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					                PJ im Hospital Civil de Guadalajara, Mexico

                             Bericht von Janine Riesel


PJ-Tertial:  Chirurgie (3. Tertial)
Krankenhaus: Hospital Civil de Guadalajara
                 Calle Hospital No. 278, 44280 Guadalajara, Jalisco, México, http://www.hcg.udg.mx
Zeitraum:        30.04. - 17.08.2007
Meine Uni:       Universität zu Lübeck

Motivation
Da ich seit meines Schüleraustausches nach Argentinien und meiner Famu in
Panamá mit dem „Lateinamerika-Virus“ infiziert bin, wollte ich diese letzte
Chance im PJ noch einmal dazu nutzen auch mal etwas längere Zeit dort zu
verbringen. Mexiko fand ich zum einen immer schon sehr interessant und zum
anderen waren die Famu- und PJ-Berichte aus dem Hospital Civil de
Guadalajara durchweg sehr positiv und so entschied ich mich für mein PJ dort.

Vorbereitung
Beworben habe ich mich formlos auf spanisch per e-mail bei Dr. Antonio
Luévanos Velázquez (lantonio37@hotmail.com), er war bis vor kurzem noch
der Lehrbeauftragte des KH, jetzt ist allerdings Dr. José Antonio Mora Huerta
„Sub Director de Enseñanza e investigación“ – e-mail-Adresse von ihm habe ich
allerdings leider nicht. Wer so´n Schreiben für´s LPA auf Englisch braucht (ihr
wisst schon: „selbe Rechte und Pflichten“ usw.) schreibt es am besten selbst vor
und schickt es per e-mail mit der Bitte um unterschriebene Rücksendung. Geht
wirklich am einfachsten und schnellsten und es steht dann auch 100%ig alles
drin was man zur (zumindest in Lübeck sehr komplizierten) PJ-Tertial-
Genehmigung braucht.

Zur Reisevorbereitung habe ich größtenteils den Reiseführer „Lonely Planet
Mexico“, benutzt, der auch gerade zum Herumreisen (was man auf jeden Fall
tun sollte – wunderschönes, interessantes und faszinierendes Land!) un-
verzichtbar ist. Zur sprachlichen Vorbereitung kann ich das Thieme-Buch
„Spanisch für Mediziner“ empfehlen.

Tätigkeitsbeschreibung
Ich habe ja mein Chirurgie-Tertial dort abgeleistet und war somit in der
Allgemeinchirurgie und Onko-Chirurgie (die ich besonders empfehlen kann!!!)
unterwegs. Es ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen, dort in einem operativen
Fachgebiet zu famulieren oder PJ zu machen, da man die Gelegenheit bekommt,
viele praktische Dinge zu tun! So durfte ich regelmäßig im OP nähen und viel
assistieren. Dabei waren die Ärzte wirklich immer freundlich und geduldig und
haben einem alles detailliert erklärt und gezeigt, allerdings arbeitet man ehrlich
gesagt mehr als Famulant als als PJ´ler mit. Auch waren leider in den
Sommermonaten zu viele ausländische Austauschstudenten dort im
Krankenhaus, es waren ca. 30 und das ist wohl jedes Jahr so.

Auf jeden Fall sollte man sich dazu aufraffen auch mal ein oder zwei „Guardias“
mitzumachen. Während dieser z.T. wirklich sehr interessanten 36-Stunden
Dienste schläft man dann zwischendurch (wenn man dazu kommt) in den
„Cuartos de los residentes“. Das sind jugendherbergsartige Zimmer mit
Doppelbetten in denen allerdings nicht nur die Ärzte, sondern oft auch die bei
Op´s entnommenen Organe in Plastiktüten zwischenlagern... Naja, von
deutschen Hygieneverhältnissen sollte man sich am besten sowieso schnell
verabschieden...

Das Hospital Civil de Guadalajara ist ein Krankenhaus für Patienten ohne
Krankenversicherung, was sich natürlich auch am z.T. bettelarmen Patienten-
klientel äußert. Für Pflegepersonal gibt es nicht genug Geld, sodass jeder Patient
einen Angehörigen 24 Stunden neben ihm am Bett sitzen hat, der dann große
Teile der Pflege übernimmt und nachts auf Zeitungspapier unter dem Bett
schläft...und das in diesen sowieso schon großen und vollen ca. 60 Patienten
fassenden Krankensälen – ein anfangs mehr als befremdliches Bild!

Sprache
Ich hatte in der Schule Spanisch-LK, war schon mal 2 Monate in Argentinien
(Schüleraustausch) und je 1 Monat in Panamá und Spanien und hatte somit also
keine Verständigungsprobleme. Darüber hinaus sprechen die Mexikaner
glücklicherweise ein absolut gut verständliches, reines Spanisch (ganz anders als
beispielsweise in Panamá!!!) und sind somit außerordentlich gut zu verstehen.
Auch wenn man nur spanisches Basiswissen hat, findet man mit Unterstützung
in Form eines Sprachkurses vor Ort wohl recht schnell in die Sprache hinein,
auch weil man einfach gezwungen ist, Spanisch zu sprechen, da die
Englischkenntnisse der meisten Ärzte wirklich rudimentär sind, von den anderen
Mitarbeitern und Patienten ganz zu schweigen. Ganz ohne Spanischkenntnisse
im Gepäck sollte man also nicht dort ankommen.

Beziehung zu Gastgebern und Bevölkerung
Überaus gut!!! Ich bin dort wirklich mehr als herzlich aufgenommen worden,
die Gastfreundschaft war wirklich umwerfend und ich habe selten so viele
herzliche, fröhliche und hilfsbereite Menschen auf einem Fleck getroffen, ein
allgemeines „Südamerika-Phänomen“, wie mir scheint!
Als blonde Frau sollte man sich allerdings auf die ungeteilte Aufmerksamkeit
der gesamten männlichen Bevölkerung gefasst machen: ob Disco, Kino, in der
Straße oder auch in Jogginghose im Supermarkt – es wird penetrant geglotzt.
Am besten einfach ignorieren, soweit möglich.
Gesundheitsversorgung
Große Teile der Bevölkerung Mexikos hat keine Krankenversicherung. Dennoch
wird diesen Personen in Krankenhäusern wie dem Hoaspuital Civil eine
verhältnismäßig gute Basisversorgung angeboten, es kommt jedoch häufig vor,
dass Dinge fehlen und improvisiert werden muss.

Unterkunft
Meine Freundin und ich haben uns an die hier in PJ-Berichten empfohlene
Unterkunft bei Sra. Beatriz (Tel: 0052 33 3824531 oder 0052 33 36337548, am
besten Vormittags mexikanischer Zeit versuchen!) gehalten und sehr gute
Erfahrungen damit gemacht! Fairer Preis (2100 Pesos pro Monat, das sind ca.
130,00 Euro), es wird kostenlos geputzt, aufgeräumt (natürlich nicht in den
privaten Bereichen, also Zimmern) und sogar abgewaschen. Haben im oberen
Stock zu zweit (!) in einer Art 2-Zimmerwohnung mit eigenem Bad, Küche,
Terrasse und Wohnzimmer gewohnt. Der Wohnort ist sehr zentral und das KH
gut per Bus zu erreichen.

Lebenshaltungskosten
Sind nicht so niedrig wie gedacht. Busfahren und Essen gehen ist super-billig,
Einkaufen auf dem Markt ebenso, im Supermarkt allerdings herrschen
annährend deutsche Preisverhältnisse. Bin mit etwa mit 750 Euro pro Monat,
allerdings mit wirklich VIEL Reisen an den Wochenenden (!) ausgekommen,
ohne das sollten auch ca. 400-500 Euro reichen, darunter geht aber meiner
Meinung nach nichts.

Devisen
Bezahlt wird mit mexikanischen Pesos. Als ich da war, stand der Euro-Kurs
gerade sehr günstig. Ich habe Geld bei der in ganz Mexiko quasi an jeder Ecke
vorkommenden Scottiabank abgehoben, denn der große Vorteil ist, dass man als
Kunde der Deutscher Bank keinerlei Gebühren bei dieser Bank zahlen muss!!!
Es lohnt sich deswegen absolut vorher in Deutschland ein Konto bei der
Deutschen Bank zu eröffnen (für Studis umsonst), denn man spart so wirklich ne
Menge Geld! Geldautomaten der Scottiabank gibt es im ganzen Land reichlich.

Rückblick
Unvergessliche Zeit!!!! Habe viele Erfahrungen gesammelt und würde jederzeit
wieder hin...Ich kann wirklich nur jedem raten, sein Studium auch zum „Über-
den-Tellerrand-schauen“ zu nutzen – diese Erfahrungen sind mit keinem Geld
der Welt zu bezahlen, ihr werdet sehen!!!

				
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