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Rezension Parkinsons Gesetz

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  • pg 1
									REZENSION                                                         CHRISTOPH TÖGLHOFER (0111334)
PARKINSONS GESETZ                                 LV EINFÜHRUNG IN DIE SYSTEMWISSENSCHAFTEN
NORTHCOTE C. PARKINSON                                                    BEI DR. GÜNTHER OSSIMITZ

ECON VERLAG                                                                                        SS 03


Parkinson beschreibt in diesem Werk die Vorgänge und Dynamiken in Ausschüssen,
Verwaltungen und großen Organisationen.
Obwohl es bereits im Jahr 1957 geschrieben wurde, verliert es im Laufe der Jahre kaum an
Aktualität. Durch seine satirische Schreibweise und den in jedem Kapitel verwendeten
Beispielen, erscheint das Buch aus meiner Sicht sehr kurzweilig und leicht zu lesen.
Außerdem versucht der Autor einige seiner Erkenntnisse in mathematischen Formeln
auszudrücken, wohl weniger aus Vorliebe zur wissenschaftlichen Exaktheit, sondern wie ich
vermute, zur Aufheiterung der Leser.
Offensichtlich spiegeln seine Theorien meist Trends wieder, nichtsdestotrotz begann ich
während des Lesens sehr oft über Parallelen zwischen den von ihm beschriebenen
Verhaltensweisen in Organisationen, und eigenen, teils intensiven Erfahrungen mit Bürokratie
etc. zu grübeln.
Die 10 Kapitel dieses Buchs wurden ursprünglich als einzelne Essays in der britischen
Wirtschaftszeitung „The Economist“ veröffentlicht, und ich möchte die 10 Grundaussagen
dieser Essays unter Einbringung eigener Recherchen zusammenfassen.


1. Parkinsons Gesetz oder die wachsende Pyramide
„Arbeit lässt sich wie Gummi dehnen, um die Zeit auszufüllen, die für sie zur Verfügung
steht“, so lautet die Kernaussage dieses Kapitels, mit der Parkinson weltweit Berühmtheit
erlangte. Als Ergebnis seiner zahlreichen Untersuchungen leitet er die folgenden beiden
Lehrsätze ab: (1) Jeder Beamte wünscht die Zahl seiner Untergebenen, nicht aber die Zahl
seiner Rivalen (Gleichrangiger), zu vergrößern. (2) Beamte schaffen sich gegenseitig Arbeit.
Am deutlichsten zeichnet sich dieser Trend bei Statistiken der britischen Marine ab, in
welcher er gegen Ende des 2. Weltkriegs diente: Während sich 1928 nur noch ein Drittel der
Großkampfschiffe vom Jahre 1914 im Einsatz befanden, hatte sich im selben Zeitraum die
Zahl der Marinebeamten fast verdoppelt! Von dieser und weiteren Untersuchungen inspiriert,
berechnet Parkinson, dass die Anzahl der Beamten, unabhängig von deren Arbeitsmenge,
durchschnittlich um etwa fünf Prozent wächst.1


2. Die engere Wahl oder Prinzipien der Begabtenauslese
Es stellt sich die Frage, aus welchem Grund oft aus tausenden Bewerbern jeweils die
unfähigsten Personen ausgewählt werden. Abgesehen von Proporz liegt es meist an den völlig
ungeeigneten Auswahlkriterien. Als Verbesserungsvorschlag rät Parkinson, einfach die
Stellenausschreibung so zu formulieren, dass sich nur genau einer, nämlich „der Richtige“
bewerben kann. Meldet sich keiner, brauchen nur die Anforderungen solange herabgesetzt
werden, bis sich „der Richtige“ schlussendlich bewirbt.

1
 Parkinson zeigt 21 Jahre nach Erscheinen dieses Buches in seinem Nachfolgewerk “Parkinsons neues Gesetz”,
dass seine Thesen nicht an Gültigkeit verloren haben, und nennt auch noch weitere Beispiele.
3. Direktoren und Kabinette oder der Koeffizient der Unfähigkeit
Die „Komitologie“ (Ausschusslehre) beschäftigt sich auf der einen Seite mit der Berechnung
der Optimalzahl von Ausschussmitgliedern, auf der anderen Seite mit der Ermittlung der
Grenze zur Unfähigkeit solcher Gremien. Dieser Koeffizient der Unfähigkeit liegt laut
Parkinson zwischen 19 und 22 Mitgliedern, da sich bei größeren Ausschüssen bereits wieder
kleinere Gruppen bilden, die dann die wirklichen Entscheidungen bereits im Vorhinein
treffen. (vgl.: Die österreichische Bundesregierung hat zurzeit 18 Mitglieder2.) Dass
Ausschüsse generell stetig (oft bis zu ihrer Unfähigkeit) wachsen, liegt daran, dass oftmals
Mitglieder berufen werden, nur um deren Opposition zu überwinden, was in diesem Buch
anhand vieler historischer Beispiele demonstriert wird.


4. Der Wille des Volkes oder die jährliche Generalversammlung
In diesem Essay befasst sich Parkinson mit den Unterschieden zwischen dem klassischen,
englischen und französischen Parlamentarismus. Während er die britischen Abgeordneten,
von sportlichen Mannschaftsspielen geprägt, als bedingungslos parteitreu beschreibt, egal wie
sie zum zur Debatte stehenden Thema wirklich stehen, so charakterisiert er die Franzosen als
das Chaos liebende, in unzählig kleine Gruppierungen zerteilte Parlamentarier. Doch auch bei
diesem französischen System wird die zur Debatte gestellte Frage schlussendlich immer von
den Stimmen eines kleinen, durch diffuse Methoden heftig umworbenen Mittelblocks
entschieden. Letzen Endes überlässt es Parkinson dem Leser, die beiden Systeme zu
beurteilen und eines davon zu präferieren.


5. Hochfinanz, oder der Punkt, an dem das Interesse erlischt
Das in diesem Kapitel erörterte „Gesetz der Trivialität“ besagt, dass die Dauer von
Investitionsentscheidungen in Ausschüssen umgekehrt proportional zur Summe der
Projektkosten ist. Als Ursache für dieses Phänomen vermutet Parkinson die Tatsache, dass
höhere Beträge für uns nicht mehr greifbar und alltäglich sind, folglich ist es für uns schwerer
diese mit Alltagsinvestitionen zu vergleichen, kritisch zu betrachten, und so Einwände gegen
das Investitionsprojekt zu haben. Geht es jedoch darum, eine neue Kaffeemaschine zu kaufen,
hat jeder Erfahrungswerte einzubringen und jeder im Ausschuss möchte bei der Entscheidung
zum Wohle aller mitwirken, hitzige Debatten können die Folge sein. Allerdings gibt es auch
einen Punkt, an dem das Interesse der Entscheidungsträger schließlich erlischt, und wieder
weniger Zeit aufgewendet werden muss. Dieser Punkt liegt in etwa bei jenem Betrag, den
man ohne zu zögern für wohltätige Zwecke spendet, oder für eine Fußballwette riskiert.


                                    Punkt, an dem das Interesse erlischt
           Dauer




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2
 Stand April 2003; http://www.austria.gv.at/regierung/remitglied.htm
3
 Diese Grafik darf nur als mein subjektiver Versuch gesehen werden, die Grundaussage dieses Essays zu
veranschaulichen
6. Vorgeplante Mausoleen oder der große Verwaltungsblock
Egal, ob es sich um das Schloss Versailles, den Buckingham-Palast, das Pentagon, den
Petersdom oder um andere Monumente handelt, Parkinson will eine verblüffende Beziehung
zwischen deren Fertigstellung und dem Verlust von Macht herstellen. Schuld an diesem
Phänomen sei, dass solch eine Perfektion der Planung nur von Institutionen erreicht wird, die
am Rande des Ruins stehen. Und wirklich, man kann sagen, mit dem Einzug in Versailles
begann der Verfall Ludwigs XIV., bei Fertigstellung des Petersdoms war die Blütezeit der
Päpste bereits Geschichte, und der Buckingham-Palast diente erst als Regierungssitz der
Königin, als das britische Parlament schon großteils die Macht übernommen hatte.


7. Musterung der Persönlichkeit oder die Cocktail-Formel
Dieser Essay beschreibt die allgemeine Verhaltensweise von Menschen beim Betreten einer
Party oder eines Restaurants. Dabei fällt vor allem auf, dass die allgemeine Tendenz besteht,
die Mitte des Raumes zu meiden – auf Grund der urzeitlichen Angst vor einem
Überraschungsangriff – und zuerst nach links zu gehen bzw. die linken Plätze zu besetzen –
die Ursache für diesen Linksdrall liegt am menschlichen Körperbau, denn das wichtigste
Organ, das Herz befindet sich links, und davon leitet Parkinson unzählige menschliche
Verhaltensweisen ab.


8. Injelititis oder die schleichende Büro-Paralyse
Das Krankheit „Injelititis“, eine Wortneubildung Parkinsons, setzt sich im Englischen
zusammen aus „incompetence“ [Unfähigkeit] und „jealousy“ [Eifersucht]. Sie beschreibt jene
Vorgänge, durch welche sich Organisationen und Unternehmen Schritt für Schritt selbst
schwächen, bis sie am Rande des totalen Ruins angekommen sind. Beispielsweise wird ein
zweitklassiger Manager eines von Injelititis betroffenen Unternehmens stets bemüht sein,
drittklassige Abteilungsleiter unter sich zu haben, um seine Position zu schützen, usw..
Während das erste Stadium dieser Erkrankung, erkennbar durch klägliche Unternehmensziele
und schwächliche Mittel, noch relativ leicht bekämpft werden kann, sollten sich im
Sekundärstadium befindende Organisationen, durch spießige Selbstzufriedenheit geprägt,
bereits von Außenstehenden behandelt werden. Verfällt der Patient jedoch ins dritte und letzte
Stadium, die absolute Gleichgültigkeit, so kann ihm nur mehr selten geholfen werden.


9. Palmhütte bis Packard oder eine Formel für Erfolgreiche
In diesem Essay vergleicht Parkinson den chinesischen und amerikanischen Weg zum Erfolg.
Dabei stellt er fest, dass chinesischer Millionäre am ehesten dadurch reich wurden, indem sie
sich so lange als möglich unvermögend zeigten, während Amerikaner durch das Tragen von
Schlips etc. dies erreichen konnten. Weiters werden verschiedene Wege gezeigt, wie man sein
Geld am Besten vor Erpressern und dem Finanzamt schützt.
10. Der Pensionspunkt oder das Ruhestandsalter
Das richtige Pensionsantrittsalter, ein zurzeit sehr aktuelles Thema, soll in diesem letzten
Kapitel gefunden werden. Dabei rät Parkinson jeweils nicht die Verfassung des
Pensionsanwärters, sondern die seines potentiellen Nachfolgers zu berücksichtigen. Denn geht
man zu früh in Pension, so ist „der Nachfolger4“ noch nicht reif genug für den Posten, bleibt
man zu lange im Amt, so ist „dieser Nachfolger“ bereits derart frustriert, dass er als Ersatz
ungeeignet ist. Oft tritt jedoch das Problem auf, dass einzelne Beamte, vor allem in führenden
Positionen, sich selbst noch nicht alt genug für den Ruhestand sehen. Die humanste Methode
deren Abgang zu erleichtern, besteht in einer Kombination aus unzähligen Flugreisen zu
entfernten Konferenzen und nervigen Fragebögen, die schlussendlich den
Pensionierungsprozess erheblich beschleunigen.


Abschließend kann ich allen, die dieses Werk noch nicht gelesen haben, die Lektüre dieses
Buches nur empfehlen. Es handelt sich dabei um kein zeitintensives Unterfangen.


Literaturliste:


Parkinsons Gesetz, C. Northcote Parkinson, Econ Verlag GmbH, 1957
Mrs. Parkinsons Gesetz, C. Northcote Parkinson, Knaur Verlag, 1971
Parkinsons neues Gesetz, C. Northcote Parkinson, Econ Verlag GmbH, 1978



Quellen:


http://www.austria.gv.at/regierung/remitglied.htm




4
 Parkinson geht hier vom 1957 üblichen, klassischen Bild des Beamten aus, wo zum Pensionierungszeitpunkt
genau ein geeigneter Nachfolger im eigenen Amt existiert.

								
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