Interpretation zum Gedicht Reklame“, verfasst von Ingeborg

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Interpretation zum Gedicht  Reklame“, verfasst von Ingeborg Powered By Docstoc
					Interpretation zum Gedicht „Reklame“, verfasst von Ingeborg
Bachmann, von Christian Wolf
Das Gedicht „Reklame“ von Ingeborg Bachmann aus dem Jahr 1956 handelt von der
Gegensätzlichkeit zwischen dem Alltag und der Reklame.
 Jeder Mensch stellt sich in seinem Alltag wichtige existentielle Fragen und sucht nach
Antworten. Die Konsumgesellschaft, besonders die Reklame, liefert dem Menschen dabei
aber nur Oberflächlichkeiten als Antworten. Dieses wird in diesem Gedicht sehr deutlich.
Das Gedicht besteht zunächst einmal aus einer Strophe, die 20 Verse beinhaltet und weder
Reime, noch Satzzeichen enthält. Dieser Aufbau deutet auf die Verzweiflung des lyrischen
Ichs hin, das nach Antworten auf existentielle Fragen sucht, aber keine findet, da der Aufbau
sehr schlicht gewählt ist. Die Gestaltung der Schrift ist ebenfalls sehr schlicht. Zu dieser
Verzweiflung tragen auch die vielen existentiellen Fragen an sich bei. Die Wortwahl ist
außerdem durch die Adjektive „dunkel“ (V. 3) und „kalt“ (V. 3), die Substantive „Ende“ (V.
11) und „Totenstille“ (V. 19) und die Formulierung „Schauer aller Jahre“ (V.15) sehr negativ
und macht ebenfalls diese starke Verzweiflung des lyrischen Ichs deutlich. Der Absatz
zwischen „Totenstille“ (V. 19) und „eintritt“ (V. 20) trägt stark zur negativen Atmosphäre, die
durch das lyrische Ich aufkommt, bei.
Auf der anderen Seite steht die Konsumgesellschaft, besonders die Reklame. Ihre Schrift ist
verziert, indem sie kursiv gedruckt ist. Sie versucht positiv, beruhigend und ermutigend auf
das lyrische Ich einzuwirken. Das Präpositionalobjekt „ohne Sorge“ (V. 2/4/16) und das
Adjektiv „heiter“ (V. 8/10) unterstützen diesen Versuch und werden genauso wie das
Präpositionalobjekt „mit Musik“ (V. 6/8/12) zur Beruhigung und Ermutigung des lyrischen
Ichs immer wieder wiederholt. Dem Menschen wird wie in der „Trance“ beim Psychologen
eingeredet, dass alles wunderschön ist und dass der Mensch nichts zu befürchten oder zu
bezweifeln hat. Die fehlenden Satzzeichen zeigen ebenfalls die grenzenlose Freiheit auf, die
das lyrische Ich einfach nur nutzen muss. Es muss keine Angst und keine Sorgen haben, denn
es ist grenzenlos frei. Um zu beruhigen und zu ermutigen, wird ein Neologismus
„Traumwäscherei“ (V. 16) geschaffen. Dieser wird stark hervorgehoben, indem er das einzige
Wort im kursiven Teil ist, das groß geschrieben wird. Dieser Neologismus zeigt sehr deutlich,
dass Werbung idealisiert und sogar Wortneuschöpfungen kreiert, um dem Menschen
einzureden, dass er sorgenfrei durch das Leben gehen und das Leben in vollen Zügen
genießen kann. Die Konsumgesellschaft versprüht puren Optimismus, was man am Superlativ
„am besten“ (V. 14/18) sehen kann. Aber sie ist sehr oberflächlich, was man an der einfachen
Sprache erkennt. Es werden, wie schon erwähnt, viele Wiederholungen benutzt und das
einzige Verb im gesamten kursiven Teil ist „sei“ (V. 2/4/16). Das lyrische Ich ist sprachlich
viel variabler. Zum Schluss beim Substantiv „Totenstille“ (V.19) erwidert die
Konsumgesellschaft nichts mehr. Die sprachliche Variabilität und die fehlende Erwiderung
der Konsumgesellschaft zeigen auf, dass die Konsumgesellschaft, besonders die Reklame,
zwar idealisiert und dem Menschen versucht die traumhafte, heitere, sorgenfreie Welt
einzureden, dass dies aber nur bei Menschen gelingt die sich von diesen Oberflächlichkeiten
beirren lassen und bei denen die Verzweiflung nicht tief genug sitzt. Bei Menschen wie dem
lyrischen Ich hat die Konsumgesellschaft beim Versuch zu ermutigen und zu beruhigen
keinen Erfolg, da sich solche Menschen nicht mit derartigen Oberflächlichkeiten zufrieden
geben, sondern tiefgründigere Antworten auf ihre große Verzweiflung suchen. Solche
Menschen lassen sich bei der Suche nach Antworten auf ihre existentiellen Fragen nicht von
Oberflächlichkeiten der Konsumgesellschaft beirren.
Abschließend lässt sich sagen, dass das Gedicht „Reklame“ von Ingeborg Bachmann aufzeigt,
dass die Konsumgesellschaft, besonders die Reklame zwar versucht dem Menschen ein
idealisiertes Weltbild einzureden, dass dieser aber sich nicht beirren lässt und die Welt und
das Leben weiter hinterfragt bis auch die Konsumgesellschaft keine Antwort mehr auf diese
existentiellen Fragen findet. Das Gedicht lässt sich als eine Kritik Ingeborg Bachmanns an der
Konsumgesellschaft auffassen, die in ihren Augen oberflächlich und idealisierend ist.

				
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