ESSEN TRINKEN KIRCHE OTTENSEN by fjhuangjun

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									                                                             01|08
Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Ottensen
Christianskirche-Osterkirche




       Die Affäre Ball
       Christianskirche 1968 – unter den Talaren
       Muff von 1000 Jahren
                                                      ESSEN
       Feinstaub auf meiner Haut
       Eine Liebesgeschichte, an der die
                                                      TRINKEN
       Christianskirche nicht ganz unschuldig war

       Die Wahl, die Kandidaten
                                                      KIRCHE
       Kandidaten und Kandidatinnen der Kirchenwahl
       erzählen ihre Geschichten rund ums Essen       OTTENSEN
                                    In diesem Heft                                                                                                                                       Editorial
2     Hauptsache es schmeckt! Oder?
                               Gemeindeleben und Essen,                                                                        Liebe Leserin, lieber Leser,
                               eine Geschicht ums Essen
                                                                                                                               Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Das ist eine Alltagsweisheit, die sicher nicht
                                                                                                                               immer wahr ist. Essen und Trinken können auch Schaden anrichten. Dennoch ist unser Leben da-
                                                                                                                               von bestimmt. Zunächst zuhause, wo eigener Herd bekanntlich Goldes wert ist. Dann aber auch
                                                                                                                               in den anderen Lebensbereichen. Auch in unserer Kirchengemeinde sind allerhand Lebensvoll-
4     Brot und Seele                                                                                                           züge, Tagesrhythmen, Festzeiten und Glaubenshandlungen vom Essen und Trinken bestimmt.
                                             Ich bin das Brot
                                                                                                                               Am frühen Morgen kochen sich die Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätten den ersten Kaffee.
                                                                                                                               Später wird dann mit den Kindern Gemüse für einen Auflauf geschnippelt. Für manche Bewoh-
                                                                                                                               nerin im Altenheim ist das gemeinsame Mittagessen im Speisesaal der Tagesmittelpunkt. Nach-
                                                                                                                               mittags ist der Weltladen geöffnet. Es wird für faire Preise für Nahrungsmittel geworben und
6     Hungrig Autofahren
                                                                                                                               nachgedacht über Möglichkeiten, den weltweiten Hunger zu bekämpfen. Auch das gehört dazu.
                                                                                                                               Auch die Mutter, die sich Sorgen um ihre Tochter macht, weil sie so wenig isst. Die Küchenleitung
                                             Wie die Mobilität der westlichen Welt
                                             den Rest der Welt hungern läßt                                                    der Kindertagesstätte lädt Kartoffelsäcke aus dem Auto. Drinnen wird ein Tischgebet gesprochen.
                                                                                                                               Der Küster geht Brot und Traubensaft kaufen für das Abendmahl, das am Sonntag gefeiert wird.
                                                                                                                               Die Pastorin grübelt über der Predigt. Es geht um die Bibelgeschichte, die davon erzählt, dass
                                                                                                                               Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen fünftausend Menschen satt bekam. Am späten Abend
                                                                                                                               sitzt die Redaktion zusammen und plant bei gutem Rotwein und Käse dieses Heft.
8     Macht Worte –Stop Klop Poetry Slam
                               Der erste und nicht der letzte                                                                  In der Gemeinde wird gegessen und getrunken. Alltäglich und festlich, mit Bedacht, und nebenbei.
                               Dichterwettstreit in der Christianskirche                                                       Wir wollen etwas davon erzählen und hoffen, Ihnen mit diesem Einblick auf die Tische und Altäre,
                                                                                                                               in die Festsäle und Küchen das Leben ihrer Gemeinde näher bringen zu können.

                                                                                                                               Wenn der Kirchenvorstand tagt, dann steht nur Wasser auf dem Tisch. Der Geist soll nicht träge
                                                                                                                               werden bei den Entscheidungen, die in einer so vielfältigen Gemeinde zu treffen sind. Beim
10      Die Affäre Ball Christianskirche 1968 – Unter den Talaren, Muff von 1000 Jahren                                        Kirchenvorstand gehören eher Pläne und Probleme, Alltagsdinge und Zukunftsfragen auf den
13      Persönlichkeit statt Parteibuch Kirchenvorstandswahlen 2008
                                                                                                                               Tisch. Am 1. Advent wird der Kirchenvorstand neu gewählt. In diesem Heft informieren wie Sie über
                                                                                                                               die Wahl und stellen Ihnen die Kandidaten und Kandidatinnen für den Kirchenvorstand vor.
14      Gemeinde Rundgang Kirchengemeinde Ottensen in Bildern
                                                                                                                               Die erste Ausgabe des »Kirchspiel« der neuen gemeinsamen Kirchengemeinde Ottensen-
16      Kirchenvorstand – was macht der denn? Wurzeln der kirchlichen Mitbestimmung                                            Christianskirche-Osterkirche ist sehr gut angekommen. Wir haben viel Ermutigung bekommen, für
                                                                                                                               die wir an dieser Stelle danken. Die Gemeinde wächst weiter zusammen. Wir berichten über das
18      Nun wird aufgetischt Die Kandidaten und Kandidatinnen erzählen Essensgeschichten                                       neue Logo, laden auf einen sehr persönlichen Gang durch die Gemeinde und präsentieren das
22      Forum neue Musik Milo Lohse, der Mann hinter den Kulissen
                                                                                                                               »Forum Neue Musik«. In der Rückschau blicken wir auf das Jahr 1968 als der »Muff von 1000 Jahren«
                                                                                                                               in der Christianskirche noch sehr wirksam war. Heute ist es anders. Das ist gut so!
24      Die Marke Neues Logo für die Kirchengemeinde Ottensen                                                                  Wir wünschen viel Freude bei der Lektüre des neuen Heftes!

26      Feinstaub auf meiner Haut Die Christianskirche und eine Liebesgeschichte

28      Ratgeber Gottesdienst leichtgemacht
                                                                                                                               Es grüßen Sie herzlich
30      Informationsseite Namen, Adressen und Öffnungszeiten
                                                                                                                               Frank Howaldt und Thomas Kärst
Impressum:
»Kirchspiel« ist eine Veröffentlichung der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Ottensen/Christianskirche-Osterkirche
Redaktion: Frank Howaldt (V.i.S.d.P.), Christoph J. Gugger, Thomas Kärst, Peter Storck, Gestaltung: Hans Thien
Redaktionsanschrift: Kirchspiel, Ottenser Marktplatz 6, 22765 Hamburg, E-Mail: info@kirche-ottensen.de
Internet: www.kirche-ottensen.de
Fotos: Christoph J. Gugger, Peter Storck, Hans Thien, Druck: nettprint, Hamburg Auflage: 5.000
Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Wir haben uns bemüht,
die jeweiligen Urheberrechte an den Fotos zu achten. Das ist uns nicht in allen Fällen gelungen. Im Falle eines berechtigten
Anspruches wenden Sie sich an die Redaktion. Hamburg-Ottensen, Oktober 2008
                                                                                                  ESSENKIRCHE
                                                                                                                              Speise- und Trinkregeln gehören zur inneren Grundausstattung der Menschheit und zu jeder
                                                                                                                              Religion. Das muss heute jede Kantine wissen und jede Großbaustelle. Im Flugzeug nach Asien
                                                                                                                              gibt es Hühnchen oder vegetarisches Essen. Schweinefleisch lohnt sich dort nicht. Darin sind
                                                                                                                              sich Muslime und Buddhisten einig. New Yorker Gastronomie ist ohne koscheres Essen nicht
                                                                                                                              denkbar. Und all dies gehört zur Gottesbegegnung dazu. Darüber wird zu Tisch nicht diskutiert.
                                                                                                                              Von denen, die es nicht verstehen, wird mit Recht Respekt gefordert.

                                                                                                                              Damit gibt es Streit mit denen, die mit Goethes Torquato Tasso überall herumposaunen, dass
                                                                                                                              erlaubt sei, was gefällt und das Regelwerk der alten Sitten hinüber sei – auch bei Tisch. Vorbei
                                                                                                                              mit dem göttliches Regelwerk, das die schlechten Gewissen bisher im Griff hatte. Endlich Genuss
                                                                                                                              statt Verdruss. Jeder isst soviel er kann, nur nicht seinen Nebenmann – immerhin.

                                                                                                                              Allerdings: »Erlaubt ist, was sich ziemt« – entgegnet Prinzessin Leonore dem Tasso. Manieren
                                                                                                                              sind wieder in. Knigges berühmtes Werk hat den Titel »Über den Umgang mit Menschen« und
                                                                                                                              war allein dem Ideal der Kultivierung der Menschlichkeit verpflichtet. Der Friede fängt beim
                                                                                                                              Frühstück an, dichtet Hanns-Dieter Hüsch.




                                                                                                                              Freitag, 4. Juli, 2008, 12.10 Uhr   Freitag, 4. Juli, 2008, 12.15 Uhr   Freitag, 4. Juli, 2008, 13.02 Uhr   Freitag, 4. Juli, 2008, 19.30 Uhr



                          Hauptsache                                                                                          Rumond-Walter-Haus                  Kita Osterkirche                    Osterkirche Bugenhagenschule


                                                                                                                              Zu Tisch wird sich zeigen, ob das Reich Gottes eine Chance hat, und wie es mit der Menschlichkeit
                                                                                                                              bestellt ist. Und wir sitzen an vielen Tischen in der Kirchengemeinde Ottensen. Wir haben es gehörig
                                                                                                                                                                                                                                          Kirchspiel Redaktion




                          es schmeckt!                                                                                        mit Essen und Trinken zu tun. Es bestimmt Energieumsatz und Kräftehaushalt. In unserer Gemeinde
                                                                                                                              werden täglich an die 400 warme Mahlzeiten produziert, hektoliterweise werden Getränke
                                                                                                                              ausgeschenkt, und die Frage, ob genug Kuchen da ist, entscheidet manchmal über Erfolg oder
                                                                                                                              Mißerfolg einer Veranstaltung. Es steht zu vermuten, dass in deutschen Kirchen vom Kirchenkeks bis

                          Oder?                                                                                               zum Lachshäppchen noch niemals zuvor soviel gegessen und getrunken wurde wie heute. Essen
                                                                                                                              und Trinken scheinen nicht nur Leib und Seele, sondern auch die Kirche selbst zusammenzuhalten.
                                                                                                                              Zwischen all den Kuchenbäckern, Kaffeetanten, Würstchengrillern, sektlaunigen Festrednern,
                                                                                                                              Diäthaltern und Naschkatzen kann das Reich Gottes schon mal in die Mühlen der Geselligkeit
                                                                                                                              geraten und zerkrümeln. Hauptsache es schmeckt, Hauptsache alle werden satt.




                          D
                                 as Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, schreibt der Apostel Paulus nach Rom. Es        Aber es gibt auch die andere Erfahrung: Man nimmt den Mund zu voll, aber keiner wird
                                 scheint, es gab dort eine Verwechslung. Zuerst das Essen und dann die Moral, wie Bert        richtig satt. Bedürfnisse werden auf kurze Zeit befriedigt. Essen und Trinken wird zum kleinen
                                 Brecht es sagt. Das ist doch verständlich. Und es ist eine Erfahrung, die uns in die Wiege   Frieden zwischen den Ansprüchen. Kuchen und Käse, der Genuss und das Haben drängen in
                          gelegt wird. Sie ist zuerst da, bevor das Leben komplex wird. Das Kind bekommt ein Abendlied für    den Vordergrund, manchmal auch die Gier. Danach lieber ruhen statt tausend Schritte tun, die
                          seinen Schlaf und davor Milch und später ein Honigbrot. Das Reich Gottes ist Essen und Trinken!     Trägheit siegt bis zum nächsten Gang. Die anderen Bedürfnisse werden zur Seite gestellt, gestillt
                          Was denn sonst? Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen.                                   und zur Ruhe gebracht: Das, was wirklich satt macht und unsere Sehnsucht stillt; das, von dem
                                                                                                                              wir leben, und was eben nicht Brot allein ist; unsere großen Wünsche nach wirklichem Leben in
                                                                                                                                                                                                                                              UNSER AUTOR
                          So sind wir alle ins Leben gekommen. Mehr oder weniger behütet. Und doch mit dem Gefühl,            heiler Haut und auf gesunder Erde; unsere schönen Träume, durch den Apfelgarten zu gehen                        Pastor Frank Howaldt
                          mit einem Bein noch im Paradies zu stehen, wo alles da war, was wir brauchten. Die ganze            statt mit Fastfood durch die Welt zu rennen.                                                                    Jahrgang 1961, Studium
                          Fülle. Genug zum Leben. Wenn ihr versammelt seid zu meinem Reich, sagt Jesus, werdet ihr                                                                                                                            der Theologie und
                          an meinem Tisch neu essen und trinken. Nicht nur die, die ihren Platz genau kennen und den          Das, was wirklich satt macht, darf nicht zur Seite stehen, sagt Paulus, es darf nicht im Wohlgefühl             Pädagogik, seit 15 Jahren
                                                                                                                              geselliger Runden untergehen und nicht in neuem Regelwerk ersticken. Wir können uns                             liebend gerne Pastor an
                          Nebenplatz schon mal freihalten für gute Bekannte. Auch die Ausgeschlossenen, Verkrümelten
                                                                                                                                                                                                                                              der Christianskirche in
                          und Weichgeklopften sind eingeladen. Die Tischgemeinschaft überwindet Trennungen, sie               entscheiden, welche Bedeutung Essen und Trinken unter uns haben werden. Ob Hauptsache
                                                                                                                                                                                                                                              Ottensen; außerdem
                          kann verbinden und versöhnen, sie lädt zum Teilen ein und zur Dankbarkeit. Aber sie kann auch       sein wird, dass es schmeckt und gefällt – reich gedeckt; oder ob an unseren Tischen schon etwas                 Gründungsmitglied der
                          das Gegenteil bewirken, wenn man nicht weiß, was sich gehört.                                       gegenwärtig sein wird von jenem anderen Reich ■                                                                 Kirchspielredaktion.


|2   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                                                                                          3|
                                                                                                  ESSENKIRCHE
                                                                                                                             völligen Verwandlung des von außen Aufgenommenen nicht zu Ende geführt wird, kommt es
                                                                                                                             zu Unverträglichkeiten bis hin zu Allergien. Was von außen kommt, muss innen werden. Was
                                                                                                                             fremd ist, muss zu eigen gemacht werden. Es wird angeeignet, um dann für weitere Aufgaben
                                                                                                                             zur Verfügung zu stehen. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er besteht nicht nur aus dem
                                                                                                                             physischen Körper, aber dieser ist jedenfalls die Grundlage dafür, dass Seele und Geist leben
                                                                                                                             können. Bereits auf der körperlichen Ebene spielt dies eine große Rolle »innen – außen«,
                                                                                                                             sowie »eigen – fremd« erkennen und unterscheiden zu können. Auf der geistigen Ebene ist es
                                                                                                                             entsprechend: Es geht darum, sich etwas zu eigen zu machen.

                                                                                                                             Wo in unserer religiösen Tradition von Mahlzeiten erzählt wird, leuchtet immer wieder ein
                                                                                                                             Moment des Wechsels, des Umschwungs und der Wandlung auf. Besonders deutlich beim
                                                                                                                             so genannten »großen Gastmahl«, wo am Ende keiner der ursprünglich Geladenen am Tisch
                                                                                                                             Platz nimmt, dafür aber die von der Straße und von den Zäunen. Außen und innen, fremd und
                                                                                                                             vertraut, arm und reich, ranghoch und rangniedrig, kundig und unwissend werden miteinander
                                                                                                                             verbunden. Eins geht ins andere über. Wo die Momente des Mahls gelingen, geht etwas Neues
                                                                                                                             hervor. Lebenskraft und Geisteskraft werden freigesetzt. Oft gegen alle Erwartungen. Das ist ein
                                                                                                                             Menschheitsmotiv, von dem nicht allein in der Bibel erzählt wird.

                                                                                                                             Zu Zeiten, als die Götter noch unter den Menschen wandelten, pflegten sie hin und wieder in
                                                                                                                             Gestalt eines einfachen Wanderers an die Hütten der Menschen zu klopfen und um Aufnahme
                                                                                                                             zu bitten. Oft genug wies ihnen der reiche Mensch einen armseligen Platz zu und reichte ihnen
                                                                                                                             ein kärgliches Mahl. In der Hütte des Armen wurden sie vorbehaltlos aufs Beste bewirtet, und
                                                                                                                             der Arme scheute sich nicht, seinem Gast freudig alles, was er hatte zum Mahl zu bereiten. Ovid
                                                                                                                             erzählt so eine Geschichte von Philemon und Baucis. Ein in bescheidenen Verhältnissen lebendes
                                                                                                                             betagtes Paar, das den unerkannten göttlichen Gast bewirtet. Mit aller Sorgfalt wird unter den
                                                                                                                             schlichten Holztisch mit den ungleichen Beinen eine Tonscherbe geschoben. Dann wird alles,

                          Brot und Seele                                                                                     aber auch wirklich alles, was die beiden Alten in ihren einfachen Verhältnissen zu bieten haben,
                                                                                                                             aufgetischt. Wenn auch das Geschirr angeschlagen ist, die Szene strahlt und wird schön durch die
                                                                                                                             hingebungsvolle Aufmerksamkeit, mit der die beiden die Mahlzeit für ihren Gast vorbereiten. Die
                                                                                                                             Götter pflegten es in diesen Geschichten den Armen reichlich zu danken – die Reichen hatten
                                                                                                                             das Nachsehen.

                                                                                                                             So wurde es damals erzählt. Was müsste man heute tun, um die Einkehr des göttlichen Gastes
                                                                                                                             nicht zu verpassen? Man muss das Wunder überhaupt für möglich halten. Die Haustür und
                                                                                                                             die Herzenstür muss einen spaltbreit offen stehen, damit Neues überhaupt einziehen kann. Es
                                                                                                                             darf ein Becher mehr auf dem Tisch stehen als Gäste erwartet werden – der Becher, der in der
                                                                                                                             jüdischen Tradition für den wiederkehrenden Propheten Elia bereit steht. Man hält damit das
                                                                                                                             eigene Bewusstsein wach, für das, was einem aus der Zukunft entgegen kommen will. Es sind die
                                                                                                                             Alltagsgesten, in die unvermittelt Himmelskraft einströmen kann.



                          D
                                  ie Bitte um das tägliche Brot gehört zur regelmäßigen Hinwendung zu Gott. Im Vaterunser,   Im Brechen des Brotes haben die Emmausjünger den Auferstandenen erkannt. In der Feier des
                                  im Tischgebet, an Erntedank. Brot und Gebet gehören zusammen. Sinn, Orientierung           Abendmahls haben wir Gemeinschaft mit Christus. Wie aus den Körnern das Brot, so macht er aus
                                  und Kraft für das tägliche Leben sind wichtig wie Brot. Nicht nur der Körper, auch Seele   uns eine Gemeinde, heißt es in einem Gebet. Eine große Mahlzeit, an der wir gemeinsam in dem
                          und Geist des Menschen brauchen täglich Nahrung. Das ist der Grund für das Beten. Es ist ein       Bewußtsein teilnehmen, dass Seele und Geist von Christus genährt werden. »Ich bin das Brot,
                          elementarer Ernährungsvorgang. Die Frage, was den Menschen nährt, wird in der biblischen           das vom Himmel gekommen ist und schenkt der Welt das Leben. Wer zu mir kommt, den wird
                          Tradition in mehreren Perspektiven beantwortet. Jesus sagt einmal: »Ihr sucht mich nicht, wie      nimmermehr hungern in Ewigkeit. »Brot – Das ist mein Leib«
                          ihr Zeichen gesehen habt, sondern wie ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.
                          Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird      In der Wandlung handelt es sich um einen tief greifenden Neubeginn. So glauben wir. Die
                          euch der Menschensohn geben.« (Johannes 6)                                                         Substanz des Brotes erhält Anteil am Geist Christi. Ein Vergeistigungsprozess des Irdischen. Daran
                                                                                                                             haben wir Anteil. Damit können wir in Einklang kommen, um dann durch unser Wirken in der             UNSERE AUTORIN
                          Darauf folgt das bekanntere »Ich bin das Brot des Lebens«. Wenn der Mensch das Brot isst, tut      Welt den Wandlungsprozess hin zum Geistigen fortzusetzen. Am Abendmahlstisch erfahren wir            Annette Gruenagel
                                                                                                                                                                                                                                  war Pastorin an der
                          er zunächst etwas für seine Leiblichkeit. Ernährungsphysiologen beschreiben das genauer:           eine fröhliche Durchdringung von arm und reich, studiert und gelernt, alt und jung, seit langem
                                                                                                                                                                                                                                  Osterkirche und
                          Jede Speise, die wir zu uns nehmen, wird bis in die kleinsten Bestandteile zerlegt und dann        dabei und ganz anfänglich, standfest und mit zitternden Knien. Jeder Mensch kann Einblick            ist Pastorin an der
                          körpereigen neu aufgebaut, um schließlich für die Lebensprozesse stärkend zur Verfügung zu         nehmen in die geistige Welt. Dann ist er in der Lage, die natürliche Welt umzugestalten und in sie   Christianskirche in
                          stehen. Alles kommt darauf an, umwandeln und aneignen zu können. Wenn dieser Vorgang der           einfließen zu lassen, was er an tiefster Wahrheit erfahren hat ■                                      Ottensen.


|4   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                                                                             5|
                                       ERNÄHRUNGSPOLITIK

                                                           G
                                                                   roße Ziele werfen ihren Schatten voraus. Den Hunger der Welt halbieren - das sollte
                                                                   doch gelingen, meinten noch vor ein paar Jahren die G-8-Staaten. Zu früh gefreut,
                                                                   das Gegenteil ist der Fall. Von einem stillen Tsunami ist bei der UNO die Rede. Die
                                                           Vereinten Nationen gehen von inzwischen 100 Millionen Menschen weltweit aus, die von
                                                           der Nahrungsmittelkrise unmittelbar in den Hunger getrieben werden. Die Frage der Welt-
                                                           ernährung brennt unter den Nägeln und vielen im Magen. Steigende Lebensmittelpreise
                                                           führen zu Unruhen, einige Staaten haben den Export von Reis und Getreide gestoppt. Nah-
                                                           rungsmittel wie Weizen, Mais und Zuckerrohr werden zu lukrativen Spekulationsgütern an
                                                           den internationalen Börsen, denn man kann sie in Energie verwandelt. Die einheimischen
                                                           Bauern wollen den Getreidepreis an den Ölpreis koppeln. Das ist so logisch wie höllisch.

                                                           Die akuten Preissteigerungen sind im Wesentlichen auf das laut dem angesehenen Wirtschafts-
                                                           magazin The Economist »rücksichtslose« Treibstoffprogramm der USA zurückzuführen. Da 2007
                                                           mehr als ein Drittel der US-Maisernte für die Herstellung von Biosprit verwendet wurde, haben
                                                           sich die Getreidevorräte weltweit verknappt. Dazu kommt der zunehmende Hunger nach einer
                                                           guten Portion Fleisch in den Schwellenländern China oder Indien, die sich eher langfristig auf die
                                                           Preisentwicklung auswirkt.




                                                           Das Umweltbundesamt
                                                           kommt in einem Bericht
                                                           vom 1. September 2006                         Um in Deutschland 5%
                                                           über die Herstellung von                      des im Verkehrssektors                                 ... die Hälfte der gesamten
                                                           Biodiesel zu folgendem                        benötigten Dieselkraftstof                             Deutschen Ackerfläche zum
                                                           Ergebnis:                                     zu ersetzen, müsste ...                                Anbau eingesetzt werden.




                                                           Steuersubventionierte Nahrungsmittelexporte der EU zerstören dazu kleinbäuerliche Existenzen
                                                           im Süden. Zugleich wehren hohe Handelsbarrieren bei uns Importe aus den Entwicklungsländern
                                                           ab. Mit verheerenden Folgen. Die Entwicklung der Landwirtschaft, eine unabdingbare Voraus-
                                                           setzung für die wirtschaftliche Entwicklung und die Überwindung des Hungers, wird in den
                                                           Entwicklungsländern dadurch massiv behindert.

                                                           Die EU-Agrarsubventionen haben mittlerweile eine groteske Größenordnung erreicht. Jede
                                                           Kuh in der Europäischen Union wird mit zwei US-Dollar pro Tag subventioniert. Das hat die
                                                           Welthandelsorganisation WTO berechnet. Zwei Dollar täglich – das ist mehr, als die meisten
                                                           Menschen in Afrika oder Asien pro Tag zum Leben haben. Alle Industrieländer zusammen
                                                           lassen sich den Schutz ihrer Landwirtschaft jährlich rund 350 Milliarden Dollar kosten, und
                                                           das gegen jede marktwirtschaftliche Vernunft. In der Summe ist das mehr, als die 50 ärmsten
                                                           Länder der Welt zusammen als Bruttosozialprodukt erwirtschaften. Oder anders ausgedrückt:
                                                           Es entspricht der vierfachen Summe die weltweit jedes Jahr als Entwicklungshilfe für die Dritte


                          Hungrig                          Welt bereitgestellt wird.

                                                           Es gibt sie immer noch, die Butterberge und Milchseen, das Zuckerkartell und die Billigtomaten,


                          Autofahren                       die in den Senegal geflogen werden. Machen wir uns nichts vor: Beim Essen hört die Freund-
                                                           schaft auf, und jeder wird sich selbst der Nächste. Fast jeder. Zu den großen Einsichten auch
                                                           der christlichen Kultur gehört der Gedanke, dass der Nächste nicht nur der Nachbar ist, sondern
                                                           zuweilen der Fernste sein kann. Wir leben in der Einen Welt. Es geht nur noch zusammen. Das
                                                           muss mehr als ein Bekenntnis werden, es muss Alltagsweisheit werden. Das versuchen wir mit              QUELLE
                                                           »Weitblick« und im Weltladen ■                                                                          foodwatch


|6   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                             7|
                                                                                                                             Tobias Kunze           Johanna Wack                     Pastor Frank Howald und

                                                                                            KIRCHENKULTUR                    deklamiert Klopstock   bedenkt Elternzeit               Hartmut Pospiech sagen, was dran ist

                                                                              LEIDENSCHAFTLIEBEMEHRWERTAKTION
                                                                                  TRÄNENBELOHNUNGNERVENEROTIK
                                                                                    ÜBERRASCHUNGBELASTUNGNÄHE
                                                                               UMNACHTUNGIRRSINBEZIEHUNGKRISE
                                                                                ERBROCHENESVERBOTENESFUSSBALL
                                                                                      MENSCHENSENSATIONENKIRCHE
                                                                                        SITZKISSENAKUSTIKSTELLUNG
                                                                                POLITIKMORDFRAUPOLIZEITIERSTADT
                                                                             BEWERTENBEILAPFELSCHLANGEDOMINA
                                                                                  STIEFELTASCHENTUCHBRILLENGLAS
                                                                                   BEGEISTERUNGKLATSCHENTRINKEN
                                                                                WEINGLASORGELMUSIKTHEMENPARK
                                                                                KLOPSTOCK GRAB FAHRSCHEINNACHT
                                                                                       GLOCKENENGELGLANZKERZEN
                                                                                        SICHERHEITPASTORKÜNSTLER
                                                                                  GENIALKONGENIALREIMTDICHTUNG
                                                                                     HÖRENFÜHLENSCHMERZENHAND
                                                                                    ZAHLEINTRITTGOTTVERFÜHRUNG
                                                                                FREUDE RELIGIONHAARELAUTSTÄRKE
                                                                                   SIEGER HANDTASCHEWEINGEWEHR
                                                                                       SOZIOPATHERSTEHILFENERVEN
                                                                                     NAHRUNGPLOTGEBÄRDENAUGEN
                                                                                   PUBLIKUMSTIMMENKLAVIERNOTEN
                                                                                       MUSIKGEMEINDEKIRCHENBANK
                                                                                 SITZKISSENRÜCKENSCHMERZENSPOT
                                                                                        ALTARHEIZUNGRAUCHVERBOT
                                                                                             KNEIPENPREISESPENDER
                                                                             KRAWATTESAKKOTSHIRTFRISEUR HAFEN
                                                                                  CONTAINERKRAHNSIGNALE BALKON
                                                                                  NEBELBLÄTTERHEFTKLAMMERTINTE
                                                                                        RUHELOSKAFFEEMUTTERKIND
                                                                                                STÖRUNGAUFGEREGT
                                                                                     TOILETTEPÜNKTLICHABSTIMMEN
                                                                                      WEITERMACHENERLEICHTERUNG
                                                                                UNENDLICHMEHRFACHSTEHENBÜHNE
                                                                                  STUFEANLEITUNGUNVERSTÄNDLICH
                                                                                                       LANGWEILIG
                                                                                                                             Die Preisträger des                                     Bert Lehsten                                        Bente Varlemann
                                                                                                                             Klopstock 2008                                          untermalt alles mit Musik                           erzählt vom Großvater




                                                                                                                             deutsche Sprache bis heute geprägt. Mit seiner Bibel kam frischer

                          Macht Worte –                                                                                      Wind in die abendländische Welt. Wortkunst gehört zur kirch-
                                                                                                                             lichen Kultur: in der Predigt und anderswo, mal traditionell, dann
                                                                                                                             aber auch innovativ poetisch, dramatisch oder prosaisch


                          Stop Klock                                                                                         Am Anfang stand die Idee des Klopstockpreises für junge Dichter.
                                                                                                                             Das klang schon bald zu gewichtig. Leichter sollte es sein und
                                                                                                                             Neues bringen. Gemeinsam mit der Literatur-Altonale gewann

                          Poetry Slam
                                                                                                                                                                                                       NAMENSPATRON
                                                                                                                             die Idee Gestalt und daraus wurde in augenzwinkernder Wort-               Friedrich Gottlieb Klopstock
                                                                                                                             verdrehung der Stop Klock Poetry Slam in der Kirche.
                                                                                                                                                                                                       POETRY SLAM
                                                                                                                             Junge oder nicht mehr ganz so junge Wilde stürmten am                     ist ein literarischer Vortrags-
                                                                                                                                                                                                       wettbewerb, in dem
                                                                                                                             Altonalesamstag die Bühne und versorgten die Zuhörer im Fünf-             selbstgeschriebene Texte
                                                                                                                             Minuten-Takt mit Gedichten und Geschichten. Sie plauderten                innerhalb einer bestimmten
                                                                                                                             über die Liebe zum Großvater oder reimten eine Strafpredigt               Zeit einem Publikum vor-



                          A
                                  m Anfang war das Wort. Doch Worte zu finden ist nicht immer einfach. Oft fehlen sie                                                                                   getragen werden. Bewertet
                                                                                                                             über die lausige globale Weltpolitik. Das Publikum erfuhr, was
                                  einem. Es gibt Worte, die sterben wohl aus. Das Wörtchen Kleinod zum Beispiel oder der                                                                               werden sowohl der Inhalt
                                                                                                                             geschehen wäre, wenn Adam den Apfel nicht gegessen hätte                  der Texte als auch die Art
                                  Dreikäsehoch. Gleichzeitig wurde das schönste Wort der Welt gefunden: Yakamoz – das
                                                                                                                             und bekam ein Gedicht des alten Klopstock über das Eislaufen              des Vortrags.
                          türkische Wort beschreibt die Spiegelung des Mondes im Wasser.
                                                                                                                             ohne Scheu serviert. Am Ende entschied eine Zuhörerjury: Den
                                                                                                                             ersten »Goldenen Klopstock« gewann Patrick Klebba, bekannter
                          Die Christianskirche wird auch Klopstockkirche genannt. Der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock   Hamburger Slam Poet. Die Kirche hat mal andere Worte gemacht.
                          liegt vor dem Südportal begraben. Zu seiner Zeit war er ein junger Wilder, würde man heute
                          sagen, ein Freund der französischen Revolution und ein Wortakrobat. Die evangelische Kirche        Das Ganze war ein sehr poetischer Abend. Im nächsten Jahr soll                                                        UNSER AUTOR
                          ist eine Kirche des Wortes. Das geht über den Sonntagmorgen hinaus. Martin Luther hat die          es weiter gehen. Dann wird der Klopstock 2009 verliehen ■                                                             Pastor Frank Howaldt


|8   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                                                                                             9|
                                                                                            KIRCHENCHRONIK
                                                                                                                                Der Ausgangspunkt der Geschichte war eigentlich positiv. »Beauftragung des Hilfsgeistlichen
                                                                                                                                Jens Ball mit der Wahrnehmung der 3. Pfarrstelle« hatte der Tagesordnungspunkt auf der
                                                                                                                                Sitzung des Kirchenvorstands vom 31. Oktober 1969 lapidar gelautet. Die Pastoren und die
                                                                                                                                Kirchenältesten waren sich einig: Mit der am Reformationstag verhandelten Entscheidung
                                                                                                                                sollte die Jugendarbeit verstärkt und so ein Stück innergemeindlicher Reform in die Wege
                                                                                                                                geleitet werden. Genauso lakonisch ist im Protokollbuch des Kirchenvorstands am 23. März 1970
                                                                                                                                allerdings die »Abberufung des Hilfsgeistlichen Ball« festgehalten.

                                                                                                                                Betrachtet man die Konstellationen von außen, drängen sich mancherlei Assoziationen auf.
                                                                                                                                Bei der Amtseinführung des neuen Rektors der Universität Hamburg hatte es 1967 einen
                                                                                                                                Eklat gegeben. Vor den Magnifizenzen im traditionellen Ornat entrollten zwei Jurastudenten
                                                                                                                                ein Transparent mit dem Spruch »Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren«, der auf die NS-
                                                                                                                                Vergangenheit vieler Hochschullehrer anspielte. Die konnte man mit einigem Recht auch bei
                                                                                                                                konservativen Amtsbrüdern Balls vermuten. Von Friedrich Hammer ist bekannt, dass er – wiewohl
                                                                                                                                er sich selbst später eine »kritisch abwartende Meinung zum Nationalsozialismus« attestierte
                                                                                                                                – sogar gemeindeinterne Rundschreiben in der NS-Zeit dezidiert »mit unserem deutschen
                                                                                                                                Gruß: Heil Hitler!« unterzeichnete und das 200-jährige Jubiläum der Christianskirche 1938 zum
                                                                                                                                Anlass genommen hatte, dem »Führer« die Gemeinde als »Hüterin des Klopstockgrabes als eines
                                                 Demonstration              Hamburger Abendblatt und                            Nationalheiligtums« an Herz zu legen. Sollte der junge Kollege in seinem neuen Wirkungsfeld
                            Pastor Ball          Hamburger                  Stern (rechts oben)über die   Ruheständler Ball     alten Muff bemerkt und daraufhin in Widerspruch zu seinen Kollegen getreten sein?
                            1968                 Studenten                  Kündigung von Pastor Ball     auf der Überholspur

                                                                                                                                Nein: Der Fall lag anders – und ist dennoch symptomatisch für die damalige Zeit. »Die unter
                                                                                                                                der Führung von Pastor Friedrich Hammer und Pastor Heinrich Otto stagnierende Christians-
                                                                                                                                kirchengemeinde suchte nach Mitteln, die Jugend besser anzusprechen«, berichtet der Historiker


                            Die Affäre Ball                                                                                     Friedrich Gross in seiner 1988 vorgelegten Gemeindechronik. 1969 war Otto Mitte 50, Hammer
                                                                                                                                bereits über 60 Jahre alt. Hammer schien sich denn auch vor allem der älteren Generation
                                                                                                                                verbunden gefühlt zu haben. In dieser Situation sollte die Verjüngung des Pastorenkollegiums
                                                                                                                                für Erneuerung, sollte der 28-jährige Jens Ball für frischen Wind sorgen: »Ein wegen
                                                                                                                                Personalmangels seit einem Jahr unterbrochener Dialog zwischen der Kirche und der Jugend in
                                                                                                                                Ottensen sollte wiederaufgenommen werden«, war im »Abendblatt« zu lesen.


                                                                                                                                Mit der ihm zugedachten Rolle als »Jugendpastor« gab sich Ball allerdings nicht zufrieden. Sein


                            D
                                   as Jahr 1968 ist als Jahr der Studentenrevolte, des aufbrechenden Konflikts zwischen den      Dialogangebot richtete sich an die ganze Gemeinde. Der 1941 in Dresden geborene und in
                                   Generationen, als Ausgangspunkt gesellschaftlicher Reformbestrebungen in die Annalen         der DDR christlich erzogene Ball war 1955 in die Obhut von Verwandten im Westen gegeben
                                   eingegangen. Mit der Berufung des jungen Geistlichen Jens Ball kam es Ende der 60er-         worden, weil ihm im Osten – als einzigem Konfirmierten in seiner Schulklasse – der Besuch der
                            Jahre auch an der Christianskirche zu einem Versuch der Erneuerung, der jedoch schon bald           Oberschule verwehrt wurde. Nach Abitur, Theologiestudium, Vikariat und Examen hatte Ball
                            scheiterte.                                                                                         seine Stelle als »Pfarrer im Probedienst« an der Christianskirche mit großem Elan angetreten. »Ich
                                                                                                                                war voller Tatendrang«, erinnert sich Ball, der heute – pensioniert – im badischen Malterdingen
                            Mit einem an die Kirchgänger verteilten Flugblatt nahm der junge Pastor Abschied: »Ich              lebt und sich jetzt gern als passionierter Motorradfahrer auf der Überholspur bewegt.
                            habe diese Gemeinde liebgewonnen und war sehr gern hier. Ich gehe nicht freiwillig in eine
                            andere Gemeinde. Pastor Hammer und Pastor Otto aber sehen keine Möglichkeit, mit mir                Offensichtlich hatte Ball damals neue Formen und Inhalte zu vermitteln versucht. Der junge
                            zusammenzuarbeiten«, ließ Jens Ball die Gemeindemitglieder wissen.                                  Theologe beschränkte sich nicht auf die Verkündigung von der Kanzel, sondern erwartete auch
                                                                                                                                Reaktionen der Gemeinde; seine Predigten ließen selbst die Tagespolitik nicht außen vor: »Pastor
                            Dass die Amtszeit des »Pfarrers im Probedienst« an der Christianskirche nicht einmal ein halbes     Ball stellte bei seinen Predigten Bibelworte in Beziehung zu aktuellen Fragen wie Wahlen, Streiks
                            Jahr gedauert hatte, schlug Wellen. Unter der Überschrift »Zum Abschied gab es Flugblätter«         oder die Problematik des 20. Juli (Attentatsversuch auf Hitler). Nach seinen Gottesdiensten
                            berichtete das »Hamburger Abendblatt«, dass der gerade erst Berufene in Konflikt mit seinen          verteilte Ball den Predigtext in schriftlicher Zusammenfassung an die Kirchgänger und lud
                            älteren Amtskollegen geraten und daraufhin versetzt worden war. In einem Artikel mit dem            anschließend zur Diskussion über die Predigt ein«, berichtete der »Stern«. »Jens Ball ließ
                            Titel »Falsche Worte von der Kanzel« griff auch der »Stern« den Fall auf, der später sogar in       gleichsam etwas von dem neuen Wind, den die 1968er Bewegung erzeugt hatte, und der die
                            das »Schwarzbuch Kirche« (Untertitel: »Die Personalpolitik der kirchlichen Hierarchie oder:         gesamte protestantische Kirchenwelt nicht unberührt ließ, in der Christianskirchengemeinde
                            Inquisition im Wandel«) aufgenommen wurde. Was war geschehen?                                       wehen«, summiert Friedrich Gross.                                                                    >>
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                                                                                                                               Persönlichkeit statt Parteibuch –
                                                                                                                               bei der Kirchenwahl ist manches anders als in der Politik


                                                                                                                                                                                                +)
                            Pastor Otto
                            1957
                                                                       Pastor Hammer
                                                                       1967
                                                                                                                               Als am 24. Februar die Hamburger Bürgerschaft gewählt wurde, staunte mancher Wahlberech-
                                                                                                                               tigte nicht schlecht: Statt eines Stimmzettels gab es gleich ein ganzes »Stimmbuch« – und das
                                                                                                                               auch noch mehrfach und in verschiedenen Farben. Zudem konnten mehrere Stimmen abgege-
                                                                                                                               ben werden, und dann war da neben der Bürgerschaft ja auch noch die Bezirksversammlung
                                                                                                                               zu wählen...Gegen das aufwendige staatliche Wahlrecht nimmt sich das Kirchenvorstandswahl-
                                                                                                                               recht ziemlich unspektakulär aus: Jeder Wähler und jede Wählerin hat am 30. November nur
                                                                                                                                                                                                                                     i
                                                                                                                                                                                                                                   Erster Advent 2008
                                                                                                                                                                                                                                   am 30. November
                                                                                                                               einen Stimmzettel, weiß, im DIN A 4-Format. Zwar können auch mehrere Stimmen abgegeben              werden die Kirchen-
                                                                                                                               werden. Gewählt werden jedoch nur Personen, keine Parteien. Kennenlernen können Sie diese           vorstände gewählt.
                                                                                                                               Männer und Frauen auf den Seiten 18 bis 21. Dass die Pastorinnen und Pastoren nicht auftau-         Lesen Sie dazu die
                            Bald darauf bekam Ball jedoch Gegenwind. Von seinen Amtsbrüdern wurde er zu »klärenden             chen, ist kein Versehen: Sie gehören durch ihr Amt automatisch dem Kirchenvorstand an, stehen       Seiten 16 bis 17
                            Gesprächen« vorgeladen. Als er vom eingeschlagenen Kurs nicht lassen wollte, wurde er              also nicht zur Wahl.
                            sukzessive aus dem Amt gedrängt: »Ich durfte keinen Konfirmandenunterricht mehr geben,
                            kein Abendmahl mehr feiern, keine Beerdigung vornehmen«, erzählt Jens Ball. Am Ende wurde          Wer nicht schon vorher ein Wahlplakat gesehen, das »Kirchspiel« gelesen oder über die Medien
                                                                                                                               von der Kirchenwahl Wind bekommen hat, wird spätestens am 19. Oktober informiert: Dann
                            ihm die Schlüsselgewalt für kircheneigene Räume entzogen und wurde bei der Kirchenleitung
                                                                                                                               bekommen alle wahlberechtigten Gemeindemitglieder per Post eine Wahlbenachrichtigungs-
                            in Kiel eine Versetzung an die Gnadenkirche in Lohbrügge erwirkt.                                  karte zugeschickt.Damit lässt sich auch Briefwahl beantragen. Die Adresse des Wahllokals steht
                                                                                                                               ebenfalls auf dem Kärtchen. Der jetzt amtierende Kirchenvorstand bestimmt, wie lange die
                            Theologische Falschaussagen konnten freilich weder das Landeskirchenamt noch die Kollegen          Wahllokale geöffnet sind. Die Wahl muss am Wahltag mindestens drei Stunden ohne Unter-
                            Hammer und Otto monieren. »Ihnen ging es wohl einfach darum, daß die gewohnte Form ihrer           brechung möglich sein – so steht es in der Wahlordnung. Wählen dürfen übrigens alle, die über
                            Predigt nur nicht angetastet wird«, vermutete der Geschasste seinerzeit gegenüber dem »Stern«.     16 sind – gewählt werden dagegen nur über 18-Jährige.
                            Aber eigentlich habe er nie erfahren, woran genau die beiden Anstoß genommen hätten, sagt
                                                                                                                               Im Wahllokal selbst geht es so zu wie bei jeder demokratischen Wahl: Die Wahlhandlung ist öf-
                            Ball heute. Die Akten des damaligen Vorgangs sind leider nicht mehr greifbar. Wahrscheinlich       fentlich, die Stimmabgabe jedoch geheim. Das heißt: Der Stimmzettel wird zusammengefaltet
                            passte den älteren Pastoren die ganze Richtung nicht. Als Ball im Lohbrügger Gemeindebrief         in eine Wahlurne eingeworfen, nachdem die Namen der Kandidaten in einer Wahlkabine ange-
                            vom Januar 1971 anlässlich seiner Amtseinführung bekannte, seinen pastoralen Auftrag auch          kreuzt worden sind. Der Wahlvorstand – das sind drei ehrenamtliche Mitarbeiter der Kirchen-
                            in politischem Handeln zu sehen, fühlte sich Hammer bestätigt und gerechtfertigt: »Herr Pastor     gemeinde – sorgen dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Jede und jeder Wahlberechtigte
                            Otto und ich sind der Auffassung, daß Pastoren ausschließlich Botschafter Christi sein sollen«.    gibt die Benachrichtigungskarte ab, der Wahlvorstand überprüft, ob er oder sie im Wählerver-
                                                                                                                               zeichnis aufgeführt ist. Kennen sie die Person nicht, muss diese außerdem den Personalausweis
                                                                                                                               vorlegen.
                            Für Jens Ball wurde im Oktober 1971 Hans-Peter Fiebig berufen, dessen Arbeits- und Predigtstil
                            eher im Rahmen des Üblichen blieb. Jens Ball hat die Monate an der Christianskirche nur            Ist die Wahlzeit abgelaufen, erklärt der Wahlvorstand die Wahl für beendet. Danach werden die
                            als Episode in Erinnerung behalten. Denn in Lohbrügge wurde der neue Pastor von jungen             Stimmen im Wahlraum öffentlich ausgezählt. Sobald alle Stimmergebnisse aus allen Wahlräu-
                            Gemeindegliedern begeistert begrüßt und von vielfältigen Anforderungen geradezu über-              men der Kirchengemeinde vorliegen, stellt der Kirchenvorstand das Wahlergebnis fest: Der neue
                            rannt. 1974 wechselte er zur Landeskirche Braunschweig, wirkte dort als Studenten-, Stadt- und     Kirchenvorstand ist gewählt. Falls der noch amtierende Kirchenvorstand es will, können bis zu
                                                                                                                               zwei Menschen zusätzlich berufen werden.
                            Dorfpfarrer und ging 2001 in den Ruhestand. Zuletzt engagierte sich Ball – Ironie der Geschichte
UNSER AUTOR                 – vor allem in der Seniorenarbeit. Im Studentenpfarramt, in der Rocker- und der Offenen            Innerhalb von acht Wochen, also im Dezember oder Januar, werden dann die neuen
Dr. Kai-Uwe Scholz,         Jugendarbeit hat er viel von seinen progressiven Ideen umsetzen können. Dass er seine Ansätze      Kirchenvorsteherinnen und -vorsteher in einem feierlichen Gottesdienst in ihr Amt eingeführt.
geboren1961 in                                                                                                                 Sie sprechen dabei folgendes Gelöbins: »Ich gelobe vor Gott und dieser Gemeinde, dass mir
                            unbeirrt verfolgen würde, müssen Hammer und Otto bereits 1969/70 geahnt haben: »Wenn ich
Göttingen. Studierte
                            zurückschaue, habe ich eigentlich immer in Konflikten mit der Kirchenleitung und den mich           anvertraute Amt als Mitglied des Kirchenvorstandes gemäß dem Evangelium von Jesus Christus,
Germanistik, Kunst-
                                                                                                                               wie es in der Heiligen Schrift gegeben und im Bekenntnis der evangelisch-lutherischen Kirche
geschichte und              umgebenden gesellschaftlichen Verhältnissen gearbeitet«, resümiert Ball 2008.                                                                                                                          UNSER AUTOR
Evangelische Theologie.
                                                                                                                               bezeugt ist, zu führen. Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen für den Gottesdienst, für die
                                                                                                                                                                                                                                   Thomas Kärst (39),
Arbeitet seit 1993 als                                                                                                         diakonischen und missionarischen Aufgaben sowie für Lehre, Leben und Ordnung der Kirche.«
                                                                                                                                                                                                                                   Journalist und
Journalist in Hamburg.
                            So mag der Konflikt an der Christianskirche vorprogrammiert gewesen sein. Mit Balls rascher         Eine ziemliche Verantwortung – aber auch eine reizvolle Aufgabe. Und je mehr Wahlberechtigte        Theologe, ist Sprecher
Lebt seit 1996 in           Versetzung aber bewirkten die Pastoren Hammer und Otto, dass der frische Wind, den das Jahr        von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen, desto größer wird auch der Rückhalt der gewählten             der Bischöfin Maria
Ottensen.                   1968 mit sich brachte, in der Ottenser Gemeinde erst viele Jahre später Einzug hielt ■             Männer und Frauen in der Gemeinde sein ■                                                            Jepsen in Hamburg.


| 12   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                                                                          13 |
                                Gemeinde
                                                                                                                                                              Hohenesch –
                                           Im »Dorf«, wie Ottensen liebevoll genannt wird, le-     mann (Liedermacher), Moritz Bleibtreu (Schauspieler),      Verkehrsberuhigung mit
                                           ben und arbeiten auf knapp drei Quadratkilometern       Roger Cicero (Musiker), Hannelore Hoger (Schauspie-        dem Charme eines Grenz-
                                           rund 35.000 Menschen, urban und multikulturell.         lerin), Peter Lohmeyer (Schauspieler), Olaf Scholz         übergangs
                                           Beeindruckend ist die Flächendichte der Friseure,       (Bundesminister). Wir sind Ottensens Grenzen abge-



                                Rundgang   über 300 üben hier dieses Handwerk aus. Ottenser
                                           Berühmtheiten sind Fatih Akin (Regisseur), Wolf Bier-
                                                                                                   schritten, hier der erste Teil der Fotodokumentation
                                                                                                   (Ottensens Norden). Teil 2 folgt im nächsten Kirchspiel.




       Westend Ottensen,                                                                                                                                      Zeißstraße Osterkirche –
           Borselstraße –                                                                                                                                     Treffpunkt Mülltonnen
Könnte auch London sein,
liegt am äußersten nördli-
     chen Ende Ottensens




    Borselstraße – direkt                                                                                                                                     Große Rainstraße–
gegenüber dem Westend                                                                                                                                         ehemalige Fischräucherei
Wohnanlage, gebaut 1927.
 Wurde wegen des damals
ungewöhnlichen Stils »Das
Zuchthausviertel« genannt




             Völkestraße –                                                                                                                                    Große Rainstraße –
  hier residiert der Carlsen                                                                                                                                  Die Strandläufer von
        Verlag: Harry Potter,                                                                                                                                 Koala, helfen, informieren
    Pixi-Bücher, Jamiri und                                                                                                                                   haben alle die Bus- und
      viele weitere Comics                                                                                                                                    Fährverbindungen im
     und Manga-Editionen                                                                                                                                      Kopf und sind Rat- und
         sind hier zu Hause                                                                                                                                   Tatgeber




          Friedensallee –                                                                                                                                     Hohenesch Mercado –
          Haare schneiden                                                                                                                                     Fahrradparkplatz –
             wie in Indien                                                                                                                                    wie Amsterdam.




  Mottenburger Straße –                                                                                                                                       Rothestraße –
        Handwerker in die                                                                                                                                     nach 55 Jahren
 Ukraine oder der Wunsch,                                                                                                                                     Leerstand gibt jetzt
   den 1986 amtierenden                                                                                                                                       einen Kaffee- und
         Innenminister zu                                                                                                                                     Süßigkeitenkiosk am
               entsorgen?                                                                                                                                     Spielplatz Rothestraße
                                                                                                                                                              Ecke Arnoldstraße




   | 14   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                     15 |
         Kirchenvorstand –
         was macht der denn?
         +)                                                                                                                                                   Pastor Hammer
                                                                                                                                                              1967
                                                                                                                                                                                                    Offizielle
                                                                                                                                                                                                    Wahlwerbung –
                                                                                                                                                                                                    es geht auch
                                                                                                                                                                                                    anders!




         D
                  as ist ein Markenzeichen unserer evangelischen Kirche«, liest man in kirchlichen Broschü-    und Kirchenvorsteher üben ihren Dienst als Ehrenamt so aus.« Die Leitungsstrukturen unserer
                  ren. »Darunter kann ich mir gar nichts vorstellen. Hab ich noch nie gehört!« reagieren       Nordelbischen Kirche bauen sich »von unten nach oben« auf. Insofern ist der Kirchenvorstand
                  Jugendliche im Konfirmandenunterricht. »Träge und undurchschaubar – sowohl die                tatsächlich »ein Markenzeichen« unserer Kirche.
         Institution als auch ihre Entscheidungen«, hört man Gemeindeglieder stöhnen.
                                                                                                               Und trotzdem löst das, worauf viele Evangelische stolz sind, manchmal Stöhnen aus, erscheint
         Die Rede ist immer von der »Regierung der Kirchengemeinde«, also dem Gremium, das bei uns             diese Einrichtung manchen träge und undurchschaubar. Früher stellten sich manche unter
         Kirchenvorstand heißt.                                                                                einem Kirchenvorstand »ein Gremium altehrwürdiger Männer« vor, das hinter verschlossenen
                                                                                                               Türen tagt. Das hat sich geändert. Sicher bedeutet die heutige kollegiale Leitungsstruktur, in der
         Die Anfänge sind in der Urgemeinde zu finden. Schon in der Frühzeit des Christentums wurde             die wichtigsten Entscheidungen in einer Gemeinde von einem Gremium demokratisch gefällt
         die Gemeinde durch ein gewähltes Gremium geleitet (Apostelgeschichte 6,5). Diese Gruppe von           werden müssen (und nicht eben »schnell mal vom Pastor«), dass mitunter die Wege lang erschei-
         Männern nannte man die »Ältesten« griechisch »Presbyter« (Apostelgeschichte 15,6). Die Ältes-         nen. Aber sie sind eben für jedes Gemeindeglied gangbar. Jedes Gemeindeglied ab 18 Jahren
         ten beriefen Prediger (1.Timotheus 4,14) und genossen höchste Autorität (1.Petrus 5,1-5). Frauen      kann Kirchenvorsteher/in werden. Und jedes Gemeindeglied ab 16 Jahren kann alle sechs Jahre
         waren nicht dabei. Obwohl in den Anfängen des Christentums Frauen im öffentlichen Gemein-             über die Zusammensetzung des Kirchenvorstands mitentscheiden. Schließlich bieten die über-
         deleben eine große Rolle spielten, schlitterte die frühe Kirche bald, das zeigen die Haustafeln       schaubaren Verhältnisse unserer Gemeinde – anders als in der Politik – durchaus die Möglich-
         (Epheser; Kolosser), wieder in althergebrachte gesellschaftliche Verhältnisse. In der Folgezeit       keit, »seine Kirchenvorsteher« persönlich zu kennen und durch Teilnahme an einer öffentlichen
         entwickelte sich eine streng gegliederte kirchliche Hierarchie von oben nach unten.                   Sitzung des Kirchenvorstandes Einblicke in die Arbeit des Kirchenvorstandes zu bekommen.

         Erst in der Reformationszeit wurde das »Priestertum aller Gläubigen« wieder entdeckt.                 Im Kirchenvorstand geht es um Wesentliches, etwa um Schwerpunkte der Gemeindearbeit ge-
         Martin Luther widersprach der »Pfaffenkirche« und konstatierte etwa in seiner Schrift von 1523        nauso wie um die Beleuchtung im Gemeindezentrum, um die Wahl von Pastoren/ Pastorinnen
         »dass eine christliche Versammlung oder Gemeinde Recht und Macht habe, über Lehre zu ur-              oder die Einstellung von Erzieherinnen genauso wie um die Ermutigung zur ehrenamtlichen
         teilen und Lehrer zu berufen, ein- und abzusetzen.« Doch blieb dies zunächst ohne Folgen.             Mitarbeit in der Gemeinde, um die Sorge für den öffentlichen Gottesdienst an Sonn- und Feier-
         Zwar gab es in manchen reformatorischen Gemeinden bald Kirchenvorstände. Die hatten                   tagen wie um Menschen, die benachteiligt, schwach und krank sind, um die Verwendung (und
         aber kaum Einfluss, denn der politische Machthaber war Oberhaupt der Kirche. Mit Hilfe des             Einsparung) des Geldes wie um die Vernetzung mit Stadtteileinrichtungen… Damit nicht alle
         »Konsistoriums«, eines Rates, der ihm unterstand, redete er bei allen Angelegenheiten der             Diskussionen und Überlegungen im Kirchenvorstand erfolgen müssen, erledigen Ausschüsse
         Gemeinden mit.                                                                                        die nötige Vorarbeit. Und – anders als in früheren Zeiten – haben Frauen haben seit vielen Jahren
                                                                                                               verantwortliche Positionen in der Kirche erobert. Sie sind ein großes Potential…
         Auch mit den politischen Reformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderte sich nicht viel. Erst
         nach der Trennung von Kirche und Staat 1919 setzten sich die Landeskirchen mit der Stärkung           Mitarbeit im Kirchenvorstand ist eine Aufgabe, die erfüllt sein will – aber auch Erfüllung bringen
         der Kirchenvorstände neue Leitungsstrukturen. Im »Dritten Reich« bewährten sich viele Kirchen-        kann. Warum ist das so? Im Vordergrund steht das Gefühl, in der Gemeinde wirklich etwas bewe-
         vorstände, indem sie unter anderem der Einführung des Führerprinzips in der Kirche widerstan-         gen zu können. Es ist eine Chance, dass ganz unterschiedliche Menschen mit vielfältigen Sicht-
         den. Dieser Kirchenkampf führte damit auch zu einer Vertiefung des Kirchenvorsteheramtes als          weisen, Meinungen und Fähigkeiten im Kirchenvorstand zusammenwirken. Da sitzt die Hausfrau
         eines geistlichen Amtes. Dass viele Pastoren zum Kriegsdienst einberufen wurden und deshalb           neben dem Rechtsanwalt, der Student neben der Geschäftsinhaberin. Alle werden gebraucht,
         Kirchenvorstände ihre Leitungsaufgabe ohne Pastoren ausüben mussten, verstärkte diese                 und jeder und jede bringt seine/ihre besonderen Gaben in die Gemeinde ein. Das sind wertvolle
         Tendenz. Nach 1945 baute man auf den Erfahrungen des Kirchenkampfs auf.                               Ressourcen, die für die Kirchenvorstandsarbeit mit ihren oft hohen Anforderungen benötigt
                                                                                                               werden. Dazu gehören Konfliktfähigkeit, Fairness und die Bereitschaft, einen Konsens zu finden.
                                                                                                                                                                                                                     UNSER AUTOR
         Heute hat der Kirchenvorstand weitreichende Befugnisse und Kompetenzen In der Verfassung
                                                                                                                                                                                                                     Dieter Haake ist Pastor
         unserer Kirche (Artikel 14 Abs.1) sind diese verankert:»Der Kirchenvorstand ist für die Leitung und   Die Gemeinde verbindet junge Menschen, ältere Menschen, Personen unterschiedlicher Kulturen           im Ruhestand –
         Verwaltung der Kirchengemeinde verantwortlich. In seiner geistlichen Verantwortung wacht              mit unterschiedlichen Interessen. Letztlich geht es darum, diese Vielfalt zu sehen, alle Interessen   ehemals an der Kreuz-
         er darüber, dass die Kirchengemeinde ihren Auftrag wahrnimmt. Die Kirchenvorsteherinnen               im Blick zu behalten und die Gemeinde für viele zur Heimat zu machen ■                                kirche, Ottensen.


| 16   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                                                               17 |
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              H      Nun wird
                                                                                                                                                                                                       meine Frau ist. Doch, ich erinnere einen
     A
                                                                                                                                               »Mit Christel in Bremen«                                besonderen Moment damals in dieser
      F
      s
                                                                                                                                                August 2008; Bremen; Luxushotel; nach                  Taverne, den, in dem mein Haar brannte,

                  w                                                                                                                             Krebs-Operation wieder Zähne im Mund;                  weil ich der Tischkerze zu nahe kam. Ich
            T

                  a aufgetischt
                                                                                                                                                Frühstück mit Brot, Brötchen, Wurst und                weiß noch ihr kurzes energisches Klopfen
                                                                                                                                                Käse… und meine Christel war dabei:                    mit den Handflächen auf meinem Kopf,
                                                                                                                                                dankbar war ich!                                       dann gab es ihr Gelächter und unser
                   r                                                                                                                                      von Peter Hannemann, 71, Jahre, Rentner      weitergeführtes Gespräch, einander zu-
                                                                                                                                                                                                        gewendet über Teller und Weingläser
                                                                                                                                                                                                       hinweg.
                               Die Kandidaten zur Kirchenvorstands-Wahl decken für uns Wähler ihre persönlichsten                                                                                                    von Klaus Lorenzen, 60 Jahre, Lehrer
                               Gedanken zu ihrem unvergesslichsten Essenserlebnis auf. Werden die Geschichten mehr über                        »Fastfood und Trompetenärmel«
                               die Kandidaten verraten als ihr Lebenslauf?                                                                      Vor vielen Jahren saß ich, zusammen mit
                                                                                                                                                                                                      »Ein Student chillt«
                                                                                                                                                anderen Chorsängern unserer Gemeinde,
                                                                                                                                                                                                       Ich war ziemlich lange Student und in der
                               Urteilen und wählen Sie selbst am 1. Advent Sonntag, dem 30. November 2008 in unserer Kirchen-                   in der »Hollywood Canteen« einer jungen
                                                                                                                                                                                                       Zeit hatte ich zeitweilig eine Wohnung
                               gemeinde im Campus von 11.30 bis 18.00 Uhr am Ottenser Marktplatz.                                               Frau aus dem Sopran gegenüber. Während
                                                                                                                                                                                                       »unterm Dach« am Valentinskamp. Kurz
                                                                                                                                                sie munter plappernd ihren üppig belegten
                                                                                                                                                                                                       vor meinem Wechsel von Kunst zu Archi-
                                                                                                                                                Burger verdrückte, tröpfelten unablässig
                                                                                                                                                                                                       tektur lag ich einmal morgens, es war mein
                                                                                                                                                Salatstückchen in die Trompetenärmel
                                                                                                                                                                                                       Geburtstag, im Bett und überließ mich
                                                                                                                                                ihres Pullovers. Als sie nach Beendigung
                                                                                                                                                                                                       dem Licht, das bereits seit längerem durch
                                                                                                                                                der Mahlzeit die Arme sinken ließ und ihr
                                                                                                                                                                                                       die Vorhänge aus ungefärbter Baumwolle
                                                                                                                                                Missgeschick bemerkte, konnte sie meine
                               »Allein zum Bäcker«                                     »Studenten im Le Carnard«                                                                                       fiel. Die Stimmung wurde etwas gestört,
                                                                                                                                                Freude zwar nicht so ganz teilen, trotzdem
                                Mit 7 Jahren durfte ich allein zum Bäcker               Unser Hochzeitsessen im Mai 1999 sollte                                                                        als meine Freundin heraufkam. Sie brachte
                                                                                                                                                hat sie mich später geheiratet und jetzt
                                gehen und Brot kaufen – ganz allein –                   etwas besonderes sein. Wir waren noch                                                                          selbstgebackenen Nusskranz und eine
                                                                                                                                                haben wir drei muntere kleine Kinder,
                                voller Stolz und auch etwas Angst. Beim                 Studenten und wollten nun das erste Mal                                                                        aufgeblühte Amarillis mit. Wir hatten
                                                                                                                                                denen beim Essen auch immer lustige
                                Anstehen roch ich alle Düfte aus der                    in ein »Sterne-Restaurant«. Die Wahl fiel auf                                                                   Korbsessel und frühstückten Nusskranz
                                                                                                                                                Sachen passieren.
                                Backstube und entwickelte einen nicht                   das Le Canard. Ein Traum: Das Ambiente,                                von Bert Lehsten, 48 Jahre, Musiker
                                                                                                                                                                                                       und Kaffee bei Amarillis im Morgenlicht.
                                zu bändigenden Hunger. Auch das frisch                  der Blick auf die Elbe und natürlich das                                                                       Mit der Frau bin ich heute verheiratet.
                                                                                                                                                                                                                     von Michael Naylor-Jacobs, 49 Jahre,
                                gekaufte Brot roch so lecker. Kurz vor dem              Essen. Wir begannen mit einem Apfelsaft-
                                                                                                                                                                                                                                    Ingenieur/Architekt
                                Verhungern entschloss ich mich in das                   Wodka Cocktail mit grüner Gurke. Weiter                »Fastenkur und Dolce Vita«
                                Brot zu bohren und nur ein klein wenig                  ging es mit rohmariniertem Seeteufel mit
                                weiches Brot zu essen – es würde ja keiner              Basilikum und dazu 1996 Chablis 1er cru.                Meine erste 14 tägige Fastenkur sollte an
                                                                                                                                                einem Sonntag, damals 21 jährig, im Jahre
                                                                                                                                                                                                                y k Z CF
                                merken. Doch bei der Mama angekom-                      Danach kam ein gedämpfter Seesaibling
                                men, war das halbe Brot hohl. Sie lächelte              auf weißem Bohnenpüree und Ingwer-                      1960 beendet werden. Vorsichtig öffnete
                                                                                                                                                ich eine Dose Ölsardinen, einen Apfel hatte

                                                                                                                                                                                                                F A b bg f
                                und ab dann durfte ich immer zwei Brote                 sauce, dazu ein 1998 Sauvignon blanc. Der

                                                                                                                                                                                                                     g o
                                kaufen. Nie wieder habe ich so ein leckeres             Hauptgang bestand aus gefüllter Maischolle              ich nicht, und verzehrte den ersten Fisch.




                                                                                                                                                                                                                                    F
                                                                                                                                                Gierig verleibte ich mir den Rest der Dose

                                                                                                                                                                                                                 b H f
                                Brot gegessen – unvergesslich.                          mit einem 1997 Chardonnay und den Ab-
                                                                                                                                                ein. Danach fand ich mich wieder, schweiß-




                                                                                                                                                                                                                                  H
                                           von Natalie Agel, 48 Jahre, Kita-Leiterin    schluss bildeten ein Omelette Surprise und
                                                                                                                                                gebadet festgeklammert am Griff unserer




                                                                                                                                                                                                                                 A
                                                                                        Espresso.
                                                                                                     von Nicole Forker, 37 Jahre, Soziologin    Wohnungstür, mein Magen unerträglich                       y k Z CF




                                                                                                                                                                                                                                    F
                                                                                                                                                                                                                                    s
                                                                                                                                                                                                           F A b bg f w
                               »Das Knacken von Karamellkruste«                                                                                 schwer, meine Beine weich wie schmel-

                                                                                                                                                                                                                g o
                                                                                                                                                zende Butter und der taghelle Sonntag
                                Eine ganz wunderbare Urlaubserinnerung




                                                                                                                                                                                                                      F


                                                                                                                                                                                                                                        T
                                                                                                                                                verschluckt von kollernder Nacht. Das

                                                                                                                                                                                                            b H f r a
                                habe ich an die köstliche »Creme Brulée«,              »Die versteckte Mandel«




                                                                                                                                                                                                                            H
                                                                                                                                                Treppenhaus ein Abgrund... Zwischen
                                die sich unsere Familie im Sommer 2007,                 Heiligabend 1973. Meine Schwester und                   lakenbezogenen Betten vor grünstichigen




                                                                                                                                                                                                                     A
                                bei strahlendem Sonnenschein, in Bisca-                 ich haben uns heftig in die Haare gekriegt.             blätternden Wänden auf der Seuchen-




                                                                                                                                                                                                                       F
                                                                                                                                                                                                                       s
                                rosse Plage, in einem niedlichen kleinen                Eigentlich grundlos. Aber deshalb gebe                  station.
                                Straßencafe gegönnt hat. Wir hatten kurz
                                zuvor den Film »Die fabelhafte Welt der
                                                                                        ich doch nicht klein bei. Als Vorspeise zum                              von Milo Lohse, 69 Jahre, Künstler
                                                                                                                                                                                                                               w




                                                                                                                                                                                                                          T
                                                                                        Weihnachtsessen gehört bei uns zu Hause
                                Amelie« gesehen. Amelie hat ein Auge für
                                kleine Details, die den meisten Menschen
                                                                                        traditionell die Julegrød, ein Reispudding                                                                                             a Y
                                                                                        mit einer verstecken Mandel. Der Finder
                                verborgen bleiben. In diesem Falle ist es
                                das »Knacken der Karamellkruste« des                    erhält ein kleines Extrageschenk. Und tat-
                                                                                                                                               »Wenn bei Tisch das Haar abbrennt«
                                                                                                                                                Alle meine schönen Essen sind in der
                                                                                                                                                                                                                                r
                                                                                        sächlich – in diesem Jahr finde ich sie. Doch
                                Desserts »Creme Brulée« mit der Spitze des
                                Dessertlöffels, das sie ganz hinreißend                 dann findet auch meine Schwester eine
                                                                                                                                                Erinnerung zu einer Reihe von Ritualen
                                                                                                                                                mit Geschmack geworden, mit besonderer
                                                                                                                                                                                                                                                a
                                beschreibt. Wir konnten uns nun von                     Mandel. Ausgerechnet ...! Plötzlich müssen              Farbe und vor allem mit einem Ort: Ob
                                diesem besonderen Genuss selbst über-                   wir beide lachen. Schöne Bescherung. Klar,              die Pasta im Cuneo auf dem Kiez oder das
                                zeugen und waren begeistert.                            dass wir uns das Mandelgeschenk teilen.                 nächtliche Essen beim Griechen im Schan-
                                          von Carolin Brunkhorst, 45 Jahre, Lehrerin                  von Ute Grobbel, 49 Jahre, Erzieherin     zenviertel mit meiner Geliebten, die jetzt

   | 18   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                                                                                19 |
                            »Allein unter Franzosen«                             »Moritz der Schinkenfreund«                             »Lettland tischt auf«                                     »Radlerfreunde betteln Biker an«
                             Als einziger Deutscher war ich zu einer              Mein guter Freund Moritz und ich wollten                Winter 2004/05. Evita, eine Freundin aus                  Sommer 1958. Mit einem Freund radelte
                             französischen Hochzeitsfeier eingeladen.             eine 10 km-Tour zum Oortkaatensee auf                   Lettland, holt mich mit dem Versprechen                   ich von Wuppertal in die Eifel, in ein Kaff
                             Nach der Kirche wurden Aperitiv, Nüsse               Inline-Skates unternehmen. Meine Sport-                 ab, sie habe eine Überraschung. Mit                       nahe der luxemburgischen Grenze. Die
                             und Oliven angeboten. Soweit, so gut, aber           lichkeit hält sich in Grenzen, und so                   dem Auto fahren wir zum Schiffsanleger                    Jugendherberge Blankenheim erreichten
                             als sich auch um neun Uhr abends noch                schleppte ich mich (teils durch Moritz                  Neumühlen, parken mit Blick auf die Elbe.                 wir zehn Minuten zu spät und standen
                             nichts daran änderte, war ich doch etwas             geschoben und gezogen) zum See. Dort                    Und dann packt Evita aus: Ein komplettes                  vor verschlossener Tür. Wir radelten weiter
                             enttäuscht. War das etwa die vielbeschwo-            überfiel uns ein Bärenhunger. Moritz, der es             Picknick mit lettischen Spezialitäten,                    – hungrig hin, kaputt her – Richtung
                             rene Lebensart? Umso erstaunter war ich              mag, dicke Brotscheiben ohne Butter nur                 mit Piragi, Silke Kažoka (Hering mit                      Bitburg. Gegen fünf Uhr früh waren wir
                             jedoch, als spät um zehn das freudige                mit einem Hauch von Schinken bedeckt                    Kartoffeln, Eiern, Dill und Sauerrahm),                   total erschöpft und unser Ziel noch nicht
                             Festmahl begann und in neun Gängen bis               qualvoll hinunter zu würgen, bot mir so ein             Komm-morgen-wieder (mit Fleisch                           in Sicht. Gott sei Dank kam uns ein Krad-
                             morgens um drei zelebriert wurde. Das                Un-Butterbrot an. Ich war kaputt, müde,                 gefüllte Pfannkuchen) und zum Dessert                     fahrer entgegen, den wir anhielten und um
                             durchzuhalten war für einen Ungeübten                stolz und hungrig, biss tapfer in das staub-            Debessmanna (Himmelspeise: geschlagene                    Essen anbettelten. Der Mann gab uns seine
                             wie mich doch ein Erlebnis.                          trockene Brot – und habe noch nie etwas                 Moosbeeren mit Milch). Dazu trinken                       Stullen, dick belegt mit rohem Schinken
                                               von Thomas Niefanger, 45 Jahre,    Besseres gegessen. Diese Stulle war mir in              wir – dick eingemummelt – heißen Tee                      und – bestreut mit Zucker. Es schmeckte
                                                        Wirtschaftsingenieur                                                              und Riga Black Balsam, den tief dunklen,                  scheußlich, war wunderbar sättigend und
                                                                                  diesem Moment eine solche Lust, dass ich
                                                                                  sie noch sehr lange freudig in Erinnerung               dickflüssigen, stark duftenden Kräuterlikör                bleibt unvergesslich.
                                                                                  behalten werde!                                         und gucken Schiffe.                                                       von Jens Waubke, 65 Jahre, Rentner
                            »Kinder kochen im Schloss«                                         von Tatjana Pfendt, 23 Jahre, Studentin                      von Peter Storck, 60 Jahre, Dozent,
                             Ein mittelalterliches Schloss im Südwesten
                                                                                                                                                                                                   »Läßt bei der Liebe was anbrennen«
                             Frankreichs, davor große Tische, an denen
                             eine bunte, internationale Mischung von             »Taxifahrer in der Broilerbar«                          »Konversation im Elsass«                                   Freitag, 11. März 2005. Ich lade eine liebe
                                                                                                                                                                               ■
                             Menschen hungrig, durstig und lautstark              Im Jahr 1990, zwischen Fußballweltmeister-              Es war im Elsass, Anfang der 90er-Jahre. Mit              Frau zu mir nach Haus zum Essen ein und
                             auf das Essen wartet: Das herbstliche                schaft und Wiedervereinigung, hatte es                  einem befreundeten französischen Foto-                    biete meine Kochkünste an. Leider ist vieles
                             Theatertreffen beim Temps Fort Théâtre               mich als Taxifahrer in das mitternächtliche             grafen hatten wir einen Papierrestaurator                 (vor Aufregung) angebrannt; wir lachen
                             in der Dordogne! Lachen, Lieder...                   Mecklenburg verschlagen. Großer Hunger                  in seinem Atelier, einer alten Wassermühle,               darüber, unterhalten uns angeregt und
                             Essen als Fortsetzung des Theaters. Ein              machte mir zu schaffen, Hamburg war weit.               besucht und gingen dann mit ihm und                       vertieft, improvisieren mit noch essbaren
                             Essen bleibt unvergesslich: plötzlich öffnen         Plötzlich ein neues Leuchtschild »Broiler«              drei seiner Freunde ins Dorfgasthaus. Wir                 Speisen und lernen uns ungezwungen
                             sich die Tore des Schlosses, und gemes-              auf windschiefem Imbissstand. Was zum                   sprachen kein Französisch, die Franzosen                  kennen. Ich spürte eine Seelenverwandt-
                             senen Schrittes nahen, stolz als Köche in            Himmel ist ein Broiler? Trotz beunruhigen-              kein Deutsch, und ihr Englisch war eher                   schaft. Der Boden einer Quiche war ange-
                             weißer Kleidung und mit hohen weißen                 der Assoziationen orderte ich selbigen                  rudimentär. Trotzdem entspann sich gleich                 brannt, wir haben jedoch einen sehr festen
                             Mützen, unsere kleinen Kinder mit Selbst-            und betrachtete nachdenklich, was mir                   ein sehr intensives, persönliches Gespräch,               Halt gefunden, einen liebevollen Grund-
                             gemachtem – nie werde ich den unver-                 auf Pappe serviert wurde. »Was guggste                  bei dem sich alle mit Händen und Füßen                    stein – auf dem Boden der Liebe – und
                             gleichlichen Geschmack der Mayonnaise                Meister, isn 1a-Goldbroiler«! Mit aller ge-             bemühten, ihre Erfahrungen und Gefühle                    vor zwei Jahren in der Christianskirche
                             vergessen, die mein fünfjähriger Jakob uns           botenen Vorsicht biss ich zu und siehe da:              zu vermitteln. Der Wein tat sein Übriges,                 geheiratet. Unser lieber Sohn ist dort am
                             servierte.                                           Es war köstlich.                                        nach drei Stunden schieden wir wie Freun-                 24. August 2008 getauft worden, und wir
                                                   von Thomas Niese, 60 Jahre,            von Jürgen Reißner, 53 Jahre, Dipl. Pädagoge    de. Was es zu essen gab? Keine Ahnung,                    sind sehr glücklich.
                                                    Musiker/Schauspiellehrer                                                                                                                            von Thomas Weiß, 43 Jahre, Dipl. Sozialpädagoge
                                                                                                                                          wahrscheinlich Choucroute – Sauerkraut.
y k                                                                                                                                            von Christiane Tichatschek, 44 Jahr, Journalistin

      Z CF
                                                                                 »Rendezvous mit Risiko«
                                                                                  Liebe und Kochkunst haben eines gemein-                                                                          »Muttern kocht am besten«

 F A b bgo f                                                                      sam: Es geht um alles oder nichts. Also                »Festtagsessen wie in Ostpreussen«                         Mein schönstes, unvergeßlichstes Essen ist

     H gf
                                                                                                                                                                                                    immer noch das Festmahl, das meine
                        F




                                                                                  lud ich meine spätere Frau in ein schickes              Essen ist meine Leidenschaft. Meine Groß-
                                                                                  Restaurant ein, um ihr nach der Vorspeise               mutter, die ein ostpreussisches Gasthaus                  Mutter in jedem Jahr am Heiligabend
   b
                              H




                                                                                  ein langfristiges Angebot zu machen. Eine               führte, lud regelmäßig zu großen Ver-                     zubereitete: Schweineschlegel mit Bohnen-
                  A




                                                                                  leere Weinkaraffe auf dem Tisch erzeug-                 wandtenessen ein. Das begann mit Salat                    salat, Salzkartoffeln und leckerer Braten-
                            F
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                                                                                  te geheimnisvolle Spannung. Da hinein                   und verschiedenen Vorspeisen, gipfelte im                 sauce und zum Nachtisch Erdebeerkompott.
                                                                                                                                                                                                    Im Michelin hätte es dafür keinen Stern
                                  w                                               sollten die Rosen des Rosenverkäufers, der              Hauptgericht, mit dreierlei Sorten Braten,
                             T




                                                                                  sonst immer, jetzt aber natürlich nicht kam.            Kartoffeln und Knödeln, Rotkohl, Erbsen                   gegeben, aber bei mir drei Stück.
                                 a             y A                                »Liebste Ira, ich möchte dich etwas fragen
                                                                                  ...« In diesem Augenblick erschien die
                                                                                                                                          und Wurzeln, über Mousse au chocolat in
                                                                                                                                          verschiedenen Geschmacksrichtungen
                                                                                                                                                                                                             von Curt Zimmermann, 74 Jahre, Pensionär


                                  r            F                                  Kellnerin mit dem Lammcarré. Der Anblick                und endete mit Kuchen und Gebäck und
                                                                                  dieses Gerichts und Iras Gesichtsausdruck               als krönender Abschluss, der Prinzregenten-
                                                                                  werden mir immer im Gedächtnis bleiben,                 torte. So schmausten wir an Weihnachten
                                                                                  weil beides zusammen einen Moment                       und Ostern, Geburtstagen und Hochzeits-
                                                                                  großer Nähe markiert, in dem ich alles auf              tagen und was es zwischendurch zu feiern
                                                                                  Rot gesetzt und gewonnen habe.                          gab.
                                                                                               von Philipp Schulz, 46 Jahre, Redakteur                         von Ina Wagner, 42 Jahre, Ärztin                                                   ■

| 20   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                                                                                 21 |
                                                                                                   KIRCHENMUSIK
                                                                                                                                   Mit neuer Musik tun sich viele Leute schwer, sie wird als elitär empfunden, weil sie sich
                                                                                                                                   oft traditionellen Hörgewohnheiten entzieht. Wie gut besucht sind die Konzerte mit neuer
                                                                                                                                   Musik in der Christianskirche?
                                                                                                                                   Die sind unterschiedlich besucht. Bei manchen Konzerten ist die Kirche richtig voll, bei anderen ist
                                                                                                                                   der Besuch schlecht. Es gab sogar mal ein Konzert, wo nur drei Besucher da waren. Das lag dann
                                                                                                                                   aber auch am Wetter und anderen Dingen. Wenn man sagt, neue Musik sei schwierig… Neue
                                                                                                                                   Musik ist so vielfältig. Neue Musik kann unglaublich schön sein, und kann sehr schwierig sein. Es
                                                                                                                                   gibt Leute, die kaufen sich eine CD, um mal hinein zu hören.. Das ist aber gar kein Vergleich. Vieles
                                                                                                                                   vermittelt sich nur durch Dabeisein, beim Zusehen, wie diese Töne entstehen. Wenn man das alles
                                                                                                                                   nicht weiß, den Raum und die ausführenden Personen nicht sieht, sondern letztlich nur die Geräu-
                                                                                                                                   sche hört, dann ist der Zugang zu neuer Musik schwierig.
                                                                                                                                   Wer kommt zu den Konzerten?
                                                                                                                                   Man kann nicht sagen, zu einem Konzert mit neuer Musik kommen die oder jene. Es gibt ein speziel-
                                                                                                                                   les Publikum, das zu elektronischer Musik gerne kommt. Das ist natürlich nur ein kleiner Kreis. Aber
                                                                                                                                   der kommt denn auch. Oder zu experimentellen Sachen. Viele Leute sind aber auch einfach neugierig,
                                                                                                                                   sind offen für Erfahrungen. Das sind ja auch immer neue Seh-, Hör- und Erlebniserfahrungen.
                                                                                                                                   Gehören zum Publikum auch Gemeindemitglieder?
                                                                                                                                   Wie sieht sich das »Forum Neue Musik« in der Kirchengemeinde verankert?
                                                                                                                                   Zunächst war die Verankerung, was das Interesse der Gemeinde anbelangt, nicht so groß. Es gibt
                                                                                                                                   Gemeindemitglieder, die regelmäßig kommen, das sind aber nicht so viele bei dieser großen
                                                                                                                                   Gemeinde. Doch das ändert sich. Im letzten Konzert waren mehrere Senioren aus dem Rumond-
                                                                                                                                   Walther-Haus. Und die gingen glücklich nach Hause, und sie wollten wieder kommen. Das war für
                                                                                                                                   sie eine gute und wichtige Erfahrung. Natürlich gibt es auch Konzerte, wo viele aus der Gemeinde
                                                                                                                                   kommen. Als wir zum Beispiel eine konzertante Oper von Philipp Glass aufgeführt hatten, war das


                            Klingt meine Musik
                                                                                                                                   Interesse groß, ebenso bei einem Konzert mit Indianerliedern von Karlheinz Stockhausen. Aus der
                                                                                                                                   Gemeinde heraus erlebe ich wirklich große Unterstützung. Das »Forum Neue Musik« ist Teil der
                                                                                                                                   Gemeinde. Viele Musiker beteiligen sich an weiteren Gemeindveranstaltungen. So wäre zum Bei-
                                                                                                                                   spiel die Reihe »Text & Klang« ohne diese Musiker gar nicht denkbar. Die kommen aus dem Bereich


                            in diesem Raum?
                                                                                                                                   der neuen Musik.
                                                                                                                                   Das »Forum Neue Musik« ist aus der früheren Reihe »Jazz & Spirit« entstanden. Spirit
                                                                                                                                   – Geist – hat mit Spiritualität zu tun. Du hast schon mehrfach die besonderen und
                                                                                                                                   sehr persönlichen Erfahrungen erwähnt, welche die Künstler und Konzertbesucher im
                                                                                                                                   Kirchenraum machen. Spielt das Thema Spiritualiät für das »Forum« eine Rolle?
                            Seit 2005 gibt es in der Christianskirche das »Forum Neue Musik«. Herz und Seele dieser Konzertreihe   Es spielt eine Rolle, aber eine unausgesprochene, eine, die, wie ich glaube, durch den Raum mit-
                            ist der Ottenser Künstler und frühere Kunsterzieher und Theaterpädagoge Milo Lohse. Kirchspiel         bestimmt wird. Es gibt natürlich Konzerte, wo dagegen gespielt wird, aber das war nur so bei ein
                            sprach mit ihm über neue Musik in einer alten Kirche.                                                  oder zwei, die ich hier miterlebt habe. Ich meine aber, dass der Spirit ganz schön mitspielt und mit
                                                                                                                                   dabei ist.
                            Was verstehst du unter neuer Musik?                                                                    Was sind deine nächsten Projekte?
                            Im »Forum Neue Musik« geht es um zeitgenössische Musik, um die klassische Avantgarde:                  Am 14. Dezember gibt es »Klangwellen«, ein Projekt der Rudolf-Steiner-Schule Bergedorf im
                            Schnittke, Schostakowitsch, Messiaen und andere, also alles das, was heute komponiert oder             Rahmen von »Klangradar 3000«, einem Hamburger Musikprojekt, das von der Kulturbehörde
                            improvisiert wird, also elektronische Musik und Klangkunst.                                            gefördert wird, und bei dem Komponisten in Schulen gehen und mit einer Musikklasse oder einer
                            Warum neue Musik ausgerechnet in einer – barocken – Kirche?                                            Musikgruppe ein Stück der neuen Musik besprechen, hören und sich inspirieren lassen, selber zu
                            Es gibt wenige Räume, wo es eine Möglichkeit gibt, neue Musik zu spielen. Die Christianskirche ist     komponieren. Dafür hat der Komponist und Cellist Wittwulf Y Malik das Stück »Pression« für Cello
                            ein besonderer Raum, mit einer besonderen Akustik. Künstler spielen hier auch gerne, weil sie sich     solo von Helmut Lachenmann ausgewählt. Die Schüler führen hier ihre eigene Komposition auf,
                            fragen: Klingt meine Musik in diesem Raum? Das sind dann auch für die ausführenden Musiker oft         anschließend spielt der Cellist David Stromberg Lachenmanns »Pression«. Weiter geht es im neuen
                            ganz besondere Erfahrungen und Erlebnisse. Janos Négesi, ein Geiger aus Kalifornien, spielte hier      Jahr zum Beispiel mit Cello en Vogue – sieben Cellistinnen aus der ganzen Republik. In der Passi-
                            auf seiner Violine beide Bände von Cages Freeman Etudes, die bis dahin als unspielbar galten. Er       onszeit wird von Marianne Greve eine Klanginstallation zu sehen und zu hören sein, die sich auf
                            stand mit seiner Geige auf dem Podest und war glücklich. Er genoß den Klang des Kirchenraums           das Abendmahlsbild bezieht. Da werden wohl auch Klopstock-Texte verarbeitet. Im April folgt das
                            so sehr, dass er gleich eine CD aufnahm. So geht es eigentlich allen Musikern. Sie kommen gerne        »Festival Blurred Edges«. Ein Konzert mit dem Cellisten David Geringas und sieben weiteren Cellis-
                            hierher, weil sie die besondere Atmosphäre und die herrliche Akustik lieben.                           ten ist noch nicht ganz sicher, aber da bin ich im Gespräch wegen der Finanzierung. Viele andere        UNSER AUTOR
                                                                                                                                   Konzerte kommen noch mit russischer Avantgarde.                                                         Christoph J. Gugger
                            Wie entsteht das Programm des »Forum Neue Musik«?
                                                                                                                                                                                                                                           ist Vater zweier Kinder.
                            Hinter dem letzten Blurred Edges Festival steckte eine klare Planung. Das Thema war »New York          Vielen Dank für das Interview. Zum Schluss noch eine Frage: Was ist deine Lieblingsspeise?
                                                                                                                                                                                                                                           Neben seinem Beruf als
                            School«, also Morton Feldman, John Cage und Christian Wolf. Im nächsten Blurred Edges Festival         Ach das ist schwierig. Ich habe viele Lieblingsspeisen. Was ich im Moment gerne mag, sind Pasta-        Kulturmanager gehört
                            2009 will ich die russische Avantgarde vorstellen: Sofia Gubaidulina, Viktor Suslin und andere          Gerichte mit Chili-Pasta, so eine Mischung aus schwarzen und roten Penne. Die schwarzen sind            er seit vielen Jahren
                            Komponisten. Auf der anderen Seite gibt es viele Hamburger Komponisten und Musiker, die in             mit Sepia und die roten sind Tomaten und Chili gefärbt und ganz scharf. Diese bereite ich im            zum Redaktionsteam
                            unsere Konzeption passen, und die – auch spontan – anfragen, ob sie bei uns spielen dürfen.            Moment mit großer Lust und esse sie sehr gerne ■                                                        des Kirchspiels.


| 22   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                                                                                   23 |
                                                                                                  MARKEKIRCHE
                                                                                                                               Entworfen hat das neue Design die Agentur »Maßarbeit«, Kommunikation für Umwelt,
                                                                                                                               Gesellschaft und Technik, deren Geschäftsräume in Sichtweite der Christianskirche an der
                                                                                                                               Ecke Holländische Reihe/Arnemannstraße liegen. Ein Schwerpunkt der Designerinnen liegt im
                                                                                                                               Bereich des Social Marketing. Da geht es um Menschen und Beziehungen, Engagement und das
                                                                                                                               Tun des Gerechten. Das sollte doch reichen, um anzukommen. Mund-zu-Mund-Propaganda
                                                                                                                               und ein bisschen Information. Kommunikationsdesign und Corporate Identity, mit diesen
                                                                                                                               neudeutschen Gepflogenheiten tat und tut sich die Kirche schwer.

                                                                                                                               Aber eine Marke ist nach wie vor eine Marke, eine »Markierung« zur Kennzeichnung einer
                                                                                                                               Dienstleistung oder eines Produktes. Die Marke ermöglicht Erkennbarkeit und Zuwendung und
                                                                                                                               damit die Identifizierung mit etwas eindeutig Bestimmtem – in diesem Fall mit der Evangelisch-
                                                                                                                               Lutherischen Kirchengemeinde Ottensen mit all ihren Bereichen und Facetten.

                                                                                                                               Und: zur Marke gehören Marketing und Kommunikation. Auch die Kirche ist darauf angewiesen,
                                                                                                                               sich planmäßig, ausdrucksstark und unverwechselbar darzustellen; sie ist ein »Markenartikel«
                                                                                                                               geworden, mit Markenbekanntheit, Markenbewusstsein, Markenvertrauen und Markentreue.
                                                                                                                               Das fordert professionelle Gestaltungsarbeit. Nach dem »Briefing« durch Mitglieder des
                                                                                                                               Kirchenvorstands wurden die Designerinnen kreativ und legten insgesamt zehn verschiedene
                                                                                                                               Entwürfe vor. Sie wurden diskutiert, optimiert, verworfen, neu gemacht und wieder diskutiert.
                                                                                                                               Der Kirchenvorstand entschied dann schnell: Das neue Logo und die neue Typographie wurden
                                                                                                                               nahezu einstimmig angenommen. Anschließend gingen die »Maßarbeiterinnen« daran, das
                                                                                                                               Markenzeichen zu »deklinieren«, d. h. es auf alle Bereiche unserer Gemeinde anzuwenden: Als
                                                                                                                               allgemeines Logo, als Definition des Pfarramts, der Kirchenmusik und der Chorschule, der Kita,
                                                                                                                               des Weltladens, für Prospekte, Flyer und Broschüren – eben für alles, was unsere Gemeinde nach
                                                                                                                               außen trägt.




                                                                                                                                                                          Wiedererkennbarkeit fordert ein klares Signal,
                            Kirchengemeinde                                                                                                                               klare Symbole, eindeutige Zuordnung



                            Ottensen –                                                                                         Prägnanz – das heißt viel Bedeutungsinhalt in möglichster Kürze. Das »Gesetz der Prägnanz«
                                                                                                                               sagt, dass in einer Vielzahl von Elementen jene zuerst wahrgenommen werden, die sich in einer


                            was für eine Marke
                                                                                                                               oder mehreren Eigenschaften von den anderen abheben. Die Kunst ist dabei, deutlich zu sein,
                                                                                                                               ohne auffällig zu wirken; zeitlos zu sein ohne modische Attitüden, traditionell und fortschrittlich
                                                                                                                               zugleich aufzutreten.

                                                                                                                               Identität bedeutet Zugehörigkeit. Möglichst jedermann und -frau, Jung und Alt, Groß und Klein
                                                                                                                               sollen sich mit der Gemeinde und ihrer Darstellung identifizieren. Ein gutes Markenzeichen
                                                                                                                               vollbringt hier einen regelrechten Balanceakt – indem es persönliche Geschmacksvorlieben,
                                                                                                                               individuelle Erfahrungen und Lebensstile einbindet in eine allgemeingültige Darstellung, die
                                                                                                                               klar macht, was gemeint ist – eben die Kirchengemeinde Ottensen.

                                                                                                                               Wiedererkennbarkeit bedeutet, »die Evangelisch Lutherische Kirchengemeinde Ottensen –


                            W
                                      ir sind schon eine Marke! Schon sehr lange stehen die Kirchen als weithin sichtbare      Christianskirche Osterkirche« ist jederzeit und überall zu erkennen, im geistlichen wie im
                                      Markierungszeichen im Stadtteil. Früher reichte das, da war die Kirche im Dorf, nahe     weltlichen Umfeld. Wiedererkennbarkeit fordert ein klares Signal, klare Symbole, eindeutige
                                      am Markt. Heute ist das Gesicht einer Gemeinde vielfältiger. Was geschieht da nicht      Zuordnung – inhaltlich und formal, in Broschüren, Flyer, Magazinen oder Plakaten.
                            alles! Und da braucht es ein Zeichen, was dem vielschichtigen Ganzen ein Gesicht gibt. Ein Bild,
                            ein Wort, am besten beides. Mit der Fusion der Gemeinden Christianskirche und Osterkirche war      Ist das neue Zeichen ästhetisch, stimmen Formen und Farben, ist es ausreichend modern, ist es
                                                                                                                                                                                                                                     UNSER AUTOR
                            ein neues »Markenzeichen« fällig. Die Profis sprechen von der Wort-Bild-Marke, die unsere neue      traditionell genug, deckt es die Erwartungen, Wünsche und Vorlieben unserer Gemeindeglieder           Peter Storck, Dozent
                            große Gemeinde definiert und nach außen erkennbar macht. Jetzt ist das neue Markenzeichen           ab? Ist es nötig oder doch nur vom Zeitgeist getrieben? Diese Fragen werden sicher lebhaft            und Texter, lebt seit
                            fertig.                                                                                            diskutiert, und das ist auch gewünscht ■                                                              2002 in Ottensen


| 24   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                                                                             25 |
                                                                                                        LIEBEKIRCHE




Feinstaub auf meiner Haut
                                                                                                                                            Feinstaubmann             Eierfrau




                                                                                                                                   seiner Hände Arbeit . Ich war tief beeindruckt davon, dass ich offenbar im Begriff war, jemanden


                            M
                                      anchmal, wenn ich freitags in meiner kleinen Bude auf dem Ottenser Spritzenplatz             kennenzulernen, der diese Kirche, die ich immer mit größter Ehrfurcht bestaunt hatte, vor dem
                                      stand, schien mir das Leben freudlos. Besonders im Winter, wenn die Kälte von unten          allmählichen Verfall bewahrte. Das Ganze klang nach reichlich Fachkompetenz und erregte
                                      durch meine Moonboots kroch und der Chef allen den dampfenden Kaffee brachte,                mein höchstes Interesse.
                            nur mir nicht, überwogen gelegentlich die Zweifel. Dann fühlten sich selbst die Eier, die ich von
                            8 bis 18 Uhr mit klammen Fingern in die Kartons legte, wie Eiswürfel an. Ein Glück, dass es meine      Doch wieder drehte das Glück eine Ehrenrunde. Seinem Terminvorschlag für ein echtes Rendevous
                            Kunden gab, die jede Woche wiederkamen, mich mit Freundlichkeiten und warmen Worten be-                konnte nun wiederum ich nicht entsprechen, da die Frauengeschichtsgruppe, der ich seit Jahren
                            glückten und meinen Markttag zu einer Quelle des kleinen Glücks werden ließen.                         die Treue hielt, für diesen Abend einen Nicaragua-Videoabend in der Motte anberaumt hatte. Ich
                                                                                                                                   erfuhr beim Vorbringen meiner Erklärung, dass ich nicht nur auf einen Handwerker mit höchster
                            Es dürfte im April 1987 gewesen sein, als sich ein Fremder aus Altona in den Wirren des                Fachkompetenz gestoßen war, sondern zeitgleich auf einen Mann, der an Frauenprojekten in
                            Ottenser Marktgeschehens verirrte. Er trug zünftige Arbeitskleidung, die jedoch wegen des              Nicaragua allergrößtes Interesse zeigte. (Meine Erinnerung an diesen Abend beschränkt sich
                            darauf haftenden Feinstaubs kaum mehr als solche zu erkennen war. Die 10 Eier der mittleren            übrigens auf die Tatsache, dass an dieser Veranstaltung nur ein einziger Mann teilnahm...)
                            Kategorie, die er bestellte, sah er schmunzelnd im Karton versinken. Dann war er auch schon
                            wieder verschwunden.                                                                                   Unsere nächste Begegnung fand auf der Wiese der Christianskirche statt, wo ich mir ein leben-
                                                                                                                                   diges Bild der dort verrichteten Arbeiten machen konnte, während ich, mit germanistischer
                            Schon am Tage darauf schlug das Schicksal leise zu, denn es kam zu einer erneuten uner-                Fachlektüre getarnt, auf seinen Feierabend wartete. Ein denkwürdiger Moment, in dessen Folge
                            warteten Begegnung. Auf einer der legendären Parties in der Werkstatt 3, wo man damals an je-          es – auf der Grünfl äche in unmittelbarer Nähe unserer Kirche zu zwei entscheidenden, weg-
                            dem ersten Samstag im Monat tanzen durfte, weil ganz normale Menschen ganz normale Musik               weisenden Klarstellungen kam: Ich meinerseits gab zu verstehen, dass ich nicht die selbst-
                            auflegten, trat er in Zivil auf mich zu. »Bist Du nicht die Eierfrau?« fragte er. Ich musste bejahen,   lose Ökobäuerin mit eigenem Hof, Gesinde und großzügigen Ländereien war, die er vermutlich
                            obwohl ich lieber andere meiner Qualitäten hervorgehoben gewusst hätte. Doch für ausführ-              in mir sah, sondern mit einem noch unfertigen Magisterstudium einer möglicherweise nicht
                            liche Gespräche war der Geräuschpegel zu hoch und so blieb es bei seiner Ankündigung eines             ganz so ruhmreichen Karriere ins Auge sah. Er wiederum unterbreitete mir, dass er nicht der
                            erneuten Besuchs am Eierstand, den er bereits für den darauffolgenden Freitag avisierte.               Geschäftsführer eines angesehenen Steinmetz-Unternehmens war, sondern lediglich der Aus-
                                                                                                                                   zubildende im 2. Lehrjahr.
                            Es sollte aber anders kommen, denn statt seiner selbst trat am frühen Nachmittag des kommen-
                            den Markttages eine Unbekannte auf den Plan und überreichte mir mit sehr interessiertem, ja            Die Verbindung hielt trotzdem und in der Folge zog es uns immer wieder in Richtung Kirche: in
                            fast neugierigem Gesichtsausdruck einen sorgsam verschlossenen Brief. Ich nahm ihn, offen              den Turm, auf die Wiese, den Friedhof, zum Chor, überall dorthin, wo die feinen Schwingungen
                            gestanden ein wenig beschämt, entgegen und beschloss, einen ruhigen Moment abzuwarten,                 unserer Ottenser Kirche wirken. Und dies, obwohl wir uns bei unserer Hochzeit lediglich auf die
                            um ihn zu öffnen. Die Situation hatte insgesamt bereits eine leichte Dynamik entwickelt,               standesamtliche Trauung verständigen konnten. Auch die beständig diskutierte Taufe unserer         UNSERE AUTORIN
                            weshalb es durchaus Erstaunen in mir auslöste, dass der Absender des Briefes offenbar seine            Tochter wussten wir so lange hinauszuzögern, bis diese alt genug war, sich wortstark dagegen       Andrea Weber, schreibt
                                                                                                                                                                                                                                      Bücher über Geschichte
                            Freundin zur Übergabe auserkoren hatte. Nur dank der länger werdenden Schlange konnte                  zu wehren, weil ihr der Gedanke nicht gefallen wollte, vor den Augen der Gemeinde mit kaltem
                                                                                                                                                                                                                                      und Geschichten über
                            ich mit eifriger Betriebsamkeit die etwas peinliche Lage aushebeln und signalisierte, dass ich         Wasser bespritzt zu werden...                                                                      Hamburger Häuser
                            mich melden würde. In einer ruhigen Minute widmete ich mich dem Brief und erfuhr, dass der                                                                                                                und Gärten und spürt
                            Handwerker sich für den versäumtenEierkauf entschuldigte, weil er in noch wichtigerer Mission          Aber das letzte Wort ist eben niemals gesprochen: Und so wird die Taufe nachgeholt, die Kon-       die Schwingungen der
                            unterwegs war: das historische Mauerwerk der Christianskirche harrte der Restaurierung durch           firmation vorbereitet und es scheint, als würde sich der Kreis nun endlich wieder schließen.        Ottenser Kirche.


| 26   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                                                                            27 |
                                                                           RATGEBER
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                                                                                                               Kirchengemeinde Ottensen
                                                                                                                Evangelisch-Lutherische
                                                                                                               Christianskirche-Osterkirche
                                                                                                                Kirchengemeinde Ottensen
                                                                                                               Kirchenbüro
                                                                                                                Christianskirche-Osterkirche
                                                                                             Hauswirtschaft Doris Klug
                                                                                                     Küster Rüdiger Horbank, Hubertus Ziesmer
                                                                                                                                                                         i
                                                                                                                                                                         i
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                                                                                                Trauungen Barbara Glöggler
                                                                                                              Ottenser Marktplatz 6
                                                                                                               Kirchenbüro
                                                                                                  Sekretariat 22765 Hamburg
                                                                                                               Rüdiger Horbank
                                                                                                    Telefon    Doris 86 17-0
                                                                                              Hauswirtschaft 040 • 39Klug
                                                                                                    Telefax 040 • 39 86 17-20
                                                                                                       Küster Hubertus Ziesmer
DIE ANLEITUNG
Sie wollten schon immer
                                                                                                     E-Mail
                                                                                                  Trauungen buero@kirche-ottensen.de
                                                                                                               Barbara Glöggler
                                                                                                   Internet www.kirche-ottensen.de
                                                                                                               Ottenser Marktplatz 6
mal in den Gottesdienst
                             1                         2           3                                           22765 Hamburg
der Christianskirche
kommen? Hatten aber                                                                                  Telefon Pfarramt 86 17-0
                                                                                                               040 • 39
bisher Bedenken,                                                                                    Pastor Michael Rose17-20
                                                                                                     Telefax 040 • 39 86
weil Sie nicht sicher                                                                                 E-Mail Klopstockplatz 2
                                                                                                               buero@kirche-ottensen.de                           Altenwohn- und Pflegeheim
waren wie Gottesdienst                                                                              Internet 22765 Hamburg
                                                                                                               www.kirche-ottensen.de                             Rumond-Walther-Haus
funktioniert.                                                                                      Telefon 040 • 398 25 220
                                                                                                                                                          Leitung Andrea Küch
                                                                                                    E-Mail rose@kirche-ottensen.de
                                                                                                               Pfarramt
Da haben wir etwas für
                                                                                                                                                                  Klopstockplatz 4
                                                                                                       Pastor Michael Rose
                                                                                                   Pastorin Annette Gruenagel                                     22765 Hamburg
Sie. Die Hinweise zum
                                                                                                               Klopstockplatz 2
                                                                                                              Bei der Osterkirche 13                      Telefon 040 • 398 25-0 und Pflegeheim
geregelten Ablauf des                                                                                                                                              Altenwohn-
Gottesdienstes. Machen
                             4     5               6                7                                          22765 Hamburg
                                                                                                              22765 Hamburg                                E-Mail rwh@kirche-ottensen.de
                                                                                                                                                                   Rumond-Walther-Haus
Sie sich in aller Ruhe mit                                                                                     040 • 39 82 52 20
                                                                                                      Telefon 040 • 41 09 59 59
                                                                                                    Telefon                                                Leitung      Marten Gereke
diesen Informationen                                                                                   E-Mail rose@kirche-ottensen.de
                                                                                                     E-Mail gruenagel@kirche-ottensen.de                              Kindertagesstätte
                                                                                                                                                                        Klopstockplatz 4
vertraut. Zu ihrer                                                                                                                                                    Christianskirche
Sicherheit haben wir in
                                                                                                    Pastorin Frank Howaldt
                                                                                                    Pastor     Annette Gruenagel                          Leitung       22765 Ott
                                                                                                                                                                      Isabella Hamburg
                                                                                                               Bei der Osterkirche 13
                                                                                                             Susettestraße 11                              Telefon
                                                                                                                                                          Telefon      040 • 398 25-0
                                                                                                                                                                      040 • 39 24 40
der Kirche weitere
Exemplare dieses Heftes                                                                                        22765 Hamburg
                                                                                                             22763 Hamburg                                  E-Mail
                                                                                                                                                           E-Mail       rwh@kirche-ottensen.de
                                                                                                                                                                      kita@kirche-ottensen.de
stets vorrätig.                                                                                                040 • 41 09 59
                                                                                                     Telefon 040 • 390 46 80 59
                                                                                                   Telefon
                                                                                                      E-Mail howaldt@kirche-ottensen.de
                                                                                                               gruenagel@kirche-ottensen.de                            Kindertagesstätte
                                                                                                    E-Mail                                                            Kindertagesheim
                                                                                                                                                                       an der Christianskirche
Zögern Sie nicht, uns                                                                                                                                                 Osterkirche
danach zu fragen.            8                9                    10                                 Pastor Frank Howaldt                                 Leitung     Isabella Ott
                                                                                                              Chorschule an der                           Leitung     Natalie Agel
Wir wünschen Ihnen                                                                                             Susettestraße 11                            Telefon     040 • 39 24 40
                                                                                                              Christianskirche                                        Zeißstraße 71
einen entspannten                                                                                              22763 Hamburg                                E-Mail     kita@kirche-ottensen.de
                                                                                                                                                                      22765 Hamburg
                                                                   NEWS                              Telefon 040 • Igor Zeller
                                                                                                   Leitung Kantor 390 46 80
und inspirierenden                                                                                                                                        Telefon     040 • 390 91 41
Gottesdienst!                                                                                          E-Mail Susettestraße 11
                                                                                                               howaldt@kirche-ottensen.de                 Telefax      Kindertagesheim
                                                                                                                                                                      040 • 303 917 55
                                                                                                              22763 Hamburg                                            an der Osterkirche
                                                                                                                                                           E-Mail     kita-osterkirche@hamburg.de
                                                                                                   Telefon 040 • 386 12 806 der
                                                                                                               Chorschule an                               Leitung     Natalie Agel
                                                                                                    E-Mail zeller@kirche-ottensen.de
                                                                                                               Christianskirche                                        Zeißstraße 71
                                                                                                                                                                      Kinderkeller
                                                                                                     Leitung    Kantor Igor Zeller                                     22765 Hamburg
                                                                                                                                                                      der Osterkirche
                                                                                                              Weitblick – Arbeitsstelle für
                                                                                                                Susettestraße 11                           Telefon
                                                                                                                                                          Leitung      040 • 390 91 41
                                                                                                                                                                      Songül Demir
                                                  11                                                          Frieden Hamburg                               Telefax    040 • 30 39 17
                                                                                                                                                                      Zeißstraße 71 55
                                                                                                                22763 und Gerechtigkeit
                                                                                                   Leitung Jürgen 38 61 28 06                                E-Mail    kita-osterkirche@hamburg.de
                                                                                                                                                                      22765 Hamburg
                                                                                                     Telefon 040 • Reißner
                                                                                                                                                          Telefon     040 • 410 959 5
                                                                                                       E-Mail Ottenser Marktplatz 6
                                                                                                                zeller@kirche-ottensen.de                              Kinderkeller
                                                                                                              22765 Hamburg                                E-Mail     kinderkeller.osterkirche@web.de
                                  ABENDMAHL                TAUFE                                                                                   Öffnungszeiten      an der Osterkirche
                                                                                                                                                                      Mo bis Fr, 13.00 - 18.00 Uhr
                                                                                                   Telefon 040 • 39 86 17-10
                                                                                                               Weitblick – Arbeitsstelle für               Leitung     Songül Demir
                                                                                                    E-Mail weitblick@kirche-ottensen.de
                                                                                                                Frieden und Gerechtigkeit                              Zeißstraße 71
                                                                                                                                                                      Bugenhagenschulen
                                                                                                     Leitung   Jürgen Reißner                                          22765 Hamburg
                                                                                                                                                                      Schulstandort Osterkirche
                                                                                                               Ottenser der Christianskirche
                                                                                                              Weltladen Marktplatz 6                       Telefon     040 • 4 10 95 95
                                                                                                                                                     Koordination     Annika Woydack
                                                                                                   Leitung Anne Waubke
                                                                                                               22765 Hamburg                                E-Mail     kinderkeller.osterkirche@web.de
                                                                                                                                                                      Bei der Osterkirche 17
                             12        13                    14                                      Telefon Ottenser Marktplatz 6
                                                                                                               040 • 39 86 17-10                    Öffnungszeiten     Montag bis Freitag 13.00–18.00 Uhr
                                                                                                                                                                      22765 Hamburg
                                                                                                       E-Mail 22765 Hamburg
                                                                                                               weitblick@kirche-ottensen.de               Telefon     040 • 50 77 33 35
                                                                                                   Telefon 040 • 39 86 17-10                               E-Mail      Bugenhagenschulen
                                                                                                                                                                      schule-unterm-kirchturm@bugi.de
                                                                                                    E-Mail weltladen@kirche-ottensen.de
                                                                                                               Weltladen an der Christianskirche         Internet      Schulstandort
                                                                                                                                                                      www.evshh.de Osterkirche
                                                                                                                                                      Koordination     Annika Woydack
                                                                                                     Leitung Anne Waubke                                               Bei der Osterkirche 17
                                                                                                             Ottenser Marktplatz 6                                     22765 Hamburg
                                                                                                             22765 Hamburg                                  Telefon    040 • 50 77 33 35
                                                                                                     Telefon 040 • 39 86 17-10                               E-Mail    schule-unterm-kirchturm@bugi.de
                                                                                                      E-Mail weltladen@kirche-ottensen.de                  Internet    www.evshh.de

| 28   kirchspiel 01/2008                                                                                                                                                                           29 |
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