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Brosch reGewerbeaufs.2003

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					                                                                              Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




                             Dr.-Ing. Rudolf Gayde
                             Gewerbeaufsichtsamt Zwickau



3. Überwachungsbedürftige Anlagen
S c h w e r p u n k t a k t i o n L a s t e n a u f z ü g e o h n e Fa h r k o r b a b s c h l u s s
Zahlreiche tödliche und schwere Unfälle in der Ver-        dass selbst bei Firmen mit einer sonst sehr ausführ-
gangenheit belegen, dass Lastenaufzüge ohne Fahr-          lichen Gefährdungsbeurteilung der Lastenaufzug als
korbabschlüsse bauartbedingt gefährlich sind. Die          eine Art „exterritoriales Gebiet“ – weil ja überwachungs-
„Achillesferse“ dieser nach wie vor weit verbreiteten      bedürftig – ausgelassen wurde.
Aufzugsart ist der Spalt zwischen Boden bzw. Decke         Für die nun folgende Festlegung von Maßnahmen zur
des Fahrkorbes und der Schachtwand. Dieser Ab-             Risikominimierung wurde ein Merkblatt für Betreiber
stand bildet in Abhängigkeit von Breite, Zustand der       von Lastenaufzügen entwickelt, das Lösungsmöglich-
Schachtwände und Fördergeschwindigkeit durch die           keiten aufzeigt. Diese reichen in der Bandbreite vom
Möglichkeit des Einzuges von Körperteilen oder der         Ersatzneubau über Nachrüstung mit Fahrkorbtüren
beförderten Last eine erhebliche Gefährdung für mit-       oder Lichtgittern bis zur Stilllegung. Als Sonderlö-
fahrende Personen.                                         sungen kamen in begründeten Einzelfällen Zwangs-
Lastenaufzüge zählen als innerbetriebliche Transport-      steuerungen als so genannte Totmanntaster und
einrichtung zu den Arbeitsmitteln. Das hat zur Konse-      Aufzugsführereinsatz mit stark eingeschränktem
quenz, dass zusätzlich zum Recht der überwachungs-         Personenkreis in Betracht.
bedürftigen Anlagen die Rechtsvorschriften für Sicher-     Eine Serienbriefaktion konnte daher auf Grund des
heit und Gesundheitsschutz bei Benutzung von Ar-           i.d.R. erheblichen Beratungsbedarfes nicht die Lö-
beitsmitteln gelten. Diese enthalten in Abhängigkeit       sung sein. In der Mehrzahl der Fälle wurden die
vom Zeitpunkt der erstmaligen Inbetriebnahme Min-          Unternehmen aufgesucht und an den Aufzugsanlagen
destvorschriften für die Beschaffenheit. Wird ein dort     die Methodik der Risikobewertung erläutert und die
genanntes Schutzziel, insbesondere der Schutz vor          entsprechenden Unterlagen übergeben.
der Gefahr eines mechanischen Kontakts mit beweg-
lichen Teilen, nicht erreicht, ergeben sich in Abhängig-
keit von den betrieblichen Randbedingungen unter
Umständen Nachrüstforderungen.
Ziel der Aktion war, dass bis Dezember 2002,
dem Ende der Übergangsfrist der Änderungsrichtlinie
95/63/EG, alle in Betrieb befindlichen Altanlagen den
Mindestforderungen des Anhanges der AMBV ein-
schließlich der Änderungen entsprechen. Diese lange
Laufzeit wurde als notwendig erachtet, um zum einen
vom TÜV den entsprechenden Informationsvorlauf zu
bekommen und zum anderen den Betreibern ausrei-
chend Zeit zur Entscheidungsfindung und Realisierung
zu geben.
Für die Betreiber wurde umfangreiches Informations-
material zusammengestellt, das auch in die Home-
page der sächsischen Arbeitsschutzverwaltung einge-
stellt wurde. Ausgangspunkt für Maßnahmen in den           Abb. 42:
                                                           Schwerer Unfall durch Einzug einer Leiter
Unternehmen sollte die Gefährdungsbeurteilung
gemäß Arbeitsschutzgesetz sein. Es zeigte sich aber,


                                                                                                   Gewerbeaufsichtsbericht   47
                                                              entsprechende Berechnungen.
                                                              Das bei der Diskussion zum nachträglichen Einbau
                                                              von Lichtgittern mitunter vorgebrachte Argument, dass
                                                              dadurch Nutzfläche im Fahrkorb verloren geht, konnte
                                                              schnell entkräftet werden. Hier wird Nutzfläche rekla-
                                                              miert, die als Schutzzone freizuhalten ist.
                                                              Überraschend häufig entschieden sich Unternehmen,
                                                              den Lastenaufzug nicht nachzurüsten, sondern zum
                                                              Güteraufzug „zurück zu bauen“. Wird der Aufzug nur
                                                              selten benutzt, sind nur zwei, höchstens drei Etagen
                                                              miteinander zu verbinden und ist eine Treppe in un-
                                                              mittelbarer Nähe vorhanden, kann dies eine betriebs-
                                                              wirtschaftlich sinnvolle Alternative sein. Fehlt eine der
     Abb. 43:
     Ergebnisse der Erfassung                                 Bedingungen, ist von dieser Entscheidung abzuraten,
                                                              denn dann kann die Wandlung zum Güteraufzug zur
     Bei mehr als einem Drittel der 3360 von den Sach-        missbräuchlichen Nutzung verleiten.
     verständigen den Ämtern mitgeteilten Aufzüge ohne        Die Nachrüstung eines Lastenaufzuges mit einem voll-
     Fahrkorbtüren konnten die Arbeitgeber nach der           wandigen Fahrkorbabschluss wurde nicht erreicht.
     Risikobewertung konstatieren, dass die jeweils vor-      Der in die Statistik eingegangene Fall umfasst einen
     handene Sicherheitseinrichtung, z.B. Scherengitter,      kompletten Ersatz des Fahrkorbes mit dem Ziel, die-
     Lichtgitter oder auch Zwangssteuerung in der konkre-     sen Aufzug als Personenaufzug weiter zu nutzen.
     ten betrieblichen Situation die Gefahr des Einzugs von
     Körperteilen oder Lasten so weit minimiert, dass ein
     weiterer Betrieb unverändert möglich ist.
     Bei einem weiteren Drittel wurde Nachrüstbedarf fest-
     gestellt und auch schon eine Entscheidung gefällt.
     Schließlich befinden sich 13 % noch in Bearbeitung.
     Hier fehlt mitunter der entsprechende Teil der Gefähr-
     dungsbeurteilung oder diese ist nicht ausreichend.
     Ein Teil der vorhandenen Aufzüge war von den
     Betreibern bereits außer Betrieb genommen. Bei der
     überwiegenden Zahl der Anlagen der üblichen Bauart
     war jedoch erwartungsgemäß Handlungsbedarf gege-
     ben. Dieser ist insbesondere vom Nutzerkreis abhän-
                                                              Abb. 44:
     gig. War der Lastenaufzug einst definitionsgemäß für     Ergebniss der Schwerpunktaktion
     den innerbetrieblichen Transport durch eigene
     Arbeitnehmer gedacht, ist heute die Situation oft        Im ursprünglich konzipierten Zeitrahmen konnten nur
     wesentlich anders.                                       an einem Teil der Anlagen die Umrüstmaßnahmen
     Durch Firmenaufspaltungen, Revitalisierung von           abgeschlossen werden. Noch immer eingehende
     Industriebrachen oder Outsourcing nutzen nun meh-        Mitteilungen vom TÜV, die Auswirkungen der Hoch-
     rere Firmen und gegebenenfalls auch deren Kunden         wasserkatastrophe im August 2002, Insolvenz beauf-
     und Lieferanten den vorhandenen Aufzug.                  tragter Fachfirmen und nicht zuletzt fehlende finanziel-
     Schnell zeigte sich, dass der „Königsweg“, die Nach-     le Mittel verzögerten bereits geplante bzw. beauftragte
     rüstung mit Fahrkorbtüren, in den seltensten Fällen      Nachrüstmaßnahmen. Aus diesem Grund wurde die
     möglich war – nicht nur der erheblichen Kosten           Schwerpunktaktion um ein Jahr bis zum 31.12.2003
     wegen, sondern auch als Folge technischer Zwänge.        verlängert. Dennoch konnten nicht alle begonnenen
     Vielfach fehlt der notwendige Platz im Schacht. Das      Vorgänge bis zum Ende der Aktion abgeschlossen
     zusätzliche Gewicht der Fahrkorbtür(en) und die dar-     werden. Es bedarf weiter gemeinsamer Anstren-
     aus resultierende Erhöhung des Gegengewichtes füh-       gungen aller Beteiligten, um die noch offenen Fälle
     ren in vielen Fällen zu nicht unerheblicher Mehrbelas-   abschließen zu können.
     tungen für Gebäude, Fangvorrichtung und Antrieb. Bei
     älteren Anlagen fehlen oft Konstruktionsunterlagen für


48    Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                                 Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




                            Dr. sc. techn. Dipl.-Phys. Günter Möller
                            Gewerbeaufsichtsamt Chemnitz



4. Marktüberwachung, Geräte- und Produktsicherheit
M a r k t ü b e r w a c h u n g „ N i c h t i n va s i v e B l u t d r u c k m e s s g e r ä t e “
Die Überwachungsaktion wurde gemäß einem Be-                      Im Ergebnis dieser Suche wurden insgesamt 17 Ge-
schluss der Arbeitsgruppe Medizinprodukte (AGMP)                  räte von 9 Herstellern dem Handel direkt entnommen.
aller obersten Landesbehörden durch die für das Medi-             Im Aufsichtsbereich eines Amtes wurden 20 Geräte
zinprodukterecht zuständigen obersten Landesbehör-                der Herstellungsjahre 1994/95 festgestellt, die nicht
den in Baden-Württemberg, Bayern, Schleswig-                      nach dem MPG in Verkehr gebracht worden waren.
Holstein und Sachsen durchgeführt.                                Der Verkauf dieser noch am Markt vorhandenen
Der Prüfumfang bestand aus einer formalen Prüfung                 Geräte wurde sofort untersagt.
und einer messtechnischen Prüfung. Grundlage der                  Im Rahmen der gesamten Aktion wurden in Sachsen
formalen Prüfung waren die §§ 4 - 10 Medizinpro-                  55 nichtinvasive Blutdruckmessgeräte geprüft. Davon
duktegesetz (MPG) in Verbindung mit Anhang I der                  waren drei Geräte im Grunde jeweils zweimal vorhan-
Richtlinie 93/42/EWG und der Normenreihe DIN EN                   den, weil Geräte gleicher Hersteller aus Asien (China,
1060-1/A1,1060-2 und 1060-3. Die messtechnische                   Korea, Japan) von mehreren Vertriebsfirmen mit unter-
Prüfung bestand aus einer messtechnischen Kontrolle               schiedlicher Typenbezeichnung auf den Markt ge-
im Sinne des §11 Medizinproduktebetreiberverord-                  bracht werden. Die Geräte unterscheiden sich oft nur
nung (MPBetreibV).                                                durch die Anzahl der vorhandenen Messwertspeicher-
Die formale Prüfung wurde in Sachsen durch das                    plätze und die farbliche Gestaltung der Gehäuse bei
Gewerbeaufsichtsamt Chemnitz vorgenommen, die                     weitgehend identischer Messelektronik.
messtechnische Überprüfung erfolgte durch das                     Zwei der in Asien gefertigten Geräte waren nur für den
Eichamt Chemnitz.                                                 Vertrieb außerhalb der EU vorgesehen.

Im ersten Teil der Aktion erfolgte die Überprüfung von            Die formale Prüfung der Geräte durch das GAA
Mustergeräten festgelegter Hersteller, Importeure oder            Chemnitz – jeweils 28 Prüfpositionen- ergab keine
Bevollmächtigter, die auf Veranlassung der jeweils                Mängel, die behördliche Maßnahmen erfordert hätten.
zuständigen obersten Landesbehörden dem GAA                       Es wurden nur wenige kleinere Mängel festgestellt. So
Chemnitz übersandt wurden.                                        waren bei zwei Geräten die Verbindungen Schlauch-
                                                                  stecker – Messgerät zu leichtgängig. Teilweise ließen
Im zweiten Teil der Aktion wurden durch die GAÄ                   sich die Batterien schwer einlegen oder hatten eine
Sachsens im Rahmen einer Marktkontrolle nichtinvasi-              unzureichende Halterung, so dass sie infolge der Fe-
ve Blutdruckmessgeräte dem Handel entnommen. Im                   derspannungen immer wieder aus dem Batteriefach
Rahmen dieser Marktüberwachungsaktion wurden                      sprangen.
177 Apotheken und 112 sonstige Handelseinrich-                    Bei zwei Geräten wurde eine schlechte Reproduzier-
tungen kontrolliert.                                              barkeit der Messwerte festgestellt.
Dabei wurde gezielt nach Geräten von Firmen ge-
sucht, die in der bundesweiten Aktion des ersten                  Die vom Eichamt Chemnitz durchgeführten messtech-
Teilabschnittes nicht erfasst worden waren.                       nischen Kontrollen waren bei 44 Geräten erfolgreich.
                                                                  Bei vier Geräten konnten z.B. die messtechnischen
                                                                  Kontrollen infolge Fehlens der speziellen Prüfadapter
                                                                  nicht durchgeführt werden.
                                                                  Bei fünf Geräten lagen Undichtheiten vor, bei einem
                                                                  Gerät war die Druckmanschette nicht demontierbar.


                                                                                                  Gewerbeaufsichtsbericht   49
                               Die beteiligten Gewerbeaufsichts- und Eichämter der
                               vier Bundesländer haben ihre Mess- und Prüfergeb-
                               nisse vereinbarungsgemäß dem Bayerischen Landes-
                               amt für Maß und Gewicht zum Zwecke der Auswertung
                               der bundesweiten Aktion übersandt und an einem in-
                               ternen Ringversuch teilgenommen.




                               Abb. 45/46:
                               Blutdruckmessgeräte




50   Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                                         Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




                                  Dipl.-Phys. Winfried Weller,
                                  Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit

Schwerpunktaktion Marktaufsicht nach dem
Gerätesicherheitsgesetz und dem Produktsicherheitsgesetz 2003

Übersicht                                                                 Elektrische Haushaltsgeräte aus dem Niedrigpreisseg-
Im Rahmen der bundesweit abgestimmten Schwer-                             ment haben meist eine geringere Qualität als Marken-
punktaktionen im Bereich der Marktaufsicht nach dem                       produkte. Die Frage war aber, ob diese Qualitäts-
Gerätesicherheitsgesetz und dem Produktsicherheits-                       mängel auch Einfluss auf die Sicherheit der Produkte
gesetz hatten die Staatlichen Gewerbeaufsichtsämter                       haben. Das Gewerbeaufsichtsamt Chemnitz wählte 16
in Sachsen, die Kontrolle der in der Abb. 47 genann-                      Produkte mit unterschiedlichem Verwendungszweck
ten Produktgruppen übernommen.                                            (Wasserkocher, Bügeleisen, Waffeleisen usw.) aus.
Die Darstellung der Ergebnisse soll in diesem Jahr nur                    Obwohl bei den Probenahmen die Auswahl zufällig
auf eine Produktgruppe beschränkt werden. Hierfür                         getroffen wurde, stellte sich heraus, dass keines der
wurden exemplarisch die Haushaltskleingeräte aus                          Geräte in der EU oder im EWR hergestellt worden war.
dem Niedrigpreissegment ausgewählt.                                       Alle Geräte wurden vom Gewerbeaufsichtsamt auf
                                                                          Kennzeichnungsmängel und offensichtliche sicher-

 Amt                                  Produktgruppe                                                   Rechtsvorschrift
 GAA    Zwickau                       Mobile Gasheizgeräte                                            7. GSGV
 GAA    Dresden                       Hydraulische Ladebordwände                                      9. GSGV
 GAA    Chemnitz                      Haushaltkleingeräte aus dem Nierigpreissegment                  1. GSGV
 GAA    Leipzig                       Außenbeleuchtung                                                1. GSGV
 GAA    Bautzen                       Gartenbeleuchtung                                               1. GSGV

Abb. 47:                                                                  heitstechnische Mängel überprüft. 15 Geräte wurden
Schwerpunktaktion Marktaufsicht
                                                                          anschließend von der Geräteuntersuchungsstelle des
                                                                          Landesinstitutes für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
                                                                          geprüft.
                                                                          Bei 13 Produkten wiesen entweder die Kennzeich-
                                                                          nung und/oder die Gebrauchsanleitung Fehler auf. So
                                                                          waren zum Beispiel die Warn- und Gebrauchshinwei-
                                                                          se nicht in deutscher Sprache, die Herstellerangaben
                                                                          bzw. die Händlermarke fehlte oder die CE-Kennzeich-
                                                                          nung entsprach nicht den Vorschriften. Sieben
                                                                          dieser Geräte wiesen zusätzlich zu den Kennzeich-
                                                                          nungsmängeln zum Teil schwerwiegende sicherheits-
                                                                          technische Mängel auf. Die drei nachstehend aufge-
                                                                          führten Geräte mussten der Mängelklasse 3 (sicher-
                                                                          heitstechnisch relevant, ernste und unmittelbare Ge-
                                                                          fahr für Leben und Gesundheit) zugeordnet werden.



                                                                                                         Gewerbeaufsichtsbericht   51
     Ein elektrischer Wok war in Schutzklasse 0 ausgeführt.   Auch bei einem elektrisch beheizten Wasserbad,
     Hier besteht schon im einfachen Fehlerfall die Gefahr    einem so genannten „slow cooker“ war die Gefahr
     eines elektrischen Schlages. Die Geräteanschluss-        einer gefährlichen Körperdurchströmung gegeben, da
     schnur war so ausgeführt, dass man beim Anschlie-        beim Nachfüllen Wasser in den Anschlussraum ein-
     ßen des Gerätes aktive Leiter berühren konnte.           dringen konnte.

     Bei einem Dampfbügeleisen schlugen während der           Bei allen Geräten mit sicherheitstechnischen Mängeln
     Prüfung Flammen aus dem Gerät. Das stark beschä-         hat der Händler auf Hinweis durch das Gewerbeauf-
     digte Gerät bot danach keinen ausreichenden Schutz       sichtsamt sofort den Vertrieb dieser Geräte eingestellt.
     vor dem Berühren von aktiven Leitern (Abb. 48).




     Abb. 48:                                                 Die für den jeweiligen Importeur zuständigen Marktauf-
     Bügeleisen nach Prüfung                                  sichtsbehörden wurden von den sächsischen Behör-
                                                              den umgehend informiert. Zusammenfassend kann
                                                              man feststellen, dass die Produkte aus dem Niedrig-
                                                              preissegment neben ihrer vielfach schlechteren
                                                              Qualität, auch überwiegend sicherheitstechnisch be-
                                                              denklich sind.

                                                              Eine Zusammenfassung aller Schwerpunktaktionen
                                                              der Gewerbeaufsichtsämter in Sachsen auf dem
                                                              Gebiet der Marktüberwachung ist kürzlich veröffent-
                                                              licht worden.

52    Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                              Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




                               Dipl.-Phys. Eckhard Fraundorf
                               Gewerbeaufsichtsamt Leipzig



Die Messekommission – ein wichtiger Bestandteil der
Marktüberwachung
Im Rahmen der Durchführung von Marktkontrollen ent-            Auf den 15 einbezogenen Messen, auf denen techni-
fällt meist ein nicht unerheblicher Arbeitsanteil auf die      sche Arbeitsmittel oder Produkte für private Verwender
Ermittlung der Inverkehrbringer. Auf den Messen wer-           offeriert wurden, sind 196 Ausstellungsstände aufge-
den dagegen im Regelfall innovative Produkte von den           sucht worden. Die Anzahl der besichtigten Produkte
Herstellern oder Importeuren gezeigt, so dass man              betrug 281, von denen 132 mängelbehaftet waren.
herstellernah und vor einer breiten Streuung über die          Die 151 erfassten Abweichungen betrafen zu ca. 80 %
Erzeugnisse diskutieren kann. Damit hat man auf die-           fehlende Kennzeichnungen und Hinweise.
sem Schauplatz der Marktüberwachung nicht das Pro-             Etwa 16 % entfielen auf durch Nachrüstungen abstell-
blem der zeitaufwändigen Inverkehrbringer- Recherche.          bare Mängel. In vier Fällen wurden Fehler vorgefunden,
Im Jahr 2003 war der Arbeitsumfang der Messekom-               die nur durch konstruktive Änderungen abgestellt wer-
missionen aufgrund von 15 ausgewählten Messen                  den können.
relativ hoch. Bei einigen Veranstaltungen konnte eine
Teilnahme von Fachausschussmitgliedern aus den
Berufsgenossenschaften realisiert werden.




Abb. 49:
Überprüfte Teleskopmastbühne mit Gelenkarm




                                                                                               Gewerbeaufsichtsbericht   53
     Bei Investitionsgütern überwiegen inländische bzw.          Die für den in Nordrhein-Westfalen ansässigen Her-
     aus anderen EU-Staaten stammende Erzeugnisse.               steller zuständige Arbeitsschutzbehörde wurde über
     Produkte, insbesondere Massenartikel, werden nahe-          die angesprochenen Unzulänglichkeiten informiert und
     zu ausschließlich in Drittstaaten hergestellt. Insofern     darauf hingewiesen, dass die Sicherheit der Lastab-
     erfolgt hier nur ein Handel dieser Erzeugnisse, so dass     stützung nicht geklärt sei. Bereits nach drei Wochen
     trotz der grundsätzlichen Herstellerverantwortung auf       lag uns eine Information über die Ergänzung eines
     den Messen i.d.R. nur kaufmännisch geschultes               geeigneten Sicherheitsventils am Hubzylinder für den
     Personal vertreten ist. Eine Sachdiskussion über tech-      Entleerungsdeckel vor.
     nische Einzelheiten ist somit in vielen Fällen nur einge-
     schränkt möglich. Bei größeren Herstellerbetrieben          In der Regel zeigen sich die Aussteller an einer Bera-
     stellt sich die Situation ähnlich dar, da aufgrund der      tung interessiert. Informationen zur Geräte- und Pro-
     Verkaufspriorität der Messestand von Kaufleuten be-         duktsicherheit sind vor allem willkommen, je konkreter
     treut wird. Kleinere Unternehmen agieren dagegen im         auf die speziellen Belange eingegangen werden kann
     Hinblick auf Technik und Verkauf oft in Personalunion,      und umso größer ist auch die Akzeptanz von sicher-
     so dass eher eine Fachdiskussion und das Erlangen           heitstechnischen Forderungen. Aber die Messekom-
     von Auskünften zur Fertigung und zur Konstruktion           missionen treffen auch ablehnende Einstellungen zur
     gewährleistet sind.                                         Marktüberwachung an. So begründen manche Inver-
                                                                 kehrbringer ihr Recht auf Ausstellung (bzw. auch Ver-
     Beispielhaft soll nachfolgend ein erfolgreiches Bera-       äußerung) eines unsicheren Produktes mit dem
     tungsergebnis einer Messekommission geschildert             Hinweis auf ein Angebot noch schlechterer Erzeug-
     werden:                                                     nisse durch andere. Aufgrund der gesammelten
                                                                 Erfahrungen und der erzielten Ergebnisse aus den
     Am Stand eines Herstellers für Kommunal- und Um-            bisherigen Messekommissionen ist festzustellen, dass
     weltfahrzeuge wurde über einige Sicherheitsaspekte          Marktaufsicht bzw. Marktüberwachung auf Messen/
     (z.B. die Anbringung von Bedienhinweisen und Pikto-         Ausstellungen effizient und wichtig und daher ständig
     grammen) gesprochen, da die gefertigten Aufbau-             weiterzuführen sind.
     ten der Maschinenverordnung unterliegen. Im Ge-
     spräch ist von der Messekommission die Frage nach
     der Absicherung des bei einer Reinigung und Entlee-
     rung hochgeklappten Deckels gestellt worden. Dieser
     rückseitige Verschluss war wegen seiner massiven
     Bauart relativ schwer ausgeführt und einige Tätigkei-
     ten betrafen unmittelbar den „Gefahrenbereich“.




54    Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                              Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




                             Dipl.-Phys. Hartmut Kähler
                             Gewerbeaufsichtsamt Leipzig



Das Völkerschlachtdenkmal
in Leipzig hat wieder einen
Aufzug

Im Oktober 2003 jährte sich zum 190. Mal die
Völkerschlacht bei Leipzig und das Völkerschlacht-
denkmal wurde 90 Jahre alt.
Seit März 2003 bringt wieder ein Aufzug die Besucher
des Völkerschlachtdenkmals, die die Treppe nicht
mehr steigen können oder wollen, von der Krypta zum
ersten Außenrundgang.
In den vorhandenen Fahrschacht des Denkmals                 Abb. 50:
                                                            Übersicht über die Anordnung der Aufzugsanlagen im
wurde dazu ein neuer Personenaufzug eingebaut. Die          Völkerschlachtdenkmal
Altanlage ist bis auf einige Restteile bereits vor länge-
rer Zeit demontiert worden. Um nach jahrzehntelanger                                                 Abb. 51:
Nichtnutzung wieder einen Aufzug einbauen zu kön-                                                    Blick von unten
nen, waren neben den finanziellen Schwierigkeiten                                                    in den Schacht
                                                                                                     gegen den
eine Reihe von technischen Problemen zu über-                                                        Fahrkorbboden
winden.
Der Aufzug musste aufgrund der vorhandenen bau-
lichen Gegebenheiten maßgeschneidert werden. Die
Kabine und die Türen sind Sonderanfertigungen. Um
die Grundfläche des runden Schachtes optimal aus-
zunutzen, erhielt die Kabine eine achteckige Form und
die Haltestellenerschließung erfolgte übereck. Die
automatischen Schiebetüren im Schacht sowie an der
Kabine öffnen mittig und werden radial bewegt. Der
Antrieb des Aufzuges befindet sich in einem brand-
schutzisolierten Raum neben dem Schacht in der
Kryptaebene. Die Rauchabzugsöffnung im Schacht-
kopf musste an die geltende Landesbauordnung
angepasst werden. Das Gewerbeaufsichtsamt Leipzig
hat dabei insbesondere an der normgerechten
Dimensionierung mitgewirkt.
Im Jahr 2004 soll mit dem Einbau eines zweiten Auf-
zuges begonnen werden, der den Gästen den Auf-
stieg über die 126 Stufen bis zur Krypta erspart.
Dieser Aufzug wird über Glasbauteile einen Blick in die
faszinierende Fundamentgestaltung des Völkerschlacht
denkmals gewähren.
                                                                                  Abb. 52:
                                                                    Blick in den Fahrkorb


                                                                                                 Gewerbeaufsichtsbericht   55
                                 Dipl.-Phys. Agimar Junghans
                                 Gewerbeaufsichtsamt Chemnitz



     5 . G e fa h r s t o f f e , B i o s t o f f e
     S e n k u n g d e r B l e i ex p o s i t i o n i n e i n e m m e t a l l u r g i s c h e n
     Unternehmen

     Ein 1992 neugegründetes Unternehmen konzentriert           tätigkeit. Die Einhaltung des BAT-Wertes von 550 µg
     seine Geschäftstätigkeit auf die Herstellung von Blei-,    Pb/l Blut, ab 2006 gelten 400 µg Pb/l Blut, ist für das
     Zinn-, Antimon- und Sonderlegierungen.                     Unternehmen als gesetzliche Vorgabe bindend.
     Es handelt sich hier um metallurgische Prozesse, die
     vorwiegend in Schmelzöfen und in Raffinationsanla-         Maßnahmen des Gewerbeaufsichtsamtes waren:
     gen ablaufen.                                              · wiederholte Betriebsüberprüfungen gemeinsam
     In der Aufbauphase standen dem Unternehmen nur                 mit der Berufsgenossenschaft
     Altanlagen zur Verfügung und es gelang schrittweise,       · dienstbegleitende Messungen an ausgewählten
     diese durch moderne und leistungsfähigere Anlagen              Arbeitsplätzen und Beauflagung zur MAK-Wert-
     zu ersetzen. Auch der bauliche Zustand der Arbeits-            Einhaltung
     stätten war unbefriedigend und verbesserte sich erst       · Aufklärungstätigkeit in der Belegschaft.
     durch den Neubau von Hallen.                               Innerhalb von drei Jahren ist es dem Unternehmen
     Die Einhaltung der arbeitshygienischen und arbeits-        gelungen, durch die verschiedensten Maßnahmen und
     medizinischen Vorschriften bereitete dem Unterneh-         Initiativen bei allen Arbeitnehmern den Blutbleiwert
     men erhebliche Schwierigkeiten, so traten Mehrfach-        erheblich zu senken. Dabei ist besonders die Arbeit
     überschreitungen bei dem MAK-Wert für Bleistaub            der zuständigen Betriebsärztin hervorzuheben, die
     auf. Bei den Arbeitnehmern lagen die Blutbleiwerte bis     durch ihr engagiertes und zielgerichtetes Handeln mit
     1000 µg Pb/l Blut.                                         dazu beigetragen hat, dass der zur Zeit gültige Grenz-
     Innerhalb weniger Jahre häuften sich die BK-Ver-           wert von 550 µg Pb/l Blut eingehalten wird.
     dachtsmeldungen „Erkrankungen durch Blei“.

     Das Gewerbeaufsichtsamt und die zuständige Be-
     rufsgenossenschaft einschließlich die betreuende Be-
     triebsärztin mussten durch ein konsequentes Auftre-
     ten gegenüber der Unternehmensleitung einen Wan-
     del in deren Einstellung zur Bleibelastung herbeifüh-
     ren. Das Unternehmen unterschätzte die gesundheit-
     lichen Gefahren durch Bleistäube. Auch bei den ca.
     70 Arbeitnehmern musste ein Bewusstseinswandel
     erreicht werden. Eine schwierige Arbeit, da die mei-
     sten von ihnen ungelernte Arbeitnehmer sind, denen
     die notwendige Erfahrung im Umgang mit Blei fehlte.
     Das Gewerbeaufsichtsamt stand vor der Aufgabe, dem         Abb. 53:
     Unternehmen zu verdeutlichen, dass die erhöhte Kon-        Tragen des Frischluftgebläsehelmes zur Senkung der Bleiexposition
     zentration von Blei im Blut zu reduzieren ist. Die Ver-
     ringerung der Bleiwerte im Blut der Arbeitnehmer war
     wegen der permanenten und akuten Gesundheitsge-
     fährdung auch immer Maßstab der Überwachungs-


56   Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                        Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




                                                                               Abb. 54:
                                                                               Deutliche Reduzierung
                                                                               der durchschnittlichen Blutbleiwerte bei
                                                                               6 Arbeitnehmern am Kurztrommelofen


Die entscheidenden Schritte dazu waren:                  Aus unserer Sicht hat das Unternehmen ein tragbares
· Konsequentes Tragen von Frischluftgebläsehelmen        Fundament geschaffen, um den ab 2006 gültigen BAT-
   durch die Arbeitnehmer                                Wert von 400 µg Pb/l Blut einzuhalten.
· Optimierung der Produktionsprozesse
· Reinigung der Anlagen, Fahrwege und Hallen-
   komplexe nach festen Zyklen
· kontrollierter Wäschewechsel und Helmreinigung
· finanzielle Stimulierung der Arbeitnehmer
· Ahndung von Verstößen, z. B. beim Rauch-, Trink-
   und Essverbot.




                          Dipl.-Chem. Gislind Hose
                          Gewerbeaufsichtsamt Chemnitz

Beurteilung von Arbeitsplätzen
mit Flusssäure- und Fluoridexposition

Zwei bekannt gewordene Verätzungen durch Fluss-          lokal ätzend, durchdringen rasch die Haut, zerstören
säure mit tödlichem Ausgang sowie das Unfallgesche-      tiefere Gewebeschichten und können auch resorptiv
hen in Unternehmen des Aufsichtsgebietes des Ge-         durch chemische Bindung an Calcium- und Magnesi-
werbeaufsichtsamtes Chemnitz waren Anlass für die        umionen und Hemmung lebenswichtiger Enzyme zu
Überprüfung der aktuellen Situation bei der Durchset-    akut bedrohlichen Stoffwechselstörungen oder Stö-
zung von Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheits-         rungen der Nieren- bzw. Leberfunktion führen.
schutzes beim Umgang mit Flusssäure und Fluoriden.       Untersucht wurden insbesondere Unternehmen, die
Fluorwasserstoff, Flusssäure und saure Fluoride wirken   hochtoxische Flusssäure bei der großtechnischen


                                                                                          Gewerbeaufsichtsbericht         57
     Herstellung von Ausgangsprodukten für die moderne                       Dabei ist der Einsatz von anorganischen Fluoriden als
     Mikroelektronik sowie für die Solarenergiegewinnung                     Flussmittel beim Schweißen und Löten oder zur Her-
     einsetzen.                                                              stellung von Schweißelektroden rückläufig.
     Weiterhin wurden in der Metallbearbeitung Arbeits-                      Flusssäure zur Oberflächenbehandlung von Glas wird
     plätze mit Fluoridexposition beim Schweißen und                         im Aufsichtsgebiet des Gewerbeaufsichtsamtes
     Löten und der Einsatz von Flusssäure zur Oberflächen-                   Chemnitz nicht eingesetzt.
     behandlung von Stählen, z.B. beim Beizen/Passivie-                      Laboratorien und Kleinanwender wurden bei den
     ren untersucht.                                                         Untersuchungen nicht berücksichtigt.
                                                           Arbeitnehmer                         Arbeitnehmer
                                                           mit direktem Umgang                  mit indirektem Umgang
                                                           unfallgefährdet                      chronisch exponiert
      großtechnische Herstellung
      von Ausgangsprodukten                                114                                  72
      für die Mikroelektronik
      großtechnische Herstellung
      von Ausgangsprodukten                                20                                   65
      für die Solarenergiegewinnung
      Metallbearbeitung                                    1                                    5
     Abb. 55:
     Übersicht zu festgestellten Expositionen mit Flusssäure und Fluoriden


     Der Einsatz von Flusssäure ist in den überprüften                       Beispielsweise wurde auf nachfolgende Punkte ver-
     Produktionsbereichen unumgänglich.                                      stärkt hingewiesen:
     Festgestellte Mängel waren neben den in wenigen                         · Begrenzung des Personenkreises bzw. Zutrittsver-
     Fällen fehlenden Kennzeichnungen die nicht erkannte                        bot für nicht unterwiesenes Personal
     Notwendigkeit zur Erstellung eines Notfallplanes in Ab-                 · umfassende Unterweisungen auch für Instandhal-
     sprache zwischen Betrieb, Betriebsarzt, Krankenhaus                        tungspersonal und Fremdfirmen
     oder Rettungsdienst.                                                    · Dringlichkeit des sofortigen Handelns
     Der Information der Notfallärzte kommt besondere Be-                    · Notwendigkeit der Erstellung eines Notfallplanes
     deutung zu, da sie in vielen Fällen nicht über ausrei-                  · Schwallduschen, Augenduschen und Calcium-
     chende Kenntnisse zu den besonderen Eigenschaften                          gluconat-Gel in ausreichender Anzahl/Menge und
     von Flusssäure und den damit im Zusammenhang                               in unmittelbarer Nähe der Arbeitsplätze
     stehenden Verletzungen verfügen.                                        · Substitution von Calcium und Magnesium auch
     Als praktikabel hat sich deshalb ein Schreiben erwie-                      schon bei Verdacht auf systemische Wirkung.
     sen, dass dem Verunfallten oder dessen Begleiter mit-
     gegeben wird, in dem auf die Dringlichkeit sofortigen                   Für die Gewerbeaufsichtsämter besteht weiterhin
     Handelns hingewiesen und andererseits durch die                         Handlungsbedarf für Beratungen und intensive Über-
     Unterschriften von Betriebsleiter und Chefarzt eine                     wachungstätigkeit beim Umgang mit Flusssäure und
     sofortige ärztliche Behandlung garantiert wird. Voraus-                 Fluoriden. Dabei sollten beispielsweise auch
     setzung dafür ist, dass dieses Schreiben an jedem                       Fassadenreinigungsbetriebe einbezogen werden, die
     betroffenen Arbeitsplatz unmittelbar vorhanden ist und                  flusssäurehaltige Zubereitungen verwenden.
     entsprechende Unterweisungen durchgeführt wur-
     den.
     Durch gezielte Kontrollen wurden die Arbeitnehmer auf
     die besondere Giftigkeit der Flusssäure hingewiesen
     und durch Informationen über geeignete Arbeitsschutz-
     maßnahmen wurde dafür gesorgt, dass die Risiken
     und Gefährdungen für die Beschäftigten möglichst
     gering gehalten werden.


58   Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                           Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




Dipl.-Ing. Andrea Haake
Gewerbeaufsichtsamt Dresden



Umsetzung der Biostoffverordnung (BioStoffV)
i n d e r A b fa l l - u n d A b w a s s e r w i r t s c h a f t

Seit dem Inkrafttreten der BioStoffV im Jahre 1999         waren z.T. noch nicht erstellt oder unvollständig. Die
werden durch das Gewerbeaufsichtsamt Dresden               Beschäftigten, die Tätigkeiten mit biologischen Arbeits-
branchenübergreifend die grundsätzlichen Maßnahmen         stoffen ausführen, waren nicht aktenkundig unterwie-
des Arbeits- und Gesundheitsschutzes beim Umgang           sen. In einigen Unternehmen musste die zur Verfü-
mit biologischen Arbeitsstoffen kontrolliert und die Ar-   gung gestellte Arbeitsbekleidung von den Beschäf-
beitgeber über Ihre Pflichten hinsichtlich Gefährdungs-    tigten noch selbst gereinigt werden.
beurteilung und erforderlicher Schutzmaßnahmen beim
Umgang von Beschäftigten mit biologischen Arbeits-         In fünf der zehn Unternehmen bestanden Unklarheiten
stoffen beraten.                                           bei Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorge-
                                                           untersuchungen. Bisher wurden die Beschäftigten zum
Im Jahr 2001 wurden dabei schwerpunktmäßig u.a.            Beispiel nach dem berufsgenossenschaftlichen Grund-
Unternehmen der Abfall- und Abwasserwirtschaft,            satz G 20 „Lärm“ untersucht, obwohl keine Lärmar-
Schlachtbetriebe und Tierkörperverwertungsanlagen          beitsplätze vorhanden waren. Untersuchungen nach
revidiert (siehe dazu auch Bericht „Umgang mit biolo-      dem arbeitsmedizinischen Grundsatz G 42 „Infektions-
gischen Arbeitsstoffen in der Abfall- und Abwasser-        krankheiten“ wurden jedoch bisher nicht veranlasst
wirtschaft; Umgang mit BSE/TSE-Risikomaterial – Be-        und durchgeführt.
richt zur Schwerpunktaktion“ des Sächsischen Lan-          Des Weiteren fehlten in fast allen Unternehmen
desinstituts für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin vom      Reinigungs- und Hygiene- und Hautschutzpläne.
15.03.2002).
                                                           Im Jahr 2003 wurden zusätzlich zehn weitere
Im Jahr 2003 fanden in zehn Unternehmen der Abfall-        Unternehmen bzw. Arbeitsbereiche erstmalig bzgl.
und Abwasserwirtschaft Nachrevisionen statt. Es wur-       des Vollzugs der BioStoffV überprüft. Dazu gehörten
den fünf Altpapier- und Verpackungsabfallsortieranla-      drei Abfallumladestationen, eine BMA, in der Leihar-
gen, zwei Kompostieranlagen, eine Kläranlage, eine         beitnehmer aus drei verschiedenen Unternehmen in
Bauschuttrecyclinganlage und eine Biologisch Me-           Form der Arbeitnehmerüberlassung beschäftigt wer-
chanische Abfallbehandlungsanlage (BMA) revidiert.         den, drei Müllentsorgungsunternehmen und eine
Anhand der zwischenzeitlich veröffentlichten Tech-         Kläranlage.
nischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA
210 Abfallsortieranlagen, TRBA 211Biologische Abfall-      Neben den bereits zuvor genannten Mängeln wurden
behandlungsanlagen, TRBA 220 Abwassertechnische            in fünf der zehn erstmals überprüften Unternehmen
Anlagen) wurde in den Unternehmen überprüft, inwie-        noch keine Gefährdungsbeurteilungen nach § 7
weit die 2001 festgestellten Mängel in den Unterneh-       BiostoffV durchgeführt und dokumentiert sowie in drei
men abgestellt und die in den jeweiligen TRBA kon-         Unternehmen vom Arbeitgeber keine Impfungen nach
kretisierten Schutzmaßnahmen in den verschiedenen          § 15 Abs. 4 BioStoffV angeboten.
Arbeitsbereichen umgesetzt wurden.
                                                           Die Ergebnisse der Revisionen zeigen, dass in 13 der
Dabei wurden in sieben von zehn kontrollierten Unter-      insgesamt 20 revidierten Unternehmen die Anforde-
nehmen immer noch Mängel bei der vollständigen             rungen der BioStoffV noch nicht vollständig umgesetzt
Umsetzung der BioStoffV festgestellt. Die nach § 12        wurden. Obwohl die TRBA konkrete Schutzmaßnah-
Abs.1 BioStoffV erforderlichen Betriebsanweisungen         men für die einzelnen Arbeitsbereiche benennen,


                                                                                            Gewerbeaufsichtsbericht   59
     besteht immer noch Handlungsbedarf bei der Umset-
     zung derselben. Bei der künftigen Revisionstätigkeit
     wird daher im Bereich der Abfall- und Wasserwirt-
     schaft weiterhin besonderes Augenmerk auf die
     Umsetzung der BioStoffV und der dazu veröffentlich-
     ten TRBA gerichtet, um eine stetige Reduzierung der
     Gesundheitsgefährdung der Beschäftigten zu erzielen.
                                                            Abb. 56:
                                                            Entsorgungsfahrzeug
                                                            vor dem Abkippen
                                                            in einer
                                                            Abfallumladestation




                                                            Abb. 57:
                                                            Blick auf die Einfahrt
                                                            einer
                                                            Abfallumladestation




60   Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                                Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




                            Dr. med. Hannelore Döhler
                            Landesinstitut für Arbeitsschutz
                            und Arbeitsmedizin



Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen in stationären
Altenpflegeeinrichtungen
Durch bessere Arbeits- und Lebensbedingungen                   Ein Betriebsarzt bzw. Arzt nach § 15 BioStoffV war in
sowie stetige Fortschritte in der medizinischen Diag-          93 % der kontrollierten Einrichtungen per Vertrag ge-
nostik und Therapie ist in der Bundesrepublik Deut-            bunden. Der Bestellungsgrad lag in den privat geführ-
schland in den letzten Jahrzehnten die Lebenserwar-            ten Einrichtungen am niedrigsten.
tung erheblich gestiegen. Das führt dazu, dass immer
mehr Hochbetagte nicht nur sozial betreut sondern in           Die nach § 15 BioStoffV in Verbindung mit Anhang IV
Altenpflegeeinrichtungen mittels Grund- und Behand-            erforderlichen arbeitsmedizinischen Untersuchungen
lungspflege versorgt werden müssen. Auch bei guten             wurden in 90,5 % und Hepatitis B-Impfungen in 91 %
räumlichen und hygienischen Voraussetzungen erge-              der Einrichtungen angeboten. Auch hier zeigten sich in
ben sich dabei für das Personal Gefährdungen im                Einrichtungen privater Träger die meisten Mängel.
Sinne der Biostoffverordnung (BioStoffV). Bei bestimm-
ten Tätigkeiten (z.B. Injektionen, Pflege inkontinenter        Gefährdungsbeurteilungen nach § 7 BioStoffV konnten
Personen, Entsorgung potenziell infektiöser Abfälle,           nur 37,5 % der kontrollierten Einrichtungen vorlegen.
Reinigung und Desinfektion von kontaminierten Flä-             Während die Sicherheitsfachkraft immer an der Erstel-
chen, Reparatur kontaminierter Einrichtungsgegen-              lung der Gefährdungsbeurteilung beteiligt wurde, war
stände) kann es regelmäßig und in größerem Umfang              der Betriebsarzt bzw. Arzt nach § 15 BioStoffV nur in
zum Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Ausschei-             61,3 % der Heime mit Gefährdungsbeurteilung in deren
dungen kommen, so dass eine Infektionsgefährdung               Erarbeitung einbezogen worden. In 17,3 % der Ein-
durch Erreger der Risikogruppe 2 bzw. 3** bestehen             richtungen mit Gefährdungsbeurteilung war keine
kann. Nach der TRBA 250 - Biologische Arbeitsstoffe            Zuordnung zu Schutzstufen erfolgt und in 10,7 % war
im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege –,             die Zuordnung nicht exakt.
sind diese Einrichtungen in der Gesamtbeurteilung der
Schutzstufe 2 zuzuordnen.

Im Jahr 2003 wurden von den sächsischen
Arbeitsschutzbehörden im Rahmen einer Schwer-
punktaktion 200 Altenpflegeheime aufgesucht, kon-
trolliert und beraten. Dabei handelte es sich um 22
kommunale, 78 private und 100 wohlfahrtspflegeri-
sche Einrichtungen mit insgesamt 10751 Beschäftig-
ten. 88,7 % der Beschäftigten wurden als gefährdet im
Sinne der Biostoffverordnung eingestuft.


                                                               Abb. 58:
                                                               Pflegeheim Gut Gleesberg in Schneeberg




                                                                                                   Gewerbeaufsichtsbericht   61
     Abb. 59:
     Umsetzung der BioStoffV in stationären Altenpflegeeinrichtungen


     Betriebsanweisungen nach § 12 BioStoffV konnten in                Zusammenfassend ist festzustellen, dass die seit
     71,5 % der Einrichtungen zum Revisionszeitpunkt nicht             1999 rechtsverbindlichen staatlichen Regelungen zum
     vorgelegt werden. Mängel hinsichtlich der räumlichen              Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen in stationären
     Trennung des Schmutzwäscheraumes von den übri-                    Altenpflegeeinrichtungen bisher nicht ausreichend
     gen Arbeitsbereichen mussten in 36,8 % der Wäscher-               bekannt sind. Bei einheitlicher Vorgehensweise, wie
     eien, die infektiöse Wäsche reinigten, festgestellt               sie durch Verabschiedung der BGR/TRBA 250 mög-
     werden.                                                           lich geworden ist, können sowohl die staatlichen Ar-
     Die Abfrage nach dem Vorliegen eines Maßnahme-                    beitschutzbehörden als auch die zuständigen Unfall-
     planes bei Nadelstichverletzungen ergab, dass dieser              versicherungsträger kompetente Aufklärungsarbeit
     in 51,5 % der Einrichtungen nicht existierte. Überdurch-          zum Schutz der Arbeitnehmer vor Gefährdungen beim
     schnittlich häufig fehlte er in den Pflegeheimen privater         Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen leisten.
     Träger.
     Die Arbeitskleidung wurde in 51,5 % der Einrichtungen
     vom Arbeitgeber gestellt. Der Forderung zur Reinigung
     sichtbar mit potentiell infektiösem Material verschmutz-
     ter Arbeitskleidung im Desinfektionswaschverfahren
     kamen 31,0 % der Einrichtungen nicht nach.

     Die Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstung war
     in allen Altenpflegeeinrichtungen gewährleistet. Aller-
     dings muss bemängelt werden, dass in 21,5 % der
     Einrichtungen noch gepuderte Latexhandschuhe
     benutzt wurden.




62    Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                            Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




                            Dipl.-Ing. (FH) Rita Schilbach                              Agrar-Ing. Udo Leithold
                            Gewerbeaufsichtsamt Dresden                                 Gewerbeaufsichtsamt Bautzen



Ergebnisse von Begasungskontrollen vor dem Hintergrund
v o r g e s e h e n e r Ve r e i n fa c h u n g e n i m d e u t s c h e n G e fa h r s t o f f r e c h t

Als Schwerpunktaufgabe im Rahmen ihrer Revisions-            · Bei Kontrollmessungen außerhalb des abgesperr -
tätigkeit führten die Staatlichen Gewerbeaufsichts-            ten Gefahrenbereiches einer am Vortag mit
ämter (GAÄ) Bautzen, Dresden und Leipzig verstärkt             Phosphorwasserstoff begasten Getreidelagerhalle
Kontrollen bei Begasungen mit den giftigen Bega-               wurde festgestellt, dass auf der Nordseite des
sungsmitteln Formaldehyd, Ethylenoxid, Methylbro-              Gebäudes die beiden Lüftungsöffnungen und das
mid, Phosphorwasserstoff, Blausäure und Sulfuryldi-            Tor unzureichend abgedichtet waren. Es wurden
fluorid in verschiedenen Branchen durch.                       dort Konzentrationen über 1 ppm Phosphor-
                                                               wasserstoff gemessen. Der frei zugängliche
Feststellungen vor Ort                                         Landwirtschaftsbetrieb grenzt an eine kleine
Trotz sachkundiger Ausbildung der Arbeitnehmer in              Straße, die zu bewohnten Häusern führt.
den Firmen, die die Begasungen durchführten, wur-            · Bei einer Begasung mit Sulfuryldifluorid wurden
den teilweise erhebliche Mängel im Arbeitsschutz fest-         die Körperschutzmittel beim Umgang mit den
gestellt. So wurden wegen unmittelbarer Gefahr für             Druckgasflaschen nicht zur Verfügung gestellt,
Arbeitnehmer und Dritte im Ergebnis der Kontrollen             so dass keine dichtschließende Schutzkleidung,
von Begasungen mit den Begasungsmitteln Methyl-                Schutzbrille, Handschuhe und Sicherheitsschuhe
bromid, Phosphorwasserstoff und Sulfuryldifluorid              getragen werden konnten.
nach Gefahrstoffverordnung und den Technischen
Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 512 – Begasungen –            Des Weiteren wurde bei Begasungen nach TRGS 512
mehrmals Anordnungen zum sofortigen Vollzug aus-             festgestellt, dass
gesprochen.                                                  · die Filter von Atemschutzgeräten nicht nur für den
                                                                einmaligen Einsatz benutzt wurden,
Dazu die folgenden Beispiele:                                · die Abdichtung von Öffnungen zu begasender
· Nach der Freigabe zur Verladung von mit Methyl-               Räume und Hallen nicht sorgfältig genug
  bromid begasten Holzteilen in einer Werkhalle wur-            erfolgte und
  de keine Freigabebescheinigung übergeben und               · das Erste-Hilfe-Material nicht vollständig war.
  keine Nachweismessung (Grenzwert: 0,5 ppm
  gemäß TRGS 512) zur Freigabe durchgeführt. Bei             In einem Fall der Begasung mit Methylbromid in einer
  Einhaltung dieser Forderungen wäre dem Verant-             Kirche wurden die Anwohner nicht über die durchge-
  wortlichen vor Ort auch aufgefallen, dass die              führte Maßnahme informiert, weil unnötige Beunruhi-
  Güter noch Begasungsmittel freisetzten.                    gung vermieden werden sollte. Solch eine fehlende
· Bei einer Begasung mit Phosphorwasserstoff führ-           Information hatte in der Vergangenheit schon zu töd-
  ten die damit beschäftigten Arbeitnehmer keine             lichen Unfällen bei Nachbarn von Begasungsobjekten
  Atemschutzgeräte bei sich. Messungen während               beigetragen.
  der Ausbringung wurden nicht durchgeführt.
  Die Stichprobenmessung ergab bereits mit                   Bei den Kontrollen von Begasungen in Desinfektions-
  0,4 ppm im Eingangsbereich eine Überschreitung             und Sterilisationsanlagen mit Formaldehyd und Ethy-
  des Grenzwertes der Phosphorwasserstoff-                   lenoxid nach TRGS 513 und bei Raumdesinfektionen
  konzentration (0,01 ppm gemäß TRGS 512) in der             mit Formaldehyd nach TRGS 522 in medizinischen
  Atemluft.                                                  und sonstigen Einrichtungen konnte festgestellt wer-
                                                             den, dass die Anforderungen beim Umgang mit die-


                                                                                            Gewerbeaufsichtsbericht   63
     sen Gasen in den meisten Einrichtungen weitgehend         ausgelaufen. Die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
     erfüllt wurden.                                           und die TRGS 512 berücksichtigen diese Regelung,
     Die Abstellung von Mängeln in einigen Krankenhäu-         indem Methylbromid nur noch zum Holzschutz in Bau-
     sern wurde angemahnt und deren Beseitigung von            werken und für Erzeugnisse zum Export in Staaten, die
     den Betreibern schnellstmöglich durchgeführt.             eine Begasung mit Methylbromid zwingend vorschrei-
     Nachfolgend sind diese beanstandeten Mängel auf-          ben, erlaubt ist.
     geführt:                                                  Verschiedene Länder wie China, Australien und die
     · Änderungen bezüglich der Befähigungsschein-             USA verlangen, dass alle Holzprodukte, die als
        inhaber wurden dem GAA nicht gemeldet,                 Erzeugnis oder Verpackungsmaterial für den Import
     · Befähigungsscheine wurden nicht rechtzeitig ver-        bestimmt sind, nach festgelegten Methoden behan-
        längert, obwohl ein Sachkundelehrgang besucht          delt werden. Gründe dafür sind der zunehmende inter-
        worden war,                                            nationale Handel und das wachsende ökologische Be-
     · Nachweise der regelmäßigen Prüfungen von                wusstsein. Die Verbreitung von Holzschädlingen und
        Gassterilisatoren und von den lüftungstechnischen      Krankheitserregern soll damit eingeschränkt werden.
        Anlagen ihrer Aufstellungsräume konnten nicht vor-     Eine wirksame und bewährte Bekämpfungsmethode
        gelegt werden,                                         dafür ist die Begasung mit Methylbromid. So lässt sich
     · Verfallsdaten von Erste-Hilfe-Materialien, Prüf- und    die bisher zunehmende Verwendung nachvollziehen.
        Aktivierungsröhrchen zur Feststellung von gefähr-
        lichen Stoffen in der Atemluft sowie von Filtern in    Dies war unter anderem ein Grund, die Begasungen
        Atemschutzgeräten wurden nicht beachtet,               mit Methylbromid zu kontrollieren und mit den verant-
     · Nachweise der regelmäßigen Vorsorge- und                wortlichen Begasungsleitern ins Gespräch zu kom-
        Tauglichkeitsuntersuchungen konnten bei der            men. Dieses bewährte Verfahren kann nicht so leicht
        Kontrolle nicht vorgelegt werden.                      ersetzt werden. Eine Alternative zur Verwendung von
                                                               Methylbromid wäre die Hitzebehandlung der Hölzer.
     Fazit                                                     Diese ist aber nach Angabe der Anwender mit hohem
     Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass sich trotz be-      technischen Aufwand verbunden.
     stehender Sachkunde und Spezialisierung in die Ar-        Auch die Erinnerung an die Verpflichtung nach § 16
     beitsweise der Begasungsfirmen gelegentlich Unacht-       Abs. 2 GefStoffV zur Substitution konnte die Anwender
     samkeiten und Oberflächlichkeiten einschleichen. So       nur wenig überzeugen. Allen Beteiligten ist klar, dass
     schätzten z. B. die Mitarbeiter einfach per Geruch die    die Verwendung nur noch beschränkt möglich sein
     Schadstoffbelastung ab und verzichteten auf Mes-          darf und in absehbarer Zeit ganz einzustellen ist.
     sungen. Insbesondere unter dem Gesichtspunkt der          Ersatzstoffe und -verfahren müssen aber von den
     vorgesehenen Vereinfachungen im deutschen Gefahr-         Beteiligten auch praktisch akzeptiert werden.
     stoffrecht ist es wichtig, dass die Unternehmen die       Dabei spielen Information und Beratung durch die
     Präsenz der Staatlichen Gewerbeaufsichtsämter spü-        Mitarbeiter der staatlichen Gewerbeaufsichtsämter
     ren, um nicht die Sicherheit der Arbeitnehmer und         eine große Rolle.
     Dritter wegen Betriebsblindheit, Routine und Wettbe-
     werbsdruck zu gefährden.

     Die Ablösung des giftigen und umweltgefährlichen
     Methylbromids – eine Herausforderung für die
     Industriestaaten weltweit
     In den letzten fünf Jahren ist die Anzahl der eingegan-
     gen Anzeigen für die Durchführung von Begasungen
     mit Methylbromid ständig gestiegen. Im Regierungs-
     bezirk Dresden stieg die Anzahl der in den Gewerbe-
     aufsichtsämtern eingegangenen Anzeigen von acht im
     Jahr 1999 auf 48 im Jahr 2003.
     Methylbromid ist ein giftiger und umweltgefährlicher
     Stoff, der im Verdacht steht, erbgutverändernde Wir-
     kung zu besitzen. Aus diesen Gründen ist international
     ein Stufenplan zur Reduzierung der Herstellung und
     Verwendung bis zum völligen Ausstieg festgelegt. In
     diesem Zusammenhang ist die Zulassung als Pflanzen-       Abb. 60:
                                                               Vorschriftsmäßige Durchführung einer Begasung von Getreide mit
     schutzmittel zur Bekämpfung von Vorratsschädlingen        Phosphorwasserstoff entwickelnden Begasungsmitteln


64   Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                         Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




                            Dipl.-Ing. Horst Tonder
                            Gewerbeaufsichtsamt Bautzen


D i e Ta n k - u n d B e h ä l t e r r e i n i g u n g m u s s s i c h e r e r w e r d e n

Im Zeitraum von April bis November 2003 wurde im          · Unterweisungen der Beschäftigten über Gefahren
Aufsichtsgebiet der Staatlichen Gewerbeaufsichts-           und Schutzmaßnahmen waren lückenhaft bzw.
ämter Bautzen, Dresden und Leipzig eine Überprü-            fehlten.
fung von Unternehmen der Tank- und Behälterreini-         · Betriebsanweisungen für den Einsatz von Atem-
gung durchgeführt. Dabei sollte die Einhaltung von An-      schutzgeräten wurden nicht erstellt.
forderungen für ein sicherheits- und gesundheitsge-       · Qualifizierte Aufsichtsführende, die ihre Sachkunde
rechtes Arbeiten kontrolliert werden.                       in einem Lehrgang gem. TRGS 507 („Oberflächen-
Dies erfolgte mittels Abarbeitung einer Checkliste,         behandlung in Räumen und Behältern“) erworben
aber auch durch die Beobachtung der praktischen             haben, waren nicht vorhanden. Dazu bestand
Durchführung von Reinigungsarbeiten.                        auch Unkenntnis über Möglichkeiten des Sach-
                                                            kundeerwerbs.
Insgesamt wurden 20 Unternehmen einer Überprü-            · Messmittel zur Bestimmung des Sauerstoffge-
fung unterzogen. Darunter befanden sich drei Fachbe-        haltes fehlten oder waren defekt. Dabei bestand
triebe für Tankreinigung und vier Unternehmen, deren        Unkenntnis über den Mindestgehalt von 17 Vol.-%
Tätigkeit ausschließlich die Reinigung von Fahrzeug-        bei Einsatz von Filtergeräten.
behältern betrifft. Die weiteren Firmen gehörten zu den   · Ungeeignete Atemschutzmittel (P2-Masken) wur
Branchen Entsorgung und Tankanlagenbau, wobei die           den bei der manuellen Reinigung von Dieselkraft-
Reinigung von Tanks und Behältern nicht zum                 stoff-Behältern verwendet.
Tätigkeitsschwerpunkt gehört.                             · Die Lagerfristen für Atemschutzfilter waren über
                                                            schritten.
Im Überprüfungszeitraum konnte neunmal die prakti-        · Hubgeräte zur Personenrettung aus dem Inneren
sche Durchführung von Reinigungsarbeiten vor Ort            von Behältern fehlten.
beobachtet werden. Das betraf fünfmal die Innenreini-
gung von Kesselwagen mit verschiedenen Restinhal-         In Revisionsschreiben der GAÄ wurden die Unterneh-
ten und vier Reinigungen von Heizöl- bzw. Dieselkraft-    men auf bestehende Mängel und deren Beseitigung
stofftanks.                                               hingewiesen. Behördliche Maßnahmen in Form von An-
                                                          ordnungen oder Ordnungswidrigkeiten (OWiG)-Ver-
Bei der Überprüfung wurden am häufigsten                  fahren waren nicht erforderlich.
nachfolgend aufgeführte Mängel bzw. Unkenntnisse
festgestellt:                                             Im Ergebnis dieser Schwerpunktaktion konnte eine
                                                          höhere Sensibilisierung der betreffenden Arbeitgeber,
· Die Erforderlichkeit einer dreimonatlichen Prüffrist    aber auch von Ein-Mann-Unternehmen hinsichtlich
  ortsveränderlicher elektrischer Geräte, die in metal-   der Belange des Arbeits- und Gesundheitsschutzes
  lischen Behältern verwendet werden, war nicht           erreicht werden.
  bekannt.
· Theoretische und praktische Übungen für Träger          Dieser Effekt sollte zum Nutzen für Beschäftigte und
  von Atemschutzgeräten erfolgten nicht.                  Unternehmer durch weitere gezielte Überprüfungen
· Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen wur-         beibehalten werden.
  den nicht durchgeführt, obwohl z. T. auch Betreu-
  ungsverträge bestanden.



                                                                                         Gewerbeaufsichtsbericht   65
                                                                                    Abb. 61:
                                                                                    „Rettungsversuch“ ohne Dreibock
                                                                                    und Hebeeinrichtung
                                                                                    Ergebnis: Rettung nicht möglich!




     I




                                   Dipl.-Ing. Sabine Knuhr
                                   Gewerbeaufsichtsamt Leipzig

     Asbestsanierung und Abbruch eines in Stahlskelettbauweise
     errichteten Gebäudes (Metallleichtbau als Experimentalbau)

     In Vorbereitung des Neubaus eines Einkaufscenters           großen Mengen künstliche Mineralfasern (Kamilit) als
     musste ein dreigeschossiges Metallleichtbau-Gebäu-          Isoliermaterial eingesetzt.
     de (Stahlskelettbauweise mit Stahlzellendecken und          Der umbaute Raum des ca. 74 m langen und 13 m
     Vorhangfassaden) abgerissen werden.                         breiten Gebäudes (einschließlich der beiden Treppen-
     Bei der Errichtung des Gebäudes waren jeweils meh-          häuser) betrug 14 500 m2, die Fassadenflächen um-
     rere Varianten für den Einsatz von Baustoffen und der       fassten insgesamt ca. 2 800 m2. Asbesthaltige Mate-
     technischen Umsetzungen für die Bauwerksteile (Fas-         rialien waren mit einer Gesamtfläche von ca. 4 500 m2
     saden, Geschossdecken, Dach, Zwischenwände) ge-             an verschiedensten Gebäudeteilen (z.B. Brüstungs-
     prüft worden. Besonders die Problematik des Feuer-          elemente, Stützenummantelung, Asbestgewebemat-
     schutzes führte in vielen Bereichen zur Verwendung          ten in Zwischendeckenelementen aus Gips) verbaut
     asbesthaltiger Bauteile. Es handelte sich dabei vor-        worden.
     wiegend um Baustoffe aus Neptunit und Sokalit               Für die Sanierungsarbeiten hatte die Fachfirma fünf
     (schwach gebundener Asbest). Zusätzlich wurden in           Wochen veranschlagt. Durch erforderliche Nachbes-


66       Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                         Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




serungen an der Gebäudeabschottung sowie infolge        · Eine Notstromversorgung war nicht gewährleistet.
der Reinigungsarbeiten erstreckte sich der tatsächli-     Die im Arbeitsplan dargestellte Lösung wurde nicht
che Sanierungszeitraum aber auf acht Wochen, wobei        umgesetzt, so dass beim Ausfall der Hauptver-
durchschnittlich 15 bis 20 Arbeitnehmer beschäftigt       sorgung kurzzeitig ein Totalausfall des Unterdruckes
waren.                                                    eintrat, wodurch es zu einem Faseraustritt in die
Im Rahmen der Ausschreibung war die Firma mit dem         Umgebungsluft kam.
kostengünstigsten Angebot ausgewählt worden,            · Die Verpackung bzw. Reinigung der auszuschleu -
wodurch Probleme bei der Sanierung zwangsläufig           senden Behältnisse war mangelhaft (ohne Kenn-
vorprogrammiert waren. So beabsichtigte die Sanie-        zeichnung der Big-Bags; keine Restfaserbindung
rungsfachfirma beispielsweise, den Ausbau des as-         innerhalb der Schleuse).
besthaltigen Materials ohne äußere Abschottung des      · Durch eine schlechte Transporttechnologie (mehr
Gebäudes durchzuführen. Auf Grund der Öffnungen           faches Umverpacken der Asbestmaterialien) kam
am Gebäude durch die Herausnahme der Sokalitplat-         es im Sanierungsbereich zu erhöhten Staub- und
ten sowie der bestehenden Undichtigkeiten innerhalb       Asbestfaserbelastungen.
des Gebäudes wäre es zu einer erhöhten Freisetzung
von Asbestfasern gekommen. Weiterhin sollten alle
ausgebauten Asbestmaterialien in Big-Bags verpackt
bis nach der Freimessung im Gebäude verbleiben.
Pro Etage wären dies ca. 64 Big-Bags gewesen. Das
Ziel dieser Maßnahme war eine Verkürzung der
Sanierungszeit.
Nur im Ergebnis umfangreicher Gespräche sowie
einer Anordnung konnte die fachgerechte Vorberei-
tung der Sanierung durchgesetzt werden. Während
der Ausführung der Arbeiten sind jedoch schwerwie-
                                                        Abb. 62:
gende Mängel festgestellt worden:                       Unsachgemäßer Umgang mit Asbestmaterialien
· Auf Grund der mangelhaften Abschottung des
   Gebäudes, bereits entstandener Schäden an der
   Folie sowie aufgetretener Undichtigkeiten durch      Auf Grund der vorgefundenen Mängel ist daher durch
   Herausnahme der Sokalitplatten innerhalb des         das Gewerbeaufsichtsamt Leipzig die Einstellung der
   Gebäudes traten starke Schwankungen des              Arbeiten veranlasst worden.
   Unterdruckes auf. Es wurden nur Maximalwerte         Die „Nachbesserungsarbeiten“ (Erneuerung und Er-
   von ca. 13 bis 15 Pa erreicht. Auf die abfallenden   weiterung der Abschottung am Gebäude; Instand-
   Werte ist seitens des Auftragnehmers nicht rea-      setzung der Personenschleuse; Aufbau der Notstrom-
   giert worden.                                        versorgung) nahmen einen Zeitraum von fünf Arbeits-
· Die Personenschleuse entsprach in keiner Weise        tagen in Anspruch, wodurch der Endtermin nicht ein-
   den Anforderungen der TRGS 519. Es bestand           gehalten werden konnte. Um einen zügigen Verlauf
   keine Zwangsverriegelung innerhalb der Kabinen,      sowie die fachgerechte Durchsetzung der Arbeiten
   die Dusche musste separat geschaltet werden          gewährleisten zu können, wurde eine weitere
   und konnte dadurch jederzeit ohne ausreichende       Sanierungsfachfirma hinzugezogen. Die nachfolgen-
   Reinigung vom Arbeitnehmer verlassen werden.         den Sanierungsarbeiten verliefen bis zur Feinreinigung
   Eine Verschleppung von Asbestfasern in die umlie-    unproblematisch.
   genden Bereiche war daher nicht auszuschließen.      Die endgültige Freigabe zur Freimessung des Sanie-
· Trotz entsprechender Hinweise vor Beginn der          rungsbereiches nach der Feinreinigung musste wegen
   Sanierung wurde von den Arbeitnehmern keine          mangelnder Durchführung der Reinigungsarbeiten
   ausreichende Schutzkleidung getragen. Die            zweimal verschoben werden. Die Arbeiten sind mit
   Schutzanzüge waren für Partikelstäube nicht ge-      einem Terminverzug von ca. drei Wochen beendet
   eignet. Das Schuhwerk (normale Arbeitsschuhe)        worden, wobei letztendlich die angeordneten Nach-
   entsprach nicht den Anforderungen für Arbeiten       reinigungsarbeiten zu einem positiven Ergebnis der
   im Sanierungsbereich.                                Freimessung geführt haben.

                                                                                           Gewerbeaufsichtsbericht   67
                                 Dipl.-Geol. Eberhard Zobel                                Dipl.-Ing. Dietmar Buttig
                                 Gewerbeaufsichtsamt Bautzen                               Gewerbeaufsichtsamt Bautzen



     6. Explosionsgefährliche Stoffe
     400 kg Sprengstoff für 40.000 t Stahl - Abbruch von vier Dampf-
     kesselanlagen unter Beachtung der KMF Belastung

     Als eines der letzten und das Bild der Landschaft prä-    bau des Dämmmaterials einschließlich der späteren
     genden baulichen Objekte im ehemaligen Braunkohle-        Bergung eine nicht zu beherrschende Gesamtexpositi-
     kraftwerk Görlitz Hagenwerder wurde das Kesselhaus        on an krebserzeugenden Gefahrstoffen darstellt.
     Werk III abgebrochen.                                     Das war der Entscheidungsgrund für die Beauftragung
     Die Abbruchtechnologie sah dafür als ersten Schritt       eines fachkundigen Unternehmens zur Demontage der
     die gleichzeitige Sprengung der 4 x 815 t/h-Dampf-        Mineralwolledämmstoffe. Die Dämmschichten waren
     kesselanlagen vor, damit durch die Reduzierung der        durchschnittlich 210 mm stark über die Kesselhöhe von
     Höhe die umgekippten Kessel mittels Großgeräten de-       ca. 70 m auf einer Fläche von ca. 36.000 m2 verteilt.
     montiert werden können.                                   Das Vorhaben wurde innerhalb eines Dreivierteljahres
                                                               realisiert. Es erfolgte eine messtechnische Überwa-
     Bevor jedoch die eigentliche Sprengung erfolgen           chung.
     konnte, wurden in den Jahren 2000 bis 2003 im             Unter dem Gesichtspunkt der Minimierung der
     Rahmen der Entkernungsarbeiten und der Demontage          Faserfreisetzung an der Abbruchstelle und der Emission
     die asbesthaltigen Materialien im Kesselhaus und in       in die Umwelt wurde die Technologie schrittweise von
     den Kabelkanälen entfernt.                                Kessel zu Kessel optimiert:
                                                               · Es wurde eine strikte Schwarz-Weiß-Trennung
     Im Verlaufe der Abbrucharbeiten wurde die Problema-          durch die Installation eines Schleusensystems
     tik Wärmedämmung und brandschutztechnische Maß-              vorgenommen.
     nahmen mit faserförmigen Dämmstoffen sichtbar und         · Restfaserbindemittel aus Airless-Spritzgeräten
     verlangte nach einer eindeutigen Positionierung durch        diente als Staubbinder an der Demontagestelle.
     den Bauherrn. Es handelte sich dabei insgesamt um         · Zur Erzielung gerichteter Luftströme wurde die
     eine Abfallmenge von ca. 3.000 t, deren Hauptbe-             teilweise offene Kesselanlage insbesondere der
     standteil krebserzeugende künstliche Mineralfasern           Aschetrichterbereich zusätzlich abgeschottet.
     (KMF) waren.                                              · Die Abwurfstelle für die Mineralwollesäcke auf
                                                                  der ±0-Ebene wurde noch zusätzlich abgesaugt.
     In Beratungen mit dem Bauherrn und Vertretern des         · Da die PE-Säcke beim Aufschlagen auf dem
     Abbruch-Generalunternehmens drängte die Gewerbe-             Betonboden aufrissen, wurde ab dem zweiten
     aufsicht im Sinne des Schutzes der Arbeitnehmer und          Kessel auf einen Transport mittels Lastenaufzuges
     Dritter auf eine vorherige Demontage der Mineralwolle-       bzw. Hebezeuges umgestellt.
     dämmstoffe. Ursprünglich sah die Rückbautechnolo-
     gie die Sprengung der Dampfkessel mit anschließen-        Insgesamt konnten die entsprechenden Staub- und
     dem Auslesen der Dämmstoffe während der maschi-           Fasergrenzwerte eingehalten werden, wobei wegen der
     nellen Schrottbergung vor.                                Möglichkeit des Auftretens von Spitzenkonzentrationen
     Es wurde erreicht, dass der Bauherr mit Hilfe eines       von vornherein die Arbeitnehmer Einweganzüge und
     Gutachtens die Entscheidung zur Lösung der KMF-           FFP2-Staubmasken trugen.
     Problematik vorbereitete. In einer umfassenden Risiko-
     betrachtung wurde aufgezeigt, dass der Gesamtfaser-
     ausstoß bei einer Sprengung ohne vorherigen Rück-


68   Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                              Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




Für die Sprengung der vier Kraftwerksblöcke wurde
durch ein Ingenieurbüro geplant, das Bauwerk durch
eine „Vollraumsprengung“ der tragenden Profilstützen
zum Umstürzen zu bringen. In der Vorbereitung auf die
Sprengarbeiten wurden Versuchssprengungen an klei-
neren Profilstützen auf dem Gelände des Kraftwerkes
durchgeführt.




Abb. 63:
Versuchssprengung – Teststütze beim Laden und nach Sprengung


Die Sprengung erfolgte dabei mit einer in der                  Da für die Ladearbeiten mehrere Tage erforderlich
Profilmitte aufgehängten Ladung aus Sprengschnur.              waren, wurden die täglich zur Verarbeitung kommen-
Der Profilkörper war im Bereich der Ladesäule mit Was-         den Mengen an Sprengschnur direkt vom Hersteller
ser gefüllt. Infolge der Inkompressibilität des Wassers        angeliefert. Wegen der längeren Standzeit der Lade-
wird die Detonationsfront gleichmäßig auf das gesam-           säulen im Wasser bis zur Sprengung wurde die
te Profil übertragen, wodurch die Profilstütze an ihren        Sprengschnur mit einer stärkeren Ummantelung
Schweißnähten aufriss.                                         gefertigt.

Durch diese Art der Sprengungen der Profilstützen mit          In der direkten Vorbereitung der Sprengung wurde
einem Querschnitt von 1,8 m x 1,6 m bzw. 1,4 m x 1,4 m         durch den Auftragnehmer eine Sicherheitskonzeption
konnten aufwändige Schneidarbeiten zur Profilschwä-            erarbeitet und mit allen zuständigen Behörden und
chung auf ein Minimum reduziert werden. Gleichzeitig           Einrichtungen der Region abgestimmt. Die an der
konnte auf den Einsatz von Schneidladungen ver-                Sprengstelle vorbeiführende Bundesstrasse wurde für
zichtet werden, wodurch die Gefahr einer unvollstän-           die Zeit der Sprengarbeiten gesperrt, um einer Gefähr-
digen Herstellung des Sprengmaules und damit ein               dung des Straßenverkehrs durch eine mögliche Ab-
„Sitzenbleiben“ der Sprengung mit großer Wahrschein-           lenkung zu begegnen.
lichkeit ausgeschlossen werden konnte.


                                                                                               Gewerbeaufsichtsbericht   69
     Am 10.10.2003, um 13.00 Uhr, erfolgte die Spren-
     gung. Die vier Kessel stürzten planmäßig in die vorge-
     gebene Richtung. Gleichzeitig erfolgte die Messung
     von Erschütterungen an festgelegten Messpunkten in
     der Nähe besonders zu schützender weiter genutzter
     Bauobjekte sowie der Gesamt- und Feinstaubbelas-
     tung. Die Sprengung der einzelnen vier Kessel erfolg-
     te zeitverzögert. Für die Füllung der Profilstützen waren
     1 100 m3 Wasser erforderlich. Die Sprengung der
     174 m langen, 45 m breiten und 80 m hohen Kessel-
     anlage ergab rd. 40 000 t Stahl, welcher nunmehr auf-
     zubereiten ist, bevor im nachfolgenden Schritt mit dem
     Abbruch des Maschinenhauses und Bunkerschwer-
     baues begonnen werden kann.




     Abb. 64:
     zeitverzögerte Sprengung der vier einzelnen Kraftwerksblöcke




70    Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                         Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




                            Dipl.-Ing. Bernd Grundmann
                            Gewerbeaufsichtsamt Dresden



Kontrollaktion zum Umgang mit pyrotechnischen Airbag- und
G u r t s t r a f f e r s y s t e m e n i n K f z - We r k s t ä t t e n i m J a h r 2 0 0 3

In den letzten zehn Jahren nahm die Entwicklung von       Die festgestellten Mängel dokumentieren ein unbefrie-
Airbag- und Gurtstraffereinheiten für den Einsatz in      digendes Sicherheitsbewusstsein, wobei sich eine
Kraftfahrzeugen eine sprunghafte Entwicklung. Waren       Mängelhäufung in Kleinstbetrieben herauskristallisier-
zunächst nur einzelne Fahrzeuge mit einem Fahrerair-      te. Insbesondere das Fehlen klarer betrieblicher Rege-
bag ausgerüstet, sind heute bereits Serienausstat-        lungen und konkreter Unterweisungen erhöht das Un-
tungen mit vier und mehr Airbags Standard. Diese          fallrisiko. Auch das Bagatellisieren der vorgegebenen
Sicherheitssysteme unterliegen infolge der integrierten   Formvorschriften trägt dazu bei, die von diesen Bau-
pyrotechnischen Baugruppen den Bestimmungen               gruppen bei Fehlhandlungen ausgehenden Gefähr-
des Sprengstoffgesetzes (SprengG). Aufgrund der           dungen zu unterschätzen. Außerdem wurde in einigen
Spezifik und des hohen Gefährdungspotenzials dieser       Betrieben ein veralteter Kenntnisstand festgestellt,
Systeme werden weiterhin spezielle Bestimmungen           was besonders durch den letztgenannten Mangel
von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prü-     belegt wird. Seit der Aufnahme einer zusätzlichen
fung (BAM) in deren Zulassungsbescheiden vorgege-         Beschränkung in die Zulassungsbescheide der pyro-
ben.                                                      technischen Baugruppen im Jahr 1998 dürfen Airbags
                                                          nur noch außerhalb von Fahrzeugen gezündet wer-
Ziel der Kontrollaktion war die Ermittlung des Standes    den, wenn der Betrieb über eine Erlaubnis nach § 7
der Umsetzung der sprengstoffrechtlichen Vorschriften     SprengG verfügt und für diese Vernichtungsart ein
zum Umgang mit Airbag- und Gurtstraffereinheiten in       Befähigungsscheininhaber zur Verfügung steht. Beide
Kfz-Werkstätten. In diesem Zusammenhang wurden            Voraussetzungen lagen in keinem Betrieb vor.
durch das Gewerbeaufsichtsamt Dresden 50 Betriebe
unterschiedlichster Größe revidiert.                      Die Abstellung der festgestellten Mängel wurde veran-
                                                          lasst. Weiterhin wurde den revidierten Betrieben ein
Folgende Mängel wurden festgestellt:                      vom Sonderdienst SprengG erarbeitetes Merkblatt mit
· 16 fehlende Anzeigen nach § 14 SprengG                  den wesentlichen Vorschriften zum Umgang über-
· 2 fehlende Nachweise über Lehrgangsbesuche              geben.
· 25 fehlende Betriebsanweisungen
· 25 fehlende Belehrungen                                 Die Ergebnisse zeigen das Erfordernis weiterer zielge-
· 2 fehlende Kennzeichnungen der Lagerräume               richteter Kontrollen zum Abbau bestehender Sicher-
· 2 Verstöße gegen die Vorschriften zur Zusammen-         heitsdefizite. Dies betrifft insbesondere kleine Werk-
   lagerung                                               stätten, welche nicht automatisch in Schulungssys-
· In einem Betrieb waren Airbags unzulässig außer -       teme einbezogen werden.
   halb von Fahrzeugen gezündet worden (in weite-
   ren drei Betrieben wurde diese Vernichtungsart für
   zulässig befunden, auch wenn davon bisher noch
   kein Gebrauch gemacht wurde).




                                                                                          Gewerbeaufsichtsbericht   71
                                  Dipl.-Ing. (FH) Sabine Kosub
                                  Gewerbeaufsichtsamt Leipzig



     7. Beförderung gefährlicher Güter
     Sicherheitsrisiken bei der Beförderung zu entsorgender
     Spraydosen (Druckgaspackungen)

     Beim Entladen eines mit „leeren“ Spraydosen gefüllten       Füllstoffen befüllt waren. Über das Erfordernis des
     Kunststofffasses von einem LKW in einer Recycling-          Einbringens von Füllstoffen in die Kunststofffässer
     anlage im Saarland ereignete sich ein tödlicher Arbeits-    bestanden allerdings zwischen den Unternehmen und
     unfall durch eine Explosion, obwohl es sich bei dem         der Aufsichtsbehörde konträre Auffassungen. Der
     Kunststofffass um einen gefahrgutrechtlich zugelasse-       Verzicht auf die Inertfüllung wurde durch die Entsorger
     nen Abfallsammelbehälter handelte. Der beim Zerbers-        mit dem Vorhandensein von Lüftungseinrichtungen
     ten des Fasses weggeschleuderte Deckel mit Spann-           bzw. Überdruckventilen an den Fässern begründet.
     ring verletzte einen Mitarbeiter so schwer, dass dieser     Seitens des Gewerbeaufsichtsamtes Leipzig ist
     kurz darauf verstarb. Der Inhalt des Fasses bestand         jedoch auf der Erfüllung der GGAV-Forderung bestan-
     aus Druckgaspackungen (UN 1950) und kleinen                 den worden, da diese aus dem Zustand der Druck-
     Gefäßen (UN 2037), die als Abfall-Untergruppen 1.1          gaspackungen (Schutzkappe fehlt oder eingedrückt,
     und 1.2 der Ausnahme 20 „Beförderung verpackter             Spraydose aber noch dicht) resultiert und nicht an die
     gefährlicher Abfälle“ der Gefahrgut-Ausnahmeverord-         Bauart der Fässer gebunden ist. Zudem berichteten
     nung (GGAV) einzustufen waren.                              Mitarbeiter einiger Entsorger, gelegentlich aufgeblähte
     Wenn auch die genauen Ursachen der Explosion letzt-         Fässer vorgefunden zu haben. In einigen Fällen hatte
     endlich nicht ermittelt werden konnten, wird folgendes      sich sogar eine Explosion ereignet, die glücklicher-
     Unfallszenario als wahrscheinlich angesehen: Da das         weise nicht zur Zerstörung des Fasses führte. Bei den
     Kunststofffass nicht entsprechend Ziffer 2.11 der           Kontrollen wurde auch darauf hingewiesen, dass es
     Ausnahme 20 der GGAV mit inerten Stoffen aufgefüllt         nicht zulässig ist, Feuerzeuge mit Piezoelektronik oder
     war, konnten sich die Spraydosen gegeneinander              Reibrad und brennbare Flüssigkeiten in Flaschen oder
     bewegen. Durch diese Bewegungen war es möglich,             Dosen gemeinsam mit Spraydosen zu verpacken,
     dass die Ventile an den Spraydosen geöffnet wurden          weil die Voraussetzungen für eine Explosion (zündfähi-
     und das vorhandene Restgas unkontrolliert ausström-         ges Luft-Gas-Gemisch und Zündquelle) grundsätzlich
     te. Als Zündquelle hätte ein beiliegendes Feuerzeug         nicht auszuschließen sind.
     ausreichend sein können.                                    Nur in wenigen überregional tätigen Entsorgungsunter-
     Unsere Kontrollen, die unmittelbar nach dem Bekannt-        nehmen hatten die Gefahrgutbeauftragten Kenntnis
     werden dieses Ereignisses in den Sammelstellen und          von dem geschilderten Schadensfall und die Mitar-
     Zwischenlagern der Entsorger erfolgten, zeigten, dass       beiter diesbezüglich unterrichtet. Großer Beratungsbe-
     dieser Unfall aufgrund der Nichteinhaltung von Ver-         darf bestand in den weiterhin revidierten Firmen hin-
     packungsvorschriften für die Beförderung gefährlicher       sichtlich der Einhaltung gefahrgutrechtlicher Vorschrif-
     Abfälle auch im Freistaat Sachsen hätte eintreten kön-      ten für die Beförderung gefährlicher Abfälle. Um ähnli-
     nen, da sich in der Regel die Schutzkappen nicht            che Unfälle zu vermeiden, wurde deshalb veranlasst,
     mehr auf den Spraydosen befinden und somit die              dass alle an der Beförderung gefährlicher Güter betei-
     Gefahr besteht, dass Treibgas (Propan/Butan-                ligten Personen über den speziellen Sachverhalt und
     Gemisch) freigesetzt wird.                                  die damit in Zusammenhang stehenden Forderungen
     Für die Verpackung der Spraydosen wurden überwie-           der Ausnahme 20 der GGAV unterwiesen werden.
     gend zugelassene Kunststofffässer mit Lüftungsein-          Zum Inhalt der Unterweisung gehört insbesondere
     richtungen verwendet, die jedoch nicht mit inerten          auch eine Festlegung über die Verfahrensweise zum


72   Gewerbeaufsichtsbericht
                                                                             Te c h n i s c h e r A r b e i t s s c h u t z




Einbringen der Füllstoffe.                                    Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft und
Da beim Empfänger oder Beförderer die Befüllung und           Arbeit hat zwei neue Broschüren zum Thema veröf-
damit die Sicherheit der Verpackung von außen nicht           fentlicht:
augenscheinlich nachprüfbar ist, wurde auf der Grund-
lage des § 4 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) durchge-           Die Broschüren „Transport pyrotechnischer Gegen-
setzt, den Beschäftigten während des Umschlagpro-             stände“ und „Transport gefährlicher Güter in kleinen
zesses als zusätzliche persönliche Schutzausrüstung           Mengen“ entstanden in Zusammenarbeit mit Mitarbei-
Kopf- und Gesichtsschutz zur Verfügung zu stellen.            tern der staatlichen Gewerbeaufsichtsämter. Sie sollen
Weiterhin hielten wir es für erforderlich, neben den          vor allem kleinen und mittleren Unternehmen, sowie
Entsorgungs- und Transportunternehmen auch die                auch Privatpersonen notwendige Informationen zum
Schulungsveranstalter über den Schadensfall und               Thema zur Verfügung stellen. Dieser Personenkreis wird
dessen Ursachen in Kenntnis zu setzen, damit diese            in den Broschüren auf die Möglichkeiten des Transpor-
Informationen in der Aus- und Fortbildung von Gefahr-         tes unter erleichterten Bedingungen (Kleinmengen-
gutbeauftragten sowie bei der Schulung von beauf-             regelung) und auf zwingende gesetzliche Vorschriften
tragten Personen weitergegeben werden können.                 hingewiesen.
Die Ergebnisse unserer Revisionen haben gezeigt,
dass es weiterhin erforderlich ist, regelmäßige Kontrol-
len zur Einhaltung der Verpackungsvorschriften von
Gefahrgut durchzuführen. Da rechtskonforme Verpa-
ckungen Kosten verursachen, besteht die Gefahr,
dass in den Unternehmen Abweichungen von den
Vorschriften aus wirtschaftlichen Gründen geduldet
werden.




Abb. 65:
Abfallsammelbehälter mit Spraydosen, aufgefüllt mit inertem
Füllstoff, Lüftungseinrichtung im Deckel




                                                                                              Gewerbeaufsichtsbericht   73

				
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