"Ein intelligenter Mensch ist manchmal gezwungen, sich zu betrinken, um Zeit mit Narren zu verbringen." - Ernest Hemingway
Literaturgruppe Narrenfreiheit Die Literaturgruppe Narrenfreiheit ist nun seit fast einem Jahr Teil des KuKuMA Netzwerkes. Nach einer etwas schleppenden Anfangsphase hat sich inzwischen eine stabile Kerngruppe gebildet, die sich immer am letzten Sonntag des Monats trifft, um gemeinsame Projekte zu planen und vorzubereiten, sich auszutauschen, gegenseitig Feedback zu geben, und - nicht zuletzt - um einander zu inspirieren. Gemeinsame Lesungen bei KuKuMA Veranstaltungen, Teilnahme an "Führ dich auf" und Arenalesungen sowie literarische Beiträge bei politischen Veranstaltungen wie "Mayday" und "Ringfest08" haben uns die Möglichkeit gegeben, die Wirkung unserer Werke zu erproben und zu einem Team zusammenzuwachsen. Auch weiterhin werden unsere Stimmen auf KuKuMA Festen und bei anderen Gelegenheiten zu hören sein. In Jeder Ausgabe der KuKuMA Zeitschrift "Jenseits" wird eine Seite von der Literaturgruppe Narrenfreiheit gestaltet. Ein literarisches Orchester (siehe unten) soll gemäß dem Rezept im großen Rahmen aufgeführt werden, Buchveröffentlichungen und Lesungsreihen sind geplant. Auch über die Gründung eines eigenen Verlags wird laut nachgedacht. Neuzugänge sind jederzeit herzlich willkommen, Verlage dringend gesucht und Gelegenheiten für Lesungen gerne gesehen. Kontakt: Narrenfreiheit@KuKuMA.info
Spezialitäten der Literaturgruppe Narrenfreiheit - mit Rezept zum nachkochen! "Zitatsalat" oder "Literarischer Freejazz": Zutaten: 2 bis 6 Literat_innen, 4 bis 18 Bücher_innen, eine Prise Improvisation (innen und außen). Aufnahmegeräte oder Publikum je nach Geschmack hinzufügen. Bücher aufschlagen, Zitat in den Raum werfen, passende Zitate unter ständigem Blättern hinzufügen. Zitieren bis das Experiment zu stocken beginnt. "Spaghetti Literati" oder "Literarisches Orchester": Zutaten: 2 bis 4 Literat_innen, 4 bis 10 Texte, eine zündende Idee, Schreibgeräte, ein großer Bogen Papier und Scheren sowie Klebeband. Die zündende Idee zu einem Spannungsbogen ausarbeiten, Texte nach geeigneten Zitaten durchforsten und in verschiedenen Kombinationen anordnen. Gelungene Kombinationen festhalten und vergleichen. Widerkäuen bis ein in sich stimmiger Text entsteht. Musik und Bildmaterial nach Geschmack beifügen. Anschließend gründlich proben und im großen Stil aufführen.
Inhaltsverzeichnis:
01... Literaturgruppe Narrenfreiheit 02... Inhaltsverzeichnis / Wortdefinitionen 03... Andi Pianka 04...Dario Lagger 05...Erika P. Dalbert - Vambe 06...Friederikeinheim 07...Gunananda - alias Mathias Liszt 08...Irene Schanda – alias Henkersbraut, Lady Chandos, Eulalia 09...Miriam E. T. Feher 10...Tereza Berankova 11...Unterstützer_innenliste / Impressum
Narrenfreiheit bezeichnet das Recht des Narren, (dem Herren) eine unbequeme Wahrheit zu sagen, ohne dafür bestraft zu werden. Dieses Recht gibt es seit der Antike. Bereits 486 v. Chr. wurde von der Obrigkeit anerkannt, dass in der Komödie Charaktere straffrei dargestellt werden durften, die respektlos gegen Götter und Menschen sind. (Wikipedia.de, 9.Juli 2008) Daß Narrenschyff ad Narragoniam des Sebastian Brant (1457–1521), 1494 gedruckt von Johann Bergmann von Olpe in Basel, wurde das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor der Reformation. Es handelt sich um eine spätmittelalterliche Moralsatire, die eine Typologie von über 100 Narren auf einem Schiff mit Kurs gen Narragonien entwirft und so der verkehrten Welt durch eine unterhaltsame Schilderung ihrer Laster kritisch den Spiegel vorhält. Das Werk wurde 1497 ins Lateinische übersetzt und durch Weiterübersetzungen in verschiedene Landessprachen in ganz Europa verbreitet. (Wikipedia.de, 9.Juli 2008)
Andi Pianka - tut gern Texte schreiben (Lyrik, Kurzprosa und jede Menge dazwischen, hin und wieder auch journalistische Artikel) - tut gern Geschriebenes vorlesen/vortragen (Einzel- und Gruppenlesungen, Poetry Slams, Open Mics) - tut gern Geschriebenes ein bissi veröffentlichen (& Radieschen, DUM, Ö-SlamAnthologie, "Ungehaltene Rede"-Anthologie, Jenseits, Arena-Stadtzeitung) - tut gern Veranstaltungen (mit)organisieren (Lesereihe in der Arena sowie führdichauf Offene Bühne für junge Menschen im Dschungel Wien) − ist "das intertextuelle Rumpelstilzchen" (Zitat: Ö-Slam-Anthologie)
DER DAHAM und wieder zieht er nah nah zieht er sich drückend vor der ferne vor der fremden ferne niederdrückend die vernunft und die menschlichkeit nah zieht er der nahzieher der nächste der sich selber nächste der nächstenhasser der wegdrücker des fremden der daham nah zieht er der daham der nicht-islam der neue prophet der patriotische prophet daham welch name so fremd klingend... nah zieht er nah! zieh! jubeln sie dem daham zu wie sie einst jubelten am heldenplatz als ihre pferde in der schützenden staffel dienten nah! zieh! rufen sie zu dem hazeh dem daham der da blickt so fesch so feschistisch unser daham
abraham sprach zu bebraham: "hol das zebra ham!" als bebraham nicht gehorchte stellte ihm gott zur strafe den daham zur seite der daham so blau legt sich bräunen neben das höllenfeuer und hängt seine kleidung auf haken in kreuzform dann zieht er sich an der daham der nahzieher um sich wieder bejubeln zu lassen der haßprediger von den dahamisten
DER TÄGLICHE SALAT unseren täglichen salat gib uns heute um meine sinne zu stärken damit ich dich besser sehen kann hören kann riechen kann tasten kann schmecken kann doch du trägst keine rote kappe ich bin kein wolf in großmutters pelz und der telefonjoker ist ein anrufbeantworter am sternenhimmel unseren täglichen salat gib uns heute um meinen sinn zu stärken damit er wird zum unsinn zum blödsinn zum schwachsinn zum stumpfsinn zum wahnsinn doch tragen dich deine füße zur wahrheit während ich mich ans kreuz nagle und meine anrufe selber beantworte unterm sternenhimmel führe mich in versuchung denn die einzige wahre anarchie ist die deinige für dich will ich sein ein dichter ein liebhaber und der wahre anarchist
DER POLIZIST IM SMART ich bin der polizist im smart es gibt nicht viele meiner art ich überwache den verkehr den heldenplatz, den lieb ich sehr kommunisten, kiffer, hunde sehe ich auf meiner runde platzbesetzer, seid auf der hut! denn denkmalschutz liegt mir im blut kultstatus hat schon mein gefährt von touristen wird es verehrt überhaupt bin ich ein idol der ich des platzes schütze wohl ich bin der polizist im smart verteidig meine stellung hart den heldenplatz verehr ich sehr kein häufchen erd mir lieber wär
Dario Lagger
Geboren 1988, in Wien Autor, Illustrator, Photograph, Weinkenner, Nichtraucher, Bastler, Gelegenheitsbrillenträger, Beobachter der Tagespolitik, ein Gedicht wie eine Rechnung.
Nach dem Regen So stehst du, mit dem Rücken zum Wind. Es schneit rings um dich, du findest das gut. Du schließt deine Augen und öffnest deinen Bauch… „Und, wie lebt es sich so ohne innere Organe? - Danke, gut. Alles nur eine Frage der Einstellung, weißt du? - Naja, ich hab’s zumindest schon mal so gehört… Und was haste dann mit dem ganzen Kram gemacht? - Ach, den hab ich einem lokalen Tierheim gespendet. Hat den Affen richtig gut getan, daß sie mal wieder mit dem Essen spielen konnten… Nachher mussten sie ja dann leider wieder Lippenstifte Und Mascara testen und so…“ …aber deinen Mund behältst du zu; hinter dir die verbrannte Stadt; Trümmerhaufen ist noch untertrieben. Der Schnee deckt dich langsam zu; so ist es gut. Hättest du ein Wappentier, wäre es nun wahrhaft stolz auf dich.
Ein Nachmittag Ein Schälchen voll Milch, 2 Stück hartes Brot, Maria, das Mädchen mit den goldenen Zähnen, so ließe sich mancher Nachmittag bis in die Nacht verbringen. Nur 2 Stück ihrer schwarzen Katzen, von denen eine mich von früher kannte, ließen sich partout nicht fangen. Sie rissen mir den Rücken auf und Blut rann mir bis zu den Zehen. Ein Schälchen voller Jod, 2 Rollen Wundverband, Maria, das Mädchen mit den goldenen Zähnen, sie wird sich wohl so bald nicht wieder sehen lassen.
Erika P. Dalbert - Vambe "Painless Steel - Slash - Dindingwe, oder: Wer hat dem Geparden über den Fluß geholfen?" Der neue Roman von Erika P. Dalbert - Vambe. Nach "Fleisch und Papier" und "Gefickte Seele vernarbte Haut" der dritte Band über den schmerzsüchtigen, bisexuellen Tänzer Heinrich.
Hier eine Textprobe aus dem 3. Roman: Es fühlt sich gut an. Es beruhigt mich. - Es ist warm, heiß, naß... "Ja?" - Ich versuche freundlich zu sein. Ich weiß nicht, ob ich diesen Anruf entgegennehme. "Störe ich?" - Sie klingt ein wenig unsicher. Wartet, dann fragt sie: "Was machst du gerade?“ - "Ich?" - Ich habe das Handy blutig gemacht, so blutig, daß ich kaum noch das Display, die Tastatur erkennen kann. "Nichts besonderes, " sage ich. “Aber kannst du einen Augenblick warten?" Ich wische das kleine Mobiltelefon im Bettzeug sauber und nehme wieder das Telefon. - "Bin schon wieder da!" sage ich fröhlich. "Und wie geht es dir, Riki?" - " Ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll..." sagt Riki. - "Was denn?" Ich drehe meinen schmerzenden Körper etwas zur Seite, wo noch nicht so viel Blut ist, lege das Handy neben meinen Kopf und schalte auf Lauthören. "Was ist denn passiert?" - "Ich bin schwanger." flüstert sie. "Und ich bin mir nicht sicher ob von dir - oder von Patrice." - "Oh!" sage ich überrascht. Dann muß ich lachen. "Wie hat denn das passieren können?" - "Wir haben wohl kein Kondom verwendet - Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Und ich denke, Patrice auch nicht." - "Ja..." lalle ich lachend. "Wir waren ja so high... - Tut mir leid." Scheiße, ich fühle mich etwas benebelt. Hab es mir diesmal wohl etwas zu gründlich mit dem Messer besorgt. - Ich versuche da zu bleiben. "Was wirst du jetzt tun?" frage ich Riki so sanft wie möglich. - "Ich weiß es nicht." sagt sie leise. Läßt eine Pause entstehen. "Was denkst denn du darüber?" Ich überlege, was ich antworten soll. - Dann muß ich wohl weggekippt sein, denn sie brüllt laut meinen Namen ins Handymicro. - "Ja?" schaffe ich es schließlich. - Ihre Frage fällt mir wieder ein. "Ich denke, im Prinzip mußt du dich wohl entscheiden, ob du es wegmachen läßt - oder ob du es bekommen möchtest. Und ich weiß nicht, ob ich dir bei dieser Entscheidung behilflich sein kann. - Vielleicht möchtest du ja noch Patrice´s Meinung dazu einholen? - Ich kann dir seine Nummer geben..." - "Was ist denn mit Patrice?" fragt sie beunruhigt. - "Oh, er ist okay." sage ich wieder lachend. - Kämpfe mit Nebelschwaden. - "Er ist vor einer Woche ausgezogen. - Er hat mich verlassen."
Friederikeinheim Jahrgang 1984, angebaut in Niederösterreich, verarbeitet in Wien, eigentümlich bitteres Grundaroma mit süffigem Nachgeschmack. Romanprojekt: „Das Leben der Totgeburt Melanor Lichtbringer“ Veranstaltungsprojekt: „Magisches Theater – nur für Verrückte“ Derzeit in Ausbildung zum akademisch geprüften Eventmanager, ehrenamtliche Arbeit für KuKuMA und den „Verein zur Erhaltung von Partizipation in Kunst und Kultur“. Die unbeschwerte Kindheit einer Totgeburt (Ausschnitt aus Kapitel drei des Romans „Das Leben der Totgeburt Melanor Lichtbringer“) Es war Vollmond und keine Wolke bedeckte den Himmel über dem Land mit dem blutroten Banner. Die Räume des Lazaretts waren hell erleuchtet von den Gestirnen, so daß die Hebamme nur wenige Kerzen entzündet hatte. Es wurde eine Totgeburt erwartet, denn alle Zeichen sprachen dafür, doch den Eltern schienen die Klarheit der Nacht und der volle Mond Zeichen der Hoffnung zu sein. Auch war es Frühsommer und die warme Abendluft umschmeichelte zärtlich ihre besorgten Gesichter. Es schrie die Nachtigall zu dieser Stunde und ein Kater sang ein Liebeslied - die Wehen setzten ein. Die Geburt wäre einfach und erfreulich gewesen, doch just als der Kopf des totgeglaubten Kindes den Mutterschoß durchbrach, legte sich eine Dunkelheit über das Land, wie sie sonst nur in fensterlosen Zellen herrscht und die Götter blickten besorgt auf jene Kinder, die zu dieser Stunde geboren waren. Ein eisiger Windstoß fuhr beim Fenster herein, er lies den Vater schaudern und löschte die Kerzen im Raum. Die Hebamme schlug das Zeichen, für welches so viele Menschen gestorben waren und ein kläglicher Schrei erfüllte den Raum. Ein Schrei der die Dunkelheit über dem Land zerriß und den Mond aus seiner düsteren Umklammerung befreite. Wie eine Sintflut schoß nun das Licht in den Raum, die Totgeburt lachte - wie ein Engel, berichten die Eltern. - wie ein Daemon erzählt die Hebamme. - mit zwei Stimmen glaubt das Volk. - wie verzweifelt weiß nur er. Man sprach ungern von jener Nacht, zu beklemmend war diese Dunkelheit gewesen und wer sie nicht erlebt hatte würde aus andrer Menschen Mund niemals davon erfahren. Nur manchmal, zu später Stunde, wenn die Erwachsenen unter sich waren wurde leise über die Ereignisse jener Frühsommernacht gesprochen, unweigerlich fiel dann der Name des Kindes, welches zu dieser Stunde geboren war: Melanor. Wenn dieser Name fiel geriet jede Abendgesellschaft in Streit, denn immer waren solche unter ihnen, die ihn fürchteten und solche, die in ihm ein Zeichen der Hoffnung zu erkennen meinten. Totgeburt nannten ihn Erstere, Lichtbringer Zweitere und jene, die diesen Streit zu schlichten pflegten, sprachen stets bloß von dem armen Kind. Man war sich uneins, ob jenes Wesen die Dunkelheit gebracht oder vertrieben hatte, oder ob es gar unschuldig an diesen Ereignissen ein Opfer derber Götterscherze sei. Daß alle diese Thesen, wie jeder Mythos, ein Körnchen Wahrheit enthalten, diese Erkenntnis bleibt den Meisten unter ihnen freilich verwehrt. (...)
Gunananda - alias Matthias Liszt Kam mit 19 Jahren nach Wien, um mich dort meinen Studien zu widmen und dem doch etwas eingeschränkten Landleben zu entfliehen. Auf den Rat meiner Mutter widmete ich mich dem Yoga und durch das Hatha Yoga begann ich mich für die indische Mystik zu interessieren. Jedoch hatte ich schon als Kind das Bedürfnis, einen Schlüssel oder ein Tor zu einer anderen Welt zu finden. Meine Oma war Malerin und deswegen hatten meine Eltern auch ein starkes Interesse, mich künstlerisch zu fördern. Meinen ersten Fantasyroman schrieb ich mit elf Jahren und er war so im Stil von Terry Pratchett und seinen Scheibenweltromanen. In den letzten Jahren schrieb ich neben einem Fantasyroman mit dem Titel "der Anfang im Ende“ viele Kurzgeschichten, die das Leben der Jugendlichen und Künstler in Wien aus meiner Sicht beschreiben. Zeitweise ist meine Sicht meiner Umgebung und meines Umfeldes für die Leute am Anfang so fremd, dass sie glauben, es handle sich um ein fremdes Universum. Mein jetziges Projekt ist das Buch des Herzens oder "libu de koro", das ich momentan mit Künstlerfreunden mitgestalte. Hier mal eine Probe aus der Kurzgeschichte "Freund des Pferdes" : "Aufstehend aus der horizontalen vereinigte er sich mit der flüssigen Liebe und den Resten des Kaffees, mit einem Grinsen im Gesicht in angenehmer Atmosphären seiner Freunde und einer schönen Frau vor ihm und die Dinge kommentierend , die in jüngster Zeit passiert waren. Gedanken wurden in Schall verkörpert, in der Sprache seiner Heimat und einer blieb ihm in Erinnerung "Afterlife". ..."
Aus der Kurzgeschichte der Weg / Kapitel "Space Walk der Taube..." : und das grinsen eines verborgenen Mondes leitete das Spiel der Nacht ein. das Funkeln der Sterne in seiner Begleitung, in ihrer verlierenden Weite, vereint durch den Klang der Ewigkeit. der Mond, die Sterne am Himmel, sie schrieben ihre eigenen Gesetze, Geschichten, losgelöst von dem Denken der Erdenwesen. und die Wesen auf der Erde blicken zu den Sternen. Erleben ihre Leere und Weite, ihre Freiheit und tragen sie mit sich, oder es scheint so, nein Beides ist eins und das Gefühl ist wahr, und Anfang und Ziel sind eins und nebeneinander wie bei einem Ring, und ob sie nun dorthin wandern oder von dort kamen - die Verbindung ist da und die Verbindung ist wahr. Ob nun Ziel und Hoffnung oder Ursprung und Vergangenheit, der Geist fliegt in das Sternenreich, tanzt formlos umher und vergisst für einen kurzen Augenblick was dazwischen liegt. Aus dem "Libu de Koro" : "Es gibt eine Sonne, welche auf der Erde scheint und die Pflanzen wachsen läßt. Es gibt eine Sonne in mir, die mich wachsen läßt. Ihre Strahlen sind meine guten Gefühle und ihre Wärme sind meine guten Gedanken. Merke! Deine innere Sonne - Sie gibt dir Leben.... "
Irene Schanda {Henkersbraut, Lady Chandos, Eulalia} wurde im Jahre 1984 in diese Welt geboren und lachte, weil es sie gab. Neben einem Studium des Französischen und der Vergleichenden Literaturwissenschaft, seit über drei Jahren Schriftstellerei zur Selbsttherapie betreibend, versucht sie die Fähigkeit, zusammenhängend zu denken und zu sprechen, wiederzuerlangen und somit, den Geschmack der modrigen Pilze in ihrem Mund loszuwerden. Durch Schreiben von Prosa und Lyrik, von absurd über märchenhaft bis sozialkritisch, schafft sie es immer wieder, ihre Mund- & Kopfflora in Ordnung zu bringen. Seit einiger Zeit nimmt sie sich nun auch die Narrenfreiheit, ihre in gemalte Worte geformte Gedankenwelt zu teilen. Ich bin ein Palimpsest / Im Laufe der Zeit geboren, / man sieht von außen so manchen Rest / der noch nicht in mir verloren. Übereinander liegen die Schichten / und jede davon bin ich. / Sie sich Zeit und Verfall verpflichten, / deshalb siehst du nie vollständig mich. All das bin ich gewesen / und vieles werd’ ich noch sein, / willst du mich wirklich lesen, / so lass dich darauf ein. {(1) Ich bin ein Palimpsest} Mein ganzes Streben ist diesen Nächten zugewandt – nichts reizt mich mehr am Tag, sein grelles Kleid macht mich schaudern und im Schatten die Erinnerung an dich suchen. Ich kenne dich nicht. Doch als du mich zum ersten Mal in Armen hieltst, nahmst du mein Leben in festen Griff – du tatest, was ich selbst nie vermochte. […] Meine Arme sind nun und für immer für dich geöffnet. Komm zu mir. Lösche das Licht und zeig mir die Nacht. Nimm mir durch deinen Kuss die Kraft, sodass ich schwach an deiner Seite liegen kann. Lass mich die Welt vergessen, die dem Tag huldigt und die Nacht verschmäht. Lass deinen Schatten auf mich fallen und mich umschließen. Umsorge mich dann und schenke mir deine Kälte. Sei mein Vampir damit ich endlich lebe. {(2) Sei mein Vampir} Anstatt zu schweben ruckte und zuckte ich. Anstatt zu gleiten wurde ich angerempelt; ich hatte die Fläche nicht für mich alleine, sondern wurde von Massen bedrängt. So konnte ich nicht so tanzen, wie es mir gefiel. Der Rhythmus der Masse war zu durchdringend, zu penetrant – ich musste mich an ihn anpassen, sonst wäre ich erstickt. So glich mein Tanz mehr einer seltsam ruckartigen Bewegungsfolge als einem Ausdruck meiner selbst. Und ich wollte nichts anderes als aufhören. Doch eingequetscht zwischen schwitzenden Körpern war das ein Ding der Unmöglichkeit. Ich sah nicht einmal mehr den Rand der Tanzfläche. Die Masse bildete ein allumfassendes Meer und ich wurde langsam aber sicher ein Teil davon. Und sicher nicht der einzige, der die leise Hoffnung nicht aufgab, dass dieser Tanz doch noch aufhören würde. {(3) Der verhinderte Tanz} Du läufst herum in leeren Straßen und suchst sie. Wohl weißt du, dass sie schon lange fort ist, doch kriechst du zwischen eingefallenen Mauern und verschütteten Träumen herum. Nun hältst du an und lässt dich auf einem Steinsockel nieder, der vielleicht einmal ein Thron war. Du legst den Kopf in beide Hände und weinst. Dort, wo deine Tränen den Boden berühren, sprießen junge Triebe hervor. Efeuranken wachsen an dir empor, deine Traurigkeit wird von dunkelgrünen Blättern eingeschlossen. Nun erkenne ich und ich streife den Schleier von meinen Augen ab. Die Blätter, die einst durch meine Tränen gediehen, und mich nun schon so lange umgeben, weichen zur Seite und geben mir den Weg frei. Ich verlasse meine Stadt, die vielleicht noch immer steht, so wie deine – wer beurteilt schon, was Trümmer sind? – und gehe in den Garten, aus dem ich einst kam und dessen Existenz mir ganz plötzlich wieder bewusst wird. Doch immer noch kränzt Efeu mein Haar, denn er ist ein Teil von mir, den ich weder ablegen kann noch will. Ich gelange nach langer Zeit endlich wieder heim und trinke aus meiner Quelle, die mich durstig macht, nach mir und dem Leben. {(4) Der Platz, den ich mein glaubte}
Miriam E. T. Feher "I guess you could call her 'Nerdina'" "I think 'nerd' is gender neutral."
www.myspace.com/Lampenstiel/
Ausschnitt aus dem Niemandsland-Roman DIE DUNKLE SEITE DES REGENBOGENS: Vaol bog wieder in eine kleinere Straße ein und von dort zog es ihn weiter in immer verlassenere Gassen und Höfe. Schließlich machte er Halt vor einer dunklen Seitengasse. Naja, nicht so dunkel, um genau zu sein. Sie wäre gerne dunkel gewesen, aber das ist nachmittags, wenn sie Sonne herab scheint, gar nicht so leicht. Sagen wir, Vaol machte vor einer schattigen Seitengasse halt. Einige Holzfässer darin waren entlang der Häuserwand aufgereiht. An jedem war ein Schild angebracht: Glas, Metall, Papier, Rest und Bio. Zwei Einhörner machten sich gerade über das Fass mit dem Biomüll her. Es waren grundsätzlich prächtige Tiere. Sie sahen aus wie große, starke Schimmel, hatten aber keinen Schweif wie ein Pferd, sondern einen langen, dünnen Schwanz, der wie bei Löwenmännchen in einer Quaste endete. Auch hatten sie keine normalen Stehohren wie andere Pferde, sondern herabhängende Hängeohren wie Widderkaninchen. Es gibt durchaus auch schwarze, graue oder braune Einhörner. Diese hier aber waren alle weiß mit der leichten, für Schimmel üblichen, grauen Melierung. Vaol hätte sie gerne weggescheucht, aber es war ihm absolut verboten. Einhörner sind heilige Tiere. Man darf sie niemals gegen ihren Willen angreifen und schon gar nicht verletzten. Es gilt als eines der schlimmsten Vergehen, ein Einhorn zu töten. Die Drachen, Götter des Niemandslandes, kümmern sich höchstpersönlich darum, sollte doch jemand jemals dumm genug sein, ein Einhorn auf dem Gewissen zu haben. Und die Strafe für dieses Vergehen soll schlimmer als die Todesstrafe sein. Es heißt, der gesamte Planet wird dann, einer Atombombe gleich, in die Luft gejagt. So schlimm ist es, ein Einhorn umzubringen. So heilig gelten diese Tiere. Jetzt gibt es aber auf dem Planeten Niemandsland ein großes Einhornproblem. Da sich niemand traut, die Tiere zu verjagen oder zu töten, vermehren sie sich teilweise heftiger als australische Wildkaninchen. Besonders in den Stadtgebieten durchwühlen sie sämtliche Müllfässer und die Einwohner sind teilweise schon dazu gezwungen, eigene Einhorn-Abwehrmechanismen aufzustellen. Und da die Einhörner in praktisch jeder Religion als heilige Tiere gelten und es auch sind, traut sich niemand sie anzufassen, aufzuessen oder mit Gewalt zu verjagen. Nicht mal Atheisten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Einhörner für Unschuld, Neugier und leergefressene Müllfässer stehen. Vaol schwebte noch immer über dem Boden, um sich nicht noch schmutziger zu machen. Er wollte an den Einhörnern vorbei und klatschte in die Hände. “Schuh, Schuh!”, rief er. Eines der Tiere sah ihn desinteressiert an und schnappte nach Vaols Hemdsärmel. “Argh, wirst du das wohl lassen?!” Vaol wollte sich gerade nach etwas umsehen, das die Tiere weggelockt hätte, als eine Ratte aus dem Müll kroch und die Einhörner aufschreckte. “Ihhhhh!”, schrie Vaol ganz verzweifelt. Die Einhörner machten wiehernd ein ähnliches Geräusch und die Ratte erstarrte vor Angst, zitterte kurz und stahl sich in die Dunkelheit. Auch die Einhörner trabten los. Eines davon trat mit den Hinterbeinen aus und warf dabei das Müllfass neben Vaol um. „Ich hasse diesen Ort!“ Er hasste ihn wirklich. Vaols Hose troff bis in die Kniekehle vor nassem Schlamm. Der Dreck, der sich beim Schweben nicht von unten hinauf saugen konnte, war von oben mit dem Regen auf seine Kleidung geprasselt. Eine Bananenschale glitt ihm gerade vom Nacken aus den Rücken entlang hinunter und auf seiner Schulter klebte ein fetter Klecks aus Pastete und Zwiebelschalen. “Uah!”, ein Schauer durchfuhr ihn, während er mit den Fingerspitzen die Bananenschale wegschnipste, ein seidenes Taschentuch aus seinem Ärmel hervorzauberte und damit den Dreck aufklaubte. Er schüttelte ihn möglichst weit weg und sah sich nach dem nächsten Badehaus um, als ihm einfiel, dass alle Läden bereits längst geschlossen hatten. “Verdammter Müll!” Vaol überlegte, wieso er überhaupt hierher gekommen war und wunderte sich über sich selbst. Er war blindlings dieser Stimme gefolgt, dabei war er nicht mal esoterisch veranlagt oder so. Jedenfalls nicht mehr als es in seiner Natur lag. Wenn ihn ein Gott oder einer seiner Kollegen rief, dann hörte sich das vollkommen anders an. Also was um alles in der Welt hatte ihn dazu gebracht, mitten am hellichten Tag, wenn jede vernünftige Seele längst schlief, bei diesem grauenhaften Wetter, vor die Türe zu gehen? Sich in schmutzigen Seitengassen vorzuschlagen? Vaol strich sich mit den Fingern über die Schläfen, drehte sich um und ging wieder zurück.
Tereza Berankova
und dann wissen wir, schreibt lovecraft, dass wir durch die elfenbeintore zurück in jene welt des wunders geschaut haben, die uns gehörte, ehe wir weise und unglücklich wurden, und ich, schreibt sie zurück, bin es nicht.
vor die hunde oder helle welt wir gehen tagelang, nächtelang, müde mit ausgestreckten fingern nach allen himmelsrichtungen, nach land die sehnsucht, nach leeren städten. kinder heimatloser nächte, traumloser stunden zwischen dämmerung und dämmerung, endlos euphorisch in der fremde, die straßen kennen wir mittlerweile auswendig, vom anfang bis zum ende, lachen und sehnen den ersten Schnee herbei. freiheit, sagst du, heißt stillhalten, heißt nicht zu warten auf briefe. über der stadt die hölle und ich ganz hungrig, das nasse polster im nacken und auch deine hand, die erdachte krankheit, die wir zu fürchten vorgeben und sie lieben im geheimen und bis in den tod, die plötzlich leere herzkammer und kein entsetzen: sie haben uns alle melancholie ausgetrieben. schwere züge im osten, im norden das eis und gen westen keine rückkehr, die huren und die gassenjungen wie irrlichter in den schatten der häuserreihen, und bald auch sie verschwunden in der dunkelheit. es bleibt das meer, das ende kalter flüsse nachts, das wasser ist nie vorbei, sagst du. hier sein: ein wolfsding unter allen, ein schwarzes katzending jenseits der mauer. heute keine steine mehr "siwódnja" und "v konétschnom itóge" klebt auf lila zetteln auf dem plastikrand des bildschirms, das weißt du mittlerweile auswendig. die erinnerung liegt wie ein kind in deinem bauch. du nennst sie judith, und irgendwann hörst du auf zu weinen. jede abwesenheit hat einen grund und einen, der sie nicht erträgt, sagt das buntgebundene notizheft, und in den schneenächten hängt ein zerborstener spiegel von der decke über deinem bett, der hierbleiben wird mit all den anderen kleinen dingen. wir sehen und schwärmen und weinen sie an, sagst du, und dabei waren sie vielleicht schon tot, als wir noch nicht geboren worden sind, alles betrug, eine fünfzigjährige lichtverzögerung, sonst nichts, und du weißt nicht, ob du es sarkastisch oder grausam nehmen sollst, dass die natur uns unter leichen träumen lässt. zum hundertsten mal stellst du dir vor, wie du dein krankes herz zu erklären suchst, und dass das keine metapher sei. als du frühmorgens auf der autobahnbrücke stehst und dein gesicht gegen die kälte und wind hältst, weil du noch vor fünf minuten nicht wusstest wohin mit dir, musst du plötzlich lachen über alles und dass es in wirklichkeit keine von diesen geschichten gibt und am ende immer nur dieses weggehen bis wieder alles leer und in ordnung ist. "siwódnja" und "v konétschnom itóge" klebt auf lila zetteln auf dem plastikrand des bildschirms, und ich denke daran, dass das schon immer hier gewesen ist. du sagst im norden der welt ist es still und kalt ist dir auch anderswo, und überall deine blicke und deine finger und keine vergangenheit, und du sagst das ist schon gut so. die letzten wochen verbracht und verbrochen in wien und dann auseinandergehen und nicht wieder zurück, all die abschiede auf all den bahnhöfen dieser welt zusammengezählt und den eigenen versäumt, die kalte stirn auf der kalten zugfensterscheibe ist die letzte erinnerung, und ab morgen ist der norden die einzige welt, die es noch gibt.