Hilfsmittel-Tips 1. Teil - DOC by wooha

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									Technische Hilfen für schwerhörige und gehörlose Menschen


Technische Hilfen für schwerhörige und gehörlose Menschen
Teil 1: Tipps zu Telekommunikationshilfen
Teil 2: Tipps zu Hilfsmitteln für den Fernsehempfang und die Wiedergabe von Video-
Untertiteln
von Bettina Albers und Wolfram Hell / DIAS GmbH


Teil 1: Tipps zu Telekommunikationshilfen
Es gibt eine breite Palette an technischen Hilfsmitteln für schwerhörige und
ertaubte Menschen. Wir wollen die Einsatzmöglichkeiten einiger wichtiger
Kommunikationshilfen beschreiben.
Der erste Teil dieses Artikels befasst sich mit verschiedenen Telefonhilfen:
Schreibtelefone, Telefaxgeräte, Bildtelefone und Telefone mit verstärkter
Tonwiedergabe. In Teil 2 werden dann Hilfsmittel beschrieben, die den Zugang
zur Information für Taube und Schwerhörige verbessern: Fernseh- und
Videogeräte mit Untertitelwiedergabe und -aufzeichnung, Videotext-Decoder
und Radio- und Fernseh-Tonübertragungsanlagen.

Die Telekommunikation hat für die Informationsbeschaffung einen Stellenwert, der
mit dem von Rundfunk und Fernsehen vergleichbar ist. Es zeigt sich, dass das
Hilfsmittelspektrum bei Telekommunikationsgeräten insgesamt viel differenzierter ist
als es bei der Rundfunk- und Fernsehtechnik der Fall ist. Ein Grund hierfür ist darin
zu sehen, dass sich die Telekommunikationsverbindungen und die entsprechenden
Hilfsmittel bestimmten Einzelpersonen zuordnen lassen, wodurch die
Leistungspflicht der sozialen Kostenträger für die entsprechenden technischen
Hilfsmittel relativ leicht zu definieren ist. Dadurch wurde der Markt in diesem Bereich
sowohl für Anbieter als auch für die Nutzer der technischen Hilfsmittel attraktiv.


1. Schreibtelefone
Schreibtelefone funktionieren vom Prinzip her ähnlich wie die schon früher
bekannten Fernschreiber. Jeder auf einer Schreibmaschinentastatur angetippte
Buchstabe wird in eine codierte Tonfolge umgesetzt, die über das Telefonnetz
übertragen wird. Das Empfänger-Schreibtelefon decodiert die Tonfolge und zeigt sie
als Buchstaben an. Die Wiedergabe des decodierten Textes erfolgt meist über ein
LCD-Display, seltener über Papierstreifendrucker oder Bildschirme. Der Nutzer eines
Schreibtelefons kann also nur mit jemandem, der ebenfalls ein Schreibtelefon hat,
kommunizieren.
Bei Schreibtelefonen mit Akustikkoppler wird die Verbindung mit dem Telefonnetz
durch Einsetzen des Telefonhörers in die Muscheln, bzw. in die Halterungen des
Akustikkopplers hergestellt. Der Vorteil ist, dass hierfür keine Umbauten und
Anschlussmaßnahmen erforderlich sind, d.h. das verwendete Telefon bleibt für den
regulären Gebrauch jederzeit nutzbar. Im Prinzip sind diese Schreibtelefone auch
unterwegs in öffentlichen Telefonzellen oder bei anderen Privattelefonen benutzbar.
Probleme können sich hier jedoch wegen der Vielzahl der heute erhältlichen
Telefone ergeben, da die meisten Akustikkoppler nicht in jedem Fall an diese
anpassbar sind. Auf dem Markt sind deshalb zunehmend Schreibtelefone erhältlich,
die sich mit einem Steckeranschluss direkt mit der Telefonanschlußdose verbinden
lassen.


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Die zur Zeit erhältlichen Geräte sind meist mit einem Akku ausgestattet und verfügen
neben der Schreibmaschinentastatur über zusätzliche Funktionen, wie
beispielsweise einen Textspeicher, der es ermöglicht, längere Texte schon vor dem
Telefongespräch zu schreiben und erst bei bestehender Telefonverbindung
abzusenden.

Mit dem Erscheinen des „Deutschen Schreibtelefons“ der Firma HGT 1977 konnten
erstmals auch Taube und stark Schwerhörige das Telekommunikationsnetz nutzen.
Eine Anbindung an sämtliche anderen Nutzer ist aber aus den oben genannten
Gründen nicht gegeben. Heute existieren in Deutschland ca. 10 000 bis 25 000
Schreibtelefon-Anschlüsse. Neben Einzelpersonen sind auch Notrufstellen, soziale
und kirchliche Einrichtungen, Behörden, kommerzielle Dienstleistungsunternehmen
und Vermittlungsdienste erreichbar. Die so ermöglichte Fernkommunikation
zwischen diesen Stellen hat dazu beigetragen, das Defizit an Kommunikations- und
Informationsmöglichkeiten für ertaubte und stark schwerhörige Personen etwas
abzumildern. Zu beachten ist allerdings, dass es weltweit Schreibtelefonsysteme
gibt, die nach unterschiedlichen Prinzipien, bzw. Übertragungsnormen funktionieren.
Nicht alle Systeme sind untereinander kompatibel, so dass für die internationale
Telekommunikation mit ausländischen Geräten eine problemfreie Verbindung nicht
immer gewährleistet ist.
Auf dem deutschen Markt werden derzeit 12 Schreibtelefon-Modellvarianten zu
Preisen zwischen 600,- und 2350,-DM angeboten. Hinsichtlich der Finanzierung
eines Schreibtelefons kommen als soziale Kostenträger je nach der Situation des
Nutzers das Sozialamt, die Krankenkasse oder die Hauptfürsorgestelle in Frage.

In der Praxis ist die Verwendung eines Schreibtelefons stark abhängig von der
schriftlichen Ausdrucksfähigkeit und den Fertigkeiten bei der Bedienung der
Schreibmaschinentastatur. Wenn die Anwender dies nicht ausreichend beherrschen,
kann sich ein sehr zähflüssiger Kommunikationsverlauf ergeben, der sich dann auch
in hohen Telefongebühren niederschlägt. Das Schreibtelefonsystem ist mit den
genannten Schwächen insgesamt eher eine technische und organisatorische
Notlösung als ein optimales Kommunikationssystem und dadurch einer
zunehmenden Konkurrenz durch Telefax, Bildtelefon und computervernetzten
Medien ausgesetzt.


2. Telefaxgeräte
Mit Telefaxgeräten können handschriftliche oder gedruckte Texte, sowie bildliche
Darstellungen über das Telekommunikationsnetz an ein anderes Faxgerät
übermittelt werden, wo dann eine mehr oder weniger originalgetreue Wiedergabe auf
Papier erfolgt. Da für diesen relativ neuen Produktbereich noch kein einheitlicher
Standard existiert, sind eine Vielzahl von Geräten mit stark unterschiedlichem
Funktionsumfang und -qualität, Bedienkomfort und Übermittlungs- und
Wiedergabequalität auf dem Markt erhältlich.
Ertaube und Schwerhörige sollten bei der Auswahl eines Faxgerätes darauf achten,
dass es für die Bedienung des Gerätes nicht zwingend erforderlich ist, Tonsignale zu
beachten. Günstig sind Geräte, die vollautomatisch arbeiten oder sich auf
automatischen Betrieb umstellen lassen. Lichtsignale oder Text-Displays können den
Betriebsstatus anzeigen und damit dem Anrufenden eine Kontrolle über den
korrekten Ablauf der Verbindung geben. Auch eine gut wahrnehmbare Anzeige, die
Störungen meldet, ist wichtig. Ein Gerät mit Rufnummernspeicher und

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automatischem Wahlvorgang ist ebenfalls von Vorteil, da dadurch ein gewisser
Schutz vor Fehlvermittlungen besteht, die ein hörender Mensch im Regelfall durch
akustische Kontrolle wahrnehmen kann.
Die     erhältlichen     Kombi-Geräte       mit    Telefon-,    Telefax-     und
Anrufbeantworterfunktionen erweisen sich in der Praxis für viele Ertaubte und
Schwerhörige als nicht so empfehlenswert. So kann es bei einem Kombigerät nötig
sein, bei einem ankommenden Anruf erst zu überprüfen, ob es sich um ein
Telefongespräch oder ein Fax handelt und das Gerät dann entsprechend zu
bedienen. Wegen der unklaren Zuordnung ankommender Anrufe, haben sich viele
Personen dazu entschlossen, separate Geräte an verschiedenen Anschlüssen zu
betreiben.

Die Verwendung von Faxgeräten hat sich noch schneller unter tauben und
schwerhörigen Personen verbreitet, als es anfangs bei den Schreibtelefonen der Fall
war. Faxgeräte haben gegenüber den Schreibtelefonen eine Reihe von Vorzügen.
Ein Telefax-Text kann in der Gesamtheit überschaubar abgefasst und gelesen
werden. Die Möglichkeit, bildliche Darstellungen zu versenden, ist ebenfalls ein
wichtiger Vorteil.
Mit der Verwendung eines Faxgerätes vergrößert sich für Ertaubte und Schwerhörige
der erreichbare Teilnehmerkreis im Telekommunikationsnetz um etwa das
Tausendfache gegenüber der Schreibtelefon-Verwendung. So können Taube und
Schwerhörige eine Vielzahl von Diensten mit weit geringerem Aufwand als bisher
kontaktieren. Bei der derzeitigen Verbreitung von Faxanschlüssen können
beispielsweise Termine beim Zahnarzt und Hausarzt vereinbart, Angebote von
Handwerksbetrieben eingeholt und Bestellungen beim Pizzaservice aufgegeben
werden. Die heute schon quasi standardmäßige Ausstattung kommerzieller und
öffentlicher Dienste mit Faxanschlüssen eröffnet tauben und schwerhörigen
Menschen auch in beruflicher Hinsicht neue Handlungsmöglichkeiten.
Telefongespräche, die früher von Kollegen geführt werden mussten, oder die
langwierige Korrespondenz auf dem Postweg werden durch die Nutzung des
Faxsystems weitgehend überflüssig. Dies könnte dazu beitragen, dass Taube und
Schwerhörige im Berufsleben stärker wahrgenommen und akzeptiert werden.

In der praktischen Nutzung des Faxgerätes zur Kommunikation kann eine Antwort
trotz der jedes Mal notwendigen Neuwahl immerhin in Minutenfrist gegeben werden.
Nachrichten können, wenn auf der Empfängerseite ein automatisch auf Empfang
arbeitendes Gerät steht, auch dann versandt werden, wenn der Adressat nicht
anwesend ist, so dass dem Absender mehrfache, vergebliche Versuche erspart
bleiben. Ein weiterer Vorteil ist, dass umfangreiche Texte mit dem Faxgerät weitaus
kostengünstiger übermittelt werden können, als mit dem Schreibtelefonsystem,
insbesondere wenn mit dem zeitversetzten Senden Spartarife für bestimmte
Tageszeiten wahrgenommen werden.

Das Angebot an Telefaxgeräten ist marktbedingt einer ständigen schnellen
Veränderung unterworfen. Dies betrifft die Modellveränderungen und technischen
Neuerungen ebenso, wie die Preise, wobei zu beobachten ist, dass sich sowohl die
Gesamtauswahl als auch die Preise zugunsten des Verbrauchers entwickeln.
Für die Finanzierung wichtig ist, dass überall dort, wo die Leistungspflicht für ein
Schreibtelefon gegeben ist, stattdessen auch die Finanzierung eines Faxgerätes in
Frage kommen kann. Die Rechtsprechung hat in einigen Fällen bereits den


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Hilfsmittelcharakter des Faxgerätes bejaht, unabhängig davon, dass es sich hierbei
auch um ein verbreitetes Konsumgut handelt.


3. Bildtelefone
Bildtelefone sind erst seit kurzem für breitere Käuferschichten auf dem Markt
erhältlich, obwohl sie eine lange Entwicklungsgeschichte haben. Das erste öffentlich
nutzbare Bildtelefon-System wurde bereits von 1936 bis 1940 in und zwischen
einigen deutschen Großstädten aufgebaut. In den 70er Jahren wurden von der
Deutschen Bundespost in West-Berlin mehrere „Inselnetze“ von Bildschirm-
Telefonen bei ausgewählten Haushalten mit tauben Teilnehmern geknüpft, um die
Anwendung für die Kommunikation mit Gebärdensprache zu erproben. Hierfür
mussten bei den Teilnehmern noch Geräte in der Größe von Abstellschränken
aufgebaut werden. Zwei in der Zeitschrift „test“ 3/1994 vorgestellte Bildtelefone
haben zwar eine handliche Größe, doch die Funktionsqualität ist nach Auffassung
von Stiftung Warentest so unbefriedigend, dass man eher von Machbarkeitsstudien
als von ausgereiften Produkten sprechen kann.
Mit speziell ausgestatteten Computern besteht die Möglichkeit, über das
Telekommunikationsnetz einen sogenannten multimedialen Kontakt zwischen zwei
Teilnehmern herzustellen. Wenn die Geräte bestimmte Hard- und Software-
Voraussetzungen erfüllen, können sie für eine Video-Bildübertragung genutzt
werden, d.h. man kann eine Videokonferenz zwischen den Teilnehmern schalten.
Die Anforderungen, die die verwendeten Computer erfüllen müssen, sind jedoch im
Vergleich zum Betrieb mit anderen Anwenderprogrammen relativ hoch.
Von der Deutschen Telekom wird das System „ProShare TM Video System“ der
Firma Intel angeboten. Der Lieferumfang umfasst hierbei neben der Software noch
ISDN-      und    Video-Erweiterungskarten,    Videokamera,    Kopfhörer-Mikrofon-
Kombination, Starthilfe-Programm und Handbuch (ein leistungsfähiger Computer
muss natürlich ebenfalls angeschafft werden). Die Bildfolgefrequenz des Systems
liegt bei 12 Bildern pro Sekunde. Für die Nutzbarkeit dieser Systeme spielt derzeit
auch eine Rolle, dass die höchste Bildfolgefrequenz nur bei kleiner Auflösung und
demzufolge kleinem Bildausschnitt auf dem Bildschirm möglich ist. Bei vergrößerter
Bildschirmdarstellung sinkt die Bildfolgefrequenz erheblich, wodurch die
Bewegungsabläufe dann abgehackt und nicht fließend erscheinen.
Zur Zeit ist bekannt, dass in mehreren Ländern, z.B. Norwegen und Großbritannien,
sowie an der Universität Hamburg Videotelefon-Verbindungen praktisch erprobt und
Versuche zur Verbesserung der Bild- und Übertragungsqualität durchgeführt werden.
Hierbei hat sich herausgestellt, dass die Übertragung von Gebärdensprache für
Taube und Schwerhörige ein hohes Bildauflösungsvermögen und eine hohe
Bildfolgefrequenz erfordert. Dies hat zur Folge, dass jeweils große Datenmengen
übertragen werden müssen. Untersuchungen haben ergeben, dass bei der
Übertragung von etwa 15 Bildern pro Sekunde eine Gebärdenkommunikation per
Bildtelefon möglich wird.
Von den derzeit etwa 30 angebotenen Hard- und Softwaresystemen für
Videokonferenzen ist momentan nur das oben erwähnte System von Telekom / Intel
zu einem für private Nutzer diskutablen Preis erhältlich, der 1995 mit DM 4800.-
noch deutlich höher lag als heute mit DM 2900.-. Die zu beobachtende
Preisentwicklung und die laufenden Aktivitäten in den Entwicklungslabors zur
Verbesserung der Übertragungsmöglichkeiten lassen erwarten, dass in etwa 2
Jahren komfortable und leistungsfähige Systeme zur Video-Kommunikation für
private Nutzer verfügbar sein werden.

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4. Telefone mit verstärkter Tonwiedergabe und Telefonhörerverstärker
Für Personen, die leicht- bis mittelgradig schwerhörig sind, gibt es technische Hilfen,
die ihnen das Telefonieren ermöglichen, bzw. erleichtern. Dazu zählen Telefone mit
fest eingebauter oder bei Bedarf zuschaltbarer Lautstärkeerhöhung, sowie Geräte,
die eine spezielle Induktionsspule haben.
Telefonapparate mit erhöhter Lautstärke sind für leicht- bis mittelgradig
Schwerhörige mit oder ohne Hörhilfe geeignet. Telefonapparate mit zusätzlicher
Induktionsabstrahlung können speziell für Hörgeräteträger eine Hilfe sein, sofern das
Hörgerät mit einer Induktions-Empfangs-Spule („Telefonspule“) ausgestattet ist. Die
Verwendungsmöglichkeit eines solchen Telefons ist in der Regel auf den
Installationsort beschränkt.
Hinsichtlich der Finanzierung können als Kostenträger je nach der Situation des
Nutzers die Hauptfürsorgestellen, das Sozialamt oder die Krankenkasse in Betracht
kommen. Bei der Telekom sind die speziellen Telefone auch zum Mietpreis
erhältlich.

Separate Telefonhörerverstärker sind ebenfalls für leicht- bis mittelgradig
schwerhörige Personen mit oder ohne Hörhilfe geeignet. Sie werden für die Dauer
des Betriebs auf dem Lautsprecherteil des Telefonhörers befestigt. Die Geräte
werden mit einer Batterie betrieben und geben die aufgenommenen Töne mit einem
eigenen Lautsprecher verstärkt wieder. Ein anderes Gerät kann mit Kabel und
Stecker an Hörgeräte angeschlossen werden und nimmt die induktiven Signale auf,
die vom Telefon abgestrahlt werden. Ein von mehreren Firmen und auch der
Telekom angebotenes Produkt kann zwischen Telefon-Grundapparat und
Telefonhörer zwischengeschaltet werden.
Der Vorteil dieser Zusatzgeräte gegenüber speziell ausgestatteten Telefonapparaten
ist, dass sie universeller und aufgrund der handlichen Größe mobil eingesetzt
werden können.




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Teil 2: Tipps zu Hilfsmitteln für den Fernsehempfang und die
Wiedergabe von Video-Untertiteln

Für stark schwerhörige und gehörlose Menschen gibt es zwar etliche
technische Hilfsmittel, doch in Bezug auf Fernseh- und Videosysteme ist der
Zugang     zu    Informationen   für   diese   Personen    noch    erheblich
verbesserungsbedürftig. Im folgenden wollen wir die Einsatzmöglichkeiten von
technischen Hilfen in diesem Bereich beschreiben: Fernseh- und Videogeräte
mit Untertitelwiedergabe und -aufzeichnung, Videotext-Decoder und Radio-
und Fernseh-Tonübertragungsanlagen.

Das Fernsehen ist für taube und stark schwerhörige Menschen immer noch ein
eingeschränkter „Genus“. Da die gesprochenen Informationen meist gar nicht oder
nur zum kleinen Teil direkt verstanden werden können, sind zusätzliche Hilfen nötig,
um Fernsehsendungen und Filme verständlich zu machen. Eine Möglichkeit zum
besseren Verständnis sind Untertitel. Dabei handelt es sich um zusätzliche Texte,
die meistens am unteren Bildschirmrand eingeblendet werden.
Bei fremdsprachlichen Filmen, die in der Originalfassung gezeigt werden, also nicht
synchronisiert wurden, werden gelegentlich Untertitel mitgesendet, die ohne
spezielle technische Zusatzausstattung sichtbar sind.
Speziell für Taube und stark Schwerhörige sind die „Videotext-Untertitel“
vorgesehen, die bei einigen ausgewählten Fernsehsendungen ausgestrahlt werden.
Sie können bei Bedarf mit entsprechender Geräteausstattung eingeblendet werden.


1. Fernsehgeräte und Videorecorder
Speziell und ausschließlich für taube und stark schwerhörige Personen konzipierte
Fernseher und Videorecorder sind derzeit nicht bekannt. Die Gebrauchstauglichkeit
der erhältlichen Geräte ergibt sich für Taube und Schwerhörige aus der
Detailausstattung, insbesondere aus der Zusatzfunktion der Untertitel-Darstellung.
Der Fernseher, bzw. der Videorecorder muss hierzu zusätzlich einen Videotext-
Decoder enthalten, der die Textinformation identifiziert und im Fernsehbild
einblendet. Zusätzlich können weitere Funktionen, die zum Aufruf der Untertitel
dienen, sowie zur Variation der Darstellungsweise (z.B. Untertitel in doppelter Größe
oder nur in schwarz-weiß) hinzukommen.
Während bei Fernsehgeräten das Sichtbarmachen der Videotexte von Bedeutung
ist, kommt es bei Videorecordern auf die zusätzliche Abspeicherung der Texte auf
dem Videoband an. Die Textanzeige auf dem Videoband kann bei der
anschließenden Wiedergabe nicht mehr ausgeblendet werden, d.h. ein mit
Untertiteln aufgenommener Film kann später immer nur in dieser Form
wiedergegeben werden. Der funktionelle Komfort bei der Untertitel-Speicherung ist
bei den verschiedenen Geräten sehr unterschiedlich. Schwachpunkte sind hier zum
Teil die Erkennbarkeit der Texte bei einigen Farben und die mehr oder weniger
komfortable Ansteuerung und Programmierung der Untertitel-Aufnahme.
Beachtet werden sollte, dass ein Fernseher mit Videotext-Decoder nicht
gewährleistet, dass die bei einer Sendung mitlaufenden Untertitel von einem
Standard-Videorecorder mit aufgenommen werden können. Dafür müssen in der
Regel sowohl Fernseher als auch Videorecorder über eine entsprechende
Zusatzausstattung verfügen. Untertitel auf bespieltem Videofilmmaterial können
jedoch auch mit Standard-Videorecordern wiedergegeben werden. Dies ist insofern

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von Bedeutung, da Videomaterial mit Untertiteln in größerem Umfang leihweise oder
käuflich erhältlich ist.
Zur Beurteilung des Nutzens der Untertitel sind weniger die einzelnen Geräte als
vielmehr die übergeordneten Sende- und Programmstrukturen, sowie die
Informationsinhalte ausschlaggebend. Nur ein sehr geringer Teil des gesamten
Fernsehprogramms ist speziell für Taube und Schwerhörige untertitelt. So wird die
20 Uhr-Tagesschau der ARD regelmäßig untertitelt, häufig simultan, worunter die
Textqualität oft leidet. Bei einigen Sendereihen werden derzeit alle neuen
Sendungen untertitelt, z.B. „Lindenstraße“, „Tatort“, „Polizeiruf 110“, „Derrick“, „Ein
Fall für Zwei“, „Monitor“, „Wort zum Sonntag“. Wiederholungssendungen älterer
Serienteile erscheinen jedoch zum Teil noch ohne Untertitel. Außer der 20-Uhr-
Tagesschau werden pro Tag im Höchstfall drei Sendungen im gesamten
Fernsehprogramm mit Untertiteln ausgestrahlt. Videotext-untertitelte Sendungen
erscheinen fast ausschließlich bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten; die
privaten Sender wollen den Kostenaufwand für die Untertitelung nicht tragen.
Bezogen auf das gesamte Fernsehangebot lässt sich feststellen, dass der Anteil an
untertitelten Sendungen so gering ist, dass von einer Bedarfsdeckung nicht
gesprochen werden kann. Taube und stark schwerhörige Menschen werden von der
Nutzung des Informations- und Unterhaltungsangebots des Fernsehens in den
allermeisten Fällen also immer noch weitgehend ausgeschlossen.
Ein weiteres Ärgernis ist, dass sich bei der Untertitelung häufig Mängel zeigen. So
passiert es bei einigen Sendungen nahezu regelmäßig, dass Untertitel - angeblich
aufgrund technischer Störungen - entweder ganz ausfallen oder erst irgendwann im
Verlauf der Sendung eingeblendet werden. Außerdem werden Textteile oft aufgrund
von Sendestörungen verfälscht oder unkenntlich gezeigt. Des weiteren passiert es
nicht selten, dass vorbereitete Texte an die falschen Stellen des Films gesetzt oder
vertauscht sind. Die Inhalte von Untertiteln entsprechen zum Teil nicht der
Originalinformation, weil die Darbietung zum Lesen mit Rücksicht auf die zeitliche
Abfolge häufig eine Verkürzung erzwingt. Änderungen der Originalinformation
werden von den Textredaktionen oft auch deshalb vorgenommen, weil sie der
Ansicht sind, dass für Taube und hochgradig Schwerhörige Textvereinfachungen
zum korrekten Verständnis notwendig seien.
Vor diesem Hintergrund einer geradezu erbärmlichen Versorgung müsste eigentlich
schon fast davon abgeraten werden, die Zusatzkosten für ein Fernsehgerät oder
einen Videorecorder mit Untertitelwiedergabe aufzuwenden. Doch trotz aller Mängel
sind die entsprechenden Geräte mit Zusatzausstattung unter Tauben und
Schwerhörigen weit verbreitet. Ein Zeichen dafür, wie massiv das Informationsdefizit
und der Nachholbedarf empfunden werden.
Das Angebot an Fernsehgeräten mit integrierter Videotext-Wiedergabe hat sich in
den letzten Jahren stark ausgeweitet. Der Grund hierfür sind in erster Linie die
allgemeinen aktuellen Videotext-Informationen, die unabhängig von laufenden
Sendungen abrufbar sind und den Videotext über den Kreis der Tauben und
Schwerhörigen hinaus attraktiv gemacht haben. Bei Videorecordern mit der
Zusatzfunktion der Untertitel-Aufzeichnung ist das Angebot hingegen spezifischer
auf Taube und Schwerhörige zugeschnitten und deshalb auch enger begrenzt. Die
entsprechenden Fernsehgeräte und Videorecorder mit Sonderausstattung werden
über den allgemeinen Fachhandel vertrieben.
Die finanziellen Aufwendungen für die Wiedergabe der Videotext-Untertitelung von
Fernsehsendungen müssen in der Regel selbst getragen werden. Weder die
Krankenkassen, noch die Hauptfürsorgestellen, Landesversicherungsanstalten oder
Sozialämter sehen sich hier in der Pflicht. Die technische Entwicklung hat es

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immerhin mit sich gebracht, dass die finanziellen Zusatzaufwendungen inzwischen
innerhalb der Spanne der Kosten für andere Sonderfunktionen der Geräte liegen.


2. Untertitelte Videofilme und Videotext-Decoder
Videotext-Decoder als einzelne Zubehörteile fanden in der Frühzeit der
Fernsehsendungs-Untertitelung häufige Verwendung, da es damals zunächst keine
und dann erst wenige Fernsehgeräte mit entsprechender Ausstattung gab. Mit dem
zunehmend größeren Angebot an Geräten mit serienmäßig eingebauten Videotext-
Einrichtungen ist ihre Bedeutung zurückgegangen.

Bei der „Videothek für Hörgeschädigte“ in München können ca. 200 untertitelte
Videofilme ausgeliehen werden. Hörgeschädigte können gegen Vorlage eines
Schwerbehindertenausweises und einen Jahresbeitrag von DM 10.- bzw. 20.- dort
Filme mit Untertiteln ausleihen. Die Filme werden per Post zugeschickt und können
mit einem Standard-Videorecorder abgespielt werden. Der Entleiher muss lediglich
die Kosten für das Rückporto selbst tragen.

In den USA besteht aufgrund gesetzlicher Vorgaben eine Verpflichtung für die
Anbieter bzw. Verleiher von Videofilmmaterial, dieses auch mit Untertiteln für Taube
anzubieten. Um diese Vorgabe zu erfüllen, wird in den USA das „Close-Caption-
System“ verwendet, bei dem grundsätzlich jeder für den Vertrieb produzierte
Videofilm mit Untertiteln versehen ist. Die Untertitel werden jedoch nur bei Bedarf
sichtbar gemacht, indem ein spezielles Videotext-Decodergerät zwischen
Videorecorder und Fernsehgerät zugeschaltet wird. Dieses System wurde später
auch in Großbritannien eingeführt.
Nach jüngsten Informationen soll die Technik des „Close-Caption-Systems“ jetzt
auch in Deutschland eingeführt werden. Eine neue Vertriebsfirma will demzufolge
entsprechend bearbeitetes Videofilmmaterial unter dem Namen „Movie-Text“ über
Hörgeräte-Akustiker anbieten. In einem Einführungsprospekt werden derzeit 16
erhältliche Videomaterialen mit deutschen Untertiteln angegeben, weitere 12 Titel
sollen in Kürze erscheinen. Der erforderliche Decoder soll über den gleichen
Vertriebsweg für DM 350.- verkauft werden.
Obwohl einige Taube und Schwerhörige viele Hoffnungen und Erwartungen mit dem
neuen System verbinden, bleiben doch etliche Kritikpunkte und Fragen zu diesem
Thema offen. Da die Gesetzgebung in Bezug auf die Untertitelung von Filmen in
Deutschland bisher unverändert ist (d.h. keine Auflagen wie beispielsweise in den
USA bestehen) und bei der vorgesehenen Vertriebsorganisation des „Close-Caption-
Systems“ das Videomaterial nicht auch in breitem Umfang für Hörende angeboten
wird, bedeutet die Verwendung dieser Technik für hiesige Verhältnisse einen
zusätzlichen technischen und finanziellen Aufwand. Offen ist auch, ob Videofilme
des „Close-Caption-Systems“ nur gekauft oder auch ausgeliehen werden können
und ob sie ebenso wie die derzeit erhältlichen Videofilme mit Untertiteln kopiert
werden können.


3. Radio- und Fernseh-Tonübertragungsanlagen
Die Wahrnehmung von Radio- oder Fernsehton ist für schwerhörige Menschen oft
dadurch erschwert, dass sich die Geräte räumlich in einiger Entfernung vom
Aufenthaltsort der Person befinden und eine ausreichende Lautstärkeeinstellung
häufig nicht vorgenommen werden kann - mit Rücksicht auf andere Anwesende,

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Nachbarn oder die Hausordnung. Die Tonübertragung mit speziellen Anlagen soll
diese akustischen Probleme umgehen.
Entsprechende Anlagen übertragen Tonsignale vom Radio oder Fernseher per
Kabel oder drahtlos bis unmittelbar zum Ohr oder Hörgerät des Anwenders. Bei
drahtgebundenen Anlagen werden die Kopfhörer-Anschlussbuchsen am Radio oder
Fernseher genutzt. Der Anwender kann die weitergeleiteten Töne dann entweder
direkt mit Kopfhörer oder auf dem Umweg über Induktionsspulen und sein
persönliches Hörgerät wahrnehmen. Bei den Induktionsspulen handelt es sich
entweder um flexible Drahtschlingen, die um den Hals getragen werden oder um
„Induktionsplättchen“, die wie Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte geformt sind und direkt
neben diesem am Ohr getragen werden können. Die Funktionsweise ist in beiden
Fällen so, dass ein elektromagnetisches Induktionsfeld abgestrahlt, von den
„Telefonspulen“ des Hörgerätes aufgenommen und vom Hörgerät in Töne umgesetzt
wird. Die Induktionsplättchen werden bevorzugt für stereophones Hören mit zwei
Hörgeräten benötigt, während mit der sogenannten „Teleschlinge“, die um den Hals
getragen wird, nur ein monophones Hören möglich ist. Bei Anlagen mit drahtloser
Übertragung wird die Toninformation vom Radio oder Fernseher meist über
zusätzliche Sender und Empfänger mit Infrarotsignalen übertragen.
Drahtgebundene Anlagen sind relativ einfach zu handhaben und bedürfen zum Teil
auch keiner zusätzlichen Pflege. Bei drahtlosen Anlagen wird einerseits die
Kabelverlegung durch den Wohnraum vermieden, andererseits ist der Anwender
aber gezwungen, sich dem Radio- oder Fernsehgerät immer zuzuwenden. Die
Verbindung ist auch störanfällig, z.B. wenn andere Personen sich zwischen dem
Infrarot-Sender und Empfänger bewegen.
Für den Einsatz im Privatbereich können, je nach Lage des Falles, die Krankenkasse
oder das Sozialamt als Kostenträger in Betracht kommen.




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4. Bezugsquellen

Schreibtelefone            Schreibtelefone können derzeit in Deutschland direkt bei den folgenden
                           Herstellern oder über spezialisierte Vertriebsfirmen bezogen werden:

                           Humantechnik GmbH
                           Gesellschaft zur Humanisierung der Lebens- und Arbeitsumwelt
                           Käppelinstr. 10
                           79576 Weil

                           Hörgeschädigten-Technik B & K GmbH
                           Siemensstr. 13
                           48341 Altenberge

                           Mobily Com GmbH
                           Vertriebsgesellschaft Kommunikationstechnik für Gehörlose
                           Musenbergstr. 23
                           81929 München

                           Deutsche Telekom AG, T-Versand
                           Thomas-Eßer-Str. 33
                           53879 Euskirchen
Telefaxgeräte              Telefaxgeräte können über den Fachhandel erworben werden. Spezielle
                           Geräte können über die oben genannten Firmen (s. Schreibtelefone)
                           bezogen werden.
Bildtelefone               Die für Videokonferenzen notwendige Software kann über den
                           Computerfachhandel bezogen werden.
Telefone mit verstärkter   Die Telefone sind zum Teil in den Telefonläden der Telekom oder bei
Tonwiedergabe und          den anderen Firmen, die Telefone herstellen, erhältlich.
Telefonhörerverstärker     Telefonhörerverstärker können über die Hörgeräteakustiker bezogen
                           werden.
Fernsehgeräte und          Vertrieb über den allgemeinen Radio- und Fernseh-Fachhandel.
Videorecorder
Videotext-Decoder          Vertrieb über Hörgeräteakustiker.
Untertitelte Videofilme    Arbeitsgemeinschaft Behinderte in den Medien e.V.
                           Videothek für Hörgeschädigte
                           Bonner Platz 1
                           80803 München
                           Tel.: 089 / 30799215 (auch Schreibtelefon)
                           Fax: 089 / 30799222
Radio- und Fernseh-        Der Bezug ist über den Radio- und Fernseh-Fachhandel oder über die
Tonübertragungsanlagen     Hörgeräteakustiker möglich.




DIAS GmbH                                                                              Seite 11 / 12
Technische Hilfen für schwerhörige und gehörlose Menschen




Autoren: Diplom-Soziologin Bettina Albers und Diplom-Ingenieur Wolfram Hell sind
Mitarbeiter der D.I.A.S. GmbH Hamburg.
Die D.I.A.S. GmbH nimmt für Krankenkassen, Verbraucherschutzverbände und
Hersteller Hilfsmitteltests und -prüfungen vor und führt Marktanalysen im
Hilfsmittelbereich durch. Dabei arbeitet sie eng mit dem Beratungszentrum
Technische Hilfen für Behinderte in Hamburg zusammen.

Adresse:
D.I.A.S. GmbH
Neuer Pferdemarkt 1
20359 Hamburg
Tel. 040/ 431 875 0
http://www.dias.de




DIAS GmbH                                                             Seite 12 / 12

								
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