Radio Treatment Theologische Radios Seite Moderator In Es gibt Fragen

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12/12/2008
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Radio-Treatment Theologische Radios Seite 1 Moderator/In: Es gibt Fragen, die werden nicht gestellt, weil sie quasi Selbstverständliches betreffen. Wenn man sie aber stellt, bemerkt man unvermutet, dass das alles gar nicht so klar ist, wie man vielleicht geglaubt hat. Eine solche Frage wirft ein neues Buch des Verlages Kösel/München auf: „Was ist katholisch?“ fragt der Autor, Valentino Hribernig-Körber; er ist heute bei uns zu einem Gespräch zu Gast. Herr Dr. Hribernig-Körber: „Was ist katholisch?“. Naja, was ist katholisch? Die Frage geht ja zunächst einmal in zwei Richtungen. Die essentielle Frage nach dem wesentlich Katholischen des Katholizismus, wie sie Karl Adam gestellt hat, mit mehr oder weniger apologetischer Stoßrichtung ... Die Sie so aber nicht gestellt haben, Ihnen geht es ja um etwas anderes ... Nein, mir geht es tatsächlich um etwas anderes. Wissen Sie, ich komme aus der katholischen Erwachsenenbildung, wo es mir im Grund immer um eine Art „Religionsunterricht für Erwachsene“ geht. Jetzt im Sinne davon, dass Sie keine fachtheologischen Spezialfragen stellen? Ja, also ich spreche nicht über die Einflüsse der Evangelien auf die südindischen Weisheitslehrer im 4. Jahrhundert, wenn Sie verstehen was ich meine. Da gibt es auch Berufenere. Ich setze dort an, wo die Menschen mit ihrem Wissen über ihre Religion konkret stehen: und, wenn ich das so unverblümt sagen darf: das ist meistens das Stand, auf dem sie am Ende ihrer Schulzeit stehen geblieben sind. Danach gibt es ja genau genommen nichts Institutionalisiertes mehr, wenn einer nicht auf die Universität geht oder so. Aber die Fragen der Menschen sind doch mit ihrem Schulabgang andere als in den Jahrzehnten danach? Das ist es ja gerade. Die Vierzigjährigen haben Fragen, und ihre Antworten stammen bestenfalls aus ihrer Teenager-Zeit. Da passt doch vieles nicht zusammen. Die Konsequenz ist die Erfahrung einer Entfremdung, weil die überkommene Glaubenswelt wird nicht tragfähig erfahren, und dann kommen noch die Kinder mit ihren Fragen, und anstelle des Glaubens wird diese Entfremdung weitergegeben. Seite 1 von 3 Autor: Moderator/In: Autor: Moderator/In: Autor: Moderator/In: Autor: Interview Textmanuskript Radio-Treatment Theologische Radios Seite 2 Moderator/In: Damit kritisieren Sie aber auch die kirchliche Verkündigung. Wird hier zu wenig auf die Vermittlung des Basiswissens legt? Ist der Zugang über das Wissen heute ein wenig in Misskredit geraten? Naja, ich komme bei meinen Vorträgen mit den verschiedensten Leuten ins Gespräch, da landet man unglaublich oft an einen Punkt, wo es nicht am mangelnden Glauben, sondern am mangelnden GlaubensWissen hakt. Das ist ein Aspekt, der wirklich viel zu sehr unterbelichtet ist. Dabei ist es relativ einfach: was nötig ist, ist vor allem ein Mut zur Schlichtheit. Sie müssen die Sprache aus den Höhen – wenn es auf gut christlich gedacht überhaupt Höhen sind – der Theologie in die Begrifflichkeit der Menschen herunterschrauben. Wie ist das aber mit der kritischen Auseinandersetzung, mit den Problemen, die gerade die katholische Kirche bei uns ohne Zweifel hat. Die sogenannten heißen Eisen, die den gesellschaftlichen Diskurs dominieren, die bringen Sie in ihrem Buch ja nicht zur Sprache. Können Sie das einfach ausblenden, wenn Sie auf die Menschen eingehen wollen? Ja, die kritische Auseinandersetzung, das ist so eine Sache. Ecclesia semper reformanda, das ist ganz klar! Aber es kann nicht der Ausgangspunkt der Beschäftigung mit der Kirche sein, sich kritisch auseinanderzusetzen. Das ist ja ein Widerspruch in sich. Ich muss etwas ja erst einmal kennen, um es kritisieren oder verbessern zu können. Da wird heute vieles als kritisch geäußert, was in Wahrheit nur destruktiv ist. Ausgehen muss ich von einer soliden Basis, einem Wissen auch um die Dinge – da ist ja vieles auf den zweiten Blick ungemein plausibel, schlüssig. Und nur von einer solchen Basis kann ich dann auch eine kritische Auseinandersetzung unternehmen. Sie haben Ihr Buch aber nicht ausdrücklich auf Kirchen-Insider zugeschnitten? Das hat ja auch Professor Zulehner in seinem Vorwort herausgearbeitet. Nein, keineswegs. Danke für die Frage, falls jetzt dieser Eindruck entstanden ist. Wissen Sie, genau betrachtet ist der Unterschied zwischen den Insidern und den sogenannten Fernstehenden in dieser Hinsicht auch gar nicht so groß. Die einen wollen ihre Beheimatung in der Kirche vielleicht besser auf den Begriff, in die Sprache bringen; die anderen wollen verstehen, womit sie im Alltag an religiösen Äußerungen konfrontiert werden, was ihr Interesse erweckt. Beide haken bei dem ein, was von der Kirche sichtbar wird: ... Autor: Moderator/In: Autor: Moderator/In: Autor: Interview Textmanuskript Seite 2 von 3 Radio-Treatment Theologische Radios Seite 3 ...bei den Sakramenten, bei Kirchenbauten, bei kirchlichen Feiertagen und so weiter. Ich will jetzt nicht das ganze Inhaltsverzeichnis meines Buches aufzählen. Ein bisschen habe ich mir beim Lesen Ihres Buches auch gedacht: Sie sind ja kein Religionslehrer, aber ich könnte mir vorstellen, dass ihr Buch vielleicht auch etwas für den Religionsunterricht ist. Das könnte ältere Schüler schon ansprechen. Ja, durchaus, hoffe ich zumindest. Ich meine, es ist zwar kein Schulbuch, aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass man etwa zur Vorbereitung der Matura oder für eine Gruppenarbeit mit ausgewählten Kapiteln sehr gut arbeiten kann. Da ist auch viel von der Erfahrungen meiner Frau eingeflossen, die ja vom Fach ist. Was würden Sie sich als Kommentar wünschen von jemandem, der Ihr Buch gelesen hat? Hm, da ist wahrscheinlich auch zu unterscheiden: bei einem Kircheninsider , dass er hinterher sagt: Jetzt verstehe ich das oder jenes besser, ich kann zum Beispiel die Messe besser mitfeiern mit den Informationen, die ich jetzt habe, oder so. Und der weniger Nahestehende: naja, der sollte zumindest nachvollziehen können, was sein katholischer Bekannte, sein Arbeitskollege tatsächlich am katholischen Glauben findet. Vielleicht kann er ja sogar sagen: Ich finde es echt gut und wichtig, dass es dieses katholische Element in unserer Kultur gibt. Das wäre doch schon sehr viel, oder? „Was ist katholisch?“ ist im Kösel-Verlag erschienen und kostet in Deutschland 19.95 Euro (in Österreich 20,60 Euro / in der Schweiz 38,60 SFr). Vielen Dank nach Wien. Moderator/In: Autor: Moderator/In: Autor: Moderator/In: Autor: Ich danke. ______________________________________________________________ Autorenname pronouncing: Hardfacts: Valentino Hribernig-Körber (sprich: Rieh-bär-nick) „Was ist katholisch?“, Valentino Hribernig-Körber, Kösel-Verlag München, 256 Seiten, 250 Farbfotos, ISBN 978-3-466-36790-0. EUR 19,95 (D), SFR 38,60 (CH) und 20,60 (A) Interview Textmanuskript Seite 3 von 3

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