Product Carbon Footprint - Strategie, Methodik und Kommunikation by wew16833

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									Product Carbon Footprint –
Strategie, Methodik und Kommunikation




        Dr. Rainer Grießhammer
        ETH Zürich, 30. September 2008
400 existierende Label plus …

                                     ISO-Norm 14040 ff.


         Food Miles                 PAS 2050




    ISO 14065                        Kompensation


                       Greenhouse Gas Protocoll


                      7 0 . 0 0 0
                      Produkte?
Worüber wir reden




➨ Der Walkers-Snack: 75 Gramm

➨ Die Kilowattstunde (D): 639 Gramm
➨ Ein Kilo Quark: 1.900 Gramm
➨ Ein Kilo Rindfleisch: 13.300 Gramm
➨ Einmal volltanken: 120.000 Gramm
➨ Jahresstromverbrauch 2-Pers-HH: 1.940.000 Gramm
➨ Der Ferienflug nach Australien: 12.600.000 Gramm
Definition Carbon Footprint


➨ Product Carbon Footprint ist das Treibhauspotential
  (GWP) eines Produkts entlang der Produktlinie
  (craddle-to-grave)
➨ Erfasst werden also die Emissionen von
  Treibhausgasen und deren Treibhauspotential
  (CO2-Äquivalente bzw. CO2e)
➨ Je nach Fragestellung kann es auch sinnvoll sein,
  nur Teile der Produktlinie auszuweisen; z.B.
  - für B2B nur die Produktion inclusive Vorketten =
  craddle-to-gate
  - für B2C die Produktlinie bis zum Point-of-Sale
  - nur die Transporte (z.B. die „Food-Miles“)
Weitere GWP-Bilanzierungen


➨ Carbon Footprint von Unternehmen (inclusive
  Vorketten/Zulieferer; craddle-to-gate)
➨ GWP von Unternehmen, ohne Vorketten (z.B.
  Carbon Disclosure Project,Greenhouse Gas
  Protocoll)
➨ GWP von Ländern und ausgewählten Systemen
  (Kyoto-Protokoll, Emissionshandel)
➨ GWP von Kompensations-Projekten (CDM-Projekte)
➨ Mischformen (z.B. Carbon Footprint des
  Unternehmens inclusive aller Produkte und deren
  Produktlinien)
  Der Carbon Footprint ist zuerst einmal eine Bilanz
  und nicht zwangsläufig ein Label!
Entscheidungsgrundlagen


➨ Der Carbon Footprint ist wichtig, aber nicht die
 einzige Entscheidungsgrundlage

➨ Nachhaltigkeit umfasst die drei Dimensionen
  Ökologie-Ökonomie-Soziales
➨ Ökologie umfasst weitere Umweltaspekte wie z.B.
  Flächenverbrauch, Lärm, Schadstoffe, Biodiversität
  u.a.
➨ Verbraucher berücksichtigen Qualität (funktionale
  und symbolische Nutzenaspekte) und Preis,
  Umwelt, faire Herstellung, u.a.
Klimaschutzstrategien von Politik
und von Unternehmen


➨ Die Verhinderung eines dramatischen
  Klimawandels ist eine sehr große Herausforderung
➨ Einhaltung des 2-Grad-Ziels
➨ Reduktion der THG-Emissionen in den
  Industrieländern um 80% bis 2050
➨ schon das deutsche Reduktionsziel: 40% bis 2020
➨ Klimaschutz erfordert langfristig angelegte und
  integrierte Klimaschutzstrategien
➨ Unternehmen müssen Zulieferer, eigene
  Produktionsprozesse, Logistik, Vermarktung,
  Produktnutzung beim Kunden integriert analysieren
  und bewerten
Es geht um die Wurst, aber …




➨ aber ob CO2-Label und Kompensationen wirklich
  die Welt retten?
Carbon Footprint ist Fünfkampf


1) Analysieren
2) Reduzieren (Energieeffizienz)
3) Erneuerbare Energien
4) Kompensieren (ggfs.)
5) Kommunizieren

  Bei der Kommunikation können GWP-
  bezogene Label eine sinnvolle Option sein
  (von mehreren Optionen)
Methodik des Carbon Footprint


➨ Nachstehend Fokus auf Methodik zur Erfassung des
  produktbezogenen Carbon Footprint
➨ Integrierte Klimaschutzstrategien erfordern aber
  mittelfristig eine Integration mit Bilanzierungen
  - von Unternehmen (ISO 14064),
  - von Kompensations-Projekten (CDM-Regeln),
  - mit der EU-Kraftstoffqualitätsrichtlinie
  (ab 2010, THG-Berichtspflichten und Reduction
  Targets für alle Kraftstoffe)
  - EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie mit
  „Guarantee of Origin“ bei Grünem Strom
  - und Bezugnahme auf ISO 14025
  (Environmental Product Declaration, Product
  Category Rules etc.)
Carbon Footprint und Ökobilanz


➨ Grundlage aller produktbezogener Ökobilanzen ist nach
  wie vor die Ökobilanz (ISO-Norm 14040 ff.)
➨ Die Ökobilanz-Norm läßt aber bei einzelnen
  Bilanzierungen unterschiedliche Auslegungen zu (diese
  müssen nur „fair“ sein und begründet werden)
➨ Für die geplante vergleichende Bilanzierung von
  Hunderten von Produkten und eines „Reportings“ von
  Produkten mit unterschiedlichem Nutzen sind daher
  „Auslegungsregeln“ und damit eine Konvention für den
  Carbon Footprint erforderlich
➨ Hierfür gibt es verschiedene Vorschläge und
  Kommentare, am weitesten gediehen ist der PAS 2050
  von BSI British Standards (Second draft, february 2008)
➨ Ziel ist eine zügige internationale Harmonisierung
Knifflige Punkte & offene Fragen


➨ Nur PCF oder auch orientierende Ökobilanz zu anderen
  relevanten Umweltkategorien?
➨ Bezug auf Menge oder auf Funktionelle Einheit?
➨ Bilanzierung einzelner Stufen oder der gesamten Produktlinie?
➨ Ausklammerung oder adäquater Einbezug der Nutzenphase
  bei CO2-Labeln im Handel?
➨ Allokationen der THG nach Menge, Kosten/Preise oder
  Energie? Empfehlung: Produktgruppenspezifisch mit der
  Priorität Energie, Menge/Volumen, Preise
➨ Vergleich von Konkurrenz-Produkten im Handel ohne oder mit
  Critical Review?
➨ Einige weitere Punkte: Verwaltungen, Fahrten der
  MitarbeiterInnen, Einkaufsfahrten der Konsumenten, THG aus
  biogenen Quellen, Umgang mit Landnutzungsänderungen,
  Kompensationen (z.B. Ökostrom), Datenquellen und –qualität
  (ELCD, 60%-Regel) …
Koppelprodukte/Allokation


➨ Systemerweiterung und Gutschriften zu komplex
➨ Masse? Sollte einigermaßen den Wert widerspiegeln;
  Problem bei Strom und Wärme
➨ Energie? Gut bei den vielen energetisch dominierten
  Prozessen; geht nicht bei Metallen und Mineralien
➨ Ökonomie? Schwierig wegen Unterschiede Preise,
  Kosten, Steuern, Währungsschwankungen

➨ Prozess-/produktgruppenspezifisch entscheiden
➨ Vorrang Energie, dann Masse bei Massen-Rohstoffen,
  sonst Ökonomie: Durchschnittspreise 2005
Bedeutung generischer/spezifischer
Daten


➨ Welche Daten werden genommen

➨ Anteil generischer Daten

➨ Trennschärfe

➨ Beispiel Strom
Einbeziehung Strom


➨ Strom oft entscheidend bei Prozessen
➨ Große länderspezifische Unterschiede bei CO2-Äq.:
  EU 27: 481, D 649, NO 14, FR 101, EE 1030 (Faktor 70
  zwischen NO und EE)
➨ Im Zeitverlauf deutliche Veränderungen

Vorschlag:
➨ für Prozesse den jeweiligen Länder-Mix nehmen
➨ Ausnahmen: Eigenstromerzeugung
➨ Zertifizierter Ökostrom
Einbeziehung Ökostrom u. Biogas


➨ Zuordnung zu individuellem Strombezug führt oft nur zur
  „Entmischung“, aber nicht zu realen Verbesserungen
➨ Verschiedene Vorgehensweisen, siehe z.B. EcoTopTen,
  UBA-Beschaffungsvorschläge, GHP-Initiative
Vorschlag:
➨ Nur zertifizierten Ökostrom mit nachgewiesenem
  zusätzlichen Umweltnutzen nehmen (vgl. EcoTopTen),
  also z.B. NICHT den EEG-Strom
➨ Seperate Ausweisung
➨ Zuordnung an den Ökostrom-Kunden (der die
  Mehrkosten trägt)
➨ Problem bei Emissionshandel durch Stilllegung von
  Zertifikaten lösen
➨ Biogas normal bilanzieren, fast alles Neuanlagen, hohe
  Substratkosten
Landnutzungsänderungen


➨ Beispiel Biomasse

➨ Grundsätzlich: Einbezug von Landnutzungsänderungen

➨ Direkte Landnutzungsänderungen: siehe IPCC-Werte

➨ Indirekte Landnutzungsänderungen modellieren; siehe
  z.B. iLUC-Modell Öko-Institut
Perspektiven Methodik


➨ Die methodische Harmonisierung des Product
  Carbon Footprint wird deutlich schneller gehen als
  der Prozess zur Ökobilanz-Norm (ISO 14040 ff.)
  gegangen ist
➨ Die wesentlichen Linien sollten gegen Jahresende
  2008 klar sein
➨ PCF kann man unmittelbar initiieren. Heute noch
  offene methodische Entscheidungen (z.B. zu
  Allokationen) können später problemlos
  „nachgefahren“ bzw. schon vorab als Sensitivitäten
  gerechnet werden
➨ Die internationale Einigung auf gemeinsame
  Datensätze, z.B. in der ELCD, wird noch länger
  dauern
Perspektiven Kommunikation & Label


Auf Basis von Product Carbon Footprints
➨ können unternehmens- und produktbezogene
  Optimierungen kommuniziert werden
➨ können generische Aussagen zu einzelnen
  Produktgruppen getroffen werden
➨ Können bestehende Lead-Label und
  Auszeichnungen sinnvoll ergänzt werden
Prognose:
➨ Reine CO2-Label werden sich nicht als Lead-Label
  durchsetzen
➨ Label zu Klima-Kompensationen könnten
  übergangsweise eine Rolle spielen
➨ Es wird keine breite Kennzeichung von Produkten
  im Handel mit ihren CO2-Werten geben

								
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