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Museum Strauhof Brosch e Burger

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Museum Strauhof Brosch e Burger Powered By Docstoc
					Nachlass zu Todeszeiten
Hermann Burger 1942–1989
Fragebogen des Magazins der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27. Mai 1983.
Zum Geleit


        „Wie sollte man aber etwas äusserlich so
        Unmotorisches wie das Lesen sinnlich
        darstellen? Indem man es in Atmosphäre
        umsetzte.“

        Hermann Burger, Unvermutetes Erwachen
        aus der Scheintotenstarre (1986)




Hermann Burger gehört zu den originellsten Schriftstellern der
deutschsprachigen Literatur im ausgehenden 20. Jahrhundert.
Umso erstaunlicher ist es, dass er und seine Werke seit seinem Tod
zunehmend in Vergessenheit geraten sind. Auf diese Entwicklung
reagiert nun die Ausstellung, die anlässlich der zwanzigsten Wiederkehr
von Burgers Todestag zu sehen ist. Nachlass zu Todeszeiten – das
ist der Versuch, sowohl die schillernde Persönlichkeit als auch die
hochvirtuosen Texte dieses Sprachkünstlers wieder in Erinnerung
zu rufen.
Was in dieser Absicht gezeigt wird, verrät schon der Ausstellungstitel:
Es handelt sich in erster Linie um Materialien aus Burgers Nachlass, der
im Oktober 1989 durch die Eidgenossenschaft von den Erben erworben
wurde und seit der Gründung des Schweizerischen Literaturarchivs,
Bern (SLA) im Januar 1991 zu dessen Bestand zählt. Die Nachlass-
Materialien bestehen aus Manu- und Typoskripten sowie aus Bild-,
Ton- und Videodokumenten, aber auch aus persönlichen Gegenständen
des Autors. Dargeboten werden sie anhand thematischer Schwerpunkte,
die Burgers Leben und Werk massgeblich bestimmt haben. Dabei wird
nicht nur Einblick in seine Dichterwerkstatt gewährt; es wird auch
das sinnliche Moment, das seinen Texten eigen ist, erfahrbar gemacht,
erfolgt doch die Inszenierung der einzelnen Räume in Atmosphären, die
durch Burgers literarische Welten inspiriert sind.




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Bio-Bibliographie Hermann Burger

1942   Geburt am 10. Juli in Aarau als Sohn von Hermann Burger
       (Versicherungsinspektor) und Gertrud Pfendsack; Kindheit
       in Menziken (AG)
1948   Geburt des Bruders Christoph (6. Mai)
1949   Geburt der Schwester Kathrin (4. Dezember)
1959   Erste eigene Jazz-Band (Instrument: Saxophon)
1961   Matura in Aarau (Typus C: mathematisch-naturwissen-
       schaftlich)
       Beginn des Architekturstudiums an der Eidgenössischen
       Technischen Hochschule Zürich (ETH)
1962   Rekrutenschule (Panzerfahrer); Abbruch der Unteroffiziers-
       schule
1963   Erste Prosapublikation in den Aargauer Blättern:
       „Der Schnee gilt mir“
1965   Abbruch des Architekturstudiums nach vier Semestern
       und Wechsel an die Universität Zürich: Studium der
       Germanistik, Kunstgeschichte und Didaktik
1967   Heirat mit Anne Marie Carrel (7. Oktober)
       Rauchsignale (Gedichte)
1970   Bork (Prosastücke)
1971   Erste Depressionssymptome („Unterleibsmigräne“)
1972   Lizentiatsexamen an der Universität Zürich
       Einzug ins Kirchberger Pfarrhaus (Küttigen)
1973   Promotion bei Emil Staiger mit der Dissertation:
       Paul Celan. Auf der Suche nach der verlorenen Sprache
       Feuilletonredakteur beim Aargauer Tagblatt
1974   Beginn langjähriger Psychotherapien
1975   Geburt des ersten Sohnes Hermann (21. März)
       Habilitation an der ETH aufgrund der Schrift: Studien zur
       zeitgenössischen Schweizer Literatur
       Privatdozent für deutsche Literatur an der ETH Zürich
       Freier Mitarbeiter bei der Neuen Zürcher Zeitung
1976   Schilten. Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz
       (Roman)
       Geburt des zweiten Sohnes Matthias (7. September)
1978   Preis der Schweizerischen Schillerstiftung
       Beginn der Verfilmung von Schilten durch Beat Kuert
       Freier Mitarbeiter bei der Weltwoche


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1979   Erste Depression, gefolgt von manischer Euphorie
       Diabelli (Erzählungen)
       Freier Mitarbeiter bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
       und dem Tages Anzeiger Magazin
       Premiere von Kuerts Schilten in Locarno
1980   Kirchberger Idyllen (Gedichte)
       Conrad Ferdinand Meyer-Preis
1982   Tod des Vaters (Autounfall)
       Umzug ins Pächterhaus von Schloss Brunegg
       Die Künstliche Mutter (Roman)
1983   Ein Mann aus Wörtern (Essays und Prosa)
       Friedrich Hölderlin-Preis
1984   Aargauer Literaturpreis
1985   Tod der Mutter
       Ingeborg Bachmann-Preis für die Erzählung Die Wasserfall-
       finsternis von Badgastein
1986   Frankfurter Poetik-Vorlesung: Die allmähliche Verfertigung der
       Idee beim Schreiben
       Blankenburg (Erzählungen)
1987   Als Autor auf der Stör (Essays und Prosa)
       Psychosomatischer Herzinfarkt
       Arbeit am Drama Die Scheintoten im Auftrag des Schauspiel-
       hauses Zürich
1988   Tractatus logico-suicidalis. Über die Selbsttötung
       Der Schuss auf die Kanzel (Erzählung)
       Ablehnung von Die Scheintoten durch das Schauspielhaus
       Beginn der Zusammenarbeit mit dem PR-Berater
       Klaus J. Stöhlker
       Verlagswechsel von Fischer zu Suhrkamp
       Scheidung von Anne Marie Carrel
1989   Aufnahme der Arbeit am zweiten Teil der Brenner-Tetralogie
       Tod am 28. Februar nach der Einnahme von Medikamenten
       (Vesparax) im Pächterhaus von Schloss Brunegg
       Brenner I: Brunsleben (Roman)
       Erwerb des Nachlasses durch die Eidgenossenschaft
1992   Postume Veröffentlichung von Brenner II: Menzenmang
       (Fragment)
2009   Postume Veröffentlichung von Der Lachartist (Erzählung)




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„Morbus-Lexis-Patient“
Filmstill aus: Fred van der Kooij, Drei Lektionen über die Leselosigkeit (1986)



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poeta doctus



        „Lesen, über das Gelesene schreiben,
        aus dem Gelesenen Lesbares komprimieren.
        Ich bin Hausierer, ich bevorzuge Buchstaben-
        suppe, bitte vergessen Sie das nicht.“
        Hermann Burger, Atemnot (um 1962/63, unveröffentlicht)



Hermann Burger war auch ausgebildeter Literaturwissenschaftler.
Diese Ausbildung, die bis zur Habilitation führte, hat sein literarisches
Schaffen fundamental geprägt. Von Anbeginn seiner künstlerischen
Tätigkeit sah er die eigene Originalität von seinem literarhistorischen
Wissen bedroht. Alles Sagbare, so schien es bereits dem angehenden
Literaten, sei doch eigentlich schon gesagt worden – und erst noch
viel besser, als er es selbst zu sagen vermöchte. Seinen Ausweg aus
diesem epigonalen Dilemma fand der gelehrte Dichter (poeta doctus)
in einem Schreibverfahren, das er im Verlauf seines Lebens sukzessive
perfektionierte: In einer Art Flucht nach vorne baute er die Tradition
zunehmend in seine Texte ein und kreierte so jene artistischen Gebilde
aus Alt und Neu, die ihm nach seinem Durchbruch mit dem Romandebüt
Schilten. Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz mehrere
renommierte Literaturpreise einbrachten.
Zu sehen sind in diesem Raum Dokumente, die von Burgers Werdegang
zum poeta doctus Zeugnis ablegen: Wie der musisch mehrfach begabte
junge Mann eine mathematisch-naturwissenschaftliche Maturität
absolvierte, nach einem Umweg über die Architektur zur Germanistik
kam und sich schliesslich sowohl in der Wissenschaft als auch in der
Literatur beachtliche Meriten erwarb. Im Zentrum jedoch steht das aus
dieser Konstellation erwachsene Problem respektive dessen ‚Lösung‘:
An der Entstehung des Gedichts „Ruine Horen“ aus dem Zyklus
Kirchberger Idyllen kann exemplarisch nachvollzogen werden, wie
Burger aus seiner Not eine Tugend machte.




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Im Gasteiner Heilstollen
Filmstill aus: Beat Kuert, Die Künstliche Mutter (1983)



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Im Stollen


        „Darum […] werden wir, der Gotthard und ich,
        diese Geburt annullieren, mit einer amtlichen
        Ungültigkeitserklärung besiegeln, aus der
        Irreversibilität herausoperieren.“
        Hermann Burger, Die Künstliche Mutter (1982)



Mit seinem zweiten Roman Die Künstliche Mutter spitzte Burger
– Goethes Trauerspiel Die natürliche Tochter (1803) lässt indirekt
grüssen – seine Schreibartistik weiter zu. In dieser Patienten- und
Schelmengeschichte trachtet der Protagonist Wolfram Schöllkopf
danach, sein unglücklich verlaufenes Leben ungeschehen zu machen
und mit Hilfe der Therapieform der Künstlichen Mutter noch einmal
auf die Welt zu kommen – „und zwar lustvoll“! Die Handlung spielt
vorwiegend in der Gotthardgegend, weil besagte Therapieform einzig
in der Stollenklinik im Mutterschoss der Schweiz angeboten wird. Nun
enthält aber (auch) die Schilderung von Wolframs abenteuerlicher
Wandlung zu Armando nicht nur eine Vielzahl an Einsprengseln aus der
Welt- und Sachliteratur, sondern das scheinbar Reale und das Fiktive
sind darin zugleich in so unmittelbare Nachbarschaft gebracht, dass sie
unweigerlich aufeinander abfärben. Die Leserschaft wird systematisch
verunsichert: Was basiert in dieser „Pararealität“ auf der ‚Wirklichkeit‘,
und was ist Auswuchs blühender Phantasie?
„Im Stollen“ – nicht nur Titel des vierten Kapitels, sondern auch
schweizerdeutsch für ‚an der Arbeit‘ – bringt teilweise Klarheit ins
Obskure. Präsentiert werden neben Fotos und Filmreportagen, die
Burger an den vermeintlichen Originalschauplätzen (Schöllenen,
Bad Gastein) zeigen, auch zahlreiche Materialien, die der Autor bei
seinen Recherchen gesammelt und in seinem mit dem Hölderlin-Preis
prämierten Text ‚zur Kenntlichkeit verfremdet‘ hat.




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Genuss einer Romeo y Julieta auf der „Ruhebank in einer Strauchnische im
hintersten Winkel des Ebnets“
Filmstill aus: Peter K. Wehrli, Hermann Burger: Blankenburg (1986)



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Das Cigarristische

        „Dieses allmähliche Sicheinnebeln, dieses
        Gestaltwerden in den Schwaden ist für mich
        das Urbild schöpferischer Tätigkeit.“
        Hermann Burger, Unterwegs zum Stumpenroman (1987)



„Drei hohe Cs bestimmten mein Leben“, heisst es im 17. Kapitel von
Brenner I: Brunsleben: „das Cimiterische, das Cigarristische und das
Circensische.“ Was Burger damit seiner ‚autobiographesken‘ Figur
Hermann Arbogast Brenner in seinem letzten vollendeten Roman in
den Mund legt, dominierte auch seine eigene Existenz – als Mensch
und als Künstler. Das Cigarristische begleitete ihn, der in Menziken im
Wynental und damit mitten im aargauischen ‚Stumpenland‘ aufwuchs,
buchstäblich von Kindesbeinen an. Allenthalben mit dem Tabakgewerbe
konfrontiert, wurde aus ihm jedoch nicht nur ein passionierter Raucher,
sondern er erkannte auch schon früh das literarische Potenzial des
blauen Dunstes und schöpfte es kontinuierlich aus. Diese Spur führt
vom Titel des Erstlings Rauchsignale bis zum unvollendet gebliebenen
Projekt der Brenner-Tetralogie, wo die Metaphorik des Tabacistischen
in ihrer ganzen Reichhaltigkeit zum Einsatz gelangt: als Medium der
Erinnerung und Inspiration, als Genuss-, Trost- und Heilmittel des
Melancholikers, als memento mori oder – im Hinblick auf die Anatomie
einer Cigarre – nicht zuletzt als Chiffre für die Konstitutionsweise des
eigenen Romans.
In einer Art begehbarem Humidor – dort also, wo fertige Cigarren
gelagert werden sollten – wird Burgers existenzielle und intellektuelle
Faszination für das Rauchen vorgeführt. Gezeigt werden zum einen
Materialien aus dem Nachlass, zum anderen aber auch Exponate
aus dem Tabak- und Zigarrenmuseum aargauSüd, das in Menziken
im November 2000 unweit von Burgers Elternhaus den Betrieb
aufgenommen hat.




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Comedy Magician
Filmstill aus: Fred van der Kooij, Variationen über Hermann Burgers ‚Diabelli‘ (1979)



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Das Circensische

       „Will man das Circensische definieren,
       braucht man bloss eine synästhetische
       Gleichung aufzustellen: C = G + S, das heisst:
       das Circensische ergibt sich aus den Summan-
       den Geruch und Sound.“
       Hermann Burger, Das Circensische und ich (1980)



‚Circus‘, darauf bestand der selbst musikalisch begabte Burger – einst
Saxophonist in der City College Jazz Band und später Aktivmitglied
des Männerchors Brunegg –, ‚Circus‘ muss mit zwei C geschrieben
werden. Auch die Schaustellerei erfordert nämlich jenes Höchstmass
an Artistik, für welches der Inbegriff der (tenoralen) Gesangskunst,
das hohe C, steht. Zu diesem Circensischen zählt, wie Burger seine
Figur Brenner eingestehen lässt, zudem „das Prestidigitatorische
und das Illusionistische […], auf den Nenner der drei hohen Cs zu
bringen mit dem Fachausdruck ‚Comedy Magic‘.“ Dabei gereichte dem
Amateurmagier, der wiederholt über die Parallelen von Zauberei und
Sprache nachgedacht hat, die (weisse) Magie insbesondere auch zum
Analogon seiner Schriftstellerei. Dementsprechend lässt er zum Beispiel
in seiner Hölderlin-Preis-Rede Verfremdung zur Kenntlichkeit (1983)
verlauten: „Das Circensische: das ist auch Sprachzauber, Wortakrobatik.
Das Paradoxe aber liegt darin, dass Wortmächtigkeit, spielerischer und
jongleurhafter Umgang mit der Sprache eine schmerzhafte Erfahrung
des Analphabetismus voraussetzt.“
In diesem Raum wird – „Hereinspaziert! Hereinspaziert!“ – das nur
synästhetisch zu erfassende Circensische summa summarum erlebbar
gemacht. Zugleich aber geben die in Manegenatmosphäre ausgestellten
Objekte auch Einsicht in die Knochenarbeit, die in der Welt der Arena
hinter jedem gelingenden (Sprach-)Trick steckt.




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Cafeteria

            Leseinstitut Legissima

                   „Eine Bibliothek ist, wenn man trotzdem liest.“
                   Hermann Burger, Lokalbericht (1970, unveröffentlicht)




            In Burgers Literatensatire „Die Leser auf der Stör“ aus der Sammlung
            Bork bringen Angestellte des professionellen Leseinstituts
            „Legissima“ vernachlässigte Privatbibliotheken gegen Bezahlung auf
            Vordermann. Vom „Oberleser“ werden die Bücher mit Lesezeichen
            bestückt, „Randnotare“ versehen sie dann mit Marginalien, und der
            so genannte „Coiffeur“ fügt ihnen schliesslich noch Eselsohren und
            andere vermeintliche Lesespuren bei. Entsprechend dieser Idee ist
            diese kleine, auf einem originalen Produktionstisch aus der Aargauer
            Cigarrenindustrie dargebotene Bibliothek konzipiert: Sie versammelt
            eine präparierte Auswahl von (eher exotischen) Büchern, die Burger
            in der Erzählung Diabelli, Prestidigitateur und den Brenner-Romanen
            ‚verarbeitet‘ hat, und erlaubt insofern weitere Blicke hinter seine
            Schreibkulissen.




                                                       Zweite Nachthälfte
                                                       Filmstill aus: Fred van der Kooij,
                                                       Drei Lektionen über die
                                                       Leselosigkeit (1986)



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Ferrari humanum est

       „Wer sich von einer verschleppten Existenz
       erholen will, muss rasch und sicher überholen
       können.“
       Hermann Burger, Die Künstliche Mutter (1982)



Das „Prinzip Auto“ hat Burger sein ganzes Leben lang in den Bann
gezogen. Die Geschichte dieser Attraktion, die sich auch in seinen
Texten niederschlug, reicht vom cremeweissen Modellauto Schuco
Examico über die Alfa-Romeo-Passage im fünften Kapitel der
Künstlichen Mutter bis hin zur kurzen Geschichte Ferrari humanum est
(1987). Der Mensch Burger – einst Fahrer von so profanen Wagen wie
VW Variant oder Ford Taunus Kombi – näherte sich Ende der 1970er
Jahre über eine Alfetta 2 Liter seinem Bubentraum, den er sich später
gleich doppelt erfüllte: Zum 1987 gekauften Ferrari Mondial Cabrio
3,2 gesellte sich schon kurz darauf cavallino rampante numero due,
Modell 328 GTS mit abnehmbarem Hardtop. Als Eigentümer dieser
zwei Boliden war Burger Kunde bei der Garage Foitek in Urdorf, deren
Gründer Karl Foitek ihm auch bei seinen literarischen Recherchen
Red und Antwort stand und die mit der Leihgabe eines originalen
Ferrari-Kotflügels die atmosphärische Umsetzung dieses thematischen
Schwerpunkts bereichert.




                    Lo stadio della Ferrari (1988)
                    Foto: Yvonne Böhler


                                                                    15
Bei den ‚grösseren Heeren‘ auf dem Friedhof von Brunegg
16 Beatrice Bosshart
Foto:
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Das Cimiterische

        „do usse bisch deheime, bueb.“
        Hermann Burger, Brenner I: Brunsleben (1989)



Dass wir mitten im Leben vom Tod umfangen sind, ist in Burgers Œuvre
der basso continuo. Zum Thema schlechthin avancierte das ‚Sein zum
Tode‘, das im Bild des Friedhofs seine Verdichtung findet, spätestens
in Schilten. Schulbericht zuhanden der Inspektorenkonferenz. Aber
auch in den anderen Texten aus Burgers Küttiger Zeit (1972–1982) –
er hatte damals das Cimiterische stets ganz plastisch vor Augen, da
sein Wohnhaus auf drei Seiten vom Totenacker umgeben war – und in
allen nachfolgenden Werken wird das Leben konsequent vom Tod her
gedacht. Dies gilt für veröffentlichte Texte wie etwa die ‚Totologismen‘-
Sammlung Tractatus logico-suicidalis. Über die Selbsttötung
genau so wie für das unveröffentlichte Drama Die Scheintoten. Die
Todesfixiertheit durchzog sein Schaffen, bis es von der Realität einge-
holt wurde.
Die Atmosphäre im „Cimiterischen“ ist hauptsächlich geprägt von der
schiltesken Romanwelt, die nicht nur Werner Erne zu einem Fotoessay
(1976), sondern auch Beat Kuert zu einer Verfilmung (1979) veranlasste.
Während Überbleibsel des „spleissigen Riemenboden[s]“ aus der
legendären und mittlerweile totalsanierten Schiltwalder Turnhalle einen
plastischen Eindruck von dieser morbiden Grundstimmung vermitteln,
verdeutlichen die Dokumente aus dem Nachlass auf ihre Weise die
Dominanz des Friedhöflichen. Sie zeigen, dass die ungewisse Stunde
des gewissen Todes Burgers Lebens-Werk bis zuletzt bestimmt hat.




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Impressum


Ausstellungskuratoren: Magnus Wieland und Simon Zumsteg
Gestaltung: Adrian Buchser und Peter Hunkeler
Grafik Drucksachen: Peter Hunkeler
Bauten: Schreinerei der Immobilienbewirtschaftung der Stadt Zürich
unter der Leitung von Urs Apitzsch. Heinz Obrist, Roman Guglielmi,
Oliver Moraz, Marcel Haller und Sarah Landolt
Lichtgestaltung: matí AG, Adliswil
Audiostationen: Peter Hunkeler
Videostationen: Klangbild GmbH, Adliswil
Aufbauteam Strauhof: Marlyse Brunner, Adrian Buchser (Leitung),
Stephan Meylan, Barbara Roth, René Sturny
Malerarbeiten: Maler Link AG, Zollikon
Schlosserarbeiten: Walter Nenniger
Sanitär: Karl Wächter Ing.
Ausstellungsbüro: Małgorzata Peschler
Produktionsleitung Strauhof: Roman Hess
Text der Wegleitung: Magnus Wieland und Simon Zumsteg



Dank

Das Ausstellungsteam und das Museum Strauhof danken folgenden
Personen und Institutionen, die das Zustandekommen der Ausstellung
mit Leihgaben, Rat und Tat ermöglicht haben:


Yvonne & Michael Böhler, Chernex-Sonzier
Liliane Brunner, Schmiedrued (Stiftung Sonderschule Walde)
Hermann Burger, Wiesen
Matthias Burger, New York
Anne Marie Carrel, Möriken-Wildegg
Peter Edwin Erismann, Bern (SLA)
Werner Erne, Aarau
Garage Foitek AG, Urdorf
Karl Foitek, Aeugst am Albis


18
Hessischer Rundfunk, Frankfurt am Main
Bergwerk Käpfnach, Horgen
Raffael Keller, Zürich (Zentralbibliothek)
Evelyn Klöti, Zürich (Kantonsschule Hohe Promenade)
Memoriav, Bern
Urs Merz, Reinach (Tabak- und Zigarrenmuseum aargauSüd)
Barbara Naumann, Zollikon
Christian Neff, Zürich (Mare & Monti Cigars)
Isolde Ohlbaum, München
ORF, Wien
Andreas Pohlmann, München
Radio 24, Zürich
Radio Sunshine, Rotkreuz
Felix Rauh, Zofingen (Memoriav)
Elsbeth Regez, Baden
SF DRS, Zürich
Georg Stärk, Horgen
Seraina Staub, Zürich
Stiftung Sonderschule Walde
Klaus J. Stöhlker, Zollikon
Rudenz Stoll, Kriens
Birgit & Urs Strässle, Ennetbaden
Thomas Strässle, Ennetbaden
SWR Media Services GmbH, Stuttgart
Tabak- und Zigarrenmuseum aargauSüd, Menziken
Matthias Uhlmann, Zürich
Fred van der Kooij, Zürich
Videocompany, Zofingen
Kaspar Villiger, Muri/BE
Villiger Söhne AG, Reinach
Zentralbibliothek, Zürich

Ganz spezieller Dank gebührt dem Schweizerischen Literaturarchiv,
Bern (SLA) und dabei insbesondere der Kuratorin des Burger-
Nachlasses: Franziska Kolp.



                                                                19
14. Januar bis 1. März 2009
Di–Fr 12–18 Uhr / Sa–So 10–18 Uhr
Montag geschlossen
Eintritt: CHF 10.–/8.– (erm.)
Öffentliche Führungen jeden Samstag um 16 Uhr

Museum Strauhof
Literaturausstellungen
Augustinergasse 9, 8001 Zürich
044 412 31 39, www.strauhof.ch
(Verwaltung: Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Stadthaus,
044 412 31 30)

				
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