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Der Schatzmeister von Manhattan

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                                              Lifestyle New York   Text Angelika Ricard-Wolf Fotos Andrea Artz   Lufthansa Exclusive 06/08                                 Lifestyle New York   _______________________________________
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Kurator Wolfram Koeppe behält den
Überblick – besonders auf dem Dachgarten
des Metropolitan Museum of Art




Der Schatzmeister
von Manhattan
                                                                                                                 Ein Besuch im Metropolitan Museum of Art in New York ist ein Streifzug zu den Schät-
                                                                                                                 zen dieser Welt. Ob silbernes Toiletten-Set, seidige Abendkleider oder die Skulptur
                                                                                                                 eines bei lebendigem Leib Gehäuteten: Die Kunst soll Fantasie anregen, sagt der
                                                                                                                 deutsche Kurator Wolfram Koeppe und führt Lufthansa Exclusive durch sein Haus
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 Schon die kuppelüberwölbte Eingangshalle des „Met“ signalisiert Kunstgenuss von Format                                                   Das 3300 Jahre alte Fragment aus Ägypten wirkt wie ein Lippenbekenntnis zur Sinnlichkeit




D   er Mann aus Mali wartet geduldig. Er hockt ganz still im
    Schneidersitz, den Kopf mit den großen Ohren auf die Knie
gelegt. Wolfram Koeppe kommt nicht an ihm vorbei. Jeden
                                                                      Abteilung ist das „Fragment eines Gesichts“, eine 14,1 Zentime-
                                                                      ter hohe Kinnpartie aus gelbem Jaspis. Mittendrin ein sinnlicher
                                                                      Mund, der förmlich zum Küssen einlädt. Obwohl 3300 Jahre alt
                                                                                                                                         steht sie mitten im Raum, die Ornamente an ihrem kapitalen
                                                                                                                                         Kapitel sind gut erkennbar. Im Gegensatz zum Originalschau-
                                                                                                                                         platz: Im Königreich Lydien thronte es im vierten vorchristlichen
                                                                                                                                                                                                                 en.“ Dafür brauche man Geld; ohne big spender gäbe es
                                                                                                                                                                                                                 schließlich auch das Met nicht. Folglich hegt und pflegt es sei-
                                                                                                                                                                                                                 ne trustees, wie die betuchten Treuhänder genannt werden.
Morgen auf dem Weg in sein Büro und jeden Abend nach                  und aus Halbedelstein, verführen diese sexy Lippen jeden Be-       Jahrhundert 30 Meter über den Köpfen.                                   Denn sie entscheiden als Sponsoren in regelmäßig stattfin-
Dienstschluss grüßt er ihn kurz.                                      trachter dazu, sich Gedanken über die Frau zu machen, zu der                                                                               denden Versammlungen darüber, welche Objekte das Muse-
                                                                      sie gehörten. Wer war sie?                                              Klein und fein und hinter Panzerglas gesichert präsen-             um ankaufen darf. Dafür revanchiert es sich mit einem Fein-
     Die Begrüßung ist sehr einseitig, der Mann aus Mali ist               „In der Kunst geht es darum, die Fantasie anzuregen“,         tieren sich dagegen „Madonna und Kind“ des Italieners Duccio            schmeckerlokal for trustees only mit grandiosem Blick über
aus Terracotta; die kleine Figur stammt aus dem 13. Jahrhun-          sagt der Kurator. Dann führt er weiter, rund um den künstlichen    di Buoninsegna. Das Gemälde, um 1300 entstanden, ist die                den Central Park. Dorthin von einem Mitglied eingeladen zu
dert und wurde im Niger-Delta gefunden. Aber Koeppe würde             See, an dessen Ufer der Tempel von Dendur, der durch den           „Mona Lisa“ des Museums. Ein anrührendes, mit Tempera und               werden gilt in New Yorks besseren Kreisen als echter Ritter-
wirklich was fehlen, wenn er nicht mehr an seinem Platz stün-         Bau des Assuan-Staudamms im wahrsten Sinne des Wortes              Gold auf ein ausgeschältes Stück Holz gemaltes Motiv. Auf               schlag.
de, im Metropolitan Museum of Art in New York. Er ist dort seit       dem Untergang geweiht war, seinen Platz fand. Eine gigan-          dem erklärenden Schild, das neben jedem Ausstellungsstück                    Wolfram Koeppe zieht ein Paar weiße Baumwollhandschuhe
1992 als Kurator tätig, seine Domäne sind Europas Skulpturen          tische Kulisse! „Einer unser entertainment places“, sagt Koep-     im Museum hängt, fällt einmal mehr die lange Reihe der na-              aus der Tasche seines Jacketts und streift sie über. Fingerab-
und Kunsthandwerk von 1400 bis 1900.                                  pe knapp im Vorübergehen. Hier wie auch im Europäischen            mentlich genannten Stifter auf.                                         drücke will er auf keinen Fall auf den exquisiten Trompe-l’Œil-
     Der promovierte Kunsthistoriker hat in jeder der 20 Abtei-       Skulpturengarten wird New Yorks bessere Gesellschaft mit                „In Europa sind die meisten Sammlungen aus fürstlichen             Intarsienarbeiten hinterlassen, die das „Studiolo“ des Ducal-
lungen des drittgrößten Kunstpalastes der Welt seine Lieblings-       Speis und Trank gern in Spendierlaune versetzt.                    Häusern hervorgegangen“, erklärt Koeppe. „Hier sind Museen              Palastes von Gubbio wohl zum schönsten Studierstübchen der
objekte; der Mann aus Mali gehört dazu.                                    Aber zurück in die Antike. Die ionische Säule vom Tempel      aus dem Willen der Bürger entstanden, Bildungsgut in die USA            Renaissance machen. Der Besucher hat natürlich Abstand zu
     Der Rundgang beginnt streng chronologisch in der Echna-          der Artemis auf Sardis in der Sammlung für griechische und         zu holen. Auch und gerade für die Leute, die es sich nicht leis-        halten, der Museumswächter behält ihn scharf im Auge. Aber
ton-Zeit, circa 1350 Jahre vor Christus. Ziel in der ägyptischen      römische Kunst ist immer einen Stopp wert. Unübersehbar            ten können, nach Europa zu reisen und dort etwas anzuschau-             als Kurator darf Koeppe die feinen Holzarbeiten, die mitten     >
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 Das silberne Toiletten-Set aus dem 18. Jahrhundert verleitet Koeppe zur Selbstbespiegelung



im Big Apple die Wohnkultur des 15. Jahrhunderts wiederauf-
erstehen lassen, schon mal zärtlich, aber bitte schön vorsichtig,
berühren.                                                                 Wolfram Koeppe

     „Dieses Haus ist eine begehbare Enzyklopädie“, sagt                  spricht sieben Sprachen und arbeitet seit 1992 am Metropoli-
Koeppe stolz über die Vielfalt, die er beim Rundgang vorzeigen            tan Museum. Zuvor war er am Museum of Art in Philadelphia
kann; und tatsächlich ist das Museum die Kulturschatzkammer               und für die Sammlungen im Fürstlichen Palais in Wetzlar so-
der USA. Es beherbergt drei Millionen Kunstgegenstände, aber              wie im Fugger-Museum auf Schloss Babenhausen tätig. Von
nur ein Bruchteil davon ist zu sehen. Der Rest lagert drei Stock-         der Abteilung europäische Skulpturen und dekorative Künste,
werke tief im Granit unter dem Gebäude oder in einer der zahl-            die Wolfram Koeppe als Kurator betreut, wird vom 1. Juli bis
reichen Außendepots. Gut eineinhalb Jahre hat der deutsche                zum 21. September 2008 die Ausstellung „Art of the Royal
Kurator gebraucht, um jedes Stück auf den rund 130 000 Qua-               Court: Treasures in Pietre Dure from the Palaces of Europe“
dratmetern Ausstellungsfläche, verteilt auf 22 Gebäude des                gezeigt. Präsentiert werden Objekte mit Mosaiken aus ge-       www.diplomaten-park.de
Museumskomplexes, ohne Umwege ansteuern zu können. Na-                    schnittenen Steinen, die für europäische Höfe vom 16. bis
hezu fünf Jahre dauerte es, bis er wusste, was genau wo in den            zum frühen 19. Jahrhundert geschaffen wurden.
Depots liegt.                                                             Metropolitan Museum of Art, 1000 Fifth Avenue, New York,
     Die Sonne scheint durch die großen Fenster in den Skulp-             Information: +1/212-535-7710 und www.metmuseum.org
turengarten. Die Wärme ihrer Strahlen ist tröstend, wenn        >
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                                                                                                                                        Vice President of China National Logging Corporation (CNLC)




 Der Skulpturengarten des Metropolitan Museum stellt so manches in den Schatten



man gerade vor der Büste des Marsyas steht. Der Satyr hatte           bewerten, zu beschreiben, dem Direktor und den trustees vor-
den Gott Apoll der Sage nach zu einem musikalischen Wett-             zustellen, die Spendengelder für den Ankauf zu akquirieren.
streit herausgefordert – und unterlag. Worauf ihn Apoll bei le-       Danach muss sein Vorschlag in einem internen Wettstreit zum
bendigem Leib häuten ließ; eine entsetzliche Qual, die der            must have avancieren. Der Lohn der Arbeit kann sich für Koep-
deutsche Balthasar Permoser (1651–1732) in Marmor verewigt            pe sehen lassen: „Das Privileg, haptisch Kontakt mit diesem
hat. „Kunst kann nicht immer schön sein“, sagt Koeppe.                Kunstwerk zu haben. Auch wenn es nur für den Augenblick ist,
      Das Wort Kurator kommt aus dem Lateinischen und be-             in dem man es in die Vitrine stellt.“
deutet „Pfleger“. Das hört sich ein bisschen nach Staubwedel
an, nach ein paar Motten im Mantel der Geschichte. Na ja,                  Sein ganzer Stolz sind 46 Teile eines zauberhaften Toilet-
housekeeping, wie es Koeppe ironisch nennt, gehört auch zu            ten-Sets samt dazugehörigem Lederkoffer aus dem 18. Jahr-
seinem Job. Zweimal pro Woche kontrolliert er seinen Bereich          hundert. „So ein Fund“, sagt Koeppe, „ist der Lebenstraum
akribisch. Ansonsten ist er ein moderner Schatzsucher, was            eines Kurators.“ 14 Goldschmiede hatten das silberne Service
in den Zeiten nach Indiana Jones wenig aufregend heißt: Kata-         von Hand angefertigt: Es befand sich in Besitz der Grafen
loge lesen, Auktionen und Messen besuchen, das Internet               Staufenberg.
durchforsten, Fachliteratur sichten.                                       Auf das glänzende Silber folgt schimmernde Seide. Das
                                                                      weiße Abendkleid des Pariser Modehauses Worth ist wie
   „Viele Dinge entdeckt man per Zufall, wenn man etwas               fast alle Exponate in der umfangreichen Kostümabteilung sehr
anderes sucht.“ Ist er fündig geworden, gilt es, das Objekt zu        lichtempfindlich. Um 1900 entworfen, erinnern seine          >
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                                                                                                                                                    zu Ihrer Nr. 1? *




 Der Qual des Satyrs Marsyas begegnet der Kurator mit äußerstem Feingefühl



                                                                        Lufthansa Tipp
girlandenhaften Stickereien an die Blütezeiten Frankreichs. Ein
Ausdruck von elegantem Stolz, den man am Körper tragen                  Fliegen Lufthansa fliegt ab Frankfurt (FRA), München (MUC) und
konnte und vom großen Patriotismus einer starken Epoche                 Düsseldorf (DUS) täglich nonstop nach New York. Angeflogen wer-
zeugte. Eine Vaterlandsliebe, wie sie später auch Jasper Johns          den die Airports John F. Kennedy (JFK) und Newark (EWR). Die
mit seiner „White Flag“ thematisierte: Er war einer der führen-         täglichen Verbindungen: bis zu 3 x täglich FRA–JFK, 1 x FRA–EWR,
                                                                        1 x MUC–JFK, 1 x MUC–EWR, 1 x DUS–EWR, zusätzlich bietet
den Pop-Art-Künstler der Vereinigten Staaten und schuf das              Lufthansa täglich außer samstags einen weiteren Nonstopflug von
rund zwei mal drei Meter große Gemälde 1955. Es ist aber nur            Frankfurt nach Newark und zurück: Der Lufthansa Business Jet bie-
auf den ersten Blick ein weißes Bild; auf den zweiten Blick lässt       tet 44 Sitze in der umgerüsteten Boeing 737 (ausschließlich Busi-
es, aus einigem Abstand betrachtet, immer wieder neue, faszi-           ness Class). Am Flughafen können eilige Reisende bei der Firma
                                                                        US Helicopter den Hubschrauber-Service nach Manhattan buchen
nierende Interpretationen zu.                                           (www.flyushelicopter.com). Unter www.meilenrechner.de können
                                                                        Sie ermitteln, wie viele Meilen Ihnen für einen Hin- und Rückflug
     Ist der Rundgang schon zu Ende? Der Kurator lächelt                gutgeschrieben werden. Buchung und Info: www.lufthansa.com.
verschmitzt und kommt zum Höhepunkt seiner Tour durch die
                                                                        Fahren Wer ein Auto mieten möchte, kann mit den Miles & More
Kultur: Er steigt dem Met aufs Dach. Dort oben wartet ein wun-          Partnern Avis und Hertz Meilen sammeln.
derschöner Garten von Mai bis Oktober eines jeden Jahres mit
einer neuen Open-Air-Ausstellung auf. Aber um die geht es               Wohnen Zu den Miles & More Partnerhotels gehören in New York
heute nicht: eher um ganz New York! Es liegt einem von hier             City unter anderem das Mandarin Oriental, das Jumeirah Essex
                                                                        House sowie Häuser der Gruppen Hilton und Marriott.
aus wie ein großes, dichtes Gesamtkunstwerk zu Füßen.        <

								
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