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					ERFAHRUNGSBERICHT

Name: Vorname: e-mail:

Kiss Gert mail@gertkiss.de

Heimathochschule: Gasthochschule: Studienfach: Studienziel: Semester: Zeitpunkt: Jahrgang:

Ruprecht Karl’s Universität University of North Carolina, Asheville Chemie Diplom 7. und 8. (WS2004/2005 und SS2005) ein Jahr nach der Vordiplomsprüfung 1980

Allgemeine Vorbereitungen
Aufgeschlossenheit und Natürlichkeit sind Voraussetzungen, die vor allem am Anfang des Aufenthaltes um Weiten wichtiger sind als ausgezeichnete Englisch Kenntnisse. Auch wenn alles anfangs einen etwas Überwältigenden Eindruck macht, so findet man sich recht bald mit Leichtigkeit zurecht, was grossteils auf die meist hilfsbereite Natur von US Amerikanern zurückzuführen ist. Da Gepäck bei den meisten Fluglinien auf zwei Koffer limitiert ist, empfiehlt es sich nur das Nötigste zu packen: Kleidung, Bücher und Bad-Utensilien reichten bei mir völlig aus und konnten während der prompt organisierten Einkaufsfahrten erweitert werden. Mit Hinblick auf Personalien, würde ich nicht mehr als den obligatorischen Reisepass, sowie den Personalausweis und EU Führerschein mitnehmen. Mein internationaler Studentenausweis wurde in nicht einer Situation als ID akzeptiert. Bei Anreise ist es ebenfalls nicht von Nachteil, etwas Bargeld dabeizuhaben – für alle Fälle. Wenn man einen Laptop mit auf die Reise nimmt, sollte auch hier auf den schlimmsten Fall vorbereitet sein, und die nötigen Installations-CDs einpacken. Vor allem auf dem Campus internen Netzwerk kursieren sehr häufig die übelsten Computerviren, von denen man sich häufig nur noch durch ‚Notoperationen’ retten kann.

Asheville...
... oder auch als das zweite San Francisco bekannt, ist eine der liberalsten Städte in den USA. Zwischen den Blue Ridge Mountains und den Great Smoky Mountains gelegen, bietet die 70 000 Einwohner zählende, recht wohlhabende Stadt kulinarische, architektonische und kulturelle Vielseitigkeit. Zu den Sehenswürdigkeiten gehört der Blue Ridge Parkway (ein Scenic Highway mit zahlreichen Wasserfällen, Aussichtspunkten und Wandermöglichkeiten) sowie das Biltmore Estate (die im 19.Jahrhundert erbaute, größte Villa der USA – Schauplatz zahlreicher Kinofilme).

Campus
UNCA (University of North Carolina at Asheville) ist mit knapp 3600 Studenten eine relativ kleine, undergraduate Uni. Abschlüsse die über einen Bachelor hinausgehen, können hier nicht erworben werden. Nichtsdestotrotz wird hier jedoch auch Forschung betrieben. Der Campus verfügt über die gängigen Einrichtungen (2 Cafeterias, Bibliothek, Studentenwohnheime, Sportkomplex, Hallenbad, Uni-Shop, Freizeitraum, Liegewiese, botanischer Garten) und befindet sich in angehobener Lage, etwa zwei Kilometer außerhalb von Asheville.

Natur und Klima
Die bergige, bewaldete Landschaft um Asheville ist vor allem für einen farbenprächtigen, milden Herbst bekannt. In den Sommermonaten kann es hier schon recht feucht-warm werden, was mit dem vielfältigen Artenreichtum in Flora und Fauna einhergeht. An den meisten Sommertagen bietet es sich an, Zeit auf der Liegewiese (The Quad) inmitten des Campus oder dem botanischen Garten zu verbringen (der Unterricht wird teilweise, in Abhängigkeit vom Professor, auf „the Quad“ verlegt). Wandern, Ultimate-Frisbee, Klettern, Mountain-Biking und Wildwasser-Sportarten gehören mitunter zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der hiesigen Studenten. Die Outdoor-Abteilung der Uni organisiert jedes Wochenende Tages- und Wochenend-Trips mit Schwerpunkt auf den eben genannten Aktivitäten. Das sind ausgezeichnete Gelegenheiten, diverse Sportarten auszuprobieren und neue Kontakte zu knüpfen. Der späte Herbst hält ab und zu eine Überraschung bereit, vor allem, wenn einer der zahlreichen Wirbelstürme mal wieder über Florida hinweg fegt und auf dem Weg nach Norden nicht rechtzeitig nach Osten auf den Atlantik abdreht. Die Berge schützen vor allzu hohen

Windgeschwindigkeiten, aber es kann schon mal vorkommen, dass es eine Woche ununterbrochen regnet. Für den Winter sollte man entweder eine dicke Jacke einpacken, oder den hiesigen Kauf einer solchen in Betracht ziehen. Die Temperaturen bleiben erstaunlich lange (bis in den späten Nov. hinein) recht angenehm, fallen dann aber um so drastischer in den negativen Bereich.

Geld
Als günstigstes Zahlungsmittel hat sich bei mir die Kreditkarte herausgestellt. Bei einigen deutschen Banken zahlt man als Student sogar für den Auslandseinsatz der Kreditkarte keine Gebühren (in meinem Fall: VISA von der comdirekt-Bank). Ab und zu wird dann aber doch Cash benötigt (obwohl hier sogar die meisten PizzaLieferanten Kreditkarten akzeptieren). Für diesen Fall gibt es ebenfalls eine kostenlose Möglichkeit, an sein Geld heranzukommen: Vor der Abreise, in Deutschland ein Konto bei der Deutschen Bank einrichten. Die Deutsche Bank ist mit der hiesigen Bank of America affiliiert. So kann also mit der EC-Karte, die von der Deutschen Bank ausgegeben wird, an allen Geldautomaten der Bank of America direkt auf das Konto in Deutschland zugegriffen werden (ohne Nebenkosten). Die Bank of America ist hier in Asheville und Umgebung, sowie an großen Teilen der Ostküste häufig zu finden. In den übrigen Teilen der USA sind die Filialen etwas spärlicher gesät (in Texas musste ich schon ein wenig suchen).

ID
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass hier oftmals sogar der Internationale (Deutsche) Führerschein nicht als gültige ID anerkannt wird. Wenn man also ungeniert einen Trinken gehen, bzw. im Supermarkt ein Bierchen oder eine Flasche Wein kaufen möchte, sollte entweder der Reisepass oder ein US amerikanischer Führerschein griffbereit sein. Letzterer ist wesentlich praktischer als der Pass und bei Verlust auch mit Sicherheit leichter zu verschmerzen. In 70% der Fälle ist der internationale Führerschein jedoch völlig ausreichend (ganz davon abhängig natürlich, wie alt man auf den Türsteher bzw. Kassierer wirkt). Asheville hat erstaunlich viele Lokale und Bars (natürlich nicht zu vergleichen mit Heidelberg), so dass die ID Situation zu einem echten Nervtöter werden kann.

Auto und Führerschein
Ich war am Anfang meines Aufenthaltes kurz davor, ein Auto zu kaufen, habe diesen Gedanken dann aber aufgrund der bizarren Versicherungs-Situation wieder fallen gelassen. Ein Großteil der Verkehrsteilnehmer hier, scheint beim starten des Motors den Kopf völlig abzuschalten. Stimmt. Es kann hier nicht wirklich gerast werden. Die uneinheitliche Verkehrsregelung jedoch, gepaart mit auf Sparflamme betriebenen Neuronen vieler Fahrer, führt mit einer erschreckenden Häufigkeit zu den absurdesten Verkehrssituationen, bei denen man sich wundern muss, dass die Evolutionstheorie Darwins hier wohl nicht zu greifen scheint. Mit anderen Worten: Aufgrund der fehlenden Versicherungspflicht der potentiellen Unfallgegner und der unzähligen Löcher in der Haftungsklausel aller bezahlbaren Versicherungen, die ich mir angeschaut habe, kann ein einfacher Verkehrsunfall den finanziellen Ruin bedeuten. Ein weiterer Grund, der (abgesehen von finanzieller Vernunft) gegen den Besitz eines Autos an der UNCA spricht, ist die Tatsache, dass die meisten amerikanischen Studenten hier ein eigenes Auto haben und bereitwillig helfen. Das fördert ganz nebenbei auch den sozialen Kontakt. Sollte man dennoch mit dem Gedanken spielen, sich für den Aufenthalt einen PKW zuzulegen, so kann an verschiedenen Stellen gespart werden. Wer bei einer amerikanischen Versicherung ein polizeiliches Führungszeugnis und/oder ein offizielles Schreiben der Deutschen

Versicherung, welches die Unfallfreiheit über einen Zeitraum X bestätigt, vorlegen kann, hat gute Chancen, tiefer als gewöhnlich eingestuft zu werden. An dieser Stelle kann es gut möglich sein, dass es nötig wird, einen US-Führerschein zu machen (Fahrt um den Block und eine lächerlich geringe Summe). Der Fahrzeugkauf selbst kann dann bei einem der zahllosen Händler oder von Privat getätigt werden. In letzterem Fall, sollte man sich die Zeitschrift „IWANNA“ (Inserat-Äquivalent) an einer Tankstelle kaufen. Benzinpreise sind hier etwa ¼ der Deutschen Preise.

Krankenversicherung
Ich habe von Deutschland aus eine Auslandskrankenversicherung bei der DKV abgeschlossen (ca. 60 Euro/Monat). Alle Eventualitäten sind damit abgedeckt. Obwohl es anfänglich hieß, ich müsse mich zusätzlich auch bei der Uni-internen Versicherung versichern, habe ich bis heute nicht wieder etwas davon gehört. Im Behandlungsfall, müssen die Kosten jedoch zunächst von einem selbst übernommen werden. Wichtig: Quittung geben lassen. Nur so können die Kosten von der DKV erstattet werden.

Computer
Es können keine Computer ausgeliehen werden. Ich empfehle jedem, der viel am Rechner arbeiten muss, einen Laptop zu kaufen (hier natürlich billiger als in Deutschland.). Wenn der Computer hier gekauft und anschließend nach Deutschland zurückgebracht wird, kann es Schwierigkeiten mit dem Zoll geben. Wird der Rechner nur für e-mails und das gelegentliche Schreiben von Hausarbeiten benötigt, so stehen in jedem der Wohnheime Computerräume zur Verfügung (Internet, Drucker, ZIP, USB). Hinzu kommt die Möglichkeit, die Computer der Bibliothek zu verwenden (hier können sogar Laptops für den Gebrauch innerhalb des Gebäudes ausgeliehen werden).

Sonstiges
Exchange-Student-Benefits: Als Austausch-Student ist es möglich, nach der Ankunft den Wechsel in ein anderes Wohnheim (möglicherweise sogar in ein Einzelzimmer) zu beantragen. Des Weiteren kann kostenfrei ein DVD-Fernseh-Combo-Gerät für die Dauer des Aufenthaltes ausgeliehen werden. Mountain-Bikes können ebenfalls kostenfrei für zwei Wochen-Segmente ausgeliehen werden. Library: Bücher können für drei Wochen am Stück ausgeliehen werden, können dann weitere zwei mal verlängert werden (online-Verlängerung möglich). Wichtig: Alle Bücher der Bibliothek sind lediglich in einfacher Ausgabe vorhanden, sodass (nicht wie aus Heidelberg gewöhnt) nicht ein einziges Semester bestritten werden kann, ohne die verlangte Literatur selbst zu kaufen. Für diesen Zweck gibt es einen Buchladen auf dem Campus, der neben neuen auch gebrauchte Bücher zu einem reduzierten Preis anbietet. Sowohl die Wohnheime, als auch die Bibliothek verfügen über sogenannte Study-Rooms mit Internet Anschluss, Steckdose, Tafel etc.). In der Bibliothek können zusätzlich zu Büchern auch Medien ausgeliehen werden. So existiert beispielsweise eine recht umfangreiche Sammlung an VHS- und DVD-Filmen, die gebührenfrei ausgeliehen werden können. Sportkomplex: Der Sportkomplex besteht aus einem Fußballfeld mit Laufbahnen, einem Baseballfeld Tennisanlagen, Sporthallen, Squash-Hallen, einem Hallenbad, einem Studio, einem FitnessCenter und einer Hallen-Laufbahn. Bälle, Schläger etc. können kostenfrei ausgeliehen werden.

Cafeteria (Mensa): Insgesamt zwei: Haupt- und Neben-Mensa. Zusätzlich gibt es ein Café in der Bibliothek. Gegessen werden kann von morgens 8 Uhr bis abends um 10. Die Qualität schwankt zwischen gut und sehr gut. Speisen und Getränke werden von einem sogenannten Meal-Plan abgedeckt, den man zu beginn des Semesters festlegen muss, sodass während des gesamten Aufenthaltes die Mensa-Karte nicht ständig aufgeladen werden muss. Die Mensa-Karte kann jedoch aufgeladen werden. Diese funktioniert dann nicht nur mit allen Automaten auf dem Campus, sondern gilt vielerorts in Asheville als gültiges Zahlungsmittel.

Persönliche Wertung
Durch das rigorose Chemiestudium an der Uni Heidelberg hatte ich zwar eine erstklassige Ausbildung und exzellenten Wissensstand, war jedoch etwas ziellos was meine Zukunftspläne anging. An der UNC Asheville hatte ich meine ersten Erfahrungen in einem Forschungslabor gesammelt und war von Anfang an begeistert. Mir wurde hier zum ersten Mal während des Studiums die Möglichkeit geboten, mich nach eigener Geschwindigkeit und Bestrebung zu entfalten. Zu meinem Erstaunen musste ich nach einigen Wochen feststellen, dass ich dadurch energetischer und motivierter war als je zuvor. Obwohl ich nicht einen geringeren Teil des Tages mit dem Chemiestudium verbrachte als in Heidelberg, so hatte ich doch ein vielfaches an Freizeit und Spass. Das Studium und die Forschungsarbeit gingen Hand in Hand - pragmatisch. Am Ende des Tages hatte ich tatsächlich etwas geleistet und war bereit genau so hart zu feiern wie ich gearbeitet hatte. Asheville ist ein ausgezeichneter Ort für beides. Professionell und persönlich bin ich durch mein Auslandsjahr in den USA um einen beachtlichen Teil gewachsen und würde jedem Studenten raten, einen solchen Auslandsaufenthalt währende des Studiums anzustreben. Ich möchte der Landesstiftung Baden-Württemberg, ohne die meine einzigartige Erfahrung so nicht möglich gewesen wäre, an dieser Stelle für die grosszügige finanzielle Unterstützung danken und hoffe, dass diese Art der Förderung auch zukünftigen Jahrgängen zugänglich sein wird.

Zustimmungsklausel zur Veröffentlichung auf der Internetseite des Baden-Württemberg-Stipendiums

Hiermit stimme ich, Gert Kiss, der Veröffentlichung meines Erfahrungsberichtes auf der Internetseite des Baden-Württemberg-Stipendiums zu.


				
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