400 Jahre erste deutsche Auswand

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					Allgemeine Wirtschaftspolitik/Industriepolitik



400 Jahre erste deutsche Auswanderer
in Amerika – Die Wurzeln der Herkunft
ergründen
Bremerhaven, 24. Juni 2009

www.bmwi.de
Redaktion
Deutscher Tourismusverband e.V. (DTV)
Claudia Gilles (ViSdP), Dr. Wolfgang Grams, Silvia Oster
Bertha-von-Suttner-Platz 13
53111 Bonn
Tel. 02 28 / 985 22 - 0
Fax 02 28 / 985 22 - 28
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Gestaltung und Produktion
PRpetuum GmbH, München

Bildnachweis
Förderverein Hapag Halle Cuxhaven (Titel, S. 3),
Archiv Routes to the Roots (S. 4, S. 8, S. 13, S. 19, S. 22),
Büro Faße/Büro Klimke (S. 6), Ancestry.com (S. 25),
Stefan Volk für DTV (Fotos der Veranstaltung)




Herausgeber                                                     Das Bundesministerium für Wirtschaft und
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)         Technologie ist mit dem audit berufundfamilie®
Öffentlichkeitsarbeit                                           für seine familienfreundliche Personalpolitik
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www.bmwi.de

Stand
September 2009
Europa und Außenwirtschaft



400 Jahre erste deutsche Auswanderer
in Amerika – Die Wurzeln der Herkunft
ergründen
Bremerhaven, 24. Juni 2009
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    Inhalt



    Einleitung ............................................................................................................................................... 3

    I. Bedeutung des Heritage-Tourismus für Deutschland ...................................................................... 4

    II. Best Practise-Beispiele im Heritage-Tourismus ............................................................................... 8

    III. Präsentation der Auswandererstandorte ....................................................................................... 13

    IV. Podiumsdiskussion ........................................................................................................................... 19

    V. Letter of Intent ................................................................................................................................. 22

    VI. Zahlen und Daten rund um Auswanderung und Heritage-Tourismus .......................................... 25
                                                                                                                    3




Einleitung




Überfahrt mit der „Kronprinzessin Cecilie“


Ein Sechstel aller US-Amerikaner hat deutsche Vor-        Tourismus gegeben. So sind beispielsweise die Themen-
fahren – damit bilden die Deutschamerikaner für das       museen zur Auswanderung in Bremerhaven und
Reiseland Deutschland eine sehr große und nicht zu        Hamburg zu vielbeachteten Destinationen geworden.
vernachlässigende touristische Zielgruppe. Das            Mit dem Start des Projekts „400 Jahre erste deutsche
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie          Auswanderer in Amerika – Die Wurzeln der Herkunft
(BMWi) beauftragte daher auch im Hinblick auf das         ergründen“ haben sich in Deutschland nun erstmals
400-jährige Jubiläum der Auswanderung Deutscher           Akteure und Institutionen in diesem speziellen tou-
in die USA den Deutschen Tourismusverband e. V.           ristischen Segment des internationalen Kulturtouris-
(DTV) mit der Projektträgerschaft zur weiteren För-       mus auf eine gemeinsame Initiative verpflichtet.
derung des touristischen Incoming im Roots- und
Heritage-Tourismus der deutschstämmigen US-                    Ernst Hinsken, MdB und Beauftragter der Bun-
Amerikaner. Mit einer gemeinsamen Auftaktver-             desregierung für Tourismus, der Vizepräsident des
anstaltung am 24. Juni 2009 in Bremerhaven starte-        Deutschen Tourismusverbandes e.V. Peter Siemering
ten BMWi und DTV zusammen mit Experten aus                und Moderatorin Kerstin Michaelis vom Norddeut-
Tourismus, Kultur und Wirtschaft dieses Projekt. Ziel     schen Rundfunk begrüßten in Bremerhaven namhaf-
des Projekts ist es, die über 50 Millionen deutschstäm-   te Referenten. Sie berichteten von ihrer täglichen
migen US-Amerikaner mit verbesserten Produkten im         Arbeit in Theorie und Praxis zur Tourismusförderung
Bereich des Heritage-Tourismus für einen Urlaub in        und stellten Profil und Potenziale eines erfolgreichen
Deutschland auf den Spuren der eigenen Vergangen-         Heritage-Tourismus vor. Zum Abschluss der Veran-
heit zu begeistern. An der Veranstaltung im Deutschen     staltung unterzeichneten 13 Touristikerinnen und
Auswandererhaus Bremerhaven nahmen etwa 100               Touristiker sowie Vertreterinnen und Vertreter ver-
Vertreter aus Tourismus, Politik und Kultur teil.         schiedener Kulturinstitutionen feierlich eine Absichts-
                                                          erklärung bzw. einen Letter of Intent zur weiteren
    In den vergangenen Jahren hat es bereits diverse      gemeinsamen Kooperation im Roots- und Heritage-
erfolgreiche Initiativen im Roots- und Heritage-          Tourismus.
4




    I.
    Bedeutung des Heritage-Tourismus
    für Deutschland
                                                                                                                         5




Begrüßung und Einführung                                        „Deutschamerikaner sind besonders interessiert,
                                                           die Wurzeln ihrer Herkunft zu ergründen, die Kultur
                                                           und Geschichte ihrer Vorfahren in einem Land mit-
                                                           ten in Europa zu erkunden. Der eigene Stammbaum
                                                           übt eine besondere Faszination aus. Eine historische
                                                           Verbindung zwischen den Menschen kann diese
                                                           freundschaftlichen Bande nur fördern“, so Hinsken.

                                                                Von diesem touristischen Interesse der Deutsch-
                                                           amerikaner ausgehend formulierte Hinsken das Ziel
                                   Ernst Hinsken, MdB
                                   Beauftragter der        des „Auswanderer-Projekts“ in Anlehnung an den
                                   Bundesregierung für     US-amerikanischen Schriftsteller und Literatur-No-
                                   Tourismus
                                                           belpreisträger John Steinbeck als eine „Reisekunde“;
                                                           als ein Lehr- und Lernfeld. Der Start des Projekts soll
Der Beauftragte der Bundesregierung für Tourismus          zur Entfaltung dieses Lehr- und Lernfeldes beitragen,
Ernst Hinsken hatte bereits im März 2009 zu einer          so Hinsken. Dafür wolle er „Wissen bündeln, Erfah-
Gesprächsrunde in das Bundeswirtschaftsministerium         rungen austauschen und eine breite optimierte
nach Berlin eingeladen. Mit dieser Runde begannen          Angebotspalette für Deutschland schaffen.“ In die-
die konkreten Vorbereitungen für das „Auswanderer-         sem Kontext forderte Hinsken, noch in diesem Jahr
Projekt“, in der sich die Akteure über die Grundzüge       auf die hervorragende Arbeit der Auswandererhäfen
des Projekts verständigten.                                in Bremerhaven, Cuxhaven und Hamburg aufzubau-
                                                           en und touristische Angebote zur Verknüpfung mit
     „Ein Startschuss für ein Projekt, das mir am Herzen   den Quellregionen der Auswanderer zu entwickeln.
liegt und das zum richtigen Zeitpunkt kommt“,
begrüßte Ernst Hinsken die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer. „Der Tourismus ist eine der Leitöko-
                                                            „Dem Heritage-Tourismus zu der Aufmerksamkeit            i
                                                            verhelfen, die er verdient, Kräfte bündeln und am Ball
nomien hier in Deutschland, er ist robust, aber auch
                                                            bleiben“
an ihm geht die Wirtschaftskrise nicht spurlos vor-
bei.“ Mit diesem Statement und mit Hinblick auf den
erheblichen Rückgang der Übernachtungen aus dem                 Für den positiven Fortgang des Projekts baut der
Ausland um etwa 7 Prozent forderte Hinsken, im             Bundesbeauftragte daher besonders auf das Fach-
Deutschlandtourismus neue Wege zu beschreiten,             wissen der Akteure und die geplanten Produktsemi-
strategisch und visionär zu denken und dem Roots-          nare in Deutschland; für die Vermarktung speziell in
und Heritage-Tourismus zu der Aufmerksamkeit zu            den USA vor allem auf die Arbeit der Deutschen Zen-
verhelfen, die ihm gebühre.                                trale für Tourismus (DZT). Nach erfolgreichen Kam-
                                                           pagnen wie „Discover German Originality“ und einem
     Das enorme Potenzial des Heritage-Tourismus           professionellen Auslandsmarketing soll die DZT für
sei, wie Hinsken betonte, in der deutschen Auswande-       das „Auswanderer-Projekt“ dann ab 2010 „die Fackel
rungsgeschichte begründet: 50 Millionen Nach-              übernehmen“.
fahren der deutschen Einwanderer in die USA stellen
nicht nur eine spezielle Zielgruppe dar, sie stehen
auch für die langjährigen transatlantischen Bezie-
hungen und haben als größte Einwanderungsgruppe
sowohl in den USA als auch in Deutschland Spuren
hinterlassen.
6          Bedeutung des Heritage-Tourismus für Deutschland




        Potenziale des Heritage-Tourismus für                      und Regionen der Vorfahren werden touristische
        den Deutschlandtourismus                                   Projekte zu Projekten der Identitätsfindung. Auch
                                                                   und gerade diese Dimension im Auge behalten zu
                                                                   haben, lobte Faße die Pioniere und Förderer des
                                                                   Heritage-Tourismus.

                                                                   Warum den Heritage-Tourismus in
                                                                   Deutschland weiter fördern?



                                   Annette Faße, MdB
                                   Tourismuspolitische
                                   Sprecherin der SPD-
                                   Fraktion



        Annette Faße, MdB und tourismuspolitische Sprecherin
        der SPD Fraktion im Bundestag, gehörte schon 1996                                       Jürgen Klimke, MdB
                                                                                                Stellvertretender
        zu den Initiatoren eines Heritage-Tourismus-Projekts                                    Vorsitzender der
        in und für Cuxhaven. Seither begleitete sie das Thema,                                  AG Tourismus der CDU/CSU-
                                                                                                Bundestagsfraktion
        machte es bekannt und führte es in politischen Gre-
        mien ein. Annette Faße rief diese Anfänge wieder in
        Erinnerung. Sie erwähnte das frühe Engagement von          Jürgen Klimke, MdB und Stellvertretender Vorsitzen-
        Dr. Peter Roth und Dr. Wolfgang Grams für eine             der der AG Tourismus der CDU/CSU-Bundestags-
        Produkt- und Routenplanung. Ebenfalls wies sie auf         fraktion, brachte ebenso wie Annette Faße in frühen
        das ehrenamtliche Engagement des Fördervereins             Gesprächsrunden und Fachgremien den Heritage-
        HAPAG-Halle Cuxhaven für die entsprechende kul-            Tourismus auf die Tagesordnung.
        turhistorische Nutzung der historischen Auswan-
        derungsanlagen hin.
                                                                    „USA ermuntert uns: tut mehr – wir brauchen                   i
                                                                    strukturierte Angebote“
            „Wer hat nicht eine Tante in Amerika“, fragte
        Faße und erinnerte an die weitverbreitete Präsenz
        und Popularität von Amerika- und Auswanderungs-                Im Rückblick auf seine USA-Reisen, Kooperatio-
        geschichten. Sie zählte die vielfältigen Motive für eine   nen und Besuche dort, u. a. zusammen mit der DZT,
        Abkehr von der Heimat wie Not, Elend, Verfolgung           verwies Jürgen Klimke auf die vielfältigen Ermunte-
        und Aufbruch auf, um zurück auf die Verwurzelung           rungen, die er aus den USA erhalten habe: „Tut mehr,
        solcher Geschichten in der Bevölkerung zu kommen:          macht mehr, es ist wichtig für uns“, fasste er das dort
        „Meine Tante ging der Liebe wegen.“                        erfahrene Interesse kurz zusammen.

                                                                        Die Annahme, dass Deutsch um ein Haar zur Amts-
    i    „Identitätsstiftung im Tourismus“
                                                                   sprache der USA geworden wäre, stellte Klimke daran
                                                                   anschließend richtig: eine Legende. Aber eine, die auf
            Damit fügte Faße nicht nur eine persönliche            die überall gegenwärtige Präsenz der deutsch-ameri-
        Geschichte über die Hoffnung Amerika und das               kanischen Kultur in Politik, Geschichte und im Alltag
        Verlassen der Enge daheim hinzu, sondern sprach            der USA verweist. Und die – weil sie so populär ist – selbst
        damit zugleich über eine Chance des Roots- und             als Legende das überaus große Interesse an der Ein-
        Heritage-Tourismus: In den Lebensgeschichten der           wanderungsgeschichte und am Heimatland verrät.
        Auswanderer fände sich ein spezielles kulturhistori-
        sches Potenzial, so Faße. In Begegnungen mit
        Menschen und in Erkundungen von Herkunftsorten
                                                                                                                      7




     Auf diesem Interesse aufbauend zeigte sich Klimke        Siemering ließ die Planungen für die EXPO 2000
mit seinen Kollegen und den Projektpartnern einig,       in Bremen und Bremerhaven Revue passieren. Mit
dem Thema Auswanderung und seiner Umsetzung in           diesen wurde das Thema Auswanderung – mit Dank
touristische Produkte künftig einen höheren Stellen-     an den im Auditorium sitzenden Dr. Dirk Schröder,
wert zu verschaffen. Der kulturpolitische Gehalt gehe    Vize-Präsident Carl Schurz, Deutsch Amerikanischer
dabei weit über den alltäglichen Tourismus hinaus,       Club Bremen e. V. – erstmals in Deutschland für tou-
so Klimke. Mit dem Deutschen Auswandererhaus, der        ristische und wirtschaftsfördernde Projekte aufgegrif-
BallinStadt und dem HAPAG-Terminal seien in Bremer-      fen und entfaltet. Siemering selbst hat diesen Prozess
haven, Hamburg und Cuxhaven schon attraktive Ein-        in zahlreichen Planungsgremien der Region beglei-
richtungen und Destinationen entstanden. Besonders       tet, Marketingstudien beauftragt, Akteure zusam-
die vor zwei Jahren eröffnete BallinStadt gehöre, laut   mengebracht. Als den sichtbarsten Erfolg all dieser
Klimke, heute zu den Publikumslieblingen der Hanse-      Anstrengungen nannte Siemering die Eröffnung des
stadt. In der interaktiven Erlebnisausstellung können    Deutschen Auswandererhauses Bremerhaven.
die Besucher die Geschichte von über fünf Millionen      Siemering verwies zudem auf die mittlerweile etab-
Menschen nacherleben, die von Hamburg aus zwischen       lierte „europäische Exzellenz“ dieser Initiative und
1850 und 1939 eine neue Heimat gefunden haben.           ihrer Verankerung in anderen Einrichtungen und
Diese bestehenden Angebote wünschte sich Klimke          Ländern.
um strukturierte Angebote in Deutschland erweitert
und ergänzt. Ein Potenzial, das auch für den Binnen-
markt und Reisende aus Deutschland attraktiv sei.
                                                          „Professionalisierung der Anbieter nötig“               i
    Mit den Wünschen für eine anhaltend gute Ko-             Künftig, so Siemering, sei jedoch eine weitere
operation, mit der Fachwissen und Marketingan-           Professionalisierung der Anbieter vonnöten. An-
strengungen in die Reisebüros getragen werden kön-       gebote müssten mit Blick auf die Besonderheiten des
nen, hob Jürgen Klimke die beispielhafte Zusammen-       amerikanischen Marktes, speziell in Kooperation mit
arbeit von Politik, DTV, DZT und den Akteuren der        den Veranstaltern vor Ort entwickelt werden. Hierbei
Praxis im Projekt hervor.                                helfe besonders das Know-how des DTV: Denn das
                                                         erklärte Verbandsziel ist, einen innovativen und zu-
Bedeutung des Heritage-Tourismus aus                     kunftsfähigen Qualitätstourismus in Deutschland zu
Sicht des DTV                                            fördern und nachhaltig zu stärken.

                                                             „Das Engagement des DTV ist auf die Optimie-
                                                         rung und Professionalisierung verschiedener touristi-
                                                         scher Servicedienstleitungen fokussiert“, sagte der
                                                         DTV-Vizepräsident. „Das Projekt zur Förderung des
                                                         Heritage-Tourismus im Inland zielt daher besonders
                                                         darauf, im Bereich der Angebotsgestaltung den
                                                         Touristikern Hilfestellungen zu geben.“ Damit erfülle
                                                         das Projekt einen Hauptanspruch des DTV, der sich
                           Peter Siemering               insbesondere für qualitativ anspruchsvolle Produkte
                           Vizepräsident Deutscher       im Deutschlandtourismus engagiere.
                           Tourismusverband



Peter Siemering hat das Thema sowohl als
Vizepräsident des Deutschen Tourismusverbandes
begleitet als auch schon in frühen Pilotprojekten für
die Bremer Touristikzentrale entdeckt.
8




    II.
    Best Practise-Beispiele im
    Heritage-Tourismus
                                                                                                                                                   9




    Petra Hedorfer                                                             den jährlich im Schnitt durch den Verbund der
    Vorsitzende des Vorstandes, Deutsche Zentrale für Tourismus e. V.          „Magic Cities“ in Deutschland generiert. Die Wirt-
    400 Jahre Deutsche in Amerika – Erfolg-                                    schafts- und Finanzkrise sei mittlerweile jedoch ge-
    reiche Positionierung des Heritage-Touris-                                 genwärtig. Etwa 12 Prozent der US-Bürger, so DZT-
    mus in den USA durch die DZT seit 2003                                     Umfragen, wollen derzeit keine Auslandsreise unter-
                                                                               nehmen. Andere verkürzen ihre Deutschlandreise
    Petra Hedorfer hat mit den Gremien der DZT in den                          oder ändern ihr Verhalten anderweitig. Die Krise trifft
    vergangenen Jahren Initiativen zum Roots- und                              mithin etwa 65 Prozent aller Reisenden aus den USA.
    Heritage-Tourismus aufgegriffen und in Marketing-                          Die Rückgänge im Reiseverkehr sind entsprechend:
    maßnahmen ausgearbeitet. 2010 wird die DZT das
    Auswanderer-Projekt mit Fokus auf das USA-Marketing
                                                                                 Krisensensible Zahlen
    weiter fortführen.


i    „Jetzt gegen die Krise investieren – aufbauen auf
     Erfolge“

         Insbesondere die nordamerikanischen Auslands-
    vertretungen der DZT haben seit etwa 2003 Anregun-
    gen und Projektvorschläge zur Förderung des Heritage-
    Tourismus aus der Startphase des „Routes to the Roots“-
    Programms1 umgesetzt und in Marketinginitiativen
    auf dem amerikanischen Markt weiterentwickelt.
    Hedorfer präsentierte wichtige Etappen aus dieser
    Zeit und kündigte an, diese Erfolge gerade jetzt
    gegen die Krise weiterzuführen, zu investieren und
                                                                               Die DZT plant, gegen die derzeitige Krise ihr zielgrup-
    das Auslandsmarketing zu verstärken.
                                                                               penspezifisches Marketing des Roots- und Heritage-
                                                                               Tourismus fortsetzen. Damit baut sie auf ihre seit
     Zunehmende Rückgänge seit 2008                                            2003 begonnene Marketingkampagne auf.
     USA – Kanada – Südamerika

                                                                                 Erste Projekte und Sondierung des Themas




    Hedorfer verdeutlichte, was Beständigkeit und Pro-
    filierung am Markt bewegen können: 50 Prozent der
    Übernachtungen von US-amerikanischen Gästen wer-
    1
      Routes to the Roots ist ein Projekt, das im Jahr 2002 erarbeitet wurde. Es handelt sich um eine umfangreiche Linksammlung für Forscher und
    Reisende auf den Spuren von Auswanderern. Die Deutsche Zentrale für Tourismus und das German Information Center in New York haben die
    Realisierung dieses Vorhabens ermöglicht.
10      Best Practise-Beispiele im Heritage-Tourismus




         Eine der ersten Aktivitäten der DZT zu dem Thema      und auf die Tagesordnung des Auslandsmarketings
     war die Beteiligung an der sog. „Heritage Map North-      setzen.
     west“, die von Dr. Wolfgang Grams und regionalen
     Tourismuseinrichtungen zur Expo-Zeit realisiert wurde.     2005 Vorbereitung German Originality, Anzeigen,
     Das Thema erfuhr auch weiterhin bei der DZT gestei-        Produktplanung, Networking
     gerte Aufmerksamkeit und wurde bis zu einem um-
     fangreichen Online-Portal „GermanOriginality.com“
     ausgebaut. Mit der traditionell wichtigsten Veranstal-
     tung der Deutschamerikaner, der Steuben-Parade auf
     der New Yorker Fifth Avenue, und dem Projektauftakt
     „400 Jahre erste deutsche Auswanderer in Amerika“
     sind dabei öffentlichkeitswirksame Auftritte mit Prä-
     senz in der deutsch-amerikanischen Öffentlichkeit,
     der Reisebranche und den US-Medien gefunden wor-
     den. Damit einher gingen Anzeigenkampagnen,
     Messebesuche, Pressereisen und andere Fördermaß-
     nahmen, zusammen mit beteiligten Akteuren. Beför-
     dert wurden sie auch durch die Eröffnung des
     Deutschen Auswandererhauses Bremerhaven und
     der Bremerhaven Touristik.
                                                                2008 GermanOriginality.com geht online

      2003 Vorbereitung und Produktion eines Flyers:
      Discover your Roots in Germany




                                                                2009 Kooperation DZT, BMWi, DTV

     Hedorfer zeigte danach Ansatzpunkte für ein Marke-
     ting, das die Einwanderungsgeschichte der Deutschen
     in die USA aufgreift: die erste Ankunft deutscher Sied-
     ler in Jamestown bis zur Nachkriegseinwanderung,
     berühmt gewordene Amerikanerinnen und Ameri-
     kaner aus Deutschland. Aus allen Feldern, so die
     Referentin, ließen sich Marketingmaßnahmen ent-
     wickeln und fortführen, indem auf die erfolgreiche
     Positionierung des Heritage-Tourismus durch die
     DZT aufgebaut werden kann. So unterstützt die DZT
     das Projekt des BMWi und des DTV 2009 und wird
     auch künftig das Auswanderungsthema befördern
                                                                                                                        11




    Dr. Patrick Patridge
    Tourism Marketing and Public Relations                     Kultur und Geschichte deuten

    Erfahrungen aus 20 Jahren Heritage-
    Tourismus am Beispiel Irland

    Dr. Patrick Patridge entwickelte mit dem Tourismus-
    verband „Failte Irland“ den Heritage-Tourismus in
    Irland. Seine Erfahrungen aus einem Land, das früh
    auf diese Form des Tourismus gesetzt hat, lassen neu-
    gierig werden, welche Ergebnisse in Irland damit
    erzielt werden konnten.


     Top 15 Ancestral types in the USA



                                                              Das Interesse an genealogischer Recherche im enge-
                                                              ren Sinn auf einer Irland-Reise sei dabei allerdings
                                                              mehr ein „Reiseköder“: Im Vordergrund stehe das
                                                              Interesse an der „Kultur und an den Menschen des
                                                              Landes sowie an Burgen und schönen Landschaften.“
                                                              Nur etwa 2 Prozent der Besucher würden „Tracing
                                                              Roots“ als Hauptgrund ihrer Reise angeben. Sie seien
                                                              aber gleichzeitig „Sightseers & Culture Seekers, Golfer
                                                              und 50+ Baby Boomers“. In den Marketingmaßnah-
                                                              men wird daher die genealogische Herkunft im enge-
                                                              ren Sinn im Gesamtbild des „Cultural Heritage“ ver-
    Die Zahlen zum ethnischen Hintergrund der US-Bevöl-
                                                              marktet. So füge sich ein „Nischenmarkt“ erfolgreich
    kerung ergeben ein ähnliches Szenario wie in Deutsch-
                                                              in ein populäres Segment des Kulturtourismus ein, so
    land: Die beiden prominentesten Bevölkerungsgrup-
                                                              Patridge.
    pen in den USA sind die Deutschen mit 15 Prozent (ca.
    43 Mio.) und die Iren mit ca. 11 Prozent (ca. 30 Mio.).
    Auch die Iren haben viele US-amerikanische Nachkom-        Der Genealogie-Markt für Irland
    men (John F. Kennedy, Ronald Reagan oder Grace
    Kelly) und eine ähnlich große Feier wie die Steuben-
    Parade: den St. Patrick’s Day, ein prominentes Volks-
    fest. Nach 20 Jahren Tourismusförderung ist dieser Tag
    ein Event im Marketing – in den USA wie in Irland.


i    „Geschichte erlebnisvoll deuten“


        87 Prozent der Irland-Besucher aus den USA besu-
    chen Orte von historischer und kultureller Bedeutung.
    Vor diesem Hintergrund formulierte Patridge die
    zentrale Herausforderung für Besucher und Anbieter:
    „10.000 Jahre komplexe Kultur und Geschichte erleb-
    nisvoll zu deuten, auszulegen und zu erklären.“           Patridge nannte weitere Beispiele für die spezielle
    Hierfür führte er Beispiele über gelungene Aktionen       Zusammenarbeit mit schottisch-irischen Familien-
    im genealogischen Reisemarkt in Irland an.                verbänden und Einrichtungen. Er listete dafür nahe-
12      Best Practise-Beispiele im Heritage-Tourismus




                                                             reich begonnen hat, empfahl Patridge in ein „Roots-
      Tourism Ireland (New York) Fazit
                                                             Concierge-Netz“ in Deutschland auszubauen (siehe
                                                             dazu auch die anschließende Podiumsdiskussion).
                                                             Dies sei ein Beitrag, so das Fazit von Patridge, „Zeit-
                                                             geschichte kreativ zu konzipieren und zu vermarkten.“


                                                              „Butten un Binnen Wagen un Winnen“




     zu 40 deutsch-amerikanische Verbände auf, die sich –
     vergleichbar dem St. Patrick’s Day – alljährlich zum
     „Milwaukee Fest“ versammeln. In seinen praktischen
     Tipps für einen Heritage-Tourismus in Deutschland
     schlussfolgerte er, sich auf Kernregionen dieser eth-
     nischen Traditionen zu konzentrieren, Kontakte zu
     aktiven Verbänden zu knüpfen, tragfähige Themen
     zu finden und evtl. Themenrouten oder Familien-
     treffen anzubieten.


      Tipp „Roots Concierge Netz“




     Am Ende zählte Patridge verschiedene Recherche-
     möglichkeiten, familiengeschichtliche Datenbanken
     und Serviceeinrichtungen auf. Er erinnerte an den
     Aufbau von Family History Centern in Irland, die zur
     Verbesserung der genealogischen Forschung, aber
     auch zur Tourismusförderung historisch-biografische
     und bevölkerungsgeschichtliche Quellen zugänglich
     gemacht haben. Was in Irland zumindest chancen-
                       13




III.
Präsentation der
Auswandererstandorte
14          Präsentation der Auswandererstandorte




         Marketing braucht Produkte, Destinationen und
                                                                  Historische Aufnahme, jetziger Standort DAH
         Reiseziele. Petra Hedorfer erwähnte bereits die
         Zusammenarbeit der DZT mit den Auswanderer-Ein-
         richtungen in den Abfahrtshäfen. Auch bei Dr. Patrick
         Patridge stand die Forderung nach „Networking“ am
         Ende. Die Haupteinrichtungen und Akteure dafür
         stellten sich im Anschluss an die Fachvorträge vor.


         Dr. Simone Eick
         Direktorin Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven

         Das Deutsche Auswandererhaus
         Bremer haven
         www.dah-bremerhaven.de


     i    „Begeisterte Besucher – erfolgreiche Bilanzen“
                                                                 Dr. Simone Eick verwies auf das Konzept aus der
                                                                 Gründungsgeschichte, mit dem eine erfolgreiche
         Das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven (DAH)          Privat Public Partnership auf den Weg gebracht wur-
         eröffnete im August 2005 und begrüßte seither fast      de. Seither präsentiert das DAH als privatwirtschaft-
         900.000 Besucher.                                       liche Einrichtung die Auswanderungsgeschichte in
                                                                 einer bis dahin in Deutschland einmaligen Art. Dafür
                                                                 hat die Einrichtung wichtige Auszeichnungen erhal-
          Bild DAH
                                                                 ten und ist u. a. 2007 zum „European Museum of the
                                                                 Year“ gewählt und als Ort im Land der Ideen gewür-
                                                                 digt worden. 2008 erhielt das Museum eine weitere
                                                                 Auszeichnung. „Best of Heritage“.

                                                                     Seit 2005 wurden vielfältige Kooperationen auf-
                                                                 gebaut: u. a. mit Museen in Washington, DC. und
                                                                 New Orleans, mit dem amerikanischen Einwande-
                                                                 rungsmuseum Ellis Island und dem US-Datenbank-
                                                                 portal Ancestry.com sowie mit GEO-Online und
                                                                 anderen namhaften Firmen.


                                                                  Bild Ausstellung, Besucher

         Die Gastgeberrolle des Deutschen Auswanderer-
         hauses für die Auftaktveranstaltung kam nicht von
         ungefähr: Seit seiner Eröffnung hat das Deutsche
         Auswandererhaus Akzente gesetzt. Nicht nur zahlrei-
         che Besucher, sondern auch hochrangige Vertreter
         aus Kultur, Politik und Geschäftswelt erlebten die
         Ausstellung in den letzten Jahren. Damit ist das
         Deutsche Auswandererhaus zu einem Ort der
         Wissensvermittlung und Begegnung rund um das
         Thema Auswanderung geworden.
                                                                                                                        15




Dr. Eick präsentierte ihr Haus mittels eines virtuellen   Die LeisureWorkgroup GmbH betreibt das Hambur-
Rundgangs durch die Räume der Ausstellung von der         ger Auswanderungsmuseum „BallinStadt“. Am histo-
Pier am Anfang bis zum Forum Migration. Sie erklärte      rischen Standort wurde eine Tradition wiederbelebt.
die Recherche-Einrichtung im Haus und zeigte Expo-
nate einer wachsenden Sammlung illustrierter Lebens-
läufe der dargestellten Auswandererschicksale.
                                                           „Einen Standort und Traditionen neu beleben“             i
    Jährlich besuchen durchschnittlich 220.000                 Auch die „BallinStadt“ ist eine privatwirtschaft-
Interessierte das Haus. Diese hohen Besucherzahlen        lich betriebene Einrichtung, die in einem Privat
sind ein Beleg dafür, dass es gelingt, anspruchsvolle     Public Partnership-Projekt ins Leben gerufen wurde.
und gleichzeitig publikumswirksame Destinationen          Der Namenspatron des Hamburger Erlebnismuseums
zur Auswanderungsgeschichte zu schaffen.                  ist der ehemalige Generaldirektor der Hamburg
                                                          Amerika Linie / HAPAG, Albert Ballin. Ballin ließ 1901
     Bemerkenswert ist, dass etwa 5 Prozent der           auf der Hafeninsel „Veddel“ eine ganze Stadt zur
Besucher aus dem Ausland kommen, die meisten              Beherbergung und Durchreise von Millionen von
davon aus den USA. Das bedeutet: das Thema interes-       Auswanderern auf dem Weg nach Amerika errichten.
siert auch die Gäste aus dem Ausland, bietet aber         Damit begründete er eine seinerzeit beispiellose
auch noch Potenzial nach oben. Deshalb ist das DAH        Institution, deren Geschichte jetzt am historischen
seit Längerem zusammen mit der Bremerhaven                Standort neu erzählt wird.
Touristik und eingebunden in die Maßnahmen der
DZT auf dem US-Markt präsent. Anstrengungen, die           Historische Aufnahme, jetziger Standort
sich auszahlen, wenn Bremerhaven langfristig für           BallinStadt
immer mehr Besucher aus Amerika auf ihren Reise-
wegen liegt.


Jens Nitschke
Geschäftsführer LeisureWorkGroup GmbH

Die Ballinstadt Hamburg
www.ballinstadt.de


 Bild BallinStadt




                                                          Damit wird zugleich ein Standort neu belebt, denn
                                                          das Museum ist Teil eines umfangreichen sozialpoli-
                                                          tischen und stadtplanerischen Konzeptes der Hanse-
                                                          stadt. Die Veddel soll in ihrer historischen Bedeutung
                                                          präsentiert und als „neu zu erlernender Stadtteil“ auf-
                                                          gewertet werden. Für das Museum wurden dafür drei
                                                          der ehemals über 40 Gebäude wieder aufgebaut. Die
                                                          zwischenzeitlich vergessenen und verfallenen Hallen
                                                          zeigen nun am Originalschauplatz über 1.500 Original-
                                                          Exponate in einer Erlebnisausstellung und präsentie-
                                                          ren interaktive Installationen und Attraktionen für
                                                          Besucher aller Altersgruppen. Mit Inszenierungen und
                                                          Attraktionen werden die Lebenswege der Auswanderer
16      Präsentation der Auswandererstandorte




                                                              Torsten Maaß
      Start der Bauarbeiten                                   1. Vorsitzender des Fördervereins HAPAG-Halle Cuxhaven e. V.

                                                              Die Hapag-Halle Cuxhaven
                                                              www.hapag-hallen-cuxhaven.de

                                                              Auch Cuxhaven ist mit Hamburg und Albert Ballin
                                                              verbunden: Bereits 1889 hat die HAPAG ihren
                                                              Linienverkehr mit New York nach Cuxhaven verlegt.
                                                              Das Terminal steht noch und erzählt nach wie vor
                                                              vom Abschied nach Amerika.

                                                                  Seit 1999 kümmert sich der Förderverein HAPAG
                                                              Halle Cuxhaven e.V. um das Geschick dieser Anlage.
                                                              Torsten Maaß präsentierte die Geschichte der Halle
                                                              und die vielfältigen Aktivitäten der heutigen Nutzung.
     erfahrbar gemacht. Ihre Hoffnungen auf Amerika           Bevor die Anlage damit wieder zum Leben erweckt
     sind das erzählende Band in der Ballinstadt.             wurde, waren umfangreiche Renovierungen und
                                                              Baumaßnahmen nötig, die mit Hilfe des Landes
          Die Häuser beherbergen auch eine unabhängig         Niedersachsen finanziert wurden.
     vom Ausstellungsbesuch zugängliche Recherche-
     einrichtung. Dafür sind die einzigen umfangreich für         1902 als das seinerzeit modernste Passagier-
     Deutschland erhaltenen Passagierlisten mit Abfahrts-     terminal Europas mit der Abfertigung der „Graf
     und Herkunftsangaben der Reisenden aus dem               Waldersee“ eingeweiht, ist das Terminal zu einem
     Staatsarchiv Hamburg ein Kernelement. Hierzu bietet      Ort des Abschiedes nach Amerika geworden. Die
     die US-Firma Ancestry.com zusammen mit der               HAPAG setzte Sonderzüge aus Hamburg ein und
     BallinStadt weitere Online-Datenbanken an.               schiffte ihre Passagiere und Auswanderer im
                                                              Cuxhavener Terminal ein. In der Folge war der Ort
     Nitschke begrüßte die mit dem Projekt angestrebte        immer wieder mit großen Namen, Schiffen und
     Kooperation der Auswandererstandorte und wünschte        Ereignissen in der maritimen Geschichte verbunden.
     sich mit Blick auf den US-amerikanischen Markt einen
     zukünftig noch verstärkteren gemeinsamen Auftritt.
     Deutschlands Attraktivität für den an Roots- und Heri-
                                                               „Abschied nach Amerika“                                       i
     tage-Tourismus interessierten Reisenden sieht Nitschke
     gerade durch die Summe der Standorte gestärkt.           Bedeutsam wurde die Anlage in der Nachkriegszeit
                                                              für unzählige „Displaced Persons“, deren Reise zu-
                                                              nächst mit Schiffen der „Cunard Line“ nach Halifax in
      Ausstellung, Besucher
                                                              Kanada ging. In der Tradition dieses wichtigen Kapi-
                                                              tels der Geschichte pflegt der Verein u. a. intensive
                                                              Kontakte zu dem kanadischen Einwanderungs-
                                                              museum „Pier 21“. Maaß schlug vor, diese Kontakte
                                                              im Zuge des Projekts touristisch weiter auszubauen.

                                                                   Der Verein bietet zur touristischen Belebung die-
                                                              ser Traditionen Führungen an, organisiert Kulturver-
                                                              anstaltungen, Konzerte und gesellschaftliche Ereig-
                                                              nisse. Ein Theaterstück über Displaced Persons, nach
                                                              ihrem Schiff „Samaria“ benannt, wurde in Cuxhaven
                                                              und in Halifax aufgeführt. Es wurden bisher diverse
                                                              Sonderausstellungen u. a. zu berühmten Schiffen,
                                                                                                                   17




Albert Ballin oder zu Georg Grosz gezeigt. Exponate    Dr. Wolfgang Grams
dieser Sonderausstellungen ergänzen die Dauer-         www.routes.de, Kulturwissenschaftler, Routes to the Roots

ausstellung im Terminal beständig.                     Routes to the Roots – Research and
                                                       Travel: Erfolgreicher Heritage-Tourismus
     Schon 1999 hieß es „Leinen los“ für Peter Deil-
manns „MS Deutschland“: fast auf den Tag genau         Dr. Wolfgang Grams ist Gründer und Inhaber des
nach 30 Jahren wurde von Cuxhaven aus wieder ein       Institutes „Routes to the Roots“ (RR) und führt als
Schiff nach New York verabschiedet – mit touristi-     Reiseveranstalter seit 1993 Amerikaner auf den
schem Rahmenprogramm zur Auswanderungs-                Spuren ihrer Vorfahren nach Deutschland. Als Pionier
geschichte und thematischen Lektoraten an Bord.        im Heritage-Tourismus initiierte er mehrfach
2000 wurde diese Reise wiederholt. Damals war auch     Pilotprojekte zu dem Thema. „Einen solchen Kreis
die „Society for German American Studies“ zu Gast in   von Kultureinrichtungen, Tourismusfachleuten,
Cuxhaven. Anlässlich solcher Aktivitäten und im        Verbänden und politischen Gremien hat es zum
Rahmen von Besichtigungen oder von geführten           Thema Auswanderung in Deutschland noch nicht
Gruppenreisen im „Routes to the Roots“-Programm        gegeben“, so Grams.
finden Gäste aus Amerika – und immer wieder auch
aus Kanada – ihren Weg nach Cuxhaven.                      Dr. Grams stellte zunächst die Gründungs-
                                                       geschichte seiner Firma „Routes to the Roots“ dar.
                                                       Er machte deutlich, wie aus einem akademischen
                                                       Forschungsprojekt eine Initiative im Roots- und
18          Präsentation der Auswandererstandorte




          Customized Group Tours                                   Exkursion mit Driver-Guide




         Heritage-Tourismus entstand und wie er selbst „vom       Auch Dr. Grams wies auf die wachsende Verfügbar-
         Hörsaal in den Reisebus“ wechselte. Laut Dr. Grams       keit und Bedeutung von Online-Datenbanken hin
         müsse Reisen als anspruchsvolle Tätigkeit begriffen      und erläuterte, wie aus Archivmaterialien und
         werden – dieser Anspruch präge das Profil seines         Dokumenten Marketing-Instrumente des Heritage-
         Institutes. Durch das Reisen würden die Herkunfts-       Tourismus werden könnten. Er zeigte auch die
         orte von Auswanderern zu touristischen Destinatio-       Einbindung von „Routes to the Roots“ in die DZT-
         nen; Lebensläufe würden dadurch für alle Beteiligten     Kampagne und ihre Marketing-Aktivitäten auf.
         zu Lehr- und Lernfeldern in historischen Kulturpro-
         jekten. Mit dieser Zielsetzung sei zugleich ein an-       Einbindung „Routes to the Roots“ in
         spruchsvolles Profil im Tourismus formuliert, so          DZT-Kampagne
         Dr. Grams.


     i    „Aus der Geschichte Reiseziele machen“


              Im Programm von RR finden sich vor diesem Hin-
         tergrund signifikante Themen-Routen („The Palatine
         Emigrant“, „The Farewell“ u. a.), die mit festgelegten
         Abfahrtzeiten frei beworben werden. Hinzu kommen
         als Kerngeschäft des touristischen Incomings „Custo-
         mized Group Tours“, die anlassbezogen z. B. für
         Historical Societies, genealogische Gesellschaften,
         Familien-Clans oder Freundeskreise mit einem
         gemeinsamen Interesse durchgeführt werden.
         Schließlich bietet RR für ganz Deutschland individua-    Dr. Grams plädierte für einen Tourismus, in dem
         lisierte „Personal Itineraries“ an, die Dr. Grams als    „Besucher und Besuchte gleichermaßen wichtig sind
         „private Exkursionen mit Driver-Guide“ näher vor-        (...), in dem Veranstalter und Guides zu ,Cultural
         stellte. Komplettiert werde der Service durch histo-     Broker‘ werden und in dem emotionale Ressourcen
         risch-biografische Recherchen, die Ermittlung von        von Regionen und Traditionen in Wert gesetzt wer-
         Herkunftsorten, das Zusammentragen von familien-         den.“ Das alles, so Dr. Grams, in marktfähige touristi-
         historischen Daten – in der Regel als „Pre-Trip          sche Angebote, Routen- und Destinationsplanungen
         Research“.                                               umzusetzen, mache die Herausforderung im
                                                                  Heritage-Tourismus aus.
                    19




IV.
Podiumsdiskussion
20




     Kerstin Michaelis, Dr. Patrick Patridge                    Jochem Schöttler, Petra Hedorfer




     Die Veranstaltung schloss mit einer Podiumsdiskus-             Aus Sicht von Dr. Grams sei das mit einem hohen
     sion, zu der neue Referenten begrüßt wurden: Jochem        Forschungs- und Vorbereitungsaufwand verbundene
     Schöttler engagiert sich als Geschäftsbereichsleiter       Segment der „Personal Itineraries“ insgesamt stabil
     bei der BIS Bremerhaven Touristik seit Längerem für        und nur in Maßen beeinflussbar. Themen- und anlass-
     die Profilierung seiner Stadt im amerikanischen            bezogene Gruppenreisen seien hingegen ausbaufä-
     Heritage-Tourismus. Dr. Dirk Schröder ist Vizepräsi-       hig und ein interessantes Potenzial insbesondere im
     dent des Carl Schurz Deutsch Amerikanischen Clubs          direkten Kontakt mit Multiplikatoren in den USA.
     Bremen e.V. und Wegbegleiter des Auswanderthemas           Gleiches gelte für die Entwicklung der von Jochem
     seit EXPO-Zeiten.                                          Schöttler angesprochenen, stärker standardisierten
                                                                Programmen mit US-Veranstaltern.
     Was ist zu lernen aus den Beispielen? Wie
     kann der Roots- und Heritage-Tourismus                          Die Aussichten auf ein Service-Netzwerk bewerte-
     weiterentwickelt werden?                                   te Dr. Grams aufgrund der föderalen Strukturen, der
                                                                territorialen Traditionen und komplizierter archivari-
     Laut Jochem Schöttler sei auf buchbare Angebote,           scher Überlieferung in Deutschland skeptischer. Wohl
     marktfähige, bestenfalls auch standardisierte Reise-       aber benötige ein erfolgreicher Heritage-Tourismus
     programme zu setzen, die bekannte Destinationen            regionale Netzwerke vor Ort: Heimatvereine, Kirchen-
     mit den touristischen Attraktionen in Bremerhaven          büros, lokale Experten, Archive und andere Akteure
     und den Auswandererhäfen verbänden. Er griff die           gehörten dazu. Für den Fortgang des Projekts befand
     Anregung Peter Siemerings auf, auf die enge Zusam-         Dr. Grams daher die geplanten Seminare vor Ort als
     menarbeit mit US-Veranstaltern zu bauen, um das            von großer Bedeutung, um in und mit den Regionen
     Heritage-Thema in deren Produktplanung zu veran-           Produkte, Dienstleistungen und Destinationen zu
     kern.                                                      entwickeln.

          Dr. Patridge ergänzte und erinnerte aus seinem             Dr. Schröder ging in seinen Antworten auf die
     Vortrag an die Genealogie als „Reiseköder“. Durch          Wertschöpfung im Tourismus ein. Er begrüßte die
     genealogische Köder könnten generelle kulturhisto-         Initiative des Projekts insbesondere und gerade in
     rische Programme erweitert werden und so ein spe-          Krisenzeiten. Keine leichte Aufgabe sehe er auf Frau
     zielleres Profil erhalten, ohne dabei aber nur für Fach-   Hedorfer zukommen, wenn die Rückgänge im In-
     leute interessant zu sein. Er regte nach seinen Erfah-     coming aus den USA ausgeglichen werden müssten.
     rungen aus Irland weiter an, ein „Service-Netzwerk“        Er verwies aber gleichzeitig darauf, dass die Poten-
     für Familienforschung und Heritage-Tourismus ein-          ziale im US-Markt noch nicht ausgeschöpft seien.
     zurichten.                                                 Ebenfalls berichtete er darüber, dass die Motive, sich
                                                                                                                                         21




Dr. Dirk Schröder                                                          Dr. Wolfgang Grams




in den USA für Familiengeschichte und Heritage zu                               Nach der Podiumsdiskussion unterzeichneten
interessieren und diese im Herkunftsland zu ergrün-                        insgesamt 15 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und
den, tragfähig seien. Es würden damit Grundfragen,                         Tourismus, darunter der Tourismusbeauftragte Ernst
etwa der ethnischen Herkunft, der Identität und ihrer                      Hinsken, die DTV-Hauptgeschäftsführerin Claudia
lebensgeschichtlichen Bedeutung, angesprochen                              Gilles, Annette Faße und die Vertreter der Auswan-
und für die Reisenden erlebbar.                                            derermuseen einen gemeinsamen Letter of Intent.
                                                                           Die Unterzeichner erklären darin ihre Absicht, auf-
    Petra Hedorfer nahm die Beiträge der Diskutie-                         grund der bestehenden gemeinsamen Interessenlage
renden zum Anlass, nochmals auf die zur Entwick-                           im Bereich des Heritage-Tourismus verstärkt zu
lung touristischer Produkte notwendige Kontinuität                         kooperieren. Ihr Ziel ist es, Deutschland als Reiseland
von Marketingmaßnahmen hinzuweisen. Die DZT                                für die Roots- und Heritage-Besucher attraktiv zu
werde die Profilierung des Roots- und Heritage-                            machen. Der Wortlaut dieser Grundsatzerklärung:
Tourismus mit der weiteren Beteiligung am Projekt                          siehe Kapitel V. „Letter of Intent“.
im Jahre 2010 weiterführen. Die Maßnahmen dazu
sehe sie im Engagement der beteiligten Akteure gut
vernetzt und nach vorne weisend.




Podiumsdiskussion mit Kerstin Michaelis, Dr. Patrick Patridge, Jochem Schöttler, Petra Hedorfer, Dr. Dirk Schröder, Dr. Wolfgang Grams
22




     V.
     Letter of Intent
                                                                                                                                               23




Gemeinsame Unterzeichnung des Letter of Intent: Ernst Hinsken, MdB, Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus (sitzend);
v.l.n.r. Volker Reimers, Geschäftsführer BallinStadt mbH; Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes Deutsche Zentrale für Tourismus e.V.;
Dr. Simone Eick, Direktorin Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven; Dr. Wolfgang Grams, Routes to the Roots; Annette Faße, MdB,
Tourismuspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion; Dr. Patrick Patridge, Geschäftsführer Tourism Marketing & Rublic Relations; Claudia Gilles,
Hauptgeschäftsführerin Deutscher Tourismusverband e.V.; Peter Siemering, Vize-Präsident Deutscher Tourismusverband e.V.; Torsten Maaß,
1. Vorsitzender des Fördervereins Hapag-Halle Cuxhaven e.V.; Dietrich von Albedyll, Geschäftsführer HAMBURG Tourismus GmbH; Jochem
Schöttler, Geschäftsbereichsleiter BIS Bremerhaven Tourisitk; Gary Bautell, Vize-Präsident Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs e.V.;
Prof. Rudolf Forcher, Präsident Heilbäderverband Baden-Württemberg e.V.; Dr. Dirk Schröder, Vize-Präsident Carl Schurz Deutsch Amerika-
nischer Club Bremerhaven e.V.




Kooperation zur Stärkung des                                               die Jahre 2009 und 2010 auf, das den Anstoß dafür
„Heritage-Tourismus” in Deutschland                                        geben soll, den Heritage-Tourismus bundesweit lang-
                                                                           fristig zu steigern.
Viele Nachfahren deutscher Auswanderer begeben
sich auf Spurensuche im Heimatland ihrer Vorfahren.                             Etwa 700.000 der jährlich ca. 1,9 Millionen
Knapp 8 Millionen Menschen sind in den letzten 400                         Besucher aus den USA verbinden ihre Reise mit fami-
Jahren aus Deutschland emigriert. Sie gingen haupt-                        liengeschichtlichen Motiven. Gemessen an dem gro-
sächlich in die USA, aber auch nach Kanada, Austra-                        ßen Interesse müssen für das touristische Incoming in
lien, Argentinien und Brasilien. Vor allem aus den                         Deutschland Destinationen und Angebote entwickelt
USA besuchen Heritage-Touristen Deutschland und                            werden, mit denen dieses Segment erschlossen und
suchen die Geburtsorte, Lebenswege und Abfahrts-                           das touristische Profil Deutschlands um diesen Aspekt
häfen ihrer Vorfahren auf. Vermutlich leben heute                          erweitert wird.
über 50 Millionen Nachfahren deutscher Auswande-
rer in den USA.                                                                Die Auswandererstandorte in Bremerhaven,
                                                                           Cuxhaven und Hamburg sind als Orte des Abschieds
    Auf den Reisewegen der Besucher finden sich                            in den Lebenswegen von Millionen Auswanderern
immer wieder die historischen Auswanderungsre-                             gegenwärtig und daher prädestiniert, das Thema zu
gionen Deutschlands in den heutigen Bundesländern                          befördern. Sie suchen hierfür weitere Partner und
Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen,                            Unterstützer, damit die Aufmerksamkeit für die
Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen, Rhein-                               Auswandererthematik im Verbund auf Dauer bun-
land-Pfalz oder Thüringen. Aber auch bei den in der                        desweit erhöht werden kann.
Auswanderungsgeschichte weniger bekannt gewor-
denen Regionen besteht ein verstärktes Interesse an                            Im Rahmen der Auftaktveranstaltung „400 Jahre
der Thematik Auswanderung. Dieses Interesse greift                         erste deutsche Auswanderer in Amerika – die Wurzeln
ein bundesweites, vom Bundesministerium für                                der Herkunft ergründen“ verständigen sich die Unter-
Wirtschaft und Technologie gefördertes Projekt für                         zeichner, aufgrund der bestehenden gemeinsamen
24      Letter of Intent




     Interessenlage im Bereich Heritage-Tourismus ver-       dazu Teilnehmer aus den Bereichen Tourismus,
     stärkt zu kooperieren. Gemeinsames Ziel ist es,         Politik und Kultur zusammen. Im weiteren Projekt-
     Deutschland als Reiseland mit Angeboten, Dienst-        verlauf folgen in interessierten Bundesländern Work-
     leistungen und Destinationsplanungen für die Roots-     shops mit Akteuren und regionalen Netzwerkern zur
     und Heritage-Besucher attraktiv zu machen und die       Profilierung des Heritage-Tourismus. Verstärktes
     Nachfahren der Auswanderer zu spannenden Erkun-         Marketing im US-amerikanischen Markt durch die
     dungen einzuladen. Die Unterzeichner wollen dabei       Deutsche Zentrale für Tourismus wird in den Quell-
     zusammen mit den Förderern dieses Projektes Desti-      märkten für die notwendige Kundenansprache sorgen.
     nationen und ihre kulturellen Traditionen in Wert
     setzen und verstehen ihre Arbeit zudem als Beitrag zu        Die Unterzeichner werden sich um weitere Un-
     einem transatlantischen Dialog mit ungewöhnlichen       terstützer der Thematik bemühen und laden interes-
     Wegen im Tourismus.                                     sierte Akteure zur Erweiterung der hier angekündig-
                                                             ten Kooperation herzlich ein.
        Die Auftaktveranstaltung am 24. Juni 2009 im
     Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven führt             Bremerhaven, im Juni 2009
                             25




VI.
Zahlen und Daten rund um
Auswanderung und Heritage-
Tourismus
26      Zahlen und Daten rund um Auswanderung und Heritage-Tourismus




     Etwa 8 Millionen Menschen sind in den letzten 400        rung bildet fast ein komplettes Abbild der historischen
     Jahren aus Deutschland nach Amerika ausgewandert.        Auswanderungsregionen Deutschlands.
     Im 19. Jahrhundert waren die Deutschen dort die zah-
     lenmäßig bedeutendste Einwanderungsgruppe. Ihre          3 Wenn die Herkunft der Auswanderer dokumen-
     Lebensläufe haben Spuren in Geschichte, Politik, Kul-    tiert werden kann, wird auch der kleinste Ort zu einer
     tur und Alltag der USA hinterlassen. Sie sind in den     touristischen Destination.
     amerikanischen Familiengeschichten gegenwärtig
     und sind heute historischer Hintergrund und die Basis    3 Schätzungsweise 700.000 der Besucher aus den
     für den Roots- und Heritage-Tourismus.                   USA von zurzeit etwa 1,9 Millionen verbinden ihre
                                                              Reise im weitesten Sinn mit familienhistorischen
     400 Jahre Auswanderung                                   Motiven.

     3 1608: Die ersten Deutschen arbeiten als Glas-          3 Sie gehören zu den 35 Prozent, die als „Visiting
     macher und Zimmerleute zusammen mit englischen           Friends and Relatives“ gezählt werden – neben etwa
     Pionieren in Jamestown, Virginia.                        gleich hohen Anteilen an allgemeinen Urlaubs- oder
                                                              Geschäftsreisen.
     3 1683: Die „Concorde“ – auch die deutsche „May-
     flower“ genannt – bringt dreizehn Familien aus dem       3 Ihr Besuchsprofil korreliert mit dem bei US-Ame-
     Krefelder Raum nach Pennsylvanien: Germantown            rikanern an erster Stelle genannten Image-Aspekt
     wird die erste deutsche Siedlung in Amerika.             von Deutschland: „Interessante Kultur“.

     3 1830: Etwa 30.000 Menschen wandern aus. Eine           3   Besucher aus den USA sind z. B.:
     Überfahrt im Zwischendeck dauert 60 bis 90 Tage.             – Besucher der in Deutschland lebenden Familien
                                                                  – GIs, die den Kindern ihre ehemalige Garnison
     3 1882: Insgesamt verlassen 250.000 Menschen                   zeigen
     ihre Heimat. 1882 ist somit das Spitzenjahr der deut-        – Kongressteilnehmer, die ein Wochenende mit
     schen Auswanderung.                                            privaten Erkundungen verlängern
                                                                  – Gruppenreisende, die nach „Europe in 10 Days“
     3 Bremerhaven und Hamburg mit Cuxhaven werden                  die Region ihrer Vorfahren besuchen
     im Zuge dieser Entwicklung die wichtigsten Auswan-           – Sister-City-Besuche, Heritage-Societies oder
     derungshäfen Europas.                                          religiöse Gruppen auf Studienfahrten
                                                                  – Ehepaare mit driver-guide auf privaten
     3 1892: Ellis Island eröffnet in New York. Das erste           Exkursionen
     deutsche Schiff, das hier ankommt, ist die „Trave“ aus       – Archivbesucher, Familienforscher
     Bremerhaven. Eine Reise dauert jetzt etwa zehn Tage.
                                                              3 Aus Erhebungen von 1999 (Menlo Consulting
     3 20. Jahrhundert: Die letzten großen Auswande-          nach DZT Marktinformationen 2001 und 2009) und
     rungswellen mit etwa 600.000 Menschen bilden euro-       Befragungen lässt sich folgern, dass Amerikaner mit
     päische Juden, so genannte „Displaced Persons“, Ver-     deutscher Abstammung ein etwa doppelt so hohes
     triebene und Kriegsbräute.                               Interesse an Deutschlandbesuchen haben wie allge-
                                                              mein Interessierte.
     Heritage-Tourismus – Die Wurzeln der
     Herkunft ergründen                                       3 7 von 10 US-Amerikanern mit deutschen Wurzeln
                                                              geben eine besondere emotionale Bindung als Grund
     3 Etwa 50 Millionen US-Amerikaner gaben bei der          dafür an.
     letzten US-Volkszählung im Jahr 2000 „German“ als
     ihre ethnische Herkunft an, andere nannten „Prussian“,   3 Etwa ein Viertel der Outbound-Reisenden aus den
     „Westphalian“, „Hessian“, „Hanover“. Auch „Ham-          USA nach Europa hat ein besonderes Interesse an ihren
     burger“ und „Bremer“ finden sich. Diese Differenzie-     ausgewanderten Vorfahren.
                                                        27




3 Irland hatte 1999 etwa 860.000 Besucher aus den
USA; 70 Prozent davon hatten irische Vorfahren, mehr
als 53.000 haben auf ihrer Reise direkt genealogische
Forschungen betrieben.

3 Mit Online-Technologien in genealogischer Do-
kumentation und dem Internet als dem gleichzeitig
beliebtestem Medium der US-Amerikaner zur Planung
einer Reise werden solche Trends nochmals befördert.

Diesem besonderen Interesse US-amerikanischer Be-
sucher stehen in Deutschland erst wenige entwickelte
Destinationen, Produkte und Dienstleistungen gegen-
über. Die Einrichtungen und Akteure, die sich im
Projekt des BMWi und des DTV zusammenfinden,
erzählen nicht nur die Auswanderungsgeschichte, sie
wollen damit auch das touristische Profil Deutsch-
lands erweitern.
Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Technologie herausgegeben. Sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zum Verkauf bestimmt. Sie darf weder von
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