       Wirkung seine Demission als Stiftungsrat (D 25/4/28 / vgl. die danach ausgestellte
       Amtsbestatigung betreffend den Stiftungsrat: D 25/4/31).

       Mit Eingabe vom 11. November 2003 stellte die Nunca Stiftung, vertreten durch Hans-
       Jiirg Schmid und Veit Frommelt, einen Antrag auf Eroffnung des Konkursverfahrens
       wegen Zahlungsunfahigkeit und Uberschuldung (D 25/4/45). Der Antrag wurde am 17.
       November 2003 mangels eines voraussichtlich hinreichenden Vermogens der Schuld-
       nerin zur Deckung der Kosten des Konkursverfahrens abgewiesen, die Stiftung aufge-
       hoben und ihre Rechtspersonlichkeit als erloschen erklart (D 25/4/46).


12.3 Sunbow S.A.

       Die Sunbow S.A wurde am 1. Dezember 1997 auf den British Virgin Islands gegrundet
       und im Register eingetragen (D 25/9/4 ff, D 25/9/9). Der Zweck war gemass Ziffer 4 der
       Grundungsurkunde ein umfassender (vgl. dazu D 25/9/4). Das Aktienkapital betrug USD
       1'000." und war in 100 Aktien eingeteilt (Ziffer 8 der Grundungsurkunde). Erster Ver
waltungsrat der Gesellschaft war gemass der Erklarung vom 2. Dezember 1997 die CTF Corporation
LTD (D 25/9/12). Sie wurde jahrlich mit USD 1 '100.-- entschadigt (D 25/9/25). Der Erklarung der CTF
vom 9. Januar 1998 kann u.a. entnommen werden, dass samtliche Aktien von Hans-Jiirg Schmid
gehalten wurden (D 25/9/17). Am 8. Februar 1999 ubertrug er sie auf die Nunca Stiftung, welche von
Veit Frommelt und Christoph Malms vertreten wurde (D 25/9/63, vgl. auch das Aktienregister: D 25/9/62
und die Aktienzertifikate: D 25/9/65).

Mit Beschluss vom 26. Marz 1999 ging das Verwaltungsratsmandat von der CTF Corporation LTD auf
Georg Kieber (Interadvice Vaduz) iiber (D 25/9/38 und 49). Am 5. Mai 1999 schlossen die Nunca Stiftung
und Georg Kieber einen Mandatsvertrag, in welchem u.a festgehalten ist, dass Georg Kieber zum
Verwaltungsrat der Sunbow S.A. ernannt worden sei und dieses Mandat gemass den Instruktionen der
Nunca Stiftung auszufiihren habe (D 25/9/61).

Eine Aktennotiz der Interadvice Vaduz nimmt Bezug auf einen Besuch von Jean-Marie Weber vom 23.
Marz 1999, der zusammengefasst folgendes erklart haben soil,

       dass er die ISL Gruppe vertrete,

       dass die Sporis Holding AG zu 100 % im Eigentum der Familie Dassler sei,
                                                                                                       148
         dass die ISL Gruppe in Erwagung ziehe, in einigen Jahren an die Borse zu gehen,

         dass die Bilanzen der Gesellschaften per 31. Dezember 1998 ruckwirkend bereinigt
         werden sollten mit dem Ziel, die Bilanz von familieninternen Verbindlichkeiten zu
         bereinigen,

         dass momentan eine Verbindlichkeit der Sporis Holding AG gegen die Sunbow AG von ca.
         CHF 40'000'000.~ bestehe,

         dass dieser Betrag nun effektiv fliessen solle und in der Sporis Bilanz in eine
         Bankverbindlichkeit umgewandelt werde,

         dass es sich bei den Begunstigten der Nunca Stiftung um dieselben handle wie bei der Sporis
         Holding (D 25/9/32).


Am 23. Mai 2001 ersuchte die Nunca Stiftung die Interadvice Anstalt, die Sunbow S.A. zu liquidieren und
einen allfalligen Liquidationserlos auf das Konto der Nunca Stiftung zu ubertragen. Die Nunca Stiftung
wurde von Veit Frommelt und Hans-Jurg Schmid vertreten (D 24/12).

Die Sunbow S.A. gehorte zu 100% der Nunca Siftung bzw. wurde bei dieser als Beteiligung gebucht (D
24/5).

Weder die Nunca Stiftung noch die Sunbow S.A. waren in den Organigrammen der ISMM Gruppe
aufgefuhrt (D 8/2/1, D 8/2/2, D 8/2/4, D 8/2/5). Sie fanden auch nicht Eingang in die konsolidierten
Bilanzen (D 8/4/5 und 13).
12.4 Geldfluss

         Am 19. Februar 1999 wurde bei der LGT Bank in Liechtenstein das CHF-Konto
         0150649AA, lautend auf Nunca Stiftung, eroffnet (D 25/5/10), auf welchem die Stif-
         tungsrate kollektiv zu zweit unterschriftberechtigt waren (D 25/5/6). Gemass den ver-
         schiedenen Bankformularen wurden Suzanne und Adolphe Dassler sowie die Greenvale
         Ltd. als an den Vermogenswerten wirtschaftlich berechtigt bezeichnet (D 25/3/3 ff). Auf
         dem Bankenformular „Hintergrundinformationen/Profil-Bestehende Kunden" vom 7.
         September 2001 wird unter der Rubrik Herkunft der Vermogenswerte folgendes fest-
         gehalten: ..seinerzeit Uebertragung der Vermogenswerte von der Sporis AG". Unter
         Beruf und Geschaftstatigkeit der wirtschaftlich berechtigten Person steht folgendes:
         ..Beteiligung an der Fa. Adidas Sportartikelhersteller / Hausfrau" (D 25/5/9).

         Am 13. April 1999 stellte die Sunbow S.A., vertreten durch Georg Kieber, bei der Liech-
         tensteinischen Landesbank Vaduz einen Antrag zur Eroffnung einer Bankverbindung (D
         25/18/5). Jean-Marie Weber, Hans-Peter Weber und Georg Kieber waren auf den in der
         Folge eroffneten Konten kollektiv zu zweit zeichnungsberechtigt (D 25/18/3).

         Auf dem CHF Konto Nr. 193.223.31, lautend auf Sunbow S.A., gingen zwischen dem
         27. Mai 1999 bis 8. Januar 2001 folgende Betrage ein:

Valuta        Herkunft der Zahlung   Auftraggeber       Betrag in CHF   Act.
                                     der Zahlung

27.05.1999    Sporis Holding AG      JMW/HPW            36'130'220.05          25/19/3,23/28
11.10.2000    ISMM AG                e-banking             500'000.00             25/19/113
08.01.2001    ISL Worldwide          e-banking             500'000.00             25/19/119

              Total:                                    37'130'220.05

Dem gleichen Konto wurden zwischen dem 3. Juni 1999 und 15. Januar 2001 folgende
Betrage belastet:
                                                                                                                       149
Valuta        Empfanger der Zahlung               Auftraggeb     Betrag in CHF          Betrag in           Act.
                                                    erder                                  USD.
                                                   Zahlung

03.06.1999    G. Renggli/Sicuretta Anstalt        JMW/HPW         1 '550'000.00                         25/19/6
23.06.1999    HPW/Renford Investments             JMW/HPW            775750.00        500'000.00        25/19/9
              LTD./Check
28.06.1999    Von Aesch und Zarn/Taora            JMW/HPW           386'875.00        250'000.00       25/19/13
              Anstalt
14.07.1999    G. Renggli/Sicuretta Anstalt        JMW/HPW         1'650'000.00                         25/19/17
03.08.1999    CTF Corporation LTD                 JMW/HPW             3'691.55          2'461.04       25/19/22
22.09.1999    Von Aesch und Zarn/Taora            JMW/HPW           386'250.00        250'000.00       25/19/26
              Anstalt
22.09.1999    Von Aesch und Zarn/Taora            JMW/HPW           386'250.00        250'000.00       25/19/27
              Anstalt
04.11.1999    HPW/Renford Investments             JMW/HPW           460'440.00        300'000.00       25/19/32
              LTD./Check
04.11.1999    HPW/Renford Investments             JMW/HPW           460'440.00        300'000.00       25/19/32
              LTDVCheck
08.11.1999    Von Aesch und Zarn/Taora            JMW/HPW           184'656.00        120'000.00       25/19/34
              Anstalt

             26.11.1999   Gilmark Holdings Inc.                JMW/HPW        1 '000'000.00                           25/19/37
             15.12.1999   Interadvice Anstalt                  JMW/HPW            12'147.20                           25/19/38
             15.12.1999   Jean-Marie Weber                     JMW/HPW         100'000.00                             25/19/39
             22.12.1999   G. Renggli/Sicuretta Anstalt         JMW/HPW          429246.00              270'000.00     25/19/43
             23.12.1999   HPW/A. Ndolanga/Check                JMW/HPW          15'975.00               10'000.00     25/19/45
             19.01.2000   Gilmark Holdings Inc.                JMW/HPW      1 'OOO'OOO.OO                             25/19/52
             20.01.2000   Merrill Lynch                        JMW/HPW          799750.00              500'000.00     25/19/54
             20.01.2000   Nicolas Leoz                         JMW/HPW          159950.00              100'000.00     25/19/55
             20.01.2000   G. Renggli/Sicuretta Anstalt         JMW/HPW         431 '865.00             270'000.00     25/19/56
                                                                                                                1
             07.02.2000   Von Aesch und Zarn/Taora             JMW/HPW        1 '654'800.00                           25/19/58
                                                                                                    'OOO'OOO.OO
                          Anstalt
             07.02.2000   G. Renggli/Sicuretta Anstalt         JMW/HPW            364'870.00           220'000.00     25/19/59
             23.02.2000   Amicorp B.V.I. Limited               JMW/HPW              701.25                 430.20     25/19/63
             10.03.2000   G. Renggli/Sicuretta Anstalt         JMW/HPW            534'400.00           320'000.00     25/19/64
             10.03.2000   Von Aesch und Zarn/Taora             JMW/HPW            835'000.00           500'000.00     25/19/65
                          Anstalt
             29.03.2000   BNP Banque Nationale de              JMW/HPW            125'035.00                          25/19/69
                          Paris (CH) Nicolas Leoz Von

  C      04.05.2000
         08.05.2000
                          Aesch und Zarn/Taora
                                                               JMW/HPW
                                                               JMW/HPW
                                                                                     51 '675.00
                                                                                    866'500.00
                                                                                                        30'000.00
                                                                                                       500'000.00
                                                                                                                      25/19/77
                                                                                                                      25/19/83
                          Anstalt
         04.05.2000       HPW/Renford Investments              JMW/HPW              868'000.00         500'000.00     25/19/79
                          LTD./Check
         15.05.2000       G. Renggli/Sicuretta Anstalt         JMW/HPW              466'803.00         270'000.00     25/19/85
         31.05.2000       Gilmark Holdings Inc.                JMW/HPW              500'000.00                        25/19/89
         02.06.2000       Von Aesch und Zarn/Taora             JMW/HPW              422'875.00          250000.00     25/19/91
                          Anstalt
         06.06.2000       ISL Marketing AG                     JMW/HPW            15'000'000.00                       25/19/93
         27.06.2000       Gilmark Holdings Inc.                JMW/HPW              500'000.00                        25/19/97
         05.07.2000       Organisa for General Trading         JMW/HPW              409'650.00         250'000.00    25/19/102
         19.07.2000       G. Renggli/Sicuretta Anstalt         JMW/HPW              446'040.00         270'000.00    25/19/104
         21.07.2000       Amicorp B.V.I. Limited               JMW/HPW                 2'347.05          1 '390.84   25/19/106
         27.07.2000       ISL Worldwide                        JMW/HPW             3'000'000.00                      25/19/109
         31.07.2000       ISL Worldwide                        JMW/HPW                33'532.00          20200.00    25/19/108
         27.07.2000       ISL Worldwide                        JMW/HPW                33'600.00                      25/19/111
         16.10.2000       Gilmark Holdings Inc.                JMW/HPW              500'000.00                       25/19/115
                                                                                                                      150
       28.11.2000        Jean-Marie Weber                     JMW/HPW                90'000.00                      25/19/117
       15.01.2001        Gilmark Holdings Inc.                JMW/HPW              500'000.00                       25/19/121
                         Total:                                                 37'399'114.05

Die Zahlungen gingen zusammengefasst an folgende natiirliche u. juristische Personen:

CHF 5'873'224.~ an Guido M. Renggli z.Hd. der Sicuretta Anstalt. Bei der Sicuretta Invest
Establishment handelt es sich um eine Anstalt nach liechtensteinischem Recht mit Sitz in
Vaduz. Verwaltungsrat mit Einzelzeichnungsrecht war u.a. Guido M. Renggli (D 25/6/4). Mit
Verfugung vom 24. August 2004 wurde er zur Hinterlage verschiedener Unterlagen und zur
Beantwortung einiger Fragen aufgefordert (D 26/30):

Mit Eingabe vom 23. September 2004 hinterlegte er samtliche Gutschrift- und Be-
lastungsanzeigen. Aus diesen ist ersichtlich, dass G. Renggli samtliche von der Sunbow
S.A. iiberwiesenen Betrage bar abhob. Gemass seinen Angaben iibergab er diese ohne
Quittung an Jean-Marie Weber. Guido Renggli gab zudem an, dass die Gelder, die von Sunbow
gekommen seien, fiir den Erwerb von Rechten verwendet worden seien (D 26/32 ff.). Im
Rahmen einer Nachfrage vom 28. September 2004 wurde ihm u.a. die Frage gestellt, fiir
welchen Rechterwerb die Gelder konkret verwendet worden seien (D 26/40). Mit Eingabe vom
5. Oktober 2004 gab er u.a. folgendes an: „Soweit mir bekannt erwarb ISL Rechte zur
Durchfiihrung von Fussballtumieren wie die Weltmeisterschaft von der FIFA (Ich war von ISL
Herrn Weber zu einem Spiel an der WM in Paris eingeladen, wo Herr Weber mir Herrn Blatter
vorstellte)." (D 26/41, Ziffer 7).

Ob Jean-Marie Weber oder eine Drittperson oder Drittpersonen die Endempfanger dieser
Gelder waren, konnte im Rahmen dieses Verfahrens nicht abschliessend geklart werden; dies
einerseits, weil die Beschuldigten mit Ausnahme von Jean-Marie Weber angeblich mit Bezug
auf die Endempfanger dieser Gelder nicht orientiert waren (vgl. stellvertretend Hans-Jiirg
Schmid: D 3/64, Ziffer 5 bis 11) und andrerseits, weil Jean-Marie Weber nicht bereit war, zu den
Endempfangern von Geldern ab dem Sunbow Konto Angaben zu machen. Zu den nachfolgend
erwahnten Uberweisungen z.Hd. der Taora Anstalt gab er namlich an, dass

      er dazu aus Vertraulichkeitsgrunden keine Stellungnahme abgeben mochte. Diese Zahlungen seien vertraulich
      gewesen und dieses Vertraulichkeitsprinzip mochte er respektieren (D 3/72, Ziffer 18). Auf entsprechenden Vorhalt gab
      er an, dass er zu diesen Zahlungen (insgesamt) (Klammer vom UR eingefiigt) keine Angaben machen wolle (Ziffer 19).


Zum Geldflusss sowie zu etwaigen Ermittlungen betreffend die Frage, wer endbegunstigt war,
vgl. Bemerkungen des Untersuchungsrichters auf S. 226 der Uberweisung.


CHF 5'123'206.-- an „von Aesch und Zarn" z.Hd. der Taora Anstalt. Bei der Taora handelt es
sich um eine Anstalt nach liechtensteinischem Recht mit Sitz in Vaduz. Verwaltungsrat mit
Einzelzeichnungsrecht war u.a. Fritz Vonaesch (D 25/6/3), der am 4. Juni 2000 verstorben ist.
Mit Verfugung vom 24. August 2004 wurde die Anwalts Kanzlei „von Aesch und Zarn" zur
Hinterlage verschiedener Unterlagen und zur Beantwortung einiger Fragen aufgefordert (D
26/42):

Mit Eingabe vom 30. August hinterlegte RA Karin Ettter von der erwahnten Kanzlei samtliche
Gutschrifts- und Belastungsanzeigen sowie die Vergiitungsauftrage betreffend die Weiterleitung
der Betrage. Aus den Bankbelegen ist ersichtlich, dass die Betrage von einer Ausnahme
abgesehen an Abdul Muttaleb J.R. Ahamad iiberwiesen wurden. Dieser war gemass Angaben
von Karin Etter der wirtschaftlich Endbegiinstigte, welcher auch der wirtschaftlich Berechtigte an
der Taora Anstalt sein soil (D 26/43 ff.). Auf Nachfrage (D 26/70) hinterlegte RA Raeto Zarn mit
Eingabe vom 4. Oktober 2004 eine Vereinbarung zwischen Abdul-Muttaleb J.R. Ahmed und
Fritz Vonaesch sowie Raeto Zarn. Gemass dem ebenfalls hinterlegten Formular A wurde Abdul-
Muttaleb J.R. Ahmed als wirtschaftlich Berechtigter bezeichnet. Raeto Zarn gab in der
schriftlichen Eingabe an, dass Abdul-Muttaleb J.R. Ahmed seinem Kollegen Fritz VONAESCH
                                                                                                     151
durch Jean-Marie Weber vorgestellt worden sei. Seines Wissens habe Jean-Marie Weber
damals erklart, dass es sich um Vermittlerkommissionen fiir zu erbringende Dienste im
Sportsektor handeln solle (D 26/71).


CHF 4000000.- an die Gilmark Holdings Inc., Hongkong.

Fiir CHF 2'564'630.~ wurden Checks, lautend auf Renford Investments LTD, ausgestellt und
an die Privatadresse von Hans-Peter Weber zugesandt.

Ein Check uber USD 10'000.~ bzw. CHF 15'975.~ wurde auf A. Ndolanga, Dar es
Salaam^ ausgestellt und an die Privatadresse von Hans-Peter Weber zugesandt.
      An Nicolas Leoz, Paraguay1 wurden USD 130'000.- bzw. CHF 211'625.- und an die Organisa
      for General Trading, Kuweit,_USD 250000.- bzw. CHF 409'650.- bezahlt.

      CHF 18887.05 an die CTF Corporation LTD, Amicorp B.V.I. Limited und Interadvice Anstalt
      (vgl. beispielsweise D 25/15/16, und 17).

      CHF 799750.- an Merrill Lynch, U.S.A.

       CHF 125'035.~ an die BNP Banque Nationale de Paris bzw. wurden einem Konto der Sporis
       Holding AG gutgeschrieben (D 26).

      CHF 15000000.- an die ISL Marketing AG und CHF 3'000'000.-, CHF 33'532.~ und 33'600.~ an
      die ISL Worldwide.

      CHF 190000.- an Jean-Marie Weber.



12.5 Buchhalterische Erfassung der Zahlungen ab dem Konto Nr. 193.223.31. lautend auf
      Sunbow S.A.

      Die Buchhaltung der Sunbow S.A. wurde von Hans-Peter Weber gefuhrt (D 3/61, Ziffer 31, vgl.
      auch D 3/43, Ziffer 40). Mit Bezug auf die Nunca Stiftung hat die Untersuchung diesbeziiglich
      keine absolute Klarheit verschafft. Hans-Peter Weber konnte sich nicht mehr erinnern, ob er die
      Buchhaltung fiihrte. Zumindest schloss er dies nicht aus (D 3/61, Ziffer 49). Er gab mit Bezug auf
      die Sunbow S.A. an, dass es sich nicht um eine Buchhaltung im eigentlichen Sinn gehandelt
      habe, sondern „einfach ein Excel-Sheet" (D 3/61, Ziffer 32 / vgl. dazu die bei der Interadvice
      Anstalt sichergestellte Aufstellung der Ein- und Ausgange: D 25/12/3 ff.).

      In der Eroffnungsbilanz der Sunbow S.A. per 27. Mai 1999 wurde der von der Sporis Holding AG
      uberwiesene Betrag von CHF 36'130'220.05 unter den Aktiven als Umlaufvermogen und unter
      den Passiven als ..Riickstellung fiir Rechteerwerbskosten" verbucht (D 24/8). In der
      Erfolgsrechnung 27. Mai - 31. Dezember 1999 wurden unter Betriebsaufwand bzw.
      Rechteerwerbskosten CHF -7785'882.-- gebucht (D 24/9). In der Erfolgsrechnung 2000 wurden
      unter der gleichen Position CHF -11 '094'310.- erfasst (D 24/10) und in der Erfolgsrechnung 1.
      Januar - 31. Marz 2001 CHF -500'000.- (D 24/11) aufgefuhrt. Zusammengefasst wurden somit
      unter dem Titel Rechteerwerbskosten CHF 19'380'192.-gebucht.

      In der Bilanz per 31. Dezember 2000 wurde unter den Aktiven bzw. Guthaben ein Darlehen
      Nunca Stiftung mit CHF 17'500'000.~ angegeben (D 24/10). In der Bilanz per 31. Marz 2001
      erscheint das Darlehen Nunca Stiftung mit CHF 0.-. In der Erfolgsrechnung
      1. Januar - 31. Marz 2001 wurde unter dem Betriebsaufwand ein Forderungsverzicht
      z.G. der Nunca Stiftung mit CHF -17'000'000.- aufgefuhrt (D 24/11).

      Der Bilanz der Nunca Stiftung per 31. Dezember 1999 (D 24/5 / Kurzel HPW) kann entnommen
      werden, dass die Sunbow S.A. als Beteiligung gebucht wurde. Die Bilanz per 31. Dezember 2000
      fuhrt unter den Aktiven nach wie vor die Sunbow S.A. Unter den Passiven ist ein Darlehen der
                                                                                             152
Sunbow S.A. iiber CHF 17'500'000.~ aufgefuhrt. In der Erfolgsrechnung wurde unter dem
Betriebsaufwand ein Forderungsverzicht z.G. der ISMM AG iiber CHF -17'000'000.- verbucht (D
24/6). In der Bilanz per 31. Marz 2001 wurde unter den Passiven das Darlehen Sunbow S.A. mit
CHF 0.- und als Verlustvortrag mit CHF -17'005'945.-- aufgefuhrt. In der Erfolgsrechnung wurde
der „Ertrag aus Forderungsverzicht" mit CHF 17'000'000.- verbucht (D 24/7).

        Gemass einem Schreiben von Hans-Jiirg Schmid an Veit Frommelt vom 23. Mai 2001,
        welchem die vorzitierten Nunca- und Sunbow-Abschliisse beilagen, soil die Uberweisung
        von CHF 36'130'220.05 bei der „ISMM Gruppe dem Ruckstellungskonto fiir
        Rechteerwerbskosten gutgeschrieben" worden sein (D 24/3). Den Buchhaltungsunter-
        lagen kann entnommen werden, dass die Uberweisungen vom 6. Juni 2000 und 27. Juli
        2000 an die ISL Marketing AG bzw. ISL Worldwide iiber CHF 15'000'000.- bzw.
        3'000'000.~ (CHF 18'000'000.-) vorerst bei der ISL Worldwide und spater bei der ISMM
        AG als Aktionarsdarlehen und davon letztlich CHF 17'000'000.~ als Forderungsverzicht
        der Aktionare gebucht wurden (D 24/35, vgl. auch D 24/37). Allerdings war man sich
        innerhalb der Gruppe nicht einig, wie diese Position letztlich verbucht werden sollte (D
        24/36). Dem Restrukturierungskonzept der ISMM Gruppe vom 11. Januar 2001 wurde
        der Forderungsverzicht iiber CHF 17'000'000.-- als eine der Massnahmen zur
        Verbesserung der finanziellen Situation der Gruppe angefuhrt (D 6/3/5/1, S. 13) und im
        Schreiben der KPMG an Christoph Malms vom 29. Januar 2001 als bereits realisierte
        Sanierungsmassnahme dargestellt (D 6/3/1/3, S. 2).

        Bei der Sunbow wurden somit unter dem Titel Rechteerwerbskosten CHF 19'380'192
        gebucht. Buchhalterisch wurde zudem ein Darlehen der Sunbow S.A./Nunca Stiftung
        von CHF 17'500'000.~ bzw. ein diesbezuglicher Forderungsverzicht uber CHF
        17'000'000.- gegeniiber der ISMM AG erfasst.



 12.6 Weitere schriftliche Aufzeichnunoen

        In einem Schreiben vom 22. Mai 2001 an Hans-Jurg Schmid nahm Veit Frommelt (Stif-
        tungsrat der Nunca Stiftung) Bezug auf einen Zeitungsartikel, welcher mit ..ISMM/ISL:
        60 Millonen-Stiftung in Liechtenstein?" iibertitelt war (D 24/26) und ersuchte um diesbe-
        ziigliche Eriauterungen (D 24/25). Ein Schreiben mit ahnlichem Inhalt schickte er an
        Georg Kieber (Verwaltungsrat der Sunbow S.A.) und verlangte ebenfalls umfassende
        Information (D 25/7/109). In dem bei Hans-Jiirg Schmid sichergestellten Schreiben an
        Veit Frommelt vom 23. Mai 2001 (D 24/1 und 3) gibt dieser zusammengefasst an,

                dass aus den Veit Frommelt zugestellten Bilanzen und Erfolgsrechnungen der
                Nunca Stiftung und der Sunbow S.A. ersichtlich sei, dass Ende Mai 1999 ein
                Geldtransfer von CHF 36 Mio. von der ISMM Gruppe in die Sunbow S.A.
                stattgefunden habe,

                dass dieser Transfer einerseits bei der „ISMM Gruppe dem Ruckstellungskonto
                fiir Rechteerwerbskosten gutgeschrieben" und „anderseits bei der Sunbow Ltd.
                dem Ruckstellungskonto fiir Rechteerwerbskosten belastet" worden sei,

                dass in der Periode 27. Mai 1999 bis 31. Marz 2001 Zahlungen fiir den Erwerb
                von Rechten im Betrage von rund CHF 19,4 Mio. ausgerichtet und dem
                Ruckstellungskonto gutgeschrieben worden seien,

                dass angesichts der angespannten Liquiditatslage der ISMM Gruppe die
                Sunbow S.A. der ISMM Gruppe ein Darlehen von CHF 17,5. Mio, gewahrt habe,
                wovon CHF 17 Mio. Ende Dezember 2000 an die Nunca ubertragen worden
                seien, welche noch vor Jahresende auf diese ihre Forderung gegenuber der
                ISMM Gruppe verzichtet habe,

                dass die restliche Forderung, d.h. CHF 500'000.-, anfangs 2001 von der ISMM
                Gruppe an die Sunbow S.A. zuriickbezahlt und von dieser fiir eine weitere
                                                                                                      153
                         Rechteerwerbszahlung verwendet worden sei.
Veit Frommelt wandte sich mit Schreiben vom 29. Mai 2001 an Hans-Jiirg Schmid, Christoph P.
Malms und Pierre L. Woog und stellte u.a. vor dem Hintergrund gewisser Divergenzen zwischen den
Bilanzen und den schriftlichen Eriauterungen von Hans-Jiirg Schmid einige Fragen (D 25/7/122). Eine
schriftliche Antwort auf dieses Schreiben liegt nicht vor, hingegen ist aus den Akten ersichtlich, dass
die angeschriebenen Personen ein direktes Gesprach bevorzugten (D 25/7/127). Dieses sollte am 8.
Juni 2001 im Grand Hotel Bad Ragaz stattfinden (D 25/7/130), wurde jedoch abgesagt (D 25/7/140).

In der Folge fiihrte Veit Frommelt mit Philippe Nevroud. welcher Jean-Marie Weber anwaltlich vertrat
(D 25/7/138), mehrere Telefongesprache. Der Inhalt dieser Gesprache wurde von Veit Frommelt
jeweils detailliert in Form von Aktennotizen festgehalten (D 25/7/146 ff). Gemass dem sehr genauen
Aktenvermerk betreffend ein Telefongesprach zwischen Veit Frommelt und Philipp Neyroud soil
dieser u.a. sinngemass und zusammengefasst erklart haben (D 25/7/147),

   dass die Sporis Holding AG bereits von Horst Dassler u.a. dazu benutzt worden sei, „to do all sorts
   of payments that were tax exposed, world wide, all sorts of activities that were dangerous from a
   fiscal point of view" (S. 1),

   dass man nach dem Tod von Horst Dassler diese Aktivitaten weitergefiihrt habe (S. 1),

   dass im Zusammenhang mit dem beschlossenen Borsengang keine Zahlungen, „that could be
   chararcterised as tax avoidance" in den Buchern der Sporis Holding AG enthalten sein durften (S.
   2),

   dass in diesem Zeitpunkt beschlossen worden sei, weiterhin wie in der Vergangenheit zu ver-
   fahren, jedoch nicht uber die Sporis Holding AG, sondern uber eine Einheit ausserhalb der
   Sporis/ISMM Gruppe (S. 2),

   dass die Idee gewesen sei, die Sunbow S.A. als eine Tochtergesellschaft der ISMM AG bzw. als
   Gehilfin zu installieren (S. 2),

   dass die CHF 36 Mio. direkt von „ISMM to Sunbow" gegangen seien, welche beauftragt gewesen
   sei, „the tax exposed payments of ISMM" weiterzufuhren (S. 3),

   dass nicht die Meinung bestanden habe, dass dieser Betrag als RCicklage fiir die Familie Dassler
   gedient hatte (S. 3),

   dass die Familie treuhanderisch fiir die „ISMM" gehandelt habe und betreffend die Zahlungen auf
   dem Laufenden gewesen sei (S. 3),

   dass die Gesellschaft im Juli 2000 grosse finanzielle Probleme gehabt habe, weshalb man sich
   entschlossen habe, zu deren Losung die Gelder zuruckzutransferieren (S. 3),

   dass man jedoch nicht habe sagen konnen, woher die Gelder kommen wurden, weshalb sie
   gedacht hatten, es als Aktionarsdarlehen zu machen (S. 3),

   dass man Ende Jahr allenfalls im Januar nachstens Jahres auf Grund der Bilanz gesehen habe,
   dass das Geld verloren sei, weshalb man betreffend das Darlehen auf eine Riickforderung
   verzichtet habe (S. 3 und 4),

   dass die restlichen Gelder fur den Erwerb von ..marketing rights" verwendet worden seien (S. 5),

   dass bei einer allfalligen Informationsbeschaffung betreffend die Identitat der Empfanger dieser
   Gelder diese in eine peinliche Situation geraten konnten (S. 6),
   dass die von Neyroud beschriebene Struktur den Begunstigten aus der Sitftung bekannt gewesen
   sei, was ihm von verschiedenen Leuten wie Malms, Weber und Woog erzahlt worden sei (S. 8),

   dass in der Tat nicht 17, sondern 18 Mio. an die ISMM gegangen seien (S. 10),

   dass davon in zwei Halften eine Million an Guilmark zuruckgegangen sei, bzw. an Dentsu, mit
                                                                                                    154
   welcher im Zusammenhang mit einem Schiedsgerichtsverfahren ein Vergleich uber eine Million
   abgeschlossen worden sei (S. 10),

   dass diese Zahlungen unglucklicherweise recht spat, namlich im Oktober und Januar, gemacht
   worden seien (S. 10).


Der Vereinbarung vom 10. November 2000 zwischen Dentsu Inc. und ISMM AG kann entnommen
werden, dass die Parteien eine beim ICC (Court of International Arbitration) hangige Streitsache mit der
Bezahlung von CHF 1'500'000.- durch die ISMM AG erledigten (D 17/9/1/2). Der Betrag war durch
Dentsu am Tage des Vertragsabschlusses mittels eines Bankchecks zu begleichen (Artikel 2).

Einem Schreiben von RA Dr. Wurgler an Veit Frommelt vom 9. Juli 2001 kann entnommen werden, dass
es sich nach den Informationen seines Mandanten (Christoph Malms, Stiftungsrat der Nunca Stiftung)
„bei der Nunca Stiftung um eine wirtschaftlich vollumfanglich der ISMM/ISL zugehorige Gesellschaft"
handle (D 25/7/172).

In einem von Hans-Jiirg Schmid verfassten Memorandum betreffend Zahlungen von Aquirierungskosten
an nicht namentlich erwahnte Parteien vom 28. Mai 2001 (D 23/24) gibt er an,

   dass im Hinblick auf den geplanten Borsengang der Gruppe eine Losung gesucht worden sei, um
   das Festhalten von solchen Zahlungen in den Buchern der Gruppe zu vermeiden,

   dass eine liechtensteinische Stiftung (Nunca) gegrundet worden sei, deren Begiinstigte die Aktionare
   der Sporis AG/ISMM AG gewesen seien,

   dass Nunca eine vollumfanglich ihr gehorende Tochtergesellschaft auf den Britischen Virgin Islands
   (Sunbow S.A.) gegrundet habe,

   dass die Sporis Holding AG am 27. Mai 1999 einen Betrag von CHF 36.1 Mio. auf ein Bankkonto der
   Sunbow S.A. transferiert habe und zwar unter Verbuchung dieses Betrages unter ..provisions for
   additional acqusition costs",

   dass als Folge davon dieses Konto auf Null reduziert worden sei,

   dass im Juli 2000 auf Grund von erheblichen Cash-Needs der Gruppe die Sunbow dieser ein
   Darlehen von CHF 17,5 Mio. gewahrt habe, welches in den Buchern der ISMM AG als Joan from
   affiliates/shareholders" gebucht worden sei,

   dass das Darlehen am 31. Dezember 2000 zuerst auf die Nunca ubertragen worden sei, welche
   dann auf eine Forderung von 17 Mio aus diesem Darlehen verzichtet habe,

   dass dieser Sachverhalt in der Gruppe als ausserordentlicher Eingang resultierend aus einem
   Forderungsverzicht aus dem Darlehen der ..affiliates/shareholders" verbucht worden sei,

       -       dass im Januar 2001 die verbleibenden CHF 500'000.~ zuruckbezahlt und fiir zusatzliche
Erwerbskosten an eine namentlich nicht genannte Partei bezahlt worden sei,
       -       dass sich als Resultat das Nettoeigenkapital per 31. Marz 2001 auf CHF 38'587.~
belaufen habe.

       Am 20. Mai 2003 hinterlegten die ISMM AG in Konkurs und die ISL Worldwide in Konkurs, beide
       vertreten durch die ausseramtliche Konkursverwaltung, beim Kantonsgericht Zug eine
       Anfechtungsklage gegen die Sunbow S.A., die Nunca Stiftung sowie die Aktionare der ISMM AG
       (D 23/2). Mit Vereinbarung vom 27. Februar 2004 schlossen die Klager mit Jean-Marie Weber
       als einem der Beklagten einen Vergleich, mit welchem sich Jean-Marie Weber, vertreten durch
       RA Hans Baumgartner, verpflichtete, einen Betrag von CHF 2'500'000.-- an die Konkursmassen
       „ISMM und ISL" zu bezahlen (D 26/7). In der Praambel ist u.a. festgehalten, dass Jean-Marie
       Weber wiinsche, dass die Direkt- und die Endempfanger der klagegegenstandlichen Zahlungen,
       Letztere soweit sie direkt oder indirekt mit dem Fussballgeschaft verbunden seien, nicht weiter
                                                                                                   155
      auf Riickerstattung belangt wiirden. Gemass lit. A des Vergleichs wurde dieser von Jean-
      Marie Weber allein abgeschlossen, ist jedoch laut Vergleichstext mit Bezug auf die ubrigen
      Beklagten als echter Vertrag zu Gunsten Drifter zu verstehen. In lit. F wird festgehalten, dass
      Jean-Marie Weber hinsichtlich der Barauszahlung vom
      28. November 2000 der Beklagten Sunbow in Hohe von CHF 90'000.~ an Jean-Marie Weber
      zusichere, dass er nicht selbst Endbegiinstigter gewesen sei, sondern den Betrag vollumfanglich
      an eine Drittperson weitergeleitet habe. Mit Valuta 17. Marz 2004 wurden dem Konto der ISL
      Worldwide in Liquidation CHF 2'500'000.- gutgeschrieben (D 26/16).


12.7 Angaben der Befraoten

      Hans-Jiirg Schmid und Hans-Peter Weber verneinten die Frage, ob die Sunbow AG zur ISMM
      Gruppe gehore (D 3/43, Ziffer 10, D 3/61, Ziffer 10). Christoph Malms gab auf die gleiche Frage
      an, dass er die Strukturen in der Nunca Gruppe nicht kenne. Er habe allein den Begriff Sunbow in
      dem Zusammenhang gehort. Zur Nunca Stiftung sei zu sagen, dass sie wirtschaftlich auf jeden
      Fall zur ISL Gruppe gehore (D 3/45, Ziffer 19; vgl. auch die Angaben von Heinz Schurtenberger:
      D 3/44, Ziffer 11, Daniel Beauvois:D 3/49, Ziffer 9 ff.).

      Auf die Frage, inwiefern die Sunbow S.A. zur ISL Gruppe gehore, verlas Christoph Malms aus
      einer Aktennotiz folgende Erklarung zu Protokoll (D 3/45, Ziffer 20):

             „Die Begunstigung von namhaften Personlichkeiten im Sport zur Forderung von
             sportpolitischen und wirtschaftlichen Zielen stammt aus den Siebzigerjahren, als Sport zu
             einem Wirtschaftsfaktor wurde. Mit der Tatsache, dass die ISL seit ihrer Grundung
             derartige Praktiken anwandte, wurde ich einige Zeit nach der Aufnahme meiner VR-
             Funktion Anfang der Neunzigerjahre mit der Familienholding Sporis konfrontiert. Auf mein
             wiederholtes Drangen, die Begunstigungen einzustellen, wurde mir von Jean-Marie
             Weber, dem Nachfolger von Horst Dassler bei der ISL, klar gemacht, dass diese
             Beziehungspflege zu weiter bestehenden Verpflichtungen gefuhrt hatten und seit dem
             Ableben von Horst Dassler allein seine Aufgabe und Verantwortung bleiben wurden. Im
             Interesse der ISL war einzig die Isolierung der Begunstigungen vom Tagesgeschaft des
             Unternehmens, verbunden mit einem mittelfristigen Abbau der Verpflichtungen,
             durchsetzbar. Die Aktivitaten wurden der Form halber in eine einmalig dotierte Stiftung
             verlagert, welche allein durch Jean-Marie Weber gefuhrt wurde, der die Stiftungsmittel nur
             personlich und zweckgebunden einzusetzen hatte."
      Nach Beantwortung weiterer Fragen gab Christoph Malms an, dass er sich aufgrund der
      sportpolitischen Brisanz zum Nunca Komplex nicht mehr weiter aussern wolle (D 3/45, Ziffer 28).

      Zur Sache wurde Hans-Jiirg Schmid folgender Vorhalt gemacht (D 3/43, Ziffer 13): Gemass
      einem Schreiben von Ihnen vom 23. Mai 2001 an Veit Frommelt (D 4/B/3/1) fand Ende Mai 1999
      ein Geldtransfer im Betrage von ca. CHF 36'000'000.~ von der ISMM Gruppe in die Sunbow Ltd.
      statt. Welches war der Rechtsgrund fiir diese Zahlung? Er gab an, dass dies zusatzliche
      Akquisitionskosten fiir Rechte fur zukunftige Rechteerwerbe sowie fiir noch laufende Zahlungen
      aus bestehenden Rechtsverhaltnissen, die noch zu leisten gewesen seien. Die Nachfrage, um
      was fiir Rechteerwerbe fur wen es dabei gegangen sei, beantwortete er mit Nichtwissen (Ziffer
      14). Anschliessend wurde ihm folgende Frage gestellt: Was meinten Sie mit "bestehenden
      Rechtsverhaltnissen"? Darauf gab er folgendes an:

             Vielleicht miisse er etwas ausholen: Fruher, wenn man Rechte erworben habe, hatten
             verschiedene Akquisitionskosten an die Inhaber der Rechte selber geleistet werden
             mussen, aber nach Aussage - hauptsachlich von Jean-Marie Weber - hatten so genannte
             Finders-Fees oder zusatzliche Akquisitionszahlungen an Empfanger geleistet werden
             mussen, die man nicht offentlich habe bekannt geben wollen (Ziffer 15).

             Frage: Soweit es um Zahlungen an Inhaber von Rechten geht, habe ich Sie verstanden.
             Was meinen Sie mit "zusatzliche Zahlungen an Empfanger"?

             Antwort: Ihm sei das so erklart worden, dass das eine Art Finders-Fees waren an Em-
             pfanger, welche er nicht kenne, welche mitgeholfen hatten, dass der Vertrag zustande
                                                                                                 156
              gekommen sei (Ziffer 16)


12.8 Zusammengefasst ergeben sich mithin die folgenden schliissigen Erkenntnisse:

        -       Weder die Sunbow S.A. noch die Nunca Stiftung waren in den Organigrammen der
ISMM Gruppe aufgefiihrt; sie fanden auch nicht Eingang in die konsolidierten Rechnungen der Gruppe.
        -       Die Sunbow S.A. war zu 100 % im Besitz der Nunca Stiftung, welche ihrerseits als
wirtschaftliche Geschaftseinheit der ISMM AG zu qualifizieren ist.
        -       Die Sporis Holding uberwies am 27. Mai 1999 ab ihrem Konto Nr. 68,528-8.0001 CHF
36'130'220.05 auf das Konto Nr. 193.223.31 der Sunbow S.A..
        -       Der iiberwiesene Betrag wurde sowohl bei der Sporis Holding AG als auch bei der
Sunbow S.A. unter Rechteerwerbskosten verbucht.
        -       Letztlich wurden bei der Sunbow S.A. Rechterwerbskosten von insgesamt CHF
19'380'192.-gebucht.
        -       Unter Beriicksichtigung der Aktenlage kann davon ausgegangen werden, dass davon
lediglich CHF 18'198'310.~ fiir ..Rechteerwerbszahlungen" verwendet wurden (vgl. nachstehend Ziffer
13).

          Bei diesen Zahlungen handelt es sich um Vergiinstigungen (Schmiergelder) an
          Drittpersonen, die direkt oder indirekt mit Vertragen, welche die ISMM Gruppe ab-
          schloss, in Zusammenhang standen.

          Die Sunbow S.A. gewahrte der ISMM Gruppe ein Darlehen iiber CHF 18'000'000.-,
          wovon sie am 6. Juni 2000 der ISL Marketing AG CHF 15'000'000.- und am 27. Juli
          2000 der ISL Worldwide CHF 3'00'000.- uberwies.

          Dieses Darlehen wurde vorerst bei der ISL Worldwide und spater bei der ISMM AG
          verbucht.

          Am 11. Oktober 2000 uberwiesen die ISMM AG und am 8. Januar 2001 die ISL
          Worldwide je CHF 500'000.- auf das Konto der Sunbow S.A..

          Am 16. Oktober 2000 und am 15. Januar 2001 uberwies die Sunbow S.A. je CHF
          500'000.~ an die Gilmark Holding AG.


       Auf Grund des dargelegten Untersuchungsresultats und soweit der Zahlungsfluss auf
       Grund von namhaften Barbeziigen iiberhaupt abgeklart werden konnte, kann vorweg
       festgehalten werden, dass die Endbegiinstigten aus der Uberweisung der CHF
       36'130'220.05 nicht die Aktionare der Sporis Holding AG bzw. der ISMM AG waren. Eine
       verdeckte Gewinnausschiittung, die dann pflichtwidrig ware, wenn sie im Widerspruch
       zu zwingenden aktienrechtlichen Bestimmungen steht, welche den Schutz des
       Gesellschaftsvermogens bezwecken, ist somit nicht gegeben (BGE 117 IV 266 ff / vgl.
       nachstehend die Rubrik Teileinstellungen).



13. Glaubigerschadigung durch Vermogensminderung


13.1 Gesetzliche Grundlage

      Wegen Glaubigerschadigung durch Vermogensminderung gemass Art. 164 Ziff. 1 StGB
      macht sich strafbar, wer als Schuldner zum Schaden der Giaubiger sein Vermogen ver-
      mindert, indem er u.a. Vermogenswerte unentgeltlich oder gegen eine Leistung mit
      offensichtlich geringerem Wert veraussert, sofern iiber ihn der Konkurs eroffnet worden
                                                                                           157
      ist. Unter den gleichen Voraussetzungen wird der Dritte, der zum Schaden der Giau-
      biger eine solche Handlung vomimmt, bestraft (Art. 164 Ziff. 2 StGB). Einem Schuldner,
      dem der Vermogenszerfall droht oder der in Vermogensverfall geraten ist, obliegt die
      Pflicht, das noch vorhandene Vermogen seinen Glaubigern zu erhalten. Die Strafbe-
      stimmung erfasst gerade die Verletzung dieser Verpflichtung des Schuldners mit
      entsprechender Benachteiligung der Giaubiger. Die Tathandlung besteht in der tatsach-
      lichen Verminderung des Vermogens und kann u.a. in der unentgeltlichen Verausserung
      von Vermogenswerten liegen. Wahrend zwischen der verbotenen Handlung und dem
      Konkurs kein Kausalzusammenhang zu bestehen braucht, bedarf es eines Kausalzu-
      sammenhangs zwischen der Vermogensverminderung und dem Nachteil der Giaubiger.
13.2 Tathandlung. Schaden und Kausalitat

13.2.1 Bezuglich des Tatvorwurfs wird vorweg auf II. Sachverhalt Ziff. 12 (S. 20 und 21 der
      Anklage) verwiesen. Die Tathandlung besteht in der unentgeltlichen Zuwendung von
      CHF 18'198'310.- an natiirliche Oder juristische Personen, welche den Rechteerwerb der
      Gruppe begiinstigten. Bei diesem Betrag sind folgende Zahlungen auf Grund des
      nachstehenden Beweisergebnisses zu berucksichtigen:

      CHF 5'873'224.- (Sicuretta Anstalt)

      Die Qualifizierung dieser Uberweisungen als Schmiergelder griindet auf den Angaben
      von RA G. Renggli, wonach ihm erklart worden sei, dass die Gelder fiir den Erwerb von
      Rechten verwendet worden seien (D 26/41, Ziffer 7), aber auch von Jean-Marie Weber
      selbst, welcher angab, dass das Geld weitergeleitet worden sei und zwar im selben
      Zusammenhang wie die anderen Zahlungen (D 3/72, Ziffer 21). Vorgangig hatte er die
      Verwendung mit „Provisionen, Honorare", welche ..parallel zum Kauf oder Verkauf von
      Rechten" bezahlt worden seien, umschrieben (D 3/72, Ziffer 13). Hans-Peter Weber,
      welcher samtliche Zahlungsauftrage mitunterzeichnet hatte, gab zwar nach Vorhalt der
      einzelnen Begiinstigten an, dass er den Rechtsgrund bzw. den Endbegunstigten nicht
      kenne (D 3/66, Ziffer 2, 8 14, 16, 18, 22, 23, 24 bis 27), erklarte jedoch auf Nachfrage,
      dass er von Jean-Marie Weber jeweils die Antwort erhalten habe, dass dies vertraglich
      vereinbarte Zahlungen fur die Rechte in der ISMM/ISL Gruppe seien (D 3/66, Ziffer 28).


      CHF5'123'206.~ (Taora Anstalt)

      Die Qualifizierung dieser Uberweisungen als Schmiergelder griindet auf den Angaben
      von RA Raeto Zarn, wonach Jean-Marie Weber erklart habe, dass es sich um Ver-
      mittlerkommissionen fiir zu erbringende Dienste im Sportsektor gehandelt habe (26/71),
      aber auch von Jean-Marie Weber selbst (vgl. dazu die Angaben zu den Uberweisungen
      z.Hd. der Sicuretta Anstalt) und jenen von Hans-Peter Weber (Sicuretta Anstalt).

      CHF 4'000'000.-- (Gilmark Holdings Inc.)

      CHF 2'564'630.-- (Renford Investments LTD)

      CHF 15'975.- (A. Ndolanga)

      CHF 211 '625.-- (Nicolas Leoz)
      CHF 409'650.- (Organisa for General Trading)

      Die Qualifizierung dieser Uberweisungen als Schmiergelder griindet auf den Angaben
      von Jean-Marie Weber selbst (vgl. dazu die Angaben zu den Uberweisungen z.Hd. der
      Sicuretta Anstalt) und jenen von Hans-Peter Weber (Sicuretta Anstalt).
                                                                                            158
      Dass es sich bei den erwahnten Zahlungen letztlich um Schmiergelder (der
      ISMM/ISL) handelte, ergibt sich ferner aus den Angaben von Christoph Malms und Hans-
      Jiirg Schmid, aus dem zitierten Aktenvermerk von Veit Frommelt sowie aus dem Memo-
      randum von Hans-Jurg Schmid vom 28. Mai 2001. Sollte das Strafgericht wider Erwarten
      der Auffassung, dass im genannten Umfang tatsachlich Schmiergeldzahlungen geleistet
      wurden, nicht uneingeschrankt folgen konnen, waren Veit Frommelt, Raeto Zarn und
      Guido M. Renggli noch zeugenschaftlich einzuvemehmen; in diesem Sinne stellt die
      Staatsanwaltschaft ausdrucklich Eventualantraa. Das Anwaltsgeheimnis wiirde solchen
      Einvemahmen nicht entgegenstehen, da dieses grundsatzlich nur fur berufsspezifische,
      mithin nicht fiir andere Tatigkeiten (z.B. als Verwaltungsrat einer Gesellschaft oder als
      Stiftungsrat) gilt (BGE 1A.182/2001 E.6, BGE 112 lb 606).

      Es bleibt ferner anzufiigen, dass die namentliche Feststellung der Endbegunstigten fiir
      die Beurteilung des Tatbestands nicht notwendig ist. Entscheidend ist vielmehr, dass in
      beweismassiger Hinsicht feststeht, wozu die Gelder, welche der ISMM AG gehfirten
      bzw. von ihr stammten, verwendet wurden.


13.2.2 Jean-Marie Weber bezeichnete die Zahlungen als „Provisionen, Honorare", welche
       ..parallel zum Kauf oder Verkauf von Rechten" bezahlt worden seien. Christoph Malms
       umschrieb es folgendermassen:

             Bei dem von Ihnen angesprochenen Thema Nunca handelt es sich um
             Zuwendungen an
             Personlichkeiten und Entscheidungstrager des Weltsports, die Bestandteil des
             Neuer
             werbs bzw. der Verlangerung von weltweiten Vermarktungsrechten gewesen sind,
             welche
             die ISL Gruppe erhalten hat (D 3/70, Ziffer 2).

      Auch wenn das Strafgesetzbuch (im Gegensatz zu Art. 4 lit. b UWG) die Bestechung
      von Privaten nicht unter Strafe stellt, so werden solche „Leistungen" nach der Bundes-
                                                68
      gerichtspraxis als unsittlich qualifiziert . Nach Art. 20 Abs. 1 OR ist ein Vertrag nichtig,
      der einen unmoglichen oder widerrechtlichen Inhalt hat oder gegen die guten Sitten
      verstosst. Gemass Art. 66 OR kann nicht zuruckgefordert werden, was in der Absicht,
      einen rechtswidrigen oder unsittlichen Erfolg herbeizufuhren, gegeben worden ist.
      Christoph Malms gab zu der gegenstandlichen Praxis an,

             dass er dies moralisch verwerflich finde; es entspreche nicht seinem Wertsystem (D 3/70, Ziffer
             22). Auf die Nachfrage, worin er das moralisch Verwerfliche an dieser Praxis sehe, gab er an,
             dass unternehmerischer Erfolg nur durch eigene Leistung erbracht und nicht gekauft werden
             sollte (D 3/70, Ziffer 24).

      Auch die Literatur qualifiziert Vertrage iiber die Bezahlung von Schmiergeldern an
      Angestellte oder Hilfspersonen des Vertragsgegners oder eines Dritten als sitten-
            69
      widrig . Als sittenwidrig wird u.a. qualifiziert, was als unlauter im Sinne des Bundes-
      gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) gilt. Nach Art. 4 lit. b handelt
      unlauter, wer sich oder einem andern Vorteile zu verschaffen sucht, indem er Arbeit-
      nehmern, Beauftragten oder anderen Hilfspersonen eines Dritten Vergunstigungen ge-
      wahrt oder anbietet, die diesen rechtmassig nicht zustehen und die geeignet sind,
      diese
                                                                                                          159
68

     BGE 11911 385: D' apres la conception juridique suisse, les promesses de versement de pots-de-vin sont
     illicites, et done nulles en vertu des articles 19 s. CO, en raison du vice affectant leur contenu
69

     Von Tuhr Peter, a.a.O., 257
        Personen zu pflichtwidrigem Verhalten bei ihren dienstlichen oder geschaftlichen Ver-
        richtungen zu verleiten. Art. 4 lit. b ist jedoch nicht abschliessend. Andere Bestechungs-
                                                                                    70
        sachverhalte konnen unter die allgemeine Klausel von Art. 2 UWG fallen . Unlauter und
        widerrechtlich ist danach jedes tauschende oder in anderer Weise gegen den Grundsatz
        von Treu und Glauben verstossende Verhalten oder Geschaftsgebaren, welches das
        Verhaltnis zwischen Mitbewerbern oder zwischen Anbietem und Abnehmern beeinflusst.
        Es liegt auf der Hand, dass die geflossenen Millionenbetrage zu einer
        Wettbewerbsverzerrung fuhren mussten, womit aber das diesen Transaktionen zu
        Grunde liegende Verhaltnis als sittenwidrig und somit nichtig qualifiziert werden muss.

        Ein nichtiger Vertrag vermag jedoch keine rechtsgeschaftlichen Wirkungen zu erzeugen.
        Die Nichtigkeit wirkt ex tune, also von allem Anfang an. Sie ist absolut und unheilbar. Der
        Zweck der Nichtigkeit besteht darin, den Zustand, wie er vor Vertragsschluss herrschte,
                             71
        wieder herzustellen . Die Nichtigkeit ist von Amtes wegen zu beachten (BGE 123 III 62).

        Was in zivilrechtlicher Hinsicht als nichtig qualifiziert wird, kann nicht als Leistung im
        Rechtsinne betrachtet werden, und die geldwerten Entschadigungen erfolgten somit
        unentgeltlich; dies u.a. deshalb, weil Unentgeltlichkeit definitionsgemass das Fehlen
                                                                   72
        eines rechtlichen Ausbedingens von Gegenleistung ist und, wo es um sittenwidriges
        Verhalten geht, ein rechtliches Ausbedingen per se nicht moglich ist. Beachtet man die
        Folgen der Nichtigkeit, so ist auch die geldwerte Leistung von CHF 18'198'310.~ als nicht
        erbracht zu betrachten. Um diesen Betrag wurde das Gesellschaftsvermdgen mithin
        vermindert und dem Zugriff der Giaubiger entzogen.


13.2.3 Grundsatzlich kann der Schaden mit den unentgeltlichen Zuwendungen gleichgesetzt
      werden. Das Vermdgen der ISMM AG wurde durch die bezeichneten Zahlungen zu
      Lasten der Giaubiger vermindert, und die Vermogensverfugung ist kausal fur den
      entstandenen Schaden. Indes konnen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft die aus
      dem Vergleich vom 27. Februar 2004 (D 23/2) in die Konkursmasse geflossenen CHF
      2'500'000." als Schadensminderung angerechnet werden.


13.2.4 Bezuglich der Vorbringen der Verteidigung kann an dieser Stelle auf die zutreffenden
      Entgegnungen des Untersuchungsrichters (Uberweisung S. 237 u. 238) hingewiesen
      werden. Hierzu ist vorderhand - im derzeitigen Verfahrensstadium - nichts beizufiigen.




70

     Mario M. Pedrazzini, Frederico Pedrazzini, Unlauterer Wettbewerb, 2. A., Bern, 175, vgl.
     auch Carl Baudenbacher, Lauterkeitsrecht, Kommentar zum Gesetz gegen den unlauteren
     Wettbewerb (UWG), Basel 2001, S. 703f
71

     Basler Kommentar, Obligationenrecht I, Art. 1 -529 OR, 3. Auf lage, Basel 2003, N 53 zu
                                                                                               160
     Art. 19/20, 203
72

     Bruno von Biiren, Schweizerisches Obligationenrecht, Besonderer Teil, Zurich 1972, 267
                 13.3 Drohender und einaetretener Vermooenszusammenbruch

       Im Gegensatz zur Glaubigerbevorzugung, bei welcher Zahlungsunfahigkeit gegeben sein
                                                                                      73
       muss, geniigt das Bewusstsein eines drohenden Vermbgenszusammenbruchs . Ein
       drohender Vermogenszusammenbruch kann sich beispielsweise durch eine uniibliche,
       risikobehaftete Finanzierungsstruktur mit ungewisser Deckung der absehbaren
       Liquiditatsbedurfnisse abzeichnen (D 23/2, S. 18). Dem Cash Flow Plan ATP Project
       1999-2010 vom 12. April 1999 kann entnommen werden (D 23/34), dass dieser gegen-
       iiber den Tumierpartnern feste Zahlungsverpflichtungen von USD 19'555 '000.- fur 1999,
       USD 78'840'000.- fur 2000 und USD 91'380'000.~ fur 2001 vorsah, wobei bedingt durch
       die Art des ISMM Geschaftes - diesen sicheren Ausgaben unbestimmte Einnahmen
       gegeniiberstanden. Die Auslagerung des gegenstandlichen Betrages erfolgte zudem in
       einem Zeitpunkt, in welchem die Erfullung der Verpflichtungen gegenuber der ATP
       (Bankgarantie iiber CHF 70'000'000.-) gemass Verwaltungsratsprotokoll vom 12. Mai
       1999 nur durch die Aufnahme eines in diesem Zeitpunkt noch zu beschaffenden Kredites
       moglich war (D 8/5/6). Das ATP Projekt war nur eines unter vielen, welches die Cash
       Flow Situation nachhaltig negativ beeinflusste (vgl. dazu die zutreffenden Angaben in der
       Anfechtungsklage der ISMM AG und der ISL Worldwide in Konkurs: D 23/2, S. 18 ff.,
       sowie die Belege zur Klage: D 23/34 ff., vgl. auch die Ausfiihrungen des Gutachters: D
       7/D, S. 59, Ziffer 10.3/vgl. zudem im Zusammenhang mit dem Abfluss der
       Vermogenswerte an die Sunbow S.A. von CHF 36'130'220.05 das Jahresergebnis der
       Sporis Holding AG per 31. Dezember 1998: Der Shareholder Equity betrug CHF
       36'285'000.-: D 6/1/6).


        Zudem ist zu beriicksichtigen, dass die Auslagerung der Gelder zwar bereits im Mai
        1999 erfolgte, die effektive Verwendung jedoch in verschiedenen Schritten erfolgte,
        bzw. sich bis in den Januar 2001 hineinzog. In dieser Zeitspanne akzentuierte sich
        jedoch die Problematik der llliquiditat, weshalb die ISMM AG bzw. die
        Beschuldigten in dieser Situation (nach Auffassung der Staatsanwaltschaft
        eben bereits ab Juni 1999) besonders verpflichtet gewesen waren, noch
        vorhandenes Vermdgen zu Gunsten samtlicher Giaubiger zu erhalten. Wie
        bereits dargelegt, war sich der Verwaltungsrat bereits zu Beginn des Jahres 2000 der
        angespannten Cash Flow Situation bewusst, weshalb er den
        Verwaltungsratsausschuss beauftragte, zusatzliche Moglichkeiten der
        Liquiditatsbeschaffung zu priifen. Die Ruckfuhrung von vorerst CHF 18'000'000.~ in
        die Gruppe belegt im Ubrigen den gewaltigen Liquiditatsbedarf, dem offensichtlich
        fehlende Einnahmen aus dem ordentlichen Tagesgeschaft gegeniiberstanden.
        Betreffend die Entwicklung des letztlich tatsachlich eingetretenen Vermogenszerfalls
        kann auf das buchhalterische Gutachten verwiesen werden (D 7/D). Gegeben ist
        ferner die objektive Strafbarkeitsbedingung; am 21. Mai 2001 wurde uber die
        ISMM AG der Konkurs eroffnet.




     Stratenwerth, a.a.O., § 24, N. 17
                                                                                             161
13.4     Subjektiver Tatbestand

         In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz hinsichtlich der objektiven Tatbestandsmerkmale er-
         forderlich. Der Tater muss mithin im Bewusstsein des ihm drohenden Vermdgens-
         zusammenbruchs handeln, sich also bereits in bedrangter Vermogenslage befinden und
         mit dem Eintritt der Zwangsvollstreckung rechnen. Er muss ausserdem mindestens in
         Kauf nehmen, dass er den Glaubigern durch sein Verhalten einen Vermogensschaden
         zufugen konnte. Unwesentlich ist das Tatmotiv; d.h. der Tater kann aus irgendwelchen
         Beweggrunden handeln.

         Dass die Verantwortlichen des sich abzeichnenden Vermdgenszerfalls der Sporis
         Holding AG bzw. der ISMM AG bewusst waren, wurde bereits dargelegt. Gleichwohl ver-
         anlassten sie die bezeichneten Schmiergeldzahlungen bzw. liessen diesen Geldabfluss
         zu, ohne eine hierfur (klar) aquivalente und (zeitlich sowie im Umfang) gesicherte
         Gegenleistung erwarten zu konnen. Es konnte ihnen daher unmoglich entgangen sein,
         dass die Schmiergeldzahlungen schon des betrachtlichen Umfanges wegen durchaus
         geeignet waren, die Giaubiger der ISMM AG (bzw. ISMM Gruppe) zu schadigen, und sie
         nahmen solches zumindest in Kauf. Den verantwortlichen Organen kann deshalb der
         Vorwurf nicht erspart werden, auch in subjektiver Hinsicht den Tatbestand der Glau-
         bigerschadigung durch Vermogensminderung mehrfach erfullt zu haben.



14.      Bevorzugung eines Giaubigers

14.1     Zur gesetzlichen Grundlage vgl. Ziffer 8.1, zum Tatvorwurf vgl. II. Ziffer 13 (S. 22 der
         Anklage).

14.2      Auf Grund der Untersuchung steht fest, dass folgende Betrage von der ISMM AG und
         der ISL Worldwide auf ein Konto der Sunbow S.A. flossen:


Valuta       Herkunft der Zahlung   Betrag in CHF        Act.

11.10.2000   ISMM AG                  500'000.00    25/19/113
08.01.2001   ISL Worldwide            500'000.00    25/19/119

Da es sich bei der Nunca Stiftung/Sunbow um eine „Geschaftseinheit" der ISMM AG handelte,
ist die Uberweisung von insgesamt CHF 18'000'000.~ als Intercompanydarlehen zu
qualifizieren. Bei den Zahlungen an die Sunbow S.A. handelt es sich um die Ruckfiihrung eines
Teils dieses Darlehens. Unabhangig der Frage, ob die Riickzahlung des Darlehens auf Grund
der materiellen Rechtslage in diesem Zeitpunkt bzw. in dieser Art hatte beansprucht bzw.
durchgesetzt werden konnen, erscheint nach Auffassung der Staatsanwaltschaft eine
Tatbestandserfullung nach Art. 167 StGB (Bevorzugung der Sunbow S.A. als "Gl&ubigerin")
schon deshalb von vornherein ausgeschlossen, weil die Beschuldigten faktisch von einem
Konzernverhaltnis bzw. einer wirtschaftlichen Einheit (auch zwischen ISMM/ISL und Sunbow)
ausgingen. Wurde ein Teil des Geldes wieder auf die der ISMM AG gehorende Sunbow S.A.
(und damit vereinfacht in ein anderes "Kasseli") ausgelagert, so ist zumindest in subjektiver
Hinsicht der Tatbestand der Bevorzugung eines "Giaubigers" nicht gegeben. Am
Eventualvorwurf wird daher nicht langer festgehalten. Anzumerken bleibt, dass gestutzt auf
die Ausfuhrungen auf
                                                                                                 162
            S. 176 vorstehend die spater begunstigte Gilmark Holdings Inc. nicht
            rechtsgeniigend als Glaubigerin bezeichnet werden kann, weshalb auch
            insofern die Tatbestandserfiillung von Art. 167 StGB nicht in Frage kommt.


     15.     Betrugerischer Konkurs

     15.1    Gesetzliche Grundlage

            Gemass Art. 163 Ziff. 1 StGB wird Schuldner bestraft, der zum Schaden der
            Giaubiger sein Vermogen zum Scheine vermindert, namentlich
            Vermogenswerte beiseiteschafft oder verheimlicht, Schulden vortauscht,
            vorgetauschte Forderungen anerkennt oder deren Geltendmachung veranlasst,
            wenn iiber ihn der Konkurs eroffnet oder gegen ihn ein Verlustschein ausgestellt
            worden ist. Unter den gleichen Voraussetzungen wird der Dritte, der zum
            Schaden der Giaubiger eine solche Handlung vornimmt, bestraft (Ziff. 2).

     15.2    Zum Tatvorwurf vgl. II. Sachverhalt Ziffer 14 (S. 22 der Anklage).

     15.21 Im Zeitpunkt der Konkurseroffnung iiber die ISMM AG war auf dem CHF
           Kontokorrent Nr. 193.223.31, lautend auf Sunbow S.A., noch ein Habensaldo
           von CHF 1'878.50 (D 25/19/123). Die Nunca Stiftung bzw. die Sunbow S.A. als
           Beteiligung der ISMM AG und somit der erwahnte Vermogenswert fanden nicht
           Eingang in das Guterverzeichnis (D 15/3/16 ff.). Gleiches gilt mit Bezug auf CHF
           36'966.-, welche sich auf dem CHF Konto Nr. 01506649AA, lautend auf die
           Nunca Stiftung, befanden (D 25/5/38 ff.). Auch hier handelte es sich um eine
           Beteiligung und um tatsachliche Vermdgenswerte im Sinne des Tatbestandes.
           Im Resulat wurden die genannten VermGgenswerte der Schuldnerin
w          also verheimlicht, womit der Tatbestand des betrugerischen Konkurses objektiv
           erfullt ist (BGE 93 IV 92, BGE 88 IV 26). Nach BGE 102 IV 173 f. kann namlich
           blosses Schweigen dann Verheimlichen im Sinne von Art. 164 StGB bedeuten,
           wenn es dazu dient, einen geringeren als den wirklichen Vermogensbestand
           vorzutSuschen.

             Der Restsaldo von letztlich CHF 1 '848.20 auf dem Konto der Sunbow S.A.
             wurde mit Valuta 18. Oktober 2001 auf ein Konto der Interadvice Anstalt
             uberwiesen (D 25/19 /131). Der Restbetrag auf dem Konto der Nunca Stiftung
             wurde in drei Tranchen an das Treuhanduntemehmen Negele, Sele & Frommelt
             in Vaduz uberwiesen. Die Vergutungsauftrage wurden von Veit Frommelt und
             Hans-Jurg Schmid unterzeichnet (D 25/5/43, 54, 57). Damit ist auch ein
             Schaden der Giaubiger ausgewiesen; denn das inkriminierte Vorgehen war nicht
             nur geeignet fiir einen Haftungssubstratsverlerlust, sondern es fiihrte zu einem
             solchen. Die objektive Strafbarkeitsbedingung ist im Ubrigen gegeben; am 21.
             Mai 2001 wurde fiber die ISMM AG der Konkurs eroffnet.
    fiihrte zu einem solchen. Die objektive Strafbarkeitsbedingung ist im Ubrigen gegeben; am 21.
    Mai 2001 wurde uber die ISMM AG der Konkurs eroffnet.

    In subjektiver Hinsicht ist entscheidend, dass die Gelder mit Wissen und Willen verheimlicht
    wurden. Denn vor dem Hintergrund des gesamten Konstrukts der Nunca Stiftung / Sunbow S.A.
    wird offensichtlich, dass die Beschuldigten nicht die Absicht hatten, solche Vermogenswerte offen
                                                                                                    163
       zu legen bzw. offen legen zu lassen. Ferner konnte den Beschuldigten auf Grund ihrer
       Bildung und Stellung in der ISMM/ISL Gruppe gar nicht entgangen sein, dass mit der
       Nichtangabe der Beteiligung das VermSgen scheinbar vermindert wurde. Dasselbe gilt mit Bezug
       auf die Folge, dass der Ausfall sich vergrosserte bzw. dadurch ein Schaden eintrat.


16.    Veruntreuung

16.1    Betreffend die gesetzliche Grundlage wird auf Ziff. 3.1 vorstehend verwiesen. Zum Tatvorwurf
       gilt das unter II. Sachverhalt Ziffer 15 (Anklageschrift S. 22 unten) Ausgefiihrte. Eine
       Veruntreuung begeht, wer etwas, woruber er mit Willen des Berechtigten die Herrschaft ausubt,
       pflichtwidrig im eigenen Oder fremdem Nutzen verwendet (BGE 111 IV 132). Das Tatobjekt muss
       dem Tater anvertraut worden sein. Als anvertraut und somit wirtschaftlich fremd sind
       Vermogenswerte nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung, was jemand mit der Verpflichtung
       empfangt, es in bestimmter Weise im Interesse eines andern zu verwenden, insbesondere es zu
       verwahren, zu verwalten Oder abzuliefern (BGE 80 IV 55, BGE 120 IV 119).


16.2   Tatobjekt ist im vorliegenden Fall die Zahlung von CHF 90'000.-- auf das Privatkonto von Jean-
       Marie Weber.

                    Valuta Empfanger der Auftraggeber der Zahlung Betrag in CHF Act.
                    Zahlung
        28.11.2000 Jean-Marie Weber JMW/HPW                          90'000.00 25/19/117


       Jean-Marie Weber waren die Gelder (bzw. Forderungen) auf dem Konto der Sunbow im Sinne
       des Tatbestandes bloss anvertraut, und er hatte sie allein fiir enger umschriebene Zwecke
       einzusetzen. Bezeichnend ist dazu die Aussage von Christoph Malms, der Folgendes zu
       Protokoll gab (D 3/45, Ziffer 20):

              „Auf mein wiederholtes Drangen, die Begunstigungen einzustellen, wurde mir von Jean-
              Marie Weber, dem Nachfolger von Horst Dassler bei der ISL, klar gemacht, dass diese
              Beziehungspflege zu weiter bestehenden Verpflichtungen gefuhrt hatten und seit dem
              Ableben von Horst Dassler allein seine Aufgabe und Verantwortung bleiben wurden. Im
              Interesse der ISL war einzig die Isolierung der Begiinstigungen vom Tagesgeschaft des
              Unternehmens, verbunden mit einem mittelfristigen Abbau der Verpflichtungen,
              durchsetzbar. Die Aktivitaten wurden der Form halber in eine einmalig dotierte Stiftung
              verlagert, welche allein durch Jean-Marie Weber gefuhrt wurde. der die Stiftunasmittel nur
              person lich und zweckaebunden einzusetzen hatte."
       Die tatbestandsmassige Handlung nach Abs. 2 von Art. 138 StGB besteht in einem
       Verhalten des Taters, durch welches er eindeutig seinen Willen bekundet, den obliga-
       torischen Anspruch des Treugebers zu vereiteln (BGE 121 IV 25). Durch die Uberwei-
       sung auf sein Konto entzog Jean-Marie Weber das Tatobjekt dem Zugriff der Berech-
       tigten. Auf Grund des Gesamtkonstruktes musste er zudem gar nicht damit rechnen,
       dass die Transaktion hinterfragt wurde. Kam es zu Fragen, gaben sich die diesbeztigli-
       chen Personen offenbar mit pauschalen Antworten zufrieden (vgl. z.B. D 3/66, Ziffer 28).

16.3    Bezuglich der Einwande der Verteidigung kann uneingeschrankt auf die richtigen Ent-
       gegnungen des Untersuchungsrichters (S. 243 Uberweisung) verwiesen werden. Es
       bestehen keine Anhaltspunkte dafiir, dass die am 26. November 2000 auf das Privat-
       konto uberwiesenen Gelder anschliessend zweckgemass verwendet wurden. Angesichts
       der Aktenlage erscheint es denn auch zulassig, aus der Weigerung des Beschuldigten,
                                                                                               164
       nahere Angaben zu machen, Schlusse zu ziehen. Denn wegen der belastenden
       Momente durfte (bzw.diirfte) eine Erklarung des Beschuldigten vernunftigerweise erwar-
       tet werden; auch wenn es den Behorden obliegt, die Schuld des Betroffenen nachzu-
       weisen, trifft den Beschuldigten im Bereich der rechtfertigenden Tatsachen eben doch
       eine gewisse Mitwirkungspflicht.


16.4   Der deliktische Schaden besteht im Wert des veruntreuten Gutes (BGE 111 IV 23 E. 5.
       S. 23), mithin im Betrage von CHF 90'000.~.

16.5    Der Beschuldigte wusste, dass ihm die auf dem Konto der Sunbow S.A. liegenden
       Gelder bloss anvertraut waren und nur fiir bestimmte Zwecke (sicher nicht zur Uber-
       weisung auf sein Privatkonto) eingesetzt werden durften. Dennoch liess er sich den
       Betrag fur eigene Zwecke und zum Schaden der Sunbow (ISMM AG) auf sein Konto
       iiberweisen. Der Beschuldigte handelte mithin vorsatzlich. Da er offensichtlich nicht
       gewillt war, die zweckwidrig verwendeten Betrage an den Treugeber zuriickzufiihren,
       erubrigt sich die Prufung der Frage, ob seine diesbeziigliche Leistungsfahigkeit gegeben
       war. Hingegen ist hiermit auch die Absicht der unrechtmassigen Bereicherung dargetan.

16.6   Zusammengefasst kann dem Beschuldigten somit der Vorwurf der Veruntreuung
      nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB nicht erspart bleiben.
17 Strafrechtliche Verantwortunq der einzelnen Beschuldigten

17.1 Einleitung

17.1.1 Fur Straftaten in einem Geschaftsbetrieb sind grundsatzlich die naturlichen Personen
      verantwortlich, welche effektiv fur das Unternehmen handelten oder hatten handeln
      sollen und in ihrer betrieblichen Funktion des Tatbestand schuldhaft erfullten. Strafbar ist
      ein Tater also auch fiir das im Dienste einer Firma als Organ Oder Vertreter eines
      Unternehmens begangene Delikt (BGE 105 IV 175; 110 IV 17). Begeht der mit der
      betrieblichen Fuhrung Befasste das Delikt selber (allenfalls zusammen mit Mitarbeitern),
      so ist seine strafrechtliche Verantwortung eine allgemeine und von der spezifischen
      Eigenschaft an sich unabhangig. Ist eine solche Tatbegehung nicht gegeben, kann der
      Unternehmer unter gewissen Umstanden dennoch strafrechtlich verantwortlich sein, so-
      fern er die Handlung eines anderen Betriebsangehorigen im Vorfeld aktiv initiiert
      bzw. durch vorangehende Aktivitat unterstutzt (Mittater oder Teilnehmer), oder (als in
      diesem Sinn dritte Variante) die deliktische Handlung eines anderen Betriebsangehorigen
      durch Passivitat nicht verhindert.

       17.1.2 Begriinden Oder erhohen besondere "personliche Merkmale" die Strafbarkeit, so
             sind die Strafbestimmungen des 2. Titels des StGB (Strafbare Handlungen gegen
             das Vermogen) gemass Art 172 aStGB auch auf die in dieser Bestimmung
             angefuhrten Personen anzuwenden, wenn diese Merkmale nicht bei ihnen
             persdnlich, sondern bei der juristischen Person oder Gesellschaft vorliegen. Im
             Einzelnen sind dies die Organe oder Mitglieder eines Organs einer juristischen
             Person, Mitarbeiter einer juristischen Person oder Gesellschaft, denen eine
             vergleichbare selbstandige Entscheidungsbefugnis in ihren Tatigkeitsbereichen
             zukommt oder, ohne Organ, Mitglied eines Organs oder Mitarbeiter zu sein, als
             tatsachlicher Leiter einer juristischen Person oder Gesellschaft. Ob eine natiirliche
             Person Organ Oder Mitglied eines Organs einer juristischen Person ist, bestimmt
                                                                                                          165
                                                 74
                   grundsatzlich das Zivilrecht (vgl. aber BGE 106 IV 23). Die zitierte Bestim-
                   mung wurde zwar mit der auf den 1. Januar 2007 in Kraft getretenen Revision des
                   allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches aufgehoben und durch Art. 29 StGB
                   ersetzt. Soweit den vorliegenden Fall betreffend brachte die Revision indes keine
                   tatsachliche, hochstens eine redaktionelle Anderung. Wahrend das alte Recht von
                   strafbegriindenden oder straferhohenden besonderen personlichen Merkmalen
                   sprach, bezeichnet die aktuelle Bestimmung diese Merkmale als besondere
                   Pflichten. Inhaltlich bedeutet dies aber keine Anderung, da schon unter der
                   fruheren Regelung nicht die personlichen Verhaltnisse von Art. 26 aStGB gemeint,
                   sondern allein die besonderen personlichen Merkmale anvisiert waren, die eine
                   Sonderpflicht begriinden. Das Bundesgericht hielt zudem schon fruh fest, dass die
                   ausdruckliche Regelung der Strafbarkeit verschiedener Organe fur die von ihnen
                   im Geschaftsbetrieb einer juristischen Person begangenen Betreibungsdelikte
                   nicht bedeute, dass die handelnden Organe fiir andere im Geschaftsbetrieb
                   begangene Delikte von vorneherein nicht strafbar seien(BGE 105 IV 175).


74
     Trechsel, a.a.O., N 2 zu Art. 172
17.1.3 Allerdings wird beispielsweise ein Verwaltungsrat nicht allein kraft seiner gesellschaftsrechtlichen
       Stellung betraft. Denn es gibt keine von der konkreten Tatbeteiligung unabhangige strafrechtliche
       Haftung der Organe einer juristischen Person fiir Delikte, welche in deren Betrieb von anderen
       begangen werden (vgl. BGE 105 IV 175). Eine strafrechtliche Verantwortung lasst sich in diesen
       Fallen nur iiber die Konstruktion des unechten Unterlassungsdelikts begrunden. Dies setzt
       allerdings voraus, dass die jeweiligen Personen eine Garantenstellung mit Bezug auf die in Frage
       kommenden Delikte haben und eine schuldhafte, mindestens eventualvorsatzliche Verletzung der
       Garantenpflicht gegeben ist. Garant ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung, wer gesetzlich
       oder vertraglich verpflichtet ist, die Verwirklichung eines Straftatbestandes zu verhindern oder in
       ihren Wirkungen aufzuheben (BGE 105 IV 176). Die Garantenstellung kann sich jedoch auch
       aus den Umstanden ergeben (BGE 96 IV 174). Dabei lasst sich diese Pflicht u.a. dann bejahen,
       wenn der Beschuldigte der oberste Leiter, das Haupt der Gesellschaft mit beherrschender Rolle
       und nach aussen in Erscheinung tretender Inhaber ist (BGE 96 IV 174 f., vgl. auch BGE 122 IV
       103 ff.).


           Bejaht man somit die Strafbarkeit der Nichtabwendung eines verponten Erfolges, so stellen sich
           im Wesentlichen zwei Fragen: Wann ist eine Person strafrechtlich verpflichtet zu handeln bzw. in
           einen unter Umstanden von ihr vbllig unabhangigen Kausalverlauf einzugreifen, um ein
           strafrechtliches Rechtsgut vor einer Gefahrdung oder Verletzung zu retten, und welches sind die
                                                                   75
           Elemente, welche die Garantenstellung begrunden . Zusammengefasst mussen beim
           .Tatbestand" des unechten Unterlassungsdelikts folgende Voraussetzungen gegeben sein:

             - obiektiv: -eine ein Rechtsgut gefahrdende Situation -ein Verhaltnis zwischen Rechtsgut und
                              Unterlassungstater -Nichtvornahme einer die drohende Gefahr abweichenden
                              Handlung -Eintritt des drohenden Erfolges gerade deswegen

             -                subiektiv: -Moglichkeit des Eingreifens -Kenntnis der Gefahrensituation -
                             Kenntnis der Garantenstellung -Bewusstsein, dass bei Unterlassung der
                                                              76
                             drohende Erfolg eintreten werde

           In jedem Fall muss das passive Verhalten zum verponten Erfolg ursachlich und der
           Beschuldigte verpflichtet sein, den Erfolgseintritt durch Tun zu verhindem (BGE 86 IV 220, BGE
           53 IV 351). Die Garantenstellung muss zudem auf der Grundlage einer Rechtspflicht bestehen.
           Diese kann sich aus Gesetz, Vertrag oder Gewohnheitsrecht ergeben (eine moralische
                                                                                                   166
        Verpflichtung geniigt nicht / BGE 79IV 145 ff.).

        Zur Geschaftsherrenhaftung als Spezialfall des unechten Unterlassungsdelikts ist Folgendes zu
        prazisieren. Das Bundesgericht hat im Fall Buhrle (BGE 96 IV 155) dem Beschuldigten als nach
        aussen in Erscheinung tretendem Inhaber der Unternehmung vorgeworfen, dass es ihm am
        ernstlichen Willen, wirksam einzugreifen, offensichtlich gemangelt habe. Auf Grund seiner Rolle
        sei er aber dazu verpflichtet gewesen, als er habe erkennen konnen, dass die Leitung der
        Waffen-Verkaufsabteilung sich uber den Embargo-Beschluss des Bundesrates hinweggesetzt
        habe (S. 175 und 176). Nach


75

       Rene Meyer, Die Garantenstellung beim unechten Unterlassungsdelikt, Diss., Zurich 1972,1
76

     vgl. im einzelnen Meyer, a.a.O., 40 ff.
                    77
        Schubarth heisst das Urteil, dass der Firmeninhaber und Konzernchef zumindest dann,
        wenn er damit rechnen muss, dass in seinem Betrieb unerlaubte Handlungen begangen
        werden, die Verpflichtung hat, sich durch die notigen Erhebungen und Kontrollen
        Kenntnis uber das tatsachliche Geschehen zu verschaffen, und eine Fortsetzung der
        unerlaubten Handlungen zu verhindern. Verletzt er diese Pflicht, so wird er bestraft, wie
        wenn er die Handlung selbst begangen hatte. Das Bundesgericht hat in BGE 105 IV 178
        mit Bezug auf den Biihrle-Entscheid prazisierend festgehalten, dass das „Erken-
        nenkonnen" nicht im Sinne einer abstrakten Erkenntnismoglichkeit verstanden werden
        durfe. Auch beim vorsatzlichen unechten Unterlassungsdelikt miisse dem Garanten das
        konkrete tatbestandsmassige Wissen und Wollen nachgewiesen werden.

        Beweisrechtlich ist somit von Bedeutung, dass die individuelle Schuld, das Wissen und
        das Wollen des Einzelnen festzustellen sind, wobei den arbeitsteilig gepragten Unter-
        nehmensstrukturen Rechnung getragen werden muss.


17.1.4 Wie dargestellt, hatten alle Beschuldigten Organstellung oder waren in einer der
       Funktionen, wie sie in Art 172 aStGB bzw. Art. 29 StGB angefuhrt werden, fur die ISMM
       Gruppe tatig (vgl. A. Aspekte von gemeinsamer Bedeutung, 1. ISMM (ISL) Gruppe /
       Struktur / Organisation / Stellung der Beschuldigten).

        Die Stellung und damit verbunden die Kompetenzen und Pflichten der ins Recht gefass-
        ten Personen ergeben sich im Wesentlichen aus dem Gesetz, der dargestellten internen
        Rechtsordnung bzw. Organisation (Reglemente u.s.w.), der in der Gruppe praktizierten
        Clbung, aber auch aus den Arbeitsvertragen (inkl. Stellenbeschriebe u.s.w.). Letztere
        wurden insbesondere mit der ISL Marketing AG geschiossen, welche im Mai 2000 mit
        der ISL Properties AG fusionierte und in der Folge unter ISL Worldwide firmierte. Die
        Vertrage wurden bis zur Konkurseroffnung nicht auf die neue Gesellschaft umgeschrie-
        ben. Wie schon betreffend die Reglemente festgehalten wurde, ist von Bedeutung, dass
                                                                                          78
        die ubernehmende Gesellschaft in Rechtsverhaltnisse wie Arbeitsvertrage sukzediert .

        Soweit sich Beschuldigte auf Grund von Unterlassungen zu verantworten haben, sei
        bezuglich ihrer Rechts- und somit auch Garantenpflichten auf die folgenden, nicht
        abschliessenden Quellen verwiesen. Dabei ist vorweg von Bedeutung, dass nach der
        Bundesgerichtspraxis nicht jede Rechtspflicht fur die Begrundung einer Garantenpflicht
        geniigt, sondern nur eine qualifizierte (BGE 113 IV 73 f.). Eine Pflicht ist dann qualifiziert,
        wenn der Geschaftsherr in einer engen Beziehung zum geschiitzten Rechtsgut steht und
        die Pflicht zur Verhinderung von Straftaten einen zentralen Bestandteil der
        Handlungspflicht darstellt. Es braucht also eine Pflicht, genau diese spezifische, ge-
                                                                                                       167
        steigerte Betriebsgefahr abzuwenden, die gerade von diesem Untergebenen des
                                                                            79
        Vorgesetzten, in Verletzung einer Strafnorm, verwirklicht worden ist . So wird nach
        neuester Literatur etwa der Standpunkt vertreten, dass sich allein aus den
        unentziehbaren und uniibertragbaren Aufgaben des Verwaltungsrates nach Art. 716a
        Abs. 1 OR keine


77


     Martin Schubarth, Zur strafrechtlichen Haftung des Geschaftsherm, ZStrR 92 (1976) 371
78


     Suter a.a.O., 34 f.)
79


     Frei, a.a.O. 66
                                                                                              80
        strafrechtlich relevante Pflicht zur Verhinderung von Straftaten herleiten lasst , hingegen
        gemeinsam mit der aktienrechtlichen Treuepflicht (Art. 717 Abs. 1 OR) von einer qualifizierten
                                     81
        Rechtspflicht auszugehen ist .

               Allgemein kann eine Garantenpflicht aus dem Grundsatz von Treu und Glauben abgeleitet
               werden (Art. 2 Abs. 1 ZGB), wenn sich aus der Natur des Vertrages und den konkreten
               Verhaltnissen spezielle Sorgfaltspflichten ergeben, diese jedoch nicht geniigend prazisiert
                   82
               sind (vgl. dazu exemplarisch den Arbeitsvertrag von Heinz Schurtenberger: D 9/4/4, in
               welchem festgehalten ist, dass der Arbeitnehmer diejenigen Verantwortlichkeiten
               wahrzunehmen habe, die ublicherweise mit seiner Stellung verbunden seien).

               Bei der Aktiengesellschaft liegt die Verantwortung fiir die Geschaftsfuhrung grundsatzlich
               beim Verwaltungsrat, welcher die Gesellschaft auch nach aussen vertritt. Gemass Art.
               716b Abs. 1 OR ist die Delegation der Geschaftsfuhrung unter anderem an Dritte nur
               dann zulassig, wenn die Delegationsmoglichkeit in die Statuten aufgenommen und ein
               Organisationsreglement - wie im konkreten Fall geschehen - erstellt wurde. Aber selbst
               bei giiltiger Delegation gehdrt die Oberleitung iiber die mit der Geschaftsfuhrung betrauten
               Personen zu den unubertraabaren und unentziehbaren Aufgaben des Verwaltungsrates
               (Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 OR). Dabei ist von Bedeutung, dass darunter die Entwicklung der
               strategischen Ziele der Gesellschaft, die Festlegung der Mittel, um diese Ziele zu
               erreichen, und die Kontrolle der Geschaftsfuhrunosoroane im Hinblick auf die Verfolgung
                                                                   83
               der festgelegten Ziele zu verstehen ist . Ubt hingegen der Verwaltungsrat
               Geschaftsfuhrung und Vertretung vollumfanglich in hochster Instanz aus, entfallt notwen-
                                                                                 84
               digerweise die Aufsichts-, nicht aber die Rechenschaftspflicht . Insgesamt entscheidend
               ist der Schluss, dass durch die Delegation von Kompetenzen die Verantwortung des
               Delegierenden nicht aufgehoben wird, sondern dass an die Stelle der Handlungs-
                                                                85
               verantwortung die Fuhrungsverantwortung tritt . Dabei sind Oberschneidungen der beiden
               Verantwortungsbereiche je nach Ausgestaltung der Organisation moglich.

               Als Grundlage einer gesetzlichen Garantenpflicht kann zudem Art. 717 Abs. 1 OR
               herangezogen werden, wonach Mitglieder des Verwaltungsrates sowie Dritte, die mit der
               Geschaftsfuhrung befasst sind, ihre Aufgaben mit86aller Sorofalt erfullen und die Interessen
               der Gesellschaft in guten Treuen wahren mussen .



17.1.5 In Lehre und Rechtsprechung ist unbestritten, dass die Einzelaufgaben des Verwal-
       tungsratsprasidenten nicht so umfassend geregelt sind, wie jene des Gesamtverwaltungsrates
                                    87
       gemass Art. 716a Abs. 1 OR . Allerdings heisst dies nicht, dass seine Verantwortlichkeit auf
       Grund der gesetzlichen Luckenhaftigkeit in jedem Fall zu negieren ware. Das Bundesgericht fuhrt
       in BGE 109 V 89 aus, dass der Verwaltungsratsprasident dort, wo es um die Verantwortlichkeit in
       Geschaften geht, mit denen er sich ihrer Bedeutung wegen befassen muss, nicht darauf berufen
                                                                                                       168
          kann, dass sich seine Tatigkeit vor allem auf die Leitung der Verwaltungsratssitzungen und
          der General


80

81
     Frei, a.a.O., 93 f.
     Vgl. zur Strafbarkeit des Garanten auch Kesselbach, a.a.O. 106 ff und BGE 122 IV 103 ff.
82

       Kesselbach, a.a.O., 101 f.
83

       Forstmoser, Meier-Hayoz, Nobel, a.a.O., § 30, N 31
84

       Schulthess, a.a.O, 96
85

       Simona BustiniGrob, Grosskredite im Schatten des Strafrechts, Diss. Bern 1997, 68
86

       Forstmoser, Meier-Hayoz, Nobel, a.a.O., § 30, N 59 / Direktoren unterstehen den gleichen
       Sorgfaltspflichten wie der Verwaltungsrat
87

       Ivo W. Hungerbuhler, Der Verwaltungsratsprasident, Diss. Zurich 2003, 61
          versammlung beschranke. Gerade im Zusammenhang mit dem sachverhaltsmassig
          bedeutsamen Umstand einer zunehmend schwierigeren Liquiditatskrise obliegt
          ihm eine erhohte Sorgfalts- und Informationspflicht. Kommt er seiner Informations-
          pflicht nicht nach, kann daraus eine strafrechtlich relevante Pflichtverletzung abgeleitet
                                                                     88
          werden. Er ist somit u.a auch bei „Liquiditatsengpassen" als Entscheidungstrager
          gefordert. Ein wichtiger Aspekt seiner Kompetenz, welche gleichzeitig auch Verpflichtung
          bedeutet, ist die Begleitung der Geschaftsleitung, welche sich aus der Oberleitung
          gemass Art. 716a Abs. 1 Ziff. 1 OR und der Oberaufsicht gemass Art. 712a Abs. 1 Ziff. 5
          OR ergibt. Die Wahrnehmung dieser Begleitfunktion kann insbesondere in einem
          Weisungsrecht bestehen, welches entgegen dem Wortlaut von Art. 716a Abs. 1 Ziff. 1
          OR nicht notwendigerweise durch den Gesamtverwaltungsrat wahrgenommen werden
          kann. Vielmehr ist es Pflicht des Prasidenten, mittels Erteilung von Weisungen fur die
                                                                                            89
          Umsetzung der vom Verwaltungsrat beschlossenen Geschaftspolitik zu sorgen . Die
          Pflicht erschopft sich jedoch nicht nur im Erteilen von Weisungen, sondern auch in der
          Kontrolle der diesbezuglichen Umsetzung.

17.1.6 Bei der nachfolgenden Darstellung (Ziffer     17.2 ff.) betreffend die einzelnen
      Beschuldigten werden - um Wiederholungen zu vermeiden - die Ausfuhrungen unter A.
      Aspekte von gemeinsamer Bedeutung, 1. ISMM (ISL) Gruppe / Struktur/Organisation /
      Stellung der Beschuldigten vorausgesetzt, und es wird deshalb z.T. auf Aktenverweise
      verzichtet.

          Nach der uberzeugenden und mit den Akten ubereinstimmenden Darstellung des Unter-
          suchungsrichters ist Folgendes festzuhalten:



17.2       Christoph Malms

17.2.1 Veruntreuung ev. Betruo z.N. der FIFA (Globo)

17.2.1.1 Christoph Malms war ab 1990 bis zur Konkurserdffnung Verwaltungsratsprasident der
                                                                                                  169
         ISMM AG, mithin der Dachgesellschaft des Konzerns. Diese nahm unter seiner
         Leitung die strategische Gesamtfuhrung der Gruppe wahr. Bis 1998 war er zudem als
         Delegierter des Verwaltungsrates im Management tatig und ab 1998 massgeblich mit
         grossen Finanzierungsprojekten wie dem geplanten Asset Backed Securitisation und
         dem Borsengang der Gruppe (Initial Public Offering) befasst. Er war Bindeglied
         zwischen dem Verwaltungsrat und der Aktionarsschaft (vgl. insbesondere D 16/3),
         besass per Ende 2000 VOOO von 50'000 ISMM AG Aktien (D 8/8/22 ff) und vertrat bei
         den Generalversammlungen jeweils die Mehrheit der Aktionare (D 8/8/1, D 8/8/2), zu
         welchen auch seine geschiedene Ehefrau Sigrid Dassler-Malms gehorte (Aktienanteil
         an der ISMM AG: 9'650 per Ende 2000: D 8/8/24 und D 16/3).

         Bei der Einvernahme vom 6. November 2002 gab Christoph Malms an, dass er seine
         Funktion in der Gesellschaft stets und ausschliesslich im Auftrag, namens und auf Bitte
         der Familienmitglieder ausgeiibt habe. Diese hatten ihn 1990 gebeten, ihre

     Hungerbuhler, a.a.O., 128 f.
89

     Hungerbuhler, a.a.O., 124 ff., insbesondere 127 Belange in der Sporis Gruppe
     wahrzunehmen. Zu jenem Zeitpunkt sei er von den Gesellschaftem zum Prasidenten des
     VR der Sporis Holding AG gewahlt worden (D 3/28, Ziffer 16). Bei der Einvernahme vom 10.
     Februar 2004 gab er an, dass er seine Funktion und seine Wahl seinerzeit gestutzt auf eine
     Gruppe von Mehrheitsaktionaren wahrgenommen habe. Diese habe alle Aktionare mit
     Ausnahme der Kinder von Horst Dassler umfasst. Und diese Gruppe habe in etwa eine
     Zwei-Drittels-Mehrheit an der Sporis gehalten (vgl. zudem A. Aspekte von gemeinsamer
     Bedeutung, 1. ISMM (ISL) Gruppe / Struktur / Organisation / Stellung der Beschuldigten,
     Ziffer 1.5.1).

                  Zusammengefasst ergibt sich fur die Beurteilung der Garantenstellung
                  vorweg die Feststellung, dass Christoph Malms

                       als Aktionar der ISMM AG,

                       als Vertreter der Mehrheitsaktionare der ISMM AG,

                       als von diesen gewahlter Verwaltungsratsprasident der ISMM AG,

w
                       als bis 1998 aktiv          im   Management       tatiger   Delegierter    des
                       Verwaltungsrates der
                       ISMM AG und

                       ab 1998 als mit den massgeblichen Finanzierungsgeschaften befasster
                       und
                       somit auch operativ fur die ISMM AG Verantwortung tragend,

                  massgeblich und umfassend, insbesondere in die finanziellen Belange der
                  ISMM Gruppe involviert war.

                  Mit Bezug auf den operativen Bereich kann unter anderem auf seine Angaben
                  verwiesen werden, wonach de facto das Projekt AURORA (IPO) alles
                  beherrscht habe; mit anderen Worten: in der Praxis habe AURORA bezuglich
                  seiner Mitwirkung die zentrale Rolle gespielt (D 3/45, Ziffer 90 f, vgl. auch Ziffer
                  87). Auch habe er gegenuber den verschiedenen, vorstehend erwahnten
                                                                                                   170
                  Bankern und Beratern als erste Anlaufstelle gedient, insbesondere im
                  Zusammenhang mit den Fragen zu den Aktionaren. Mit Bezug auf effektive
                  Leitung dieser Projekte sei naturlich festzuhalten, dass es im Zuge der
                  zunehmenden Konkretisierung auch Sachverhalte und Sitzungen gegeben
                  habe zwischen den Bankern und - je nach Thema - einzelnen Mitgliedern der
                  Geschaftsleitung. Bei diesen Sitzungen habe er nicht unbedingt zu jedem
                  Zeitpunkt dabei sein mussen (D 3/45, Ziffer 98). Er sei in Bezug auf das
                  Projekt AURORA im Verwaltungsrat sicherlich der Initiant und Spiritus Rector
                  gewesen (D 3/45, Ziffer 98). Heinz Schurtenberger gab an, dass Malms die
                  Aktivitaten im Zusammenhang mit der Finanzierung der Gruppe und dem
                  Borsengang (ABS und IPO) direkt geleitet und
                  uberwacht habe (D 9/4/3, S. 17 und 18, Ziffer 42, sowie D 3/29, Ziffer 52) und
                  intensiv in Cash Flow und Finanzierungsfragen involviert gewesen sei (D 3/29,
                  Ziffer 35).

         17.2.1.2 Wie bereits erwahnt, muss dem Garanten das konkrete tatbestandsmassige
                 Wissen und letztlich auch Wollen nachgewiesen werden. Christoph Malms
                 war nicht aktiv in die Verhandlungen betreffend die gegenstandliche Globo
                 Zahlung involviert. Es stellt sich somit die Frage, inwieweit er von diesen
                 Verhandlungen Kenntnis hatte. Unter A. Aspekte von gemeinsamer
                 Bedeutung, 1. ISMM (ISL) Gruppe / Struktur / Organisation / Stellung der
                 Beschuldigten, Ziffer 1.3 Interne Organisation der ISMM Gruppe wurden
insbesondere das umfassende Informationsrecht des Verwaltungsrates (Ziffer 1.3.1.5), aber auch die
Berichterstattung (Reporting) dargestellt. Aus dieser Darstellung kann mit Bezug auf alle Beschuldigten
schlussig festgehalten werden, dass auf Grund der internen Rechtsordnung, der Besetzung des
Verwaltungsrats und der einzelnen geschaftsfuhrenden Positionen in personeller Hinsicht eine
Durchmischung stattfand, welche einen umfassenden Informationsfluss zur Folge hatte. Die Be-
schuldigten waren durch eine starke Vernetzung weitgehend in strategische und operative Aufgaben
(geschaftsfuhrende Verwaltungsrate) eingebunden, und der Informationsfluss war schon auf Grund der
konkreten Ausgestaltung des Berichtswesens gesichert.

Christoph Malms war laut Arbeitsvertrag Mitglied des GMB (General/Group Management Board),
welches mit der Umsetzung des operativen Tagesgeschafts der Tochtergesellschaften befasst war. Er
konnte auf Einladung hin an den Sitzungen des ExCo (Executive Committee) teilnehmen, welches als
Geschaftsleitung die Geschaftsfuhrung auf der Grundlage der Delegation durch den Verwaltungsrat
wahrnahm. Den Protokollen des GMB kann entnommen werden, dass diese dem Beschuldigten
regelmassig zugestellt wurden (D 8/7), jenen des ExCo, dass er als Gast an einzelnen Sitzungen
anwesend war (D 8/6/35). Dazu Christoph Malms an,

     dass er an einzelnen Sitzungen zeitweise teilgenommen habe, namlich insbesondere dann, wenn
     es darum gegangen sei, die Herren im ExCo zu dem Hauptthema zu informieren, welches wahrend
     der Zeit von ihm bearbeitet worden sei, namlich dem Stand der Planung und der einzelnen
     Massnahmen fiir einen allfalligen Borsengang (D 3/45, Ziffer 58). Zum GMB gab er an, dass er
     nicht im GMB Board gewesen sei. Wenn ihm diese Memos zugestellt worden seien, sei er stets
     davon ausgegangen, dass das ExCo die fiir den Verwaltungsrat relevanten Tatbestande gemass
     ihren Richtlinien dem Verwaltungsrat vorgetragen hatten, und insbesondere auch, wenn es aus
     irgendwelchen Grunden Abweichungen zu den Punkten gegeben habe, so wie sie im
     Verwaltungsrat besprochen worden seien (D 3/45, Ziffer 117).


Allgemein kann zu den beiden Gremien folgendes angefuhrt werden. An den Sitzungen des ExCo
wurden grundsatzlich alle Themen von einer bestimmten Wichtigkeit wie Cash Flow Planung und
Unternehmensfinanzierung besprochen. Im GMB fanden vor allem Informationsaustausch und die
Koordination von Projekten und Prozessen statt (D 18/6, S. 3-8). Die GMB Mitglieder rapportierten dem
CEO, dieser dem Vorsitzenden des ExCo und dieser ab dem 1. Oktober 2000 dem Verwaltungs-
ratsprasidenten, d.h. Christoph Malms (D 8/2/18, Ziffer 4.1-3). Heinz Schurtenberger gab uberdies
folgendes zu Protokoll:
                                                                                                     171
     Generell habe es eine sehr enge und langjahrige Beziehung zwischen Jean-Marie Weber, Co-
     VR-Prasident der ISMM und Prasident des ExCo, und Christoph Malms gegeben. Er gehe davon
     aus, dass Herr Malms von Herrn Weber zumindest periodisch iiber Diskussionen und Geschafte
     des ExCo informiert worden sei, soweit Herr Malms nicht personlich an Sitzungen des ExCo
     teilgenommen oder die entsprechenden Dokumente in Kopie eralten habe (D 3/44, Ziffer 48):


      Christoph Malms gab diesbezuglich an, dass er Herrn Weber selbstverstandlich seit Beginn seiner
      Tatigkeit gekannt habe. Es habe auch vorher ein Sich-Kennen bestanden aufgrund seiner
      langjahrigen Tatigkeit bei ADIDAS. Die Zusammenarbeit habe sich aber immer auf sachlich
      inhaltliche Punkte und nicht auf eine personliche Beziehung bezogen. Es habe sicherlich Kontakte
      gegeben, aber eine bewusste zusatzliche Information iiber das gemass den Reglements
      Notwendige seit nicht regelmassig erfolgt (D 3/45, Ziffer 59).
Daniel Beauvois gab an, dass Malms auch physisch oft im Buro anwesend gewesen sei. Durch diese
Tatsache wiirde er behaupten, dass er sehr gut daruber informiert gewesen sei, was in der Gruppe
tagtaglich passiert sei (D 3/49, Ziffer 54). Jean-Marie Weber gab in der Einvernahme vom 8. November
2002 an, dass die direkte Kommunikation bezuglich wichtiger Angelegenheiten iiber Christoph Malms als
Verwaltungsratsprasident gelaufen sei (D 3/30, Ziffer 65). Auf die Frage, ob das richtig sei, gab dieser
an,

     dass er mit Kommunikation die Kommunikation an unabhangige Dritte ausserhalb ihres
     Kerngeschaftes gemeint habe, sprich: zum Beispiel die ganzen Berater im Zusammenhang mit
     dem Projekt AURORA, Medien allgemein oder sonstige Dritte. Die Kommunikation mit
     Geschaftspartnern sei stets iiber die entsprechenden Mitglieder des ExCo's oder andere Mitglieder
     des Managements erfolgt (D 3/45, Ziffer 126).


Mit Bezug auf das Globo Geschaft hat die Untersuchung Folgendes ergeben. Christoph Malms gab bei
seiner ersten Einvernahme an,

     dass im Fruhjahr 2000 die Geschaftsleitung dem Verwaltungsrat den Vorschlag gemacht habe, im
     Zusammenhang mit den Partnem der Femsehvertrage Bankgarantien zu erhalten zwecks
     zusatzlicher Finanzierungsspielraume. Der Verwaltungsrat habe den Vorschlag gutgeheissen mit
     der Massgabe, dass es sich um Garantien handeln musse, welche losgelost vom spezifischen
     Unterlizenzgeschaft und damit vertragskonform seien. Dies sei auch Gegenstand von weiteren
     Einzelgesprachen im Verwaltungsrat und auch mit der Geschaftsleitung gewesen. Der
     ursprungliche Vorschlag habe auf einer schon Anfang 1999 gemachten Aufforderung im Anschluss
     an den Grundsatzentscheid eines allfalligen Borsenganges basiert, dass die Geschaftsleitung
     grundsatzlich zusatzliche Finanzierungsmoglichkeiten prufen solle mit dem Ziel, den Erlos aus der
     allfalligen Kapitalerhohung nicht fiir das normale Geschaft benutzen zu mussen, quasi als
     zusatzliches Finanzierungsdispositiv. Uber die Umsetzung dieses Vorschlages bzw. der Massgabe
     des Verwaltungsrates sei er nicht direkt informiert worden (D 3/28, Ziffer 93).

     Heinz Schurtenberger gab zum letzten Teil dieser Aussage an, dass ihm das schwer verstandlich
     sei. In Anbetracht der sich abzeichnenden Finanzierungslucke konne er sich nur schwer vorstellen,
     dass sich der Prasident des Verwaltungsrates und mandatierte Vertreter der Aktionarsmehrheit
     nicht laufend beim Prasidenten des ExCo und dem CFO informiert habe. Im Ubrigen habe sich das
     Biiro von Christoph Malms neben demjenigen von Hans-Jurg Schmid befunden (D 3/44, Ziffer
     141+142).


Bei der Einvernahme vom 10. Februar 2004 wurde Christoph Malms diese Aussage nochmals
vorgehalten, wie auch das Protokoll betreffend die Sitzung des Group Management Board vom 14. Marz
2000, welches ihm gemass Verteiler zugestellt wurde (D 8/7/19, Ziffer 4.1). In Ziffer 4.1 des Protokolles
steht Folgendes: "HJS will follow up on the early payments of Globo TV and keep the GMB Members
updated on the progress". Malms wurde gefragt, ob er von diesem Protokollinhalt Kenntnis genommen
habe, worauf er - wie bereits erwahnt - angab,

     dass er nicht im GMB Board gewesen sei. Wenn ihm diese Memos zugestellt worden seien, sei er
     stets davon ausgegangen, dass das ExCo die fur den Verwaltungsrat relevanten Tatbestande
     gemass ihren Richtlinien dem Verwaltungsrat vorgetragen hatten, und insbesondere auch, wenn
                                                                                                 172
      es aus irgendwelchen Grunden Abweichungen zu den Punkten gegeben habe, so wie sie im
      Verwaltungsrat besprochen worden seien (D 3/45, Ziffer 117).
Allerdings eriauterte er in anderem Zusammenhang, namlich auf die Frage, ob die Globo Zahlung
geeignet gewesen sei, die Liquiditatssituation bzw. den Engpass zu iiberbriicken, u.a.,

     dass die Globo-Zahlung in der Planung und der Analyse des ExCo's immer ein Sachverhalt neben
     mehreren gewesen sei (D 3/45, Ziffer 116).


Weiter wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Hans-Peter Weber (Treasurer der Gruppe) hat in der
Einvernahme vom 6. Juni 2001 angegeben, dass Sie von der Vereinbarung mit Globo uber die Zahlung
der USD 59'207'500.~ auf ein Konto der ISL Worldwide gewusst hatten (D 3/2, Ziffer 44). Christoph
Malms gab an,

     dass er sich nicht mehr daran erinnern konne. Es sei schon moglich, dass es einmal geheissen
     habe, eine Zahlung sei reingekommen ... aber in welchem Zusammenhang? Er konne sich explizit
     nicht erinnern, in der Form konkret informiert worden zu sein (D 3/45, Ziffer 124).


Weiter wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Jean-Marie Weber wurde in der Einvernahme vom 8.
November 2002 die Frage gestellt, wo die Idee geboren worden sei, Globo um eine Bankgarantie oder
ein Darlehen anzugehen, worauf er erklarte, das sei sowohl im GMB wie auch im ExCo und im
Verwaltungsrat besprochen worden; im GMB und ExCo auf jeden Fall (D 3/30, Ziffer 92) und ob er
Kenntnis davon gehabt habe.

     Er gab an, dass sie als eine der moglichen Massnahmen fiir weitere Liquiditatsspielraume (neben
     DAWN, AURORA und anderen Massnahmen) auch daruber gesprochen hatten (im Sinne eines
     Brain-Stormings, einer Ideen-Gewinnung), Vertrage so auszugestalten, dass sie fiir Bankgarantien
     und damit grundsatzlich zusatzliche Spielraume herhalten konnten, dieser Ansatz sei im
     Verwaltungsrat diskutiert worden (er wisse nicht genau, an welcher Sitzung; vermutlich an irgend
     einer vom Fruhling 2000) (D 3/45, Ziffer 125).


Die Protokolle des Verwaltungsrates, des ExCo und des GMB zeigen, dass insbesondere die
Liquiditatsbeschaffung - in den beiden letztgenannten Gremien auch die Angelegenheit Globo -
besprochen wurde. Daniel Beauvois gab zudem an, dass das Globo Geschaft mehrmals im
Verwaltungsrat besprochen worden sei (D 3/49, Ziffer 93).

     Ziffer 4.1 des Protokolls betreffend die Sitzung des Group Management Board vom 14. Marz 2000
     (D 8/7/19, Ziffer 4.1) ist folgendes zu entnehmen: "HJS will follow up on the early payments of
     Globo TV and keep the GMB Members updated on the progress". Christoph Malms steht auf dem
     Verteiler.

     Dem Protokoll des ExCo vom 10. April 2000 kann unter der Rubrik MRP Financing / Group Cash
     Flow Situation folgendes entnommen werden: „DBE has asked to approach TV Globo with the
     objective to achieve a bank guarantee for the outstanding payments for the World Cup TV
     agreement. This would support ISMM's overall cash flow situation." Christoph Malms steht auf dem
     Verteiler (D 17/6/6, vgl. auch D 3/62, Ziffer 166).

     In einem Entwurf eines Protokolls des ExCo vom 31. August 2000 ist u.a. festgehalten: "Cash Flow
     Globo non-payment is jeopardising the cash flow situation" (D 12/11/18). Christoph Malms war an
     dieser Sitzung als Gast anwesend (D 8/6/2 / vgl. auch D 3/62, Ziffer 166 f.).
     Auch im GMB war die Liquiditatsbeschaffung ein Thema. So wurde gemass Protokoll vom 22.
     Februar 2000 im Zusammenhang mit konkreten Vertragsverhandlungen mit spanischen und
     argentinischen Fussballclubs iiber vorzeitige Zahlungen diskutiert; „the possibility of up-front
     payments has been discussed which could impact our current cash flow situation". Christoph
     Malms steht auf dem Verteiler (D 8/7/18, Ziffer 3.4, vgl. auch D 3/62, Ziffer 171).


Die Liquiditatsbeschaffung im Zusammenhang mit Globo wurde aber auch von Christoph Malms selber
                                                                                                    173
thematisiert: Mit einem E-Mail vom 22. Juni 2000 an Jean-Marie Weber schlug er fur die nachste
Verwaltungsratssitzung u.a. folgendes Traktandum vor: „Other measures to increase cash flow and/or
borrowing base. (Globo, IAAF, payments to clubs...)" (D 17/5/50). Malms wurde gefragt, an was fiir
Massnahmen er im Zusammenhang mit Globo gedacht habe? Er gab an

     dass fiir ihn eine Cash Flow Betrachtung ihres Geschaftsablaufs stets von grosser Bedeutung
     gewesen sei. Er habe unabhangig von spezifischen Situationen und Sachverhalten aus rein
     strategischen Uberlegungen schon Ende der neunziger Jahre verschiedentlich postuliert, dass die
     ISMM Gruppe sich ganz grundsatzlich alle Moglichkeiten zur kostengiinstigen Finanzierung ihres
     Geschaftes erarbeiten und offen halten solle, ob diese nun in Anspruch genommen wurden oder
     nicht. In diesem Zusammenhang sei schon in einer Verwaltungsratssitzung vor dieser hier im Juni
     vom Executiv Committee die Idee vorgetragen worden, die bestehenden Rights-Out-Vertrage, und
     insbesondere auch zukunftige Rights-Out-Vertrage, so zu gestalten, dass sie fiir eine Finanzierung
     als Sicherheit verwendet werden konnten, falls jemals dazu Bedarf bestehen wiirde. Dieser
     Gedanke sei seinerzeit vom Verwaltungsrat grundsatzlich gutgeheissen worden, sofern damit alle
     bestehenden Verpflichtungen wurden eingehalten werden konnen. Der hier aufgefuhrte
     Agendapunkt beziehe sich auf diesen Vorschlag (D 3/62, Ziffer 169).


Christoph Malms hatte bei der Einvernahme vom November 2002 erklart, dass in den Anfangs 2001
weiter gefiihrten Finanzplanungen, welche unter anderem auch bei den Gesprachen mit den Investoren
verwendet worden seien, bei welchen er teilgenommen habe, der Sachverhalt (Globo) auch stets als ein
Kreditgeschaft erlautert worden sei (D 3/28, Ziffer 93). Bei der Einvernahme vom 10. Februar 2004
wurde ihm die Cash Flow Darstellung (D 8/4/17) vom 26. November 2000 (Ausdruckdatum) vorgelegt
und folgender Vorhalt gemacht: Wie Sie dieser dem Verwaltungsrat der ISMM AG vorgelegten
Darstellung entnehmen konnen, wurde unter Vorauszahlungen fiir den Monat Juli 2001 ein Betrag von
CHF 112'200'000.vermerkt. Wie lesen Sie diese Position? Er gab an,

     dass ausgedeutscht nach dieser Leseart, im Juli 2001 der entsprechende Betrag aus einem
     Prepayment zur Ruckzahlung fallig wurde (D 3/45, Ziffer 122).


Darauf wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Dabei handelt es sich um die Globo-Position. Ausgehend
von der Darstellung, dass es sich dabei um ein Darlehen handeln soil: Ist die Darstellung der Zahlung
richtig? Darauf gab er an,

     dass wenn es ein Darlehen gewesen sei, dann sei zumindest der Begriff da vorne nicht ganz
     korrekt. Wie er schon mal gesagt habe, sei es bei diesen tabellarischen Darstellungen
     insbesondere darum gegangen, den Status uber das Gesamtunternehmen so rasch wie moglich
     im Uberblick darzustellen, damit die Task-Force in Unterstutzung des ExCo die notigen
     Restrukturierungsmassnahmen diskutieren, dazu Prioritaten setzen und diese dann wurde
     umsetzen konnen. In den Sitzungen der Task-Force oder auch des Verwaltungsrates seien bei
     diesen Darstellungen in der Regel nicht Einzelpositionen diskutiert und hinterfragt worden, sondern
     es sei primar darum gegangen, welche Restrukturierungsmassnahmen welche Auswirkungen
     hatten haben konnen, damit als Planungsgrundlage hier die richtigen Prioritaten gesetzt werden
     wurden. Nach seiner Erinnerung habe es in dieser Phase auch verschiedene Formen der
     Darstellung dieser Cash Flow Tabellen gegeben, und sie hatten sich stets auf die gesamten
     Implikationen fiir die Liquiditatssicherung des Unternehmens konzentriert (D 3/45, Ziffer 123).


        Insgesamt ist somit erstellt, dass Christoph Malms dariiber orientiert war, dass das ExCo mit
        Globo konkrete Moglichkeiten einer Liquiditatsbeschaffung anging und zwar vor dem
        Hintergrund des vom Verwaltungsrat erteilten Auftrages, zusatzliche Finan-
        zierungsmoglichkeiten zu priifen. Das Globo Geschaft wurde im ExCo, im GMB und nach
        Angaben von Daniel Beauvois auch im Verwaltungsrat diskutiert. Die erwahnte E-mail, die
        Cash Flow Darstellungen, aber auch die von Christoph Malms erwahnten Ruckfragen
        seinerseits belegen, dass er von den konkreten Verhandlungen mit Globo Kenntnis hatte.
        Er hatte aber nicht nur Kenntnis von den Verhandlungen, sondern auch daruber, dass diese
        gefruchtet hatten. Diese Feststellung ergibt sich
                                                                                                   174
        u.a. aus der Darstellung in den Cash Flow Planen und den von ihm gemachten Angaben,
        wonach ihm der Hintergrund dieser Zahlung als Kreditgeschaft dargestellt worden sei.


17.2.1.3 Zudem ist der Frage naher nachzugehen, ob Christoph Malms auf Grund seiner Stellung in der
         Gruppe das diesbezugliche Geschaft kontrollieren musste und ob er dies rechtsgenuglich tat,
         mithin seiner Information- und Interventionspflicht nachkam.Trotz giiltig delegierter
         Geschaftsfuhrung durch den Verwaltungsrat gehorte die Oberleitung und Aufsicht iiber die mit
         der Geschaftsfuhrung betrauten Personen zu seinen uniibertragbaren und unentziehbaren
         Aufgaben. Das konkrete Geschaft war von ihm wie nachstehend aufzuzeigen ist - in jedem
         Fall zu kontrollieren. Er war zudem in operativer Hinsicht insbesondere mit strategischen
         Fragen, dem geplanten ABS und IPO, d.h. Finanzierungsaspekten der Gruppe befasst. Dabei
         gehorten Analyse und Kontrolle der Entwicklung von Liquiditat und Substanz der Gruppe zu
         den wesentlichen Aufgaben seiner Tatigkeit. Mithin waren auch Fragen, inwieweit sich die
         Gruppe durch Aufnahme von allfalligen Darlehen verpflichtete, von entscheidender Bedeutung.

              Als Verwaltungsratsprasident hatte er den vom Verwaltungsrat spezifisch an das ExCo
              erteilten Auftrag zur Prufung von zusatzlichen Finanzierungsmoglichkeiten zu
              kontrollieren. Diese Pflicht drangte sich bei den konkreten Strukturen so oder so auf, da
              die Mitglieder des ExCo gleichzeitig Verwaltungsratsmandate innehatten. Eine
              Selbstkontrolle - wenn auch nicht die Rechenschaftspflicht - fiel dadurch weg und die
              Kontrolle konnte und musste vom Verwaltungsratsprasidenten als nicht mit der
              Umsetzung der Vorgaben betraute Person objektiv wahrgenommen werden. So hatte er
              u.a. auch die Cash Flow Darstellungen der Gruppe hinterfragen und intervenieren mussen
              [vgl. jene vom 26. November 2000 (D 8/4/17), mit welcher die im Juli 2001 fallige Globo
              Zahlung unter ..Prepayments", also Vorauszahlungen mit CHF 1 LOO'OOO.-- (bei einem
              USD Kurs von 1.70 ergibt dies USD 66'000'000.-) erfasst wurde]. Diese Informationsund
              Interventionspflicht ergibt sich aus dem Auftrag des Prasidenten, mittels Erteilung von
              Weisungen auch in Krisensituationen wie „Liquiditatsengpassen" als Entscheidungstrager
              aktiv zu werden, aber auch aus dem Widerspruch der schriftlichen Darstellung
              (Vorauszahlung) und der miindlichen Kommunikation (Darlehen).

              Gerade dieser Pflicht ist er aber nicht nachgekommen, obwohl die Wichtigkeit des
              Geschaftes gegeben war. Er nahm dadurch zumindest in Kauf, dass die in
              den Cash Flow Planen als Vorauszahlung dargestellte Globo Uberweisung der
              FIFA im Umfang von 75% nicht zukommen wiirde. Als oberster Leiter der ISMM
              Gruppe trifft Christoph Malms die Fiihrungsverantwortung, was gleichzeitig auch
              Wahrnehmung von Kontrollfunktionen heisst. Weil unter der Oberleitung gemass
              Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 OR die Entwicklung der strategischen Ziele der Gesell-
              schaft, die Festlegung der Mittel, um diese Ziele zu erreichen, und die Kontrolle
              der Geschaftsfiihrungsorgane im Hinblick auf die Verfolgung der festge-
              legten Ziele (zusatzliche Finanzierungsmoglichkeiten) zu verstehen ist, ergibt sich
              auch der Konnex zum Auftrag des Verwaltungsrates an das ExCo betreffend die
              Liquiditatsbeschaffung.       Die     Unterlassung      der      Kontrolle      der
              Geschaftsfiihrungsorgane beinhaltet jene Pflichtwidrigkeit, die unter anderem bei
              der strafrechtlich relevanten Unterlassung gegeben sein muss.

              Kommt hinzu, dass Christoph Malms die operativen Tatigkeiten gemass Art. 717
              Abs. 1 OR mit aller Sorgfalt erfullen und die Interessen der Gesellschaft in guten
              Treuen wahren musste. Auch aus dieser Perspektive hatte er sich betreffend die
              Abwicklung des Globo Geschaftes Klarheit verschaffen mussen, zumal dieses im
              Zusammenhang mit dem ABS und IPO nicht zu vernachlassigen war.

17.2.1.4 Insgesamt kann festgehalten werden, dass der Konnex zum unternehmensspezi-
        fischen Gefahrenpotential gegeben war. M.a.W. gehort die Liquiditatsbeschaffung zu
        den spezifischen Aufgaben eines Konzerns bzw. der Muttergesellschaft, ergibt sich
        somit aus dem Geschaftsbetrieb und kam Christoph Malms in Kombination mit seiner
                                                                                            175
        Stellung als Verwaltungsratsprasident auch die Kontrolle iiber diesen Aufgaben-
        bereich zu. Die das Rechtsgut gefahrdende Situation war spatestens dann gegeben,
        als der Verwaltungsrat dem ExCO den erwahnten Auftrag erteilte und Christoph Malms
        Kenntnis davon erhielt, dass konkret mit Globo verhandelt wurde. Das Verhaltnis
        zwischen dem Rechtsgut und Christoph Malms ist vor dem dargestellten Hintergrund
        ebenso und ohne Einschrankungen zu bejahen wie auf der Grundlage seiner
        weitreichenden Kompetenzen die Moglichkeit, aber auch die Pflicht des Eingreifens. Er
        war sich ohne Zweifel seiner Position als Verwaltungsratsprasident einerseits und
        seiner aus der operativen Tatigkeit sich ergebenden Pflichten andrerseits und somit der
        Garantenstellung bewusst, wie auch des Umstandes, dass bei Unterlassung der
        drohende Erfolg eintreten werde.

        Malms wurde in diesem Zusammenhang folgender Vorhalt gemacht: Sie haben bei der
        Einvernahme vom November 2002 erklart, dass die Finanzabteilung im Auftrag von Dr.
        Ziehner in Vorbereitung von Bankengesprachen ca. anfangs Dezember 2000 die schon
        mehrfach erwahnten Cash Flow Darstellungen verwendet und hier eine Position als
        Prepayment bezeichnet habe, welche im Juli 2001 fallig geworden sei. Sie hatten diese
        Berichte im Rahmen der Bankenprasentationen im Allgemeinen gesehen, und auf
        Ruckfrage, um was es sich dort handle, sei Ihnen berichtet worden, dass es hier um
        das Kreditverhaltnis mit Globo gehe. Im Rahmen dieser Bankprasentation sei seitens
        der Banken die Frage gestellt worden, um was es sich bei diesem Prepayment handle,
        worauf erlautert worden sei, dass es dabei um ein Darlehen mit Globo gehe, welches
        im Juli 2001 zurtickzuzahlen sei (D 3/28, Ziffer 100). Haben Sie sich den
        Darlehensvertrag vorlegen lassen? Er verneinte die Frage und gab an,

              dass sich diese Fragen auf allgemeine Fragen zu Prasentationen bezogen hatten,
              die gestellt und von verschiedenen Verantwortlichen im Rahmen dieser
              Prasentation beantwortet worden seien (D 3/62, Ziffer 157).
Darauf wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Ganz allgemein gefragt: Nachdem Ihnen - von wem auch
immer - erklart worden war, dass es sich bei der Globo Zahlung um ein Darlehen handle: Haben Sie sich
in diesem Zeitpunkt einen Darlehensvertrag vorlegen lassen? Er gab an,

     dass er sich keinen Darlehensvertrag habe vorlegen lassen. Der Sachverhalt sei - wie schon
     erwahnt - ihm so dargelegt worden, uni sono. Und zwar immer nur auf allfallige RCickfragen hin; es
     sei zu keinem Zeitpunkt ein spezielles Thema wahrend dieser Phase gewesen. Insofern habe er -
     wie auch zu anderen Sachverhalten - die Aussage naturlich als solche entgegengenommen (D
     3/62, Ziffer 158).


Zur Frage, ob er nicht der Meinung sei, dass dies zu seinen Pflichten als Verwaltungsratsprasident der
ISMM AG gehort hatte, zumal es objektiv um ein bedeutendes Geschaft gegangen sei und die Gruppe in
diesem Zeitpunkt tiefgreifende Liquiditatsprobleme gehabt habe, gab er an,

     dass es sich bei der Transaktion Globo grundsatzlich um ein Rights-Out-Geschaft gehandelt habe.
     Gemass den Organisationsrichtlinien und Kompetenzen habe dieser Teil der Wertschopfungskette
     in der Ausfiihrung dem Exekutiv Komitee (ExCo) oblegen. Dieses habe an den Verwaltungsrat
     berichten miissen, sofern es zu den Planungs- und Budget-Annahmen signifikante Abweichungen
     gegeben habe und diese dann erlautern (D 3/62, Ziffer 159).


Auf die Frage, ob er nach Kenntnisnahme davon, dass es sich um ein Darlehen handeln sollte, dem
Gesamtverwaltungsrat Bericht erstattet habe, gab er an,


     dass der Sachverhalt so - er wiederhole sich hier - im Gesamtverwaltungsrat nicht explizit vom
     ExCo vorgetragen worden sei, weil es im Rahmen des Gesamtvertrages mit Globo stattgefunden
     habe (D 3/62, Ziffer 161).
                                                                                                      176
Christoph Malms wurde darauf Ziffer 4 des Geschaftsreglementes der ISMM Investments AG
vorgehalten, wonach der Abschluss von Vertragen, welche eine Verpflichtung der Gesellschaft von mehr
als CHF 4'000'000.- begriindeten, die Genehmigung des Verwaltungsrates notwendig machten (D
8/2/14), und es wurde ihm die Frage gestellt, ob er unter Beriicksichtigung dieser Klausel der Meinung
sei, dass eine Berichterstattung notwendig gewesen sei, worauf er angab,

     dass die Berichterstattung insbesondere dann notwendig gewesen sei, wenn der Sachverhalt von
     den im Rahmen der Budgets vorgenommenen Eckpunkten zu den einzelnen Vertragen
     abgewichen sei. Dies sei auch aus dem letzten Teil dieses Satzes ersichtlich, wo es heisse:"... with
     the exception of commitments approved by the Board through budgets or other plans." Das Globo-
     Geschaft insgesamt habe ja voll und ganz den ursprunglichen Budget-Annahmen im Mittelfristplan
     entsprochen, so dass nur bei Abweichungen eine Berichtpflicht gemass dem
     Organisationsreglement notwendig geworden sei (D 3/62, Ziffer 162).


Dazu ist folgendes zu bemerken. Auch wenn beim Darlehensvertrag Schriftlichkeit kein Formerfordernis
ist, entspricht es nicht den Usanzen eines geordneten Geschaftsverkehrs, ein allfalliges Kreditgeschaft in
der Grossenordnung von USD 66'000'000.- nicht schriftlich abzuwickeln. Christoph Malms hatte sich
diesen Vertrag
         vorlegen lassen mussen; Dies nur schon deshalb, weil es beim Abschluss von
         Vertragen in dieser Grossenordnung der Genehmigung des Verwaltungsrates bedurfte.
         Wohl mag es zutreffen, dass das Globo Geschaft als Rights-out Geschaft in den
         Budget Planen enthalten war und demzufolge keiner Zustimmung des Ver-
         waltungsrates bedurfte, wenn es sich um eine Vorauszahlung handelte. Anders verhalt
         es sich jedoch fiir den Fall, dass es sich um ein Darlehensgeschaft gehandelt hat.
         Dieses hatte sehr wohl vom Verwaltungsrat genehmigt werden mussen. Hatte
         Christoph Malms auf eine Vorlegung der inexistenten Darlehensvertrage gepocht, ware
         er seiner Informations- und Kontrollpflicht nachgekommen, was eine pflichtgemasse
         Intervention ermoglicht hatte.


17.2.1.5 Zusammengefasst ist somit Folgendes festzuhalten: Eine Verantwortung fiir aktive
        Tatbeteiligung des Beschuldigten (z.B. in Form der Leistung eines Planungsbeitrags)
        liegt hier nicht vor. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft muss sich Christoph
        Malms jedoch in der Tat eine strafrechtliche Verantwortung fur Unterlassungen (im
        Sinne der beschriebenen Geschaftsherrenhaftung) vorwerfen lassen. Auf Grund
        seiner formellen, aber auch faktischen Stellung hatte er den an das ExCo erteilten
        Auftrag zu tiberpriifen, beispielsweise durch Hinterfragung der Cash Flow
        Darstellungen, worin die Vorauszahlungen erfasst wurde (zumal ihm die Globo Zahlung
        miindlich als Darlehen erklart wurde). Schon wegen der divergierenden Angaben
        betreffend die gegenstandliche Zahlung, aber auch zufolge der Verpflichtung, als
        Verwaltungsratsprasident in Krisensituationen wie massiven LiquiditatsengpSssen aktiv
        zu werden, war es dem Beschuldigten konkret auferlegt, Informations- und Inter-
        ventionspflichten wahrzunehmen. Kam der Beschuldigte seinen spezifischen Kontroll-
        pflichten - trotz des Wissens um die Verhandlungen mit Globo - nicht nach, nahm er
        zumindest in Kauf, dass die in den Cash Flow Planen als Vorauszahlung dargestellte
        Globo Uberweisung der FIFA im Umfang von 75 % nicht zukommen wiirde. Selbst-
        verstandlich wusste der Beschuldigte iiberdies, dass er ein entsprechend unrecht-
        massiges, deliktisches Verhalten (der andern) mit seiner Intervention verhindem
        konnte. Der Vorwurf, im Resultat somit strafrechtlich umfassend (als Mittater
        zufolge Unterlassung) fur das begangene Delikt mitverantwortlich zu sein, kann
        Christoph Malms daher nicht erspart bleiben. Entsprechend beantragt die Staats-
        anwaltschaft einen Schuldspruch wegen Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs.
        2 StGB (eventualiter wegen Betrugs gemass Art. 146 Abs. 1 StGB).
                                                                                                     177
17.2.2 Veruntreuung evtl. Betrug z.N. der FIFA (Dentsu)

17.2.2.1 Zu den grundsatzlichen Ausfiihrungen kann auf Ziffer 17.2.1 verwiesen werden. Es
        geht somit nur mehr um die Frage, ob der Beschuldigte Kenntnis vom Dentsu Geschaft
        hatte und damit rechnen musste, dass die diesbezuglichen Gelder nicht zweck-
        entsprechend verwendet wiirden.

        Bei der Einvernahme vom 25. Februar 2004 wurde Christoph Malms nach Vorlage des
        Memorandums of Understanding vom 15. September 2000 (D 4/B/1/54) folgender
        Vorhalt gemacht: Sie haben bei der Einvernahme vom 6. November 2002 die Frage,
        ob Sie dieses Dokument kennen wurden, bejaht, allerdings mit der Erlauterung, dass es
        sich in den Beilagen zur Strafanzeige befunden habe. Vorher hatten Sie dieses Dokument
        nicht gesehen (D 3/28, Ziff. 109). Ich gehe davon aus, dass Sie sich seit dieser
        Einvernahme gedanklich mit dem Thema Dentsu auseinandergesetzt haben (D 17/9/13).
        Kannten Sie diese Vereinbarung wirklich nicht? Er gab an,

             dass er iiber das Geschaft bzw. den Sachverhalt naturlich aufgrund der Informationen
             im Verwaltungsrat Kenntnis gehabt habe. Worauf er sich in der letzten Einvernahme
             bezogen habe, sei dass er nach seiner Erinnerung das Dokument selber (also das
             Papier physisch) erst im beschriebenen Zusammenhang gesehen habe (D 3/62,
             Ziffer 182).

        Dem Schreiben von Jean-Marie Weber vom 19. Januar 2001 kann entnommen werden,
        dass Christoph Malms diese Vereinbarung zugestellt wurde (D 17/9/20). Bei der ersten
        Einvernahme verneinte Christoph Malms, an der Ausarbeitung dieser Vereinbarung
        beteiligt gewesen zu sein und auf den Inhalt der Vereinbarung in irgendeiner Form Einfluss
        genommen zu haben (D 3/28, Ziffer 109). Bei der gleichen Einvernahme wurde ihm
        folgender Vorhalt gemacht: Gemass diesem zwischen Dentsu Inc. und ISMM AG
        abgeschlossenen Memorandum of Understanding wurde der Preis ftir die
        Ubertragungsrechte von CHF 219'600'000.- auf CHF 259'600'000.~,
        d.h. um CHF 40'000'000.--, erhoht. Was war der Grund fur diese Erhohung? Er gab an, es
        sei ihm erklart worden, dass dieser Betrag anstelle des im ersten Vertrag allgemein
        formulierten Profit-Sharings fix vereinbart worden sei. Damit habe man im Interesse der
        FIFA und der ISMM AG eine hohere Zahlung erreicht, als urspriinglich vereinbart (D 3/28,
        Ziffer 113). Auf die Frage, ob es sich nach seinem Kenntnisstand bei der Dentsu Zahlung
        iiber CHF 15'000'000.- um eine Leistung aus dem Unterlizenzvertrag oder um ein Darlehen
        gehandelt habe, gab er an, dass er es nicht wisse (D 3/62, Ziffer 183). Nach Vorlage der
        Cash Flow Darstellung vom 11. Dezember 2000 (D 8/4/29) wurde ihm folgender Vorhalt
        gemacht: Unter der Rubrik prepayments ist im September 2001 ein Inflow im Betrage von
        CHF 15'000'000.-verzeichnet. Unter der Rubrik prepayments ist im Juli 2002 ein Outflow
        von CHF 30'000'000.-- verzeichnet. Die Frage ob er wisse, um was fiir eine Vorauszahlung
        es sich handle, verneinte er (D 3/62, Ziffer 185+186).

        Aus einem Fax von Dentsu an Jean-Marie Weber vom 11. September 2000 ist vom
        Entwurf der Vereinbarung vom 15. September 2000 die Rede, und unter dem Post
        Scriptum ist vermerkt, dass man die erste Zahlung so fruh als moglich machen werde.
        Christoph Malms steht auf dem Verteiler (17/9/12).

17.2.2.2 Wie bereits erwahnt, muss beim Garanten tatbestandsmassiges Wissen und Wollen
         gegeben sein.

        Den vorstehenden Aussagen von Christoph Malms kann entnommen werden, dass er
        uber die Vereinbarung vom 15. September 2000 orientiert war und dass er vom
        „Geschaft bzw. dem Sachverhalt natiirlich aufgrund der Informationen im Verwaltungsrat
        Kenntnis gehabt" hat
                                                                                                       178
         Im Gegensatz zum Globo Geschaft ist es nicht offensichtlich, dass er Kenntnis davon hatte,
         dass versucht wurde, mit Dentsu eine Vorauszahlung oder ein Darlehen auszuhandeln.
         Allerdings kann der Sachverhalt nicht isoliert betrachtet werden, war doch der Auftrag des
         Verwaltungsrates      an     das     ExCo,      die     Moglichkeit    von    zusatzlichen
         Finanzierungsmoglichkeiten zu priifen, ein allgemeiner und nicht auf den Geschaftspartner
         Globo beschrankt, wie Christoph Malms selbst einraumte (D 3/71, Seite 12). Dass die
         Darstellung der Zahlung von Dentsu unter der Rubrik prepayments zu Fragen Anlass
         geben musste - zumal der gegenstandliche Betrag gemass Vereinbarung am 20. Oktober
         2000 fallig war und in diesem Zeitrahmen bei der ISL Worldwide einging - ist offensichtlich
         und muss nicht weiter ausgefiihrt werden.

17.2.2.3 In Berucksichtigung der mehr als angespannten Finanzlage des Konzerns, des vom
         Verwaltungsrat erteilten Auftrages und der Darstellung der Zahlung in den Cash Flow Planen,
         die fiir den Beschuldigten nach eigenen Angaben stets von grosser Bedeutung gewesen seien
         (D 3/62, Ziffer 169), lasst sich zusammengefasst festhalten, dass Christoph Mallms seine
         Informations- und somit Kontrollpflicht auch beziiglich der Dentsu Zahlung verletzt hat. Kam er
         aber seinen spezifischen Kontrollpflichten - trotz des Wissens um die Vereinbarung und die
         massiven Liquiditatsengpasse - nicht nach, nahm er in Kauf, dass die Dentsu Uberweisung der
         FIFA im Umfang von 75 % nicht zukommen wiirde. Selbstverstandlich wusste der Beschuldigte
         uberdies, dass er ein entsprechend unrechtmassiges, deliktisches Verhalten mit seiner
         Intervention verhindern konnte. Dem Beschuldigten muss daher - im Sinne der
         Geschaftsherrenhaftung auch in dieser Sache eine strafrechtlich umfassende
         Mitverantwortung (als Mittater zufolge Unterlassung) vorgeworfen werden. Entsprechend
         beantragt die Staatsanwaltschaft einen Schuldspruch wegen Veruntreuung gemass Art. 138
         Ziff. 1 Abs. 2 StGB (eventualiter wegen Betrugs gemass Art. 146 Abs. 1 StGB).



17.2.3   Betrua z.N. der Dentsu Inc.

17.2.3.1 Bei diesem Sachverhalt ergibt sich seine Verantwortung nicht nur aus Unterlassung, sondern
         durch Unterzeichnung der Garantieerklarung auch aus einem aktiven Verhalten. Dass diese
         Erklarung mit kausal fur die Vermogensverfugung von Dentsu war, wurde bereits dargelegt, und
         es liegt auf der Hand, dass sie durch die Unterzeichnung des Verwaltungsratsprasidenten ein
         starkeres Gewicht erhalten sollte.

         Christoph Malms wurde bei der ersten Einvernahme nach Vorlage der von ihm fur die ISMM
         AG mitunterzeichneten Erklarung an Dentsu Inc. vom 17. Januar 2001 (HD 2/23) die Frage
         gestellt, was das Wesentliche an dieser Erklarung sei, worauf er angab,

               dass es um die Forderung der ISMM gegenuber Dentsu uber den Betrag von CHF 25
               Mio. gemass dem Memorandum of Understanding vom 15. September 2000 gehe. Die
               ISMM erteile gemSss dem Vertrag Dentsu eine Verpfandung iiber diesen Betrag. Zu
               beiden Dokumenten wolle er folgende Erganzungen machen: Er sei auch hier davon
               ausgegangen, dass der Sachverhalt Dentsu mit der FIFA durch Herrn Jean-Marie Weber
               abgeklart und sie diesbezCiglich informiert worden sei. Die Kontakte zur FIFA seien
               grundsatzlich von ihm gepflegt worden. Gemass fruheren Ausfuhrungen fuhre er nach
               Moglichkeit mit ihren Rechtsberatern vor Unterzeichnung eines Vertrages nochmals einen
               kurzen Check durch, um sich abzusichern, dass die Vertrage rechtskonform seien und
               unterschrieben werden konnten. In diesem Fall sei der Vertrag von Herrn Dr. Urs Brunner
               mitunterzeichnet worden und ihm vermutlich auch von ihm aniasslich einer Sitzung der
               Task Force vorgelegt worden. Damit sei die Riicksicherung aus seiner Sicht gewahrleistet
               gewesen. Er sei auch in diesem Zusammenhang davon ausgegangen, dass die hier
               vorgenommene Anderung zum fruhestmoglichen Zeitpunkt riickabgewickelt wurde (D
               3/28, Ziffer 127)
Auf die Frage, warum nur CHF 25 Mio und nicht CHF 40 Mio „verpfandet" worden seien, gab er an,
                                                                                                      179
     dass er das nicht wisse. Es konne die Differenz zwischen den 40 Mio und den bereits
     uberwiesenen 15 Mio sein (D 3/28, Ziffer 129).

Bei der Einvernahme vom 25. Februar 2004 wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Vorlage des
Memorandums of Understanding vom 17. Januar 2001 zwischen der ISMM AG und ISL Worldwide und
Dentsu Inc. (HD 2/22); des Weiteren Vorlage der Erklarung der ISMM AG und der ISL Worldwide vom
17. Januar 2001 (HD 2/23); ausserdem Vorlage von D 4/D/3/20 (Mitteilung von Dentsu vom 6. Januar
2001, Antwort von ISMM vom 7. Januar 2001 und Frage von Peter Caroll vom 8. Januar 2001): Nehmen
Sie bitte zur Frage von Peter Caroll Stellung: „l was under the impression that TV monies were locked
into the FIFA trust arrangements? In those circumstances, how could we pledge them to Dentsu?" Er
gab an,

     dass er ohne sich jetzt mit dem Sachverhalt im Detail wieder auseinanderzusetzen, er prima vista
     keinen notwendigen Zusammenhang sehe, weil es sich in dem Memorandum of Understanding
     vom 17. Januar 2001 nach seinem Wissen ja um den Toshiba-Vertrag gemass Ziff. 2ii gehandelt
     habe (also um einen Marketing- und nicht Fernseh-Vertrag). Aus diesem Grund konne er im
     Moment aus dem Stegreif keinen direkten Zusammenhang erkennen (D 3/62, Ziffer 190).


Auf die Nachfrage: und wenn er die Frage auf die Erklarung vom 17. Januar 2001 beziehe, gab er an,

     dass es in dieser Erklarung vom 17. Januar um eine Sicherheit aus den TV-Vertragen gehe. Durch
     die zeitliche Nahe der zwei Schriftstucke sei ein Zusammenhang denkbar. Uber den Abschluss
     dieses Memorandums sowie seine hier geleistete Unterschrift habe er im November 2002 bereits
     berichtet. Nach Unterschrift durch die Herren Jean-Marie Weber und Brunner sei er gebeten
     worden (nach seiner Erinnerung aniasslich einer nachtraglichen Sitzung), die letzte Unterschrift zu
     leisten. Uber seine Usanz, sich uber Dokumente, welche seine Unterschrift erfordert hatten,
     vorgangig bei der Rechtsabteilung zu informieren, habe er schon berichtet. Aufgrund des
     Zeitdrucks und der Tatsache, dass die mit dem Geschaft vertrauten Herren inkl. die juristische
     Unterstutzung hier schon unterschrieben hatten, sei dieser Doppelcheck in diesem Fall nicht
     notwendig gewesen (D 3/62, Ziffer 191).


Des Weitern wurde ihm folgender Vorhalt gemacht: Sie haben die Erklarung vom 17. Januar 2001 als
Verwaltungsratsprasident des ISMM AG unterschrieben. Haben Sie Ihrerseits den Inhalt dieser
Erklarung hinterfragt, bzw. haben Sie verstanden, was Sie unterschrieben haben? Er bejahte die letzte
Frage und gab an,

     dass er aus den schon dargelegten Grunden die Zusammenhange nicht hinterfragt habe; und
     insbesondere auch nicht aus seinem Verstandnis, dass diese Massnahmen von Herrn Jean-Marie
     Weber jeweils in enger Abstimmung mit einerseits Dentsu und mit andererseits auch der FIFA
     erfolgt seien (D 3/62, Ziffer 193).


Die Frage zum nachstehenden Vorhalt beantwortete er nicht, sondern ausserte sich lediglich zur
Liquiditat und Uberschuldung. Dem Verwaltungsratsprotokoll der ISMM AG vom 8. Januar 2001 ist unter
„2. General" zu entnehmen: „The situation is still most alarming despite all efforts" (D 8/5/19). Die ISMM
AG, wie auch die ISL Worldwide waren in diesem Zeitpunkt uberschuldet und illiquid. Wie kamen Sie in
                   dieser Situation dazu, am 17. Januar 2001 die erwahnte Erklarung
                   abzugeben, zumal uber ein Aktivum verfiigt wurde, welches vor dem
                   Hintergrund der vertraglichen Abmachungen mit der FIFA zu 75 % an die
                   FIFA abgeliefert werden musste? (D 3/62, Ziffer 194).

           17.2.3.2 Die von Christoph Malms im Rahmen der Einvernahme beantwortete Frage
                   hatte er sich auch vor Unterzeichnung der Erklarung stellen mussen.
                   Berucksichtigend, dass er insbesondere auch als Mitunterzeichner der mit der
                   FIFA unterzeichneten Vertrage uber das grundsatzliche Prinzip der Verteilung
                   der Zahlungen aus den Unterlizenzvertragen orientiert war, konnte ihm nicht
                   entgangen sein, dass es nicht zulassig sein konnte, in Berucksichtigung der
                                                                                             180
                  konkreten finanziellen Situation der Gruppe, einen 25% tibersteigenden
                  Anteil an den diesbeztiglichen Eingangen zu „verpfanden". Durch
                  Unterzeichnung der Erklarung wurde erst die Moglichkeit geschaffen, dass
                  Dentsu die Bankgarantie stellen wiirde, was sie nicht gemacht hatte, ware ihr
                  zur Kenntnis gebracht worden, dass die Verpfandung in dieser
                  Grossenordnung nicht rechtens bzw. eine Verpfandung des der FIFA
                  zustehenden Anteiles gar nicht moglich war.
1^                Zumindest hatte er sich die gleiche Frage stellen mussen wie der Leiter des
                  Rechtsdienstes der ISMM Gruppe (Peter Caroll (D 4/D/3/20).

          17.2.3.3 Zusammengefasst ergibt sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft,
                  dass der Beschuldigte sich ohnehin der Mittaterschaft zu Betrug schuldig
                  gemacht hat. Dies schon (in erster Linie) wegen aktiven Tuns. Denn mit
                  seiner Unterschrift auf dem Dokument leistete Christoph Malms einen ganz
                  wesentlichen Deliktsbeitrag. Hatte er die Unterschrift verweigert, ware der
                  Betrug im Resultat wohl falliert. Mittater ist nun aber
                  u.a. eben derjenige, der bei der Entschliessung, Planung oder Ausfuhrung
                  eines Delikts vorsatzlich und in massgeblicher Weise mit anderen Tatern
                  zusammenwirkt, sodass er als Hauptbeteiligter dasteht (BGE 118 IV 92).
                  Dieses ist jedenfalls dann gegeben, wenn der Tatbeitrag nach den
                  Umstanden des konkreten Falls und dem Tatplan ftir die Deliktsverwirklichung
                  so wesentlich ist, dass diese mit ihm steht oder fallt und Herrschaft iiber den
                  Tatablauf bestanden hat (BGE 120 IV 272, 111 IV 53). Aber selbst wenn im
                  vorliegenden Fall der Tatbeitrag des Beschuldigten faktisch noch
^ als untergeordenter bezeichnet wiirde, bliebe es gestCitzt auf die bereits ausfiihrlich
                dargestellte Geschaftsherrenhaftung (und grundsatzliche Verantwortung des
                Beschuldigten) bei mittaterschaftlicher Verantwortung des Beschuldigten,
                durch Unterlassung. Nur ftir den Fall, dass das Strafgericht wieder Erwarten
                sowohl eine aktive als auch eine passive Mittaterschaft verneinen wurde,
                bliebe auf Gehilfenschaft (welche neu ja zwingen eine Strafmilderung
                vorsieht) zu erkennen. In subjektiver Hinsicht ist nebst dem schon
                Festgehaltenen massgebend, dass Christoph Malms sich der Be-
                deutungslosigkeit der Haftungserklarung der ISMM AG vor dem Hintergrund
                der finanziellen Situation der Gruppe bewusst war. Mit der abgegebenen
                Erklarung sollte bewirkt werden, dass Dentsu die Bankgarantie stellen wiirde,
                was sie nicht gemacht hatte, ware ihr zur Kenntnis gebracht worden, dass die
                Verpfandung in dieser Grossenordnung gar nicht moglich war. Auch beziiglich
                dieses Sachverhalts war sich der Beschuldigte bewusst. Christoph Malms ist
                mithin des Betrugs gemass Art. 146 Abs. 1 StGB, eventualiter der
                Gehilfenschaft zu Betrug (Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25
                StGB) schuldig zu sprechen.
                                            200




17.2.4   Bevorzugung eines Giaubigers (Dentsu und UBS)

17.2.4.1 Vom Wissen Christoph Malms um die Zahlungsunfahigkeit der ISMM AG und der ISL
         Worldwide kann ausgegangen werden (vgl. die Ausftihrungen zur finanziellen Situation der
         Gesellschaften). Dieses Wissen schopfte er u.a. aus den regelmassig erstellten Cash Flow
                                                                                                  181
         Darstellungen und den weekly cash forecasts der Gruppe. Der Beschuldigte nahm durch
         die Inkaufnahme der im Zusammenhang mit Globo und Dentsu umschriebenen Sachverhalte
         ebenfalls in Kauf, dass Giaubiger bevorzugt behandelt wurden. Dabei ist zu beriicksichtigen,
         dass Sinn und Zweck der Globo-und Dentsu-Geschafte gerade die Schaffung von Liquiditat
         zwecks Erfullung von bestehenden Verpflichtungen war. Dadurch besteht jener Konnex,
         welcher eine Inkaufnahme als strafrechtlich relevant erscheinen lasst. Diese Feststellung ist
         deshalb von Bedeutung, weil nicht pauschal und ohne Anhaltspunkte bzw. Konnex von einer
         Tat auf die Billigung weiterer deliktischer Handlungen geschiossen werden darf, von denen der
         Beschuldigte keine Kenntnis hatte.

17.2.4.2 Die strafrechtliche Verantwortlichkeit ergibt sich letztlich auch hier aus der so genannten
         Geschaftsherrenhaftung des Beschuldigten, wobei auf Wiederholungen verzichtend auf das
         bereits Festgehaltene (vgl. Ziff. 17.2.1.5, 17.2.2.3 und 17.2.3.3) verwiesen werden kann. Dem
         entspechend wird beantragt, Christoph Malms sei der mehrfachen Bevorzugung eines
         Giaubigers nach Art. 167 schuldig zu sprechen.



17.2.5   Glaubigerschadigung durch Vermogensminderung (Nunca/Sunbow Komplex)

17.2.5.1 Vorweg kann festgehalten werden, dass Christoph Malms bezuglich der Schmiergeld-
         zahlungen und das Konstrukt Nunca Stiftung/Sunbow S.A. orientiert war. Dies ergibt sich
         beispielsweise aus den Angaben von Philipp Neyroud, wonach die beschriebene Struktur den
         Begiinstigten aus der Sitftung bekannt gewesen sei, was ihm von verschiedenen Leuten wie
         Malms, Weber und Woog erzahlt worden sei (D 25/7/147). Auch das Schreiben von RA Dr.
         Wurgler an Veit Frommelt vom 9. Juli 2001, wonach es sich nach den Informationen seines
         Mandanten (Christoph Malms) „bei der Nunca Stiftung um eine wirtschaftlich vollumfanglich der
         ISMM/ISL zugehorige Gesellschaft" handle (D 25/7/172), belegt diese Feststellung. Aber auch
         die Erklarung von Christoph Malms, welcher folgendes zu Protokoll gab:

              „die Begiinstigung von namhaften Personlichkeiten im Sport zur Forderung von sportpoli-
              tischen und wirtschaftlichen Zielen stammt aus den Siebzigerjahren, als Sport zu einem
              Wirtschaftsfaktor wurde. Mit der Tatsache, dass die ISL seit ihrer Grundung derartige
              Praktiken anwandte, wurde ich einige Zeit nach der Aufnahme meiner VR-Funktion
              Anfang der Neunzigerjahre mit der Familienholding Sporis konfrontiert. Auf mein wieder-
              holtes Drangen, die Begunstigungen einzustellen, wurde mir von Jean-Marie Weber, dem
              Nachfolger von Horst Dassler bei der ISL, klar gemacht, dass diese Beziehungspflege zu
              weiter bestehenden Verpflichtungen gefuhrt hatten und seit dem Ableben von Horst
              Dassler allein seine Aufgabe und Verantwortung bleiben wurden. Im Interesse der ISL war
              einzig die Isolierung der Begunstigungen vom Tagesgeschaft des Unternehmens,
              verbunden mit einem mittelfristigen Abbau der Verpflichtungen, durchsetzbar. Die Aktivi-
              taten wurden der Form halber in eine einmalig dotierte Stiftung verlagert, welche allein
              durch Jean-Marie Weber gefuhrt wurde, der die Stiftungsmittel nur personlich und
              zweckgebunden einzusetzen hatte." (D 3/45, Ziffer 20)
         Allerdings hatte der Beschuldigte nicht nur Kenntnis vom Konstrukt, sondern trug zum
         ..Funktionieren" desselben aktiv bei, wenn auch festgehalten werden muss, dass die
         Verteilung der Schmiergelder allein in der Kompetenz von Jean-Marie Weber lag.
         Christoph Malms war jedoch Mitglied des Stiftungsrats mit Kollektivzeichnungsrecht (D
         25/4/5). Beim Ubertrag der Sunbow S.A. Aktien auf die Nunca Stiftung wurde diese von
         Veit Frommelt und Christoph Malms vertreten (D 25/9/63). Fest steht auch, dass der
         Beschuldigte sich des Unrechts durchaus bewusst war; so erklarte er im Zusam-
         menhang mit der gegenstandlichen Praxis, dass er dies moralisch verwerflich finde; es
         entspreche nicht seinem Wertsystem (D 3/70, Ziff. 22).

         Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft leistete der Beschuldigte mit seiner aktiven
         Unterstutzungshandlung (dem Zurverfiigungstellen des Konstukts; mit der Veranlas-
         sung einer "einmaligen letzen Dotierung") einen derail wesentlichen Beitrag, dass
                                                                                          182
         ohnehin von Mittaterschaft ausgegangen werden muss. Aber selbst wenn die Unter-
         stutzungshandlung noch als Gehilfenschaft bezeichnet wurde, lage zufolge Unter-
         lassung (kein geniigend resolutes Eingreiffens bzw. kein Unterbinden der Zahlungen)
         immer noch Mittaterschaft vor. Jedenfalls konnen die von Christoph Malms geltend
         gemachten Anstrengungen keinesfalls als ausreichend bezeichnet werden. Der eigenen
         Verantwortung hatte sich der Beschuldigte nur durch heftigere Schritte (z.B. Widerruf
         der Bankvollmacht oder Demission als Stiftungsrat) entziehen konnen. Diese
         Uberlegungen fuhren zum Antrag, der Beschuldigte sei der mehrfachen Glaubiger-
         schadigung durch Vermogensminderung gemass Art. 164 Ziff. 1 StGB, even-
         tualiter der Gehilfenschaft dazu gemass Art. 164 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 25
         StGB, schuldig zu sprechen.


17.3     Jean-Marie Weber

17.3.1   Veruntreuung ev. Betrug z.N. der FIFA (Globo)

17.3.1.1 Jean         Marie Weber war Vizeprasident des Verwaltungsrates der ISMM AG und
        Verwaltungsratsprasident der ISL Worldwide. Er war Mitglied des ExCo, dessen Vorsitz
        er fuhrte, und nahm als Gast an Sitzungen des GMB teil (D 3/30, Ziffer 59). Er war in
        verschiedensten Gruppengesellschaften Verwaltungsratsprasident und auch als
        Direktor weiterer Gesellschaften tatig. Er war gemass Angaben von Heinz
        Schurtenberger zusammengefasst „sehr aktiv" ins Tagesgeschaft der ISMM Gruppe
        involviert (D 3/29, Ziffer 31) und der eigentlich starke Mann der Gruppe (D 9/4/3, S. 18,
        Ziffer 43, D 3/29, Ziffer 52), was von Hans-Jiirg Schmid bestatigt wurde (D 3/43, Ziffer
        83 ff.). Er war derjenige, der die engsten Kontakte zur FIFA oder den Partnem aus den
        Unterlizenzvertragen oder Vermittlern solcher Vertrage pflegte (vgl. etwas D 3/61, Ziffer
        81 ff., D 17/4/7, vgl. auch die Angaben von Jean-Marie Weber: D 3/72, Ziffer 38).

17.3.1.2 Der Beschuldigte legte bei den Einvemahmen immer Wert darauf zu betonen, dass er
        keinen schriftlichen Arbeitsvertrag mit der ISMM Gruppe gehabt habe (D 3/30, Ziffer 14,
        D 3/72, Ziffer 38). Wie bereits dargelegt, konnten lediglich Entwiirfe sichergestellt
        werden. Auf einen entsprechenden Vorhalt gab er lediglich an, dass
             der Vertrag nie unterschrieben worden sei; das sei ja ein Entwurf, und....ja, kein
             Kommentar sonst (D 3/72, Ziffer 39).

         Obwohl Jean-Marie Weber nicht gewillt war, im Einzelnen zu seinen gruppenspezi-
         fischen Tatigkeiten und Funktionen Auskunft zu geben (D 3/72, Ziffer 39 und 40), steht
         beweismassig fest, dass er neben seiner Tatigkeit als Mandatstrager (VR und VRP) in
         verschiedenen Verwaltungsraten von Gruppengesellschaften aktiv in das
         Tagesgeschaft der Gruppe involviert war.

17.3.1.3 Sein Informationsstand kann ganz allgemein als sehr hoch bezeichnet werden, zumal
        ihm der CEO der Gruppe direkt rapportierte und er das ExCo prasidierte (vgl. D 9/4/3,
        S. 18, Ziffer 43, D 3/29, Ziffer 52, D 3/43, Ziffer 83 ff., D 9/4/3, S. 18, Ziffer 43, D 3/29,
        Ziffer 52, D 3/44, Ziffer 55 ff, D 3/45, Ziffer 67, D 3/49, Ziffer 45 f., D 3/61, Ziffer 81 ff, D
        17/4/7).

17.3.1.4 Jean-Marie Weber wurde die Frage gestellt, wo die Idee geboren worden sei, Globo
        um eine Bankgarantie Oder ein Darlehen anzugehen, worauf er angab, dass dies
        sowohl im GMB wie auch im Exco und im VR besprochen worden sei; im GMB und
        Exco auf jeden Fall (D 3/30, Ziffer 92). Wie bereits erwahnt wurde, stellt sich Jean-
        Marie Weber auf den Standpunkt, dass es sich beim Globo Geschaft um ein Darlehen
        handelte (D 3/30, Ziffer 96). Es wurde ihm dazu folgender Vorhalt gemacht: Herr
                                                                                             183
        Schurtenberger hat bei der gestrigen Einvernahme erklart, dass Herr Hans-Jiirg
        Schmid in einem gewissen Zeitpunkt das Exco informiert habe, dass Globo einen
        neuen Vorschlag gemacht habe, namlich dass sie lieber statt eines Darlehens eine
        Vorauszahlung auf die nachste Rate leisten wurden. Haben Sie Kenntnis davon, dass
        Hans-Jurg Schmid das Exco inhaltlich so informiert hat? Er gab dazu an,

             dass er sich im Detail nicht mehr daran erinnere, ob Hans-Jiirg Schmid sie
             daruber informiert habe (D 3/30, Ziffer 99)


        Darauf wurde ihm folgende Frage gestellt: Konnen Sie sich daran erinnern, dass Ihnen
        von irgendeiner Seite der erwahnte Vorschlag, welcher angeblich von Globo gemacht
        worden war, zur Kenntnis gebracht wurde? Die Frage bejahte er und gab an,

             dass er als Exco-Member sicher Bescheid gewusst habe, dass Globo andere
             Bediirfnisse gehabt habe; fur ihn sei es aber nach wie vor ein Darlehen gewesen
             und so sei es in ihren Unterlagen auch festgehalten (D 3/30. Ziffer 100).


        Als Mitglied und Vorsitzender des ExCo, welches gemass Auftrag des Verwaltungs-
        rates und im Rahmen der an dieses Gremium delegierten Geschaftsfuhrung Moglich-
        keiten der Liquiditatsbeschaffung priifen und umsetzen sollte, war er iiber die Globo
        Angelegenheit informiert. Soweit es um die strafrechtliche Verantwortung von Mit-
        gliedern des Verwaltungsratsausschusses geht, ist von Bedeutung, dass der spezi-
        fische Bereich der ..zusatzlichen Liquiditatsbeschaffung" in sachlicher Hinsicht nicht in
        jedem Fall Ausfluss oder Bestandteil der mit den Beschuldigten abgeschlossenen
        Arbeitsvertrage war, sondern einer spezifischen Delegation des Verwaltungsrates an
        das ExCo entsprang. Dieses delegierte die Aufgabe nicht weiter nach unten, sondern
        war selbst mit deren Umsetzung betraut. Dass beispielsweise die administrative Erle-
        digung von Teilaspekten durch Dritte wahrgenommen wurde, hat mit notwendiger
        Arbeitsteilung zu tun und vermag keinen Einfluss auf diese Feststellung zu haben.
        Die Untersuchung hat zudem gezeigt, dass die aktive Problembewaltigung bei Tages-
        geschaften und damit die Wahrnehmung aktiver Geschaftsfuhrung in personeller Hin-
        sicht weniger durch sachliche, beispielsweise in einem Arbeitsvertrag festgelegte
        Kriterien und Bereiche, sondern vielmehr durch personliche Beziehungen der Verant-
        wortlichen bestimmt wurde (vgl. etwa die Aussage von Daniel Beauvois D 3/49, Ziffer
        113). Die gemeinsame Entscheidfindung im zustandigen Gremium reicht aber, um von
        einer Beteiligung im Sinne einer Mittaterschaft auszugehen, unabhangig davon, wer
        letztlich den Entscheid konkret umsetzte. Die Tat liegt sozusagen in den Handen des
                   90
        Kollektivs , d.h. jenen des ExCos. Wie Hans-Jiirg Schmid angab (D 3/1, Ziffer 20), war
        der gesamte Verwaltungsratsausschuss an der Entscheidfindung mit Bezug auf den
        Verfahrensgegenstand befasst (vgl. auch die Aussage von Hans-Peter Weber D 3/1/2,
        Ziffer 24).

17.3.1.5 Die Verantwortlichkeit des Beschuldigten ergibt sich somit nicht primar aus dem Un-
        terlassungstatbestand, sondern sein massgeblicher Tatbeitrag ist als Mittaterschaft
        durch aktives Tun als Organ der ISMM AG bzw. ISL Worldwide (aktive Mitbeteiligung
        und Mitentscheiden vor allem im ExCo) zu qualifizieren, welche auf dem Prinzip der
                                                          91
        bewussten und gewollten Arbeitsteilung beruht . Der Beschuldigte war nicht nur in
        objektiver Hinsicht massgebend mitbeteiligt, sondern erftillte auch die subjektiven Tat-
        bestandsmerkmale; zumindest nahm er in Kauf, dass die Gelder nicht vertragskonform
        verwendet werden. Insoweit das Gericht von einer (blossen) Unterlassung ausgehen
        wiirde, kann vollumfanglich auf die Ausfuhrungen betreffend Christoph Malms
        verwiesen werden. Nur ftir den Fall, dass das Strafgericht wider Erwarten sowohl eine
                                                                                                  184
         aktive als auch eine passive Mittaterschaft verneinen wurde, bliebe auf
         Gehilfenschaft zu erkennen. Der Beschuldigte ist der Veruntreuung gemass Art.
         138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen (ev. der Gehilfenschaft hiezu),
         eventualiter, wenn das Gericht zum Schluss kame, dass der Veruntreuungstatbestand
         nicht erfullt sei, des Betrugs gemass Art. 146 Abs. 1 StGB, ev. der Gehilfenschaft
         dazu.


17.3.2 Veruntreuung evtl. Betrug z.N. der FIFA (Dentsu)

         Jean-Marie Weber war derjenige, der mit Dentsu den Vertrag vom 15. September 2000
         aushandelte. Seine Rolle war somit in diesem Zusammenhang eine aktive, woraus sich
         seine personliche Verantwortung ohne weiteres ergibt. Er ist daher auch in diesem
         Punkt der Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB, eventualiter des
         Betrugs gemass Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig zu befinden.


17.3.3 Betrua z.N. der Dentsu Inc.

         Diesbeztiglich kann auf die Darstellung bei Christoph Malms verwiesen werden. Jean
         Marie-Weber, welcher die Vereinbarung und die Erklarung vom 17. Januar 2001 als

90

     Stratenwerth, zit. in Frei, a.a.O. 50
91

     Schnyder, a.a.O. 134
         Verwaltungsratsprasident der ISL Worldwide unterzeichnet hatte, fiihrte nach eigenen Angaben
         die Verhandlungen mit Dentsu. So gab er bei der Einvernahme vom 8. November 2002 an,

               dass er anfangs 2001 nach Tokyo geflogen sei zusammen mit Urs Brunner. Dort habe er
               bei hochster Dentsu-Ebene nach nicht einfachen Verhandlungen erreicht, dass Dentsu
               die Garantie stellen wurde. Dentsu habe mit dieser Zusage einige Sicherheiten verlangt,
               wie den Toshiba-Vertrag und die Vertragserganzung vom 15. September 2000. Das alles
               sei im Memorandum of Understanding festgehalten. Dentsu habe zusatzlich noch eine
               Garantie von der ISMM AG gewollt (D 3/30, Ziffer 140, auf S. 26).


         Der Beschuldigte, welcher die Vereinbarungen vom 15. September 2000 und 17. Januar 2001
         sowie die Erklarung gleichen Datums mitunterzeichnete, war nicht nur umfassend iiber den
         Verfahrensgegenstand informiert, sondern verhandelte aktiv die diesbezuglichen Grundlagen
         und war sich bewusst, dass Dentsu die Garantie nur gegen die gewahrten Sicherheiten leisten
         wurde.

         Als Organ leistete Jean-Marie Weber einen massgebenden Beitrag fur das deliktische
         Verhalten, weshalb er als Hauptbeteiligter dasteht. Ihm war das grundsatzliche Prinzip der
         Verteilung der Zahlungen aus den Unterlizenzvertragen auf der Grundlage der mit der FIFA
         unterzeichneten Vertrage bekannt, weshalb ihm auch bewusst war, dass es nicht zulassig sein
         konnte, einen 25 % iibersteigenden Anteil an den diesbeztiglichen Eingangen an Dentsu zu
         "verpfanden". Die Bedeutungslosigkeit der Haftungserklarung der ISMM AG vor dem
         Hintergrund der finanziellen Situation war dem Beschuldigten ebenso bekannt. Er ist daher im
         Resulat des Betrugs gemass Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
                                                                                                   185
17.3.4   Bevorzugung eines Giaubigers (Dentsu und UBS)

         Es kann grundsatzlich auf die vorstehenden Ausfuhrungen verwiesen werden. Der Beschuldigte
         hatte bei den inkriminierten Verhaltensweisen eine aktive Rolle und steht als Hauptbeteiligter
         da. Er wusste auf Grund der regelmassig erstellten Cash Flow Plane und der weekly cash
         forecasts der Gruppe, dass sowohl die ISMM AG als auch die ISL Worldwide nicht in der Lage
         waren, in diesem Zeitpunkt alle Glaubigerforderungen begleichen zu konnen. Er war sich der
         Zahlungsunfahigkeit der Gruppe bewusst. Jean-Marie Weber hat sich der mehrfachen
         Glaubigerbevorzugung gemass Art. 167 StGB schuldig gemacht.


17.3.5   Erschleichung von Falschbeurkundunoen und unwahre Angaben iiber kaufmannische
         Gewerbe im Zusammenhang mit der ISL Hospitality AG. ISL Hospitality (Japan) AG und ISL
         Hospitality (Korea) AG)

         Gemass Ziffer 4.3 des Geschaftsreglementes der ISMM AG bedurfte es ftir die Griindung von
         Tochtergesellschaften der vorherigen Zustimmung des Verwaltungsratsausschusses (D
         8/2/19), dessen Vorsitzender der Beschuldigte war. Gemass Jean-Marie Weber lag die
         Kompetenz zum grundsatzlichen Entscheid betreffend die
         Neugrtindung von Gesellschaften innerhalb der ISMM Gruppe beim Verwaltungsrat (D
         3/72, Ziffer 31).

         Der Beschuldigte war bekanntlich Verwaltungsratsprasident der ISL (International)
         AG, der Griinderin der ISL Hospitality AG, welche ihrerseits die ISL Hospitality (Japan)
         AG und die ISL Hospitality (Korea) AG grundete. Er war weder Griinder der Hospitality
         Gesellschaften, noch war er sonst konkret mit der Grundung befasst.

         Hingegen trafen ihn als Verwaltungsratsprasidenten der ISL (International) AG jene
         Pflichten, die bereits bei Christoph Malms ausfiihrlich dargestellt wurden. Dass die
         Strafbarkeit durch Unterlassung bei den gegenstandlichen Delikten grundsatzlich
         moglich ist, muss unter Beriicksichtigung der bereits zitierten Rechtsprechung und der
                                                                        92
         neuesten Literatur mit Bezug auf Art. 152 StGB bejaht werden . Der Beschuldigte haftet
         mithin hier wegen Mittaterschaft zufolge Unterlassung. Denn er hatte sicherzustellen,
         dass das Kapital den gegrundeten Gesellschaften auch wirklich zur Verftigung stand.
         Der Beschuldigte war im Ubrigen eingehend iiber die finanzielle Situation, insbesondere
         der ISL Worldwide informiert und wusste, dass sie in diesem Zeitpunkt iiberschuldet
         und illiquid war. Jean-Marie Weber muss wegen mehrfachen Erschleichung einer
         falschen Beurkundung gemass Art. 253 StGB sowie wegen mehrfacher unwahren
         Angaben iiber kaufmannische Gewerbe gemass Art. 152 StGB schuldig
         gesprochen werden.


17.3.6 Glaubiaerschadiauno durch Vermogensminderung (Nunca/Sunbow Komplex)

         Jean-Marie Weber war im Zusammenhang mit dem Nunca/Sunbow Komplex das
         tragende Element. Er unterzeichnete zusammen mit Hans-Peter Weber samtliche
         Zahlungsauftrage und war gemass eigenen Angaben neben dem verstorbenen Horst
         Dassler der Einzige, der die Namen der Endempfanger der Schmiergelder kannte (D
         3/72, Ziffer 30). Er war derjenige, der ftir die Endabwicklung der gegenstandlichen Zu-
         wendungen verantwortlich zeichnete. Als Organ und auf Grund seines aktiven Vorge-
         hens steht er zweifelsfrei als Hauptbeteiligter da. Der heiklen finanziellen Situation der
         Sporis Holding AG bzw. der ISMM AG war sich der Beschuldigte bewusst; er nahm
                                                                                                      186
         zumindest in Kauf, dass den Glaubigern durch sein Verhalten ein
         Vermogensschaden zugefugt werden konnte. Jean-Marie Weber ist daher der
         mehrfachen Glaubigerschadigung durch Vermogensminderung gemass Art. 164
         Ziff. 1 StGB schuldig
         zu sprechen.


17.3.7 Betrugerischer Konkurs (Sunbow S.A. / Nunca Stiftung)

         Was den betrugerischen Konkurs betrifft, ist lediglich anzuftihren, dass Jean-Marie
         Weber offensichtlich viel daran gelegen war, das Konstrukt, die Endempfanger der
         Gelder und damit auch die Vermogenswerte zu verheimlichen. Dies wird einerseits


Kesselbach, a.a.O. 182 f.
         durch das Vorgehen bei der Abwicklung der Zahlungen und andrerseits durch den Inhalt des
         am 27. Februar 2004 von ihm abgeschlossenen Vergleichs belegt. Nichts anderes kann aus
         seinem Verhalten, zu den Zahlungen aus Vertraulichkeitsgrunden keine Stellungnahme
         abgeben zu wollen, geschiossen werden (D 3/72, Ziffer 18). Der Beschuldigte tragt auch
         beziiglich dieses Verhaltens die voile strafrechtliche Mitverantwortung und ist daher im Resultat
         des betrugerischen Konkurses gemass Art. 163 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.

17.3.8   Veruntreuung

         Die Verantwortung des Beschuldigten ergibt sich aus der unter der einschlagigen Rubrik
         erfolgten Darstellung; wenn ein Unternehmer ein Delikt allein (oder mit einem anderen
         Mitarbeiter) ausfuhrt, so ist seine strafrechtliche Verantwortung eine allgemeine und von der
         sprezifischen eigenschaft unabhangig. Der Beschuldigte ist
         der Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig.



17.4     Heinz Schurtenberger

17.4.1   Veruntreuung evtl. Betrug z.N. der FIFA (Globo)

17.4.1.1 Heinz Schurtenberger war zusammengefasst geschaftsleitender Verwaltungsrat der ISMM
         AG und der ISL Worldwide. Er war als CEO der ISMM Gruppe ein massgebender
         Entscheidungstrager innerhalb des Konzerns. Er war Mitglied des ExCo und Vorsitzender des
         GMB. Ihm kam somit neben seiner aktiven Beteiligung an der Geschaftsfuhrung auch eine
         Kontrollfunktion mit Bezug auf jene Bereiche zu, in welche er im Rahmen der Geschaftsfuhrung
         nicht selber aktiv involviert war. Als Mitglied des ExCo, in welchem nach seinen eigenen
         Angaben samtliche Entscheide von Bedeutung gefallt wurden, trug er Mitverantwortung fiir alle
         Entscheide, auch wenn die Ausfiihrung durch andere Mitglieder des Ausschusses oder
         Personen ausserhalb dieses Gremiums wahrgenommen wurden.

17.4.1.2 Wie dargelegt, befasste sich das ExCo mit der Liquiditatsbeschaffung fur das Jahr 2000 und
         wurde die Angelegenheit Globo u.a. im ExCo besprochen. Bestatigt wurde dies auch von
         Schurtenberger selbst, der folgendes angab:

              ISMM und Globo hatten auf Grund dieses bedeutenden Vertrages, aber auch wegen
              anderer paralleler geschaftlicher Interessen eine gute und freundschaftliche Beziehung
              gehabt. So sei es selbstverstandlich gewesen, dass ISMM Globo unterstutzt habe, als
              Globo aus kurzfristigen Liquiditatsproblemen eine Rate - er glaube, es sei die erste
                                                                                                     187
              gewesen - nicht termingerecht habe bezahlen konnen. Als im Executive Committee im
              Sommer 2000 die Uberbruckung des erwarteten kurzfristigen Liquiditatsproblems disku-
              tiert worden sei, sei u.a. auch der Vorschlag gemacht worden, dass sich Globo jetzt
              revanchieren konne und man vielleicht bei Globo anklopfen sollte beziiglich eines
              kurzfristigen Uberbruckungskredits. Dieser Vorschlag sei nicht von ihm gekommen; es sei
              auch nicht sein Ressort gewesen . Er erinnere sich aber, dass Herr Beauvois beauftragt
              worden sei, mit Globo die grundsatzliche Bereitschaft zu einem solchen llber-
              bruckungskredit oder Darlehen abzuklaren, und nach grundsatzlicher Zusage von Globo
              Hans-Jiirg Schmid beauftragt worden sei, mit dem Finanzverantwortlichen von Globo die
              Modalitaten festzulegen und die Vereinbarung vorzubereiten. Er erinnere sich, dass Herr
              Schmid daraufhin das Exco informiert habe, dass Globo nun einen neuen Vorschlag
              gemacht habe, namlich sie wiirden statt eines Darlehens lieber eine Vorauszahlung auf
              die nachste Rate leisten. Er erinnere sich auch daran, dass er gesagt habe, das konne
              man nicht machen, und dass Herr Schmid wieder an den Verhandlungstisch
              zuruckgeschickt worden sei. Woran er sich auch erinnere, sei, dass sie im Management-
              Bord daruber informiert hatten, dass man mit Globo in Verhandlungen bezuglich eines
              kurzfristigen Darlehens stehe und dass das recht positiv aussehe (D 3/28, Ziffer 79).

Gemass Darstellung von Heinz Schurtenberger (D 3/29, Ziffer 79) habe man Hans-Jurg Schmid wieder
an den Verhandlungstisch zuruckgeschickt, nachdem dieser berichtet habe, Globo wolle kein Darlehen,
aber eine Vorauszahlung leisten. Sowohl Daniel Beauvois, wie auch Hans-Jiirg Schmid, welche die
Verhandlungen mit Bezug auf die Vorauszahlung/das Darlehen fiihrten, erstatteten Schurtenberger
Bericht, bzw. waren ihm administrativ unterstellt. Gemass Angaben von Daniel Beauvois wurde er von
Heinz Schurtenberger gebeten, mit Globo Gesprache aufzunehmen (D 3/49, Ziffer 97). Er hatte somit in
jedem Fall die Pflicht, sich iiber den weiteren Verlauf der Verhandlungen zu informieren und
sicherzustellen, dass die Abwicklung „der korrekten Business-Praxis" entsprach (D 3/29, Ziffer 80).

Wie der Untersuchungsrichter richtig feststellte, ist sein Exkulpationsversuch, wonach es sich bei dieser
Angelegenheit nicht um sein Ressort gehandelt habe (D 3/29, Ziffer 82), vor dem Hintergrund der bereits
erwahnten konkreten Delegation der Priifung zusatzlicher Finanzierungsmoglichkeiten an den
Verwaltungsratsauschuss als Mitglied desselben, aber auch bei seiner Position in der Gruppe nicht
moglich. In einem Konzern ist arbeitsteiliges Vorgehen ein Muss und baut das Eine oft zwangslaufig auf
dem Andern auf. Dies heisst aber nicht ein Verschieben oder Delegieren von Verantwortung. Die
Fiihrungsverantwortung bleibt und heisst gleichzeitig auch Wahrnehmung von Kontrollfunktionen. Was
schon bei Christoph Malms unter dem Aspekt der Unterlassung angefuhrt wurde, gilt auch fur Heinz
Schurtenberger (insoweit das Gericht von einer Unterlassung ausgehen wiirde). Er hatte in jedem Fall
die Pflicht zur Kontrolle mit Bezug auf die Umsetzung des im ExCo gefallten Beschlusses. Die Nicht-
beachtung entspricht der aus strafrechtlicher Sicht relevanten Pflichtwidrigkeit. Die das Rechtsgut
gefahrdende Situation war spatestens dann gegeben, als Globo signalisierte, kein Darlehen gewahren
zu wollen. Schurtenberger hatte auf Grund seiner weit reichenden Kompetenzen nicht nur intervenieren
konnen, sondern auch miissen. Dass er sich der Gefahrensituation bewusst war, wird durch
nachfolgenden Vorhalt dokumentiert:

Vorlage der von Ihnen unterzeichneten Quittung der ISMM AG vom 15. September 2000 (D 4/D/2/59):
Sie haben bei der letzten Einvernahme erklart, dass Herr Schmid das ExCo informiert habe, dass Globo
nun einen neuen Vorschlag gemacht habe, namlich sie wurden statt eines Darlehens lieber eine
Vorauszahlung auf die nachste Rate leisten. Sie wiirden sich auch daran erinnern, dass Sie gesagt
hatten, das konne man nicht machen, und dass Herr Schmid wieder an den Verhandlungstisch zuruck
geschickt worden sei (D 3/29, Ziffer 79). Auf Nachfrage meinerseits haben Sie erlautert, dies deshalb,
weil das nicht der korrekten Business Praxis entspreche (D 3/29, Ziffer 80). Warum haben Sie die Ihnen
vorgelegte Quittung unterschrieben, in welcher der Zahlungsgrund umfassend und klar als
Vorauszahlung dargestellt wurde und somit gemass Ihren Worten nicht der korrekten Business Praxis
entsprach? Heinz Schurtenberger gab darauf an,

     dass es einen inhaltlichen und einen zeitlichen Grund gebe: Inhaltlich sei es so gewesen, dass das
     ExCo entschieden habe, dass man bei Globo ein Loan beantragen wiirde und dass man sich
     aufgrund der Aussage von Herrn Beauvois und von Herrn Schmid im Kiaren gewesen sei, dass
     Globo diesen Antrag akzeptiert habe. Und so sei das ja auch an Globo bestatigt worden. Kurz vor
                                                                                                        188
     der geplanten Auszahlung habe Herr Schmid daruber informiert, dass man aus Globo-internen
     Grunden eine Vorauszahlung wiinsche. Das ExCo habe daraufhin Herrn Schmid gebeten
     sicherzustellen, dass das Geschaft als Loan abgeschlossen wiirde und nicht als Vorauszahlung. Er
     sei daraufhin informiert worden, dass man das im Innenverhaltnis auch so handhabe, dass aber -
     wenn man den Zeitplan fiir die Uberweisung einhalten wolle - vorerst der Vorgang als
     Vorauszahlung zu dokumentieren sei. Das habe sich in einem sehr kurzen Zeitfenster abgespielt,
     und fiir ihn sei die Angelegenheit danach erledigt gewesen, und er sei sich nicht bewusst gewesen
     (und sei es sich heute noch nicht), ob diese Deklaration allenfalls rechtlich nicht in Ordnung
     gewesen sei. Er wolle noch einmal War festhalten, dass er an der Verhandlung und Abwicklung
     dieses Darlehens nicht beteiligt gewesen sei. Er habe nie mit Globo verhandelt und sich -
     entgegen von Vermutungen durch einen oder zwei Befragten - auch nie telefonisch mit Globo in
     Verhandlung befunden. Im Vorfeld dieser Angelegenheit habe er einmal gemeinsam mit Jean-
     Marie Weber der Fuhrung von Globo angekundigt, dass Daniel Beauvois sich bei ihnen melden
     wurde zwecks Verhandlung eines Darlehens, und sie sollten sein Aniiegen bitte wohlwollend
     behandeln. Das sei bei einem informellen Mittagessen in anderer Angelegenheit gewesen. Dieses
     Dokument und da erinnere er sich genau - habe er eines Abends spat auf Wunsch von Hans-Jiirg
     Schmid unterschrieben, der ihm gesagt habe, er sei noch der einzige Unterschriftsberechtigte im
     Haus, und auf seine Ruckfrage habe er ihm bestatigt, dass das mit Jean-Marie Weber so
     abgestimmt und in Ordnung sei. Er meine ubrigens auch, dass er diese Quittung, die nicht einmal
     auf ISL-Papier ausgestellt seit, nicht am 15. September unterschrieben habe, weil er - Irrtum
     vorbehalten - damals auf Geschaftsreise gewesen sei (D 3/44, Ziffer 117).

         Marcelo Campos Pinto hat in der Einvernahme vom 26. August 2002 ausgesagt, er habe
         Schurtenberger und Beauvois gegenuber erklart, dass die einzige Losung eine Vorauszahlung
         sei. Im Rahmen eines Telefongesprachs habe sich Schurtenberger mit einer Vorauszahlung
         einverstanden erklart (D 3/25, Ziffer 38). Dieser gab dazu an,

               dass nur nochmals wiederholen konne, dass er nach seiner Erinnerung in diese ganze
               Verhandlung nicht involviert gewesen sei und auch keine Telefongesprache dazu mit
               Globo gefuhrt habe (D 3/44, Ziffer 150).


17.4.1.3 Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist diese Darstellung nicht glaubhaft, zumal Marcelo
         Campos Pinto bei der Zeugeneinvemahme von Ende 2004 in Rio de Janeiro seine fruhere
         Darstellung uneingeschrankt und uberzeugend bestatigt hat (vgl. D 2/G/250). UnumstSssliches
         Faktum ist ferner, dass Heinz Schurtenberger die fragliche Quittung, in welcher
         unmissverstandlich von einer Vorauszahlung die Rede ist, unterschrieben hat. Bei einer
         Gesamtbetrachtung ist mithin erstellt, dass der Beschuldigte als Organ mit eigenstandiger
         Entscheidungsbefugnis einen nahmhaften aktiven Beitrag zum inkriminierten Verhalten
         leistete, so dass er als Hauptbeteiligter darsteht. Sollte das Strafgericht solches wider Erwarten
         nicht fur rechtsgenugend erstellt betrachten, wurde dies an der mittaterschaftlichen
         Verantwortung von Heinz Schurtenberger letztlich nichts andern. Gestutzt auf die
         Handlungspflichten, welche sich wegen seiner Stellung und den umschriebenen konkreten
         Umstanden aufdrangten, haftet der Beschuldigte (mittaterschaftlich) auch aus Unterlassung.
         Der Beschuldigte hatte auf Grund seiner weit reichenden Kompetenzen nicht nur intervenieren
         konnen, sondern auch mussen, und er war sich dessen bewusst. Nur fur den Fall, dass das
         Strafgericht wider Erwarten eine aktive und passive Mittaterschaft verneinen sollte, ist auf
         Gehilfeschaft zu erkennen. Durch sein Verhalten nahm Heinz Schurtenberger zumindest in
         Kauf, dass die Gelder nicht vertragskonform verwendet wurden. Damit hat aber auch
         gegeniiber ihm ein Schuldspruch wegen Veruntreu
                    ung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ev. Gehilfeschaft hierzu),
                    eventualiter
                    wegen Betrugs gemass Art. 146 Abs. 1 StGB (ev. Gehilfenschaft dazu)
                            zu
                    erfolgen.
                                                                                                        189
          17.4.2   Bevorzugung eines Giaubigers (UBS)

                   Vom Wissen Heinz Schurtenbergers um die Zahlungsunfahigkeit der ISMM
                   AG und der ISL Worldwide kann ohne weiteres ausgegangen werden (vgl.
                   die Ausfuhrungen zur finanziellen Situation der Gesellschaften / vgl. im
                   Ubrigen die Ausfuhrungen bei Christoph Malms vorstehend Ziffer 17.2.4).
                   Auch die subjektiven Tatbestandsmerkmale sind im Ubrigen gegeben,
                   weshalb ein Schuldspruch wegen Glaubigerbevorzugung nach Art. 167
                   StGB beantragt wird.


* 17.5             Daniel Beauvois

          17.5.1   Veruntreuung evtl. Betrug z.N. der FIFA (Globo)

          17.5.1.1 Daniel Beauvois war geschaftsleitender Verwaltungsrat der ISMM AG und
                  der ISL Worldwide. Er war Mitglied des ExCo und des GMB und nach dem
                  Ausscheiden Heinz Schurtenbergers CEO der ISMM Gruppe. Wie bei Heinz
                  Schurtenberger dargestellt, kam ihm somit neben seiner aktiven Beteiligung
                  an der Geschaftsfuhrung auch eine Kontrollfunktion mit Bezug auf jene
                  Bereiche zu, in welche er im Rahmen der Geschaftsfuhrung nicht selber aktiv
                  involviert war.

          17.5.1.2 Allerdings war er nach eigenen Angaben derjenige, der aktiv die Grundlagen
                  fur das Globo Geschaft mit Marcelo Campos Pinto schuf. Wohl delegierte er
                  die Ausarbeitung der Einzelheiten an den CFO, es oblag ihm jedoch in der
                  Folge, sich iiber den weiteren Verlauf der Verhandlungen zu informieren und
                  sicherzustellen, dass die Abwicklung „der korrekten Business-Praxis"
                  entsprach (D 3/29, Ziffer 80). Er hatte diese Pflicht auf Grund des konkreten
                  Auftrages, welchen er vom Verwaltungsrats
**                 ausschuss erhalten hatte und auch auf Grund seiner Position als Mitglied
                  des Verwaltungsrates. Die Konsequenzen der Nichtbeachtung dieser
                  Pflichten wurden bereits dargestellt. Daniel Beauvois gab zur Globo
                  Angelegenheit abschiessend an, dass

                       er mit Sicherheit wisse, dass er von Brasilien zuruckgekommen sei mit dem Verhand-
                       lungsergebnis, dass Globo ein Darlehen an ISMM gewahren wiirde. Was danach
                       geschehen sei, konne man aufgrund der Unterlagen verschieden interpretieren,
                       namlich ob es eine Vorauszahlung oder ein Darlehen sei (fur ihn sei es immer ein
                       Darlehen gewesen). Aber letztendlich scheine ihm das eine Nebensache zu sein.
                       Entscheidend sei fiir ihn, was das Management der ISMM habe machen wollen, ob es
                       namlich beabsichtigt habe, der FIFA zustehende Betrage vorzuenthalten oder nicht.
                       Fur ihn gebe es in den Akten absolut nichts, was darauf hinweisen wiirde, dass die
                       ISMM geplant hatte, der FIFA Betrage, welche ihr laut Vertragen zugestanden seien,
                       zu den vereinbarten Zeitpunkten vorzuenthalten bzw. nicht zu bezahlen. Das sei fur ihn
                       entscheidend! (D 3/49, Ziffer 179).

                       Zudem gab er an, dass von ihrer Seite die Absicht bestanden habe, nach Abschluss
                       des ABS Projektes die Uberbruckungsfinanzierung, welche aus verschiedenen
                       Quellen gekommen sei, auszugleichen, so dass spatestens am 1. Juli 2001 diese 66
                       Mio. auf das Special Account hatten fliessen konnen (D 3/31, Ziffer 88).
17.5.1.3 Wie an anderer Stelle schon ausgefuhrt, sind diese Aussagen nicht geeignet, den Tat-
        bestand der Veruntreuung (oder des Betrugs) objektiv Oder subjektiv in Frage zu
        stellen. Sie zeigen vielmehr, dass eine nicht rechtzeitige Weiteriibermittlung der Gelder
        (75%) auch vom Beschuldigten zumindest in Kauf genommen wurde. Durch seine
        Mitwirkung im ExCo und dem aktiven Verhandein mit Globo als Organ mit eigenstan-
        diger Entscheidungsbefugnis leistete der Beschuldigte einen nahmhaften aktiven Bei-
                                                                                                          190
        trag zum inkriminierten Verhalten, so dass auch er als Hauptbeteiligter darsteht.
        Sollte das Strafgericht solches wider Erwarten nicht fiir rechtsgeniigend erstellt
        betrachten, wiirde dies an der mittaterschaftlichen Verantwortung von Daniel
        Beauvois letztlich nichts andern. Gestutzt auf die Handlungspflichten, welche sich
        wegen seiner Stellung und den umschriebenen konkreten Umstanden aufdrangten,
        haftet der Beschuldigte (mittaterschaftlich) auch aus Unterlassung. Der Beschuldigte
        hatte auf Grund seiner weit reichenden Kompetenzen nicht nur intervenieren konnen,
        sondern auch mussen, und er war sich dessen bewusst. Wohl delegierte er die
        Ausarbeitung der Einzelheiten an den CFO, es oblag in der Folge aber ihm, sich uber
        den weiteren Verlauf der Verhandlungen zu informieren und sicherzustellen, dass das
        Globo Geschaft nicht den grundsatzlichen Bestimmungen des Vertrages mit der FIFA
        widersprach. Beispielsweise hatte der Beschuldigte auch die Cash Flow Darstellungen
        hinterfragen und intervenieren mussen, mit welcher die im Juli 2001 fallige Globo
        Zahlung unter "Prepayments" mit CHF 112'200'000.~ erfasst wurde. Nur ftir den Fall,
        dass das Strafgericht wider Erwarten sowohl eine aktive als auch eine passive
        Mittaterschaft verneien sollte, bliebe auf Gehilfenschaft zu erkennen. Durch sein
        Verhalten nahm der Beschuldigte zumindest in Kauf, dass die Gelder nicht
        vertragskonform verwendet wurden. Auch war sich der Beschuldigte seiner Position
        und den damit verbundenen Pflichten bewusst, ebenso wie dass Gelder aus
        Unterlizenzvertragen an die FIFA weiterzuleiten waren. Damit hat aber auch gegeniiber
        ihm ein Schuldspruch wegen Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
        (ev. Gehilfeschaft hierzu), eventualiter wegen Betrugs gemass Art. 146 Abs. 1
        StGB (ev. Gehilfenschaft dazu) zu erfolgen.



17.5.2 Veruntreuung evtl. Betrug z.N. der FIFA (Dentsu)

        Daniel Beauvois war einer jener, welcher die Vereinbarung vom 5. November 1999
        zwischen der ISMM Investments AG und der Dentsu Inc. (D 4/B/1/32) und jene vom
        15. September 2000 zwischen der ISMM AG und der Dentsu Inc. (D 4/B/1/54) unter-
        zeichnet hatte (D 3/31, Ziffer 94, Ziffer 97). Er verfasste einen Situationsbericht per
        10. Oktober 2000 betreffend ,,2002 FIFA World Cup Broadcasting Rights in Japan" (D
        4/D/3/1, D 3/49, Ziffer 130), und es kann festgehalten werden, dass er iiber diesen
        Bereich umfassend orientiert war (D 3/31, Ziffer 94 ff.). Daniel Beauvois ging davon
        aus, dass es sich bei der Dentsu Zahlung um eine solche aus der Vereinbarung vom
        15. September 2000 handelte. Er gab dazu an,

             dass es ihre Absicht gewesen sei, nach Abschluss des ABS-Projektes diese Betrage ver-
             tragskonform auf das Special Account einfliessen zu lassen (D 3/31, Ziffer 106). Er gab weiter an,
             dass es ihre Absicht gewesen sei, es (gemeint ist die Vereinbarung vom 15. September 2000) der
             FIFA anzuzeigen nach Abschluss des ABS-Projektes (was ein paar
             Wochen bzw. maximal ein paar Monate entfernt gewesen sei), weil die 15 Mio. als
             erste Rate aus diesem MOU von ihnen gebraucht worden sei, um die
             Uberbruckungsfinanzierung zu ermoglichen (D 3/31, Ziffer 108).

        Beziiglich der strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Beschuldigten kann mithin voll-
        umfanglich auf das bereits unter Ziffer 17.5.1 Ausgeftihrte verwiesen werden. Der
        Beschuldigte muss wegen aktiver, eventualiter passiver Mittaterschaft zur Verant-
        wortung gezogen werden. Seine allfallige Unterlassung bzw. Nichtintervention liegt
        nicht in einem Nicht-Konnen, sondern in einem Nicht-Wollen. Dies deshalb, weil man
        das Geld nach seinen Angaben zur Uberbruckung benotigte. Nur fur den Fall, dass das
        Strafgericht wider Erwarten sowohl eine aktive als auch eine passive Mittaterschaft
                                                                                           191
         verneien sollte, bliebe auf Gehilfenschaft zu erkennen. Daniel Beauvois ist wegen
         Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ev. Gehilfeschaft hierzu),
         eventualiter wegen Betrugs gemass Art. 146 Abs. 1 StGB (ev. Gehilfenschaft
         dazu) schuldig zu sprechen.


17.5.3 Betrug z.N. der Dentsu Inc.

         Im Zusammenhang mit der Vereinbarung und der Erklarung vom 17. Januar 2001 ist
         darauf hinzuweisen, dass Daniel Beauvois in diesem Zeitpunkt CEO der ISMM Gruppe
         war und ihm in dieser Funktion, verbunden mit jener des geschaftsfuhrenden
         Verwaltungsrates, die bereits eriauterten Pflichten zukamen. Der Beschuldigte gab an,
         dass er im Gegensatz zum Globo Fall nicht in die Gesprache mit Dentsu involviert
         gewesen sei. Er konne sich deshalb nur auf die vorhandenen Unterlagen stiitzen, und
         daraus scheine es ein Ergebnis des Unterlizenzvertrages zu sein (D 3/49, Ziffer 135).
         Allerdings ist aktenkundig, dass er an der Verwaltungsratssitzung der ISMM AG vom
         8. Januar 2001 teilnahm, an welcher die Modalitaten betreffend die Dentsu Garantie
         besprochen wurden (D 8/5/19). Weiter ist ersichtlich, dass ihm ein Fax von Jean-Marie
         Weber vom 16. Januar 2001 mit einem MOU Entwurf (D 4/D/3/31 + 32) zuging.
         Gemass Ziffer 3.2 ..Pledge" wurde Folgendes festgehalten: „ISMM hereby grants to
         Dentsu a security interest in the form of a pledge upon ISMM's right to receive from
         Dentsu CHF 25'000'000.~ under the Memorandum of Understanding between Dentsu
         and ...". Es ist somit erstellt, dass der Beschuldigte das Wissen betreffend den
         Vertragsinhalt hatte. Daniel Beauvois wurde bei der Einvernahme vom 13. Februar
         2004 folgender Vorhalt gemacht: Gemass Darstellung von Jean-Marie Weber soil es
         sich bei der Dentsu Uberweisung von CHF 15'000'000.~ um ein Darlehen von Dentsu
         handeln (D 3/30, Ziffer 129). Das Darlehen soil insgesamt CHF 30'000'000.- betragen
         haben (D 3/30, Ziffer 130). Falls es sich um ein Darlehen gehandelt hat: Wie konnte in
         diesem Fall im Zusammenhang mit der Bankgarantie uber CHF 66'000'000.~ folgende
         Erklarung abgegeben werden? "ISMM hereby grants to Dentsu a security interest in the
         form of a pledge upon ISMM's right to receive from Dentsu CHF 25'000'000.~ under the
         Memorandum of Understanding between Dentsu and ISMM ..." (D 2/23). Er gab dazu
         folgendes an: Er mochte das nicht beantworten (D 3/49, Ziffer 141).

         Zufolge seiner Teilnahme an der erwahnten Verwaltungsratssitzung sowie der ubrigen
         Umstande kann davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte den Entscheid
         zum inkriminierten Verhalten aktiv mitgetragen hat. Uberdies liegt aber auch Unter-
         lassung (Mittaterschaft durch passives Verhalten) vor, wobei diesbeziiglich auf das
         bereits Gesagte verwiesen werden kann. Nur ftir den Fall, dass das Strafgericht wider
         Erwarten sowohl eine aktive als auch eine passive Mittaterschaft verneinen sollte,
         bliebe auf Gehilfenschaft zu erkennen. Auf Grund der Vorkenntnisse betreffend die
         Verteilung der Unterlizenzahlungen konnte dem Beschuldigten die Unzulassigkeit,
         einen 25 % tibersteigenden Anteil zu "verpfanden", nicht entgangen sein. Zudem war
         ihm die Bedeutungslosigkeit der Haftungserklarung der ISMM vor dem Hintergrund der
         finanziellen Situation bewusst. Durch seine Nichtintervention nahm Daniel Beauvois in
         Kauf, dass Dentsu die Bankgarantie stellen wurde, was sie die wahren Umstande
         gekannt hatte. Der Beschuldigte ist wegen Betrugs gemass Art. 146 Abs. 1 StGB
         (ev. Gehilfenschaft dazu) schuldig zu sprechen.


17.5.4   Bevorzuauno eines Giaubigers (Dentsu und UBS)

         Wie alle Beschuldigten hatte auch Daniel Beauvois Kenntnis von der Zahlungsun-
                                                                                                  192
         fahigkeit der ISMM AG und der ISL Worldwide (vgl. die Ausfuhrungen zur
         finanziellen Situation der Gesellschaften / vgl. im Ubrigen die Ausfuhrungen bei
         Christoph Malms vorstehend Ziffer 17.2.4.). Der Vorwurf der mehrfachen
         Glaubigerbevorzugung gemass Art. 167 StGB kann dem Beschuldigten nicht erspart
         bleiben.


17.6     Hans-Jiira Schmid

17.6.1   Veruntreuung evtl. Betrug z.N. der FIFA (Globo)

17.6.1.1 Hans-Jtirg Schmid war geschaftsftihrender Verwaltungsrat der ISL Worldwide und als
        Chief Financial Officer (CFO) der Gruppe weltweit ftir samtliche finanziellen Belange
        der Gesellschaft und der ISL Gruppengesellschaften mit Ausnahme der Sporis Holding
        AG zustandig und Mitglied des GMB. Ftir die Gruppe beinhaltete die Funktion des CFO
        die Leitung der Finanzabteilung, d.h. des Controllings, Treasurys und Accountings. Er
        stand bei strategischen, finanziellen Belangen dem ExCo und dem Verwaltungsrat zur
        Seite (D 3/43, Ziffer 103). Es versteht sich von selbst, dass er als CFO letztlich auch ftir
        die Cash Flow Darstellungen verantwortlich zeichnete (D 3/48, Ziffer 144, vgl. auch die
        Aussage von Hans-Peter Weber D 3/61, Ziffer 130). Er war Ansprechpartner bei
        Unklarheiten mit Bezug auf die Buchhaltung (vgl. auch die Aussage von Hans-Peter
        Weber D 3/61, Ziffer 142).

17.6.1.2 Hans-Jurg Schmid war aktiv an der konkreten Umsetzung des Projektes Globo be-
        teiligt (D 3/1, S. 3 ff). Er war derjenige, der mit dem CFO von Globo die Einzelheiten
        aushandelte. Er war sich bewusst, dass die gegenstandliche Zahlung aus Sicht der
        FIFA in jedem Fall ein Umgehungsgeschaft darstellte. Er hat die Verletzung der Ver-
        tragsbestimmungen FIFA/ISMM AG und letztlich die vertragswidrige und strafrechtlich
        relevante Verwendung der Gelder nicht nur in Kauf genommen, sondern aktiv zur
        Realisierung dieses Geschaftes beigetragen.

17.6.1.3 Auf Grund der beschriebenen organschaftlichen    Stellung des Beschuldigten sowie
        seinen aktiven und absolut massgebenden Tatbeitragen ist eindeutig von Mittater-
        schaft auszugehen. Denn wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausfiihrung des
         Deliktes entscheidend mit anderen zusammenwirkt, steht als Hauptbeteiligter da. Lediglich der
         Vollstandigkeit halber sei angefiigt, dass der Beschuldigte auch eine Geschaftsherrenhaftung
         traf. Er ware so verpflichtet gewesen, dafur besorgt zu sein, dass der Eingang der Globo
         Zahlung der FIFA mitgeteilt wurde. Der Beschuldigte muss daher wegen Veruntreuung
         gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB, eventualiter wegen Betrugs nach Art. 146 Abs. 1
         StGB, schuldig gespochen werden.


17.6.2 Veruntreuung evtl. Betruo z.N. der FIFA (Dentsu)

         Hans-Jiirg Schmid hatte als CFO Kenntnis von der Vereinbarung mit Dentsu (D 3/48, Ziffer 201,
         vgl. etwa: D 17/9/3, D 17/9/5, D 17/9/13). Er war sich auch bewusst, dass die Geschaftsakten
         keinen Hinweis auf ein Darlehen enthielten. Ihm wurde folgender Vorhalt gemacht: Aufgrund
         der jetztigen Aktenlage ist davon auszugehen, dass die Falligkeiten gemass dem MOU vom 15.
         September 2000 definitiv festgelegt wurden. Ist Ihnen bekannt, ob diesbeztiglich mit Dentsu
         eine andere schriftliche Vereinbarung getroffen wurde? Er gab an,

              dass seines Wissens keine schriftlichen Vereinbarungen vorhanden seien. Jean-Marie
              Weber sei (er wiederhole sich) ausdrucklich und wiederholt darauf aufmerksam gemacht
              worden, dass diese Dokumentation als Schriftstuck kein Hinweis auf ein Darlehen in sich
              trage. Er habe sie (gemeint ist Hans-Jiirg Schmid und Hans-Peter Weber) im Glauben
                                                                                                     193
              gelassen und sie wiederholt iiberzeugt, dass es im Verhaltnis mit japanischen
              Personen etwas schwieriger und diese Dokumentation betreffend Darlehen in
              Bearbeitung sei (D 3/48, Ziffer 218). Vorgangig wurde ihm folgender Vorhalt gemacht:
              Handelte es sich nach Ihrem Kenntnisstand bei der Dentsu Zahlung im Betrag von CHF
              15'000'000.- um eine Leistung aus dem Unterlizenzvertrag oder um ein Darlehen? Darauf
              gab er an, dass sie
              d.h. Hans-Peter Weber und er selber - von Jean-Marie Weber informiert worden seien, er
              habe mit Dentsu vereinbart, dass es sich bei dieser Zahlung um ein kurzfristiges Darlehen
              handle. Sie hatten ihm gegenuber wiederholt betont, dass sie eine schriftliche
              Dokumentation benotigen wurden, was er ihnen aber schuldig geblieben sei (D 3/48,
              Ziffer 214).


         Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft kam der Beschudigte seinen Kontroll- und
         Interventionspflichten, wie sie sich aus der Geschaftsherrenhaftung ergeben, damit zuwenig
         nach. Auf Grund der Erkenntnisse mit der Globo Zahlung (welche rund einen Monat zuvor
         eingegangen war) und der offenkundigen Liquiditatsprobleme hatte sich der Beschuldigte nicht
         mit den Antworten bzw. Erklarungen des Jean-Marie Weber abspeisen lassen dtirfen. Als CFO
         hatte er sofort auf entsprechende Dokumente bestehen und gemass dem Ergebnis dafur
         besorgt sein miissen, dass der Zahlungseingang der FIFA mitgeteilt wird. Der Beschuldigte ist
         damit aus Unterlassung mittaterschaftlich strafbar (Geschaftsherrenhaftung), weshalb er
         der Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB, eventualiter der des Betrugs
         gemass Art. 146 Abs. 1 StGB, schuldig zu sprechen ist.


17.6.3 Betruo z.N. der Dentsu Inc.

         Hans-Jurg Schmid war iiber die Hintergrunde und die Problematik der Verpfandung der
         Forderung aus dem Unterlizenzvertrag umfassend orientiert, auch wenn er wohl nicht aktiv in
         die Verhandlungen involviert war (vgl. D 3/48, Ziffer 225 ff.). Ihm wurde folgender Vorhalt
         gemacht: Vorlage von D 4/D/3/20 (Mitteilung von Dentsu vom 6.
         Januar 2001, Antwort von ISMM vom 7. Januar 2001 und Frage von Peter Caroll vom
         8. Januar 2001): Nehmen Sie bitte zur Frage von Peter Caroll „l was under the impression that
         TV monies were locked into the FIFA trust arrangements? In those circumstances, how could
         we pledge them to Dentsu?" Stellung. Er gab dazu an,

              dass Hashiguchi der Anwalt von Dentsu in Tokio sei. Diesen habe er im Zusammenhang
              mit der Ubertragung der Rechte unter dem ABS Projekt kennen gelernt. Die Frage
              betreffend Garantie von TV Receivables konne er dahingehend beantworten, dass ihm
              vom ExCo bestatigt worden sei, dass unser Anteil an den TV Receivables, d.h. 25 %,
              gegenuber Dentsu als Garantie hinterlegt werden durften. Anscheinend habe er nicht
              schriftlich an Peter Caroll geantwortet. Wenn er ihm personlich geantwortet hatte (wortiber
              er sich heute nicht mehr sicher sei), hatte er ihm das so mitgeteilt, wie er es jetzt hier
              erwahnt habe. Er sei sich nicht ganz sicher, ob Peter Caroll den Impact des Zusatzes zum
              TV-Vertrag vollumfanglich in seine Uberlegungen habe einfliessen lassen (D 3/48, Ziffer
              234).

         Was die grundsatzliche Verantwortung betrifft, kann auf das schon Ausgeftihrte verwiesen
         werden. Dem Beschuldigten war das grundsatzliche Prinzip der Verteilung der Zahlungenn aus
         den Unterlizenvertragen bekannt, weshalb er nicht im Ernst darauf vertrauen konnte, dass es
         erlaubt sei, einen 25 % tibersteigenden Anteil an den diesbezuglichen Eingangen zu
         "verpfanden". Uberdies war dem Beschuldigten die Wert- bzw. Bedeutungslosigkeit der
         Haftungserklarung bekannt. Dem Beschuldigten muss vorgeworfen werden, als
         geschaftsftihrender Verwaltungsrat der ISL und als CFO der Gruppe in Kenntnis der
         Gesamtumstande es unterlassen zu haben, zu intervenieren. Er hatte dafur besorgt sein sollen,
         dass Dentsu vollumfanglich iiber die vertraglichen Grundlagen mit der FIFA einerseits und der
         finanziellen Situation andererseits informiert worden ware. Er nahm durch seine Unterlassung
         den beschriebenen Sachverhalt in Kauf. Somit hat ein Schuldspruch wegen Betrugs gemass
                                                                                                   194
         Art. 146 Abs. 1 StGB auch gegeniiber dem Beschuldigten zu erfolgen.


17.6.4   Bevorzugung eines Giaubigers (Dentsu / UBS)

         Hans-Jiirg Schmid hatte als CFO der Gruppe selbstverstandlich Kenntnis von der
         Zahlungsunfahigkeit der ISMM AG und der ISL Worldwide (vgl. die Ausfuhrungen zur
         finanziellen Situation der Gesellschaften / vgl. im Ubrigen die Ausfuhrungen bei Christoph
         Malms vorstehend Ziffer 17.2.4.). Der Beschuldigte ist wegen                  mehrfacher
         Glaubigerbevorzugung gemass Art. 167 StGB schuldig zu sprechen.


17.6.5   Erschleichung von Falschbeurkundunoen und unwahre Anoaben uber kaufmannische
         Gewerbe im Zusammenhang mit der ISL Hospitality AG. ISL Hospitality (Japan) AG und ISL
         Hospitality (Korea) AG)

         Hans-Jtirg Schmid war Mitglied des Verwaltungsrates der ISL (International) AG,
         Verwaltungsratsprasident der ISL Hospitality AG, der ISL Hospitality (Japan) AG und der ISL
         Hospitality (Korea) AG. Er war Mitgrtinder der Hospitality Gesellschaften. Er war als CFO der
         Gruppe eingehend iiber die finanzielle Situation, insbesondere diejenige der ISL Worldwide,
         informiert und unterzeichnete den Zahlungsauftrag betreffend den Rtickfluss des Aktienkapitals
         der drei Gesellschaften an die in diesem Zeitpunkt tiberschuldete und illiquide ISL Worldwide.
         Er wirkte mithin aktiv am inkri
         minierten Geschehen mit, und seine personliche Verantwortlichkeit ist vor diesem
         Hintergrund rechtsgenuglich erstellt. Als Mittater ist ihm vorzuwerfen, mehrfach
         unwahre Angaben uber kaufmassische Gewerbe gemacht (Art. 152 StGB) sowie
         mehrfach eine falsche Beurkundung erschlichen zu haben (Art. 253 StGB).


17.6.6 Glaubigerschadigung durch Vermogensminderung (Nunca/Sunbow Komplex)

         Hans-Jtirg Schmid war Mitglied des Sitftungsrates der Nunca (D 25/4/5), fur welche er
         u.a. am 11. November 2003 einen Antrag auf Eroffnung des Konkursverfahrens stellte
         (D 25/4/45). Die Aktien der Sunbow S.A. wurden vorerst von ihm gehalten (D 25/9/25)
         und am 8. Februar 1999 von ihm auf die Nunca Stiftung ubertragen (D 25/9/63). Dass
         Hans-Jtirg Schmid eingehend iiber das Konstrukt informiert war, ergibt sich u.a. aus
         seinem Schreiben vom 23. Mai 2001 an Veit Frommelt (D 24/3), aber auch aus der von
         ihm verfassten, ausfiihrlichen Beschreibung der Vorgange vom 28. Mai 2001 (D 23/24).
         Der Beschuldigte war zwar nicht mit der Abwicklung der Schmiergeldzahlungen befasst.
         Er war jedoch diesbeztiglich nicht nur informiert, sondern aktiv an der Realisierung des
         Konstruktes Nunca Stiftung/Sunbow S.A. beteiligt. Erst durch diese Konstruktion wurde
         die Abwicklung der Schmiergeldzahlungen ermoglicht, womit sich klar zeigt, dass der
         Beschuldigte letztlich als Mittater und nicht als blossen Gehilfen bezeichnet werden
         kann. Hans-Jtirg Schmid war sich der heiklen finanziellen Situation der Sporis Holding
         AG bzw. der ISMM AG bewusst, und er nahm mindestens in Kauf, dass den Glaubigern
         durch die Umsetzung des Konstruktes ein Vermogensschaden zugefugt werden konnte.
         Der Beschuldigte muss mithin wegen mehrfacher Glaubigerschadigung durch
         Vermogensminderung gemass Art. 164 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen werden.


17.6.7 Betrugerischer Konkurs (Sunbow S.A. / Nunca Stiftung)
                                                                                                              195
         Was den betrugerischen Konkurs betrifft, ist lediglich anzufuhren, dass der
         Restsaldo von letztlich CHF V848.20 auf dem Konto der Sunbow S.A. mit Valuta 18.
         Oktober 2001 auf ein Konto der Interadvice Anstalt uberwiesen wurde (D 25/19/131).
         Der Restbetrag auf dem Konto der Nunca Stiftung wurde in drei Tranchen an das
         Treuhandunternehmen Negele, Sele & Frommelt in Vaduz uberwiesen. Die Vergu-
         tungsauftrage wurden von Veit Frommelt und dem Beschuldigten unterzeichnet (D
         25/5/28). Auch hier leistete der Beschuldigte aktiv einen wesentlichen Tatbeitrag und
         hatte die Tatherrschaft, weshalb er als Mittater und nicht etwa bloss als Gehilfe zu
         bezeichnen ist. Subjektiv ist entscheiden, dass der Beschuldigte den Hintergrund des
         gesamten Konstrukts kannte und er nie die Absicht hatte, die Vermogenswerte offen zu
         legen. Der Beschuldigte ist damit wegen betrugerischen Konkurses gemass Art. 163
         Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
17.7      Hans-Peter Weber

17.7.1   Veruntreuung ev. Betruo z.N. der FIFA

17.7.1.1 Zur personlichen Verantwortung wurde dem Beschuldigten bei der Schlusseinver-
        nahme folgender Vorhalt gemacht (D 3/67, S. 6 und 7):

              Sie waren ab 1983 fiir die ISMM Gruppe tatig und gemass Arbeitsvertrag mit der Sporis Holding
              AG vom 21. Juni 1999 ..Senior Vice President" und als solcher fur den gesamten Finanz- und
              Administrationsbereich der Gesellschaft zustandig, d.h. fiir das accounting, das controlling und das
              treasuring. Sie waren bis zum 1. Juni 2000 als Vizedirektor und danach als Direktor bei der ISMM
              AG d.h. in geschaftsfiihrender Position tatig. Als solcher befassten Sie sich vor allem mit der
              Finanzplanung, welche die ganze Gruppe umfasste. In dieser Funktion waren Sie dem CFO Hans-
              Jiirg Schmid unterstellt. Bei der ISL Worldwide waren Sie ab Dezember 2000 Mitglied des
              Verwaltungsrates. Sie waren u.a. weitgehend mit der Redaktion und Zustellung der
              Verwaltungsratsprotokolle der ISMM AG befasst. Ihr Informationsstand mit Bezug auf strategische
              Fragen, wie auch mit Bezug auf die Umsetzung des Tagesgeschaftes und insbesondere finanzielle
              Aspekte der ISMM Gruppe, war umfassend.

              Im Jahr 2000 waren Sie entscheidend mit dem Cash Management der Gruppe beschaftigt und
              mitverantwortlich fur die Erstellung der Cash Flow Darstellungen. Sie waren im Rahmen des
              Kreditverhaltnisses an der Beziehungspflege zur UBS AG beteiligt und stellten der Bank die
              relevanten Unterlagen fur die Beurteilung des bestehenden Kredites, aber auch der im Jahre 2000
              diskutierten Krediterhohung von CHF 277'000'000.- auf CHF 325'000'000.- zur Verfugung. Sie
              ubermittelten beispielsweise im Juni 2000 der UBS einen Cash Flow Plan, in welcher der Globo
              Betrag unter der Rubrik Additional Borrowing Base mit CHF 84'000'000.- angefuhrt wurde. In
              verschiedenen Cash Flow Planen erfassten Sie die Globo Zahlung als Vorauszahlung. So ergibt
              sich beispielsweise aus der von Ihnen angefertigten Cash Flow Darstellung der Gruppe vom 21.
              November 2000, dass die im Juli 2001 fallige Globo Zahlung unter ..Prepayments" angefuhrt
              wurde. Das von Ihnen mitunterzeichnete Guterverzeichnis, welches am 19. und 20. April 2001
              aufgenommen wurde, gibt unter den Debitoren der ISMM AG die Dentsu Inc. mit einer Forderung
              von CHF 25'000'000.- und die Globo Overseas Investments BV mit USD 306'000'000.~, d.h.
              abzuglich der gegenstandlichen Uberweisungen, an. Die ISL Worldwide ist als Schuldnerin dieser
              Betrage verzeichnet. Sie unterzeichneten die Quittung vom 15. September 2000, mit welcher der
              Eingang des Globo Betrages bestatigt und als Vorauszahlung des am 1. Juli 2001 falligen
              Betrages von USD 66'000'000.~ umschrieben wurde. Sie waren zustandig fiir die Uberweisungen
              der Eingange aus den Unterlizenzvertragen in das special account bzw. an die FIFA.

              Obwohl Sie wussten, dass es sich bei der Globo Uberweisung um eine Zahlung aus dem
              Unterlizenzverhaltnis handelte, haben Sie es unterlassen, dafiir besorgt zu sein, dass der Eingang
              der Globo Zahlung der FIFA mitgeteilt wurde, und dadurch nicht nur in Kauf genommen, dass ihr
              dieser Betrag vorenthalten wurde, sondern Sie haben als fur das Zahlungswesen
              mitverantwortliche Person im Rahmen der Begleichung von Forderungen von Glaubigern der
              ISMM Gruppe aktiv dazu beigetragen, dass die Gelder nicht der FIFA, sondern Dritten und damit
              nicht zweckentsprechend zukamen.

              Sie waren sowohl gemass den im Handelsregister eingetragenen Funktionen, als auch den
              vertraglich festgehaltenen Arbeitsbereichen, aber auch auf Grund Ihrer tatsachlich in der Gruppe
              ausgeiibten Tatigkeit in einer Position, welche mit Bezug auf die Verantwortlichkeiten und
                                                                                                            196
              Sorgfaltspflichten iiber jene eines einfachen Angestellten hinausgehen. Als aktiv an der
              Geschaftsfuhrung Beteiligter unterstanden Sie grundsatzlich den gleichen Sorgfaltspflichten wie
              der Verwaltungsrat.

              Sollte das Gericht auf Grund des Beweisergebnisses zum Schluss kommen, dass Ihre Tatigkeit im
              Zusammenhang mit dem Tatvorwurf als untergeordnet zu qualifizieren waren, so wurde sich
              mindestens die Frage der Gehilfenschaft stellen. Gehilfe ist, wer vorsatzlich in untergeordneter
              Stellung die Tat eines anderen fordert.
17.7.1.2 Hans-Peter Weber war - wie bei der Einvernahme vom 6. Juni 2001 zu Protokoll erklart - ab
         dem 1. Juni 2000 als Direktor bei der ISMM AG tatig und als Treasurer der Gruppe dem CFO
         Hans-Jiirg Schmid unterstellt (Tagebucheintrag im HR: 7. Juni 2000/D 4/A/1/6). Bei der ISL
         Worldwide war er ab Dezember 2000 Mitglied des Verwaltungsrates (D 3/2, Ziffer 2 /
         Tagebucheintrag im HR: 22. Dezember 2000/D 4/A/2/2).

        Allgemein umschrieben ist der Treasurer fiir die finanzwirtschaftlichen Aktivitaten eines
        Unternehmens zustandig. Sein Aufgabengebiet umfasst die Finanzpolitik der Unternehmung,
        das Cash Management, die Devisenbewirtschaftung, die Debitorentiberwachung sowie die
        Planung und Uberwachung der Bilanzstruktur und Kreditwurdigkeit. Er befasst sich vor allem
                 Zahlungsstromen. Zu seinen Aufgaben gehort u.a. die Pflege der Beziehungen zu den
        mit den 93
        Banken . Diese allgemeine Umschreibung des Aufgabenbereichs deckt sich weitgehend mit
        jener, wie er im Arbeitsvertrag festgehalten wurde und der tatsachlichen Wahrnehmung seiner
        Position in der Gruppe (vgl. die diesbezuglichen Angaben seines Vorgesetzten Hans-Jtirg
        Schmid: (D 3/43, Ziffer 104 ff.). Betreffend Abweichungen kann auf S. 53 ff. der Anklage ver-
        wiesen werden. Wesentlich ist zudem die Feststellung, dass die aktiv an der Geschaftsfuhrung
        beteiligten Personen (etwa Direktoren) den gleichen Sorgfaltspflichten wie der
        Verwaltungsrat unterstehen (Art. 717 Abs. 1 OR). Das heisst, dass Hans-Peter Weber seine
        Aufgaben mit aller Sorgfalt zu erfullen und die Interessen der Gesellschaft in guten Treuen zu
        wahren hatte. Zweifelsohne war er sowohl gemass den im Handelsregister eingetragenen
        Funktionen, als auch seinen vertraglich festgehaltenen Arbeitsbereichen, aber auch auf Grund
        seiner tatsachlich in der Gruppe ausgeiibten Tatigkeit in einer Position, welche mit Bezug
        auf die Verantwortlichkeiten und Sorgfaltspflichten iiber jene eines einfachen
        Angestellten
        hinausgeht. Ihn treffen grundsatzlich die bereits erwahnten Pflichten, denen er sich nicht
        pauschal dadurch entziehen konnte, dass er auf die Angaben Drifter (Vorgesetzter, Mitglieder
        des ExCo etc.) vertraute (D 2/A/5/36, D 3/67, Seite 7, 8 und 10). Dies ware im Rahmen der
        bereits mehrfach erwahnten Arbeitsteilung nur dann der Fall gewesen, wenn fur ihn kein
        konkreter Anlass bestanden hatte, an solchen Informationen zu zweifein.

17.7.1.3 Zur Rolle beim gegenstandlichen Geschaft ist im Einzelnen und erganzend folgendes
         festzuhalten:

              Der Beschuldigte war ab 1993 fiir den Aufbau interner Richtlinien fiir die
              Rechnungslegung der Gruppe, die Konzernberichterstattung und die Geschaftsfuhrung in
              der Muttergesellschaft (Sporis Holding AG) der Unternehmensgruppe verantwortlich (D
              9/5/5, Seite 9);

              gemass eigenen Angaben hatte er neben seiner Funktion als Group Treasurer auch die
              Stellvertretung des CFO der Gruppe inne und war mitbeteiligt an der Oberleitung der
              Konzernrechnungslegung nach IAS (D 9/5/5, Seite 9);

              im Jahr 2000 war er entscheidend mit dem Cash Management der Gruppe beschaftigt
              und zustandig fiir die Erstellung der Cash Flow Darstellungen, welche in der Regel
              seinen Kurzel tragen (vgl. etwa D 8/4/27 und die Angaben von Hans-Peter Weber D 3/61,
              Ziffer 123+124);

              er war verantwortlich fur die Kontrolle der Geldein- und ausgange (D 3/1, Ziffer 3), d.h. er
              war mit dem Tagesgeschaft befasst bzw. hatte die Zahlungseingange zu priifen und
              Zahlungsausgange auszulosen (D 3/43, Ziffer 105, D 3/61, Ziffer 109 ff.);
                                                                                                     197
   Thommen, a.a.O. 529 er war im Zusammenhang mit dem Lizenzverhaltnis direkt mit den
   jeweiligen Abrechnungen ISMM AG - FIFA befasst (vgl. etwa HD 2/237, HD 2/239, HD 2/241, D
   14/1/1 ff, D 19/5/0/3, D 19/5/3/3 und 4);

er war fur die administrative Bearbeitung der Lizenzzahlungen gegenuber der FIFA zustandig,

er war bei der Ausubung der Kontrollrechte durch die von der FIFA beauftragten Personen
entscheidender Ansprechpartner und

wurde von der mit der Ausubung der Kontrollrechte beauftragten PWC als CFO der Sporis Holding AG
und Schliisselperson bezeichnet (vgl. etwa D 19/1/7/4, D 19/1/8/11, D 19/2/3/1 Ziffer 1, D 19/2/4/1, D
19/5/0/3, D 19/5/2/3/1, D 19/5/2/4/1);

er fuhrte nach eigenen Angaben das „ganze TV-Projekt" standig nach, „mit jeder einzelnen Zahlung",
die auf das Trust-Account gelaufen sei (D 3/61, Ziffer 121);

er war fur die Kontakte mit der UBS AG zustandig (D 3/61, Ziffer 106) und

im Zusammenhang mit dem Kreditverhaltnis (UBS AG) derjenige, der die finanztechnischen
Grundlagen lieferte (D 5/124/18, Ziffer 3.5, 7.16, 8.18, 9.20,10.22,11.24,12.26);

bei den der UBS AG zugestellten Cash Flow Tabellen wurde von ihm der Globo Betrag unter der Rubrik
Additional borrowing base vorerst mit CHF 84'000'000.~, spater mit 26'400'000.~ (D 5/124/21 ff), in den
internen Cash Flow Tabellen als Vorauszahlung deklariert. So ergibt sich beispielsweise aus der von
ihm verfassten Cash Flow Darstellung der Gruppe vom 21. November 2000 (D 8/4/32/1), dass die im
Juli 2001 fallige Globo Zahlung unter ..Prepayments", also Vorauszahlungen, mit CHF 112'200'000.~
(bei einem USD Kurs von 1.70 ergibt dies USD 66'000'000.-) erfasst wurde;

er hatte gemass eigenen Angaben Kenntnis von den Vereinbarungen zwischen der FIFA und der Sporis
Holding AG bzw. ISMM AG (D 3/2, Ziffer 4, Ziffer 10) und war umfassend iiber das System der
Lizenzzahlungen informiert (vgl. etwa D 19/1/8/11 und insbesondere das Memorandum vom 15.
November 1999: D 20/3, ab Ziffer 2 und jenes vom 7. Februar 2000; D 20/6) im Zusammenhang mit der
Wahrnehmung der Kontrollrechte durch die FIFA;

er hatte Kenntnis von der Vereinbarung zwischen der ISMM Investments AG und Globo (D 3/2, Ziffer
20);

er hatte Kenntnis von den Verhandlungen mit Globo (D 3/1, Ziffer 20);

nach seinen Angaben habe er „gestiitzt auf Informationen der Geschaftleitung der ISMM AG" gewusst,
dass es sich um ein Darlehen gehandelt habe (D 3/2, Ziffer 1);

trotzdem unterzeichnete er die Quittung, mit welcher der Globo Eingang als Vorauszahlung
bezeichnet wurde (HD 2/11) und

stellte als mit der Darstellung des Cash Flows befasste Person die Globo Uberweisung als
Vorauszahlung dar (D 3/61, Ziffer 123);

er unterzeichnete das GCiterverzeichnis gemass Art. 162 SchKG, welches am 19. und 20. April 2001
aufgenommen wurde (D 15/3/16, S. 3). Dabei ist unter den Debitoren der ISMM AG Dentsu Inc. mit einer
Forderung von CHF 25'000'000.- und Globo Overseas Investments BV mit USD 306'000'000.~, d.h.
abzuglich der gegenstandlichen Uberweisungen, aufgefuhrt. Zudem ist folgerichtig die ISL Worldwide im
Zusammenhang mit der Globo Zahlung als Schuldnerin der ISMM AG iiber genau diesen Betrag,
namlich CHF und USD 59'207'000.~, verzeichnet (D 15/3/20). Diese hatte gegenuber der ISL Worldwide
deswegen eine Forderung, weil der Globo Betrag aus dem Unterlizenzverhaltnis ihr und nicht der ISL
Worldwide zustand.
17.7.1.4 Der Widerspruch, welcher sich aus der angeblich dem Beschuldigten gegentiber ge-
        machten Erklarung, es handle sich um ein Darlehen, und der Darstellung der Uber-
        weisung als Vorauszahlung in den Cash Flow Planen und der Quittung ergibt, ist nach
        Auffassung der Staatsanwaltschaft evident. Er implizierte auf auf jeden Fall ein Hinter-
        fragen des Geschaftes und muss klarerweise als Umstand gewertet werden, welcher
                                                                                             198
        den Beschuldigten als geschaftsfuhrenden Direktor der ISMM AG dazu verpflichtete,
        aktiv zu intervenieren. Unterblieb eine solche Intervention, nahm Hans-Peter Weber die
        tatbestandsmassigen Folgen eventualvorsatzlich in Kauf.

        Zur Abgrenzung Mittater - Gehilfenschaft ist folgendes auszuftihren. Im Gegensatz
        zum Mittater hat der Gehilfe keine Tatherrschaft, ist am Entschluss zum Delikt nicht
        beteiligt und uberlasst die Ausfiihrung der Tat dem Haupttater. Gehilfenschaft ist dann
        gegeben, wenn jemand die Vorsatztat in untergeordneter Stellung vorsatzlich fordert.
        Unbestritten ist, dass Gehilfenschaft nach der Tat nicht moglich ist. Dabei kommt es
        auf die tatsachliche Beendigung der Tat und nicht auf die formelle Erfullung des Tat
        bestandes an. So hat das Bundesgericht in BGE 99 IV 121 festgehalten, dass von der
        Vollendung die Beendigung der Tat zu unterscheiden sei. Letztere trete ein, wenn
        nach Erfullung aller objektiven Tatbestandsmerkmale die Umstande verwirklicht seien,
        die der Tater nach der betreffenden Strafnorm beabsichtigt haben miisse, oder wenn
        bei frtihzeitiger Vollendung das dieser nachfolgende Verhalten zur weiteren Beein
        trachtigung des verletzten Rechtsgutes beitrage. Entsprechend sei denn auch im
        Zwischenstadium zwischen Vollendung und Beendigung noch eine Teilnahme m6g
        lich. In dem vom Bundesgericht zu beurteilenden Fall qualifizierte es die Beschwerde
        fiihrerin als Mittaterin, deren Tatbeitrag darin bestand, den vom Haupttater ange
        strebten Vermogensvorteil (Bereicherungsabsicht) zu ermoglichen bzw. zu sichern.
        Dies, nachdem er seinerseits die Tauschungshandlungen gesetzt hatte, die Scha
        digung bereits erreicht und der Betrug somit vollendet war.

       Im Zeitpunkt des Eingreifens von Hans-Peter Weber in den Geschehensablauf (Unter-
       zeichnung der Quittung) war der Tatbestand der Veruntreuung noch nicht erfullt, ge-
       schweige denn die Tat schon beendet. Denn bei diesem Eingang des von Globo iiber-
       wiesenen Betrages war die zweckwidrige Verwendung jedenfalls nur teilweise gegeben
       (Verrechnung) und auch eine entsprechende Schadigung noch nicht eingetreten.
       Zudem wurde die zweckwidrige Verwendung erst durch die Nichtzufiihrung der Gelder
       an die FIFA bzw. die Erfullung von Verpflichtungen der Gruppe erreicht. Der Beschul-
       digte war sowohl fur die Abrechnungen ISMM AG - FIFA als auch fur das Zahlungs-
       wesen zustandig. Er hatte im Zeitpunkt der Begleichung von anderweitigen For-
       derungen der Gruppe die Quittung (Vorauszahlung) bereits unterzeichnet und musste
       dadurch mindestens Zweifel mit Bezug auf die Rechtmassigkeit der Verwendung der
       Gelder bzw. seines Tuns haben. Mit Bezug auf den Betrugstatbestand ist ebenfalls zu
       priifen ob dieser beim Eingang des Geldes erfullt war oder nicht. Durch die Angabe
       eines anderen, denn des special accounts, waren die Weichen ftir den Eintritt des
       Schadens gestellt. Beim Eingang wurde er jedenfalls im Umfang des von der UBS AG
       zur Verrechnung gebrachten Betrages realisiert, und der Restbetrag war aus den
       dargelegten Grunden in hochstem Masse gefahrdet. Unter den gegebenen Umstanden
       liegt in Anlehnung an die zitierete Rechtsprechung des Bundesgerichts nach Auf-
       fassung der Staatsanwaltschaft Mittaterschaft vor. Der Beschuldigte leistete einen sehr
       wesentlichen aktiven Beitrag, um den angestrebten Vermogensvorteil umzusetzen. Wer
       aber unmittelbar am Geldtransfer "dran ist", d..h. diesen (die Bezahlungen der
       Verbindlichkeiten) faktisch ermoglicht, ist nicht bloss Gehilfe, sondern zufolge
       Tatherrschaft gar Mittater.

17.7.1.5 Es kommt hinzu, dass dem Beschuldigte als Direktor der ISMM AG wie dargelegt eine
        erhohte Stellung zukam. Seine Pflichten erschopften sich nicht darin, den dargestellten
        Widerspruch einfach zur Kenntnis zu nehmen und zur Tagesordnung zuruckzukehren.
                                                                                               199
        Der Beschuldigte war nach Auffassung der Anklagebehorde vielmehr gehalten, aktiv
        zu intervenieren. Damit einhergehend durfte er sich auch nicht einfach auf die
        Erklarungen seiner Vorgesetzten und ihm vorgelegte Dokumente verlassen. Wie bereits
        dargelegt, kannte der Beschuldigte die gegenstandlichen Vertragsverhaltnisse
        eingehend, hatte Kenntnis von den widerspriichlichen Sichtweisen mit Bezug auf den
        Rechtsgrund der Globo Uberweisung und war selber mit der Abwicklung des
        administrativen Bereichs ISMM AG - FIFA und dem Zahlungswesen befasst. Den Be-
        schuldigten trifft mithin auch ein Vorwurf aus Unterlassung im Sinne einer passiven
        Mittaterschaft (Geschaftsherrenhaftung). Nur fur den Fall, dass das Strafgericht sowohl
        eine aktive als auch eine passive Mittaterschaft verneinen wiirde, bliebe auf
        Gehilfenschaft zu erkennen. In subjektiver Hinsicht ist entscheidend, dass dass Hans-
        Peter Weber wusste, dass durch die von ihm mitgetragenen Uberweisungen die
        vermogensrechtlich geschutzten Ansprtiche der FIFA geschadigt werden konnten, und
        er nahm dies durch sein Verhalten bewusst in Kauf. Der Beschuldigte muss mithin der
        Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ev. der Gehilfenschaft dazu),
        eventualiter des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB (ev. der Gehilfenschaft
        dazu) schuldig gesprochen werden.


17.7.2 Veruntreuung evtl. Betrug z.N. der FIFA (Dentsu)

       Betreffend die grundsatzliche Verantwortung wird auf den zitierten Vorhalt betreffend
       den Globobereich verwiesen. Der Beschuldigte hat die Rechnung vom 27. September
       2000 an die Dentsu verfasst. Bezuglich seiner Mitwirkung am inkriminierten Verhalten
       gilt grundsatzlich das zur Globozahlung Ausgefiihrte. Die Rechnungstellung war ein
       wichtiger Tatbeitrag zur anschliessenden Tatbegehung, und der Beschuldigte durfte
       sich angesichts seiner Stellung (Verantwortung) und seines Vorwissens nicht einfach
       (ohne Weiterungen seinerseits) auf Angaben von Vorgesetzten verlassen. Die Rech-
       nung nahm Bezug auf die Ubertragungsrechte ftir die FIFA Weltmeisterschaften 2002
       sowie zusatzliche FIFA-Veranstaltungen. Somit wusste der Beschuldigte, dass die
       Geschaftsakten keinen Hinweis auf ein Darlehen enthielten und die Zahlung in jedem
       Fall als eine solche aus dem Unterlizenverhaltnis zu betrachten war. Der Beschuldigte
       muss mithin der Veruntreuung gemass Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ev. der Gehil-
       fenschaft dazu), eventualiter des Betruges gemass Art. 146 Abs. 1 StGB (ev. der
       Gehilfenschaft dazu) schuldig gesprochen werden.
17.7.3 Bevorzugung eines Glaubioers (UBS)

        Es wird auf den bereits gemachten Vorhalt verwiesen. Der Beschuldigte wusste insbe-
        sondere auf Grund der regelmassig erstellten Cash Flow Plane und den weekly cash
        forecasts der Gruppe, dass sowohl die ISMM AG als auch die ISL Worldwide nicht in
        der Lage waren, in diesem Zeitpunkt alle Glaubigerforderungen begleichen zu konnen,
        m.a.W. waren er sich der Zahlungsunfahigkeit der Gruppe durchaus bewusst. Hans-
        Peter Weber hatte als Treasurer der Gruppe Kenntnis von der Zahlungsunfahigkeit der
        ISMM AG und der ISL Worldwide (vgl. die Ausfuhrungen zur finanziellen Situation der
        Gesellschaften / vgl. im Ubrigen zum UBS Komplex die Ausfuhrungen bei Christoph
        Malms vorstehend Ziffer 17.2.4.). Dem Beschuldigten wurden verschiedene Weekly
        Cash Forcasts der ISMM Gruppe vorgelegt, welche ihm zugestellt wurden. Auf
        entsprechenden Vorhalt gab er beispielsweise an, dass in der Woche 40 (des Jahres
        2000) die Liquiditat der Gruppe nicht mehr gegeben gewesen sei (D 3/61, Ziffer 189,
        vgl. auch Ziffer 181 ff.). Dass durch die Teilriickzahlung des nicht falligen Bankkredites
                                                                                            200
         die Schadigung anderer Giaubiger in Kauf genommen wurde, liegt auf der Hand.
         Der Beschuldigte war mit den Bestimmungen des Vertrages mit der UBS vertraut (D
         3/61, Ziffer 148), mit dem Zahlungswesen der ISMM AG befasst (D 3/61, Ziffer 109 ff.)
         und hatte dadurch weitgehend Kenntnis vom Zahlungsgrund bei einzelnen Zahlungen
         an Giaubiger der Gruppe (D 3/61, Ziffer 204 ff.). Zusammengefasst kann ihm daher
         der Vorwurf der Glaubigerbevorzugung gemass Art. 167 StGB nicht erspart
         werden.


17.7.4    Erschleichung von Falschbeurkundunoen und unwahre Angaben iiber kaufmannische
         Gewerbe im Zusammenhang mit der ISL Hospitality AG. ISL Hospitality (Japan) AG
         und ISL Hospitality (Korea) AG

         Der Beschuldigte wusste im Zeitpunkt der Griindung der Gesellschaften bzw. im Zeit-
         punkt des Erstellens der Bescheinigung, dass das Aktienkapital den Gesellschaften nur
         zum Schein, d.h. zur formellen Griindung, zur Verfiigung stand und danach wieder an
         die ISL Worldwide zuriickfliessen wiirde, um damit Verbindlichkeiten der ISL Worldwide
         und anderer Gruppengesellschaften zu decken. Ebenso wusste Hans-Peter Weber,
         dass der als Darlehen deklarierte Riickfluss ungesichert erfolgte, die
         Darlehensforderungen vor dem Hintergrund der finanziellen Rahmenbedingungen der
         Darlehensgeberin als Nonvaleur betrachtet werden mussten und somit gar nicht die
         Absicht bestehen konnte, das Aktienkapital gemass den Bescheinigungen der UBS den
         zeichnungsberechtigten Organen zur freien Verfugung zu uberlassen. Und schliesslich
         war er als Treasurer der Gruppe eingehend iiber die finanzielle Situation, insbesondere
         der ISL Worldwide, informiert. Der Beschuldigte war Mitglied des Verwaltungsrates der
         ISL (International) AG, der ISL Hospitality AG, der ISL Hospitality (Japan) AG und der
         ISL Hospitality (Korea) AG und Mitgrunder der Hospitality Gesellschaften. Daraus
         sowie aus der Tatsache, dass er den Zahlungsauftrag betreffend den Riickfluss des
         Aktienkapitals der drei Gesellschaften unterzeichnete, ergibt sich seine
         mittaterschaftliche Verantwortung.
         Unter der Darstellung des objektiven Tatbestandes wurde die Art der Verbuchung des
         Abflusses des Aktienkapitals ausfuhrlich dargestellt. Diese Buchungen indizieren, dass
         nie die Absicht bestand, das Aktienkapital den neu gegrundeten Gesellschaften zur
         Verftigung zu stellen bzw. dass schon vor der Griindung beschlossen war, das
         Aktienkapital zuruckfliessen zu lassen. Als Mittater muss dem Beschuldigten im
         Resultat vorgeworten werden, mehrfach unwahre Angaben uber kaufmannische
         Gewerbe gemacht (Art. 152 StGB) sowie mehrfach eine falsche Beurkundung
         erschlichen zu haben (Art. 253 StGB).


17.7.5 Glaubiaerschadiouno durch Vermogensminderung (Nunca/Sunbow Komplex)

         Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft erweist sich Folgendes als entscheidend:
         Zwar war vorweg Jean-Marie Weber mit der Abwicklung der Schmiergeldzahlungen
         betraut. Der Beschuldigte war jedoch auf dem Konto der Sunbow S.A. zeichnungs
         berechtigt und erteilte zusammen mit Jean-Marie Weber samtliche Vergtitungsauf
         trage und liess sich durch die Liechtensteinische Landesbank Vaduz jeweils die
         Checks zur weiteren Verwendung an seine Privatadresse zustellen. Der Beschuldigte
         war sich der heiklen finanziellen Situation der Sporis Holding AG bzw. der ISMM AG
         bewusst und nahm zumindest in Kauf, dass den Glaubigern durch das Verhalten ein
         Vermogensschaden zugefugt werden konnte. Zum Argument, dass Hans-Peter
         Weber davon ausgegangen sei, dass es sich bei der zu 100% der Nunca Stiftung
                                                                                           201
        gehorenden Sunbow S.A. nicht um eine zur ISMM Gruppe gehorende Gesellschaft
        gehandelt habe, ist Folgendes zu bemerken: Wie bereits dargelegt, war der
        Beschuldigte mit der Erstellung der Buchhaltung der Sunbow S.A. befasst (D 3/61,
        Ziffer 31) und sich bewusst, dass die von der Sporis Holding AG ausgelagerten Gelder
        fur Rechteerwerbszahlungen verwendet wurden (D 3/61, Ziffer 15). Es war fur ihn
        ohne Weiteres erkennbar, dass - aus welchen Grunden auch immer - die Gelder nur
        zum Schein von der Sporis Holding AG bzw. ISMM AG verschoben wurden, wirt
        schaftlich der ISMM AG gehorten, und es konnte bei ihm nicht ernsthaft die Meinung
        bestehen, dass die von ihm erwahnten Rechteerwerbskosten, die bei der ISMM
        Gruppe anfielen, von einer nicht zur Gruppe gehorenden Gesellschaft beglichen wiir
        den. Er musste sich zudem auf Grund der Zahlungsmodalitaten bewusst sein (etwa
        Zustellung von Checks an seine Privatadresse und Aushandigung derselben an Jean-
        Marie Weber), dass die von ihm aktiv mitgetragenen Zahlungen nicht lauter waren (D
        3/66, Ziffer 30). Der jeweilige Tatbeitrag war ein ganz wesentlicher, wobei
        diesbezuglich, um Wiederholungen zu vermeiden, auf die Ausfiihungen unter Ziff.
        17.7.1 verwiesen werden kann. Durch aktives Tun hat sich der Beschuldigte eindeutig
        als Mittater zu verantworten. Nur am Rande sei daher erwahnt, dass der Beschuldigte
        aus den schon dargelegten Griinden (subisdiar) auch wegen Unterlassung haftbar ist.
        Lediglich fiir den Fall, dass das Strafgericht wider Erwarten aktive und passive
        Mittaterschaft verneinen wiirde, bliebe auf Gehilfenschaft zu erkennen.
        Der Beschuldigte ist somit der mehrfachen Glaubigerschadigung durch Vermo
        gensminderung gemass Art. 164 Ziff. 1 StGB (ev. der Gehilfenschaft hierzu)
        schuldig zu sprechen.
17.7.6 Betrtioerischer Konkurs (Sunbow S.A. / Nunca Stiftung)

       Hierzu ist lediglich anzuf(ihren, dass der Beschuldigte das Gtiterverzeichnis vom 19.
       April 2001, in welchem die fraglichen Vermogenswerte nicht aufgefuhrt waren, person-
       lich unterzeichnet hatte. Der Vorwurf eines Verheimlichens im Sinne einer Mittaterschaft
       kann dem Beschuldigten daher nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht erspart
       bleiben. Betreffend eine subsidiare Haftung aus Unterlassung kann auf das bereits
       Gesagte verwiesen werden. Lediglich fiir den unwahrscheinlichen Fall, dass das
       Strafgericht eine Haftung aus Mittaterschaft (aktiv oder passiv) verneint, ware der
       Beschuldigte wegen Gehilfenschaft zu bestrafen. In subjektiver Hinsicht konnte ihm
       nicht entgangen sein, dass es sich bei der Nunca bzw. Sunbow um eine Beteiligung der
       ISMM AG handelte. Der Beschudigte ist mithn des betrugerischen Konkurses
       gemass Art. 163 Ziff. 1 StGB, eventualiter der Gehilfenschaft hierzu, schuldig zu
       sprechen.
IV.   SANCTION


1.    Rechtliche Voraussetzungen (nach revidiertem Strafgesetzbuch)
                                                                                             202
1.1     Gemass Art. 47 Abs. 1 StGB bemisst der Richter die Strafe innerhalb des
       anzuwendenden Strafrahmens nach dem Verschulden des Taters und
       beriicksichtigt dabei dessen Vorleben und die personlichen Verhaltnisse sowie
       die Wirkung der Strafe auf das Leben des Taters. Das Verschulden wird nach
       der Schwere der Verletzung oder Gefahrdung des betroffenen Rechtsguts, nach
       der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggrtinden und Zielen des Taters
       sowie danach bestimmt, wie weit der Tater nach den inneren und ausseren
       Umstanden in der Lage war, die Gefahrdung oder Verletzung zu vermeiden (so
       auch die bisherige Praxis des Bundesgerichtes, wonach sich der Begriff des
       Verschuldens auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten
       Straftat bezieht, im Rahmen der sog. "Tatkomponente" insbesondere das
       Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise der Herbeifiihrung
       dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit der der Tater gehandelt hat und die
       Beweggrtinde des Schuldigen zu beachten sind und die "Taterkomponente" das
       Vorleben, die personlichen Verhaltnisse, das Verhalten nach der Tat und im
       Strafverfahren sowie die konkrete Strafempfindlichkeit umfasst, BGE 6P.4/2004;
       BGE 117 IV112).


1.2     Hat der Tater durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen ftir
       mehrere gleichartige Strafen erfullt, so verurteilt ihn das Gericht gemass Art. 49
       Abs. 1 StGB zu der Strafe der schwersten Straftat und erhoht sie angemessen.
       Es darf jedoch das Hochstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die
       Halfte erhohen. Dabei ist es an das gesetzliche Hochstmass der Strafart
       gebunden.

1.4     Nach Art. 48 lit. e. StGB mildert das Gericht die Strafe, wenn das Strafbediirfnis
       in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und der
       Tater sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Nach altem Recht (Art. 64 Al. 8
       StGB) war die Strafe zu mildern, wenn seit der Tat verhaltnismassig lange Zeit
       verstrichen ist und der Tater sich wahrend dieser Zeit wohl verhalten hat. Unter
       Zugrundelegung der heute geltenden Verjahrungsvorschriften ist dieser
       Strafmilderungsgrund jedenfalls zu beachten, wenn zwei Drittel der
       ("allgemeinen") Verjahrungsfrist verstrichen sind (BGE 132 IV 1).

1.5     Strafscharfungs- und Strafmilderungsgriinde erweitern zum einen den
       ordentlichen Strafrahmen und bilden zum anderen Straferhohungs- und
       Strafminderungsgrunde, die der Richter von Amtes wegen berucksichtigen
       muss (BGE 116 IV 300, 302).
1.6.    Bestimmt es das Gesetz nicht anders, so betragt die Geldstrafe gemass Art. 34
       Abs. 1 StGB hochstens 360 Tagessatze. Die Dauer der Freiheitsstrafe betragt
       in der Regel mindestens sechs Monate; die Hochstdauer betragt 20 Jahre (Art.
       40 StGB). Nach Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer
       Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und hochstens zwei Jahren in
       der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den
       Tater von der Begehung weiterer Verbrechen

       oder Vergehen abzuhalten. Die Gewahrung des bedingten Strafvollzuges kann auch
       verweigert werden, wenn der Tater eine zumutbare Schadensbehebung unterlassen hat
       (Abs. 3). Nach Art. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht u.a. den Vollzug einer Frei-
       heitsstrafe von mindestens einem Jahr und hochstens drei Jahren nur teilweise auf-
       schieben, wenn dies notwendig ist, um dem Verschulden des Taters geniigend Rech-
       nung zu tragen. Der unbedingt vollziehbare Teil darf die Halfte der Strafe nicht
       tibersteigen (Abs. 2). Bei der teilbedingten Freiheitsstrafe muss sowohl der aufgescho-
       bene wie auch der zu vollziehende Teil mindestens sechs Monate betragen (Abs. 3).
                                                                                               203
      Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so bestimmt es
      dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fiinf Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB).

1      Nachfolgend werden die Strafantrage ganz kurz begrtindet. Weitere Ausfuhrungen zur
Sanktionsbemessung bleiben selbstverstandlich fur die Hauptverhandlung vorbehalten.
2      Christoph Malms

2.1    In Bezug auf die personlichen Verhaltnisse von Christoph Malms wird auf dessen Akten
      zur Person verwiesen (vgl. D 1).

      2.2    Der anwendbare Strafrahmen betragt bis zu siebeneinhalb Jahre Freiheitsstrafe.
            Das Verschulden von Christoph Malms wiegt bei einer Gesamtbetrachtung
            schwer. Vom Unrechtsgehalt her gilt es den ausserordentlich hohen
            Deliktsbetrag von weit iiber CHF 100 Mio. zu berucksichtigen. Deutlich
            strafscharfend wirkt sich sodann aus, dass der Beschuldigte mehrere schwere
            Delikte (Veruntreuung, Betrug, Glaubigerschadigung etc.) mitzuverantworten hat.
            Nur etwas zu seinen Gunsten lasst sich in Betracht ziehen, dass die meisten
            Verfehlungen durch Unterlassungen geschahen, die kriminelle Energie mithin
            nicht ganz gleich hoch eingeschatzt werden kann wie bei aktivem Verhalten.
            Denn gleichzeitig muss betont werden, dass der Beschuldigte als
            Verwaltungsratsprasident eine alles umfassende Stellung in der Gruppe hatte,
            die Missachtung der ihm tibertragenen Verantwortung damit besonders schwer
            wiegt. In gewisser Weise ISsst sich ihm zu Gute halten, dass bei den
            inkriminierten Verhaltensweisen nicht die eigene, pesbnliche Bereicherung im
            Vordergrund stand, sondern diejenige des Konzerns und damit eines Dritten. Als
            Motiv diente in den meisten Fallen der "Rettungsgedanke" fur die ISMM AG und
            die ganze Gruppe. Immerhin bleibt in diesem Zusammenhang aber auch der
            Hinweis, dass Lohnzahlungen an die Beschuldigten wohl nur auf Grund der
            Globo Zahlung (iberhaupt moglich waren. Zu Gunsten des Beschuldigten wird
            beriicksichtigt, dass dieser zumindest mit Bezug auf die Schmiergeldzahlungen
            Einsicht durchblicken liess und im Ubrigen in geordneten Verhaltnissen lebt. Zu
            einer Strafmilderung ftihrt der Umstand, dass beziiglich der beiden
            Glaubigerbevorzugungen das Strafbediirfnis abgenommen hat. Und schliesslich
            wirkt sich leicht strafreduzierend aus, dass das Verfahren bei der
            Staatsanwaltschaft etwas zu lange dauerte. In Wtirdigung aller
            Strafzumessungsfaktoren erachtet die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe
            von drei Jahren und neun Monaten fur angemessen.
3.     Jean-Marie Weber

3.1   In Bezug auf die personlichen Verhaltnisse von Jean-Marie Weber wird auf dessen
      Akten zur Person verwiesen (vgl. D 1).

1       Der anwendbare Strafrahmen betragt bis zu siebeneinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Das
Verschulden von Jean-Marie Weber wiegt bei einer Gesamtbetrachtung ausserst schwer. Vom
Unrechtsgehalt her gilt es den ausserordentlich hohen Deliktsbetrag von weit iiber CHF 100
Mio. zu beriicksichtigen. Deutlich strafscharfend wirkt sich auch bei ihm aus, dass er mehrere
schwere Delikte (Veruntreuung, Betrug, Glaubigerschadigung etc.) beging, und das meist durch
aktives Tun. Als Prasident des ExCo und eigentlich oberster Chef, welcher sich mit dem
operativen Geschaft intensiv auseinander setzte, legte er bei der Deliktsvertibung viel kriminelle
Energie an den Tag. Dass nicht die eigene Bereicherung, sondern das Wohlergehen bzw. die
"Genesung" der Unternehmung im Vordergrund stand, lasst sich indes auch Jean-Marie Weber
                                                                                            204
zu Gute halten. Zu einer Strafmilderung fuhrt der Umstand, dass bezuglich der beiden
Glaubigerbevorzugungen das Strafbedurfnis abgenommen hat. Und schliesslich wirkt sich leicht
strafreduzierend aus, dass das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft etwas zu lange dauerte. In
Wurdigung aller Strafzumessungsfaktoren erachtet die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe
von viereinhalb Jahren fiir angemessen.
2       Heinz Schurtenberger

4.1   In Bezug auf die personlichen Verhaltnisse von Heinz Schurtenberger wird auf dessen
      Akten zur Person verwiesen (vgl. D 1).

4.2    Der anwendbare Strafrahmen betragt bis zu siebeneinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Das
      Verschulden von Heinz Schurtenberger wiegt nach Auffassung der Staatsanwaltschaft
      ganz betrachtlich. Dem Beschuldigten wird zwar neben der einen Glaubigerbevorzugung
      "bloss" ein deliktisches Verhalten im Zusammenhang mit der Globo Uberweisung vorge-
      worten. Indes gilt es diesbezuglich zu beachten, dass der Beschuldigte als CEO der
      Gruppe (mit gutem Einkommen und Einsitz im ExCo) eine grosse Verantwortung trug.
      Vom Unrechtsgehalt her gilt es den hohen Deliktsbetrag von weit iiber CHF 44 Mio. zu
      beriicksichtigen. Dass nicht die eigene Bereicherung, sondern das Wohlergehen bzw. die
      "Genesung" der Unternehmung im Vordergrund stand, lasst sich auch ihm zu Gute
      halten. Zu einer Strafmilderung fuhrt der Umstand, dass beziiglich der Glaubigerbe-
      vorzugung das Strafbedurfnis abgenommen hat. Und schliesslich wirkt sich leicht straf-
      reduzierend aus, dass das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft etwas zu lange dauerte.
      In Wtirdigung aller Strafzumessungsfaktoren erachtet die Staatsanwaltschaft eine
      Freiheitsstrafe von drei Jahren ftir angemessen. Da der Beschuldigte die ent-
      sprechenden Voraussetzung von Art. 42 und 43 StGB erfullt, kann ihm nach Auffassung
      der Staatsanwaltschaft der teilbedingte Strafvollzug gewahrt werden (zwei Jahre
      bedingt, ein Jahr unbedingt). Die Probezeit ist dabei auf zwei Jahre anzusetzen.



4.     Daniel Beauvois

4.1    In Bezug auf die personlichen Verhaltnisse von Daniel Beauvois wird auf dessen Akten
      zur Person verwiesen (vgl. D 1).

1       Der anwendbare Strafrahmen betragt bis zu siebeneinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Das
Verschulden von Daniel Beauvois wiegt bei einer Gesamtbetrachtung ganz betrachtlich. Er hat
Delikte mit einem Deliktsbetrag von uber CHF 100 Mio. mit zu verantworten; nur beziiglich des
Nunca/Sunbow-Komplexes ist ihm kein Vorwurf zu machen. Zu seiner Stellung bleibt zu
beachten, dass der Beschuldigte Mitglied im ExCo und spater gar CEO der Gruppe war. Auch
er beschrankte sich im Ubrigen nicht etwa auf Passivitat, sondern beziiglich der meisten Delikte
ist ihm ein aktives Deliktsverhalten vorzuwerfen. Bezuglich der Strafmilderung
(Glaubigervevorzugung), den Motiven sowie den strafmindernden Umstande kann auf die
obigen Ausfiihrung zu den anderen Beschuldigten verwiesen werden. In WCirdigung aller
Strafzumessungsfaktoren erachtet die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb
Jahren ftir angemessen.
2       Hans-Jurg Schmid

5.1   In Bezug auf die personlichen Verhaltnisse von Hans-Jtirg Schmid wird auf dessen
      Akten zur Person verwiesen (vgl. D 1).

1     Der anwendbare Strafrahmen betragt bis zu siebeneinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Das
Verschulden von Hans-jurg Schmid wiegt bei einer Gesamtbetrachtung recht schwer. Er hat
                                                                                           205
samtliche schweren Delikte, die im vorliegenden Fall zur Diskussion stehen, mitzu-
verantworten, und dies als CFO der Gruppe. Nur wenig kann es dabei entlasten, dass einige
Vorwtirfe "blosse" Unterlassungen betreffen. Die oben erwahten strafreduzierenden Momente
sind indes auch bei ihm relevant, und in der Untersuchung war der Beschuldigte recht
kooperativ. In Wtirdigung aller Strafzumessungsfaktoren erachtet die Staatsanwaltschaft eine
Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten fiir angemessen.
2       Hans-Peter Weber

6.1    In Bezug auf die personlichen Verhaltnisse von Hans-Peter Weber wird auf dessen
      Akten zur Person verwiesen (vgl. D 1).
6.2    Der anwendbare Strafrahmen betragt bis zu siebeneinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Das
      Verschulden von Hans-Peter Weber wiegt betrachtlich. Mit Bezug auf seine Stellung wird
      zwar nicht verkannt, dass der Beschuldigte hierarchisch unterhalb der anderen
      Beschuldigten stand. Als Einziger war er weder im ExCo noch im GMB. Dennoch hatte er
      - wie schon dargelegt - im Finanzbereich eine sehr wichtige Stellung, und der
      Beschuldigte muss sich eine Vielzahl von Delikten (mit einem Deliktsbetrag von iiber
      CHF 70 Mio.) vorwerfen lassen. Es gelten im Ubrigen die oben festgehaltenen
      Minderungsgriinde. In Wtirdigung aller Strafzumessungsfaktoren erachtet die Staats-
      anwaltschaft eine Freiheitsstrafe von drei Jahren fur angemessen. Da der Be-
      schuldigte die entsprechenden Voraussetzungen erfullt, kann ihm der teilbedingte
      Strafvollzug (zwei Jahre Freiheitsstrafe bedingt, ein Jahr unbedingt) gewahrt werden. die
      Probezeit ist auf zwei Jahre anzusetzen.



V.     KOSTEN



      Den Beschuldigten Christoph Malms, Jean-Marie Weber, Daniel Beauvois, Hans-Jurg
      Schmid und Hans-Peter Weber sind die Kosten zu je einem 1/6, Heinz Schurtenberger
      zu 1/12 aufzuerlegen (§ 56 Abs. 1 StPO). Im Umfange von 1/12 konnen die Kosten auf
      die Staatskasse genommen werden. Hans-Peter Weber wird bei antragsgemassem
      Ausgang des Verfahrens tiberdies die Kosten seiner amtlichen Verteidigung zu
      iibernehmen haben.




                                              Mit freundlichen Griissen
          S&**I*L7Z
                                               FUR piE STAATTSANWALTSCHAFT
                                              DES/^ANT(/N£ ZUG
                      ST7
                                              Marc von Dach, Staatsanwalt
17-fach

Beilaoen
      - Untersuchungsakten Nr. 2001/756/HIL
      - Akten gemass Nachgang zur Uberweisungsverfiigung
      - Akten der Staatsanwaltschaft gemass sep. Verzeichnis

								
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