Jean-Jacques Rousseau, 1712 - 1778 by gfj31289

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									      Jean-Jacques Rousseau, 1712 - 1778

  Werke

• Diskurs über die Ungleichheit
  (1754-1755)
• Der Gesellschaftsvertrag
  (1762)
• Emile oder über die Erziehung
  (1762)
S. 189-190: „Die Philosophen (...) haben alle die Notwen-
digkeit verspürt, bis auf den Naturzustand zurückzugreifen,
aber keiner von ihnen ist dazu gelangt. Die einen haben nicht
gezögert, dem Menschen in diesem Zustand den Begriff von
Recht und Unrecht zuzusprechen, doch ohne den Nachweis
dafür zu erbringen, daß er diesen Begriff haben musste (...)
Andere haben von dem Naturrecht gesprochen, das jedem auf
Erhaltung dessen, was ihm zugehört, hat, ohne zu erklären,
was sie unter „zugehören‟ verstehen.“
S. 189-190: „Andere wieder, die zuerst dem Stärksten die
Herrschaft über den Schwächsten gaben, haben alsbald die
Regierung entstehen lassen, ohne an die Zeit zu denken, die
verfließen mußte, bevor der Sinn der Worte Herrschaft und
Regierung vorhanden sein konnte. Endlich haben alle, die
unaufhörlich von Bedürfnis, Begierde, Unterdrückung,
Wünschen und Ehrgeiz sprechen, die Begriffe, die sie in der
Gesellschaft aufgenommen haben, auf den Naturzustand
übertragen (...) Sie sprachen vom Wilden und zeichneten den
Zivilisierten.“
S. 190-191: „Schließen wir vor allem nicht mit Hobbes,
der Mensch sei von Natur böse, weil er keine Vorstellung
von Güte hat, er sei lasterhaft, weil er die Tugend nicht
kennt (...) Hobbes hat nicht gesehen, dass dieselbe Ur-
sache, welche den Wilden am Gebrauch ihres Verstandes
hindert, sie zur gleichen Zeit am Mißbrauch ihrer
Fähigkeiten hindert, den er selbst annimmt. Auf diese
Weise kann man sagen, dass sie gerade deswegen nicht
böse sind, weil sie nicht wissen, was gut sein heißt.“
S. 192: „Mit so wenig regen Leidenschaften und einem so heilsamen
Zaum waren die Menschen mehr wild als böse und mehr auf den
Schutz vor ihnen drohendem Übel bedacht als zur Verübung an
anderen versucht und daher keinem bedrohlichem Streit unterworfen.
Da sie untereinander keinerlei Verkehr hatten, kannten sie
infolgedessen weder Eitelkeit, noch Rücksicht, noch Ansehen, noch
Verachtung. Sie hatten nicht den geringsten Begriff von Dein und
Mein, noch irgendeine wirkliche Idee von Gerechtigkeit (...) Sie
betrachteten die Gewalttaten, die sie ertragen konnten, als ein leicht zu
behebendes Übel und nicht als eine Beleidigung, die man rächen muss.
Sie dachten selbst nicht an Rache, wenn nicht unwillkürlich und auf
der Stelle, wie etwa ein Hund den Stein beißt, den man nach ihm wirft
(...) Ohne Fertigkeit und ohne Sprache; ohne Wohnstätte, ohne
Feindschaft und ohne Freundschaft, ohne jedes Verlangen nach
Seinesgleichen wie ohne jeden Trieb, ihm zu schaden, ohne vielleicht
jemals darunter als Individuum wiederzuerkennen, irrt der Wilde in
den Wäldern umher.”
           Der Gesellschaftsvertrag



S. 193: „Der Mensch wird frei geboren, doch überall ist
er in Ketten. Mancher hält sich für den Herrn seiner
Mitmenschen und ist trotzdem mehr Sklave als sie. Wie
hat sich diese Umwandlung zugetragen? Ich weiß es nicht.
Was kann ihr Rechmäßigkeit verleihen? Diese Frage
glaube ich beantworten zu können.“
S. 196: „Wie findet man eine Gesellschaftsform, die mit
der ganzen gemeinsamen Kraft die Person und das
Vermögen jedes Gesellschaftsmitglieds verteidigt und
schützt, und kraft derer jeder einzelne, obgleich er sich
mit allen vereint, gleichwohl nur sich selbst gehorcht und
frei bleibt wie vorher? Dies ist die Hauptfrage, deren
Lösung der Gesellschaftsvertrag gibt.“
S. 200: „Der Verlust, den der Mensch durch den
Gesellschaftsvertrag erleidet, besteht in dem Aufgeben
seiner natürlichen Freiheit und des unbeschränkten Rechts
auf alles, was ihn reizt, und was er erreichen kann. Sein
Gewinn äußert sich in der bürgerlichen Freiheit und in dem
Eigentumsrecht auf alles, was ihn reizt und was er
erreichen kann.“
S. 200: „Nach den Gesetzen würde man noch zu den
Vorteilen des Staatsbürgertums die sittliche Freiheit
hinzufügen können, die allein den Menschen erst in
Wahrheit zum Herrn über sich selbst macht; denn der
Trieb der bloßen Begierde ist Sklaverei, und der Gehorsam
gegen das Gesetz, das man sich selber vorgeschrieben hat,
ist Freiheit.“
   Für Rousseau gilt also:



Freiheit = Befolgung von Regeln,
  die wir selber gemacht haben
    Bedeutung in der Praxis:
     Ideal und Wirklichkeit




Das Rätsel des allgemeinen Willens
S. 203: „Oft ist ein großer Unterschied zwischen dem
Willen aller und dem allgemeinen Willen; letzterer geht
nur auf das allgemeine beste aus, ersterer auf das
Privatinteresse und ist nur eine Summe einzelner
Willensmeinungen. Zieht man nun von diesen Willens-
meinungen das Mehr und Minder, das sich gegenseitig
aufhebt, ab, so bleibt als Differenzsumme der allgemeine
Wille übrig.“
„Aus dem Vorgehen ergibt sich, daß der allgemeine Wille
beständig der richtige ist und immer auf das allgemeine
Beste abzielt; daraus folgt jedoch nicht, daß Volks-
abschlüsse immer gleich richtig sind (...) Man will stets
sein Bestes, sieht jedoch nicht immer ein, worin es besteht.
Das Volk lässt sich nie bestechen, wohl aber oft hinters
Licht führen, und nur dann scheint es Böses zu wollen“ (S.
203)
„Um eine klare Darlegung des allgemeinen Willens zu
erhalten, ist es deshalb von Wichtigkeit, daß es im Staat
möglichst keine besonderen Gesellschaften geben und
jeder Staatsbürger nur für seine eigene Überzeugung
eintreten soll (...) Diese Vorsichtsmaßregeln können es
einzig und allein bewirken, dass der allgemeine Wille
immer klar ersichtlich ist, und das Volk sich nicht irrt“ (S.
203f.)
       Politische Institutionen



Welche politischen Institutionen befürwortet
  Rousseau (mit welcher Begründung)?
Politische Institutionen

•   Keine Gewalteneinteilung
•   Gegen repräsentative Demokratie
•   Trennung von Politik & Verwaltung
•   Unterscheidung Gesetze / Verordnungen
•   Republik: Gesetze
             Weiterführende Literatur

Fetscher, Iring, 1999: Rousseaus politische Philosophie:
    zur Geschichte des demokratischen Freiheitsbegriffs,
    8. Aufl., Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp
    Taschenbuch Wissenschaft 143).
Kersting, Wolfgang, 1996: Die politische Philosophie des
    Gesellschaftsvertrags, Darmstadt: Primus, 140-179.

Internet: http://www.wabash.edu/rousseau/

								
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