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黚er die GWE Fortsetzung Menschen

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黚er die GWE Fortsetzung Menschen Powered By Docstoc
					Fortsetzung: Menschenwürde
P. Petersen, Der Mensch als Handelsware, in: Der konstruierte Mensch. Probleme der Gentechnologie, bud 3/86 Renschler, Wertordnung des Grundgesetzes, in: Individuelle Freiheit oder staatliche Lenkung? Markt und Staat im Lichte christlicher Wirtschaftsethik, hg.v. K. Farmer u.a., Münster 2000 Sozialethische Überlegungen zur Frage des Leistungsprinzips und der Wettbewerbsgesellschaft. Eine Denkschrift, hg.v. Rat d. EKD, Gütersloh 1978 (= Denkschrift) F. Vilmar (Hg.), Menschenwürde im Betrieb. Modelle der Humanisierung und Demokratiesierung der industriellen Arbeitswelt, rororo aktuell 1604

Stellenangebot Mittelständischer Betrieb der Medizinbranche, international tätig, sucht eine dynamische Persönlichkeit als kaufmännischen Leiter, 50 bis 57 Jahre alt, mit Erfahrung und Interesse an Technik, Entwicklung, Konfliktbewältigung.
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Fortsetzung Rezension: Schuldenkrise
zwei Korreferate kommentiert werden, die auf einer Tagung im Dezember 1999 in Münster gehalten wurden. Veranstalter waren die katholisch-soziale Akademie Franz Hitze Haus, das Institut für Genossenschaftswesen und das Institut für Christliche Sozialwissenschaften. Die Referate deckten folgende Themen ab: Historische Erfahrungen mit Lösungsstrategien zur Überwindung von Schuldenkrisen (U. Pfister). Ethische Kriterien zur Beurteilung von Lösungsansätzen zur Überwindung der Schuldenkrise (J. Müller). Sozioökonomische Auswirkungen unterschiedlicher Ent- und Umschuldungsstrategien: Konsequenzen für die betroffenen Länder und die internationalen Finanzinstitutionen (M. Piazolo). Schuldenumwandlung für Entwicklung im Rahmen der erweiterten HIPC-Initiative (P. Morazán). Vor- und Nachteile eines Internationalen Insolvenzrechts (K. Raffer). Entwicklungspolitische Strategien zur Überwindung externer Verschuldungslasten und zur nachhaltigen Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft (G. Dieckheuer). Akteure und Interessengruppen bei der Lösung der Schuldenkrise (F. Nuscheler und W. Eberlei). Die Herausgeber legen eine interessante Sammlung meist guter detaillierter Beiträge zur Verschuldung vor. Die Sicht der Betroffenen steht ein wenig im Vordergrund, die Mitverantwortung der Gläubiger wird betont. Jedoch fehlt eine vertiefende Ursachenanalyse. Hauptsächlich einige Korreferenten zeigen die Mitverantwortung der Eliten der verschuldeten Länder. Zu kurz kommen Lösungsmöglichkeiten, die in den Entwicklungsländern über Wachstum Möglichkeiten eröffnen, die Schulden zurückzuzahlen. Allerdings werden Anreize benötigt, die Eliten der Dritten Welt stärker in die Überwindung der Schuldenkrise einzubeziehen. Es muss sichergestellt werden, dass ein Schuldenerlass den Armen zugute kommt und eine ordnungspolitische Umorientierung der nationalen Wirtschaftspolitik belohnt. Während J. Müller in seinem Beitrag zu sehr die Opferethik betont, unterstreicht I. Pies die Notwendigkeit, die Moral in den Dienst des aufgeklärten Eigeninteresses zu stellen (Investitionsethik). J. Wiemeyer kritisiert die Überbetonung des Mitleids und fragt, ob Wettbewerb nicht solidarischer sei als Teilen. So führt er auch an, dass eine stärkere Beteiligung von nicht demokratisch legitimierten Regierungen an transnationalen Organisationen keine Demokratisierung bedeutet. Aufschlussreich sind auch die Ausführungen von Nuscheler/Eberlei über die Beweggründe einzelner Akteure bei der Bewältigung der Krise. Summa summarum: Es handelt sich um aktuelle, meist ausgewogene, gut lesbare und engagierte Beiträge auf hohem Niveau. Insbesondere die Korreferate sind belebend und bereichern in hohem Masse die Diskussion. Werner Lachmann

Das Medienbild der Wirtschaft als Politikum
Unterschiede bei der Wahl 1998 vs. 2002 - Matthias Vollbracht
b das Glas halb voll oder halb leer ist, ist Ansichtssache. In welchem Zustand sich die wirtschaftliche Lage eines Landes befindet ist – zumindest zum Teil – auch Ansichtssache, mitunter allerdings wahlentscheidend. Ökonomen wissen, daß das Bild der Konjunktur wesentlich dadurch beeinflußt ist, ob konjunkturelle Frühindikatoren betrachtet werden, wie das Ge-

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Über die GWE
Das Ziel Die GWE ist ein Verein zur Förderung von Forschung und Lehre in den Wirtschaftswissenschaften auf Grundlage einer Ethik, die auf dem biblischen Welt- und Menschenbild beruht. Die Arbeit Wir regen Forschung zu wirtschaftsethischen Fragestellungen an und unterstützen diese, führen Fachtagungen durch und geben den halbjährlichen Informationsdienst „Wirtschaft und Ethik“ heraus. Zu den Themen Wirtschaftsethik, Entwicklungspolitik und ökologischer Wirtschaftspolitik bereiten wir wissenschaftliche Publikationen vor und geben sie heraus. Die Partner Bei unserer Tätigkeit arbeiten wir mit dem Lehrstuhl für VWL, insb. Wirtschafts- und Entwicklungspolitik der Universität Nürnberg-Erlangen, Prof. Dr. h.c. Werner Lachmann, Ph.D. sowie Prof. Dr. Karl Farmer, Institut für Volkswirtschaftspolitik der Universität Graz zusammen.

schäftsklima oder Investitionsabsichten, oder ob Spätindikatoren wie der Arbeitsmarkt betrachtet werden. Eine Untersuchung des Bonner Medienforschungsinstituts Medien Tenor hat gezeigt, daß die tonangebenden Medien in Deutschland, vor allem die Fernsehnachrichten, vor der letzten Bundestagswahl 1998 lange Zeit das Hauptaugenmerk der Berichterstattung auf den Arbeitsmarkt legten. So blieb das Medienbild der Konjunktur, trotz seit 1996 laufendem ExportAufschwung, bis in das Frühjahr 1998 hinein sehr negativ. Über das Wachstum bei Auftragseingängen oder Produktion wurde dagegen kaum berichtet. Die Folge: Der Regierung Kohl wurde von vielen Bundesbürgern Versagen bei der Wirtschaftspolitik vorgeworfen, was ein wesentlicher Grund für die Abwahl im Herbst 1998 war. Vier Jahre später ist die Lage umgekehrt: Statt auf den Arbeitsmarkt zu fokussieren, berichten die Medien weit stärker über konjunkturelle Frühindikatoren. Ein positives Bild hier stützt angesichts der hohen Arbeitslosigkeitn den amtierenden Bundeskanzler (vgl. MEDIEN TENOR Nr. 120). M.Vollbracht
Impressum „WIRTSCHAFT UND ETHIK“ Herausgeber: Gesellschaft zur Förderung von Wirtschaftswissenschaften und Ethik e. V. (GWE) Unterberg 31/6, A-8143 Dobl Tel./Fax: ++43/3136/52930 Bürozeit: Di: 9-11 Uhr außerhalb AB/Fax E-Mail: habith.dobl@netway.at Internet: http://www.gwe-ev.de Bankverbindung: Sparda-Bank Nürnberg e.G. BLZ 760 905 00 Kto.-Nr. 102 10 60 Satz: Matthias Vollbracht Druck: Layout & Satz Gmbh, Dobl

13. Jahrgang Nr. 1 Mai 2002

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IRTSCHAFT UND
Mitteilungen der Gesellschaft zur Förderung von Wirtschaftswissenschaften

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THIK
und Ethik e.V.

Liebe Interessenten, liebe Freunde, vom amerikanischen Unternehmer Howard R. Hughes stammt der Ausspruch „Es versteht sich von selbst, dass man nicht zugleich hohe Prinzipien und hohe Profite haben kann“; August Strindberg drückt es wie folgt aus: „Alle die im Leben nichts erreicht haben, sind ins Hintertreffen geraten, weil sie moralisch gewesen sind“. Die Moral hat anscheinend einen schweren Stand, wenn sie dem Eigeninteresse entgegen steht. Muss dies immer der Fall sein? Ethik scheint stets Opfer zu verlangen. An die Menschen wird appelliert, ihr Eigeninteresse ausnahmsweise nicht zu verfolgen. Diese Sichtweise ist aber verkürzt. Moral sollte nicht gegen die Eigeninteressen der Menschen gesetzt werden, sondern die Eigeninteressen müssen in den Dienst der Moral gestellt werden. Dies bedeutet, dass bei gesellschaftlichen und wirtschaftspolitischen Entscheidungen immer auf die Anreize, die dadurch den Bürgern gegeben werden, geachtet werden muss. Langfristig werden sich die Bürger nicht ständig gegen ihre eigenen Interessen entscheiden. Von Goethe stammt der Satz: „Man muss Egoist sein, um nicht Egoist zu werden!“ Weil sie dadurch ihre eigenen Interessen verbessern können, kooperieren erfolgreiche Egoisten. Insbesondere in einem wettbewerblichen Umfeld kann bei guten Rahmenbedingungen ein hohes Eigeninteresse die gesellschaftliche Wohlfahrt verbessern. Die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland, insbesondere in den neuen Bundesländern, ist das Ergebnis moralisch geprägter Wirtschaftspolitik, die ohne ordnungspolitisches Hintergrundwissen durchgeführt wurde. Oft zerstören staatliche Regelungen Anreize zur Eigenvorsorge. Ein Christ sollte sich für menschengemäße Rahmenbedingungen einsetzen. Aber nicht nur das. Ein altes Sprichwort lautete: „Ehrlich wie ein Hugenotte“. Sie lebten nach dem Rat des Apostels Paulus: „...und alles was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen“ (Kol. 3,23). Eine Rückbesinnung auf christliche Werte tut Not. Die dadurch entstehende Moral wird ein Kapital sein, welches den wirtschaftlichen Ablauf verbessern kann. Die nächste Tagung zum Thema „Gewinnen durch Gewissen“ wird sich daher mit der Ethik im Geschäftsleben beschäftigen. Dazu möchte ich Sie herzlich einladen und freue mich schon auf das Wiedersehen am Starnberger See. Ihr

Grundfragen der Wirtschaftsethik:

Arbeitslosigkeit als Problem der Deutschen Einheit
ie Verbesserung der Situation auf dem Arbeitsmarkt kann wahlentscheidend für die nächste Bundestagswahl werden. Die Lage in den neuen Bundesländern mag den Ausschlag dafür geben, wer in den nächsten vier Jahren die Bundesregierung stellt. Die hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern ist damit ein entscheidendes wirtschaftspolitisches Problem. Nicht umsonst hat der Kanzlerkandidat der Opposition eine Initiative Ost angekündigt; er bemängelt, dass die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Bundesländer vom Kanzler nicht zur Chefsache erklärt worden sei.

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werden. Nach einigen Bemerkungen zu den Kosten der Deutschen Einheit werden wir kritisch die Arbeitsmarktpolitik untersuchen und eine ordnungspolitische Alternative für die schnellere Integration der neuen Bundesländer in die marktwirtschaftliche Ordnung darstellen. Wirtschaftliche Lage der neuen Bundesländer Seit dem Inkrafttreten der innerdeutschen Wirtschafts- und Währungsunion zum 01. Juli 1990 sind nun schon fast 12 Jahre vergangen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung meinte noch in seinem Jahresgutachten 2000/2001, dass für Ostdeutschland Zuversicht begründet sei. Er begründete dies mit dem Anstieg der Arbeitsproduktivität und der zuneh-

Zuerst soll die wirtschaftliche Situation in den neuen Bundesländern, insbesondere die des dortigen Arbeitsmarktes, kurz dargestellt

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Positionen:

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Grundfragen der Wirtschaftsethik XV: Arbeitslosigkeit als Problem der Deutschen Einheit...................1

Gewinnen durch Gewissen? Einladung zur Fachtagung.............5 Die Globalisierung und ihre Kritiker..............................................6 Anmerkung zur Menschenwürde in der Wirtschaft ..................10 Die Wirtschaftslage als Politikum.............................................12 Buchvorstellungen und Rezensionen: Neuerscheinungen zur Wirtschaftsethik....................................11 Lösungsstrategien zur Überwindung der internationalen

Prof. Dr. h.c. Werner Lachmann, (Ph. D., Rutgers University) Vorsitzender

Schuldenkrise ............................................................................11 Impressum / Über die GWE...................................................12

Fortsetzung: Arbeitslosigkeit als Problem der Deutschen Einheit
Tab. 1: Arbeitsproduktivität (BIP pro Erwerbstätigen) in Preisen von 1995
1991 Sachsen-Anhalt Thüringen Brandenburg 21555 18867 21980 1992 26074 25147 26367 1993 30051 28877 30381 1994 32236 31469 33148 1995 32708 31827 34291 1996 34509 33115 35704 1997 36102 34654 36522 1998 36494 34477 37491 1999 37262 34617 38405 2000 38553 35546 38811 2001 40755 37846 40762

siert. Hohe Beiträge hatten sowohl die Rentenversicherung als auch die Bundesanstalt für Arbeit aufzubringen, die jährlich ca. 40 Mrd. DM von West nach Ost transferierten. Die deutsche Vereinigung hat sich als äußerst kostspielig herausgestellt. Wie sind diese Transferleistungen ökonomisch und gesellschaftspolitisch zu bewerten? * Die hohen Transferleistungen von West nach Ost können als eine Art Entwicklungshilfe oder als Solidaropfer angesehen werden. Dies würde bedeuten, das den Ressourcenübertragungen keine äquivalenten Einnahmen gegenüber stehen. Die ostdeutschen Bürger würden von den westdeutschen Bürgern alimentiert.

Mecklenburg-V.

22551

26211

29595

32328

33444

34719

35820

36037

36871

37537

39488

Sachsen

21036

25954

29837

32562

33545

34516

34929

34965

35266

35956

38207

Deutschland

44490

46177

46303

47467

48186

48701

49462

49890

50185

50858

53242

Quelle: Arbeitskreis VGR der Länder

menden Konvergenz in Richtung einer gemeinsamen Entwicklung. Für die ersten Jahre der deutschen Vereinigung beobachtet man eine Abnahme der Produktivitätslücke zwischen dem Anschlussgebiet und der alten Bundesrepublik. Jedoch ist seit Mitte der neunziger Jahre die Angleichung ins Stocken geraten. Die ostdeutsche Arbeitsproduktivität, die vor 12 Jahren bei ca. einem Drittel des westdeutschen Niveaus lag, hat auf zwei Drittel des westdeutschen Niveaus zugenommen und stagniert allerdings jetzt auf dieser Höhe (Tabelle 1). Das durchschnittliche Arbeitsentgelt ist in Westdeutschland in dieser Zeit von ca. 47.000 auf ca. DM 62.000 im Jahre 2000 gestiegen; in den ostdeutschen Ländern lag 1991 das durchschnittliche Arbeitnehmerentgelt knapp über DM 25.000,- ; in den letzten 10 Jahren hat es sich auf den Wert um DM 45.000,- eingependelt. Zusätzliche Probleme ergeben sich für die finanziellen Möglichkeiten der Bundesländer. Die Schuldenstandsquoten in den neuen Bundesländern (Ausnahme Sachsen) liegen im Schnitt erheblich über denen der westdeutschen Bundesländer (Ausnahme Saarland, Bremen, Schleswig-Holstein). Spitzenreiter ist Berlin mit 43,6% des BIP (Tabelle 2). Probleme des ostdeutschen Arbeitsmarktes Vor der Vereinigung (im Jahre 1988) gab es in der ehemaligen DDR fast 8,6 Mio. Beschäftigte. Im Jahre 2001 lag die Erwerbstätigenzahl bei 5,8 Mio. Beschäftigten.

Das ökonomische Problem der neuen Bundesländer manifestiert sich also auf dem Arbeitsmarkt. Ein Vergleich der Arbeitslosenquote (registrierte Arbeitslosigkeit) zeigt, dass in den neuen Bundesländern die Quote 1991 10,3% betrug und 1997 bereits auf 19,5% angestiegen ist und sich auf diesem Niveau mit schwach sinkender Tendenz stabilisiert (18,8 im Jahre 2000). In den alten Bundesländern betrug diese Quote 1990 7,2% und konnte nach einem Maximum von 11% im Jahre 1997 auf 8,7% im Jahre 2000 gesenkt werden.1 Die Arbeitsmärkte in Ostdeutschland zeigen folgende Charakteristika auf: 2 * Höhere Unterbeschäftigung als im Westen * Um etwa ein Drittel niedrigere Arbeitsproduktivität als im Westen * Anders geartete Wirtschaftsstruktur (hoher Wertschöpfungs- und Beschäftigungsanteil in der Bauwirtschaft und niedriger Anteil im verarbeitenden Gewerbe) * Effektivlöhne liegen nominal um 25% niedriger als im Westen. Real ist der Unterschied jedoch geringer, da die Lebenshaltungskosten im Osten niedriger liegen, was auf die niedrigeren Preise für lokale Güter (Mieten) zurückgeführt werden kann. * Erosion des Tarifvertragssystems ist im Osten weiter fortgeschritten als im Westen. Kosten der Deutschen Einheit Aus Gesprächen mit Bürgern ostund mitteleuropäischer Staaten wird deutlich, dass sie die Bürger der neuen Bundesländer beneiden, da ihnen von der reichen Bundesrepublik erheblich geholfen wurde,

die Transformation rascher zu bewerkstelligen. Die baltischen und mitteleuropäischen Staaten haben die hohen Kosten der Transformation ihrer Wirtschaftssysteme zu einem großen Teil selber zu tragen. Die Bürger der alten Bundesrepublik leisteten hohe Transfers an die neuen Bundesländer. Alleine im Jahr 1991 wurden Bruttoleistungen

* Die Transfers können ökonomisch aber auch als Versicherungsleistungen aufgefasst werden, die zwischen Mitgliedern einer Solidargemeinschaft üblich sind. Der deutschen Vereinigung läge demnach ein Versicherungsvertrag zugrunde. Die geleistete Versicherungsprämie wäre im ostdeutschen ImmobiliTab. 2: Schuldenstandsquote en- und ProduktivverLand Quote mögen zu sehen, dass in Sachsen-Anhalt 40,9 westdeutsche Oberhoheit Thüringen 35,6 überging. Auch die AbBrandenburg 35,3 gabe der WährungshoMecklenburg-V. 33,8 heit an Westdeutschland Sachsen 22,3 wäre Teil des geleisteten Saarland 32,5 Beitrags der ehemaligen Bremen 38,6 DDR. Für die ÜbertraSchleswig-Holstein 28,3 gung der ostdeutschen Rheinland-Pfalz 25,2 Ressourcen sind die BürNiedersachsen 24 ger nun wirtschaftspoliNordrhein-Westfalen 23 tisch in das westdeutsche Hessen 16,6 Baden-Württemberg 12,5 Solidarsystem aufgeBayern 9 nommen worden.
Berlin 43,6

Quelle: SVR 2001/02, S. 127; Tab. 29; zum 31.12.2000

von 139 Mrd. DM aufgebracht. Unter Beachtung der Rückflüsse lagen die Nettoleistungen öffentlicher Finanztransfers für Ostdeutschland oft über 100 Mrd. DM (seit 1995 sogar über 140 Mrd. DM), wobei der größte Teil der Transferleistungen vom Bund finanziert werden. Alleine im Jahre 1999 hat der Bund 140 Mrd. DM für Ostdeutschland aufgewendet. Wie aus Tabelle 4 zu ersehen, hat der Fonds Deutsche Einheit von 1991 bis 1994 75 Mrd. DM nach Ostdeutschland transferiert; der Beitrag der europäischen Union hat sich auf 7 Mrd. DM jährlich stabili-

* Der West-Ost-Transfer kann auch als Ausdruck föderaler Normalität angesehen werden. In einer Föderation finanzieren wohlhabendere Regionen zurückgebliebene. Im Grundgesetz ist festgelegt, dass es Aufgabe der Regierungstätigkeit ist, für eine Angleichung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebensqualität in dem gesamten Bundesgebiet zu sorgen. Studien haben hergeleitet, dass ca. ein Viertel der geleiteten Transferzahlungen als Ursache die Deutsche Einheit haben; Dreiviertel der Transfers wären Ausdruck föderaler Normalität.3 Das Transferproblem relativiert sich noch zusätzlich durch die

2

Fortsetzung: Arbeitslosigkeit als Problem der Deutschen Einheit
Berücksichtigung gesamtwirtschaftlicher Zusammenhänge. Der Transfer in den Osten schuf dort Einkommen, das in einem hohen Maße zum Kauf westdeutscher Produkte Anlass gab. Dieser Kauf führte dann zu einem Realtransfer von West nach Ost. Dieser Transfer hatte konsumtiven Charakter und stärkte die westdeutsche Wirtschaft. In der Tat beobachten wir nach der Vereinigung ein Abfallen der Arbeitslosenquote in den alten Bundesländern. Der West-Ost-Transfer kann als keynesianisches Konjunkturprogramm für die westdeutsche Wirtschaft gedeutet werden. Bei den Transfers muss zwischen Konsum und investiven Transfers unterschieden werden. Hohe investive Transfers sind für die Entwicklung der ostdeutschen Wirtschaft notwendig; der Investitionsanteil der Transfers lag bei ca. 30 Prozent und der der Sozialleistungen bei ca. 40 Prozent. gen, Rohstoffbilanzen, Produktionund Verbrauchszahlen, Außenhan1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 delszahlen u.a. scheinbar schlüssig Bruttoleistungen 139 151 167 169 185 187 183 189 194 und rational die Bund 75 88 114 114 135 138 131 134 140 Unmöglichkeit der Fond DE 31 24 15 5 0 0 0 0 0 EU 4 5 5 6 7 7 7 7 7 Aufhebung der BeRV 0 5 9 12 17 19 18 18 19 wirtschaftung, der BfA 25 38 38 28 23 26 26 27 28 Rationierung und Länder/Gemeinden 5 5 10 14 10 11 11 11 11 der Preisbindung Rückflüsse 33 37 39 43 45 47 47 47 50 beweisen wollte. Nettoleistungen 106 114 128 126 140 140 136 142 144 Von der Schau der Planwirtschaft aus, Quelle: H. Burda/U.Busch: West-Ost Transfers im Gefolge der deutschen Vereinigung, Konjunkturpolitik 47:1 (2001) S. 2 waren diese Zahlen und die darauf gekeit der Bewohner der DDR hoch Fall deutlich zu sehen, dass es dem stützten Prognosen zweifellos auch einschätzte.4 Laien an Vorstellungsvermögen nicht zu widerlegen. Angreifbar fehlt, sich aus dem Zusammenwar allein die geistige Grundlage Im Juni 1953 erhoben sich die schluss die ergebenden wirtschaftlidieser Konzeption, die den gesellDDR-Bewohner gegen das Ul- chen Konsequenzen rational abzuschafts- und wirtschaftlichen Probricht-Regime. Am 06. September leiten und so bleibt der Spekulation zess lediglich als das Ergebnis oder 1953 gab es Bundestagswahlen, in Tür und Tor geöffnet“ (S.381) .5 eigentlich wohl als Addition von denen die CDU die absolute Mehrwirtschaftlichen Zahlen und materiheit gewann: 244 von 487 Sitzen. Weiter schreibt er: „Insbesondere ellen Fakten begriff, ohne die hinter Der damalige Wirtschaftsminister geht ihnen jedes Gefühl, jede Eindem Geschehen wirksamen Ludwig Erhard deutete diesen Sieg sicht auf die in einem freien Markt menschlichen Kräfte einzubezieals eine überwältigende Vertrauens- zum Ausgleich und Gleichgewicht hen“ (S.382). kundgebung für das Programm der hindrängenden Kräfte und die daSozialen Marktwirtschaft. Zu den mit entfesselte Dynamik völlig ab. Es stellt sich somit die Frage, ob ökonomischen Möglichkeiten der Statt dessen glaubt man wieder eindie deutsche Vereinigung aus wirtWiedervereinigung bezog Ludwig mal, soviel wie möglich „organisieschaftlicher Sicht optimal gestaltet Erhard am 12. September 1953 im ren“ zu müssen, obwohl gerade dawurde oder ob wir, insbesondere Bulletin Stellung. Er kritisiert darin mit Verzerrungen und Diskrepanim Bereich des Arbeitsmarktes in die Sorge, dass ein Zusammen- zen nicht beseitigt, sondern die Falle bürokratischer Planung schluss mit großen wirtschaftlichen womöglich noch vermehrt und vergerutscht sind. Anstrengungen und einer unerträg- schärft werden würden... Gerade lichen Senkung des Lebensstan- ich weiß ein Lied davon zu singen, Ursachen der Arbeitslosigkeit dards im Bundesgebiet verbunden wie man mir damals mit Hilfe von Die Arbeitsproduktivität ist der Ansei. Er schreibt: „Es ist in jedem Statistiken, praktischen Darstellun-

Tab. 4: Öffentliche Finanztransfers Neue Bundesländer

Eine historische Bemerkung Die Kosten einer möglichen Wiedervereinigung waren schon vor 50 Jahren in der deutschen Öffentlichkeit kontrovers diskutiert worden. Deshalb wurde am 24. März 1952 der „Forschungsbeirat für Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands“ beim Minister für gesamtdeutsche Fragen gegründet, der die Lage der Wirtschaft in der sowjetischen Besatzungszone beobachten und ein Sofortprogramm erstellen sollte für Maßnahmen, die im Falle einer Wiederverei- Tab. 3: Erwerbstätige am Arbeitsort nach Bundsländern (Mrd. DM) nigung innerhalb des ersten Jahres Land 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 notwendig sein würden. Bis zu seiBaden5 082 5 132 5 051 4 997 4 997 5 010 5 025 5 088 Württemberg ner Auflösung am Bayern 5 977 6 043 5 984 5 971 5 965 5 926 5 919 6 031 08. April 1975 legBerlin 1 663 1 639 1 632 1 619 1 613 1 582 1 551 1 541 te der Beirat 5 Brandenburg 1 187 1 053 1 023 1 047 1 068 1 067 1 067 1 063 Tätigkeitsberichte Bremen 405 409 403 397 389 383 385 381 Hamburg 1 024 1 040 1 034 1 030 1 016 1 010 1 004 1 014 vor, wobei der letzHessen 2 891 2 926 2 895 2 876 2 867 2 871 2 866 2 891 te Bericht sich nur Mecklenburg- V. 846 758 743 762 780 774 761 755 auf die Analyse Niedersachsen 3 295 3 337 3 317 3 320 3 347 3 331 3 332 3 354 des Zustandes der NordrheinDDR-Wirtschaft 7 971 8 031 7 916 7 827 7 795 7 802 7 845 7 978 Westfalen bezog. Die EmpRheinland-Pfalz 1 675 1 684 1 663 1 660 1 666 1 667 1 666 1 692 fehlungen des ForSaarland 481 482 474 473 477 477 477 485 schungsbeirats gipSachsen 2 240 1 951 1 895 1 946 1 997 1 998 1 971 1 970 felten in VorschläSachsen-Anhalt 1 274 1 126 1 100 1 121 1 136 1 113 1 093 1 094 gen zur EinSchleswig-Holstein 1 205 1 212 1 200 1 197 1 202 1 204 1 202 1 205 führung der westThüringen 1 238 1 055 1 035 1 060 1 068 1 056 1 044 1 067 deutschen WirtDeutschland 38 454 37 878 37 365 37 304 37 382 37 270 37 208 37 611 schaftsordnung, wobei man die Umstellungs- und Quelle: Statistisches Bundesamt Anpassungsfähig-

1999 5 150 6 106 1 538 1 067 380 1 021 2 921 761 3 409 8 143 1 718 495 1 987 1 084 1 217 1 084 38 081

2000 5 266 6 241 1 564 1 060 386 1 042 2 988 752 3 486 8 322 1 753 508 1 970 1 058 1 233 1 076 38 706

2001 5 329 6 302 1 557 1 038 388 1 046 3 010 731 3 480 8 349 1 761 509 1 944 1 035 1 226 1 057 38 761

Veränderung 2001 zu 2000 in % 1,2 1 -0,5 -2,1 0,4 0,3 0,7 -2,8 -0,2 0,3 0,4 0,2 -1,4 -2,2 -0,5 -1,8

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Fortsetzung: Arbeitslosigkeit als Problem der Deutschen Einheit
gelpunkt jeder wirtschaftlichen Entwicklung. Zu Beginn der deutschen Vereinigung lag die ostdeutsche Arbeitsproduktivität zwischen 25 und 33 Prozent des westdeutschen Niveaus. In Staaten mit eigenen Währungen wäre ein Ausgleich durch Wechselkursanpassungen möglich gewesen: Durch eine Abwertung der Ostmark wären ostdeutsche Betriebe wettbewerbsfähig geblieben. Die sofortige Einführung der DM und die rasche Angleichung der Löhne auf oder in Richtung westdeutsches Niveau mussten folgerichtig die ostdeutschen Betriebe wettbewerbsunfähig machen. Deren Marktnachfrage aus Osteuropa war wegen fehlender harter Devisen im ehemaligen sowjetischen Machtbereich weggebrochen. Die osteuropäischen Handelspartner konnten die DM-Preise nicht bezahlen. Die Produkte ihrer Unternehmen waren aber auf internationalen Märkten noch nicht zu den neuen höheren Kosten wettbewerbsfähig, woraus sich eine hohe Arbeitslosigkeit ergab, die durch Transferzahlungen alimentiert werden musste. In der ökonomischen Diskussion wurde damals die Umstellung der Währung im Verhältnis 1:1 heftig kritisiert. Aus politischen Gründen wäre wohl kaum eine Umstellung von 1:2 möglich gewesen. Allerdings ist zu hinterfragen, ob die starke Unterstützung westdeutscher Gewerkschaften in Richtung rascher Lohnanpassung im Osten nicht auch aus dem Gesichtswinkel der westdeutschen Arbeitnehmer positiv zu deuten ist, da sie hierdurch erreichten, dass die ostdeutsche Konkurrenz nicht wettbewerbsfähig blieb, also westdeutsche Arbeitsplätze gesichert wurden. Wären die Löhne im Osten niedriger geblieben, hätte es eine „Völkerwanderung“ geben können, was westdeutsche Politiker ernsthaft befürchteten. Darum hatten sie ein politisches Interesse an einer raschen Steigerung der Löhne im Osten. Jedoch ist zu bezweifeln, ob wirklich Scharen ostdeutscher Bürger in den Westen gekommen und dort geblieben wären. Zu erwähnen wären die Probleme der Wohnungsfindung und des Findens einer angemessenen Beschäftigung, so dass es wohl rasch zu einer Rückwanderung gekommen wäre. Die Angst vor der Entleerung Ostdeutschlands war wohl übertrieben. Wirtschaftlich gesehen wurden in den neuen Bundesländern die Löhne zuerst erhöht und anschließend versuchte man mit verschiedenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, um den überhöhten Löhnen eine ökonomische Basis zu geben. Die verfehlte Lohnpolitik musste vom Steuer- und Beitragszahler (Arbeitslosenversicherung) finanziert werden. Bei niedrigeren Löhnen hätte es höhere Investitionen im Osten gegeben; niedrige Löhne hätten den Wirtschaftsstandort in den neuen Bundesländern attraktiver gemacht. Dazu kamen die Fehler der Arbeitslose, die aus der Arbeitslosenstatistik gestrichen werden konnten. Kurzarbeiter erhielten kaum Qualifizierungsmaßnahmen, die mit positiven Einkommenseffekten verbunden gewesen wären. Kurzarbeit mündete nicht in reguläre Beschäftigung, sondern in offene oder versteckte Arbeitslosigkeit. Ab 1994 versuchte die BfA über berufliche Bildungsmaßnahmen ostdeutsche Problemgruppen zu erreichen. Allerdings haben empirische Studien keinerlei signifikante Auswirkungen dieser Maßnahmen feststellen können. Arbeitslose haben während der Bildungsmaßnahmen ihre Suchaktivitäten eingeschränkt; die Bildungsmaßnahmen haben die Wiedereinstiegschancen schen Vereinigung wurden 345 Mrd. DM für soziale Aufgaben und 354 Mrd. DM für die Arbeitsmarktpolitik ausgegeben. Diesen ca. 700 Mrd. DM standen nur 206 Mrd. DM für die Infrastruktur zur Verfügung. Es stellt sich die Frage, ob es nicht einen günstigeren Weg gegeben hätte, die hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern erst gar nicht entstehen zu lassen. In diesem Zusammenhang möchte ich eine ordnungspolitische Alternative darstellen.

Tab. 5: Arbeitslosenquote
1991 Früheres Bundesgebiet Neue Bundesländer und Ost-Berlin 1992

6,3 10,3

6,6 14,8

Quelle: Statistisches Bundesamt

marktpolitik. Die hohe Arbeitslosenunterstützung machte das Suchen nach alternativen Arbeitsplätzen wenig attraktiv. Somit gingen hiervon erhebliche Fehlanreize aus; die Arbeitslosen versuchten, solange wie möglich die großzügigen Leistungen zu erhalten, so dass es einen großen Anteil Langzeitarbeitsloser gab, die durch die Arbeitslosenpolitik hervorgerufen wurde. Nach empirischen Untersuchungen hätte eine Senkung der Lohnersatzquote um einen Prozentpunkt, die durchschnittliche Arbeitslosigkeit ebenfalls um knapp 1% gesenkt. Das System der Arbeitslosenunterstützung hat also die Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern zementiert.6 Auch die Frühverrentung muss ordnungspolitisch hinterfragt werden, da Beschäftigte mit langjähriger Berufserfahrung sinnvoll genutzt hätten werden können. Die massenhafte Frühverrentung ist daher ebenfalls volkswirtschaftlich negativ zu deuten. Ähnliches ist von der Kurzarbeit zu sagen. Das Kurzarbeitergeld diente als arbeitsmarktpolitisches Instrument, wobei in den ersten Jahren die Kurzarbeit auf Null Stunden abgesenkt wurde. Im Grunde genommen handelte es sich bei den Kurzarbeitern um Arbeits-

Ordnungspolitische Alternative Es wäre möglich gewesen, die niedrigen Löhne der DDR vorerst beizubehalten. Jeder Bürger der DDR, der zum Stichtag der Vereinigung in der DDR wohnte und dort wohnen bliebe, hätte einen monatlichen Transfer 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 erhalten können. Unterstel8,2 9,2 9,3 10,1 11 10,5 9,9 8,7 len wir einen monatlichen 15,8 16 14,9 16,7 19,5 19,5 19 18,8 Transfer von DM 250,- pro Person, würde eine Familie mit 2 Kindern ein sogar verschlechtert, da der qualifiTransfereinkommen von DM katorische Mismatch zwischen Ar1.000,-, das unabhängig von der beitsangebot und -nachfrage nicht Höhe des Arbeitslohnes und des vermindert wurde. Das BildungsanVermögens geleistet worden wäre, gebot war oft von schlechter Quaerhalten. Mit diesen DM 1.000,lität und führte bei den Teilnehmern hätte sie wahrscheinlich schon zu zu unrealistischen Berufs- und den damaligen niedrigeren Kosten Lohnvorstellungen. der Lebenshaltung in der DDR überleben können. Zusätzlich hätte Schädlich waren auch die verschiesie noch Lohneinkommen erhaldenen Lohnsubventionen, da die ten. Bei den erheblich niedrigeren Zielgruppenorientierung mangelLebenshaltungskosten wäre das haft war; es wurden MitnahmeefÜberleben dieser Familie durch den fekte in hohem Maße festgestellt. Gesamtbetrag der Ressourcen mögAuch die staatlichen Beschäftilich gewesen. gungsprogramme ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) und SAM Dieser Transfer von DM 3.000,(Strukturanpassungsmaßnahmen) pro Person, pro DDR-Bürger hätte waren wenig erfolgreich. Kritisiert bei 15. Mio. Einwohnern einen wurden Stigmatisierungseffekte jährlichen Transfer von 45 Mrd. und die Tatsache, dass es sich bei DM bedeutet. Hierdurch wäre der diesen Programmen oft um angrößte Teil der Bevölkerung abgespruchslose Tätigkeiten handelte. sichert gewesen; die niedrigen LöhPotentielle Arbeitgeber vermuteten, ne hätten enorme Auswirkungen dass die Teilnehmer unterdurchfür die internationale Wettbewerbsschnittlich produktiv wären. Die fähigkeit der neuen Bundesländer Arbeitsmarktpolitik wies erhebliche gehabt. Erwähnt sei, dass dieser Mitnahmeeffekte auf und litt unter monatliche Transfer degressiv geder mangelhaften Problemgruppenstaltet hätte werden müssen, so dass orientierung und der möglichen beispielsweise eine Reduzierung Stigmatisierung der Teilnehmer. um 10% jährlich möglich gewesen Fatal blieb der rasche Lohnanstieg wäre. Im Vergleich zu den hohen in den neuen Bundesländern. Sozial- und Arbeitsmarktkosten von ca. 700 Mrd. DM in den ersten In den ersten 10 Jahren der deut-

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Fortsetzung: Arbeitslosigkeit als Problem der Deutschen Einheit
10 Jahren wären hierdurch nur 400 Mrd. DM dafür notwendig gewesen. Was wären die Folgen für die ostdeutsche Wirtschaft gewesen? Wegen der niedrigen Löhne wäre der unbrauchbare Altkapitalbestand vernichtet worden und ausländische Investoren hätten Anreize zu hohen Investitionsleistungen gehabt. Diese Investitionen hätten sich wegen der niedrigen Löhne rasch amortisiert und die neuen Bundesländer wären ein Wirtschaftsraum mit hohem Wachstum und modernster Technologie und hoher Arbeitsproduktivität geworden. Die hohen Gewinne der Unternehmen hätten die Gewerkschaften auf den Plan gerufen, Lohnerhöhungen durchzusetzen, so dass die Lohnerhöhungen nach dem Anstieg der Arbeitsproduktivität erfolgt wären, die Unternehmen aber dennoch die hohen Investitionen durch anfänglich hohe Gewinne hätten finanzieren können. Die Produktivitätserhöhung hätte vor der Lohnerhöhung stattgefunden! Auf diese Weise wäre es nicht zu diesem gewaltigen Einbruch des ostdeutschen Arbeitsmarktes gekommen, der verbunden war mit großer sozialer Unsicherheit und starkem Zweifel an der neuen Wirtschaftsordnung. Soziale Verwerfungen wären vermieden worden. Dynamischen Arbeitnehmern wäre dennoch der gesamte europäische Beschäftigungsraum offengestanden. Jedoch hätten sie dann auf den Transfer verzichten müssen. Voraussichtlich wären die Gesamtaufwendungen für die Deutsche Einheit dann erheblich geringer ausgefallen als sie in der Tat waren. Verlust an ordnungspolitischem Einfluss Es stellt sich die Frage, warum die deutsche Einheit nicht ordnungspolitisch vernünftiger durchgeführt wurde. Hier wäre zu erwähnen, dass sich in den 60 und 70er Jahren die keynesianischen wirtschaftstheoretischen Modelle durchsetzten; ordnungspolitische Vorstellungen der Sozialen Marktwirtschaft wurden zurückgedrängt. Insbesondere die von Walter Eucken aufgestellten Prinzipien der Wirtschaftspolitik gerieten in Vergessenheit. Den ökonomisch nicht informierten Politikern fehlte eine Gegeninstanz, so dass die politischen Repräsentanten viel ökonomischen Unsinn verzapfen konnten, deren Folgen die Bürger zu tragen haben. Insbesondere die wirtschaftsethische und -politische Bedeutung des Wettbewerbs geriet in Vergessenheit. Der ehemalige Bundeskanzler Kohl soll gesagt haben: „Ich will Wahlen gewinnen und nicht den Ludwig Erhard Preis“. Die Wirtschaftspolitik wurde vermehrt kurzfristig betrieben und missachtete ordnungspolitische Vorstellungen der Sozialen Marktwirtschaft. Die Vernachlässigung der Auswirkungen der Angleichung der Löhne und die Übernahme der DM auf die Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Unternehmen ist nicht ausreichend berücksichtigt worden. Zu erwähnen wäre, dass auch in Westdeutschland in einem immer stärkeren Maße ordnungspolitische Vorstellungen der Sozialen Marktwirtschaft in Vergessenheit geraten sind, mit der Folge wirtschaftspolitischer Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit, auch in den alten Bundesländern. 7 Werner Lachmann e-mail an: werner.lachmann@wiso.uni-erlangen.de Anmerkungen 1 IdW: Deutschland in Zahlen, Köln 2001 2 Siehe hierzu Karl-Heinz Paqué: Was ist am ostdeutschen Arbeitsmarkt anders? In: Perspektiven der Wirtschaftspolitik 2:3 (2001), S. 407-423 3 Vergleiche hierzu: Michael Burda und Ulrich Busch: West-Ost-Transfers im Gefolge der Deutschen Vereinigung, in: Konjunkturpolitik 47:1 (2001), S.1-38. 4 Vergleiche hierzu: Alfred Schüller und Ralf L. Weber: Deutsche Einheit: Wirtschaftspolitische Weichenstellung zwischen politischer und marktwirtschaftlicher Rationalität in: Dieter Cassel (Hg): 50 Jahre soziale Marktwirtschaft. Ordnungstheoretische Grundlagen, Realisierungsprobleme und Zukunftsperspektiven einer wirtschaftspolitischen Konzeption, Stuttgart 1998, S. 367-400. 5 Siehe: Wirtschaftspolitische Probleme der Wiedervereinigung, Bulletin vom 12.09.1953 in: Karl Homann (Hg): Ludwig Erhard. Gedanken aus 5 Jahrzehnten. Reden und Schriften. Düsseldorf 1988, S.381-386. 6 Vergleiche hierzu: Horst Feldmann: Transformation in Ostdeutschland: Hat die Arbeitsmarktpolitik den Betroffenen geholfen?, in: Perspektiven der Wirtschaftspolitik 2:3 (2001), S. 259-278. 7 Vergleiche die kritischen Bemerkungen über das „Bündnis für Arbeit“ und „gleicher Lohn für Alle“ in Wirtschaft und Ethik 10:2 und 11:1

Werner Lachmann, Ph.D. Professor für VWL

Einladung zur Fachtagung: Gewinnen durch Gewissen?
Christliche Prägung und wirtschaftliche Nachhaltigkeit - W+W / GWE-Fachtagung
er wirtschaftliche Alltag scheint den Buchtitel von Ulrich Wickert zubestätigen: „Der Ehrliche ist der Dumme.“ Solchen Eindrücken kann man sich in der Tat nur schwer entziehen. Und doch machen andere Erfahrungen auch nachdenklich: Durch konsequente Verlässlichkeit und Wahrhaftigkeit - man denke nur an Terminzusagen und Qualitätsgarantien -baut sich mit der Zeit ein Vertrauenspotential, ein Kundenruf oder ein Firmenimage auf, selbst wenn Konkurrenten zunächst einmal durch einen laxeren Umgang mit der Wahrheit zu gewinnen scheinen. Diese Fragen werden auf der gemeinsamen Tagung der Studiengemeinschaft Wort und Wissen (W+W) sowie der Gesellschaft zur Förderung von Wirtschaftswissenschaften und Ethik (GWE) unter dem Thema „Gewinnen durch Gewissen?“ erörtert. Gibt es ein Ent-

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weder-Oder zwischen Profit und Prinzipien, zwischen Geschäft und Glaube oder zwischen Gewinn und Gewissen? Oder kann man mit einer Versöhnlichkeit zwischen beiden Polen rechnen, und dies nicht nur im einzelnen Unternehmen, sondern auch im Großen der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung? Eine Besonderheit dieser Tagung: Eingebettet in die drei Tage findet am Freitag abend eine öffentliche Podiumsdiskussion im Rahmen des „Starnberger Forums“ statt. Deren Thema „Erfolgsfaktor Religion wirtschaftlich stabil durch christliches Profil?“ nimmt auf einen vielbeachteten entsprechenden Artikel in der „WIRTSCHAFTSWOCHE“ im letzten Jahr Bezug. Eine weitere Neuerung dieser Tagung ist auch die besondere Einladung an Ehepartner und Kinder. Die idyllische Lage des Veranstaltungszentrums direkt am Ufer des Starnberger Sees, die umfangreichen Freizeit-

einrichtungen von „Wort des Lebens“ und - bei entsprechender Nachfrage - die Möglichkeit der Kinderbetreuung schaffen die optimalen Voraussetzungen für eine Tagung für die ganze Familie. Auch ein Workshop zum Thema „Der Manager zwischen Familie und Beruf“, gestaltet von einer „Hausfrau“, widmet sich der Verantwortung für ein intaktes Familienleben. „Gerechtigkeit erhöht ein Volk“: Dieser biblische Wertekompaß bekommt der wirtschaftlichen Stabilität und der gesellschaftlichen Leistungskraft eines Staates. Wir dürfen Lehrende und Studierende, Manager und Angestellte, Selbständige und Nichtberufstätige - kurz: alle am Thema Interessierte und deren Familien herzlich zu dieser Tagung einladen. Prof. Dr. Reinhard Haupt (W+W) Prof. Dr. h.c. Werner. Lachmann, PhD (GWE) (Programm siehe letzte Seite)

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Die Globalisierung und ihre Kritiker
Über die ethische Berechtigung einer globalen Weltwirtschaft - Karl Farmer

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er Begriff „Globalisierung“ entstammt der Marketing-Literatur. Dort wurde vor zwanzig Jahren das erste Mal von der Globalisierung von Marken wie Coca-Cola gesprochen (Weizsäcker 2000 2A, 47). Globalisierung ist im Laufe der neunziger Jahre zu einem gesellschaftspolitischen Modewort geworden. Dabei wurde der ursprüngliche Begriff zum Synonym für die Intensivierung globaler wirtschaftlicher Verflechtungen, am deutlichsten sichtbar an der weltumspannenden Vernetzung der Finanzmärkte. Erzeugte nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und in der Sowjetunion das Wort Globalisierung im Westen positive Assoziationen, steht seit einigen Jahren die Globalisierung für die Sorgen und Ängste all derjenigen, die in der wachsenden ökonomischen Interdependenz rund um den Globus mehr Nachteile als Vorteile sehen. Zum erstenmal in der Nachkriegsgeschichte sind die Kritiker einer weltweiten Arbeitsteilung überwiegend in den hochentwickelten Ländern zu finden (Bender 1998, 248). Hier fand die Rede von der „Globalisierungsfalle“ (Martin und Schumann 1996), in der vor allem die wenig qualifizierten Arbeitnehmer/innen wie die Maus in der Falle sitzen, eine breite gesellschaftliche Resonanz. NichtRegierungs-Organisationen wie Attac wurden gegründet, die den Protest gegen die Globalisierung artikulieren und medienwirksame Aktionen anläßlich der Weltwirtschaftsgipfel der G 7 und den Sitzungen des Internationalen Währungsfonds (IMF) und der Welthandelsorganisation (WTO) durchführen. Die organisierte Globalisierungskritik wurde in den letzten Jahren zunehmend gewalttätig. Die Ausschreitungen und Krawalle in Salzburg und Genua im vorigen Jahr sind jüngste Beispiele dafür. Die lokalen Veranstalter der Tagungen internationaler Organisationen reagieren mit massivem Einsatz nationaler Sicherheitskräfte, dem vorsorglichen Ausschluß potentieller Störenfriede und hermetischer Abriegelung der Tagungsteilnehmer wie zuletzt in Dubai. Die schrecklichen Ereignisse des 11. September scheinen den Globa-

lisierungskritikern eher genützt als geschadet zu haben. Von einer Minderheit unter diesen werden die Attacken des 11. September sogar als berechtigter Protest gegen die „gnadenlosen“ Folgen der Globalisierung gesehen. „Nach Ansicht der schärfsten Kritiker der Globalisierung, dem Vormarsch des internationalen Kapitalismus, steht diese für Unterdrückung, Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Der Haß, der die Terroristen antrieb, ist - so die Kritiker - als Reaktion darauf zu se-

Prof.Dr. Karl Farmer Universität Graz hen. Terrorismus gedeiht bei Armut, und dasselbe gelte für den internationalen Kapitalismus“ (The Economist, Sept. 29th, 2001, 3, meine Übersetzung). Die öffentliche Meinung scheint dieser extremen Ansicht gar nicht so ferne zu stehen. Der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Welthandelsorganisation, welche für viele die globale Ökonomie repräsentieren, werden bestenfalls widerwillig akzeptiert. Die nationalen Regierungen, welche diese Organisationen nach dem Ende des zweiten Weltkriegs durch internationale Abkommen geschaffen haben, verteidigen die globale Marktintegration ihren Wählern gegenüber als bedauerliche, aber leider unvermeidliche Tatsache der zivilisatorischen Entwicklung. Die Vertreter der global agierenden Unternehmen reagieren auf die Globalisierungskritik mit unternehmensethischen Konzepten, ohne die Kritiker wirklich davon überzeugen zu können, dass von nun an der Mensch über dem Profit steht. Für jene, die weder dem Lager der Globalisierungsgegner angehören noch sie offiziell zu verteidigen ha-

ben, ist es zur Zeit schwer, sich ein nüchternes Urteil über die Globalisierung zu bilden. Die Pro-Argumente der Regierungsvertreter sind nicht überzeugend, weil nur halbherzig; die für die Globalisierung eintretenden Geschäftsleute stehen im Verdacht, mit schönen Worten ihren eigenen Vorteil zu kaschieren. Die Gegenvorschläge, welche die zornigen und kompromisslosen Kritiker unterbreiten, laufen entweder auf eine Übertragung nationalstaatlichen Interventionismus auf die supranationale bzw. globale Ebene oder auf eine Wiederbelebung ökonomischer Nationalismen hinaus. Diese können zum Nährboden für regionale politische Diktatoren werden. Ob dadurch aber die globale ökonomische Ungleichheit zu mildern ist, bleibt äußerst fragwürdig. Im Folgenden wird jenseits von politischer und unternehmerischer Rhetorik die ökonomische Sicht der Globalisierung dargestellt. Daran schließt eine kritische Sichtung der beiden Hauptargumente der Globalisierungskritiker an. Zum Schluß wird die ethische Berechtigung einer globalen Wettbewerbswirtschaft betont. Globalisierung aus ökonomischer Sicht Im Lexikon der Volkswirtschaft wird Globalisierung als „Trend zur internationalen Ausdehnung wirtschaftlicher Aktivitäten mit der Wirkung, dass Banken und Nichtbanken zunehmend grenzüberschreitende Waren-, Dienstleistungs- oder Kapitaltransaktionen rund um die Uhr vornehmen“ (Geigant et. al. 1996 4A, 347) definiert. Ähnlich, nur von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet, ist Globalisierung „die zunehmende Geschwindigkeit, Häufigkeit und Größe des Zugangs von ausländischen Konkurrenten zu nationalen Märkten“ (Wolf 2000, 3; meine Übersetzung). Die Entwicklung „weltweiter Märkte für Sachgüter, Dienstleistungen, Finanzkapital, Sachkapital und Technologien“ (Bender 1998, 246) ist als Konsequenz des „Abbau(s) von Marktsegmentierungen, und zwar nicht nur von Transaktionskosten wie Kommunikations- und Transportkosten, sondern auch [als Folge der] Aufhebung von Marktabgrenzungen, die durch nationale

handelseinschränkende Maßnahmen bedingt sind“ (Siebert 1997, 13), zu sehen. Transport- und Kommunikationskosten sind in den letzten Jahrzehnten um den Faktor 15 bis 100 gefallen. So haben sich die Lufttransporterlöse pro Meile und Passagier zwischen 1930 und 1990 auf ein Viertel reduziert. Ein Drei-Minuten-Telefongespräch zwischen London und New York kostete 1930 noch etwa 250 US-$ (in Preisen von 1990), 1950 fünfzig Dollar, 1990 nur mehr 3,3 Dollar. Ähnliches gilt für die Preise der Informationsverarbeitung. Kostete eine Instruktion pro Sekunde 1975 noch einen US-Dollar, zahlte man 1994 nur mehr einen Cent pro Sekunde (Siebert 1997, 11). Nationale handelseinschränkende Maßnahmen wurden in mehrjährigen Verhandlungsrunden im Rahmen des „General Agreement on Tarifs and Trade“ (GATT) für viele Güter vollständig, für andere teilweise abgebaut. Die 1994 gegründete WTO als Nachfolgeorganisation des GATT wacht über die Einhaltung der Spielregeln eines freieren internationalen Handels mit Gütern und Dienstleistungen. Die Nützlichkeit der WTO als Schiedsrichter über Verstöße gegen die Regeln eines unverzerrten internationalen Handels erprobt die EU zur Zeit. Sie hat gegen die Schutzzölle der US-amerikanischen Regierung für die amerikanischen Stahlerzeuger vor der WTO geklagt. Schließlich haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten bevölkerungsreiche Entwicklungs- und Schwellenländer wie Indien und China sowie große Länder Lateinamerikas (Brasilien, Mexiko) gegenüber dem Weltmarkt geöffnet. Betrieben diese Länder vorher Importsubstitution und schirmten die heimische Wirtschaft mit Zöllen gegen die ausländische Konkurrenz ab, treten diese Länder neuerdings als Anbieter von arbeitsintensiven Produkten auf den globalen Gütermärkten auf. Die multinationalen ausländischen Firmen in diesen Schwellenländern nutzen die relativ zu den hochentwickelten Ländern auch für anspruchsvolle Tätigkeiten immer noch billigen Arbeitskräfte, um ihre Wettbewerbsposition auf den globalen Gütermärkten zu erhalten oder auszubauen. Alles in allem steigt dadurch das Angebot an

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Fortsetzung: Die Globalisierung und ihre Kritiker
hauptsächlich wenig, zunehmend aber auch höher qualifizierter Arbeit in den Entwicklungs- und Schwellenländern, der Druck auf die Löhne der wenig bis mittelmäßig Qualifizierten in den hochentwickelten Ländern nimmt zu. Die zum Teil dramatisch gesunkenen Transaktionskosten lassen Güter, Real- und Finanzkapital international mobiler werden. Der weltweite Handel mit Waren und Dienstleistungen wächst seit einigen Jahrzehnten fast doppelt so schnell wie die Weltproduktion, die ausländischen Direktinvestitionen wuchsen doppelt so schnell wie der Welthandel, und der Handel mit Finanzanlagen ist gegenüber dem Niveau Anfang der siebziger Jahre gar um mehr als 4000% gestiegen (Fels 1997, 1). Die Globalisierung betrifft somit vor allem die Güter und Kapitalmärkte. Anbieter auf den Gütermärkten sind hauptsächlich multibzw. transnationale Firmen, auf den Kapitalmärkten sind es institutionelle Kapitalanleger, die globales Portfoliomanagement betreiben. Mit dem Auftreten zuerst multinationaler und später transnationaler Firmen („global players“) wurde der internationale Handel immer mehr zu einem Intrakonzernhandel, dessen Anteil am Welthandel zur Zeit schon mehr als 30% beträgt (Rajan und Bird 2001, 2). Die Produktion der global agierenden Unternehmen ist durch „Intra-Produktspezialisierung“ (Arndt 1996) gekennzeichnet. Die Produktion eines Gutes wird in Teilproduktionsprozesse (Komponenten) zerlegt und auf verschiedene Länder entsprechend ihren komparativen Kostenvorteilen verteilt. Die unternehmensinterne Koordination der Produktionsfragmentierung erfolgt durch neue Organisations- und Kommunikationstechnologien wie CAD, CIM, Groupware und dergleichen. Der Abbau technisch bedingter Handelsbarrieren ermöglicht die bessere Ausnützung globaler Tauschvorteile durch nationale Spezialisierung und intensivierten internationalen Handel mit Zwischen- und Fertigprodukten. Die wenig entwickelten Länder spezialisieren sich auf die Produktion und den Export von Industrieprodukten, die einfache Arbeit intensiv nutzen, während die hochentwickelten Länder verstärkt humankapitalintensive Produkte herstellen und exportieren. „Wenn Industriestaaten z.B. Textilien aus Entwicklungsländern zu geringeren Preisen beziehen, als wenn sie diese selbst produzieren, sparen die Verbraucher bares Geld. Auf der anderen Seite ermöglichen die Textilexporte den Entwicklungsländern den Kauf von Gütern, die ihren wirtschaftlichen Fortschritt fördern (Maschinen u. ä.). So werden zusätzliche Arbeitsplätze und Kaufkraft geschaffen, was wiederum die Exportchancen für die Industrieländer verbessert und auch hier Arbeitsplätze schafft oder sichert“ (Beyfuß et al.. 1997, 67). Den Einsichten der klassischen Ökonomen Adam Smith und David Ricardo zu Folge sind vom Entstehen weltweit integrierter Märkte und globaler Produktionsprozesse Produktivitäts- und Wohlstandssteigerungen sowie eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in allen Ländern der Erde, insbesondere in jenen Ländern, die es am nötigsten brauchen, zu erwarten. Eine Untersuchung der Weltbank aus jüngster Zeit scheint diese Erwartung der Ökonomen im großen und ganzen zu bestätigen. Jene Entwicklungsländer, die sich in die Weltwirtschaft zu integrieren vermochten, erzielten weit überdurchschnittliche Wachstumsraten des Pro-Kopf-Produkts, während jene Entwicklungsländer, die aus welchen Gründen auch immer, sich nicht integrieren konnten, sogar Wachstumseinbußen zu verzeichnen hatten. „Armut in zahlreichen Ländern dieser Welt ist deshalb nicht Folge der Globalisierung, sondern Folge des in der Vergangenheit praktizierten Protektionismus westlicher Industriestaaten oder einer nicht erfolgten Integration in den Welthandel“ (Hagel 2001, 296). Die Verringerung des Hungers und der Armut in den wenig entwickelten Ländern ist jedoch nicht umsonst zu bekommen. „Die Kosten zeigen sich in einem verstärkten strukturellen Wandel, der Arbeitnehmern und Unternehmern erhebliche Anpassungslasten aufbürdet. Die individuelle wirtschaftliche Unsicherheit nimmt zu, in den hochentwickelten Ländern erhöht sich die Arbeitslosigkeit vor allem der wenig qualifizierten Arbeitnehmer, die Einkommensverteilung wird ungleicher. Es verwundert deshalb nicht, wenn vor allem die `Lastenträger´ in diesen Ländern nach staatlicher Hilfe rufen, die Individuen nach mehr sozialer Sicherheit, die Unternehmen nach Subventionen“ (Berthold 1997, 7). Diese Hilfeschreie wurden von den Globalisierungskritikern aufgenommen und medienwirksam gebündelt. Zum einen lebt dabei die alte marxistische Behauptung von der Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital wieder auf, zum anderen wird der Machtverlust nationalstaatlicher Politik gegenüber dem international mobilen Kapital beklagt. Der Profit ist wichtiger als der Mensch Das erste zentrale Argument der Globalisierungskritiker lautet: Die Globalisierung begünstigt das internationale Kapital und schädigt die nationalen Arbeitnehmer. Im Gegensatz zu den ethisch angehauchten „Sonntagsreden“ der Manager globaler Firmen ist im wirtschaftlichen Alltag der Profit doch wichtiger als der (arbeitende) Mensch. Der Verkauf von Aktienanteilen an der eigenen Unternehmung durch leitende Manager des amerikanischen Energiekonzerns Enron knapp vor dem finanziellen Zusammenbruch erscheint als jüngster Beweis für diese Tatsache. Auch wenn es meist nicht so unmoralisch zugeht und die meisten Unternehmensleiter ihre Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeiter/innen sehr ernst nehmen, kann der verschärfte globale Wettbewerb die Unternehmer in den hochentwickelten Ländern dazu zwingen, die Herstellung von arbeitsintensiven und/oder technologisch ausgereiften Produkten (wie z. B. Zement oder Autoreifen) einzustellen und entweder auf (human)kapitalintensive Produkte im eigenen Land umzusteigen oder die Herstellung des bisherigen Produkts in Niedriglohnländer zu verlegen. In jedem Fall gehen Arbeitsplätze der an einfacher Arbeit intensiven Branchen in den hochentwickelten Ländern verloren. Ein Beispiel aus der jüngeren Zeit ist die Schließung der Reifenproduktion eines deutsch-italienischen Multis in Österreich und die Verlegung der Produktion ins benachbarte Tschechien. Die im Inland Freigesetzten verzeichnen trotz staatlicher Arbeitslosenunterstützung Einkommensverluste. Gleichzeitig steigt hier das Arbeitsangebot, es entsteht ein Druck auf die Löhne auch anderer Arbeitnehmer mit ähnlicher Qualifikation. Im Ausland wird die multinationale Firma Arbeitskräfte neu anstellen, allerdings zu weitaus geringeren Löhnen und meist auch zu schlechteren Arbeitsbedingungen als im hochentwickelten Land. Damit haben, so sagen die Kritiker, die Arbeitnehmer der betroffenen Länder zweimal verloren, während sich die Kapitaleigner den Gewinn aus der Differenz zwischen bisher hohen und nunmehr geringen Löhnen aneignen: das internationale mobile Kapital hat auf Kosten der immobilen Arbeit gewonnen. Das scheint Grund genug zu sein, die Globalisierung - im Notfall sogar mit Waffengewalt - zu bekämpfen. Was sagt der Ökonom dazu? Erstens gibt der zu bedenken, dass die Verlagerung der Produktion in das Niedriglohnland dem Unternehmer Anpassungs- und Transaktionskosten verursacht, die aus dem Gewinn der Produktionsverlagerung gedeckt werden müssen. Zweitens muß auch für Unternehmer ein ausreichender finanzieller Anreiz bestehen, in einem fremden Land eine Produktionsstätte zu errichten. Drittens werden die Gewinne aus der Produktionsverlagerung auch andere Unternehmer veranlassen, ihr Glück im Ausland zu versuchen. Die Folge ist viertens, dass der Produktpreis unter Druck gerät und damit die Gewinne aus der Produktionsverlagerung sinken. Von der Produktverbilligung profitieren nicht nur die Konsumenten im Hochlohnland, die das Gut nun aus dem Ausland einführen, sondern auch die Verbraucher im Entwicklungsland. Ihr Realeinkommen steigt, mit gleichem Lohneinkommen können sie vom betrachteten Gut und anderen mehr kaufen. Fünftens: Jene Konsumenten in den reichen Ländern, die selbst nicht arbeitslos werden, aber deren Löhne sinken, können real gewinnen oder verlieren, je nachdem wie stark die Produktverbilligung im Vergleich zur Lohnsenkung ist. Berücksichtigt man diese Zweitrundeneffekte, dann bedeutet Globalisierung keine Umverteilung von Lohn- zu Kapitaleinkommen, jedenfalls nicht langfristig und unter Berücksichtigung der Realeinkommenseffekte. Es kommt allenfalls zu einer Umverteilung zwischen den Lohneinkommensbeziehern in den hochentwickelten zu jenen in den wenig entwickelten Ländern.

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Fortsetzung: Die Globalisierung und ihre Kritiker
Daraus ist nur dann ein Argument gegen die Globalisierung zu machen, wenn man glaubt, die Realeinkommenseffekte bei den Reicheren und den Einkommenszuwachs der Armen ignorieren zu können (Friedman 2000, iv). Weiters ist zu bedenken, dass in den hochentwickelten Ländern nicht alle Freigesetzten auf Dauer arbeitslos sind, sondern bei funktionierenden Arbeitsmärkten auch Arbeit in konkurrenzfähigen Sektoren finden. Generell läßt sich sagen, dass die Globalisierung weder mehr Jobs schafft noch Arbeitsplätze vernichtet (Lachmann 1998, 110), es kommt nur zu einer Umverteilung der Arbeitsplätze zwischen den verschiedenen Branchen der hoch- und wenig entwickelten Länder. Dieser Strukturwandel ermöglicht mehr Produktion und Konsum bei gleichem Ressourceneinsatz. Die Wirkungen der Globalisierung sind ähnlich wie jene des arbeitssparenden technischen Fortschritts. Wer gegen die Globalisierung auftritt, muß auch gegen technischen Fortschritt und damit gegen Zuwächse im Reallohn auftreten. Wie beim technischen Fortschritt gibt es auch bei der Globalisierung Verlierer und Gewinner, nun nicht national, sondern global gesehen. Zum Schluß dieses Abschnitts wird noch ein Blick auf die empirische Entwicklung geworfen. Diese zeigt, dass die in den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stark steigende Außenhandelsaktivität und die noch stärker wachsenden grenzüberschreitenden Investitionen mit einer Stagnation oder gar einem Sinken der durchschnittlichen Reallöhne in den USA und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Europa bei steigenden Reallöhnen einher gingen. Es ist jedoch voreilig, daraus eine Ursache-Wirkungs-Beziehung abzuleiten. Um dies zu zeigen, ist zwischen dem Güterhandel (mobile Güter) und den grenzüberschreitenden Investitionen (mobiles Sachkapital) zu unterscheiden. Werden arbeitsintensive Produkte aus dem arbeitsreichen und wenig entwickelten Ausland importiert statt sie im hochentwickelten Inland zu produzieren, sollte dies nach der ökonomischen Theorie (Farmer und Wendner 1999 2A, 223) zu einer Verbilligung der arbeitsintensiven Produkte und damit auch zu den beklagten Lohneinbußen oder Freisetzungen der Arbeitskräfte, die diese Produkte im Inland herstellten, führen. Empirische Untersuchungen für Deutschland können jedoch keine Verbilligung arbeitsintensiver Produkte in der Phase der Handelsintensivierung feststellen. „Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die relativ hohe Arbeitslosigkeit von geringer qualifizierten Arbeitskräften in Deutschland nur in äußerst geringem Umfang auf eine Intensivierung der interindustriellen Arbeitsteilung zurückzuführen ist“ (Stehn 2000, 528). Ähnliches gilt für die USA. Der Außenhandelsanteil der USA mit wenig entwickelten Länder ist verschwindend klein (weit unter 1%). Daher ist es schwer vorstellbar, dass die höhere internationale Verflechtung die Ursache für die Reallohneinbußen der amerikanischen Arbeitskräfte ist. Stärker noch als die gestiegene Gütermobilität werden ausländische Direktinvestitionen als Ursache für Lohn- und Arbeitsplatzverluste verantwortlich gemacht. Aber auch diese Sicht läßt sich empirisch nicht bestätigen. Dazu hat man zwischen absatz- und kostenorientierten Direktinvestitionen zu unterscheiden. Absatzorientierte Direktinvestitionen werden zur Exportförderung und damit zur Sicherung heimischer Arbeitsplätze getätigt, nur kostenorientierte Direktinvestitionen sind auf die Ausnutzung von Faktorpreisunterschieden ausgerichtet und damit mit Arbeitsplatzverlagerungen verbunden. Da jedoch über 80% der deutschen Direktinvestitionen wieder in hoch entwickelte Länder mit geringen Faktorpreisdifferentialen fließen, ist der Anteil der kostenorientierten Direktinvestitionen zu gering, um die Probleme am deutschen Arbeitsmarkt in nennenswertem Umfang erklären zu können. Die Konzerne beherrschen die Welt Das andere Hauptargument gegen die Globalisierung hat den schwindenden Einfluss nationalstaatlicher Politik gegenüber den multinationalen Firmen und global agierenden Unternehmen zum Gegenstand. Nun sind nicht die wenig qualifizierten Arbeitnehmer, sondern die Nationalstaaten Opfer des globalen Kapitalismus. Beklagt werden die durch die Globalisierung der Kapitalmärkte drastisch verringerten Möglichkeiten der Nationalstaaten, eine den nationalen Wählerpräferenzen entsprechende eigenständige Sozial-, Umweltund Steuerpolitik betreiben zu können. Die gestiegene internationale Mobilität des Sachkapitals und die Hypersensibilität des internationalen Finanzkapitals erzwinge nunmehr einen Wettlauf der nationalstaatlichen Normen nach unten („race to the bottom“). Aber damit nicht genug. Die einseitige Fixierung der internationalen Organisationen wie WTO und IMF auf die Freihandelsdoktrin lasse auch keinen ausreichenden Spielraum mehr für die dringend notwendige globale Umwelt,- Sozialund Steuerpolitik. Ohne diese zerstöre der internationale Standortwettbewerb die Lebensgrundlagen der Menschheit. Die global agierenden Unternehmen nützten das Fehlen weltweit einheitlicher Umwelt- und Sozialstandards zur ihren Gunsten aus, indem sie ihre in den Entwicklungsländern Beschäftigten nicht nur viel schlechter bezahlten als in den hochentwickelten Ländern, sondern sich auch noch die Kosten für die notwendigen Sozialund Umweltstandards ersparten. Die international uneinheitlichen Gewinnsteuern schließlich brächten die multinationalen Firmen dazu, ihre Gewinne dort anfallen zu lassen, wo die Steuern am geringsten sind mit der Konsequenz einer Aushöhlung der Steuerbasis in den Ländern mit höheren Kapitalertragssteuern. Der Bedeutungsverlust der Nationalstaaten wird mit dem Hinweis auf eine Studie von N. Hertz belegt, die besagt, dass 51 der 100 größten Ökonomien der Welt nun Firmen sind (The Economist, Sept. 29th, 2001, 16). Der Ökonom fragt zurück, wie sehr die größere internationale Mobilität des Sach- und Finanzkapitals die Macht nationalstaatlicher Politik tatsächlich einschränkt und ob ein faktisch festgestellter Machtverlust wirklich zum Nachteil der Bürgerinnen und Bürger ist. Zuerst zur ersten Frage. Die Macht, von den Bürgerinnen und Bürgern Steuern erheben zu dürfen, unterscheidet den Staat grundlegend von den privaten Unternehmungen. Nimmt man den Durchschnitt des Verhältnisses von Steueraufkommen zu Sozialprodukt (Steuerquote) der großen G7 oder der OECDLänder in 1990 und vergleicht diesen mit dem Wert im Jahr 2000, dann stellt man einen Zuwachs von 40% auf fast 45% Steuerquote fest. Am Ende des Jahrzehnts der Globalisierung haben die hochentwickelten Staaten mehr an Steuern eingehoben als zu Beginn! Aber nicht nur das. Es gibt auch keine Evidenz dafür, dass die relativ hohen kontinentaleuropäischen Steuerquoten (50% und darüber) auf die geringe US-amerikanische (um die 30%) sinken. Dänemark z. B. hat eine Steuerquote von 53% und ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt, viel offener als die USA! Zweitens: Ist eine Beschneidung der Macht der kontinentaleuropäischen Politiker, 50% und mehr an Abgaben den eigenen Bürgerinnen und Bürger abzuverlangen wirklich zu deren Nachteil? Dabei geht es gar nicht in erster Linie um die Verringerung der Abgabenquoten, sondern vor allem darum, was mit den Steuereinnahmen geschieht: es geht um ein Steuer-Leistungs-Paket, das der durchschnittlichen Bürgerpräferenz möglichst nahe kommt und das international mobile Kapital nicht verschreckt. „Neben der Steuerbelastung des Kapitaleinsatzes gehören dazu die Qualität der Infrastruktur, die Humankapitalausstattung, der Zugang zu natürlichen Ressourcen, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (Regulierungsdichte bzw. Deregulierung, Qualität der Institutionen sowie Stetigkeit, Vorhersehbarkeit und Glaubwürdigkeit der Wirtschaftspolitik) und die politische Stabilität des Gastlandes“ (Bender 1998, 255). Wenn tatsächlich nur die geringen Löhne und die fehlenden Sozial- und Umweltstandards der einzige Grund für die Standortwahl international mobiler Investoren wären, müssten die meisten kostenorientierten Direktinvestitionen nach Afrika südlich der Sahara gehen, was aber nachweislich nicht der Fall ist. In Wirklichkeit fließen ausländische Direktinvestitionen zu drei Vierteln zwischen den hochentwickelten Ländern. Gerade weil es nicht die Höhe der Gesamtsteuerbelastung bzw. die Steuerbelastung des Kapitals allein ist, welche die Standortqualität eines Landes ausmacht, ist es im Interesse der Bürgerinnen und Bürger der verschiedenen Nationalstaaten, dass diese mit „unterschiedlichen institutionellen Lösungen, Steuersystemen, Infrastruktur- und Humankapitalausstattungen um das international mobile Sachkapital konkur-

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Fortsetzung: Die Globalisierung und ihre Kritiker
rieren“ (Bender 1998, 256). Das international mobile Kapital zwingt die nationalen Politiker dazu, nicht zu weit von ökonomisch effizienten Steuer-Leistungs-Paketen abzuweichen und gleichzeitig bietet der Wettbewerb mit anderen Staatenlenkern die Chance, dass die nationalen Politiker durch Versuch und Irrtum sowie über Nachahmung von Politikentwürfen anderer Länder das Steuer-Leistungs-Paket entdecken, das den eigenen Bürgerinnen und Bürgern angemessen ist. Der Wert des Menschen in der Weltwirtschaft Bisher wurde gezeigt, dass die Hauptargumente der Globalisierungskritiker weder einer ökonomischen Analyse noch empirischen Beobachtungen standhalten. Damit ist nicht gesagt, dass der mit der Globalisierung verbundene Strukturwandel der Weltwirtschaft nicht zu großen Anpassungs- und Übergangsschwierigkeiten insbesondere in den hochentwickelten Ländern führen wird. Das Aufgeben bereits erreichter Wohlstandspositionen ist viel schwerer als das Ringen um Wohlstandszuwächse. Kurz gesagt: Aufsteigen ist leichter als Abstieg. Dennoch bleibt die zentrale ökonomische Einsicht gültig: Alle Länder gewinnen von einem verschärften internationaler Wettbewerb auf privaten Märkten und zwischen den Standorten. Die Frage ist nur: Was zählt der einzelne Mensch in der kapitalistischen Weltwirtschaft? Ist der einzelne Arbeitnehmer nicht nur mehr Produktionsfaktor, also allein Mittel zum Zweck der Steigerung des Weltsozialprodukts? Unterstellt man mit Böhm-Bawerk (1888, 159), dass die meisten Menschen die Wirtschaftsgüter nicht um ihrer selbst willen, sondern zur Verwirklichung ihrer selbstgesetzten Lebens- und Wohlfahrtszwecke erwerben und gesteht man dem kategorischen Imperativ Kants entsprechend dieses Bestreben jedem der zur Zeit lebenden sechs Milliarden Menschen zu, dann hat die Ordnung der Weltwirtschaft so zu erfolgen, dass „die Lebens- und Wohlfahrtszwecke aller Menschen in unparteiischer Weise Berücksichtigung finden. Jeder Mensch soll durch eine gerechte Wirtschaftsordnung die gleiche und faire Chance erhalten, das bestmögliche Leben in freier Selbstbestimmung zu führen“ (Hagel, 2001, 289). Wegen der Knappheit der Ressourcen ist es unmöglich, die Wünsche aller Menschen in vollem Umfang gleichzeitig zu erfüllen. Daher benötigt man weltweit gültige Knappheitsindikatoren, die dem einzelnen Ressourcennutzer den Wohlfahrtsverlust jenes Mitmenschen, der dieses Gut ebenso intensiv begehrt, signalisieren. Die Preise, die sich im Wettbewerb von Anbietern und Nachfragern auf den globalen Güter- und Kapitalmärkten bilden, sind im Prinzip die gesuchten Knappheitsindikatoren. Indem der einzelne den Wohlfahrtszuwachs (Gewinnzuwachs) einer zusätzlichen Gütereinheit (Faktoreinheit) mit dem Preis vergleicht, werden indirekt die Güter- und Faktornutzungen nach ihrer individuellen Dringlichkeit gereiht, mit den relativ dringlichsten beginnend. „Die Wettbewerbsordnung hilft [so] dem Menschen zu erkennen, welche Handlung im Interesse des Gemeinwohls sittlich richtig ist“ (Hagel 2001, 291). Ohne ein global verbreitetes System von Marktwettbewerbspreisen wäre es dem einzelnen Menschen schlicht aus Informationsmangel unmöglich, seine ökonomischen Entscheidungen im Interesse des globalen Gemeinwohls zu treffen. Anders als in den Agrargesellschaften zu biblischen Zeiten bedeutet Nächstenliebe nicht nur, dem nahen Nächsten Gutes zu tun, sondern sich auch den Herausforderungen des schärferen Wettbewerbs mit den fernen Nächsten zu stellen. Ein weltweit funktionsfähiger Wettbewerb ist nämlich „das beste bisher bekannte Mittel zur Verwirklichung der Solidarität aller Menschen“ (Homann 1993, 1292). Fazit Zeitgleich mit der Globalisierung im Sinne eines intensiveren weltweiten Wettbewerbs auf privaten Märkten und zwischen unterschiedlichen Standorten sind in Kontinentaleuropa die Arbeitsplätze und in den USA die Löhne gering qualifizierter Arbeitsanbieter unter Druck geraten. Die Betroffenen, ihre Interessenvertretung und die Gegner des globalen Wettbewerbs versuchen mit dem Hinweis auf die unsozialen Folgen der Globalisierung, die Politiker von den bereits etablierten Grundsätzen der internationalen Wettbewerbsordnung abzubringen und neue Formen supranationalen und globalen Protektionismus durchzusetzen. Im Interesse der Armen und der Verbraucher dieser Welt ist dieser Neoprotektionismus nicht gutzuheißen, auch wenn man selbst nur ungern von den wohlfahrtsstaatlichen Sicherheiten Abschied nimmt und auch noch wichtige Elemente einer funktionsfähigen globalen Wettbewerbsordnung (Bender 1998, 260, Lachmann 1998, 113) fehlen. Der Einfluß des Güterhandels und der ausländischen Direktinvestitionen auf die Löhne und die Arbeitsplätze gering Qualifizierter in den Industrieländern ist bis jetzt weitaus geringer als die Kritiker behaupten. Dasselbe gilt für die Behauptung, die Macht der Nationalstaaten, die Marktkräfte zu korrigieren, sei stark geschwunden. Aber selbst wenn dies zuträfe, wäre das nicht zu beklagen. Allein über einen intensiveren weltweiten Wettbewerb auf Märkten und zwischen Standorten läßt sich die ethische Forderung verwirklichen, alle Menschen dieser Erde sollten das bestmögliche Leben, dessen sie fähig sind, führen dürfen. Dabei wird nicht übersehen, dass der globale Wettbewerb mit einem ständigen Strukturwandel und schöpferischer Zerstörung erreichter Wohlstandspositionen nunmehr in den hochentwickelten Ländern verbunden ist. Obwohl die Globalisierung für den einzelnen vorübergehend Wohlstandsverluste bringen kann, ist sie insgesamt doch eine Chance. „Bei einem erfolgreich vollzogenen Strukturwandel werden die ökonomischen Ungleichheiten unter den Ländern tendenziell abnehmen, und alle Menschen dieser Erde werden von der Globalisierung profitieren; und wenn nicht mehr sie selber im eigenen Leben, so doch auf jeden Fall die nachfolgenden Generationen“ (Hagel, 2001, 292). Karl Farmer karl.farmer@kfuni-graz.ac.at Literatur Arndt, S. (1996), Globalization and the Gains from Trade, in: Jaeger, K., K.-J. Koch (eds.), Trade, Growth, and Economic Policy in Open Economies, Springer: Berlin et. al. Bender, D. (1998), Globalisierung: Risiken oder Chancen für eine zukünftige Weltgesellschaft? Ordnungspolitische Grundlagen wohlstands- und entwicklungsfördernder weltwirtschaftlicher Strukturen, in: Klemmer, P. D. Becker-Soest, R. Wink (Hrsg.), Liberale Grundrisse einer zukunftsfähigen Gesellschaft, Nomos: Baden-Baden. Berthold, N. (1997), Der Sozialstaat im Zeitalter der Globalisierung, Mohr&Siebeck: Tübingen. Beyfuß, J., W. Fuert, M. Grömling, H.-P. Klös, R. Kroker, K. Lichtblau, A. Weber (1997), Globalisierung im Spiegel von Theorie und Empirie, Deutscher Instituts-Verlag: Köln. Böhm-Bawerk, E. (1888), Kapital und Kapitalzins, Jena. Farmer, K., R. Wendner (1999 2A), Wachstum und Außenhandel, Eine Einführung in die Gleichgewichtstheorie der Wachstums- und Außenhandelsdynamik, 2. Aufl., Physica: Heidelberg. Fels, G. (1997), Globalisierungnur eine mentale Falle, in: iwd 1, 1-2. Friedman, J. (2000), Globalization: Neither Evil nor Inevitable, in: Critical Review 14, i-x. Geigant, F., F. Haslinger, D. Sobotka, H. M. Westphal (19946), Lexikon der Volkswirtschaft, 6. 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Aufl, Vandenhoeck&Ruprecht: Göttingen. Wolf, C. R. (2000), Globalization: Meaning and Measurement, in: Critical Review 14, 1-10.

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Anmerkung zur Menschenwürde in der Wirtschaft
Der Mensch ist nicht nur homo oeconomicus sondern auch homo religiosus - von Reinhart Rentschler

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ie Menschenwürde stellt sich als der Wertanspruch dar, der dem Menschen als Einheit von Leib, Seele und Geist zukommt. Art.1 GG versteht die Würde des Menschen wesentlich vom christlich-abendländischen Denken her; danach eignet sie unteilbar dem autonomen Menschen als Krone der Schöpfung (Renschler 155). In Verbindung mit der Menschenwürde sind Freiheit, Leben und Gleichheit der menschlichen Persönlichkeit zu sehen. Die Menschenwürde umfasst nicht nur Abwehrrechte, z.B. Wahrung der menschlichen Identität und Integrität, sondern auch inhaltliche Ansprüche auf staatliches Handeln, deren Reichweite allerdings problematisch ist. Während etwa die Sicherung des Existenzminimums für ein menschenwürdiges Leben notwendig ist, gilt dies für weitergehende Garantien jedenfalls nicht ohne weiteres (Bayertz 825f m. Zen.). Was aber heisst dies für die Würde des Menschen in der Wirtschaft? Die Menschenwürde in der Wirtschaft betrachten wir im Hinblick auf die Arbeit, den Betrieb und den Wettbewerb. Auf diese Weise versuchen wir zur Bedeutung der Menschenwürde für die Wirtschaft insgesamt zu gelangen und den Menschen in der Wirtschaft zu sehen. Unter Arbeit verstehen wir Erwerbstätigkeit. Im Gegensatz zum Spiel dient sie dem Lebensunterhalt. Im richtigen Verhältnis zur Freizeit ist die Arbeit wichtig für die Sinnerfüllung des Menschen und trägt erheblich zum Gemeinwohl bei. Arten der Arbeit sind nach dem Schwerpunkt der Tätigkeit körperliche, geistige und schöpferische Arbeit; hinsichtlich des Grades der Abhängigkeit selbständige und nichtselbständige Arbeit. Demgemäß erfordert menschenwürdige Arbeit möglichst viel Selbständigkeit wegen der Autonomie des Menschen, die mit der Theonomie vereinbar ist. Außerdem bedarf diese Arbeit nach Möglichkeit geistige Betätigung und Spielraum für schöpferisches Wirken, die seiner Natur entsprechen. Endlich darf körperliche Arbeit nicht zu schwer sein und es muss genügend Bewegungsfreiheit für alle bestehen (vgl.

Mieth 9ff). Demgegenüber ist im Betrieb, d.h. in der Wirtschaftseinheit, die Güter und Dienstleistungen bereitstellt, selbständige Arbeit erheblich erschwert, geistige Arbeit im Prinzip auf höhere Positionen

Arbeitnehmer auch untereinander die Menschenwürde zu achten. Damit sind das Mobbing, „Cliquenbildung und tolerierte Ausgrenzung von Personen oder ganzen Abteilungen“ nicht zu vereinbaren, da sie jede Art von Menschenverachtung beinhalten (vgl. K. M. Leisinger 159f ). Wettbewerb bedeutet in unserem Zusammenhang das Ringen von Wirtschaftssubjekten um möglichst günstige Marktanteile. Dieses Ringen fordert einerseits zu möglichst hohen Leistungen heraus, die entsprechend belohnt werden können. Andererseits besteht zumindest die Tendenz, dass die jeweils schwächsten Konkurrenten aus dem Wettbewerb ausscheiden müssen. Dieses Ausscheiden ist nur bei fairem Wettbewerb und angemessener Solidarität mit der Menschenwürde vereinbar (Denkschrift Ziff.24ff, 106, 140). Hingegen widersprechen der Menschenwürde Manipulation durch Werbung, Vernichtungs- und Behinderungswettbewerb: Manipulierende Werbung steht im Gegensatz zur Autonomie des Menschen, Vernichtungswettbewerb gefährdet die Existenz, die zur Menschenwürde gehört; die Behinderung des Wettbewerbs, die über bloße Beeinträchtigung hinausgeht, ist mit der Achtung vor dem Partner nicht zu vereinbaren.

Hiernach hat die Menschenwürde Bedeutung für die Arbeit, den Betrieb und den Wettbewerb. Dies gilt für die anderen wirtschaftlichen Bereiche entsprechend. Wie überhaupt ist der Mensch auch in der Wirtschaft als Selbstzweck zu sehen; er darf selbst in der Embryonalphase keine Handelsware sein (Petersen 9ff m. Zen.). Zur Achtung der Menschenwürde sollten wir immer wieder bedenken, dass der Mensch nicht nur homo oeconomicus oder homo industrialis ist. Vielmehr ist er u.a. auch homo oecologicus und homo religiosus (Bausteine 16f). Prof. Dr. Reinhart Renschler Literatur Bausteine für eine künftige Wirtschaftsethik, hg.v. Kock u. Mitarbeit v. Lefringhausen, NeukirchenVluyn 1998 (= Bausteine) K. Bayertz, Art. Menschenwürde, in: H.J. Sandkühler (Hg.), Enzyklopädie Philosophie, Bd.1, Hamburg 1999 K.M.Leisinger, Unternehmensethik. Globale Verantwortung u. mod. Management, München 1997 D. Mieth, Arbeit und Menschenwürde, Freiburg/Basel/Wien 1985 Fortsetzung: siehe Rückseite

Prof. Dr. Reinhart Renschler Gießen beschränkt. Schöpferische Arbeit wird in der Regel auf Kreativität reduziert. Dadurch kann die Leistungsfähigkeit im Betrieb enorm gesteigert werden. Dennoch sind auch die Arbeitnehmer nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern zugleich als Selbstzweck zu sehen. Nur so kann es auf die Dauer zu einer gedeihlichen Zusammenarbeit aller Betriebsangehörigen kommen. Auch besteht Handlungsbedarf in Richtung auf Humanisierung der betrieblichen Arbeit. Sachzwänge stehen dem nicht entgegen (vgl.Vilmar 16ff). Jedoch haben die

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abrowski, Martin, Rolf Eschenburg und Karl Gabriel (Hg): Lösungsstrategien zur Überwindung der internationalen Schuldenkrise, Berlin 2000 (Duncker & Humblot), 349 S. (ISBN: 3-42810346-7). Vor 20 Jahren, im August 1982, stellte Mexiko wegen Zahlungsunfähigkeit den Schuldendienst ein, was den Anfang der Schuldenkrise bedeutete. Anfänglich befürchtete man ein Zusammenbrechen der Weltfinanzordnung. Hauptsorge war die Sicherung der Überlebensfähigkeit des internationalen Finanzsystems. Eine Überwindung der Krise über eine Besserstellung der Schuldner war nicht vorgesehen. Banken verteilen bekanntlich Regenschirme, die sie einsammeln, wenn es anfängt zu regnen. Jetzt,

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da Kredite bitter nötig waren, reduzierten sie ihre Ausleihungen. In den Folgejahren entwickelte sich ein professioneller Mechanismus zur Prolongierung der Schulden und der Schuldenkrise. Der Pariser Club schuldete um, der Internationale Währungsfonds setzte seine makroökonomischen Auflagen durch, reichte die Kosten an die Armen weiter, was wiederum Kirchen und Nicht-Regierungsorganisationen auf den Plan rief, den ärmsten Entwicklungsländern die Schulden zu erlassen. Insbesondere während des Kölner Weltwirtschaftsgipfels wurde die Kampagne „Erlassjahr 2000“ propagiert. Dieser Band enthält nun die sieben Hauptreferate, die jeweils durch Fortsetzung siehe Rückseite

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