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Ich als

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					Ich als
Als ich geboren wurde, war ich eine Maus. Ja wirklich, ich war eine Maus.
Meine Mutter hatte mich trotzdem sehr lieb. Als man erfuhr, dass ich eine Maus
statt ein Baby bin, wollte niemand von meiner Mutter und mir etwas wissen. Alle
sagten: „Das ist ja eine Hexe, die eine Maus zur Welt bringt.“ Sogar mein Vater wollte
nichts von uns wissen und ging von uns.
Meine Mutter und ich weinten und ich versprach ein Mensch zu werden.
Irgendwann erfuhr ich, dass es einen Zauberer gibt, der zaubern kann. Ich hörte auch,
dass er sehr weit weg wohnt, im Tal der Sonnen. Ich lief sofort nach Hause und sagte:
„Mama, ich werde ins Tal der Sonnen gehen, zum Zauberer, der mich in einen
Menschen verwandeln wird.“ Meine Mutter war blass im Gesicht geworden, fing an zu
weinen und sagte: „Isabel, das ist gefährlich, geh bitte nicht, dir könnte etwas
passieren und außerdem hat es keiner geschafft den Zauberer zu erreichen.“
Ich erwiderte: „Mama, ich bin vorsichtig, du bist so viele Jahre allein, nur weil ich eine
Maus bin.“ Daraufhin sagte sie: „Ja!“, packte mir etwas zu Essen ein und gab mir zum
Abschied einen Kuss.
Ich machte mich auf die Socken und ging und ging. Dann entdeckte ich, dass ich
beobachtet wurde. Ausgerechnet von meinem Feind, dem Adler. Ich versteckte mich
in einer sehr kleinen Höhle und hoffte, dass er mich nicht sieht. Leider hatte ich Pech,
er sah mich und versuchte mich aus meinem Versteck raus zu holen. Ich entdeckte
einen kleinen Stock, nahm ihn und haute dem Adler damit auf den Schnabel. Als er
verschwand, lugte ich vorsichtig aus der Höhle. Gott sei Dank, der Adler war
verschwunden und ich ging weiter meinen Weg zum Zauberer.
Es brach die Nacht an und bevor ich mich schlafen legte, aß ich ein Stückchen Käse.
Am nächsten Morgen wachte ich auf und ging weiter meinen Weg. Auf einmal sagte
jemand: „Hallo, ich bin hier drüben!“ Im ersten Moment habe ich mich erschrocken
und dachte, ein Adler will mich fressen, aber nein, es war ein Hase. „Hallo“,
sagte ich ebenfalls. Ich fragte: „Wie heißt du?“ Der Hase sagte: „Ich heiße Fritz
Hase und du?“ Ich sagte: „Ich heiße Isabel, ich gehe ins Tal der Sonnen zu dem
Zauberer und was machst du hier?“ „Ich lebe hier“, sagte Fritz „und du? Willst
du wirklich zum Zauberer?“ „Ja, ich will zum Zauberer, willst du mich denn
begleiten?“ „Ja, gerne will ich dich begleiten.“ So machten wir uns auf den
Weg. Auf einmal tauchte aus dem Gebüsch ein Bär auf, wir flüchteten vor
ihm, aber er nahm mich mit seiner großen Tatze. Aber Fritz hatte er nicht, nur
die kleine Maus. Auf einmal grollte der Bär und ließ mich los, bevor wir in seinem
Magen landen würden. Warum er mich laufen ließ, wissen wir nicht, na ja egal, wir
gingen weiter. Dann stand ein sehr ungewöhnliches Tier vor uns, es ergriff uns und
flog mit uns über Täler, Wälder, Flüsse und Berge.
Dann landete der Vogel auf einem Berg und stampfte dreimal mit dem Fuß auf den
Berg und wir fielen auf ein Kissen. Vor uns saß ein Mann, der meditierte, und er

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öffnete seine Augen. Seine Augen waren grün, solche Augen hatte ich noch nie
gesehen. Die Augen waren zutraulich, freundlich und hübsch. Er sagte: „Du bist doch
Isabel oder nicht?“ Ich sagte: „Ja, ich bin Isabel und das ist mein Freund, Fritz Hase.“
„Ich habe gehört, Isabel, dass du ein Mensch sein möchtest. Ist das richtig, was ich
sage?“ „Ja, das ist richtig, ich möchte ein Mensch werden. Meine Mutter leidet seit
Jahren darunter und ich möchte nicht, dass sie noch mehr leidet, dass ich eine Maus
bin, statt ein Menschenkind.“ „Nun, du kannst es schaffen, ein Mensch zu werden,
aber zuerst musst du eine Prüfung bestehen und zwar: der Vogel, der dich und deinen
Freund Fritz hierher gebracht hat, hat einen Diamantring im Nest, den musst du mir
holen, erst dann kannst du ein Mensch werden.“ Ich sagte: „Ich hole dir den
Diamantring, aber was ist mit Fritz?“ Der Zauberer wandte sich an Fritz: „Und du,
Fritz, möchtest du auch ein Mensch werden wie Isabel?“ Fritz antwortete: „Oh ja, ich
möchte ein Mensch werden, genau wie Isabel.“
Wir erfuhren, dass es genauso war wie bei mir. Fritz und seine Mutter wurden
ausgestoßen und niemand wollte etwas von ihnen wissen. Dann sagte der Zauberer:
„Ihr müsst jetzt gehen, abends schläft der Vogel, da habt ihr bessere Chancen.“ Wir
machten uns auf den Weg. Der Zauberer hatte uns erzählt, dass das Nest des Vogels
auf der höchsten Spitze des Berges ist. Er hatte uns ein Seil und etwas zum Trinken
und Essen mitgegeben.
Wir beschlossen, dass Fritz hinauf klettert, weil ich noch immer eine Maus war. Ich
sollte statt dessen das Seil halten. Wie Fritz es schaffte hoch zu kommen, weiß ich
nicht. Dann kam ein Schrei: „Ich habe den Diamantring!“ Und Fritz kletterte wieder zu
mir herunter. Wir liefen zum Zauberer zurück. Er war erstaunt, aber er sagte: „Ihr habt
es euch redlich verdient. Stellt euch vor mich hin und schließt die Augen, bewegt euch
nicht.“ Dann brabbelte er einen Spruch, den man nicht verstand und sagte: „Geht jetzt
nach Hause, es ist geschehen, ihr seid Menschen.“ Wir guckten uns
an, aber wir sahen immer noch wie Maus und Hase aus.
Wir protestierten. „Wir sehen noch genauso aus, wie
kommt das, hat der Zauber nicht gewirkt?“
„Oh doch, der Zauber wirkt; wenn ihr zu Hause seid,
verwandelt ihr euch in Menschen. Isabel, ich möchte
mit dir alleine reden.“ Ich ging zum Zauberer und leise
sprach er zu mir: „Isabel, sei artig, freundlich und hilfsbereit, so wirst du immer ein
Mensch bleiben. Ich weiß, dass du es schaffen wirst. Geh jetzt zu Fritz und macht euch
auf den Heimweg.“ Ich bedankte mich bei dem Zauberer und wir gingen nach Hause.
Ich verabschiedete mich von Fritz, der jetzt aussah wie ein echter Junge. Wir
versprachen uns immer im Wald zu treffen.
Als ich vor unserem Haus stand, kam meine Mutter heraus, breitete die Arme aus und
rief: „Isabel, endlich bist du wieder da und dazu noch als hübsches Mädchen. Ich bin
so froh, dass du gesund und munter bist und dir nichts Schlimmes passiert ist.“ Ich lief
in die Arme meiner Mutter und fragte: „Mama, wie hast du mich erkannt?“ Meine
Mutter antwortete: „Genauso hübsch wie du aussiehst, habe ich mir dich vorgestellt.“
Oft lief ich wieder in den Wald zu Fritz. Wir spielten verstecken, ticken, aßen und
tranken. Danach ging ich nach Hause.
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