Acrobat PDF

jenseits11webvers

You must be logged in to download this document
Description

Jenseits, unabh�ngige Jugendzeitung
nr.11, 2008
KuKuMA

Reviews
Stats
views:
342
downloads:
0
rating:
not rated
reviews:
0
posted:
11/25/2008
language:
German
pages:
0
GESCHICHTE MAL ANDERS die insel GRENZEN kurzgeschichte es ist nötig reportage appell anna, eine von uns Impressum Jenseits unabhängige Jugendzeitung (Jenseits... es gibt ein Leben nach der Schule) Redaktions-Team: Friedrich Einheim, Anna Fox, Wilhelm Hejda, Irene Schanda, Andi Pianka, Gäste: Felg, Natalie Deewan, und weitere... Poster: Noemi Schabauer Layout: Michael Chvatal Druck: KuKuMA Auflage: 2500 Träger-Verein: KuKuMAVerein für Kunst Kultur und Medien Alternativen Homepage: http://kukuma.info (unter Gruppen -> Jenseits) Kontakt: jenseits@kukuma.info wer Fehler findet darf sie behalten Danke an: alternative Queerdenker_innen, Nicht (rechts) Wähler_innen und unbekannte StraßenKünstler_innen die diese Stadt schöner und lebenswerter machen Nicht Danke: an alle klakarierten Patrioten + Anhang, sowie die Gewista für ihre „Plaktieren verboten“-Scheiße schöne Zeit all den Anderen. Feedback an jenseits@kukuma.info Die nächste Ausgabe erscheint wenn sie fertig ist . wagenplatz comic gefickte seele, vernarbte haut / fleisch und papier JENSEITS unabhängige jugendzeitung nummer 11; september 08; thema: grenzen kommentar communiqué wien und weg ezln romanprojekte ein halbes jahr bewegung veranstaltungskalender vereint für österreich? dokumentation präsentation ida grenzstelle kommentar kurzgeschichte geschichte mal anders es war einmal jugoslawien psycho extra poster mehr grenzen pro beitrag fotogruppe contra grenzgänger und im gänsemarsch mehr grenzen appell es ist möglich literatur ch s p re bl a s en literaturrezepte verschwimmen zur entstehung der grenzen märchen traum ein ganz normaler tag es war einmal im jenseits ... 19 JENSEITS EDITORIAL Es gibt sie. Sie sind überall. Sie kommen und sie gehen. Sie sind Defi nitionssache. Sie können Dinge unterscheiden. Sie sind wahllos. Sie sind individuell. Sie sind es, die dazwischen stehen. Sie glauben weder das eine, noch das andere. Sie glauben beides. Ohne sie gäbe es nur noch eines. Wir brauchen sie und sie brauchen uns. Sie können uns töten. Sie können uns helfen, Verständnis aufzubauen. Sie wollen von uns gesehen werden. Sie schreien nach Aufmerksamkeit. Sie fordern Respekt. Sie werden bewacht. Sie werden durchbrochen. Sie werden ignoriert. Und es gibt sie. Und sie können töten. Mit 142 Kilometern pro Stunde in einer 70km/h Zone, durch Bodennebel, mit 1,8 Promill Blutalkoholkonzentration, in der spätnächtlichen Dunkelheit, ist der kürzlich verstorbene Alkohol-Lenker, Raser und ehemalige Kärnter Landeshauptmann Jörg Haider, nach einem Streit mit seinem liebsten Partei-Mitglied und einem Überholmanöver, kurz bevor er starb gegen einen Betonpfeiler gefahren. Nach einem politischen Werdegang, der seinesgleichen sucht, nach zahllosen, bedingungslos gewonnenen Wortkriegen, war ein Ortsschild die Grenze, die er nicht überschreiten konnte, und ihn mit einem Schlag zu Geschichte gemacht hat. es ist nicht einfach zeitung ohne werbung zu machen, aber wichtig förderabo 4 ausgaben 10 € ein halbes jahr bewegung 06 08 vereint für österreich? sprechblasen 04 anna, eine von uns wien und weg 10 12 14 es war einmal jugoslawien 16 wagenplatz 18 pro 20 zur entstehung der grenzen 22 die grenzgänger 24 poster 26 28 comic 30 literatur-rezepte 32 34 eine grenzstelle 36 die insel 38 es ist möglich 40 verschwimmen 42 44 46 47 ezln psychotest auflösung contra im gänsemarsch fotogruppe verschwörung ganz normaler tag romanprojekte es ist nötig 03 EINLEITUNG GRENZEN GRENZEN EINLEITUNG G ren zen...zen den ke n ich an G re ßes Transparent Wen n ei nen g ro t u nd auf dem in t. t an steh dan n z uers n Zim mer häng “ z u lesen e as in mei n „ K EIN E GR ENZENLinie gedan k lich d erster ttern de n. g roßen Le nd G ren zen also in en G ren zen verbu n ll ich ü r mich si n zen u nd politisch rständlich. Wieso sou rtsort F re eb ve mit Sta atsg he fü r mich kau m Unterschied am G enschen lc rn dM Diese als sonigen hu ndert Mete ten haben? Wir si n en Kondih lb ei nu r wegen ilegien / andere Pflic s weltweit z u dense das besag te ll t v andere Pri nd das sollte ebenfa nem Jah r nu n häng ch „GR ENweltweit uglich sein. Seit ca. ei lb“. so, dass nu r no wichtiger tionen mö u n übrigens nu r „ ha eh r ich mache. u mso ken nen Transpi n sen ist. Den n je m eigenen G ren zen z ue G ru nd ZEN“ z u le mich auch mei ne z ugehen. Nicht oh n r. auch ist es fü r htig mit ih nen u m n. Umso wichtige u nd vorsic persönliche G ren ze ek tieren. Auch si nd habe ich n anderen z u resp s. das st ändiger a die vo r mich etw t. G ren zen füränderu ng u nterlieg Ve Gren zen begi nnen im Kopf . Das Suchen nach Indi Abgren zu ng von de vidualität ist of t mit m /der Anderen ve den. So wi rd da rbunDefi nition scheinba s Bedü rfnis nach Klarheit und r befriedig t: Gren eine Sicherheit, di zen versprechen Voraussetzu ngen e jedoch trügerisch ist und auf falsc aufbaut. Dabei wi he Verbindende meist rd das Gemeinsamen siert: alles, was au vergessen und Fremdes wi rd stigm , sser ati anders, unberechenhalb der eigenen Gren zen liegt, se i bar und schlecht. gende Gefahr beste Ei ne gr undleeinen selbst Gren ht, wenn jemand anderer fü r zen zieht „seinen Platz“ verw und man somit auf iesen wi rd. _ ZON E“ „ BOR DERst allation heißt die Inn zbereich. Doch G re d sie u deutsch: zen? Im G ru nde si n r, das z nd G ren u nst schwer fassba heute was si de r K ne u nd nicht nu r in in Fin nland gebore dieser Inst aldie 1969 de Kü nstleri n mit it teln nu r will ben verm in Hanau le en. Den n G ren zen o G ren zen lielation zeig Eindeutig keiten. W u rch persönd schei nbareist du rch Tradition, t du rch Degen, das ah ru ng oder schlich Kontu ren liche Erf stgeleg t. Wie die n ins fi nition fe bei der Inst allatio des Lichts d riften, zerfließen Du n kel andere auch viele en. G ren z irene phille http://www.herzog-hellsten.de willi Grenzen sind imagi näre Linien, und an denen etwas auf hör t t. etwas anderes beginn n Gämse nen keiken ler u nd Ad a atsg ren zen n e St http://www.imzoom.info Br a u ch en K in Dies ist der G ren zen mer wie eine Frage ? , die im - der vie u nd die ld reich m Ver fasser vie isk utier t wird den Bü acht. Die Sc ler Elter nbü cher n is ch e r hlussfo lg t s Aber kaelbe: Ja, „ K in dabei im mer er u ng in etwas a n n man das der brauchen wieder diet u rliste nders - u nd wwirk lich so sa G ren zen“. Die zen zeig t, befi nd ie die u nten a gen? Ich sehe e tr Zusam male Frage ist ich mich in g ngef ü h r te Litedas u d meiner en hang überh och: Was sin ter Gesellsch rad a E Reg ula mpfi ndu ng d aupt? Juuls D G ren zen in d f t. efi nitio a am N toren d e e r me n s n kom m m ächsten heißt, s : c ie t nander sind daz u da hlichen Bezie G ren zen sind hu n ge n z u gesta , das m . Da s enschli lten. K in ein mal ch le I h re eig r nen, dass G r der müssen z ue Miteie ne n s p en zen e n ä ch s f r ü h , sc hon ein ü ren sie scho xistieren. t Kopf w Säugli ng d n recht eg, wen r e ht d e z uviel wn ih m etwas n ird. http://www.rabeneltern.org Sta ats im verein g ren zen ten Eu rop G ren a Bereiche zen gibt es in viele n: m a n s p n g raphisch rich gesellsch en, eth nischen t von geo , politisch aftlichen der pers G e zen diene önlichen Freiheitren zen, von G renn, menleben n der Ord nu ng fü u nd dergleichen zen . G ren, in nerha r d a s me n lichen lb d s ch Sie sollte u nd privaten Le erer die Bedü rf nis liche Zusamdarstellenn aber keinesweg bens geregelt abla se des öffents He ufen . Zie Hem m nis l der Eu ropäisch m m nisse fü r dies kön nen. e n G e me e Bedü rf se fü r die viele a nisse insch Wir de Projek ndere Bereiche a tschaft, fü r die Kaft ist es solche bz u b a u e n te u nterstü ult u r u nd in den G . G ren z ü fü r tzen de liche Bauren z regionen inte n Abbau, da die Zbersch reitennsiviert w m a ßn a h m u s a m me n reich ird arb en vor wichti ist aber die Ken an den G ren zen . Fü r gemeinscha eit d e r Re p u ft ntnis des g. Die G re bli k Öste den G ren G ren z verl n z verm rzv lichen G re erlauf in der Na ark u ng du rch G re aufes nach wie tu n su ngstech n z u rk u nden ist d r k lar z u erken ne zsteine ermöglic h Verlaufe nisch festgehalt er Verlauf der Sta n. In rechtsverbin t, u nentbeh s der Sta atsg ren zen. Die Dok u men atsg ren ze verme de is ta rl shang mit ich. Da Sta atsg ren t fü r gemeinsch tion des genauen aftliche P Ba u m a ß n zen insbe werden, is rojek te a h me n a n sondere im td des G ren ie G ren z vermarkWegen u nd Flüsse Zusam menz verlaufe u ng u nd die Dok un geändert s in solch ren. Solc m e h Sta aten v e Ä nderu ngen wn Fällen z u ak tua entation li erden z w ert raglich ischen de sieist somit g n z u betreu eregelt. Die Sta a tsg en Unterlage n fü r Ma , u m jederzeit ak ren ze tuelle ßn a h me n ze bereits a n de r tellen z u kön nen. G renhttp://www.bmwa.gv.at SPRECH BLASEN http://www.familienhandbuch.de http://www.langjahr-film.ch Wa i n ble s si nd G ren t ätiger icher Morge zen? Tauige n S W All u n t r ich, quer i nson ne? Ei n g iesen ser kon ewaltdie Na K G ren ze r ück zeug f ü st r uier tes Be t u r gezogen ? r u nb e w n! I n D g re n ze Zwang n i sweise r. Zwischen ältig tes Dase ist i n. ge s e t z t i n e i n e h a D i r u n d d em a , um r mo Dich s sie besser z nische Land nderen. elbst b e h e u b e h e r r s c s ch a f t wenigs r rschst du am hen. t e n. n zen? nd G r e Was si h r ne ic n? e r? - Wie le n zen ken ne en zen ander n verletz t? Gr G re n z e nd e r e r? mei ne en ne ich die n mei ne G re n zen a t u n? rk re de - Wie eu nd wie wer tze ich die G r) Gewalt z u n. e n le lle - Wan u nd wie ver mit (sexue “ sagen kön n ar u m? n - Wan naben G ren zell muss „ nei nren zen u nd wie d i - Was h ja“ sagen w t (Kör per-) G„wi r“ schon - Wer „ übersch reite r, wo haben h übersch r it - Wer ist ei n Täte er absichtlic n gemacht, (wer zen ander deren k lei n?) G ren jemand an ß z u f ü hle t e n , m u n s g ro u Es soll K inder u nd G re k lare G rete nicht versäu mt n zen... werden, K n zen aufz eine si n uz in dar. G rennvolle Orientieru eigen. G ren zen s dern u m die B z übersch reit u ng ngsmöglich keit tellen betonen edeutu ng einer en sollten geah fü r K inder u nbeding. Auf das richtige G ren ze auch auf dndet werden, Ve t ie gleichen z u achten. Konseq rhält nis z u m Feh se Weise z u Verhalten lv u on des Erz des K ind en z ist seh r wichtierhalten ist dari n, da iehu ngsberechtig es muss die gleic g, d.h. dem ss he te (seine Fe das K ind Verantwn folgen. Das Zie Reak tihle l be ort am beste r) übernim mt. Die u ng fü r sein Han steht n, wen n a deln Erziehu n u ße gg ausreiche nd (viel) r dem G ren zensetzeli ng t Zu w e u nd Lieb e eingebra endu ng, Zeit n cht wird. gibt mensch im web grenzen ein, so findet mensch keine klaren antworten, was grenzen denn sind... viele verschiedene definitionen springen einem entgegen, jeder und jede scheint seine/ihre eigenen grenzen zu haben oder teilweise auch nicht (zu kennen). Nur staatsgrenzen scheinen „klar“ definiert zu sein - und selbst die sind spielball der politik. aber gut - immerhin weiß ich jetzt das die ö-grenze 2706,4 km lang ist und adler keine (staats-)grenzen kennen - und kinder erst lernen müssen, dass es (staats-?) grenzen gibt. so denn, leset selbst. Wir si nd n zen re G re dabei, u nse rändern, z u tig z u ve kön nen noch ste n u nd verschiebegen, wo u nsere G renh ht mal sa in werden. Fü r mic nic se ntzen genau zen wie ei ne Mome si nd G ren e. Also loh nt es sich aufnah m diese aufz ulisten, auch nicht, rgen kön nten sie den n mo olt sein. überh http://www.bottom-of-top.de http://aeiou.iicm.tugraz.at Sta atsgrenzen Sta atsgrenzen: trägt 2706,4 km, davon Die Länge der Sta atsgrenzen Öster reichs beentfallen auf Deutschland 166,3 km, Liechtens 815,9 km, die Sch 356,4 km, die Slowakeitein 35 km, Italien 430 km, Slowenien 330 km, weiz 106,7 km und Tschechie Ungar n ist auch der Anteil der Bu n 466 ndesländer an der Au ßen ,1 km. Seh r unterschiedlich Kärnten 279,7 km, Nieder grenze:Bu rgenland 397 österr ,4 173,9 km, Steier mark145, eich 414,3 km, Oberösterreich 320,8 km, Sal km, zbu rg 3 km, Tirol 718,9 km und Vorar Als ein ziges Bu ndesland grenzt Wien nicht an das lberg 256,1 km. Ausland. http://www.frei-sein-oldenburg.de 04 JENSEITS JENSEITS 05 KOMMENTAR GRENZEN GRENZEN DOKUMENTATION ANNA, EINE BEWEGUNG VON UNS EIN HALBES JAHR ODER: DIE KUNST DES SINGENS Anna Netrebko sagt: Bei ihren bisherigen Aufenthalten konnte sie Österreichs Kultur, Geschichte, Naturschönheit und Lebensart ebenso kennen und schätzen lernen, wie die große Wertschätzung, die hier der Kunst entgegengebracht werde. All dies habe dazu beigetragen, dass sie Österreich zu ihrer Wahlheimat auserkoren habe. Bei unserem bisherigen Österreich-Aufenthalt mit Aufenthaltsberechtigungskarte mit Aufenthaltsablaufdatum „unbekannt“, im Zweifelsfall „gestern“, hatten wir auch die Gelegenheit, unsere Frauen kennen und lieben zu lernen, unsere Männer lieben und ehren zu lernen, unsere Freunde kennen und schätzen zu lernen, unsere Kinder zu zeugen und zu gebären, und die landeseingeborene Abwarten/Teetrinken-Zeremonie zu perfektionieren: Spielverlauf: ungewiss, Spannung und Abenteuer für die ganze Familie! Gabi Burgstaller sagt: Anna Netrebko werde in Österreich bewundert und habe sich in die Herzen der Österreicher gesungen. Sie sei glücklich, dass Anna Netrebko nunmehr Österreicherin und eine von uns sei. Eine von uns oder eine von uns? Eine von denen oder eine von denen? Anna, die Einwanderin? Anna, die Immigrantin? Anna, die Illegale? Aber nein, „Ich bin Sängerin und habe ein internationales Publikum, ich wollte nicht länger die erniedrigenden endlosen Ansuchen (um ein Visum) und Wartezeiten durchmachen“ Ach so, das können wir verstehen. //////////////////// (opera plays) \\\\\\\\\\\\\\\\\\\ Wer singen* kann, darf bleiben. Wer springen** kann, darf bleiben. Wer die Kleinen hegen*** kann und die Alten pflegen*** kann, darf höchstwahrscheinlich auch irgendwann einmal bleiben (ist noch nicht so klar). *schön und gut; **schispringen, stabhochspringen; *** nett und stark Wer liebenswert ist, der fi ndet bald eine Frau, wer liebenswert und menschlich dazu ist, die fi ndet leicht einen Mann und dann? ... lebten sie von Luft und Liebe bis an ihr Lebensende, Amen. tu felix austria nube! //////////////////// (opera plays) \\\\\\\\\\\\\\\\\\\ ANNA, eine von uns II Wir lieben österreich! Wir, Rusen und Rusinen, Tschetschechen und Tschetschechinnen, Polisten und Polistinnen, Chinadier und Chinadienen, Kanadesier und Kanadesierinnen, Pakistanier und Pakistanierinnen, Franzmänner und -männinnen, Kongoleute, Cuben und Cubinnen, Japanenser und Japanenserinnen, Isrealos und Isrealas, Amerikanten und Amerikantinen lieben Österreich, seine natürliche und künstliche Schönheit, seine sumpfigen und seine saftigen Wiesen, seine klaren und seine schlackigen Seen, das Eingekochte, das Ausgekochte, das Eingemachte, das Ausgemachte, wir lieben die österreichische Sprache zutiefst, haben wir doch in ihr „gemma Buaschn“ neu gehen gelernt, knieen „bitte, bitte, bitte, bitte [ad libittum]“ und fluchen, wie es einem Fluchtling ziemt (muss hier beispiellos bleiben). Wir lieben die mannigfaltigen Weisen des Lebens und Überlebens, die dieses Land seinen Bewohnern zu bieten hat, seine Kulturen und Unkulturen, Geschichten und Ungeschichten und die Kunst! Ach, die Kunst! Die Kunst des Singens! //////////////////// (opera plays) \\\\\\\\\\\\\\\\\\\ www.eheohnegrenzen.sosmitmensch.at Wer hier verheiratet ist, Kinder hat und Freunde, Arbeit hatte oder gab, ist ein falscher Sänger, ein Kuckuck, ein Heiratsschwindler, dem „vor allem bürokratische Erleichterungen und die Reisefreiheit innerhalb der EU … wesentliche Argumente für das Anstreben der österreichischen Staatsbürgerschaft“, und sei es auch nur eines Aufenthaltstitels, wären. Die Salzburger Nachrichten sagen: Wie auch immer. Anna Netrebko ist nun „unsere Anna“, und das sollte die ganze Welt wissen. Die ganze Welt? Afrika auch? Otto Schenk sagt: „Wir brauchen die Welt!“ „Wir Österreicher sind gewohnt, die Welt aufzusaugen und wir brauchen die Welt und so eine wie Anna Netrebko.“ So eine wie Anna N. – genommen!, wie Ludwig van B. – ok!, Johannes Brahms – geschluckt und geschenkt, aber Mohammed Brahms? Hassan van Beethoven? Ali Netrebko? Nicht über Österreichs Leichentuch! „Des brauch ma net!“, „Davon homma gnua!“, „De schick ma ham!“ lautet der Tenor, der Bass, der Sopran des Landes und der Kulturnation, der Reinkulturnation Österreich, Reinkarnation vergangener Größe. Rabl-Stadler sagt: „Herzlich willkommen als Österreicherin!“ „Wir haben dich als Künstlerin gern, aber besonders wegen deiner liebenswerten und menschlichen Art“ Mit dem Aufruf zu „decentralised days of action for squats and autonomous centres“ am 11. und 12. April begann in Österreich und insbesondere Wien (auf das ich mich hier konzentrieren werde) eine aktionistisch aufregende Zeit für alle an offenen und freien Räumen interessierten Menschen. Die Aktionstage wurden europaweit zum Anlass für eine ganze Sammlung von Aktionen genommen, von Demonstrationen über Parties bis zu Besetzungen wurde in den verschiedensten Formen versucht auf den immer größer werdenden Druck der Verwertungslogik und die Notwendigkeit von Freiräumen hinzuweisen. Als besonders Besetzungsfreudig zeigten sich verschiedenste Menschen in Österreich. Vielleicht auch als Reaktion darauf, dass die Menge an vorhandenen Räumen hier vergleichsweise niedrigst ist. Es kam zu Raumnahmeaktionen in Innsbruck, Salzburg, Linz, Graz und Wien. Hier reichte die Energie sogar für zwei Besetzungen in zwei Tagen. Nach einer „Demo für Freiräume“ des Wagenplatzes Wien, der auf seine (schon damals und immer noch) prekäre Situation hinwies, wurde noch von der Nacht des 11. bis zum Morgen des 12. April auf einem unbenutzten Parkplatz vor einem leerstehenden Flügel des Arsenals eine bunte Party in politischem Rahmen gestartet. Aufgrund des Versprechens am nächsten Morgen wieder abzuziehen ließ die Besitzerin die Menschen auch weitgehend unbehelligt von Polizei und anderen Quälgeistern feiern. Schon am Abend des nächsten Tages ging es munter weiter. Im Rahmen eines Workshops für „queer-feministische Raumnahme“ wurde in der Spitalgasse in Uni-NachbarInnenschaft ein seit 10 Jahren leerstehendes Haus von aktiven Menschen zum Übungsobjekt gemacht und mit einer beträchtlichen Anzahl an Workshops, Party und Leben gefüllt. Die Zahl der sich beteiligenden Personen stieg sehr schnell an und schwankte bald zwischen 150 und 250! Eingeleitete Diskussionen zwischen BesetzerInnen, Polizei und Eigentümerin waren wegen nicht vorhandener Gesprächsbereitschaft seitens der letztgenannten schnell zu Ende und bereits Sonntag Nacht machte die Exekutive mit einem Großaufgebot inklusive Hundestaffel und Hubschrauber der Utopie ein vorläufiges Ende. Die AktivistInnen waren jedoch nicht unvorbereitet und mit Rechtshilfeworkshops und sehr engagierten, helfenden Menschen bestens organisiert. So konnte von einem Ende der Bewegung keinesfalls die Rede sein. Bereits im Morgengrauen am 18. April wurden 4.000 Exemplare der Gratiszeitung „Heute“ unentgeltlich qualitativ aufgewertet indem sie mit einer Extrablatt-Beilage, die die Hausbesetzung in der Spitalgasse zum Thema hatte, aufgestockt wurde. In diesem Extrablatt unter dem Titel „Heule“ wurde der, aus Sicht der Beteiligten, äußerst ungenügenden und teils schlicht unrichtigen Berichterstattung in den Medien kurzerhand die eigene Sichtweise der Dinge entgegengestellt. Auf das Folgetreffen zur Nach-, (und neuerlichen Vor-) besprechung der Besetzung fanden sich ca 70 Menschen und eifrig wurde an Infrastruktur und Kontinuität gearbeitet. Bereits am 9.5. war es wieder soweit. Nachdem die „Brachmühle“ bereits einige Tage still besetzt und vorbereitet worden war wurden Transpis gehängt und eine schwarze Fahne gehisst, während versucht wurde Interessierte zu mobilisieren. Die „Brachmühle“ ist ein von der Stadt und stadtnahen Firmen in den Sand gesetztes Projekt für ein Einkaufszentrum und so stehen dort ungenutzt und ohne Zukunftsplan einige Häuser in großen, verwilderten Baum- und Grünflächen herum. 06 JENSEITS JENSEITS 07 DOKUMENTATION GRENZEN GRENZEN DOKUMENTATION Obwohl in einer stillen Seitengasse gelegen bekam die Polizei überraschend schnell Wind. Bereits nach ca 1 ½ Stunden schnüffelten WEGA und Hunde auf dem großen Gelände herum und von den, noch recht spärlich anwesenden, BesetzerInnen, wurde beschlossen vorerst wieder zu gehen. Nun wurde erstmal stärker auf Vernetzung, weiteren Strukturaufbau und Konzepterstellung gesetzt. Diese Arbeit mündete am 11.7. in die Besetzung der „Villa“ Hohe Warte. Das ehemals der Stadt als Kinderheim gestiftete Gebäude wurde entgegen der Widmung und Intention der Stifterin verkauft um in Luxuswohnungen umgewandelt zu werden. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde in dem Prunkbau gemeinschaftlich gekocht, erkundet, pleniert und gefeiert. Doch auch diesem Pro- jekt war nur ein recht kurzes, dafür neuerlich intensives Dasein vergönnt. Bereits am frühen Nachmittag des darauffolgenden Tages war die Polizei vor Ort und nachdem schnell wieder klar war, dass keine Verhandlungsbereitschaft besteht, wurde die Besetzung freiwillig und friedlich beendet. Die am längsten andauernde Aktion des bisherigen Jahres sollte aber erst noch kommen. Am 6.9. wurde die „Stadt des Kindes“ - ein ehemaliges progressives Vorzeige-Kinderheim des „roten Wiens“, eröffnet in den frühen 70er Jahren, besetzt. Das besondere an dem Heim war, dass es zu seiner Umgebung hin offen und gegen eine „Ghettobildung“ ausgelegt war. Das drückte sich nicht nur in der Architektur sondern auch in für alle benützbaren Sportanlagen, einem Hallenbad, Turnsaal und Theater aus. 2002 wurde das Heim aufgelöst. Bald folgte der Verkauf (von Wohnbaustadtrat Faymann unterzeichnet, an die stadtnahe Baugesellschaft ARWAG). Die Forderung, es solle wieder ein soziales Zentrum entstehen, wurde jahrelang torpediert und die Gebäude mutwillig dem Verfall preisgegeben. Trotz gegenteiliger Faktenlage soll nun aufgrund von vorgeschobener Baufälligkeit der Großteil abgerissen und das Gesamtkonzept total zerstört werden. Ersetzt wird das international angesehene Sozialprojekt durch preislich hoch angesiedelte Wohnbauten. Neben den BesetzerInnen engagierten sich auch eine BürgerInneninitiative, Achitekturvereinigungen, der Architekt der Anlage und noch eine ganze Anzahl an anderen Gruppen, Kulturinitiativen, NachbarInnen und Einzelpersonen für den Erhalt des Areals und eine soziale Nutzung. Von Samstag Abend bis Montag in den frühen Morgenstunden verlief die Besetzung weitgehend ungestört mit Grillfest und Kreativität. Als bei Tagesanbruch die Abrissarbeiten losgehen sollten, wurde den Bauarbeitern bei Kaffee und Frühstück klargemacht, dass sich im Gebäude und am Gelände Menschen aufhalten und nicht beabsichtigen zu gehen. Bis zum frühen Nachmittag ging das Leben im Haus seinen Gang. Die ganze Zeit über gab es hohes Interesse der Bevölkerung und eine beinahe hundertprozentige Zustimmung zum Vorgehen der AktivistInnen. Sogar Kaffee und Kuchen wurden vorbeigebracht. Am frühen Nachmittag war es soweit – „Verhandlungen“ - wiedereinmal. Die Stadt stritt – schon wieder – jede Verantwortung ab (Abbau sozialer Projekte, Verkauf von Gemeinschaftseigentum, 25% direkte und personell noch stärkere Beteiligung an der neuen Eigentümerin, ...). Nach einigen Stunden und dem „Angebot“, mensch dürfe das Gebäude verlassen und der Abriss gehe normal weiter, wurde dieses „Verhandlungsergebnis“ durch Drohung der unmittelbaren Gewaltanwendung durch die Exekutive durchgesetzt und die Besetzung abgebrochen. Doch noch war es nicht vorbei. Die Menschenmenge blieb auf einer Wiese direkt vor der Stadt und direkt vor der Baustelle. Die Leseveranstaltung „Besetze deine Stadt“ wurde kurzerhand auf diese Wiese verlegt und verlagerte sich im Laufe des Abends spontan wieder in die „Stadt“. Auch anwesende Securities und Polizei konnten dies nicht verhindern. Dienstag morgen wurden die anwesenden Menschen von einem per Megaphon vorgetragenen Räumungsbe- scheid der Polizei geweckt. Nachdem immer mehr OrdnungshüterInnen aufgefahren kamen wurde das Gelände durch einen Hinterausgang verlassen und der Räumungsversuch aus der Entfernung mehr oder weniger genüsslich beobachtet. Mehrere Stunden räumten WEGA und Co. das leere Gelände und natürlich mussten auch während dieser Zeit die Bagger stillstehen. Um 10 Uhr fand eine Pressekonferenz vor der Baustelle statt in der von Grünen, BürgerInneninitiative, dem Architekten und AktivistInnen auf die Problematik aufmerksam gemacht wurde. Bereits während der Pressekonferenz ging allerdings bereits der Abriss wieder los und die Menschen wurden immer weiter vor vollendete Tatsachen gestellt. Es gab noch eine ganze Anzahl an weiteren Aktionen und eine weitere „Verhandlungsrunde“, diesmal mit ARWAG-Chef, allerdings war auch bei dieser Verhandlung nicht die Spur von Bereitschaft zur Diskussion um die zukünftige Nutzung und über ungeklärte rechtliche Fragen deutlich. Obwohl noch nicht einmal ein fertiger Bebauungs- plan für die nachfolgende Nutzung eingereicht wurde, war offensichtlich keine Zeit da um sich zu überlegen, ob ein Abriss überhaupt die richtige Vorgehensweise ist. Auch wenn ein Auge noch auf die Vorgänge in der Stadt des Kindes blickt, wird bereits wieder für die Zukunft gearbeitet. Die Zahl der Menschen, die mit der Situation unzufrieden sind und ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen, wird mit jeder weiteren Aktion größer und es gibt, auch in Wien, eine große Zahl an ungenützten Objekten, die geeignet sind, um darin unsere Ideen umzusetzen. Wien braucht mehr unkommerzielle, offene Räume, die die Möglichkeit bieten sich zu treffen, zusammen zu arbeiten und miteinander zu leben ohne unreflektiert und ungeschützt den gesellschaftlichen Zwängen ausgesetzt zu sein! Wer Lust hat sich eine aktive Gruppe mal selbst anzusehen fi ndet Infos unter http://freiraum. at.tt oder kann zum wöchentlichen Plenum dienstags um 20:00 auf der GeWi (altes AKH) vorbeikommen. So – watch out for action! 11. 4. 08 Wagenplatzbesetzung Arsenalstraße/Fernmeldezentrum (hat keine eigene Hausnummer) 12. 4. 08 Spitalgasse Spitalgasse 11, 1090 Wien 9. 5. 08 Brachmühle Seyringerstraße 7,9,11,13, 1210 Wien 11. 7. 08 Villa Hohe Warte Villa - Hohe Warte 1-3, 1190 Wien 6. 9. 08 - 9. 9. 08 Stadt des Kindes Hofjägerstraße 1, 1140 Wien JENSEITS KOMMENTAR GRENZEN GRENZEN KOMMENTAR IN FÜ FÜ R Ö S VE R E I N E E R E R R E ICH R ÖS T E T V E R I NT FÜR Ö E RE I N T F ÜR N R EI T FÜ R IN H ? R VE F IC H ? E I NT VE R E ÜR Ü verschiedene plattformen, parteien und medien mobilisierten in den letzten wochen und vor allem tagen vor der abstimmung im österreichischen nationalrat für eine volksabstimmung bzw. gegen den eu-reformvertrag. worin sie sich (scheinbar) voneinander unterschieden, waren die motive und kritikpunkte - hier lassen sich auf den ersten blick zwei grundströmungen ausmachen: zum einen eine eher national(istisch) orientierte, die sich die beschützung der österreichischen nation, identität und souveränität auf ihre (rot-weiß-roten) fahnen geheftet hat, und zum anderen eine IN ÖSTERREICH also - und das über einen vertrag, der (zumindest nach momentanem stand) ca. 500 millionen 10 JENSEITS JENSEITS EI E NT FÜ R Ö STERREICH? VEREINT FÜR ÖSTER R E I C H ? VE R E I N T F Ü IN T ER R V R Ö E IC S RÖ H? ST R VE RE I NT es soll jetzt allerdings nicht um das pro und contra zum eureformvertrag an sich (oder zu dessen einzelnen punkten) gehen. das ist eine spannende diskussion, die auch nach der am 9.april 2008 beschlossenen ratifizierung durch den österreichischen nationalrat (spö, övp, grüne dafür - fpö, bzö dagegen) weitergeführt werden soll. ebensowenig geht es hier um die frage, ob eine volksabstimmung dazu rechtlich gesehen notwendig wäre oder nicht. hier und jetzt soll es um jene bewegung gehen, die sich in den letzten monaten in österreich formiert hat, um eine volksabstimmung über diesen vertrag zu verlangen (überwiegend aus personen und gruppierungen bestehend, die dem eu-reformvertrag ablehnend gegenüberstehen). E R R EICH ? E R TE V E E IC H? RR N T FÜ R ÖS TE RR E IC H F T F IN VE ? ? T R VE Ö R V E ? V S RE Ö RE I N Ü ST R Ö FÜ R Ö ER T RRE ICH S E T ER R E I ST EI C R E R eher links ÖS TE RR orientierte, die vor EIC H? allem kapitalistische VE RE und militaristische eleIN T F mente des reformvertrags anÜ kreidet. zu ersterer gruppe lassen sich z.b. fpö, bzö und die kronen zeitung zählen, vor allem aber auch eine neugegründete plattform namens „rettet österreich“. schon der name dieser plattform läßt einige schlüsse zu, worum es ihr primär geht. und als aushängeschilder dienten diverse „experten“ (professoren und dozenten - und eine geschlechtsneutrale schreibweise kann mensch sich dabei leider tatsächlich fast sparen, denn es handelt sich um 12 männer plus gerade einmal zusätzlich zu einem davon auch noch als quasi-beiwagerl dessen ehefrau) (2), fleißig unterstützt von der größten tageszeitung dieses landes. hier waren/sind die fronten noch relativ klar: wir, das tolle österreich, gegen das böse ausland (also in dem fall dargstellt durch die eu). weniger klar war/ist es hingegen bei der zweiten großen plattform, dem bündnis „volxabstimmung“, gebildet von über 50 gruppierungen aus dem linken spektrum. denn überraschenderweise findet sich auch auf deren homepage folgende forderung (3): „Ich fordere eine Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag in Österreich“ E INT F Ü R Ö S T R ÖS T ER VE R TE R ÖS T FÜ EIN RREIC H? V E R E I FÜ IC H ? R ER R ? VEREI Ö E R RE S T S CH N Ö T EI T E Ü F R ER E IN R FÜ R R T NT betroffenen zu ? V E RE I fordern. das CH EI gegenarguRR E T ment ist bekannt: ÖS FÜR Ö S T E R R E I C H? V E R E I N T FÜ R Ö S T E R R E I C H? V E R E I N T FÜR „Christian Felber von der globalisierungskritischen Organisation „Attac“ und Initiator der Plattform „Volxabstimmung“ stellte fest, dass ein eumenschen in 27 staaten betrifft. angesichts dessen, daß sich ropaweites Referendum zum EU-Reformvertrag gar nicht in diesem bündnis viele gruppierungen befi nden, die staatsmöglich sei.“ (4) grenzen gerne bedeutungsloser machen oder überhaupt abschaffen wollen würden, eine durchaus interessante ansage. auch das eine interessante sichtweise. denn rein formal-judie sonst so gerne vielbeschworene internationale solidariridisch gesehen ist gegen felbers statement natürlich nichts tät gerät da etwas ins hintertreffen, ein gesamteuropäisches einzuwenden. interessant ist jedoch, daß für ihn offenbar thema wird auch hier in eine forderung gepreßt, die an der nur das möglich scheint, was rechtlich vorgesehen ist. der österreichischen staatsgrenze haltmacht. eine forderung, nicht gerade visionärste zugang... mit der sich übrigens auch die andere seite identifizieren kann, die österreich „retten“ will. und so darf es nicht verdaß es auf einer in ihrem selbstbild eher linken demo zuwundern, wenn auf einer demo der einen auf einmal auch dem möglich ist, daß eine rednerin lautstark ausgebuht leute von den anderen auftauchen - selbst, wenn/obwohl wird, wenn sie sich negativ über die kronen zeitung äußert sich die sprecherInnen der volxabstimmungs-plattform öf(5), sollte den organisatorInnen und mitgliedern der plattfentlich von einer vereinnahmung bzw. teilnahme nationaform jedenfalls hoffentlich zu denken geben. gerade in so listischer/rassistischer kreise distanzieren. eine um einiges einer frage wäre eine noch klarere abgrenzung zu jenen, konsequentere distanzierung wäre es beispielsweise gewedie aus nationalistischen motiven heraus den reformvertrag sen, österreich österreich sein zu lassen und eine gleichbebzw. die eu ablehnen, überaus wünschenswert. rechtigte volksabstimmung ALLER vom eu-reformvertrag R R Ö T S Ö R EI C Ö IN TE Ü F ST 11 FÜ E I CH S RR E CH? V E R E INT F RR EI Ü R ÖST R V ER T H E EINT F Ü R ? CH E ? V T Ö S E R RE I C H ? R ? R V E E V R E I N T FÜ E R ÖST E R R E I CH H IC ER ? V EIN T F Ü R Ö S TE R R ER RE ICH? V E V E T ÖS R R FÜ S TE R R E I C H? T ER T SS Ö zunächst einmal: was ist der eu-reformvertrag? das ist die ursprüngliche eu-“verfassung“, die nach dem doppel-nein bei den volksabstimmungen in frankreich und den niederlanden im jahr 2005 zwar eine namenskorrektur erhielt, hingegen so gut wie keine inhaltliche veränderung. nun sind die 27 eu-staaten dran: im laufe des jahres 2008 soll jeder staat einzeln den vertrag ratifizieren: 26 durch parlamentsbeschluß und als einziger staat irland mittels volksabstimmung (am 12.juni 2008) (1) EI NT ? R E ? V RE E R I C HH? R E IC ? I R T R R CH T NT T E R R E I C H? V E R E I NT FÜR I NT E V E R EF Ü IN R ? T EI EH? R S T C R R I CR IR EV E H FÖ S R Ö Ü E R RE RT R H ? VE V E T E I C E I CH ? ÖR R E R S Ö EI FÜ R Ö S T E R R E I C H ? Ö H STE R R E I C ? VE R ST E R R ein gespenst geht um in europa - das gespenst des eureformvertrags. verschiedene vertreterInnen der mächtigen und der ohnmächtigen haben sich gegen dies gespenst verbündet. es entstand (zumindest in österreich) eine ungewollte (?) und ungewöhnliche (?) allianz. V ER E EI C H ? V E REIN T F ÜR? ? V EREI N T FÜR Ö S T E R T F V Ü ER R EÖ S T I N T FÜ E R E IC H ? VE REINT FÜ R ÖST E RRE I C H ? V E R E I N T N ET F IN TÜ R FÜ RÖ FÜ R Ö S E IC H E I NT FÜ E R EINT ? V ÖST E RE I R E ? R V ER RE I C R E V E IN T EI C H E R E H IN FÜ C ? ? H T F Ü Ö ST EZLN GRENZEN GRENZEN EZLN EZLN COMMUNIQUÉ DER INTERGALAKTISCHEN KOMMISSION DER EZLN MEXIKO Die EZLN hat am 16. September 2008 ein Communiqué veröffentlicht. Vor drei Jahren haben die Zapatistas mit der 6. Erklärung aus dem Lakandonischen Regenwald die Intitiative der Anderen Kampagne angestoßen. Sie vernetzen sich mit Kollektiven, Gruppen, Organisationen und Einzelpersonen in Mexiko und weltweit — links unten und abseits des Parlamentarismus. In der Überzeugnung, dass eine andere Welt nicht nur möglich ist, sondern sie hier und jetzt von uns geschaffen werden muss, bauen die Zapatistas seit Jahren ihre autonomen Strukturen aus. Mit der Anderen Kampagne wurden der Austausch, die Begegnung und das gegenseitige Lernen von Menschen im Widerstand ermöglicht. Währenddessen nehmen Repression, autoritäre Herrschaft, Umweltzerstörung und Kriege weltweit zu. Doch noch immer kämpfen Menschen mit Wut und Würde gegen die menschenverachtende Logik des Kapitalismus. Die Zapatistas laden all diese Compañeras und Compañeros ein, vom 26. Dezember 2008 bis zum 4. Januar 2009 in Mexiko Stadt und Chiapas am Festival der Würdigen Wut teilzunehmen. ¡Abajo y a la izquierda hay un chingo de vozes que gritan rebeldía! Communiqué des Geheimen Revolutionären Indigenen Komitees — Gene r al kom ma nd a nt u r der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung Sechste Kommission — Intergalaktische Kommission der EZLN Mexiko 15. und 16. September 08 An die AnhängerInnen der Sechsten Erklärung und der Anderen Kampagne An die AnhängerInnen von Zezta Internacional An die mexikanische Bevölkerung An die Völker der Welt Compañeras und Compañeros Brüder und Schwestern Hier ist erneut unser Wort. Dies ist was wir sehen, dies ist was wir wahrnehmen. Dies ist was an unser Gehör gelangt, an unser dunkles Herz dringt. Dort oben beabsichtigen sie ihre Geschichte zu wiederholen. Sie wollen ihren Kalender des Todes aufzwingen, ihre Geografie der Zerstörung. Wenn sie uns unserer Wurzeln nicht berauben können, vernichten sie sie. Die Arbeit rauben sie uns, die Kraft. Unsere Welten, die Erde, ihr Wasser und ihre Schätze, menschenlos machen sie sie, leblos. Die Städte verfolgen und verstoßen uns. Die Felder sterben und wir sterben. Und die Lüge wird zu Regierungen und der Raub zur Waffe für ihre Armeen und Polizeikräfte. In dieser Welt sind wir Illegale, Undokumentierte, Unerwünschte. Verfolgte sind wir. Frauen, Jugendliche, Kinder, Alte, sterben im Tod und sterben im Leben. Und dort oben predigen sie für das Unten die Resignation, die Niederlage, das Nachgeben, das Preisgeben. Hier unten bleibt uns gar nichts. Nichts als Wut. Nichts als Würde. Es gibt kein Gehör für unseren Schmerz, wenn nicht von denjenigen, die sind wie wir. Wir sind niemand. Wir sind alleine und haben nur unsere Würde und unsere Wut. Wut und Würde sind unsere Brücken, unsere Sprachen. Hören wir uns also zu, lernen wir uns kennen. Damit unser Mut wächst und Hoffnung keimt. Damit die Würde erneut zur Wurzel wird, und eine andere Welt entsteht. Wir haben sie gesehen und gehört. Klein ist unsere Stimme um Echo zu sein für dieses Wort, unser Blick ist klein für so viel und so würdige Wut. Uns zu sehen, zu erblicken, miteinander zu sprechen, uns zu hören, das ist erforderlich. Wir sind anders, andere, das Andere. Wenn die Welt keinen Platz hat für uns, müssen wir eben eine neue Welt errichten. Nur mit unsere Wut als Werkzeug, nur mit unserer Würde als Baustoff. Es ist erforderlich uns wieder zu fi nden, uns kennen zu lernen. Es ist erforderlich zu tun was erforderlich ist… Drei Jahre nach der Sechsten Erklärung aus dem Lakandonischen Urwald hat die EZLN eine kollektive Betrachtung angestellt, genährt von dem weiten Horizont, den unsere Compañer@s von der Anderen Kampagne in Mexiko und der Zezta International auf der ganzen Welt uns geschenkt haben. Wir haben vieles gesehen und gehört, manchmal direkt, manchmal durch die Worte und Blicke der Anderen. Wir haben soviel Wut berührt und sind so viel Würde begegnet, dass wir denken, dass wir immer noch sehr viel kleiner sind, als wir das vorher angenommen hatten. In Mexiko und auf den fünf Kontinenten haben wir das gefunden, was wir nur erahnt hatten, als wir unseren sechsten Schritt begonnen haben: es gibt eine andere Welt, es gibt einen anderen Weg. Wenn die Katastrophe, die sich anbahnt, vermieden werden kann, und die Menschheit eine neue Chance erhält, dann wird das an diesen Anderen liegen, die unten und links nicht nur Widerstand leisten, sondern auch dabei sind, den Umriss einer anderen Sache zu skizzieren. Von etwas, das sich von dem, was oben geschieht, unterscheidet. In der unmöglichen Geometrie der politischen Macht verteilen sich die Fundamentalismen gleichmäßig: die Rechten werden ultrarechts und die institutionellen Linken rücken zur unmöglichen gebildeten Rechten. Jene, die sich in der progressiven Presse darüber beklagen, dass die Fanatiker von der Konkurrenzpresse ihren Anführer zensieren, verzerren und verleumden, zensieren, verzerren und verleumden ihrerseits, und schweigen sich über jede andere Bewegung aus, die sich dem Diktat des Oberhaupts nicht unterworfen hat, und ohne Scheu verteilen sie Verurteilungen und Absolutionen, zum Takt einer sinnlosen Medienwirksamkeit. Fanatiker beider Seiten streiten sich über Lügen, die sich als Wahrheiten verkleiden, und der Stellenwert, der Verbrechen beigemessen wird, richtet sich nach der Zeit, die sie in den Medien erhalten. Aber all dies ist nur ein schwaches Abbild dessen, was in der Politik vor sich geht. Der Überdruss vor dem Zynismus und der Inkompetenz der traditionellen politischen Klassen ist in Wut umgeschlagen. Manchmal folgt diese Wut auf die Hoffnung nach Wechsel durch die gleichen Wege wie immer, und trifft auf die Desillusionie- rung, die lähmt, oder auf die willkürliche Gewalt, die überwältigt. Der aufgewühlte und brutale Norden wendet sich wieder dem Altbewährten zu. Wenn er nicht gerade Wahlbetruge fördert (wie in Mexiko), promoviert, schürt und finanziert er Staatsstreiche (wie in Bolivien und Venezuela versucht wird). Der Krieg bleibt weiterhin seine vortrefflichste internationale Diplomatie: Irak und Afghanistan brennen, aber zur Verzweiflung derer von oben verzehren sie sich nicht. Die Auflagen der Hegemonismen und Homogenisierungen weltweit, begegnen in Ländern, Regionen und kleinen Ortschaften zugleich den Zauberlehrlingen, die eine unmögliche geschichtliche Rückkehr zu einer Vergangenheit versuchen, in der Fanatismus Gesetz war und Dogma Wissenschaft. Währenddessen haben die regierenden politischen Klassen in der Welt der Schaustellerei eine passende Verkleidung gefunden, um ihren Eintritt in das organisierte Verbrechen zu verbergen. Überdrüssig von soviel Gier, beginnt der Planet die unbezahlbare Rechenschaft für seine Zerstörung zu fordern. Aber auch die „Naturkatastrophen“ richten sich nach Klassen, und ihre Verheerungen sind am meisten bei jenen zu spüren, die nichts haben und niemand sind. Angesichts dessen kennt die Dummheit der Macht keine Grenzen: Millionen und Abermillionen Dollar werden in die Herstellung neuer Waffen und der Errichtung weiterer Militärbasen gesteckt. Die Macht des Kapitals ist nicht daran interessiert, Lehrer, Ärzte 12 JENSEITS JENSEITS 13 EZLN GRENZEN GRENZEN EZLN oder Ingeneure heranzubilden, nur Soldaten. Sie bereitet keine Erbauer vor, nur weitere Zerstörer. Und jene, die sich dem widersetzen, werden verfolgt, eingesperrt, ermordet. In Mexiko werden Campesinos ins Gefängnis geworfen, weil sie ihr Land verteidigen (San Salvador Atenco); in Italien werden alle als Terroristen verfolgt und behandelt, die sich der Einrichtung von Militärbasen widersetzen; kriminalisiert und ermordet, und nichts wir deswegen unternommen, weil sie nicht auf der Agenda stehen, die oben von beiden Seiten diktiert wird, während eine legitime Volksbefragung in eine peinliche Handwäsche für einen mörderischen Staatschef verwandelt wird; im Spanien der modernen Europäischen Union werden Zeitungsverlage geschlossen und eine ganze Sprache kriminalisiert, Euskara, im Glauben, dass ermordet; in dem langen Schmerz, der Lateinamerika heißt, wir das braune Blut, das sie erhält, verachtet und erniedrigt; in der widerspenstigen Karibik muss ein Volk, das kubanische, neben den Verheerungen einer Naturkatastrophe auch jene einer imperialistischen Blockade hinnehmen, die nichts weiter ist als ein ungestraftes Verbrechen. Und in allen Ecken der Geografie der Welt, und in allen Tagen ihrer Ka Widerstand, sondern fängt auch an vorzuschlagen, vorgeschlagen zu werden. Seit unserem ersten öffentlichen Erscheinen, vor nunmehr 15 Jahren, haben wir stets danach gestrebt zu einer Brücke zu werden, auf der die verschiedenen Rebellionen von einer Seite zur nächsten gelangen können. Zuweilen ist uns das gelungen, zuweilen nicht. Heute sehen und fühlen wir nicht nur den rebellischen Widerstand, der malt… A u s d ie s e m G r u nd , und im Rahmen der Veranstaltungen zum Anlass des 25. Jahrestags der Entstehung der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung, von 15. Jahren seit Anbeginn des Krieges gegen das Verbrechen, des fünften Jahres der Juntas der Guten Regierung, und des dritten Jahres der Anderen Kampagne und der Zezta International, laden die Männer, Frauen, Kinder und Alte der EZLN alle Rebellen Mexikos und der Welt ein, zur Feier des "Ersten weltweiten Festivals der würdigen Wut": Thema: Einige der Subthemen des Festivals sind: * EINE ANDERE LANDWIRTSCHAFT * EINE ANDERE POLITIK * EINE ANDERE STADT * EINE ANDERE SOZIALBEWEGUNG * EINE ANDERE KOMMUNIKATION * EINE ANDERE GESCHICHTE * EINE ANDERE KUNST UND KULTUR * EINE ANDERE SEXUALITÄT. zu sehen, zu hören und kennen zu lernen. 2. Am Austragungsort im zapatistischen Territorium, werden die Würde und die Wut zur Kunst und Kultur, zu Musik und Gesang, weil die Rebellion eben auch tanzt. Und durch Worte verwandelt sich der Schmerz in Hoffnung. 3. Am Austragungsort in San Cristóbal de Las Casas, Chiapas, wird das Wort kreisen um mehr Worte zu erschaffen und der Wut Kraft und Vernunft zu spenden. und Gruppen, Kollektiven und Gruppen für alternative Kommunikation, für Kunst und Kultur, für die Verteidigung der Menschenrechte, für die Rechte von Sexarbeiter/Innen, mit intellektuellen Sozialaktivisten, ehemaligen politischen Gefangenen, allen AnhängerInnen der Sechsten Erklärung, sowie mit Gruppen, Kollektiven und Organisationen aus anderen Ländern, die zur Zezta Internazional gehören. Anhand dieser Beratungen werden die Kriterien für die Einladungen und für die Mitwirkung festgesetzt werden. 5. Für die Runden Tische und Konferenzen lädt die EZLN soziale Organisatoren, Denker und LeiterInnen von antikapitalistischen Projekten in Mexiko und auf der ganzen Welt ein. Die Einladungsliste wird in der nächsten Zeit bekannt gegeben werden. 6. Weitere Details darüber, wie wir uns dieses Festival der Würdigen Wut vorstellen, werden zur gegebenen Zeit folgen (soll heißen, sobald wir eine einigermaßen klare Vorstellung davon haben, welches Problem wir uns da aufgehalst haben). Das ist zunächst alles. FREIHEIT UND GERECHTIGKEIT FÜR ATENCO EINE ANDERE WELT, EIN ANDERER WEG: UNTEN UND LINKS. Gefeiert wird an den folgenden Orten und Tagen: In der ANDEREN MEXIKO STADT, D.F., am 26., 27., 28. und 29. Dezember 2008. Im LIENZO CHARRO der ASOCIACIÓN LOS CHARROS REYES DE IZTAPALAPA, der Unabhängigen Volksfront Francisco Villa -UNOPII, auf der Avenida Guelatao # 50, Colonia Álvaro Obregón, Delegación Iztapalapa, nahe der U-Bahn Haltestelle Guelatao, wo die Ausstellung stattfi nden wird. Sowie im LOCAL DE UNÍOS, auf der Calle Dr. Carmona y Valle #32, Colonia Doctores, nahe der U-Bahn Haltestelle Cuauhtemoc, wo andere Aktivitäten veranstaltet werden. Im CARACOL VON OVENTIK, CHIAPAS, Sitz der Junta der Guten Regierung „Zentrales Herz der Zapatisten vor der Welt“, am 31. Dezember 2008 und am 1. Januar 2009. In SAN CRISTÓBAL DE LAS CASAS, CHIAPAS, am 2., 3. und 4. Januar 2009, im LOCAL DEL CIDECI, auf dem Camino Real de San Juan Chamula s/n, Colonia Nueva Maravilla. DEMOKRATIE, GERECHTIGKEIT & FREIHEIT im Frankreich der „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ gelten Menschen nur dann als frei, gleich und brüderlich, wenn die Papiere das vorschreiben; in Griechenland ist Jugend ein Laster, das es auszumerzen gilt; wieder in Mexiko, aber diesmal in der gleichnamigen Stadt, werden die Jugendlichen auch diejenigen getötet werden, die ihn erheben; im so nahen Asien werden die Forderungen der Landarbeiter mit gepanzerten Vernunftlosigkeiten beantwortet; in den hochmütigen Vereinigten Staaten, geboren aus dem Blut von Einwanderern, werden alle anderen Farben, die hier arbeiten, verfolgt und lendarien werden jene, die arbeiten, jene, die die Dinge am Laufen halten, beraubt, verachtet, ausgebeutet und unterdrückt. Aber es kommt auch vor, oftmals, so oft, dass uns das Lächeln überkommt, dass die Wut ihre eigenen Wege sucht, neue, andere. Und das „Nein“, das erhoben wird, leistet nicht nur uns brüderlich und solidarisch entgegengebracht wird und unsere Schritte ermutigt. Es gibt heute etwas, das es früher nicht gab, oder das wir damals nicht wahrgenommen haben. Es gibt eine kreative Wut. Eine Wut, die bereits mit allen Farben der Wege von unten und links auf den fünf Kontinenten mit der Tötung des Wortes Das Festival wird folgende Grundzüge tragen: Quelle: EZLN; http://enlacezapatista.ezln.org.mx/la-otra-campana/993; Übersetzung: Dana vom Ya-Basta-Netz http://ya-basta-netz.de.vu Einleitung: Autonome Antifa Freiburg http://www.autonome-antifa.org; Erstveröffentlichung auf http://at.indymedia.org 1. Am Austragungsort in Mexiko Stadt wird eine große nationale und internationale Ausstellung stattfi nden, in der jeder Kampf, jede Erfahrung, jede Wut einen Platz fi nden wird um sich vorzustellen, um ihren Kampf und ihren Mut zu zeigen, damit wir alle Gelegenheit haben sie 4. Die Mitwirkung am Festival ist jenen nationalen und internationalen Gruppen, Kollektiven und Organisationen vorbehalten, die hierzu eingeladen werden. Zu diesem Zweck berät sich die Sechste Kommission der EZLN gerade mit politischen und sozialen Organisationen, anarchistischen und libertären Kollektiven Aus den Bergen des mexikanischen Südostens. Für das Geheime Revolutionäre Indigene Komitee – Generalkommandantur der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung. Subcomandante Insurgente Marcos. Mexiko, September 2008. 14 JENSEITS JENSEITS 15 GESCHICHTE MAL ANDERS GRENZEN GRENZEN GESCHICHTE MAL ANDERS die balkankriege der 90er jahre und ein seltsames solidaritätsverständnis mancher linker quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Jugoslawien http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_F%C3%B6derative_Republik_Jugoslawien http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Staatsoberh%C3%A4upter_Jugoslawiens http://de.wikipedia.org/wiki/Josip _Broz_Tito http://de.wikipedia.org/wiki/Slobodan_Milo%C5%A1evi%C4%87 http://de.wikipedia.org/wiki/Zerfall_Jugoslawiens http://de.wikipedia.org/wiki/10-Tage-Krieg _in_Slowenien http://de.wikipedia.org/wiki/Kroatienkrieg http://de.wikipedia.org/wiki/Bosnienkrieg http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Srebrenica http://de.wikipedia.org/wiki/Mazedonien (stand: jeweils 13.4.2008) ES WAR EINMAL... es war einmal ein vielvölkerstaat namens jugoslawien: verschiedene nationalitäten, in sechs teilrepubliken (seit 1945: slowenien, kroatien, bosnien und herzegowina, serbien, montenegro, mazedonien) und noch zusätzlich innerhalb serbiens zwei autonomen gebieten (seit 1974: kosovo, vojvodina) zusammengefaßt. ein zusammenschluß verschiedener volksgruppen mit unterschiedlicher geschichte (so befanden sich z.b. im 19.jahrhundert manche unter österreichisch-ungarischer, andere unter osmanischer herrschaft). seit 1918 in einem südslawischen staat vereint, zuerst als königreich, seit 1945 als föderative volksrepublik unter der führung von josip broz tito (erst ministerpräsident, dann bis zu seinem tod 1980 präsident), eines kroatischstämmigen kommunisten mit kritischer haltung dem sowjetischen stalinismus gegenüber. hinauf, bis er 1989 präsident der teilrepublik serbien wurde. sein aufstieg war von zunehmend serbisch-national orientierten tönen begleitet (berühmt wurde seine amselfeld-rede 1989, in der er überaus martialisch den serbischen anspruch auf den kosovo betonte). den worten folgten taten: als eine seiner ersten amtshandlungen hob er für den kosovo und die vojvodina den status als autonome regionen auf. auch in anderen teilrepubliken begannen sich in dieser zeit nationale töne zu regen. das spektrum reichte von eher sozialliberal orientierten demokratisierungs- und unabhängigkeitsbestrebungen (z.b. milan kucan und janez drnovsek in slowenien) bis hin zu stark nationalen tönen (z.b. franjo tudjman in kroatien). das wendejahr 1989 (mauerfall usw) mobilisierte in einigen teilrepubliken den wunsch, einen eigenständigen weg zu gehen (jugoslawien war zwar kein teil des ostblocks gewesen, hatte jedoch sehr wohl ein einparteiensystem). versuche, einen kompromiß mit mehr demokratie und autonomie zu finden, scheiterten. 1991 kam es zur endgültigen eskalation: kroatien war für dieses jahr mit dem alljährlich wechselnden staatsoberhaupt an der reihe und stellte stipe mesic als kandidaten auf (der in kroatien im unterschied zum national orientierten kurs tudjmans für einen gemäßigteren weg stand). serbien und seine verbündeten innerhalb jugoslawiens verweigerten ihm jedoch die zustimmung, jugoslawien stand wochenlang ohne staatsoberhaupt da. in dieser phase erklärten slowenien und kroatien einseitig ihre unabhängigkeit, worauf die jugoslawische volksarmee zur verteidigung der einheit jugoslawiens einschritt. während die militärischen auseinandersetzungen in slowenien nach 10 tagen wieder vorbei waren und die zahl der kriegsopfer und schäden im vergleich zu den späteren balkankriegen verhältnismäßig gering blieb, kam es in kroatien zu einem längeren krieg samt angriffen auf die zivilbevölkerung. in den folgenden vier jahren folgten sowohl kriegsverbrechen der jugoslawischen (mit der zeit de facto überwiegend serbischen) armee als auch vertreibungen der serbischen minderheitsbevölkerung aus kroatien. JUGOS LAWIEN dInnen usw.), die die jahrzehnte davor in einem friedlichen neben-, ja teils durchaus auch miteinander gelebt hat. das war im frühjahr 1992 vorbei, das land wurde zum blutigsten kriegsschauplatz in europa nach 1945. je nach schätzung starben in diesem krieg zwischen einigen zehntausenden und 300.000 menschen. symbolisch das vermutlich grauslichste verbrechen dieses kriegs: im sommer 1995 schauten uno-blauhelme tatenlos zu, als serbische truppen ca. 8000 männliche bosniaken verschleppten und ermordeten. vor allem dieses massaker führte zu luftschlägen der nato gegen serbische stellungen. im unterschied zum späteren kosovo-krieg international eher wenig umstritten und unter uno-mandat. diese luftschläge und die darauf folgende konferenz in dayton (usa) führten zum kriegsende. vom serbischen zum gesamtjugoslawischen präsidenten aufgestiegen) im sattel. 1999 kam es dann zu einzelnen (beidseitigen) gewaltakten im kosovo, die sich mit der zeit steigerten. eine guerilla-bewegung namens uck versuchte, den bisher pazifistischen weg des kosovarischen anführers ibrahim rugova durch militanz zu ersetzen. wieder schritt die serbische armee ein, wieder mit gewaltakten an der zivilbevölkerung. was folgte, war ein (wesentlich rascheres als in bosnien) militärisches eingreifen der nato - diesmal allerdings ohne unomandat, da rußland und china ein veto einlegten. drei monate lang wurden sowohl im kosovo als auch zum teil in anderen serbischen landesteilen luftschläge durchgeführt, ehe die serbische seite aufgab. eine bis heute überaus umstrittene militäraktion. im herbst 2000 kam es in serbien zur zweiten großen anti-milosevicbewegung. diese endete erfolgreich, milosevic wurde gestürzt und im folgenden jahr ans kriegsverbrechertribunal nach den haag ausgeliefert, wo er noch vor der urteilsverkündung im jahr 2006 verstarb. 2006 und 2008 folgten mit montenegro (ohne großem aufsehen) und dem kosovo (unter heftigen protesten) zwei weitere neue staaten in die unabhänden traurigen höhepunkt bildete aber bosnien und herzegowina, das ein knappes jahr nach slowenien und kroatien seine unabhängigkeit erklärte - die multikulturellste aller jugoslawischen teilrepubliken mit einer bunt durchmischten bevölkerung (muslimische bosniakInnen, orthodoxe serbInnen, katholische kroatInnen, daneben auch kleinere gruppen an roma & sinti, jüab 1995 herrschte auf dem balkan relative ruhe - aus dem ehemaligen jugoslawien waren inzwischen 5 staaten entstanden (eher still und heimlich und ganz ohne krieg hatte sich im herbst 1991 auch mazedonien losgelöst). eine (vielen im “westen” vielleicht nicht so bekannte) große demokratiebewegung in serbien im herbst 1997 (wochenlang gingen tag für tag zehntausende leute, darunter viele studierende, auf die straße) scheiterte, milosevic blieb (mittlerweile gigkeit. was bleibt von diesen kriegen - vor allem für beobachterInnen von außen? teilweise seltsames: z.b. nicht wenige sonst klar antinationalistisch eingestellte linke, die im fall des serbischen nationalismus ein auge zudrücken, kriegsverbrechen verharmlosen, ja in milosevic sogar einen antiimperialisten sehen (peter handke ist da leider ein besonders unrühmliches beispiel). oder daß manche leute, die befreiungsmilitante guerilla etwa in lateinamerika begrüßen, jene der kosovarischen uck gleichzeitig ablehnen. oder daß manche, die woanders durchaus für selbstbestimmungsrecht eines volkes eintreten (etwa palästina oder tibet), im fall der ehemaligen jugoslawischen teilrepubliken eine ablehnende haltung einnehmen. und besonders gefährlich wird es, wenn die balkankriege der 90er jahre als eine art fortsetzung des zweiten weltkriegs angesehen werden (damals beging ein hitler-freundliches regime in kroatien schwerste massenmorde). was freilich nicht heißen soll, daß es nicht auf den verschiedensten seiten zu nationalismen und verbrechen gekommen ist. aber auf freiheitsbestrebungen mit schwersten gewaltverbrechen zu reagieren, ist eigentlich eine klare verurteilung wert - ob in tibet oder eben in bosnien. nach dem tod titos 1980 wechselte die höchste funktion im staat jedes jahr in einem rotationssystem: jede der 8 politischen regionen (teilrepubliken und autonome gebiete gleichberechtigt) durfte für ein jahr das staatsoberhaupt stellen. innerhalb serbiens kletterte gegen ende der 80er jahre ein gewisser slobodan milosevic die karriereleiter 16 JENSEITS JENSEITS REPORTAGE GRENZEN GRENZEN REPORTAGE WAGEN PLATZ ganz wien ohne bewohnte wägen... ganz wien? nein! seit zwei jahren leistet der erste wiener wagenplatz seine vorreiterolle um diese art zu wohnen auch in wien möglich zu machen. m/bewegt/wagenplaetze.h tml Wagenplätze gibt es international viele; in Deutschland in Städten der Größe von Graz teilweise schon drei Stück. Nur in Wien musste mensch bisher auf diese Alternative zu Miet- oder Eigentumswohnen im herkömmlichen Sinne verzichten. Seit zwei Jahren gibt es nun erstmals in Wien auch einen solchen Platz. In inzwischen 30 Wägen wohnen nun 20 Menschen. Statt diese legitime Weise zu leben zu unterstützen werden von Seiten der Stadt nur Steine in den Weg gelegt. Anfangs stand der Wagenplatz kurze Zeit auf einem besetzten Grundstück, dann zeitweise untergemietet hinter einer Flohmarkthalle und inzwischen ebenfalls mit Mietvertrag auf einem ungenutzten Grünstreifen inmitten der Simmeringer Gewächshäuser. Ein Mietvertrag scheint der Stadt und dem 11.Bezirk jedoch anscheinend nicht zu reichen und so wur- de dem Wagenplatz inzwischen die Baupolizei auf den Hals gehetzt und dem momentanen Platz droht eine Räumung. Doch bevor wir uns näher mit dem Wiener Platz beschäftigen einmal allgemein eine kleine Einführung darüber, was Wagenplätze sind und wo Mensch noch überall auf solche treffen kann. Wagenplatz: ein Ort an dem ein oder mehre Menschen in Wägen (verschiedenster Art, zB Bauwagen, Wohnwagen, Kastenwagen, Busse, etc.) wohnen. WAGENPLATZ??? KURZE GESCHICHTE DER WAGENPLÄTZE Wagenplätze gibt es bis Ende der 80er Jahre nur sehr sporadisch als Landkommunen und am Rand von besetzten Häusern. - Im Zuge der wachsenden Repression ab Mitte der 80er Jahre ist es in Westdeutschland faktisch nicht mehr möglich, ein besetztes Haus zu halten; die Bauindustrie stellt zu diesem Zeitpunkt auf flexiblere Container um und verscherbelt ihre ausgedienten Bauwägen zum Preis von etwa einer Monatsmiete; erste Wagenplatzbesetzungen, v.a. in Berlin und Hamburg. Im Rahmen der internationalen Häusertage in Hamburg 1990 findet das erste bundesweite Wagentreffen statt; dort wird überrascht festgestellt, dass unabhängig voneinander quer durch Westdeutschland ca. 20 Plätze besetzt wurden. - Bis Mitte der 90er werden an die 100 Plätze in fast allen westdeutschen Städten besetzt, wenige davon geräumt, die meisten geduldet; ab Mitte der 90er erste Legalisierungen, kaum noch Neubesetzungen; Ende der 90er in Berlin große Räumungswelle: von mehr als 15 Plätzen bleiben nur etwa 4 übrig; erste Platzbesetzungen im Osten Deutschlands. Heute, 2008, ca. 50 freie Wagenplätze im deutschsprachigen Raum. ATIONEN WEITERE INFORM htt p://ww w.copyriot.co Zugmaschine oder wenn es sich um einen umgebauten Bus handelt, ist ein Standortwechsel jederzeit möglich. Ein weiterer Vorteil ist der, dass, wenn der Wagen einmal bezahlt wurde, die weiteren Mietkosten um einiges geringer sind als bei einer Mietwohnung (und die Anschaffungskosten auch bei weitem billiger als bei einer Eigentumswohnung). So ist Mensch ab 2-3000€ mit dabei. Ein Nachteil könnte für manche sein, dass ein Wagen doch relativ wenig Platz bietet. Oft sind auf 5-8m2 Küche (Gasherd), Schlafen („Hochbett“), Lager (ein paar kleine Kästen oder Truhen) und Wohnen (ein Tisch zum Klappen oder fix) alle Dinge, die mensch zum Leben braucht, untergebracht. Wer also auf eine große Bibliothek besteht, wird seine Probleme mit dem Leben in Wägen haben (oder sollte anfangen nach einem alten Büchereibus zu suchen). Auch wer auf (warmes) Fließwasser, WC-Anlage u.ä. besteht wird mit einem Leben im Wagen keine Freude haben. Einige von den Nachteilen werden aber durch den Zusammenschluss mehrerer Wägen zu einem Wagenplatz ausgeglichen, so gibt es am Wagenplatz Wien zB einen Küchenwagen und einen Duschwagen. Womit wir auch wieder zurück beim ersten Wiener Platz wären. Dieser kämpft jetzt nun schon seitdem es ihn gibt darum einfach sein zu dürfen. War es anfangs der besetzte Grund, der der Stadt ein Dorn im Auge war (damals sagte ein Politiker: „Suchts euch doch ’nen Mietgrund“), so sind jetzt Wägen dank der Magie der Baupolizei plötzlich zu Bauwerken mutiert. Und das deswegen, weil die (Reifen der) Wägen mit dem Erdreich verbunden sind. Für einen erfolgreichen Wagenplatz in Wien muss anscheinend also nicht nur Miete gezahlt werden, sondern es müssen auch schwebende Wägen her. Dadurch, dass die angemietete Fläche nicht als Bauland oder Zeltplatz gewidmet ist (eine Umwidmung wäre keine große Sache für die Stadt), steht der Wagenplatz nun also dem Vorwurf gegenüber, „illegal“ zu sein (illegale Errichtung von Bauwerken?) und ist auf seinem aktuellen Platz nun von der Räumung bedroht. Zwar hat die Stadt zugesichert, bei der Suche nach einem neuen Platz behilflich zu sein, konkrete Ergebnisse waren da bisher jedoch nicht ersichtlich. Einmal mehr hat der Wagenplatz deswegen Initiative ergriffen und so gab es im Rahmen der Internationalen Aktionstage eine Demonstration für (mehr) Freiräume in Wien sowie eine buntes Wagenplatzfest mit über zweihundert Menschen auf einem Gelände, das für diese Nacht besetzt wurde. Dass der Wagenplatz weiter bestehen wird, das stellen die BewohnerInnen außer Frage, unklar jedoch bleibt, ob die Stadt diese Art zu Leben endlich anerkennt und aufhört, dem Wagenplatz Steine in den Weg zu legen. So wie es auf einem Plakat des Wagenplatzes zu lesen steht: bekennt sich Wien zu Kultur und Vielfalt oder spielt sie weiter Katz und Maus? d .h tm htt p://deu .an l .org /Ka archopedia ohnprojek tegorie:W te ww www. w ag en dorf.de index.ph / p/ Hauptse ite h tt p: // sq u at .n et /d e/ s/a ut sc hl an www. http na i ni t i a t d i r . o r g / n : / / a iv/ bew e g u ng d i r / s me l - DAS LEBEN IN WÄGEN In einen „Wagen“ zu leben hat so wie jede andere Wohnform sowohl Vor- als auch Nachteile. Ein großer Vorteil ist die Mobilität, sprich mit geeigneter der/bambule_netz/wagenplätze.htm JENSEITS 19 PRO GRENZEN GRENZEN CONTRA auf den ersten blick scheinen grenzen in direktem widerspruch zu persönlicher freiheit zu stehen. gerade in kreisen in denen diesem ideal ein hoher stellenwert eingeräumt wird ist besagtes wort grundsätzlich negativ belegt. das ist insofern kein wunder, da die erste assoziation naheliegenderweise nationale grenzen sind – ungerecht ist diese wertung allerdings wohl, da sich jede grenze durch das definiert, was sie ein-/aus-/begrenzt. N ationale Grenzen will und kann ich hier nicht verteidigen – ich will mich sogar von jenen abGrenzen, welche die Idee der Nation für etwas Positives halten. Ich nehme mir auch die Freiheit mich von einigen anderen Meinungen/Ideen/Menschen abzugrenzen und würde dies auch dringend weiterempfehlen. Hier hätten wir ein erstes positives Beispiel dieser imaginären Linien: persönliche Grenzen. Moralische Grenzen wären ein weiteres Beispiel für eine Grenzziehung, die ich jedem Menschen zugestehe. Wäre die menschliche Le- bensdauer unbegrenzt ergäben sich ... gewisse Probleme, geneigter Leserin mag noch einige andere positive Beispiele für Grenzen fi nden – ich werde nun noch auf ein etwas heikleres Thema eingehen: positive Aspekte von territorialen Grenzen. Das Wort „Limes“ sollte aus Mathematik- und Geschichtsunterricht noch hinlänglich bekannt sein. Jener Grenzwall – errichtet unter Kaiser Soundso (von dem ich mich im Übrigen sicherheitshalber abGrenzen will) – ist heute der Inbegriff territorialer Grenzen. Wie auch immer Mensch zu dieser Person oder diesem Imperium stehen mag, der Limesbau an sich enthält einige durchaus positive Aspekte: er signalisiert ein Ende der Expansion und CONTRA Tagtäglich stoßen wir auf Grenzen jeglicher Art: Landes-, Grundstücks- und Armutsgrenzen, Geschlechter-, Körper- und Altersgrenzen, Wahrnehmungs- und Wissensgrenzen und viele mehr. Sie alle besagen: „Bis hierhin und nicht weiter. Hinter mir beginnt die andere Seite“ und beschränken Themen, Gegenstände und Personen auf ein genau definiertes Gebiet. Überschreitungen scheinen nicht möglich oder sind verboten. Überwacht wird das Ganze oft von einer nicht zu fassenden Instanz (der „Hausverstand“?), die sich das Recht herausnimmt, über den Rest der Welt bestimmen und allem/allen den „naturgegebenen Platz“ zuweisen zu dürfen. Anhand von drei Beispielen werde ich nun zeigen, dass Grenzen ein realitätsfremdes Konstrukt sind und sie nur geschaffen wurden, um des Menschen (angeborenes?!) Streben nach Klarheit und Definition zu befriedigen, ihn ganz nebenbei allerdings erheblich einzuschränken. MEHR GRENZEN BRAUCHT DIE WELT situation 1 – landesgrenzen situation 2 – wissensgrenzen Im 16. Jhdt. stellte Kopernikus das bis dahin (außer von einzelnen Vorgänger_innen, auf deren Theorien er aufbaute) unbestrittene – weil auch durch die katholische Kirche verankerte – geozentrische Weltbild in Frage. Seine Thesen erwiesen sich später zwar als teilweise falsch, waren aber dennoch ein wichtiger Schritt für die Wissenschaft. Zu seiner Zeit wurde er nicht ernst genommen. Galileo Galilei stützte sich später auf Kopernikus’ Berechnungen und führte sie weiter aus, was ihm die Verfolgung durch die Inquisition einbrachte. In der gesamten Menschheitsgeschichte zeigt sich, dass Fortschritt nur möglich ist, wenn über Bekanntes hinausgegangen wird. Da dennoch meist nur Wissenschaft innerhalb der festgesetzten Grenzen anerkannt ist, haben Forscher_innen, die diese überschreiten, oft keine Möglichkeit, einen wissenschaftlichen Diskurs ihrer Theorien zu erzielen. Die Reaktion kann von Nichtbeachtung über Verlachung bis hin zu harten Strafen – besonders wenn sie das vorherrschende System gefährden – gehen. situation 3 – Geschlechtergrenzen Eine Person, die sich selber weder als „Mann“ noch als „Frau“ definiert, ist gezwungen, sich bei einem (beliebigen) Formular einer der beiden Gruppen zuzuordnen. Dass die Menschheit die Welt gerne auf Dualismen „vereinfacht“ – oder vielmehr reduziert –, ist nicht neu. Obwohl es wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass es nicht nur die zwei Kategorien „Mann“ und „Frau“ gibt, beherrschen diese unseren Alltag (und führen weitergedacht zur einzig möglichen, „gesunden“ Familienkonstellation). Gerade in diesem Bereich stößt Uneindeutigkeit meist auf Verwirrung, Hass und Diskriminierung, weshalb die Grenze immer wieder neu gezogen und mit „typisch männlichen“ und „typisch weiblichen“ Eigenschaften untermauert wird – die Werbung zeigt uns wie. eine grenze ist oft wie eine mauer, die unüberwindbar scheint. ABER Machst du die Augen zu, damit eine Abkehr vom Allmachtsanspruch der röm. Kultur. Das röm. Reich bekundet deutlich den Verzicht auf die Gebiete nördlich dieser Grenze – es wird toleriert, daß andere Kulturen existieren und weiterexistieren dürfen. Eine ganze Armee ist damit beschäftig dieses Monument zu errichten – eine durchaus vernünftigere Beschäftigung als jene zu der sie eigentlich ausgebildet und bisher eingesetzt wurde. Übrigens waren eben jene Herrscher, deren militärisch expansive Politik hier endet, bestimmt keine großen Freunde der Grenzen: genau wie der erste chin. Kaiser, Stalin und Hitler träumten sie von einer Welt ohne Grenzen: von unbeGrenzter Macht.. GlobalisierungsgegnerInnen mag eine Organisation in den Sinn kommen, welche – zumindest in diesem Zusammenhang – jenen Diktatoren durchaus ähnlich erscheint. Goethe und Schiller waren ihrerzeit in den meisten deutschen Fürstentümern mit Exil belegt. In einer Zeit da mitten durch das heutige Deutschland noch dutzende Grenzen verliefen fanden sie im Fürstentum Jena eine sichere Zuflucht. Heutzutage wären sie europaweit gesuchte Terroristen, in den meisten anderen Ländern lägen ebenfalls Haftbefehle gegen sie vor und vor Grenzenlos agierenden Geheimdiensten wären sie nirgendwo sicher. Auch im Sinne einer kulturellen Heterogenität sind Grenzen durchaus wünschenswert: selbst wenn das globale System mir angenehm wäre, andere Menschen mögen andere Bedürfnisse haben. mehr grenzen braucht die welt Kleine autonome Zellen, klar voneinander abgeGrenzt, in friedlich tolerantem Nebeneinander, freie Wahl des Wohnortes. Verglichen mit der momentanen Tendenz zur globalen Monokultur wäre dies eine drastische Erhöhung der persönlichen Freiheit. Davon abgesehen begrenzt es die Möglichkeit von Machtmissbrauch und erscheint auch evolutionär sinnvoll: „überalterung? fragma mal unsere nachbarn – die haben das Problem nicht.“ „vergiftete flüsse und stickige luft? Vielleicht wissen die Primitivisten von Nebenan Rat.“ „börsencrash? Vielleicht war die Idee mit der Geldwirtschaft echt nicht so gut wie wir dachten …“ tatatoa – friederikeinheim von irene schanda PRO 20 E in vierzehnjähriges Mädchen ist mit ihren Eltern in Schweden wandern. Dabei überqueren sie die Grenze zu Norwegen. Das Mädchen fi ndet es ungemein faszinierend, dass ein einfacher Weidezaun zwei Länder trennen kann und reist so binnen weniger Minuten sechsmal nach Schweden und siebenmal nach Norwegen. Als sie später erfährt, dass die Grenze gar nicht genau am Zaun verläuft, ist sie bitter enttäuscht und fühlt sich betrogen, wenn sie auch nicht weiß, von wem. Ihre Reise entpuppt sich als Illusion – in Wirklichkeit hat sie nichts gemacht als ein paar Mal über einen Zaun zu klettern. Vielleicht hätte sie sich eher auf den Weg konzentrieren und die Landschaft genießen sollen. von friederikeinheim siehst du sie nicht. ABER Tastest du sie ab, wirst du eine Türe fi nden. ABER Ballst du die Faust, kannst du sie zertrümmern. jenseits der grenzen liegt die welt in all ihrer komplexität. JENSEITS JENSEITS 21 MÄRCHEN GRENZEN GRENZEN heute will ich dir, geneigte/r leser_in, erklären, wie es dazu kam, dass landesgrenzen entstanden. die geschichtsbücher versuchen uns immer alles rational zu erklären, doch historische karten verwirren unsere köpfe – sie zeigen uns entwicklungen von ländern, fahrtstrecken, von entdeckern und vor allem jahreszahlen und kriegsbewegungen. doch was war zuerst – grenzen oder kriege? vergiss nun, was man dir in der schule erzählt hat und vernimm die einfache wahrheit über die entstehung des grenzprinzips Vor vielen Jahren saß ein Mann alleine in einer großen Wüste und betrachtete den Sand, wie er sich beim kleinsten Windstoß weiterbewegte und nie auf einem Flecken blieb. Alles vermischte sich ständig, dort, wo er war. Da er selbst jedoch oft tagelang am selben Platz sitzen blieb, wollte er, dass diese Stelle so wie er selbst unveränderlich sei; er wollte nicht akzeptieren, dass Teile dieses Ortes sozusagen umherwanderten und von einem anderen zehn Meter weiter nicht zu unterscheiden waren. Er wollte keine Veränderung mehr, er wollte Klarheit. So legte er eines Tages Äste in einem Quadrat um sich herum auf, um seinen Platz zu bezeichnen. Nun war er zufrieden, er fühlte sich beschützt und geborgen und konnte beruhigt weiter im Sand sitzen. Doch eines Tages wurde seine Ruhe gestört, ein Reisender kam zu ihm und fragte ihn, warum er denn Äste um sich aufgelegt habe. Ruhig antwortete der Mann: „Siehst du die Sandkörner, die mich umgeben? Da sie innerhalb der Äste sind, sind sie mein, sie gehören zu mir wie ich zu ihnen. Nichts verbindet sie mehr mit dem sich ständig verändernden Sandmeer da draußen, jenseits meiner Grenzen.“ Der Reisende hörte interessiert zu und zog schließlich weiter. Lange dachte er über die seltsamen Worte dieses Mannes nach. Je mehr er darüber grübelte, umso mehr Sinn schienen sie zu machen. Was dieser Eremit im Kleinen konnte, sollte doch im Großen genauso möglich sein?! (Dass der Platz des Sandmannes sich dennoch weiterbewegte und mit der Umgebung vermischte und dass der Mann selbst einige Zeit später in einem Sandsturm umkam, scheint hier nichts mehr zur Sache zu tun.) Der Reisende hingegen hatte Großes vor – er hatte es auf die ganze Welt abgesehen. Die Erdoberfläche sollte genauso klar defi niert sein wie der Sitzplatz des Wüstenmenschen. So packte er eine leere Pergamentrolle aus und begann, Linien darauf zu zeichnen. Seine Hand arbeitete zu Beginn noch konzentriert und genau, mit der Zeit fühlte er sich dann immer inspirierter und wurde ausgelassener. Hätte ihn jemand dabei beobachtet, wäre er vermutlich vor dem fiebrigen Glühen in seinen Augen zurückgeschreckt. Schließlich war er fertig. Auf dem Pergament waren nun klare Linien zu sehen; teilweise hatte er sie mit dem Lineal gezogen, teilweise freihändig gezeichnet, wie es ihm gerade eingefallen war. In jedem abgegrenzten Gebiet stand ein Name. So hatte er das Bild der Welt geschaffen, durch seinen Stift waren die Grenzen entstanden, wie wir sie heute kennen – wenn sie sich in Folge, als die Grenzsache Eigendynamik bekam, auch immer wieder veränderten. Er fühlte eine unbestimmte, monumentale Wichtigkeit, die diesem Blatt innewohnte, und so zog er in die Welt hinaus, deren Bild er geschaffen hatte, um seine Botschaft zu verbreiten. Anfangs wurde er von vielen für irr gehalten, doch gab er nicht auf, denn aus seiner Karte, dies wusste er mit Bestimmtheit, sprach die Wahrheit. So kam er aus der Einöde zu Siedlungen, Dörfern und Städten; überall erklärte er den Menschen, die er traf, in welchen Grenzen sie sich befanden. Zunächst schenkte man ihm keinen Glauben, doch schaffte er es mit der Zeit, immer mehr Leute zu überzeugen und seine Anhänger wurden zahlreicher. In Skriptorien fertigte man Abschriften seiner Karte an. Seine Botschaft wurde zum Wissen und seine Welt zu einer Tatsache. Wie genau dies zustande kam, ist in wenigen Worten dennoch nicht zu erklären, denn die Entwicklung weitete sich aus. Vielleicht war der Gedanke des Krieges schuld. Denn auch reiche Menschen, Könige und Fürsten besuchte er und als diese hörten, dass ihr Einflussgebiet begrenzt war, war es nur natürlich, dass sie es auszuweiten gedachten. So kämpfte man blutige Schlachten um Länder und Menschen starben für Striche auf Pergament und Papier. Vielleicht waren es auch die Autoritäten, die sich dem Grenzgedanken hingaben, da sie erkannten, dass einfaches Geld zu machen war, wenn Waren von einem Land in ein anderes geliefert wurden. Vielleicht waren es auch die zahlreichen wohlklingenden Namen, die der Reisende den Ländern gegeben hatte, die die Phantasie der Menschen anregte und in ihnen den Wunsch weckte, andere Länder zu sehen, dessen Stillung naturgemäß auf der Existenz der Länder aufbaute. Man glaubte, nur wirklich zu verreisen, wenn man eine Grenze überquerte. Vielleicht war es auch einfach die Sehnsucht nach einem Zuhause, das man glaubte, allein in seinem Heimatland zu fi nden. Der Reisende Grenzzieher fand es jedenfalls nicht – er zog bis an sein Lebensende herum und verbreitete seine Kunde. Nach seinem Tod geriet seine Person allerdings bald in Vergessenheit und heute ist der Name dieses Erfi nders vollständig aus den Geschichtsbüchern gelöscht. Denn ein Erfi nder war er. Und heute? Heute werden Grundstücke eingezäunt und man kennt seinen Nachbarn nicht mehr. Heute freut sich der Staat über Einnahmen aus dem Zoll. Heute ist das Wort „Ausländer“ in aller Munde und die Angst vor Fremdem in allen Köpfen. Und diese ganze Grenzangelegenheit wurde ausgelöst durch ein paar Sandkörner, die nicht am Platz bleiben wollten und somit einen Dominoeffekt auslösten. Doch dies würde selbstredend kein/e Historiker_in zugeben. 22 JENSEITS JENSEITS 23 von irene schanda LITERATUR e n s ie , b ei T Hier sch reit ag GRENZEN LITERATUR un d be Na ch t, a uf ihrem u n s i c h t b i ar ift d D ü nen f ü h r t. I h r Blick stre er un eld ,F on ih rem Weg, der sie a n uf u n u t e r b e d ie s ie d u r c h i h r e n S c h r it t z ie h e n . e, DIE GRENZGÄNGER ren z sc hlo sse n. So s en sie eh td ich n w ge 24 en zgä nger. manchmal geradlinig, manchmal un den, doch tu im mer bestim m eG von irene schanda i ni da S r ch Wäl der, Flüsse und e du h i n . K e n nen kei n , Land, kein Heim ch l u ch ber Ge ten, ü bi r . e me sse n. Nie halten sie inne nd b g we der nach r en Pfa d e cht s noch nach links, ihre Lider bleiben stets über trüben IM GÄNSEMARSCH im gänsemarsch v wis sen alleine r folgten die grenzsoldaten die gänseblümchen zertretend den mähdreschern oc h e ne r L i und wo sind die gänse? sie liefen ins sichere schilf während die soldatenlemminge im marchhochwasser ertranken en Aug Ihr Geist folgt dem Verlauf ihres Ganges, r ve Sie r sind die G JENSEITS 25 PSYCHOTEST GRENZEN GRENZEN FOTOGRUPPE WIR WISSEN WER DU BIST! der ultimativ normative psychotest. 1) WIE HAST DU DIESE ZEITSCHRIFT ERWORBEN? a) Ich habe sie auf einer Party erhalten. b) Ich wollte gerade einen Filter aus dieser Seite drehen. c) Ich verteil das Zeug! d) Ich hab sie geklaut. e) Ich habe ein Förderabo / kräftig gespendet. 2) ES IST DREI UHR MORGENS, WAS WÜRDEST DU JETZT GERNE TRINKEN? a) Ein paar Energydrinks... und wie wärs mit einem Trinkspiel? b) Hm... vielleicht... diese indische Musik! c) Trinken? Um diese Uhrzeit liege ich längst im Bett, schließlich muss ich morgen arbeiten/lernen. d) Hauptsache illegal. e) Hauptsache bio. 3) WIE GEHT ES DIR GERADE? a) Vuiiiiigas, Partey! b) Voll waach, wie immer aber dreh ruhig noch einen Joint... c) Eigentlich ganz ausgezeichnet - ich bin zwar nicht ganz gesund aber hab schon drei Parkemed eingeworfen damit ich morgen arbeiten/lernen kann. d) Ich bin stinksauer - auf den Staat, die Wirtschaft und die Medien - eigentlich auf Gott und die Welt im Allgemeinen. Mir reichts! e) Ich bin erfreut, dass junge Menschen sich hinsetzen um tolle Projekte wie das Jenseits zu verwirklichen. 4) WO WÄRST DU JETZT GERNE? a) Vuiiiigas, Partey! b) In einer Regenbogenlagune. c) In einem Drei-Sterne-Hotel, all inclusive, wenn möglich. d) Auf den Barrikaden. e) In Afrika, Entwicklungshilfe leisten. 5) WELCHE MUSIK WÜRDEST DU JETZT GERNE HÖREN? a) Goa b) Das Rauschen der Blätter im Wald. c) Ö3 d) Punkrock oder Freetekno e) Weltmusik 6) WELCHES IST DEINE LIEBLINGSDROGE? a) Speed b) Weed c) Koks d) Keine Macht den Drogen! e) Fairtrade Kaffee 7) WOMIT VERDIENST DU DEIN GELD? a) Drogenverkauf b) Sozialhilfe und Straßenkunst c) Überstunden d) Ähem... das... hab ich gefunden, ehrlich! e) Ich bin im Sozial- oder Bildungsbereich tätig. 8) WOVON HANDELTE DEIN LETZTER TRAUM? a) Mein letzter Traum? Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal mehr, wann ich das letzte Mal geschlafen habe. b) Wenn ich was geraucht habe, träume ich nicht. c) Geld... von viel Geld. d) Von der Revolution. e) Vom weltfrieden. a) b) c) d) e) Du wolltest immer schon wissen wer du bist? Wir helfen dir, die richtige Schublade zu finden. Einfach zutreffende Antwort ankreuzen. 9) ZERPLATZEN SEIFENBLASEN? Ja, aber die Party geht weiter. Nein, niemals. Seifenblasen? Wasn das bitteschön? Ich sorg schon dafür. Nicht, wenn ich es verhindern kann. 10) WELCHES IST DEINE LIEBLINGSPFLANZE? a) Neonschwammerl b) Bäume c) Rasenziegel - die sind so schön gleichförmig. d) Unkraut e) Eine bisher unbekannte Pflanze, die jede Krankheit heilt. 11) WOFÜR WÜRDEST DU DEIN LETZTES GELD AUSGEBEN? a) Egal, Party geht auch ohne Geld. b) Gemeinschaftsfrühstück kaufen. c) Gewinnbringend anlegen. d) Abfackeln, Geld ist scheiße! e) Spenden. 12) WELCHE DIESER EIGENSCHAFTEN BESCHREIBT DICH AM BESTEN? a) Übernachtig b) Friedlich c) Fleißig d) Frech e) Verantwortungsvoll. a) b) c) d) e) 13) WELCHES TIER WÄRST DU GERNE? Kleinlaut Hellgrün Kaum Eintopf Machts ihr da einen Psychotest? JENSEITS 28 PSYCHOTEST GRENZEN GRENZEN COMIC AUSWERTUNG - WIR WISSEN, WER DU BIST! Angekreuzte Buchstaben abzählen und eintragen - Vorsicht! Frage 13 wird nicht gewertet. Zeigt sich die deutliche Mehrheit eines Buchstabens, liegt eine Schublade für dich weiter unten bereit. Ist der Unterschied zwischen den meistgewählten Buchstaben geringer als drei, so bist du ein Mischtyp, vermutlich schizophren und solltest am besten Tabletten schlucken. a) b) c) d) e) Bemerkung: Zusammen mit diesem psychologischen Test wurden uns die Ergebnisse der Anwendung des Testverfahrens auf die Ersteller_innen übermittelt. Dazu nur soviel: Die meisten sind schizophren und sollten Tabletten schlucken, ausnahmslos alle haben eine auffallende Tendenz zu Schublade (B) - vielleicht erklärt dieser Umstand die etwas unorthodoxe Herangehensweise an das sonst so streng und ernsthaft betriebene Genre "Psychotests". schublade a) vuigas partey people VPP`s lassen keine Gelegenheit zur Party aus. Du verschläfst meist den ganzen Tag und kannst dich oft nicht mehr an die Nacht davor erinnern. Du kommst gut mit Bewohnern_innen der Schublade (D) zurecht, (B) ewohner_innen sind dir meist zu zaach, aber wenn diesen Hippies das Gras ausgeht, kannst du auch mit ihnen viel Spaß haben. Das Leben ist eine Party für dich, aber vergiss nicht hin und wieder auch etwas zu essen. schublade b) zaache hippies Die Welt ist dir viel zu stressig. Am liebsten sitzt du unter einem Baum, weit weg von der stinkenden Stadt, aber Hauptsache du hast einen Joint. Es fällt dir oft schwer, dich aufzuraffen und etwas zu machen. Viel lieber träumst du von einer besseren Welt. Eigentlich kommst du mit allen anderen Schubladen gut zurecht, auch wenn VPP`S(A) viel zu stressig, Typ (C) viel zu konservativ, Typ (D) schrecklich gewalttätig und (E) zu arrogant ist. Das Leben ist ein psychedelischer Traum für dich, behalte deinen Glauben an das Gute! schublade c) praktische arbeitskraft Im Mittelpunkt deines Lebens steht die Arbeit, wenn du dann noch Haus und Familie hast bist du zufrieden. Das System braucht mehr Leute wie dich, aber du gehst dabei zugrunde! Du solltest dein Leben ernsthaft überdenken und die Schubladen B und D besuchen. Bewohner von Schublade (A) und (E) hingegen könnten deine Situation verschlimmern. schublade d): ewige_r rebell_in Alles ist Scheiße und _du_ wirst das ändern! Dein Leben ist ein ewiger Kampf - mit einem scheinbar übermächtigen Gegner. Mit Schublade (C) bist du im permanenten Konflikt, aber in den Schubladen (A) und (B) fi ndest du treue Verbündete, für Typ (E) stellst du einen wertvollen Einfluss da. A la barricadas! Lass dich nicht unterkriegen, aber auch du darfst dich manchmal entspannen. schublade e): der unverbesserliche gutmensch Du glaubst an das Gute im Menschen - besonders bei dir selbst. Du bist frei von Sünde und machst eigentlich alles richtig. Wenn nur die anderen auch so schlau wären, aber was solls: daran arbeitest du ja schon... zumindest gibst du anderen Geld um dafür zu arbeiten. An Spendensammler_innen kannst du nicht vorbeigehen ohne deine Kreditkartennummer herzugeben. Zwar arbeitest du fast genausoviel wie Bewohner der Schublade (C), damit dir - bei all den Überweisungsaufträgen an zwielichtige Scheinfi rmen - noch Geld zum Leben bleibt, aber dafür ist deine Wohnungstüre mit Aufklebern von ai, Greenpeace uvm. tapeziert, damit dich jede_r bewundern kann. Vielleicht solltest du mehr Zeit mit den Rebell_innen aus Schublade D verbringen - auch (A) und (B)wohner können einen positiven Einfluss auf dein Leben haben. Meide dringlichst Schublade (C), sie würde dich verderben! VERSCHWÖRUNGSTHEORIE GRENZEN GRENZEN C KOCHEN FÜR ALLE B B C A C A B C B B C C C B A Es ist eine Art zu leben, eine Art hinzuhören, eine Art kreativ zu sein. Und davor hat "das Alteingessesene" nun Angst... niedlich ;) Lasst euch nicht den Spaß verderben, Friederikeinheim 32 JENSEITS A "Die Alteingesessenen" sind also im Grunde ein System. "Das Alteingesessene". Es" ist überall in der Geschichte der Menschheit zu fi nden: uralte patriachale Bräuche und Überlieferungen, Monarchien, Missionierungen, Kolonialismus, Sklavenhaltung, Weltkriege, Scheindemokratien, Faschismus, Völkermord, eiskalte Kriege, Wirtschaftskriege, Kriege gegen die eigene Bevölkerung, die aktuellen Kriegshandlungen, die zunehmende Überwachung, die zunehmende Monotonierung - der Medienlandschaft, der Politik, der Persönlichkeiten. Den Tritten in die Magengegend, C A A C B C Woher ich das alles so genau weiß? 23 der Singular-Lebensformen, 42 der Paar-Lebensformen und etwa 2342 andere Lebensformen der V.F.H.G leben ständig auf der Erde. Die Zahl der Nomaden ist ständigem Wechsel unterzogen. Um der V.F.H.G anzugehören ist es nicht nötig irgendetwas zu unterschreiben oder sich irgendwo einzutragen. A A A B B B All diese Personen sind in ihren politischen Entscheidungen schwerlich als Einzelpersonen zu betrachten, da jede ihrer Entscheidungen durch ein komplexes Regelsystem - einerseits auf parteilicher, andererseits auf Verfassungsebene -, ein politisches Klima, eine Medienlandschaft, den Druck der Wirtschaft und schlussendlich durch absehbare Konsequenzen auf den eigenen Status auf ein minimales Spektrum reduziert ist. Grundprinzipien der V.F.H.G. sind Freiheit, Heterogenität, Geschwisterlichkeit, Solidarität - insbesondere in Zeiten der Not - sowie Einfühlsamkeit. C B C B A C A A B A A B C A A B B Wer "die" sind? Gute Frage... Alle? Niemand? Einige. Nennen wir sie "die Alteingesessenen" - klingt irgendwie mystisch - wird mir noch sehr zugute kommen. Bezüglich des Pankahyttnvorfalls scheint die Order von einer Stadträtin ausgegangen zu sein. Von den Tritten in die Magengegend wurde mir bei der Räumung in der Spitalgasse berichtet - verantwortlich sind sowohl Einsatzleiter als auch jede_r einzelne Polizist_in welche_r an der Räumung beteiligt war. Im Falle des Wagenplatzes war es die Baupolizei, welche die Wägen zu Bauwerken erklärte. B A A B A Die V.F.H.G. ist ein loser Zusammenschluss von verschiedensten Lebensformen. “Lebensformen” ist hier nicht biologisch gemeint - jeder Lebensform gehören Abkömmlinge verschiedenster Spezies an, Mischlinge sind nicht selten. Nein, mit Lebensform ist eine Art zu leben gemeint. Die meisten Lebensformen existieren in kleineren Gruppen von zwölf bis einhundert Personen. Manche leben in wesentlich größeren Gemeinschaften, manche in noch kleineren. 230 Lebensfromen existieren als Einzelpersonen, 420 in Paaren. 1 Million lebt nomadisch und reist von Lebensform zu Lebensform. Insgesamt sind etwa 2,5 Millionen Lebensformen Teil der V.F.H.G. Zwischen diesen Lebensformen besteht reger kultureller, wissenschaftlicher und intelektueller Austausch. A Manchmal fragt man sich schon was in "deren" Köpfen so vorgeht. Wenn zum Beispiel eine friedliche Sitzblockade durch Tritte in die Magengegend aufgelöst wird, die Punkahyttn bei der Mayday von der Polizei eingekesselt wird oder ein netter kleiner Wagenplatz schon wieder vertrieben wird, obwohl endlich privater Grund gefunden wurde, der dieser Idee zur Verfügung gestellt wurde. der Mayday und dem Bauwagenplatz. Und damit wären wir wieder in der Gegenwart. Klar ist: "Das Alteingesessene" hat Angst. Angst vor der intergalaktischen Vereinigung für Freiheit, Heterogenität und Geschwisterlichkeit. C A A C C B B C & GESCHWISTERLICHKEIT C B A C HETEROGENITÄT A C A LITERATUR REZEPTE „ZITATSALAT“ ODER „LITERARISCHER FREEJAZZ“: Zutaten: A Bücher aufschlagen, Zitat in den Raum werfen, passende Zitate unter ständigem Blättern hinzufügen. Zitieren bis das Experiment zu stocken beginnt. Aufnahmegeräte oder Publikum je nach Geschmack hinzufügen. Die zündende Idee zu einem Spannungsbogen ausarbeiten. Texte nach geeigneten Zitaten durchforsten und in verschiedenen Kombinationen anordnen. Gelungene Kombinationen festhalten und vergleichen. Widerkäuen bis ein in sich stimmiger Text entsteht. Musik und Bildmaterial nach Geschmack beifügen. Anschließend gründlich Proben und in großem Stil aufführen. A B A A FÜR FREIHEIT C B B CC A C A A C C C VEREINIGUNG C A B B A A C C C B A C DIE INTERSTELLARE B A „SPAGHETTI LITERATI“ ODER „LITERARISCHES ORCHESTER“: Zutaten: AB A A 2 bis 6 Literat_innen 4 bis 18 Bücher_innen 1 Prise Improvisation (innen und außen) Zubereitung: B B B C A B C A A 2 bis 4 Literat_innen 4 bis 10 Texte 1 zündende Idee Schreibgeräte 1 großer Bogen Papier Scheren Klebeband Zubereitung: A 33 ES WAR EINMAL IM JENSEITS GRENZEN GRENZEN ROMANPROJEKTE ich steig in die u-bahn ein, setze mich mit einem freund in ein 4er eck der u-bahn. neben uns in fetten blockbuchstaben: „SCHEISS NIGGER RAUS“ ES WAR EINMAL IM JENSEITS NR. 8 Hach ich liebe Wien... Schnell zücke ich einen fetten Lackstift und mache mich ans Werk. Aus Nigger wir in kürzester Zeit „Faschisten“ und das ganze wird mit „Rassismus und Fremdenhass tötet“ verziert. Gerade rechtzeitig um auszusteigen werde ich fertig... mit guten Gewissen betrachte ich noch ein Mal die Wandmalerei und dann steige ich aus der U-Bahn. Doch was muss ich mit anhören? Gerade, wie ich bei einer älteren Frau vorbei gehe, höre ich ein leises „Kein Wunder, wie der auch nur aussieht... was sollst denn auch Anderes erwarten“ mit anschließendem abschätzendem Blick auf mich. Laut zur Frau „Dann fi nden sie es etwa OK wenn Hakenkreuze auf Wände geschmiert werden??“. „Nein, aber das ist ja ganz´ was Anderes“ kommt es zaghaft aus Richtung Greisin zurück. Laut, diesmal mehr an den ganzen Zug gerichtet „Dann fi nden sie es also in Ordnung wenn NIGGER RAUS an den Wänden steht“ und weil der Zug gleich abfährt „Sind sie fremdenfeindlich??“. Als ich aussteige, bemerke ich noch einige verwunderte Gesichter, aus ihrenmAlltagstrott herausgerissene MenschInnen. MenschInnen mit ihrem grauen starren Alltagsblick, der nichts anderes als „Mein Leben ist sicher, es wird nie etwas geschehen. Nur weiterhin brav die Krone lesen, mich mit „Gilette Mach3“ rasieren und meine Waffe(n) zu Hause haben.“ Abgetaucht in ihrer vollkommen funktionierenden Welt... Krieg? was für ein Krieg?? Ausländerfeindlichkeit?? Was für Ausländer??? Aber auch ein, zwei Gesichter, die mich freundlich und zustimmend anblicken. Wenigstens irgendjemanden hab ich also erreicht! Zu gerne hätte ich noch mehr gesagt, mit den MenschInnen in der U-Bahn diskutiert, sie gefragt, ob es etwa besser werden wird, wenn man immer weg schaut... so tut, als ob einfach nichts wäre, als ob es Fremdenhass und Rassismus in Österreich nicht gäbe, als ob Österreich das Land der Seligen/ Heiligen wäre - ja nicht hinschauen, wenn jemand auf offener Straße angepöbelt wird, nur weil er/sie die „falsche“ Hautfarbe, das „falsche“ Kopftuch, den „falschen“ Button trägt?? Ist es etwa normal, dass ich, nur weil ich Dreads trage oder weil ich einen Iro hab, aufpassen muss, dass mich keiner schlägt, wenn ich sage, was ich denke? Nur weil ich schwarz/blau scheiße fi nd ich das im Geschichtsunterricht nicht sagen kann, weil mein/e ProfessorIn halt die Rechten wählt und die/der mich sonst fertig macht?? Ergreift die Initiative! Macht Rassismus und Diskriminierung zum Thema. Schaut nicht zu, wie rechtes Gedankengut wieder salonfähig gemacht wird. Diskutiert in eurer Klasse, in der Arbeit oder auf der Uni, schaut nicht zu, wenn jemand angestänkert wird, hört nicht zu, wenn jemand über die „scheiß Ausländer“ und „Drogendealer“ lästert. Redet dagegen, es kann kaum schlechter werden, beweist Zivilcourage! Und im Übrigen: AusländerIn bist du (außerhalb Österreichs) auch. Wie lange bist du schon in Österreich? Wie lange deine Eltern? Deine Großeltern? Deine Freunde? enschen in Bewegung, in Extremsituationen sind für die hauptsächlich bildende Künstlerin seit jeher ihr Thema. So auch in den vorliegenden Romanprojekten über den jungen, masochistischen und bisexuellen Tänzer Heinrich, der seine physischen und psychischen Grenzen auslotet, auch mit dem Rasiermesser, und der jungen Malerin Riki, die seine Narben, seine Erschöpfungszustände, seine blutenden Wunden malt. Riki betrachtet wieder Narben und Kratzer auf seiner Haut, berührt und streichelt ihn. „Es erregt dich sehr, dir weh zu tun, hab ich recht? Ich hab es gesehen. Du warst total high.“ Sie schluckt, streichelt ihn aber weiter. Heinrich beobachtet sie nachdenklich, zögert, dann sagt er: „Möchtest du das wirklich so genau wissen?“ Sie sucht seine bernsteinfarbenen Augen, weicht ihnen wieder aus. „Du machst das also nicht nur, weil du traurig oder depressiv bist…?“ - „Doch, ich denke schon… - Aber einen bestimmten Anlass brauche ich nicht immer dafür…“ - „Ist dein Tanztraining, so, wie du dich verausgabst, gar quälst, nicht schmerzhaft und obsessiv genug für dich?“ fragt sie, behutsam jedes Wort abwägend, ohne ihm direkt ins Gesicht zu sehen. - „Doch“, sagt er und ruht mit seinen Blicken auf ihrem, gelassen und ohne verlegen zu sein. „Und ich lote dabei jedes Mal von neuem meine Grenzen aus, erweitere sie, such mir neue… – Aber das Bluten ist anders, die Grenzen, die ich wohl nicht akzeptieren kann, sind schneller überschritten…“ Sie sieht ihn erschrocken an und er schweigt. - „Ich würde jetzt gerne noch etwas schlafen“, sagt er schließlich. „Ich habe mir für Montag einen Saal gemietet. – Für ‚Pas de Deux’-Übungen, du kannst dir, glaube ich, vorstellen, was sich dabei in meinem Körper abspielt – und muss sehen, dass ich möglichst rasch wieder auf die Beine komme.“ - „Du siehst aus, als ob du eine Woche Krankenstand gebrauchen könntest.“ sagt Riki trocken. - „Ich weiß“, sagt er wieder mit fast eisiger Ruhe. „Hervé wird auch nicht begeistert sein, wenn er mich so sieht. – Er hat mir nicht nur einmal angedroht, mich den Saal zahlen zu lassen, ohne mir Unterricht zu geben, wenn ich weiter in so einem Zustand bei ihm auftauche. – Aber er ist genauso wie ich besessen davon, meine Grenzen auszutesten, obwohl ich überzeugt davon bin, dass er Angst davor hat, sie eines Tages nicht mehr klar erkennen zu können… “ Er lacht plötzlich. „Und Gabi ist ein sadistisches Miststück, aber sie hasst mich!“ - „Hervé mag ein Perfektionist sein, ein sadistischer sogar. Und dein Philip war genauso – oder schlimmer?“ sagt Riki und ein kalter Schauer kriecht ihr dabei langsam die Wirbelsäule entlang. „Aber hast du keine Skrupel – sie zu deinen Mördern zu machen?“ „Schmerz und Demütigung hast du gesucht.“ sagt sie leise. Und ich muss lächeln über ihre Unnachgiebigkeit, mit der sie mich jedesmal zwingt, ihr – und mir selbst – einzugestehen, was für ein kranker Freak ich bin. – Als ob das irgendetwas ändern könnte. „Hat er dich danach überhaupt noch respektiert?“ legt sie eines nach. - „Doch, vielleicht sogar mehr als zuvor – als er es noch nicht ausprobiert hat, als er es nur in meinen Augen und an meinem vernarbten Körper gesehen hat.“ Ich hole tief Luft. „Es war ja keine Beziehung – es war ein Duell, ein Machtspiel zwischen uns. – Denn wer meine Grenzen erreichen will – muss erst seine überschreiten können…“ Gegen Grenzen, gegen Intoleranz und ein Brett vorm Kopf, für eine tolerante Welt, gegen Rassismus!!! Denn jeder weiße, schwarze, rote, gelbe, kiffende, atmende, normale, schwule, lesbische, moslemische, jüdische, christliche, heidnische Mensch, auf der Flucht, heimatlos oder zu Hause IST ein MENSCH und als solcher GLEICH ! JEDE AUSGABE EIN "ALTER" TEXT VERGANGENEN JENSEITS PAPIER“ JENSEITS „FLEISCH UND Erika Dellert-Vambe AUSSCHNITTE AUS DEN ROMANPROJEKTEN 34 „GEFICKTE SEELE – VERNARBTE HAUT“ JENSEITS 35 KURZGESCHICHTE GRENZEN GRENZEN KURZGESCHICHTE Schmal war der Pfad und eintönig. Er schien links und rechts abschüssig, ich musste auf jeden meiner Schritte achten. Ich hätte genauso gut daneben treten können, wenn ich abstürzte, würde es keinen Unterschied machen. Stundenlang schien ich schon auf diesem Weg dahinzugehen, unwissend, wohin er mich führte, unwissend, woher ich kam, unwissend, wohin ich wollte. Finsternis umgab mich; der Himmel schien bedeckt, zumindest waren keine Sterne zu sehen. Doch noch mehr war die Nacht in mir. Dennoch ging ich weiter, an sehr engen Stellen war ich manchmal sogar gezwungen, zu balancieren während meine Arme mein Gleichgewicht suchten. Was für ein Wille ließ mich so tanzen und trieb mich am Felsgrat voran, geradeaus, der Dunkelheit entgegen? Meine Frage sollte schon bald beantwortet werden. Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich vor mir ein Schranken auf. Links davon war eine kleine Holzhütte, sie schien in der Luft zu schweben. Ich wagte nicht einfach unter der Absperrung hindurchzuschlüpfen und so trat ich ein. Spärlich war der Raum ausgestattet: eine Wanduhr, ein Schreibtisch mit Lampe und ein Stuhl, auf dem eine Greisin saß. Durch dicke Brillengläser blickte sie auf ein großes Buch, das vor ihr aufgeschlagen lag, und rauchte eine Pfeife. Sie erinnerte mich an eine alte, verrunzelte Birne, die schon vor langer Zeit den letzten Tropfen Wasser verloren hatte. Sie schien mich nicht zu bemerken. Ich räusperte mich. Langsam hob sie den Kopf und musterte mich. Dann vertiefte sie sich wieder in ihre Lektüre. Noch einmal räusperte ich mich. Erneut blickte sie auf und schaute mich fragend an. Verwirrt kratzte ich mich am Kopf. Uninteressiert senkte sie den Blick wieder. Doch kein Wort, keine Geste. Die Stille wurde allein vom Ticken der Wanduhr gebrochen. Ein drittes Mal machte ich auf mich aufmerksam: ich sprach. Ich konnte mich nicht erinnern, wie lange schon kein Wort mehr über meine Lippen gekommen war; nun war meine Stimme eher ein heiseres Krächzen als eine harmonische Melodie: „Guten Abend. Wo bin ich hier?“ Diesmal blieb ihr Blick gesenkt: „Guten Abend. Wo bin ich hier?“ kam mir als Echo zurück. „Es tut mir leid, wenn ich störe. Aber dies scheint eine Grenze zu sein und es schien mir nur angebracht, mich bei Ihnen anzumelden. Ich will durch den Schranken gehen.“ „Schranken?“ gab sie mir verwundert zurück. „Ja, draußen vor der Tür. Er versperrt mir den Weg.“ Die alte Frau begann, mich leicht zu nerven. „Nichts und niemand versperrt dir den Weg, wenn du es nicht willst.“ Während sie sprach, hörte sie nicht auf, in ihrem Buch zu lesen, was mich nur noch mehr ärgerte. „Aber wozu dann die Absperrung? Und wozu dieses Häuschen? Ist das hier etwa keine Grenzstelle?“ Langsam glaubte ich, hier meine Zeit zu verschwenden. Ich blickte auf die Wanduhr. Es war fünf vor zwölf. „Wissen Sie, ich gehe da draußen schon ziemlich lange im Dunkeln dahin. Der Weg lässt auch zu wünschen übrig, der dürfte noch nie richtig befestigt worden sein. Und nun können Sie mir nicht einmal sagen, auf was für einer Grenze ich mich befin- sonst da?“ „Ich? Ich erteile gar nichts.“ „Aber können Sie mir dann wenigstens sagen, wo wir sind?“ Ein geheimnisvolles Lächeln umspielte die Lippen der Frau. „Warum ist es Nacht?“ Was sollte das nun? Ich wollte hier eine Auskunft haben! Und sie war es, die hinter diesem Schreibtisch saß! „Was meinen Sie damit?“ fragte ich ziemlich unfreundlich.„Nun, ich meine es genau so, wie ich es gesagt habe: warum ist es Nacht?“ „Woher soll ich das wissen? Weil nicht mehr Tag ist? Weil die Sonne untergegangen ist? Weil es fünf vor zwölf ist?“ „Hier ist es immer fünf vor zwölf. Das tut nichts zur Sache.“ Nachdenklich rauchte sie ein paar Züge, bevor sie fort fuhr. „Es ist mit der Nacht so wie mit der Grenze.“ Was sollte das nun wieder heißen? Schön langsam verstand ich gar nichts mehr, die Alte schien einfach völlig verkalkt zu sein und keine sinnvolle Antwort geben zu können. „Was soll denn die Nacht mit der Grenze zu tun haben? Die wird doch wohl bei Tag auch da sein, oder?“ Würde dieses Gespräch nicht bald zu einem Ergebnis führen, konnte sie mich gern haben. Egal ob ich damit etwas Unrechtes tat, dann würde ich den Schranken einfach überschreiten und Diese Frau machte mich mit ihren Fragen ziemlich nachdenklich. „Ich habe mich ja eigentlich schon oft gefragt, warum das so ist. Aber eine Antwort habe ich nie gefunden.“ „Das liegt daran, dass du am falschen Ort suchst.“ Nun wurde ich etwas zuversichtlicher: „Ach, dann können Sie mir etwa die Antwort geben?“ „Nicht so schnell. So leicht ist es nicht. Du musst sie in deinem Inneren suchen. Und hast du sie gefunden, so werde ich nicht mehr da sein. Genauso wenig wie diese Grenze, von der du die ganze Zeit redest.“ „Wie soll ich das verstehen?“ Nun beugte sie sich vor und blickte mir eindringlich in die Augen. „Grenzen sind nur dann da, wenn du sie dir schaffst. Was ist das für ein Weg, auf dem du gehst? Was ist die Grenze, die du überschreiten willst? Von wo soll sie dich wegführen? Wohin soll sie dich bringen?“ Ihre Fragen hallten wie ein Echo in meinem Kopf nach. Und ich erkannte, dass sie schon immer dort gewesen waren. Im selben Moment verschwamm mir das Bild vor Augen und ich befand mich wieder auf meinem Weg. Alleine stand ich da und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Ich verstand nun. Ich erinnerte mich, wie ich auf diesen Weg gekommen war. Und ich sah, dass ich es gewesen war: ich selbst hatte mir diese Grenze gewünscht. Diese Grenze als letztes Anzeichen einer Veränderung. Doch würde der Weg an der anderen Seite genauso weitergehen wie davor, wenn ich nicht gewillt war, ihn zu ändern. Doch nun sah ich, dass ich dies konnte. Alles entsprang in mir. So ging ich entschlossen den Weg zurück. Ich wanderte einige Zeit in der Dunkelheit dahin, doch hatte ich diesmal ein Ziel vor Augen. Nach vermutlich sehr langer Zeit sah ich eine Gestalt am Wegesrand sitzen; sie war zusammengekauert und schien zu schlafen. Als ich mich ihr weiter näherte, bemerkte ich allerdings, dass ihre Augen geöffnet waren und leer geradeaus vor sich hin starrten. Lange hatte ich mir schon nicht mehr selbst in die Augen geblickt. Langsam begannen sie sich nun zu erhellen: es war der erste Sonnenstrahl eines neuen Morgens, der sich in ihnen spiegelte. Ich hatte ganz vergessen, wo ich mich verloren hatte. Oder hatte ich es damals gar nicht bemerkt, dass ich mir selbst abhanden kam? Nun legte ich eine Hand auf mein Herz und fühlte es schlagen. Langsam half ich mir auf; ich blieb noch lange stehen und sah dem Himmel zu, wie er sich allmählich erhellte. Dann betrat ich zuversichtlich wieder meinen Weg und ging ihn zwar noch etwas holprig, aber bewusst weiter. Ich versprach mir, niemals mehr meine Hand loszulassen. Mit jedem Schritt wurde ich kräftiger und obwohl ich den Weg schon einmal gegangen war, war er mir völlig unbekannt denn er erstrahlte in allen Farben der Welt. von Irene Schanda de!“ Nun hob sie den Kopf, nahm ihre Brille ab und blickte mich mit klaren Augen an. „Du sprichst von Grenzen und doch weißt du nicht, was du meinst.“ Sie zog an ihrer Pfeife und fabrizierte drei gleichmäßige Rauchkringel, die sich nicht auflösten, sondern langsam zur Tür hinaus schwebten, in die Nacht hinein. „Da haben Sie Recht, da ich nicht weiß, wo ich mich befinde. Und Wenn Sie nicht die Freundlichkeit besitzen, mir dies mitzuteilen, so werde ich wohl hier bleiben müssen. Ohne Genehmigung überschreite ich diese Grenze nicht.“ „Und wer soll dir die erteilen?“ „Na Sie! Wozu sind Sie denn auf dem Weg weitergehen. „Du verstehst nicht. Beides hat mit dir zu tun.“ Mit mir?! Leichte Angst stieg in mir auf. „Wie meinen Sie das? Mit mir?“ „Hast du dich noch nie gefragt, warum immer Nacht ist? Kannst du dich überhaupt noch erinnern, wann das letzte Mal die Sonne geschienen hat?“ „Ach, so lange ist nun auch noch nicht Nacht gewesen“, versetzte ich etwas unsicher, aber dann fügte ich hinzu: „Aber eigentlich habe ich mich schon oft gewundert, warum die Sonne nicht und nicht aufgehen will. Ich glaube früher war das nicht so, oder?“ „Das weißt nur du allein, für jeden ist das anders.“ schmal war der pfad und eintönig … 36 JENSEITS KURZGESCHICHTE GRENZEN GRENZEN KURZGESCHICHTE TAGEBUCH EINES PUBERTIERENDEN AUSREISSERS Der Geist wurde als Sohn des Willens und der Möglichkeit am Tage der Vermählung gezeugt und unter guten Sternen nach etwa neun Monaten zur Welt gebracht. Vor einem Atemzug noch wohlig eingenistet in beruhigend freiem Chaos, fi ndet er sich nun Form und Gestalt angenommen in einer Ordnung wieder, die verwirrender nicht sein könnte. So begab es sich zu einer Zeit, als die zeit als Zeit noch gar nicht erkundet war, dass drei Ameisen in genau dem selben Moment genau den selben Schritt zu machen schienen. Die anderen Ameisen kümmerte das wenig, um so mehr jedoch die beiden ersten Spezialisten der heute Zoologie genannten Naturwissenschaft. Eine gute Ewigkeit hatten die beiden auf diesen Moment gewartet. Doch wie sich gleich herausstellt, hatte der eine genau in diesem kurzen Moment blinzeln müssen. Nach langen Streitereien, wilden Kämpfen und zum Scheitern verurteilten Vermittlungsversuchen lagen die beiden bewusstlos nebeneinander und erstickten letztendlich an ihren eigenen Zungen. „So ist das.“ Sprach der gelbe, recht kleinwüchsige Apfelbaum , während er über meinem Kopf seine Äpfel fallen ließ. „Hör auf!“, schrie ich, doch er wollte nicht hören. „Dann wirst du fühlen müssen“, dachte ich still bei mir, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, und begann langsam und mit sicherem Schritt auf ihn zu steigen. Da sah ich eine wunde Stelle; anscheinend eine Hand voll Würmer, die mir bei meinem Racheplan feine Gehilfen waren. Mit einem Satz sprang ich auf den angefressenen Ast wippte drei, vier mal auf und ab, ab, knirsch, knack, prack. Zornig geworden schleuderte er mir seinen Arm und den Rest seiner Äpfel hinterher. Das Wetter hier ist beschissen. An schönen Tagen regnet es und wenn die Sonne scheint, glaubt man, einem zerspringt das Hirn. Eine Wolke stickstoffdurchsetzter Dampfkammerluft verfolgt den Gärtner auf Schritt und Tritt, wie ein Wespenschwarm, dem man den Stock mit einem Stecken zerschlagen hat. Mein Hirn fühlt sich an, als ob es, gerade direkt aus dem Tiefkühlfach genommen, in der Mikrowelle wie ein Pudding auftaut und langsam aber sicher zerfällt. Ich höre Schritte während ich vom Schwindel bezwungen auf der Wiese liege und ein „Do you want a joint, man?“ Verständnislos nahm ich Josephs Bemerkung über das schöne Wetter hin. Er war einfach nicht zu verstehen. Verbal noch viel schwerer als die auf dieser Insel verfaulenden Briten. Rein verhaltenstechnisch lagen sie gleich auf. Er war Tscheche, trank ein mal in der Woche zehn ekelhafte Biere in diesem englischen Pub nebenan, meistens in Nächten nach denen er arbeiten musste. Arbeit, exakt fünf Stunden am Tag, hin und wieder eine kurze Pause mit einem zufrieden verachtenden Blick, der jedem galt, der ihn kreuzte. Zwei Units aus seinem Anglické gramatiki Cuibebuice, bis zwei Uhr in der Nacht englische Talkshows, sechs Stunden Schlaf. trennten Lappen, wie Schamlippen, im Wasserstrudel zucken und weiter kräftig bluten sah, wurde mir klar, dass ich Schmerzen hatte. Jetzt kam auch Billy ein bisschen näher, der mir bis dahin nur seine sehr kritische Haltung gegenüber meiner Arbeitsscheu zu verstehen gab. Den nächsten Tag verbrachte ich im Bett. Man wagt es nicht in die Küche zu gehen, auch wenn der Magen schon zu jucken anfängt. Die Chancen, ungesehen und somit frei von Arbeit zu bleiben, sind gering. Ich fühle mich herausgefordert. eine Zigarette, Feuer, daliegen …Als ich wieder zu mir kam war es schon wieder früh und Joseph kam einen Sprung vorbei. Ich dachte es wäre keine schlechte Idee, die Wunde kurz eimal durchzulüften. Joseph rannte hysterisch aus dem Zimmer um jemanden zu benachrichtigen. Mrs. Russel bestand darauf, mich ins Spittal zu bringen, oder mir dann doch eher nur den Weg zum Bahnhof zu erklären. Stümperhaft, dafür schmerzfrei und unversichert kostenlos, wurde meine Hand verklebt, eingepackt und mir wieder mitgegeben. Nach 20 Minuten war ich draußen, der Tag war dem Ende noch fern und ich beschloss, erst zu später Stunde wieder zurück- dem Fingernagel jedes Einzelnen von uns. Es gibt keine Grenze zwischen dem, auf dem wir leben, und dem, in dem das Leben gelebt wird. Es gibt keine Grenze zwischen zwei Dingen, die eins sind. Wanzen, die in sich selbst hineinkrabbeln, in sich selbst hineinscheissen, bis ihnen der ganze atomverseuchte Dreck aus den Ohren herauswächst. Es ist immer so. Das Leben ist so, so, oder anders, aber auf jeden Fall. Es ist sechs Uhr fünfundvierzig, ich sitze seit achtzehn Stunden in diesem Bus und bin seit vierunddreißig Stunden wach. Ich wurde von meinem Platz vertrieben, direkt neben einen deutschen Schäferhund. Nach einer Nacht, in der er versucht hat, seine bösen Träume mit seinen Schwingern zu vertreiben, erwacht er und beutelt sich. Verpasst mir eine in die nüchterne Magengrube. Ich setze mich hinunter zum Fahrer um zu frühstücken. Ein Antibiotikum gegen die Entzündung, ein Sprite zum Hinunterspülen, eine Zigarette zum Dasitzen. Der Fahrer liegt am Lenkrad, wie die Schüler in der letzten Reihe. Seine Augen sind nicht zu erkennen und seine Füße unter seinem hydraulikgedämpften Sitz verschränkt. „A nice Job“, er bewegt sich. Nimmt sich eine Zigarette. Er erzählt mir alle möglichen Dinge übers DIE INSEL Ich kam wieder zu Sinnen. Wie angewurzelt stand ich da. Kein Schimmer, was ich tun könnte. Da vernahm ich eine plötzliche Erschütterung der Humusschicht, und ein zartes Windspiel tierischer Natur, nicht fern von meiner linken sechsten Zehe von rechts, auf meinem linken kleinen Nebenfuß. Ich ging also hinunter um zu sehen, wem ich diesen überraschenden Besuch zu verdanken hatte. Ich erschrak! Es war eine riesige, durch Motoröl getauchte, stinkende, fette, Ratte. Sie begann langsam an mir herumzunagen, und nach einiger Zeit war ich weg, weit, weit weg. Was für ein herrlicher Tag. Abgehoben, lebendig, im Raum wie ein Geist schwebend, der Gravitation trotzend, 500 Waschbetonplatten von A nach B. Hie und da ließ sich ein wilder Fasan im Garten fi nden, den ich nur zu gerne mit einer Steinschleuder totgeschossen hätte, um wenigstens einmal gutes Fleisch essen zu können. Der Besen war scharf. Mein Daumen fi ng zu bluten an. Erst als ich mir in der schon vollgesauten Küche kaltes Wasser darüberrinnen ließ und ich die beiden völlig von einander gezukehren. Die Sonne wandert wie ein roter Lampion hinter einem Vorhang aus verdreckter Seide langsam und unmerklich, aber beständig dem Horizont entgegen. In einem weißen unerkennbaren Gürtel scheint der Himmel mit dem Meer zu verschmelzen. Verfolgt man die Wellen der Canterbury, fi ndet man sich auf einmal in den Lidern der Welt wieder, den Tränen nahe. Die Wolken am Himmel, das All widerspiegelnd, selbst zu etwas Unendlichem werdendend, sind nichts Anderes als der Dreck unter JENSEITS JENSEITS Busfahren, über sein Busfahren. Besonders in der Stadt, erklärt er, sei es wichtig eine Strategie zu entwickeln. Eine Woche fährt er, eine hat er frei. Der Hunger nagt. Am schnellsten vergeht die Zeit zwischen fünf und sieben, wenn man die Sonne fliegen sieht. Die Sonne steht auf zwölf Uhr, ich sehe gar nichts, doch ich weiß, ich bin nicht mehr in England und nichts kann mich jemals wieder dort hin bringen. 38 39 APPELL GRENZEN GRENZEN APPELL Die amerikanische Medienlandschaft gleicht einer Monokultur: Rupert M. kontrolliert „9 satellite television networks, 100 cabel channels, 175 Newspapers, 40 book imprints, 40 television studios, 1 movie studio“ (Laut der weiter unten genannten Dokumentation) und nutzt diese Machtposition um seine politischen Ideale durchzusetzen, seine politischen Freunde zu unterstützen und alles, was von seiner Linie abweicht, zu diffamieren. Mit Journalismus hat die ganze Sache wenig zu tun, seinen politischen Zweck erfüllen diese Instrumente umso besser. Der zweite Wahlsieg von George W Bush, die islamophobe Panik in den USA und in Europa, die Kriegshandlungen der USA: all dies wäre nicht möglich ohne die tatkräftige, populistische und psychologisch leider sehr geschickte Hilfe von FOX und Konsorten. Wen dieses Thema näher interessiert, möge sich die Dokumentation „Outfoxed - Rupert Murdoch's war on journalism“ ansehen. Mit diesem Film haben wir bereits ein erstes Beispiel wie das vorhandene Sysem mit den Mitteln der Medien untergraben werden kann: „Outfoxed“ deckt die psychologischen Tricks, die Bevormundung der Mitarbeiter, die politische Instrumentalisierung der Medien schonungslos auf - und bedient sich dabei der selben populistischen Methoden: animierte Sequenzen emotionalisieren den Zuschauer, ausschließlich Kritiker des Senders kom- die möglichkeit politischer einflussnahme anhand eines aktuellen beispiels Wie aber nehmen diese Medien Einfluss auf das politische Geschehen? Der Einfluss der Medien kann einerseits Wahlergebnise beinflussen - jeden Tag lesen tausende Arbeitnehmer_innen die Heute und bilden sich ihre Meinung aufgrund der dort abgedruckten Populismen, FOX News hat den Wahlsieg von George W Bush bekanntgegeben, bevor dieser überhaupt DAZU GIBT ES GRUNDSÄTZLICH ZWEI METHODEN: 1. Aufbau eigener Medien. Mit Jenseits haltet ihr so einen Versuch in der Hand. Andere Beispiele sind Indymedia, Kanal B, rapiditÈ uvm. Selbstverständlich ist der Einfluss von Jenseits kaum zu vergleichen mit dem von Kronenzeitung und Co, aber Jenseits ist auch nicht der einzige Versuch alternative unabhängige Medien zu etablieren. Überall auf der Welt gibt es unabhängige Medienprojekte - gemeinsam erreichen diese Medien eine beachtliche Menge an Personen. Jedes weitere unabhängige Medium bereichert die Welt - gründet Schul- oder Unizeitschriften, Kunstmagazine, sten Seite sprang mir ein „Extrablatt“ entgegen - eine „Richtigstellung“ bezüglich der Hausbesetzung in der Spitalgasse. Das kommerzielle Medienecho wimmelte damals nur so von Falschmeldungen und Diffamierungen: aus Wasserbechern wurden Exkremente, aus Blumen Blumentöpfe und bald darauf Steine. Ein „deutsches Mastermind“ hätte die ganze Sache organisiert und die „Besetzer“ (stets in der männl. Form gedruckt, deshalb auch hier) seien alle „Punks“ und großteils aus Deutschland gewesen. Jenes „Extrablatt“ war auf den zweiten Blick als Fälschung zu erkennen. Mit den selben populistischen Methoden und ohne jede Scham vor glatten Falschmeldungen (z.B. ist vom Selbstmord eines WEGA Beamten die Rede.) stellten die Aktivist_innen den Lügen der Massenmedien eine andere Meinung entgegen. Dabei wurde das Gratisblatt als Transportmittel genützt und das Medium ideal genutzt. Das „Heule Extrablatt“ ist unter www.xyz.wo zu betrachten und hat mich persönlich durchaus positiv gestimmt, was den Kampf um die Medien betrifft. (AB) USE THE MEDIA ES IST MÖGLICH von Friederikeinheim men zu Wort und Schriftzüge sausen quer durch den Bildschirm mitten ins Unterbewusste des Publikums. Nun kann mensch zwar über die moralische Vertretbarkeit solcher Methoden diskutieren - möge sich dabei aber auch die Frage stellen, ob wir es uns überhaupt leisten können auf diese Methoden zu verzichten und das mediale Schlachtfeld kampflos aufzugeben. Auch die deutsche Medienlandschaft ist auf einer gemeinsamen politischen Linie. Beispiel Chaostage - Filmtipp: „Chaostage, Krieg der Welten“. Und wie sieht es bei uns in Österreich aus? Die Kronenzeitung ist noch immer die auflagenstärkste Zeitung, ihre härtesten Konkurrenten (Heute und Österreich) sind politisch auf der selben Linie und keine dieser drei Zeitungen schreckt vor Falschmeldungen und xenophobem Populismus zurück. Wieso sollte sich die Kronenzeitung mit der Heute selbst einen wirtschaftlichen Konkurrenten aufbauen - wenn es nicht um politische Einflussnahme ginge? Wir sind also auch hier in Österreich mit einer medialen Monokultur konfrontiert, deren Dominanz in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. festsrehen konnte - die anderen Fernsehsender folgten innerhalb von Minuten. Die Einflussnahme auf Wahlergebnisse kann also direkt und illegal oder indirekt - legal - populistisch sein. Andererseits haben Medien die Mˆglichkeit Parteien unter Druck zu setzen und zu beeinflussen. Parteien haben zwar theoretisch ein Parteiprogramm - praktisch geht es allerdings bei jeder politischen Entscheidung auch um die Wahlergebnisse des nächsten Urnengangs. Parteien befinden sich im permanenten Wahlkampf. Wenn nun also die populistischen Blätter die Bevölkerung gegen Wagenplatz/Ausländer/Grundsicherung oä. aufbringt haben die politischen Parteien in Hinblick auf ihr nächstes Wahlergebnis kaum eine andere Wahl als diesem Druck nachzugeben und der politischen Linie der Medienmonokultur nachzugeben. Insofern ändern Wahlergebnisse nur sehr wenig an der realen Politik - viel mehr Einfluss kann mensch nehmen indem die mediale Landschaft mitgestaltet und bereichert wird. LICH dreht Dokus, hängt Plakate auf. Jedes Medium, jede Aktion trägt ihren Teil dazu bei die Macht der kommerziellen Medien zu mindern - vielleicht wäre das richtige Wort „lindern“. Don`t hate the media 2. Gebrauch der etablierten Medien. Jeder einzelne Mensch hat die Möglichkeit Presseaussendungen zu verschicken - als Verein oder Organisation steigt die Wahrscheinlichkeit einer Veröffentlichung. Desto kreativer dabei vorgegangen wird desto eher findet euer Beitrag einen Platz in der Welt der Medien. Medienwirksame Aktionen kommen von ganz allein in die Zeitungen - wenn diese vorher informiert werden - aber VORSICHT: insbesondere, wenn es um ungewöhnliche, libertäre, neuartige und wunderschöne Ideen geht, neigen die kommerziellen Medien dazu diese als gefährliche Disopien darzustellen. Eine besonders effiziente Methode Medien zu benützen um eigene Inhalte zu transportieren geriet mir vor kurzem eher zufällig in die Hände: als Inspiration für diesen Artikel habe ich mir vor einigen Tagen die erwähnte Gratiszeitung geschnappt. Gleich auf der er- *Anmerkung des Autors: Die Reihe „Es ist Möglich“ sollte ursprünglich eine dreiteilige Artikelreihe werden, welche anhand der Frauenbewegung_en beweist, dass ausserparlamentarische Einflussnahme auf politische Entwicklungen durchaus möglich ist. Teil (1) und eine nähere Einleitung findet geschätzter Leserin in Jenseits Ausgabe N.10 - oder auf Anfrage bei office@kukuma.info. Aufgrund aktueller Ereignisse und Inspirationen bin ich insofern von diesem Konzept abgekommen, als dass die Beweisführung nicht mehr ausschließlich anhand der Frauenbewegung_en erfolgt. Dies stellt keine Distanzierung von den emanziptorischen Errungenschaften der Frauenbewegung_en dar, von denen alle Geschlechter profitieren. Teil (3) der Serie wird sich wieder ausführlich dem Kampf um die Gleichstellung der Geschlechter widmen - eine Erweiterung der Serie auf vier oder fünf Abschnitte ist möglich. 40 JENSEITS JENSEITS 41 APPELL GRENZEN GRENZEN sterreichs e am beispiel ö einflussnahm nötig ist der politischen sondern auch ndigkeit die notwe ht nur möglich e warum es nic 14 gründ ES IST NÖTIG! von friederikeinheim ken t r un hl af t a nde n e c pha s a um . s nde s tr t l ich u ra um s t e t e e i n e n . v i e r f r e a r e i ge n d i e er zw rc h t ür ha t t i c h e i c h d i e e i n . w a r e i ne r d u e b o t e n . g n et . i h öf f n s s s i e h r a ß s i c 5 0 c e n t h e r u m f ir n er ie c h l s . d a nn r d e n m t e i na nd e n . d a n i rog s o l l s c h wu t e n mi u ng r d wa s de n fi h a uf a u s f ü h u n d i h r. ma c wie r r a be r vo r b e i t e n , e ga l . f ü c k t und . w a r e n o p p e l t e r s t a nd , t z t . rs ar e n a ge ge n d a s i n d s f r ü h e s o w i e j e am i r wa w e all e e he, m aren si urch di m sofa , fen wo d a nn k üc c h w hla i e d f me i ne s zli m sc p lö t ork e l t e n c k t a u p t zu n n t z u ge d e s ge k l a p da s ie l au n l a ge r . e i n m a a da w SOZIALWESEN wird seit einigen Jahren schrittweise demontiert DAS BILDUNGSSYSTEM zusehends zu einem elitären Erziehungssystem umgebaut DER ZUGANG zu Universitäten und Hochschulen wird Personen mit weniger priveligiertem Familienhintergrund mehr und mehr erschwert DER GRAZER Bürgermeister denkt laut darüber nach, ob es nicht sinnvoll wäre das Demonstrationsrecht zu beschneiden, wenn dadurch der (Berufs-)Verkehr gestört wird DAS ALLES ÖVP fährt einen knallhart wirtschaftlich orientierten, unsozialen Kurs - und hat damit auch noch Erfolg DIE FPÖ & DAS BZÖ geben sich Mühe Patriotismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit wieder salonfähig zu machen DIE SPÖ neigt sich unter dem Druck dieser Parteien immer weiter nach rechts DIE GRÜNEN greifen nach den Wähler_innenstimmen der Mitte und werden so ebenfalls in den Rechtssog der Österreichischen Politik hineingezogen NEUE EU Verfassung wird gegen den Willen der Bevölkerung(en) durchgesetzt und über die lokalen Verfassungen gestellt POLITISCHER AKTIVISMUS läuft Gefahr in Zukunft als Terrorismus geahndet zu werden MITGLIEDSSTAATEN werden dazu gezwungen aufzurüsten - wofür wenn nicht für einen Krieg DIE RADIKALE Rechte traut sich wieder auf die Straße und wird von der Mitte weitgehend toleriert FUSSBALL EM tut ihr Übriges um nationalistisches Gedankengut zu etablieren ALTERNATIVE LEBENSFORMEN wie der Bauwagenplatz werden vom „roten Wien“ verarscht, während alternative Kulturzentren wie EKH und Movimento in ungünstige Situationen manövriert werden und in langwierigen Verhandlungen hingehalten werden. DIE IN ALLEM ziemlich bedrohliche Zeiten, in denen wir leben, aber die zunehmende Repression und Überwachung zieht zunehmenden Widerstand nach sich DIE KRIEGSHANDLUNGEN der USA haben überall auf der Welt Millionen von Menschen auf die Straßen getrieben DIE MACHENSCHAFTEN von WTO, Worldbank und Co sind inzwischen weitgehend bekannt, kein G8 Gipfel findet mehr ohne massive Gegendemonstrationen statt DIE ÖFFENTLICHKEIT der Welt ist erwacht und dieses Erwachen birgt Chancen - wir müssen sie nur ERGREIFEN HIER IN ÖSTERREICH Auch gegen den Widerstand von Medien, Wirtschaft und Politik entstehen in diesen Tagen der Bedrohung Initiativen, Kollektive und Vereine, die Raum für freie Entfaltung bieten und sich dem Wahnsinn der Welt entgegenstellen 13 BESETZUNGEN innerhalb von zwei Jahren hat die Pankahyttn endlich eine feste Bleibe. TROTZ VERKAUF des Grundstückes an einen bekannten Rechtsextremisten durch die KPÖ ist das EKH noch immer weitgehend das, was es einmal war EIN KAUF der „Immobilie“ durch die Stadt wurde erreicht UND EINE NACH MOVI DIE MENTO wurde vertrieben aber bleibt lästig, Verhandlungen mit der Stadt laufen DER WAGENPLATZ widersteht den Schikanen der Stadt wie ein uns allen bekanntes gallisches Dorf KLEINE VEREINSLOKALE wie I:da oder Kaleidoskop entstehen und bieten auf ehrenamtlicher Basis eine Alternative zur kommerzialisierten Feierabendverwertung a uf d em ma w a s d c h t ge r a w e g z u de e i e ie se s ne b e i ne r l e e wo r t rs teh we r b a lle s z we en wo u be de de , n mi t w i r w u t e t . ng s m a p p d e n p a r t i t e t r a u m e zum y bud un , a e r ha pha s ie de r s t üh l e. uf e. t s ich b e t b ud e he m a b u e i n f r e u e i n v , d r i nne n e i ne m hü e i m fi s c h nd de . w nz a u e rna s i nd , ge l c h und be r ge l t e a hn wo i c en st p i nk e bud e r d u r d r a uß e n an h ln b r i ng u n d l e b e n s i n n e n he e i n p , k o n n t e c hg a ng . . a n m u s d s i e . m i a b e r g a r t la nic de ab ik aa rausg i n d ie e fisch t o r k e r l a t t e n i e r d a nn n r wa r d a n k a nn i c h u t e r a l t e h t h i n w n ol l t e nu m klu n of f t. i e n . e mich nic n . w d i e h a n d , c h t . e i ne mpe r l te . d ie pa fa c h s wa r ht e r s c hw i e vo zum t . tis nicht r t ybu i nne r rhe r da s k a r ze we g s i n de a uf d n … c he u n d d ie sch lo . te ll r em b d a nn o d e n l a ge s i e f r e u n d e b e n i n e i n ö n h e i t d r d o r t g i ng ee ,d üc we ich ei auftr och vers gzustelle mir?! un cke . doch kte mir uc h t e ag au d wa n , ku ich re g s z uf ü m ich w hre n e i n b e s t e l t e m i c h i n achte e s de , unm klo a uf u n ögl i c pin n h. k ü c h k e l n . i n d g i ng a u e fs de r e in glas noch ü b e r schreitbar sind . ALLES 42 KÜCHEN versorgen die Hungrigen mit Nahrung KOSTNIXLÄDEN entstehen und funktionieren teilweise so gut, das die Lager bald bersten vor Sachspenden. ANLÄSSLICH der internationalen Hausbesetzungstage wurden in Österreich drei Häuser besetzt (Wien, Graz, Innsbruck). VOLKS IN ALLEM: AUCH IN UNSERER KLEINEN RÜCKSTÄNDIGEN ALPENREPUBLIK GIBT ES NOCH GRUND ZUR HOFFNUNG. NUR NICHT DEN MUT VERLIEREN, ES IST NÖTIG, ES IST MÖGLICH anders schaut es an den gren oder den ville zen europas au n - ma n e n reicher. es gi s, re e r r bt fast unüber n , te s oi- . ich lafe t s a g od llte . - dernisse, aufpasser, kam windbare hinm w a h ul t iv e i n ch e t z eras . hier kom sich ausweise he e i ne n s o we r t s mt nur durch, j n n kann . waren was s e r i n e m t e h i fa ge o e s oder mensche eim ibt k nne . sie t , papieren . n mit passende sogesehen dü , e ble t e , b . e s g e g re a re r nich so or t w n rfen in der he en ta em ib n l n d ie mehr als menschen re ut igen welt w e h w ht b s ie i d („billigschrott“ aren s c h r e nz n t l i c n s i c a n t i n d a m a uf t aus china darf m g e e r u nt m eh er ropa / menschen aus der dr nach eug rau e n e ig t te od itten welt nich ha t). in absehbar m t imm man imm . ken man ahn, ol- zukunft ist, mit fortschrei er d ie n n e c hw h l tender entwic r keit vorhande ei s fel e klung, die mög n. tob nt o n, sämtliche au lichv o n ve r o bw m u m e r e f r l e i b e i e a u i n k o sgedachten gr tieren. also qu enzen zu exek i c h a u m e c k e r e r r i n b e r d nn e i ne asi den beweg uungsspielraum freiluftgefäng r u m i m t r o m fl n u n s e n b a b o r ge t o ü b t w e t e s e für arme auf ei nis einzugrenz s wa t ja t n en . heute noch lichkeit bei gr t v e n i nn er au s . er a g ib . v fehlt die mensc ? oßkonzernen, ch d a den lobbyisten hden gese tzen z e n m t n i w e r o ge n i n e m i t d e m w i e n n , d h a s t usf. sie handel des marktes, w a e s n n m m n nach elche besagen: / ökologisches k o r e nze , d i e s s i e ä hr t i r k e hr t m r i t t e n mehr gewinn, engagement nu soziales g ue l l d a s s . f e z e rf ä sch n dient. mit min r wenn es de b t le i r t imalem kosten r gewinnmax a v n , g t a u e re n sc h übe r g re aufwand, mög imierung deststandard se i lichst nur eine erfüllend , um d e n e s , s t e i n i nn e r w i d u a l l e s n neuen mineine neue „pos e d e en n hr t i itive“ werbeka d e n se tzen oder ei mpagne umzu k a , f ä t i n e i n nze d s i n , d i nen drohende n imageverlust f fi s p a rk le ur g re d a s ze n abzuwenden. ö ht . JENSEITS WIEN UND WEG GRENZEN GRENZEN WIEN UND WEG IM V.E.K.K.S Bei allen ausgewählten Locations und Events/ Treffen/ Gruppen gilt: freier Eintritt (freiwillige Spende) DIY (= Beteiligung an den Projekten und Nutzung der Räume ist möglich) faire Preise (Abdeckung der entstehenden Kosten, nicht profitorientiert) KOST NIX LADEN Seit über zwei Jahren gibt es in Wien einen Kost-Nix-Laden, der sich im 5. Bezirk, in der Zentagasse 26, nahe der UBahn-Station Pilgramgasse, im Veranstaltungslokal V.E.K.K.S. befindet. Der KostNix-Laden wurde von der Gruppe W.E.G. (Wertkritische Emanzipatorische Gegenbewegung) ins Leben gerufen, welche sich auch mit anderen Themen der Umsonsökonomie beschäftigt. Er ist jeden Mo, Do und Fr von 15 - 20h geöffnet. Von der rein praktischen Seite her gesehen lässt sich das Prinzip des Kost-Nix-Ladens als radikalisierte Form der althergebrachten Tauschzentrale beschreiben. Doch was den Kost-Nix-Laden ausmacht, ist gerade der Unterschied zu Flohmarkt und Tauschbörse: hier wird weder gekauft noch getauscht - geldlos wechseln Kleider, Küchengeräte und Co. die BesitzerInnen. Bis zu drei Teile pro Person können hier an einem Tag gratis mitgenommen werden - eine Regelung, die verhindern soll, dass einzelne sich hier für den Weiterverkauf „eindecken“. Abgegeben werden kann einfach alles, was funktionsfähig und sauber ist, solange es die räumlichen Möglichkeiten nicht sprengt - allzu Sperriges wird am „Schwarzen Brett“ angeboten. Der erste Kost-Nix-Laden (in Deutschland Umsonstladen genannt) wurde 1998 in Hamburg gegründet. Innerhalb weniger Jahre haben sich in Deutschland über 20 weitere Umsonstläden gebildet, die sich regen Zulaufs erfreuen. In Österreich sind derartige Initiativen noch ziemlich neu: seit Februar 2005 existiert der Gratis-Bazar im Schöpfwerk. Seit 2007 kost-nix-laden im vekks, zentagasse 26, 1050 wien offen: mo, do, fr 15.00-20.00h, http://www.umsonstladen.at gibt es auch einen kleinen, aber dafür umso lebendigeren Umsonstladen in Innsbruck. Aber auch Wien ist seit kurzem um eine Alternative zur kapitalistischen Verwertungslogik reicher, denn in der Pankahyttn gibt es nun auch einen Info& Kost-Nix-Laden: das Irre Gummi Huhn. Die ehrenamtlich tätige Crew war zu Beginn auch zusätzlich jeden Samstag mit ihrem mobilen Laden auf öffentlichen Plätzen in ganz Wien anzutreffen - auch hier wanderten Bücher, Kleidung, Spiele usw. ganz ohne Geld und Tausch über den Ladentisch. Der Kost-Nix-Laden versteht sich als alles andere als ein Sozialhilfeprojekt, auch wenn die geldlose Weitergabe gebrauchter Gegenstände zunächst jener immer größeren Gruppe von Menschen direkt hilft, die schlicht zu wenig Geld zum Leben hat. Hier soll jedoch keine neue Hierarchie zwischen „edlen SpenderInnen“ und „bedürftigen EmpfängerInnen“ etabliert werden, sondern ganz im Gegenteil ein Ausstieg aus der umfassenden Logik des Be-Wertens geschafft werden. Die InitiatiorInnen des Kost-Nix-Ladens beschäftigen sich unter dem Namen W.E.G. (Wertkritische Emanzipatorische Gegenbewegung) bereits seit mehreren Jahren mit den (Un-)Möglichkeiten selbstorganisierter Alternativen zum kapitalistischen Warensystem und seiner scheinbar so zwingenden Logik. Vom Theoretisieren alleine hält man bei W.E.G. allerdings nicht viel, praktischer Versuch und Irrtum standen und stehen im Vordergrund. Der bestehende Laden mag klein sein – mittel- und langfristig denken die InitiatorInnen schon wesentlich weiter: ein Netzwerk selbstorganisierter Projekte soll entstehen, das es Menschen erlaubt zunächst ihre Grundbedürfnisse ohne Geld zu befriedigen - zumindest in Sachen Volxküche hat man hier auch schon einiges an Erfahrungen gesammelt - und im Endeffekt auch komplexe Produkte und Dienstleistungen so zur Verfügung zu stellen bzw. zu nützen. Auch wenn die bestehenden Projekte diese Ansprüche noch nicht befriedigen können, zeigen sie doch deutlich, dass Selbstorganisation sinnvoll und machbar ist. Und: internationale Beispiele zeigen vor, dass eine Ökonomie, die auf Solidarität aufgebaut ist, funktionieren kann - egal ob es ums Essen, die Reparatur von Fahrrädern oder Computer geht. So ganz nebenbei fungiert der Kost-Nix-Laden übrigens auch jetzt schon als kommunkativer Treffpunkt. WIEN UN I:DA http://ideedirekteaktion.at/ Freiraum für Kunst, Kultur und Gesellschaft. Zwölfergasse 9, 1150 (hinterm Westbahnhof) Gestalte deinen Freiraum; Workshops Musik Performance Cineastische Abende Lesungen Kunst Kommunikation Antispe Café Siebdruck Workshop basisgruppe-tierrechte.org in den Räumen/ bei den Projekten wird darauf geachtet, dass Rassismus/ Sexismus/ Homophobie und ähnliches keinen Platz bekommt. Jedes der Projekte ist aber nicht nur „gegen“ etwas, sie stehen in verschiedenster Art und Weise für „linke“, „subkulturelle“ und/oder „gegenkulturelle“ „Werte“ und versuchen „Alternativen“ zum gängigen „Mainstream“ zu bietenund zu leben. Jeden … Montag (bis Mitte Dezember) ab 19h Filmreihe Deutscher Herbst (RAF & co) Dienstag ab 16h Kochen // ab 20h Volxküche & Party Sonntag UmsonstKino [Offen ab 20.00 // Film um 21.00] 2. Sonntag im Monat Wohncafe (So., 9. November 18h, So., 14. Dezember 20h) 3. Sonntag im Monat Siebdruck Workshop ab 19h letzten Freitag im Monat Antispe Café ab 16h Die Basisgruppe Tierrechte möchte jeden letzten Freitag im Monat ein offenes, politisch reflektiertes Publikum in die i:dA zu einem Antispe-Café einladen, um sich in einem gemütlichen Rahmen mit den Themen Tierausbeutung, Tierbefreiung und Antispeziesismus (* Speziesismus ist die Abwertung und Ausbeutung von Tieren aufgrund ihrer nichtmenschlichen Spezieszugehörigkeit) im herrschaftskritischen Kontext auseinander zu setzen. An jedem 3. Sonntag kann jedeR Interessierte in die I:DA kommen und in der Siebdruckwerkstatt lernen wie mensch siebdruckt! Ob Aufnäher, T-Shirts, Pullis - oder was auch immer - alles kann bedruckt werden… Wer selbst Siebe und Farbe hat sollte diese unbedingt mitnehmen, ansonsten gibt es genug kollektive Utensilien vor Ort, die von allen verwendet werden können. Ab 15.00: Drucken für EinsteigerInnen Ab 19.30: Plenum des Siebdruck-Kollektivs VERANSTALTUNGSK WAGENPLATZ http://wagenplatz.at Kimmerlgasse Gnr. 1367-1368 1110 Wien jeden Montag ab 20h Wagenplatz Caf EINBAUMÖBEL stadtauswärts gehen; erste Möglichkeit links in Schmidgunstgasse; anschließend wieder links in Krautgasse; geradeaus weiter bis zur T-Kreuzung mit Kimmerlgasse; links in Kimmerlgasse einbiegen; nach ca. 150 m Wagenplatz! http://www.1bm.at/ Kulturverein Einbaumöbel Währinger Gürtel (u6 Alserstraße) Bogen 97, 1090 Wien provisierten Darbietung rythmischer Texte zu erfreuen und beteiligen. Volxlesung "Freestylesession open Mic // open eND Wann? Jeden Donnerstag (außer 1. des Monats) 19 h Jeden ersten Donnerstag im Monat, für Leute die Literatur mögen Ab 20 Uhr Anfahrt: U3 bis Simmering; 73A bis Pantucekgasse + Fußweg (3 Minuten): Kaiserebersdorferstraße Personen jeden Alters und Geschlechts sind eingeladen sich an der frei im- Man kann lesen oder einfach nur zuhören & die Pausen werden angenehm beschallt 44 JENSEITS 45 WIEN UND WEG GRENZEN WIEN UND WEG EKH www.med-user.net/ekh/ Wielandgasse 2-4, 1100 www.criticalmass.at Die Critical Mass findet in Österreich in Wien, Graz und Linz statt. In Wien: jeden 3. Freitag 16:30 – Margaretenplatz (1050) PolitDiskuBeisl & subversive Kantine Medienwerkstatt (2.Stock) Jeden Donnerstag ab 20h PANKAHYTTN www.pankahyttn.isdrin.at Johnstrasse 45, 1150 jeden Freitag FDA- FÜR DICH AUF http://www.fda2.at/ beginn immer 19:00 06. dez. 08 11. okt. 08 Infomaden: der Infoladen im EKH. Mi- Sa 16-20h ab 21h Eisdiele 31.10. Hardrock/ Heavymetal 7.11. Alkfrei & Chilllllll 14.11. Schnapsbar Klassik 21.11. Film „Freaks“Crust 28.11. D-Panik-Vokü offene bühne für junge menschen literatur, theater, tanz, kleinkunst, video und musik: wer? jugendliche was? eigene kunst: literatur, theater, tanz, kleinkunst, musik. länge? zeitlimit 15 min. wie? anmelden unter: ichmachmit@fda2.at bis 2 wochen zuvor Bioparadei Bioparadeis Foodc Foodcooperation www.bioparadeis.at/ Badgasse 23/2, 1090 Wien Öffnungszeiten derzeit: Donnerstag von 16-19 Uhr Das Bioparadeis ist für jede Person, die an einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen und gemeinschaftlichen Lebensmittelversorgung interssiert ist, offen! Wir freuen uns immer über neue Leute, also nur keine Scheu, einfach mal vorbeischauen, oder per e-mail melden! ständnis von Frau-Sein anerkennt unsere unterschiedlichen körperlichen Realitäten als Frauen (Sexualität, Menstruation, Verhütung, Abtreibung, Schwangerschaft und Geburt, Wechsel) ebenso wie die Auseinandersetzung mit unseren Lebensbedingungen als Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft. Die FZ-Bar ist ein Frauenraum. Sie steht allen Frauen und Mädchen unabhängig von ihrer Lebensweise, ihrem Alter, ihrer sozialen und kulturellen Herkunft offen, nicht aber Männern oder Tr a n s g e n d e rMenschen bzw. transsexuellen Frauen. Wir fahren gemeinsam einmal im Monat mit dem Fahrrad durch die Stadt und nehmen uns den Raum der uns im Alltagsverkehr verweigert wird. Wir sind eine kritische Masse die einmal im Monat die unreflektierte Dominanz der Autos in der Stadt durchbricht und aufzeigt. Wir lassen uns nicht länger an den Rand drängen. Wir sind ökologisch, leise, lebenswert, platzsparend, lustig, ökonomisch, sexy, engagiert. Und wir haben Spass dabei !! Autos machen Lärm, wir machen Musik! Die Veranstaltung fi ndet weltweit in knapp 100 Städten statt. ARENABEISEL www.arenabeisl.at/ Baumgasse 80, 1030 Montag ab 17h (jeden Montag Konzerte) Di- So ab 16h open end (Feiertags teilw. geschloss.) VIENNA BIKEKITCHEN www.bikekitchen.net/ Goldschlagstraße 8, 1150 Bikekitchen ReparierBAR: Jeden Donnerstag 16-0 Uhr (Selbsthilfewerkstatt: 16-20h Community: 20-24h) TÜWI http://tuewi.action.at Peter-Jordan 76 / Ecke Dänenstrasse, 1190 Autonomes Bar Projekt innerhalb der Arena Wien. UOQBON http://uoqbon.obda.net Geiblergasse 23, 1150 (souterrain links) jeden 3. So. Volxküche+Film (gemeinsam mit Bioparadeis) ab 19h DAS WERK www.daswerk.at regelmäßig Workshops und Veranstaltungen (siehe Homepage) In einer Bikekitchen kann Mensch Fahrräder reparieren und kaputt machen, zerlegen und daraus Choppers (Tallbikes, Longbikes, Einräder, Lastenräder, Anhänger, etc…) konstruieren, Aufgußgetränke bereiten und Weinflaschen entkorken, ein Brot toasten oder gleich für alle kochen, um im Anschluss gemeinsam zur Demo zu fahren. FZ-FRAUEN ZENTRUM f z - b a r .w o l f s m u t t e r . c o m , Währingerstr. 59/6, Eingang Prechtlgasse, 1090Wien Do,Fr, Sa 19h bis 00h TÜWIs JAMSESSION Musik for everybody. Bring your Friends and Instruments. Gemeinsam erforschen wir Klangwelten. jedem ersten Sonntag im Monat (gem. kochen ab 16h / Jam-Session ab 19h) Die FZ-Bar ist Teil des Frauen Lesben Mädchen Zentrum Wien und versteht sich der autonomen FrauenLesbenbewegung zugehörig. Unser Ver- 46 JENSEITS JENSEITS 47 WIEN UND WEG GRENZEN GRENZEN WIEN UND WEG SUBTERRARIUM www.subterrarium.at/ Jörgerstrasse 23 Kellereingang, 1170 NORMALE http://www.normale.at Information ist aktive Holschuld. Das Subterrarium ist eine Plattform für experimentelle Kunst aus den unterschiedlichsten Bereichen, ein Freiraum, der den Austausch zwischen KünstlerInnen untereinander und einem interessierten Publikum im Raum Wien ermöglicht. QUE[E]R http://raw.at/queer/ Wipplingerstrasse 23, 1010 Wien jeden Mittwoch ab 18:30 / Beginn 20h Das „Normale“-Filmfest ermöglicht sowohl nachhaltige Reflexion der durch die Dokumentarfilme vermittelten Einblicke in gesellschaftliche Ordnungen und in ihnen wirkende Zusammenhänge, Kräfte und Interessen, als auch die Entwicklung möglicher, solidarischer, auch von unterschiedlichen Perspektiven argumentierter, verantwortungsbewusster Handlungsalternativen. LOLLIGO http://www.lolligo.net/ Fischerstiege 4-8, 1010 wien ab Oktober jeden Freitag 15:oo - 18:oo geöffnet! ab 18:00 Uhr- 20h30 im Einbaumöbel (Währinger Gürtel, Bogen 97 bei der U6 Alserstrafle) Danach Wiederstandscafe (20h30-00h) EINMALIGES H E R B S T DER ANARCHIE Programm: Di 4.11. Ausstellungseröffnung Stefan Weber Vorlass KALEIDOSKOP kukuma.info –Kaleidoskop www.myspace.com/kaleido91 Schönbrunnerstr. 91, 1050 Offener Raum für Veranstaltung, Kunst & Kultur. Der Raum ist für alle nutzbar die Ideen haben und den vorhandenen Raum bespielen wollen. Jeden… Dienstag von 15 - 21h offen 2. Donnerstag im Monat ab 19h: KostnixKino (gemeinsam mit WEG) 3. Samstag ist RainbowSubmarine Freitag und Samstag ist immer Programm (siehe Homepage) Das que[e]r ist ein politischer Raum, der jenen, die Lust darauf haben, ein spannendes Programm oder einfach "nur" einen gemütlichen Rahmen zum Quatschen mit FreundInnen bietet - Konsumzwang gibt es keinen - und für alle que[e]r-Veranstaltung gilt prinzipiell Eintritt Frei !" INFOLADEN, CAFE, LEBENSRAUM, IM AUFBAU -> BAHÖ MAGASIN www.bahoemagasin. blogsport.de im Lolligo Das Lolligo- Kindercafé ist ein selbst verwaltetes Projekt, das einen warmen und gemütlichen Raum voller Lesestoff und Spielzeug bietet, ohne die BesucherInnen einem Konsumzwang auszusetzen. W417 http://w417.lnxnt.org/ Weißgasse 4, 1170 Wien Jeden letzten Samstag im Monat Vokü+ Film Beginn: 18h Vokü, 20h Film WIDERSTANDSCAFÈ http://bagru1.afrika. univie.ac.at/nu Plenum Mittwochs immer Das Widerstands-CafÈ versteht sich als Teil der neuen studentischen Bewegung an der Universität Wien. Wir haben uns entschlossen, im Angesicht der prekären Situation der Bildungslandschaft in Österreich nicht mehr länger zu schweigen. Gegen eine Ökonomisierung der Bildung, für ein freies und kritisches Lehren und Lernen. Wir lassen uns die Gestaltung UNSERER Uni nicht aus der Hand nehmen, nicht von realitätsfremden Politikern/ Ministern und nicht von einer Wirtschaft, die ihrer Ansicht nach „ökonomisch verwertbare“ Bildung fördert und kritisches Potenzial im Keim erstickt. Nicht von einer Gesellschaft, die durch ihre weit verbreitete Mentalität des Wegsehens und nicht mehr Nachfragens diese Tendenzen durch ihre Apathie unterstützt. Wir glauben, dass es an der Zeit ist, sich zu wehren und unserer Stimme Gehör zu verschaffen. die Erde zurück geholt. (1200, Gaußplatz 11) Di 25.11. Bunkeriei im Augarten: Konzert mit Otto 15.00 Arena – Ägidi – Stadt des Kindes 16.30 Die Vergessenen. 17.30 Hubsi Kramer über (1200, Gaußplatz 11) Mo und Di 10. & 11.11. Tribute to Rio Reiser (1200, Gaußplatz 11) Di 18.11. Anarchie neu denken. Immerwährende Lechner, Oliver Welter. Lechner, Bürgermeister der fi ktiven Augartenstadt, Mentor einer „Stadterhebung von unten“, ist die personalisierte Verhöhnung des Parlamentarismus. (1020, Obere Augartenstraße 1a) Do 27.11. 17.00-19.00 Uhr: AnarchiStadtFlanerie. Hermann Schürrer 18.30 Bob Hewis singt Bil- ly Bragg 19.30 Lesung Ilja Stojanov, Bulgarien 17.11.08, 19:30 20.30 „Die Tat des Anar- chisten Lucheni. Oder: E fi nita la commedia“. 21.30 Lieder gegen die Macht: Von Soyfer bis Degenhardt. 22.30 Das Todevsspiel, Heinrich Breloer, 1997 24.10.08, 20:30 Thematisierung von Herrschaft. Podiumsdiskussion: Gerhard Senft, Adolf Holl, Viktor Halb, Hubsi Kramar, Arno Uhl, Anna Staudacher, Martina Kaller, Organisator A-Camp, Tatblatt-Macher. Moderation: Walter Famler, Wespennest. (1200, Gaußplatz, 11) Do 20.11. Bunkerei im Augarten: Konzert Miksch & die KodaKomischKombo – Tom Waits wienerisch. (1020, Obere Augartenstraße 1a) Fr 21. und Sa 22.11. IWK: Revolution und Rätedemokratie. Politische Auf- Als Zwischennutzung- bis wir eine andere Lokalität haben- veranstalten wir jeden Mi. einen Film/Diskussions-/ Vortragsabend im Lolligo. Es gibt Bücher, Zeitschriften, Kaffee… und viel mehr. Für alle AnarchistInnen und die, die es noch werden wollen! 26.11. 19:30 | Wien darf (nicht) Athen werden. Vortrag und Diskussion über die Studierendenproteste gegen die Hochschulreform in Griechenland. bruchsbewegungnen in Bayern, Österreich und Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg. Ein Symposium der Pierre Ramus-Gesellschaft (Kooperationspartner), (im Institut für Wissenschaft und Kunst, Berggasse 17.) Referenten: Hans Hautmann, Gerhard Senft, Dieter Schrage. Mo 24.11. Branko Andric stinnen, Tänzerinnen und Demonstrantinnen, Frauen auf dem Weg von der Burggasse bis zur Gumpendorfer Straße. Elke Krasny erzählt weibliche Wiener Gegengeschichten. In der historischen Rekonstruktionsreise begegnen einander die Schriftstellerin Elsja Asenijeff mit dem “Aufruhr der Weiber und das dritte Geschlecht”, die kritische Choreografi n und Kriegsgegnerin Gertrud Kraus, die Töchter von Karl Marx, Laura Lafargue und Eleanore Aveling und 700 Streikende. (Treffpunkt: Burggasse/ Ecke Breitegasse vor dem kleinsten Haus Wiens, 1070) So 30.11. PhiloCafe spezial Die Stille nach dem Schuss, Volker schlöndorff, 2000 01.12.08, 20:30 Soloperformance Monika Kribusz „Zwei ohne Herrschaft“ Die Gastgeberin stellt ihr Stück vor, das extra für den KURZEN HERBST DER ANARCHIE maßgeschneidert wurde. Baader Christopher Roth, 2001 08.12.08, 20:30 Der BaaderMeinhof-Komplex R: Uli Edel Db: Bernd Eichinger 2008 Bereits gezeigte: (Die verlorene Ehre der Katherina Blum, 1975; Deutschland im Herbst, 1978; Messer im Kopf, 1978; Die dritte Ge- 23.00 Das A im Herzen – Street Art Schablone von Monika Kribusz. Eine Geburtsstunde. Eintritt: 10 Euro neration, 1979; Die bleierne Zeit, 1981; Stammheim, 1985) Nach Wunsch könnten eventuell noch, Christian Petzolds Die innere Sicherheit (2001), Andres Veiels Black Box BRD (2001), Peter Zadeks Ich bin ein Elephant, Madame (1968) und/oder Bambule (1970, Regie: Eberhard Itzenplitz, Drehbuch: Ulrike Meinhof), angehängt werden. Ergänzt wird das Programm durch Dokumentationen (ARD,ZDF), Bücher und Zeitungsarti- zum Thema Anarchie? (1200, Gaußplatz 11) KURZER HERBST DER ANARCHIE 14.00 bis 24.00 Uhr, Atelier Kribusz, 1080, Daungase 2 Eine Veranstaltung von Monika Kribusz und Aktionsradius Wien. Memorial: Der AnarchoTschusch aus Novisad, mit audiovisuellen Mitteln von Branko Andric jun. aus dem Boheme-Paradies auf Programm: 14.00 Auftakt mit dem Film „Volk in Waffen“ in der i:da (zwölfergasse9) Passend zum heurigen Kinoherbst kommt der “deutsche” Montag. Spätestens seit Volker Schlöndorffs Die Stille nach dem Schuss spricht das deutsche Feuilleton vom Genre des RAF-Films. Wir wollen dem nachgehen! Jeweils ab 19:00 offen! RAF THEMEN ABENDE 48 JENSEITS JENSEITS 49 WIEN UND WEG GRENZEN GRENZEN WIEN UND WEG kel (gerne auch was mitbringen!), Diskussionen sind erwünscht und sollte jemand Lust haben, einen Vortrag oder sonstiges vorzubereiten, sie/er seien herzlichst eingeladen! fixes Programm … komm vorbei und bring dich ein nächstes Treffen: So 23.11. um 16h / Jugendzentrum Erdberg Baumgasse 75, 1030 Wien LITERATURGRUPPE 05.12. WERK und Einbau- möbel Party, Infos in kürze auf der Werk Homepage TÜWI tuewi.action.at/ KUKUMA Termine der Gruppen mehr unter: Gemeinsames Schreiben und Austauschen Treffen jeden letzten Sonntag ab 18h im Kaleidoskop PARTYZIPATION Event und Orga Gruppe: Do, 20.11. LIVE: SenoreMatzeRossi + gillinger escape myspace.com/senorematzerossi http://kukuma.info Anfragen an: office@kukuma.info JONGLIEREN Spielen mit Pois, Stab (Stäben), Flower/Devil Sticks, Bällen, Keulen, Komet, Diabolo, … mit Feuer, Licht und Schwarzlicht. Fixe Termine im Herbst: Jonglieren Ziel der Gruppe ist es möglichst offen zu sein, du kannst dich jederzeit einbringen. Wir planen und organisieren gemeinsam Feste, Veranstaltungen und was uns Spaß macht. Nächstes Treffen: Freitag der 14.11. ab 17h in der Blindengasse 38; sollte der Termin schon vorbei sein; keine Sorge, wir Treffen uns regelmäßig. KALEIDOSKOP Location Projekt: Fr, 21.11 SKA LIVE: Babylove and the van Dangos - Great Danish skaband myspace.com/babylovethevandangos nomie an Kraft. Unsere Hoffnung gilt der Stärkung und Vernetzung aller Initiativen, die kritische Theorien und praktische Projekte verbinden. Sie alle suchen gemeinsame Wege in Richtung gesellschaftspolitischer, ökologischer und kultureller Veränderungen. 2006 fand ein Kongress zur Frage “Wie Wollen Wir Wirtschaften?” in Berlin statt. Es kamen 1400 Leute, statt der erwarteten 500! Ausgehend von diesem Kongress formulieren wir unsere Ziele: + Skadditcs DJ Mischa Sa, 22.11. FRAUENfest women only! LIVE: Margret Galler myspace.com/margretgaller +cocktailbar +essen Mi, 26.11 Crocus + Yfere myspace.com/crocusband - Aufzeigen von Projekten auf lokaler, regionaler und globaler Ebene - Den Begriff „Solidarische Ökonomie“ bekannt machen. - Austausch, Auseinandersetzung und Vernetzung in Theorie und Praxis - Motivieren in diesem Sinne aktiv zu werden. Das Verständnis von Solidarökonomie soll dabei breit angelegt werden - also bezogen auf Solidarität als gegenseitige Unterstützung und eine Ökonomie, die sich an den menschlichen Bedürfnissen orientiert und nicht umgekehrt. Wir wollen den Begriff „Solidarische Ökonomie“ bewusst nicht eng eingrenzen um sehr unterschiedlichen Konzeptionen und Ansätzen Platz zu geben und kontroversielle Diskussionen zu ermöglichen. Dabei geht es um Kritik indoor -> in einer Halle mit 3 Spiegelwänden; Platz für ca. 15 Leute zum spielen Termine? Sonntag: 23.11.. 7.12., 21.12. Wo? Jugendzentrum Erdberg Baumgasse 75, 1030 Wann? ab 16h Schönbrunnerstraße 91, 1050 Wien Bring dich ein: Plenum jeden 2.Sonntag ab 16h (weitere Termine siehe Homepage) DASWERK IM NOVEMBER www.daswerk.org 19.11. bEAmStRIp im Ka- der Geschlechter-verhältnisse, Grenzregime, Kapitalismus und/oder der Zerstörung natürlicher Lebensräume und auch um einen selbstreflexiven Blickwinkel auf solidarökonomische Projekte, wie z.B.: selbstverwaltete Räume und Betriebe, alte und neue Genossenschaften, solidarische Wohnformen, Aneignung von Raum und Ressourcen, Kommunen, Unternehmungen mit sozialer Zielsetzung, Bleiberechtsinitiativen, Tauschringe, Regionalwährungen, Frauenräume und feministische Projekte, Umsonstläden, alternative Finanzierungs-einrichtungen, fairer Handel, Solidarische und Interkulturelle Gärten, Volxküchen, landwirtschaftliche Direktver markt ung, Ökodörfer, OpenSource, Alternative Bildungseinrichtungen, Wissensallmende, Grundeinkommen u.v.a.m. Alle zwei Jahre wird über die IG Kultur Wien der Innovationspreis für laufende Projekte im Bereich der freie Kulturarbeit vergeben. In drei Kategorien (International 5000€/ Wien 3500€/ Jury 2000€) werden Preise vergeben. Dieses Jahr gibt es über 40 Einreichungen davon allein ca. 30 Einreichungen von Projekte in Wien. Jury dieses Jahr Tina Leisch: Subkultur sowie der Graffiti-Forschung. Ist seit der Arena-Besetzung im “heißen Sommer ‘76” eng mit der Wiener Hausbesetzerszene verbunden. Insgesamt der Typ des libertätsozialistischen, unbeugsamen Bildungsbürgers. Margarete Jahrmann: Projektvorstellung und Präsentation durch die Jury: Mo, 10. November 2008, 19 Uhr Öffentliche Jurysitzung: So, 23. November 2008, 16 Uhr Preisverleihung & Finissage: So, 23. November 2008, 19 Uhr Wir freuen uns auf alle Einreichungen und vor allem auf euer zahlreiches Kommen! So, 30.11. LIVE: Empty Guns myspace.com/emptyguns Film-, Text- und Theaterarbeiterin. Mitbegründerin von kinoki (www. kinoki.at) und Volxtheater Favoriten. Arbeitet mit in der Lagergemeinschaft Ravensbrück und im Verein Persman (www.persman.at). Hat eine Vorliebe für revolutionäre Frechheiten, ungeniertes Umverteilen von Reich nach Arm, Hausbesetzungen, Grenzüberschreitungen, antinationalistisches Pathos, intergalak tische Solidarität und politische Dokumentarfilme. Dieter Schrage: www.konsum.net, Künstlerin. Mitbegründerin der Ludic Society, Herausgeberin des LS Magazines. Studium in Wien und Amsterdam (wo sie in einem besetzten Haus gelebt und Piraten TV und Radio gemacht hat). Arbeiten zu Game-Mode und Spiele im öffentlichen Raum; Auszeichnungen: transmediale Berlin, 2004 software art; Ars Electronica, 2003, interactive arts. Jahrmann lehrt u.a. an der Angewandten Wien und ist Professorin an der Hochschule für Kunst und Gestaltung Zürich. INNOVATIONSSCHAU Freiraum, quartier21/MQ JENSEITS@KUKUMA.INFO DIR FEHLEN NOCH EVENTS ODER LOCATIONS? SCHICKE DEINE REGELMÄSSIGEN TERMINE AN: Alle Einreichungen werden in der Innovationsschau präsentiert. Eröffnung: Sa, 8.November 2008, 19 Uhr Innovationsschau: So, 9.bis So, 23. November 2008, täglich, 10 – 20 Uhr KONGRESS SOLIDARISCHE ÖKONOMIE Aufruf und Einladung zur Mitgestaltung M22.-25. Februar 2009, BOKU, 1180 WIen, Peter-Jordan-Str 82, www.solidarischeoekonomie.at INNOVATIONSPREIS DER FREIEN KULTURSZENE WIENS innovationspreis.org/ www.igkulturwien.net/ KAMPFGRUPPE Wir treffen uns, um von einander Kampftechniken zu lernen, zum Raufen, um Aggressionen abzubauen, …. und manchmal verfallen wir auch der Akrobatik. ... also kein leidoskop, Sind Filmaufführungen von meist jungen Ressigeuren. Es sind großteils Kurzfilme die zu sehen sind. Ein Kinoabend dauert eineinhalb bis zwei Stunden mit anschließender Diskussion. geb. 1935, ehemals Kurator Museum moderner Kunst Wien, Kulturwissenschafter, arbeitet wissenschaftlich, auch universitär ,im Bereich der Gegen- und Vor dem Hintergrund einer lebendigen globalisierungs-kritischen Bewegung gewinnen vielfältige Projekte solidarischer Öko- EN A I E I M LG S 50 JENSEITS JENSEITS 51

Post this Doc to Twitter
Embed on any Website or Blog
Other docs by KuKuMA Kunst, ...
jenseits11printver
Views: 352  |  Downloads: 0
jenseits3
Views: 176  |  Downloads: 2
jenseits2
Views: 131  |  Downloads: 1
jenseits1
Views: 217  |  Downloads: 1
jenseits 8
Views: 373  |  Downloads: 1
jenseits sipausgabe2
Views: 80  |  Downloads: 1
Jenseits 9
Views: 197  |  Downloads: 1
Jenseits 10
Views: 372  |  Downloads: 2
Narrenschiff 08
Views: 244  |  Downloads: 3