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Jenseits 10

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unabhängige Jugendzeitung in der 10.Ausgabe, teil des KuKuMA Netzwerkes

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9/27/2008
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IMPRESSUM michael chvatal, irene schanda, anna fox, wilhelm hejda, alex huber gäste: noemi schabauer, andi pianka, thomas reschenried, mitarbeiterInnen: vroni geiger, clara reimnitz, layout: michael chvatal druck: KuKuMA, auflage: 1500 träger-verein: KuKuMA- Netzwerk für Kunst Kultur und Medien Alternative nicht danke: an zuviele, um darüber stundenlang nachzudenken... danke: an alle die alternative kultur fördern und diese auch leben. projekte: KuKuMA-gruppen toleranz redaktions-team: friederik einheim, ausgabe: nr. 10 jänner 2008 geschichte: 9/11 mal anders serie: es ist möglich 1 foto: toleranz poster freie spende wer R-Fehler findet darf sie behalten nächste ausgabe erscheint april 2008 wir brauchen raum! reportage: die wiener tafel kontakt: jenseits@kukuma.info keine konzertkritik wien und weg: veranstaltungskalender frauen in der philosophie: rahel varnhaagen freiraum für LeserInnen: sabotage buch: die rote zora erzählwettbewerb: contra: grenzen der toleranz perspektiven: lilli, knopf und käfer gedicht: die parabel vom singenden stern einfach so: die b.max verschwörung pro: mehr toleranz 2 WERBUNG VERANSTALTUNGSKALENDER 31 KOSTNIXLADEN KostNixLaden Weil es auch ohne Geld und Wertung geht. Kleidung, Bücher, Spiele uvm. Regelmäßig im Vekks zu folgenden Zeiten: MO, DO & FR 15:00 - 20:00 [an Feiertagen teilweise geschlossen] Gemeinsames Fahrradfahren bei jedem Wetter! damit Wien eine Rad Stadt wird. Jeden 3. Freitag Treffpunkt (16h30) Margaretenplatz. Die nächsten Termine: FR 18.1. 08 im Anschluss Radball in der i:da FR 15.2., FR 21.3. LOKATIONS vekks Zentagasse 26, 1050 http://vekks.yi.org/ kaleidoskop Schönbrunnerstr. 91, 1050 http://kukuma.info/ kaleidoskop MÄRCHENABEND Einmal im Monat gibt es den Märchenabend. Lesung und Musik, (moderne) Märchen und gutes Essen ermöglichen den Blick auf eine andere Welt und ein wenig Pause vom Alltag. SO 27.01. Kaleidoskop 18h MI 26.02. uoqbon, ab 20h FILMEABEND FilmAbende jeden MO ab 19h im uoqbon jeden DI ab 19h in der i:da + Volkxküche jeden 2. und 4. DO ab 20h im Kaleidoskop i:da Zwölfergasse 9, 1150 http://ideedirekteaktion.at/ HÄNGEMATTENCAFE Hängemattencafe um die Woche gut ausklingen zu lassen jeden 3.Sonntag im Kaleidoskop Schönbrunnerstraße 91 SO 20.1. SO 17.2. SO 23.3. uoqbon Geiblergasse 23, 1150 http://uoqbon.obda.net/ Es ist nicht einfach, Zeitung ohne Werbung zu machen, aber wichtig. Förder-Abonomente: 4 Ausgaben 20€. (jenseits@kukuma.info) Jamsession + Vokü jeden 1.SO ab 18h im Tüwi Tüwi Peter-Jordanstr. 76, 1190 http://tuewi.action.at/ einbaumöbel guertelbogen 97 alserstr <=> AKH http://www.myspace.com/ einbaumoebel FRAUENSTIMMENFEST Musik von Frauen für Frauen. Von Janis Joplin über Hildegard Knef bis Björk. jeden ersten samstag im monat SA 2.2. SA 1.3. ab 20h im kaleidoskop jeden Montag Cafébetrieb bei Österreichs eiziger Wagenburg ab 19h jeden DO ab 19 uhr freestylesession im einbaumöbel. jeden FR bastelsession critical mass Margaretenplatz, 1050 Wien http://www.criticalmass.at/ wagenplatz 73A Pantucekgasse, dann schildern folgen. 1110 FREESTYLESESSION Wien http://wagenplatz.at/ WIEN UND WEG? Wo spielt eigentlich in Wien der Untergrund? Wien gilt gemeinhin als übersichtlich und ein wenig verschlafen. Was in den großen Metropolen Europas zu hauf existiert, meint man in Wien kaum zu finden. Die Szene gilt als übersichtlich und gut durchkommerzialisiert. Doch dies ist nur die Wahrnehmung. Auch in Wien gibt es viele Alternativen zu den Standardgeschichten. Was ich überhaupt meine? Nun, Untergrund ist für mich Freiraum in welchem Freundeskreise auch den Standardfortgeher/innen ihr Verständnis von Party und Musik präsentieren. Abseits von House und fadem Radiogedudel, nur im Vollrausch ertragbarem Musikdreck, existiert der gute Geschmack meist doch. Da Otto-Normal nur frisst, was er kennt, sind diese Veranstaltungen bisweilen nur spärlich besucht, was natürlich zum Konsum des Standards verleitet. Da dort mehr Leute herumrennen. Doch so einige Freundeskreise knüpfen derzeit ein Netz, um mehr Resonanz und bessere Partizipation möglich zu machen. So, Otto und Anna kennen nur R‘n‘B, House, Pop, Reggae, 70‘ties? Also die Überbegriffe für ein breites Musikspektrum? Ja natürlich, es gibt auch Ska, Drum&Bass und Ragga. Doch was zum Kuckuck ist 2Step oder Dub? Neulich flog ich im Mon Ami über einen Flyer der auf eine Veranstaltung im Elektro Gönner aufmerksam machte: „dub around“. Neugierig geworden, stolperte ich an einem Dienstag nach der Hacken dorthin und bekam ein Klangerlebnis geboten, das Abseits vom Stieleinheitsbrei doch sehr flüssig und vielfältig war. So landete ich auch eines Abends im Kaleidoskop. Dort gab es das Bier für unter 3 Euro, ich glaube so 2,50€ herum. Das Lokal war sehr legèr und erinnerte mich an einen Berlinaufenthalt. Auch um die nervige Sperrstunde scherte man sich einen Dreck. Ein echter Freiraum, in dem ich gerne in Kauf nahm, eine Tagesmitgliedschaft gegen eine freie Spende zu tätigen. So kam ich schliesslich auch in einer faden Minute bei der Hacken auf die Websides kukuma.info und unkomliziert.org. Dort eröffneten sich mir neue Welten. Eine alternative Vernetzungsplattform, die offensichtlich noch am entstehen ist, mir aber schon einen Überblick und Links zu diversen alternativen Lokalen verschaffte. Dass im Kost-Nix-Laden auch Partys steigen, wo VoKü‘s stattfinden. OK, für Anna & Otto: VoKü‘s sind sogenannte Volksküchen, die gegen eine freie Spende eine warme Mahlzeit anbieten, zum Plauschen und Essen einladen. Apropos Essen, mein Magen meldet sich, ich werde euch mit weiteren Tipps vielleicht in der nächsten Ausgabe wieder verwöhnen. Bis dahin eine spannende Zeit, euer Thomas Reschenried. INHALT 3 EDITORIAL eine neue ausgabe liegt vor euch; Wieder ist viel Arbeit in sie geflossen, haben wir viel Zeit damit verbracht Texte zu schreiben und aus verschieden Fragmenten eine gemeinsame Zeitung zu bauen. Auch sonst stellt diese Ausgabe eine Besonderheit dar; zehn Mal ist „Jenseits“ jetzt im Laufe der letzten Jahre erschienen. Die Nummer zehn stellt aber auch insofern einen Neubeginn dar als das Jenseits in Zukunft nun vier mal im Jahr/ alle 3 Monate erscheinen wird. Doch nicht nur deswegen ist sie besonders, auch das Thema unserer Nr.10 ist wichtig. „Toleranz“ ist ein überstrapazierter Begriff in unserer Gesellschaft. Die Bereiche wo „sie“ aktiv gelebt wird werden weniger/bzw. waren für viele Menschen nie gegeben. Wir sind zu dem Thema gekommen als wir gerade dabei waren Vorschläge für Artikel und Ideen für´s Thema zu sammeln. Nach langem Hin und Her, Diskussionen von Bildung über Drogen kamen wir schließlich zu „Angst“. Und dann die entscheidende Überlegung: „wir wollen keine Angst – wir wollen Toleranz“– in diesen Sinne, viel Spaß beim Lesen kraft, friede, freiheit, die redaktion INHALT toleranz: sprechblasen reportage: die wiener tafel serie: es ist möglich 1 geschichte: 9/11 mal anders einfach so: die b.max verschwörung foto: toleranz buch: die rote zora poster frauen in der philosophie: rahel varnhaagen gedicht: die parabel vom singenden stern wir brauchen raum! freiraum für LeserInnen: sabotage perspektiven: lili, knopf und käfer pro: mehr toleranz contra: grenzen der toleranz erzählwettbewerb: keine konzertkritik projekte: KuKuMA-gruppen wien und weg: veranstaltungskalender 4 6 8 10 12 14 15 16 18 19 20 21 22 24 25 26 27 28 30 KALEIDOSKOP WIRD EINS FR 25.1.08 ab 15 Uhr: Offen ist + Buffet (freie Spende) + Tee/Punch. 16 Uhr: Austellungseröffnung (Photos: Photo Gruppe, Bilder: Künstler Gruppe und wer auch immer was zur Verfügung stellt) 17 Uhr: Lesung (Märchengruppe, Literaturgruppe) und Beiträge von Frauenrat und GenderFuck 19:00: Best of hostedby 19:30: Pause / Chillout / Recoverytime / Zeit zu plaudern 20:00: Kleines Konzert , anschließend: Jamsesssion 21:30 Crossover Auflegerei: Kaleidoskop - Allstars Open end 4 JENSEITS PROJEKTE 29 toleranz bedeutet für mich, jedem menschen, jeder lebensweise, jedem wort, jeder idee gegenüber einen gewissen grundrespekt zu erbringen, egal ob diese mit meinen prinzipien und meinungen übereinstimmen. tolerant zu sein bedeutet meiner meinung nach aber nicht, dinge die ich als falsch empfinde einfach hinzunehmen. intolerant bin ich gegenüber allem und jedem/r, das/der/die sich anderen und anderem gegenüber intolerant verhält und/oder ihnen/ihm/ihr willentlich schaden zufügt. die freiheit des einen endet wo die der anderen beginnt?! meine freiheit endet wo die des polizisten mich zu prügeln beginnt? da halt ichs eher mit schopenhauers mitleidsethik – die sache mit der toleranz lässt sich ebenso wenig vereinfachen… MEDIEN ALTERNATIVEN webseite unsere Web-Präsenz. Gesucht werden ÜbersetzerInnen (Deutsch-Englisch), KorrektuleserInnen, und Feedback. luis@kukuma.info http://kukuma.info/de/groups/documentati- für mich ist toleranz auf andere und ihre bedürfnisse/ wünsche/ träume rücksicht zu nehmen aber auch der Versuch auf sich selbst und was ich tue acht zu geben. wenn ich den blick für mich selbst verliere, merke ich nicht, wo grenzen von anderen (aber auch meine eigenen) liegen; bildlich gesprochen: meinen eigenen garten pflegen und nicht zu sehr in den beeten der anderen herum trampeln. on-/-developement malereikunstgruppe: farbtopfen Gemeinsames Malen, Disskutieren über Kunst und Ausstellungen lilli // 069910746002 http://kukuma.info/de/groups/farbtopfen vernetzungs arbeit wien Weil wir gemeinsam weiter kommen. Du bist bei einer tGruppe/ einen Projekt oder einen Verein dabei und ihr wollt wissen was anderswo passiert und euch austauschen? Beteiligt euch bei der Vernetzungsarbeit. office@kukuma.info http://kukuma.info/de/groups/vernetzungsarbeit improviationstanz im Auf bau und auf der suche nach Raum. bihascha222@yahoo.de „http://de.wikipedia.org/wiki/Latein“ „http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz“Toleranz „http://de.wikipedia.org/wiki/Nennmaß“ „http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz_(Technik)“ siehe HYPERLINK „http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz_(Ökologie)“ „http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz_(Medizin)“Toleranz (Medizin) „http://de.wikipedia.org/wiki/Frustrationstoleranz“Frustrationstoleranz“ „http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz_(Begriffsklärung) (16. April 2007, 14:00) „Toleranz (v. lat.: tolerare = ertragen, (er)dulden) bezeichnet: die ruhige Duldung von abweichenden Meinungen oder Aktivitäten anderer Menschen, die zulässige Abweichung eines Bauteils vom Nennmaß, die Widerstandsfähigkeit eines Lebewesens gegenüber der Änderung eines bestimmten Umweltfaktors, die Anpassung eines Organismus an ein Gift oder Allergien, die Fähigkeit, Enttäuschungen zu kompensieren rumpelwichte die Stadt ist Lebensraum für uns alle! eulalia.rumpelwicht@utanet.at http://kukuma.info/de/groups/die-rumpelwichte filmgruppe du bist am Filmen oder hast Ideen für Filmprojekte? Dich interessiert der Austausch oder das gemeinsame Anschauen und analysieren von Filmen. josi.ahnelt@aon.at partyzipation, eventgruppe Hier bist du richtig wenn du Interesse daran hast größere Events (mit) zu organisieren. > office@kukuma.info 28 ALTERNATIVE JENSEITS 5 KUNST KULTUR UND über das netzwerk KuKuMA = kunst kultur und medien alternativen. Ein offenes und unabhängiges Netzwerk bestehend aus verschiedensten Projekten (Jenseits ist z.b.: eines dieser Projekte). Wir arbeite und agieren gemeinsam um Alternativen zu ermöglichen und Ideen zu realisieren. Es gibt mehre Gruppen die alle auf eigenen Beinen stehen und dezentral organisiert werden. Zusätzlich zu den Gruppen gibt es noch organisatorische und utopisches Plena(=regelmäßiges Treffen), wann genau diese stattfinden könnt ihr auf der KuKuMA Homepage unter Termine nachlesen. Da uns ein freier Zugang wichtig ist, ist die Teilnahme bei allen regelmäßigen Projekten/Gruppen kostenlos. Niemand soll bei uns aufgrund finanzieller Lage die Teilnahme bei Projekten verwehrt bleiben. Auch kann sich jeder und jede kann sich in den Gruppen einbringen (do it yourself). Wenn ihr regelmäßige Infos über Aktivitäten der Gruppen haben wollt so könnt ihr euch auf der KuKuMA Homepage anmelden und diese (mittels rss feeds) abonnieren. Folgende Gruppen sind momentan fixe Teile des KuKuMA- Netzwerks: „die erklärung von prinzipien der toleranz, von den mitgliedstaaten der unesco auf der 28. generalkonferenz verabschiedet.“ WAS DIE UNESCO UNTER TOLERANZ VERSTEHT ARTIKEL 1: „bedeutung von ‘toleranz’“ „1.1 Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt. Gefördert wird sie durch Wissen, Offenheit, Kommunikation und durch Freiheit des Denkens, der Gewissensentscheidung und des Glaubens. Toleranz ist Harmonie über Unterschiede hinweg. Sie ist nicht nur moralische Verpflichtung, sondern auch eine politische und rechtliche Notwendigkeit. Toleranz ist eine Tugend, die den Frieden ermöglicht, und trägt dazu bei, den Kult des Krieges durch eine Kultur des Friedens zu überwinden.“ „1.2 Toleranz ist nicht gleichbedeutend mit Nachgeben, Herablassung oder Nachsicht. Toleranz ist vor Allem eine aktive Einstellung, die sich stützt auf die Anerkennung der allgemein gültigen Menschenrechte und Grundfreiheiten anderer. Keinesfalls darf sie dazu mißbraucht werden, irgendwelche Einschränkungen dieser Grundwerte zu rechtfertigen. Toleranz muß geübt werden von Einzelnen, von Gruppen und von Staaten.“ „1.3 Toleranz ist der Schlußstein, der die Menschenrechte, den Pluralismus (auch den kulturellen Pluralismus), die Demokratie und den Rechtsstaat zusammenhält. Sie schließt die Zurückweisung jeglichen Dogmatismus und Absolutismus ein und bekräftigt die in den internationalen Menschenrechtsdokumenten formulierten Normen.“ „1.4 In Übereinstimmung mit der Achtung der Menschenrechte bedeutet praktizierte Toleranz weder das Tolerieren sozialen Unrechts noch die Aufgabe oder Schwächung der eigenen Überzeugungen. (…)“ fotografie gemeinsame Fotospaziergänge, s/w entwickeln, Ausstellungen, Tipps Tricks und Techniken... michi // 069910945556 http://kukuma.info/de/groups/photographie jugendzeitung jenseits offenes Zeitungsprojekt... liegt vor dir und über Leute die sich (in welcher form auch immer) beteiligen wollen (Schreiben, Fotos, Zeichnungen, Feedback, etc.) freuen wir uns... mail to: jenseits@kukuma.info http://kukuma.info/de/groups/narrenfreiheit senioren Für alle die glauben für all das schon zu alt zu sein. immanuel.rohringer@reflex.at http://kukuma.info/de/groups/senioren (feuer) jonglage gemeinsames Jonglieren (Stab, Ball, Keulen, Pois, Flower/ Devil Sticks) in der Halle (jeden 2. und 4. Sonntag) oder mit Feuer bei der Urania Brücke (Termine variieren, auf die Homepage schauen) willi: 069910251561 http:// kukuma . info/de/groups/ jonglieren kaleidoskop, offener raum Du sucht Raum um mit Anderen gemeinsam kulturellen Platz zu schaffen und zu gestallten? Weggehen ohne Konsumieren zu müssen und mit der Möglichkeit sich zu Beteiligen? Das Kaleidoskop sucht gute uns ausgefallene Ideen, Leute die Zeit haben (Bardienste, organisatorisches, etc.). Wo? Schönbrunnerstraße 91, 1050 http://kukuma.info/kaleidoskop „To l e ranz (oder: das Tolerieren) kommt vom lateinischen Verb tolerare – (von tolus: Last) und bedeutet ursprünglich: ertragen, durchstehen, aushalten oder erdulden. Toleranz beschreibt die Fähigkeit, generell jegliche Form des Andersseins oder Andershandelns (andere Ansichten, -Herkunft, -Sexualität, -Moral, -Religion, -Maßhaltigkeit (technisch) usw.) unangetastet bestehen zu lassen. Erst wenn ein gewisses Maß, die Toleranz-Schwelle, überschritten ist, kommt es zu Reaktionen. Dort wo gar keine Abweichung erlaubt ist herrscht die Intoleranz. (…) Toleranz als gutmütige „Duldung“ ist aber nicht gleichbedeutend mit Übereinstimmung und stellt die Vorstufe zur Akzeptanz dar.“ regelmäßige märchenabende http://kukuma.info/de/groups/maerchen literaturgruppe narrenfreiheit Offenes Literaturprojekt. Feedback für deine Texte, Lesungen, experimental Literatur, gemeinsam veröffentlichen. deregger@reflex.at http://kukuma.info/de/groups/narrenfreiheit „http://de.wikipedia.org/wiki/Latein“ „http://de.wikipedia.org/wiki/Akzeptanz“ „http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz 16“ http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz (16. April 2007, 14:00) ( HYPERLINK „http://www.unesco.de/447.html“http://www. unesco.de/447.html, 13. April 2007 16:52) 6 REPORTAGE JENSEITS 27 schätzungen zufolge landen etwa 50% aller produzierten backwaren im müll. industrie und gastwirtschaften vernichten jeden tag unzählige Tonnen einwandfreier lebensmittel. auf der anderen seite leiden, trotz unseres angeblich so dichten sozialen netzes, viele menschen hunger. karitative einrichtungen können sich mit ihren förderungen kaum über wasser halten, geschweige denn ihren schützlingen ein differenziertes nahrungsangebot zur verfügung stellen. die wiener tafel bemüht sich, diesen widerspruch zu überwinden. „Seit zwei Jahren fahren wir jetzt miteinander und seitdem liebt sie mich“, sagt Robert und lacht. Robert und Gerti, zwei rüstige Rentner, transportieren einmal wöchentlich für die Wiener Tafel Lebensmittel aus dem Groß- und Einzelhandel, die sonst weggeschmissen werden, zu karitativen Einrichtungen. „Wenn einer obdachlos ist, dann frag ich nicht warum dem das passiert ist, dann schau ich, wie kann ich dem helfen. Bei der Tafel weiß ich, dass ich meine Zeit sinnvoll nutze“, meint Robert auf die Frage zu seiner Motivation einen Teil seiner Freizeit diesem sozialen Projekt zu spenden. Es ist 10 Uhr früh, die erste Station auf der Tour der beiden ehrenamtlichen Helfer führt zu einem großen Supermarkt im neunzehnten Bezirk. „Was genau wir dort abholen und wie viel es ist, wissen wir im vorhinein nicht. Wir schauen, dass wir die Lebensmittel, die wir erhalten gerecht auf die Einrichtungen, die wir beliefern, verteilen. Aus unserer Erfahrung können wir schon abschätzen, wer was braucht.“ Im Lager des Supermarktes bekommen wir diesmal zwanzig Kisten Fruchtsaft und einige Kartons Toastbrot und Joghurt. Die Ware ist einwandfrei in Ordnung und nicht abgelaufen, würde aber als Überschuss weggeworfen werden. täglich tonnenweise „müll“ Falsch etikettierte Ware, leicht beschädigte Verpackung, überschüssige Produktion. All das rettet die Wiener Tafel seit acht Jahren vor dem Müll und bringt es zu den Menschen, die es am nötigsten brauchen. Das sind hauptsächlich Bewohner von Heimen für Obdachlose, Asylwerber sowie Frauen- und Männerheime. Etwa 60 soziale Einrichtungen erhalten mehr oder weniger regelmäßig Lebensmittelspenden, einige von ihnen können nur durch die Arbeit der Tafel ein differenziertes Essensangebot aufrecht erhalten. Gesammelt wird alles was die „Kunden“ benötigen könnten. Meistens sind das Lebensmittel, doch wenn ein Großhändler eine Lastwagenladung DVD-Player oder Damenbinden abzugeben hat, wird auch das an den notleidenden Mann gebracht. Tabu sind Lebensmittel deren Ablaufdatum überschritten ist sowie Essensreste von Buffets. Die Bedürftigen sollen kein „Essen zweiter Klasse“ erhalten. Der Betrieb wird fast WIENER ausschließlich durch Spenden aufrecht erhalten, den Löwenanteil machen dabei Sach- und Geldspenden von Firmen aus. Ein deutscher Autohersteller stiftete den Kühltransporter, eine Tankstellenkette stellt Benzingutscheine bereit und etwa 100 Ehrenamtliche spenden ihre Freizeit als Fahrer, im Vereinsvorstand oder in der Verwaltung. Seit kurzem gibt es drei bezahlte Bürokräfte, nachdem sich der organisatorische Aufwand auf rein ehrenamtlicher Basis nicht mehr aufrecht erhalten ließ. unbürokratisch und effektiv helfen Die erste soziale Einrichtung, die Gerti und Robert an diesem Tag anfahren, ist ein Flüchtlingsheim der Diakonie in der Glasergasse. Ein paar junge Sozialarbeiter entladen den weißen Kleinlaster in Windeseile. 4 Kartons mit Saft, ein paar Packungen Toastbrot und zwei Steigen Joghurt. Das ist die Ration, die jeder Einrichtung heute zusteht. Nur etwa fünf Minuten hält der weiße Mercedes Sprinter vor dem Flüchtlingsheim. Dann ist die Tafel schon wieder zur nächsten Station unterwegs. Sowohl die Abholung, als auch das Abliefern der Speisen kommt ohne lähmende Bürokratie aus. Kein Lieferschein, keine Unterschrift, kein Protokoll. Als nächstes fahren wir zu einem anderen Flüchtlingsheim im Achten. Wieder ist die ganze Prozedur in wenigen Minuten erledigt. Zeit für einen Plausch mit den Bedürftigen oder den Sozialarbeitern bleibt nur selten. Meistens lässt der Zeitplan keine längeren Pausen zu. Zudem steht der Kleinlaster fast immer im Halteverbot wenn entladen wird. Manchmal ergibt sich aber doch die Möglichkeit vor Ort einen Kaffee zu trinken und sich ein Bild von der Lage der Menschen zu machen, denen man Tag für Tag eine Mahlzeit beschert. Es gibt immer wieder jene motivierenden Erlebnisse wenn man vorfährt und eine Schar Kinder die Ladefläche stürmt und sich über ein paar Kisten Schokopudding überschwänglich freuen. wenn mensch auf eine party geht, hat mensch lust, auch mal jenseits jeglicher gesellschaftlicher zwänge spaß zu haben und abzufeiern. und zu solchen zwängen gehört in manchen kreisen auch die gute, nun nicht mehr sooo junge political correctness. so weit, so gut oder schlecht. da heißt es, ja nicht in den verdacht zu kommen, der bösen bürgerlichen gesellschaft anzugehören, denn die ist wirklich so was von bös. aber wenn wir unter uns sind, ist alles gut. denn wir sind ganz sicher antirassistisch, antisexistisch usw... und wenn wir uns feiern wollen, dann feiern wir uns. PARTYTIME!!!! YEAH!!!! wir, die guten, feiern uns dann also. z.b. heißen wir kukuma und feiern uns zweijahrestagsbedingt im tüwi. und dazu laden wir bands ein. eine überaus nette erste band. da kommt freude auf, nämlich ehrliche. dann die zweite band. daß die beiden weiblichen personen eher nebenstimmen und nebentanz ausführen, ist kein drama, wenn man(n) nicht jede etwas traditionellere rollenverteilung auf der bühne gleich für tiefsten sexismus hält. man(n) hat kein so großes problem damit. so weit, so gut oder schlecht. irgendwann aber nimmt sich der band-chef(?) bei einem lied die freiheit, die beiden weiblichen personen auf der bühne als seine quasilustsklavinnen zu missbrauchen. nein, er tut ihnen nicht körperlich weh, das nicht, aber er zeigt dem publikum, wo der platz des herrschenden mannes und wo des dienenden weibes sei. nicht im scherz, sondern anscheinend ernst. und das weib macht brav mit. so ein griff um die weibliche hüfte ist ja kein verbrechen. denn die weibliche hüfte gehört ja nicht dem weib, sondern dem mann. ist ja klar. und man(n), der gar nicht mal sooo radikalemanzipiert ist, schaut sich diese szenerie an und ihm ist nach kotzen. da tritt einer als hauptact(?) einer linken(?)/liberalen(?)/alternativen(?) veranstaltung auf und nimmt KEI NEK ONZ ERT KR I T IK von Andi Pianka sich die freiheit(???), dem publikum vorzuführen, was seiner steinzeitlichen meinung nach die rolle der frau ist. und man(n) im publikum respektiert ja die freiheit der kunst. man(n) im publikum ist z.b. kein großer fan von verboten rechtsextremer konzerte, weil man(n) dies als eingriff in die freiheit der kunst empfindet. aber man(n) fühlt sich von DIESER szenerie angeekelt. da wird vorgeführt, da wird eine frau von einem mann vorgeführt, da wird auf der bühne viel ärgeres getrieben als auf so manch anderen traditionelleren/ konservativeren konzerten, die man(n) schon besucht hat.und dann findet sich eine mutige. SIE lässt sich die szenerie nicht gefallen. SIE erklimmt die bühne und sagt dort durch’s mikro ihre mei- nung zu diesem würdelosen schauspiel. aber kaum wer hat interesse an ihren worten. der herr lustsklavinnenvorFÜHRER meint, die ruhestörerin hätte seine intentionen nicht verstanden. und das publikum tanzt seelenruhig weiter, als ob es der wiener kongreß wäre. partyspaß verderben? bitte nicht! denn was macht schon so eine szenerie, wenn wir abfeiern wollen? abgesehen davon, dass uns die szenerie ja eigentlich ohnehin gefällt. denn nur die anderen sind böse. nur die anderen sind sexistisch, weil sie bösböse bürgerliche sind. aber wir linksalternativen gutmenschen sind ja niemals sexistisch. wir finden die traditionellen geschlechterrollen zwar an sich nicht so schlecht, aber das dürfen wir nicht zugeben, wenn wir gute, brave linke sein wollen. man(n) stellt fest, dass nach der von einer mutigen geäußerten kritik männer wie frauen brav weitertanzen. man(n) beschließt darauf, diesen ort des grauens baldigst zu verlassen. nicht ein konzertabbruch, aber sehr wohl eine form des protestes hätte ein zeichen sein können. ja, auch der autor dieses textes gesteht, „nur“ gegangen zu sein, ohne sonstige protestspuren hinterlassen zu haben (bloß eine persönliche lobaussprechung für die mutige). er besteht auch nicht darauf, sich vorbildlich verhalten zu haben, nein, er ist selber oft für manches zu schüchtern, aber wenigstens war er der ansicht, dass da einiges recht fragwürdig war. und das, obwohl er ein bereits sein viertes bier trinkender war. aber ob sich auch andere gefragt haben, ob sie da richtig sind? ein jenseits von zwängen ist ja begrüßenswert – die frage ist halt, ob es würdig und recht ist, auf der bühne eines „alternativen“ festes seinen männlichen besitzanspruch über das weibliche geschlecht derart intensiv vorzuführen. und vor allem, wieso dieses verhalten so gut ankommt - sogar unter selbsternannten modernen gesellschaftskritikerInnen … 26 JENSEITS REPORTAGE 7 TAFEL für Social Responsibility gibt. Momentan befindet sich die Tafel in Verhandlungen mit Österreichs größter Einzelhandeskette. Die Grenze des Machbaren ist noch lange nicht erreicht. Am 24.5. darf der Verein im Rahmen eines Festes beim Wiener Schwedenplatz ihren zweiten Lieferwagen entgegennehmen, womit der Verein ein tägliches Volumen von drei Tonnen Lebensmitteln transportiert. Dass die geleistete Arbeit nur Symptombekämpfung ist und das Problem der Armut nicht an der Wurzel packt, ist den Betreibern der Tafel durchaus klar. Mit Vorträgen an Bildungsein richt ungen und Werbekampagnen bemüht man sich bei den Menschen ein Umdenken über den sorgsamen Umgang mit Nahrung und das Verteilungsproblem in unserer Gesellschaft zu erreichen. Bis dieses Umdenken erreicht ist, kann die Wiener Tafel stolz darauf sein, Gerechtigkeit zu leben und nicht nur über sie zu reden. text von alex huber E-mail mit Text und Name der Autorin/ des Autors an jenseits@kukuma.info Einsendeschluss ist der 08.03.2008 die erfolgsgeschichte food bank Die Idee, Nahrung von dort, wo ein Überschuss herrscht, abzuholen und dorthin zu bringen, wo sie wirklich benötigt wird, stammt aus den USA. 1982 eröffnete eine New Yorkerin, die bis dahin in einer Institution für die Ausspeisung Obdachloser tätig war, die erste Food Bank der Welt. Ihre Idee diente als Vorbild für über 850 ähnliche Projekte allein in Europa. Die Wiener Tafel ist der einzige Verein dieser Art in Österreich und arbeitet auch in wesentlich kleinerem Rahmen als zum Beispiel die Kollegen in Deutschland. Die Berliner Tafel rettet täglich fünfzehn Lastwagenladungen voll mit Lebensmitteln. In Wien beschränken sich die Ressourcen auf nur ein Fahrzeug, das täglich im Einsatz ist. die zukunft: verwerten statt vernichten? „In Österreich kooperieren die Unternehmen mit uns nicht so gut wie in anderen Ländern. Aber im Vergleich zu früher hat sich vieles schon gebessert.“, meint Judith Gschwandtner, sie ist in der Verwaltung der Wiener Tafel tätig. Obwohl durch die Arbeit der Tafel eine winwin-Situation für Groß- und Einzelhandel, sie sparen sich die Kosten für die Entsorgung der Überproduktion, wie für die Bedürftigen entsteht, sträuben sich viele Konzerne mit der Tafel zusammenzuarbeiten. Zu groß ist die Angst vor dem Prestigeverlust wenn ruchbar würde, dass die Vernichtung von Lebensmitteln zur Geschäftspraxis der Nahrungsindustrie gehört. Manche Besitzer von Supermarktfilialen müssen unter Geheimhaltung der Tafel ihren Überschuss spenden. Anweisung der Konzernleitung: weghauen statt weitergeben. Anders stellt sich die Situation in Deutschland dar. wo die Tafeln vielerorts in das soziale System integriert sind. Auch an dieser Front ändert sich die Lage langsam zum Besseren, nachdem es in vielen Konzernen nun eigene Beauftragte Erzähl zu dem Bild eine (Kurz-) Geschichte Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, alles (Gedicht/ Märchen/ Erzählung etc.) ist möglich. Alle Texte die Platz haben kommen in die nächste Ausgabe von „Jenseits“ und werden auf der Homepage veröffentlicht. 8 SERIE CONTRA 25 die möglichkeit politischer einflussnahme am beispiel der frauenbewegung in europa, von friederik einheim ES IST MÖGLICH kaum ein mitmensch ist wirklich mit allem zufrieden – seien es die Entscheidungen in der hohen politik, diskriminierung am arbeitsplatz, unzumutbares verhalten von lehrpersonal, nutzlose ams-kurse zu denen mensch verpflichtet wird oder einfach das klima der intoleranz in diesem – unserem? - staat. es ist viel im argen und den meisten ist das eigentlich klar. Es stellt sich die Frage: Warum reagieren so wenige Menschen auf diese Missstände und warum agieren noch weniger, wo doch so viele derart unzufrieden sind? Die Antwort, die man nur allzu oft zu hören bekommt, wenn man einen Mitmenschen beim Jammern unterbricht und fragt, warum er denn nichts unternehme gegen den Grund seiner Unzufriedenheit lautet nur allzu oft: „Da kann ich ja eh nichts dran ändern und es gibt ja keine Partei, der man noch vertrauen kann.“ Dass es sehr wohl möglich ist, Einfluss auf die Entwicklung unserer Gesellschaft zu nehmen, will ich mit den folgenden Artikeln anhand einer Bewegung beweisen, deren Siege größtenteils mit Verzicht auf Gewalt und außerparlamentarisch erreicht worden sind. Die europäischen und amerikanischen Frauenbewegungen haben fraglos enorme Veränderungen bewirkt und eine ganze Reihe an Zielen durchgesetzt. Auch wenn der Weg zur vollkommenen Gleichberechtigung noch ein langer sein mag sind heutzutage gewisse Grundrechte selbstverständlich, die noch in früheren Abschnitten unserer Gesellschaftsentwicklung undenkbar gewesen wären. Als markanteste Errungenschaften seien hier genannt: -) Anwendung der Menschenrechte auf Frauen -) Recht auf Bildung -) Wahlrecht -) Rechtliche Gleichstellung in der Ehe rungen aufgrund ihres Werkes erleben durfte ist die längerfristige Auswirkung beträchtlich. Nach dem Tod ihres Mannes ist sie in Besitz einer kleinen Bibliothek und die wohl belesenste Frau ihrer Zeit. Sie verdient den Lebensunterhalt für sich, ihre Mutter und ihren Sohn als Autorin und ist die erste Frau, welche historische Arbeiten veröffentlicht. „Das Buch von der Stadt der Frauen“ beinhaltet zwar teilweise durchaus historische Methoden und Fragestellungen, ist stilistisch allerdings eher literarisch als wissenschaftlich. Pizan beschreibt einleitend das Frauenbild, welches sie in sämtlicher Literatur vorfindet und stellt fest, dass dieses im Widerspruch zu ihren eigenen Erfahrungen steht. „…in allen möglichen Abhandlungen scheinen Philosophen, Dichter, alle Redner (ihre Auflistung würde zu viel Raum beanspruchen) wie aus einem einzigen Munde zu spre- GRENZEN Niemand möchte gerne intolerant sein. Auch der intoleranteste Mensch würde sich selbst als eher tolerant beschreiben. Es ist gut, dass die Toleranz in unserer Kultur einen derart hohen Stellenwert hat, denn ohne sie ist ein friedliches Miteinander unmöglich. Falsch verstandene Toleranz birgt dern am Gedanken der Toleranz etwas grundlegend falsch verstanden. Wer einem anderen Menschen seine Freiheit nicht gönnt, der will sie ihm wegnehmen und wird das tun, wenn man ihm das gestattet. Dennoch tolerant zu sein, dafür gibt es nicht einmal allerdings einige Risiken. Oft wird die Toleranz mit uneingeschränkter Akzeptanz verwechselt, mit einem universellen „is-ehalles-leiwand“. Klug angewandte Toleranz traut sich zu kritisieren und gestattet sich eine eigene Meinung. Das aus Christentum und Hippie-Spiritualität entspringende Weltbild der Toleranz ohne Grenzen macht einen Menschen zu einem schwammigen Charakter ohne Ecken und Kanten und eine Gruppe handlungsunfähig da ohne Motivation. Apropos Christentum: Wer dem, der ihn schlägt, auch die andere Wange hinhält, der hat nicht nur ein blaues Auge davongetragen, sonPunkte auf der Gutmenschen-Skala. Der Intolerante fühlt sich in seinem Handeln bestärkt. Wenn er jedoch in seine Schranken verwiesen wird, und zwar durch das Nicht-Tolerieren seines Verhaltens, wird er lernen, dass auch andere Menschen ihre persönlichen Grenzen haben und diese zu respektieren sind. Wir sehen, dass die grenzenlose Toleranz jeden Tiger zur Stubenkatze macht. Eine Krankheit, an der viele alternative Gruppen leiden. Im Bestreben um größtmögliche Toleranz gleiten sie in größtmögliche Profillosigkeit und Beliebigkeit ab. Großzügig ausgelegte Toleranz und Konsens um jeden Preis führt zu einem Weltbild, in dem es kein richtig und falsch geben darf. Die subjektive Ansicht wird der Angst, vielleicht zu diskriminieren und somit anzuecken, geopfert. Eine richtig verstandene Toleranz impliziert, dass sie in manchen Fällen nicht zur Geltung kommen kann. Eine – selbstverständlich gewaltfrei – gelebte Intoleranz zeugt von der notwendigen Courage, nicht immer von jedem gemocht zu werden. DER text von alex huber Alle diese Ziele wurden gegen erheblichen Widerstand durchgesetzt und schlussendlich gesetzlich verankert. Für diese Artikel ist die Frage nach dem „Wie?“ entscheidend und soll Anhand von drei Dokumenten erfolgen, welche den Schwerpunkt jeweils auf eine dieser drei Werkzeuge der außerparlamentarischen Arbeit legen: Kunst, Vereine, Medien. Jeder dieser Texte sei all jenen zur Lektüre empfohlen, die an der scheinbaren Unveränderbarkeit der Dinge zu verzweifeln drohen. 1) Die Macht der Kunst, am Beispiel von: Christine de Pizan, „Das Buch von der Stadt der Frauen“, Orlanda Frauenverlag, Berlin 1986, übersetzt von: Margarete Zimmermann; Originaltitel: „Le Livre de la Cité des Dames“, Paris 1405. Christine de Pizan ist eine Vorreiterin und Ikone der späteren Frauenbewegungen. Auch wenn sie zu ihren Lebzeiten kaum politische Verände- TOLERANZ 24 PRO SERIE 9 OLER ANZ M E HR T „ Toleranz beschreibt die Fähigkeit, eine Form, oder – bis zur jeweiligen Toleranzschwelle – viele Formen des Andersseins oder Andershandelns, insbesondere Herkunft, Religion, Neigungen, Moral oder Überzeugungen, zu dulden, also nicht zu bekämpfen. “ (1) Anders leben, anders aussehen, anders lieben. Alles Punkte die zwar in meinem Freundeskreis (zum Glück) möglich sind. Kaum begebe ich mich aber hinaus auf die Straße, gelten schon andere Regeln. “uns“ gegen “die Anderen“ stattfindet, finden in einer toleranteren Umgebung keinen Halt mehr. Endlich würde auch die Kirche mitsamt der Bürgerlichen Parteien an Substanz verlieren. Wenn es klar ist, dass Frauen und Männer gleiche Rechte haben, das jede/r jede/n Lieben kann, egal welches Geschlecht er/sie hat verlieren religiöse Hetze und Politischer Wahn ihre Ziele. Auch Hackordnungen würden fallen, denn wieso soll der eine mehr als die andere können und wert sein? Ist es denn nicht (1) w ikiped ia „Toleran z“ ve rs ion auch eine Form von Intoleranz sich über andere (2) h tt p:// : 20:14, 16 w w w.f ruec . Aug. 07 h te de szor ns.net /All Individuen (hinweg) zu setzen? eTexte .rtf (Tex tp as sa ge n ac h: m ei n sc hön st es K le id) sprechen und alle zu dem gleichen Ergebnis zu kommen, dass nämlich Frauen in ihrem Verhalten und ihrer Lebensweise zu allen möglichen Formen des Lasters neigen.“ (S.36) Sie beendet dieses erste Kapitel mit Äußerungen des Selbstzweifels und stellt sich – scheinbar – hinter die gängigen Vorurteile. Das zweite Kapitel beginnt mit der Erscheinung von drei engelsgleichen Frauengestalten. Ob dies auf ihrer tatsächlichen Wahrnehmung - ob Wahn oder tatsächliche Erscheinung - beruht oder ob es sich um ein literarisches Stilmittel handelt - allegorische Figuren waren in der Literatur ihrer Heimat Venedig durchaus üblich – sei dahingestellt. Interessant in Bezug auf die Auswirkungen dieses Textes ist die Tatsache, dass er die Ziele und Methoden der späteren Frauenbewegungen bis hin zu frühen Frauengeschichte vorwegnimmt: Die Geschichte der Frauenbewegungen wird häufig (unter anderem in dem Artikel auf Wikipedia.de) in drei Phasen eingeteilt, ebenso erscheinen Pizane in ihrem Text drei Frauen: Die erste Frau ist die „edle Frau der Vernunft“; Ihre Insignie ist der Spiegel – Symbol für Reflexion und Selbstreflexion. Die Vernunft ist der zentrale Wert der Aufklärung, welche die Grundideologie der französischen Revolution darstellt. Die „erste Phase“ der Frauenbewegung beginnt mit eben jener Revolution. (Als Beispiel sei hier nur Olympe de Gouge genannt, welche sich unter anderem für die Anwendung der Menschenrechte auf Frauen einsetzte und damit auf erbitterten Widerstand stieß.) Die zweite Frau ist die „Rechtschaffenheit“, sie ist „im Himmel ihre Anwältin“ und ihr Zeichen ist das Lot, welches „Recht vom Unrecht trennt“. Die „zweite Phase“ der Frauenbewegung sind die „Frauenrechtlerinnen“, welche Grundrechte im Bereich der Demokratie und der Bildung sowie der Arbeitswelt erkämpfen. (Mehr dazu in Abschnitt 2 und 3) Die „dritte Phase“ der Frauenbewegung beginnt in den 60ern des 20. Jahrhunderts und ist deutlich radikaler als die vorangehenden. (Die „Roten Zora“, eine feministische Gruppe aus dem Umfeld der „Revolutionären Zellen“ seien hier als eine der extremsten Vertreterinnen jener Bewegung genannt) Auch für die frühe Frauengeschichte liefert Pizan in diesem Text das Fundament: Diese beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte „großer Frauen“ und mit der Suche nach frühen Matriarchaten. Schon Pizan beschreibt über einige Seiten mächtige Frauen der Geschichte und den Mythos der Amazonen. Christine de Pizan hat ein klares Ziel und bedient sich der Kunst um dieses anzustreben. Auch wenn sich zu ihren Lebzeiten nicht viel in diese Richtung verändert hat, hat ihr Werk nachhaltige Wirkung und inspiriert und ermutigt Menschen, die Generationen später ihren Gedanken fortführen, Antworten finden und neue Wenn also diese Frau in dieser scheinbar aussichtslosen Lage es geschafft hat langfristig etwas zu verändern, warum sollte es dir nicht gelingen? Die Kunst ist das erste und flexibelste Werkzeug zu diesem Zwecke und sie ist oftmals der erste Schritt. Ein Gedanke muss erst gefasst, um umgesetzt zu werden, eine Frage muss erst gestellt, um beantwortet zu werden. Die dritte Frau ist etwas abstrakter beschrieben und schwerer zu fassen. Die Übersetzung des Namens dieser Frau als „Gerechtigkeit“ klingt nah verwandt mit der Re cht s ch a f fe n h eit , deutlich unterscheidet sie sich von den anderen Frauen durch einen „strengen Gesichtsausdruck, dass auch der Mutigste es mit der Angst zu tun bekommen konnte (…), die Fähigkeit, Übeltäter in Angst und Schrecken zu versetzen.“. (S.40) Die Abschnitte 3) Medien und 4) Vereine sind in den folgenden Ausgaben zu lesen. Bis dahin: Nicht den Mut verlieren, es ist möglich! HAFT S E R E R G E S E LL S C UN WÜRDE „Ausländer raus“ schreien Medien. „Geh mal zum Friseur“ sprechen (ordentliche?) Leute mich in der U-Bahn an (weil ich Dreads habe?). „Integriert euch in den “freien“ Arbeitsmarkt, ihr müsst euch nur anpassen“ sprechen AMS und Co. Von der Intoleranz, die der Natur und all ihren Lebewesen entgegengebracht wird, gar nicht erst zu sprechen. DE SCH A N IC HT So wäre der Weg endlich offen für ein selbständiges Leben und die Möglichkeit einer “freien“ Gesellschaft nicht nur Utopie. Allein, dadurch dass ich hier Toleranz fordere wird sich leider reichlich wenig ändern; es liegt also an uns etwas zu tun. Um mit einer Textpassage von Früchte des Zorn zu schließen: Immer wieder kommen wir in Situationen, in denen wir erniedrigt und objektiviert werden. N Von Toleranz also keine Spur. Eine breite Einheitsfront aus Kirche, Staat und Medien versperrt den Weg und die Möglichkeit eines toleranten Miteinander. Aber um das festzustellen müsst ihr nicht erst das hier lesen, da reicht es einfach selbst die Augen zu öffnen. Viel spannender somit die Frage, was würde sich denn ändern, wenn die Menschen und ihre Ich will mich nicht verlieren, und ich will, dass Institutionen toleranter wären. So würde z.B.: Nadas aufhört. Das wird es aber nicht von alleine. Es tionalistischem und Rechtem Gedankengut der wird sich nur ändern, wenn wir uns wehren.(2) Boden unter den Füßen entzogen werden. Gedanken, die davon leben, dass eine Abgrenzung von text von willi hejda Sei es durch rassistische/sexistische/homophobe Sprüche oder indem wir gezwungen werden, uns der kapitalistischen Verwertungslogik unterzuordnen. Meistens halten wir den Mund aus Angst und Unsicherheit. Wir schlucken unser Unbehagen und werden dadurch immer kleiner und unsichtbarer. Leise spüren wir, wie uns das von innen auffrisst, und wir sehen dabei zu, wie wir immer mehr Dinge in unserem Leben aufgeben, die uns eigentlich wichtig waren. Fragen aufwerfen. Als weiteres Beispiel für die Wirksamkeit der Kunst sei hier „Das Märchen“ von J.W. Goethe genannt, welches die Gewaltentrennung, wie sie sich nach der französischen Revolution etabliert, vorwegnimmt und auf ähnliche Art und Weise prophetisch, aus rationaler Sicht wegweisend, erscheinen mag. (nachzulesen unter http://www.fln.vcu.edu/goethe/maerchen.html) 10 ANDERS PERSPEKTIVEN 23 neunzehnhundertdreiundsiebzig geburtsjahr wichtig für mich als auch geschichtlich denn da wurd klar dass die cia ne hure war „http://listen.to/allende“ „http://www-e.uni-magdeburg.de/mahrholz/ cgi-bin/plan/plan.cgi?z=4&s=5“ „http://www.uncg.edu/%7Ea_campit/victor_ 9/11 MAL lasst uns der aufforderung der hip-hop gruppe freundeskreis folgen und unsere ohren auf die schienen der geschichte legen: chile attentat viele tote allende starb tragisch da tragender mann der unidad popular c-i-a chile ist amerikanisch viktor jara sang in spanisch seine stimme mahnt dich vergiss die toten nicht vergiss die diktaturdespoten nicht 9/11: Kupferminen wurden verstaatlicht, eine Agrarreform durchgeführt, Löhne und Gehälter erhöht. Außerdem wurden Reformen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Wohnbau in die Wege geleitet. So wurde z.B. im Kampf gegen die Unterernährung täglich ein halber Liter Milch pro Kind zur Verfügung gestellt. Die chilenische Oberschicht war aber vom Programm der neuen Regierung absolut nicht angetan. Auch die damalige US-Regierung unter Präsident Nixon konnte der Allende-Regierung nicht viel Wohlwollen entgegenbringen und startete gemeinsam mit der rechten Opposition Chiles gezielte Maßnahmen um die Unidad Popular zu schwächen. Die Vereinigten Staaten waren mitten im kalten Krieg und fürchteten, dass Chile einen kommunistischen Dominoeffekt auf Lateinamerika ausüben würde. Außerdem sahen sie ihre ökonomischen Interessen in Gefahr, weil z.B. viele US-amerikanische Firmen von Die Bilder der einstürzenden Twin Towers haben unsere ReizreaktionsSysteme bereits unzählige Male durchlaufen. Es scheint jedoch so, als ob die Erinnerung, dass noch ein weiteres einschneidendes und schreckliches Ereignis an einem 11. September statt fand, bereits weitgehend aus dem europäischen Kollektivgedächtnis gelöscht wurde. Am 11.9.1973 stürzten in Chile Heer, Marine, Luftwaffe und Polizei die Regierung der Linkskoalition Unidad Popular unter der Führung des sozialistischen Staatspräsidenten Salvador Allende. Als Allende sein Amt antrat, war die Gesellschaft, deren Führung er übernahm, stark von Großgrundbesitz geprägt; Chiles Kupferminen und somit auch der wichtigste Rohstoff und Exportartikel des Landes waren hauptssächlich im Besitz nordamerikanischer Firmen. Die Regierung Allende startete nun zahlreiche Maßnahmen um Armut und soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen. der Verstaatlichung der Kupferminen betroffen waren. Sie erreichten, dass Chile weitreichend wirtschaftlich isoliert wurde, indem sie sämtliche Hilfsmittel strichen, sich dafür einsetzten, dass es keine Kredite mehr verliehen bekam, und einen Kauf boykott von chilenischem Kupfer starteten. In Folge davon ging die Produktion zurück und die Nahrungsmittel wurden knapp. Weiters organisierte die chilenische Reaktion mehrmals Unternehmerstreiks, die mit CIA-Geldern bezahlt wurden. So wurde die Allende-Regierung sukzessive immer weiter in die Ecke gedrängt, bis es schließlich zu den blutigen Ereignissen jenes besagten 11.Septembers kam: binnen weniger Stunden gelang es dem Militär, sämtliche staatliche Institutionen in ganz Chile zu besetzen. Der Regierungspalast „Moneda“ wurde mit Kampfflugzeugen bombardiert und noch am selben Abend gestürmt. so wie mit dem Marienkäfer, die Tante hat mir dann erklärt, die Inge war eifersüchtig…“ [Anm.: Wenn ich es richtig verstanden habe, meint sie hier keine Eifersucht auf den Käfer sondern eher auf Lilli, wegen des Geschenks von Pepe – wobei sie hierzu wiederum darauf besteht anzumerken, dass ich „richtig aber nicht viel davon“ verstanden habe und es eigentlich um etwas ganz anderes geht.] „… und ich glaub, wenn man das so nennt, dann war das der schwarze Mann, der dann eingestiegen ist, auch. Der ist zu allen hingegangen und wollte was haben. Aber er hats auch zurückgegeben. Nur der bunte Mann und die Frau, der er das geschenkt hat, wollten ihm nichts geben, von mir wollt der nichts, aber die Mama hat ihm glaub ich Geld gegeben oder ihre Visitenkarte oder so. Die Frau jara_ poema_15.mp3“ PERSPEKTIVEN 1 hat gesagt, sie hats leider vergessen. Der bunte Mann hat ihm eine Orange geschenkt, aber der wollte die nicht haben. Der hat ihn angeschrieen und der bunte Mann hat seine Tasche ausgeleert und da war nur eine zweite Orange und ein Apfel drin – und die wollte er auch nicht. Ich glaub, der hat das auch gesehen – wie die Inge –, dass der ihr was geschenkt hat. Aber meine Mama hat die Geschichte noch immer nicht verstanden, die findet noch immer, der hätte dem einen „Ausweis“ geben sollen, dabei hat er gar keinen gehabt – ich weiß nicht, wieso die das nicht versteht, man kann doch nichts herschenken, was man nicht hat. Sie sagt auch, dass die Frau das Geschenk gar nicht wollte und dass der sie geärgert hat, aber das hab ich nicht gesehen, weil da hab ich ja noch versucht ihr zu erklären, dass…“ Somit wären wir in Lillis Erzählung wieder bei Marienkäfer und Knopf und somit bei Erkenntnissen an die sich Ausgewachsene nur schwer gewöhnen können. Lilli besteht zwar darauf, dass wir uns mit Marienkäfern und Knöpfen auseinandersetzen müssten um vollends zu verstehen, warum der „schwarze Mann“ keine Orangen wollte, doch sie ist damit einverstanden, dass sie den Kindern von Knöpfen und Marienkäfern erzählt und ich euch von Orangen und Diskriminierung. Somit, meint sie, wüssten Kinder und Leser gemeinsam alles über jene Ereignisse. Um die Geschichte noch näher zu beleuchten werden drei Kollegen aus dem Jenseitsteam sich in den folgenden Ausgaben in „ausgewachsenere“ Zeugen hineinversetzen und euch die Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählen. 22 PERSPEKTIVEN GESCHICHTE MAL ANDERS 11 LILLI, KNOPF UND KÄFER Es war ein ereignisreicher Sommertag gewesen und Lilli hatte wenig Zeit ihrer Mutter zu erzählen, wer ihr einen Knopf geschenkt hatte, wie die Geschichte mit dem Marienkäfer ausgegangen ist und warum Inge und Pepe sich nicht mehr vertrugen, denn die beiden befanden sich auf dem Weg zur wöchentlichen Chorprobe. Außerdem würde die U-Bahnfahrt bald enden und die Finger der Mutter umklammerten bereits krampfhaft ihr Handy. Zwar hatte ihre Mutter zwei Ohren, aber da eines beim telefonieren nun einmal anderwärtig benötigt wird, kann man die verbleibende Zeit im Bus höchstens halb anrechnen. Außerdem schien ihre Mutter auch mit beiden Ohren nur sehr schwer zu begreifen, was diesen Knopf zu einem so besonderen Knopf machte und so konnte Lilli noch nicht einmal erläutern, was der Marienkäfer und der Knopf mit dem Streit von Inge und Pepe zu tun hatten und bekam langsam Angst, dass sie diese Stelle nicht vor jenem Punkt auf der Rolltreppe erreichen würde, an dem der Mobilfunk-Empfang wieder begann. Lilli war gerade dabei ihrer Mutter mittels bestätigender Wiederholung der Ereignisse verständlich zu machen was sie nicht zu begreifen schien, als sie unerwartete Hilfe bekam. Und von dieser Geschichte werden uns Lilli und andere Zeugen in dieser und den folgenden Ausgaben erzählen: „Da hat sich jemand hingesetzt – mit bunter Tasche und sein Gewand hat ausgesehen wie angemalt. Er war auch nicht so traurig wie die anderen Ausgewachsenen und er hat gleich verstanden warum der Knopf so wichtig ist. Er hat mir auch gleich geholfen und der Mama erklärt, das „kommt von Herzen“ – ich glaub zwar, der kommt von seinem Hemd, aber sie hat das geglaubt und ich hab endlich weitererzählen können. Das war nämlich ganz einfach so…“ FAKTBOX: chile ist ein staat im südwesten südamerikas. er grenzt im westen und süden an den pazifik, im norden an peru, im nordosten an bolivien und im osten an argentinien. chile hat 16.134.900 einwohner. die unidad popular gewann 1970 mit 37% der stimmen die wahlen. über 2000 personen wurden von den militärs verschleppt und kehrten nie mehr zurück. insgesamt wurden etwa 4000 menschen während der diktatur ermordet. etwa eine million chilenen wanderten unter pinochet aus bzw. mussten auswandern. [Hier holt Lilli zu einer längeren Erzählung aus, welche die wenigsten Ausgewachsenen verstehen könnten. Und da die meisten Kinder noch nicht lesen können, haben wir uns geeinigt, dass sie diese Geschichte den Kindern selbst erzählt. Vielleicht wird euch ja eines eurer Kinder oder Geschwister eines Tages von dieser Geschichte erzählen und vielleicht gehört ihr ja zu den wenigen Ausgewachsenen, die sie noch verstehen können…] Allende wurde später tot aufgefunden. Ob er ermordet wurde oder Suizid verübte, ist bis heute ungeklärt. Nach dem Putsch übernahm eine Militärjunta die Macht im Staat und General Augusto Pinochet, der Oberbefehlshaber des Heers, ernannte sich selbst zum Präsidenten Chiles. Er setzte die Verfassung umgehend außer Kraft, löste das Parlament auf, ordnete strenge Zensur an und verbot alle politischen Parteien. Das Militär verhaftete tausende tatsächliche oder vermeintliche Sympathisanten der Allende-Regierung. Es wurden Folterspezialisten aus Brasilien engagiert, um den Militärs ihre Methoden beizubringen, und Konzentrationslager wurden errichtet. ANDERS reichen Tourneen gesungen. Nun wurde ihm selbst nicht nur das Recht in Frieden zu leben, sondern überhaupt das Recht zu leben genommen. Und mit ihm tausenden anderen, die an die Botschaften seiner Lieder geglaubt hatten. Jene, tatsächlichen oder vermeintlichen Anhänger der Unidad Popular, die die Militärs nicht ermordeten, wurden ins Exil gezwungen. Bis 1977 schafften Quellen: Sigrun und Herbert Berger (Hg): Zerstörte Hoffnung – Gerettetes Leben Wikipedia: Chile, Geschichte Chiles text von anna fox es die Militärs, praktisch jeden Widerstand auszuschalten. Tolerancia war ein Fremdwort geworden. Erst ab 1989 sollte die Bevölkerung Chiles langsam wieder lernen es zu verstehen. „perspektiven“ ist eine vierteilige serie von erzählungen. alle vier teile handeln von demselben ereignis, werden aber jeweils aus der perspektive einer anderen – fiktiven – person beschrieben. darüber hinaus ist auch der autor von jedem Teil ein anderes mitglied der jenseits redaktion. viel spaß beim lesen, es lebe die subjektivität! „Na jedenfalls ist mir das auch zum ersten Mal passiert, und dann hat mir die Mama auch zugehört und sogar nachgefragt, wenn sie was nicht verstanden hat – sonst tut sie immer nur so. Aber dann ist auch was Schlimmes passiert: der bunte Mann hat nämlich dann auch jemandem was geschenkt – also das ist nicht schlimm, das hab ich sogar sehr nett gefunden – aber dann war das auch Im Stadion von Santiago de Chile wurden mehr als 40.000 Menschen gefangen gehalten. Unter ihnen war auch der Schauspieler, Regisseur und Folkloresänger Viktor Jara, der für das Volk ein Symbol für den Kampf gegen Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Armut war. Gegen den Vietnam-Krieg hatte er eine Hymne auf El derecho de vivir en paz, das Recht in Frieden zu leben, geschrieben und diese auf zahl- salvador allende war chilenischer staatspresident von 1970–1973 12 E I N FA C H S O FREIRAUM FÜR LESERINNEN 21 DIE B MAX VERSCHWÖRUNG dass man in der werbung von verschwörungen nicht verschont wird, ahnte ich sowieso schon immer. doch dass dies wirklich beängstigende züge annehmen kann musste ich in den letzten monaten erkennen. meine beobachtungen und nachforschungen führten zu ergebnissen, die ich meinem/r werten leserin keinesfalls vorenthalten kann. man stelle sich folgende situation vor: Ich blätterte an einem Nachmittag nichts ahnend in einem Werbeprospekt einer österreichischen Möbelfirma. Wie in jeder anderen Reklame fanden sich dort Bilder von verschieden eingerichteten Zimmern. Gemütlich hatte es da auf Seite 1 das Ehepaar beim Weintrinken in der Küche, auch das Kind von Seite 11 wirkte zufrieden mit der Möblierung seines Kinderzimmers. Dass kauf bare Ware glücklich macht ist dem erfahrenen Konsumenten schließlich nicht neu. Plötzlich jedoch stießen meine unschuldigen Augen völlig unvorbereitet auf folgende Szenerie: ein Mann in mittlerem Alter, mit grauem Oberlippenbart und etwas schütterem Haar befindet sich in einem Vorzimmer. Hinter ihm eine Garderobe, für die geworben wird: Cube-Stollen in Echtholzfurnier zum Spitzenpreis. Was jedoch macht dieser Mann? Er ist nicht etwa dabei, sich den beigen Trenchcoat anzuziehen, der einsam in der Garderobe hängt. Nein. Er macht auch sonst keine werbeprospekttypischen Handlungen. Der in ein graues Hemd und Jeans gekleidete Herr schleicht sich ganz offensichtlich gerade aus dem Vorzimmer hinaus. In der Hand hält er wie ein schützenswertes Objekt eine Damenhandtasche in Schlangenlederoptik. Meine Verwirrung war verständlich. Was machte solch ein Foto in einem Werbeprospekt? Handelte es sich um einen Dieb? Nein, der wäre doch auf irgendeine Art getarnt gewesen. Stutzig machte mich auch sein Gesicht, auf dem sich eine Mischung aus Verschmitztheit, geheimen Vorhaben und Vorfreude ausdrückte. RAUM! die sich nicht lohnt.„ Diese Seiten bieten Platz für euch! Egal was, ob zeichnug, kritzelei, text, gedicht, du kannst es an diesem Platz veröffendlichen. mail an jenseits@kukuma.info betreff „freiraum“ terung unserer Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verhindern und für mehr soziale und politische Rechte zu kämpfen. Individuelles und persönliches Entfalten abseits kommerzieller Verwertbarkeit muss allen möglich sein. Unsere Arbeit erfordert Ressourcen wie Raum für Veranstaltungen, eine Basis-Infrastruktur und grundlegende finanzielle Mittel, um partizipative emanzipatorische Kulturarbeit mit sozialem Anspruch auf sinnvolle Art und Weise umsetzen zu können. Wir fordern daher eine gezielte Förderung aus den Sozial- und Kulturbudgets für alle chronisch unterfinanzierten subkulturellen & selbstorganisierten Projekte mittels langfristiger und gesicherter Finanzierung! Schluss mit der Selbstausbeutung! Für autonome Stadtteil-, Kulturund Kommunikationszentren! SABOTAGE In mir drinnen, tief, tief unter der Oberfläche: so, dass ich es nicht erkannte als es schon fast zu einer zwangsneurose wurde war es in mir herangewachsen, wie die schutzschicht über eine frischen wunde hat es mich begleitet NUN DA ICH ES ERKENNE it takes Die Realität die ich mir zurechtgelegt hatte, an die ich mich mit der Zeit gewöhnt hatte ist zu meiner schutzschicht geworden,... meinem schneckenhaus, die Menschen die ich mir erschuf waren Spiegelbilder, Wünsche, Träume und Erinnerungen von werner 20 JENSEITS E I N FA C H S O 13 „eine revolution ohne tanzen ist eine revolution, ... auf grund der prekären situation emanzipatorischer und autonomer, kulturschaffender initiativen in wien ... für unsere positionierung innerhalb der kulturellen verwertungsmaschinerie. Seit der Räumung des selbstverwalteten Kultur- und Kommunikationszentrum „Movimento“ ist inzwischen fast ein Jahr vergangen. Das unabhängige Kulturzentrum hat von November 2005 bis Jänner 2007 als Anlaufstelle für alle an nicht-kommerzieller, kritischer Basiskulturarbeit Interessierten fungiert. Die Schließung bedeutete für die BetreiberInnen des „Movimento“ und für die beteiligten Gruppen und Projekte das vorläufige Ende ihrer bisherigen Veranstaltungstätigkeit, mit der wir uns einen weit über Wien herausreichenden Namen in der alternativen Kulturszene gemacht haben. Zahlreichen befreundeten Initiativen, VeranstalterInnen & Bands wurde damit die Möglichkeit genommen, weiterhin ein breit gefächertes kulturelles Angebot zu sozial verträglichen Preisen aufrecht zu erhalten. Wir alle stellen uns bewusst gegen die dominante „Leitkultur“ und versuch(t)en, Räume & Ressourcen zu Verfügung zu stellen, in denen sich (Rand-) Gruppen selbstbestimmt entfalten und dadurch ein Gegengewicht zur entsolidarisierten Gesellschaft schaffen können. Veranstaltungen in angemieteten Locations sind uns aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich, uns sowie zahlreichen anderen Initiativen, die bisher überhaupt keine adäquaten Räumlichkeiten zur Verfügung haben, bleibt dafür nur mehr der öffentliche Raum, und sei´s bei Minusgraden. Das Fehlen von Raum und Ressourcen zum Umsetzen eigener Projekte bzw. die Fokussierung auf die Finanzierbarkeit, wenn Raum vorhanden ist, trifft nicht nur das „Movimento“, sondern auch zahlreiche andere basiskulturelle WIR BRAUCHEN Initiativen in Wien und anderswo BewegNung: teures Einmieten, um tanzpädagogische Angebote umsetzen zu können Mirkollektiv: fehlender Veranstaltungsraum wegen Verlust des Vereinslokales BioParadeis: Abhängigkeit vom momentanen Standort, mehr Lagerraum wird benötigt KuKuMA: zu wenig Platz für alle beteiligten Gruppen sCart: gar kein Raum? Das alles bedeutet aber selbstverständlich nicht, dass wir geneigt sind, das Schicksal zahlreicher anderer autonomer Projekte in Wien - von der Ägidi- bis zur Gassergasse, vom Rotstilzchen bis zum TU-Club - stillschweigend zu erdulden; wir werden ganz im Gegenteil für das Weiterbestehen von nicht kommerziell ausgerichteten, selbst verwalteten Kulturund Kommunikationszentren kämpfen! Wir sind davon überzeugt, dass sich alternative Kultur, also Gegen/kultur, nicht in einem Rahmen bewegen darf, den allein die wirtschaftlichen Zwänge vorgegeben. Wir wollen neue kulturelle Freiräume eröffnen. Gegen/kultur hat sehr viel mit den realen Lebensbedingungen der KünstlerInnen, der OrganisatorInnen und ihres Umfeldes zu tun, denn diese bestimmen ihre individuellen Ausdrucksformen und den Rahmen ihrer Aktionsmöglichkeiten wesentlich mit. Sie bedeuten nicht selten horrende Mieten und Ablösen, sei es für Wohn- oder für Veranstaltungszwecke. Gegen/kultur ist ein Ausdruck dieser Bedingungen und gesellschaftlichen Widersprüche, sie bringt sie zur Sprache, macht sie öffentlich und setzt sich der kulturellen Hegemonie des Systems damit entschieden entgegen. Gegen/kultur heißt auch, dass wir keine einheitliche Linie haben, dass wir ein buntes und nicht immer klar einordenbares Bild bieten. So vielfältig wie wir sind, so vielfältig sind auch die Bedrohungen, die gegen uns wirken. Prekarisierung in allen Lebenslagen bringt uns zusammen. Damit verbunden auch Interesse und das Bedürfnis miteinander zu agieren. Ziel dabei ist, einen weiteren Sozialabbau und die daraus folgende Verschlech- Dass eine solch ungewöhnliche Szenerie verschwörerische Züge hat war mir natürlich sofort klar. So zog ich den Rat einiger Freunde ein und wir kamen zu dem Schluss, dass der Inhalt der Handtasche eine bedeutende Rolle spielt: B.MAX (so nannten wir den Mann von nun an) ist gerade auf dem Weg zu einem unvergesslichen Abend – mit Frauenkleidern in der Tasche. Und er schleicht sich so gekonnt aus der Wohnung, weil seine Frau nichts von seinem nächtlichen Tingeltangeln ahnen darf. Nun denn, so weit so gut. Noch berührte diese Tatsache die Menschheit nicht weiter. Soll B.MAX doch machen, was er will; mehr als ausgiebiges Lachen über diese kuriose Werbeart erntet er dafür nicht. Doch bald nahmen B.MAX’ Aktivitäten besorgniserregende Züge an. Dieser Herr ist ziemlich umtriebig! Denn er beschränkt sich nicht nur auf ausgelassene Abende in Frauenkleidung. So erzählte mir eine Freundin, dass in der Wohnung einer Freundin seltsame Dinge vor sich gingen: so benütze sie selbst nie den Herd, habe aber ständig das Gefühl, jemand koche in ihrer Küche und wasche dann das Geschirr ab. Bemerkenswert. In dieser Küche bereitet sich B.MAX also sein Essen zu. Und bei jemand anderem sei immer ein Schmutzrand in der Badewanne, obwohl die betreffende Person lediglich dusche. Wieder B.MAX, denn offensichtlich legt er viel Wert auf Körperpflege. Letzterer Punkt wird verständlicher, wenn man Teil 2 der (natürlich nicht explizit verbundenen) Werbekampagne betrachtet: etwa 2 Monate später fand ich in einer österreichischen Tageszeitung eine kleine Werbeanzeige derselbigen Firma. Gut versteckt, jedoch habe ich sie entdeckt und sofort die richtigen Schlüsse gezogen. Lausche und erkenne, geneigte/r LeserIn: In einem stilvoll eingerichteten Wohnzimmer sitzt ein Mann, B.MAX nicht unähnlich, auf dem Boden. Vor ihm eine begonnene Schachpartie, eine Flasche Rotwein und zwei gefüllte Gläser. Seine linke Hand hält schon auf einer Spielfigur und er blickt erwartungsvoll und fast ein bisschen herausfordernd in Richtung Kamera (oder Tür?). Was es damit auf sich hat? Er wartet. Auf das Erscheinen seines Freundes, B.MAX, der jeden Moment zur Tür hereinkommen soll, in der Hand natürlich die Damenhandtasche. Auf dass die beiden ihr Tournier vollenden können und sich entscheide, wer der beiden heute Abend die Damenkleidung anziehen darf. Vielleicht verspätet sich B.MAX jedoch etwas, da er vorher schließlich noch ein Bad nehmen muss. Also hab Acht, geschätzte/r LeserIn, beobachte was in deiner Wohnung vor sich geht. Denn vielleicht hat die Verschwörung auch bei dir schon Eintritt gefunden… Sind deine Videos in seltsamer Unordnung obwohl du sie kaum anrührst? Oder steht dein Fernseher aus unerklärlichen Gründen immer wieder auf Standby? – Die Antwort ist B.MAX. Ist der Boden immer sauber obwohl du das Wort Staubsauger nur vom Hörensagen kennst und auch noch nie einen Besen in die Hand genommen hast? – Die Antwort ist B.MAX. Wunderst du dich, warum deine Pflanzen nicht schon längst vertrocknet sind, schließlich gießt du sie so gut wie nie? – Die Antwort ist B.MAX. Nun bleibt die Frage, wie man gegen diese aufgedeckte Verschwörung vorgehen sollte. Ich denke, man sollte B.MAX seinen Freiraum lassen. Denn geschadet hat er noch niemandem. Vielleicht werden wir dafür auch mit weiteren Neuigkeiten über sein Leben belohnt. Es lebe die Werbung! Ansonsten wissen wir ja, wo wir uns beschweren müssen. Vielleicht sollten wir aber auch in eine der Filialen gehen und B.MAX mitsamt Freund zum Essen einladen. Bei uns dürfen sie auch ganz offen Damenkleidung tragen. GEDICHT 19 S. 63/ Z. 1-5: „Was wir selbst sind schließen wir ja nur. Wir müssen ja Momente zusammennehmen, , und das Passendste als etwas ganzes ansehen.“ wir, die wir die sterne noch hören können, und die vögel noch singen sehen; wir werden nicht nach ihnen greifen um sie einzusperren. und so werden wir nicht zulassen, dass jene, die sie uns nehmen wollen, in unserer mitte weilen. S.65/ Z. 11-14: „Denken ist Graben, und mit einem Senkblei messen. Viele Menschen haben keine Kräfte zum Graben, auch andere keinen Mut und Gewohnheit.“ S. 65- 66/ Z. 28, 1-3 „Es ist nicht allein schwer, die Wahrheit hier in der Welt zu finden, sondern man muss sie auch noch verleugnen.“ DIE PARABEL VOM SINGENDEN STERN denn sie würden uns die vögel aus den herzen reißen und die sterne vom himmel holen. also lass nicht zu, S. 72/ 7-9: „Es gibt nur Lokal-Wahrheiten, und die Zeit ist nichts, als die Bedingung, unter welcher Sie sich bewegen, entwickeln, leben, wirken.“ dass sie macht über dich gewinnen, S. 77/ Z.7 – 10: „ Es ist Menschenunkunde, wenn der beitrag der KuKuMA fotogruppe zum thema toleranz foto: michaela michaeli; mail to: entenfrau@gmx.at sich die Leute einbilden, unser Geist sei anders und zu anderen Bedürfnissen konstituiert, und wir könnten ganz von des Mannes oder Sohnes Existenz mitzehren.“ denn sie haben keine macht, wenn du ihnen keine gibst. also halte sie von deinen vögeln fern und achte auf deine Sterne. Quelle: Ingeborg Gleichauf - Denken aus Leiden-schaft, Sieben Philosophinnen und ihre Lebensgeschichte - © 2001 Beltz Verlag; Jenen aber, die den Vögeln die Freiheit und den Sternen den Himmel lassen, öffne dein Herz und lass deine Vögel mit ihren Sternen tanzen.Und verzage nicht, wenn sie sich vor deine Sterne schieben und einen Vogel zum schweigen bringen. Denn deine Hoffnung wird den Vögeln wieder Mut zum singen geben. Und ihr Gesang wird die Wolken zerreißen, welche die Sterne verschlingen wollen. text von anna fox friederik einheim 18 JENSEITS BUCHTIPP 15 die kunst, das gegenüber im dialog sich selbst anzunähern RAHEL VAARNHAGEN Bereits als Rahel 19 Jahre alt ist, stirbt ihr Vater. Ihre Brüder übernehmen die Geschäfte, wodurch sie von ihnen finanziell abhängig wird. Sie wollen Rahel so schnell wie möglich verheiraten, doch diese werden sie nicht so leicht los, da sie den gängigen Schönheitsidealen ihrer Zeit nicht entspricht. Rahel lässt sich immer tiefer auf die Reflexion, auf das „Selbstdenken“, ein. Nun startet sie ihr großes Werk und eröffnet einen Salon in ihrem Elternhaus, in der Berliner Jägerstraße. Ihr Ziel ist es, einen Raum der freien Kommunikation zu schaffen. Denn ihrer Ansicht nach wird der Mensch erst im Kontakt mit anderen zu etwas. Denken und Leben sollten eine Einheit bilden und Wahrheit in Kommunikation verwirklicht werden. Dichter, Philosophen, Menschen aus der Welt der Oper und Adelige finden sich bei ihr ein um über die neuesten Romanerscheinungen und Theaterstücke, Politik und Philosophie zu diskutieren. Als 1806 Napoleon mit seinen Truppen in Berlin einzieht, gibt es zwar Reformen für Juden, aber die Angst in der Bevölkerung vor einem „neumodischem Judenstaat“ wächst und der Salon wird plötzlich gemieden. Ihr wird nun klar, dass sie die Wahrheit außerhalb der Gesellschaft, zu der ihr als Jüdin und denkende Frau der Zutritt verhindert wird, suchen muss. 1814 konvertiert Rahel zum evangelischen Glauben, denn sie hat genug davon, ständig Antisemitismus ausgesetzt zu sein, ununterbrochen als minderwertig behandelt zu werden. Vier Tage später heiratet sie August von Vaarnharahel vaarnhagen wird 1771 als kind eines bankiers und juwelenhändlers in eine reiche jüdische berliner familie geboren. als kind ist sie einsam, geistig wach und sensibel. schon in sehr jungem alter beginnt sie sich den kopf über die grundfragen des lebens zu zerbrechen. sie wird vom nachdenken über diese fast vollkommen in anspruch genommen, ja geradezu überwältigt. rahel lernt leidenschaftlich neues dazu, kann aber, weil sie ein mädchen ist, kein gymnasium und keine universität besuchen. deshalb eignet sie sich autodidaktisch wissen über theater, musik, lyrik und philosophie an. gen. Ihr christlicher Name lautet nun Frederike Antonie Vaarnhagen von Ense. August tritt in den preußischen Staatsdienst ein und wird 1826 nach Karlsruhe versetzt. Für Rahel geht nun der Traum vom gesellschaftlichen Aufstieg in Erfüllung, sie langweilt sich jedoch in der Kleinstadt. Ihre Ehe erlebt sie als Fessel und sie wird sich ihrer besonderen Benachteiligung als Ehefrau bewusst. 1819 wird August aus politischen Gründen seines Postens enthoben und die Vaarhagens müssen nach Berlin zurückkehren. Wieder in der Heimat, wagt es Rahel noch einmal, einen Salon zu öffnen. Dabei geht es ihr vordergründig darum, einen Raum zur freien Meinungsäußerung und zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit zu schaffen. Rahel ist nach wie vor der Auffassung, dass Philosophie dialogisch entsteht und praktiziert diese deshalb im Salon und in zahlreichen Briefwechseln. Sie will mit Kommunikation Bewegung schaffen, sie als Kontrast zur starren, autoritären Tendenz der Zeit setzen. Doch Rahel ist bereits alt, langsam weist sie immer mehr Erschöpfungssymptome auf und schon bald kann sie das Bett nicht mehr verlassen. Am 7. März 1833 stirbt Rahel Vaarnhagen. Kurz vor ihrem Tode soll sie nach Überlieferung ihres Mannes gesagt haben: „Was so lange Zeit meines Lebens mir die größte Schmach, das herbste Leid und Unglück war, eine Jüdin geboren zu sein, um keinen Preis möcht’ ich das jetzt missen.“ Rahel Vaarnhagens Philosophie hatte in erster Linie pädagogischen Wert. Ihr oberstes Ziel war es, die Menschen durch gezieltes Fragen, unter Anwendung der Hermeneutik Sokrates’, zur Freiheit von gesellschaftlichen Zwängen zu führen. FRAUEN IN DER PHILOSOPHIE I: „DIE ROTE ZORA UND IHRE BANDE“ von kurt held (kurt kläber) zwischen abenteuerroman und politthriller – kindgerecht bearbeitet, nichtsdestoweniger auch für ältere jahrgänge durchaus zu empfehlen. Kroatien, Senj, in einer kleinen Hafenstadt leben arm und reich Tür an Tür, langsam hält die Industrialisierung auch hier Einzug: eine Fischereigesellschaft ist bemüht ein Monopol herzustellen und kauft mit dem Fisch und den Fangstellen gleich die – einst – freien Fischer mit und eine Arbeiterin stirbt durch die ständige Belastung durch den Tabakstaub in der Fabrik. Die Geschichte erzählt von ihrem elternlos zurückbleibenden Sohn Branko, für den niemand sorgen will - niemand bis auf die rote Zora. Als er – vom Hunger getrieben und schlechten Gewissens einen – zu Boden gefallenen – Fisch am Mark „stiehlt“ endet er in einer Zelle des Gendarmeriepostens und lernt die „rote Zora“ kennen – welche ihn auch prompt befreit und in ihre Bande aufnimmt. So lernt er die „Uskoken“ kennen, eine Kinderbande die sich von dem ernährt, was auf den Bäumen wächst, was am Markt zu Boden fällt, was ihnen andere überlassen – oder was in fremden Ställen flattert. Bei ihren Abenteuern gewinnen sie Freunde wie den „letzten freien Fischer“ Goran, dem Bäcker Curcin und den armen Bauernjungen Smolljan, aber eine Fehde mit den Gymnasiasten beschert ihnen mächtige Feinde: der reiche Kaufmann Karaman hat es von vornherein auf Branko abgesehen und bald stehen auch Bürgermeister, Förster und Müller der kleinen Stadt auf seiner Seite – und damit beinahe das ganze Stadtmagistrat – und der ständig betrunkene Obergendarm ist ihnen ständig mit seinem Knüppel auf den Fersen. Wenn man bereit ist einen einfachen Erzählstil hinzunehmen ist diese Lektüre durchaus auch für Erwachsene zu empfehlen: gesellschaftskritisch und trotzdem versöhnlich, ein Ruf nach Gerechtigkeit, eine Mahnung an uns alle. Für alle Eltern eine dringende Vorleseempfehlung: Sturm und Drang, kindgerecht verpackt – der Götz von Berlichingen Kinder! Der neugierige Leser möge sich über die Insel, die Uskoken und das regionale Klimaphänomen „Bora“ informieren – und wer weiß? Vielleicht findet ein besonders neugieriger Leser ja auch Hinweise auf eine alte Tabakfabrik und vielleicht gibt es dort noch immer Freigeister wie die rote Zora? Vielleicht gibt es die auch überall – und in jedem Alter? Vielleicht? Ganz bestimmt sogar, die Uskoken sind tot, es leben die Uskoken! viel freude beim (vor)-lesen, euer friederik einheim bild von noemi schabauer 2007

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