Case-Management in der Praxis by pop14118

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									Case-Management in der Praxis

     Erfahrungen in der Umsetzung

  im Rahmen der deutschen Heroinstudie
    im Behandlungszentrum München
                             heroinstu
Heroinstudie
Deutschland
n   TeilnehmerInnen sind erwachsene
    Opiatabhängige über 23 Jahre, Ø 35 J.
n   Langjährige i.v.-Opiatabhängigkeit
n   Behandlung unter Studienbedingungen, d.h.
    ohne Sanktionierung von Beikonsum und
    nicht abstinenzorientiert
n   Heroinvergabe 2-3 mal täglich in
    Spezialambulanz
                                        heroinstu
Case-Management im
Rahmen der Heroinstudie
n   Bundesweit 560 TeilnehmerInnen im CM
n   In München 60 Personen, langfristig 30
n   Eigenes Case-Management-Manual und
    CM-Ausbildung durch FOGS (Köln) und
    ISFF (Frankfurt)
n   CM kombiniert mit MI = Motivational
    Interviewing
n   Teilnahme am CM ist freiwillig
n   Schlüssel 1 CM auf 25 TeilnehmerInnen
Case-Management mit
Motivational Interviewing

n   2 Methoden mit unterschiedlichem Auftrag:
    Case - Management als Organisationsform und
    Motivational Interviewing als Interaktionsstil

n   2 Methoden mit ähnlicher Grundlage:
    beide Verfahren sind phasisch gestaltet,
    zielorientiert und orientieren sich an den
    Voraussetzungen und Wünschen der Klientel
Case-Management:
Grundprinzipien und Arbeitsschritte
§ Herstellung eines Arbeitsbündnisses, Rollenklärung,
  Information zur Methode
§ Assessment und Problemanalyse
§ Festlegung von Zielen und Teilzielen
§ Aktivierung und Stärkung persönlicher Ressourcen
  und der Selbstwirksamkeit
§ Planen, erschließen, organisieren und steuern von
  Hilfen „quer“ zu den Systemgrenzen
§ In Krisen hat CM die Kontaktverantwortung und
  leistet aufsuchende/nachgehende Arbeit
§ Dokumentation und Evaluation der Aktivitäten
 Inhalte des Assessment
§ Erfassung von Lebenssituation (biographisch-
  psychologisch-sozial-medizinisch)
§ Personale, soziale und materielle Ressourcen
§ Einschätzung der Probleme und Beeinträchtigungen in
  unterschiedlichen Lebensbereichen
§ Informelle und formelle Unterstützungsmöglichkeiten
§ Bewertung der Ergebnisse durch KlientIn und CM –
  getrennt, aber im Austausch miteinander
§ Veränderungswünsche und Veränderungsbereitschaft
§ Feststellung verschiedener Hilfebedarfe und ihrer
  Dringlichkeit (Grundlage von Hilfe und Hilfeplanung)
Ziele und Teilziele
§ Was ist für die KlientInnen jetzt am wichtigsten?
§ Aus Grobzielen werden Teilziele abgeleitet, die als
  „nächster Schritt“ umsetzbar sind
§ Alle Ziele müssen zur Lebenssituation, persönlichen
  Werten und sozialem Umfeld passen
§ Positiv formuliert (Was tun? Nicht: was lassen)
§ Konkret, realistisch, verhaltensbezogen (Verben)
§ Beobachtbar und überprüfbar
§ KlientIn muss zur Erreichung beitragen können
§ Es muss erkennbar/vereinbart sein, wann ein Ziel
  erreicht ist (Erfolgserlebnis)
Hilfeplanung
n   Priorisierung von Zielen nach Dringlichkeit bzw
    Veränderungsmotivation
n   Schriftliche Vereinbarung konkreter Aktionen
    für alle Beteiligten
n   Hinzuziehen von Dritten bzw Durchführung von
    Konferenzen
n   Vereinbarung einer Zeitvorgabe zur Zielerreichung
n   Überprüfung der Zielerreichung
n   Re-Assessment und Erarbeitung eines neuen Hilfeplans
Hilfekonferenz
n   TeilnehmerInnen sind CM mit KlientIn und weiteren
    NetzwerkpartnerInnen
n   CM lädt ein, moderiert, protokolliert
n   Hilfekonferenz erfordert klare Themen und
    Zielsetzung
n   Datenaustausch nur soweit relevant für
    Problemlösungen
n   Konstruktive Kommunikation und Würdigung aller
    TeilnehmerInnen
n   Schriftliches Protokoll über alle Vereinbarungen, von
    allen unterschrieben
Förderliche Eigenschaften,
Kompetenzen und Haltungen für CM

n   Beziehungsfähigkeit der Case-ManagerInnen
n   Positive Unterstützung statt Kritik, Beschuldigung
    oder Resignation
n   Eigener Glauben an die Erfolgschancen für die
    KlientInnen und diesen Glauben auch vermitteln
    können und wollen
n   Stärkung des Selbstwirksamkeitserlebens der
    KlientInnen durch Zuschreibung der Erfolge
n   Konfliktfähigkeit und hohe Toleranz für andere Werte
    und Lebensweise als die eigene
Case-Management im Hilfenetzwerk
erfordert:
§ Bürokratisches systembezogenes Know-How
§ Wissen um eigenen Auftrag und seine Grenzen
§ Information / Vorleistungen / Service für
  Netzwerkpartner
§ konstruktive Kommunikation – Konflikte
  aushalten können, aber nicht provozieren
§ Moderationstechniken
§ Transparenz (Dokumentation für alle?)
§ Kooperationssystem (mit-)entwickeln
Bisherige Erfahrungen in diesem Setting
aus Sicht der KlientInnen

 § 80 % der Klientel nimmt freiwillig und
   kontinuierlich - in individueller Frequenz -
   am Case-Management teil
 § Assessment wird als sehr hilfreich erlebt
 § Aufsuchende Arbeit, Hausbesuche und
   Begleitungen zu Institutionen werden gern
   angenommen
 § Schweigepflicht soll beachtet und sorgsam
   gehandhabt werden
 § Hilfepläne in schriftlicher Form erzeugen leicht
   Versagensängste und Rückzug
Bisherige Erfahrungen in diesem Setting
aus Sicht der Case-Managerinnen I
§ CM/MI ist ein effizientes Betreuungsangebot für
  chronisch drogenabhängige Menschen.
§ Zielorientierung und Struktur ermöglichen
  beiderseitige Erfolgserlebnisse
§ Kontaktverantwortung der CM ist sorgfältig
  abzuwägen gegen Eigenverantwortung der KlientInnen
§ Schwierigkeiten mit (ungewohnter) formalisierter
  Vorgehensweise (Assessment, Hilfepläne,
  Hilfeplanfortschreibung) auf beiden Seiten
§ Strukturiertes Vorgehen ist nicht leicht mit Empathie
  und akzeptierender Haltung zu vereinbaren
 Bisherige Erfahrungen in diesem Setting
 aus Sicht der Case-Managerinnen II
§ Der Betreuungsschlüssel von 1:25 läßt sich mit dem
  Anspruch von CM schwer vereinbaren.
§ Fehlende oder unzugängliche Angebote für
  Drogenabhängige führen zu „Allround-Betreuung“
  durch die Case-Managerinnen statt Weitervermittlung
  und Koordination externer Hilfen
§ Wenig Ressourcen bei Dritten um an einer
  Hilfeplanung mitzuwirken
§ Ziele der KlientInnen und Erwartungen von Dritten
  bzw Kostenträgern sind evtl nicht vereinbar
 Danke für Ihr Interesse!

Für kollegiale Nachfragen oder Austausch
             nach der Tagung:


            Birgit Gorgas
          089 - 233 22 845
    birgit.gorgas@muenchen.de

								
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