Virtual Library Film and Media Studies

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					Digitale Bibliothek                                                            THEMEN



                           Virtual Library Film and Media Studies
Konzeption eines Virtuellen Fachbibliotheksportals im Internet für
                     die Film-, Fernseh- und Medienwissenschaft
                                                            Daniella Sarnowski

Im Rahmen einer Dissertation1 wurde für das Fachgebiet Film-, Fernseh-, Me-
dienwissenschaft untersucht, welche Dienstleistungen von einer Virtuellen
Fachbibliothek im Internet angeboten werden sollten.
Diese Ansprüche an ein filmwissenschaftliches Portal wurden anhand von Ex-
perteninterviews ergründet. Die Fragen, was eigentlich genau mit bedarfs-
oder nutzergerecht gemeint ist, wo der konkrete Informationsbedarf liegt und
welcher Nutzer mit einem Fachportal angesprochen werden soll, stehen im
Mittelpunkt. Dabei wird ein bedarfsgerechtes Angebot als entscheidender Er-
folgsfaktor neben Qualität und nachträglicher Erfolgsmessung angesehen. Ein
Interviewleitfaden wurde entwickelt, um die einzelnen informationswissen-
schaftlichen Bedürfnisse abzuschätzen. Diese Methode wird in der Biblio-
thekswissenschaft noch nicht lange und nur ansatzweise eingesetzt. Ziel der
Befragung war es, die Informationsanforderungen einer Nutzerzielgruppe zu
bestimmen, um schließlich einen Portaldienst effizient gestalten zu können.
Die Hochschullehre findet immer mehr in Form von interaktiven Lehrangebo-
ten, Online-Skripten, virtuellen Seminaren und mit einer die Lehrveranstaltun-
gen begleitenden Kommunikation statt.2 Das Internet kann dabei allmählich
zur IuK-Plattform von Lehre und Forschung werden. Vom Wandel der Hoch-
schulen sind auch die Hochschulbibliotheken und deren Strukturen sowie
Dienstleistungen betroffen. Doch sind die Hochschulbibliotheken für diesen
Wandel gerüstet?
„Librarians over the years have been the organizers of knowledge. They have
taken the written word and categorized it to bring order out of chaos. How-




1   An der Humboldt-Universität, Berlin: Sarnowski, Daniella: Entwicklung eines Virtuel-
    len Fachbibliotheksportals im Internet für die Film-, Fernseh-, und Medienwissen-
    schaft (Virtual Library Film and Media Studies) mit Hilfe der Erhebung und Bedarfs-
    analyse spezifischer Informationsanforderungen. 2003.
2   Vgl.: Midendorff, Elke: Computernutzung und Neue Medien im Studium. Ergebnisse
    der 16. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) durchgeführt von
    HIS Hochschul-Informationssystem. Hrsg. Vom Bundesministerium für Bildung und
    Forschung. Bonn 2002, S. 57ff.


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ever, librarians have not applied these same organizational skills to the elec-
                                                   3
tronic world of their academic library web pages.”
Bibliotheken können die Informationsinfrastruktur bereitstellen, aber dies
könnten auch andere Anbieter auf dem Informationsmarkt. So haben z.B.
Fachinformationszentren und Verlage ähnliche Angebote, zumindest in ande-
ren Fächern im Internet. Vorteil der Bereitstellung eines Portals durch Biblio-
theken ist, dass sie über den Print-Content, also die Buchbestände, aber
auch die AV-Medien und digitale Medien verfügen.
Die Bibliotheken befinden sich in einer Neupositionierung auf dem Informati-
onsmarkt. Marktforschung, d.h. qualifizierende Daten über die Nutzer von On-
line-Angeboten werden benötigt. Für den speziellen Fächerkanon, die Film-,
Fernseh- und Medienwissenschaft, wurden Methoden zur Bedarfserhebung
entwickelt und angewandt.
In der letzten Zeit nutzen unseriöse Portalanbieter den Begriff „Portal“ für
kommerzielle Zwecke aus und bieten so lediglich einige Links auf ihrer Seite
an. „Umso wichtiger ist es, eindeutige Kriterien zu gewinnen, die es erlauben,
solche ‘Blendportale’ von wirklichen Portalen unterscheiden zu können.“4 Eine
Abgrenzung zu einer einfachen Homepage ergibt sich durch den Mehrwert
der Portale, die Search-and-Browse-Funktionen einschließen. In der Praxis
unterscheiden besonders Firmen aus Werbegründen nicht zwischen einem
Mehrwertportal und einer einfachen Homepage.
Ein Beispiel für ein allgemeines, nicht-wissenschaftliches Portal aus dem
Filmbereich ist die Adresse http://www.filmportal.de5; der Mehrwert ist auf ei-
ne Bestellmöglichkeit von Medien reduziert.
Becker konkretisiert den „Portalbegriff“ als Zugang zur Wissensressource
praxisorientiert:6




3   Shemberg, Marian: “Through the Web: Door to Academic Libraries.” Reference Ser-
    vices Review, 28/2 , 2000, S. 178
4   Rösch, Herrmann: Internetportal, Unternehmensportal, Wissenschaftsportal. In: In-
    formationskompetenz-Basiskompetenz in der Informationsgesellschaft. Proceedings
    des 7. Internationalen Symposiums für Informationswissenschaft (ISI 2000). Hrsg.
    Gerhard Knorz; Rainer Kuhlen. Konstanz: UVK, Univ.-Verl. Konstanz 2000, S. 245–
    264., S. 249.
5   Filmportal.de. Die Welt der Filme. http://www.filmportal.de 12.06.02
6   Becker, Christine: Portale als Zugang für fachspezifische Wissensressourcen. Vor-
    trag vor der AG Information/Dokumentation Brandenburg, Berliner Arbeitskreis für
    Information, Potsdam 26.4.2001. http://www.uni-potsdam.de/u/zeik/allgemein/
    personal/Becker/portale/tsld018.htm 30.11.01.


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•   die Bereitstellung einer Liste aller wichtigen Institutionen, Fachbereiche,
    Universitätsinstitute, wissenschaftlichen Gesellschaften ebenso wie fach-
    bezogenen Dokumente, Publikationen;
•   die Wissenschaftler als Experten kommen zu Wort;
•   Verbreitung von Lehr- und Lernmaterialien;
•   Bereitstellung von Tagungskalendern;
•   internationale Einbettung der Angebote ist von Vorteil;
•   Publikation und Distribution von Informationen;
•   Kategorisierung (nach Wissenschaftsklassifikationen);
•   Integration in Workflowsysteme;
•   Bereitstellung von Funktionen der Zusammenarbeit;
•   Möglichkeiten der Personalisierung;
•   und letztendlich die Suche über unterschiedlich verteilte Ressourcen hin-
    weg.
Gerade der letzte Punkt ist von den hier untersuchten Sondersammelgebiets-
Bibliotheken nur selten umgesetzt worden, da ihre jeweilige Universitätsbiblio-
thek im Mittelpunkt steht. Eine Suche über verschiedene Bibliotheken, d.h. die
zentrale Dienstleistung eines Portals darstellen sollte, wird von den SSG-
Bibliotheken kaum angeboten.
Typische Funktionsmerkmale eines Wissenschaftsportals im Internet nach
Rösch sind:7
• einheitlicher Einstiegspunkt;
• intuitiver, selbsterklärender Zugang zu den Bezugsquellen;
• leistungsfähiges Suchinstrument mit einer Kombination von Such-
   maschine und (Web-Katalog), also systematischer Zugang;
• Aggregation großer Informationsmengen auch externer Anbieter „from
   ownership to access“;
• Personalisierung nach individuellen Interessenprofilen;
• Integration von Zusatzfunktionalitäten (z.B. Kalender usw.);
• netzbasierte Kommunikation zur Entwicklung sozialer Gruppenbindung
   (z.B. elektronische Flohmärkte).
Die Qualitätskontrolle wird durch die Zusammenarbeit der bibliothekarischen
Anbieter und des fachlichen Wissenschaftspublikums gewährleistet. Das Bin-
deglied, der Wissenschaftliche Bibliothekar, kann durch das Angebot eines
Wissenschaftsportals der Fachkommunikation ein Forum bieten. So wird also
ein institutionsübergreifendes Wissensmanagement gefördert und das me-
dien- und dienstleistungsorientierte Angebote zusammengefasst.



7   Vgl.: Rösch, Hermann: Wissenschaftsportal-bibliothekarische Konzeption in der Infor-
    mationsgesellschaft, S.4. http://bt2000.univie.ac.at/abstracts/roesch.pdf 15.01.03.


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„Das Wissenschaftsportal verspricht ein zukunftsweisendes Konzept für Bib-
liotheken in der Informationsgesellschaft und eine tragende Infrastruktur für
den veränderten Informations- und Kommunikationsbedarf der Wissenschaf-
               8
ten zu werden.“
Die Informations-Infrastruktur für die Filmwissenschaft kann so die verschie-
denen wissenschaftlichen Aktivitäten und Angebote koordinieren und aufein-
ander abstimmen. Orientierung zwischen den diversen fachspezifischen In-
formationsinseln ist notwendig, da die Filmbibliotheken über das ganze Land
verteilt sind:




8   Ebd. S.15.


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Lehrende an den beiden Hochschulen für Film und Fernsehen, Potsdam und
Hochschule für Fernsehen und Film, München, sollten als Experten in qualita-
tiven Face-to-Face-Interviews ihre Ansprüche beschreiben. Die qualitative
Exploration eignet sich für das verwirklichte Forschungsvorhaben besonders,
da die Anforderungen als sehr vielschichtig eingeschätzt werden. Acht Leh-
rende an den beiden Filmschulen erklärten sich nach schriftlicher Anfrage zu
Interviews bereit.
Zur Bedarfserhebung wurde nun als erster Schritt ein Leitfaden-Fragebogen
erstellt, der sich in folgende Fragencluster einteilt:
Experteninterviews:
 1. Erfahrungen bei der Internetrecherche,
    2. Nutzen des Internets für Dozenten und ihre Tätigkeit,
    3. Probleme bei der Recherche,
    4. Orientierung im Netz,
    5. durchschnittliche Recherchezeit im Internet,
    6. Alternativen zur Internetrecherche,
    7. Mittel der Informationsrecherche,
    8. Typen von gesuchten Dokumenten (IMDB, Volltexte, Newsgroups, Multi-
      media, Dissertationen, Videos etc),
    9. Einschätzung des Umgangs der Studierenden mit dem Internet,
10. wichtige Kriterien für Internetangebote,
11. Wünsche an ein wissenschaftliches Filmportal,
12. Unterstützung bei der Informationsrecherche.
Für die anschließende qualitative Inhaltsanalyse wurden ebenfalls nach diesen
Clustern die Aussagen zusammengefasst und bewertet.
Zusammengefasste Ergebnisse der Experten-Interviews mit den Dozenten
waren:
•     Die Informationsbeschaffung ist für Dozenten kompliziert und zeitaufwen-
      dig; Fachdatenbanken werden kaum genutzt.
      -   Alle Professoren besitzen fachliche Bookmarks, die aber auch zentral
           zur Verfügung gestellt werden könnten. Linksammlungen als Verknüp-
           fung zu anderen Seiten sind wichtig, um Übersichtlichkeit auf einem
           Gebiet zu geben; die Aktualität der Angebote ist besonders bedeut-
           sam, auch die Kommentierung in Form von Schlag- bzw. Stichworten;
           systematische Übersichtlichkeit; Vollständigkeit, jedoch auch die Eli-
           minierung schlechter Seiten, ein gutes Suchsystem (Trunkierung); Ko-
           operation bei Linksammlungen würde das Angebot effektivieren.


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•   Eine Forderung war, dass die Information unabhängig vom Medium (Zeit-
    schrift, Video, Buch, Internet etc.) nach Themengebieten der Film- und
    Medienwissenschaft angeboten werden sollte.
•   Möglichst aktuelle Informationen werden benötigt (aktuelle Zahlen und
    Fakten der Medienwirtschaft)
•   Internetinformationen sollen leichter überschaubar sein. Informationen
    werden individuell (aus Fachbereichssicht) abgefragt und sollen voraus-
    gewählt sowie strukturiert angeboten werden.
•   Die Zuverlässigkeit der Angaben sollte vorher geprüft werden.
Interessant war, dass die meisten Dozierenden darauf hinwiesen, dass die
Vermittlung von Informationskompetenz an Hochschulen besonders bei Stu-
dierenden von Nöten ist, denn diese suchen im Internet auf oberflächliche
Weise.
So wurden Schulungen im Umgang mit den virtuellen Informationsangeboten
besonders für Studierende gefordert.
Worte, die in den Interviews oft auftauchten, waren „Chaos und Unübersicht-
lichkeit“. Der Wunsch, die automatische Recherche durch eine intellektuelle
Recherche zu ergänzen, wurde angesprochen.
Zum Aufbau der verschiedenen geforderten Module in einer Virtuellen Fach-
bibliothek sollte als ein wichtiges Modul eine Metasuchmaschine für die vor-
handenen heterogenen Datenbanken/Datenformate und Medienkataloge ent-
wickelt werden.
Das Vertrauen in die Internet-Quellen kann mittels qualitativer Auswahl durch
Bibliothekare gefördert werden, denn die Validität könnte mit einer Institutio-
nalisierung anbietender Bibliotheken wachsen. Faktendaten sind als ein Bei-
spiel (Einschaltquoten, Kino-Eintrittszahlen, d.h. Zuschauerzahlen) für die Leh-
re von Interesse. Das Internet bietet dabei eine große Aktualität.
Wichtig wird die Erschließung heterogener Bestände, insbesondere von Vide-
os/Filmen, aber auch Hochschulschriften sowie wissenschaftlichen Preprints
auf Dokumentenservern als Volltext;
Datensicherheitssysteme sollten auf Wunsch der Dozierenden angeboten
werden. Der Kopierschutz für die Lehr-Materialien des Urhebers muss ge-
währleistet sein.
Die Möglichkeit sollte geprüft werden, ob Profildienste für unterschiedliche
Fachbereichssichten angeboten werden können. Personalisierte Sichteditoren
wie bei MyYahoo (also persönlich ausgewählte Bibliotheken und/oder persön-
lich ausgewählte Datenbanken) eine Lösung für den Bedarf an speziell ausge-
richteter Information. Die Zielgruppe Dozenten hat sehr unterschiedliche Er-
fahrungen mit dem Internet. Ein Filmportal sollte darauf eingehen und so auf-
gebaut sein, dass sowohl einfache als auch komplexe Suchmöglichkeiten an-


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geboten und technische Personalisierungen möglich sind. Das Filmportal soll,
wie in den Interviews gefordert, alle Fachrichtungen der Medien-, Film- und
Fernsehwissenschaft abdecken und Links zur Kunst (z.B. Fotografie) anbie-
ten.
Detaillierte qualitative Segmente des Filmportalkonzepts wurden aufgrund der
Experten-Interviews definiert. Das Rohkonzept eines Portals könnten folgende
Module umfassen:




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Die Beschreibung der auf der vorhergehenden Seite abgebildeten Qualitäts-
module:

1. Katalogverbund
Eine Integration heterogener Quellen unter einem einheitlichen Einstiegspunkt
bietet der Katalogverbund einzelner Filmbibliotheken/Mediatheken. Das Spe-
zielle an einem Filmportal ist nämlich die Dokumentenart Video/DVD, die in
Deutschland schwerer zu recherchieren ist als Printdokumente. Deshalb be-
kommt ein Filmbibliotheksverbund auch eine andere Dimension als der Ver-
bund anderer Fachbibliotheken. Nationale und europäische und in letzter
Ausbaustufe internationale Daten sind interessant.
Als Prototyp sollen zunächst 7 teilnehmende Bibliotheken ihre Bestände über
die Z 39.50 Schnittstelle des Kooperativen Bibliotheksverbundes Berlin-
Brandenburg zusammenspielen. Die Organisationsform und Konzeption des
KOBV (Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg) ist in Deutsch-
land einmalig und für einen Filmverbund sehr geeignet.
In einem Projekt „Hostingservice für Virtuelle Fachverbünde“ hat sich der
KOBV für die Realisierung des vorliegenden Segmentes des überregionalen
Katalogverbundes Film eingesetzt. So sind in einem Fachgebiets-Cluster fol-
gende Teilnehmer für einen Verbundkatalog Film/Medien angedacht:

A: Buchkatalog (Print-Textmedien)
7 Teilnehmer für den Prototyp: ca. 250.000 Bände:
HFF Potsdam: ca. 84.000 Bände
Software: Aleph
Universität der Künste Berlin: ca. 20.000 Bände (Filmliteratur)
Software: Aleph
KHM Köln: 20.000 Bände
Software: Aleph
HBK Braunschweig: ca. 20.000 Bände (Filmliteratur)
Software: Pica
ZLB – Landesbibliothek Berlin: ca. 20.000 Bände (Filmliteratur)
Software: adis/BMS
Verbund der Öffentlichen Bibliotheken, Einzelbibliothek selektierbar
Filmmuseum Frankfurt: 80.000 Bände
Software: Bibliotheca 2000
Filmbibliothek Hamburger Öffentliche Bücherhallen: ca. 10.000 Bände
Software: Bibliomondo
Verbund der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen


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Weiterhin haben Interesse bekundet:
StUB Frankfurt/M. – SSG-Bibliothek Film/ Rundfunk bis 1997: ca. 50.000
Bände
Software: Pica
ZKM Karlsruhe: 30.000 Bände
Software: Allegro
HFF München: 43.000 Bände (davon Teil ab 1992 im BVB)
UB Leipzig – SSG-Bibliothek Rundfunk/Filmtechnik ab 1998 (F/M): ca. 10.000
Bände
Software: Libero
Hans-Bredow-Institut Hamburg: 24.000 Nachweise
Software: Allegro
Im weiteren Ausbau könnten beispielsweise folgende Institutionen integriert
werden:
British Film Institute Library: 45.000 Bände
Software: Olib Webview
Svenska Filminstitutet – biblioteksdatabas Matiné: 30.000 Bände (ab 1987)
Software: Aleph
Dansk Filminstitut Bibliorama: 28.000 Bände (ab 1987) insgesamt 61.000 Bän-
de.
Software: Aleph
Filmoteca de Catalunya: 30.000 Bände
Software: VTLS

B. Videofilmkatalog
ca. 245.000 Videos und DVDs in 13 Webkatalogen
10 Teilnehmer für den Prototyp: 170.000 Videos:
UB Oldenburg – Mediothek: ca. 40.000 Videos
Software: Orbis, z.Zt. Umstieg auf Pica
ZLB – Landesbibliothek Berlin: ca. 25.000 Videos
Software: adis/BMS
Verbund der Öffentlichen Bibliotheken, Einzelbibliothek und Medienarten (DVD
und Video) selektierbar
HFF Potsdam (F/M): 17.000 Videos
Software: Aleph – Medienart selektierbar
Universität der Künste Berlin: 7.000 Videos
Software: Aleph – siehe Teilkatalog Filmmedien


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KHM Köln: 5.000 Videos, 2.500 CD-ROM
Software: Aleph – 4 Medienarten selektierbar
HBK Braunschweig: ca. 3.500 Videos
Software: Pica – Medienart über Suchoption „Filme, Videos, etc“ selektierbar
des Weiteren:
Sprachenzentrum der HU Berlin: 29.000 ME (ca. 10.000 Spielfilme)
Software: File Maker
Filmbibliothek Hamburger Öffentliche Bücherhallen: ca. 10.000 Videos
Software: Bibliomondo
Filmmuseum Frankfurt/M.: 2.500 Videos
Software: Bibliotheca 2000
Verbund der Frankfurter Museumsbibliotheken, Einzelbibliothek und Medien-
art selektierbar
ZKM Karlsruhe: 1.200 Videos/Audiosammlung (Spezialbestand!)
Software: Allegro
Angesprochen wurden noch die folgenden Institutionen:
Medienzentrum + UB Siegen: 53.000 Videos
Software: InfoBase/Medias
Haus des Dokumentarfilms (F/M): 7.000 Videos
Webkatalog funktioniert nur mit frei geschaltetem Port 88, nicht mit Firewall
Software: Datenbank des SWR

2. Anschriften und Internetseiten fachspezifischer Institutionen
(Fachinformationsführer)
Übersicht der Lehrinstitute: auch sachlich nach Fachdisziplinen recherchierbar
mit Links. Ein gelungenes Beispiel aus einem anderen Fachgebiet ist FORIS
(Forschungsinformationssystem Sozialwissenschaften), das über theoretische
und empirische Forschungsarbeiten auch aus Österreich und der Schweiz in-
formiert.9
Adressen- und Auskunftsmittel können wiederum gegliedert sein in:
• eine Übersicht (oder Datenbank) zu Festivals, Konferenzen, Tagungska-
   lendern, Messen und deren Adressen;
• Adressen und Deadlines von Förderinstitutionen: Wer fördert was?, An-
   sprechpartner;
• Adressen und Firmenprofile von Film- und Fernsehunternehmen.


9   Forschungsprojektdatenbank. FORIS- Forschungsinformationssystem Sozialwis-
    senschaften. GESIS Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtun-
    gen. IZ. http://www.gesis.org/Information/FORIS/Recherche/index.htm 16.05.02.


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Dies würde den Forderungen der interviewten Dozenten entgegenkommen.

3. Integration anderer Bestellservices
Antiquariate, Buch- und Video-, DVD-Versandfirmen, Tauschbörsen; Integrier-
te Bestellverfahren für bestimmte Dokumente, besonders Zeitschriftenaufsät-
ze (subito, SSG-S..., die der Wissenschaftler recherchieren kann. Der Wandel
von der Nachweis- bzw. Hol- zur Bringinstitution bezieht sich auch auf audio-
visuelle Medien. Der Fernleihverkehr für Videos und andere Nichtbuchmateria-
lien ist nur als „Kann-Bestimmung“ 10 für den Leihverkehr der Bibliotheken ge-
regelt. Das führt dazu, dass Videos und DVDs kaum in den Leihverkehr gege-
ben werden, obwohl es einen großen Bedarf auf Seiten der filmwissenschaftli-
chen Nutzer gibt. Der Arbeitskreis Filmbibliotheken macht bei dem Austausch
von AV-Medien untereinander einen ersten Schritt, um dies zu verbessern. Ein
Gesamtkatalog, gerade der Nichtbuchmaterialien, wäre ein sehr zentrales E-
lement eines Filmportals, da sich Anfragen, wie aus den Fragebögen der
Filmbibliothekare ersichtlich, oft auf Filme (Video/DVD) als Primärquelle bezie-
hen. Das Fehlen einer Deutschen Mediathek wirkt sich hier eklatant aus. Wa-
rum die Deutsche Bibliothek eine Musikbibliothek unterhält, aber keine Film-
                                                                          11
abteilung oder eine Pflichtexemplarregelung fördert, ist nicht einsichtig . Die
Filmbibliotheken werden mit Video-Anfragen überhäuft, die nur annähernd be-
friedigt werden können. Ein überregionaler Nachweis wäre für die Medienwis-
senschaft ein sehr wichtiges Arbeitsmittel.

4. Navigation
Das Browsen in einem Fachthesaurus erleichtert die Orientierung im Netzan-
gebot. So sind zu Adressen der Film- und Medienwissenschaft, sowie Daten-
banken, Länder, Genres, Produktion und Technik Links gesammelt worden.
Diese bisher 1000 Links bedürfen der ständigen Überprüfung und wissen-
schaftlichen Auswahl.
Ein Angebot von Volltexten bei Zeitschriften und von originalsprachigen Dreh-
büchern im Internet kann so gebündelt angeboten werden.
Erste Umsetzung zu sehen unter:
http://www.bibl.hff-potsdam.de/webadress/user/index.html




10 Vgl.: Herdt, Gisela: Informationen der Kommission des DBI für Benutzung und In-
   formation. In: Bibliotheksdienst 29, S. 1925–1930, S. 1925.
11 Sarnowski, Daniella: 3. Treffen der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Filmbiblio-
   theken – http://www.bibl.hff-potsdam.de/agfilm/agftr3.html. In: BIBLIOTHEKSDIENST.
   Berlin. 31 (1997), 12, S. 2389 – 2391.


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  Systematische Einteilung von Film-, Fernseh-, Medien-Links
       Navigation, thematisches Kategorienverzeichnis

ADRESSEN                             MEDIEN- & KOMMUNIKATIONS-
Ausstellungen, Bildagenturen,        WISSENSCHAFT
Filmarchive, Filmbibliotheken,       Ethik, Medienforschung (Zuschauerforschung),
Filmhochschulen siehe Ausbil-        Mediengeschichte, Multimedia,
dung, Institutionen, Kinemathe-      Neue Medien, Pädagogik, Politik, Soziologie, Wirt-
ken, Landesmedienanstalten,          schaft, Radio/Rundfunk
Mediatheken, Newsgroups, Stif-
tungen, Verbände, Videotheken        FERNSEHEN
DATENBANKEN                          Digitales Fernsehen, Fernsehforschung, Fernseh-
                                     geschichte, Fernsehnormen, Fernseh-
IMDB, Lexikon, Nachschlage-          wissenschaft, Kinder-, Jugendfernsehen,
werke, Online-Kataloge, Such-        Kabelfernsehen,
maschinen, Wörterbuch                Nachrichten, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk,
                                     Pay-TV, Privatsender, Satelliten, Serien
AUSBILDUNG, STUDIUM
Filmhochschulen, Fortbildung,        PRODUKTION&Distribution
Hochschulprojekte, Private           Einschaltquoten (Box Office), Filmförderung,
Schulen, Universitäten, Vor-         Filmwirtschaft, Finanzierung, Kino, Preise,
lesungen, Weiterbildung              Produktionsfirmen, Recht, Statistik, Studio,
                                     Urheberrecht, Filmverleih/-vertrieb, Werbung
LÄNDER; STÄDTE
International A-Z                    TECHNIK
                                     Ausstattung, DVD (Online-Kauf), Equipment,
FILM                                 Firmen, Kamera, Schnitt, Studiotechnik,
Animation, Dramaturgie,              Synchronisation, Ton, Video
Drehbücher/Volltextdrehbücher,
Festivals, Filmmusik, Film-          ZEITSCHRIFTEN
plakate, Fotografie, Kostüm,         Lieferdienste, Online-Journals, Volltextzeitschrif-
Kritik, Regie, Requisite, Schau-     ten, Zeitschriftenlinks, Zeitungssammlungen, Zeit-
spiel, Szenografie                   schriftenaufsätze
                                     Fachzeitschriften nach Themen
FILMWISSENSCHAFT
Forschung, Filmgeschichte,
Filmtheorie, Montage/Schnitt,
Filmmusik                            Dienstleistungen
                                     Medienverbund
GENRE (Gattungen in Auswahl)         - Dokumentenlieferung/Bestellservices
Animationsfilm, Avantgarde,          - Volltexte,
Dokumentarfilm, Fantastischer
Film, Frauen, Homosexualität,        - Aktuelles,
Independent, Kinder-, Jugend-        - Mailinglisten etc.
film, Kultfilme, Kurzfilme, Scien-
ce Fiction, Soundtrack, Stumm-
film, Trash, Underground


614                                                 BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 5
Digitale Bibliothek                                                               THEMEN



5. E-Zeitschriften
Unter den periodischen Publikationen würden die elektronischen gesondert
aufgeführt werden. Eine Zusammenarbeit mit der EZB erschiene dabei sinn-
voll. Datenbanken wie der FIAF12 (Zeitschriften-Datenbank) und andere
Abstractdienste sind zu berücksichtigen.
Elektronische Zeitschriften werden auch in Zukunft ein zusätzliches Angebot
zu bestehenden Printausgaben in den Hochschulbibliotheken darstellen. Kel-
ler stellt für die Zeitschrift der Zukunft fest, dass das Peer-Review-Verfahren
einer Zeitschrift relevant sein wird, aber die Texte vor Veröffentlichung im
WWW in ein digitales Archiv abgelegt werden: „Man kann mit hoher Wahr-
scheinlichkeit davon ausgehen, dass in Zukunft wissenschaftliche Veröffentli-
chungen selbst als mehr oder weniger unabhängige, grundlegende Einheiten
stärker in den Vordergrund rücken werden.“13
Eine Spezialität einiger Filmhochschulen (München, Potsdam, auch Filmmu-
seum Berlin und Frankfurt/M.) sind die filmspezifischen Pressedokumenta-
tionen/Zeitungsausschnitt-Sammlungen. Eine gemeinsamer Nachweis der
Sammlungen in einer zentralen Seite wäre für den Nutzer übersichtlich.
Wegen der Zeitschriftenabbestellungen durch die Hochschulen wird die Do-
kumentenlieferung an Relevanz gewinnen. So wurde schon in einem anderen
Fachgebiet von einer virtuellen Fachbibliothek eine Feststellung getroffen, die
auch für die Medienwissenschaft voll zutrifft:
„Inhaltsverzeichnisse – OnlineContents – zur Literatursuche müssen von mög-
lichst vielen relevanten Zeitschriften bzw. Sammelwerken angeboten und ak-
tuell gehalten werden.“14




12 International Filmarchive [Elektronische Ressource]. CD-ROM. International Federa-
   tion of Film Archives. London : FIAF 2000. Diese Datenbank ist gegen Bezahlung
   über das Internet ab Mitte 2002 erreichbar, dann heißt sie International FilmArchive
   Database. 300 Filmzeitschriften ab 1972 werden bibliografisch ausgewertet. Ab dem
   Jahr 2000 werden keine Fernsehzeitschriften mehr ausgewertet. Das „Subject Hea-
   ding“ des International Index of Film Periodicals für englische Schlagworte ist in die-
   sem Zusammenhang interessant. Brusseles: FIAF (Federation International of Film
   Archives) 2001.
13 Keller, Alice: Elektronische Zeitschriften: Eine Publikationsform mit Zukunft?. In:
   Wissenschaft online. Elektronisches Publizieren in Bibliothek und Hochschule. Hrsg.
   Von Beate Tröger. Frankfurt a.M.: Klostermann 2000, S. 259–278, S. 276.
14 Venschott, Brigitta: Die virtuelle Fachbibliothek Pharmazie...a.a.O., S. 174


BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 5                                               615
THEMEN                                                        Digitale Bibliothek



6. Lehrspezifische Angebote/Community-Service
Die Lehre nutzt in zunehmendem Maße das Internet zum Wissenserwerb,
weshalb die verstreute Information zusammengeführt werden muss. Diese
kann enthalten: Forschungsprojekte, Ankündigungen von Forschungsvorha-
                                                    15
ben, Abschlussarbeiten, Preprints, Primärquellen , mit anderen Worten: ein
wissenschaftliches Forum.
Sonstige wissenschaftlich-kommunikative Angebote: Kommunikationsplatt-
form für Scientific Community, Newsletter, Diskussionsforen, Neuerwer-
bungslisten, Rezensionen, Mailinglisten etc.), qualitative Aufsatzsammlungen
auf den Hochschulservern, die dort anstatt in teuren Zeitschriften, den kollek-
tiven Bewertungsprozess durch (Hochschul-)Wissenschaftler durchlaufen
(peer-reviewed). Die Qualitätskontrolle durch ein Expertenteam ist ein sehr
wichtiger Faktor für die wissenschaftliche Qualifizierung der Autoren.
In den in 2001 geführten Interviews wurden auch Informationen für die tägli-
che Arbeit gefordert, „die einem das Leben erleichtern“, also die Präsenzlehre
unterstützen     (Studienführer,    Prüfungsordnungen,      Semesterapparate,
Literaturlisten und Buchempfehlungen von Dozenten, dozentenbezogene
Handapparate, Skripte zu Vorlesungen etc.). So ist die Bekanntmachung von
Sprechstunden der Dozenten schon jetzt üblich.
Für die Lehre sind Forschungsvorhaben, interessante Internetangebote,
ebenso wie Lehrveranstaltungen, Informationen zu einschlägigen Universitäts-
und Hochschulangeboten, Hochschulschriften und Informationen von interna-
tionalen Filminstitutionen. Bis 1997 gab es eine solche Übersicht als Printaus-
gabe, wurde dann aber eingestellt.16 Nun fehlt ein solches Angebot, was die
überregionale Wissenschaftskommunikation erschwert.
Lehr- und Lernmaterialien als medienspezifische Volltexte im wissenschaftli-
chen Kontext wie ein Hochschulschriftenserver mit Diplomarbeiten, Magister-,
Habilitationsschriften, Online-Dissertationen bzw. die Voranzeige von Disser-
tationsprojekten, Forschungsberichte und sog. „graue Literatur“ sind für die
Lehre genauso wichtig wie Verlagspublikationen. Elektronische Fachpublikati-
onen bzw. digitalisierte Veröffentlichungen von wissenschaftlichen Institutio-



15 Eine Primärquelle, die vom Deutschen Rundfunkarchiv ins Netz gestellt wurde und
   von der DFG gefördert ist: Die digitalisierten Sendemanuskripte. Der schwarze
   Kanal. 1960–1989. Deutsches Rundfunkarchiv http://dra.orb.de/grape/seite1.htm
   5.2.2002.
16 Film und Fernsehen in Forschung und Lehre : Schriften, Lehrveranstaltungen, For-
   schungsvorhaben, Tagungen an Universitäten, Hochschulen und Filminstitutionen
   der Bundesrepublik Deutschland, Österreich und der Schweiz. Red.: Helga Belach ;
   Helmut Korte. Braunschweig: Stiftung deutsche Kinemathek. – 20. 1997.


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Digitale Bibliothek                                                         THEMEN



nen sollten in ein virtuelles Dienstleistungsangebot ebenso einbezogen wer-
den.
Digitale Dissertationen werden zukünftig verstärkt von Bibliotheken angebo-
ten, da sie den Vorteil der Nutzung von Hypertext und Visualisierung, – dies ist
gerade in den Medienwissenschaften relevant – besitzen und über die lineare
Textdarstellung hinausgehen.
Andere lehr- und forschungsrelevante elektronische Veröffentlichungen wie
Preprints kann man für die wissenschaftliche Community im Rahmen eines
Publikationsverbundes einbeziehen. Dabei ist die außeruniversitäre Forschung
nicht zu vernachlässigen.
Ein Studentenfilmpool mit filmischen Abschlussarbeiten aller am Portalver-
bund teilnehmenden Filmschulen, bundesweit ist ebenso zu berücksichtigen.
Das Retrieval für nicht textbasierte Dokumente ist in Richtung Bild- Motivsu-
che und Bilddatenbanken auszubauen
Entsprechende Anreize für Autoren können durch ein Hochschulmarketing
vorgegeben werden, das mit der Aufwertung der Arbeiten durch die Veröffent-
lichung auf diesem Server wirbt. Empfehlenswert ist ein Redaktions- bzw.
Qualitätsteam aus dem Kreis der Hochschuldozenten, ähnlich einer Zeitschrif-
tenredaktion, oder von Bibliotheksreferenten, die inhaltliche Auswahlkriterien
festlegen und bewerten.
Ein Ansatz zur Wissenschaftskommunikation im Bereich der Wirtschaftswis-
senschaft ist RePEc (Research Papers in Economics), das Preprints, Zeit-
schriftenartikel, Autorenkontakte und Institutionen listet.17 Über 100 Freiwillige
in 30 Ländern werten die genannten Angaben bibliographisch aus und bieten
sie im WWW an. Dieses freie Angebot könnte Vorbild für ein Segment eines
medienwissenschaftlichen Bibliotheksportals sein.
Das wichtige Portalsegment, das die Hochschulen als Produzenten von In-
formation hervorhebt, ist ein wissenschaftlicher Publikations- und Dokumen-
tenserver mit Institutspublikationen, Dissertationen oder einem digitalen Vi-
deoarchiv aus hochschuleigener Produktion wie das DIVA-Angebot der Uni-
versitätsbibliothek Karlsruhe.18 Auf die Relevanz von elektronischen Dokumen-
ten an Hochschulen weist die o.g. DINI-Empfehlung hin: „Im Rahmen von
Forschung, Lehre und Studium entstehen an Hochschulen die unterschied-
lichsten Texte und Dokumente [...]. Nur ein kleiner Teil wird von ihnen bisher




17 RePEc Research Papers Economics. http://repec.org 22.03.02.
18 Digitales Video- und Audioarchiv der Universitätsbibliothek Karlsruhe.
   http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/diva/startseite.html 16.01.02.


BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 5                                         617
THEMEN                                                        Digitale Bibliothek


                             19
von Verlagen veröffentlicht.“ Der Veröffentlichungsprozess ändert sich, und
die Verbreitung von Forschungsergebnissen und Papers sollte kostenfrei über
das Internet angeboten werden. Die „Open Archivs“ der Wissenschaftler wer-
den an Bedeutung gewinnen.
Als Dienstleistungssegment könnte eine neue Form der


7. Virtuellen bibliothekarischen Sachauskunft
umfassen. Die Formen dafür sind bisher E-Mail oder ein Webforum, dass als
Anfrageverbund eingesetzt werden könnte. So bestünde die Möglichkeit das
ein Dozent eine Frage in die Newsgroup schreibt, und ein Filmbibliothekar
könnte ortsunabhängig im Netzwerk antworten. Bisher wurden oft Anfragen
an mehrere verschiedene Bibliotheken geschickt. Weitere Formen der virtuel-
len Auskunft im anglo-amerikanischen Raum sind „Live“-Chat-Auskünfte und
Callcenter, die hier aber aus personellen Gründen nicht sinnvoll erscheinen.

8. Fachkommunikation
Online-Foren und Mailinglisten böten ein Medium für Lehre und Forschung.
Der Austausch von Forschungsergebnissen und Kongressvorbereitungen wä-
ren wichtiges Bindeglied zwischen Bibliothekar und Wissenschaftler. Informa-
tionen über laufende Publikationen, Stellenangebote, wissenschaftliche För-
derprogramme böten eine bessere Orientierung im Fach.
Dabei ist ein Zusammenwirken mehrere Bibliotheken effizient durch Synergie-
gewinnung zu bevorzugen, z.B. bei Fragen
•   der Langzeitarchivierung von digitalen Dokumenten;
•   des Dokumentensharing durch Dokumentenlieferung. So kann durch Er-
    werbungsabsprachen eine inhaltliche Profilierung der regional verteilten
    Bibliotheken stattfinden. Redundanz kann gerade im hochpreisigen Sektor
    vermieden werden. Die lokale Medienversorgung bleibt wichtig.
Grundlage dafür ist:
• Optimierung von Dienstleistungen (digitale Sachauskunft);
• eine gut funktionierende Dokumentenlieferung untereinander
• Zeitschriftenkrise
• Einkaufsgemeinschaften. SSG-Bibliotheken könnten als Speicherbiblio-
   theken, gerade bei ausländischen Zeitschriften fungieren. Die Vorausset-




19 DINI Elektronisches Publizieren an Hochschulen, Empfehlungen, http://www.dini.de
   4.12.2001.


618                                            BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 5
Digitale Bibliothek                                                        THEMEN



    zung dabei ist die Bereitschaft der Bibliothekare zur Aufgabenänderung
    und Kooperation. 20
Reale Bibliotheken bleiben weiterhin zentrale Anbieter gedruckter Informatio-
nen und deren Vermittlung. Die virtuelle Komponente der Informationsbereit-
stellung durch Bibliotheken erleichtert jedoch den Zugang zum Fachwissen
immens.
Der epochale Strukturwandel, den gerade Medienbibliotheken auf dem Weg
von der realen zur hybriden Bibliothek gestalten, hat zum Ziel, auch virtuelle
Informationsangebote qualitativ aufzuarbeiten. Die Herausforderung besteht
darin, andere Anbieter virtueller Angebote zu integrieren.
Allgemeine Filmportale leisten zwar bisher eine Kategorisierung von Informati-
onsquellen im Internet, doch spezielle filmwissenschaftliche Ansprüche wie
die Personalisierung der Inhalte und die Suche in verschiedenen Informati-
onsquellen sind nicht möglich, ebenso wenig das wissenschaftliche Navigie-
ren in Fachthemen, die im Internet präsentiert und diskutiert werden. Der
Zweck von bibliothekarischen Fachportalen und speziell der Zweck des Wis-
senschaftsportals Film besteht in der Integration unterschiedlicher Fachpro-
jekte, Datenbanken und Institutionen. Für Hochschulangehörige sollten ziel-
gruppenspezifisch personalisierbare Fachinformationen in einem zentralen,
überregionalen Zugang angeboten werden. Der Einstieg in filmbibliothekari-
sche Dienstleistungen ist dabei ein wichtiger Mehrwert, der die Besonderheit
eines bibliothekarisch-filmwissenschaftlichen Portals darstellt.
Es existieren weltweit eine große Anzahl von Internetportalen, die allerdings
inhaltlich von sehr unterschiedlicher Qualität sind. Ein Verbund regional ver-
teilter Dienstleistungen in eine Benutzerschnittstelle sowie Verzeichnisse über
Webseiten und die Möglichkeit der Personalisierung sind Mindestforderungen,
die bei dem Vergleich der Portale der Virtuellen Fachbibliotheken herausgear-
beitet wurden. Zentral war dabei auch die Kommunikationsfunktion der Fach-
wissenschaftler untereinander (Community-Foren).
Ein großer Nachteil der bisher geförderten DFG-Fachportale ist, dass die auf-
gebaute Virtuelle Fachbibliothek im Internet hauptsächlich die eigenen Me-
dienbestände anbietet und keinen Verbund der Fachbibliotheken und deren
Kataloge recherchierbar macht. Eine Metasuche über mehrere Fach-OPACs
erscheint für ein effizientes bibliothekarisches Fachportal unumgänglich. Erst
die Vernetzung der Medien wäre der große Vorteil, den Bibliotheken gegen-
über anderen Portalen bieten könnten.



20 Eine Untersuchung der Koordination der VIRTUELLEN FACHBIBLIOTHEK der DFG
   hat ergeben, dass überregionale Kooperation durch das Internet sowohl Verbesse-
   rung als auch Schwierigkeit darstellt, da nicht alle zur Kooperation bereit sind.


BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 5                                          619
THEMEN                                                      Digitale Bibliothek



Der Nutzen eines bibliothekarischen Medienportals liegt darin, mehrere
Dienstleistungskomponenten im Internet zu verbinden, die im Idealfall mit Hilfe
einer Metasuchmaschine gebündelt und unter einer einheitlichen Suchober-
fläche abzufragen sind. Ein solcher One-stop-shop bietet dann sowohl elekt-
ronische Medien als auch Printmedien, die intensiv erschlossen sind. Direkt-
bestellungen bei den Sondersammelgebietsbibliotheken sollten möglich sein,
gerade beim Sondersammelgebiets-Schnelldienst (SSG-S).
Der Ausbau internetbasierter filmwissenschaftlicher Fachinformation über ver-
teilte Kompetenzzentren ist ein zentraler Lösungsweg, um auf die Bedürfnisse
der Lehrenden und Wissenschaftler einzugehen. Dazu werden gemeinsame
Metadatenformate benötigt. Ließe sich die Welt des Dozenten/Wissen-
schaftlers mit der des Informationsspezialisten/Bibliothekars verbinden, würde
daraus ein effektives gemeinsames Fachportal entstehen. Online-Daten-
banken und E-Journals ergänzen die Medienangebote der Filmbibliotheken.
Diese Angebote sind den Lehrenden aber noch nicht genügend bekannt. Hier
bleibt für die Bibliothekare noch ein Feld im Wissensmanagement und
-marketing zu besetzen, d.h., das kombinierte Angebot von internen und ex-
ternen Ressourcen kann noch ausgearbeitet werden. Filminformationen wer-
den unter einer WWW-Oberfläche strukturiert präsentiert. Informationsinseln
werden ortsunabhängig zusammengestellt. So soll nicht nur die wissenschaft-
liche Kommunikation, sondern auch der Zugriff auf die Fachinformation ver-
bessert werden.
Fachinformation ist für den Lehrenden und Wissenschaftler nach wie vor von
großer Notwendigkeit, ihre Beschaffung kostet jedoch Zeit. Auch die Auswer-
tung kann sehr aufwändig sein. So geht den Hochschulen nicht nur Arbeitszeit
verloren, sondern auch Fachwissen, das an anderen Orten vorhanden ist; es
bleibt ungenutzt oder lokal begrenzt. Der zügige Zugriff auf die richtige Infor-
mation, die im Kontext eines Faches eingebettet ist, bedeutet Wissen und
Zeitgewinn.
Der bibliothekarische Informationsspezialist kann die Recherche der Experten
unterstützen und den effizienten Austausch internationaler Fachkollegen mit
dem Angebot eines Fachportals unterlegen. Eine dezentrale Dokumentenbe-
arbeitung der Medien in Bibliotheken und eine zentrale Verlinkung ist am ef-
fektivsten, wenn ein gemeinsames systematisches Ordnungssystem für virtu-
elle Bibliotheksangebote angewandt wird. Die fachspezifischen Verbundsys-
teme sind ebenso erfolgversprechend wie die bisherigen regionalen Verbund-
systeme. Allerdings steht diesen regionalen Verbünden die fortschreitende
Internationalisierung entgegen. Es kann sein, dass die horizontalen Portalver-
bünde an Bedeutung verlieren, oder sie verknüpfen sich mit vertikalen fach-
spezifischen Portalen, wie dies schon ansatzweise passiert.



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Digitale Bibliothek                                                    THEMEN



Die Zentralisierung des Zugriffs auf ein Fachportal, das über verteilte Systeme
verfügt, erleichtert die Arbeit des Wissenschaftlers. Konsortien und Erwer-
bungsabsprachen können helfen, begrenzte Mittel einzusetzen; die Koordina-
tion des Aufbaus digitaler Hochschularchive kann effektiv auch in technischer
Zusammenarbeit erfolgen. Andere fachspezifische Informationsanbieter sind
für ein wissenschaftliches Fachportal von großer Bedeutung.


Das neue Dienstleistungsspektrum, das durch die Iuk-Technologien möglich
ist, benötigt finanzielle und personelle Ressourcen, die weit über den reinen
klassischen Medienaufbau hinausgehen. Hier bleibt zu überlegen, ob eine
Öffnung der Angebote in Richtung Medienwirtschaft als Zielgruppe einen Vor-
teil bringen würde. Die mittlerweile üblichen Gebühren im Internet für Wissen-
schaftler erscheinen hingegen aufgrund des Ideals der Freiheit von Lehre und
Forschung nicht gerechtfertigt.
Die Anforderungen von Seiten der Forschung, der Lehre und des Studiums an
die fachwissenschaftliche Informationsinfrastruktur wachsen. Zuständigkeiten
zwischen Fachwissenschaftlern, Informatikern und Bibliothekaren müssen neu
geregelt werden. Auf jeden Fall übernimmt die Hochschulbibliothek neben
den klassischen Aufgaben immer mehr die Funktionen eines Medienzentrums,
eines Dokumentationszentrums. Zusammen mit der jeweiligen Institution soll-
ten die Wissenschaftsprodukte der Hochschule, sei es von Dozenten oder
Studierenden, über das Internet angeboten werden.
Um eine erfolgreiche Perspektive zu schaffen, ist der kontinuierliche Kontakt
zu den definierten Zielgruppen unabdingbar.
Neue Dienste werden entstehen, auch aufgrund technologischer Änderungen,
die selbstverständlich aufgegriffen werden sollten. Wegen der Schnelllebigkeit
des Internets sollte sich die Virtual Library Film and Media Studies kontinuier-
lich weiterentwickeln – ebenso wie der Fächerkanon der Film-, Fernseh- und
Medienwissenschaft.
Eine Realisierungsmöglichkeit ergab sich bei Abschluss der Arbeit durch eine
Kooperation der Universitätsbibliotheken Frankfurt/M. und Leipzig, die beide
als Sondersammelgebietsbibliotheken DFG-förderungsfähig sind.




BIBLIOTHEKSDIENST 37. Jg. (2003), H. 5                                      621