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12/30/2008
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Saldo, Nr. 4, 27. Februar 2002

emg-saldo-200.doc



Strompreise



Die Kleinen zahlen drauf

Im September stimmt die Schweiz über eine Strommarkt-Öffnung ab. In einigen

EU-Ländern ist die Liberalisierung schon abgeschlossen. Das Resultat: Für

Privathaushalte steigen die Preise.

Die neusten Zahlen des europäischen Statistikzentrums Eurostat in Brüssel bringen es an den Tag: Die

Liberalisierung der Märkte in der EU hat den Strom für Privathaushalte massiv verteuert.

Vom Januar 1999 bis zum Juli 2001 stieg der Strompreis in einem durchschnittlichen norwegischen Haushalt

(Jahresverbrauch: 3500 kWh) um gut 22 Prozent. In Schweden waren es im gleichen Zeitraum fast 14

Prozent, in Deutschland (westliches Gebiet) 13 und in Grossbritannien (London) 11 Prozent. Die genannten

Länder haben ihre Strommärkte vollständig liberalisiert.

Staaten mit geringer Liberalisierung: Tiefere Strompreise

Eine umgekehrte Entwicklung lässt sich in jenen EU-Staaten feststellen, die die Liberalisierung eher

zögerlich vorantreiben und eine Marktöffnung unter 40 Prozent haben. So sanken in Spanien die

Strompreise um 7 Prozent, in Griechenland und Italien um 6,5 und in Frankreich (Paris) um 4 Prozent.

Trotz dieser eindeutigen Zahlen bestreiten Liberalisierungsbefürworter, dass die Privathaushalte

benachteiligt werden. Sie behaupten, dass die Strompreise in Norwegen, Schweden, Deutschland und

Grossbritannien nur aufgrund von Energie-abgaben in die Höhe geschnellt sind. Ein Blick auf die

Netto-Strompreise (ohne Mehrwertsteuer- und Energieabgaben) zeigt, dass dies nicht zutrifft. Auch bei den

Nettopreisen gab es vom Januar 1999 bis zum Juli 2001 kräftige Aufschläge. In Norwegen 14 Prozent, in

Grossbritannien 11 und in Schweden 5 Prozent.

Stromriesen heizen mit Dumpingpreisen den Verbrauch an

Eine Ausnahme bildet Deutschland. Hier waren für den Preisanstieg tatsächlich die Energieabgaben

verantwortlich. Die Stromanbieter hingegen haben sich in den letzten zwei Jahren mit Dumpingpreisen

gegenseitig unterboten. Damit ist nun Schluss. Anfang 2002 nutzten sie die Gunst der Stunde und erhöhten

zeitgleich mit der Einführung der Ökosteuer ihre Preise. Mit dem Jahreswechsel stiegen die Strompreise laut

«Financial Times Deutschland» um bis zu 10 Prozent. Der Aufschlag seitens der Stromproduzenten ist dabei

fünfmal so hoch wie die Ökosteuer.

Der deutsche Bundesverband der Energieabnehmer (Vea) warnt vor einem Kollaps des Strommarktes.

Besondere Sorge bereitet ihm die marktbeherrschende Stellung der Energieriesen EON und RWE, die mehr

als die Hälfte der Stromproduktion in Deutschland kontrollieren.

Der bisherige Anstieg der Strompreise in den EU-Staaten dürfte erst der Anfang sein. Das Überangebot auf

dem europäischen Strommarkt wird laufend abgebaut. Wenn die Stromriesen nach und nach Kraftwerke

ausser Betrieb nehmen, können sie das Angebot weiter verknappen und so die Preise in die Höhe treiben.

Gleichzeitig wird die Nachfrage nach Strom steigen, denn mit Dumpingpreisen für Stromverschwender

heizen RWE und Co. den Verbrauch weiter an.

Bund: «Strompreise können bis zu 10 Prozent sinken»

Die Schweizer stimmen am 22. September über das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) ab. Ungeachtet der

Entwicklung auf dem EU-Strommarkt behaupten die Beamten des Bundesamtes für Energie (BFE), dass von

der Strommarkt-Öffnung «auch kleine Konsumentinnen und Konsumenten profitieren können». Das BFE

wagt sogar eine Prognose: «Die Experten rechnen deswegen damit, dass die Strompreise im Vergleich zu

heute um bis zu 10 Prozent sinken können.»

Was die BFE-Beamten verschweigen: Die Zahlen stammen aus einer Studie der UBS Warburg. Das ist

genau jene Bank, die inzwischen das Handelsgeschäft des bankrotten Energiekonzerns Enron übernommen

hat. Die UBS Warburg vertritt in erster Linie die hohen Renditeerwartungen der Aktionäre.



Kurt Marti


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