Kfz_Versicherung_1_

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					Kraftfahrzeug- Versicherungen (1) Kfz- Haftpflicht- Versicherung
Bei der Kfz- Haftpflicht- Versicherung handelt es sich um eine gesetzlich vorgeschriebene Versicherung für den Fahrzeughalter. Als Pflichtversicherung dient sie dem Schutz des Unfallgeschädigten, damit dieser seine berechtigten Ansprüche durchsetzen kann. Hierbei sind Versicherungsunternehmen, die als KfzVersicherer in Deutschland zugelassen sind, per Gesetz verpflichtet, Versicherungsschutz gegen das Haftpflichtrisiko zu gewähren (Annahme- oder Kontrahierungszwang). Ausnahmen vom Annahmezwang werden Versicherern gewährt, die nur in einer bestimmten Region (z.B. einem bestimmten Bundesland) tätig sind oder nur eine klar umrissene Risikogruppe versichern (z.B. Fahrlehrer- Versicherung). Außerdem darf ein Unternehmen einen Antragsteller ablehnen, wenn es diesen schon einmal versichert hat, - den Vertrag aber wegen arglistiger Täuschung angefochten hat - vom Vertrag zurückgetreten ist, weil die Erstprämie nicht gezahlt oder die vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt wurde - der damalige Vertrag nach einem Schaden gekündigt wurde oder weil eine Folgeprämie nicht bezahlt wurde. Der Annahmezwang beschränkt sich auf die Versicherung der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestdeckungssummen. Die Prämie für die Haftpflicht- Versicherung eines Pkw ist von zwei Kriterien abhängig: - von der Typklasse des versicherten Fahrzeuges; die Einordnung eines Fahrzeugtyps in eine Typklasse bringt zum Ausdruck, wie hoch die durchschnittlichen Schadenaufwendungen für diesen Typ im Verhältnis zu den Aufwendungen aller anderen Fahrzeugtypen sind. Es gilt: je höher die Typklassenzahl, desto höher die Schadenaufwendungen und deshalb um so höher die Prämie. Die Zuordnung der Fahrzeugtypen zu den Typklassen erfolgt durch Sachverständige, nicht durch die Versicherer; sie wird jährlich aktualisiert. - von der Regionalklasse; die bestimmt sich nach dem amtlichen Bezirk, in dem das Fahrzeug zugelassen ist; manche Gegenden und deren Bewohner sind unfallträchtiger als andere. Die jährliche Zuordnung der Bezirke zu den Regionalklassen erfolgt aufgrund statistischer Erhebungen. Veränderungen können positive oder negative Auswirkungen auf die Prämie haben. Bei schadenfreiem Vertragsverlauf gewähren die Versicherer Rabatte; je mehr Jahre unfallfrei, desto höher der Rabatt. Es werden nur Jahre angerechnet, in denen der Versicherungsnehmer tatsächlich ein Kfz auf sich angemeldet hat. Die Schadenfreiheitsklassen (entsprechend der Zahl unfallfreier Jahre) und die gewährten Rabatte können sich von Versicherer zu Versicherer und nach Fahrzeugtyp (Pkw, Kraftrad, Campingmobil etc.) unterscheiden. Schäden, für die der Versicherer eintreten muss, führen zur „Rabattbelastung“, also zum teilweisen oder gänzlichen Verlust des Schadenfreiheitsrabattes durch entsprechende Rückstufung. Die Höherstufung in den Schadenfreiheitsklassen bzw. die Rückstufung in eine Schadenklasse erfolgt jeweils am Anfang des folgenden Versicherungsjahres. Wer ist versichert? Versichert sind der Versicherungsnehmer, der Fahrzeughalter, der Eigentümer des Fahrzeugs und der berechtigte Fahrer. („Berechtigt“ ist jeder Fahrer, der das Fahrzeug mit Wissen und Willen des Halters benutzt; die entsprechende Fahrerlaubnis vorausgesetzt.)
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Was ist versichert? Die gesetzliche Schadenersatzpflicht des Versicherungsnehmers aufgrund des Besitzes und Gebrauchs eines Fahrzeugs. „Gebrauch eines Fahrzeugs“ wird weit ausgelegt: Ein- und Aussteigen, Be- und Entladen gehören dazu. Beispiel: Wenn der Einkaufswagen beim Be- oder Entladen weg rollt und ein anderes Fahrzeug beschädigt, trägt der Kfz-Versicherer die Kosten. Wird mit dem Einkaufswagen auf dem Weg zum eigenen Fahrzeug ein anderes Fahrzeug beschädigt, tritt die Privat- Haftpflicht- Versicherung des Schädigers ein. Welche Risiken sind versichert? Die Kfz- Haftpflicht- Versicherung deckt Personen- Sach- und Vermögensschäden, die durch den Gebrauch des versicherten Kfz entstehen. Selbst grob fahrlässige Handlungen sind versichert. Der Geltungsbereich ist Europa, wobei die Europadeckung geographisch und nicht politisch verstanden wird, wenn nicht nichts anderes vereinbart ist. Was passiert im Schadenfall? Nachdem der Schaden gemeldet ist, prüft der Versicherer, ob sein Versicherungsnehmer für den Schaden haftbar gemacht werden kann. Falls dies der Fall ist, reguliert er den Schaden. Danach teilt er dem VN die Höhe der Schadenaufwendungen mit, der sich innerhalb der folgenden sechs Monate entscheiden kann, ob er die Kosten selbst tragen will, um seinen Schadenfreiheitsrabatt zu retten, oder ob er eine Höherstufung in Kauf nimmt. Bei Bagatellschäden lohnt das Nachrechnen in jedem Fall. Kommt der Versicherer bei der Prüfung des Schadenfalles zu der Auffassung, dass sein Versicherungsnehmer nicht haftbar gemacht werden kann, wehrt er die Ersatzansprüche als unberechtigt ab. Kommt es darüber zum Rechtsstreit, so führt er diesen im Namen des Versicherungsnehmers; für die Kosten kommt der Versicherer auf. Außerdem gibt es ein Anerkenntnisverbot: Der Versicherungsnehmer ist nicht berechtigt, einen (gegnerischen) Anspruch ganz oder teilweise anzuerkennen. Dieses Recht behält sich der Haftpflicht- Versicherer vor. Mit Inkrafttreten der VVG-Reform, das heißt ab 1.1.2008 wird es hier Änderungen geben. Aber auch dann kann es nachteilig sein, voreilig Ansprüche anzuerkennen oder zu befriedigen. Was ist nicht versichert? - die Verwendung des Fahrzeugs durch einen unberechtigten Fahrer (z.B. ohne Fahrerlaubnis); lässt der Halter die Verwendung zu, begeht er eine Obliegenheitsverletzung (der Versicherer kann bei ihm Regress nehmen); verwendet der Fahrer das Fahrzeug gegen Wissen und Willen des Halters, kann der Versicherer beim Fahrer Regress nehmen. Die Deckung ohne Haftung des VN umfasst auch den Fall, dass der unberechtigte Fahrer das Fahrzeug in Folge einer strafbaren Handlung (z.B. Kfz-Diebstahl) verwendet hat. - vorsätzliche Herbeiführung des Schadens, z.B. des Unfalls - Teilnahme an behördlich nicht genehmigten Rennveranstaltungen; geschädigte Dritte haben einen Direktanspruch gegenüber dem Versicherer, der aber kann bei seinem VN Regress nehmen; genehmigte Rennveranstaltungen sind haftpflicht-, aber nicht kasko-versichert! Ein Fahrersicherheitstraining gilt nicht als Rennveranstaltung. - Schäden durch den Beifahrer sind nur dann versichert, wenn dem Fahrer ein Verschulden an dem Schaden nachgewiesen werden kann. Andernfalls haftet der Beifahrer (bzw. dessen Privat- HaftpflichtVersicherung) selbst. Besonderheiten / Deckungserweiterungen Die Kfz- Versicherer können unter bestimmten Bedingungen diverse Nachlässe gewähren • Alleinfahrerrabatt: der VN ist der alleinige Nutzer des Fahrzeugs bzw. der Partner des VN nutzt das Fahrzeug nur gelegentlich; Bedingung: VN und Partner sind mindestens 23 (manche Versicherer: 25) Jahre alt
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• Garagenrabatt: für das Kfz steht eine Garage zur Verfügung; Bedingung: das Kfz wird nachts in der Garage abgestellt; einige Versicherer akzeptieren auch Sammelgaragen • Wenigfahrerrabatt: geringe jährliche Kilometerleistung wird mit gestaffelten Nachlässen belohnt: unter 9.000 km, unter 12.000 km; entsprechend kann es Zuschläge für Vielfahrer (über 30.000 km) geben • Rabatt für Frauen: jedes Jahr wird statistisch nachgewiesen: Frauen verursachen weniger Unfälle und vor allem weniger schwere Unfälle; Frauen fahren eben einfach besser Auto! • neue Fahrzeuge (Alter unter 3 Jahre) sind günstiger als ältere; bei Fahrzeugen, die 7 Jahre und älter sind, muss man mit Zuschlägen rechnen; erst ab einem Alter von 30 Jahren gilt ein Fahrzeug als Oldtimer – aber nur, wenn es "vornehmlich zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes" verwendet wird und das von einem amtlich anerkannten Sachverständigen per Gutachten bestätigt wird – und kann als solcher versichert werden (Oldtimer- Kennzeichen) Fristen Ein Antrag auf Kfz- Haftpflicht- Versicherung gilt als angenommen, wenn ihn der Versicherer nicht innerhalb von zwei Wochen (nach Eingang) schriftlich abgelehnt hat oder – im Fall nachweislicher Gefahrerhöhung – schriftlich ein neues Angebot unterbreitet hat. Anträge auf Fahrzeug- oder Insassen- Versicherung müssen innerhalb von vier Wochen angenommen oder abgelehnt werden. Die Frist für die ordentliche Kündigung beträgt einen Monat. Außerordentliche Kündigung nach einem Unfall oder einer Beitragserhöhung innerhalb eines Monats. Ein Versicherungsfall ist dem Versicherer innerhalb einer Woche schriftlich anzuzeigen.

(2) Fahrzeug- Versicherung: Teil- Kasko und Voll- Kasko
Die Kasko- Versicherung ist eine reine Sachversicherung; sie ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Sie dient dem wirtschaftlichen Schutz des Fahrzeugeigentümers, indem es das Fahrzeug gegen bestimmte Schäden versichert (über die Haftpflicht- Versicherung sind nur Fremdschäden versichert.) Versichert sind Beschädigung, Zerstörung und Verlust des versicherten Fahrzeugs. Beim Schadenereignis im Fahrzeug befindliche Wertgegenstände, Fotoapparate, Kleidungsstücke etc. sind durch die Kasko- Versicherung in der Regel nicht mitversichert. Generell ausgeschlossen sind Schäden bei Rennsportveranstaltungen und Schäden, die vorsätzlich oder durch gesetzwidriges Handeln herbeigeführt wurden. Anders als bei der Haftpflicht führt bei der KaskoVersicherung auch grobe Fahrlässigkeit zum Verlust des Versicherungsschutzes, wobei sich dies mit Inkrafttreten der VVG-Reform ändern wird. Ab 1.1.2008 muss der Kaskoversicherer bei grober Fahrlässigkeit zumindest anteilig leisten. Einige Versicherer verzichten schon jetzt auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit, allerdings nicht bei Trunkenheitsfahrten. Teil- Kasko (Fahrzeugteilversicherung) Der Schaden muss durch Brand/Explosion (einschließlich Kurzschluss in der Verkabelung; aber nicht: Vergaserbrand oder Sengschäden!), Diebstahl/Raub oder Glasbruch entstanden sein, oder es handelt sich um einen Elementar- (Sturm, Hagel, Blitz, Überschwemmung; aber nicht: Erdbeben, Erdrutsch, Lawinen, Vulkanausbruch, Steinschlag) oder Haarwildschaden. Bei einigen Versicherern gehört auch Marderbiss inzwischen zur Standarddeckung. Es werden Deckungsvarianten ohne und mit Selbstbeteiligung (üblicherweise zwischen € 150–500) angeboten; je höher die Selbstbeteiligung, desto günstiger die Prämie. Schadenfreiheitsrabatte werden nicht gewährt. Voll- Kasko (Fahrzeugvollversicherung) Die Voll- Kasko- Versicherung umfasst alle Schäden der Teil- Kasko und bietet zusätzlich Deckung für selbst oder von Dritten verursachte Unfallschäden – ein Unfall ist „ein von außen mit mechanischer Gewalt einwirkendes Ereignis“ – sowie für mut- oder böswillige Beschädigungen durch Dritte (Vandalismus) und für Reifenschäden (falls dadurch noch andere Teile des Fahrzeugs beschädigt wurden).
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Nicht versichert sind Bremsschäden, Bruchschäden (durch Materialfehler/-ermüdung) und Betriebsschäden (durch Verschleiß oder Bedienfehler) Es werden Deckungsvarianten ohne und mit Selbstbeteiligung (üblicherweise zwischen € 150–1.000) angeboten. Bei der Prämie werden Rabatte für Schadenfreiheit angerechnet. Besonderheiten der Kasko- Versicherung - viele Versicherer erstatten die Kosten für eine „Beilackierung“ nicht, wenn sich die Lackierung reparierter Teile von der unbeschädigter Teile geringfügig unterscheidet - die Teil- Kasko ersetzt nur Unfälle mit Haarwild (dazu gehören nach dem Bundesjagdgesetz übrigens auch Seehunde und Wisente, die in Deutschland eher selten an Verkehrsunfällen teilnehmen); die Beweislast liegt beim Versicherungsnehmer. Die Voll- Kasko ersetzt auch Unfälle mit anderen Wildtieren. - bei sog. „Ausweichunfällen“, verursacht durch einen Rettungsversuch des Fahrers, bei denen es nicht zur Berührung mit dem Wild kommt, zahlt die Teil- Kasko nur, wenn es sich um größeres Wild handelt, denn die Rettung vor schweren Schäden muss dem Fahrzeug gelten, nicht den Tieren. Der (vergebliche) Rettungsversuch muss durch eine Wildschadenbestätigung – ausgestellt durch Polizei oder Jagdpächter – beim Versicherer belegt werden. Wer einen Unfall verursacht, weil er einem Kleintier (z.B. Hase) ausweicht, handelt grob fahrlässig; die Teil- Kasko übernimmt die Kosten nicht. Da die Beweislast beim VN liegt, ist ein frischer Kadaver oder Kadaverteil natürlich das überzeugendste Beweismittel. Falls ein „nur“ verletztes Tier Unfallflucht begeht, anstatt den Fahrer zur Polizei/zum Förster zu begleiten, sollte man sich Haare und Blutflecken am beschädigten Fahrzeug bestätigen lassen. - Totalschaden (Zerstörung oder Verlust des Fahrzeugs); erstattet wird der Wiederbeschaffungswert, nicht erstattet werden Entsorgungskosten, Nutzungsausfall oder Kosten für einen Mietwagen. Einige Versicherer erstatten den Neupreis, wenn das versicherte Fahrzeug jünger als zwei Jahre war

(3) Insassen- Unfall- Versicherung
Die Insassen-Unfall- Versicherung deckt Personenschäden der Insassen im Zusammenhang mit dem Gebrauch des versicherten Fahrzeugs (einschließlich Ein- und Aussteigen, Be- und Entladen) ohne Berücksichtigung der Frage des Verschuldens. Versichert sind nur berechtigte Insassen. Unberechtigte Fahrer und Insassen (z.B. Fahrzeugdiebe) sind nicht versichert. Versichert werden können Tod (Leistung: vereinbarte Versicherungssumme), Invalidität (Leistung: vereinbarte Versicherungssumme), Krankentagegeld (längstens ein Jahr) und Krankenhaustagegeld (längstens zwei Jahre).

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