Wirtschaftliche Bedeutung, Probleme und Potenziale des Tourismus

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Wirtschaftliche Bedeutung, Probleme und Potenziale des Tourismus Powered By Docstoc
					Universität Hannover Geographisches Institut Abteilung Wirtschaftsgeographie

Wirtschaftliche Bedeutung, Probleme und Potenziale des Tourismus in Singapur und Malaysia

Seminararbeit
WS 2002/2003

Dipl.-Geogr. Matthias Kiese

Christian Nieße, Matr.-Nr.: 1940473 Fabian Perschke, Matr.-Nr.: 2049027

Hannover, Februar 2003

Fabian Perschke, Christian Nieße

<Tourismus in Singapur und Malaysia>

Inhalt
Inhalt ..................................................................................................................... 1 Tabellen- und Abbildungsverzeichnis................................................................ 2
Abbildungsverzeichnis............................................................................................................. 2 Tabellenverzeichnis................................................................................................................. 2

1 Einleitung......................................................................................................... 3 2 Definition ......................................................................................................... 4 3 Gründe für die Expansion des Tourismus (allgemein) ................................ 4 4 Entwicklung und Zahlen zum Tourismus in Singapur................................. 6
4.1 Bedeutung des Tourismus ............................................................................................... 8 4.2 Das Programm „Tourism 21 – Vision of a Tourism Capital“ .............................................. 9 4.3 Bewertung der neuen Tourismuskonzeption .................................................................. 12

5 Aktuelle Entwicklung des Tourismus in Malaysia ..................................... 12
5.1 Allgemeine Einführung in die Landesgegebenheiten...................................................... 12 5.2 Entwicklung des Tourismus seit 1995 ............................................................................ 14 5.3 Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Malaysia ................................................... 16 5.4 Zukünftige Politische Bedeutung, Probleme und Herausforderungen des Tourismus in Malaysia........................................................................................................................ 17

6 Zusammenfassung und Fazit ...................................................................... 18 Literaturverzeichnis ........................................................................................... 20

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Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Touristenankünfte in Singapur 1995-1998...................................................................6 Abb. 2: Verteilung Einreisender Singapurs auf einzelne Reise-Sektoren ..............................7 Abb. 3: Überblickkarte Malaysia ..............................................................................................13 Abb. 4: Einreisende Touristen nach Malaysia im Zeitraum 1995-2002................................15

Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Arbeitszeit und Freizeit alle 20 Jahre von 1950-2010 (in Deutschland)....................5 Tab. 2: Marktanteile im internationalen Tourismus von 1960-2000........................................5 Tab. 3: Auslastung malaysischer Hotels 1995 und 1999.......................................................17

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Einleitung

Nach Aussagen des World Travel and Tourism Council (WTTC) stellt die Tourismusindustrie das profitabelste und dynamischste Geschäft der Welt dar. Werden rückblickend die Touristenankünfte der vergangenen 40 Jahre betrachtet, so ist ein enormes Wachstum zu erkennen: In der Zeitspanne von 1959 bis 1980 hat sich die Zahl der Ankünfte von anfangs 25 Mio. auf 284 Mio. um das mehr als elffache erhöht und ist bis 1999 sogar noch auf 657 Mio. angestiegen. Genau dieser Trend wird sich auch laut Expertenmeinungen in den nächsten Jahren beständig fortsetzen. So wird mit einer prognostizierten Steigerung zwischen 1995 und 2005 von 45 Prozent gerechnet, was einem jährlichen Zuwachs von etwa vier Prozent entspricht (vgl. Vielhaber, 1997, S.7). Allerdings sind diese Zahlen nach den Ereignissen des 11. Septembers 2001 und den aktuellen weltpolitischen Ereignissen mit viel Vorsicht zu betrachten. Es gibt bis jetzt keine verlässlichen Quellen, die die seit langem geschätzten Werte korrigieren, so dass glaubwürdige und realistische Prognosen möglich wären. Gerade in den südostasiatischen Ländern ist zwischen 1985 und 1999 ein großer Zuwachs mit einer jährlichen Wachstumsrate von 8,3 Prozent zu verzeichnen gewesen (vgl. WTO, 2000, S.9). Und da speziell in den ASEAN-Ländern ein solcher Trend zu erkennen war, wird seine Bedeutung als Wirtschaftssektor sehr deutlich.

Wie ist die rasante Entwicklung dieses einzelnen Sektors zu begründen? Inwiefern ist dieser Trend für unsere Zielregionen wichtig? Auf was für Potenziale und Ressourcen kann in Singapur/Malaysia zurückgegriffen werden? Besteht ein Zusammenhang zwischen der touristischen und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in dem jeweiligen Land? Wie ist die Bedeutung des Tourismussektors zu bewerten?
Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Ausarbeitung angesprochen und diskutiert werden, indem vor allem Malaysia und Singapur als Beispiele herangezogen und stärker betrachtet werden sollen.
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Definition

Der Tourismus oder Fremdenverkehr „umfasst den nationalen und internationalen Reiseverkehr, d.h. Verkehr von Reisenden (oder Touristen) zwischen Heimatort und Reiseziel, den vorübergehenden Aufenthalt (Orts-) Fremder am Ziel- oder Fremdenverkehrsort sowie Organisation der Reisevorbereitung am Heimatort“ (vgl. Freyer, 1993). Hierbei sind verschiedene Arten des Tourismus, die sich in ihrer Aufenthaltsdauer unterscheiden, klar voneinander zu trennen. Im Gegensatz zum Kurtourismus und Urlaubs- bzw. Erholungstourismus wird der Geschäftstourismus dem touristischen Randbereich zugeordnet, da er meist von kurzer Dauer ist und nicht dem Zwecke der Erholung dient, sondern eher auf den Abschluss eines Geschäftes ausgerichtet ist. Dem gegenüber steht der klassische Urlaubstourismus, der sich über einen wesentlich längeren Zeitraum erstreckt und ein ganz anderes Ziel verfolgt. Eine klare branchenbezogene Abgrenzung des Tourismussektors ist bisher noch nicht getroffen worden, da eine Branchenzuordnung im Bereich des Tourismus nicht so leicht ist. Hotellerie, Gastronomie, Reiseveranstalter und -vermittler, Transportunternehmen und Messewesen werden dem direkten Tourismus zugeordnet, wogegen beispielsweise der Einzelhandel nur dem indirekten Tourismus zugeordnet werden kann, da nicht alle Leistungen an Touristen abgesetzt werden.

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Gründe für die Expansion des Tourismus (allgemein)

• Steigendes Realeinkommen • Sinkende Jahres- und Lebensarbeitszeiten • Liberalisierung im grenzüberschreitenden Personenverkehr • Technischer Fortschritt im Verkehrs- und Kommunikationswesen • Globalisierung der Tourismuswirtschaft (vgl. Schätzl, 2000, S. 227-229). Seit 1945 sind Einkommen und Wohlstand stark angestiegen. Auch die zunehmende Freizeit und der längere Urlaub lassen größere Reisen zu, die durch die Lockerung von Einreise-, Zoll- und Devisenbestimmungen zusätzlich zum Reisen motiviert. Ei4

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nen ganz erheblichen Anteil hat auch die zunehmende Motorisierung und das modernisierte Transport- bzw. Kommunikationswesen. Mit all diesen Veränderungen sind Entfernungen wesentlich leichter und bequemer zu überbrücken. Aber ein ganz wesentlicher Unterschied sind die gesunkenen Kosten, die benötigt werden um Entfernungen zurückzulegen. Der Mensch besitzt heute im Vergleich zu 1950 folglich eine Vielzahl mehr an Möglichkeiten, seine freie Zeit zu nutzen, da er sich nun um einiges unabhängiger bewegen und verhalten kann, wie die Tabelle 1 zeigt.

Tab. 1: Arbeitszeit und Freizeit alle 20 Jahre von 1950-2010 (in Deutschland)
1950 6-Tage-Woche 48-Stunden-Woche 279 Arbeitstage (aus: Freyer, W. 1993, S.33) 1970 5-Tage-Woche 42-Stunden-Woche 238 Arbeitstage 1990 5-Tage-Woche 38-Stunden-Woche 200 Arbeitstage 2010 4-Tage-Woche 32-Stunden-Woche 165 Arbeitstage

Mit dieser Entwicklung hat sich auch eine Verschiebung der Marktanteile im internationalen Tourismus weltweit vollzogen, die in Tab.2 naher erläutert werden soll: Tab. 2: Marktanteile im internationalen Tourismus von 1960-2000
1960 1989 2000 (Quelle: WTO) Europa 73% 63% 56% Amerika 24% 20% 16% Asien/Ozeanien 2% 14% 24% Afrika 1% 3% 4%

• • • •

Europa und Amerika zeigen anhaltende Verluste an den Marktanteilen, allerdings bei weiter ansteigender Nachfrage Asien und Ozeanien gewinnen die in Europa und Amerika verlorenen Anteile durch überproportionales Nachfragewachstum Afrika spielt im globalen Tourismusmarkt eine weiterhin untergeordnete Rolle Der Marktanteil Südostasiens ist bei einer mittleren jährlichen Zuwachsrate von 8% (1980-1989) weit überdurchschnittlich gewachsen. 1989 lag der Anteil der

höher als ganz Afrika

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ASEAN –Staaten am Welttourismus gemessen an den Ankünften bei 4,1%

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Entwicklung und Zahlen zum Tourismus in Singapur

In den Jahren von 1995 bis 1999 besuchten jährlich etwas mehr als sieben Mio. Menschen Singapur, was mehr als der doppelten Einwohnerzahl Singapurs entspricht. Interessant bei der näheren Betrachtung ist die unterschiedliche Verteilung der Besucher im Bezug auf die Herkunftsländer. So stammen nahezu 70 Prozent (Durchschnitt zwischen 1995 und 1999) der Anreisenden aus asiatischen Ländern, wovon etwa 30 Prozent allein aus den ASEAN-Staaten stammen. Auffallend ist die große Zahl der Japaner, die mit etwa 15 Prozent den größten Anteil stellen. Im Vergleich dazu stellt Europa als ganzes etwa 14 Prozent und die USA gerade mal ein Drittel dieser Zahlen (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Touristenankünfte in Singapur 1995-1998
Ankommende Personen pro Jahr
8000 7000 6000 5000 4000 3000 2000 1000 0 1995 1996 1997 1998

Total Asien Japan Europa USA

Ankünfte

Jahre nach Low, 2000, eigene Darstellung

Wichtig bei dieser Darstellung ist die Tatsache, dass es sich nur um einen Durchschnittswert (7 Mio.) handelt. Im Jahre 1998 zum Beispiel besuchten aufgrund des starken Einbruchs wegen der Asienkrise nur noch 6,2 Mio. Menschen Singapur. Die starken Einbrüche der Besucherzahlen aus dem asiatischen Sektor konnten auch durch den erhofften Anstieg von Besuchern speziell aus Europa und den USA nicht kompensiert werden. Maßnahmen wie die Erhöhung von Flügen der Singapore Airlines (SIA), die ein wichtiger Akteur des einheimischen Tourismusgeschäfts ist, zwischen Europa und den USA und die Reduzierung der Flüge in die von der Wirtschaftskrise betroffenen Länder Südostasiens hatten nicht den erhofften Erfolg.

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Ein weiteres Merkmal des Tourismus in Singapur ist die Aufenthaltsdauer im Durchschnitt eines jeden Touristen. Diese liegt nämlich lediglich bei drei Tagen. Auffallend ist, das die Besuchsdauer von über 65 Prozent der Besucher bei unter einem bis zwei Tagen liegen. Und diese Zahlen lassen schon einige Aussagen über die Art des Tourismus in Singapur zu. So kommen die wenigsten zum Erholen dorthin. Ein großer Teil hingegen nutzt Singapur vielmehr als Zwischenstation auf dem Weg in andere Regionen und „genießt“ für nur kurze Zeit das Flair einer Weltmetropole als eine Art Kurzurlaub oder ist aus beruflichen Gründen vor Ort, um geschäftliche Kontakte zu pflegen bzw. Geschäfte zu tätigen. Andere Zahlen belegen diese Aussagen, so kommen etwa 45 Prozent der Besucher aus Urlaubsgründen, ca. 16 Prozent aus geschäftlicher Sicht, 26 Prozent aus anderen Gründen und nahezu 10 Prozent sind nur auf der Durchreise und halten sich gar nicht dort auf (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Verteilung Einreisender Singapurs auf einzelne Reise-Sektoren
Verteilung der Einreisenden auf verschiedene Sektoren 10% 26% 45% Urlaub Gechäft Urlaub/Geschäft Andere Zwischenstopp 3% 16%
nach Low, 2000, eigene Darstellung, modifiziert

Auffallend bei der touristischen Entwicklung in den 90er Jahren sind die durchschnit tlichen Ausgaben eines Besuchers pro Tag. 1993 lag dieser Wert zum Beispiel bei 237 S$, wogegen er 1998 nur noch bei 203 S$ zu finden war. Einleuchtend sind hierbei die stark gesunkenen Ausgaben der Asiaten, die auf diese Weise die extremen Folgen der Asienkrise erkennen lassen. Überraschend hingegen sind die rückläufigen oder stagnierenden Ausgaben der Europäer (mit einigen Ausnahmen) und Amerikaner (vgl. Low, 2000).

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4.1 Bedeutung des Tourismus
Für viele Länder gilt der internationale Tourismus als wichtige Devisenquelle, da er als Export von Dienstleistungen eingestuft wird und hohe Einnahmen verspricht. Diese Einnahmen sind jedoch verzerrend, da ausländische Kapitalimporte, wie Einfuhr von Konsumgütern, Werbung in den jeweiligen Herkunftsländern und Devisenkosten für Investitionsgüter der Tourismusindustrie (Baumaterialien, etc.) in der Regel nötig sind und somit die Leistungsbilanz um einiges relativieren. Trotzdem ist eine Abhängigkeit zum internationalen Tourismus zu erkennen, da diese Deviseneinnahmen einen hohen Anteil an den gesamten Exporteinnahmen besitzen (vgl. Spreitzhofer, 1998). Zum anderen ist in dieser Branche ein hoher Bedarf an Arbeitskräften unumstritten, der zudem den höchsten Zuwachs in den letzten Jahren zu verzeichnen hat. Auf Singapur bezogen stieg die Zahl der Beschäftigten im Hotel-/Restaurantgewerbe im Zeitraum von 1990 – 2000 von 96.700 auf 114.500 Arbeitnehmer, was einem Zuwachs von ca. 20% entspricht (vgl.: Singapore Department of Statistics 2001, S. 45), da eine Zunahme neuer Hotelzimmerkapazitäten um etwa 25% (1990: 22.408, 2000: 28.212) die logische Folge auf die steigenden Tourismuszahlen ist. Aber auch in der zunehmenden Zahl Und laut Prognosen des WTTC wird sich diese Entwicklung in Zukunft noch drastisch verstärken, weil mit einem erheblichen Bedeutungsgewinn dieses Sektors zu rechnen ist, der logischer Weise erheblich höhere Einnahmen mit sich bringen wird. Ein weiterer wichtiger Beitrag des Tourismus ist der Ausbau der Infrastruktur (Elektr izität, Verkehrswege, usw.), der oft eine Folge der touristischen Entwicklung ist. Obwohl nicht alle Infrastrukturmaßnahmen für den Tourismusbereich errichtet worden sind, ermöglicht erst der Tourismus den rentablen Betrieb dieser Einrichtungen und somit einen bedeutenden Teil zur Verbesserung der Gesamtinfrastruktur bei, da ohne dessen Einnahmen vieles nicht möglich wäre (Erschließung peripherer Regionen). Aber auch eine Diversifizierung der Wirtschafts- und Importstruktur ist zu erkennen. Der Anteil am Bruttosozialprodukt (BSP) ist nicht unerheblich und nimmt in Singapur mit fast 5 Prozent eine wichtige Funktion ein. Auch die Exportstruktur kann stark beeinflusst und variiert werden, da neue Wirtschaftszweige entstehen (Souvenirhandel usw.) (vgl. Schätzl, 2000, S.228).
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Um die immer größer werdende Bedeutung des Tourismus für Singapur darzustellen, soll im folgenden versucht werden, aufgrund der prognostizierten Veränderungen in den nächsten Jahren gerade in diesem Sektor, das wachsende Potenzial vorzustellen.

4.2 Das Programm „Tourism 21 – Vision of a Tourism Capital“
Mit der Entwicklung in der letzten Zeit und den Prognosen für die nächsten Jahre als Grundlage soll nun versucht werden, die neu angestrebten Tourismuskonzepte des Stadtstaates vorzustellen. Mit dem Programm „Tourism 21 - Vision of a Tourism Capital“ strebt das Singapore Tourism Board (STB) nicht nur eine Regionalisierung der Tourismusindustrie an, sondern möchte gleichzeitig den Stadtstaat zu einer Weltmetropole des Tourismus ausbauen und dabei auch eine stärkere touristische Entwicklung in den Nachbarstaaten fördern. Basis dieser Planungen sind die durchweg pos itiven Prognosen der WTTC für die Entwicklung des Fremdenverkehrs in dieser Region bis zum Jahr 2010, nach denen ein Anstieg auf 190 Mio. Besucher vorhersagt wird. Singapur soll sich auf dieser Grundlage zu einer Art Gateway internationaler Tourismusströme für die umliegenden Regionen entwickeln. Ein großer Vorteil Singapurs dabei ist die zentrale Lage und die relative Nähe zu den wichtigsten Urlaubsorten, sowie die hervorragend entwickelte Infrastruktur. Somit wird Singapur nicht nur für Touristen, sondern genauso für die großen Firmen der Tourismusbranche zu einem Zentrum des Tourismus. Dieses Programm versucht Singapur zu einer führenden Kultur- und Vergnügungsmetropole in der Region auszubauen, um gleichermaßen Touristen wie Geschäftsreisende und Investoren anzusprechen. Auf dem gleichen Weg sollen touristische Attraktionen und Angebote der Nachbarstaaten in das eigene Tourismuskonzept integriert und eingebunden werden. Die Inhalte dieses Programms lassen sich in sechs Strategien zusammenfassen (vgl. Singapore Tourism Board, 2003):

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„Tourism 21 - Vision of a Tourism Capital“ 1. Redefining Tourism 2. Reformulating the Product 3. Developing Tourism as a Industry 4. Configuring New Tourism Space 5. Partnering for success 6. Championing Tourism

1. Redifining Tourism: Singapur spielte schon immer eine wichtige Rolle für die Touristen. Diese wichtige Stellung soll nicht nur gehalten, sondern auch ausgebaut werden. Aber auch zwei andere wichtige Standbeine Singapurs, die zentrale Lage und die wichtige Stellung für Firmen der Branche, sollen gepflegt werden. Es ist an der Zeit, dass sich Singapur seiner hervorragenden Stellung in der Region wieder bewusst wird und sich offen gegenüber neuen Möglichkeiten verhält, die dazu führen, das gesamte Potenzial und die Stärken des Stadtstaates jetzt und in der Zukunft weiter zu entwickeln und zu optimieren. 2. Reformulating the Product: Singapur ist zwar ein Zentrum für Touristen, aber ist die Bedeutung mit einer Weltmetropole schon vergleichbar? Ziel ist es, das Produkt „Singapur“ neu zu vermarkten. Es soll nicht nur als Tourismuszentrum bekannt sein, sondern genauso, wie New York oder London, das Etikett „weltklasse“ tragen, indem es noch andere Qualitäten aufweist. Es muss sich darum bemüht werden, neue Attraktionen nach Singapur zu holen. Es geht hierbei insbesondere um Messen, Ausstellungen und zahlreiche andere Events, die Singapur zu einem unvergesslichen Ort werden lassen sollen. Die dafür vorgesehenen Flächen befinden sich im Hinterland und gelten als ideale Standorte für solche Pr ojekte. 3. Developing Tourism as an Industry: Es ist schwierig, den Tourismussektor zu einer führenden Industrie in Singapur zu entwickeln, da so viele verschiedene Branchen wie Hotels, Restaurants, Fluglinien oder Urlaubsorte davon abhängig sind. Wichtig bei diesem Prozess ist eine effektive und vor allem weitreichende Strategie als Grundlage. Und diese sollte folge n10

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de Elemente beinhalten: ein höheres Level an Konkurrenzkraft muss durch das Schließen der vorhandenen Lücken im Tourismus-Cluster erreicht werden, indem über das breite Spektrum an Sektoren neu Synergien, Produkte und Dienstleistungen kreiert werden. Lokale Unternehmen müssen unterstützt werden, indem ihnen klargemacht wird, dass sie bei der Entwicklung neuer Produkte und der regionalen Ausbreitung immer in der ersten Reihe stehen. Des weiteren muss die Regierung mit attraktiven und anspornenden Steuerangeboten große Unternehmen zum Investieren nach Singapur locken. Außerdem sind eine Bildung der Ma rke „Singapur“ und die ständige Präsenz im Internet unausweichlich. 4. Configuring New Tourism Space: Gerade für den Tourismus in Singapur ist Regionalisierung enorm wichtig. Aber auch die umliegenden Länder können von der Stellung Singapurs profitieren. Singapur als Drehscheibe in der Region und die fantastischen Naturgegebenheiten der Region in Kombination besitzen eine effektivere Wirkung, als eine der beiden Seiten allein das schaffen würde. Die Attraktivität wird um einiges gesteigert und das größere Potenzial lassen einiges erhoffen. 5. Partnering For Success: Und genau dieser Punkt ist der Schlüssel zum Erfolg. Allein auf weiter Flur ist es schwer, sich durchzusetzen und zu etablieren. In der Gemeinschaft allerdings steigen die Chancen um ein vielfaches. Somit ist es absolut notwendig, dass von der obersten Ebene an die Zusammenarbeit gedacht wird. Erst dann kann es zu effektiven Impulsen auf den anderen Ebenen kommen. Es muss zu Abkommen zwischen den einzelnen Staaten kommen, die E rfolge auf beiden Seiten „garanti eren“. Auf dieser Grundlage kann die in Singapur begonnene touristische Infrastruktur auf umliegende Projekte übertragen werden. 6. Championing Tourism: Diese letzte der sechs Strategien befasst sich nun mit dem Anwerben und Heranziehen von so genannten „Champions“. Damit sind einzelne Personen und Unternehmen (z.B. Marktführer ihrer Branche) gemeint, die Ideen und Projekte nicht nur erkennen, sondern auch verwirklichen und dazu beitragen, die Lebensqualität in Singapur durch ein gestiegenes Ansehen zu erhöhen und ihm der Stadt das Etikett „weltklasse“ zu verleihen. Marktdominierende Firmen in sämtlichen Branchen, auf die Singapur spezialisiert ist, müssen angesprochen sein und erkennen, dass
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Singapur der ideale Standort ist, von dem aus die umliegenden Märkte Asiens bearbeitet werden können.

4.3 Bewertung der neuen Tourismuskonzeption
Wie ist nun eine solche Entwicklungsplanung einzuschätzen? Für Singapur bedeutet dies sowohl eine Diversifizierung des touristischen Angebots und der entsprechenden Investitionsströme, als auch eine zunehmende Interdependenz in der ökonomischen und politischen Entwicklung der gesamten Region. Ob es sich bei diesem Konzept wirklich um ein „Win-Win-Partnership“ handelt, ist schwer zu sagen. Vorteile sind durch die hervorragend ausgebaute (touristische) Infrastruktur und Managementlogistik vor allem für Singapur zu erkennen. Durch die Diversifizierung der Investitionsströme kommt es zu einer Umleitung des Kapitalflusses in der Region, der, genau wie die engere Zusammenarbeit in Planung und Vermarktung des touristischen Angebots, eine Verringerung der Konkurrenzen in der Region zur Folge hat und somit ein geringeres Investitionsrisiko mit sich bringt. Auf der anderen Seite ist eine alternative Tourismusplanung vor Ort nicht möglich, was eine regionale Ungleichentwicklung entgegen bestehender nationaler Entwicklungsplanungen mit sich bringen kann. Ein gutes Beispiel ist der touristische Ausbau der südlich von Singapur liegenden indonesischen Insel Bintan. Hier ist es zu einer Konzentration des Tourismus gekommen, die eine Verschärfung sozioökonomischer Disparitäten zwischen einzelnen Regionen und Provinzen Indonesiens zur Folge hatte (vgl. Rolf Jordan, 1999). In gewisser Weise ist Singapur nun abhängig von den Nachbarstaaten, da mit ihrer Entwicklung der Erfolg der Tourismuskonzeption schwankt und nicht nur auf einer Schulter liegt.

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Aktuelle Entwicklung des Tourismus in Malaysia

5.1 Allgemeine Einführung in die Landesgegebenheiten
Malaysia ist ein Staat in Südostasien, der aus zwei durch das Südchinesische Meer getrennten Landesteilen, die über 650 Kilometer voneinander entfernt sind, besteht. Westmalaysia umfasst elf Bundesstaaten im Süden der Malaccahalbinsel und grenzt
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im Norden an Thailand, im Süden an Singapur. Im Westen liegt die Malaccastraße, im Osten das Südchinesische Meer. Ostmalaysia, bestehend aus den Bundesstaaten Sabah und Sarawak, nimmt den Nordteil der Insel Borneo ein und grenzt im Norden und Westen an das Südchinesische Meer, im Osten an die Sulu- und Celébessee sowie im Süden an die indonesischen Provinzen West- und Ostkalimantan. Die Insel Labuan, früher Teil von Sabah, wurde 1984 Bundesterritorium. Das Sultanat Brunei bildet im Norden Sarawaks eine Küstenenklave (vgl. Abb. 3).

Abb. 3: Überblickkarte Malaysia
(Quelle: http://theodora.com/maps/new4/malaysia.gif, 28.02.2003)

Malaysia wurde am 16. September 1963 durch den föderativen Zusammenschluss der elf Bundesstaaten auf der Malaccahalbinsel, des Malaiischen Bundes (seit 1957 unabhängig), dem auch Singapur als selbständiger Staat angehörte, sowie der ehemaligen britischen Kolonien Sabah (Nordborneo) und Sarawak gebildet. 1965 verließ Singapur die Föderation. Malaysia hat eine Gesamtfläche von 329.758 Quadratkilometern. Die größte Stadt Malaysias und Hauptstadt der Föderation ist Kuala Lumpur. Die Malaccahalbinsel besitzt eine Fläche von 131.598 Quadratkilometern. Breit entfaltete Gebirgsketten befinden sich im Norden der Halbinsel. Die bedeutendste Kette ist die Main Range oder Barisan Titiwangsa, deren Hauptkamm eine Höhe von 2.190 Metern aufweist. Die Bergketten laufen in ein stark besiedeltes Küstentiefland aus, im Süden ist die Halbinsel eben. Versumpfte Schwemmlandebenen befinden sich auch an den Küsten Sarawaks und Sabahs. Im Gebirgsland Sabahs liegt der Kinabalu, mit 4.101 Metern höchste Erhebung des Landes.

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Malaysia hat etwa 19,5 Mio. Einwohner, was einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 59 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht. Die Malaccahalbinsel ist ungefähr siebenmal so dicht bevölkert wie Sarawak und Sabah. Etwa 57 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land, 43 Prozent in Städten. Die Geburtenzuwachsrate, früher eine der höchsten in Asien, hat seit 1960 stetig abgenommen und lag Anfang der neunziger Jahre bei 2,5 Prozent pro Jahr. Der wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt Malaysias ist die Hauptstadt und das Verwaltungszentrum Kuala Lumpur innerhalb des Bundesstaates Selangor im Westen der Malaccahalbinsel. Die Hauptstadt Kuala Lumpur hat etwa 1,15 Mio. Einwohner. Andere wichtige Städte sind Ipoh (380.000 Einwohner), Transport- und Wirtschaftszentrum und Hauptstadt von Perak im Nordwesten der Halbinsel, Johor Baharu (330.000 Einwohner), Hauptstadt von Johor, des südlichsten Bundesstaates auf der Halbinsel, Kelang (245.000 Einwohner) in Selangor, bedeutende Hafen- und Industriestadt sowie Sitz des Sultanspalasts sowie George Town (220.000 Einwohner), Hauptstadt von Penang und eine der wichtigsten Hafenstädte Malaysias (vgl. Chroniken Asiens, 2003).

5.2 Entwicklung des Tourismus seit 1995
Um die Entwicklung des Tourismus zu beschreiben wurde der Indikator der Anzahl der Touristenankünfte an nationalen Flughäfen gewählt. Es wurde nach unterschiedlichen Regionen differenziert, um eine vergleichbare und aussagefähige Analyse durchführen zu können. Die einzige Ausnahme stellt dabei Singapur dar, da Singapur einen hohen Gesamtanteil der Einreisenden ausweist und aus den Daten nicht hervorgeht, ob es sich bei den Ankünften aus Singapur um Touristen aus anderen Ländern handelt, die über Singapur einreisen, oder ob es sich um Einheimische ha ndelt. Aus Abbildung vier geht hervor, dass die Einreisen nach Malaysia im Zeitraum 1995 bis 2002 deutlich gestiegen sind. Der drastische Einbruch im Jahre 2002 lässt sich durch die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 und die Attentate in Bali im Jahr 2002 erklären. Der leichte Abfall vor 1998 könnte mit den Folgen der Asienkrise zusammenhängen. Leider ist der Datenbestand vor dieser Zeit so unzureichend, so dass keine zuverlässigen Vergleiche möglich sind.

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Während das Tourism Board of Malaysia (TBM) (2003) im Jahr 2001 knapp 13 Mio. Touristen gezählt hat, konnten im Jahr 2002 auf Grund der oben erwähnten Ereignisse nur noch knapp unter 10 Mio. Touristen erfasst werden, was einen Rückgang von 22 Prozent bedeutet. Der Tiefpunkt der Einreisen im untersuchten Zeitraum liegt 1998 bei rund 5,5 Mio. eingereisten Touristen, was einen Rückgang zu den Zahlen von 1995 um knapp 35 Prozent ausmachte.

Abb. 4: Einreisende Touristen nach Malaysia im Zeitraum 1995-2002
Touristen-Ankünfte in Malaysia 1995-2002

12.000

10.000 Total Asien Singapur Europa Amerika Ozeanien Afrika Andere

Ankünfte in 1.000

8.000

6.000

4.000

2.000

0 1995 1996 1997 1998 Jahre 1999 2000 2001 2002

Malaysia Tourism Promotion Board, 2003; eigene Darstellung,

Die aufgeführten Trends der Gesamtzahlen lassen sich auf die Anzahl der Einreisen jeder Region übertragen. Den mit Abstand größten Anteil stellen die Touristen aus dem asiatischen Raum mit 85 Prozent dar (vgl. The National, 2002). Asien wird auch zukünftig die wichtigste Bedeutung für die malaysische Tourismusindustrie bilden, da laut „The National“ (2002) die Anbindung an den internationalen Flugverkehr weiter zunehmen wird, wodurch der Anteil Asiens an einreisenden Touristen weiter intensiviert werden kann. An zweiter Stelle liegt Europa mit 5,5 Prozent Anteil der Einreisenden an den Gesamtzahlen, gefolgt von Amerika und Ozeanien mit jeweils ca. 2,5 Prozent. Einrei-

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sende aus Afrika und sonstigen Ländern stellen einen unbedeutenden Anteil an den Gesamtzahlen dar.

5.3 Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Malaysia
Die Tourismusindustrie in Malaysia hat sich zu einer Schlüsselindustrie im Dienstleistungssektor entwickelt. Im Jahr 1996 stellte die Tourismusindustrie mit Einnahmen von knapp drei Milliarden US-Dollar die drittgrößte Deviseneinnahmequelle nach der Verarbeitenden Industrie und der Öl-Industrie (vgl. OECD, 2001). Im Jahr 2000 wurden laut dem National Economic Action Council (NEAC) durch den Tourismus schon 6,3 Milliarden US-Dollar an ausländischem Kapital eingenommen (nach National Economic Action Council, 2002, modifiziert). Diese Steigerungen konnten u.a. durch den Neubau des internationalen Flughafens in Kuala Lumpur, der 114 Ziele (davon 81 International) anbietet und in der Lage ist, im Jahr 2020 über 60 Millionen Passagiere pro Jahr abzufertigen, erricht werden. Die infrastrukturelle Einbindung des Flughafens an das nationale Verkehrssystem, wie z.B. an die Nord-Süd-Autobahn, Eisenbahnanbindungen in alle Richtungen und dem öffentlicher Personennahverkehr nach Kuala Lumpur, wurden ebenfalls saniert bzw. neu geschaffen, so dass positive Effekte auf sämtliche Räume Malaysias erreicht werden konnten (vgl. OECD, 2001). Darüber hinaus wurde versucht, durch „Mega-Events“ wie den Formel-1-Grand-Prix, World-Golf-Championsship und andere Großveranstaltungen den Tourismus im Land zu fördern und attraktiver zu gestalten. Außerdem wurden in dem Zeitraum 19951999 eine Vielzahl weiterer Hotels gebaut, um die Bettenkapazität zu erweitern. Allerdings ist anzumerken, dass die Ausnutzung der Hotels durch die Neuschaffung von weiteren Kapazitäten deutlich von 68 Prozent im Jahr 1995 auf 52 Prozent im Jahr 1999 zurückgegangen ist, wie in Tabelle zwei dargestellt wird.

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Tab. 3: Auslastung malaysischer Hotels 1995 und 1999
Ausnutzung Hotelbetten Anzahl Hotels Betten 1995 1.253 94.744 1999 1.404 109.413 OECD, 2001; eigene Darstellung und Berechnung Jahr Auslastung In Prozent 68 52 Absolut 64.426 56.895

Die Bedeutung des Tourismussektors wird auch bei der Betrachtung der Beschäfti gtenzahlen im Hotelgewerbe deutlich. Innerhalb des gleichen Zeitraumes kam es zu einem Zuwachs von 14.000 auf insgesamt 120.000 Beschäftigte (OECD, 2001).

5.4 Zukünftige Politische Bedeutung, Probleme und Herausforderungen des Tourismus in Malaysia
Der Tourismus-Wettbewerb in (Südost-) Asien nimmt immer stärker zu. Länder wie Kambodscha, Vietnam, China und Indien drängen (ebenso wie Malaysia dies versucht) zunehmend auf den Tourismusmarkt. Aber auch Nationen wie Thailand, Hongkong und Singapur, die schon stärker auf dem Tourismusmarkt vertreten sind, bemühen sich verstärkt durch aggressive (Werbe-) Strategien, ausländische Touristen für ihren Markt zu gewinnen, und stellen weiterhin eine starke Konkurrenz dar. Durch den internationalen Tourismus und die Asienkrise kam es zudem zu einem drastischen Rückgang der Touristenzahlen, insbesondere aus dem asiatischen Raum. Dies führte 1997 und 1998 zu Einbrüchen von knapp 40 Prozent bei den von dem Tourismus abhängigen Branchen (vgl. National Economic Agent Council, 2002). Diese Entwicklungen stellen besondere Herausforderungen für die heutige und zukünftige Wirtschaftspolitik des Landes dar. Als einer der wichtigsten Sektoren spielt der Tourismus eine besondere Rolle in der Wirtschaftsförderung. Um diesem wichtigen Wirtschaftszweig zu unterstützen, soll versucht werden, insbesondere Touristen aus weniger krisenanfälligen Regionen, wie Europa, Nordamerika oder Australien, anzulocken, da diese bis heute nur einen geringen Anteil der Einreisenden stellen (s. Abb. 3). Um das Reisen nach Malaysia attraktiver zu gestalten, wird neben den oben genannten Infrastrukturmaßnahmen eine zunehmende Liberalisierung der Einreisebestimmungen gefordert. So sollen z.B. Visa-Bestimmungen gelockert werden, insbesondere sollen Kurzzeitaufenthalte problemloser und länger möglich sein, was durch
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eine Ausweitung der Aufenthaltsdauer von 72 Stunden auf sechs Tage erreicht werden soll. Um die Auslastung der Hotels zu erhöhen, wird ein Neubau weiterer Hotels gestoppt und die Umwandlung von bestehenden Hotelanlagen in Appartements auf Basis der sich ändernden Nachfrage vorangetrieben werden. Das aktuelle Weltgeschehen macht eine realistische Einschätzung der zukünftigen Entwicklungen allerdings sehr schwierig und stellt auch für die nationale Politik Malaysias ein großes Problem dar, da darauf nahezu kein Einfluss ausgeübt werden kann (vgl. National Economic Action Council, 2002).

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Zusammenfassung und Fazit

Der Staat Singapur hat rechtzeitig erkannt, dass seine Grenzen in der Tourismusbranche nahezu erreicht sind und versucht nun mit Hilfe dieses Zweiges ein weltweites Ansehen auf weltweiter Ebene zu erreichen. Will Singapur im gleichen Atemzug mit großen Metropolen wie London, New York oder Paris genannt werden, so ist einiges vom neu eingeschlagenen Weg des Tourismus abhängig, der als Instrument zum Erreichen dieses Zieles benutzt werden kann. Das Konzept der Regionalisierung der Tourismusindustrie in Singapur wird nur dann fruchten, wenn auch die einbezogenen Nachbarstaaten einen wirtschafts- und sozialpolitisch stabilen Kurs halten können. So hängt viel von der Entwicklung anderer Städte im südostasiatischen Raum ab. Kommt es beispielsweise durch den Ausbau des Flughafens in Kuala Lumpur zur Bildung ernsthafter Konkurrenten im Bereich des Luftverkehrs, oder kann Singapur seine Ausnahmestellung in der Region beibehalten? Wegen der Vielschichtigkeit der Wirtschaftskrise, der sich die Planer durchaus bewusst sind, wurden für die Stärkung und Entwicklung der Tourismusbranche bereits einige bi- und multilaterale Abkommen auf Regierungsebene zwischen den Staaten geschlossen. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Entwicklung in den nächsten Jahren verhält, w obei Singapur auf dem richtigen Weg zu sein scheint, die gesteckten Ziele zu erreichen und auch in Zukunft als Drehkreuz in der Region Südostasien fungieren kann. Wichtig im Laufe dieser Entwicklung ist ein Abrücken von der starken Abhängigkeit zu den asiatischen Staaten, d.h. Singapur muss sich der Welt weiter öffnen, um variabler auf globale Krisen besser reagieren zu können (Beispiel: Asienkrise und deren Folgen).

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Es hängt also viel bei der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung Singapurs von der Entwicklung des Tourismussektors ab, über den nicht nur die regionale, sondern auch die weltweite Stellung des Stadtstaates gestärkt und ausgebaut werden soll. Malaysia ist weiterhin damit beschäftigt, die Folgen der Asienkrise zu überwinden. Das TBM plädiert dafür, dass die wichtigste Aufgabe der Politik darin besteht, „das Tourismuswachstum aufrecht zu erhalten, um das volle Potenzial der Beschäftigungsmöglichkeiten und die positiven Effekte auf das nationale, regionale und lokale Einkommen auszuschöpfen“ (The National, 2002). Eine weitere Aufgabe der Politik besteht darin, ein stabiles Umfeld zu schaffen, ohne das eine nachhaltige Entwicklung der (Tourismus-) Industrie nicht möglich sein wird. Oberstes Ziel dafür sollte die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Integration aller ethnischen Gruppen, sowie die Einbindung städtischer wie ländlicher Regionen sein. Es müssen die zu fördernden Regionen identifiziert und deren entsprechende Betreuung abgestimmt werden, damit keine Fehlallokationen gemacht werden. Außerdem darf der Staat nicht neben der Entwicklung des Tourismussektors die Entwicklung anderer Sektoren und Wirtschaftszweige vernachlässigen, denn sonst kommt es zu zu starken intranationalen Divergenzen (vgl. OECD, 2001). Nach Einschätzung des TBM (2003) wird die Tourismusindustrie auch in den Jahren 2001-2005 eine der wichtigsten Rollen für die Gesamtwirtschaftliche Lage Malaysias spielen. Die Folgen der Asienkrise könnten sein, dass es deutlich weniger Touristen aus den von der Krise betroffenen Ländern kommen werden, als Resultat der Wertminderung entsprechender Währungen. Um die Attraktivität des Landes weiter zu erhöhen, darf auch die ständige Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur nicht vernachlässigt werden, da es sonst unter Umständen dazu kommen könnte, die 2020 über den internationalen Flughafen Kuala Lumpur einreisenden zu erwartenden 60 Mio. Touristen nicht problemlos ins Inland reisen könnten. Aber um all diese Entwicklungen beschreiten zu können gilt weiterhin, dass die Schaffung politischer Sicherheit an oberster Stelle steht, denn ohne die wird eine Fortsetzung des rasanten Wachstums der malaysischen (Tourismus-) Wirtschaft nicht möglich sein.

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Literaturverzeichnis
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