Thema des Essays Die Positronenemissionstomographie Autor Ralf
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Thema des Essays: Die Positronenemissionstomographie Autor: Ralf Grünwald Veranstaltung: Geschichte und Methoden der physiologischen Psychologie Dozentin: Prof. Dr. Monika Pritzel Teilbereich: Moderne Methoden zur Erfassung der Beziehung von Hirn und Psyche Einleitung Die Positronenemissionstomographie (PET) ist ein bildgebendes Verfahren der Nuklearmedizin. Im Gegensatz zu konventionellen Verfahren (CT, MRT) steht hierbei nicht die Darstellung einer biologischen Struktur (z.B. der Ventrikel im Frontalschnitt), sondern von biochemischen und physiologischen Vorgängen im Vordergrund. Es kann zum Beispiel sichtbar gemacht werden, in welchem Bereich des Gehirns besonders starke Aktivitäten (z.B. durch Wachstum eines Tumors) stattfinden. Naturwissenschaftliche Grundlagen Um die Funktionsweise der PET verständlich zu machen, wird im folgenden auf die wichtigsten physikalischen und chemischen Grundlagen, welche zum Verständnis unabdingbar sind, kurz eingegangen Positron: Ein Positron ist das Gegenstück zum allseits bekannten Elektron. Es unterscheidet sich von diesem nur in seiner elektrischen Ladung, welche positiv ist. Isotop: Atomkerne bestehen im Allgemeinen aus Protonen und Neutronen. Die Zahl der den Atomkern umkreisenden Elektronen entspricht wiederum dem der Protonen im Kern. Alle derzeit bekannten chemischen Elemente sind mit einer Kernladungs- und einer Massezahl deklariert. Die Kernladungszahl gibt dabei die Anzahl der Protonen im Kern an. Die Massezahl jedoch die Summe aus Protonen und Neutronen, also den Kernbestandteilen insgesamt, an. Beispielsweise besteht der Kern des chemischen Elements Wasserstoff nur aus einem Proton, welches von einem Elektron umkreist wird. Manche Wasserstoffatomkerne haben zusätzlich noch ein Neutron. Da dieses die elektrische Ladung jedoch nicht beeinflusst, ist das Atom immer noch ein Wasserstoffatom, nur knapp doppelt so schwer (Neutronen sind in etwa so schwer wie Protonen, das Gewicht der Elektronen ist zu vernachlässigen). Man spricht daher von schwerem Wasser, oder aber –da der Kern aus zwei Teilchen besteht- auch von Deuterium (griech.: „das zweite“). Weiterhin gibt es Wasserstoffatomkerne mit einem Proton und zwei Neutronen, woraus zusammen mit Sauerstoff die Moleküle von überschwerem Wasser bestehen. (Tritium, griech.: „der Dritte). Deuterium und Tritium sind beide Wasserstoffisotope. Alle chemischen Elemente besitzen Isotope. Manche dieser Isotope sind radioaktiv, d.h. sie sind, im Gegensatz zu den nicht radioaktiven Isotopen (dazu gehören Deuterium und Tritium) instabil, da sie einem radioaktiven Zerfall unterliegen. Radioaktiver Zerfall: Radioaktive Stoffe zeichnen sich durch ihre Instabilität aus, d.h. die Atomkerne zerfallen nach einer gewissen Zeit, woraus die Kerne anderer Elemente hervorgehen, welche, wenn sie ebenfalls instabil –also radioaktiv- sind ebenfalls wieder zerfallen. Diese Reihe setzt sich so lange fort bis aus einem radioaktiven Zerfall ein stabiles Element hervorgeht. Uran zum Beispiel, zerfällt zu Thorium, und dieses über mehrere Zwischenstufen zu dem letztlich stabilen Element Blei. Bei dem Zerfall wird Energie abgegeben. Man spricht hierbei von radioaktiver Strahlung. Es gibt verschiedene Formen dieser Strahlung, sie kann z.B. aus Helium- Atomkernen, Elektronen, Positronen oder aber auch masselosen Energiepaketen bestehen. Bei der Kernspaltung zur Energiegewinnung wird der Zerfallsprozeß forciert. Halbwertszeit: Die Halbwertszeit gibt an in welchem Zeitraum ein radioaktiver Stoff zur Hälfte dem radioaktiven Zerfall anheim gefallen ist. Uran z.B. hat eine Halbwertszeit von 4,47 Milliarden Jahren. Hat man also eine „frische“ Kugel Uran, so ist diese nach dieser Zeitspanne zur Hälfte zu Thorium zerfallen. Nach weiteren 4,47 Milliarden Jahren ist vom verbleibenden Rest wiederum 50 % zu Thorium zerfallen. Nach zwei Halbwertszeiten sind vom ursprünglichen Stoff also 75 % zerfallen. Die Halbwertszeit ist bei den verschiedenen Stoffen sehr unterschiedlich, ein bestimmtes Poloniumisotop hat z.B. eine Halbwertszeit von nur 0,3 µs (3 Millionstel Sekunden). Teilchenbeschleuniger: Mittels dem Teilchenbeschleuniger wird ein Atomkern das von Natur aus nicht radioaktiv sind (z.B. Wasserstoff) mit einem Proton von hoher Geschwindigkeit bombardiert, was zur Folge hat dass dieses in den jeweiligen Atomkern aufgenommen wird. Da jedoch die Zahl der Hüllenelektronen gleich bleibt, entsteht ein Ungleichgewicht der elektrischen Ladungen. Das überschüssige Proton kann von den Elektronen nicht dauerhaft gebunden werden, das Atom ist instabil – radioaktiv. Relativitätstheorie: Die bekannteste Formel der allgemeinen Relativitätstheorie lautet „E=mc²“. In Worten bedeutet dies, dass Energie lediglich eine andere Zustandsform von Masse (m) ist. Masse kann in Energie umgewandelt werden und umgekehrt. Anhand der Formel wird deutlich (c= Lichtgeschwindigkeit = ca. 300.000 km/h) dass bereits geringe Massen (z.B. Atomkerne) großen Mengen Energie entsprechen. Photonen: Energiereiche, masselose Lichtteilchen. Neutrino: Neutrinos sind Elementarteilchen wie Elektronen oder Positronen, jedoch elektrisch neutral. Metabolismus: Stoffwechsel, Umsatz an chemischen Stoffen wie z.B. Glukose Praktische Verwendung der Isotope Bei der Anwendung der PET macht man es sich zunutze dass Radioisotope beim Zerfall Positronen emittieren, also abgeben. Daher auch die Bezeichnung PET. Tomographie bedeutet sinngemäß übersetzt soviel wie „Schnittdarstellung“. Das kommt daher dass das der Untersuchungsgegenstand jeweils in Schnitten gescannt wird, woraus mittels Computerverarbeitung aber auch ein 3D-Bild geschaffen werden kann. Das Radioisotop wird in das Molekül eines im Gehirn natürlich vorkommenden, an sich nicht radioaktiven, Stoffes eingebaut, z.B. Sauerstoff, Glukose oder Fluormethan. Das dabei entstehende Präparat wird dem Patienten intravenös oder mittels Einatmung verabreicht. Man nennt es Radiopharmakon, oder auch“) Tracer („Leuchtspurgeschoß“), da es radioaktiv markiert wurde. Da es wie bereits erwähnt natürlicherweise im Hirn vorkommt, wird es von der Blut-Hirn-Schranke nicht aufgehalten, weil es nicht von seinen nichtradioaktiven Brüdern unterscheiden kann. Nehmen wir in unserem Beispiel an, der verwendete Tracer wäre z.B. 2-Fluoro-2-Deoxyglukose (FDG). Es lagert sich hauptsächlich in jenen Gehirnarealen ab, in denen quantitativ viel Glukose verbraucht wird. Wird lokal ungewöhnlich viel Glukose verbraucht, kann ein wachsender Tumor die Ursache hierfür sein. Neben FDG gibt es noch viele andere Radioisotope, welche andere Indikationen aufweisen. So kann man z.B. mit Stickstoff-13 (N13) den lokalen Umsatz an Stickstoff feststellen, mit Kohlenstoff-11 (11C) an Kohlenstoff und so weiter. Es eignen sich jedoch nur Isotope die eine vergleichsweise kurze Halbwertszeit haben. Bei einem Isotop mit langer Halbwertszeit, z.B. Uranisotope (mehrere Milliarden Jahre) wären keine Messungen möglich, die zeitliche Auflösung wäre viel zu grob. Da die verwendeten Stoffe also nur kurzzeitig haltbar sind und auch nicht konserviert werden können, müssen sie unmittelbar vor Gebrauch hergestellt werden. Das geschieht mittels einem Teilchenbeschleuniger. Das Verfahren der PET Die Isotope senden beim Zerfall also Positronen aus. Das muss man sich folgendermaßen vorstellen: Das Überschüssige Kern-Proton zerfällt in drei Teile: ein Neutron, ein Neutrino, und ein Positron. Das Neutron verbleibt im Kern, da es keine elektrische Ladung enthält sind die Ladungsverhältnisse im Atom wieder ausgeglichen und somit stabil. Das Neutrino verlässt den Kern, hat aber aufgrund dessen dass es masselos sowie elektrisch neutral ist, keine Auswirkungen auf die umgebende Materie. Es spielt auch für die PET keine Rolle und wird nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Anders sieht es mit dem Positron aus, welches ebenfalls den Kern verlässt. Wir erinnern uns dass Positronen und Elektronen elektrisch gegensätzlich geladene Teilchen sind, was zur Folge hat dass diese sich gegenseitig anziehen. So kommt das Positron auf seiner Reise auch nur 2-4 mm weit, bevor es mit einem Hüllenelektron der umgebenden Atome kollidiert. Durch die antagonistische elektrische Ladung werden beide Teilchen zerstört, bzw. deren Masse wird in Energie umgewandelt. (Wir denken hierbei an die allgemeine Relativitätstheorie.) Die Energie wird in Form von zwei Photonen freigesetzt. Dieser Vorgang wird Annihilation, „Auslöschung“, genannt. Die Photonen nehmen einen Kurs der im 90°-Winkel zu der Flugbahn von Elektron und Positron steht. Die Photonen nehmen zueinander einen diametral gegensätzlichen Kurs ein (180°-Winkel). Man kann sich das ganze klar machen, indem man sich ein Kreuz vorstellt. Der eine Balken stellt dabei die Flugbahn dar auf der Proton und Elektron aufeinander treffen, der andere die auf dem die Protonen entweichen. Das zu vermessende Objekt –in unserem Fall der Schädel) ist von einem Ringförmigen Aufzeichnungsgerät umgeben. Die energiereichen Photonen können die Materie des Gehirns und des Schädels mühelos durchdringen, und gelangen so zu den Detektoren des Aufzeichnungsgerätes, wo sie registriert werden. Anhand einer gedachten Linie zwischen den beiden eintreffenden Photonen und dem und den unterschiedlichen Einschlagszeiten auf dem Ring, kann der Entstehungsort abgeleitet werden. Die Auflösung ist allerdings im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren (CT, MRT) relativ grob, da die Positronen erst 2-4 mm zurücklegen bevor Energie emittiert wird. Die ermittelten Daten werden durch den Computer zu einem vollständigen, colorierten Bild zusammengesetzt. Anhand der Strahlungsemissionen kann das Programm erkennen in welchen Bereichen die Konzentration des Isotops am höchsten ist, diese werden meist mit warmen Farben (Rot, Orange, Gelb), Bereiche in denen das Aufkommen gering ist jedoch mit kalten Farben (Blau, Grün) gekennzeichnet. Manchmal wird zusätzlich zur PET noch eine CT oder MTR angefertigt, wenn man die beiden Bilder dann übereinander legt hat man die Vorteile beider Verfahren vereinigt: eine hochauflösende Darstellung der Struktur mittels MRT oder CT, sowie eine Verbildlichung der jeweiligen Stoffwechselvorgänge durch PET. An einer verbesserten Auflösung der PET wird geforscht, dass hätte den Vorteil das dem Patienten die zusätzliche, nicht unerhebliche, Strahlenbelastung einer CT auszusetzen. Was durch das PET dargestellt wird (z.B. Glukosemetabolismus oder Sauerstoffmetabolismus) ist, wie bereits erwähnt, abhängig von dem eingesetzten Isotop. Forschung und Anwendung Von allen bildgebenden Verfahren dürften jene welche die Gehirnfunktion darstellen können die interessantesten für Psychologen und Hirnforscher sein. Diese Verfahren können nicht nur zur Entdeckung von Krankheiten und Überwachung von Therapieverläufen eingesetzt werden, sondern vor allem auch zur Erforschung der Hirnfunktionen. Beispielswiese hat man bei der Untersuchung von Synästhetikern festgestellt, dass fallweise auch die Sehrinde aktiv war, wenn der Proband etwas hörte. Im klinischen Bereich (Neurologie) gehört die Anwendung der PET allerdings noch längst nicht zum Alltag, die Durchführung einer solchen kostet im Moment noch ca. 1000 €, in Kombination mit einer CT sogar 1700 €, weswegen häufiger nur eine CT oder die schonendere MRT durchgeführt wird – was in den meisten Fällen allerdings auch ausreicht. Die physiologischen Korrelate von psychischen Störungen können durch die PET immer besser nachvollzogen werden. So konnte erwiesen werden, dass eine Anorexie Nervosa (Magersucht) mit einer verminderten Funktion im Parietallappen einhergeht, was vermutlich mit einer gestörten Körperwahrnehmung zusammenhängt. Ebenso wurde erforscht dass bei Panik- und Angststörungen ein bestimmter Rezeptortyp nicht in ausreichendem Maße vorhanden zu sein scheint. Auch versucht man mittels der PET zu eruieren, ob Zwangsstörungen mit einer Störung des prozeduralen Lernens zusammenhängen. Dies alles kann dabei helfen neue Medikamente zu entwickeln, aber die hierbei gewonnenen Erkenntnisse sind auch für die Psychologie wichtig. Ob zuerst die psychische Störung, oder die physiologische Dysfunktion entstand –wobei wir wieder bei der klassischen Leib-Seele- Problematik wären- spielt dabei keine Rolle. Beide Seiten der Medaille haben wechselseitig Einfluss aufeinander. Man muss herausfinden in welchen Fällen eine Verbesserung durch gezielte psychologische Intervention, und in welchen eine pharmakologische Behandlung anzuraten ist. Zur Zeit fährt man dabei meist eine Zwei-Säulen-Strategie. Der Therapieerfolg und die Effektivität sowie Effizienz der jeweiligen Therapierichtung, kann zu Forschungszwecken durch PET überwacht werden.
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