Saldo, Nr

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Saldo, Nr. 4, 27. Februar 2002 emg-saldo-200.doc Strompreise Die Kleinen zahlen drauf Im September stimmt die Schweiz über eine Strommarkt-Öffnung ab. In einigen EU-Ländern ist die Liberalisierung schon abgeschlossen. Das Resultat: Für Privathaushalte steigen die Preise. Die neusten Zahlen des europäischen Statistikzentrums Eurostat in Brüssel bringen es an den Tag: Die Liberalisierung der Märkte in der EU hat den Strom für Privathaushalte massiv verteuert. Vom Januar 1999 bis zum Juli 2001 stieg der Strompreis in einem durchschnittlichen norwegischen Haushalt (Jahresverbrauch: 3500 kWh) um gut 22 Prozent. In Schweden waren es im gleichen Zeitraum fast 14 Prozent, in Deutschland (westliches Gebiet) 13 und in Grossbritannien (London) 11 Prozent. Die genannten Länder haben ihre Strommärkte vollständig liberalisiert. Staaten mit geringer Liberalisierung: Tiefere Strompreise Eine umgekehrte Entwicklung lässt sich in jenen EU-Staaten feststellen, die die Liberalisierung eher zögerlich vorantreiben und eine Marktöffnung unter 40 Prozent haben. So sanken in Spanien die Strompreise um 7 Prozent, in Griechenland und Italien um 6,5 und in Frankreich (Paris) um 4 Prozent. Trotz dieser eindeutigen Zahlen bestreiten Liberalisierungsbefürworter, dass die Privathaushalte benachteiligt werden. Sie behaupten, dass die Strompreise in Norwegen, Schweden, Deutschland und Grossbritannien nur aufgrund von Energie-abgaben in die Höhe geschnellt sind. Ein Blick auf die Netto-Strompreise (ohne Mehrwertsteuer- und Energieabgaben) zeigt, dass dies nicht zutrifft. Auch bei den Nettopreisen gab es vom Januar 1999 bis zum Juli 2001 kräftige Aufschläge. In Norwegen 14 Prozent, in Grossbritannien 11 und in Schweden 5 Prozent. Stromriesen heizen mit Dumpingpreisen den Verbrauch an Eine Ausnahme bildet Deutschland. Hier waren für den Preisanstieg tatsächlich die Energieabgaben verantwortlich. Die Stromanbieter hingegen haben sich in den letzten zwei Jahren mit Dumpingpreisen gegenseitig unterboten. Damit ist nun Schluss. Anfang 2002 nutzten sie die Gunst der Stunde und erhöhten zeitgleich mit der Einführung der Ökosteuer ihre Preise. Mit dem Jahreswechsel stiegen die Strompreise laut «Financial Times Deutschland» um bis zu 10 Prozent. Der Aufschlag seitens der Stromproduzenten ist dabei fünfmal so hoch wie die Ökosteuer. Der deutsche Bundesverband der Energieabnehmer (Vea) warnt vor einem Kollaps des Strommarktes. Besondere Sorge bereitet ihm die marktbeherrschende Stellung der Energieriesen EON und RWE, die mehr als die Hälfte der Stromproduktion in Deutschland kontrollieren. Der bisherige Anstieg der Strompreise in den EU-Staaten dürfte erst der Anfang sein. Das Überangebot auf dem europäischen Strommarkt wird laufend abgebaut. Wenn die Stromriesen nach und nach Kraftwerke ausser Betrieb nehmen, können sie das Angebot weiter verknappen und so die Preise in die Höhe treiben. Gleichzeitig wird die Nachfrage nach Strom steigen, denn mit Dumpingpreisen für Stromverschwender heizen RWE und Co. den Verbrauch weiter an. Bund: «Strompreise können bis zu 10 Prozent sinken» Die Schweizer stimmen am 22. September über das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) ab. Ungeachtet der Entwicklung auf dem EU-Strommarkt behaupten die Beamten des Bundesamtes für Energie (BFE), dass von der Strommarkt-Öffnung «auch kleine Konsumentinnen und Konsumenten profitieren können». Das BFE wagt sogar eine Prognose: «Die Experten rechnen deswegen damit, dass die Strompreise im Vergleich zu heute um bis zu 10 Prozent sinken können.» Was die BFE-Beamten verschweigen: Die Zahlen stammen aus einer Studie der UBS Warburg. Das ist genau jene Bank, die inzwischen das Handelsgeschäft des bankrotten Energiekonzerns Enron übernommen hat. Die UBS Warburg vertritt in erster Linie die hohen Renditeerwartungen der Aktionäre. Kurt Marti

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