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Seit Jahren klagen Ausbilder und Unternehmer_ dass die

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Seit Jahren klagen Ausbilder und Unternehmer_ dass die Powered By Docstoc
					Lernen für das Leben – Vorbereitung auf den Beruf
Schule in Deutschland muss alle Leistungspotenziale erschließen


Zusammenfassung
Seit Jahren klagen Ausbilder und Unternehmer, dass die Ausbildungsreife der
Schulabgänger zurückgeht. Doch die Klagen verhallten vielfach umgehört. Mit
der Veröffentlichung der PISA–Ergebnisse haben die Mahnungen aus der
Wirtschaft     eine   neue    Bedeutung     erlangt   und    Bestätigung         aus   der
Bildungsforschung erfahren.


Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) haben dies zum Anlass genommen,
die ausbildenden Betriebe zu fragen, wie sie mit mangelnder Ausbildungsreife
umgehen, welche Konsequenzen sich in den Betrieben daraus ergeben bzw.
welche Maßnahmen aus Sicht der ausbildenden Unternehmen notwendig sind,
damit Schulabgänger für eine duale Berufsausbildung ausreichend qualifiziert
sind.


51.842 IHK-Ausbildungsbetriebe wurden mit der Umfrage erreicht. Das
entspricht gut einem Viertel der aktiven Ausbildungsbetriebe im IHK-Bereich.
Zum     Teil   haben    die    Industrie-   und   Handelskammern          alle    aktiven
Ausbildungsbetriebe ihrer Region befragt, zum Teil wurden repräsentative
Stichproben gezogen. Einige IHKs, die sich an der Umfrage nicht beteiligt
haben, gaben an, in nicht allzu ferner Vergangenheit bereits ähnliche
Befragungen durchgeführt zu haben. 8.432 Betriebe aller Größenklassen (2 bis
80.000 Mitarbeiter; 1 bis 2.500 Auszubildende) und Branchen haben sich
beteiligt, also 16,4 Prozent der Befragten.


Zentrales Ergebnis der Umfrage ist: Die Schule muss besser auf den Einstieg
ins Berufsleben, auf die Anforderungen einer qualifizierten Lehre vorbereiten.
Das tut sie derzeit nicht in ausreichendem Maße. Im Gegenteil: Viele Betriebe
beklagen gravierende Defizite der Schulabgänger, so in der Allgemeinbildung,
in der mündlichen und schriftlichen Ausdrucksfähigkeit und schon bei einfachen
Rechenoperationen.      Dies    führt   bereits   dazu,     dass   eine    Reihe       von
Ausbildungsplätzen aufgrund mangelnder Qualifikationen der Bewerber nicht
oder nur schwer besetzt werden können. Betriebe senken teilweise die
Anforderungen, müssen den Aufwand bei der Suche nach geeigneten
Jugendlichen stark erhöhen oder müssen während der Ausbildung zum Teil
immense Anstrengungen unternehmen, damit die Jugendlichen erfolgreich ihre
Ausbildung abschließen können.


Da wundert es nicht, dass Ausbildungsbetriebe auf die Frage, welche
Maßnahmen als Konsequenz aus den PISA–Ergebnissen am dringendsten
seien,   mit   überwältigender    Vehemenz     eine    stärkere   Förderung    der
Grundqualifikationen wie Rechnen, Schreiben und Lesen einfordern.


Nicht für alle der beklagten Defizite sind jedoch die Schulen allein verantwortlich
zu machen. So stellen Ausbilder zunehmend Schwächen bei den sozialen und
persönlichen Kompetenzen der Lehrstellenbewerber fest, z. B. im persönlichen
Verhalten (Ehrlichkeit, Höflichkeit, Freundlichkeit), in ihrer Motivation (Fleiß,
Zielstrebigkeit, Interesse, Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit) oder bei den
sozialen Kompetenzen (Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit). Für die Entwicklung
dieser Fähigkeiten muss verstärkt an die Erziehungsverantwortung der Eltern
appelliert werden.


Die Betriebe sind sich gleichwohl ihrer Ausbildungsverantwortung bewusst. Zu
90 Prozent werden sie auch in Zukunft ausbilden, um den wachsenden
Fachkräftebedarf aus eigener Anstrengung zu decken. Immerhin 5 Prozent der
befragten Betriebe wollen sich jedoch aus der Ausbildung zurückziehen,
überwiegend aus betrieblichen (Kapazität) oder konjunkturellen Gründen (z. B.
„schlechte Wirtschaftslage“). Eine bemerkenswerte Zahl der Betriebe gibt aber
bereits eine geringe Leistungsmotivation der Auszubildenden oder schlechte
Erfahrungen als Grund an und will künftig eher Studenten Praktikumsplätze
anbieten oder Umschülern Ausbildungsmöglichkeiten einräumen. So sinnvoll
auch diese Förderung ist, darf sie jedoch nicht zu einem schleichenden
Ausstieg aus der dualen Ausbildung führen.


Die Maßnahmen, die Betriebe ergreifen, um den Auszubildenden eine
erfolgreiche Ausbildung zu sichern, sind vielfältig und umfangreich. Eine
individuelle   Förderung      während     der   Ausbildung       ist   im   Sinne    eines
bestqualifizierten Fachkräftenachwuchses für die Betriebe wünschenswert und
Ernst zu nehmende Aufgabe. Es kann jedoch nicht zu einer Daueraufgabe
werden, dass Ausbildungsbetriebe ihre Kapazitäten für Nachhilfe jeder Art oder
erzieherische „Reparaturen“ binden müssen. Schulen, Eltern und Betriebe
müssen      jeweils   ihren    Aufgaben     und       ihrer   Verantwortung    bei    der
Bildung/Ausbildung und Erziehung der Jugendlichen gerecht werden, um den
gemeinsamen Erfolg zu sichern.


PISA-Ergebnisse haben langjährige Erfahrungen zum Leistungsverfall
bestätigt


Die Ergebnisse im Einzelnen:
67,7 Prozent der befragten Ausbildungsbetriebe geben an, dass sich die
schlechten PISA-Ergebnisse der deutschen Schüler mit ihren Erfahrungen
hinsichtlich   des    Leistungsvermögens        und     des   Leistungsverhaltens     der
Schulabgänger decken. Bereits an dieser Stelle wird eine tiefe Unzufriedenheit
der Betriebe offenbar, die bereits lange vor der Veröffentlichung der Ergebnisse
des internationalen Schülerleistungsvergleichs über mangelnde Ausbildungs-
reife und Leistungsverfall bei Schulabgängern geklagt haben.


Lehrstellen bleiben unbesetzt
1.506 Betriebe (17,8 %) konnten nach eigenen Angaben im Jahr 2002
wenigstens einen Ausbildungsplatz aufgrund eines Mangels an geeigneten
Bewerbern nicht besetzen. Insgesamt 1.940 Lehrstellen blieben so bei rund
8.500 Ausbildungsbetrieben unbesetzt. Wenn man auch diese Zahl nicht
undifferenziert auf die Gesamtzahl der Ausbildungsbetriebe hochrechnen kann,
so wird doch deutlich, dass ein erhebliches Potenzial vorhandener Lehrstellen
ungenutzt brach liegt. Schwerpunkte liegen im Hotel- und Gaststättenwesen
(Hotelfachmann/frau,       Restaurantfachmann/frau,           Koch/Köchin)     mit    298
unbesetzten Lehrstellen, im Einzelhandel mit 290 unbesetzten Lehrstellen.
Vakanzen gibt es in den kaufmännischen Berufen Bankkaufmann/frau (133),
Bürokaufmann/frau u. Kaufmann/frau für Bürokommunikation (67), bei den
Versicherungskaufleuten (88), den Kaufleuten im Groß- und Außenhandel (71),
aber auch bereits in den IT-Berufen, IT-Fachinformatiker/in, Informatik-
kaufmann/frau (56). In den gewerblich-technischen Berufen sind die Berufe
Konstruktions- und Maschinenbaumechaniker (54), die Industriemechaniker
(39), Werkzeugmechaniker (23), Verfahrensmechaniker (20) und Technischen
Zeichner (23) stark betroffen.


Insgesamt geben nur 3.173 (37,4 %) der 8.482 Unternehmen an, dass ein
Ausbildungsplatz grundsätzlich nicht besetzt wird, wenn sich kein geeigneter
Bewerber findet. Immerhin 1.592 Betriebe (18,8%) senken die Anforderungen
bei der Auswahl der Bewerber, um die Lehrstelle trotzdem zu besetzen. 1.018
Betriebe (12,0%) stellen eher eine ausgebildete Fachkraft ein als einen nicht
ausreichend qualifizierten oder motivierten Schulabgänger.


Mehr Aufwand bei der Suche nach geeigneten Bewerbern
Für insgesamt rund 42 Prozent der Betriebe wird die Suche nach geeigneten
Auszubildenden zunehmend aufwändiger und kostenintensiver. 22,3 Prozent
(1.895) suchen einen engeren Kontakt zu Schulen oder bieten wesentlich mehr
Praktika an, um frühzeitig geeigneten Nachwuchs ausfindig zu machen. Dieser
wird auch verstärkt auf Messen (9,8 %), mit Hilfe von Lehrstellenbörsen (16,2
%) oder eigenen Informationstagen gesucht. Eine engere Zusammenarbeit mit
dem Arbeitsamt suchen 32 Prozent der Unternehmen. 23,5 Prozent schalten
mehr Anzeigen in den Medien oder bieten Lehrstellen im Internet an. Es fällt
auf, dass Unternehmen als Rekrutierungsreserve verstärkt Kontakt zu
Hochschulen suchen, um Studienabbrechern Ausbildungsplätze anzubieten
oder dass sie Bewerber mit einem höheren Schulabschluss als dem
vorausgesetzten bevorzugen. Auch Einstellungstests werden durchgeführt, weil
die Zeugnisaussagen offenbar nicht die notwendige Aussagekraft besitzen.
                                        Wie gehen Sie mit einem Mangel an Bewerbern mit geeigneten Qualifikationen um?

               4000                                                                                                                    45,0%

                                                                                                                       42,1%
               3500                                                                                                                    40,0%

                                   37,4%
                                                                                                                                       35,0%
               3000

                                                                                                                                       30,0%
               2500

                                                                                                                                       25,0%
    Betriebe




                                                                                                                         3567
               2000
                                                                                                                                       20,0%
                                                                18,8%
               1500
                                    3173                                                                                               15,0%
                                                                                          12,0%
               1000
                                                                                                                                       10,0%
                                                                1592

                   500                                                                     1018                                        5,0%


                          0                                                                                                            0,0%
                                        A                        B                          C                             D




                   A - Ausbildungsplatz wird nicht besetzt
                   B - Anforderungen an die Bewerber werden gesenkt, um die Stelle doch zu besetzen
                   C - Einstellung von ausgebildeten Fachkräften anstelle eigener Ausbildung
                   D - verstärkte Akquisitionsanstrengungen


Für den Bereich der verstärkten Akquisitionsanstrengungen werden folgende
Wege am häufigsten genannt:

                                            Wie gehen Sie mit einem Mangel an Bewerbern mit geeigneten Qualifikationen um?

                          3000                                                                                                                 35,0%
                                                                                           32,0%


                                                                                                                                               30,0%
                          2500



                                                                                                                                               25,0%
                                                                                                               23,5%
                          2000    22,3%

                                                                                                                                               20,0%
               Betriebe




                          1500                                           16,2%               2713

                                                                                                                                               15,0%
                                                                                                                1994
                          1000    1895
                                                       9,8%
                                                                                                                                               10,0%
                                                                          1373                                                  8,0%


                          500
                                                       830                                                                                     5,0%
                                                                                                                                 679


                              0                                                                                                                0,0%
                                    A                   B                  C                    D                E                F




                   A - direkten Kontakt zu Schulen
                   B - Präsentation auf Messen
                   C - Lehrstellenbörsen – IHK
                   D – Arbeitsamt
                   E - Anzeigen in Medien/Internet
                   F – Sonstiges, z.B. mehr Praktika, Informationstage, Suche in anderen Bundesländern
Grundfertigkeiten und Allgemeinwissen müssen stimmen
Soft skills stehen in Bedeutung nicht zurück
Betriebe legen bei Ausbildungsplatzbewerbern wert auf das Beherrschen der
Grundqualifikationen wie Lesen, Schreiben und Rechnen und ein gutes
Allgemeinwissen, auf Teamfähigkeit, Höflichkeit/Freundlichkeit sowie Zuver-
lässigkeit, Leistungsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein. Dies sind die
häufigsten Nennungen bei der Frage nach der Bedeutung bestimmter
Kompetenzen     in   den   Kategorien   (1)   Wissen/Fähigkeiten,    (2)   soziale
Kompetenzen, (3) persönliche Kompetenzen. Da bei der Frage nach den
vordringlichsten Maßnahmen zur Verbesserung der Bildungssituation gerade
diese Kompetenzen als besonders zu fördern und auszubilden genannt wurden
(siehe Frage 11), lassen die Aussagen zu den bevorzugten Kompetenzen den
Umkehrschluss zu, dass gerade           in diesen Bereichen, die       eigentlich
Selbstverständlichkeiten (Grundfertigkeiten) darstellen, die größten Schwächen
beobachtet werden. So kann man davon ausgehen, dass andere wünschens-
werte und notwendige Kompetenzen als sekundär in den Hintergrund treten,
weil bereits grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten fehlen.
Folgendes Bild ergibt sich (Mehrfachnennungen waren möglich):


   (1) Wissen/Fähigkeiten:
         Beherrschen der Grundqualifikationen
          Lesen, Schreiben, Rechnen                        90,6 %
         gutes Allgemeinwissen                            68,0 %
         Beherrschen der Fremdsprache Englisch            29,0 %
         Wirtschaftliche Kenntnisse                       28,5 %
         Naturwissenschaften                              16,6 %
         Medienkompetenz                                    9,0 %
                                            Auf welche Kompetenzen legen Sie bei Ausbildungsbewerbern besonderen Wert?

                9000                                                                                                                                  100,0%


                8000         90,6%                                                                                                                    90,0%


                                                                                                                                                      80,0%
                7000

                                                                                                                                                      70,0%
                6000                             68,0%

                                                                                                                                                      60,0%
                5000
    Betriebe




                             7682                                                                                                                     50,0%
                4000
                                                                                                                                                      40,0%

                3000                             5767
                                                                28,5%                          29,0%
                                                                                                                                                      30,0%

                2000
                                                                               16,6%                                                                  20,0%

                1000                                            2416                            2461                             9,0%
                                                                                                                                               7,7%   10,0%
                                                                                1406                         257
                                                                                                                   3,0%          761            653
                      0                                                                                                                               0,0%
                              A                    B             C               D                   E       F                    G             H
                                                                                Wissen, Fähigkeiten




        A - Beherrschen der Grundqualifikationen Lesen, Schreiben, Rechnen
        B - gutes Allgemeinwissen                                                            F - weitere Fremdsprachen
        C - wirtschaftiche Kenntnisse                                                        G – Medienkompetenz
        D – Naturwissenschaften                                                              H - Sonstiges
        E - Fremdsprache Englisch



(2) Sozialkompetenzen
                         Teamfähigkeit                                                                            87,4 %
                         Höflichkeit/Freundlichkeit                                                               78,1 %
                         Kritikfähigkeit                                                                          48,4 %
                         Konfliktfähigkeit                                                                        39,6 %

                                           Auf welche Kompetenzen legen Sie bei Ausbildungsbewerbern besonderen Wert?

               8000                                                                                                                     100,0%
                                  87,4%
                                                                                                                                        90,0%
               7000
                                                                                                                        78,1%
                                                                                                                                        80,0%
               6000
                                                                                                                                        70,0%

               5000
                                                                                                                                        60,0%
  Betriebe




                                    7411                                                     48,4%
               4000                                                                                                                     50,0%
                                                                                                                          6626
                                                                 39,6%
                                                                                                                                        40,0%
               3000

                                                                                                                                        30,0%
               2000                                                                           4108
                                                                 3363                                                                   20,0%

               1000
                                                                                                                                        10,0%


                 0                                                                                                                      0,0%
                                     A                             B                           C                           D
                                                                         Sozialkompetenzen




        A – Teamfähigkeit                                                      C – Kritikfähigkeit
        B – Konfliktfähigkeit                                                  D - Höflichkeit/Freundlichkeit
   (3) persönliche Kompetenzen
                      Zuverlässigkeit                                                           94,0 %
                      Leistungsbereitschaft                                                     84,9 %
                      Verantwortungsbewusstsein                                                 75,0 %
                      Selbständigkeit                                                           64,5 %
                      Ausdauer/Belastbarkeit                                                    59,7 %


                                  Auf welche Kompetenzen legen Sie bei Ausbildungsbewerbern besonderen Wert?

               9000                                                                                                    100,0%

                          94,0%                                                                                        90,0%
               8000
                                                                                         84,9%
                                                                                                                       80,0%
               7000
                                               75,0%
                                                                                                                       70,0%
               6000
                                                                     64,5%
                                                                                                               59,7%   60,0%
               5000
    Betriebe




                                                                                                                       50,0%
                          7970                                                            7205
               4000
                                                                                                                       40,0%
                                                6360
               3000                                                                                            5067
                                                                      5468                                             30,0%

               2000
                                                                                                                       20,0%

               1000                                                                                                    10,0%


                   0                                                                                                   0,0%
                           A                     B                    C                    D                    E
                                                             Persönliche Kompetenzen




               A – Zuverlässigkeit                                            D – Leistungsbereitschaft
               B – Verantwortungsbewusstsein                                  E – Ausdauer/Belastbarkeit
               C - Selbständigkeit



Die Prioritätensetzung bei der Nennung der persönlichen Kompetenzen lässt
darauf schließen, dass den Betrieben Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusst-
sein und Leistungsbereitschaft besonders wichtig sind schon beim Beginn der
Lehre. Gleichwohl ist ihnen offenbar bewusst, dass ein 16- oder 17-jähriger
Schulabgänger noch kein fertig entwickelter Erwachsener ist und dass
Kompetenzen wie Selbständigkeit und Belastbarkeit auch während der
beruflichen Ausbildung noch entwickelt werden können.
Über die genannten Kompetenzen hinaus werden von den Betrieben häufig
genannt: Interesse am Ausbildungsberuf und Ausbildungsbetrieb (offensichtlich
wurden gerade hier auch schlechte Erfahrungen gemacht), die Fähigkeit, Er-
lerntes umzusetzen sowie logisches Denk- und Abstraktionsvermögen, Kreativi-
tät. Mehr Lern- und Einsatzbereitschaft sowie Flexibilität, Fleiß und Zielstrebig-
keit stehen ebenfalls auf der Wunschliste der ausbildenden Unternehmen.
Viele Betriebe unterstützen Schulen
69,7 Prozent der ausbildenden Unternehmen bieten Schülern schon während
der Schulzeit Praktika an, einserseits um Schülern die Berufsorientierung zu
erleichtern und andererseits um Schulen bei der Herausbildung der in der
Berufsausbildung gefragten Kompetenzen zu unterstützen. Insgesamt engagie-
ren sich 71,2 Prozent der Ausbildungsbetriebe und arbeiten mit Schulen
zusammen. Neben den Schülerpraktika unterstützen Betriebe Projekttage und –
wochen (18,3 %), bieten den Betrieb als Lernort an (9,8 %) oder gestalten den
Unterricht mit (4,8 %). Gute Ansätze sind also vorhanden, sie sind jedoch weiter
ausbaubar, wie die Zahlen beweisen. So bietet sich auch eine Unterstützung
von Schülerfirmen an (bisher erst 2,2 % - setzt allerdings voraus, dass es mehr
Schülerfirmen an den Schulen gibt) oder eine engere Zusammenarbeit in Form
von Patenschaften (bisher erst 3,2%).

                             Unterstützen Sie Schulen bereits bei der Ausbildung dieser Kompetenzen?

              7000                                                                                                        80,0%


                     71,2%   69,7%                                                                                        70,0%
              6000


                                                                                                                          60,0%
              5000


                                                                                                                          50,0%
              4000
   Betriebe




                              5916                                                                                        40,0%
                     6038
              3000
                                                                                                                          30,0%


              2000
                                                                      18,3%                                               20,0%
                                                                                                           15,4%

              1000                                     9,8%
                                                                                                                   8,2%   10,0%
                                                                          1548                379
                                                              4,8%                                         1305
                                          271                                    188
                                                3,2%   829                                          4,5%           692
                                                              408                      2,2%
                0                                                                                                         0,0%
                      A        B          C            D       E           F     G            H             I       J



                A - ja, und zwar durch:                        F - Unterstützung v. Projekttagen oder -wochen
                B – Schülerpraktika                            G - Unterstützung von Schülerfirmen
                C – Patenschaften                              H - weitere Ansatzpunkte
                D - Betrieb als Lernort                        I - nein
                E - Mitgestaltung v.Unterrichtsstunden J - nein, wir wären aber bereit dazu, wenn
                                                          Schulen auf uns zukämen
Weitere 8 Prozent der bisher nicht mit Schulen zusammenarbeitenden
Ausbildungsfirmen wären zudem zu einer Zusammenarbeit bereit, wenn
Schulen sie um konkrete Unterstützung bitten würden.


Die dargestellten Zahlen zusammengenommen, sind ein deutliches Signal,
dass Unternehmen bereit sind, sich für die Schulen und die Bildung ihres
Fachkräftenachwuchses schon vor Beginn der betrieblichen Ausbildung zu
engagieren. Dafür spricht auch, dass Betriebe eine Vielzahl von Einzel-
aktivitäten nennen, die die oben genannten ergänzen: So engagieren sich
Betriebe in regionalen Netzwerken und Fördervereinen, bieten Betriebs-
besichtigungen, Lehrerpraktika und Bewerbungstrainings an, organisieren
Planspiele und Wettbewerbe. Auch finanzielle Mittel oder EDV-Ausstattung
werden bereit gestellt. Die Bereitschaft und die Potenziale der Unternehmen
sollten die Schulen nicht ungenutzt lassen. Denn für die Betriebe ist es allemal
attraktiver, vor Beginn der Ausbildung Unterstützung zu geben, als später
Reparaturleistungen für schulische Versäumnisse erbringen zu müssen.


Nachhilfe jeder Art während der Ausbildung
Immerhin rund die Hälfte aller Ausbildungsbetriebe (48,6 %) geben an, schon
heute    solche    „Reparaturen“   leisten   zu   müssen,   um   schulische    und
erzieherische     Defizite   während der Ausbildung auszugleichen. In der
Reihenfolge ihrer Häufigkeit wurden folgend Maßnahmen genannt:


1.      innerbetriebliche Schulungen, Seminare, Trainings, Workshops durch
        Fachkräfte
2.      Nachhilfe jeder Art (Förderkurse, Einzelunterricht, Lerngruppen)
3.      externe Schulungen
4.      Grundkenntnisse Rechnen, Deutsch...vermitteln
5.      Gespräche mit Auszubildenden, Lehrern, Eltern u. Berufsschulen, um
        gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden
6.      Hilfe   bei    Hausaufgaben,    Lernkontrollen,     gemeinsames       Üben,
        Prüfungsvorbereitung, extra „Lerntage“
7.      Ausbildung sozialer und persönlicher Kompetenzen, Disziplin, Kritik- und
        Teamfähigkeit, Ehrlichkeit, Umgangsformen, Motivation, Pünktlichkeit
                       Mussten Sie bereits selbst aktiv werden, um die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen in Ihrem
                                                           Betrieb zu verbessern?

               900


               800


               700


               600


               500
    Betriebe




                         777

               400


               300

                                        524
               200


               100                                      209
                                                                        186             185
                                                                                                        81
                                                                                                                        40
                0
                          A               B              C               D              E               F               G




                 A - innerbetriebliche Schulungen...                  E - Gespräche mit Azubis, Lehrern/
                 B - Nachhilfe jeder Art (Förderkurse,                        Berufsschulen, Eltern, Betrieben
                    Einzelunterricht, Lerngruppen)
                 C - externe Schulungen                               F - Hausaufgabenhilfe, Üben, Wiederholen...
                 D - Grundkenntnisse Rechnen,                         G - Soziale Kompetenzen,
                    Deutsch...vermitteln                                  Erziehungsmaßnahmen...



Einfache Berufe sichern Chancen für praktisch Begabte
Eines der erschreckendsten Ergebnisse der PISA-Studie war, dass ein Viertel
aller 15-jährigen Schüler in Deutschland nur auf Grundschulniveau lesen,
schreiben und rechnen kann. Rund 10 Prozent eines Jahrgangs schaffen
keinen Schulabschluss. Das legt die Überlegung nahe, dass es auch für solche
Jugendlichen Ausbildungsmöglichkeiten geben muss, zumal die Anforderungen
in vielen bestehenden Berufen – sowohl kaufmännischen und Dienstleistungs-
berufen als auch gewerblich-technischen – immer komplexer und anspruchs-
voller werden.


Rund 46 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass sie in ihren
Betrieben Einsatzmöglichkeiten für eher praktisch begabte Arbeitskräfte sehen.
21,6 Prozent der Unternehmen sehen solche Tätigkeiten nicht als reine Anlern-
oder Ungelernten-Jobs, sondern können sich vorstellen, damit konkrete Berufs-
bilder zu verbinden.
Genannt werden hier folgende Bereiche:
                    Gehilfentätigkeiten/Teilfacharbeiter in Industrie und Lagerwirtschaft
      Hotel-     und   Gastronomiebereich:   Küchenhelfer,   Zimmermädchen,
       Barkeeper
      Reinigung, Raumpflege, Straßenreinigung, Landschaftspflege
      Hauswirtschaft/Pflege
      Pack-, Sortier-, Versandtätigkeiten
      Maschinenführer, Fließbandtätigkeiten, Montage
      Call-Center, Telefonieren, Telefonvermittlung, Kundenkommunikation u.
       –service


Betriebe sagen Ja zur dualen Ausbildung
90 Prozent der heute aktiven Ausbildungsbetriebe werden auch in Zukunft
Jugendliche ausbilden. Dies ist ein klares Bekenntnis zur gesellschaftlichen
Verpflichtung der Wirtschaft, jungen Menschen durch eine qualifizierte Ausbil-
dung berufliche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Zudem
kann so durch passgenaue und praxisorientierte Ausbildung der eigene Fach-
kräftenachwuchs gesichert werden. Nur 5,3 Prozent der Betriebe äußerten in
der Frage nach der zukünftigen Ausbildungsbereitschaft ein klares Nein. Als
Gründe für einen Rückzug werden in erster Linie betriebliche (Kapazitäten) oder
konjunkturelle (schlechte Wirtschaftslage) genannt. Aber auch mangelnde
Leistungsbereitschaft und Ausbildungsreife von Schulabgängern tragen zuneh-
mend zu einer solchen Entscheidung bei. Daneben wirken sich ein hoher
Kosten- und Zeitaufwand sowie schlechte Rahmenbedingungen (Organisations-
und bürokratische Hemmnisse u. mangelnder politischer Rückhalt) frustrierend
für die Unternehmen aus.


Schulreform gefordert
Damit deutsche Schüler mittelfristig wieder den Anschluss an die Leistungen
der OECD-Spitzenländer schaffen, müsste das deutsche Bildungssystem
dringend reformiert werden. 54,3 Prozent der Betriebe sehen jedoch die gegen-
wärtig verantwortlichen Politiker in Bund und Ländern dazu nicht in der Lage.
Viele der Betriebe, die den Politikern diese Fähigkeit einräumen (22,7%), äu-
ßern dies eher als Hoffnung oder Forderung einer unbedingten Notwendigkeit
denn als Überzeugung.
                     Welche (bildungspolitischen) Maßnahmen sind als Konsequenz aus den PISA-Ergebnissen Ihrer
                                                   Meinung nach am dringendsten?

              1000


              900


              800


              700


              600
   Betriebe




              500    948


              400


              300
                             609

                                      461
              200
                                              405
                                                       319
              100                                              215
                                                                        160     153      135     112      104
                0                                                                                                75
                      A       B        C       D       E        F        G       H        I       J        K     L




                A - Schulreform/einheitliche Bildungsstandards/Leistungsvergleiche
                B - mehr Augenmerk auf Beherrschen d. Grundqualifikationen
                C - Weiterbildungspflicht für Lehrer
                D - Stundenausfall reduzieren
                E - bessere, praxisorientierte Lehrerausbildung
                F - Kooperation zwischen Eltern, Schulen und Betrieben intensivieren
                G - mehr und jüngere Lehrer
                H - mehr Ganztagsschulen u. –angebote
                I - weniger Förderalismus
                J - kleinere Klassen
                K - finanzielle Ausstattung der Schulen verbessern
                L - Beamtenstatus der Lehrer abschaffen


Eindeutig ist die Forderung nach mehr Leistungsorientierung und einer bes-
seren Qualität der schulischen Bildung. Bildungsstandards, Leistungsmessung
und Leistungsvergleiche, einheitliche Prüfungen bis hin zur Forderung nach
einer umfassenden Bildungsreform sind für die weitaus meisten Betriebe der
wichtigste Weg aus der Bildungsmisere. Großen Handlungsbedarf sehen
Betriebe auch in der Gestaltung optimaler Rahmenbedingungen für guten und
kontinuierlichen Unterricht. Hier spielen die Forderung nach einer besseren
finanziellen Ausstattung der Schulen, nach weniger Stundenausfall und
kleineren Klassen sowie mehr Lehrern eine Rolle. Aber auch die geforderte
Reform der Lehrerausbildung und –weiterbildung, der Honorierung von
Engagement und Leistung durch eine leistungsorientierte Bezahlung der
Lehrkräfte sind vor diesem Hintergrund zu sehen. Dazu passt auch, dass der
Beamtenstatus für Lehrer nach Ansicht vieler Betriebe überholt ist. Die
erzieherische Komponente der schulischen Arbeit wollen Ausbildungsbetriebe
durch mehr disziplinarische Vollmachten und Sanktionsmöglichkeiten für Lehrer
gestärkt sehen.


Auch Ganztagsschulen werden als Möglichkeit zur Verbesserung von Bildung
und Erziehung gesehen. Sich selbst wollen die Unternehmen keineswegs aus
der Pflicht nehmen. Als eine weitere Maßnahme sehen sie eine engere
Kooperation zwischen Eltern, Schulen und Betrieben. Nach den bitteren
Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit geht gegenwärtig der dringendste
Wunsch der Ausbildungsbetriebe an die Schulen, unbedingt durchzusetzen,
dass Schüler Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen beherrschen
sowie wichtige persönliche und soziale Kompetenzen besitzen, wenn sie die
Schulen verlassen.


Fazit
Die PISA-Ergebnisse haben viele Schwächen des deutschen Schulsystems
offengelegt bzw. die Erfahrungen vieler Ausbildungsbetriebe bestätigt. Damit
die Schulen in Deutschland besser werden, muss offenbar an ebenso vielen
verschiedenen Stellen angesetzt werden. Die Kultusminister der Länder haben
bereits vieles beschlossen und sind dabei, erste Maßnahmen umzusetzen. Sie
gehen dabei einen Weg, der ganz offensichtlich auch von der Wirtschaft
mitgetragen wird, denn viele der Forderungen der Ausbildungsbetriebe decken
sich mit den Vorhaben der Bildungspolitiker. Offenbar wird von den Unter-
nehmen aber die Umsetzungsstärke der Politik bezweifelt. Was derzeit fehlt, ist
ein Masterplan, mit dem tiefgreifende Qualitätsverbesserungen für ganz
Deutschland erzielt werden können und in dem die Einzelmaßnahmen ihren
begründeten Platz finden. Denn damit Schülerleistungen und Unterricht besser
werden, muss man nicht nur in den Schulen selbst ansetzen. Bildungspolitiker
müssen neue Rahmenbedingungen setzen, die Lehreraus- und -weiterbildung
müssen reformiert werden, finanzielle Ressourcen erschlossen bzw. die
vorhandenen effektiver genutzt werden. Bei allen Überlegungen gilt es auch,
unbequeme Wege einzuschlagen und bisher heilige Kühe zu schlachten. Die
Unternehmen sind bereit, diesen Weg mitzugehen, und die Umsetzung eines
Masterplanes mitzugestalten. Dies belegt die große Bereitschaft, Schulen zu
unterstützen und in Kooperationen und Netzwerken mitzuwirken.
Anhang

Fragebogen
Fragebogen
(Bitte beachten Sie, dass Mehrfachnennungen möglich sind.)


1. Haben die schlechten PISA-Ergebnisse Ihre bisherigen Erfahrungen über
   Leistungsvermögen und Leistungsverhalten der Schulabgänger bestätigt?



         Vergleich sind

2. Konnten Sie in diesem Jahr Ausbildungsplätze aufgrund mangelnder Qualifikationen der
   Bewerber nicht besetzen?
             - Anzahl _____
             - in welchen Berufen?______________



3. Wie gehen Sie mit einem Mangel an Bewerbern mit geeigneten Qualifikationen um?
                                  esetzt




                                          – IHK




4. Auf welche Kompetenzen legen Sie bei Ausbildungsbewerbern besonderen Wert?

     Wissen, Fähigkeiten                                  Sozialkompetenzen

         Lesen, Schreiben, Rechnen



                                                          Persönliche Kompetenzen
                                                                     gkeit




5.   Unterstützen Sie Schulen bereits bei der Ausbildung dieser Komptenzen?
      ja, und zwar durch:



                                                                    –wochen
                                                 Schulen auf uns zukämen

6. Mussten Sie bereits selbst aktiv werden, um die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen in
   Ihrem Betrieb zu verbessern?




7. Gibt es in Ihrem Betrieb Einsatzmöglichkeiten für Arbeitskräfte, die hohe theoretische
   Anforderungen nicht erfüllen können und eher praktisch begabt sind?




8. Sollte es für rein praktisch orientierte Tätigkeiten spezifische Ausbildungsmöglichkeiten
   geben?




9. Werden Sie auch in Zukunft ausbilden?


         wenn nein, aus welchem Grund

10. Wie stehen Sie zur Einrichtung dualer Studiengänge für Abiturienten, die eine
    betriebliche Erstausbildung mit einem wissenschaftlichen Studium kombinieren?
      m wir haben keinen Bedarf
      m ja, wir haben Bedarf in folgendem Bereich

11. Sind die verantwortlichen Politiker in Bund und Ländern Ihrer Meinung nach in der Lage,
    das Bildungssystem so zu reformieren, dass Deutschland mittelfristig den Anschluss an
    die OECD-Spitzenländer schafft?




12. Welche (bildungspolitischen) Maßnahmen sind als Konsequenz aus den PISA-Ergebnissen
    Ihrer Meinung nach am dringendsten?




Branche:
Betriebsgröße/
Mitarbeiterzahl:
Zahl der
Auszubildenden:

				
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