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5.6 Gebde und Wohnungen 5.6.1 G

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					  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


5.6            Gebäude und Wohnungen

5.6.1          Gebäudezustand

               Der bauliche Zustand wurde nach dem äußeren Erscheinungsbild
               im Rahmen der Ortsbegehung erhoben und, ergänzt durch die
               Haushaltsbefragung des Instituts ISPLAN, in vier Kategorien
               eingestuft:

               ohne Mängel:       renovierte oder neue Gebäude

               Mängel Stufe 1:    Instandhaltungsarbeiten sind erforderlich

               Mängel Stufe 2:    Modernisierung    und   Instandsetzung      sind
                                  erforderlich

               Mängel Stufe 3:    zusätzlich    zu       Modernisierung        und
                                  Instandsetzung sind umfangreiche            Maß-
                                  nahmen      hinsichtlich   Bauphysik         und
                                  Haustechnik erforderlich


               Bewertet wurden neben Baukonstruktion und Dach auch Fenster
               sowie die sanitäre Ausstattung. Dabei zeigt sich, daß die Gebäude
               mit Mängeln der Stufe 3 auch die ältesten sind. Es handelt sich
               hier fast ausschließlich um Gebäude des Bundesvermögens-
               amtes, bei denen seit längerem kein Bauunterhalt mehr erfolgte.
               Zwar wurden bei allen Wohnungen Kunststoffenster eingebaut
               und bei einigen Gebäuden die Dacheindeckung erneuert, dies
               kann den insgesamt schlechten Zustand dennoch nicht
               verdecken.

               Bei den Gebäuden mit Mängeln der Stufe 1 handelt es sich
               vorwiegend um die Wohnblocks neueren Datums, hier sind vor
               allem Instandhaltung und Verbesserung des Wärmeschutzes
               notwendig.

               Die Gewerbegebäude wurden ausschließlich nach äußeren
               Gesichtspunkten bewertet, hier wurde der Maßstab weiter gefaßt
               als bei den Wohngebäuden.




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5.6.2          Ausstattung und Mängel der Wohnungen

               Im Untersuchungsgebiet sind derzeit 634 Wohnungen vorhanden.
               441 sind im Besitz des Bundesvermögensamtes, die anderen
               gehören überwiegend der Stadtbau Amberg GmbH sowie der
               gemeinnützigen       Wohnungsbaugesellschaft      Niederbayern/
               Oberpfalz. Die restlichen Wohnungen sind in Privatbesitz, wobei
               hierunter auch die Reihenhäuser an der Breslauer Straße fallen.

               Die Angaben der Bewohner zur Zufriedenheit mit der
               Wohnsituation basieren auf der Befragung vom Februar und März
               2000 durch das Institut ISPLAN.
               Für diese Befragung wurde das Untersuchungsgebiet in
               Teilbereiche untergliedert, die Einteilung ist auf nachstehender
               Karte zu erkennen. Erwartungsgemäß treten hier große
               Unterschiede zwischen den einzelnen Bereichen auf.

               Die schlechteste Bewertung der Wohnungen gaben die Befragten
               der Bereiche Bergsteig 6 - 9 ab. Diese Gebäude sind alle im
               Besitz des Bundesvermögensamtes und stammen aus den
               Nachkriegsjahren.
               Teilweise sind hier als sanitäre Einrichtung nur ein WC ohne
               Waschbecken und eine Spüle vorhanden, Bäder sind äußerst
               einfach eingerichtet und bieten keine Anschlußmöglichkeit für eine
               Waschmaschine. Auch im Keller sind keine Möglichkeiten
               gegeben,      Waschmaschine      oder    sogar  Wäschetrockner
               aufzustellen.
               Der am häufigsten geäußerte Verbesserungswunsch ist der nach
               einer Heizung, die Wohnungen werden noch mit Einzelöfen
               geheizt.

               Unzufrieden mit Ihren Wohnungen sind auch die Befragten von
               Bergsteig 5, Rosenthalstraße 21 - 25. Auch diese Gebäude sind
               älteren Datums und seit längerem nicht mehr modernisiert
               worden.

               Am zufriedensten sind die Bewohner des Bereichs Bergsteig 2.
               Hier befinden sich die neuen Reihenhäuser, die natürlich dem
               derzeitigen Standart entsprechen.
               Vor allem die Wohnungen des Bundesvermögensamtes genügen
               nicht mehr den heutigen Standards bezüglich Haustechnik,
               Brandschutz und Bauphysik. Neben der fehlenden Heizung ist
               auch die Elektroinstallation von einfachster Ausführung und mit
               der heutigen elektrischen Ausstattung überfordert.
               Auch die Anforderungen an den Brandschutz werden kaum mehr
               erfüllt, vor allem in den 4-geschossigen Gebäuden können diese
               nur durch aufwendige Maßnahmen erreicht werden.
               Die bauphysikalische Untersuchung durch das Büro BIG ergab,
               daß die Gebäude in keinster Weise den heute gültigen
               Anforderungen an Wärme- und Schallschutz gerecht werden und


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               diesbezüglich umfangreiche Sanierungsmaßnahmen notwendig
               sind. Aber auch dann können die geforderten Werte nicht erreicht
               werden.
               Durch die dicht schließenden neueren Kunststoffenster einerseits
               und die mangelhafte Heizung und Lüftung andererseits ist in
               letzter Zeit auch vermehrt Schimmelbildung aufgetreten.




               Schimmelbildung durch mangelhafte Heizung und Lüftung, bzw.
               den Einbau von Kunststofffenstern (Quelle der Fotos: Gutachten
               Architekturbüro Balzer, vom Januar 2000)

               Hinsichtlich des Wärmeschutzes sind auch alle anderen Gebäude
               des Bergsteigs zu verbessern, vorgeschlagen wird hier ein
               Vollwärmeschutz der Fassaden und ein Austauschen der Fenster.

               Die Bewertung der Bewohner zu Mängeln an den Wohnungen
               decken sich mit der Einstufung der Gebäude mit Sanierungsbedarf


5.6.3          Wohnungsgrößen

               In den genauer untersuchten Wohnungen des Bundes-
               vermögensamtes sind überwiegend 2- und 3-Zimmer-Wohnungen
               vorhanden, wobei das dritte Zimmer meist nur etwa 7 m² groß ist.

               Die Wohngebäude sind überwiegend als 2-Spänner konzipiert, je
               nach Gebäudelänge ergeben sich so jeweils zwei 2- oder 3-
               Zimmer-Wohnungen. In einigen Gebäuden sind auch 1-Spänner
               zu finden, mit denen 3-Zimmer-Wohnungen erschlossen werden.
               Die Größe der Wohnungen beträgt bei 2-Zimmer-Wohnungen
               etwa 47 m², wobei hier zusätzlich eine Wohnküche mit rund 14 m²
               vorhanden ist. Die 3-Zimmer-Wohnungen haben eine Größe von
               durchschnittlich 55 m² , in der Breslauer Straße 60 - 66 sind auch
               Größen von 68 m² und 72 m² zu finden. Darüber hinaus gibt es
               einige 1-Zimmer-Wohnungen mit ca. 33 m² mit zusätzlicher
               Wohnküche, im Claudiweg 30 - 34 sind auch 1-Zimmer-
               Wohnungen mit Kochzeile mit 20 m² zu finden.




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               Nur wenige Wohnungen verfügen über Balkon oder Loggia, die
               außerdem sehr klein sind und eher als Abstellfläche denn als
               Freisitz genutzt werden.

               Anders stellen sich die übrigen Gebäude dar: zwar überwiegen
               auch hier die 2- und 3-Zimmer-Wohnungen, sie verfügen aber alle
               über Balkon bzw. Loggia.

               Bei der Befragung waren 75% der Bewohner mit der Größe der
               Wohnung zufrieden, etwa 20% fanden ihre Wohnung zu klein.

               Zu beachten ist, daß gerade bei den einfachen Wohnungen des
               Bundes große Leerstände zu verzeichnen sind und hier die Mieter
               am unzufriedensten mit der Wohnungsgröße sind. Demgegenüber
               stehen die Wohnungen in den neueren Wohnblocks und den
               Reihenhäusern, die moderne Zuschnitte besitzen.

               Nicht außer acht lassen darf man auch, daß die Aussiedler und
               Ausländer in ihren Herkunftsländern meist noch schlechtere
               Verhältnisse gewöhnt sind.




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5.7            Bevölkerungsstruktur

               Im Untersuchungsgebiet leben 1.166 Bewohner (Stand März
               2000), 2,7 % der Bevölkerung Ambergs. Gegenüber der
               Gesamtstadt besteht der deutlichste Unterschied des Stadtviertels
               in der Zusammensetzung der Bewohner nach Nationalität.
               Die nachfolgenden soziodemographischen Daten sind der
               Sozialraumraumanalyse des Instituts ISPLAN entnommen.

               Der Anteil von Ausländern und Aussiedlern liegt im
               Untersuchungsgebiet wesentlich höher als in der Gesamtstadt.
               Der Ausländeranteil in Amberg beträgt 5,8 %, im Bergsteig 16,7 %
               hier wiederum überwiegen mit 38,4 % die Polen, gefolgt von den
               Türken mit 15,9 %.
               Außerdem sind etwa 20 % der Bergsteigbewohner Aussiedler, in
               Amberg beträgt der Anteil 6,1 %.

               Auch die Altersstruktur weist im Untersuchungsgebiet erhebliche
               Abweichungen von der Gesamtstadt auf: 21,3 % der Bewohner
               des Bergsteig sind jünger als 18 Jahre, in Amberg nur 17,3 %.
               Demgegenüber beträgt der Anteil der über 54jährigen am
               Bergsteig nur 25,8 % gegenüber 31,8 % in der gesamten Stadt.
               Lediglich der Anteil der Senioren über 72 Jahre liegt am Bergsteig
               genauso hoch wie in der Gesamtstadt (11 %). Hier fällt allerdings
               ein ungewöhnlich hoher Anteil an ausländischen Senioren auf.

               In der Minderheit befinden sich am Bergsteig auch die deutschen
               Kinder und Jugendlichen. Ihr Anteil beträgt 48 % gegenüber 83 %
               in ganz Amberg.

               Nach den anonymisierten Daten des Einwohnermeldeamtes weist
               das Untersuchungsgebiet 33,7 % 1-Personen-Haushalte auf, in
               37,5 % der Haushalte leben drei und mehr Personen. Bei diesen
               Werten sind keine große Abweichungen zu der Gesamtstadt
               festzustellen.
               Bei den 3- und mehr Personenhaushalten überwiegen die
               Aussiedler, während die deutschen Bewohner mehrheitlich in 1-
               oder 2-Personen-Haushalten leben.
               Die Alleinlebenden haben den größten Anteil unter den unter
               36jährigen, hier folgen die über 72jährigen mit 24 %.

               Von    den     Bewohnern       des   Bergsteigs    waren     zum
               Untersuchungszeitpunkt 40 % verheiratet, 44 % ledig, 9 %
               verwitwet und 7 % geschieden.         Vor allem der Anteil der
               geschiedenen Deutschen und Ausländer liegt mit 11 % bzw.
               10,4 % deutlich höher als in der Gesamtstadt (7,6 % bzw. 5,7 %).

               Die durchschnittlich im Haushalt lebende Kinderzahl ist am
               Bergsteig zwar nur geringfügig höher als im gesamten
               Stadtgebiet, im Detail betrachtet sind aber große Unterschiede zu


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               erkennen: der Anteil der "kinderreichen" Familien mit 3 und mehr
               Kindern ist hier mit 10,4 % deutlich höher (6,7 %). Bei diesen
               kinderreichen      Familien     dominieren      wiederum     die
               Aussiedlerfamilien.

               Im Vergleich zum gesamten Stadtgebiet mit 18,1 % weist das
               Untersuchungsgebiet mit 27,5 % eine wesentlich höhere Zahl an
               Alleinerziehenden auf.

               Die Arbeitslosenquote liegt mit 17,2 % im Stadtviertel am
               Bergsteig deutlich höher als in der Gesamtstadt mit 11, 4 %.
               Hierbei liegen die Deutschen nur geringfügig über den Zahlen von
               ganz Amberg während von den Aussiedlern deutlich mehr als im
               Vergleichsgebiet arbeitslos sind.

               Parallel dazu liegt die Sozialhilfedichte mit 8,7 % deutlich über
               dem Wert der Gesamtstadt mit 3,2 %. Im Vergleich zum
               Stadtgebiet liegt der Anteil der deutschen Sozialhilfeempfänger
               fast viermal so hoch während die Zahl bei den Aussiedlern gleich
               hoch ist (insgesamt aber deutlich über den Deutschen). Keine
               Sozialhilfe beziehen die am Bergsteig lebenden Ausländer.

               Neben der Zufriedenheit mit der Wohnung (s. 5.5.6) wurden die
               Bewohner auch zu ihrer Einstellung zum Wohnumfeld befragt,
               wobei konkrete Kritikpunkte abgefragt wurden. Am häufigsten
               wurden hier schlechte und zu wenige Spielplätze genannt, gefolgt
               von zu wenigen Parkplätzen und dem heruntergekommenen
               Erscheinungsbild der Gebäude.
               Die Kontakte zu den Nachbarn werden allgemein als gut bewertet.
               Auch die Zufriedenheit mit der Lebensqualität in ihrem Stadtviertel
               wird von den Bewohnern zwischen gut und befriedigend
               eingestuft.

               Befragt nach fehlenden infrastrukturellen Einrichtungen dominierte
               der Wunsch nach Arzt und Apotheker sowie mehr und schönere
               Spielplätze und einen Jugendtreff.

               Obwohl der Stadtteil Bergsteig erst vor wenigen Jahrzehnten
               entstanden ist liegt die mittlere Verweildauer der Bevölkerung bei
               11,4 Jahren, damit nur knapp unter dem Wert der Gesamtstadt mit
               12 Jahren. Demgegenüber steht eine hohe Fluktationsquote von
               15 %, in der Stadt Amberg beträgt sie 11 %. Eine Befragung der
               Bewohner zu ihren Umzugsabsichten ergab, daß 58 % auf keinen
               Fall fortziehen wollen, 24 % wollen auf jeden Fall den Stadtteil
               verlassen. Unter Letztgenannten sind am stärksten die Gruppe der
               Alleinerziehenden und der jungen deutschen Bewohner vertreten.
               Im Gegensatz dazu stehen die Zuzüge, bei denen die Aussiedler
               mit 40 % und die Ausländer mit 18 % vertreten sind.
               Aufgrund dieser Verhaltensmuster läßt sich deutlich die
               Entwicklung            zur          Segregation          erkennen.


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5.8            Gewerbe

               Die Gewerbebetriebe haben sich entlang der Bahnlinie
               angesiedelt. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um
               Produktionen, die in Industrienähe gebracht werden können: wie
               schon erwähnt die Glasfabrik, darüber hinaus das Betonwerk Voit
               sowie der Folienhersteller Forumplast. Direkt an der Bahn, auf
               Teilflächen der Flur Nr. 2024/ 11 hat ein Containerdienst seine
               Niederlassung. Hier wird Abbruchmaterial sortiert und recycelt.
               Ebenfalls auf Flur Nr. 2024/ 11 sind große Areale sowie eine Halle
               an einen Hersteller von Getränkekästen vermietet, der diese
               Flächen als Lagerplatz nutzt.

               Der Zulieferverkehr für diese Betriebe läuft ausschließlich über die
               Gerresheimer Straße, was zu einer starken Beeinträchtigung der
               Wohnungen führt. Die Bevölkerung beklagt vor allem die
               Lärmentwicklung. Außerdem ist die Straße nicht für die heute
               üblichen Lkws ausgelegt, durch die zusätzliche Parknutzung sind
               Konfliktsituationen vorprogrammiert.
               Vor allem das Umfeld des Betonwerks wird zusätzlich belastet
               durch erhebliche Staubemissionen.




                                                         Wohngebäude an der
                                                         Gerresheimer Straße
                                                         die gewerbliche
                                                         Nutzung reicht ohne
                                                         Puffer direkt bis an die
                                                         Wohngebäude heran




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               Wohngebäude an der Gerresheimer Straße
               die gewerbliche Nutzung reicht ohne Puffer direkt bis an die
               Wohnbebaung heran

               Bei den Gewerbebetrieben sind in nächster Zeit Veränderungen
               zu erwarten. Die Fa. Forumplast (Gerresheimer Straße 2) wird
               demnächst in Neubauten im Industriegebiet umziehen und den
               Standort am Bergsteig aufgeben. Die hier angemieteten Gebäude
               stehen dann zur Disposition. Vom Eigentümer wurde bereits
               Bereitschaft zum Verkauf signalisiert. Auch das Betonwerk Voit in
               der Egerlandstraße 6 trägt sich mit Neubaugedanken, bleibt aber
               vermutlich an dem Standort. Überdies ist auch der Mieter der
               Gebäude Rosenthalstraße 6 in Neubauten gezogen, die Flächen
               stehen ebenfalls leer.

               Die Umstrukturierung dieses Gebietes ist von größter Wichtigkeit
               für das weitere Werden des Bergsteigs. Hier bietet sich die
               Möglichkeit, neue Strukturen zu schaffen. Bei Beibehaltung der
               jetzigen Gewerbe- und Industrienutzung wird das Wohnen in
               Teilbereichen immer unattraktiver, die Segregation weiter
               fortschreiten. Mittel- und langfristig wirken sich die Gegebenheiten
               dieses Areals positiv oder negativ auf das gesamte Stadtviertel
               und seine nähere Umgebung aus. Daher muß der zukünftigen
               Nutzung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

               Durch den Metzgereibetrieb an der Danziger Straße entstehen
               Belästigungen (Geruch und Optik) die eine hochwertige Nutzung
               der umgebenden Grundstücke beeinträchtigen. Dieser zentral
               gelegene und darum für die Gesamtentwicklung interessante
               Bereich, kann durch eine Auslagerung des Betriebs eine
               erhebliche Aufwertung erfahren.




Architektur-Werk-Stadt                     73
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5.9            Baugrund und Altlasten

               Durch die Lage an der Bahn, die Kaserne und die
               Rüstungsbetriebe wurde das gesamte Areal im 2. Weltkrieg häufig
               bombardiert, bis weit in die 60er Jahre waren Bombentrichter
               vorhanden.
               Nach dem Krieg wurden am Bergsteig große Bereiche und auch
               die Bombentrichter mit Trümmerschutt aus der gesamten Stadt
               aufgefüllt, auch Aushubmaterial wurde eingebracht.

               Ein Blick in nachstehende Karte zeigt, daß vor allem an der
               Breslauer Straße Munitionslager vorhanden waren. Durch die
               IBAG wurden im Frühjahr 2000 Verdachtsflächen für
               Rüstungsaltlasten ausgewiesen, ebenso wurde eine Einschätzung
               des möglichen Gefährdungspotentials abgegeben.

               Über      weitere  bodenbelastende     Stoffe     liegen   keine
               Untersuchungen vor, jedoch kann aufgrund der intensiven
               industriellen Nutzung davon ausgegangen werden, daß
               Verunreinigungen vorhanden sind.
               Vor allem auf dem Areal der ehemaligen Flaschenhütte, jetzt noch
               von der Fa. Forumplast genutzt, werden Altlasten vermutet.

               Zu erwähnen sind noch die ehemaligen Bunker, die sich zwischen
               den Gebäuden Breslauer Straße 46 und 58, 58 und 66 sowie
               neben Nr. 66 befinden. Ein Bunker wurde bereits aufgefüllt, in den
               andern werden von den Hausmeistern Streugut für den
               Winterdienst und Arbeitsgerät gelagert.

               Über Lärmemissionen der Bahn sind keine               Messungen
               vorhanden, sie müssen bei Bedarf erstellt werden.




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6.             MASSNAHMENKONZEPT UND SANIERUNGSZIELE

6.1            Zielvorstellungen

               Hauptziel einer Neuordnung ist, die bereits begonnene
               Segregation zu stoppen. Dazu ist eine Aufwertung des gesamten
               Stadtviertels notwendig, eine Verbesserung des Images und der
               Akzeptanz in der Gesamtstadt. Darüber hinaus sollen neue
               Bewohner in das Viertel am Bergsteig gezogen werden und die
               soziale Brisanz entschärft werden. Ein "Übergreifen" der
               Problematik auf angrenzende Stadtviertel wie zum Beispiel das
               Milchhofviertel ist unbedingt zu verhindern. Bei der
               nahegelegenen Barbaraschule ist es bereits zu einer spürbaren
               Imageverschlechterung gekommen.
               Im Sinne der Agende 21 wird eine nachhaltige Entwicklung durch
               räumliche Planung und Koordination angestrebt.

               -   Die Wohnfunktion des Kerngebiets soll erhalten bleiben,
                   Störungen durch Gewerbe und Verkehr vermindert werden.
                   Wichtig ist, ein Wohnungsangebot zu schaffen das die
                   soziodemographischen Strukturen verbessert ohne die
                   angestammte Bevölkerung zu verdrängen.

               -   Stärkung der Infrastruktur, Angebote im sozialen Bereich
                   müssen erweitert werden

               -   Aufwertung des Wohnumfelds, Verbesserung der Freiraum-
                   gestaltung und -ausstattung

               -   Verbesserung der verkehrstechnischen Anbindung          des
                   Stadtviertels an die Gesamtstadt und die Umgebung

               -   Lösung der Probleme des ruhenden Verkehrs Hier ist von
                   einer zukünftig stärkeren Motorisierung auszugehen.

               -   Entlang der Sportplätze und der Kleingartenanlage soll als
                   Puffer zum Gewerbegebiet ein durchgehender Grünbereich
                   geschaffen werden, der seine Fortsetzung auch innerhalb der
                   Wohnbebauung und entlang der Bahn findet.

               -   Neuordnung des Gewerbegebiets. Hier ist eine gemischte
                   Nutzung vorstellbar, die Wohnen, Dienstleistung, Gewerbe und
                   Grünflächen verbindet.

               -   Durch die Modernisierung der vorhandenen Gebäude und der
                   Neuordnung des Stadtviertels sind die Voraussetzungen
                   gegeben,    eine    umweltverträgliche  Energieversorgung
                   aufzubauen.



Architektur-Werk-Stadt                    77
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               -   im Sinne der Agenda 21:
                    • sparsamer Umgang mit erschlossenen Bauflächen
                    • Nutzung brachfallender und brachliegender Flächen
                    • Sanierungsmaßnahmen zur Energieeinsparung
                    • Beseitigung von Lärm- und Schadstoffbelastungen
                    • Erneuerung in sozialen Brennpunkten

               Nachfolgend ohne Wertung eine Aufstellung der Wünsche der
               Bevölkerung, die bei der Ideenbörse am 26. Juli 2000 geäußert
               wurden:

               Wohnen:
               Holzbaracken an der Breslauer Straße abbrechen.
               Wohnblöcke an der Breslauer Straße und Polizeiblock (Claudiweg
               54 - 60) abbrechen, alle andern Gebäude sanieren
               neue Wohnhäuser mit Mietwohnungen
               Balkon und Terrasse für jede Wohnung
               keine freistehenden Einfamilienhäuser
               Doppel- und Reihenhäuser sind denkbar, aber nicht massiert
               (Ghettobildung)
               an altengerechtes und betreutes Wohnen denken
               bei Sanierungen Verbesserung der technischen Ausstattung (Bad,
               Heizung)
               Kellerraum für Fahrräder

               Erhalt des bestehenden Spielplatzes zwischen Königsberger
               Straße und Claudiweg
               Kinderspielplätze nach Altersgruppen trennen
               neue Kleinkinderspielplätze
               neuer Jugendspielbereich
               keine Mietergärten
               Gebäude für Zweiräder, Wertstoffe

               Einzelhandel am Claudiweg muß erhalten werden
               Ansiedlung von Arzt und Apotheker

               Erholung, Freizeit und Sport
               Grünzone zwischen Sportheim Inter Bergsteig und Kleingärten
               Einrichtungen:      überdachter Sitzplatz als Treffpunkt
                                   Beachvolleyballfeld
                                   Streetballanlage
                                   Skateranlage
                                   Bolzplatz
               Gewerbenutzung als Puffer zwischen Sportbereich und Wohnen
               Unterhalt durch Stadt Amberg
               Ausbau Sportheim mit Billard- und Tischtennisraum
               Verlegung von Teilen der Kleingartenanlage, Neubau
               Vereinsheim, Anlage von Parkplätzen und Kinderspielplatz
               gesonderte Fläche für Kleintierzüchter



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               Erhalt des bestehenden Spielplatzes zwischen Königsberger
               Straße und Claudiweg
               Aufwertung und bessere Pflege der Grünfläche vor der Ladenzeile
               Claudiweg
               Sanierung Seelöwenbrunnen (bereits umgesetzt)
               Fläche für größere Feste und Veranstaltungen in der Nähe des
               Vereinsheimes
               neue Fuß- und Radwegverbindungen erscheinen nicht notwendig
               erhöhter Bedarf an Parkplätzen bei Vereinsheim, Ladenzeile und
               Kleingartenanlage

               Einsetzung eines Sozialarbeiters vor Ort

               Begegnungsorte
               Abbruch der Baracken steht außer Frage, dadurch neue Räume
               für   evangelische und orthodoxe Kirche
                     Sozialdienst     kath.    Frauen    (Hausaufgabenhilfe,
                     Kinderbetreuung)
               Ausweitung der Aktivitäten des SkF: Kochkurse, Treffen für
               Frauen und Senioren
               Raum für kleinere Veranstaltungen
               Raum für Jugendliche, Nähe zum Sportheim vorteilhaft
               Betreuer für Jugendliche

               Erhalt des bestehenden Spielplatzes zwischen Königsberger
               Straße und Claudiweg; soziale Kontrolle und gute Erreichbarkeit
               wichtig
               kein Kleinkinderspielplatz im östlichen Grünzug oder in Nähe der
               Kleingartenanlage

               Standort Kommunikationszentrum:
               ehem. Supermarkt zu abgelegen
               Gaststätten am Claudiweg fehlen bauliche Substanz und
               Stellplätze
               Ladenzeile oder Wohnung in bestehenden Gebäuden nur
               Zwischenlösung, Zugang über Stufen
               Sportheim Inter Bergsteig nicht zentral genug
               ideal: Grundstück Claudiweg/ Ecke Breslauer Straße




Architektur-Werk-Stadt                     79
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


6.2            Verkehr

               Ziel muß es sein, das Viertel am Bergsteig besser in das
               Stadtgebiet und die Umgebung einzubinden. Dadurch wird auch
               die räumliche Isolation des Gebiets gemildert und eine
               Reduzierung der Belästigung für die Wohnnutzung durch den
               Schwerlastverkehr erreicht. Darüber hinaus sollen die Straßen
               ihrer Wertigkeit gemäß umgebaut werden und das Fußwegenetz
               abseits der Straßen ausgebaut werden.
               Nicht zu vergessen ist ein ausreichendes Angebot an Parkplätzen,
               wobei der zukünftige Motorisierungsgrad beachtet werden muß.


6.2.1          Erschießung

               Die Gerresheimer Straße und im Anschluß die Rosenthalstraße
               werden auch in Zukunft als Erschließungsstraßen für die Zufahrt
               aus dem Stadtgebiet fungieren. Wichtig ist ein Weiterbau der
               Rosenthalstraße in Richtung Osten (Franzosenäcker) und damit
               ein Anschluß an das überörtliche Verkehrsnetz. Dadurch kann die
               Gerresheimer Straße im Bereich der Leopoldkaserne vom
               Zielverkehr entlastet werden und eine entsprechende Rückstufung
               erfolgen.

               Ganz besondere Bedeutung kommt einer Anbindung an die im
               Gemeindebereich Kümmersbruck geplante Südtangente zu. Durch
               eine Bahnüberführung westlich oder alternativ auch östlich der
               Glasfabrik könnte die Isolation des Viertels auch nach Süden
               aufgebrochen werden. Der Gewerbegürtel entlang der Bahnlinie
               zwischen der Kaserne und dem Glaswerk wird so ohne
               Beienträchtigung für das dem Wohnen vorbehaltene Kerngebiet
               erschlossen und so die Wohnsituation erheblich verbessert.
               Dadurch wird eine erhebliche Stärkung der Wohnnutzung entlang
               der bis jetzt vom Verkehr stark belasteten Straßen erreicht.

               Desweiteren sollte bis zu einer Realisierung dieses
               Straßenteilstücks ,das Gewerbegebiet im Westen der Kaserne
               (unabhängig von der Zufahrt für das Wohngebiet über die
               Gerresheimer Straße) entlang der Bahnlinie angebunden werden,
               um die vorher genannten Vorteile bereits zu einem früheren
               Zeitpunkt zu erreichen.

               Für eine bessere Erreichbarkeit des Stadtviertels ist es auch
               wichtig, die beiden Zufahrten von der Leopoldstraße aus
               verkehrstechnisch und gestalterisch zu verbessern. Vor allem die
               Zufahrt über die Gerresheimer Straße muß zusammen mit der
               Barbarastraße als Kreuzung ausgebildet werden. Diese Zugänge
               zum Stadtviertel sollen auch optisch aufgewertet werden,
               vorstellbar ist ein Baumtor.



Architektur-Werk-Stadt                    80
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG




               Zufahrt über die Gerresheimer Straße




               Zufahrt über den Claudiweg

               Alle anderen Straßen sollen verkehrsberuhigt ausgebaut werden,
               auch bei Gerresheimer und Rosenthalstraße ist eine Verringerung
               der Fahrbahnbreite denkbar und wünschenswert.
               In den verkehrsberuhigten Bereichen ist ein gleichberechtigtes
               Miteinander von Fahrzeugen und Fußgängern erstrebenswert,
               ebenso eine Begrünung des Straßenraums.
               Um die Entwicklung von Schleichverkehr zu unterbinden dürfen
               weder Königsberger noch Breslauer Straße einen Anschluß an die
               Erschließungsstraße der Franzosenäcker erhalten, wobei natürlich
               eine fußläufige Anbindung wünschenswert ist.



Architektur-Werk-Stadt                      81
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG




               Für eine bessere fußläufige Verflechtung in die Umgebung wird
               außerdem vorgeschlagen, über die Bahn hinweg Anbindungen zu
               ermöglichen sowie ein unabhängiges Fußwegenetz innerhalb des
               entlang der Bahnlinie vorgeschlagenen Grüngürtels. Diese werden
               zwar von der Bevölkerung , die an der Ideenbörse teilgenommen
               haben, nicht für nötig erachtet, erscheinen aber hinsichtlich der
               Erreichbarkeit von Versorgungseinrichtungen auch in der
               Gemeinde Kümmersbruck und Naherholung            (Landesgarten-
               schaugelände, Haidweiher) sinnvoll. Vor allem für die Ansiedlung
               von neuen Bewohnern kann dies von Bedeutung sein.




Skizze vorgeschlagene Verkehrsführung, ohne Maßstab

lila:                übergeordnete Erschließung
orange:              Haupterschließung
gelb:                innere Erschließungsstraßen




Architektur-Werk-Stadt                    82
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


6.2.2          Ruhender Verkehr

               Im gesamten Untersuchungsgebiet (Wohnbebauung) ist ein
               Stellplatzdefizit vorhanden. Durch die derzeitigen Leerstände
               vieler Wohnungen tritt dies nicht offen zu Tage, äußert sich aber
               deutlich in den Wünschen der Bewohner. Wichtig ist ihnen auch
               ein eindeutig einer Wohnung zugeordneter Stellplatz, der
               überdacht, besser noch absperrbar ist. Bei der Ideenbörse wurde
               deutlich, daß ein Parkplatz im Straßenraum nicht als Stellplatz
               akzeptiert wird.
               Nicht zu vergessen ist, daß auch der Ladenzeile sowie den
               infrastrukturellen Einrichtungen wie SkF und Kirche sowie dem
               Sportheim keine Parkplätze zugeordnet sind.

               Für eine Ermittlung des zukünftigen Stellplatzbedarfs wurden für
               Teilbereiche verschiedene Varianten der Bebauung und der
               Parkierungsanlagen untersucht. Bei Mehrfamilienhäusern wurde
               von einem Stellplatz je Wohneinheit ausgegangen, bei
               Einfamilienhäusern von zwei Stellplätzen/ Wohneinheit. Die
               notwendigen Besucherstellplätze können im Straßenraum
               untergebracht werden.

               Grundsätzlich wird davon ausgegangen, daß in den Höfen
               zukünftig keine Parknutzung mehr zugelassen wird und störende
               Stellplätze und Garagen, wie z.B. die Wellblechgaragen, entfernt
               werden.

               Stellplatzbilanz:

                Anzahl der Wohneinheiten auf den Flächen des Bundesvermögensamts

                Bestand:                                  441 WE
                Planung Büro Balzer:                      348 WE
                (Erhalt aller Gebäude)
                Vorschläge Architektur-Werk-Stadt:
                Schätzung bei Erhalt aller Gebäude:       272 WE    (171 + 101)
                (100 m² BGF/ WE)
                Version I                                 285 WE    (171 + 90 + 24)

                Version II                                292 WE    (171 + 85 + 36)

                Version III                               254 WE (171 + 67 + 16)
                                                          (296 incl. "Koch-Bauten")

                aufgestellt: 11. 09. 2000
                Architektur-Werk-Stadt




               Die Planungsvarianten zeigen deutlich, daß nur mit konzentrierten
               Parkanlagen die notwendige Stellplatzzahl erreicht werden kann,
               denkbar sind Garagenhöfe sowie Parkdecks. Als Standort für ein
               Parkdeck    bietet   sich   die    Fläche    im     Osten    des


Architektur-Werk-Stadt                          83
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


               Untersuchungsgebiets an, hier sind bei einer geschickten
               Ausnutzung der Höhenlage auch zwei Geschosse möglich.
               Darüber hinaus ist eine Erschließung von Breslauer Straße und
               Rosenthalstraße aus denkbar. Ein weiterer Standort wäre auf dem
               jetzigen Gewerbegebiet, westlich im Anschluß an das Gelände der
               Glasfabrik. Dadurch entstünde ein Puffer zwischen Gewerbe und
               möglicher Wohnbebauung.

               Stellplätze fehlen auch im Bereich Königsberger-/ Karlsbader
               Straße. Hier sind keine Möglichkeiten gegeben, diese auf den
               Grundstücken auszuweisen. Auch hier wird vorgeschlagen, im
               Zuge der Neuordnung des gesamten Gebiets eine zentrale
               Parkierungsanlage zu errichten.

               Daneben fehlen beim Sportheim des Inter Bergsteig die
               Stellplätze. Im Bebauungsplan "Franzosenäcker" ist ein Parkplatz
               vorgesehen, es wird vorgeschlagen ihn über die Straße "Am
               Bergsteig" zu erschließen. Dadurch wird der Zielverkehr in den
               Erschließungsstraßen verringert. Bei Veranstaltungen         mit
               erheblichen Besucherzahlen (Fußballspiele) ist vorgesehen, den
               Parkplatz des Einkaufszentrums zu nutzen.

               Keine Stellplätze weist auch das Kirchenumfeld auf. Bei einer
               Umgestaltung der Königsberger Straße entfällt ein Teil der im
               Straßenraum befindlichen Parkplätze, so daß empfohlen wird, auf
               Kirchengrund einige Parkmöglichkeiten anzulegen.




               Gerresheimer Str. Vorschlag Parken o.M., Version I




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                Gerresheimer Str. Vorschlag Parken o.M., Version II




                Gerresheimer Str. Vorschlag Parken o.M., Version III




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  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG




               Rundbau Rosenthalstraße Parken o.M., Version I




               Rundbau Rosenthalstraße Parken o.M., Version II



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  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG




Neuordnung Breslauer Straße – Rosenthalstraße Parken Version I, o.M.




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  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG




Neuordnung Breslauer Straße – Rosenthalstraße Parken Version II, o.M.




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Neuordnung Breslauer Straße – Rosenthalstraße Parken Version III, o.M.




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  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


6.2.3          Straßenraum

               Die Straßen sind derzeit reine Verkehrsflächen ohne
               Aufenthaltsqualität. Die Fahrbahnbreite erlaubt nahezu überall
               Parken entlang der Straße, beidseitig sind Gehwege vorhanden.
               Der östliche Teil der Königsberger Straße ist nur behelfsmäßig
               ausgebaut ohne Gehweg, der nördliche Teil des Claudiweg (nicht
               mehr im Untersuchungsgebiet) ist verkehrsberuhigt ausgebaut.

               Vorgeschlagen wird, die Straßen Zug um Zug umzugestalten.
               Vordringlich ist hier die Königsberger Straße ab Kreuzung
               Claudiweg. Nachdem diese als Erschließung der Kirche Hl.
               Familie und des Kindergartens dient wäre es wünschenswert die
               Königsberger Straße unter diesen Gesichtspunkten zu gestalten.

               Der Vorplatz der Kirche schließt sich im jetzigen Zustand zum
               Straßenraum hin völlig ab. Eine Öffnung zu einem Platz vor der
               Kirche unter Einbeziehung der Gesamtgestaltung der Kreuzung
               Claudiweg / Königsberger Straße und des gesamten
               Straßenraums ist wünschenswert. Der östliche Teil der bis jetzt
               nicht ausgebaut ist, sollte unter Berücksichtigung der Sicherheit
               der Kinder zu den Bring- und Abholzeiten am Kindergarten
               möglichst verkehrsberuhigt ausgebaut werden.




               Zugangsituation Kirche Hl. Familie




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  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG




               Königsberger Straße hinter Sportheim mit Blick auf die Kirche

               Als Erschließungsstraßen werden weiter die Gerresheimer Straße
               und die Rosenthalstraße fungieren. Hier sollte ein Rückbau der
               Fahrbahnbreite erwogen werden zu Gunsten eines durchgängigen
               Grünstreifen und eines Geh- und Radwegs. Dieser Rückbau kann
               erst nach einem Anschluß der Rosenthalstraße an das
               Straßennetz der Franzosenäcker durchgeführt werden.




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  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG




               Straßenprofil Rosenthalstraße

               Alle anderen Straßen können verkehrsberuhigt ausgebaut werden.
               Dies bedeutet, daß eine etwa 5.50 m breite Mischfläche entsteht,
               die von Fußgängern und Fahrzeugen benutzt wird. Außerdem ist
               ein Parkstreifen für Längsparker notwendig, der von Bäumen
               unterbrochen wird.
               Am Kreuzungspunkt Claudiweg/ Breslauer Straße wird
               vorgeschlagen, einen kleinen Platz anzulegen um die
               Mittelpunktfunktion dieser Stelle zu unterstreichen. Diese Stelle
               hat sich bereits als Treffpunkt etabliert, durch eine eindeutige
               Ausbildung als Mitte kann auch das Ladenzentrum gestärkt
               werden.




                                                     Skizze Vorschlag Citypoint
                                                     mit Kinderspielplatz und
                                                     Seniorenwohnen auf dem
                                                     zentralen Grundstück an
                                                     der Breslauer Straße nach
                                                     Abbruch der Baracken. Am
                                                     Kreuzungspunkt        der
                                                     Sraßen Ausbildung eines
                                                     Platzes.



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               Eine Möblierung des Straßenraums mit Bänken, Mülleimern etc.
               ist nicht notwendig, Sitzmöbel sollen nur an ausgesuchten Plätzen
               aufgestellt werden.




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6.3            Wohngebiet


               Das Wohnen soll im Untersuchungsgebiet gestärkt werden.
               Wichtig ist, eine bessere Durchmischung der Bevölkerungsstruktur
               zu erreichen, was mit einem unterschiedlichen Angebot an
               Wohnungen erreicht werden kann. Die beginnende Segregation
               und der Bevölkerungsschwund wird dadurch ebenfalls gestoppt
               und die negativen Auswirkungen auch auf angrenzende
               Stadtviertel werden gemindert.

               Nachdem das Stadtviertel geprägt wird durch die Wohngebäude
               und den Städtebau der 50er Jahre soll dieses Grundkonzept in
               wenigen Teilen erhalten bleiben.
               Eine Nachverdichtung entlang der Gerresheimer- und Breslauer
               Straße ist aus städtebaulicher Sicht durchaus möglich, wobei
               durch den aktuellen Leerstand der Wohnungen im Momemt kein
               Bedarf besteht. Nach einer erfolgten Imageverbesserung und im
               Falle daraufhin erhöhter Nachfrage nach Wohnraum wären
               straßenbegleitende zusätzliche Gebäude vorstellbar.

               Grundsätzlich muß das Wohnungsangebot im Falle einer
               Sanierung im Bestand den heutigen Erfordernissen unter
               Berücksichtigung der nachfolgenden Punkte angeglichen werden.

               •   Wohnungszuschnitt den heutigen Bedürfnissen anpassen
               •   Verbesserung Wärme- und Schallschutz
               •   Verbesserung der Energieversorgung
               •   Angebot von Balkon oder Freisitz
               •   Angebot von Stellplatz oder Garage

               Das Gutachten des Büros Balzer zeigt, daß dies nur mit
               erheblichen Investitionen zu tätigen ist und das Ergebnis trotz
               Einsatz erheblicher finanzieller Mittel in einigen Punkten, wie
               Schallschutz und Wohnungszuschnitt nicht dem gewünschten Ziel
               entspricht. Vorgeschlagen wird daher, die Gebäude nur in
               Teilbereichen zu sanieren und in vertretbarem Maß abzubrechen
               und somit Platz für Neubauten und einer damit verbundenen
               wesentlichen Steigerung des Wohnwertes und                 einer
               Imageverbesserung Raum zu geben.

               Hier wäre es wünschenswert, daß auf die in der Bestandanalyse
               festgestellten räumlichen und städtebaulichen Werte und die für
               die Bevölkerung zur Identifikation mit ihrem Viertel genannten
               Aspekte, wie z. B. dem Rundbau an der Rosenthalstraße,
               Rücksicht genommen wird.

               Für sozial schwache Bevölkerungsgruppen des Bergsteigs muß
               bezahlbarer Wohnraum erhalten bleiben, um eine Vertreibung
               dieser Schichten aus ihrem Viertel zu vermeiden. Es bietet sich


Architektur-Werk-Stadt                    94
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


               eine Mischung aus Geschoßwohnungsbau und verdichteter
               Einfamilienhausbebaung an. Um eine Ghettoisierung zu
               vermeiden, muß bei einer künftigen Bebauung darauf geachtet
               werden, daß Geschoßwohnungen und Einfamilienhäuser
               durchmischt werden. Aus sozialen Erwägungen und um
               einkommensschwachen Schichten den Zugang zum Eigentum zu
               ermöglichen, bieten sich Angebote, wie die Errichtung von
               Gebäuden auf Grundstücken in Erbpacht bzw. alternative
               Förderwege an, die insbesondere für ein Sanierungsgebiet
               innerhalb des Bund-Länder Programms „Soziale Stadt“ zum
               Tragen kommen sollten.

               Zur Erhaltung des städtebaulich räumlichen Gefüges mit den
               Gebäuden Claudiweg 46 – 52 ( Ladenzeile ) und 54 – 60 (
               Postbau ) sollte auch das Wohngebäude Breslauer Straße 6 – 10
               saniert bzw. durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt
               werden, alle anderen Gebäude entlang der Breslauer Straße
               stehen für eine völlige städtebauliche Neuordnung zur Disposition.
               Das hier gewonnene freie Areal bietet die Möglichkeit, Wohnraum
               für neue Bevölkerungsschichten zu schaffen. Hochwertige
               Mietwohnungen, Eigentumswohnungen und im begrenzten
               Umfang Reihenhäuser sind hier vorstellbar. Gebäudehöhe und
               Dachneigung sollen der ursprünglichen Bebauung angeglichen
               sein, eine Abstufung in Richtung Ortsrand ist durchaus vorstellbar.
               Eine Entwicklung wie bei den gegenüberliegenden Reihenhäusern
               muß vermieden werden. Bei einer Neubebauung muß auch das
               Problem Parken gelöst werden, sei es durch Tiefgaragen oder ein
               Parkdeck im Osten des Areals, wünschenswert ist ein Angebot
               auch für bestehende Wohnungen. Nicht vorstellbar sind aus
               städtebaulicher und soziologischer Hinsicht auf diesem Gelände
               freistehende Einfamilienhäuser.

               Um möglichst vielfältige Lösungsansätze zu erhalten ist zu
               überlegen, ob ein Wettbewerb oder alternativ ein Plangutachten
               durchgeführt werden sollte.

               Unbedingt abgebrochen werden sollen die Gebäude Breslauer
               Straße 9 - 13 sowie das Versammlungsgebäude der ev. Kirche.
               Diese sogenannten Baracken stammen noch aus der
               unmittelbaren Nachkriegszeit und sind in einem sehr schlechten
               Zustand. Auch die technische Ausstattung entspricht in keinster
               Weise mehr dem heutigen Standard. Durch die zentrale Lage
               kann das Grundstück nach einem Abbruch der Baracken einer
               hochwertigeren Nutzung zugeführt werden, vorstellbar ist, daß hier
               die neue Mitte des Bergsteigs entsteht: durch die Nähe zur
               Ladenzeile ist dieses Gebiet stark frequentiert, somit der ideale
               Standort    für    ein  Kommunikationszentrum.       Auch      die
               Räumlichkeiten des SkF können hier untergebracht werden, eine
               Erweiterung des sozialen Angebots (nicht nur des SkF) ist



Architektur-Werk-Stadt                     95
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


               vorstellbar. Der vorhandene Kinderspielplatz kann umorganisiert
               und so weiter genutzt werden.

               Nachfolgend das Raumprogramm für ein Kommunikationszentrum
               und Seniorenwohnungen, das entweder zusammen oder auch
               getrennt im Viertel realisiert werden kann. Hier wäre auch ein
               Standort an der Königsberger Straße innerhalb der bereits
               bestehenden     „sozialen   Schiene“     denkbar.   Auch      eine
               Aufgliederung in ein sozial-kulturelles und ein sportlich-soziales
               Begegnungszentrum ist vorstellbar.
               Der Flächenbedarf für den Citypoint wurde nach den Wünschen
               und Erfordernissen der zukünftigen Nutzer, die momentan in den
               Baracken untergebracht sind, ermittelt (Stand September 2000).

               1. Kommunikationszentrum

               1.1 Sozialdienst Kath. Frauen SKF

                     2 x 15,0 m²                                   30,0
                     2 x 25,0 – 30,0 m²                            60,0
                     1 x 20,0 m²                                   20,0
                     Küche                                         15,0
                     Abstellraum                                   10,0
                     Wirtschaftsraum                               20,0
                     Unterrichtsraum 12 Pers.                      25,0
                     Büro                                          15,0
                     WC                                            10,0

                         HNF 1 m²                                  235,0

               1.2 Kirchengemeinden, evangelisch und russisch-orthodox

                     Versammlungsraum 50 Personen                  50,0
                     Abstellraum                                   10,0

                     HNF 2 m²                                      60,0

               1.3 Allgemeine Räume

                     Raum für Familienfeiern teilbar               50,0
                     Abstellraum                                   10,0
                     eventuell: Büro Sozialarbeiter                15,0
                     WC                                            15,0
                     Haustechnik                                   10,0

                     HNF 3 m²                                     100,0

               HNF 1-3 Gesamt (75%)                               395,0
               Nutzfläche (100%)                                  500,0
               Bruttogeschoßfläche (115%) m²                      575,0


Architektur-Werk-Stadt                      96
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


               2. Flächenbedarf Seniorenwohnen

                     80 Plätze insgesamt
                     davon 40 Plätze betreutes Wohnen
                     davon 40 Plätze Altenheim

               Bruttogeschoßfläche m²                          4000,0

               Diese geschätzte Flächenaufstellung zeigt, daß eine Realisierung
               der drei Bereiche Kommunikationszentrum, Spielplatz und
               Seniorenwohnen auf dem durch Abbruch der Baracken frei
               werdenden Areal vom Flächenbedarf her vorstellbar wäre.

               Bei den Wohngebäuden neueren Datums kann davon
               ausgegangen werden, daß die Bausubstanz in gutem Zustand ist
               und auch der Wohnungszuschnitt den heutigen Bedürfnissen
               entspricht. Diese Gebäude sollen modernisiert und instandgesetzt
               werden, vordringlich ist hier eine Verbesserung des
               Wärmeschutzes.

               Im Zuge einer Neustrukturierung des Stadtviertels und im Sinne
               der Nachhaltigkeit sollte auch die Brachfläche nördlich der
               Rosenthalstraße bebaut werden. Dies kann erst nach der
               Neuorganisation der bestehenden Bebauung und dem Weiterbau
               der Rosenthalstraße geschehen, würde aber dem Bergsteig neue
               Bevölkerungsgruppen erschließen.

               Außerdem wird vorgeschlagen, das Areal der Metzgerei Schittko
               sowie des ehemaligen Supermarkts (jetzt Spielhalle) neu zu
               ordnen und einer Wohnbebauung – eventuell auch für die
               Senioren diese Stadtteils - zuzuführen.

               Als Puffer zu den Gewerbegebieten, die sich wie ein Ring um das
               dem Wohnen vorbehaltene Kerngebiet legen, ist jeweils eine
               Mischfläche geplant. Zur Erschließungsstraße auf den
               Franzosenäckern sollte in jedem Fall ein Grünzug angelegt
               werden, der entweder selbst als Puffer wirkt und Sport- und
               Freizeiteinrichtungen für Jugendliche aber auch alle übrigen
               Altersgruppen enthält, bzw. alternativ in Verbindung mit einer
               Mischfläche ausgebildet wird.




Architektur-Werk-Stadt                    97
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


6.4            Gewerbegebiet

               Eine umfassende Neuordnung ist langfristig im Gewerbegebiet
               erforderlich, die bestehende Bebauung wird größtenteils zu
               beseitigen sein. Die Gewerbenutzung kann beibehalten werden,
               es sollten aber möglichst Firmen aus den Bereichen Handwerk,
               Kleingewerbe und Dienstleistung angesiedelt werden. Vorstellbar
               ist auch ein Handwerkerhof oder ein Gründerzentrum, das
               Betriebsgründern Flächen und Infrastruktur zur Verfügung stellt.
               Als Puffer zum reinen Wohngebiet wird eine gemischte Baufläche
               vorgeschlagen, in der die Möglichkeit für Wohnen und Arbeiten
               besteht.

               Derzeit haben sich hier einige Industriebetriebe niedergelassen,
               wobei zwei dieser Firmen in nächster Zukunft in Neubauten in das
               Industriegebiet umsiedeln werden. Große Flächen werden als
               Lagerplatz genutzt, in unmittelbarer Bahnnähe hat eine
               Recyclingfirma ihr Containerlager. Wünschenswert wäre langfristig
               auch die Umsiedlung der Fa. Voit, die sich momentan jedoch mit
               Neubaugedanken auf ihrem Grundstück trägt

               Einzig die Kristallglasfabrik wird nicht zur Disposition stehen.

               Betrachtet man dieses Gewerbegebiet genauer so erschließen
               sich seine Vorzüge: Süd - West - Ausrichtung der Grundstücke,
               leichte Hanglage, Blickbeziehung sowohl zur Innenstadt mit
               Mariahilfberg und ins Vilstal. Alle versorgungstechnischen
               Einrichtungen wie Kanal, Strom und Wasserversorgung sind
               gegeben. Als Störfaktor wird die Bahnlinie Amberg - Schwandorf
               gelten, für die keine Lärmemissionen bekannt sind.

               Bei einer Neuordnung darf die Altlastenproblematik nicht außer
               acht gelassen werden: zunächst war hier im Norden im Anschluß
               an die Leopoldkaserne der Standort der Flaschenhütte, auch
               Rüstungsaltlasten sind hier zu vermuten. Außerdem wurden die
               hier vorhandenen Bombentrichter teilweise auch mit Schutt
               zerstörter Gebäude aufgefüllt. Vor einer Überplanung des Gebiets
               sind demnach erst dementsprechende Untersuchungen
               durchzuführen.

               Vorstellbar ist, daß langfristig hier ein neues Stadtviertel entsteht
               mit einer Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Dienstleister, auch
               ein kleines Gründerzentrum ist denkbar. Näher untersucht wird
               hier exemplarisch eine Umsiedlung der Metzgerei Schittko aus
               dem Wohngebiet in dieses Mischgebiet.

               Das gesamte Areal bietet die einmalige Gelegenheit,
               Leitgedanken der Agenda 21, vor allem hinsichtlich den Prinzipien
               zu Siedlungstätigkeit und Umwelt, in die Tat umzusetzen.



Architektur-Werk-Stadt                       98
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


               So werden Lärm- und Schadstoffbelastung für die Bevölkerung
               beseitigt, brachfallende Flächen einer neuen Nutzung zugeführt.
               Durch die Bebauung erschlossener Gebiete wird einer weiteren
               Siedlungstätigkeit am Stadtrand Einhalt geboten. Darüber hinaus
               wird durch die Ansiedlung neuer Bevölkerungsgruppen der
               Segregation Einhalt geboten, langfristig tritt ein Imagewechsel des
               Stadtviertels ein.




Architektur-Werk-Stadt                     99
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG




6.5            Infrastruktur

6.5.1          Öffentliche Versorgung

               Das Angebot der öffentlichen Versorgung kann im Stadtviertel
               noch gesteigert werden indem das Potential der vorhandenen
               Sozialdienstleistungen genutzt wird.

               Vorstellbar ist entlang der Königsberger Straße eine "soziale
               Schiene" mit Ergänzung des Angebots durch Altenwohnungen,
               Altenheim oder betreutem Wohnen. Hier ist die unmittelbare Nähe
               zu Sozialstation und den kirchlichen Einrichtungen von Vorteil.
               Durch dieses Angebot kann einerseits die angestammte
               Bevölkerung des Stadtviertel im Alter in der gewohnten Umgebung
               bleiben, andererseits können so wohnungsnahe Arbeitsplätze
               geschaffen werden.

               Wie schon erwähnt kann auf der Flur Nr. 2024/ 76 (Claudiweg/
               Breslauer Straße) ein Stadtteilkommunikationszentrum entstehen.
               Untergebracht werden können hier die Einrichtungen des SkF mit
               Kinderbetreuung und Fortbildung sowie der Versammlungsraum
               der evangelischen und orthodoxen Kirche. Darüber hinaus sollte
               ein Anlauf und Treffpunkt geschaffen werden für Mütter, Senioren
               und sozial schwache Gruppen. Angedacht werden kann auch ein
               kleinerer Versammlungsraum mit Küchenzeile für Familienfeiern
               (siehe hierzu Raumprogramm unter Punkt 6.3 ).


6.5.2          Private Versorgung

               Die Geschäfte in der Ladenzeile am Claudiweg kämpfen mit
               erheblichem Umsatzrückgang. Durch den Bevölkerungsschwund
               am Bergsteig verringert sich auch die Kundenzahl, außerdem
               schwindet die Kaufkraft der verbleibenden Bewohner. Dem kann
               nur mit der Ansiedlung neuer Bevölkerungsschichten entgegen-
               gewirkt werden, durch neue und bessere Wohnungen. Noch läßt
               sich die Nahversorgung mit "ausreichend" bezeichnen, dennoch
               wird bei einem fortdauernden Rückgang des Umsatzes eine
               Aufgabe der Geschäfte nicht zu verhindern sein. Das
               Einkaufszentrum im Gewerbegebiet Franzosenäcker bietet hier
               keinen Ersatz (und kaum Konkurrenz) da es für die Dinge des
               täglichen Bedarfs fußläufig zu weit entfernt ist.

               Die Gastronomiebetriebe bieten keine große Angebotspalette,
               auch hier muß gesagt werden: solange die Bevölkerung nicht
               wieder zunimmt und eine bessere soziodemografische
               Durchmischung erfährt, solange kann auch kein Café oder eine
               Gastwirtschaft mit hochwertigerem Angebot von Bestand sein.



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  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG




               Gaststätte am Claudiweg

               Auch die von der Bevölkerung gewünschte Ansiedlung von Arzt
               und Apotheker läßt sich nur mit einer größeren Bevölkerungszahl
               bewerkstelligen.


6.5.3          Sport und Freizeit

               Das Sport- und Freizeitangebot wird im Stadtviertel größtenteils
               vom SV Inter Bergsteig (Fußball, Turnen, Ringer) abgedeckt,
               darüber hinaus existiert noch der Kleingartenverein.

               Die Ringersparte wurde erst vor kurzem auf Anregung eines
               Trainers gegründet. Diese Sportart ist vor allem in den
               osteuropäischen Ländern beliebt und bietet vor allem den
               Aussiedlern Möglichkeit zu sportlicher Betätigung und sinnvoller
               Freizeitgestaltung in allen Altersgruppen. Leider kommt es
               allerdings, vermutlich auch durch die Trennung der
               Räumlichkeiten, bis jetzt noch nicht zu einer angestrebten
               Integration der Ringer in das Vereinsleben des Sportvereins.




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  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG




               Trainingsraum Ringersparte in der ehemaligen Verkaufsbaracke
               von Rosenthal

               Für Jugendliche, die nicht im Verein organisiert sind, existiert kein
               Sport- und Freizeitangebot. Daher wird vorgeschlagen, durch die
               Anlage von Beachvolleyball- und Streetballplätzen sowie einer
               Skateranlage dieses Defizit zu verringern. Mit diesem Angebot für
               Trendsportarten können auch Jugendliche aus anderen
               Stadtteilen in den Bergsteig gezogen werden, was wiederum zur
               Imageverbesserung beiträgt. Bei der Anlage der Jugendbereiche
               ist unbedingt der Lärmschutz der angrenzenden Wohnbebauung
               zu beachten.

               Auch Spielplätze, Plätze zum Verweilen und ein Grillplatz sollten
               neu angelegt werden. Wie schon erwähnt ist es notwendig, die
               vorhandenen Spielplätze wieder instandzusetzen.

               Von einigen Bewohnern des Stadtviertel wird ein Gelände für
               Kleintierhaltung gewünscht. Da diese in der Kleingartenanlage
               nicht zulässig ist ist es empfehlenswert, hierfür ein Areal im
               Grünzug auszuweisen. Die genaue Lage kann erst festgelegt
               werden, wenn eine Ermittlung des Flächenbedarfs erfolgt ist.




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6.6            Grün- und Freiflächenkonzept

               Das Stadtviertel am Bergsteig ist bereits gut durchgrünt, der
               Bewuchs ist jedoch größtenteils ungepflegt und überaltert.
               Diese bestehenden Grünflächen - derzeit größtenteils im Besitz
               des Bundesvermögensamtes - sind zu erhalten, zu sanieren und
               in neu zu schaffende übergeordnete Grünzüge zu integrieren.
               Im Falle größerer Neubauareale ist es wünschenswert den
               Charakter der stark durchgrünten Wohnbebauung beizubehalten.
               Zu unterscheiden ist zwischen den grünen Wirtschaftshöfen, wie
               sie bei den Gebäuden des Bundesvermögensamtes zu finden sind
               und den reinen Grünflächen der übrigen Wohnblocks.
               Die Wirtschaftshöfe sollten umorganisiert werden um mehr
               Aufenthaltsraum zu erhalten. Dennoch sollen sie ihre Funktion als
               Wäscheplatz und Standort für Müllcontainer beibehalten, die
               Anordnung soll nicht wie bisher beliebig sein. Darüber hinaus
               sollten den Erdgeschoßwohnungen ein Freisitz zugeordnet
               werden und / oder Mietergärten geschaffen werden.
               In Teilbereichen sollen wohnungsnahe Kleinkinderspielplätze
               angelegt werden, die sich auch zu Treffpunkten der Bewohner
               entwickeln können.
               Die Grünflächen der Wohnblocks, die erhalten werden, müssen
               umgestaltet werden. Auch hier sollte versucht werden, durch
               entsprechende Bepflanzung die Aufenthaltsqualität zu steigern
               und Verweilbereiche zu schaffen. Auch müssen die
               Eingangsbereiche      mit   überdimensionierter     Versiegelung
               umgebaut werden.

               Das Fußwegenetz soll, abgekoppelt vom Straßennetz, in einem
               zusammenhängenden Grünzug geführt werden. Hier wird
               vorgeschlagen, parallel zur Breslauer Straße einen großzügigen
               Grünzug, beginnend am Claudiweg, anzulegen und ihn mit
               Fußweg und Verweilflächen nach Osten zu ziehen. Außerdem
               soll, beginnend bei den neuen Sportplätzen, eine Grünspange mit
               den verschiedenen Angeboten der Trendsportarten entstehen, die
               sich bis zum Gelände der Glasfabrik zieht. Hier entlang der Bahn
               kann der Vernetzungspunkt der inner- und überörtlichen Fuß- und
               Radwegverbindungen entstehen: zum einem nach Osten in
               Richtung Gärmersdorf, zum anderen nach Südwesten mit
               Bahnüberquerung und Anschluß an das Naherholungsgebiet
               entlang der Vils und dessen Anbindung an die Innenstadt. All
               diese Wege sollen in einem breiten Grünzug geführt werden.
               Entlang der Bahn übernimmt dieser auch die Funktion von Sicht-
               und Lärmschutz gegenüber einer möglichen Bebauung des
               Gewerbegebiets.

               Da im Stadtviertel auch weiterhin die Geschoßwohnungen
               dominieren werden, muß als Ausgleich für fehlende private
               Grünflächen auch der Straßenraum als Bewegungs- und


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  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


               Aufenthaltsraum betrachtet werden. Der öffentliche Straßenraum
               sollte verstärkt begrünt werden, bei ausreichender Straßenbreite
               (Rosenthalstraße) sollte ein durchgängiger Grünstreifen mit
               Bäumen angestrebt werden.
               Positiv ist in dieser Hinsicht zu bewerten, daß durch das
               Quartiersmanagement         der     Seelöwenbrunnen      wieder
               instandgesetzt wurde, hier ist ein Schritt zur Verbesserung der
               Aufenthaltsqualität getan worden.

               Die Kleingartenanlage liegt derzeit mit Verlauf von Nordwesten
               nach Südosten ungünstig am Rande des Untersuchungsgebiets.
               Die geplante Verlegung des nördlichen Teils der Gärten nach
               Südosten bietet die Möglichkeit, zum einen das Gewerbegebiet
               besser zu parzellieren. Außerdem bietet sich dadurch die
               Möglichkeit, die Anlage neu zu strukturieren und bisher fehlende
               Einrichtungen wie sanitäre Anlagen und Parkplätze zu schaffen.
               Unbedingt freizuhalten ist bei dieser Umlegung eine Trasse für
               eine Anbindung der Straße "Am Bergsteig" an eine mögliche
               Südtangente .




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6.7            Vorschlag zur Abgrenzung des Sanierungsgebietes

               Das     im  nachfolgenden     Plan    vorgeschlagene   förmlich
               festzulegende Sanierungsgebiet umfaßt das Untersuchungsgebiet
               sowie den Bereich um die Kirche bis hin zum Lärmschutzwall.

               Begründung zur Abgrenzung:
               Das Stadtviertel bildet im Kernbereich eine städtebauliche Einheit,
               die in Grundzügen erhalten werden soll. Eine große Zahl der
               Gebäude weisen hier erhebliche Mängel auf, die durch eine
               umfassende Sanierung behoben werden sollen.
               Unabdingbar ist es, das Wohnumfeld zu verbessern und zu
               bereichern. Dazu gehört auch die Lösung des Parkplatzproblems.

               Der Schwerpunkt von ersten Sanierungen wird bei den Gebäuden
               des Bundes liegen, die in nächster Zeit in den Besitz der Stadtbau
               Amberg übergehen werden. Daher ist mit einer zügigen
               Umsetzung dieser Maßnahmen zu rechnen.

               Chancen für eine nachhaltige Verbesserung der Verhältnisse am
               Bergsteig bringen langfristig die Umnutzung des Gewerbegebiets
               und die Weiterführung der Rosenthalstraße.

               Um die soziale Komponente zu stärken ist es notwendig, auch das
               Kirchenareal in die Sanierungsmaßnahmen mit einzubeziehen.
               Außerdem kann so einer bereits begonnenen städtebaulichen
               Fehlentwicklung entgegengesteuert werden.

               Die     vorgesehenen       Erneuerungsmaßnahmen            werden
               vorraussichtlich einen erheblichen Anstieg des Bodenwertes
               bewirken, da die Einstiegspreise mit 160,00 DM/qm
               Wohnbaufläche und 110,00 DM/qm Gewerbefläche so gehalten
               sind, daß es zu einem sanierungsbedingten Mehrwert kommen
               wird. Wenn die durch das Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt"
               in Gang gebrachten Bemühungen greifen, sollte eine Minderung
               der ansonsten zu erwartenden Bodenwertsenkung möglich sein.
               Bei Verbesserungen im Straßenraum ist zu prüfen, ob diese nach
               dem Kommunalabgabengesetzt umgelegt werden können.
               Die    wichtigsten    Grundstücke     sind     Eigentum       von
               Baugesellschaften, eine Bodenordnung ist nicht erforderlich.

               Aus diesen Gründen wird vorgeschlagen, die Sanierung nach dem
               klassischen Verfahren durchzuführen.




Architektur-Werk-Stadt                     105
  STÄDTEBAULICHE VORUNTERSUCHUNG STADT AMBERG - STADTTEIL BERGSTEIG


6.8            Ausblick

               Mit dem vorliegenden Ergebnisbericht zu den vorbereitenden
               Untersuchungen und der Sozialraumanalyse wurden die
               Sanierungsbedürftigkeit und die Dringlichkeit dargestellt.

               Durch den Maßnahmenkatalog ist dargelegt, wie sich die
               angestrebten Ziele zu einem Gesamtkonzept zusammenfügen.

               Für eine Umsetzung der Maßnahmen im Sinne der Programms
               der "Sozialen Stadt" ist die Aufstellung eines integrierten
               Handlungskonzeptes unabdingbar. Hier fließen die Ergebnisse der
               städtebaulichen Voruntersuchung und der Sozialraumanalyse ein.
               Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Architekten, Soziologen
               und Sozialarbeitern schafft die Möglichkeit, alle Aspekte der
               Problemfelder zu untersuchen.

               Zur sinnvollen Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen ist
               außerdem eine regelmäßige Erfolgskontrolle notwendig. Bei
               Bedarf sind die Zielvorstellungen zu ändern und den geänderten
               Gegebenheiten anzupassen.




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