7.FT Seminar Sozialer Wandel und by jianglifang

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									Hochschul-sozialisation

   Hochschulsozialisation
   30.10.2007
   Dipl. Soz. Ylva Sievi
Gliederung
    Definition von Hochschulsozialisation
    Forschungsfeld Hochschule
    Herausbildung eines (fachspezifischen;
     akademischen) Habitus im Verlauf der
     Hochschulsozialisation
    Hochschulsozialisation als Selektion
    Ergebnisse der Hochschulsozialisationsforschung

Huber, L. (1991). Sozialisation in der Hochschule. In K. Hurrelmann& D. Ulich
  (Hrsg.). Neues Handbuch der Sozialisationsforschung. Weinheim/Basel:
  Beltz Verlag S. 417-441.



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Definition von Hochschulsozialisation
        Sozialisation wird als der Prozess verstanden, in
         dem sich der Mensch als handlungsfähiges
         Subjekt in tätiger Auseinandersetzung mit der
         sozialen Umwelt entwickelt.
        Hochschulsozialisation ist der Teil dieses
         Prozesses, der mit dem Studium an einer
         Hochschule einhergeht




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Hochschulsozialisation fragt danach...

    Welchen Stellenwert diese Phase für die
     Persönlichkeitsbildung zwischen familiärer und
     schulischer auf der einen und der beruflichen
     Sozialisation auf der anderen Seite hat.
    Welchen Einfluss dabei die Hochschule zwischen
     der engeren Umwelt der Fächer einerseits und der
     Organisationsstruktur andererseits ausübt.




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Definition von Hochschulsozialisation

    Die Hochschulsozialisationsforschung will den
     Prozess theoretisch rekonstruieren, in dem die von
     den Studierenden aus der bisherigen Sozialisation
     mitgebrachten Dispositionen unter den
     Bedingungen eines Hochschulstudiums und in
     Auseinandersetzung mit diesen verstärkt oder
     verändert werden.
    Sie versucht den Zusammenhang von
     Voraussetzungen, Verlauf und Ergebnissen dieser
     Phase der Persönlichkeitsentwicklung zu erklären.


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Forschungsfeld Hochschule

    Hochschule lässt sich als eigenes Forschungsfeld
     kaum gegen andere Umwelten abgrenzen: Diffusion
     der Hochschule als Institution.
    Der Hochschulbereich erstreckt sich über eine Fülle
     von verschiedenen Strukturelementen, die sich auch
     widersprüchlich kreuzen (Verwaltung, Fachbereiche,
     Politik, studentische Vertretungen).
    Studierende müssen verschiedene, auch z.T. über die
     Hochschule hinausreichenden Lebensbezüge,
     balancieren (Wissenschaft, Ausbildung, strukturelle
     Rahmenbedingungen, Herkunftskultur und Subkultur).

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Transformation der Hochschule


 Zahlenverhältnisse in der Hochschule
  (Belegschaft und Studentenschaft)
 Lage im Beschäftigungssystem,
  insbesondere dem Arbeitsmarkt
 gesellschaftlicher Wertewandel

Folge: Integrationskraft der Hochschule als
       Institution verändert sich

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Funktionen der Hochschule

1)      Qualifikationsfunktion
        Vermittlung von hochspezialisierten Fertigkeiten und
        Kenntnissen.

2)      Enkulturationsfunktion
        Hochschule dient der Enkulturation in die wissenschaftliche
        System. In ihr ist die Reproduktion von wissenschaftlichen
        Normen, Werten und Interpretationsmuster institutionalisiert,
        die zur Sicherung der Herrschaftsverhältnisse dienen.

3)      Selektionsfunktion
        Verteilung auf die verschiedenen sozialstrukturellen
        Positionen einer Gesellschaft.



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Hochschulsozialisation als Enkulturation

    Verschiedene disziplinäre Wissenschaftskulturen
     (bestimmte Regeln, Rituale, Tabus) werden von
     deren Mitgliedern als selbstverständlich angesehen
     und bei anderen so vorausgesetzt.
    Sie müssen aber in der Praxis angeeignet und
     verinnerlicht werden.
    Dabei bildet sich ein fachspezifischer Habitus
     heraus.




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Was heißt Habitus?
    Habitus als dauerhaftes System eines bestimmten
     Wahrnehmungs-, Denk-, Bewertungs-, und
     Handlungsmusters der Angehörigen einer
     bestimmten sozialen Gruppe (Bourdieu)
    Aneignung des Habitus in der Praxis, Habitus
     erscheint aber als selbstverständlich, da er
     unbewusst angeeignet wurde.
    Fachspezifischer Habitus wird definiert als eine
     diziplinspezifische Kompetenz (Fähigkeit +
     Bereitschaft) neuartige Situationen gemäß einem
     generalisierten (situationsübergreifenden) Schemata
     zu interpretieren und entsprechend zu handeln.



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Fachspezifischer Habitus

    Der fachspezifische Habitus ist als
     Zusammenwirken der schon durch die
     Herkunftskultur mitgebrachten Wahrnehmungs-,
     Denk- und Handlungsmustern mit denen in der
     Fachkultur herrschenden zu verstehen.
    Identifikation von fachspezifischen Studien- und
     Lernstrategien, Arbeits- und Diskussionsstilen,
     Einstellungen und Lebensweisen.




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Aneignung eines fachspezifischen Habitus als Teil
der Hochschulsozialisation
    Initiation in Fachkulturen, die ihre je spezifischen
     Habitus hervorbringen
    In bestimmten Weltbildern, Problemsichten und
     Handlungsmustern manifestiert sich der den
     Mitgliedern eines Faches gemeinsame Habitus
    Dieser wird in alltäglichen Praktiken der Gruppe in
     einem spezifischen sozialen Raum angeeignet




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 Hochschulsozialisation als Herausbildung eines
 studentischen Habitus

Herkunftskultur
(milieuspezifischer Habitus)                            akademische Fachkultur




                    studentischer Habitus




 Geschlechts(habitus)                                   (zukünftige) Berufskultur


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Hochschulsozialisation als Selektion

         Zwei Systeme durchdringen die soziale Umwelt
          der Hochschule:
            Wissenschaftssystem
            Erziehungs- bzw. Ausbildungssystem
         Im Ausbildungssystem der Hochschule lassen sich
          zwei Hauptbereiche ausmachen, welche die
          Sozialisation beeinflussen:
     1.      Prüfungen
     2.      Selbstselektion



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Prüfungen

    Prüfungen sind im Wissenschaftssystem
     allgegenwärtig.
    Das Prüfungssystem hat nachhaltige Wirkungen
     auf die Persönlichkeitsentwicklung.
    Prüfungen dirigieren beträchtlich das Studienhandeln
      Sie instrumentalisieren die Auswahl von
        Veranstaltungen, Arbeitsthemen, Lehrern , Partnern
        für Lern- und Arbeitsgruppen, Arbeitsweisen
      Sie verursachen eine Orientierung auf die nötigen
        Noten anstatt auf tieferes Verstehen
      Prüfungsformen sind fachspezifisch verschieden und
        prägen den fachspezifischen Habitus.

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Prüfungen

    Prüfungen stellen eine starke psychische Belastung
     dar
            Geben ein Gefühl von Unsicherheit
            96 % der Studenten leiden unter mittlerer bis starker
             Prüfungsangst
            Prüfungsdruck löst Angstzustände, Arbeitsstörungen
             und Beziehungskrisen aus
            Mißerfolgsfurcht führt zum Aufschieben oder
             Wiederholen von Prüfungen und verursacht so
             Studienzeitverlängerungen



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Selbstselektion

    Selbstselektion findet schon bei der Entscheidung
     über die Aufnahme eines Studiums statt (Bsp.
     Arbeiter, Migranten)
    Selbstselektion regelt auch Verbleib oder Abwahl im
     Studium bzw. den Studienfächern
    Maßgeblich für den Verbleib im Studium sind nach
     Tinto Grad der akademischen Integration und
     sozialen Integration
    Selektion bestärkt den fachspezifischen Habitus
     derer, die in dieser Kultur verbleiben und
     homogenisiert diese – Reproduktion
     gesellschaftlicher Strukturen.


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Ergebnisse der
Hochschulsozialisationsforschung
Einstellungen
 Insgesamt wirkt sich die Hochschulsozialisation
  „liberalisierend“ auf Wertorientierungen, politische
  und soziale Einstellungen der Studierenden aus
 Aber: Weitreichende Unterschiede innerhalb der
  Studierenden nach Geschlecht, Ethnizität, Herkunft
  und Vorbildung.
  → Nachhaltiger als Hochschulsozialisation wirken
  daher vorgängige Soziallagen und
  korrespondierende Bildungsentscheidungen.
 Oft beträchtliche Einstellungsunterschiede zwischen
  den verschiedenen Studienfächern


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Ergebnisse der
Hochschulsozialisationsforschung
Selbstkonzept und Identitätsentwicklung
 Erfolge im akademischen Bereich beeinflussen das
  Selbstkonzept und die soziale Integration positiv
 Große Wichtigkeit der Hochschullehrer als
  Identifikationsfiguren (Zugewandtheit verstärkt
  fachliche Motivation bzw. Leistung und
  Selbstzufriedenheit)




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Ergebnisse der Forschung: Unterschiede
der Fachkulturen
    Unterschiede in der Rekrutierung
    Unterschiede in Einstellungen und Lebensweisen
     der Angehörigen verschiedener Fachkulturen
    Unterschiede in Problemwahrnehmungen und
     Lösungsperspektiven
     → bedingt: Unterschiede zwischen den Fächern als
     Kulturen überhaupt




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Fachspezifische Unterschiede in der
Rekrutierung
    Große fachspezifische Unterschiede der
     Rekrutierung nach Herkunft und Geschlecht;
     verschiedene Werthaltungen, Lebensziele und
     Berufsmotivationen schon zu Beginn des Studiums
    Unterschiedliche Rekrutierung je nach Soziallage:
     Kulturwissenschaften, Jura, Medizin eher aus
     höheren sozialen Schichten, Sozialwissenschaften,
     Mathematik, Naturwissenschaften eher aus unteren
     sozialen Schichten
    Frauen sind in Geistes- und Sozialwissenschaften
     deutlich überrepräsentiert, in Naturwissenschaften
     unterrepräsentiert


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Fachspezifische Unterschiede in
Einstellungen und Lebensweisen
    Starker Zusammenhang zwischen politischen und
     sozialen Einstellungen der Studierenden und ihrem
     Fach
     → Insgesamt ist die politische Orientierung eher
     nach links verschoben
    Linksorientierung und politisches Interesse hoch:
     Geisteswissenschaften, insbes.
     Sozialwissenschaften
    Stärkere Mitte- bis Rechtsorientierung:
     Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften,
     Medizin, Ingenieurwissenschaften
    Auch Lebensstile und Geschmackspräferenzen
     differieren zwischen den Fächern

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Fachspezifische Unterschiede in Problemwahrnehmungen
und Lösungsperspektiven

    Unterschiede in Interaktionsstrukturen
     (z.B. in Lehrveranstaltungen eher stoffzentriert bzw.
     leistungsorientiert vs. personen- und
     interessenorientiert)
      Unterschiede in der Lehrkultur und
     Lernorganisation (z.B. unterschiedliche Lehrstile,
     zeitliche Bindung ans Studium etc.)




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