PROTEIN FUNKTION by hcj

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PROTEIN FUNCTION

MYOGLOBIN
„Myoglobin ist ein kleines Molekül im Innern der Muskelzellen von Vertebraten“


STRUKTUR DES MYOGLOBINS
Myoglobin ist ein Monomer mit einer Hämgruppe. Die meisten der 153 Reste sind Bestandteile von 8
 Helices (A bis H), welche ein globuläres Protein mit einer Dimension von 444425Angström
formen. Die Hämgruppe befindet sich in einer hydrophoben Tasche zwischen der E- und der F-Helix.
Das heterocyclische Ringsystem des Häms ist ein Porphyrin-Abkömmling, welcher 4 Pyrrol-Gruppen
(A bis D) enthält, die miteinander durch Methenbrücken verbunden sind. Das Fe(II)-Atom im Zentrum
des Häms ist umgeben von 4 Porphyrin-N-Atomen und einem N-Atom einer Histidin Seitenkette (His
F8, da 8. Rest der F-Helix). Ein O2-Molekül kann als sechster Ligand zum Fe-Atom agieren. His E7
bindet dann über eine Wasserstoffbrücke an das O2-Molekül. Zwei hydrophobe Seitenketten auf der
O2 bindenden Seite des Häms, Val E11 und Phe CD1 (1. Rest des Segments zwischen den Helices C
und D), helfen das Häm zu fixieren. Die Proteingruppen des Myoglobins ermöglichen es dem O2-
Molekül reversibel an die Häm Gruppe zu binden (Fe(II) von isoliertem Häm würde in Gegenwart von
O2 irreversibel oxidieren (Fe(III)) und könnte somit kein O2 binden).


FUNKTION DES MYOGLOBINS
Ursprünglich hielt man Myoglobin nur für ein Sauerstoff-Speicherprotein. Heute weiss man aber, dass
seine hauptsächliche physiologische Rolle darin besteht, den Sauerstofftransport in den Muskeln zu
optimieren. Myoglobin steigert die effektive Löslichkeit von Sauerstoff in den Muskeln, indem es die
Diffusionsrate erhöht.
Die reversible Bindung von O2 an Myoglobin (Mb) kann mit einer einfachen Gleichgewichtsgleichung
wiedergegeben werden:

Mb + O2           MbO2

                                [ Mb][O2 ]
 Dissoziationskonstante K                                                                      (1)
                                 [ MbO2 ]
                              [ MbO2 ]        pO2
Besetzungsgrad YO 2                                                                            (2)
                          [ Mb ]  [ MbO2 ] K  pO2

(Da O2 ein Gas ist, erweist sich die Verwendung vom Partialdruck (pO2) als praktisch)
Diese Gleichung beschreibt eine rektangulare Hyperbel.
 Bei tiefem Partialdruck bindet O2 schlecht an Myoglobin (YO2 ist klein). Mit der Zunahme des
Partialdruckes bindet mehr O2 an Myoglobin und bei sehr hohem Partialdruck sind fast alle
Bindungsstellen besetzt; Myoglobin ist gesättigt mit O2. Wenn pO2=K ist Myoglobin halb gesättigt.
p50 = O2-Partialdruck bei dem 50% des Moleküls gesättigt ist
Der p50 von Myoglobin beträgt 2.8 Torr (760 Torr = 1 atm)

 Myoglobin ist ein sehr effizienter Sauerstoff-Überträger von den Kapillaren in die Muskelzellen.



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HÄMOGLOBIN
„Hämoglobin ist das Protein, das den roten Blutkörpern ihre Farbe gibt“


STRUKTUR DES HÄMOGLOBINS
Hämoglobin ist ein viereckiges Protein mit der Quartärstruktur 2 2 (ein Dimer aus  Protomeren)
und 4 Häm Gruppen. Die + Untereinheiten sind strukturell und evolutionär verwandt miteinander
und mit Myoglobin. Zwar sind nur etwa 18% der Reste in Myoglobin und Hämoglobin identisch, aber
die drei Polypeptide haben eine bemerkenswert ähnliche Tertiärstruktur. Hämoglobin besitzt eine C2-
Symmetrie, eine pseudo D2-Symmetrie und eine Dimension von 655550 Angström. Die 1-2 und
1-2 Untereinheiten sind getrennt durch einen solvatisierten Kanal. Wenn O2 bindet ändert sich die
gesamte Struktur des Hämoglobins; die Strukturen von Deoxyhämoglobin und Oxyhämoglobin sind
deutlich verschieden.
Die 1- 2 (und 2-1) Kontaktstellen verschieben sich, was zu einer Veränderung der Quartärstruktur
führt. Oxygenierung rotiert ein -Dimer um 15 im Verhältnis zum anderen -Dimer, was die 
Untereinheiten näher zusammenbringt und den zentralen solvatisierten Kanal verengt.

              Deoxyhämoglobin                                 Oxyhämoglobin


FUNKTION DES HÄMOGLOBINS
Hämoglobin ist nicht bloss ein Sauerstofftank, sondern ein hochentwickeltes System, welches die
richtige Menge Sauerstoff den verschiedenen Geweben liefert. Die Effizienz, mit der Hämoglobin O2
bindet erinnert an die Spezifität und Effizienz von metabolischen Enzymen.


DIE BINDUNG VON SAUERSTOFF AN HÄMOGLOBIN

Hämoglobin hat einen p50 von 26 Torr, also etwa zehnmal grösser als der p50 von Myoglobin (=2.8
Torr). Ebenfalls weist Hämoglobin nicht wie Myglobin eine hyperbolische O2-Bindungskurve auf,
sondern eine sigmoide (S-geformte) Kurve. Dies erlaubt dem Blut viel mehr O2 zu den Geweben zu
bringen als wenn Hämoglobin eine hyperbolische Kurve bei gleichem p50 aufweisen würde
(gestrichelte Linie im Bild).
Hämoglobin ist fast vollständig gesättigt mit O2 bei arteriellem pO2 (YO2=0.95 bei 100 Torr), aber nur
etwa halb gesättigt bei venösem pO2 (YO2=0.55 bei 30 Torr). Dieser Unterschied von 0.40 im O2-
Sättigungsgrad (ein Mass für die Fähigkeit des Hämoglobins O2 von den Lungen in die Gewebe zu
liefern), würde nur 0.25 betragen, wenn Hämoglobin eine hyperbolische Kurve aufweisen würde.
Allgemein: In jedem Bindungssystem drückt eine sigmoide Kurve eine kooperative Wechselwirkung
zwischen Bindungsstellen aus. Dies bedeutet, dass die Bindung eines Liganden an einer Stelle die
Bindung eines weiteren Liganden an einer anderen Stelle beeinflusst.
Im Falle von Hämoglobin erhöht die Bindung von O2 an eine Untereinheit die Affinität für O2 der
übrigen Untereinheiten. Die anfängliche Steigung der Kurve ist tief, da die Untereinheiten des
Hämoglobins unabhängig voneinander um das erste O2 kämpfen. Ein gebundenes O2 Molekül an einer
Untereinheit erhöht die Affinität der anderen, was wiederum zu einer grösseren Steigung führt.
Hill Gleichung:

             ( pO2 ) n
YO2                                                                                              (3)
        ( p50) n  ( pO2 ) n


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Die Hill Gleichung beschreibt den O2-Sättigungsgrad von Hämoglobin mit Hilfe einer Funktion in
pO2. Die Hill-Konstante n wird grösser mit dem Grad der Kooperativität einer Reaktion.
Falls n=1: (3) beschreibt eine Hyperbel (vgl. Myoglobin) und die Bindung ist nicht-kooperativ
Falls n1: Die Reaktion ist positiv-kooperativ (vgl. Hämoglobin; n  4)
Falls n1: Die Reaktion ist negativ-kooperativ (d.h., dass die Bindung eines Liganden an einer
Bindungsstelle die Affinität für weiter Liganden reduziert)
Aus (3) folgt:

  YO2    ( pO2 ) n
                                                                                                (4)
1  YO2 ( p50) n

Logarithmieren von (4):

    YO2 
    1  YO   n log pO2  n log p50
log                                                                                            (5)
          2 

Hill plot für Myoglobin und reines Hämoglobin
Für Myoglobin ist der Graph linear mit einer Steigung von 1.
Hämoglobin: Die maximale Steigung, welche nahe bei pO2=p50 YO2/(1-YO2)=1 auftritt, wird
üblicherweise als Hill-Konstante angesehen. Für normales menschliches Hämoglobin nimmt die Hill-
Konstante einen Wert zwischen 2.8 und 3.0 an. Daraus folgt, dass die Bindung von O2 an Hämoglobin
höchst positiv kooperativ ist. Bei YO2 nahe bei 0 beträgt die Steigung 1, da die 4 Untereinheiten
unabhängig voneinander um ein O2-Molekül kämpfen (vgl. Myoglobin). Bei YO2 nahe bei 1, wenn
mindestens 3 von 4 Bindungsstellen besetzt sind, beträgt die Steigung wieder 1, da sich die übrigen,
unbesetzten, Stellen an verschiedenen Molekülen befinden und daher O2 unabhängig voneinander
binden.
Lower asymptote: p50=30 Torr, für die Bindung des ersten O2-Moleküls an Hämoglobin
Upper asymptote: p50=0.3 Torr für die Bindung des vierten O2-Moleküls an Hämoglobin
Daraus folgt, dass das vierte O2-Molekül, das an Hämoglobin bindet, dies mit 100fach grösserer
Affinität tut als das erste.


MECHANISMUS DER SAUERSTOFFBINDUNGSKOOPERATIVITÄT

 Hämoglobin hat zwei verschiedene stabile Konformationen: Der „T-state“ (Konformation des
Deoxyhämoglobins) und der „R-state“ (Konformation des Oxyhämoglobins). Die Konformationen
aller vier Untereinheiten im „T-state“ unterscheiden sich von denen im „R-state“. Die Bindung von O2
verursacht eine Serie von koordinierten Bewegungen die in der Verschiebung vom „T-state“ zum „R-
state“ innert wenigen Mikrosekunden resultieren.
Bei der Umwandlung vom „T-state“ zum „R-state“ ändert das Fe(II) des Häms seine Position, was
eine kleine Verschiebung der ganzen Untereinheit verursacht. Die stärkste Verschiebung während der
Umwandlung besteht in den Bewegungen von Resten an den 1- 2 und 2- 1 Verbindungsstellen.
Weiter werden ionische Wechselwirkungen, welche an den C-Termini der Untereinheiten im „T-state“
vorkommen und denselben stabilisieren, bei der Umwandlung in den „R-state“ aufgehoben.
Eine grundlegende Eigenschaft des TR Übergangs ist die Tatsache, dass grosse Änderungen
innerhalb der Tertiärstruktur nicht ablaufen können ohne Änderungen innerhalb der Quartärstruktur
des gesamten Proteins. Dies resultiert aus der Tatsache, dass die Untereinheiten des Hämoglobins so
dicht zusammengepackt sind. Die Starrheit der 1- 1 und 2-2 Verbindungsstellen verlangen, dass die
ganze TR Verschiebung gleichzeitig bei beiden Verbindungsstellen stattfindet. Keine einzelne
Untereinheit kann seine Konformation unabhängig von der anderen signifikant ändern.
Abschliessend bleibt zu erwähnen, dass Hämoglobin nur 2 stabile Konformationen („T-state“ und „R-
state“) besitzt und keine Zwischenprodukte.


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Der „T-state“ von Hämoglobin hat eine niedrige Affinität für den Sauerstoff. Sobald mindestens ein
O2-Molekül an jedes -Dimer gebunden hat, wird findet der Übergang vom „T“- zum „R-state“ statt.
Alle Untereinheiten werden dabei gleichzeitig umgewandelt, ob sie nun bereits ein O2 gebunden haben
oder nicht. Untereinheiten mit keinem gebundenem Liganden im „R-state“ haben eine grössere O2-
Bindungsaffinität, da sie sich bereits in der bindenden Konformation befinden. Daher kommt die hohe
O2-Affinität von fast gesättigtem Hämoglobin.


DER BOHR EFFEKT UND CO2-TRANSPORT

Die Konformationsänderung des Hämoglobins, welche während dem Binden von O2 entsteht,
erniedrigt die pK-Werte verschiedener Gruppen, v.a. die der N-terminalen Amino Gruppe der -
Untereinheiten und des C-terminalen Histidin der -Untereinheiten. Im „T-state“ beteiligen sich diese
positiv geladenen, sauren Gruppen an ionischen Wechselwirkungen, was wiederum deren pK erhöht
(sie mehr basisch macht). Diese Wechselwirkungen sind im „R-state“ nicht vorhanden! Daher gibt
Hämoglobin, unter physiologischen Bedingungen, für jedes gebundene O2-Molekül 0.6 Proton ab.
Umgekehrt folgt, dass, wenn der pH erhöht (also Protonen weggenommen) wird, Hämoglobin dazu
angetrieben wird, mehr O2 zu binden bei niedrigerem pO2.  Bohr Effekt
Der Bohr Effekt hat wichtige physiologische Funktionen beim O2-Transport von den Lungen zu den
atmenden Geweben und beim Transportieren des, bei der Atmung produzierten, CO2 zurück in die
Lungen.
Hämoglobin liegt im menschlichen Blut nicht rein vor. Erst zusammen mit CO2 (und daraus
resultierenden Molekülen) und D-2,3-Biphosphoglycerat (BPG) ergibt sich die tatsächlich
vorkommende O2-Dissoziationskurve.
CO2 und BPG helfen dem Hämoglobin, die Aufgabe als O2-Transporter optimal zu erfüllen. Ohne
diese beiden Moleküle würde der ganze O2/CO2-Kreislauf nicht so effektiv verlaufen, wie es
tatsächlich der Fall ist.


ABNORMALES HÄMOGLOBIN
Es wurden etwa 500 verschiedene Formen von Hämoglobin entdeckt. 95% davon resultieren aus der
Substitution einer einzigen Aminosäure in einer Globin-Polypeptid-Kette. Etwa 5% der
Weltbevölkerung ist Träger einer vererbten Form von Hämoglobin. Nicht alle Varianten verursachen
Symptome, aber einige abnormale Hämoglobin-Moleküle verursachen Schwächekrankheiten. (Im
Buch werden mehrere Beispiele solcher Krankheiten genannt; ihren Ursprung und die Symptome)


ACTIN UND MYOSIN
„Eine der erstaunlichsten Eigenschaften von lebenden Organismen ist ihre Fähigkeit sich kontrolliert
zu bewegen“


STRUKTUR DER GESTREIFTEN MUSKULATUR
Muskeln bestehen aus langen vielkernigen Zellen, den Muskelfasern, welche parallele Bündel von
Muskelfibrillen enthalten. Muskelfasern können eine Länge von 10 cm und mehr erreichen. Sie sind
zwischen 10 und 100 m dick und durchziehen meist den ganzen Muskel. Die Fibrillen der
quergestreiften Muskulatur bestehen aus gleichförmigen Bauteilen, den Sakromeren.




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Ein Sakromer wird durch zwei Z-Scheiben begrenzt. Im elektronenmikroskopischen Bild kann man
innerhalb der Sakromere regelmässig angeordnete Filamente erkennen: Dünne Filamente
(Aktinfilamente  I band) und dickere Filamente (Myosinfilamente  A band). Die Aktinfilamente
ragen von den Z-Scheiben her ins Innere des Sakromers. Im mittleren Abschnitt liegen die
Myosinfilamente. Sie überlappen an beiden Enden mit den Aktifilamenten. Im Kontraktionszustand
jedoch ist die Überlappung deutlich stärker als bei Entspannung des Muskels.


STRUKTUR VON AKTIN- UND MYOSINFILAMENTEN
Dicke Filamente bestehen aus einem Protein: Myosin. Sie enthalten zwei identische, schwere Ketten,
welche am N-Terminus Köpfe und am C-Terminus -helicale Schwänze aufweisen. Jeder Kopf ist
vereinigt mit einer „essential light chain“ (ELC) und einer „regulatory light chain“ (RLC). Der Myosin
kopf ist eine ATPase; die ATP Bindungsstelle befindet sich in einer V-geformten Tasche.
 Myosin besteht aus einem 1600 Angström langen kordelmässigen Segment mit 2 Köpfen!
Unter physiologischen Bedingingen kommen mehrere hundert Myosin Moleküle zusammen und
formen ein dickes Filament, bei welchem die Myosinköpfe auf alle Seiten wegstehen.
Dünne Filamente bestehen aus 3 Proteinen: Aktin (nach dem sie benannt sind), Tropomyosin und
Troponin. Actin besteht aus 375 Resten und formt das Herz des dünnen Filaments. Tropomyosin
windet sich schnurartig um das Aktin herum und Troponin, ein Ca2+-Ionen bindendes Molekül, ist in
regelmässigen Abständen an Tropomyosin gebunden.
Jedes Aktin Monomer kann einen Myosikopf binden. Der Tropomyosin-Troponin Komplex reguliert
die Muskelkontraktion, indem er den Zugriff der Myosinköpfe zu ihren Bindungsstellen am Actin
kontrolliert.


MECHANISMUS DER MUSKELKONTRAKTION
Die Energie für die Muskelkontraktion wird aus ATP Hyrolyse gewonnen.
    1. ATP bindet so an den Myosinkopf, dass die Aktinbindungsstelle sich öffnet und das
       gebundene Actin losgelassen wird.
    2. Die aktive Stelle schliesst sich um das ATP. Es folgt die ATP Hydrolyse, welche bewirkt, dass
       der Myosinkopf sich nach vorne bewegt (Der Myosinkopf wird in eine energetisch hohe
       Konformation gebracht).
    3. Der Myosinkopf bindet schwach an ein Aktin, das sich näher bei der Z-Scheibe befindet,als
       das vorherige.
    4. Myosin gibt Pi ab, was eine Konformationsänderung zur Folge hat, welche Myosins Affinität
       für Aktin erhöht.
    5. Auf diese Zwischenstufe folgt sofort der „Power stroke“, eine weitere
       Konformationsänderung, welche den Myosinschwanz und somit das ganze Myosinfilament in
       Richtung Z-Scheibe bewegt und äquivalent dazu das Aktinfilament gleichzeitig in Richtung
       der M-Scheibe verschiebt.
    6. ADP wird abgegeben. Der Zyklus ist damit geschlossen.
Die etwa 500 Myosinköpfe jedes dicken Filaments gehen synchron durch diesen Zyklus; etwa 5 mal
pro Sekunde während einer starken Muskelkontraktion. Der Myosinkopf wandert dabei entlang dem
dünnen Filament in Richtung Z-Scheibe, wobei sich gleichzeitig der Muskel kontraktiert.




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KONTROLLE DER MUSKELKONTRAKTION
Muskeln im menschlichen Körper kontraktieren nur in Anwesenheit von Ca 2+-Ionen. Werden
Muskelfasern von einem Nervenimpuls stimuliert, erhöht sich die Ca2+ -Konzentration im Zellinnern
von 10-7 M nach 10-5 M. Bei einer hohen Ca2+-Konzentration binden weitere Ca2+-Ionen an das
Troponin, was eine Konformationsänderung des Tropomyosin-Troponin Komplexes verursacht. Diese
Bewegung macht die Bindungsstelle am Aktin wo Myosin bindet besser zugänglich. Umgekehrt wird
die Bindung von Myosin an Aktin bei niedriger Ca2+-Konzentration geblockt, was zur Entspannung
des Muskels führt.

Übrigens: Aktin ist ebenfalls Hauptbestandteil der Mikrofilamente des Cytoskeletts.


ANTIKÖRPER
„Antikörper binden Antigene, womit sie diese markieren und zur Zerstörung dem Immunsystem
freigeben“


IMMUNSYSTEM-ÜBERBLICK
Es gibt 2 Arten von Immunität:
    1. zelluläre Immunität  T-Lymphocyten, 90%
    2. humorale Immunität  B-Lymphocyten, 10%
         Antikörper / Immunglobulin
Die Immunantwort wird verursacht durch die Anwesenheit eines fremden Makromoleküls, genannt
Antigen. Wenn ein B-Lymphocyt ein Antigen, das an den dafür spezifischen Antikörper gebunden ist,
entdeckt, umgibt er den Antigen-Antikörper Komplex, „verdaut diesen“ und präsentiert
Antigenfragmente an der Zelloberfläche. T-Lymphocyten regen dann die B-Lymphocyten zur
Vermehrung an. Die meisten dabei entstehenden B-Lymphocyten sind zirkulierende Zellen, welche
grosse Mengen des antigenspezifischen Antikörpers abgeben. B-Lymphocyten sind in der Regel sehr
kurzlebig, aber es gibt einige wenige Gedächtniszellen, welche das Antigen auch noch Jahre später
wiedererkennen und somit eine schnellere und oft heftigere zweite Immunantwort auslösen.


STRUKTUR VON ANTIKÖRPERN
Antikörper sind globuläre Proteine; Men nennt sie Immunglobuline. Sie werden in 5 Klassen
eingeteilt: IgM, IgA, IgG, IgE und IgD. Ihre Bausteine sind stets gleichartig: Sie enthalten mindestens
4 Untereinheiten: 2 identische leichte Ketten (23 kD) und 2 identische schwere Ketten (53 bis 75
kD). Diese Untereinheiten sind verkettet durch Disulfidbrücken und nichtkovalente
Wechselwirkungen und bilden ein Y-geformtes Molekül. Der häufigste und am Besten bekannte
Typus sind die Immunglobuline G (IgG).
Bild
Obwohl alle IgG Moleküle die gleiche Gesamtstruktur haben, haben IgG’s, welche verschiedene
Antigene erkennen unterschiedliche Aminosäuresequenzen.
Leichte Kette: Variable Region (VL; Reste 1-108)
                 Konstante Region (CL; Reste 109-214)
Schwere Kette: Variable Region (VH)
                 Konstante Region (CH)
CH besteht aus drei 100 Rest langen Segmenten CH1, CH 2 und CH3, welche homolog zueinander und
zu CL sind. Alle konstanten und variablen Regionen gleichen einander in der Aminosäurensequenz
und in der Ausbildung von Disulfidbrücken.

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 IgG ist aus 6 verschiedenen Domänen (= selbständige Faltungseinheit) aufgebaut, welche im Laufe
der Entwicklung zusammengekettet wurden. Jede Domäne weist die gleiche, charakteristische
Immunglobulinfaltung auf: Ein Sandwich aus drei- und viersträngigen antiparallelen -Faltblättern,
miteinander verbunden mit einer Disulfidbrücke.


ANTIGEN-ANTIKÖRPER BINDUNG
Die Fähigkeit Antigene zu Erkennen kommt von je 3 Schleifen in den variablen Regionen V L und VH,
welche als hypervariable Schleifen bezeichnet werden. Die meisten Variationen der
Aminosäuresequenz unter den Antikörpern ist konzentriert auf diese 3 hypervariablen Schleifen. Die
Antigenbindungsstelle befindet sich an der Spitze des Fab Segments („ab“, da „antigen binding“) in
der Öffnung zwischen VL und VH. Bei der Vereinigung von Antikörpern mit Antigenen spielen Van
der Waals, hydrophobe und ionische Wechselwirkungen, wie auch Wasserstoffbrücken eine grosse
Rolle. Die Dissoziationskonstante geht von 10-4 bis 10-10 M, vergleichbar mit der Stärke, mit der ein
Enzym ein kleines Substrat bindet. Die meisten Immunglobuline sind „divalent“, d.h. sie können 2
identische Antigene gleichzeitig binden.


MONOKLONALE ANTIKÖRPER
Bei einer typischen Immunantwort wird ein Mix aus Antikörpern mit verschiedenen Spezifitäten
hergestellt. Um nur einen einzelnen bestimmten Antikörper zu gewinnen, muss man sich eines
speziellen Verfahrens bedienen: Man spritzt einer Maus ein Antigen ein und entnimmt ihr danach
Milzzellen. Darunter sind solche, die Antikörper gegen das Antigen produzieren. Nach
Verschmelzung mit Myelom-Zellen (eine besondere Tumorart, welche unbegrenzte Teilungsfähifkeit
besitzt) entstehen Hybridzellen. Bringt man diese auf ein geeignetes Medium überleben nur die
Hybridzellen, die Antikörper gegen das Antigen produzieren. Man trennt dann diese voneinander und
kontrolliert sie einzeln nochmals auf den Antikörper, bevor sie schliesslich in Massenkulturen
vermehrt werden.


ANTIKÖRPER-DIVERSITÄT
Das Immunsystem hat das Potential mehrere Billionen Antikörper zu produzieren. Die Anzahl
Immunglobulin Gene ist jedoch viel zu klein um diese Diversität zu erzeugen. Die Diversität der
Antikörper kommt von genetischen Änderungen während der Entstehung der B-Lymphozyten.
Leichte Kette: Zwei der drei hypervariablen Schleifen befinden sich auf dem V-Segment (150
Varianten), die dritte auf dem J-Segment (5 Varianten). Dazwischen hat es eine Verknüpfungsstelle,
welche 10 verschiedene Kombinationsmöglichkeiten aufweist (entstehen durch Fehler).  Insgesamt
ergibt das eine Anzahl von 7500 verschiedenen leichten Ketten (150.5.10).
Schwere Kette: Die schwere Kette ist unterteilt in drei verschiedene Segmente: V (250 Varianten), D
(10 Varianten) und J (6 Varianten). Dazwischen hat es zwei Verknüpfungsstellen, welche je 10
verschiedene Kombinationsmöglichkeiten aufweisen.  Insgesamt ergibt das eine Anzahl von 1.5.106
verschiedenen schweren Ketten (250.10.6.10.10).
 Insgesamt 11.1010 verschiedene Antikörper
Eine weitere erstaunliche Eigenschaft des Immunsystems ist, dass es nur auf fremde Substanzen
reagiert und nicht auf die körpereigenen Makromoleküle. Werden Antikörper gegen körpereigene
Gewebe produziert werden, spricht man von Autoimmun-Krankheiten.




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