Der Weg zu Business Excellence Mitarbeiterbefragung bei der Sedus

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					         Titel




           Der Weg zu Business Excellence:
           Mitarbeiterbefragung bei der Sedus Stoll AG
           Umfassendes Qualitätsmanagement gehört zur Firmenpolitik des Büro-
           möbelherstellers Sedus Stoll AG. Dafür bindet das Unternehmen alle
           Mitarbeiter aktiv ein, im Jahr 2001 mit einer Mitarbeiterbefragung.

                         G   ernot Wielandt, Leiter des        Diese Fragen sind nicht durch     Qualität und Auszeichnungen
                         Qualitätswesens bei der Sedus         Nachdenken zu beantworten.        Fast jeder italienische Richter
                         Stoll AG, bringt seine Überzeu-       Die Antworten muss man            sitzt auf einem Stuhl von Sedus
                         gung auf eine kurze Formel:           trotzdem kennen, sonst bleibt     Stoll. Damit liegt die ästheti-
                         »Ohne zufriedene Mitarbeiter          jedes organisatorische Konzept    sche Qualität der Sedus-Pro-
                         gibt es keine zufriedenen             Stückwerk.                        dukte schon mal auf der Hand.
                         Kunden.« Und nur                                  Zufriedenheit der     Sie ist aber auch offiziell belegt:
                         zufriedene Kunden       Wettbewerbsorientierte    Kunden und der        Zahlreiche Preise und Auszeich-
                         garantieren      den    Unternehmen befragen      Mitarbeiter: Beides   nungen für innovatives Pro-
                                                 ihre Mitarbeiter und
                         langfristigen Erfolg.                             steht bei Sedus       duktdesign zieren in Waldshut
                                                 nutzen die Ergebnisse,
                         Wer immer heute in      um passgenaue Verän-      Stoll gleichrangig    die Wände. Auch die Qualitäts-
                         der Wirtschaft über     derungen anzustoßen.      an erster Stelle.     und Umweltmanagementsys-
                         Wettbewerb und                                    Kontinuierlich baut   teme von Sedus Stoll haben
                         Qualität nachdenkt, lenkt den         das baden-württembergische        Höchststandard. So ist seit
                         Blick auf das Herz des Unter-         Unternehmen eigene Stärken        Jahren die ganze Unterneh-
                         nehmens, die Mitarbeiter. Was         und Erfolge aus, die die 932      menskultur des Möbelfabri-
                           denken sie? Was motiviert sie?      Mitarbeiter weltweit einfahren:   kanten auch ökologisch ausge-
                            Wie stark identifizieren sie       Mit allen Beteiligungen und       richtet. Das reicht bis hin
                              sich mit dem Betrieb?            Tochtergesellschaften in acht     zu den unternehmenseigenen
                                Wie bewerten sie ihr           europäischen Ländern setzte der   ökologisch-landwirtschaftlichen
                                 Einkommen?                        Waldshuter Konzern 2000       Betrieben, deren Köstlichkeiten
                                                                      weltweit 255 Millionen     Belegschaft und Besuchern
                                                                                   Mark um.      serviert werden.
                                                                                                             Im Jahr 1993 gratu-
                                                                                                             lierte die Zeitschrift
                                                                                                             »Capital« dem Seni-
                                                                                                             orchef Christian Stoll
                                                                                                            zum Titel »Öko-
                                                                                                            manager des Jahres«.
                                                                                                            Als erster deutscher
                                                                                                            Möbelhersteller ent-
                                                                                                            sprach Sedus Stoll
                                                                                                           1995 der Europäi-
                                                                                                              schen Öko-Audit-
                                                                                                                      Verordnung
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und erhielt inzwischen auch         und Mitarbeitern zu erfragen.            Überdurchschnittliche
den »Umweltpreis 2000« des          Die Kunden hatten bereits ge-            Akzeptanz
baden-württembergischen Mi-         sprochen. Im Rahmen des Ver-             Zwar gab es anfangs auch Skep-
nisteriums. Nicht anders im         änderungsprozesses, den EFQM             sis. »Wie anonym ist das?«
Qualitätswesen: Bereits vor         insgesamt angestoßen hat, soll-          »Welche Konsequenzen hat das
sieben Jahren bestand Sedus         ten dann im Mai 2001 auch die            für mich?« »Was, wenn unsere
Stoll das Zertifizierungsaudit      Mitarbeiter befragt werden.              Abteilung schlechter abschnei-
nach DIN ISO 9001, und das
wurde im Jahr 2000 erneuert.
Inzwischen arbeiten die Möbel-
bauer mit dem Management-
Konzept »Total Quality Mana-
gement« (TQM). Und im Jahr
                                            In ihren Händen lag der gute
2001 ließen sie sich auch              Anfang: die Projektgruppe für die
noch am Modell der EFQM              erfolgreiche Sedus Stoll-Mitarbeiter-
(European Foundation for                      befragung. Dort arbeiteten
                                         externe Berater mit Sedus-Stoll-
Quality Management) messen.              Mitarbeitern zusammen, die das
                                          interne Know-how beisteuerten
Der Blick nach innen
Qualität setzt voraus, dass die
Unternehmensleitung den Blick       Hohe Ansprüche an Externe                det als andere?« Manche Mit-
auch nach innen richtet, auf ih-    Das wollte der Vorstand der              arbeiter befürchteten, Angaben
re »internen Kunden«, die Mit-      Sedus Stoll AG perfekt haben.            wie Tätigkeitsbereich, Ge-
arbeiter. So gibt es bereits eine   Deshalb sah er sich für seine            schlecht und Abteilungszuge-
Mitarbeiterbeteiligung, was die     Mitarbeiterbefragung nach ei-            hörigkeit könnten Rückschlüsse
Identifikation mit der Firma        nem kompetenten externen                 auf sie selbst zulassen. Diese
fördert. Und schon früh hat sich    Partner um: »Wir wollten einen           Bedenken zerstreuten Anke
bei Sedus Stoll organisatorisch     sehr professionellen Ansatz,             Menzel und Christoph Vogt
Grundlegendes getan: Grup-          keine vermeidbaren Fehler                vom geva-institut mit Erfolg:
penarbeit und rationalisierte       machen und die Anonymität                Rund 90 Prozent der Beleg-
Fertigungsabläufe.                  wahren«, erläutert Qualitäts-            schaft beteiligten sich an der
Doch wie bewerten das die           leiter Wielandt. Zudem sollten           schriftlichen Befragung. Das ist
Mitarbeiter? Fühlen sie sich        die Ergebnisse mit denen ande-           extrem viel, für gewöhnlich
mehr als früher für die Qualität    rer Unternehmen vergleichbar             kann man ab 70 Prozent sehr
ihrer Arbeit verantwortlich,        sein. Die Wahl fiel auf das geva-        zufrieden sein. »Wir haben von
wird ihr Potenzial besser           institut, das langjährige Befra-         Anfang an den Betriebsrat ein-
genutzt, sind die Rahmenbe-         gungserfahrung hat und auch              bezogen, wir haben glaubwür-
dingungen entsprechend? Wie         die Anschlussprozesse professio-         dig vertreten, dass wir etwas
steht es um Motivation und          nell begleitet. Gernot Wielandt          verbessern wollen, dass keine
Leistung der Belegschaft, wie       äußert sich begeistert über das          Köpfe rollen werden und dass
um die Weiterbildung? Solche        Projekt: »Es kam durchwegs               die Befragung absolut vertrau-
Fragen zählen zu den TQM-           positiv an. Die Leute wollen was         lich sein wird«, interpretiert
Vorgaben. Und EFQM verlangt,        sagen, trauen sich aber nicht,           Personalchef Martin Rochlitz
die Zufriedenheit von Kunden        einfach so loszureden.«                  die hohe Rücklaufquote.
                                                                                                                  1/2002




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         Titel




                                    Dass die Mitarbeiter-Befragung
                                    2001 für Sedus Stoll ein Rund-           Sich mit anderen Unternehmen messen
                                    um-Erfolgsprojekt wurde, führt
                                    Rochlitz auf ganz verschiedene           Wer sich mit seinen Ergebnissen richtig positionieren
                                    Punkte zurück:                           will, braucht verlässliche Daten.
                                    – Projektteam mit Meinungsführern –
                                    Als erstes wurde eine sechsköp-          Erst Benchmarking erlaubt es, die Position eines Unternehmens
                                    fige Projektgruppe gebildet,             genau zu bestimmen. Es stellt die Ergebnisse der Befragung de-
                                    um die Ziele festzulegen. Mit            nen vergleichbarer Unternehmen gegenüber, vorzugsweise der
                                    dabei vom Unternehmen: Per-              besten. Weil es jedoch keine zwei Unternehmen mit identischer
                                    sonalchef, Qualitätsleiter und           Organisations- und Mitarbeiterstruktur gibt, hat das geva-insti-
                                    zwei Betriebsräte; außerdem              tut ein besonderes Verfahren entwickelt.
                                    Anke Menzel und Christoph                Grundlage ist die umfangreiche geva-Vergleichsdatenbank mit
                                    Vogt vom geva-institut.                  über 200.000 Datensätzen. Aus dieser wählt man zu jedem Mit-
                                    – Professioneller Fragebogen –           arbeiter eine oder mehrere Personen mit übereinstimmenden so-
                                    Die geva-Psychologen Menzel              ziographischen Merkmalen. Damit wird ein »virtuelles« Unter-
                                    und Vogt konzipierten einen              nehmen aufgebaut; dessen Mitarbeiterstruktur entspricht der
                                    aussagekräftigen Fragebogen.             Struktur der Befragten genau, in diesem Fall den Befragten bei
                                    Er berücksichtigt alle Bereiche          Sedus Stoll. Der Vergleich zeigt, wo die eigenen Stärken liegen
                                    des Arbeitsumfeldes, die die             und wo man Schwächen angehen muss.
                                    Zufriedenheit beeinflussen. Er
                                    ermöglicht interne Abteilungs-
                                    auswertungen, externe Bench-          absolut vertraulich sein. Ein      – Auswertung mit Benchmarks –
                                    marks und die Beurteilung der         Faltblatt für alle beschrieb ge-   Der ständige Vergleich mit
                                    Fluktuationsbereitschaft von          nauer, worum es ging. Die Füh-     anderen Firmen gibt Sedus Stoll
                                    Mitarbeitern.                         rungskräfte wurden in eigenen      die nötigen Impulse, bei den
                                                                          Veranstaltungen informiert.        Besten zu bleiben. »Die Er-
                                                                          Und in der Betriebsversamm-        gebnisse wären für uns nur halb
                                                                          lung rief der Vorstandsvor-        so viel wert, wenn wir die
                                                                          sitzende Dr. Bernhard Kallup       Vergleichsdaten nicht vorliegen
                 Sedus Stoll-Qualitätschef Wielandt:
                     »Wir hatten eine Menge getan,                        persönlich dazu auf, mitzuma-      hätten«, resümiert Personalchef
                    um Vertrauen aufzubauen. Unser                        chen. »Die Kommunikations-         Rochlitz.
                 Vorgehen nach der Befragung musste                       kette darf nicht abreißen, die     – Rückmeldung der Ergebnisse –
                 dann natürlich bestätigen, dass wir
                       dieses Vertrauen verdienen.«
                                                                          Mitarbeiter wollen ernst genom-    Projektteam und Geschäftslei-
                                                                          men werden«, begründet Wie-        tung erfuhren die Ergebnisse als
                                                                          landt die vielfältigen Informa-    erste. Anschließend bekamen
                                    – Umfassende Kommunikation –          tionen über alle Projektphasen.    alle Mitarbeiter eine Broschüre,
                                    Frühzeitig informierten der           – Wahllokale mit Wahlurnen –       die die wichtigsten Ergebnisse
                                    interne E-Mail-Service, das           In drei Wahllokalen standen        gut verständlich vorstellte. In-
                                    Schwarze Brett und die Mitar-         Wahlurnen, die der Betriebsrat     zwischen haben die Psycholo-
                                    beiterzeitschrift »Sedus Dialog«      versiegelte und zum geva-insti-    gen Menzel und Vogt mit den
                                    alle Beteiligten über das Vor-        tut schickte. Wer den Fragebo-     Abteilungsleitern ihre Abtei-
                                    haben. Wichtigster Punkt: Die         gen lieber zu Hause ausfüllte,     lungsergebnisse (Fokusbericht)
                                    Befragung sollte freiwillig und       schickte ihn direkt per Post.      genau besprochen.
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gevamagazin

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     Diplompsychologe
                                                  »Die Daten dürfen nicht
  Christoph Vogt, geva-                           in falsche Hände geraten«
   institut, Projektleiter
  Mitarbeiterbefragung
         Sedus Stoll AG
                                                  Christoph Vogt zu den häufigsten Fragen,
                                                  die bei Mitarbeiterbefragungen aufkommen.



Änderungsprozesse                  Welchen Nutzen bringt eine Mitarbeiterbefragung?
eingeleitet                        Vogt: Die Befragung sollte immer Bestandteil eines Organisa-
Die Belegschaft erwartet, dass     tionsentwicklungsprozesses sein. Wenn im Unternehmen bekannt
ihre Bewertungen ernst genom-      ist, wie die Mitarbeiter verschiedene Dinge sehen, von Arbeitsaus-
men werden und Veränderungen       stattung über Vorgesetzte bis Betriebsklima und Zusammenarbeit,
bewirken. Die Führungskräfte       dann kann man auch gezielt Maßnahmen ableiten. Und die treffen
diskutierten in Workshops die      dann auch den Nerv. So vermeidet man blinden Aktionismus.
Ergebnisse mit ihren Teams.
Zum Beispiel Befunde über          Worauf sollte ein Unternehmen besonders achten, wenn es seine
Konflikte in der Gruppenarbeit.    Mitarbeiter befragen will?
Gemeinsam suchte das Team          Vogt: Zunächst sollte man den zeitlichen und logistischen
nach Ursachen und leitete          Aufwand nicht unterschätzen. Das Wichtigste: Die Mitarbeiter
Maßnahmen ab, die die Dinge        müssen sicher sein können, dass ihre Daten nicht in falsche Hände
verbessern sollen. Immer wenn      geraten. Dann braucht man detaillierte Fachkenntnisse über Frage-
etwas unklar war, standen Anke     bogen, Befragungsmethoden, professionelle Auswertungen und
Menzel und Christoph Vogt als      deren visuelle Aufbereitung. Außerdem sind in aller Regel
Berater zur Verfügung.             Vergleichsdaten unerlässlich, damit man die Ergebnisse vernünftig
Damit aus den vereinbarten         interpretieren kann. All das kann in der Regel nur ein externer
Maßnahmen etwas Neues und          Berater gewährleisten.
Besseres entsteht, braucht es
»ein zielorientiertes Control-     Was passiert, wenn die Daten ausgewertet sind?
ling«, davon ist Wielandt über-    Vogt: Wenn die Unternehmens- und Projektleitung über die Ergeb-
zeugt. Deshalb gibt es jetzt       nisse informiert sind, beginnt die eigentliche Arbeit. In Gesprä-
intern eine zentrale Stelle, die   chen erfahren die Führungskräfte die Ergebnisse. Diese sollten sie
Maßnahmen und einzelne             dann zusammen mit den Mitarbeitern ihrer Abteilung diskutieren,
Schritte protokolliert und dar-    sie sollten nach Ursachen forschen und planen, was zu tun ist. Wie
auf achtet, dass der Verbesse-     die Abteilungen ihre Maßnahmen beschreiben und dann umsetzen,
rungsprozess unternehmensweit      begleitet und dokumentiert eine zentrale Stelle im Unternehmen.
nicht ins Stocken gerät. Das ge-
währleistet die Qualitätsorien-    Gibt es typische Fehler in der Umsetzungsphase?
tierung im Sinne der EFQM.         Vogt: Manche Führungskräfte wissen nicht, wie sie mit kritischen
Dazu gehört auch, dass die Be-     Urteilen umgehen sollen. Oft informieren sie ihre Mitarbeiter nur
fragung künftig alle zwei Jahre    unbefriedigend über die Ergebnisse; das führt dann zu Spekulatio-
wiederholt wird. Auch im Jahr      nen und Gerüchten. Häufig gibt es auch direkt nach der Befragung
2001 trug die konsequente          ein hohes Aktivitätsniveau, das aber unpräzise ist. Schließlich fällt
Qualitätsorientierung externe      es ohne Ergebnis in sich zusammen. Das kann man mit einem
Früchte: Im September ging der     guten Monitoring vermeiden – und mit einem externen Berater,
erste deutsche Preis für Wirt-     der unbehelligt vom Tagesgeschäft am Ball bleibt.
schaftskommunikation an Sedus
Stoll nach Waldshut.
christoph.vogt@geva-institut.de
                                                                                                             1/2002




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