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Erfahrungsbericht zum LL M Studium in Christchurch Neuseeland Das LL

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12/11/2008
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Erfahrungsbericht zum LL.M.-Studium in Christchurch, Neuseeland 1. Das LL.M.-Studium in Neuseeland 1.1 Der Aufbau des Studiums 1.2 Die Anforderungen an einen LL.M.-Studenten aus Deutschland 1.3 Getting started 1.4 Die Themenwahl 1.5 Der Zeitrahmen für das Studium 1.6 Das neuseeländische Recht 1.7 Die Ressourcen an der Universität 1.8 Das Lehrpersonal 1.9 Praktika Die Vorbereitung des LL.M.-Studiums 2.1 Zeitrahmen für die Vorbereitung 2.2 Visum 2.3 Krankenversicherung 2.4 Flug 2.5 Reisegepäck 2.6 Einführende rechtliche Materialien als Vorbereitung Die Finanzierung des LL.M.-Studiums 3.1 Studiengebühren 3.2 Kosten der Wohnung 3.3 Lebensmittel 3.4 Bankkonto, Reiseschecks, Kreditkarten 3.5 Stipendium 3.6 Budget Unterkunft und Verpflegung Leben in Christchurch 5.1 Christchurch als Stadt 5.2 Studentenleben 5.3 Studentenclubs Natur und Ausflüge Sicherheit und Vandalismus LL.M. in Christchurch lohnt sich! 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. Nach meiner Ersten Juristischen Staatsprüfung und der Promotion entschied ich mich, im Jahr 2006 für zehn Monate an die University of Canterbury in Christchurch, Neuseeland, zu gehen, um dort einen LL.M.-Studiengang zu besuchen. Dieser Bericht über meine Erfahrungen dort soll nachfolgenden Studenten, die sich ebenfalls Gedanken über einen LL.M. machen, eine Hilfe sein, einen Überblick über Vorbereitung und Durchführung eines solchen Studiums zu bekommen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie mühsam Internet-Recherchen (vor allem auf englischsprachigen Websites) sein können, und wie hilfreich eine Zusammenfassung ist. 1. Das LL.M.-Studium in Christchurch 1.1 Der Aufbau des Studiums An der University of Canterbury in Christchurch gibt es mehrere Programme für postgraduierte Juristen: zum einen das normale LL.M.-Studium, zum anderen den so genannten ILAP (einen LL.M. in ‚International Law and Politics’). Der ILAP ist nicht nur bei Jurastudenten beliebt, sondern auch bei Studenten anderer Fachrichtungen, etwa Politologen. Ich absolvierte von Februar bis Dezember 2006 das normale LL.M.Studium. Die Law School der University of Canterbury ist eines der schönsten Gebäude auf dem (ansonsten recht grauen) Campus. Der normale LL.M. ist in Christchurch wiederum unterteilt: Erstens gibt es den besonders beliebten ‚LL.M. by Research Papers and Dissertation’, für den ich mich entschieden habe. Zweitens besteht die Möglichkeit des ‚LL.M. by Thesis’. Christchurch hat also nicht einen ‚LL.M. by Coursework’ oder ähnliches, obwohl Kursarbeit durchaus Gegenstand der Bewertung sein kann (dazu sogleich). Der LL.M. by Research Papers and Dissertation sieht folgendermaßen aus: Man muss drei verschiedene Fächer (subjects) wählen, das heißt drei Kurse. Diese Kurse sind Vorlesungen, die sowohl von Undergraduate Students als auch von Postgraduate Students besucht werden können und die von unterschiedlicher Größe sind. Es gibt folgende Optionen: a) In jedem der Kurse schreibt man zwei Research Papers à 10.000 Wörter (das sind ungefähr dreißig DIN A 4-Seiten mit anderthalbfachem Zeilenabstand ohne Rand), also insgesamt sechs Papers. Diese Option wird häufig gerade ausländischen Studenten empfohlen, weil man für die Papers genügend Zeit hat und sich alles genau überlegen kann, wohingegen es für Ausländer natürlich ein „Sprung ins kalte Wasser“ ist, gleich Klausuren mitzuschreiben. Außerdem ist der Vorteil, dass man mit den Research Papers sehr flexibel ist (etwa wie bei einer Doktorarbeit in Deutschland), sich die Zeit selbst einteilen kann und die Kurse nicht zwingend besuchen muss. Der Nachteil ist, dass relativ viele Themen selbstständig herausgesucht werden müssen. Insgesamt schreibt man etwa 180 Seiten (was sich nach mehr anhört als es ist). b) Man schreibt nur in zwei der drei Kurse zwei Research Papers à 10.000 Wörter und dafür im dritten Fach eine dissertation à 20.000 bis 25.000 Wörter. Diese Lösung hat den Charme, dass man sich ein Thema weniger suchen muss und dafür bei der dissertation mehr ins Detail gehen kann. c) Man kann auch in einem oder zwei Kursen eines der Research Papers dadurch ersetzen, dass man die Anforderungen des jeweiligen Kurses erfüllt. Diese sind unterschiedlich: In kleineren Vorlesungen herrscht Seminarcharakter, hier sind häufig kleinere Essays zu schreiben und ein Vortrag zu halten. Hier herrscht auch häufig eine Anwesenheitspflicht. In größeren und juristisch grundlegenden Vorlesungen gibt es meist ein Essay und eine Abschlussklausur. Im dritten Kurs muss man dann eine dissertation schreiben. Insgesamt schreibt man also nur drei bis vier Papers. Auch diese Variante ist beliebt, weil sie nicht so viel Schreibarbeit bereitet. Außerdem kommt man mit neuseeländischen Jura-Studenten in Kontakt, was nicht selbstverständlich ist (fast keiner der LL.M.-Studenten meines Kurses war Nicht-Deutscher). Die Varianten können nachgelesen werden in der Broschüre für Postgraduates, siehe . Empfehlung: Die Variante, nur Papers zu schreiben, hat sich für mich als vorteilhaft herausgestellt. Die Papers fallen bei ausländischen Studenten häufig besser aus als Klausuren, vielfach springt ein „A“ (Höchstnote) heraus. Zudem hat man keinen Lernstress, sondern kann kontinuierlich arbeiten. Dies ist besonders von Vorteil, wenn man das Land etwas erkunden und Die Law Library: Hier vielleicht einmal eine Woche kann man sich Bücher Urlaub machen möchte. Wer den bis zu 60 Tage Kontakt zu den neuseeländischen ausleihen. Studenten schätzt, kann auch Kursarbeit und Paper kombinieren – bei war das möglich bei einem Mini-Paper, das ich in Gruppenarbeit zu erstellen hatte. Weil der LL.M. in Christchurch ein fast durchweg mit deutschen Studenten besetztes Programm ist, ist ein solcher Kontakt gerade wichtig (an manchen Tagen spricht man sonst fast nur deutsch!). Eine gute Mischung ist sicher sinnvoll. Übrigens: Wechsel der Kurse sind relativ unproblematisch möglich. Zwar gibt es eine Deadline, nach der laut Uni nicht mehr kostenfrei gewechselt werden kann. Allerdings benutzt man ja meist keinerlei Ressourcen bevor ein Kurs losgegangen ist, so dass man keine Kosten verursacht. Wer also noch im zweiten Halbjahr einen anderen Kurs besuchen möchte als ursprünglich geplant, sollte dies ruhig probieren und im Büro der Law School nachfragen. Der LL.M. by Thesis besteht nur aus einem einzigen Paper. Dieses muss dann ca. 60.000 bis 70.000 Wörter lang sein. Das Gute an dieser Variante des LL.M. ist, dass man evtl. eine Doktorarbeit mit der Thesis verbinden kann. Außerdem ist man sehr flexibel, muss weniger Themen suchen. Man hat allerdings auch weniger Chancen, eine nicht so gute Note wieder auszugleichen. 1.2 Die Anforderungen an einen LL.M.-Studenten aus Deutschland Die Voraussetzungen für ein LL.M.-Studium in Christchurch sind die Examensnote und ein Sprachtest (etwa TOEFL oder IELTS). Die Anforderungen der Law School an ein deutsches Examen liegen unterhalb des ‚Vollbefriedigend’, ein ‚Befriedigend’ genügt in der Regel. Die Arbeitsweise eines LL.M.-Studenten ist sehr selbstständig, worauf die Dozenten auch immer wieder Wert legen. Gerade wer nur Research Paper schreibt, kann sich den Tag frei einteilen. Man hat also alle Freiheiten, benötigt allerdings auch ein wenig Disziplin. Vor allem wird Wert darauf gelegt, dass man nicht ungekennzeichnet von anderen abschreibt (plagiarism), was zur Versagung des LL.M.-Titels führen kann. Häufig hört man, dass man schon einigermaßen gut Englisch sprechen müsste, um ein LL.M.Studium erfolgreich absolvieren zu können. Dies kann ich nicht unbedingt bestätigen. Natürlich helfen gute Englisch-Vorkenntnisse, aber es gab in meinem Jahrgang auch Studenten, die nichts weiter als Schulenglisch mitbrachten und zunächst einen gehörigen Akzent hatten. Auch solche Kandidaten schaffen das Studium aber in aller Regel. Also: Wer TOEFL-Test oder ähnliches gut bestanden hat, sollte sich nicht allzu große Sorgen machen. Auch die neuseeländischen Studierenden nehmen einen meist wohlwollend auf. Häufiger hörte man sogar den Kommentar, dass das Englisch der deutschen Studenten besser sei als das der neuseeländischen. Die Benotung durch die Dozenten ist zumeist nicht superhart (Ausnahmen bestätigen die Regel!). Was vorkommen kann, ist, dass ein Dozent es mit den Papers genau nimmt und häufiger Nachbesserungen will. Davon gab es in meinem Jahrgang einige Fälle. Auch wenn das meist ärgerlich ist, sollte man nicht in Panik geraten. Da die Endnote für den LL.M. nicht auf der Abschluss-Urkunde steht, sinkt der Druck, eine erstklassige Note bekommen zu müssen. Die University of Canterbury bietet Hilfen für ausländische Studenten an. Zum Beispiel gibt es Kurz-Seminare über das Schreiben eines Research Papers, die Grammatik, das Inhaltsverzeichnis und so weiter. Die Kurz-Seminare habe ich persönlich nicht als wirklich hilfreich empfunden, weil die meisten Dinge tatsächlich selbstverständlich sind („Welche Dinge schreibe ich mir während einer Vorlesung mit?“). Was ich dagegen empfehlen kann, ist das so genannte ‚Proof Reading’, welches der Universitätsdienst WASS anbietet. Hier kann man einmal in der Woche für eine Stunde einen Teil seines Geschriebenen zusammen mit einem Korrektor durchgehen und verbessern. Mir hat dies sehr geholfen, weil ich auf meine eigenen Fehler hingewiesen wurde und diese Erkenntnisse dann im folgenden verwerten konnte. 1.3 Getting started Wenn man in Christchurch angekommen ist, hat man als LL.M.-Student erst einmal ein paar Tage, um alle möglichen Dinge zu organisieren und sich ein bisschen einzugewöhnen. Es besteht kein Grund zur Hektik. In der ersten Woche gibt es meist eine Informationsveranstaltung für die neuen LL.M.-Studenten, die auch die Gelegenheit gibt, ein paar Dozenten kennen zu lernen. Außerdem findet das ‚Enrolment’ statt, also die Einschreibeprozedur. Diese war zumindest in meinem Jahrgang ziemlich ärgerlich, weil sie über acht Stunden gedauert hat und umständlicher nicht hätte sein können (man jage 2000 Studenten einen Tag lang durch ein Gebäude, um dort in etwa 20 Computerräumen von anderen Studenten jeweils einen Treffpunkt der Jurastudenten: Schritt eines komplizierten Cafeteria in der Law School Computerprogramms eingeben zu lassen). Es kann aber gut sein, dass sich das ganze mittlerweile gebessert hat. Mit dem Enrolment bekommt man auch seine Canterbury Card, die einem Zugangs- und Ausleihberechtigung für alle möglichen Einrichtungen verschafft. Bei der Law School hat man damit rund um die Uhr Zugang. In der Woche darauf beginnen meist die Vorlesungen. Wer Course work mitmachen möchte (s. oben zu den verschiedenen Möglichkeiten), sollte diese unbedingt besuchen. Ansonsten kann man sie sich aber auch interessehalber anhören. Zunächst ist es wichtig, seine Kurse zu wählen und ein Formblatt vom entsprechenden Professor abzeichnen zu lassen. Dabei lernt man schon mal seine Dozenten kennen. Die Kurse muss man bereits beim Enrolment angeben, kann sie aber für eine bestimmte Zeit danach noch kostenlos ändern. Dann kann man sich an die Themenfindung machen und das Thema mit dem Dozenten besprechen. 1.4 Die Themenwahl Bei den Research Papers, welche den Hauptteil des wissenschaftlich ausgerichteten LL.M. ausmachen, gilt: Die Themen müssen selbst recherchiert werden. Dies bereitet vielen am Anfang etwas Unbehagen, weil sie sich einer fremden Rechtsordnung eines fremden Rechtskreises (common law) gegenüber sehen, und vieles neu ist. Allerdings finden sich die meisten dann auch schnell zurecht. Eine gute Möglichkeit ist, sich relativ neue Themen Neue aus Zeitschriften Zeitschriften herauszusuchen. Da die in der meisten Zeitschriften Bibliothek: englischer oder Gute amerikanischer Herkunft Möglichkeit sind, die Rechtssysteme zur Themendieser Länder aber häufig recherche vergleichbar sind, bietet es sich an, diese aktuellen Themen auf das neuseeländische Recht zu übertragen. Es macht nämlich auch wesentlich mehr Spaß, über aktuelle Dinge zu schreiben. Natürlich können auch ältere Themen aus Lehrbüchern gefunden werden. Viele deutsche Studenten wählen ein rechtsvergleichendes Thema. Dies ist meines Erachtens nicht unbedingt zu empfehlen, weil es in der Law School der Universität nicht viel deutsches Material gibt (keine Kommentare, keine Zeitschriften, nur ein paar Monographien). Jedes Thema muss mit dem sog. Supervisor, also dem jeweiligen betreuenden Dozenten, zunächst abgesprochen werden. Hilfreich ist dafür eine outline, also eine kurze Inhaltsangabe von 1-2 Seiten, für die es generell keine besonderen Formvorschriften gibt. Es ist nicht unbedingt notwendig, dass man als LL.M.-Kandidat bereits Vorkenntnisse von den Themen hat, über die man schreiben will. Bei mir war es so, dass ich ein Thema (Intellectual Property Law) ganz neu kennen gelernt habe. Meist sind die Themen für die Research Paper so speziell, dass man nicht einen Überblick über das ganze Rechtsgebiet braucht. Allerdings können Vorkenntnisse natürlich nicht schaden, dadurch kann man Themen besser finden und kann unter Umständen rechtsvergleichend schreiben. 1.5 Der Zeitrahmen für das Studium Ein LL.M.-Studium in Christchurch ist in zwei Semestern zu schaffen. Das bedeutet, wenn man im Februar anfängt, kann man davon ausgehen, Ende November wieder nach Hause fahren zu können. Wenn man im Juli anfängt, dauert das Studium etwa bis April (dies ist evtl. anders, wenn man im zweiten Halbjahr Kursarbeit mitmachen muss: Wenn Anwesenheitspflicht besteht, muss man evtl. bis Juni bleiben). Dieser Zeitrahmen gilt ungeachtet der Tatsache, dass die Universität die Dauer des LL.M.-Studiums stets mit einem Jahr angibt. Insgesamt muss man im normalen LL.M.-Studium ca. 60.000 bis 65.000 Wörter schreiben. Das sind etwa 180 DIN A4-Seiten auf englisch. Das hört sich zwar zunächst nach viel an. Wenn man allerdings davon ausgeht, dass man an einem Tag etwa 500 Wörter schreiben kann, also etwas über eine Seite, dann benötigt man für die Gesamtwortzahl gerade einmal ein halbes Jahr. Wer die Wochenenden nicht durcharbeitet, kann also gut in einem dreiviertel Jahr fertig sein. Gute Zeitplanung ist eine Voraussetzung, um am Ende nicht zu überziehen. Man ist allerdings meist relativ flexibel (besonders wenn man nur Research Paper bzw. eine dissertation schreibt), kann also auch früher wieder fahren und noch einen Teil zu Hause in Deutschland schreiben oder ähnliches. Manche Studenten meines Jahrgangs haben sich auch ein volles Jahr oder sogar zwei Jahre für das Studium Zeit gelassen. Zwei Jahre sind meines Erachtens schon etwas lang, denn so hoch sind die Arbeitsanforderungen nicht. Andererseits hat man dadurch die Möglichkeit, Neuseeland kennen zu lernen oder nebenbei zu arbeiten. Eine andere Variante ist es, sich ein Jahr für den LL.M. Zeit zu lassen und dann im zweiten Jahr einen Solicitor-Abschluss in Neuseeland zu machen. Im Februar in Christchurch das Studium zu beginnen hat den Vorteil, dass man nicht eine lange Sommerpause bei den Kursen hat. Andererseits erlebt man dann in der Regel drei Winter nacheinander (die deutschen Winter eingeschlossen). Zudem bietet der Sommer in Neuseeland viele Gelegenheiten für Aktivitäten, so dass viele auch im Juli das Studium beginnen und dann im neuseeländischen Sommer Urlaub machen. 1.6 Das neuseeländische Recht Eine kleine Anmerkung zum neuseeländischen Recht: Es gab hier wohl kaum einen unter den deutschen LL.M.-Studenten, der mit dem common law des englischsprachigen Rechtskreises übermäßig sympathisierte (obwohl es durchaus interessant sein kann). Die meisten sehnten sich schon nach wenigen Wochen nach dem geordneten, auf Gesetzen basierenden deutschen Rechtssystem mit anständiger Kommentarliteratur zurück. Dieser Eindruck ist verständlich. Das englische Rechtssystem, dem das neuseeländische stark ähnelt, basiert vor allem auf Fallrecht, ergänzt durch Gesetzesrecht. Allein schon diese Zweiteiligkeit ist verwirrend, weil sie einschließt, dass auch Richter geltendes Recht setzen können. Für ein Rechtsproblem kann es vorangehende Fälle geben, die evtl. bindend sind (binding precedent), manchmal aber auch nur Auslegungshilfe sind (so jetzt auch englische Fälle). Oft muss man eine ganze Reihe von solchen Entscheidungen durchgehen, um eine rechtliche Lösung präsentieren zu können (was in Deutschland durch einen einfachen Blick ins Gesetz möglich wäre). Hinzu kommt, dass die Entscheidungen häufig lang und verwirrend sind: Bei höchstrichterlichen Entscheidungen geben meist mehrere Richter ihre eigene Einschätzung zum besten, die durchaus in Kontrast zu den anderen Meinungen stehen kann. Dieses System muss man nicht für sinnvoll halten, weil Altfälle natürlich auch meist nie genau zu einem neuen rechtlichen Problem passen, sondern nur sinngemäß angewendet werden können. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Großbritannien doch ein wenig Glück hat, dass ein Teil ihres Rechts jetzt durch das kontinental-europäische Recht reformiert wird! In Neuseeland muss man sich allerdings durch das traditionelle common law kämpfen, was einem gerade am Anfang gewisse Probleme bereiten kann. 1.7 Die Ressourcen an der Universität Die University of Canterbury hat mehrere Bibliotheken und eine ganze Reihe von elektronischen Ressourcen, die für das Studium und das Anfertigen von Research Papers förderlich sein können. Die Law Library ist allerdings vergleichsweise winzig, enthält nur ca. 25.000 Bücher. Leider sind diese Bücher nicht immer gut ausgewählt: So gibt es zwar deutsche Einer der zahlreichen Computerräume der Universität (in der Law School). Damit ist die Uni wirklich gut ausgestattet. Dissertationen über spezielle Themen, nicht aber eine neuere Ausgabe des ‚Palandt’ oder sonstige Kommentare. Hier sind andere neuseeländische Bibliotheken sicherlich besser ausgestattet. Zwar kann man sich auch in relativ kurzer Zeit ein Buch aus einer anderen neuseeländischen Bibliothek bestellen, allerdings ist die Ausleihfrist ziemlich kurz bemessen (in der Regel drei Wochen, kann aber verlängert werden). Ungewohnt für einen deutschen Studenten ist die Vielzahl juristischer Databases wie Westlaw oder LexisNexis. Allein sieben Databases sind von der Website der Universität zugänglich. Die Databases gleichen den Buchmangel für die LL.M.-Studenten wieder ein wenig aus, weil viele Ressourcen mittlerweile online erhältlich sind. Am Anfang des Studiums bietet die Law Library einführende Kurse für die unterschiedlichen Databases an. Diese Kurse geben einen guten Einstieg: Ich würde aber davon abraten, zu viele davon zu machen, da die Databases meist relativ ähnlich sind und man sie sich schnell selbst beibringen kann. Die Universität ist computertechnisch gut ausgerüstet, es gibt viele Computerräume. Die LL.M.Studenten haben eigene Räume und Schreibtische in der Law School, die einen Internet-Zugang für Laptops bieten. Notwendig ist dafür eine entsprechende Ethernet-Karte. Allerdings kann man für Internetrecherchen auch einen der zahlreichen Computerräume benutzen. Kritik: Trotz aller elektronischen Unterstützung musste ich während meiner Paper manchmal ein wenig improvisieren. Das Buchmaterial in manchen Bereichen ist spärlich, und InternetRecherchen per Suchbegriff über Datenbanken wie Westlaw können sich oft hinziehen. Wer die Quellenarmut vermeiden will, der sollte die größeren Universitäten (Auckland oder Wellington) wählen. Andererseits gibt es auch Themenbereiche wie etwa das Arbeitsrecht, so es viel Fallmaterial online und auch mehr Bücher gibt. Positiv fällt die Beratung durch die Bibliothekare auf, die sich stets große Mühe geben weiterzuhelfen. Kritisch anzumerken bleibt zudem, dass trotz der großen Internet-Lastigkeit der Recherche der Zugang zum Netz nicht kostenlos ist. Das bedeutete, dass man regelmäßig seine Canterbury Card aufladen musste, um recherchieren zu können (bei mir war es etwa 1 NZ-Dollar am Tag). Ist das Konto auf der Karte einmal überzogen, musste man erst Geld aufladen und dann etwa eine halbe Stunde warten, am Wochenende ging dies gar nicht. 1.8 Das Lehrpersonal Wer deutsche Professoren gewöhnt ist, ist meist von den neuseeländischen Lehrenden positiv überrascht. Viele Professoren an der Law School fahren eine ‚Open Door’ Policy, das heißt man kann jederzeit an die Tür klopfen und ihnen Fragen stellen. Die meisten Professoren beraten dann auch sehr adäquat und geben Hilfe. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich auf diese Weise in ein fremdes Rechtssystem einfindet. Lehrpersonal in Christchurch: Die Professoren agieren als „Supervisor“ für die Research Paper. Kritisch anzumerken bleibt, dass zumindest der „normale“ LL.M.-Kurs nicht zentral betreut wird. Zwar steht man mit den einzelnen Professoren in Kontakt, aber es gibt keine regelmäßigen Treffen und keine allgemeine Einführung in das fremde Rechtssystem und in die „Kunst“, ein Research Paper zu schreiben. Dies empfand ich als verbesserungsbedürftig. Im Programm „International Law & Politics“ (ILAP) ist eine bessere Betreuung gegeben. 1.9 Praktika Der LL.M. in Christchurch sieht m.W. kein integriertes Praktikum vor. Natürlich kann man sich aber zum Beispiel bei einer neuseeländischen Anwaltskanzlei für ein solches internship bewerben. Christchurch ist jedoch nicht unbedingt das beste Pflaster dafür. Die meisten großen Law firms sitzen in Wellington oder Auckland, also auf der Nordinsel. Der LL.M. dort ist deshalb für ein Praktikum vorteilhafter. 2. Die Vorbereitung des LL.M.-Studiums 2.1 Zeitrahmen für die Vorbereitung Der Bewerbungsprozess bei der University of Canterbury ist sehr kurzfristig. Man kann sich zwar noch relativ spät für das LL.M.-Studium bewerben, die Uni empfiehlt aber, dies zwei bis drei Monate vorher zu erledigen. Nach der Bewerbung bekommt man zunächst ein Angebot der Universität, das man dann annehmen kann. Später schickt die Universtität dann genauere Unterlagen zu. Viele Dinge sind zeitlich einzuplanen, etwa Visum, Unterkunft, Stipendium oder Flug (genauere Informationen unter den einzelnen Punkten). Gerade wer sich für ein Stipendium bewerben will, sollte sich ausreichend Vorlaufzeit lassen. Beispielsweise ist die Deadline für ein Stipendium des DAAD Ende März des Vorjahres. Andere Stipendiengeber benötigen noch mehr Vorlaufzeit. Auch bei den Flügen sollte man nicht zu spät kommen. Ich buchte meinen Flug, der im Februar ging, im August des Vorjahres und hatte keine Probleme. Ein halbes Jahr Vorlaufzeit ist dafür aber sich sinnvoll. Insgesamt ist ein Jahr Vorlaufzeit sinnvoll, aber es geht natürlich auch schneller, gerade wenn man kein Stipendium möchte. 2.2 Visum Für das LL.M.-Studium in Neuseeland benötigt man ein Studentenvisum, das man bei der neuseeländischen Botschaft in Deutschland für 110 Euro (keine Kreditkarte, nur Schecks) bekommt. Zunächst muss dafür der Reisepass noch ausreichend lange gültig sein, und zwar bis drei Monate nach der geplanten An alles gedacht? Rückreise nach Deutschland. Die Visum, Flug und Visumsvergabe geht vorbildlich schnell: Unterkunft nicht zu Bei mir dauerte der Vorgang nur etwa spät buchen! eine Woche. Möglich ist auch, zunächst ohne Visum einzureisen und dann ein Visum beim Immigration Office in Wellington zu beantragen. Davon rate ich allerdings ab, da man dann Schwierigkeiten mit der Einschreibung an der Universität bekommen kann, was wiederum dazu führen kann, dass es nicht möglich ist, bestimmte Dienste an der Uni in zu Anspruch nehmen. Das Studentenvisum berechtigt dazu, 20 Stunden pro Woche in Neuseeland zu arbeiten. 2.3 Krankenversicherung Eine Krankenversicherung ist Pflicht für das Studium an der University of Canterbury. Ohne diese kann man sich nicht als Student einschreiben. Die Universität bietet eine eigene Versicherung an, Marsh Studentsafe. Diese ist nicht übermäßig teuer, die Gebühren für ein Jahr betrugen in 2006 etwa 450 NZD. Es gibt auch andere neuseeländische Anbieter, die ebenfalls Studenten-Pakete anbieten. Wer eine andere Krankenversicherung bereits in Deutschland abschließen möchte (wie ich!), sollte dies mit Vorsicht tun: Die neuseeländischen Behörden akzeptieren nur Krankenversicherungen, die besondere Voraussetzungen erfüllen. Diese können im Internet abgerufen werden, und zwar unter http://www.minedu.govt.nz/web/downloadable/dl6803_v1/final-guidelines-4web.pdf. Da diese Voraussetzungen relativ eng sind, ist der Einfachheit halber zu empfehlen, Marsh Studentsafe zu wählen. Ich hatte eine deutsche Krankenversicherung, die ich dann wieder kündigen musste, weil sie die Voraussetzungen knapp verfehlte. 2.4 Flug Es ist zu empfehlen, den Flug etwa ein halbes Jahr im Voraus zu buchen. Es gibt Flüge über die Westroute (USA) und die Ostroute (Asien). Beide sind von der Dauer vergleichbar, allerdings kostet die Ostroute weniger. Ich habe via Ostroute einen Hin- und Rückflug für etwa 1.100 Euro inklusive Steuern via bei STA Travel bekommen. Günstige Flüge können allerdings schnell ausgebucht sein. Möglich ist auch, einen Flug nach Auckland zu buchen und dann von dort einen Inlandsflug (etwa 80 NZ-Dollar) nach Christchurch zu nehmen. Dies sollte man allerdings meines Erachtens nur tun, wenn man dabei erheblich Geld sparen kann, denn nach ca. 30 Stunden auf Flughäfen und in Flugzeugen hat man das starke Bedürfnis endlich anzukommen! Ohnehin ist der Flug eine Belastung. Ich rate deshalb auch von Stop-Overs ab, die manche Fluglinien anbieten. Auf dem Hinflug hatte ich einen kostenlosen Aufenthalt von einer Nacht in Dubai inklusive Hotel. Zwar gibt dies die Möglichkeit, Städte kennen zu lernen, andererseits verlängert sich die Reisezeit erheblich. Ich kam erst nach etwa sechzig Stunden in Christchurch an und muss sagen, dass sich dafür der Stop-Over nicht wirklich gelohnt hat. 2.5 Reisegepäck Das Gewicht des Reisegepäcks hängt von dem gebuchten Flug ab. Auf der Westroute darf man meist 2 x 32 Kilogramm mitnehmen, was komfortabel ist. Auf der Ostroute muss sich der Reisende mit 20 Kilogramm Gepäck begnügen, was nach meiner Erfahrung gerade eben so ausreicht. Wenig Probleme gab es allerdings beim Handgepäck: Dies wurde auf meinem Flug nie gewogen und ich hätte auch mehrere Gepäckstücke mit an Bord nehmen können. Die Auswahl der Kleidung ist natürlich gerade bei wenig Gepäck ein Problem. Wer im Winter in Christchurch den LL.M. macht, sollte sich genügend warme Kleidung mitnehmen. Zwar ist der Winter in Neuseeland milder als der europäische (selten unterhalb des Gefrierpunktes, oft auch oberhalb der 10-Grad-Grenze), aber viele Häuser haben keine Zentralheizung, sind schlecht isoliert und deshalb ausgekühlt. Wer als Backpacker das Land kennen lernen will, kann viele Dinge auch vor Ort erwerben, etwa einen großen Rucksack. Es gibt zahlreiche Tramping and Mountaineering Stores, die zum Teil auch günstige Preise haben und ‚Sale’-Verkäufe anbieten. Einige Tipps für das Gepäck: a) Deutsche Jura-Bücher: Abzuraten, weil sehr schwer und meist ohnehin nicht von besonders großem Nutzen (es sei denn, es wäre ein sinnvoller Kleinkommentar für ein rechtsvergleichendes Thema). b) Deutsch-Englisch-Dictionaries: Sicher zu empfehlen, allerdings nicht unerlässlich, zumal sie meist viel wiegen. Es gibt Online-Wörterbücher wie LEO. Spezial-JuraDictionaries wie von Alpmann Schmidt sind deshalb auch wenig sinnvoll. c) Anzug für Männer: Eher wenig Gelegenheit ihn zu tragen. Ausnahme bei Praktika in Kanzleien oder bei bestimmten Anlässen (Bälle etc.). d) Warme Kleidung: Sinnvoll sind zum Beispiel Jacken, die ein Inlay aus Fleece haben, welches man bei höheren Temperaturen herausnehmen kann. Man sollte ohnehin Schichten tragen, weil die Temperaturen hier oft wechseln. e) Internationaler Führerschein: Braucht man nicht, es reicht der deutsche Führerschein. f) Laptops: Sicherlich sinnvoll, gerade weil der LL.M. in Christchurch sehr schreiblastig ist. Allerdings stellt die Uni auch Speicherplatz für die LL.M.-Studenten bereit, so dass man auch am Computer schreiben kann. Wer lieber von zuhause arbeitet, sollte einen Laptop mitführen. 2.6 Einführende rechtliche Materialien als Vorbereitung Da man als deutscher LL.M.-Student zumeist noch nicht mit dem common law des Einführende englischsprachigen Rechtskreises zu tun hatte, ist Materialien eine kleine Einführung in das Rechtssystem gar für das nicht schlecht. Um unnötigen Recherchen LL.M.vorzubeugen: In Deutschland gibt es auf dem Studium Buchmarkt keine deutschsprachige Einführung in das neuseeländische Recht. Dies ist allerdings auch nicht nötig, da sich das neuseeländische Recht sehr stark an das englische Recht anlehnt, um nicht zu sagen: eine Kopie davon ist. Als deutschsprachige Einführung ins englische Recht kann ich Christoph Graf von Bernstorff, Einführung in das englische Recht, C.H. Beck Verlag, 3. Aufl., 2006, ISBN 3-406-53499-6, empfehlen, die sehr aktuell und angenehm kurz gehalten ist und sich gut lesen lässt. Wer eine kurze englischsprachige Einführung in das neuseeländische Recht sucht, sollte auf Richard Scragg, New Zealand’s Legal System, Oxford University Press, 2005, ISBN 019558422-8, zurückgreifen. Diese ist leicht geschrieben und nur ca. 150 Seiten stark. 3. Die Finanzierung des LL.M.-Studiums 3.1 Studiengebühren Das LL.M.-Studium in Neuseeland ist eines der günstigsten weltweit. Jedenfalls für Deutsche, da es ein Regierungsabkommen zwischen der Bundesrepublik und Neuseeland gibt, wonach deutsche Studenten nur die domestic fees, also die einheimischen Studiengebühren, bezahlen müssen. Die Studiengebühren für ein LL.M.-Studium in Christchurch betrugen im Jahr 2006 NZD 3963. 3.2 Kosten der Wohnung Die Kosten für eine Wohnung in Christchurch liegen deutlich unterhalb der deutschen Preise. Wer „flattet“, also eine Wohnung bzw. ein WG-Zimmer in Christchurch nimmt, bezahlt oft nur 60 bis 100 NZ-Dollar pro Woche, also etwa 120 bis 200 Euro pro Monat. Außerdem kann man in eines der Studentenwohnheime ziehen, die ebenfalls zum Teil gute Preise anbieten. Ich wohnte im Ilam Village, das ca. 130 NZ-Dollar pro Woche verlangt. Der Vorteil an diesem Studentenwohnheim ist, dass es im Winter sehr gut beheizt ist, was man in Christchurch von wenigen Wohnungen sagen kann. Wer in Ilam Village wohnen möchte, sollte sich aber für eins der neuen Flats bewerben, da diese mehr Platz bieten und komfortabler sind. Die alten Flats bieten allerdings ebenfalls einen relativ guten Standard. Einen guten Überblick über die Studentenwohnheime an der Universität bietet die UniHomepage. Man gelangt dorthin, indem man auf ‚Prospective Students’ und dann auf ‚Accomodation’ klickt. 3.3 Lebensmittel Die Kosten für Lebensmittel dürften etwas über den deutschen Preisen liegen, zumal Neuseeland eine Insel ist und vieles importieren muss. Außerdem gibt es bislang keine BilligSupermärkte wie ALDI. Bestimmte Dinge stechen heraus, wie etwa im Winter die Preise für Gemüse (z. B. 11 Dollar für ein Kilo Paprika). Hier einige Preise: a) 1 Tafel Schokolade (250 g): 3 NZD. b) 1 Bier in der Kneipe: 4,50 bis 7 NZD. c) 1 Liter Milch: 1,85 NZD. d) 1 Liter Benzin: 1,76 NZD (Benzinpreise sind auch in Neuseeland gestiegen!) e) 1 x im guten Restaurant essen: 20 bis 35 NZD. f) 6 Brötchen: üblicherweise 3 NZD. Tomaten bei einem der günstigeren Supermärkte: Da vieles importiert wird, sind die Preise oft höher als in Deutschland. 3.4 Bankkonto, Reiseschecks, Kreditkarten Eine gute Möglichkeit ist es, als international student ein Konto bei einer neuseeländischen Bank zu eröffnen und sich einen Geldbetrag aus Deutschland überweisen zu lassen. Zwar fällt eine Überweisungsgebühr an, dafür hat man aber das Geld vor Ort verfügbar und bekommt eine Kreditkarte einer neuseeländischen Bank. Mit einer solchen Kreditkarte kann man am bargeldlosen Zahlungsverkehr (EFTPOS) in Neuseeland teilnehmen und sich sogar im Supermarkt Bargeld auszahlen lassen. Vorteil ist auch, dass sogar Restaurants und Supermärkte diese Karten akzeptieren. Zwischen den neuseeländischen Banken herrscht ein relativ starker Wettbewerb um die Studenten, deshalb kosten Studenten-Konten meistens nichts. Viele Banken geben einem sogar noch Bonusgeschenke, wenn man ein Konto bei ihnen eröffnet (zum Beispiel vergab die National Bank of New Zealand in 2006 einen MP3-Player). Möglich ist es auch, Reiseschecks mitzunehmen, die bei Verlust ersetzt werden. Dies würde ich jedoch nur für den Beginn des Neuseeland-Aufenthalts empfehlen. Ein Vorteil von auf Euro ausgestellte Reiseschecks kann sein, dass man einen günstigeren Umrechnungskurs abwarten kann, um sie dann in NZD einzulösen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, eine deutsche Kreditkarte (Maestro, VISA) in Neuseeland einzusetzen. Dies habe ich manchmal in Anspruch genommen, zum Beispiel bei Bestellungen im Internet. 3.5 Stipendium Stipendien gibt es bei zahlreichen Institutionen. Auch das Institut Ranke-Heinemann vergibt ein Stipendium, ersetzt die Studiengebühren für ein Semester (ca. 1.000 Euro). Wer sich um ein Stipendium bewerben möchte, sollte dies rechtzeitig tun, da manche Stipendiengeber nur einmal im Jahr ein Auswahlgespräch haben. Beim DAAD zum Beispiel findet dieses meist im Mai statt. Bei manchen Institutionen muss man sich bis zu zwei Jahre vorher bewerben. Hier zwei Tipps: a) Stipendien beim DAAD: Der Deutsche Akademische Auslandsdienst vergibt eine große Anzahl an Stipendien für die unterschiedlichsten Länder. Bewerbungsschluss ist Ende März. Der DAAD lädt die Bewerber zum Auswahlgespräch. Bei Juristen liegt die Messlatte meines Erachtens relativ hoch. Unter einem „Gut“ im Ersten Staatsexamen haben es Bewerber nach meinen Erfahrungen nicht leicht, ein Stipendium zu bekommen. Was den DAAD nicht davon abhält, sie zum Auswahlgespräch nach Bonn zu bitten. Die Stipendienhöhe beträgt ca. 1.000 Euro im Monat. b) Rotarier: Die Rotarier vergeben nur noch zum Teil Stipendien an Postgraduierte. Dann allerdings auch in Höhe von 25.000 Euro pro Jahr. Stipendiaten müssen gelegentlich Vorträge in Rotarier-Clubs vor Ort halten. Nachteil ist, dass manche der Rotarier-„Kreise“ angeben, keine Postgraduierten zu fördern, andere dagegen schon. 3.6 Budget Wer ein LL.M.-Studium in Christchurch plant, sollte mindestens ca. 8.000 Euro einplanen. Etwa 1.000 Euro kostet der Flug mindestens. Dazu kommen Studiengebühren von etwa 2.000 Euro, eine Krankenversicherung von etwa 225 Euro, Verwaltungsgebühren von ca. 70 Euro, ein Visum von 110 Euro. Die Unterkunft kostet ca. 2.600 Euro für das Jahr (Studentenwohnheim Ilam Village). Lebenshaltungskosten sind je nach Anspruch unterschiedlich; ich würde jedoch von (aller-) mindestens 50 Euro in Das Geld mit den durchsichtigen Stellen: Der NZ-Dollar kostet etwa einen halben Euro. der Woche ausgehen, die zusätzlich zur Unterkunft anfallen. Dies sind bei etwa 40 Wochen für das Studium 2.000 Euro. Wer zusätzlich Urlaub machen möchte (Nordinsel, Australien und so weiter) oder einen aufwändigeren Lebensstil pflegen möchte, muss dementsprechend mehr Geld einplanen. 4. Unterkunft und Verpflegung Die Studentenwohnheime liegen sehr nah am Campus, meist geht man nur fünf Minuten bis zur Law School. Ich kann die Wohnheime sehr empfehlen, weil man dort oft besser die Möglichkeit hat, mit anderen Studenten in Kontakt zu kommen. In Ilam Village zum Beispiel (wo viele der LL.M.-Studenten wohnen) gibt es kleine Flats mit sechs Mitbewohnern, häufig aus unterschiedlichen Ländern. Man hat also gleich am Anfang Kontakt und ist nicht so isoliert. Zudem gibt es in den Studentenwohnheimen regelmäßig Veranstaltungen, auf denen man Leute kennen lernen kann (zum Beispiel Kino-Abende, Rugby-Spiele, Quiz Nights). Übrigens: Für Ilam Village muss man sich vor dem 1. Dezember anmelden, wenn man im ersten Semester des Folgejahres anfängt zu studieren. Es gibt Studentenwohnheime, die ‚self catered’ sind, also keine Verpflegung bereit stellen, und solche, die das tun. Ein Vorteil bei den Wohnheimen mit Selbstverpflegung ist, dass man nicht so abhängig von Essenszeiten usw. ist, sondern sich alles selbst einteilen kann. Supermärkte gibt es in ein bis zwei Kilometer Umkreis (auf dem Campus gibt es nur kleine Läden). Zur Verpflegung: Auf dem Campus in Christchurch gibt es eine Art Mensa, aber die Qualität ist nicht besonders gut. Es gibt aber günstige Restaurants, zum Beispiel einen Inder auf dem Campus, bei dem man für 7 NZDollar ein leckeres Mittagessen bekommt. Die Studentenwohnheime haben übrigens den weiteren Vorteil, dass sie schnell zu erreichen sind und man dort dann für sich selbst kochen kann. Studentenwohnheim Ilam Village: Hier wohnen viele internationale Studenten. 5. Leben in Christchurch 5.1 Christchurch als Stadt Christchurch ist eine Stadt von ca. 300.000 Einwohnern, die allerdings dafür relativ großflächig ist. Dies mag daran liegen, dass viele Häuser Einzelhäuser sind und eher in die „Breite“ als in die „Höhe“ gebaut wird. Die Stadt liegt etwa 2 Stunden von den neuseeländischen Alpen entfernt, die für jeden Wanderer eine wunderbare Erfahrung sind. Das Klima ist meist mild, im Winter herrschen in der Regel Temperaturen von -2 bis 5 Grad, tagsüber sind es meist 4 bis 15 Grad. Es regnet wenig, vor allem der Sommer ist relativ trocken. Die Stadt ist weniger windig als Wellington, häufig herrscht auch absolute Windstille. Christchurch hat eine Anzahl von Attraktionen zu bieten, und auch das Umland ist empfehlenswert. Wer gerne draußen etwas unternimmt, dem kann ich einen Spaziergang über die Port Hills empfehlen, die einen wunderschönen Blick auf die Stadt geben. Auch der botanische Garten ist im Sommer einen Ausflug wert. Daneben hat Christchurch viele kleine Parks und Restaurants. Interessante Stationen zum Einstieg sind insbesondere das Art Centre und die Cathedral Square, die das Zentrum der Stadt bildet. 5.2 Studentenleben Für Studenten gibt es ebenfalls eine ganze Menge in Christchurch zu erleben. An der Uni finden viele kulturelle Veranstaltungen und Partys statt. Bereits am Donnerstagabend gibt es im UCSAGebäude (Studentenorganisation) die Gelegenheit, tanzen zu gehen. Der „Strip“ in Christchurch ist vergleichbar mit einem Kiez. Die Innenstadt hat viele Clubs und Kneipen. Vom Campus aus ist alles gut erreichbar, es fahren mehrere Busse in die City. Auch für Sport gibt es viele Gelegenheiten. Die nahen Berge laden zum Skifahren oder Snowboarding ein. Eine Jahreskarte beim Fitness-Center der Uni (Recreation Centre) ist für 80 NZ-Dollar zu haben. Last but not least gibt es in Christchurch viele große Rasenflächen, auf denen man ein nettes Fußballmatch eröffnen kann. 5.3 Studentenclubs Eine besonders attraktive und für deutsche Studenten ungewohnte Möglichkeit ist es, einem der vielen Studenten-Clubs beizutreten. Diese Clubs gibt es für viele unterschiedliche Aktivitäten, zum Beispiel Ski + Snowboarding, Rudern, Spieleabende, Kunst, Essen und so weiter. Viele der Fakultäten haben ihren eigenen Club, wie etwa die Law School mit ihrer „LawSoc“. Die Clubs bieten viele Veranstaltungen während des Jahres an, organisieren zum Beispiel Bälle oder Ausfahrten. Sie präsentieren sich am Anfang jedes Semesters beim „Clubs Day“. Den meisten Clubs kann man für wenig Geld beitreten und bekommt dann gute Deals für alle möglichen Sachen. Tipp: Neuseeland ist berühmt für seine Natur und seine Landschaft, die schon in Filmen wie „Herr der Ringe“ oder „Narnia“ zu sehen ist. Wer diese erkunden möchte, ist beim „Canterbury University Tramping Club“ an der richtigen Adresse. Hier kann man für 20 NZD beitreten und jedes Wochenende für etwa 5-25 NZDollar mit anderen Studenten Wander- und Bergsteigetrips unternehmen, die von erfahrenen Führern geleitet werden. Für mich war das eine tolle Gelegenheit, die Natur Neuseelands kennen zu lernen. Spaß hatte ich auch im so genannten „Wine Club“, der alle zwei bis vier Wochen ein „Wine Tasting“ anbietet, bei dem man neuseeländische und andere Weine verkostet. Daneben gibt es interessante Clubs wie zum Beispiel die „CurrySoc“ Die Cathedral Square, das Zentrum von Christchurch: Im Sommer zieht die Stadt viele Tausende Backpacker an. (Indisch essen), die es sich lohnt, einmal kennen zu lernen. Manche Clubs bieten dagegen nicht wirklich viel an, außer zwei bis drei Veranstaltungen im Jahr, die man auch als Nicht-Mitglied besuchen kann. Hier bekommt man für die Beitrittsgebühr meist nur ein T-Shirt. Solchen Clubs beizutreten fand ich persönlich nicht so sinnvoll. 6. Natur und Ausflüge Die Natur Neuseelands ist einzigartig – kein Wunder bei einem Land, das nur 4 Millionen Menschen beherbergt (1 Million auf der Südinsel), dafür aber 40 Millionen Schafe! Viele Trips ins Landesinnere bieten sich während des Studienaufenthaltes an. In Neuseeland findet man alles, und das auf engem Raum: Wild-romantische Berglandschaften, sanfte Täler, reißende Flüsse, Das Land des “Herrn der Ringe”: Die Natur der Südinsel ist eine Reise wert! Hier ein Blick von Mount Peel, einem kleineren Berg der neuseeländischen Alpen. Wen es aus der Stadt hinauszieht, kann zahlreichen Clubs beitreten, die Aktivitäten anbieten. Kajak-Routen, unberührtes Regenland, vulkanische Quellen, weite Weinberge, zerklüftete Küsten, riesige Gletscher, Ski-Resorts und hohe Kletterfelsen. Genug Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten also. Von den zahlreichen Angeboten kann man sicherlich nur einige hervorheben, zumal natürlich auch die Nordinsel viele Attraktionen hat (besonders das TongaririCrossing im Herzen der Insel). Hier als Einstieg einige Tipps für die Südinsel (von den Dingen die ich gemacht habe): a) Der Abel Tasman National Park im Norden der Südinsel bietet sich zum Wandern und vor allem zum Kajak-Fahren an. Er hat tolle Küsten mit türkisblauem Wasser! b) Nur anderthalb Autostunden von Christchurch entfernt befindet sich Arthur’s Pass: Hier gibt es eine große Vielzahl von Wander- und Bergsteigmöglichkeiten, von Daytrips bis zu Mehrtagestouren. c) Das Fjordland im Süden der Südinsel ist eine der absoluten Touristenattraktionen, vor allem der Milford Track und der Routeburn Track sind weltberühmt. Es bietet sich an, diese Touren im Herbst oder Frühling zu machen, weil die Strecken ansonsten mit Touristen überfüllt sind. Im Fjordland gibt es auch fast unberührte Täler. Einziger Nachteil: Es regnet dort unglaublich viel! d) Mount Cook und die Gletscher an der Westküste sollte man sich einmal ansehen, das sind beeindruckende Naturschauspiele. Den Berg sollte man allerdings nicht ohne fremde Hilfe besteigen, er ist sehr viel technischer und schwieriger zu besteigen als man denkt. Mein Favorit war der Copland Track mit seinen ‚Welcome Flats’ in der Nähe des Mount Cook (natürliche heiße Quellen!). e) Wer nicht so weit fahren möchte und ein wenig wandern will, der sollte sich die Banks Peninsula etwas südlich von Christchurch ansehen. Hier kann man Delfinen zukucken und kleine Täler erkunden! 7. Sicherheit und Vandalismus Noch ein Wort zur Sicherheit: Ohne zu große Verunsicherung verbreiten zu wollen – man sollte in Christchurch auf seine Sachen aufpassen! In unserem Studentenwohnheim Ilam Village gab es mehrere Diebstähle, vor allem in den Erdgeschossen. Zum Teil waren die Studenten nur kurz aus dem Zimmer gegangen, und die Eingangstür war nicht verschlossen. Die Hausordnung sieht deshalb bereits vor, stets alle Türen abzuschließen. Ich rate davon ab, große Bargeldbeträge zuhause aufzubewahren oder sehr wertvolle Gegenstände mitzuführen. Außerdem habe ich während meines zehnmonatigen Aufenthalts in der Stadt einiges an Vandalismus gesehen. Ich habe zum Beispiel ein neues Fahrrad gekauft, das dann in der Innenstadt in einer – noch nicht einmal besonders ruhigen – Einkaufsstraße stark beschädigt wurde. Der Alkoholkonsum der Jugendlichen ist vor allem an Donnerstag- bzw. Samstagabenden häufig erheblich, und die Hemmschwelle, Dinge zu zerstören, sinkt. Tipp: Persönliche Gegenstände (auch Autos!) nicht auf belebten Straßen stehen lassen, sondern wenigstens hinter dem Haus „parken“. Obwohl die Gegend um den Campus nicht danach aussieht – während meiner Zeit hier gab es auch einige körperliche Übergriffe auf Studierende, insbesondere auf Studentinnen. Die Uni empfiehlt, nachts nicht die beleuchteten Wege zu verlassen. 8. LL.M. in Christchurch lohnt sich! Insgesamt hat sich das LL.M.-Studium in Christchurch für mich gelohnt. Nicht nur ist Christchurch eine interessante Stadt und die Südinsel eine wunderschöne Naturlandschaft mit vielen National Parks, das Studium hat mir auch viele neue Erfahrungen geboten. Für die juristische Ausbildung ist ein LL.M.-Studium sicher sehr hilfreich, da man Rechtsenglisch lernt und einem viele Begriffe geläufig werden. Zudem erschließt sich ein neuer Rechtskreis, das common law, das überall auf der Welt verbreitet ist. Für mich war es außerdem interessant, eine andere Kultur kennen zu lernen und im Studentenwohnheim mit so vielen Studierenden aus den unterschiedlichsten Nationen zusammen zu treffen. Nachteil des LL.M.-Programms ist, dass es fast nur von deutschen Studierenden genutzt wird. Man muss also regelrecht den Kontakt zu den neuseeländischen Studierenden suchen. Kritisch anzumerken bleibt zudem, dass die Betreuung etwas nachlässig ist. Zwar ist selbständiges Arbeiten sinnvoll, allerdings wäre ein wenig Einführung in das fremde Rechtssystem und Hilfestellung bei der Themenwahl angenehm. Unterm Strich kann ich das LL.M.-Studium an der University of Canterbury dennoch jedem empfehlen, der seinen Horizont erweitern und die andere Seite der Erde besichtigen möchte. Ein Jahr in Neuseeland vergisst man so schnell nicht!

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