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Victorinox - ein vorbildliches F

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Victorinox - ein vorbildliches F Powered By Docstoc
					           «Victorinox» - ein vorbildliches
   Familienunternehmen mit «Schweizer Qualität»
Kürzlich konnte man in der Presse die erfreuliche Mitteilung lesen, dass die weltberühmte,
erfolgreiche und grösste Messerfabrik in Europa, die Schweizer Firma Victorinox, von der
Besitzerfamilie Elsener in eine Unternehmensstiftung umgewandelt wurde. Damit wurde eine solide
Grundlage für bewährte Firmentraditionen und Werte, für eine innovative Weiter-entwicklung der
Firma und für die Sicherung der 1500 Arbeitsplätze im Kanton Schwyz ermöglicht. Victorinox ist der
grösste Arbeitgeber im Kanton und erwirtschaftete 1999 einen Umsatz von 260 Millionen Franken.
Besonders berühmt wurde neben den vielfältigen qualitativ hochstehenden Küchenmessern und
Spezialprodukten vor allem das «Schweizer Offiziersmesser». Dank höchster Qualitätsansprüche,
innovativer Firmenpolitik und wertvoller ethischer Grundüberzeugungen trug die Messerfabrik seit
ihrer Gründung 1884 zu einer positiven weltweiten Ausstrahlung der Schweiz bei. Diese
Unternehmenspolitik ist ein erfreuliches Vorbild in Zeiten der wirtschaftlichen Rezession, aber auch in
unserer Zeit verantwortungsloser Globalisierung, Fusionierung und Auflösung erfolgreicher
Schweizer Firmen.
uk. Mit dem Aufbau des Schweizerischen Bundesstaates vor 150 Jahren wurden mit unglaublichem
Einsatz viele lebenswichtige wirtschaftliche, kulturelle und soziale Institutionen und Firmen gegründet.
Im 19.!Jahrhundert zählte die Schweiz noch zu den ärmsten Ländern Europas. Viele Schweizer
waren wegen Arbeitslosigkeit gezwungen, auszuwandern. In dieser Situation wollte der
Messerschmied Karl Elsener, Sohn eines Hutmachers, Arbeitsplätze schaffen. Weil er aber keinen
Industriebetrieb aufbauen wollte, gründete er den Schweizerischen Messerschmiedverband mit dem
Ziel, die Soldatenmesser für die Armee gemeinsam im Inland herzustellen. 1891 erfolgte die erste
Lieferung an die Schweizer Armee. Gut 25 Messerschmied-Kollegen machten mit, gaben aber schon
nach einem Jahr auf, weil ein industriell eingerichteter Betrieb in Solingen (Deutschland) die Messer
kostengünstiger herstellen konnte. Nur der Initiant Karl Elsener hielt durch, verlor dabei aber sein
ganzes Vermögen. Verwandte halfen in höchster Not, ermöglichten eine Nachlassstundung und
konnten so den Konkurs abwenden. Später, nach dem Erfolg seines «Offiziersmessers», entschädigte
er freiwillig alle Nachlassgläubiger mit Zins und Zinseszinsen. An diesem Beispiel wird deutlich, wieviel
Durchhaltewillen damals notwendig war, um einen Industriebetrieb aufzubauen. Es wird auch deutlich,
dass das mitmenschliche Anliegen der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Beitrag für das
Gemeinwohl entscheidend für einen nachhaltigen Erfolg sind. 1909, nach dem Tod von Karl Elseners
Mutter, wählte der Unternehmer ihren Vornamen Victoria zur Fabrikmarke. Als der 1921 erfundene
rostfreie Stahl auch in Ibach Einzug hielt, wurde für die rostfreien Messer dem Markenname Victoria
noch «Inox» (die internationale Bezeichnung für rostfreien Stahl) angefügt, was durch Verbindung der
zwei Wörter zur heutigen Fabrikmarke «Victorinox» wurde.
                   Erfolg mit «Schweizer Qualität» und «Schweizer Offiziersmesser»
Das ursprüngliche Soldatenmesser war sehr robust, aber auch relativ schwer. Darum entwickelte
Karl Elsener für die Offiziere ein leichteres, sechsteiliges und eleganteres Messer. Es wurde 1897
gesetzlich patentiert und immer wieder verbessert. Obwohl es nicht zum offiziellen «Offiziersmesser»
wurde, setze sich dieses Taschenmesser durch, und die Offiziere kauften sich dieses vielfältig zu
verwendende und praktische Präzisionswerkzeug privat. Viele erinnern sich sicher selbst noch, wie
stolz sie waren, als sie erstmals ein echtes Victorinox-Messer als Geschenk bekamen oder mit
Erspartem kauften.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der grosse Aufschwung mit dem Verkauf des «Swiss Army Knife»
in alle Welt. Immer wieder wurden die Taschenmesser mit neuen Funktionen und
Anwendungsmöglichkeiten auf heute 400 Modelle weiterentwickelt, bis zum fast 50-teiligen
Vielzweck-Taschenmesser mit dem berühmten «Schweizer Kreuz» auf dem roten Handgriff und dem
Victorinox-Qualitäts-Schriftzug. Das «SwissChamp-Multi-Tool-Messer» mit 33 Funktionen wurde zum
Paradepferd der Produktepalette und dank seiner hohen Funktionalität und Qualität sowie seines
Designs international ausgezeichnet. Das Messer besteht aus 64 Einzelteilen, die in 450
Arbeitsstationen zusammengefügt werden. Victorinox-Taschenmesser haben ihren zuverlässigen
Dienst auf Nordpolexpeditionen und in der Raumfahrt unter Beweis gestellt, und sogar im New
Yorker Museum of Modern Art und im Staatlichen Museum für angewandte Kunst in München sind
die Taschenmesser in die Sammlung aufgenommen worden.
                         Regionale Verantwortung und Sicherung der Arbeitsplätze
Neben der vorbildlichen Pionierabeit in der Fabrikation auch bezüglich Umweltschutz, Energie und
Recycling betonen Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Bewohner in der Region Schwyz im Gespräch
immer wieder den «sozialen Geist» des Unternehmens, die mitmenschliche,
verantwortungsbewusste und bescheidene Haltung der Familie Elsener, aber auch ihren hohen
Qualitätsanspruch und ihren Arbeitseinsatz. Im Sinne christlicher Sozialethik bilden bewährte
traditionelle Werte die Grundlage des Unternehmens, sinnvolle und moderne Entwicklungen werden
laufend miteinbezogen. Damit wurde auch ein Vorbild und Modell geschaffen, das überzeugend zeigt,
dass nicht gezwungenermassen alle Zeitgeist-Entwicklungen im Wirtschaftsleben übernommen
werden müssen. Gerade das «Modell Schweiz» zeigt, wie Verantwortung, Freiheit, Eigenständigkeit,
Unabhängigkeit und Demokratie zum Erfolg und zum Vorbild für die Welt werden können. Dieses
hohe Ethos wird auch deutlich, wenn man die Unterlagen der Firma oder das gelungene Buch
«Victorinox!-!Original Schweizer Offiziersmesser»* studiert. Der englische Autor Derek Jackson
erfasst den Zusammenhang von Schweizer Qualitätsprodukten und der Entwicklung schweizerischer
Demokratie, Identität und Weltoffenheit: «Die Schweizer Eidgenossenschaft ist das Ergebnis vieler
Kompromisse und gemeinsamer Interessen der in ihr lebenden Völker. Sie ist eine der wenigen
tatsächlichen multikulturellen Nationen, die es geschafft haben, ein stabiles Staatswesen zu schaffen,
indem man die Unterschiede der deutschen, italienischen und französischen Kultur respektierte und
respektiert.»
Auch die Antworten des 79jährigen Senior-Chef Carl Elsener auf Interview-Fragen verdienen
höchsten Respekt, wenn er seinen Beitrag zur Betriebsführung darstellt: «Unsere Leute nennen mich
gelegentlich Chef. Eigentlich habe ich mir noch nie Gedanken über meine Stellung im Unternehmen
gemacht. Ich fühle mich nicht anders als andere. Und ich glaube, die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter im Betrieb akzeptieren mich auch als einen der ihren.» Carl Elsener betont immer wieder
die Notwendigkeit des «gegenseitigen Vertrauens» für ein gutes Betriebsklima: «Wir leben nach
einem Leitbild, das wir als Ziel, nicht aber als Zustand sehen. Das Leitbild ist stark von unseren
christlichen Grundhaltungen geprägt. Diese gibt uns Rückhalt und erleichtert unsere täglichen
Arbeiten und Entscheidungen.» Auch die Achtung und Dankbarkeit gegenüber seinen Vorfahren
betont Carl Elsener: «Auch heute noch denke ich bei wichtigen Entscheiden, wie diese wohl von
meinem Vater oder Grossvater angegangen worden wären. Dies ist mir ein gewisse Richtlinie.» In
diesen Überzeugungen kommt ein Menschenbild zum Ausdruck, welches der sozialen Natur des
Menschen entspricht, und so ist es nur folgerichtig, wenn immer wieder betont wird, dass die
«Schaffung, Erhaltung und Sicherung der Arbeitsplätze im industriearmen Bezirk Schwyz» im
Zentrum des Engagements der Familie Elsener stehen. Dies ist ein besonders wertvoller Beitrag zu
echter «Schweizer Qualität» im staatsbürgerlichen Verantwortungssinn, die kleinen Regionen zu
stärken, um so Eigenständigkeit und Vielfalt in der Einheit zu schaffen



Quelle: zeit-fragen.ch

				
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