billig billige Produkte billige

Document Sample
billig  billige Produkte billige Powered By Docstoc
					Apolda workspace05 09_11_04

RAUMGRUPPE



Globale Icons und urbane Szenarien
...sind wir auf dem Weg in eine ganz andere Welt ?



billig ?

billige           Produkte
billige           Medien
billige           Kommunikation
billiges          Design

Die monetäre Metaphorologie als Einstieg in die Hyperrealität.

Die Metapher >billig< wird als ein herausfordernder Rahmen verinnerlicht um verschiedenste Aspekte der
heutigen Designpraxis und Ausbildung zu beleuchten.

Ist >billig< der einzige predominante Entscheidungsfaktor in der
Designproduktion, Forschung und Distribution. Mit >billig< streifen wir die Diskurse über Materialität und
Technologie bis hin zu virtueller Realität.
>billig< ersetzt Innovationszyklen durch Fashionzyklen.
>billig< ist global mit sozialem Faktor, als es für die 2. und 3.Welt >billige< Zugriffs- und Zugangsmöglichkeiten
schafft oder verhindert;

Designkonsumenten auf dem >Rahmen< (und nicht ausserhalb). >billig< wird so zu einer dominierenden
Argument für Komplexitätsreduktion in komplexen kulturellen Feldern und dadurch eine Kernthema für die
Designdebatte und Designcurricula des 21.Jahrhunderts.

>billig< koketiert mit Nachhaltigkeit. >billig< ist unmittelbare postmodern, die unmittelbare “kleine Geschichte”
des Alltäglichen; es
ist das realste Simulacra und unmittelbar pragmatisch. >billig< deutet (design) an, >billig< ist teuer (nichtbillig).

>billig< ist monokulturell, mit transkulturellen Auswirkungen. >billig< ist unberechenbar, überall und doch
>unsichtbar<.

Kann man diese >billigen< Rahmen sprengen? Sie formen und herausfordern?

Wird >billig< Ökonomie zu Design oder >billig< Design zu Ökonomie? Entwickeln sich daraus Designstrategien
jenseits eines Normalrahmens?

Macht >billig< Spass? Macht >billig< Sinn?

( Quelle: Joachim Huber / Wolfgang Sattler / Alois Martin Müller / Elia Konferenz Luzern 2004 )
Globalisierung

Kenichi Ohmae, vergleicht den Aufbruch in die New Economy mit der Eroberung eines bisher unentdeckten
Kontinents. Wie die Strategen der alten Welt müssen heute die Unternehmensführer neue Wege finden, um sich
universelle und marktdominierende Standards zu sichern.

Die Regeln der Old Economy sind in der New Economy nicht völlig aufgehoben, aber Nationalstaaten und ihre
Grenzen verlieren an Bedeutung, Internet und Mobilkommunikation erschließen ebenso neue Dimensionen des
Handels wie die Entwicklung der Aktienmärkte.

Finnland Schweden Italien Deutschland

Im Spannungsfeld dieser Dimensionen entwickeln sich, so Ohmae, Unternehmens- Godzillas der neuen Welt:
Firmen, die extrem schnell wachsen, überaus wendig sind und einfach alles verschlingen, was sich ihnen in den
Weg stellt. Solche Unternehmen werden die Wirtschaft der Zukunft prägen.
( Quelle: Kenichi Ohmae )




Draw a distinction

Nicolas Luhmann
Genau besehen steckt die ganze Beobachtertheorie in drei Worten. Die hat Luhmann von dem englischen
Mathematiker, Logiker und Philosophen George Spencer Brown übernommen. Sie stehen in einem Buch, das
Heinz von Foerster hinsichtlich seiner Bedeutung mit einem der berühmtesten Texte der philosophischen
Weltliteratur verglichen hat, nämlich dem „Tractatus logico philosophicus“ von Ludwig Wittgenstein.
Und nun also: Die knappe Sentenz in Spencer Browns „Laws of Form“ lautet: „Draw a distinction“. Auf gut
deutsch:
„Treffe eine Unterscheidung“.

Der geniale Trick Luhmanns besteht nun darin, diese schlanke Devise ausformuliert, man kann auch sagen:
ergänzt zu haben. Die von Luhmann in seinen Büchern und Aufsätzen immer wieder vorgetragene, gelegentlich
ein wenig variierte Fassung sieht so aus: „Triff eine Unterscheidung zur Bezeichnung der einen – und nicht der
anderen – Seite“.
Lassen wir die andere Seite für heute getrost auf sich beruhen.
(siehe Buchtips....)




Kopieren
Nachahmen und Nacheifern sind was anderes.

Die Plagiatoren verfolgen nur ein Ziel: Profit auf Kosten anderer:
Sie kopieren nur erfolgreiche Produkte, für die bereits Nachfrage besteht, und sparen somit die Kosten für
Forschung und Entwicklung sowie fürs Marketing.

Häufig verwenden sie billige Materialien, so dass die Qualität deutlich schlechter ausfällt und der Käufer nicht
lange Freude am vermeintlichen Schnäppchen hat.

Je nach Produkt (z.B. technische / elektronische Produkte, Medikamente, Spielzeug etc.) kann die schlechte
Qualität sogar lebensbedrohliche Auswirkungen haben.

Die folgenden Zahlen und Fakten zeigen grob das Ausmaß des Problems und warum es so wichtig ist, zu handeln.
Wer betroffen ist und nichts unternimmt, toleriert das skrupellose Verhalten der Plagiatoren und eine weitere
Ausbreitung des Problems. Technologischer Fortschritt und wachsendes Know-how seitens der Plagiatoren führen
dazu, dass Nachahmungen immer besser und schneller hergestellt und vertrieben werden können.


10% des Welthandels sind Fälschungen und Nachahmungen
Weltweiter volkswirtschaftlicher Schaden pro Jahr: EUR 200-300 Mrd. (Deutschland: EUR 29 Mrd.)
Weltweiter Verlust von Arbeitsplätzen pro Jahr: 200.000 (Deutschland: 70.000)
Drastisch steigende Beschlagnahmefälle durch den Zoll
Zunahme von ungerechtfertigten Produkthaftungsklagen bei den Originalherstellern
( Quelle: plagiarius web )
Global Icons
Inszenierung kultureller Identität in den Medien

Ikonen sind sehr mächtig in ihrer Wirkung. Sie brennen sich als Schlüsselbilder in das kollektive Gedächtnis der
Kulturen ein.
Durch TV und Neue Medien werden sie wie Waren um den Globus geschickt.

Der Status von Artefakten überlagert den Gebrauchswert und die Funktion
von Produkten. Unsere Alltagskultur ist geprägt von einer globalen Ikonografie.

>Global Icons< sind Informationsträger und ein System von Schlüsselbildern

In einer globalisierten Welt beziehen Menschen ihre kulturelle Identität daher zunehmend aus vereinfachenden
Medienbildern, die zu omnipräsenten Ikonen werden. Sie können für einen Zeitgeist, eine politische Überzeugung,
oder wie die Bilder des Anschlages auf die Twin Towers für den Schrecken von Krieg und Terror stehen.

CNN und MTV prägen das Bildgedächtnis eines immer jüngeren Publikums, das sich in verschiedenen „Metropolen
Tribes“ zusammen findet: in Clubs von Tokio, New York und Rio de Janeiro verbindet das einst politisch
aufgeladene Porträt Che Guevaras als eine Art „Stammesabzeichen“ auf den T-Shirts Jugendlicher
unterschiedlichste Gruppierungen.

‚Ikonen des globalen Informationsverkehrs’ schaffen ein digitales und globales Bildgedächtnis.

Als Inspirationsquelle dient ihm Aby Warburgs unveröffentlichter ‚Mnemnosyne’-Bildatlas aus den 1920er Jahren.
( Quelle: Lydia Haustein, Konferenz, Berlin 2004 )

Gibt es Bildwelten und Strategien der Bildgenerierung, die diesem Strudel überhaupt entkommen können und
welche Auswirkungen enstehen für das Design ?




„Ein ebenso rätselhafte wie universale Erscheinung ist die Masse, die plötzlich da ist, wo vorher nichts war“,
schrieb Elias Canetti mal in den Vor >flip flops< -Zeiten.


Karaoke-Ökonomie

Wirtschaftsexperten, die die Hoffnung auf die Rückkehr vergangener Kaufgepflogenheiten noch nicht aufgegeben
haben, nennen dieses psychedelische Paradies „Karaoke-Ökonomie“. Es ist der reine Neid.

Was in den Discountmärkten und Baumarktketten los ist,. Daran sind wir selbst schuld. Wir waren es, die für
Lebensmittel immer weniger Geld ausgaben, weshalb die Bauern noch schrecklicher wehklagten als sowieso
schon und die Lebensmittelhändler von Lebensmittelverkaufen nicht mehr leben konnten. Deshalb boten sie
Reisen an und Versicherungen, Häuser, Autos, Kunst – und eine wachsende Anzahl von bislang unbekannten
Produkten. Während jedoch der Sinn von Versicherungen, Autos oder Kunst jedermann einsichtig ist, wirft die
explosionsartige Nachfrage nach, sagen wir, 99Cent Produkten, Fragen auf.

Konsum, so haben wir gelernt, dreht sich nicht um den Verkauf von Waren, um Nutzwert, Praktikabilität oder
auch nur Ästhetik.

Fendi-Taschen werden nicht verkauft, um darin etwas herumzutragen, Vollpolyester-Hosen von Humana nicht,
weil sie bügelfrei sind.

Wir kaufen, um dazuzugehören oder auf keinen Fall dazuzugehören, um Einverständnis auszudrücken, Protest
oder Indifferenz.

Wir kaufen, um uns zu bekennen. Was also verrät dieses Butterfahrt-Universum über uns? Über den
Kapitalismus, also: die Welt?

Zunächst: Dass wir uns von Individualismus verabschiedet haben. Wir sind Tropfen in einem sich breit
dahinwälzenden Käuferstrom, und wir sind es gern. Es stört uns nicht, dass jeder Dritte in der gleichen
Jogginghose herumläuft wie wir.

Tchibo verkauft in einer Woche eine Million Skisocken, und dann knallen in Hamburg nicht mal die Sektkorken.
Die Auslieferung neuer Computer bei Aldi wird von Nahkampfszenen begleitet, die als Teil des Vergnügens gelten.
Geiz ist geil !

Mit Prada, am anderen Ende der Konsumskala, mögen ein paar verstockte Marken-Fetischisten die Preisschilder
ihrer Socken in Alben einkleben.

Aber erstens hat das auch nichts mit Individualismus zu tun, und zweitens gilt längst nicht mehr der
Qualitätsstalinist, sondern der Schnäppchenjäger als erfolgreicher Käufer: Lebenstüchtig, clever, genussfreudig –
eine Erotiker des Augenblicks.

Denn natürlich geht es im Discount nicht um Geiz, sondern um Begehren, also: um Gier.

Aber wer möchte wirklich noch Produkte, die ein Leben lang halten?
Wir haben gelernt, uns Nischen im rasenden Stillstand zu suchen, und lange schon lesen wir die Jahreszeiten an
der Dekoration der Schaufenster ab. So folgt das Tempo der Discounter dem Herzschlag eines galoppierenden
Marktes: Grillsaison, Skisaison, Gartensaison, Verandasaison, Angelsaison oder EM-Saison lösen einander
innerhalb von Stunden ab. Jahr für Jahr spuckt ein Heer von Trendscouts und Produktmanagern abertausende
Produkte aus und schafft es sogar, regionale Besonderheiten zu berücksichtigen.




Manufaktum

"Es gibt nichts Gutes, das nicht irgend jemand ein bißchen schlechter und ein bißchen billiger machen könnte",
seufzte schon im vergangenen Jahrhundert der englische Schriftsteller John Ruskin.

Heute, spätestens, ist der Feind des Guten endgültig nicht mehr das Bessere, sondern das Schlechtere, Billigere,
Banale.
Zumindest für den Bereich der Haushaltswaren gilt: Es gibt kaum ein Qualitätsprodukt, das nicht durch
jämmerlich schlechte, aber viel billigere Konkurrenten und Nachahmungen gefährdet wäre.

Die kurze Lebenszeit, das beschleunigte Kommen und Gehen der Gegenstände, mit denen wir täglich umgehen,
ihre Verwandlung von Gebrauchs- in Verbrauchsgüter kann man ja unter verschiedenen Gesichtspunkten schlimm
finden.



Zum einen trägt diese Entwicklung nicht unwesentlich zur Mehrung unserer Umweltprobleme bei. Zum anderen
verhindert sie aber auch, daß wir zu den uns alltäglich umgebenden Dingen noch eine "freundschaftliche"
Beziehung entwickeln, ihnen einen gewissen Respekt zollen können, den sie als gelungene Ergebnisse gut
getaner Arbeit ja durchaus verdienten.

Aber wie viele der heute käuflichen Dinge vermöchten überhaupt noch irgendwann einmal zu einem liebevoll
betrachteten, "guten, alten Stück" zu werden?
Manufaktum hat sich vorgenommen, Dinge zusammenzutragen, die in einem umfassenden Sinne "gut" sind,
nämlich nach hergebrachten Standards arbeitsaufwendig gefertigt und daher solide und funktionstüchtig, aus
ihrer Funktion heraus materialgerecht gestaltet und daher schön, aus klassischen Materialien (Metall, Glas, Holz
u.a.) hergestellt, langlebig und reparierbar und daher umweltverträglich.

Das Ergebnis der Mühen liegt mit Warenkatalog Nr.17 vor.
Etwa 4500 in diesem weiten Sinne "gute" Dinge sind darin versammelt, vielfach Klassiker, langlebig nicht nur
aufgrund von Technik und Material, sondern auch, weil sie über allen Moden und Trends stehen.
Preis spielt keine Rolle, die Zielgruppe ist reich der Verkauf läuft bestens.
( Quelle: Manufaktum web )
Tchibo
57 000 outlet-sales points in Deutschland.
Jede Woche bietet Tchibo seinen Kunden Gebrauchsartikel - sogenannte Non Food Artikel - unter der
firmeneigenen Marke TCM an. Ob Küche, Garten, Sport und Freizeit, Textilien oder Schmuck - durch die Vielfalt
der Themen und die Anzahl der Artikel ist, über das Jahr gesehen, für jeden Kunden etwas dabei. Ein weltweit
einzigartiges Konzept!

Die Zusammenstellung der wöchentlichen Themenwelten basiert auf Phasenideen, die lange vor Verkaufsbeginn
entsprechend aktueller Trends entwickelt werden.

Die zuständigen Produktmanager verfolgen dafür permanent die Entwicklung unterschiedlichster Märkte aus einer
Vielzahl von Perspektiven. Wichtige Informationen liefert die regelmäßige Zusammenarbeit mit Trendscouts und
Marktforschungsinstituten. Diese analysieren die langfristigen Entwicklungen der Gesellschaft und deren Einfluss
auf das Kaufverhalten der Kunden.



Die in einem ersten Schritt nach verschiedensten Kriterien angedachten Produkte werden im zweiten Schritt im
Markt getestet. Erst wenn dieser Test positiv verläuft, also vom Kunden angenommen wird, wird gezielt geordert.
Das bedeutet: produziert wird exklusiv für Tchibo.

Der Aufkauf von z.B. Restposten ist dabei absolut tabu! Detaillierte Briefings an die Produzenten sowie die
strenge Inhouse-Qualitätssicherung bei Tchibo garantieren die vom Kunden geforderte Qualität.

Angeboten wird jeweils nur eine Ausprägung von jedem Produkt. So wird z.B. nur ein Bügeleisen angeboten und
nicht etwa 20 verschiedene, unter denen der Kunde sich für eines entscheiden muss.

So präsentiert, wird jeder Artikel zum konkurrenzlosen ‚Star' im Sortiment. Wichtig ist, dass die verschiedenen
Artikel einer Phase einen Gleichklang bilden und zueinander passen.

So lassen Schaufenster- und Ladendekoration, das TCM-Magazin mit Informationen über das aktuelle Angebot,
redaktionellen Tipps zum jeweiligen Phasenthema und ein TV-Programm bis hin zu TV-Spots bei Tchibo "Jede
Woche eine neue Welt" entstehen.

Tchibo ist dann Fachgeschäft, wenn auch zeitlich begrenzt. Schnell muss der Kunde also sein, denn das Angebot
ist bewusst begrenzt. Dadurch werden Bedürfnisse geweckt, das zeigt die überwiegende Zahl von Spontankäufen.
(Quelle: Tchibo web )

Künstlicher Mangel...




Was stellen wir dagegen ?
Was ist Design im Zeitalter von billig ?
...und hier noch ein paar Buchtips

David Bosshart, Billig. Wie die Lust am Discount Wirtschaft und Gesellschaft verändert. Bielefeld 2004

“Gut&Billig”, Zeitschrift DU Nr. 743, 1.2004

Jacques Derrida: Falschgeld. Zeit geben I, München 1993

Paul K. Feyerabend, Wissenschaft als Kunst Frankfurt/M. 1980

Giddens, Anthony. Die entfesselte Welt. Wie Globalisierung unser Leben verändert, Frankfurt a.M. 2001

Naomi Klein, No Logo, München 2001
http://www.nologo.org

Rem Koolhaas, Harvard Design School Guide to Shopping, projekt on the city 2. Köln 2001

Rem Koolhaas, Content. Triumph of Realization, Perverted Architecture, Köln 2004

Niklas Luhmann, Die Wirtschaft der Gesellschaft, Frankfurt a.M. 1988/1999

Jean F. Lyotard, Das postmoderne Wissen. Ein Bericht, Wien 1982

Dennis L. Meadows, The Club of Rome (eds) Die Grenzen des Wachstums, Hamburg 1973

Meadows, Donella H / Meadows, Dennis L / Randers, Jørgen
Die neuen Grenzen des Wachstums, Hamburg 1992

George Spencer-Brown, Laws of Form(Gesetze der Form) 1969/ Bohmeier 1997

Thompson, Michael, Mülltheorie. Über die Schaffung und Vernichtung von Werten, Essen 2003

Viktor Turner, Das Ritual. Struktur und Anti-Struktur, Frakfurt a.M. 1989

Wolfgang Welsch, Ästhetisches Denken, Stuttgart 1990

				
DOCUMENT INFO