PJ - Bericht

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                      Endokrinologie in Brisbane/Australien
                           Princess Alexandra Hospital
                       10. Oktober bis 05. Dezember 2005

                              The University of Queensland
                Postgraduate Medical Education Foundation of Queensland
                                       Building 26
                               The Prince Charles Hospital
                                       Rode Road
                                 Chermside QLD 4032
                                Email: pmefq@uq.edu.au



Motivation:

Waehrend meines PJs wollte ich noch einmal die Zeit vor dem richtigen Start ins
Arztleben geniessen. In Freiburg duerfen wir nur 2 PJ-Tertiale im Ausland machen, so
dass ich ein Tertial im englischsprachigen Ausland und ein Tertial in der
franzoesischen Schweiz verbringen wollte. Als eine Freundin erzaehlte, sie wolle sich
zum PJ in Australien bewerben, war ich begeistert. Australien war fuer mich wie sicher
fuer viele andere ein Traumland, das ich aus Reiseprospekten und Bildbaenden
kannte– endlose Sandstraende, Palmen, Koalas und Kaenguruhs, Sonnenuntergang
am Ayrs Rock, Tauchen am Great Barrier Reef ...Ein Land, wo irgendwie alles gerade
anders herum ist als bei uns:
Wo im Winter Sommer ist, wo die Menschen aufstehen, wenn wir gerade ins Bett
gehen, wo man Weihnachten am Strand verbringt und wo sogar das Badewasser in die
andere Richtung abläuft;-)….
Und es macht natuerlich immer viel Spass, im Ausland zu studieren, in einer anderen
Sprache zu arbeiten, neue Menschen und andere Gesundheitssysteme
kennenzulernen und das Arbeiten mit Urlaub und Reisen zu verbinden. Da wir nach
dem 2. Stex eh ein Semester aussetzten um unsere Doktorarbeit zu beenden, konnten
wir schon Mitte August nach Melbourne fliegen und uns dort ein Auto kaufen. So
blieben uns noch 8 Wochen zum Reisen, bevor unser PJ am 10. Oktober in Brisbane
losging.


Vorbereitung:

Etwa eineinhalb Jahre vor PJbeginn schickten wir unsere Bewerbungsunterlagen an
die Postgraduate Medical Education Foundation of Queensland (PMEFQ). Unter
http://www.pmefq.com.au findet man alle notwendigen Informationen. Man kann
zwischen den verschiedenen Krankenhaeusern der University of Queensland waehlen.
Manche Krankenhaeuser sind direkt in Brisbane, andere liegen weniger zentral etwas
ausserhalb (Redcliffe, Gold Coast...). Der Vorteil dieser etwas ausserhalb gelegenen
Haeuser ist sicher, dass die Unterkunft haeufig vom Krankenhaus gestellt wird und oft
sogar ganz umsonst ist. Ein Aspekt, den man bei der in Australien eh ziemlich
strapazierten Reisekasse unbedingt bedenken sollte! Wir hatten uns urspruenglich fuer
einen Platz an einem der Krankenhaeuser, an denen die Unterkunft umsonst ist,
beworben, erhielten dann aber eine Zusage im Department of Endocrinology am
Princess Alexandra Hospital, kurz PA genannt. Es liegt ziemlich zentral, stellt dafuer
leider aber keine Unterkunft. Für 8 Wochen bezahlt man 385 AUS $ Studiengebühren,
die zeitgleich mit der Bewerbung überwiesen werden mussten. Weiterhin sollte man
sich rechtzeitig bei der australischen Botschaft um ein Visum bemühen (Infos unter
http://www.australian-embassy.de/). Wir haben uns hier fuer ein work and holiday
maker Visum entschieden (170 A$), wobei man dann noch aerztliche Untersuchungen
etc braucht, da wir ja im Krankenhaus arbeiten (diese kosten leider extra, noch ca
weitere 100 Euro). Bedingungen nachlesen unter www.australien ambassy.de. Wer
kuerzer als 3 Monate bleibt, kann sich auch das kostenlose, fuer die Arbeit im
Krankenhaus jedoch inoffizielle Touristenvisum besorgen. Wir kennen niemandem bei
dem sich irgend jemand fuer das Visum interessiert hat.
Sehr nuetzlich ist auch ein Konto bei der Deutschen Bank, da man wohl ohne
Gebuehren bei Westpac Geld ziehen kann. Genaues weiss ich leider nicht, aber ich
habe mich oft geaergert, fuer jedes Mal Geldziehen ziemlich hohe Gebuehren zu
zahlen...

Es empfiehlt sich den Flug möglichst frühzeitig zu buchen. Ich habe für einen Flug mit
Emirates 1020 Euro bezahlt. Manche Airlines sponsorn noch mehrtaegige
Zwischenstopps, z.B. in Dubai, Singapore etc. Unbedingt erkundigen!
Um sich auf eine korrekte englische Anamneseerhebung vorzubereiten waren viele
von Medical English aus dem Thieme Verlag begeistert. Soll sehr gut sein.


Autokauf:

Wir haben uns gleich zu Beginn einen Ford Falcon station waggon gekauft (fuer 3000
A$). Wenn man vorhat, vor oder nach PJ rumzureisen ist das unheimlich praktisch.
Ausserdem muss man dann nicht in den Backpacker Hostels absteigen sondern kann
wunderschoen abseits des Trubels der Ostkueste in den Nationalparks campen oder
im Auto schlafen (in Australien kein Problem).
Wir hatten unser Auto von einem Haendler, es lohnt sicher aber auch, bei den
Aushaengen der Hostels oder den schwarzen Brettern der Supermaerkte
vorbeizuschauen.
Unbedingt eine zusaetzliche Versicherung (third party insurance)und eine full-cover
road-side assistance abschliessen. In Victoria z.B bei RACV, entspricht dem deutschen
ADAC.

Unterkunft:

Auf unserer Reise entlang der Ostkueste vor PJBeginn machten wir zur Zimmersuche
Zwischenstopp in Brisbane. E.L.Property, eine Zimmervermittlungsagentur ist hier sehr
hilfreich. Die Zimmer sind zwar leider nicht wirklich billig, es ist aber nicht einfach privat
fuer so einen kurzen Zeitraum ein Zimmer zu mieten. Mit unserem Zimmer hatten wir
riesig Glueck. Wir haben am Kangaroo Point gewohnt (36 Connor Street), nur 2
Minuten zu the Rocks, wo man vor der Skyline Brisbanes entlang des Brisbane Rivers
besonders abends traumhaft schoen Richtung Southbanks joggen kann und nur
wenige Minuten von der Story Bridge entfernt, ueber die man in die Innenstadt laufen
kann. Das Haus hat 7 Doppelzimmer mit jeweils eigenem Bad, auf jedem Stock
Kueche, grossen Common Roomm mit TV und grosse Veranda. Das Doppelzimmer
kostet pro Woche 200 A$, also 100 A$ pro Nase.
Direkt bei unserer Strasse hielt der Bus in Richtung PA, den wir aber nie benutzt
haben, da wir uns gleich zu Beginn bei Kmart 2 billige Raeder kauften und so jeden
Tag in knapp 20 min ins Krankenhaus radelten. (Es ist aber so heiss in Brisbane, dass
man sich dann auch morgens gleich im Krankenhaus umziehen muss...).
Ein Rad ist in Brisbane aber sehr hilfreich – in West End kann man zum Beispiel sehr
billig in den kleinen Laeden frisches Obst und Gemuese kaufen (in den australischen
Supermaerkten oft ziemlich teuer) oder kann nach dem Krankenhaus noch schnell eine
Runde Schwimmen gehen. (Mit dem Bus alles immer ziemlich umstaendlich).
Ausserdem kann man so abends noch in die State Library zum emailen fahren.
Auslaendische Studenten haben naemlich am PA keinen Internetzugang mehr –
unsere Vorgaenger haben das wohl leider ein bisschen ueberstrapaziert...



E.L Property Management
www.elpropertymanagement.com.au
P.O. Box 3237
South Brisbane BC
Queensland 4101
Australia
Tel: (61-7)3013 6888

Natuerlich kann man auch versuchen das Zimmer privat zu organisieren, z.B. mit:
www.easyroommate.com.au



Kontakt nach Hause und mit dem Rest der Welt:
Ein Handy ist unheimlich nuetzlich zum SMSen nach Hause, fuer Hilferufe bei
Autopannen etc. Deshalb unbedingt Handy mitbringen. Wir hatten prepaidkarten von
Telstra ( kosten 25A$, die dann als Guthaben abtelefoniert werden koennen). Telstra
hat angeblich das beste Netz und SMS kommen immer gut nach Hause an,
anscheinend hat Vodafone aber ein bisschen bessere Konditionen. Achtung bei
irgendwelchen No-name Anbietern – oft kann man keine SMS nach Uebersee
schicken. Zum richtig Telefonieren empfehlen sich pre-paid Karten, z.B. Go Bananas,
fuer 2,2 cent nach Deutschland ohne connection fee. Man muss in den oeffentlichen
Telefonzellen lediglich 40 cent fuer einen local call einwerfen, kann dann aber soviele
Gespraeche fuehren wie man will – und wenn man nichts anderes vorhat sogar
stundenlang in der Telefonzelle verbringen;-)
Internet entweder gegen Gebuehr in den Hostels oder den unzaehligen Internetcafes
oder eben umsonst in der State Library (immer bisschen Wartezeit einplanen und die
Library schlisst leider um 20 Uhr).



Tätigkeit:
Das ganze Endokrinologie-Team in Brisbane ist supernett. Man kann die
verschiedenen Clinics (Sprechstunden) besuchen, z.B. thyroid, obesity, pituitary etc.
Allerdings sitzt man da eher passiv dabei, auf Dauer wird es ein bisschen langweilig.
Es lohnt sich aber auf jeden Fall, ein paarmal mit dabeizusein.
Die Visiten mit dem „Boss“, John Prins, machen sehr viel Spass. Er liebt teaching und
findet immer fuer alle ein bisschen „homework“, worueber man dann (voellig stressfrei)
bei der naechsten Visite abgefragt wird. Unsere Registrar, Neisha, war der absolute
Gluecksgriff, und hatte immer Zeit, uns etwas zu erklaeren oder zu zeigen – sie ist aber
ab 2006 leider nicht mehr am PA. Ross Cuneo (Prof) ist auch grossartig in den clinics
und hat immer Zeit fuer teaching. Wenn moeglich also nie John oder Ross verpassen!
Ansonsten verbringt man Zeit bei den ward rounds, darf donnerstags in der implant
clinic Testosteronimplantate setzen (einfach dem Resident sagen, dass man das
selber machen will) und verbringt viel Zeit bei den von den Pharmafirmen
gesponserten lunch meetings, journal clubs etc. Man kann natuerlich auch runter in
den OP, z.B fuer Thyroidektomien, da wir uns aber nicht waschen und an den Tisch
stehen konnten konnten, fanden wir das nicht wirklich spannend.
8 Wochen Endokrino sind trotzdem ein bisschen lang und leider eher theoretisch.
Deshalb am besten den Registrar fragen, ob man nicht einen Teil der Zeit im ED
verbringen kann und im ED vorstellen werden koennte. Dort darf man viel naehen,
Zugaenge legen, Patienten aufnehmen...kommt natuerlich alles auf die eigene
Motivation an. Wir hatten im ED eine tolle Zeit. Momentan ist ein sehr netter deutscher
Registrar da, Christian Michel. Am besten mal unten nach Christian fragen.



Dress Code:
Es gibt ihn und am PA war er sogar ziemlich ausgepraegt. Aerzte kommen nur in
Hemd und Krawatte, die australischen Aerztinnen sind oft superschick mit high heels.
Wir Maedels hatten immer Blusen und Faltenhose an. Kittel gibt es in Australien nicht –
und besonders die Kitteltaschen haben wir schwer vermisst. Hier dagegen wird alles,
was in einer deutschen Kitteltasche steckt, um den Hals gehaengt: Stethoskop,
Piepser, Kulis, Chipkarte, Schluessel... Manche Aerztinnen haben ein schickes
Umhaengetaeschcen dabei, da man aber auch das in jedem Zimmer vergisst, habe ich
es irgendwann aufgegeben.


Freizeit / Leben:
Im Gegensatz zu meinem Erasmus-Jahr in Frankreich ist es mir in Australien leider
nicht wirklich gelungen, gute Freundschaften mit den einheimischen Studenten zu
schliessen. Uns gelang es zwar schnell, regelmaessig ein bisschen supernetten
smalltalk mit den australischen Studenten im common room zu fuehren – mehr leider
aber nicht.
Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass das Semester sich dem Ende naeherte,
und die australischen Studenten mit den Vorbereitungen der Pruefungen beschaeftigt
waren.
Deshalb machten wir doch die meisten Freizeitaktivitaeten mit den anderen deutschen
PJlern. Hier war es natuerlich praktisch, dass wir unser Auto hatten.
Besonders zu empfehlen ist North Stradbroke Island, wo wir vom Ufer Delphine,
Schildkroeten und Buckelwale gesehen haben. Fuer lange Wanderungen ist der
Lamington Nationalpark einfach traumhaft (mindestens 2 Tage bleiben). Achtung:
leeches!!! (Wiederliche Blutegel, die sich durch die Wandersocken festbeissen!)
Ein verlaengertes Wochenende auf Fraser Island, Bodyborden und Surfen an der Gold
Coast, ein Wochenende in Byron Bay oder in Noosa an der Sunshine Coast...


Fazit:
Wir haben eine traumhaft schoene Zeit sowohl am PA als auch bei unserer Australien-
Reise, den Wochenendtripps und den „Studientagen“ verbracht. Wieviel man von der
Zeit im Krankenhaus wirklich mitnimmt, haengt von einem selbst und der eigenen
Motivation ab. Von sich aus empfehlen die Australier immer lieber zu reisen, Tauchen-
oder Surfen zu gehen. Will man aber wirklich etwas lernen, muss man schon selber
immer wieder nachfragen, selbst in den ED gehen, vielleicht dort einen Nachtdienst
mitmachen. (Lohnt sich, besonders wenn Christian Dienst hat da er einen sehr
selbstaendig arbeiten laesst.) Es gibt leider kein wirkliches Eqivalent zum deutschen
PJler und wir werden in Australien als Final Year Student gefuehrt. Es ist besser,
immer wieder zu erklaeren, dass wir daheim „Interns“ waeren und selber Patienten
untersuchen wollen. Der australische Final Year Student soll dagegen eher durch
Zuschauen lernen – er hat sein Internship ja noch vor sich. Wenn man ganz viel
praktisch machen will, ist es sicher besser, ein Tertial z.B. in Suedafrika zu machen –
und ohne sehr viel Eigeninitiative waere ich sicher in Australien haeufig ziemlich
enttaeuscht gewesen. Aber wenn man sich Muehe gibt, kann man in Australien viel
lernen und gleichzeitig eine herrliche Zeit in diesem traumhaften Land verbringen. Wir
haben Brisbane nur sehr ungern verlassen und koennen als Fazit nur den Brisbaniens
zustimmen: „There is no place like Brizzy!!!“


Alicja Ditschek, 12. Semester, Universität Freiburg

				
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