Docstoc

Borderline - Diagnose - Beschreibung - Prognose

Document Sample
Borderline - Diagnose - Beschreibung - Prognose Powered By Docstoc
					   Borderlinestörungen:
Beschreibung und Diagnose


    Dr. med. Samuel Pfeifer


         www.seminare-ps.net
Achterbahn der Gefühle

                    „Für die Borderline-
                    Persönlichkeit ist ein
                    grosser Teil des Lebens
                    eine unbarmherzige
                    emotionale Achterfahrt
                    ohne offensichtliches
                    Ziel.“

                            (Prof. J. Kroll)




      www.seminare-ps.net
Ein Beispiel zu Beginn




     www.seminare-ps.net
                   Häufigkeit

§ Häufigkeit in der Bevölkerung zu einem Zeitpunkt:
  zwischen 0,8% und 2%

§ Eine aktuelle, groß angelegte epidemiologische
  Feldstudie in Norwegen findet eine Punktprävalenz
  von 0,8% (Torgersen 1998). Über 80% dieser
  Betroffenen befinden sich in psychiatrisch /
  psychotherapeutischer Behandlung.
§ Etwa 70% der Betroffenen sind Frauen (Widiger &
  Weissman 1991).


                   www.seminare-ps.net
                Geschichte des Begriffs
§ Schon in früheren Jahrhunderten gab es dramatisch auffallende
  Personen, von launischen Prinzessinnen bis zu den Hysterikerinnen zur
  Zeit Sigmund Freuds.
§ 1938 beobachtet Adolph Stern eine Gruppe von Patienten, die instabiler
  als gewöhnliche neurotische Patienten, aber doch entwicklungsfähiger
  als die psychotischen Patienten waren. Er prägt den Begriff
  „Borderline“.
§ Intensive Forschungsarbeiten (Gunderson, Kernberg, Grinker u.v.a.m.).
  Es werden zunehmend Kriterien für die Störung herausgearbeitet –
  psychodynamisch und beschreibend.
§ Im Jahre 1980 wurde die Diagnose in die Amerikanische Klassifikation
  Psychischer Störungen (DSM-III) übernommen und erhielt damit die
  breite Anerkennung der Fachwelt.
§ Der Psychoanalytiker Otto Kernberg stellt die Borderline-
  Persönlichkeit genau zwischen neurotische und psychotische
  Persönlichkeitsorganisation.



                           www.seminare-ps.net
           Selbstzerstörerische Muster

§ Menschen mit einer Borderline-Störung zeigen ein Muster,
  sich selbst zu unterminieren, oft gerade in dem Moment,
  wo sie ein Ziel erreichen würden (z.B. Schulversagen
  gerade vor dem Abschluß; schwerer innerer Rückzug in
  dem Moment, wo ein Therapeut endlich aufatmet und der
  Person mitteilt, wie gut die Therapie läuft; Zerstörung einer
  Beziehung in dem Moment, wo diese zu einer bleibenden
  Beziehung werden könnte). Manche Betroffene entwickeln
  psychosenahe Symptome (z.B. Halluzinationen, Verzerrung
  des Körpergefühls, Beziehungsideen und hypnoseähnliche
  Phänomene) unter Streß.

                                             In Anlehnung an das DSM-III


                       www.seminare-ps.net
               Selbstzerstörerische Muster
§   Sie fühlen sich sicherer, wenn sie „Übergangsobjekte“ haben (z.B. ein Tier oder
    einen materiellen Besitz) als in einer echten zwischenmenschlichen Beziehung.
§   Bei Depressionen und Drogenproblemen ist die Suizidhäufigkeit erhöht.
    Körperliche Behinderungen können das Resultat von Selbstverletzungen oder
    Suizidversuchen sein.
§   Wiederholter Stellenverlust, Unterbrüche in der Ausbildung und zerbrochene
    Ehen sind häufig. Körperlicher und sexueller Mißbrauch sind häufig in der
    Vorgeschichte von Personen mit einem Borderline-Syndrom. Der Verlauf einer
    Borderlinestörung gestaltet sich sehr unterschiedlich.
§   Häufigstes Muster ist eine chronische Instabilität im frühen Erwachsenenalter
    mit Episoden, in denen es den Betroffenen nicht gelingt, ihre Stimmung und
    ihre Impulse zu kontrollieren. Die Behinderung durch die Störung sowie das
    Suizidrisiko sind in der Jugend am größten und lassen allmählich mit
    zunehmendem Alter nach. Somit erreicht ein Großteil der Menschen mit dieser
    Störung im Alter von etwa 30 bis 40 Jahren eine größere Stabilität in ihren
    Beziehungen und Lebensaufgaben.



                                                      In Anlehnung an das DSM-III


                               www.seminare-ps.net
Schwarz-Weiss-Denken




     www.seminare-ps.net
           Psychotische Durchbrüche

§ Unter Stress:
§ Verzerrte Wahrnehmung
  der Umwelt
§ Gefühl, selbst bedroht zu
  sein, aufgefressen zu
  werden etc.
§ Massive und von aussen
  nicht verständliche Ängste
  mit impulsiven, angst-
  getriebenen Handlungen.



                      www.seminare-ps.net
              Entstehungsbedingungen
§ Erbliche Veranlagung
   • gehäuftes Vorkommen schwerer psychischer Störungen in der
     unmittelbaren Verwandtschaft
   • gehäuft psychische Erkrankung beider Elternteile mit
     entsprechenden sozialen Folgen
§ Verluste in der Kindheit
   • gehäuft Vaterverlust durch Scheidung und Tod
   • häufiger Fremdplatzierung, Adoption
§ Familienkonstellation
   • schlechter organisiert, weniger Zusammenhalt
   • mehr feindseliger Konflikt
§ Traumatisierung in der Kindheit
   •   35 ­ 70 %, je nach Schweregrad
   •   sexueller Mißbrauch
   •   körperliche Mißhandlung
   •   Zeuge von elterlichem Streit



                          www.seminare-ps.net
                     Beachte

§ Nicht bei allen BPD-Patienten fand ein sexueller
  Missbrauch statt
§ Nicht immer entsteht nach sexuellem Missbrauch
  eine Borderline-Störung.

§ Manche Forscher gehen davon aus, dass es sich bei
  einer Borderlinestörung um eine atypische
  Depression mit schwerer Instabilität handelt.



                   www.seminare-ps.net
      Diagnostische Kriterien (DSM-IV)

Durchgängiges Muster von

§ Instabilität der zwischenmenschlichen
  Beziehungen
§ Instabilität des Selbstbildes
§ Instabilität der Stimmung
§ ausgeprägter Impulsivität mit Beginn in der frühen
  Erwachsenenzeit.
§ speziell fünf der folgenden neun Kriterien

                   www.seminare-ps.net
       Diagnostische Kriterien (DSM-IV)

§ (1) verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes
  Verlassenwerden zu vermeiden. Beachte: Hier werden
  keine suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen
  berücksichtigt, die in Kriterium 5 enthalten sind.

§ (2) Ein Muster instabiler, aber intensiver
  zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen
  Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und
  Entwertung gekennzeichnet ist.

§ (3) Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde
  Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.


                       www.seminare-ps.net
                           Kriterien-2

§ (4) Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden
  Bereichen (Geldausgaben, Sexualität, Substanzmißbrauch,
  rücksichtsloses Fahren, "Fressanfälle") Beachte: Hier werden keine
  suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen berücksichtigt, die in
  Kriterium 5 enthalten sind.

§ (5) Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -
  drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.

§ (6) Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der
  Stimmung (z. B. hochgradige episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder
  Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur
  selten mehr als einige Tage andauern).




                           www.seminare-ps.net
                   Kriterien-3

§ (7) Chronische Gefühle von Leere.

§ (8) Unangemessene, heftige Wut oder
  Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren,
  (z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut,
  wiederholte körperliche Auseinandersetzungen).

§ (9) Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste
  paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative
  Symptome.


                   www.seminare-ps.net
                      Drei Begriffe

§ Borderline-Syndrom
   • Oberbegriff für die folgenden Bezeichnungen. Er bezeichnet
     die konkret beobachtbaren Symptome, wie Impulsivität,
     selbstschädigendes und manipulatives Verhalten etc., ohne
     eine Aussage über Ich­Struktur oder episodisches Auftreten
     zu machen.
§ Borderline-Zustand
   • kurzfristige Dekompensation bei ansonsten gut strukturierten
     Patienten, die in charakteristischen Situationen einer
     besonderen Nähe zum innerpsychischen "traumatischen
     Bereich" auftritt.
§ Borderline-Persönlichkeitsstörung
   • Zeitlich überdauernde Persönlichkeitsstörung, die sich von
     anderen Störungen deutlich abgrenzen läßt. (Kriterien nach
     DSM IV).



                        www.seminare-ps.net
         Störung oder Charakterzug?



        Affek         Impuls-
                      kontroll
          t              e



      Kognition        Bezie-                                instabiler
      (Denken)        hungen                                   Anteil




Borderline-Störung                          Charakterzug (trait):
„Kaleidoskop“ ständig wechselnder           im Rahmen einer weitgehend
Zustände; Persönlichkeit ist von            stabilen Grundpersönlichkeit
der Störung geprägt.

                          www.seminare-ps.net
Komorbidität / Komplizierende Probleme


Depression (Mood Disorder)                97 %

Sucht (Drogen und Alkohol)                62 %

Posttraumatische Störung                  58 %

Andere Angststörung                       89 %

Essstörungen                              54 %


                                         nach Zanarini 2004
                   www.seminare-ps.net
                   Diagnostik

§ Internationaler wissenschaftlicher Standard ist
  derzeit das Diagnostische Interview für das
  Borderline-Syndrom - Revidierte Fassung (DIB-
  R; Zanarini, Gunderson, et al. 1989).

§ Eine gute Beschreibung der Befindlichkeit gibt der
  Fragebogen von Conte 1980 (allerdings zuwenig
  spezifisch) – vgl. Seminarheft, S. 8




                   www.seminare-ps.net
            Beschreibende Kriterien

§   Stimmungslage
§   Gedankliche Verarbeitung (Kognition)
§   Impulsivität
§   Zwischenmenschliche Aspekte




                                          nach Zanarini 1990


                    www.seminare-ps.net
                  Vier Bereiche des Erlebens
§   1. Affektive Störungen (Stimmungslage)
     •   ­ ständige Depressivität und Angst
     •   ­ ständiges Gefühl der Hilflosigkeit, Hoffnungslosig­keit,
     •      Wertlosigkeit, Schuld
     •   ­ ständiger Zorn/ häufige Zornesausbrüche
     •   ­ ständige Einsamkeit/Langeweile/Leere

§   2. Kognitive Störungen (Denkstörungen)
     •   ­ eigenartiges/verschrobenes Denken / ungewöhnliche Wahrnehmungserlebnisse
     •   ­ Nicht­wahnhafte Paranoia
     •   ­ quasi­psychotischer Gedankengang *

§   3. Störungen der Impulskontrolle                                  * = diese
     •   ­ Suchtmittel­Abusus/Abhängigkeit                            Eigenschaften sind
     •   ­ sexuelle Devianz                                           besonders typisch
     •   ­ Selbstverstümmelung*
     •   ­ manipulative Suizid­Versuche *
     •   ­ andere impulsive Verhaltensmuster (z.B. Ladendiebstahl)



                                                           nach Zanarini 1990


                                     www.seminare-ps.net
§ Interpersonelle Probleme
§ Unfähigkeit, allein zu sein
§ Gefühle des Verlassenwerdens /Verschlungenwerdens /
  Ausgelöschtwerdens *
§ Gegenseitige Abhängigkeit / ernsthafter Konflikt um Hilfe und
  Fürsorge
§ Stürmische Beziehungsmuster                     * = diese
§ Abhängigkeit / Masochismus                      Eigenschaften sind
                                                  besonders typisch
§ Entwertung / Manipulation / Sadismus
§ fordernde Grundhaltung / Anspruchshaltung *
§ ausgeprägte Regression während der Therapie *
§ Gegenübertragungsprobleme, "spezielle" Therapie-Beziehungen *
§ zudem gemeinsame Symptome mit anderen Persönlichkeits-Störungen

                                                nach Zanarini 1990


                          www.seminare-ps.net
               Dissoziative Phänomene

§ häufig nicht mehr an konkrete Auslöser gekoppelt, sondern
  generalisiert.
§ Mangelhafte Wahrnehmung der eigenen Emotionen, Verzerrung des
  Raum-Zeit-Gefühls, ein ausgeprägtes Gefühl von Fremdheit und vor
  allem der Kontrollverlust über die Realität.
§ Flashbacks, d.h. szenisches Wiedererleben von traumatisierenden
  Ereignissen, die zwar kognitiv der Vergangenheit zugeordnet werden,
  emotional jedoch als real erlebt werden.
    • Nicht selten werden diese Flashbacks, die über Stunden und Tage
      anhalten können, vom klinisch Unerfahrenen als psychotisches
      Erleben fehldiagnostiziert.
§ Alpträume sowie ausgeprägte Ein- und Durchschlafstörungen belasten
  das Allgemeinbefinden und tragen zur emotionalen Destabilisierung
  bei.



                          www.seminare-ps.net
Beispiele: Wie fühlen sich Borderline-Betroffene?

§ Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes
  Verlassenwerden zu vermeiden.
    • «Isoliert und allein unter vielen hielt ich mich dann nachts immer
      öfter auf dem Flughafen auf, wo noch genug reges Treiben
      herrschte, um mich zu halten. Ich klammerte mich an die Geräusche
      in der Wartehalle und fixierte die Lichter auf dem Rollfeld, um mein
      Gesicht nur nicht in mich kehren zu müssen.»
§ Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher
  Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der
  Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.




                                                                             http://www.lebensgeschichten.org/borderline/
    • «Beziehungen jeglicher Art waren bei mir fast immer von kurzer
      Dauer, vor allem die intensiven. Sobald ich Vertrauen zu einer
      Person gefasst hatte, hatte ich mich sehr schnell und sehr weit
      "reingehängt". Ich öffnete mich und dementsprechend erwartete ich
      eine Gegenreaktion. Ich ließ diese Person teilhaben an meinem
      Gefühlsleben, aber es dauerte nicht lange und es war keine
      Steigerung mehr möglich. Zu dem Zeitpunkt stellte mein Gegenüber
      die Grenzen auf und ich ließ die Beziehung dann ganz schnell
      zerplatzen.»


                           www.seminare-ps.net
    Wie fühlen sich Borderline-Betroffene?
§   Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder
    der Selbstwahrnehmung.
     •   «Schon in meiner Jugend wusste ich nicht, was meine Wünsche bezüglich
         meiner beruflichen Laufbahn oder persönlicher Vorlieben waren. Langfristige
         Ziele habe ich nicht, vor allem bin ich nicht in der Lage etwas langfristig
         durchzuhalten, weil sich meine Ansichten ständig ändern. Ich flattere wie ein
         Schmetterling vom einen zum anderen. Bei Freunden wähle ich nicht, wer zu
         mir passen könnte, sondern ich lasse mich einfach "befreundschaften".»
§   Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen
    (Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Frahren,
    "Fressanfälle")




                                                                                         http://www.lebensgeschichten.org/borderline/
     •   «Ich habe 150'000 DM Schulden, habe eine Unterschlagung begangen,
         meine Arbeitsstelle verloren, Geld geliehen und nicht zurückgezahlt, auf
         laufende Leistungen beim Arbeitsamt mit abenteuerlichen Geschichten
         Vorschuss abkassiert. Nach jedem Neuanfang habe ich wieder und wieder
         mit Spielen angefangen, obwohl mir die Folgen durchaus bewusst waren. Ich
         habe mit exzessivem Sport und mit Selbstverletzungen meinen Körper
         soweit demoliert, dass ich heute auf den Rollstuhl angewiesen bin. Aber ich
         würde es genauso wieder machen, nur um mich und meinen Körper mal zu
         spüren, um zu wissen: Ich bin da.»




                                 www.seminare-ps.net
                        Borderline-Erleben II
§   Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder
    Selbstverletzungsverhalten.
     •   «Dann ging ich dazu über, meine Arme zu schneiden. Ich nahm Messer, Rasierklingen,
         Scherben. Über einige Monate hinweg tat ich es beinahe jeden Tag. Ich tat es, um mich
         zu bestrafen. Dafür, dass ich da war. Dafür, dass ich ich war. Ich tat es auch, um mich
         zu spüren. Zu spüren, dass ich da war, dass ich existierte, ähnlich vielleicht jemandem,
         der sich in den Arm kneift, um sich zu versichern, wach zu sein.»
§   Affektive Instabilität infolge einer auseprägten Reaktivität der Stimmung (z.B.
    hochgradige episodische Verstimmungen, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese
    Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als eineige Tage
    andauern).
     •   «Es gibt Tage, da erwache ich morgens und das Leben lastet wie Blei auf mir, Mir




                                                                                                    http://www.lebensgeschichten.org/borderline/
         erscheint alles aussichtslos, ausweglos, und was ich auch beginnen mag, es ist zum
         Scheitern verurteilt. Bekomme ich jedoch an diesem Tag ein Lob also Zustimmung und
         Ansporn von außen, fühle ich mich, als könnte ich die Welt aus den Angeln heben,
         überwinde lächelnd Schwierigkeiten. Genauso kann mich eine Kritik, und da genügt
         manchmal ein Wort oder auch nur ein Blick, in tiefste Tiefen stürzen, so dass ich mich
         vollkommen zurückziehe, das Telefonkabel abziehe, Kontakte abbreche, nicht mehr
         spreche, nicht mehr zu erreichen bin.»
§   Chronische Gefühle von Leere und Langeweile.
     •   «Mein Leben wird überschattet von einem elendigen Kreislauf aus Depressionen, Wut
         und Leere. Ich habe versucht, die Leere mit fernsehen zu füllen. Das Fernsehen
         langweilt mich. Alles langweilt mich. Ich musste die Leere doch irgendwie füllen...! Und
         die Langeweile verbannen Habe alles versucht. Nichts hat etwas gebracht. Habe mich
         also wieder geschnitten. Blut füllt Leere schnell...»


                                    www.seminare-ps.net
                     Borderline-Erleben III
§   Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren
    (z.B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche
    Auseinandersetzungen).
     •   «Auf dem Weg von der Therapiestunde nach Hause ist meine Stimmung
         gekippt: Auf dem Fahrradweg brülle ich einen Fußgänger an! "Du Drecksau,
         hau ab!" Zu Hause angekommen lasse ich mein Fahrrad fallen und gebe ihm
         einen Tritt. In der Wohnung, trete ich auf den Hasenkäfig ein. Das Kaninchen
         flitzt verzweifelt hin und her. Stopp, denke ich. Dann mache ich mich an die
         Zimmerpflanzen: packe die Grünlilien, zerre sie aus den Töpfen,
         zerquetsche die Blätter, zerreiße Wurzeln. Zerbrochene Tontöpfe liegen
         nach einigen Minuten überall im Wohnzimmer herum.»
§   Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder
    schwere dissoziative Symptome
     •   «Auch wenn ich unter Menschen bin, gibt es Momente, in denen sich meine
         Angst verselbständigt. Autos können dann genauso bedrohlich wirken, wie
         Menschen in der S­Bahn. Ich sehe Objekte auf mich zukommen, bekomme
         keine Luft mehr. Von einer Sekunde auf die andere wird alles fremd. Die
         Angst hat mich im Griff und schaltet alles Reale aus. Das ist einfach eine
         andere Welt, wenn sämtliche Sachen auf einmal bedrohlich wirken. Ich fühle
         mich angegriffen und schutzlos. Nur kann ich nicht so einfach davor fliehen.
         Es sind meine eigenen konfusen Wahrnehmungen.»



                                www.seminare-ps.net
Selbstverletzung und Hochrisikoverhalten

§ Selbstschädigendes Verhalten
   • tritt in in 80% der Fälle auf
   • Schneiden, Brennen, Blutabnehmen, auch aggressive
     Durchbrüche
   • Ziel: Reduktion von emotionalen Spannungszuständen
   • Manche erleben ein „Hochgefühl“
§ Hochrisikoverhalten:
   • „Impulsivität bei mindestens zwei potentiell
     selbstschädigenden Aktivitäten: Geldausgeben – Schulden,
     Sexualität – ungeschützt; Substanzmissbrauch – Sucht,
     Infektion; rücksichtsloses Fahren; alleine unterwegs in
     dunklen Parks etc.
   • Sie balancieren zum Beispiel auf Brückengeländern und
     Hochhausdächern, rasen auf der Autobahnen oder verweilen
     ohne suizidale Absicht auf Bahngleisen.



                      www.seminare-ps.net
                     Suizidalität

§ Suizidalität ist bei
  Borderline-Patienten
  häufig.
§ Wiederholte
  Hospitalisation wegen
  Suizidversuchen.




                     www.seminare-ps.net
       Verlauf von Borderlinestörungen

       § Fachartikel von Zanarini et al 2004
§ Borderline ist keine „stabile“ Diagnose, sondern kann
  selbst bei schwer Kranken nach Jahren deutlich nachlassen.
§ Allerdings bleiben andere Probleme, insbesondere
  Depression und Ängste deutlich häufiger.
§ Die folgenden Folien zeigen die Unterschiede: Wenn sich
  die Störung auch sechs Jahre später noch nachweisen liess,
  so bestanden häufig zusätzliche Probleme wie etwa
  Drogensucht, Essstörung, post-traumatische Störungen und
  Ängste. Diese Begleitprobleme erschweren die
  Lebensbewältigung.


                            www.seminare-ps.net
  Komorbidität bei Borderlinestörungen




wenn BPD auch nach 6 J. immer noch vorhanden war:
deutlich mehr Begleitprobleme. nach Zanarini 2004
                  www.seminare-ps.net
Komorbidität bei Borderlinestörungen




wenn BPD nach 6 J. nicht mehr diagnostizierbar:
deutlich weniger Begleitprobleme.
                                       nach Zanarini 2004
                 www.seminare-ps.net
            Hinweise zur Vertiefung

§ Lesen Sie Kapitel 2 im
  Buch „Die zerrissene
  Seele“. Achten Sie
  insbesondere auf die
  Darstellung der
  „Abwehrmechanismen“,
  wie sie von Kernberg
  beschrieben wurden.




                    www.seminare-ps.net
                  Ressourcen

§ Eine Sammlung von Büchern und hilfreichen
  Internet-Links zum Thema finden Sie auf dieser
  Homepage:




§ www.seminare-ps.net


                   www.seminare-ps.net

				
DOCUMENT INFO
Shared By:
Categories:
Tags:
Stats:
views:0
posted:5/13/2014
language:German
pages:34