Wissenswertes zum Behringer Bass by pengxiuhui

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									Wissenswertes zum Behringer Bass V-Amp Pro
Als etatmäßiger Gitarrist, habe ich schon seit etlichen Jahren Erfahrung mit zahlreichem
Equipment zur Gitarrenverstärkung. Als ich begann, Homerecording intensiver zu betreiben,
kam der Wunsch auf, Gitarren einfach und in guter Qualität aufzunehmen, ohne den
klassischen Weg zu beschreiten, einen voll aufgerissenen Röhrenamp mittels Mikrofon
aufzunehmen. Die Lösung fand ich in Form des blauen V-Amp Pro (Gitarrenversion), der
mich sowohl klanglich als auch in Punkto Ausstattung und Verarbeitung vollends überzeugt
hat.
Als die ersten Songs reiften, begann mich der sterile Keyboardbass zunehmend zu nerven – es
klang einfach nicht „richtig“. Was lag also näher, als sich einen billigen Bass zu kaufen, und
mein Glück damit zu probieren.
Erste Versuche mit der Gitarrenversion waren viel versprechend und so entschloss ich mich,
ob des geringen Preises von 169 EUR zum Kauf des Bass V-Amp Pro, weil ich in den Genuss
der Bassampsimulationen kommen wollte. Um es kurz zu machen: Ich bin recht begeistert.

Exkurs: Was ist Modelling, für wen ist das das richtige?
Mit Modelling bezeichnet man das „Nachahmen“ analoger Klangerzeuger mit Hilfe der
Digitaltechnik. Meines Wissens war der Guitar-POD vor einigen Jahren das erste Gerät, dass
dieses Konzept umgesetzt hat, im Laufe der Zeit kamen etliche Nachahmer und Nachfolger
auf den Markt, zunehmend auch reine Softwareumsetzungen.
Ziel eines Ampmodelling ist es, verschiedene Verstärkermodelle möglichst originalgetreu zu
simulieren. Dabei soll der Grundklang, aber auch die Response der verwendeten Bauteile
(z.B. Röhren) erhalten bleiben. Kombiniert wird das ganze (wenn man schon mal dabei ist)
mit einem digitalen Multieffektgerät und kann als Sound-Kombi auf einen der Speicherplätze
für Soundpresets abgespeichert werden. Diese Presets lassen sich typischerweise in Libarys
organisieren und mit anderen Anwendern, zum Beispiel über das Internet tauschen.

Modelling eignet sich immer dann, wenn verschiedene Sounds schnell und unaufwändig
bereitgestellt werden müssen. Man geht dabei nach dem „Prinzip 90%“ vor, was besagt, dass
90% Sound bei Null Aufwand immer noch besser ist, als 100% Sound, der aber mit einem so
hohen Aufwand erkauft werden muss, dass das den regelmäßigen Einsatz wirkungsvoll
verhindert.

Einige der nachgeahmten Verstärkermodelle sind neu überhaupt nicht mehr und gebraucht nur
zu horrenden Kosten zu kaufen. Zusätzlich wirft ihr Besitz Platz- und Wartungsprobleme auf,
die für die Mehrzahl der Nutzer nicht tragbar sind.

Nicht jeder Homerecorder hat die Möglichkeit, laut, einen mikrofonierten Amp einzuspielen.

Top-40-Musiker schätzen die „Good enough Quality“ der zur Verfügung stehenden Sounds
und sparen sich das Schleppen des sauschweren konventionellen Equipments gerne.

Wer sollte die Finger vom Amp-Modelling lassen? Soundtüftler, denen das letzte Quentchen
Sound den geschilderten Aufwand wert ist, Live-Musiker, die sicher gehen wollen, dass sie
sich auf der Bühne auch hören können und nicht zuletzt Musiker, die „den einen“,
unverwechselbaren Sound eines der emulierten Edel-Amps suchen, denn diese werden dem
Original immer den Vorzug geben.

Mit Modelling-Amps, insbesondere mit den Kleinen mit Kopfhöreranschluss, macht das Üben
gleich viel mehr Spaß – man hat zahlreiche authentische Sounds im direkten Zugriff.
Die V-Amp-Modellfamilie
Die Produkte, die auf der V-Amp-Modelling-Engine aufsetzen, sind mittlerweile recht
vielseitig. Vom Nierentischförmigen Ur-V-Amp, über den Nachfolger V-Amp2, den
professionellen V-Amp Pro bis hin zu der Kombinationen aus V-Amp und Gitarrenverstärker,
dem V-Ampire, ist alles zu haben.




Fotos: Behringer




Eine Sonderrolle nimmt der X V-AMP ein, eine Mischung aus Ur-V-Amp und Fuß- bzw.
Expressionpedal.
Zusätzlich zur blauen Gitarrenversion liegen die Produkte V-Amp 2 und V-Amp-Bass auch in
einer silbergrauen Bassversion vor, die in der Pro-Version der Folge genauer beschrieben
werden soll.

Alle Modelle haben ihre Daseinsberechtigung, die meist auf der Hand liegt. Der Livemusiker
wird mit dem V-Ampire-Vollverstärker seine Freude haben, der Homerecorder wohl am
ehesten mit der 19-Zoll-Rackversion des V-Amp Pro.

Der Bass V-Amp PRO
Der V-Amp PRO Bass kommt wie die schon bekannte Gitarrenversion im stabilen
Metallgehäuse. Verarbeitung und Dokumentation sind gut. Die Installation gestaltet sich
intuitiv - bereits nach fünf Minuten spielt man los, als hätte es nie was anderes gegeben.




Foto: Behringer


Die Modelle V-Amp 2, Bass V-Amp 2, V-Amp Pro und Bass V-Amp Pro sowie die V-
Ampire-Modelle bieten 32 virtuelle Verstärker, 23 Lautsprechersimulationen und 16 digitale
Effekte organisiert in 125 Presets. Reichlich.

Presets
Vielseitig wenn auch zum Teil etwas Effektüberladen, eine erste Einschätzung zu den
Werkspresets: brauchbar. Sie vermitteln einen guten Eindruck von den Möglichkeiten des
Geräts.
Angeblich haben die Bassisten Alphonso Johnson, Ken Taylor und Hellmut Hattler die
Presets beigesteuert – vermutlich handelt es sich aber eher um Endoserment-Deals mit den
genannten Herren, was es Behringer erlaubt, mit guten Namen zu werben.

Emulierte Verstärker
Der Bass-V-Amp ist der vielseitigste V-Amp bislang, emuliert er neben allerlei klassischen
Bassverstärkern auch eine Reihe von Amps anderer Instrument. Die Amps im Einzelnen:

Emulierte Bassamp-Modelle
AMPEG B-15
AMPEG SVT CLASSIC
AMPEG SVT II PRO
BASS V-AMP ULTIMATE BOTTOM END
BEHRINGER THUNDERBIRD BX108
EDEN TRAVELLER WT-300
FENDER BASSMAN HEAD +2X15"
GALLIEN KRUEGER 800RB
MARSHALL MAJOR
MARSHALL SUPER BASS
MESA BASS400+
OUTBOARD TUBE PREAMP
POLYTONE A101
SWR RED HEAD
TRACE ELLIOT GP12
VOX AC100

Emulierte Gitarrenamp-Modelle
JOSE ARRENDONDO MARSHALL MOD.
MARSHALL JCM 800
MESA DUAL RECTIFIER COMBO
SOLDANO SLO
V-AMP CRUNCH
V-AMP EXCESSIVE HI-GAIN
V-AMP HI-GAIN MEETS BOOGIE MKIII
VOX AC30

Akkustik-Gitarren-Sounds
MAGNETIC PICKUP CORRECTION
MICROPHONE SIMULATION
PIEZO PICKUP CORRECTION
PIEZO PICKUP SIMULATION

Keyboardamp-Modelle
FENDER TWIN REVERB
LESLIE 770
MARSHALL PLEXI 100
ROLAND JAZZ CHORUS JC120
Quelle: Behringer
Speaker-Simulationen
Die „ULTRA-G“ genannte Speaker-Simulation stammt von Sounddesigner Jürgen Rath. Je
emuliertem Verstärker ist eine passende Lautsprechersimulation fest zugeordnet. Die genaue
Zuordnung kann der Simulationen zu den einzelnen Verstärkern kann der
Bedienungsanleitung entnommen werden, die online verfügbar ist.

AMPEG 4 X 10"
AMPEG B15 1 X 15" CLOSED BACK COMBO
AMPEG SVT 18E, 1 X 18"
AMPEG SVT 8 X 10"
FENDER 1 X 8" VINTAGE TWEED
FENDER 2 X 12" TWIN COMBO
FENDER BASSMAN 2 X 15" JBLS
GALLIEN KRUEGER B120
LESLIE 760 CABINET, 1 X 15" + HF-DRIVER
MARSHALL 1960 4 X 12" OFF AXIS
MARSHALL 1960 4 X 12" STD
MARSHALL 1960 4 X 12" with VINTAGE 30S
MARSHALL 4 X 12" BASS CABINET
MESA 2 X 15"
POLYTONE A101 1 X 15" CLOSED BACK COMBO
SUNN COLISEUM 1 X 18" + 1 X 12"
SWR 1 X 18"
SWR GOLIATH 4 X 10"
TRACE ELLIOT 4 X 10"
V-AMP 1X 12" MID
V-AMP CUSTOM 2 X 12"
V-AMP CUSTOM 4 X 12"
VOX AC100 2 X 15"

Bedienungsanleitungen online abrufbar
Als einer der wenigen Hersteller bietet Behringer die Manuals fast aller seiner Produkte in
vielen Sprachen zum kostenlosen Download als Acrobat-PDF an. Dies ist ein dicker
Pluspunkt, kann man doch die Spezifikationen eines bestimmten Produkts VOR dem Kauf
unaufwändig recherchieren.
So sei bei Informationsbedarf bei speziellen technischen Details auf diese ausgezeichnete
Bedienungsanleitung verwiesen.

Sound ab
Was für mich bereits bei der Gitarrenversion ein Lustgewinn stiftendes Vorgehen war: das
simple Durchprobieren der Presets. Das klingt alles beeindruckend gut. Bei einigen Sounds
bleibt man hängen und spielt mehrere Minuten vor sich hin, bevor man einmal weiter schaltet.
Einige „Favorites“ bleiben nach dem ersten Durchprobieren schon hängen:

Einer der emulierten Amps ist der Eden Traveler WT-300. Dieser Sound tönt recht "HiFi-
mäßig". Aber auch anderen Simulationen ist durch gezielten Einsatz der Klangregelung
durchaus modernes Tönen beizubringen. Schön.

Trace Eliot-Sound verbirgt sich hinter der Bezeichnung: "British 80s" - da muss man erstmal
drauf kommen. Aber auch der ist gut getroffen.
Grundsätzlich ist man schier erschlagen von den vielen Kombinationen und kann nach einiger
Zeit schon gar nicht mehr so recht sagen, was man sucht – zu viele gute Sounds in
unterschiedlicher Richtung bietet das Teil. Der Fairnis halber sei nicht verschwiegen, dass ich
Gitarrist bin, und kaum einen der emulierten Amps bislang live gespielt habe, aber aus
meinen Abhörboxen tönt das für meine Ohren durchaus authentisch – ziemlich ähnlich zu den
geliebten Bass-Sounds auf Platte.

Plötzlich hat man Mark King im Ohr und versucht sich eine zeitlang im Slappen, dann geht’s
Richtung Jack Bruce oder Stanley Clarke – damit mich niemand falsch versteht: Spielen muss
man schon selber und nein, ich will mich nicht mit den vorgenannten Göttern vergleichen ;-)

Doch doch, die Sims klingen gut. Meine Favoriten bislang: "Gold-Panel" (Eden Traveler),
"Jazz Tone" (Polytone A101) und "Bottom End" (eigentlich kein Amp sondern ein
Tiefbasspreset - eindrucksvoll). Der Mittenanteil der Presets lässt sich gut dosieren. Die
Klangregelung lässt einen guten Bearbeitungsspielraum zu. Ich denke, ein
durchsetzungsfähiger Bass sollte sich damit aufs Band zaubern lassen.

Der V-Amp bietet auch Effekte, wie z.B. Kompressor, Phaser, Flanger, Chorus, WahWah,
Delay,... Man ist erstmal erschlagen und neigt dazu, zuviel zu machen.
Homerecorder werden wohl eher ohne Effekte aufnehmen, um hinterher noch flexibel zu sein.
Für diese bietet der V-Amp einen „Studio“-Modus. Dabei (nur einer von vielen durchdachten
Möglichkeiten wie Bi-Amping, DI-Betrieb o.ä.) wird ein Kanal „dry“, also ohne Effekt, der
andere „wet“, also mit Effekt ausgegeben. Man kann nun, das unbearbeitete Signal
aufnehmen, aber schon mit dem „Feeling“ eines effektbeladenen Signals einspielen.

Bereits beim Durchprobieren der Presets beginnt man, an den Reglern zu drehen. Hier mal ein
wenig mehr Effekt, hier mal an der Klangregelung gedreht – ein wenig mehr Gain? Voilà. So
begreift man spielerisch das Gerät, das einen schnell fasziniert. Dabei „riecht“ einfach nichts
nach Computertechnik und das ist auch sehr gut so.

V-Amp.com und andere Quellen
Behringer selbst betreibt das Portal V-Amp.com, dass ursprünglich zum Austausch von
Sounds der Community gedacht war. Leider tut sich dort jedoch nicht gerade viel. Auch
bezüglich Infos und Austausch mit anderen Usern ist’s Essig. Mehr bietet die
(englischsprachige) Yahoo-V-Amp-Gruppe.

Diese erreicht man unter:

http://launch.groups.yahoo.com/group/V-AMP/

Leider erfordert das ein recht aufwändiges Anmeldeprozedere. Man wird aber mit einem
reichhaltigen Forum, FAQs, Sound-Downloads etc. belohnt.

Editorsoftware
Kostenlos zum Download gibt es die Editorsoftware „V-Amp-Design“. Diese unterstützt alle
bislang erscheinenen Modelle mit ihren speziellen Eigenschaften. Zum Einsatz müssen Midi-
In und Midi-Out des PCs mit dem V-Amp verbunden werden. Dann hat man Zugriff auf alle
Parameter, kann Sounds in Libarys organisieren, Backups seiner Sounds durchführen oder
Sounds, die man im Internet gefunden hat zum Gerät übertragen. Die Software liegt derzeit in
der Version 2.1 vor und läuft stabil.
Quelle: Behringer




Ein erstes Fazit
Meine erste Einschätzung, nach ein paar Tagen Nutzung: Feines Gerät, dass meinen
Erwartungen entspricht und für den Preis schier unglaublich ist - 169 EURO kostet die Pro-
Version im Moment. Mit all ihren (Routing-) Möglichkeiten wird es zu Recht als "Schweizer
Taschenmesser" bezeichnet. Mit Einschränkungen ersetzt es zahlreiche andere Geräte und
Tools:

- Digitales Multieffektgerät
- DI-Box
- A/D-Wandler
- Speaker-Simulator für den Einsatz beliebiger Vorstufen
- Bassvorstufe
- Übungsamp
- Chromatisches Stimmgerät
- Accoustikgitarrenpreamp
- ...

Erwähne ich eigentlich den Digital-Ausgang? Ihr seht schon, es ist fast nicht möglich, dass
Gerät in allen Facetten angemessen zu beschreiben. Auch wenn es viele Funktionen bietet, die
Bedienung geht leicht von der Hand - keine langen Parameterlisten, sondern einfach Endlos-
Drehregler, eindeutig beschriftet. Trotzdem sollte man das informative Handbuch mal
durcharbeiten, sonst entgeht einem das eine oder andere sinnvolle Detail.
Für recordende Multi-Instrumentalisten eignet sich die Bass-Version sogar noch etwas besser
als die Gitarrenversion. Es werden außer Bässen nämlich auch noch typische Sounds anderer
Instrumente emuliert (so auch einige Gitarrenamps). Als „hauptamtlicher“ Gitarrist bin ich
trotzdem froh, zusätzlich auch noch die Gitarrenversion zu besitzen. Die hat dreimal so viele
Gitarrenverstärkertypen im Zugriff, als die Bassversion unter anderem meinen Favoriten, den
Black Twin.


Have fun,
megalomaniac

11.3.2005

								
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