musik_und_gottesdienst

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					Musik und Gottesdienst
Ein spannendes Thema
    Ein weites Feld
Musik und Gottesdienst
Klärungen
   Was soll man unter „Musik“ verstehen?
   Reine Vokalmusik
   Instrumental begleitete Vokalmusik
   Instrumentalmusik
   Was soll man unter „Gottesdienst“ verstehen?
   Sonntagsgottesdienst/Gemeinschaftsstunde
   Sondergottesdienste/Andachten
   Geistliche Konzerte
Musik und Gottesdienst
Fragestellungen
   Warum soll Musik im Gottesdienst erklingen –
    die Frage nach ihrer Berechtigung
   Welche Musik soll im Gottesdienst erklingen –
    die Frage nach ihrer Auswahl
   Wo soll Musik im Gottesdienst erklingen –
    die Frage nach ihrer Aufgabe
   Wozu soll Musik im Gottesdienst erklingen –
    Frage nach der Ausrichtung
Musik und Bibel
Grundlinien
   Es gibt keine biblische Musiktheorie
   Es gibt keinen biblischen Musikbegriff
   Es gibt aber biblische Musik: Gesang
    und Spiel
   Menschliche Herkunft: 1. Mo 4,21!
    Göttliche Herkunft: Weish 11,21?
Musik im Alten Testament
Aussagen und Anfragen
   Unbestritten ist: Dass es eine Fülle von Belegen
    gottesdienstlicher Musikpraxis des Volkes Israel gibt.
   Bestritten werden könnte: Damit die heutige
    gottesdienstliche Musikpraxis zu begründen.
   Der Alte Bund mit seinen Zeremonien ist für Christen
    überholt Gal 5,1.6.
   Im Alten Bund gab es selbst Kritik an der
    gottesdienstlichen Musikpraxis Am 5,23.
   Die gottesdienstliche Musikpraxis des Alten Bundes
    kann nicht wiederhergestellt werden.
Musik im Neuen Testament
Aussagen und Anfragen
   Unbestritten ist: dass in den
    urchristlichen Gottesdiensten Psalmen,
    Hymnen und geistliche Lobgesänge
    gesungen wurde Kol 3,16.
   Umstritten ist: ob es in den
    urchristlichen Gottesdiensten
    Instrumente gegeben hat Eph 5,19;
    Offb 5,8; 14,2; 15,2.
Musik in der Bibel
Fazit
   Es gibt keine christliche Pflicht (weder
    eine apostolische Forderung noch einen
    göttlichen Auftrag), vor Gott singen und
    spielen zu müssen! Spr 8,31f.
   Es gibt aber die christliche Freiheit
    (dem Evangelium entsprechend), vor
    Gott singen und spielen zu dürfen! 1
    Kor 3,22f.
Musik in der Alten Kirche
Gesang
   Die Alte Kirche ist von Anfang an eine
    singende Kirche gewesen!
   Das gottesdienstliche Psalmensingen hat sich
    rasch verbreitet mit großem Erfolg!
   Gründe: Vorbild Jesu und der Apostel;
    Verbindung zur Synagoge; Wortbezogenheit
    des Gesangs; Mensch als Tonerzeuger
Musik und Alte Kirche
Instrumentale Musik
   In der nachapostolischen Zeit bis 200 gibt es
    keine kritischen Äußerungen gegen, aber
    auch keine Belege für eine gottesdienstliche
    Instrumentalmusikpraxis.
   In der frühkatholischen Zeit (200 – 500)
    häufen sich die kritischen Äußerungen bei
    den Kirchenvätern, jedoch vor allem
    gegenüber heidnischer Instrumentalmusik.
   Vermutlich sind geographisch und zeitlich
    punktuell Saiten- und Schlaginstrumente in
    die Gottesdienste einbezogen worden.
Musik und Alte Kirche
Fazit
   Ob neben dem Gesang Instrumente in den
    Gottesdiensten der Alten Kirche eingesetzt
    wurden, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit
    klären.
   Aber selbst wenn eine eindeutige Klärung
    möglich wäre, würde sie die jetzige
    Gottesdienstpraxis weder begründen noch in
    Frage stellen, da inzwischen ganz andere
    religiöse, kirchliche und soziale Faktoren eine
    Rolle spielen.
Musik und Mittelalter
Gesang
   Das liturgische Singen erfreut sich großer
    Beliebtheit und wird nicht in Frage gestellt.
   Die Gemeinde verliert im Laufe der
    Jahrhunderte ihre bestimmende Rolle als
    Träger des Gesangs an den Klerus.
   Im Frühmittelalter wird noch Wert auf
    einfache Formen gelegt, mit dem
    Hochmittelalter kommt die Mehrstimmigkeit
    auf.
Musik und Mittelalter
Instrumentale Musik
   Wohl seit dem Ende des Frühmittelalters
    werden Instrumente in den Gottesdiensten
    des Westens wieder eingesetzt.
   In den Ostkirchen bleiben Instrumente
    dauerhaft aus dem Gottesdienst
    ausgeschlossen.
   Die Orgel beginnt ihren kirchlichen Siegeszug
    erst im Hochmittelalter im Zusammenhang
    mit den Kaiserhuldigungen.
Musik und Mittelalter
Fazit
   Es ist nicht mehr mit letzter Sicherheit
    zu klären, warum West und Ost sich
    kirchenmusikalisch auseinander
    entwickelt haben.
   Die Entfaltung der Musik in der
    Westkirche des Mittelalters steht im
    Zusammenhang mit deren
    Machtentfaltung.
Musik und Reformation
Die Lutheraner
   Der Gemeindegesang in deutscher Sprache
    erhält einen zentralen Platz im Gottesdienst.
   Die Instrumentalmusik ist nach wie vor zur
    Bereicherung des Gottesdienstes willkommen
    – sie begleitet noch nicht den Gesang!
   Der Berufsstand des Kantors entsteht,
    Schülerchöre werden gebildet.
Musik und Reformation
Die Reformierten
   In Zürich schafft Zwingli 1524 den Gesang im
    Gottesdienst ab und lässt alle Orgeln
    entfernen. Erst 1598 wird der Gesang wieder
    eingeführt, im 19. Jahrhundert werden
    wieder Orgeln eingebaut.
   In Genf führt Calvin den einstimmigen
    Psalmengesang ein und lässt 1546 die Orgeln
    abbrechen, die erst im 18. Jahrhundert
    wieder erklingen.
   Die instrumentale Musik wandert in die
    bürgerliche Gesellschaft aus und wird dort
    weiter gepflegt.
Musik und Reformation
Fazit
   Musik im Gottesdienst kann nicht historisch
    begründet werden, da sich kein
    flächendeckender und kontinuierlicher Einsatz
    nachweisen lässt.
   Musik im Gottesdienst muss nicht historisch
    begründet werden, da sie sich weder biblisch
    ausweisen kann noch Zeremonien aufgrund
    ihres Alters eine Berechtigung haben.
Musik und protestantische
Musikanschauung
   Kann Musik im evangelischen
    Gottesdienst mit der Musikanschauung
    von Martin Luther begründet werden?
   Kann sie mit der Musikanschauung von
    weiteren bedeutenden evangelischen
    Theologen begründet werden?
Musik und Luther
Grundlinien
   Luther besitzt eine große Offenheit zu allen
    Arten von Musik: Choral, Chormusik,
    Instrumentalmusik, Vogelgezwitscher,
    Engelsmusik, Sphärenmusik...
   Zum einen begreift Luther die Musik als
    göttliches Geschenk. Sie ist darum von allen
    Künsten dem Wort Gottes am nächsten.
   Zum anderen versteht Luther die Musik als
    göttliches Geschöpf. Sie darum Schöpfungs-
    und Erhaltungsordnung.
Musik und Luther
Gesang
   Der Gesang ist für Luther eine Bibel für
    gelehrte und ungelehrte Leute und ein
    Kennzeichen der Kirche.
   Er möchte, dass täglich in der Kirche
    gesungen wird, und zwar nicht „alte“,
    sondern „neue“ Lieder.
   Luther hat selbst gesungen und 36 Lieder
    verfasst.
   Er kann den Gesang auch kritisieren, z.B.
    lateinische und abergläubische Texte, den
    Verdienstgedanken usw.
Musik und Luther
Instrumentale Musik
   Luther hat selbst Laute gespielt und sich mit
    Organisten ausgetauscht.
   Die Instrumentalmusik steht für Luther über
    der kosmischen Musik, aber unter der vokalen
    Musik.
   Luther kann die instrumentale Musik im
    Gottesdienst nicht nur loben, sondern auch
    hart kritisieren, wegen der Kosten, wegen der
    Unverständlichkeit, wegen des Missbrauchs,
    aber v. a. wegen des Verdienstgedankens.
    (Musizieren als gutes Werk)
Musik und Luther
Fazit
   Luthers universale Musikanschauung gründet in der
    Weite seiner Theologie
   Seine Unterscheidung von Gesetz und Evangelium
    bewahrt ihn vor Gesetzlichkeit
   Sein volksmissionarisches Anliegen macht ihn offen
    für vielfältige Formen der Evangeliumsweitergabe
   Seine Berufung auf die Hl. Schrift als Maßstab lässt
    ihn die leibliche Seite ernst nehmen und schützt ihn
    vor Vergeistlichung.
   Sein Rückgriff auf gewachsene Traditionen vermeidet
    radikalreformerische Ansätze, die das Kind mit dem
    Bade ausschütten.
Musik und Zwingli
Grundlinien
   Zwingli unterscheidet scharf zwischen Geist
    und Fleisch, zwischen Innerlichkeit und
    Äußerlichkeit. Nur im Geist soll man Gott
    anbeten!
   Zwingli sieht den Gottesdienst vor allem unter
    dem Blickwinkel des persönlichen Gebets, von
    dem nichts ablenken darf.
   Zwingli sieht die Musik hauptsächlich als gute
    Freizeitbeschäftigung an. Er selbst beherrscht
    eine Vielzahl von Instrumenten und
    komponiert auch Lieder.
Musik und Zwingli
Seine Argumente gegen die Musik
   Biblische Argumente: Paulus hätte das Singen vom
    Mund ins Herz hinein verlegt; die Propheten hätten
    die kultische Musik kritisiert; Christen sollen innerlich
    beten; Jesus möchte keine selbst erdachten
    menschlichen Traditionen.
   Andachtspsychologische Argumente: Der Mensch
    kann sich nicht längere Zeit konzentrieren; lautes
    Singen und Spielen stören das innerliche Beten.
   Kultkritische Argumente: Werkgerechtigkeit und
    Verdienstlichkeit; Kommerzialisierung; Heuchelei; die
    Menschen wollen nur Ansehen und Geld durch ihre
    Musik.
Musik und Zwingli
Erklärungsversuche
   Wie kommt der musikalischste aller
    Reformatoren zu einer solchen Ablehnung
    von gottesdienstlicher Musik?
   Es gibt den (neu)platonisch-philosophischen
    Ansatz in der Antike, der wahre Gläubige solle
    die Gottheit nur noch mit dem stillen Opfer
    seiner Gedanken verehren.
   Zwinglis Sichtweise ist in seiner Theologie
    begründet, speziell in seinem
    spiritualistischen Gottesdienstverständnis.
Musik und Calvin
Grundlinien
   Calvin hat selbst nie ein Instrument gespielt.
   Geprägt ist seine Haltung gegenüber der
    Musik von einer großen Ängstlichkeit, dass es
    zu Missbräuchen kommt.
   Außerdem tritt Calvin für eine Musikpraxis des
    Herzens und des Glaubens ein, die jeden
    Automatismus und Traditionalismus ablehnt.
Musik und Calvin
Einschränkungen
   1. Einschränkung: Keine Instrumentalmusik,
    weil unverständlich, überholt, pervertiert.
   2. Einschränkung: Nur einstimmiger Gesang,
    um der Einfachheit des Evangeliums zu
    entsprechen.
   3. Einschränkung: Nur Psalmentexte, denn
    diese sind direkt vom Hl. Geist.
   4. Einschränkung: Nur gewichtige, maßvolle,
    erhabene Melodien und Rhythmen.
Musik und Calvin
Folgen
   Die einstimmigen Psalmengesänge
    verbreiten sich in der Schweiz, in
    Deutschland, den Niederlanden,
    Schottland und Nordamerika.
   Der Chorgesang und die
    Instrumentalmusik wandern aus den
    Kirchen aus in die Häuser, Schulen und
    später in die Konzertsäle.
Musik und Spener
Grundlinien
   Der Zweck des Gottesdienstes besteht
    für Spener 1. in der Erbauung aller
    Gläubigen und 2. in der Beteiligung aller
    Gläubigen (Allgemeines Priestertum!).
   Sofern bestimmte Musik dazu einen
    Beitrag leisten kann, verdient sie einen
    Platz in der Gemeindefeier.
Musik und Spener
Gesang
   Erbaulichkeit und Gemeindebeteiligung
    gewährleisten einfache Texte und
    gleichmäßig fließende Melodien.
   Neue Lieder sollen behutsam eingeführt
    werden und nur mit dem Einverständnis der
    Gemeinde.
   Besonders Lieder, die die Erneuerung und
    Heiligung des Menschen und das Lob Gottes
    zum Thema haben, sollen gesungen werden.
Musik und Spener
Instrumentalmusik
   Die Instrumentalmusik darf nicht zu virtuos
    oder verspielt sein, damit sie von allen
    verstanden wird und keinen ablenkt.
   Beim Nachspiel können diejenigen nach
    Hause gehen, die dafür keinen Sinn haben.
   Besser ein gläubiger Organist, der schlecht
    spielt als ein ungläubiger Organist, der gut
    spielt.
Musik und Spener
Fazit
   Spener hat die Einführung des
    Kirchenkonzerts vorbereitet.
   Positiv ist sein Anliegen, Musik für den
    inneren und äußeren Gemeindeaufbau
    zu nutzen.
   Kritisch ist seine Haltung gegenüber
    kunstvoller Musik, was Probleme mit
    sich bringt.
Musik und Zinzendorf
Grundlinien
   Zinzendorf experimentiert gern mit
    neuen musikliturgischen Formen wie
    z.B. der Singstunde oder der Litanei.
   Geprägt ist seine Musikanschauung zum
    einen von der charismatische Betonung
    der Geisterfülltheit, zum anderen von
    der mystischen Betonung der Beziehung
    zu den Engeln und Seligen.
Musik und Zinzendorf
Gesang
   Der Gesang soll sehr leise sein, langsam und
    würdevoll.
   Beim Singen soll immer das Herz beteiligt sein. Aber
    man soll hörbar singen.
   Spontan singen ist besser als aus dem Gesangbuch.
   Der Heilige Geist ist am stärksten beim Singen am
    Wirken, deshalb ist Singen besser als Predigt-Hören.
   Wer sich aus der „Hütte“ (d.h. Körper) singt,
    verbindet sich mit dem Gesang der Engel und Seligen
    und erfährt die Nähe Gottes auf besondere Weise.
Musik und Zinzendorf
Instrumentalmusik
   Die Instrumentalmusik ist ein reines
    Hilfsmittel zur Begleitung des Gesangs
    und muss darum sehr zurückhaltend
    sein.
   Man soll sie nicht abschaffen, aber ohne
    instrumentale Begleitung singen ist
    auch sehr schön.
Musik und Zinzendorf
Fazit
   Zinzendorf möchte das Singen durch eigene
    Lieddichtungen, durch Singstunden und
    eigene Gesangbücher fest im Gemeindeleben
    verankern.
   Zinzendorf möchte ferner einen Musikstil, der
    von Einfachheit und Würde geprägt ist.
   Die instrumentale Musik spielt eine geringere
    Rolle als in den lutherischen Gottesdiensten
    seiner Zeit.
Musik und ev. Musikanschauung
Fazit
   Musik im Gottesdienst kann nicht mit den
    Anschauungen ev. Theologen begründet
    werden, denn ihre Sichtweisen sind weder
    verbindlich noch eindeutig.
   Während der Gemeindegesang sehr gefördert
    worden ist, hat es instrumentale Musik im ev.
    Gottesdienst schwerer als im katholischen
    (Gründe: Volkskirchliches Anliegen der
    Verständlichkeit; Betonung der Predigt; Kritik
    gegenüber äußerer Frömmigkeitspraxis).
Musik und positive Wirkungen
Argumente
   Musik im Gottesdienst kann auch mit positiven
    Wirkungen begründet werden.
   Musik erzielt z.B. ästhetische Wirkungen wie die
    Erfahrung der Schönheit Gottes.
   Musik erzielt z.B. spirituelle Wirkungen im Gebet, in
    der Stille, in der Versenkung.
   Musik erzielt z.B. kulturelle Wirkungen wie
    Öffentlichkeit, Integration, Traditionsbezug.
   Musik erzielt z.B. partizipatorische Wirkungen wie z.B.
    gemeinsames Singen, Hören, Musizieren.
Musik und positive Wirkungen
Gegenargumente
   Die positiven Wirkungen können nicht oder
    nicht in dem Maße zustande kommen wie
    behauptet und erhofft.
   Die positiven Wirkungen könnten auch durch
    ganz andere Elemente erzielt werden als
    durch Musik
   Die positiven Wirkungen haben auch negative
    Begleiterscheinungen, die sie wieder
    aufheben können.
Musik und Symbolik
Argumente
   Musik im Gottesdienst kann auch mit ihrer Symbolkraft
    begründet werden.
   1. Mit der Zahlensymbolik, indem musikalische Zahlen auf
    höhere Ursachen zurückgeführt werden (z.B. Die Siebenzahl der
    Tonleiter auf die Siebenzahl der Vollendung).
   2. Mit der Harmoniesymbolik, indem musikalische Harmonie mit
    der Harmonie von Leib und Seele und der Harmonie der
    Gestirne zusammen gehört wird.
   3. Mit der Instrumentensymbolik, indem die Eigenheiten der
    Instrumente und des instrumentalen Spiels auf geistliche
    Sinngehalte zurückgeführt werden.
   4. Mit der Liturgiesymbolik, indem Wesensähnlichkeiten
    zwischen der Musik und dem Gottesdienst bzw. Gottes Wort
    aufgezeigt werden (z.B. gehen beide über das Gehör).
Musik und Symbolik
Gegenargumente
   Viele Menschen können die Symbolik ohne
    vorherige Aufklärung gar nicht im
    Gottesdienst erfassen.
   Die geistlichen Bezugspunkte sind spekulativ
    und damit willkürlich und veränderbar.
   Die Symbolik könnte auch von anderen
    Symbolträgern als der Musik übernommen
    werden.
Musik und Gottesdienst
Fazit zu den Begründungsversuchen
   Die vorgestellten Zusammenhänge (Bibel, Geschichte,
    Theologen, Wirkungen, Symbolik) reichen nicht aus, Musik im
    Gottesdienst zu begründen.
   Man sollte daher nicht von Daseinsrecht oder
    Daseinsnotwendigkeit der Musik im Gottesdienst sprechen,
    sondern besser von Chancen, die sich durch sie ergeben.
   Positive Freiräume werden durch Musik eröffnet, indem die
    geschöpfliche Ganzheitlichkeit berücksichtigt wird; indem viele
    einbezogen werden können; indem musikalische Gaben sich
    entfalten können; indem die lobpreisenden und verkündigenden
    und die betenden Elemente im Gottesdienst verstärkt werden
    usw.
   Die Gemeinde Jesu braucht keine Angst vor einem Zuviel an
    Musik haben, denn sie hat das Charisma, die Geister zu prüfen
    und sollte alle Möglichkeiten nutzen, das Evangelium weiter zu
    geben.
   Fazit: Alle Musik ist Notwendigkeit und Luxus zugleich!
Musik und Gottesdienst
Auswahl durch Geistlich/Weltlich
   Die Musik für den Gottesdienst anhand der Kriterien
    Geistlich/Weltlich auszuwählen ist nicht möglich.
   1. weil eine biblische Begründung fehlt (im Neuen
    Testament wird der Gegensatz aufgehoben)
   2. weil in der Geschichte die Grenzen häufig fließend
    waren (s. Kontrafaktur)
   3. weil keine musikalischen Stilelemente genannt
    werden können
   4. weil der Verfasser oder die Widmung noch keine
    Geistlichkeit garantieren.
   Fazit: Alle Musik ist geistlich und weltlich zugleich!
Musik und Gottesdienst
Kriterien zur Musikauswahl
   Kriterien sind notwendig, um Konflikte zu
    entschärfen, Chaos zu verhindern,
    Missbräuche zu vermeiden unter der Prämisse
    von 1 Thess 5,21, denn der geregelte Ablauf
    des Gottesdienstes muss gewährleistet
    werden 1 Kor 14,33.40
   Das wichtigste Kriterium bei der Liedauswahl
    ist das Textkriterium, obwohl hier die Grenze
    zwischen Vertretbarem und
    Nichtvertretbarem oft schwierig zu
    bestimmen ist (z.B. „Herr, deine Liebe...“).
Musik und Gottesdienst
Kriterien zur Instrumentalmusikauswahl

   Keine Kriterien sind: Kirchenrecht,
    gläubiger Komponist, Wortcharakter,
    Natürlichkeit, Tonalität, Qualität, Stil,
    Aktualität, Moral, Einfachheit,
    Authentizität...
   Kriterien sind: Praktikabilität,
    Allgemeinheit und Gemeindegemäßheit
Musik und Gottesdienst
Fazit zur Auswahl
   1 Kor 6,12: Es ist alle Musik erlaubt,
    aber nicht alle Musik erbaut den Leib
    Christi.
   Ausgeschlossen werden sollte Musik,
    die manipuliert, betäubt, schlechte
    Assoziationen weckt, Widerwillen
    hervorruft, nicht verstanden wird...
Musik und Gottesdienst
Nebenaufgaben
   Liturgische Nebenaufgaben: begleiten,
    überleiten, signalisieren, vorbereiten,
    verbinden, nachklingen lassen...
   Psychagogische Nebenaufgaben:
    Empfindungen ausdrücken, Brücken schlagen
    zum Alltag und zur Ewigkeit...
   Dekorische Nebenaufgaben: Festcharakter
    herausstreichen, Kirchenjahr verdeutlichen,
    Miteinander verschönern...
Musik und Gottesdienst
Die Hauptaufgabe des Lobens
   Die erste Hauptaufgabe der Musik im
    Gottesdienst ist der Lobpreis der dreieinigen
    Gottes.
   Wenn Gottes Geist im Menschen Gott lobt,
    lobt Gott sich selbst.
   Rechter Lobpreis ist nicht falscher
    Triumphalismus.
   Zum Loben gehören Herz, Mund und Hand,
    äußeres Tun und innere Einstellung müssen
    sich also entsprechen.
Musik und Gottesdienst
Die Hauptaufgabe der Verkündigung
   Verkündigung ist nicht machbares Menschenwerk,
    sondern unverfügbare Gottesgabe!
   Singen im Gottesdienst ist (auch) Verkündigung! Die
    Botschaft wird nochmals mit anderen Mitteln weiter
    getragen als durch die Predigt.
   Musizieren im Gottesdienst kann (auch)
    Verkündigung sein, z.B. indem Choralmelodien
    Textassoziationen wecken oder reine
    Instrumentalstücke durch ihre Verbindung mit
    Gottesdienst und Predigt ihre Auslegung erfahren.
Musik und Gottesdienst
Unselbstständiger Aufgabenbereich
   Begleitung von liturgischen Gesängen
    (Choräle, Hymnen, Chorusse usw.)
   Begleitung von liturgischen Redebeiträgen
    (Ansagen, Lesungen, Überleitungen usw.)
   Begleitung von liturgischen Handlungen
    (Abendmahl, Kollekte, Segen usw.)
   Begleitung von liturgischen Bewegungen (Ein-
    und Auszüge, Tanz usw.)
Musik und Gottesdienst
Selbstständiger Aufgabenbereich
   Gesang einschließlich Alternatimspiel und
    Intonation: um die Predigt zu vertiefen; um
    das Kirchenjahr zu verdeutlichen; um Gott
    anzubeten; um sich selbst zu erbauen...
   Vor-, Zwischen- und Nachspiel: um Gehörtes
    und/oder Gesungenes zu vertiefen, um auf
    Kommendes einzustimmen, um Vergangenes
    nachklingen zu lassen...
Musik und Gottesdienst
Darf Musik absichtslos sein?
   Der Theologe Friedrich D. E. Schleiermacher
    forderte: Musik im Gottesdienst darf weder
    belehren noch bekehren, sie soll einfach nur
    absichtslos religiöses Bewusstsein darstellen.
   Der Theologe Karl Barth forderte: Musik im
    Gottesdienst darf nicht predigen, sie solle
    einfach nur absichtslos vor Gott spielen.
   Frage: Ist Musik im Gottesdienst nicht immer
    ausgerichtet? Natürlich darf sie keine falschen
    Absichten verfolgen, aber ist sie nicht immer
    eigenständig und dienend zugleich?
Musik und Gottesdienst
Mögliche Wirkungen
   1. Meditative Wirkungen: Die Gebetshaltung wird
    unterstützt...
   2. Ethische Wirkungen: Die sittliche Ausrichtung wird
    gestärkt...
   3. Therapeutische Wirkungen: Die seelische
    Niedergeschlagenheit wird aufgerichtet...
   4. Pädagogische Wirkungen: Die Kenntnisse durch
    und über Musik werden erweitert...
   5. Soziale Wirkungen: Die Gemeinschaft wird
    vertieft...
   6. Missionarische Wirkungen: Der Glauben wird
    geweckt...
Musik und Gottesdienst
Bewertung der Wirkungen
   Die Wirkungen hängen stark von den
    Vermittlungsbedingungen (Situation,
    Rezipient...) ab.
   Die Wirkungen nicht weder dauerhaft noch
    tiefgehend, auch nicht ohne weiteres
    nachweisbar.
   Die Wirkungen können auch gegensätzlich
    ausfallen, dass Musik z.B. missionarisch
    abstoßend sein kann.
Musik und Gottesdienst
Schlussfazit
   Musik im Gottesdienst ist zugleich himmlische
    Gabe als auch irdisches Geschöpf.
   Musik im Gottesdienst ist zugleich Luxus als
    auch Notwendigkeit.
   Musik im Gottesdienst ist zugleich weltlich als
    auch geistlich.
   Musik im Gottesdienst ist zugleich Lobpreis
    als auch Verkündigung.
   Musik im Gottesdienst ist zugleich funktional
    als auch autonom.
Musik und Gottesdienst
Schlussthesen
   Wir brauchen eine größere Offenheit für alle Arten
    von Musik (z.B. auch für Volksmusik oder Techno),
    wenn wir Menschen erreichen und abholen wollen.
   Wir brauchen mehr musikalische Gottesdienste, in
    denen die Wortbeiträge hinter den musikalischen
    Beiträgen zurücktreten, wenn wir Menschen
    erreichen und abholen wollen.
   Wir brauchen eine höhere Qualität der musikalischen
    Darbietungen und zugleich eine höhere Beteiligung
    daran, wenn wir Menschen erreichen und abholen
    wollen.

				
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