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Die Paratuberkulose des Rindes – Eine Herausforderung an die Labordiagnostik

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Die Paratuberkulose, eine schleichende Erkrankung, die besonders Milchviehbetrieben zu schaffen macht und hohe Anforderungen an das Labor und die Tiergesundheitsdienste stellt. Die Paratuberkulose, auch Johne�sche Krankheit genannt, ist derzeit eine der bedeutendsten chronischen Infektionskrankheiten bei Rindern, die durch das Bakterium Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (Map) hervorgerufen wird. Die Paratuberkulose ist unheilbar und hat ihre gr��te Bedeutung in Milchviehbetrieben. Gem�� tierseuchenrechtlicher Vorschriften ist die Paratuberkulose meldepflichtig (BMLV, 2011). Mittlerweile kommt die Paratuberkulose in Deutschland bei Rindern fl�chendeckend vor (K�hler und M�bius, 2011; K�hler et al. 2011). Betroffen sind bei unseren Haustieren auch Schafe und Ziegen. Ein Zusammenhang mit der chronischen Darmerkrankung Morbus Crohn beim Menschen wird kontrovers diskutiert und ist bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen (K�hler et al. 2011; FLI, 2013).

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									19.09.2013




Die Paratuberkulose des Rindes – Eine Heraus-
forderung an die Labordiagnostik

Ein Bericht aus unserem Laboralltag


Die Paratuberkulose, eine schleichende Erkrankung, die besonders
Milchviehbetrieben zu schaffen macht und hohe Anforderungen an
das Labor und die Tiergesundheitsdienste stellt.


Die Paratuberkulose, auch Johne´sche Krankheit genannt, ist derzeit
eine der bedeutendsten chronischen Infektionskrankheiten bei Rindern,
die durch das Bakterium Mycobacterium avium subspecies paratuberculo-
sis (Map) hervorgerufen wird. Die Paratuberkulose ist unheilbar und hat
ihre größte Bedeutung in Milchviehbetrieben. Gemäß tierseuchenrechtli-
cher Vorschriften ist die Paratuberkulose meldepflichtig (BMLV, 2011).
Mittlerweile kommt die Paratuberkulose in Deutschland bei Rindern flä-
chendeckend vor (Köhler und Möbius, 2011; Köhler et al. 2011). Betroffen
sind bei unseren Haustieren auch Schafe und Ziegen.
Ein Zusammenhang mit der chronischen Darmerkrankung Morbus Crohn
beim Menschen wird kontrovers diskutiert und ist bisher nicht zweifelsfrei
nachgewiesen (Köhler et al. 2011; FLI, 2013).


             Infokasten
             Der Paratuberkulose-Erreger
             Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (MaP) ist der Erreger der




I
             Paratuberkulose. Zur Gruppe der Mycobakterien gehören auch die Erreger der
             Tuberkulose bei Mensch und Tier. Mycobakterien zeichnen sich durch chroni-
             sche und bei Tieren unheilbare Erkrankungen aus. Während bei unseren Nutz-
             tieren die Tuberkulose als getilgt gilt, ist die Paratuberkulose in Rinderbetrie-
             ben, insbesondere in Milchviehbetrieben, weit verbreitet. Der chronische Ver-
             lauf mit Schwächung und Abmagerung der Tiere verursacht in infizierten Be-
             ständen teilweise hohe Verluste. Für ein Bekämpfungsprogramm sind Hygie-
             nemaßnahmen und das rasche Erkennen und Entfernen infizierter Tiere aus
             dem Bestand besonders wichtig.



Die Infektion mit dem Paratuberkulose-Erreger findet bereits bei den Käl-
bern statt. Die starke Erregerausscheidung älterer, infizierter Tiere sowie
die hohe Stabilität des Erregers in der Umwelt tragen zu einem hohen

 ADRESSE Schaflandstraße 3/2 70736 Fellbach          E-MAIL Poststelle@cvuas.bwl.de
 TELEFON +49 711 3426 - 1234                         INTERNET www.cvua-stuttgart.de
 +49 711 3426 - 1727 (Diagnostik)                    ÖFFENTL. VERKEHRSMITTEL S-Bahn S2 und S3
 FAX +49 711 588176 +49 711 3426-1729 (Diagnostik)   Bus 60, 67 und 212 Haltestelle Fellbach Bahnhof
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Infektionsdruck in betroffenen Beständen bei. Der späten Phase eines
sichtbaren Krankheitsausbruchs mit Durchfall und Abmagerung (klinische
Phase) an Paratuberkulose erkrankter Tiere geht zuvor jahrelange Phase
mit nicht charakteristischen Symptomen wie Leistungsabfall und erhöhter
Krankheitsanfälligkeit voraus (subklinische Phase). Dies macht die klini-
sche Diagnose der Paratuberkulose und somit das Erkennen bereits erre-
gerausscheidender Tieren ohne labordiagnostische Untersuchungen be-
sonders schwierig.
Pathologisch anatomisch (Sektion) sind bei erkrankten Tieren eine hoch-
gradige Schleimhauthypertrophie mit Querfalten, die sich nicht verstrei-
chen lassen (Hirnwindungen ähnliche Darmstruktur) und starke Schwel-
lungen der Mesenteriallymphknoten sichtbar.
Eine Diagnosestellung ist bereits in einer frühen Phase wichtig, um Erre-
gerausscheider und somit Infektionsquellen frühzeitig aus dem Bestand
entfernen zu können.




Abbildung 1: An Paratuberkulose erkrankte, abgemagerte Kuh (Bildquelle:
Rindergesundheitsdienst Stuttgart).




Abbildung 2: Flüssiger Kot einer an Paratuberkulose erkrankten Kuh
(Bildquelle: Rindergesundheitsdienst Stuttgart).
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Chronische, granulomatöse Enteritis einer an Paratuberkulose erkrankten
Kuh. Sichtbar ist eine hochgradige Verdickung der Ileumschleimhaut (Bild
oben) mit Querfalten, die sich nicht verstreichen lassen (hirnwindungs-
ähnliche Darmstruktur) (Bild oben und unten) (Bildquelle: Pathologie,
CVUA Stuttgart).


Die Maßnahmen der Paratuberkulose-Bekämpfung stützen sich vor
allem auf eine Paratuberkulose-freie Jungtieraufzucht, Hygienemaß-
nahmen sowie das rasche Erkennen und Entfernen infizierter und somit
Map-ausscheidender Tiere aus den Beständen (BMLV, 2013; BMLV,
2005; Resch, 2012). Eine Bekämpfung der Paratuberkulose bedarf einer
auf Jahre konzipierten Strategie und wird in Baden-Württemberg von der
Tierseuchenkasse unterstützt.


Die Labordiagnostik der Paratuberkulose ist und bleibt eine Herausfor-
derung (Beckmann, 2012). Gründe hierfür sind die unregelmäßige (inter-
mittierende) Ausscheidung des Erregers, die ungleichmäßige Verteilung
von Map in teilweise geringen Mengen in Nestern im Kot, sowie die hohe
Stabilität der Map-Keime. Zudem ist der Erregernachweis durch das lang-
same Wachstum der Map-Keime, das zusätzlich durch Begleitkeime im
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Kot gehemmt werden kann, und das Vorkommen von Stoffen im Kot, die
die PCR-Reaktionen massiv hemmen, erschwert. Der Nachweis von spe-
zifischen Antikörpern gegen Map ist oftmals erst Jahre nach der Infektion
erfolgreich.
Grundlage der Paratuberkulose-Diagnostik bilden derzeit einerseits der
Nachweis von MAP auf speziellen Nährböden (direkter Erregernachweis
durch Anzucht) sowie der Nachweis spezifischer Antikörper gegen MAP in
infizierten Tieren mittels ELISA (indirekter serologischer Erregernachweis)
(FLI, 2013).
Da die Anzucht von Map aus Kotproben über einen Zeitraum von 12 Wo-
chen durchgeführt wird, rücken rasch durchführbare diagnostische Metho-
den wie die PCR für den direkten Erregernachweis in den Vordergrund.
Beide Methoden können innerhalb weniger Tage durchgeführt werden und
sind für eine rasche Diagnosestellung besonders geeignet. Dieses Vorge-
hen ist deshalb in der Paratuberkulose-Verordnung Österreichs festge-
schrieben (RIS, 2006).




Darstellung von Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis in der
sog. Ziehl-Neelsen-Färbung als säurefeste Stäbchenbakterien im Kot ei-
ner massiv an Paratuberkulose erkrankten Kuh. Auffallend ist die Anhäu-
fung der Bakterien in Nestern (Bildquelle: Bakteriologie, CVUA Stuttgart).
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Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis-Kolonien auf HEYM-Agar
(Herrold´s Egg Yolk Agar) nach 12 Wochen (Bildquelle: Bakteriologie,
CVUA Stuttgart).




Nachweis von Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis mittels Real-
Time PCR (Bildquelle: Bakteriologie, CVUA Stuttgart).




Nachweis von Antikörpern gegen Mycobacterium avium subsp. paratuber-
culosis mittels ELISA. Positive Reaktionen in den gelb gefärbten Vertie-
fungen (Bildquelle: Serologie, CVUA Stuttgart).
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Ein Projekt zur Verbesserung Labordiagnostik der Paratuberkulose
hatte zum Ziel, die Aufbereitung von Kotproben für den raschen Nachweis
von Map mittels PCR innerhalb weniger Tage zu optimieren. Dieses Pro-
jekt wurde durch die Unterstützung der Tierseuchenkasse Baden-
Württemberg möglich und in Zusammenarbeit mit dem Rindergesund-
heitsdienst Stuttgart und dem Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungs-
amt – Diagnostikzentrum Aulendorf durchgeführt.
Mit Hilfe eines in die Aufbereitung von Kotproben zusätzlich integrierten
Filtrationsschritts zur Extraktion von DNA für eine anschließende Untersu-
chung mittels Real-Time PCR konnte die Nachweisempfindlichkeit des
Map-Keimes um 25% gesteigert werden. So konnten insgesamt 85% aller
in der bakteriologischen Kultur auf HEYM-Agar (Herrold´s Egg Yolk-Agar)
Map-positiven Kotproben sowie 100% der stark und 95% der mittelstark
Map ausscheidenden Tiere erkannt werden. Somit ist es möglich, den
Großteil der für eine Erregerverbreitung verantwortlichen Rinder rasch zu
erkennen und somit sehr viel früher als bisher aus den Beständen zu ent-
fernen. Mit Hilfe von PCR-Untersuchungen in Verbindung mit serologi-
schen Untersuchungen (Nachweis von Antikörper gegen Map mittels
ELISA) können die Ergebnisse zweier grundlegender labordiagnostischer
Tests zur Paratuberkulose zeitgleich innerhalb weniger Tage vorliegen
und somit rasch Einblick in das Infektionsgeschehen eines Bestandes
geben.



Das Projekt zur Labordiagnostik der Paratuberkulose wurde freund-
licherweise durch Mittel der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg
unterstützt.



Die Ergebnisse des Projektes sind in der folgenden Fachpublikation
aufgeführt:
Sting, R., M. Hrubenja, J. Mandl, G. Seemann, A. Salditt, S. Waibel
(2013): Detection of Mycobacterium avium subsp. paratuberculosis in fae-
ces using different procedures of pre-treatment for real-time PCR in com-
parison to culture. Veterinary Journal. doi: 10.1016/j.tvjl.2013.08.033.
Diese Arbeit wurde durch Mittel der Tierseuchenkasse Baden-
Württemberg unterstützt



Quellenhinweise
Beckmann, K. (2012): Paratuberkulose – Grenzen von Diagnostik und
Sanierungsprogrammen. Nutztierpraxis Aktuell 40, 12-14.
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BMLV (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrau-
cherschutz) (2013): Die Paratuberkulose des Rindes.
www.bmelv.de/DE/Landwirtschaft/Tier/Tiergesundheit/Tierseuchen/Ander
erTierkrankheiten/AndereTierkrankheiten_node.html


BMLV (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrau-
cherschutz) (2011): Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten in
der Fassung der Bekanntmachung vom 11. Februar 2011. BGBl. I ,Nr. 29,
S. 1576.


BMLV (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbrau-
cherschutz) (2005): Bekanntmachungen des Bundesministeriums für Ver-
braucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Leitlinien für den Umgang
mit der Paratuberkulose in Wiederkäuerbeständen (Paratuberkuloseleitli-
nien) vom 17. Januar 2005. Bundesanzeiger vom 10.02.2005, S. 2165.
www.animal-health-online.de/gross/2005/02/20/rinderpraxis-
paratuberkuloseleitlinien-veroeffentl/7205/


FLI (Friedrich-Loeffler-Institut) (2013): Nationales Referenzlabor für Para-
tuberkulose. Stand: 29.05.2013
www.fli.bund.de/de/startseite/institute/institut-fuer-molekulare-
pathogenese/referenzlabore/nrl-fuer-paratuberkulose.html


Köhler, H., P. Möbius (2011): Paratuberkulose. Tiergesundheitsjahresbe-
richt. Paratuberkulose. Friedrich-Loeffler-Institut. 12. Jahrgang 2012,
ISSN 1867-9374, Seite 77-79.
http://www.fli.bund.de/de/startseite/publikationen/tiergesundheitsjahres
berichte.html

Köhler, H., E. Borrmann, P. Möbius, C. Menge (2011): Paratuberkulose –
Handlungsbedarf     und   Handlungsoptionen.      Jahresbericht.    Friedrich-
Loeffler-Institut. ISSN 2192-4031, Seite 56-61.
http://www.fli.bund.de/no_cache/de/startseite/publikationen/jahresberichte-
des-fli.html


Resch, K. (2012): Was muss ich tun bei der Diagnose Para-Tb. Fragen
zur Tiergesundheit. Tiergesundheit. Milchpraxis 50, 22-23


RIS (Bundeskanzleramt –Rechtsinformationssystem) (2006): Verordnung
der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen über ein Überwa-
chungsprogramm zur Bekämpfung der klinischen Paratuberkulose bei
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Wiederkäuern (Paratuberkulose – Verordnung). Bundesgesetzblatt für die
Republik Österreich II Nr. 48, Jahrgang 2006, ausgegeben am 7. Februar
2006. www.ris.bka.gv.at/, Suchbegriff: Paratuberkulose-Verordnung.



Autor: Dr. Reinhard Sting

								
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