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Nahrungsergaenzungsmittel mit Artischockenextrakt oder „Slim and Slender“ – mit einem „Shot“ zur Wunschfigur?

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Nahrungsergaenzungsmittel mit Artischockenextrakt oder „Slim and Slender“ – mit einem „Shot“ zur Wunschfigur? Powered By Docstoc
					03.09.2013




Nahrungsergänzungsmittel mit Artischocken-
extrakt
oder
 „Slim and Slender“ – mit einem „Shot“ zur
Wunschfigur?
Ein Bericht aus unserem Laboralltag


So ein Schuss geht am Ziel vorbei: Über Teleshopping und Internet
vertriebene Nahrungsergänzungsmittel mit Artischockenextrakt ma-
chen nur den Geldbeutel schlanker.

                                                     Innerhalb der letzten Monate wur-
                                                     den vom CVUA Stuttgart drei ver-
                                                     schiedene Produkte untersucht (ins-
                                                     gesamt acht Proben), die als „Nah-
                                                     rungsergänzungsmittel mit Artischo-
                                                     ckenextrakt“ bezeichnet waren. Die
                                                     flüssigen Produkte werden in Porti-
                                                     onspackungen von bis zu 60 ml an-
                                                     geboten.


Bereits durch die Produktbezeichnung selbst und/oder bildliche Darstel-
lungen auf der Verpackung wird eine schlankmachende Wirkung sugge-
riert – gern verwendet werden Abbildungen von glücklich lächelnden
Frauen mit Maßbändern um die schlanken Hüften oder mit viel zu weiten
Jeans.




In der weiteren Bewerbung werden in abwertender Weise übergewichtige
Personen oder Körperteile dargestellt.

Ein Produkt wird inzwischen auch über große Handelsketten vermarktet!




 ADRESSE Schaflandstraße 3/2 70736 Fellbach            E-MAIL Poststelle@cvuas.bwl.de
 TELEFON +49 711 3426 - 1234                           INTERNET www.cvua-stuttgart.de
 +49 711 3426 - 1727 (Diagnostik)                      ÖFFENTL. VERKEHRSMITTEL S-Bahn S2 und S3
 FAX +49 711 588176 +49 711 3426-1729 (Diagnostik)     Bus 60, 67 und 212 Haltestelle Fellbach Bahnhof
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Außer in der Kennzeichnung selbst erfolgte die Bewerbung zusätzlich

                                                             über sog. „Wochen-
                                                      prospekte“, bei denen über
                                                      einen sog. „QR-Code“ per
                                                      Handy auf TV-Shopping-
                                                      Seiten der jeweiligen Einzel-
                                                      handelskette und/oder auf
                                                      YouTube-Werbevideos gelei-
                                                      tet wird,
                                                             durch Abspielen
                                                      von Werbevideos vor Ort und
                                                             mittels s og . „Dis-
                                                      plays“, d. h. exponiert positio-
                                                      nierter Großgebinde und
                                                      sonstiger Hinweise wie z.B.
                                                      „TV-Original“ etc.

Die Beiträge auf TV-Shoppingkanälen bzw. im Internet sind sehr reiße-
risch aufgemacht. In Sekundenschnelle schrumpfen übergewichtige Kör-
per – unterlegt mit Werbesprüchen wie „Vergessen Sie quälende Diäten
und anstrengende körperliche Betätigung“.
Angebliche „Wissenschaftler“ präsentieren ihre „neuesten Forschungser-
gebnisse“ – Bei einer Werbesendung wurde es stellenweise absurd: In
zwei Pfannen wurde jeweils eine Portion Fett erhitzt – die Zugabe von 60
ml eines „Schlankheitsmittel“ auf Wasserbasis ließ das Fett schneller
„verbrennen“.
Mit dem Fettstoffwechsel des Menschen hat diese Darstellung absolut
nicht gemeinsam und zeigt einmal mehr die Unseriosität des Anbieters.

Als besonders fragwürdig erscheint auch die Produktplatzierung in regulä-
ren TV-Sendungen. In einem Beitrag eines Privatsenders zum Thema
„Ewige Schlankheit“ wurde eine übergewichtige Frau beim Verzehr eines
eindeutig identifizierbaren Produktes gezeigt.

            Infokasten
            Die Artischocke (Cynara cardunculus, Syn. Cynara scolymus) ist eine distelar-
            tige, kräftige Kulturpflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die
            Sortengruppe der Artischocken wird wegen ihrer essbaren knospigen Blüten-
            stände angebaut und als Blütengemüse verzehrt (Quelle: Wikipedia).

            Artischockenpräparate gibt es im Handel sowohl als apothekenpflichtige oder




i
            freiverkäufliche Arzneimittel als auch als Nahrungsergänzungsmittel. Die Un-
            terschiede ergeben sich hauptsächlich in der Qualität der verwendeten Arti-
            schockenextrakte sowie der Höhe der Dosierung (s. Ökotest 2008:
            http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=66503&bernr=06 ).

            Artischockenextrakte wirken fördernd auf Gallebildung und Gallefluss und
            werden traditionell zur Behandlung von „dyspeptischen Beschwerden“ (Ver-
            dauungsstörungen), gekennzeichnet durch Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Blä-
            hungen oder Übelkeit eingesetzt. Für Artischockenblätter existiert hierzu eine
            Positiv-Monographie der Kommission E (Cynarae folium, BAnz-Nr. 122 vom
            06.07.88).

            Eine „schlankheitsfördernde“ oder gar „schlankmachende“ Wirkung ist wissen-
            schaftlich nicht bewiesen.
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Die Rechtslage...doch wen kümmert‘s
Nach europäischem Recht handelt es sich bei Angaben, die schlank ma-
chende oder gewichtskontrollierende Eigenschaften eines Lebensmittels
beschreiben um „gesundheitsbezogene Angaben“ (Claims), die ohne eine
wissenschaftliche Prüfung und ausdrückliche Zulassung nicht verwendet
werden dürfen. Näheres zum Zulassungsverfahren und Informationen
über zugelassene und abgelehnte Claims in unserem Beitrag „Zerknirscht-
Nahrungsergänzungsmittel für die Gelenkgesundheit“
(http://www.cvuas.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=2&ID=1728&P
df=No)
Grundsätzlich untersagt sind Hinweise auf Dauer und Ausmaß der Ge-
wichtsabnahme.

In der Realität scheren sich die Anbieter der untersuchten Produkte nicht
um diese Vorschriften und ziehen den Verbraucher mit stark überhöhten
Preisen für unwirksame Produkte über den Tisch.


Kaum nachvollziehbare Vertriebswege
Auslieferung der Erzeugnisse über Österreich, Herstellung in Spanien
oder Serbien, Vertrieb über im Ausland firmierende Shoppingkanäle - der-
art undurchsichtige und beliebig wechselnde Vertriebswege erschweren
es der Lebensmittelüberwachung, der Verantwortlichen habhaft zu wer-
den.
Bemerkenswert war in einem Fall, dass die deutsche Adresse eines Te-
leshops kurze Zeit nach der Probeentnahme nicht mehr erreichbar war,
sondern nur noch eine Adresse in den Niederlanden. Ein anderer Tele-
shop ging nach Begutachtung einer Probe lt. Information der zuständigen
Behörde in Konkurs.


Unsere Ergebnisse
Zunächst die gute Nachricht: keine Probe enthielt pharmakologisch wirk-
same Stoffe, wie z.B. Sibutramin (http://de.wikipedia.org/wiki/Sibutramin).
Bei über das Internet vertriebenen „Schlankheitsmitteln“ besteht grund-
sätzlich die Gefahr, dass – um überhaupt eine Wirkung zu erzielen – ohne
Deklaration Arzneistoffe zugesetzt werden, die ggf. die Gesundheit des
Verbrauchers gefährden.

Ausnahmslos wurde die Aufmachung und die Bewerbung der Produkte als
irreführend beanstandet. Für die Behauptung, Artischockenextrakt wäre
schlankheitsfördernd gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Dies gilt
auch für die weiteren Zutaten der Produkte.
Das Unionsregister gibt eine Übersicht über die innerhalb der EU derzeit
zugelassenen und abgelehnten Claims
(http://ec.europa.eu/nuhclaims/?event=search&CFID=305&CFTOKEN=4a
de24c077a29b35-9A86275C-DF91-48FC-
86D312843CE31027&jsessionid=9212195e191721c5341e373144232280
227bTR). Bisher wurden alle Werbeaussagen, die in Bezug auf eine Re-
duktion des Körpergewichtes stehen, wegen mangelnder wissenschaftli-
cher Grundlagen abgelehnt.
Dies gilt auch für weitere, angeblich schlankheitsfördernde Zutaten der
Produkte wie Grüner Tee, Coffein, L-Carnitin, Ananassaft, Apfelessig etc.

Auch die materielle Untersuchung gab Anlass zu Beanstandungen.
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Eine Probe enthielt für Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassene Zu-
satzstoffe (Stabilisatoren E444 und E445). In mehreren Proben war der
angegebene Gehalt einiger Vitamine unterschritten.


Was kann der Verbraucher tun?
Trotz eindeutiger Rechtsvorschriften ist die Bewerbung von Nahrungser-
gänzungsmitteln häufig irreführend und spielt bei „Schlankheitsmitteln“ mit
dem Wunsch des Verbrauchers, ohne körperliche Anstrengung zu
schlemmen und trotzdem eine „gute Figur“ zu machen.
Grundsätzlich gilt auch hier die alte Weisheit, dass ohne eine Reduktion
der Kalorienaufnahme und Änderung des Lebensstils keine nachhaltige
Gewichtsabnahme möglich ist. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag
„Schlank im Schlaf“
(http://www.cvuas.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=2&ID=1653).

Verbraucherinformationen für „Schlankheitsprodukte“ mit Artischockenex-
trakt finden sich auch auf der Internetseite des Bundesverbandes der Ver-
braucherzentralen http://www.lebensmittelklarheit.de.


Bildernachweis:
Artischocken: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt, pixelio.de, Image-ID: 366090
Big Pants, Getty Images, Creative-Bild-Nummer: 175487870
Overweight Man, Getty Images, Creative-Bild-Nummer: 170619584
Beispiel eines Werbehinweises: CVUA Stuttgart


Autor:
Dr. Christiane Lerch

				
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posted:9/16/2013
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Description: Innerhalb der letzten Monate wurden vom CVUA Stuttgart drei verschiedene Produkte untersucht (insgesamt acht Proben), die als „Nahrungserg�nzungsmittel mit Artischockenextrakt“ bezeichnet waren. Die fl�ssigen Produkte werden in Portionspackungen von bis zu 60 ml angeboten.